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	<title>Eckige Gedenktage Archive &#8211; Religionsphilosophischer Salon</title>
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	<description>... eine Einladung zum Mitdenken und Mitdiskutieren</description>
	<lastBuildDate>Mon, 06 Jul 2026 18:50:48 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Der 17.5.: Ein Aktionstag für die Menschenrechte queerer (homosexueller) Menschen … auch in der katholischen Kirche.</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/22107_der-17-5-ein-aktionstag-fuer-die-menschenrechte-queerer-homosexueller-menschen-auch-in-der-katholischen-kirche_befreiung</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 15 May 2026 16:22:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Alternativen für eine humane Zukunft]]></category>
		<category><![CDATA[Befreiung]]></category>
		<category><![CDATA[Eckige Gedenktage]]></category>
		<category><![CDATA[Der 17.5. als Aktionstag für die Rechte von queers]]></category>
		<category><![CDATA[der Paragraf 175]]></category>
		<category><![CDATA[die widersprüchlichen Lehren des katholischen Katechismus zur Homosexualität]]></category>
		<category><![CDATA[Herman Verbeek priester homosexuell]]></category>
		<category><![CDATA[Jacques Perotti offen homosexueller Priester]]></category>
		<category><![CDATA[katholische Kirche immer noch queer-feindlich]]></category>
		<category><![CDATA[was bedeutet der 17.5.]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der 17. Mai ist der internationale „Aktionstag gegen Diskriminierung von queeren Menschen“, offiziell: „Internationaler Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Trans-phobie“. Dieser Aktionstag ist dringend geboten zugunsten der universell geltenden Menschenrechte selbstverständlich auch für queere Menschen. Selbst in einer eher noch liberal-toleranten Stadt Berlin nehmen die Aggressionen gegen queere Menschen zu, d.h. Pluralität und übliche Vielfalt in einer demokratischen Gesellschaft sollen zurückgedrängt werden.<br />
uch für die katholische Kirche ist dieser 17.5. wichtig: Sie muss sich fragen, wie versteinert sie in ihrer Haltung katholischen Homosexuellen und Queers igegnüber st. Die Antwirt: Die katholsiche Kirche ist da sehr versteinert!</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/22107_der-17-5-ein-aktionstag-fuer-die-menschenrechte-queerer-homosexueller-menschen-auch-in-der-katholischen-kirche_befreiung">Der 17.5.: Ein Aktionstag für die Menschenrechte queerer (homosexueller) Menschen … auch in der katholischen Kirche.</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Hinweis von Christian Modehn am 15.5.2026</p>
<p>Am 5.6.2026: Ü<em>ber den Widerstand der katholischen Bischöfe in Polen gegen die Menschenrechte der Homosexuellen Anfang Juni 2026: <a href="https://katholisch.de/artikel/68894-polens-bischoefe-foerdern-widerstand-gegen-gleichgeschlechtliche-ehen">LINK    </a></em>Dies ist nur ein Beispiel für die weltweite Abwehr der Menschenrechte für Homosexuelle und Queers durch die katholische Kirchenführung. Dass diese Feindschaft gegen Queers durch die klerikale Kirche in Deutschland meist etwas milder ausfüllt, ist wohl auch der Angst der Bischöfe hierzulande geschuldet, sehr schnell eine &#8222;schlechte Presse&#8220; zu erhalten.  Jedenfalls ist mir nicht bekannt, dass sich Bischöfe in Deutschland gegen den Homohass ihrer Bischofskollegen etwa in Afrika, Uganda, Kenia usw. öffentlich äußern und die Homosexuellen dort explizit verteidigen und den Flüchtlingen wegen sexueller Diskriminietrung hier in Deutschland dann explizit Unterstützung und Unterkunft gewähren. Diese ganze jetzt viel zitierte &#8222;Toleranz&#8220; der offiziellen römischen Kirche ist eigentlich nicht ernst zu nehmen.</p>
<p>&#8230;&#8230;</p>
<p><em>Unser Motto:</em> Man glaube nur nicht, dieses Thema sei ein Randthema. Es berührt das veraltete und falsche Selbstverständnis katholischer Moral: Sie behauptet: Kirchenmoral steht über den Menschenrechten.<br />
Also: Wir bieten Hinweise zum Verständnis einer aussichtslosen Debatte, aussichtslos, wegen der offenbar niemals zu begrenzenden klerikalen Macht alter Männer im Vatikan…</p>
<p>1.<br />
Der 17. Mai ist der internationale „Aktionstag gegen Diskriminierung von queeren Menschen“, offiziell: „Internationaler Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Trans-phobie“. Dieser Aktionstag ist dringend geboten zugunsten der universell geltenden Menschenrechte selbstverständlich auch für queere Menschen. Selbst in einer eher noch liberal-toleranten Stadt Berlin nehmen die Aggressionen gegen queere Menschen zu, d.h. Pluralität und übliche Vielfalt in einer demokratischen Gesellschaft sollen zurückgedrängt werde. Zur Intoleranz etwa der AfD gegen queere Menschen siehe unter den zahlreichen Studien nur ein Beispiel: <a href="https://echte-vielfalt.de/lebensbereiche/lsbtiq/die-afd-und-ihre-positionen-gegen-lgbtiq-rechte-ein-kurzer-ueberblick-vor-der-wahl-2025/">LINK</a></p>
<p>2.<br />
<em>Der 17.5. als politisches Datum bezieht sich auf den in der BRD bis 1994 geltenden „Paragraphen 175“,</em> der schon in der Weimarer Republik die Unmenschlichkeit zementierte. Und der sich dann in der Naziherrschaft ungebrochen fortsetzte und weiter bruchlos bis 1994 in der BRD offiziell galt. Die vollständige Abschaffung des § 175 in der DDR im Jahr 1968.</p>
<p>3.<br />
Unserem religionskritischen Schwerpunkt entsprechend fragen wir:<br />
Was bedeutet dieser internationale Aktionstag für die Katholische Kirche und die Katholiken? Die Frage ist aktuell, weil vom Vatikan in den letzten Wochen wieder einmal und wie immer deutliche Vorbehalte massiv geäußert werden, diesmal selbst gegen die von Papst Franziskus ermöglichte sehr bescheidene und sehr zurückhaltende Segnung von homosexuellen Paaren in katholischen Kirchengebäuden. Papst Leo hat darauf hingewiesen, dass die Diskussion zu Fragen des Friedens dringender wären als dieses „Thema“ zur Sexualität. Aber Papst Leo lenkt dabei von der entscheidende Frage ab, die zum tausendstenmal gestellt werden muss: Sind queere Katholiken mit ihrer Forderung nach Segnung ihrer Lebens-Gemeinschaft und ihrer Ehe zweitrangige, weniger wertvolle Katholiken als die Heteros? Die eindeutige Antwort: Ja, das ist so, und das weiß auch Papst Leo. Er sieht sich als Förderer der alten hetero-normativen Sexualmoral, damit aufs engste verbunden mit anderen fundamentalistischen Moral-Aposteln aller Religionen und christlichen Konfessionen. Trump und die Seinen werden sich freuen, in dem Punkt mit Leo einer Meinung zu sein…Zur üblichen katholischen Segnung von Autos, Handys, Tieren, und Waffen: <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/1111_tiere-segnen-oder-menschen-segnen_philosophische-satire">LINK</a></p>
<p>4.<br />
<strong>Diese offizielle katholische Lehre muss, vom universell geltenden Menschenrechtsstandpunkt aus gesehen, als eine Unverschämtheit betrachtet werden.</strong> Sie ist, wie gesagt, eine Ablehnung der Menschenrechte, weil sie völlig falsch eine Vorrangstellung kirchlicher, katholischer Moral ÜBER den Menschenrechten behauptet und mit politischen Freunden von Rechts und Rechtsaußen durchzusetzen wagt. Da mag der offizielle, bis heute gültige „Katechismus der katholischen Kirche“, Vatikanstadt 1993, noch ein bißchen menschenfreundlich schwadronieren: Dort heißt es: Die (heterosexuellen) Katholiken sollten den Homosexuellen, so wörtlich, „mit Achtung, Mitleid und Takt begegnen“ (§ 2358 im Katechismus: Die Heteros sollen wohl denken: O je o je, diese armen schwulen Sünder, haben wir doch mit ihnen ein bißchen taktvolles Mitleid.)<br />
Dann heißt es sogar in diesem Katechismus: “Man hüte sich, Homosexuelle in irgendeiner Weise ungerecht zurückzusetzen“. Klingt ja nett. ABER: In dem Paragraphen zuvor, also wenige Zeilen entfernt, schreiben die Autoren dieses Katechismus, offenbar wie im Zustand der Schizophrenie: <em>„Homosexuelle Handlungen in sich sind nicht in Ordnung, sie verstoßen gegen das natürliche Gesetz, sie sind in keinem Fall zu billigen“.</em> Darum die weitere Ungeheuerlichkeit dann in §2359: „Homosexuelle Menschen sind zur Keuschheit gerufen…Nur so könne sie sich der christlichen Vollkommenheit annähern“. Das heißt im Klartext: Homosexuelle Liebe, also erotisch und selbstverständlich sexuell geprägte Liebe darf es nicht geben. Die Papst &#8211; Kirche maßt sich an, bestimmten Menschen die Liebe zu verbieten. Nebenbei: Offenbar sind diese empörenden Forderungen des Papstes auch an die vielen schwulen Priester adressiert: Zwischen den Zeilen lese man: Die schwulen Priester, Bischöfe und Kardinäle mögen es doch nicht „übertreiben“… In dem Zusammenhang ist auch wichtig: „Masturbation wird als eine in sich schwere ordnungswidrige Handlung gebrandmarkt“ (zit. : § 2352 im Katechismus).</p>
<p>5.<br />
<strong>Anläßlich des 17.5. Aktionstages ist wichtig:</strong></p>
<p>Den eigenen Weg der Befreiung als queere Katholiken selbstbewusst weitergehen und den bis heute von Rom propagierten de facto Ausschluss von queeren Menschen von allen Menschenrechten durch die Kirche schlicht und einfach &#8211; weiterhin &#8211; ignorieren. Sich bitte nicht die Liebe verbieten lassen. Irgendwann gibt es keine queeren Katholiken mehr, die auf die Weisungen des Papstes, des Vatikans, hören.<br />
Angesichts der zunehmenden rechtsradikalen politischen &#8211; homophoben &#8211; Macht in ganz Europa wäre eigentlich von der katholischen Kirche als Institution Widerstand dagegen zu erwarten.</p>
<p>Die offizielle Ablehnung der umfassenden Gleichberechtigung queerer Katholiken durch den Papst und den Vatikan usw. gleicht, wie schon angedeutet, sehr fundamentalistischen Strömungen im Islam, im (ultra-)orthodoxen Judentum und eben auch in den alten wie neuen Varianten der Nazi &#8211; Ideologie. Man sollte den Papst und die seinen öffentlich fragen: Fühlen Sie sich in diesen Kreisen wirklich wohl? Es scheint jedenfalls so, sonst würden sich diese Herren anders äußern…</p>
<p>6.<br />
Warum diese offiziell &#8211; katholische Feindlichkeit gegenüber queeren Menschen? Mehrere Gründe müssen genannt werden, hier in gebotener Kürze:<br />
<em>Die katholische Kirche kann vom Vatikan aus wie auch von den einzelnen Bischofskonferenzen nur noch sehr geringen politischen Einfluß in den meisten Staaten ausüben, dabei will sie doch „Mater et Magistra“ sein, „Mutter und Lehrermeisterin“ aller.</em> So flüchtet sich die offizielle Kirche und ihre Theologie etwa in „Pro-Life-Unterstützungs-Aktvitäten“ und versucht, im Zusammenhang mit reaktionären Parteien, katholische Moralprinzipien durchzusetzen. In Frankreich ist diese Koalition von politisch Reaktionären und konservativ &#8211; reaktionären Katholiken evident, man denke an die heftigsten Debatten und Demonstrationen gegen die von der Republik dann doch durchgesetzte „Ehe für alle“ zu Beginn des 21. Jahrhunderts.</p>
<p>7.<br />
Der Vatikan, der Papst, glauben Rücksicht nehmen zu müssen auf die auch politisch bedingte gewalttätige Feindschaft gegenüber Homosexuellen in den meisten afrikanischen Staaten: Dort sind auch die katholischen Bischöfe heftigste Verteidiger der repressiven Homo-Politik. Und weil in vielen Ländern Afrikas sich sehr viele Menschen taufen lassen, will man dieses zahlenmäßige Wachstum nicht stoppen. Die queer-freundlichen Forderungen europäischer Katholiken spielen dann in der Sicht des Papstes rein taktisch, zahlenmäßig betrachtet, keine Rolle. Vielleicht hat der Vatikan manche europäische Länder, katholische &#8222;Bastionen&#8220; einst, längst abgeschrieben: Frankreich, Irland, Spanien, Holland, Deutschland sicher auch, obwohl man sich im Vatikan immer noch über großzügige Geldspenden aus Deutschland freut…</p>
<p>8.<br />
Darüber spricht niemand mehr: Sehr viele (vor allem jüngere) Priester in allen Ordensgemeinschaften, in allen Bistümern, auch im Vatikan, sind homosexuell. Das zeigen immer wieder Interviews und vorsichtige Umfragen. Viele schwule Priester wollen mit der Propaganda queer-feindlichen Moral des Vatikans ablenken von der Frage: Wie sieht es denn mit eurem zölibatären Leben aus? Wie ist es mit euren privaten Homo-Freundschaften bestellt usw. Siehe das auch wie aktuelle Buch „Sodom“ des Journalisten und Soziologen Frédéric Martel: <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/12047_das-buch-sodom-von-frederic-martel_religionskritik">LINK</a></p>
<p>9.<br />
Die Frage ist: Wie lange wird der Vatikan noch dulden, dass es in deutschen Klöstern und Ordensgemeinschaften ganz offiziell einige Mitglieder gibt, die sich mit der Initiative „outinchurch“ auch öffentlich eng verbunden wissen, etwa zwei ? Augustiner in ihrem Kloster in Würzburg, vielleicht sollte sich Papst Leo, selbst Mitglied im Augustinerorden, von denen mal belehren lassen. <a href="https://www.outinchurch.de/">LINK</a>:</p>
<p>10.<br />
<strong>Die aktuellen Debatten über die Ablehnung der Segnung homosexueller Paare durch den Vatikan sollen  </strong><strong>die Erinnerung an die kirchlichen Verbrechen an Homosexuellen während vieler Jahrhunderte verschleiern, wenn nicht gar auslöschen.</strong> Es sind Verbrechen der Kirche, die historisch gar nicht deutlich dokumentiert sind, weil es einfach der Kirche selbst zu peinlich war, die eigenen Untaten an den zu Sündern und Verbrechen erklärten Menschen, den Homosexuellen, zu dokumentieren.<br />
Immerhin hat der offen homosexuelle Priester Jacques Perotti seinen Leidensweg in der katholischen Kirche beschrieben in seinem Buch „Un pretre parle“, Levallois, 1995. Als Sekretär von Abbé Pierre konnte er dann als Priester arbeiten, etwa für die ökumenische Schwulenbewegung „David et Jonathan“. In einem Interview mit Christian Modehn im Jahr 1996 sagte Perotti: „Ich bin nicht voll in die Strukturen der Kirchen integriert; ich bin Sekretär von Abbé Pierre, und der ist unabhängig von der Kirche und befindet sich selbst eher am Rande der Kirche. Denn die Bewegung Emmaus, die er gegründet hat, ist ja nicht religiös, sondern weltlich, laizistisch. Also wegen Abbé  Pierre, so scheint es mir, lebe ich wie unter einer Art Schirm, der alle Blitze abwehrt aus dem Vatikan, aus Rom und vonseiten der Bischöfe. Abbé Pierre hat es mir erlaubt, dass ich mein Priesteramt leben kann als Vorkämpfer für die Sache der Homosexuellen. Er ist ein Mensch, der gut zuhören kann, er kann alle menschlichen Situationen verstehen. Er hat auch meinen Lebensweg gut verstanden, dass ich einen Kampf führe zur Befreiung der Homosexuellen in der Kirche. Ich habe selbst gehört, wie er mich verteidigt hat bei einer Mahlzeit, als wir mit Bischöfen zusammen an einem Tisch saßen.“ Auch an den niederländischen katholischen Priester, Politiker und Poeten Herman VERBEEK muss hier erinnert werden, auch er war offen homosexuell und kritisierte heftig die reaktionären Bischöfe der Niederlande. <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/553_herman-verbeek-poet-mystiker-theologe_aktuelles">LINK</a>.</p>
<p>11.<br />
<strong>Die heutige katholische Kirche ist als Nachfolge &#8211; Organisation jener katholischen Kirche zu bewerten, die Jahrhunderte lang Verbrechen an Homosexuellen beging, so steht die heutige Kirche auch vor den Herausforderungen einer Wiedergutmachung.</strong><br />
Materielle Wiedergutmachung ist wohl ausgeschlossen, weil es keine überlebenden Opfer der kirchlich zugelassenen Folterungen und Verbrennungen Homosexueller seit Kirchengründung gibt und es gibt wohl keine noch lebenden Angehörigen der Opfer. Das Leiden queerer Jugendlicher in katholischen Familien &#8211; damals wie heutev- wäre ein eignes Thema: Welches Unheil, welche Krankheit, richtet die katholische Moral in den Seelen der Menschen an…<br />
Es ist eine Wiedergutmachung der Kirche jetzt erforderlich, die darin besteht: Alles zu tun, dass heute für queere Menschen die uneingeschränkt geltenden Menschenrechten durch die Kirche anerkannt werden; dass die Kirche sich offensiv für die Rechte der Queeren Menschen einsetzt, auch bei katholischen Diktatoren in Afrika. Und es sollte zu den Bildungsprogrammen katholischer Schulen in Afrika gehören, von Anfang die Normalität der Homosexualität als einer normalen Variante der Sexualität zu lehren.</p>
<p>12.<br />
Wir wissen, dass unsere Hinweise, unsere Kritik, unsere Vorschläge zu dem Thema eigentlich sinnlos, weil wirkungslos sind bei den zementierten Verhältnissen im Vatikan und in der klerikalen Hierarchie. Aber ich sehe es als Theologiewissenschaftler über die katholische Kirche (das ist etwas anderes als „katholischer Theologe“) und als Journalist noch als eine lästige Pflicht an, gelegentlich diese Hinweise zur Diskussion zu stellen.</p>
<p>Albert Camus sagte einst: <em>Man muss sich Sisyphus als glücklichen Menschen vorstellen.</em> Ich denke oft: „Man muss sich die verbliebenen, demokratisch gesinnten Reform- Katholiken als Sisyphus &#8211; Gestalten vorstellen.“ Ein gewisser Masochismus gehört schon dazu, heute als Frau, als Queer, in Europa katholisch zu sein. Die Dissidenten im Sowjetimperium hatten immerhin die Hoffnung, dass die Herren der KP-„Eliten“ eines Tages verschwinden, wegen der ökonomischen Übermacht des westlichen Kapitalismus. Die Herren im Vatikan sitzen fest hinter ihren dicken Mauern und Päpste wie auch einige Kardinäle werden als „Führer“ von vielen Gläubigen hoch verehrt, weil in dieser unserer verrückten Welt „Führer“ wieder als ersehnte Leitfiguren so sehr willkommen sind. Siehe den Trend zu rechtsextremen Parteien in allen Ländern Europas und Amerikas  usw.</p>
<p>13.</p>
<p><em>Die von Papst Leo XIV. stets und ständig beschworene &#8222;<strong>Einheit&#8220; unter den Katholiken</strong> (ein Ausdruck der allmählich etwas einfallslos wirkenden totalen Bindung des Papstes an Augustinus, seinen &#8222;Vater&#8220;) kann es nur geben: Wenn die katholische Kirche die Menschenrechte über alle ihre angeblichen göttlichen Rechte  und angeblich göttlichen Gebote stellt. Die Menschenrechte sind absolut wichtiger und entscheidender als alle klerikalen Kirchengesetze, auch die moralischen Ideologien dieser Kirche. Ganz nebenbei an alle christlichen Fundamentalisten: Hat Jesus von Nazareth nicht menschliche Haltungen und Tugenden über alle religiösen Gebte gestellt? Warum wird Jesus von Nazareth in dieser Kirche ignoriert? Weil Jesus von Nazareth diesen um sich selbst kreisenden Kirchen &#8211; Betrieb nur stört.</em></p>
<p>PS: Wer sich für die Heftigkeit der Homo-Debatten in der katholischen Kirche jetzt noch interessiert, nur ein Beispiel: Die Position des reaktionären niederländischen Kardinal Eijk in Utrecht <a href="https://katholisch.de/artikel/68598-kardinal-zu-synoden-bericht-versuch-morallehre-zu-schwaechen">LINK</a></p>
<p><em>Kurz und bündig, was Papst Leo von Segnungsfeiern für Homosexuelle Paare hält:</em> &#8222;Nachdem der Münchner Kardinal Reinhard Marx die Umsetzung der Segensfeiern in seinem Erzbistum empfohlen hatte, erklärte der Papst auf dem Rückflug von seiner Afrikareise im April: &#8222;Der Heilige Stuhl hat deutlich gemacht, <em>dass wir mit der formellen Segnung von Paaren – in diesem Fall homosexuellen Paaren oder Paaren in irregulären Lebenssituationen – nicht einverstanden sind.</em>&#8220; (KNA). Quelle: https://katholisch.de/artikel/68605-sautermeister-bischoefe-bei-segnung-homosexueller-auf-linie-mit-rom. 16.5.2026</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, religionsphilosophischer-salon.de</p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/22107_der-17-5-ein-aktionstag-fuer-die-menschenrechte-queerer-homosexueller-menschen-auch-in-der-katholischen-kirche_befreiung">Der 17.5.: Ein Aktionstag für die Menschenrechte queerer (homosexueller) Menschen … auch in der katholischen Kirche.</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Abelard oder die (Ohn-) Macht der Vernunft … im Mittelalter</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/19917_abelard-oder-die-ohn-macht-der-vernunft-im-mittelalter_befreiung</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Mar 2025 16:33:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alternativen für eine humane Zukunft]]></category>
		<category><![CDATA[Befreiung]]></category>
		<category><![CDATA[Denken und Glauben]]></category>
		<category><![CDATA[Eckige Gedenktage]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophische Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Theologische Bücher]]></category>
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		<category><![CDATA[Abelard aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Abelard Verein in Frankreich]]></category>
		<category><![CDATA[Kurt Flasch]]></category>
		<category><![CDATA[Kurt Flasch Abelard Interpretation]]></category>
		<category><![CDATA[mittelalterlicher Philosoph Abelard modern?]]></category>
		<category><![CDATA[Petrus Abelard]]></category>
		<category><![CDATA[Vernunft interpretiert die Dogmen]]></category>
		<category><![CDATA[Vernunft ist entscheidend im Glauben]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Philosoph und Theologe Petrus Abelard, als mittelalterlicher (!) Denker, untersucht mit der philosophischen Vernunft auch die theologischen Lehren, interpretiert sie vernünftig. „Der Gott Abelards sah sein eigenes Interesse darin, von dem Menschen frei geliebt und von ihnen als seinen Freunden, nicht seinen Knechten, verstanden zu werden“, betont der Abelard Spezialist, der Philosoph Kurt Flasch. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/19917_abelard-oder-die-ohn-macht-der-vernunft-im-mittelalter_befreiung">Abelard oder die (Ohn-) Macht der Vernunft … im Mittelalter</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Über die aktuelle Bedeutung des Philosophen und Theologen Petrus Abelard<br />
Ein Hinweis von Christian Modehn</p>
<p><em>Ein Vorwort: Warum an Abelard erinnern?</em> Weil er als Theologe schon im Mittelalter allen Wert darauf legte: <em>Die Vernunft des Menschen ist entscheidend im Studium der Dogmen und Kirchenlehren: </em> „Der Mensch kann nur glauben, was er zuvor verstanden hat. Und es ist lächerlich andere zu lehren, was sie nicht verstehen können“ (Zitat von Abelard, siehe Fußnote 1.)</p>
<p>1.<br />
Für das „Mittelalter“ haben Etiketten und Klischees („dunkel“, „unterentwickelt“, „abergläubisch“…) keine vorrangige Geltung. Die Jahrhunderte zwischen Altertum und Renaissance, „Mittelalter“ genannt, sind von lebendiger Vielfalt, das „Licht“ (die Vernunft) setzt sich langsam durch, gegen die Finsternisse des (Aber)-Glaubens…<br />
Das gilt besonders für die Philosophien. Der Plural Philosophien muss betont werden: Thomas von Aquino war keineswegs der einzige maßgebliche oder einflußreiche Denker, das behaupten manchmalTheologen, zumal katholische. Streit, Debatte, und damit Ketzereien waren selbstverständlich.</p>
<p>2.<br />
Wir wollen an Petrus Abelard erinnern, den Philosophen und Theologen, der traditionelle Lehren nicht gehorsam wiederholte, der den Zweifel pflegte und Kritik lobte; und vor allem: Der eine neue Interpretation des Christentums vorlegte: Ein Beispiel: Die Vorstellung von einem himmlischen Vater &#8211; Gott, der seinen Sohn (Christus) dem Kreuzestod zur „Erlösung der Menschheit“ überlässt, lehnte Abelard ab.</p>
<p>3.<br />
Mit dem französischen Philosophen Petrus Abelard (geboren im Jahr 1079 in Le Pallet, in der Nähe von Nantes, gestorben am 21. April 1142 bei Chalon-sur-Saone) machte die „Weltgeschichte einen Ruck!“ Er war “einer erfolgreichsten Neuerer in der Geschichte der Philosophie“ und auch der Theologie: Diese Bewertung ist für einen der großen Kenner mittelalterlicher Philosophien, Prof. Kurt Flasch, nicht zu hoch gegriffen. So schreibt er in seinem Buch „Kampfplätze der Philosophie“ (Frankfurt M., 2008, S. 139 bzw. 131): „Durch Zweifeln kam Abälard zum Forschen, durch Forschen zur Wahrheit“, (S. 129),<em> „er dachte die Wahrheit als etwas, das noch zu finden ist“ (ebd.). Probleme mit der Kirche, die auch damals glaubte“, „die Wahrheit zu besitzen“, waren für ihn damit „vorgrammiert.&#8220;</em></p>
<p>4.<br />
Literarisch Interessierte kennen Abelard von den Korrespondenzen mit <em>Héloise,</em> seiner Gebliebten. Heute haben Forscher ihre Zweifel, dass Abelard Autor dieser Liebesbriefe ist. Es empfiehlt sich, schreibt Kurt Flasch, vorerst „Abelards philosophisches Werk ohne Zuhilfenahme des Briefwechsels mit Héloise zu interpretieren“. So schreibt Flasch in seiner umfangreicher Studie „Das philosophische Denken im Mittelalter“ (Reclam, 4. Auflage, 2020, S. 241). Über die tragische Liebesbeziehung Abelard &#8211; Héloise gibt es bekanntlich viele literarische, durch Phantasie angereicherte Zeugnisse, auch von Rousseau.<br />
Tatsache ist, ohne hier eine umfangreiche Biographie zu präsentieren: Der Onkel der Héloise, der angesehene Priester Fulbert, duldete die Liebesbeziehung nicht: Héloise zog sich dann in ein Kloster zurück. Nach allerhand Querelen ließ Fulbert den Abelard überfallen und entmannen: Und der Ärmste zog sich dann als Mönch ins Kloster St. Denis zurück, das er bald aber wieder verließ: Er hatte ein sehr bewegtes, unruhiges Leben zwischen der Universität Paris und Klöstern als den Zufluchtsorten vor seinen vielen theologisch &#8211; konservativen Gegnern, wenn nicht Feinden. Dennoch ist die Fülle seiner Werke voller neuer Ideen erstaunlich. Da spricht ein Denker, der mit der philosophischen Vernunft auch die theologischen Lehren untersucht, interpretiert und neu formuliert. Die Übergänge zwischen Philosophien und Theologien waren im Mittelalter eher selbstverständlich.<br />
Das &#8211; lateinisch verfasste &#8211; umfangreiche Werk des Philosophen und Theologe Abelard ist erhalten.<br />
Er war ein radikaler Erneuerer…, deswegen wurde er von einflußreichen konservativen Autoritäten kritisiert und verleumdet, wie Bernhard von Clairvaux oder Wilhelm von Thierry. <em>In einem „Konzil“ von Sens</em> (in Burgund) wurde ihm im Jahr 1140 noch der Prozess gemacht, er galt dann als Häretiker, meinte der Papst. Abelard wollte in Rom widersprechen, starb aber auf der Reise dort hin.</p>
<p>5.<br />
Dabei waren viele Lehren Abaelards, die im Konzil von Sens (1140) verurteilt wurden,  in heutiger kritischer theologischer Sicht durchaus treffend und inspirierend.</p>
<p>&#8211; „<em>Der Heilige Geist ist die Seele der Welt.“</em> Das heißt: Dies ist eine  „Definition“ des &#8222;heiligen Geistes&#8220; in der Welt  durchaus modern und hilfreich.</p>
<p>&#8211; „<em>Der freie Wille aus eigener Kraft reicht aus, um etwas Gutes zu bewirken.“</em> Das heißt: Die Aussage bezieht sich auf die „Schöpfung“ des Menschen durch Gott. Und Gott hat dem Menschen einen freien Willen gegeben und die Vernunft, deswegen kann der Mensch sich frei entschieden, Gutes zu tun und gut zu sein.</p>
<p>&#8211; „Christus hatte nicht den Geist der Gottesfurcht.“ Das heißt: Christus war als „Menschensohn“ auch Gott gegenüber frei und erkannte: Gott ist Liebe, er ist kein Tyrann, der willkürlich immer noch ins Weltgeschehen eingreift …</p>
<p>&#8211; <em>„Die Macht der Priester, zu binden und zu lösen, wurde nur den Aposteln gegeben und nicht ihren Nachfolgern.“</em> Das heißt: Der Klerus, Papst, Bischöfe usw. maßen sich an, so Abelard, von Gott dazu bestimmt zu sein, über das Wohl und Wehe und Heil der Menschen zu entscheiden.</p>
<p>&#8211; „Äußere Handlungen machen den Menschen weder besser noch schlechter“. Das heißt: Abelard legt allen Nachdruck darauf: Der ethische Wert einer Handlung eines Menschen wird nicht im äußeren Tun sichtbar. Der ethische Wert des Menschen ist die innere, seelische Qualität, das Reflexionsvermögen, der gute Wille. (Quelle: https://www.pierre-abelard.com/)</p>
<p>6.<br />
Ein modern Philosoph und modern zu nennender  Theologe war Abelard aber sicher noch nicht, selbst wenn er den Wert der Erkenntnis des einzelnen Menschen auch in der Ethik anerkannte. „Abelard löste den Schein auf, als sei ethisches Handeln nur Konformität mit objektiven Regeln… Er hob hervor, dass die innere Zustimmung allemal in unserer Macht steht“, schreibt Kurt Flasch in „Das Philosophische Denken im Mittelalter“ , S. 251.</p>
<p>7.<br />
In seiner Re&shy;li&shy;gi&shy;ons&shy;phi&shy;lo&shy;so&shy;phie lehrte er, für mittelalterliche Verhältnisse eher unüblich, dass <em>Gott einzig Liebe</em> sei: „Der Gott Abelards sah sein eigenes Interesse darin, von dem Menschen frei geliebt und von ihnen als seinen Freunden, nicht seinen Knechten, verstanden zu werden“ (S. 252). Aber, hier wie in anderen theologischen Themen, hat sich Abelard nicht durchgesetzt, betont Kurt Flasch. „Weder Thomas von Aquino noch Luther folgten ihm…Sie kontaminierten seine Ideen mit den Vorstellungen, die er hatte überwinden wollen.“ ((S 253).</p>
<p>8.<br />
Trotz dieser Probleme und der eher geringen Rezeption seiner Vorschläge: Abälard hat im Mittelalter als ein verfolgter Außenseiter, hoch gebildet und unter Studenten sehr geschätzt, „<em>eine neue Variante des christlichen Denkens geschaffen“</em>, sagt Kurt Flasch. Abelard setzte sich für den Dialog mit Juden und Arabern ein. „<em>Es war Abelards Überzeugung, dass die göttliche Weisheit, die zweite Person der Trinität, auch die nichtchristlichen Denker inspiriert habe</em>. Auf dieser Grundlage begann Abelard die Tradition friedvoller (irenischer) Re&shy;li&shy;gi&shy;ons&shy;phi&shy;lo&shy;so&shy;phie …so gelang es bald, ein neues Konzept für das Verhältnis zu Islam und Judentum zu entwickeln“, schreibt Flasch (S. 253) , ein Konzept, das man als „natürliche“, mit dem Menschen als Menschen schon mitgegebene Religion bezeichnen könnte.<br />
Und Kurt Flasch kann zurecht nicht darauf verzichten zu betonen, wie sehr Luther in seiner Theologie (auch des Antisemitismus) „weit unter dem Niveau Abaelards, Bulls und Nikolaus von Kues stand. Luther verlöre sofort, wenn man ihn mit mittelalterlichen Autoren auch nur mittleren Ranges vergliche (S. 681 in Reclam Buch)</p>
<p>9.<br />
Über die Wirkungsgeschichte dieses ungewöhnlichen mittelalterlichen Denkers wäre zu sprechen: Manche <em>Verbindungen zum Denken Hegels</em> könnten sich andeuten: Für Hegel war seine eigene Philosophie mit der Theologie eng verflochten: Seine Re&shy;li&shy;gi&shy;ons&shy;phi&shy;lo&shy;so&shy;phie habe als Philosophie die gleichen Inhalte wie die Theologie, betonte er, nur: Seine Philosophie sage eben den Glauben in Begriffen aus, sie hebe dadurch den anschaulichen Glauben ins begriffliche Denken auf…In seiner „Geschichte der Philosophie“ geht Hegel nur kurz auf Abelard ein. Mittelalterliche Philosophien waren nicht der Schwerpunkt Hegels.</p>
<p>10.<br />
<em>Papst Benedikt XVI. erwähnte</em> in seiner „Generalaudienz“ vom 4. November 2009 Abelard im Zusammenhang bzw. im Vergleich mit dem viel konservativeren Mönch Bernhard von Clairvaux. Über Abelard sagte Benedikt XVI.: „Er bestand darauf, die Absicht des Subjekts als einzige Quelle für die Beschreibung der Freundlichkeit oder Bosheit moralischer Handlungen zu betrachten und so die objektive moralische Bedeutung und den Wert von Handlungen zu vernachlässigen: gefährlichen Subjektivismus. Dies &#8211; wie wir wissen &#8211; ist ein sehr aktueller Aspekt für unsere Zeit, in der Kultur oft von einem wachsenden Trend zum ethischen Relativismus geprägt zu sein scheint: Nur das Selbst entscheidet, was im Moment gut für mich wäre.“ (Quelle: https://www.vatican.va/content/benedict-xvi/de/audiences/2009/documents/hf_ben-xvi_aud_20091104.html)</p>
<p>11.<br />
Es tut gut, an so genannten „eckigen Gedenktagen“ innezuhalten und sich auch bislang eher unbekannten Philosophen und Theologen zuzuwenden. Dabei wird deutlich, wie sehr unsere „übliche Bildung“ allzu sehr fixiert ist auf groß gemachte Größen, also auf Sieger und deren „runde Gedenktage“, diese groß gemachten, dogmatisch oder politisch korrekten Größen sind solche, die sich durchgesetzt haben, weil die Herrschaft, auch die Kirchenherrschaft, mit diesen bequem für die eigenen Ziele der Herrschaft umgehen konnte. Mit Abelards Erfolg hätte die Macht des Klerus auf Dauer keinen Bestand gehabt, die freie, auch theologische Forschung und Wissenschaft hätte sich früher durchgesetzt, die dumme, von Zweifeln völlig unberührte Machtgier der Päpste, etwa eines Bonifaz VIII., hätte keine Chancen gehabt. Mit einer gewissen geschichtsphilosophischen Melancholie endet also dieser „eckige Gedenktag“ an Petrus Abelard.</p>
<p>12.<br />
Und heute? <em>In Abelards Geburtsort Le Pallet bei Nantes wurde 1978 ein „Kulturverein Abélard“ gegründet,</em> der auf seiner website zahlreiche Essays und Hinweise zu dem bedeutenden, aber in Frankreich sehr viel mehr als in Deutschland bekannten Philosophen und Theologen bietet. Allein der unterschiedloiche Umfang der wikipedia Beiträge zu Abelard auf Französisch und auf Deutsch ist erstaunlich. In Frankreich sind Straßen und Schulen nach Abelard benannt. Der &#8222;Kulturverein&#8220; in Le Pallet empfiehlt u.a. auf seiner website auch einen  Spaziergang durch Paris auf den Spuren Abelards…</p>
<p><em>Fußnote 1:</em><br />
Zit. In „Histoire de la France religieuse“, Tome 1, dirigé par Jacques le Goff. Edition du Seuil, Paris, 1988, s. 342-343. Den Beitrag verfasst André Vauchez.</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/19917_abelard-oder-die-ohn-macht-der-vernunft-im-mittelalter_befreiung">Abelard oder die (Ohn-) Macht der Vernunft … im Mittelalter</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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		<title>&#8222;Politiker und Bürger dürfen nie am Grundgesetz rütteln“ (Karl Jaspers).</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/19628_die-politiker-und-die-buerger-duerfen-nie-am-grundgesetz-ruetteln-karl-jaspers_aktuelles</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 08 Feb 2025 17:22:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Alternativen für eine humane Zukunft]]></category>
		<category><![CDATA[Eckige Gedenktage]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophische Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Bundestagswahl 2025 und Karl Jaspers]]></category>
		<category><![CDATA[das Grundgesetz unbedingt verteidigen]]></category>
		<category><![CDATA[Karl Jaspers über das Grundgesetz]]></category>
		<category><![CDATA[Karl Jaspers zur Bundestagswahl 2025]]></category>
		<category><![CDATA[Nazis in der alten Bundesrepublik]]></category>
		<category><![CDATA[Parteienoligarchie]]></category>
		<category><![CDATA[Politik als Marktplatz der Egoismen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Kritik von Karl Jaspers an der Bundesrepublik ist nach wie vor aktuell, Karl Jaspers als politischer Schriftsteller, Parteienoligarchie in Deutschland, </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/19628_die-politiker-und-die-buerger-duerfen-nie-am-grundgesetz-ruetteln-karl-jaspers_aktuelles">&#8222;Politiker und Bürger dürfen nie am Grundgesetz rütteln“ (Karl Jaspers).</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Hinweis auf die politischen Aktualität des Philosophen Karl Jaspers<br />
(Geboren am 23.Februar 1883; gestorben  am 26.2.1969)</p>
<p>Von Christian Modehn.</p>
<p><em>Ein Vorwort</em>. Ich muss gestehen: Mich hat das &#8211; zufällige &#8211; Zusammentreffen der Bundestagswahl am 23. Februar 2025 und des Geburtstages von Karl Jaspers am gleichen Tag motiviert, an einige grundlegende politische Einsichten Jaspers` zu erinnern. Das heutige Gerede bestimmter Politiker von Korrekturen und Veränderungen am Grundgesetz &#8211; wegen des &#8222;Zustrom&#8220; von Flücjhtlingen &#8211; sowie die unsägliche Stärke der rechtsradikalen Partei AFD können durch Erinnerungen an philosophische Erkenntnisse nicht unmittelbar beendet werden. Aber Demokraten können sich in der Erinnerung an elementare philosophische Einsichten bestärkt sehen, die Demokratie gegen die Feinde der Demokratie und gegen die bürgerlich &#8211; konservativen Kollaborateure mit der AFD zu verteidigen. Weiter diskutuert werden sollte die Kritik von Jaspers an der &#8222;Parteienoligarchie&#8220;. (siehe dir Nr. 5 dieses Hinweises).</p>
<p>1.</p>
<p>Der Philosoph Karl Jaspers hat sich nie nur auf „typisch-philosophische, metaphysische“ Fragen begrenzt. Die Analyse politischer Verhältnisse vor allem der Bundesrepublik war ein Schwerpunkt seiner Publikationen. (Siehe Fußnote 1, S. 879)<br />
<em>Jaspers war auch ein politischer Schriftsteller, ein viel beachteter und vielfach auch von &#8222;(sehr)-rechts&#8220; heftig kritisierter politisch kompetenter Publizist</em>! Er hat sich vernünftig wie leidenschaftlich mit dem Grundgesetz des Bundesrepublik auseinandergesetzt, etwa anläßlich der Debatten um die Notstandsgesetze. Jaspers zeigt, dass das Grundgesetz „unter dem Druck der Erinnerung des NS-Unheils entstanden ist“ (Fußnote 2, dort S. 412, Jaspers äußerte sich zur Bundesrepublik vor allem im Umfeld der Debatten über die „Notstandsgesetze“.<br />
Als „Grundantrieb“ sieht Jaspers bei den Verfassern des Grundgesetzes das Bemühen, „eine Wiederholung (des NS-Regimes) unmöglich zu machen.“ Aber: „Dahinter stehe auch „ein Misstrauen gegen das Volk (heute).“ Mit anderen Worten: Die Autoren des Grundgesetzes wollten vor allem durch staatliche Institutionen ein neues Unheil des Faschismus/Nationalsozialismus verhindern, meint Jaspers, und nicht in gleicher Weise auch durch kritische Bildung und Neuorientierung der Bürger zur Überwindung der Nazi &#8211; Ideologie gelangen.</p>
<p>2.</p>
<p>Trotz dieser Vorbehalte schreibt Jaspers: „<em>Es ist heute unser Glück, dass wir das Grundgesetz besitzen. Denn hier sind die unantastbaren Grundrechte klar formuliert…. Hier liegt der Fels, auf dem allein der freie Staat der Bundesrepublik steht, solange der Fels hält… Das Grundgesetz muss eingeprägt werden in die Herzen der Staatsbürger. Die Politiker dürfen es nie vergessen. Das Rütteln an den Grundrechten lässt uns in die Anarchie der Niedrigkeiten fallen, aus der Gewalt und Diktatur der Ausweg sind“</em> (S. 413).</p>
<p>3.</p>
<p>ABER :<br />
„Das Grundgesetz ist im Volk fast nicht bekannt. <em>Es fehlt das Bewusstsein, die Verletzung des Grundgesetzes sei das größte politische Verbrechen , weil es unser staatspolitisches Dasein in Frage stellt.</em>“ (S 413).</p>
<p>4.</p>
<p>Jaspers kritisiert sehr viele Politiker der ersten Jahrzehnte der Bundesrepublik: Sie sprechen zwar „von der Verworfenheit des NS-Regimes“, aber „die Politiker aller Parteien sind vorwiegend daran interessiert, das unklare Bedürfnis des Volkes, politisch für die Vergangenheit NICHT haften zu wollen, nur `vornehm` … im Bundestag zu artikulieren… Der Funke radikaler Neubesinnung &#8211; angesichts des NS &#8211; Regimes &#8211; zündet nicht,“ schreibt der Politologe Kurt Sontheimer in seiner Jaspers &#8211; Studie „Menetekel über die Bundesrepublik“ (Siehe Fußnote 3).<br />
Warum dieser Hinweis auf die bekannte Verquickung sehr vieler BRD Politiker mit dem NAZI-Ungeist und den Nazi &#8211; Organisationen? Sontheimer gibt als Interpret von Jaspers die Antwort: „Das Ganze der Demokratie ist (wegen der Bindungen so vieler an die Nazis) nicht in Ordnung, eben weil die neue demokratische Gesinnung, die alle Teile der Demokratie tragen und durchwirken müsse, nicht da sei. Demokratie gebe es bei uns in der BRD nur als eine äußerliche Demokratie der Institutionen, nicht auf der Grundlage einer demokratischen Gesinnung der Bürger“ (a.a.O. S 431). Sontheimer nennt (im Jahr 1975) die Analyse des Philosophen Jaspers „etwas erschreckend Bestimmtes“. Jeder und jede kann überprüfen, ob diese Analyse heute noch gültig ist und wenn ja, in welcher Form. Sontheimer jedenfalls meint: <em>Jaspers habe die unverkennbar autoritär-restaurativen Tendenzen in der Bundesrepublik in den Gründerjahren der Republik klar erkannt</em>, siehe dazu a.a.O., S. 435&#8230;.Man bedenke, dass damals (1966 &#8211; 1969) das ehem. NSDAP Mitglied Kurt Georg Kiesinger (CDU) Kanzler der Bundesrepublik Deutschland war.</p>
<p>5.</p>
<p>Aus einem Beitrag der Wochenzeitung FREITAG (26.4.2021) anläßlich einer Erinnerung an die Publikation „Wohin treibt die Bundesrepublik“ (1966) von Karl Jaspers:<br />
<em>&#8222;Zum Thema Gerechtigkeit</em> schrieb Jaspers: „Gerechtigkeit gibt es sowenig wie je, außer in dem Grad der Nachgiebigkeit gegenüber Interessen, die von genügend starken Gruppen vertreten werden. Jeder Bundesrepublikaner, der das alles sieht, will, daß es besser werde.“<br />
Jaspers äußert Kritik am Lobbyismus im Umfeld des Parlaments, wenn Wirtschaftsinteressen gegen das Allgemeinwohl durchgesetzt werden. Jaspers fordert, dass sich alle Akteure der Demokratie darauf zu konzentrieren hätten, Freiheit, Recht und Gerechtigkeit als Maßstab ihrer Handlungen zu nehmen. Dass die Regierungen diese Werte immer wieder ignorierten, bezeichnet er als „Treibenlassen“. Darum auch der Titel des viel gelesenen und diskutierten Buches von Jaspers „Wohin treibt die Bundesrepublik?“ (1966).<br />
Demokratische Werte, die Politiker nicht ernsthaft vertreten, verkommen zu leeren Worthülsen. Jaspers sah schon damals, dass es Menschen, Firmen oder Politiker gab, die in der Struktur der demokratischen Ordnung und der in ihr angelegten Freiheit den Missbrauch zugunsten von Eigen-, Partei- und Wirtschaftsinteressen trieben.<br />
<em>Jaspers kritisierte damals die Herrschaft der  „<strong>Parteienoligarchie“</strong></em>..</p>
<p>Was <strong>&#8222;Parteienoligarchie&#8220;</strong> heute aktuell in der Bundesrepiblik bedeuten kann, nennt Silke Borgstedt (Geschäfstführerin des SINUS-Instituts für Markt -und Sozialforschung) am 10.2.2025: &#8220; Der ewige Streit der Koalitionspartner ist der Mehrheit der Deutschen sehr auf die Nerven gegangen. <em>Im Moment empfinden viele die  Politik als einen Marktplatz der Egoismen</em>.&#8220; (Tagesspiegel, 10.2.2025, S. 12). Also als eine Form der Parteien-Oligarchie?</p>
<p>Und diese Erkenntnisse auszusprechen in der noch weithin spießigen und miefigen BRD damals, brachten Japsers unerhörte Kritik und Verleumdung ein, ergänzt Christian Modehn. Dabei war der Philosoph Karl Jaspers politisch (um nicht zu sagen politologisch) umfassend gebildet, siehe die Rowohlt Monographie über Karl Jaspers von Hans Saner (1999) S. 63.</p>
<p>6.</p>
<p>Die Überlegungen von Karl Jaspers erinnern: Der alte Un &#8211; Geist der Nazis hat sich auf allerhand verschiedenen Wegen von rechtsradikalen und konservativen bzw. sich liberal nennenden Parteien bis heute in weiten, auch jüngeren Kreisen der Bevölkerung erhalten. Und das wurde bis vor wenigen Jahren von den meisten Politikern der demokratischen Parteien ignoriert. Sie sind also mit-schuld an der neuen Macht der (neuen) Rechtsradikalen auch in der AFD.</p>
<p>Fußnote 1:<br />
„Der Philosoph ist nicht Prophet… Aber er vertritt das Menschsein in einer oft auch fehlgreifenden Weise. Er will erinnern, überliefern, beschwören, appellieren… Er ist nicht im Besitz der Wahrheit, aber er lebt im Ernst des Suchens in der Zeit“. „Philosophische Autobiographie“. In: Karl Jaspers, „Mitverantwortlich. Eine philosophisch-politisches Lesebuch“, Piper Verlag. Dort S. 87.</p>
<p>Fußnote 2:</p>
<p>&#8222;Aspekte der Bundesrepublik Deutschland“ in: Karl Jaspers, „Mitverantwortlich. Eine philosophisch-politisches Lesebuch“, Piper Verlag.</p>
<p>Fußnote 3:<br />
„Menetekel über die Bundesrepublik“ von Kurt Sontheimer. IN: Karl Jaspers in der Diskussion, hg. von Hans Taner. Piper Verlag München 1973, das Zitat auf S. 431.</p>
<p>Aktuell: Ein Hinweis zur Re&shy;li&shy;gi&shy;ons&shy;phi&shy;lo&shy;so&shy;phie von Karl Jaspers: <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/19657_der-philosophische-glaube-eine-alternative-fuer-heute_befreiung">LINK</a></p>
<p><em>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/19628_die-politiker-und-die-buerger-duerfen-nie-am-grundgesetz-ruetteln-karl-jaspers_aktuelles">&#8222;Politiker und Bürger dürfen nie am Grundgesetz rütteln“ (Karl Jaspers).</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>250. Geburtstages der ersten Salonière in Berlin, Rahel Varnhagen</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/16369_250-geburtstages-der-ersten-saloninere-in-berlin-rahel-varnhagen_denkbar</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[cm]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Mar 2023 22:18:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Denkbar]]></category>
		<category><![CDATA[Eckige Gedenktage]]></category>
		<category><![CDATA[Rachel Varnhagen]]></category>
		<category><![CDATA[Salon als kulturelle Orte]]></category>
		<category><![CDATA[Salon Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Salon und Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[wann kommt die Salonkultur zurück]]></category>
		<category><![CDATA[wir brauchen philosophische Salons]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Anregungen anlässlich des 250. Geburtstages der ersten Saloninère in Berlin, Rahel Varnhagen. Von Christian Modehn 1. Gedenktage sind nicht nur Tages des Rückblicks und der kritischen Erinnerung, sondern auch Tage des Vorblicks: Der Blick in die (nahe) Zukunft soll von der Begrenztheit des Gegenwärtigen befreien und Neues soll konzipiert werden, Besseres, das die Routine traditioneller [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/16369_250-geburtstages-der-ersten-saloninere-in-berlin-rahel-varnhagen_denkbar">250. Geburtstages der ersten Salonière in Berlin, Rahel Varnhagen</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Anregungen anlässlich des 250. Geburtstages der ersten Saloninère in Berlin, Rahel Varnhagen.</p>
<p>Von Christian Modehn</p>
<p><a id="1"></a>1.<br />
Gedenktage sind nicht nur Tages des Rückblicks und der kritischen Erinnerung, sondern auch Tage des Vorblicks: Der Blick in die (nahe) Zukunft soll von der Begrenztheit des Gegenwärtigen befreien und Neues soll konzipiert werden, Besseres, das die Routine traditioneller kultureller Praxis überwindet.<br />
2.<br />
So ist auch beim Denken an [[Rahel Varnhagen]] (17.5.1771 bis 7.3.1833). Ihr großartiges Lebenswerk ist bekannt, wer es noch nicht kennt, sollte seine Bildungslücke alsbald schließen, Gelegenheiten gibt es ausreichend, auch im www. Dabei wird man sich auch auf die vielfältigen großartigen schriftstellerischen Leistungen Varnhagens konzentieren.<br />
3.<br />
Ich möchte hier nur an ihre bleibende Leistung erinnern, die mir von aktueller Bedeutung erscheint: Es ihre Gründung und Gestaltung von Gesprächsrunden, die dann später “Salons“ genannt wurden, also gesellige Zusammenkünfte mit hohem Gesprächsniveau, an dem sich unterschiedliche Menschen, meist Männer, beteiligten. Die Liste der „berühmten“ TeilnehmerInnen ist lang: [[Jean Paul]], die Brüder Humboldt, [[Friedrich Schlegel]], [[Heinrich Heine]], <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/10948_schleiermachers-250-geburtstag-religion-ist-etwas-eigenstaendiges-im-leben-des-menschen_buchhinweise/theologische-buecher">Schleiermacher</a>, Hegel usw. Die Gastgeberin, Rahel Varnhagen, leitete ihre Salons von 1790 bis 1806, und dann noch einmal von 1820 bis 1833. Die Zusammenkünfte in der Privatwohnung waren geprägt vom Geist der Aufklärung und damit der Vernunft, und damit auch der Toleranz: Diese Lebensphilosophie war bester Ausdruck ihrer zeitgemäßen jüdischen Spiritualität.<br />
<a id="3"></a>3.<br />
An Rahel Varnhagen denken &#8211; das heißt heute: Nachdenken, wie denn diese offenen und von Vielfalt und Toleranz geprägten SALONS heute eine große Rolle spielen können. Dass es sozusagen „objektiv“ in der Gesellschaft einen Bedarf gibt an niveauvollem Gespräch und Austausch der verschiedenen Meinungen, braucht nicht bewiesen zu werden. Zumal die großstädtische Gesellschaft zerfällt förmlich in Inseln der Kommunikation der Gleichen, wenn nicht ohnehin die Isolierung und Einsamkeit des einzelnen beherrschend ist.<br />
4.<br />
Ich will nur daran erinnern, dass de facto in Deutschland, aber auch in anderen europäischen Ländern, die alte Struktur der Kirchengemeinde sich auflöst: Gottesdienste werden gefeiert mit stets abnehmender Teilnehmerzahl. Aber wichtiger noch: Die Gesprächsangebote, die „Gruppen“, die Bildungsveranstaltungen in den Kirchengemeinden sind eher marginal. Und wenn sie noch stattfinden, müsste das intellektuelle und kritische Niveau geprüft werden. In den meisten Fällen bleiben diese Gruppen eher „homogen“ unter sich: Welcher Atheist, welcher Skeptiker, welcher Flüchtling, welcher ausländische Student usw. verirrt sich schon in einen üblichen Gemeindekreis?<br />
5.<br />
In dieser Situation des kirchlichen Niedergangs haben die offenen Debatten über Spiritualität, Lebenskunst, Religion, Philosophie in Salons eine große Chance. Sie finden nicht unter einem Dach einer Kirche oder einer Religion statt, diese Salons sind undogmatisch, offen, plural, an der Vielfalt und dem Streitgespräch interessiert.<br />
6.<br />
Wer kann solche Salons eröffnen? Jeder und jede, der/die sich für kompetent hält, nicht nur einen angenehmen Gesprächsraum anzubieten, sondern auch thematisch die Abende zu gestalten. Ein Künstler lädt zu Gesprächen über Kunst ein, warum nicht auch zu religiöser Kunst? Ein Kenner der Romane oder eine geduldige Leserin von Poesie lädt zu literarischen Gesprächen ein, die ohnehin die grundlegenden Sinnfragen berühren. Ein Naturwissenschaftler lädt ein, über Natur, Naturschutz, Naturgesetze und Evolution oder gar „Schöpfung“ usw. zu sprechen.<br />
7.<br />
Nun leben in den großen Städten zumal auch viele TheologInnen, die noch als solche tätig sind oder längst andere Berufe (Coach etc.) haben: Warum laden sie nicht zu Gesprächen über „Gott und die Welt“ ein? Und die vielen Leute, die Philosophie studiert haben: Der philosophische Salon wäre in meiner Sicht die beste Form der Erinnerung an Rahel Varnhagen.<br />
8.<br />
Die Frage ist, ob die entsprechenden Herren und Damen des kulturellen Establishments die enorme Bedeutung der Salons erkannt haben. Interessieren sie sich mehr für die Opernhäuser und Theater als für die eher „kleinen“, aber feinen kulturellen Basisinitiativen, wie die Salons? Falls dies der Fall ist, sollten die kulturell verantwortlichen Politiker und auch die Hochschulen und Universitäten überlegen: Wie kann man in einer Art Grundkurs Salonnièren ausbilden und fördern? Wie können die Organisatoren auch finanziell unterstützt werden, ohne dass dabei die Salons in Abhängigkeit geraten?<br />
9.<br />
Über den seit 2007 bestehenden (wegen Corona seit einem Jahr „ruhenden“) „Re&shy;li&shy;gi&shy;ons&shy;phi&shy;lo&shy;so&shy;phi&shy;sch&shy;en Salon Berlin“ kann man sich informieren und vielleicht inspirieren lassen: LINK.</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/16369_250-geburtstages-der-ersten-saloninere-in-berlin-rahel-varnhagen_denkbar">250. Geburtstages der ersten Salonière in Berlin, Rahel Varnhagen</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der katholische Glaube könnte eigentlich modern sein! Karl Rahners Beitrag für einen zeitgemäßen „katholischen Modernismus“</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/15999_der-katholische-glaube-koennte-eigentlich-modern-sein-karl-rahners-beitrag-fuer-einen-zeitgemaessen-katholischen-modernismus_eckige-gedenktage</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Mar 2023 09:27:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Denken und Glauben]]></category>
		<category><![CDATA[Eckige Gedenktage]]></category>
		<category><![CDATA[Forschungsprojekte]]></category>
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		<category><![CDATA[Karl Rahner]]></category>
		<category><![CDATA[Karl Rahner als liberaler Theologe]]></category>
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		<category><![CDATA[Karl Rahner der Mystiker]]></category>
		<category><![CDATA[Modernismus ist kein Schimpfwort]]></category>
		<category><![CDATA[Mystik und Karl Rahner]]></category>
		<category><![CDATA[neue Interpretation von Karl Rahner]]></category>
		<category><![CDATA[Rahner nannte vatikanische Beamte Bonzen]]></category>
		<category><![CDATA[Rahner und die Verfolgung durch vatikanische Behörden]]></category>
		<category><![CDATA[transzendentale Theologie]]></category>
		<category><![CDATA[wir brauchen eine liberale katholische Theologie]]></category>
		<category><![CDATA[wir brauchen einen katholischen Modernismus]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://religionsphilosophischer-salon.de/?p=15999</guid>

					<description><![CDATA[<p>Ein Hinweis von Christian Modehn am 28.2.2023 Zur Einführung: Auf dieser website hat Christian Modehn schon mehrfach auf den international geschätzten Theologen Karl Rahner hingewiesen, etwa am 24.3.2014. Dieser neue Hinweis wurde im Februar 2023 veröffentlicht. Es handelt sich um den Versuch, als Diskussionsbeitrag, Rahners umfangreiche katholische Theologie als eine moderne, und, durchaus gewagt formuliert, [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/15999_der-katholische-glaube-koennte-eigentlich-modern-sein-karl-rahners-beitrag-fuer-einen-zeitgemaessen-katholischen-modernismus_eckige-gedenktage">Der katholische Glaube könnte eigentlich modern sein! Karl Rahners Beitrag für einen zeitgemäßen „katholischen Modernismus“</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Hinweis von Christian Modehn am 28.2.2023</p>
<figure id="attachment_16016" aria-describedby="caption-attachment-16016" style="width: 229px" class="wp-caption alignright"><a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/uploads/2023/03/Karl_Rahner_1974.jpeg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-medium wp-image-16016" src="https://religionsphilosophischer-salon.de/uploads/2023/03/Karl_Rahner_1974-229x300.jpeg" alt="Karl Rahner 1974, (c) Wikipedia, Kirtap" width="229" height="300" srcset="https://religionsphilosophischer-salon.de/uploads/2023/03/Karl_Rahner_1974-229x300.jpeg 229w, https://religionsphilosophischer-salon.de/uploads/2023/03/Karl_Rahner_1974.jpeg 615w" sizes="(max-width: 229px) 100vw, 229px" /></a><figcaption id="caption-attachment-16016" class="wp-caption-text">Karl Rahner 1974, (c) Wikipedia, Kirtap</figcaption></figure>
<p><em>Zur Einführung:</em></p>
<p>Auf dieser website hat Christian Modehn schon mehrfach auf den international geschätzten Theologen Karl Rahner hingewiesen, etwa am 24.3.2014.<br />
Dieser neue Hinweis wurde im Februar 2023 veröffentlicht. Es handelt sich um den Versuch, als Diskussionsbeitrag, Rahners umfangreiche katholische Theologie als eine moderne, und, durchaus gewagt formuliert, aber treffend, als eine „liberale katholische“ Theologie und als eine zaghafte „modernistische katholische Theologie&#8220; zu erweisen. Dass Rahner auch sehr explizit viele „katholisch-dogmatische Themen“ dargestellt hat, steht außer Frage. Aber es kann doch in einigen zentralen Texten und in der Grundform des Denkens eine Dimension freigelegt werden, die man liberal-theologisch bzw. vor allem modernistisch nennen könnte. Ich weiß, die meisten RahnerinterpretInnen, und sie sind meist katholisch, würden dieser genannten Dimension der Rahnerschen Theologie nicht zustimmen.<br />
Aber vielleicht hilft ein ungewohnter Blick, Neues zu entdecken. Dabei ist klar, dass für den Re&shy;li&shy;gi&shy;ons&shy;phi&shy;lo&shy;so&shy;phi&shy;sch&shy;en Salon Berlin „theologisch-liberal“ und „modernistisch“ wertvolle, sogar erstrebenswerte, positive Dimensionen jeder Theologie sind. Liberal-theologisch und modernistisch sind für uns also keine Schimpfworte, wie so oft bis heute in konservativen katholischen Kreisen, und die meisten, einflussreichen Kreise der katholischen Kirche sind dogmatisch-konservativ und klerikal. Und werden es wohl ohne eine wirkliche Reformation, die mehr ist als ein paar Reförmchen, bleiben.<br />
Dieser Hinweis hat einen praktischen Zweck: Er will den heute und seit langem schon an ihrer Kirchenführung verunsicherten KatholikInnen (vor allem den zurecht an ihrer Kirche verzweifelten Frauen) Mut machen, von Rahners genannten Ideen inspiriert, das Wesentliche im menschlichen Leben zu entdecken und das Wesentliche im christlichen Glauben zu leben. Alle Debatten über Inner-Kirchlich-Katholisches und Strukturelles sind dann sekundär. <em>Und mit Rahner wird man wohl sagen können: Menschlich leben und christlich glauben kann man auch außerhalb der katholischen Kirche. Dann wird vielleicht das (religiöse) Leben etwas leichter und freier.</em></p>
<p>1.<br />
<em>Lässt sich Katholizismus und moderne Lebenswelt verbinden?</em> Darüber wird auch jetzt wieder gestritten in den weltweiten Debatten um einen „synodalen Weg“ in der katholischen Kirche, also um eine moderate, sehr bescheidene Form der Demokratie in dieser Klerus-Männer-Kirche. Für die meisten ist und bleibt „Katholizismus und moderne Lebenswelt“ also sicher ein Widerspruch, aber das Thema ist in jedem Fall eine Herausforderung fürs (geistige) Überleben dieser Kirche. Und damit sollte sich die kulturell interessierte Öffentlichkeit befassen.<br />
Dieser Hinweis zeigt in der gebotenen Kürze: Es gibt eine katholische Theologie, die den Katholizismus aus der theologischen Sackgasse mittelalterlichen, erstarrten neu-scholastischen Denkens herausführen könnte. Der Initiator dieses zeitgemäßen Denkens ist der katholische Theologe Karl Rahner. Seine &#8211; von manchen revolutionär genannten &#8211; Einsichten sind heute weiten Kreisen kaum bekannt, seine Vorschläge haben sich noch längst nicht innerhalb der katholischen Kirche durchgesetzt, obwohl einige Bischöfe wahrscheinlich die theologischen Entdeckungen Rahners verstanden haben (wie einst Kardinal Karl Lehmann). In den evangelischen, diesen philosophisch-theologischen Spekulationen eher abgeneigten Kirchen, fand Rahners Theologie kein großes Echo, schon gar nicht in den in vielfacher Hinsicht theologisch nach wie vor erstarrten orthodoxen Kirchen.<br />
Es ist also Zeit, an Karl Rahner zu erinnern. Der äußere Anlass: Sein Geburtstag (am 5.3.1904) oder auch sein Todestag 80 Jahre später (am 30.3.1984). Biographische über wikipedia als Erstinformation.<br />
2.<br />
<em>Karl Rahner SJ ist ein katholischer Theologen der „besonderen“ Art: Er war immer auch Philosoph bzw. immer philosophierender Theologe,</em> man denke an seine Studien „Geist in Welt“ (1939) oder auch „Hörer des Wortes“ (1941). Nur in der spekulativen Kraft seines philosophischen Denkens konnte Rahner ein hervorragender Theologe werden, der endlich Eigenes, Neues, zu sagen hat.<br />
Rahner gebührt zweifellos das Prädikat „einer der bedeutendsten“ Theologen des 20.Jahrhunderts: Nur dies als eine knappe Begründung: Er hat die uralten Fixierungen erstarrter katholischer Theologie aufgebrochen, überwunden zugunsten einer grundlegenden Reform der Kirche. Er hat die katholische Theologie mit einer ungewöhnlichen Denkform vertraut gemacht, die man treffend „liberal theologisch“ und sogar „modernistisch“ genannt hat (1). Solche &#8211; katholisch immer umstrittenen &#8211; Prädikate einem katholischen Theologen zuzuweisen, bedeutet nicht, ihn „einzuordnen“, sondern nur aufmerksam zu machen: Wie mutig dieser Theologe war, sich auf offiziell, katholischerseits verachtete und verfolgte Denkformen der Moderne und der philosophischen Aufklärung einzulassen.<br />
Nichts war und ist bis heute verwegener, schlimmer, skandalöser, als wenn Rom einen Theologen mit dem Titel „Modernist“ (2) diskriminiert(e) (3). Also als einen Theologen „qualifizierte“, der die subjektiven Glaubenserfahrungen des einzelnen zum Schlüssel und zum Mittelpunkt allen katholischen Glaubens macht. Und so musste Rahner sich hüten, um des eigenen Überlebens willen, mit allzu großer Deutlichkeit diese seine „modernistische“ oder auch „liberale“ Denkform plakativ zu vertreten. Er musste sogar bei seinen mehr als 4000 Publikationen uralte Themen bearbeiten und publizieren, die in die katholischen „Steinzeit“ gehören, wie etwa die Lehre von Ablass. Diese wie bestellt wirkenden Beiträge (auch gegen Hans Küngs Neuverständnis der päpstlichen Unfehlbarkeit) verfasste Rahner wohl, um in dem kontrollierenden System überleben zu können und seine aktuelle „modernistische“ Theologie weiter zu bearbeiten. Das ist eine sich aufdrängende These, wenn man die Zurückhaltung, wenn nicht Angst in den 1950-1960 Jahren denkt, mit der Rahner seine eigentlichen theologischen Neuerungen vortrug.<br />
3.<br />
<em>Der „Modernismus“ war eine breite und vielfältig ausgeprägte theologische Bewegung</em> innerhalb der katholischen Kirche von ca. 1890 bis 1940), vor allem in Frankreichs, Englands und Deutschlands Kirche. Kurz zusammengefasst: Die Modernisten (ein Titel, der ihnen von Rom, dem Zentrum der Feinde des modernen katholischen Denkens, gegeben wurde) deuteten den katholischen Glauben „als die Wahrnehmung des im menschlichen Bewusstsein wirkenden Gottes; dieses lässt das Dogma entstehen, das sich also in einer vitalen Entwicklung aufgrund der Verarbeitung dieser Erfahrung durch den menschlichen Geist bildet“, schreibt der katholische Historiker Prof. Roger Aubert (4). Diese Beschreibung des „Modernismus“ ist in dieser Kürze wohl treffend, auch wenn Auberts Lexikonbeitrag eher die kirchen-offiziell gewünschte Kritik am „Modernismus“ durchblicken lässt.<br />
4.<br />
In diesem Hinweis wird kurz, aber angemessen, eine besonders neue, auffällige Dimension im Denken des ungewöhnlichen Karl Rahner vorgestellt. Diese Gestalt seines Denkens ist zunächst unter dem Stichwort „anthropologische Wende“ bekannt geworden. Diese Wende zum Menschen, die als Ausgangspunkt aller theologischen Reflexion die menschliche Lebenswelt nimmt, leitet heute prominente Autoren, wie Pater Anselm Grün aus Münsterschwarzach oder auf andere Art auch Eugen Drewermann.<br />
<em>Anthropologische Wende</em> bedeutet, kurz gesagt, für Rahner: Des Menschen geistiges Leben, wie etwa Lieben, Solidarität, Auseinandersetzung mit Verzweiflung, mit Tod, verweisen von sich aus auf eine transzendente Dimension, auf eine Bindung des menschlichen Geistes an etwas absolut Geltendes, das man Gott nennen kann, so benennt die klassische Theologie den Unendlichen und Ewigen.<br />
Diese von Rahner inszenierte anthropologische Wende hat weitreichende Konsequenzen: Sie sprengt sozusagen die enge Bindung an einen immer wieder vermittelten amtlichen Dogmen-Glauben, der nur als Gehorsam gegenüber Dogmen etc. verstanden wird. Der offizielle „Katechismus der katholischen Kirche“ von 1995 hat fast 800 Seiten der „zu-Glaubenden“ Sätze, d.h. Wahrheiten! Welch ein Wahn! Rahner hingegen erkennt: Auf den bewussten Vollzug geistigen Lebens kommt es an, auf die Reflexion über das lebendige geistvolle Leben inmitten des Alltags: Da und nur da wird Gott erfahren. In der Lebenspraxis, die immer Praxis des Geistes, der Vernunft ist, zeigt sich einem jedem die Verbundenheit mit dem Ewigen, Absoluten, Göttlichen (5). So kann Rahner ausführlich begründet: zeigen Nächstenliebe ist Verbundenheit mit Gott, ist „Gottesliebe“. Und darauf kommt alles an im menschlichen Leben.<br />
5.<br />
Von dieser Einsicht aus zeigt sich für Karl Rahner eine ungewöhnliche <em>Hochschätzung der Mystik</em>. Denn in der Mystik wird die Trennung von Göttlich-Menschlich überwunden. Mystik „macht“ den Menschen also nicht zu einem Gott, sondern sie erfährt und benennt dann auch die Anwesenheit des Göttlichen im endlichen, begrenzten Menschen. Über die Mystik wird erneut Rahners Interesse an einer „modernistischen und liberalen katholischen Theologie“ deutlich. Grundlage ist seine zentrale, auch heute ständig zitierte These &#8222;Der Christ der Zukunft wird ein Mystiker sein“ (6). Und Mystik ist eben nur denkbar als eine INDIVIDUELLE Lebensform und Interpretation des Glaubens. Eine historische Erinnerung: &#8222;Ab dem 16. und 17. Jahrhundert wird Mystik die Erfahrung eines radikal individuellen Umgangs mit dem Universellen, dem Transzendenten, mit Gott“. (7)<br />
6.<br />
Wenn Rahner von <em>Gott spricht, dann immer nur von dem &#8222;unendlichen Geheimnis&#8220;</em>. Geheimnis meint dabei nichts Mysteriöses, Hinterweltliches oder gar Spinöses, sondern eine alles grundlegende geistige Wirklichkeit, die sich im Denken und Handeln erschließt, die aber nur berührt, niemals umfasst und definiert oder gar beherrscht werden kann. Die Naturwissenschaften haben es mit „Rätseln“ zu tun, die sie im Laufe der Forschungen immer wieder annähernd beantworten können. Philosophien und Theologie haben es hingegen mit einem niemals durchschaubaren, aber ansatzweise erfahrbaren, berührbaren und in Poesie ahnungsweise nennbaren Geheimnis zu tun. Die alles grundlegende Wirklichkeit wird Gott genannt, aber Gott immer als als Geheimnis. Und damit stört Rahner alle besserwisserische Alltags-Theologie, die mit Gott umgeht wie mit einem Gegenstand und ihn in albernen Liedern, Gebeten etc. besingt und in höchsten Tönen preist oder aber ihn ideologisch, politisch missbraucht.<br />
Diese Relativierung aller menschlichen Definitionen von Gott ist eine Art Revolution für die römische Kirche. Rahner denkt radikal und lässt sich von kirchenamtlichen Kritikern nicht beirren: Gott ist absolutes Geheimnis. Aber noch einmal: Dieser Gott als Geheimnis ist eine ungreifbare, aber in allen geistigen Vollzügen des Menschen anwesende Kraft, der unendliche Horizont des Denkens, der nie greifbare Urgrund, der alles gründet und belebt. Damit steht Rahner in der Tradition der Mystik. Er erwähnt in seinen Aufsätzen etwa Meister Eckart oder Theresa von Avila.<br />
Mystik ist also nur die andere Seite der anthropologischen Wende der Theologie. Mystik ereignet sich „immer schon mitten im Alltag, verborgen und unbenannt“ (8). An vielen Beispielen aus den „konkreten Lebenserfahrungen“ zeigt Rahner die Anwesenheit des Geistes, des Heiligen Geistes, die Anwesenheit von Mystik (9), diese gut nachvollziehbaren Beschreibungen der Mystik im Alltag sind absolut lesenswert! Er spricht von Erfahrungen der Freiheit, von dem Nahesein der Finsternis des Todes, vom Trost angesichts von Verzweiflung…Und aus der Beschreibung geistvoller Lebenserfahrung in jedem Menschen zieht Rahner eine radikale Konsequenz. Radikal deswegen weil sie das enge Kirchendenken und die Herrschaft der Kirche über den einzelnen überwindet. Rahner notiert zu diesen geistvollen Alltagserfahrungen: „Da haben wir auch faktisch die Erfahrung des Übernatürlichen (also Gottes) gemacht“ (10). Und diese erfahrene, aber nie fassbare Nähe Gottes, des Ewigen wie auch immer , ist das alles Entscheidende für den Theologen Karl Rahner. Jetzt versteht man, warum er ein neuer „Modernist“ ist. Er reduziert die „Glaubenslehre“ auf Wesentliches, auf Humanes!<br />
7.<br />
<em>Es muss nun hingewiesen werden auf die kreative „modernistische“ Leistung Karl Rahners: Es handelt sich um seine „transzendentale Theologie“.</em> Der Begriff transzendental erklärt den Grund, die subjektive „Basis“ des religiösen, auch des mystischen Erleben des einzelnen Menschen.<br />
Mit dem Begriff „transzendental“ bezieht sich Rahner auf den Philosophen Immanuel Kant. Er hatte „transzendental“ seine damals neue, alles entscheidende Frage genannt, die nach den Bedingungen der Möglichkeit von Erkenntnis im Menschen (im Subjekt) fragt. Diese Bedingung der Möglichkeit des Erkennens liegt &#8211; populär gesagt &#8211; in der Vernunft des Menschen, in seinem Geist. Dem folgt Rahner gegen die Überzeugungen der versteinerten katholischen Theologie der fünfziger und sechziger Jahre, und er sagt: &#8222;Die transzendentale Frage in der Theologie bedeutet: Welche Bedingungen müssen im Geist des Menschen gegeben sein, damit das Wort der Bibel überhaupt verstanden wird?&#8220; Rahner geht noch weiter: „Der Mensch kann die Bibel nur deswegen verstehen, weil Gott, als göttliche Gnade, bereits im Menschen anwesend ist, als innere, als subjektiv erlebte, als „transzendentale Offenbarung“ , schreibt Rahner. Er will zeigen, dass „der Glaube an Jesus Christus nicht als eine bloß von außen kommende, auch noch so erhabene Zutat zur unabwälzbaren Existenz des Menschen erscheint. Sondern wir wollen den Glauben an Jesus Christus in der innersten Mitte der Existenz auffinden, wo er schon wohnt, bevor wir, hörend auf die Botschaft der Kirche, diesen Glauben satzhaft reflektieren“ (11).Und an anderer Stelle schreibt Rahner: „Ich bin der Überzeugung, dass das Christentum eben nicht nur eine von außen her kommende Lehre ist, die dem Menschen eingetrichtert wird. Sondern, dass es wirklich ein Christentum von Innen heraus, von der innersten persönlichen, menschlichen Erfahrung her, gibt und geben muss. Das Christentum ist nicht eine Lehre, die von aussen einem erzählt, dass es so etwas gibt wie Gnade, Erlösung, Freiheit, Gott, so wie einem Europäer mitgeteilt wird, dass es Australien gibt. Sondern das Christentum ist wirklich die Auslegung dessen, was in der innersten Mitte des Menschen (an einer vielleicht verdrängten, vielleicht nicht reflektierten Erfahrung doch) schon gegeben ist“.<br />
8.<br />
<em>Mit der „transzendentalen Offenbarung“ ist die Anwesenheit Gottes im Geist, in der Seele des Menschen, und zwar JEDES Menschen, gemeint.</em> Dabei werden universale Perspektiven wichtig! Das Denken wird befreit aus der engen Kirchenwelt des dogmatischen Klerus. Dieser Gott ist im Geist und der Seele und im Fühlen und Denken eines jeden Menschen grundsätzlich wirksam, lebt im Menschen, und der Mensch äußert seinen subjektiven Glauben selbstverständlich auch in Worten. Die zur anregenden Glaubenseinsicht auch für andere werden können. Dieser „innere“, der subjektive Gott ist der Ursprung der in der Geschichte sich äußernden Wort/Schrift-Offenbarung mit ihren biblischen Texten. Die „objektive“, sozusagen „außen“ greifbar sich zeigende, in der Geschichte sichtbare Offenbarung als Text ist nur in dieser engen Verbindung zur inneren Anwesenheit Gottes in jedem Menschen zu verstehen. Damit wird Entscheidendes gesehen: Wenn der Mensch den weisheitlichen Weisungen der Bibel folgt, die man als göttliche Offenbarung (Buch) nennt, dann folgt er zugleich seinen eigenen inneren Weisungen, die ihm auch seine eigene Vernunft erschließt. Es gibt also keine Fremdheit mehr gegenüber der Weisheit, die dem religiösen Menschen in den Texten der Bibel begegnen. Rahner schreibt: „Man soll aus der Erfahrung des eigenen Daseins heraus erfahren, ob das Christentum die Wahrheit des Lebens sei“ (12)<br />
9.<br />
<em>Nun kann bei dieser Einsicht für den Glaubenden nicht jeder Satz der Kirchenlehre die gleiche Bedeutung, Würde und Dringlichkeit haben. E</em>s gibt also ein Kriterium, mit dem der Glaubende Wichtiges von Unwichtigem in der riesigen katholischen dogmatischen -ethischen- rechtlichen Glaubenslehre findet. In dem Aufsatz „Die Forderung nach einer =Kurzformel= des christlichen Glaubens“ (13) zeigt Rahner das wahre, und das ist das einfache (also von der Überfülle der Lehren und Sätze befreite!) Zentrum des Glaubens auf. Letztlich hat die eine alles entscheidende Mitte einen Namen: Die Nächstenliebe, die auf die Gottesliebe zugleich verweist und die Erkenntnis, dass der Mensch in seinem Leben auf ein unendliches Geheimnis (Gott genannt) bezogen ist und sich von diesem unendlichen Geheimnis getragen wissen kann.<br />
10.<br />
Karl Rahner wusste das er sich das Leben und Arbeite als katholischer Theologe nicht leicht macht mit seinen tatsächlich neuen Erkenntnissen. Er weist sozusagen prophylaktisch im Blick auf das strafende Lehramt in Rom auf die für ihn zentrale, aber trotz Neuinterpretation orthodoxe Gnadenlehre hin (14). In Fußnote 1 dort heißt es also: „Wenn man bedenkt, dass die Gnade Christi der äußeren Predigt des Evangeliums IMMER SCHON zuvorgekommen ist (nämlich als Anwesenheit der Gnade im Menschen selbst, CM), kann diese Forderung (nämlich nach einer Kurzformel) nicht des Modernismus verdächtigt werden“.<br />
Wer die Geltung subjektiver Wahrheit, ja subjektiver Offenbarung im Glauben des einzelnen als Bedingung objektiver christlicher Wahrheit herausstellt, hat es also nicht leicht in der auf objektive Lehren fixierten Kirche. <em>Kein Wunder also, dass Rahner sich schützen musste. Man sollte bedenken, dass Rahner seit den fünfziger Jahren immer unter der Kontrolle des &#8222;Heiligen Offiziums&#8220; in Rom</em> stand und sogar noch 1961 vom Vatikan mit einem Schreibverbot bedroht wurde. Man möchte denken, dass die tatsächlich oft schwierige Sprache Rahners nicht auch sein Schutz ist, um seine Erkenntnis vor oberflächlichen Dogmatikern zu schützen! Tatsächlich sind manche Artikel Rahners eine gewisse sprachliche Zumutung, etwa sein wichtiger Beitrag über „Transzendentaltheologie“ ,ausgerechnet in dem eher doch wohl für breite Kreise bestimmten „Herders Theologisches Taschenlexikon“ Band 7, Freiburg, 1973, Seite 324-329.<br />
Trotz dieser unerfreulichen, feindlichen Situation etwa in Rom fühlte sich Rahner doch immer frei, zumal nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, also in den siebziger Jahren, kirchenpolitisch öffentliche Kritik zu äußern. Es gibt viele Stellungnahmen, Interviews, Zeitungsbeiträge Rahners, die seine Ablehnung des römischen Herrschaftssystems belegen: So nannte er vatikanischen Theologen „Bonzen“, (16), im Sinne von ideologisch verblendeten Partei-Bonzen oder Partei-Genossen.<br />
Seine Kritik an der bürokratischen, der möglicherweise den „heiligen Geist auslöschenden Kirche“, ist unvergessen, sein Zorn über die Dummheit der etablierten Kleriker ist bekannt. Seine radikalen Vorschläge für eine praktische „Ökumene jetzt“ (mit den Protestanten) fanden nicht das gewünschte Echo. Denn Rahner sagte tatsächlich: Abendmahls/Kommuniongemeinschaft unter Protestanten und Katholiken ist möglich, und zwar jetzt! Wenig Interesse zeigte sich die in ständigen Variationen doch immer gleichbleibende bürokratische Kirche an Rahners radikalen Vorschlägen, die er in seinem wichtigen Buch &#8222;Strukturwandel der Kirche als Chance und Aufgabe&#8220;, 1973, machte.<br />
Nebenbei: Ich erinnere mich noch gern, dsss sich Rahner 1977 auf ein ihm durchaus neues Thema einließ und ein Vorwort schrieb zu dem von mir (und Hans Zwiefelhofer) herausgegebenen Buch „Befreiende Theologie“, (Kohlhammer Verlag), also über die Theologie der Befreiung in Lateinamerika.<br />
11.<br />
Warum also Rahner als modernen Theologen lesen und seinen Impulsen folgen? Das wird eingestanden: Nicht alles von ihm Veröffentlichte hat heute (2023) Relevanz für viele, etwa seine Äußerungen zum Zölibat oder zu Details der Dogmengeschichte.<br />
In zentralen Aufsätzen hingegen hat Rahner die unaufgebbare Bedeutung und das grundlegende Recht des Glaubens des einzelnen, des Subjekts, des Menschen, im Ganzen des Glaubens verteidigt und begründet! Rahners Denken in seinen zentralen und aktuellen Veröffentlichungen befreien, weil sie auch überkonfessionell, ökumenisch, das Wesen des christlichen, also auch katholischen Glaubens zeigen, und dieses Wesen des Glaubens ist inhaltlich einfach und universal: Die Nächstenliebe und das Erspüren, dass menschliches Leben mit einem unendlichen Geheimnis zu tun hat. Mehr braucht der Mensch eigentlich nicht. Dieses von Rahner mehrfach herausgestellte Zentrum des christlichen Glaubens erinnert an Kant, an seine Religionsschrift. Aber das ist keine Kritik in meiner Sicht. Das ist gut so. So wird deutlich, dass Rahner auf die Herausforderung der modernen Philosophie, des modernen Denkens, antworten wollte. Und auf die Spuren Hegels in Rahners Denken wäre eigens hinzuweisen, also auf die Erkenntnis, dass der subjektive Geist auch die Formen des objektiven Geistes und damit auch des absoluten Geistes (Religion) prägt und in der lebendigen Geschichte zur Darstellung bringt. Und auf die Inspirationen, die Rahner von Heideggers Existenzanalysen in „Sein und Zeit“ empfangen hat, wurde schon mehrfach hingewiesen. Hier soll nur noch einmal betont werden: Rahner hat sich auf seine Art, angstvoll manchmal, den Herausforderungen der Moderne gestellt.</p>
<p><strong>Zum Schluss ein Wort Rahners:</strong><br />
<strong>„Das Christentum ist die „universale Botschaft, die nichts verbietet als die Selbstverschließung des Menschen in seine Endlichkeit. Das Christentum ist die universale Botschaft, die nichts verbietet, als dass der Mensch nicht glaubt, dass er mit der radikalen Unendlichkeit des absoluten Gottes begabt ist&#8220;.</strong> (16).<br />
———————————<br />
<em>Belege der Zitate:</em><br />
(1) Rahner als liberaler und modernistischer Theologe: Beleg beim englischen Theologen Philip Endean SJ in „Stimmen der Zeit, Spezial 1, 20004, Karl Rahner“. Karl Rahner als liberaler Theologe dort S. 67, 68, 69. Karl Rahner als Modernist S. 67: „Karl Rahners Vorhaben war im Grunde genommen dasselbe wie das ihre (der Modernisten)“ , S 67.</p>
<p>(2) Zum Modernismus, eine kurze Einführung: Prof.Peter Neuner, „Erfahrung und Geschichte. Die bleibende Herausforderung des Modernismus“, Orientierung Zürich, 1979, S. 2-6. Dieser Text kann noch im Archiv der Orientierung nachgelesen werden.</p>
<p>(3) Der viele Jahrzehnte gültige Antimodernisten-Eid, den alle Priester ablegen mussten, wurde 1967 von Papst Paul VI. abgeschafft, siehe den Beitrag „Antimodernisteneid“ in wikipedia.<br />
Eine moderatere Form des Antimodernisteneids wurde aber von Kardinal Ratzinger bzw. Papst Johannes Paul II. 1998 wieder eingeführt: „Als dann in den streckenweise chaotischen Jahrzehnten nach dem Konzil anstelle des Modernismus ein Relativismus, also eine gewisse Beliebigkeit in Glauben, Liturgie und Lehre Einzug hielt, versuchte wieder ein Papst, mit einem Eid gegenzusteuern. Johannes Paul II. (1978-2005) führte 1998 einen vom damaligen Kurienkardinal Joseph Ratzinger formulierten Treueid verbindlich ein.Er enthält im Wesentlichen eine feierliche Wiederholung des &#8222;normalen&#8220; Glaubensbekenntnisses aller Gläubigen, darüber hinaus aber auch Formeln wie diese: &#8222;Fest glaube ich auch alles, was im geschriebenen oder überlieferten Wort Gottes enthalten ist und von der Kirche als von Gott geoffenbart zu glauben vorgelegt wird, sei es durch feierliches Urteil, sei es durch das ordentliche und allgemeine Lehramt.&#8220; Auch gegen diesen Eid gab es zunächst Proteste und Polemik. Eine tiefgreifende Krise wie der Antimodernisteneid vor 100 Jahren löste die neue, deutlich gemäßigtere Formel indes nicht aus.“ (Quelle: DOM RADIO, Beitrag von Ludwig Ring-Eifel 31.8.2010.)</p>
<p>(4). Lexikonbeitrag „Modernismus“ in „Herders Theologisches Taschenlexikon“ Band 5 (1973), Seite 100.</p>
<p>(5). Aufsatz „Einheit von Gottes- und Nächstenliebe“ In: „Karl Rahner Lesebuch“, Freiburg 2014 hg. Albert Raffelt, S. 408 ff.</p>
<p>(6). Christ ist Mystiker… Siehe: Karl Rahner: „Frömmigkeit früher und heute“, in: ders., Schriften zur Theologie, Bd. VII, Einsiedeln u.a. 1966, 22f.</p>
<p>(7) Koenraad Geldof, in: &#8222;Michel de Certeau&#8220;, hg. von Marian Füssel, Konstanz 2007, Seite 140.</p>
<p>(8) Karl Rahner, , siehe Fußnote 5, S. 257.</p>
<p>(9) ebd. S. 258 ff.</p>
<p>(10) ebd. S. 261</p>
<p>(11), Karl Rahner, „Ich glaube an Jesus Christus“, Benziger Verlag, 1968, S. 29.</p>
<p>(12) : in „Gegenwart des Christentums“, Freiburg 1963, S. 51, dort der Aufsatz „Über die Möglichkeit des Glaubens heute“, 1960 geschrieben<br />
(13), veröffentlicht in Band VIII der „Schriften zur Theologie“, Seite 153 ff.<br />
(14). ebd. auf Seite 153 in Band VIII.<br />
(15) In“ Gegenwart des Christentums“, S. 51.<br />
(16) Die Kleriker, die in ihrer rigiden Haltung Rahner viel Leid, viele Probleme, zufügten nannte Karl Rahner schon 1962 „gräßliche Bonzen“, Leute, die sich eines Spitzel &#8211; und Zuträgersystems bedienten. In: Herbert Vorgrimler, „Karl Rahner verstehen“, Topos Taschenbücher 2002, S. 117.</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/15999_der-katholische-glaube-koennte-eigentlich-modern-sein-karl-rahners-beitrag-fuer-einen-zeitgemaessen-katholischen-modernismus_eckige-gedenktage">Der katholische Glaube könnte eigentlich modern sein! Karl Rahners Beitrag für einen zeitgemäßen „katholischen Modernismus“</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Mystiker, Journalist, Aufklärer, Theologe, Romantiker, aber immer: ein „Reisender“: Karl Philipp Moritz.</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/14004_mystiker-journalist-aufklaerer-theologe-romantiker-aber-immer-ein-reisender_buchhinweise/philosophische-buecher</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 11 Sep 2021 08:18:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Eckige Gedenktage]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Über Karl Philipp Moritz, anlässlich seines Geburtstages am 15.9.1756 Hinweise von Christian Modehn. Ein Motto: „Moritz ist ein wahres Genie, ein wahrer Sonderling“ (Alexander von Humboldt). 1. Muss man heute an Karl Philipp Moritz erinnern? Einige Stichworte zu seinem kurzen Leben,  aber sehr umfangreichen vielfältigen Werk: Aus bescheidenen, aber extrem  frommen pietistischen Verhältnissen stammend, vielseitig [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/14004_mystiker-journalist-aufklaerer-theologe-romantiker-aber-immer-ein-reisender_buchhinweise/philosophische-buecher">Mystiker, Journalist, Aufklärer, Theologe, Romantiker, aber immer: ein „Reisender“: Karl Philipp Moritz.</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Über Karl Philipp Moritz, anlässlich seines Geburtstages am 15.9.1756</p>
<p>Hinweise von Christian Modehn.</p>
<p>Ein Motto:</p>
<p>„Moritz ist ein wahres Genie, ein wahrer Sonderling“ (Alexander von Humboldt).</p>
<p>1.</p>
<p>Muss man heute an Karl Philipp Moritz erinnern?</p>
<p>Einige Stichworte zu seinem kurzen Leben,  aber sehr umfangreichen vielfältigen Werk: Aus bescheidenen, aber extrem  frommen pietistischen Verhältnissen stammend, vielseitig begabt; Journalist; Theologiestudent und Prediger; als Reisender rastlos unterwegs, Autor des hoch geschätzten Romans (als Autobiografie) „Anton Reiser“; ein Pädagoge der ungewöhnlichen Art („Phantasie ist wichtiger als Wissen“); ein Freund Goethes, beliebt in den Berliner Salons; Autor und Gründer der ersten Zeitschrift mit „psychoanalytischem Interesse“ (das „Magazin zur Erfahrungsseelenkunde“); schließlich Professor an der Akademie der Wissenschaften…</p>
<p>„Ein Aufstieg, der in der deutschen Geistesgeschichte ohne weiteres Beispiel ist“ (Willi Winkler, „Karl Philipp Moritz“, Rowohlt Monographie“, S.115). Aber doch mit der Einschränkung: „Man wusste nicht recht, wo man ihn einordnen könnte“ (Horst Günther im Nachwort zu „Anton Reiser, Insel-Taschenbuch, 2013, S. 529).</p>
<p>Muss man Menschen „einordnen“? Natürlich NICHT! Trotzdem: Moritz war nicht Philosoph im „klassischen“ Sinn, schon gar nicht Psychoanalytiker `avant la lettre`, er war auch kein Philologe alter Sprachen trotz seiner Studien zur antiken Mythologie… Aber: „Vielleicht liegt im Scheitern an den üblichen Gattungen seine Modernität“ (Horst Günther, ebd.)</p>
<p>2.</p>
<p>Über die Stationen und Daten seines kurzen Lebens kann man sich etwa bei wikipedia oder in der schönen Rowohlt-Monographie von Willi Winkler informieren. Geboren wurde Moritz am 15. 9.1756 in Hameln; gestorben ist er im Alter von knapp 37 Jahren am 26.6.1793 in Berlin.</p>
<p>3.</p>
<p>„Alles, was Moritz je geschrieben hat, gehört zueinander. Und alles ist angelegt in seiner Kindheit und Jugend“, betont Horst Günther (ebd., S. 530). Wenn das so ist, dann müsste die Prägung durch den extrem konfusen und unterdrückerischen Pietismus zuhause wie während seiner Ausbildung im Mittelpunkt der Forschung stehen. Die These sollte sein: Moritz, ein Mann, der durch frommen, sich mystisch nennenden Wahn verdorben wurde. Solches gibt es bis heute, nicht nur im Christentum…</p>
<p>Karl Philipp Moritz wird zu Hause nicht geliebt, aber mit der Ideologie einer christlichen Mystik abstruser Art konfrontiert, was ihn auch zur Selbstverachtung führt… Auch wenn Moritz später die Philosophie der Aufklärung schätzt: Die innere Bindung an Mystik und Quietismus (und damit verbunden auch an Aberglauben) wurde er nicht los. „Ganz kann sich Moritz nie von der Mystik befreien, die ihn von der Wiege auf unterdrückt hat“ (Willi Winkler, a.a.O., S. 120).</p>
<p>4.</p>
<p>Erstaunlich ist, dass in den protestantischen Kreisen von Hameln (wo er geboren wurde) sowie in Hannover und Braunschweig, wo er als 12-Jähriger bei einem von Mystik verwirrten Hutmacher lebte, die Lehren der französischen katholischen Mystikerin Madame de Guyon (1648-1717) (präziser: Jeanne-Marie Bouvier de La Motte Guyon)</p>
<p>verbreitet waren. Diese seltsame katholisch-protestantische Ökumene seit dem 18. Jahrhundert sollte weiter untersucht werden. Die einflussreichen Pietisten damals, wie August Hermann Francke, Gerhard Tersteegen, Zinzendorf usw. waren von den Ideen und Visionen Madame de Guyons geprägt… Diese fromme Adlige wurde wegen ihrer extremen spirituellen Lehren aber sogar von der offiziellen katholischen Kirche verfolgt, von anderen Katholiken wiederum wurde sie wie eine Heilige geschätzt: Sie glaubte z.B., mit Jesus verheiratet zu sein. Das Ziel ihrer mystischen Bemühungen war die Auflösung des menschlichen Selbst in Gott hinein, es ging tatsächlich um Vernichtung des Selbst. Das vernichtete Selbst wird dann in eine Art geistige Wüste und der Dürre geführt, wo „sich auch kein Fünklein der Selbstliebe mehr mischen darf“. Wie gesagt, diese abstrusen Wahngebilde fanden Zuspruch im protestantischen Deutschland, manche ließen sich wohl von ihrer „tiefgründigen“ Sprache verführen, wie das Umfeld des jungen Karl Philipp Moritz. Er  spricht noch von ihr in seinem autobiographischen Roman „Anton Reiser“, er zeigt, wie sich der junge Reiser (Moritz) sogar noch tröstete in den eleganten verworrenen Worten der Madame… Aber insgesamt hat diese eher menschenverachtende Mystik der Madame de Guyon dem jungen Moritz das Leben verdorben. Später distanzierte er sich ironisch-witzig von dieser Person, die die Trockenheit des Geistes lobte: “Als man nach ihrem Tode ihren Kopf öffnete, fand man ihr Gehirn fast wie ausgetrocknet“ (zit. in Willi Winkler, a.a.O. S. 17). Willi Winkler versucht eine Gesamteinschätzung: „Ob Moritz die Schwärmerei, den religiösen Aberglauben, den die Aufklärung so heftig bekämpfte, selber überwunden hat, ist zumindest zweifelhaft“. (Rowohlts Monographien, S.78).</p>
<p>5.</p>
<p>Als Journalist wagt sich Moritz auf ein ganz neues Feld der Forschung: Es geht um die Erkundung der Tiefen der Seele. Moritz geht in der von ihm begründeten und herausgegebenen Zeitschrift (1783-1793) von den konkreten Lebenserfahrungen des einzelnen Menschen aus, auch von den eigenen. „In einer Fülle von Fallgeschichten berichtete diese als Viermonatsschrift konzipierte Zeitschrift über Mörder und Selbstmörder, religiöse Schwärmer und Hypochonder. Versuche mit Taubstummen und Charakteranalysen von Adoleszenten wurden neben Fällen von Kleptomanie und sexuellem Missbrauch mitgeteilt. Ein anhaltendes, fast schon systematisches Interesse richtete sich auf die Form und den Inhalt frühester Kindheitserinnerungen, und die Vielzahl eingesandter Traumerfahrungen forderte Moritz und seine beiden ihn zeitweise vertretenden Mitherausgeber Carl Friedrich Pockels (1757-1814) und Salomon Maimon (1753-1800) zu ersten Ansätzen einer »Theorie der Träume« heraus“…. „Mit der Darstellung von Zwangshandlungen, Traumphänomenen und Kindheitserinnerungen, mit Mendelssohns Erörterung eines topischen Modells der Seele und den wegweisenden sprachpsychologischen Überlegungen von Moritz zu den unpersönlichen Zeitwörtern (»es donnert«), stand es am Beginn einer Entwicklung, die bis hin zu Sigmund Freud führen sollte, der dieselben rätselhaften psychologischen Phänomene mit einer neuen systematischen Theorie erschliessen konnte.</p>
<p>(siehe: http://telota.bbaw.de/mze/)</p>
<p>6..</p>
<p>Moritz interessiert sich für die philosophische Aufklärung. Auch den Kindern will er die Idee der Gleichheit erklären: in seinem „A.B.C.Buch“ von 1790. Die Menschen sind nicht ungleich, betont er: »Die armen und niedrigen Menschen sind ebenso gebildet [geschaffen] wie die Reichen und Vornehmen. Ein jeder Mensch ist der Hilfe bedürftig. Wenn die armen und niedrigen Menschen schwach und krank sind, so bedürfen sie der Hilfe. Und wenn die Reichen und Vornehmen schwach und krank sind, so bedürfen sie auch der Hilfe. Kein Mensch muss den andern gering schätzen. Denn es ist die höchste Würde, ein Mensch zu sein.«  (ZEIT 7. 9. 2006, Benedikt Erens).</p>
<p>7.</p>
<p>Karl Philipp Moritz ist und bleibt der bis heute hoch geschätzte Dichter seines autobiographischen Romans <em>Anton Reiser</em> (1790), inzwischen wurde diese „Bekenntnisschrift“ in viele Sprachen übersetzt. Es ist die Geschichte eines Versuchs, sich selbst mit vielen Mühen aus der Unmündigkeit zu befreien. Den Pietismus des Elternhauses verlässt Reiser, aber eine geistige, spirituelle Heimat findet er nicht. In dieser Wahrhaftigkeit stellt sich Reiser/Moritz dar. Reiser erhöht sich und degradiert sich, leidet unter Ängsten und hat doch den Willen, dem Leben einen höheren Sinn abzugewinnen, auch wenn es schwerfällt. Aber der Eindruck bleibt: Der Mensch wird im Laufe seines jungen Lebens zerstückelt. Der Schriftsteller Arno Schmidt sagt: „Anton Reiser, ein Buch wie es kein anderes Volk der Erde besitzt“ (zit. in Willi Winkler,a.a.O., S. 144).</p>
<p>8.</p>
<p>Die Macht der seelischen Zerstörung durch frommen Wahn (Madame Guyon usw.) war also alles andere als total. Moritz, der so oft gelitten hat, konnte seinen Schmerz sinnvoll in seinen vielfältigen Werken überwinden. Seine Homosexualität konnte er nicht in Freiheit leben und gestalten, so sehr er auch in seinen Freund Karl Friedrich Klischnig (1788 – 1811) verliebt war…</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Die Philosophen erschüttern.</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/13199_die-philosophen-erschuettern_denkbar</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 Jan 2021 16:24:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Denkbar]]></category>
		<category><![CDATA[Eckige Gedenktage]]></category>
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		<category><![CDATA[anything goes und Paul Feyerabend]]></category>
		<category><![CDATA[der philosophische Störenfried Feyerabend]]></category>
		<category><![CDATA[die Basis der Wissenschaften]]></category>
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		<category><![CDATA[ist die europäische Kultur überlegen]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik der europäischen Wissenschaften]]></category>
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		<category><![CDATA[Paul Feyerabend]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Paul Feyerabend: Ein ungewöhnlicher Mensch als Philosoph Ein Hinweis von Christian Modehn (Anlässlich eines „eckigen Gedenktages“) 1. Wir sollten an einen ungewöhnlichen Menschen denken, an einen Philosophen, der in Europa und Amerika aus dem „Rahmen“ aller Üblichkeiten fällt. Ich meine: Sein Werk ist ein Ereignis, erstaunlich, dass es einen solchen Philosophen inmitten der etablierten akademischen [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Paul Feyerabend: Ein ungewöhnlicher Mensch als Philosoph<br />
Ein Hinweis von Christian Modehn (Anlässlich eines „eckigen Gedenktages“)</p>
<p>1.<br />
Wir sollten an einen ungewöhnlichen Menschen denken, an  einen Philosophen, der in Europa und Amerika aus dem „Rahmen“ aller Üblichkeiten fällt. Ich meine: Sein Werk ist ein Ereignis, erstaunlich, dass es einen solchen Philosophen inmitten der etablierten akademischen Welt gab. „Enfant terrible“ der Philosophie wurde er genannt, „schrecklich“ war er überhaupt nicht, aber sehr anregend und aufregend. Er war als Philosoph ein ungewöhnlicher Mensch, „in seinem Verhalten oft etwas anarchistisch“ oder „exzentrisch“, dabei war er aber immer eine „faszinierende Persönlichkeit“ (so der Philosoph Paul Hoyningen-Huene).<br />
2.<br />
Paul Feyerabend (am 13.1. 1924 in Wien geboren, am 11.2.1994 in Genoller, in der französischen Schweiz gestorben) hat etliche Philosophen aus ihrer statischen akademischen Ruhe wenigstens für kurze Zeit befreit. Und selbst wenn sich heute seine Werke nicht mehr im Mittelpunkt der Diskussionen befinden: Feyerabends Thesen und Erkenntnisse bleiben wichtig fürs weitere Fragen.<br />
3.<br />
Er war als Philosoph umfassend gebildet. Aber nie hat er damit „angegeben, akademische Angeberei war ihm ein Gräuel“, so Paul Hoyningen-Huene.<br />
Feyerabend hatte zuerst Theaterwissenschaften und Geschichte und Soziologie studiert, dann Physik, Mathematik, Astronomie (Diplom), 1951 schließlich wurde er zum Dr. der Philosophie promoviert. Bei Popper hatte er studiert, von dem er sich heftig absetzte. Immer unterwegs, lehrte Feyerabend an zahlreichen Universitäten, für kurze Zwischenstopps hielt er z.B. auch in Berlin an der FU 1968 viel beachtete Vorlesungen, später war er Professor an der ETH in Zürich. Sein Kennzeichen: Er hat in seinen Vorlesungen fast immer frei gesprochen. „Bei Feyerabend verschwindet der Autor nicht hinter dem philosophischen Traktat, sondern er zeigt sich im Text, wenn auch in vielfältigen Aspekten und Brechungen“ (so Paul Hoyningen – Huene, in einem Porträt zu Paul Feyerabend in „Information Philosophie“, März 2002, Seite 33).<br />
4.<br />
Welche Erkenntnisse Feyerabends bleiben &#8211; in aller Kürze, nur des weiteren Studiums wegen genannt – wichtig?<br />
Die abstrakten Begriffe der Wissenschaften und der Philosophie sind Belege dafür, dass es eine totale Vorherrschaft des Rationalen in der dominanten europäischen Kultur gibt. Aber ist diese rationale Kultur tatsächlich, wie sie behauptet, den anderen überlegen? Dies muss geprüft werden. Andere Kulturen zur Sprache bringen ist eine ständige &#8211; auch philosophische &#8211; Aufgabe.<br />
Das Eintreten für eine Pluralität der Zugänge zu Wahrheiten sah Feyerabend als entscheidenden Schritt in Richtung einer freien Gesellschaft.<br />
5.<br />
Paul Feyerabend hat gezeigt, dass Wissenschaften keineswegs „neutral“ und „rein“, sondern selbst ideologisch geprägt sind. Das heißt: Sie leben auf einer Basis, die sie nicht hinterfragen. Also liegt den Wissenschaften eine Weltanschauung zugrunde. Das Suchen nach einer „letztgültigen Wahrheit“ kritisierte Feyerabend: Er betonte: Es gibt viele Methoden, nicht nur sich wissenschaftlich &#8211; rational nennende, die helfen, sich einer Wahrheit anzunähern. Er betont: Fortschritt in den Wissenschaften gibt es nur, wenn die geltenden Regeln der Wissenschaften verletzt und übertreten werden.<br />
6.<br />
Viel besprochen wurde die These Feyerabends: „Anything goes“, oft übersetzt mit „Alles ist erlaubt“. Feyerabend aber wollte mit dieser, wie er später sagte, eher als Witz formulierten Aussage lediglich für eine Vielfalt der Wege zur Erkenntnis eintreten. Er hat oft seine Aussagen zugespitzt, um nicht zu sagen übertrieben in seinen „Auftritten“, so wurden seine Vorlesungen manchmal empfunden. Siehe dazu: „Zum Leben braucht man die Nähe zu den Menschen. Paul Feyerabend im Gespräch mit Matthias Kroß“, in: „Information Philosophie, März 1995, S. 28ff.,. Darin auch die Stellungnahme zu seinem Buch „Against Method“ mit dem Untertitel „Outline of an Anarchistic Theory of Knowledge“ (1975). „Der Untertitel war natürlich als Witz gemeint… Aber ich habe doch nicht wissen können, dass die Leute so humorlos sind…“  (S. 31 f.)<br />
7.<br />
Paul Feyerabends Werk bleibt wichtig, weil es die Frage nach der „Relativität“ jeglicher Erkenntnis und Wissenschaft offenhält und eine allgemeine Fraglichkeit weckt, wenn irgendwo irgendwelche Institutionen allgemeine universale Wahrheiten zu verbreiten meinen. Damit weitet Feyerabend den Blick in die so genannten „anderen“ Kulturen, außerhalb Europas. Mit ihm wird es dringend, „interkulturell“ Philosophien zu studieren! Und vor allem: Dafür den interkulturellen Dialog als Voraussetzung zu pflegen.<br />
8.<br />
Entscheidend bleibt: Er hat, oft polemisch, ironisch, den „Betrieb“ der akademischen Philosophie gestört, um eine Sensibilität für die Fragen und Leiden der Menschen, der „einfachen“, zu entwickeln. Feyerabend, seit dem 2. Weltkrieg körperlich stark behindert, wollte vor allem eins: Den Sinn für das Geheimnis des Lebens entdecken, sagen und bewahren.  Dabei fand er viele akademische, philosophische Antworten nicht nur übertrieben, sondern bestenfalls für kleine Gruppen bedeutsam. Man kann wohl sagen, er wollte das Leben der „kleinen Leute“ nicht nur schätzen, sondern verteidigen gegen die Relevanz ganz großer Themen, wie die Skepsis:  „Also, welcher Mensch ist denn vom skeptischen Zweifel geplagt? Eine kleine Oberschicht, bestehend aus Leuten, die genug zu essen haben, denen es langweilig ist. Leute, die mitten in den Problemen sitzen, die nicht genug zu essen haben, die sind gar nicht vom skeptischen Zweifel geplagt, und denen soll man helfen“. So Feyerabend in dem genannten Interview in „Information Philosophie“ 1995. Eine interessante These, die freilich zu weiterer Diskussion ermuntert. Denn gerade die Armen rebellieren ja manchmal noch, dann wohl auch deswegen, weil sie an den bestehenden Zuständen tatsächlich „skeptisch zweifeln“ und oft verzweifeln.<br />
9.<br />
Einige wichtige Publikationen sind auf Deutsch erschienen, darunter:<br />
„Wider den Methodenzwang“. Skizzen einer anarchistischen Erkenntnistheorie,  1976.<br />
„Erkenntnis für freie Menschen. 1979.<br />
Nach seinem Tod erschien seine Autobiographie „Zeitverschwendung“, 1995. </p>
<p>Copyright: Christian Modehn, www.religionsphilosophischer-salon.de </p>
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		<title>Leo Tolstoi als Philosoph. Anläßlich seines Todestages am 20. November 1910</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/13053_leo-tolstoi-als-philosoph-anlaesslich-seines-todestages-1910_buchhinweise/philosophische-buecher</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Oct 2020 12:53:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alternativen für eine humane Zukunft]]></category>
		<category><![CDATA[Denken und Glauben]]></category>
		<category><![CDATA[Eckige Gedenktage]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophische Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[110.Todestag von Leo Tolstoi]]></category>
		<category><![CDATA[Gandhi schätzt Tolstoi]]></category>
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		<category><![CDATA[Tolstoi als Gründer eines Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Tolstoi als Kritiker der Orthodoxie]]></category>
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		<category><![CDATA[Tolstois Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[Wilhelm Goerdt Russische Philosophie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Hinweis von Christian Modehn 1. Ist Leo Tolstoi (1828–1910) ein Philosoph? Was für eine Frage! Sie kann nur mit einem Nein beantworten, wenn als Philosoph nur gelten kann, der an einer Universität oder Hochschule lehrt und ein möglichst perfektes Denk &#8211; System errichtet. Aber, unnötig zu betonen: Philosophie ist zunächst Philosophieren, lebendiges, selbstkritisches Frgen. [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/13053_leo-tolstoi-als-philosoph-anlaesslich-seines-todestages-1910_buchhinweise/philosophische-buecher">Leo Tolstoi als Philosoph. Anläßlich seines Todestages am 20. November 1910</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Hinweis von Christian Modehn</p>
<p>1.<br />
Ist Leo Tolstoi (1828–1910) ein Philosoph? Was für eine Frage! Sie kann nur mit einem Nein beantworten, wenn als Philosoph nur gelten kann, der an einer Universität oder Hochschule lehrt und ein möglichst perfektes Denk &#8211; System errichtet. Aber, unnötig zu betonen: Philosophie ist zunächst Philosophieren, lebendiges, selbstkritisches Frgen. Und diese Praxis des kritischen Denkens und Zweifelns findet überall statt, z.B. auch in der Literatur, unter den Schriftstellern.<br />
Natürlich ist Leo Tolstoj ein Philosoph, der in seinem äußerst umfangreichen Werk sich voller philosophischer Vorschläge äußert, selbst wenn er Philosophie sozusagen als „wissenschaftliche und strenge Disziplin“ dann doch eng findet.<br />
2.<br />
Immerhin widmet Wilhelm Goerdt in seinem umfangreichen Buch „Russische Philosophie“ (Karl Alber Verlag, Freiburg, 2002, 686 Seiten) fünf Seiten dem „Philosophen Tolstoi“ (S. 534 ff.). Goerdt betont gleich am Anfang, dass man die politischen und sozialen Überzeugungen Tolstois in die Nähe des Anarchismus stellen könnte. Tolstois zentrale Einsicht ist: Gewalt(herrschaft) verschwindet nicht, wenn neue Gewalttäter die Herrschaft übernehmen. Die Erneuerung des „inneren Menschen“, also die Veränderung des Bewusstseins in Richtung Liebe und Gewaltverzicht, ist die Voraussetzungen einer gelingenden humanen Welt.<br />
Tolstoi hat sich mit vielen Lebensentwürfen auseinandergesetzt, z.B. mit dem Glauben an den Fortschritt oder dem Glauben an die dogmatischen Kirchenlehren oder dem populären Glauben der einfachen Bauern: Übrig bleibt für ihn nach all dem Suchen die Frage: Wozu ist das alles sinnvoll? Und für Tolstoi die entscheidende Frage: Was ist der Tod, was kommt nach dem Tod?<br />
3.<br />
In Tolstois Leben und Denken geht es darum: Das beständige Hinterfragen zu üben, das Verlassen vertrauter Positionen, die Bindung an Eigentum, an Wohlstand, es geht ihm um das ewige Weitersuchen, das Misstrauen gegen schnelle Lösungen…Letztlich, so Tolstoi, muss die wahre, das ist die an allem zweifelnde Philosophie, ihr Nichtwissen eingestehen. Hier deutet sich an, dass Tolstoi in eine Haltung gerät, die man nur Glauben nennen kann. Aber es ist ein Glaube, der in sich selbst die Kraft der Vernunft bewahrt. Mit der Vernunft verwirft Tolstoi die Lehren der Kirche, die Macht der Kirche bekämpft er ohnehin. Übrig bleibt bei der vernünftigen Religionskritik die Hochschätzung der Bergpredigt Jesu (Siehe dazu etwa Tolstois Werk „Worin besteht mein Glaube, 1883, auf deutsch: https://www.projekt-gutenberg.org/tolstoi/glaube/chap001.html)<br />
4.<br />
Wichtig ist der Text: „Das Reich Gottes ist in euch!“ Damals in Russland verboten, 1894 in Deutschland erschienen, meines Wissens leider auf deutsch jetzt nicht greifbar. Hier wird wohl die Mitte seines christlichen Denkens erreicht, freilich in einer wörtlichen Interpretation der Bibel-Texte. Aber diese bezieht sich auf die politisch relevanten Texte des Neuen Testaments. Auf andere Weise meinte Tolstoi wohl kaum, die umstürzlichere, die „anarchistische“ Kraft des Evangeliums deutlich machen zu können, oder besser: praktisch werden zu lassen. Sein Buchtitel bezieht sich auf das Lukas Evangelium, Kap. 17, Vers 21. Die Orthodoxe Kirche deutete Tolstoi richtig als Staatskirche, die nichts für den Frieden tut und die jesuanische Forderung der Gewaltlosigkeit ignoriert.<br />
Tolstois Grundsätze heißen: „Du sollst nicht zürnen. Du sollst deine Frau nicht verlassen. Du sollst nie, nichts und niemandem schwören. Du sollst dem Bösen nicht gewaltsam Widerstand leisten. Du sollst Menschen anderer Völker nicht für deine Feinde halten“.<br />
5.<br />
Gandhi kannte dieses Buch Tolstois: „1908 schrieb Tolstoi einen Leserbrief an eine indische Zeitung (A Letter to a Hindu), in dem er die Meinung vertrat, dass das indische Volk die britische Kolonialherrschaft nur durch passiven Widerstand auf der Basis von Nächstenliebe zu Fall bringen könne. Im Jahr darauf schrieb Gandhi an Tolstoi mit der Bitte um Rat und für die Genehmigung, A Letter to a Hindu in seiner eigenen Sprache Gujarati zu veröffentlichen. Tolstoi antwortete und es folgte eine andauernde Korrespondenz bis zu seinem Tod im Jahr 1910. Die Briefe enthalten unter anderem praktische und theologische Anwendungen der Gewaltlosigkeit.[4] Tolstois Idee wurde schließlich durch Gandhis Organisation landesweiter gewalt freier Streiks und Proteste in den Jahren 1918–1947 realisiert“ (wikipedia, gelesen am 19.10.2020). Tatsache ist, dass Tolstoi Gandhi hochschätzte, wenn nicht bewunderte. (vgl.: https://www.asthabharati.org/Dia_Oct%20010/y.p..htm)<br />
6.<br />
Zentral bleibt für den freien Denker und Philosphen Tolstoi: Er war trotz – oder wegen – seiner Vorliebe für einzelne Aussagen des Neuen Testaments (das er auch auf Altgriechisch lesen konnte) ein Kritiker der Kirche, er lehnte die verfasste Institution Kirche ab. „Die kirchlichen Riten wurden in Tolstoijs Beschreibung zur Farce, zu einer Lüge, auf der das gesamte menschenfresserische System gründete“ (Lew Tolstoj, Rowohlt Monographie, 2010, S. 111). Und er lebte seine eigene Spiritualität, wobei er traditionelle Dogmen (wie die „Göttlichkeit Jesu“) ablehnte.<br />
7.<br />
Tolstoi hatte schon als junger Mann im Jahr 1855 in sein Tagebuch geschrieben, was er als seine Lebensaufgabe ansehen will: „Die Idee ist die Gründung einer neuen Religion, die der Entwicklung der Menschheit zum Segen gereicht, eine Religion Christi, die jedoch gereinigt ist von Aberglaube und Geheimnis, eine praktische Religion, die nicht künftiges Heil verspricht, sondern Heil auf Erden zu geben vermag“ (zit. in „Lew Tolstoj“, Rowohlts Monographie, von Ursula Keller und Natalja Sharandak, S. 69). </p>
<p>Hinweise zu „Tolstoi und der christliche Anarchismus“ finden sich auch in dem Sammelband „Christlicher Anarchismus. Facetten einer libertären Strömung“, hg. on Sebastian Kalicha, Verlag Graswurzelrevolution, 2013, 192 Seiten.</p>
<p>Copyright: Christian Modehn.www.Religionsphilosophischer-Salon.de</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/13053_leo-tolstoi-als-philosoph-anlaesslich-seines-todestages-1910_buchhinweise/philosophische-buecher">Leo Tolstoi als Philosoph. Anläßlich seines Todestages am 20. November 1910</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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		<title>Der heilige Rummelplatz der guten Bürger: Über den Maler Hans Baluschek</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/12995_der-heilige-rummelplatz-der-guten-buerger-ueber-den-maler-hans-baluschek_denkbar</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 13 Sep 2020 13:23:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Denkbar]]></category>
		<category><![CDATA[Eckige Gedenktage]]></category>
		<category><![CDATA[Forschungsprojekte]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophische Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[150. Geburtstag von Hans Baluschek]]></category>
		<category><![CDATA[Hans Baluschek der Berliner Rummelplatz]]></category>
		<category><![CDATA[Hans Baluschek im Bröhan Museum]]></category>
		<category><![CDATA[Hans Baluscheks Werk in Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[religiöse Dimensionen im Berliner Rummelplatz von Hans Baluschek]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Hinweis von Christian Modehn Hans Baluschek wurde am 9.Mai 1870 geboren; er starb am 28.9.1935 in Berlin Ergänzung am 28.8.2024: Im Bröhan Museum in Berlin (-Charlottenburg) findet bis zum 1. Sept. 2024 wieder eine Ausstellung einiger wichtiger Arbeiten von Hans Baluschek statt. Wer diese Ausstellung nicht mehr besuchen kann, sollte sich in jedem Fall [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/12995_der-heilige-rummelplatz-der-guten-buerger-ueber-den-maler-hans-baluschek_denkbar">Der heilige Rummelplatz der guten Bürger: Über den Maler Hans Baluschek</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Hinweis von Christian Modehn<br />
Hans Baluschek wurde am 9.Mai 1870 geboren; er starb am 28.9.1935 in Berlin</p>
<p>Ergänzung am 28.8.2024: Im Bröhan Museum in Berlin (-Charlottenburg) findet bis zum 1. Sept. 2024 wieder eine Ausstellung einiger wichtiger Arbeiten von Hans Baluschek statt. Wer diese Ausstellung nicht mehr besuchen kann, sollte sich in jedem Fall das wichtige Begleitbuch zu dieser Ausstellung besorgen mit dem Titel &#8222;Geheimcodes. Hans Baluscheks Malerei NEU LESEN!&#8220; (hg. von Tobias Hoffmann und Fabian Reifferscheidt.) Das Buch ist über das Bröhan Museum zu beziehen. Es umfasst 136 Seiten, (16 €) , mit etlichen Wiedergaben von Baluschek Gemälden und vor allem: Es bietet weiterführende Bild &#8211; Interpretationen: Baluschek ist eben mehr als &#8222;nur&#8220; ein sozialkritischer realistischer Maler&#8230;Das Bröhan Museum sorgt dafür, dass Baluschek allmählich immer &#8222;bekannter wird&#8220;&#8230;</p>
<p>&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;</p>
<p>1.<br />
Kaiser Wilhelm II. liebte über alles den schönen Schein, also die Ignoranz der Wahrheit. Er sagte in seiner berühmten „Rinnsteinrede“ 1901: „Kunst soll erheben und erbauen&#8230;und nicht das Elend noch scheußlicher darstellen“. Dass das soziale Elend vieler tausend Menschen in Berlin scheußlich war, wusste der Kaiser also. Nur sollten bitte die Künstler davon ablenken und nur Erbauliches, Erhebendes zeigen, also das gute Bürgertum und das Militär beruhigen. Künstler sollten also wohl ins Religiöse ausweichen. Das Religiöse bzw. das offiziell Christliche verstand das protestantische Kirchenoberhaupt, der Kaiser also, eher als etwas Beruhigendes, Marx sprach treffend von Opium.<br />
Mit der offiziellen „schönen“ Kunstpolitik waren etliche Maler nicht einverstanden, sie opponierten und gründeten 1898 die Berliner Secession, unter ihnen Käthe Kollwitz und Hans Baluschek.<br />
2.<br />
Hans Balluschek hat sein ganzes Werk der Darstellung der inhumanen sozialen Realität gewidmet.<br />
Bis zum 27. September 2020 gibt es noch die Chance, ein breites Spektrum seines Werkes im Bröhan Museum in Berlin – Charlottenburg zu betrachten und zu studieren. „Zu wenig Parfüm, zu viel Pfütze“, ist der Titel der Ausstellung.<br />
Baluschek ist für viele, die nicht gerade Kunsthistoriker sind, auch heute eher noch eine Entdeckung! Und was für eine! Betrachter seiner Bilder werden sich die Frage: stellen: In welcher Weise hat sich die soziale Realität des Lebens der Armen in Europa, vor allem aber in den Ländern der sogen. „Dritten Welt“ verbessert? Die Antwort wird sicher alles andere als euphorisch ausfallen.<br />
3.<br />
Ich habe schon 2018 auf eine Ausstellung ebenfalls im Bröhan &#8211; Museum hingewiesen und dabei an Baluschek erinnert. „Das unsoziale Berlin“ war der Titel. <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/10616_berliner-realismus-ueber-das-unsoziale-berlin-um-1925-eine-ausstellung-im-broehanmuseum_denkbar">LINK</a>:<br />
4.<br />
Hier will ich nur auf ein Meisterwerk Baluscheks aufmerksam machen: „Berliner Rummelplatz“, gemalt 1914, also im unmittelbaren Umfeld des 1. Weltkrieges. Die feinen Bürger bzw. fein gemachten Leute mit prächtigen Hüten und Kleidern im „Sonntags-Staat“ stehen voller Staunen und Ergriffenheit vor einem grell erleuchteten Pavillon. Er erscheint wegen seiner dominanten goldenen Farben wie ein Tempel, wie ein mysteriöses Heiligtum, hinter dem allerhand überweltliche Dinge passieren könnten.<br />
Zwei Posaunen-Bläser stehen wie Engels-Gestalten auf der Bühne, sind sie die Engel des Gerichtes oder die Boten guter Nachricht? Deutsche Flaggen in den damals üblichen Farben Schwarz Weiß Rot umrahmen den „Tempel“. Im unmittelbaren Vordergrund des Gemäldes sitzen zwei Jungen aus der armen Welt, die zu diesem Gold – und Glanztempel eigentlich keinen Zugang haben und von der feinen Welt ignoriert werden.<br />
5.<br />
Es ist kein billiger Rummelplatz für das kurze Vergnügen, den Baluschek da malt, sondern eine Art säkularer heiliger Ort, zu dessen Empore die Bürger aufschauen wie in einer Kirche, in der die Gläubigen bekanntlich ihre Augen auf den Altar oder die Kanzel hingebungsvoll fixieren.<br />
Dies ist also die faktische, die „religiöse“ und auch die ethische Bindung der Bürger, der Reichen: Sie blicken wie fasziniert auf Zaubereien in einem vergoldeten Kitschtempel. Diese Interpretation legt Baluschek selbst nahe: Links an einer anderen Bude (an einem anderem Haus?) ist in Großbuchstaben das Wort MYSTIK zu lesen: Mystik, also die höchste Form der Verbundenheit mit dem Göttlichen, ist auf dem Rummelplatz gelandet, als billiger vergoldeter Kram, umgeben von den Flaggen des deutschen „heiligen“ Nationalismus. Diese Menschen verehren letztlich den goldenen Zirkus, ihr Kirchplatz ist der Rummelplatz.<br />
6.<br />
Hans Baluschek hat diese religiösen Dimensionen eher nur angedeutet. Sein Hauptinteresse war auch ein politisches im Rahmen der SPD. Deswegen wurde er von den Nazis verfolgt.</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/12995_der-heilige-rummelplatz-der-guten-buerger-ueber-den-maler-hans-baluschek_denkbar">Der heilige Rummelplatz der guten Bürger: Über den Maler Hans Baluschek</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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		<title>Glauben ist die Lust zu denken! Sowie: „Hegel und der Rassismus“</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/12989_glauben-ist-die-lust-zu-denken-sowie-hegel-und-der-rassismus_buchhinweise/philosophische-buecher</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 12 Sep 2020 20:13:49 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Von Christian Modehn Veröffentlicht in der empfehlenswerten Zeitschrift PUBLIK FORUM am 28.08.2020 Vor 250 Jahren wurde der Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel geboren. In seinem umfassenden Werk sind die Religionen zentrales Thema. Kann Hegel auch eine christliche Spiritualität für heute inspirieren? Der christliche Glaube ist wie ein Sprung, hinein ins göttliche Mysterium«. Diese Weisheit wird [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Von Christian Modehn </p>
<p>Veröffentlicht in der empfehlenswerten Zeitschrift PUBLIK FORUM am  28.08.2020 </p>
<p>Vor 250 Jahren wurde der Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel geboren. In seinem umfassenden Werk sind die Religionen zentrales Thema. Kann Hegel auch eine christliche Spiritualität für heute inspirieren? </p>
<p>Der christliche Glaube ist wie ein Sprung, hinein ins göttliche Mysterium«. Diese Weisheit wird viel zitiert und prominent verteidigt, etwa von dem Philosophen Søren Kierkegaard oder den Theologen Karl Barth und Joseph Ratzinger. Letzterer schreibt in seiner »Einführung in das Christentum«: »Immer schon hat der Glaube etwas von einem Sprung an sich.« Das Gegenteil betont der Philosoph Hegel: »Jeder Mensch wird durch seine Vernunft, also im Denken, Schritt für Schritt zu Gott geführt. Was wäre auch sonst der Mühe wert zu begreifen, wenn Gott unbegreiflich ist?«<br />
Hegel hat nie geleugnet, dass seine Re&shy;li&shy;gi&shy;ons&shy;phi&shy;lo&shy;so&shy;phie nicht nur sehr anspruchsvoll, sondern auch anstößig ist. Als Philosoph will er wesentliche Überzeugungen des Christentums für die moderne Welt nicht nur darstellen, sondern geradezu »retten«. Hegels Vorschläge für eine zeitgemäße christliche Spiritualität befreien von der Last, sich an »Wundersames«, »Mysteriöses« zu binden. Hegels Spiritualität hat einen praktischen Zweck: Sie zeigt, wie Menschen versöhnt mit sich selbst und friedlich mit anderen in einem Staat leben können, der den Menschenrechten entspricht. Hegel als Lehrer philosophischer Spiritualität zu begreifen ist ein Wagnis. Denn als Mensch des 19. Jahrhunderts ist er in die damalige Welt eingebunden. Aber warum sollen seine Erkenntnisse zur Spiritualität weniger wert sein als die der »großen Mystiker« aus dem 16. Jahrhundert oder dem Mittelalter? Friedrich Nietzsche, der Gottesleugner, hat schon recht, wenn er in seiner »Fröhlichen Wissenschaft« Hegels Leistung beschreibt: »Er hat den Sieg des Atheismus noch einmal verzögert, und zwar par excellence.« </p>
<p>Hegel wurde am 27. August 1770 in Stuttgart geboren. Philosophie und Theologie hat er in Tübingen studiert, unter den Kommilitonen sind Hölderlin und Schelling seine inspirierenden Freunde. Die damalige Theologie erlebt er entweder als eine abstrakte und spröde Ideologie oder als Ausdruck überschwänglicher Charismatiker und Pietisten. Davon distanzierte er sich immer. Hingegen bleibt ihm die Gestalt Jesu Christi seit seiner Studentenzeit wichtig. Aber später, als »reifer Philosoph«, interessiert er sich immer weniger für alle Details der »Biografie Jesu«: Entscheidend wird ihm die Gestalt des Gottmenschen Jesus Christus: Sie deutet er philosophisch als den Höhepunkt der nach den Prinzipien des Geistes verlaufenden Religionsgeschichte. Jesus wird so zur maßgeblichen Verkörperung der Einheit von Göttlichem und Menschlichem! Jesus als historische Glaubensgestalt wird »aufgehoben«, das heißt: »verändert bewahrt«, in einem nun für alle zugänglichen Denken. Hegel bezieht sich also auf überlieferte Glaubensinhalte, aber er übersetzt sie ins begriffliche Denken. Das ist seine spirituelle Provokation für die Moderne. Gott und Mensch im Geiste eins.<br />
 Nach dem Studium muss er als Hauslehrer seinen Unterhalt verdienen, später arbeitet er als Zeitungsredakteur, schließlich als Direktor eines protestantischen Gymnasiums in Nürnberg. Dort heiratet er Maria Tucher »aus gutem Hause«, zwanzig Jahre jünger als er … Erst als Professor in Heidelberg kann er sich ganz auf die Philosophie konzentrieren. In Berlin lehrt er von 1818 bis zu seinem Tod 1831 mit großem öffentlichen Interesse und viel Widerspruch. Kein anderer Philosoph hat einen so vielfältigen Schüler-Kreis hinterlassen. Prominent sind Feuerbach und Marx. Und kein anderer Philosoph hat wie Hegel durch sein Werk Weltgeschichte mitgestaltet. Immer ist seine Philosophie verbunden mit den Problemen seiner Zeit. Er kritisiert die Allmacht reaktionärer Politiker, wenn sie die Menschenrechte ignorieren, er weist die Ansprüche des katholischen Klerus zurück, die das Gewissen der Gläubigen bestimmen oder kirchliche Gebote bei der Gestaltung eines Rechtsstaates durchsetzen wollen. In Berlin hält sich Hegel, der Republikaner, in Distanz zum königlichen Hof: Als gut situierter Bürger liebt er die Oper, die Matthäuspassion von Bach lernt er schätzen. Er ist gern gesehen in den damals beliebten literarisch-philosophischen Salons. Zu den protestantischen Theologen an der Universität hält er einen polemischen Abstand. Ein eifriger Kirchgänger ist der Lutheraner Hegel nicht gewesen, aber seine Kinder lässt er konfirmieren. Hegel geht seinen eigenen Weg, er lebt in einer »Frömmigkeit des Denkens«. Diese ist die Basis seiner philosophischen Spiritualität, wie er sie in seiner »Phänomenologie des Geistes« und in seiner »Logik« entwickelt: Der menschliche Geist, so zeigt er, kann sich in mühevollen Reflexionen zum göttlichen Geist erheben. Hegel ist überzeugt: »Der Mensch gehört dem göttlichen Wesen an.« Gott und Mensch sind wesentlich eins. Zwar weiß sich der Mensch immer auch als eine endliche, begrenzte Person, aber als Geschöpf Gottes handelt er wesentlich mit Gottes Geist verbunden. Böse wird der Mensch, wenn er egozentrisch diese Verbundenheit aufgibt … und dadurch sich selbst und andere schädigt. Das gilt auch für die Geschichte der Menschheit. Auch sie ist vom Zusammenwirken göttlichen und menschlichen Geistes als einem einzigen Geist bestimmt. Hegel spricht vom »Weltgeist«, im Detail betrachtet sicher einer seiner umstrittensten Begriffe. Wenn er von den großen Individuen spricht, etwa Napoleon, bewundert er ihn nicht nur, sondern nennt ihn auch »Koloss«, der dann endlich gestürzt wurde. Es ist letztlich eine zwiespältige Bewertung. Im Hinblick auf die Spiritualität heißt es provozierend: Die ganze Weltgeschichte ist vom Geist bestimmt. Negatives, wie Kriege oder auch Schmerzen und Leiden der Einzelnen, leugnet Hegel überhaupt nicht! Leitend ist aber die heilsame Erkenntnis: Menschen sollen in allen negativen Situationen wissen, dass der Geist, der göttlich-menschliche, trotz allem die stärkste Kraft ist. »Nur die philosophische Einsicht kann den Geist mit der Weltgeschichte und der Wirklichkeit versöhnen, dass das, was geschehen ist und alle Tage geschieht, nicht nur nicht ohne Gott geschieht, sondern wesentlich das Werk seiner selbst ist.« </p>
<p>Diese eine Frage lässt Hegel nicht los: Wer also ist der Gott der Christen? Seine Antwort befreit von allen Begrenzungen anschaulicher Bilder: »Gott ist Geist, absoluter ewiger Geist.« Als allumfassendem Geist gehört auch das Andere seiner selbst, also Welt und Menschen, zu ihm. Wären Welt und Mensch außerhalb des Göttlichen, dann wäre Gott, so Hegel, nicht mehr allumfassend. Er hätte dann sozusagen »natürliche Konkurrenten«. Aber das Verhältnis dieser grundlegenden Einheit bei aller Verschiedenheit ist ein Verhältnis der Liebe der Verschiedenen Einen. So weit geht die philosophische Spekulation! </p>
<p>Wo also hat der Glaube seinen alles entscheidenden Mittelpunkt? In der Selbsterfahrung des Geistes, der heilig ist: »Denn wir Menschen wissen im Geist unmittelbar von Gott. Dies ist die Offenbarung Gottes in uns«, sagt Hegel 1830 in einer Vorlesung. Natürlich sind Christen auch mit Weisheiten und Lehren konfrontiert, die ihnen von außen, etwa von der Institution Kirche, begegnen. »Aber diese religiösen Lehren kann der Mensch nur ernst nehmen, weil sie den eigenen Geist treffen, »erregen«, wie Hegel sagt. Alle Religionen sind zudem selbst nichts anderes als sich immer deutlicher entwickelnde Produkte des Geistes. Diese Entwicklung findet im Christentum ihren Höhepunkt, weil nur hier Gott als Geist gewusst und verehrt wird! Darüber sollten sich heute Religions-Theologen streiten … Hegel spitzt seine Spiritualität der Einheit von Gott und Mensch noch weiter zu, wenn er provozierend sagt: »Die Philosophie ist der wahre Gottesdienst«. Er weiß aus eigener Erfahrung: Wenn der Mensch sich auf seine Vernunft bezieht, dann erhebt er sich aus seiner engen, begrenzten Welt, er verbindet sich mit der Unendlichkeit Gottes und kann nur staunen über diese ihm zugänglichen Dimensionen. Und dieses Erleben ist der entscheidende »Dienst an Gott«, also Gottesdienst. Um dahin zu gelangen, plädiert Hegel für eine Askese, eine geistige Übung, also eine Art privater Andacht: »Gott ist nur für den denkenden Menschen, wenn der sich still für sich zurückhält«: Das heißt: Der sich zurückziehen kann, aber auch sein eigenes Ego »zurückhält«. Von der Einheit von Gott und Mensch haben früher schon Mystiker gesprochen. Daher schätzt Hegel den Dominikanermönch Meister Eckhart oder den schlesischen Denker Jakob Böhme. Aber er meint durchaus unbescheiden: Erst seine eigene Philosophie zeige begrifflich klar: Gott und Mensch sind füreinander keine Fremden. In diesem einen göttlichen Geist lebt alles und sind alle – bei bleibendem Unterschied – geborgen. Das ist kein »Pantheismus«, für den alles ohne Unterschied göttlich ist, sondern sehr nahe am Apostel Paulus. Dieser schreibt im ersten Korintherbrief: »Uns aber hat Gott die Weisheit Gottes enthüllt durch den Geist. Der Geist ergründet nämlich alles, auch die Tiefen Gottes.« Das könnte Hegel nicht besser sagen. Als lebendiger Geist ist Gott Liebe. Auch dies sagt Hegel ausdrücklich. Gott zeigt sich Menschen wie ein Freund, der seine Sonderstellung, seine »abstrakte Ferne« aufgibt und sich mit dem anderen im Geist vereint. Sogar über den Tod hinaus. Hegel selbst hielt es für egozentrisch, an die eigene leibliche Auferstehung zu glauben. Von der Unsterblichkeit der Seele war er jedoch überzeugt: »Der Tod hat den Sinn, dass das Menschliche abgestreift wird und die göttliche Herrlichkeit hervortritt.« Denn Gott habe als absoluter Geist die Negativität des Todes besiegt, das werde in der Auferweckung Jesu von Nazareth sichtbar und gelte für alle. Hegel macht es als spiritueller Lehrer den Christen auch heute nicht einfach, weil er auch die Kirchen nach den Maßstäben seiner Vernunft bewertet. Grundsätzlich hält er die Prinzipien der protestantischen Kirche besser geeignet, die Lehre von der Einheit Gottes mit dem Menschen zu akzeptieren. Denn schon Luther habe alle Bindungen der Christen an »äußerliche Frömmigkeit« aufgegeben, die Wallfahrten und die Heiligenverehrung, die Verehrung von Reliquien und die Leidenschaft, Wunder zu erleben. Der protestantische Glaube kenne prinzipiell (!) die Hochschätzung der Innerlichkeit. Und er passt in die Zeit der sich mühevoll durchsetzenden Menschenrechte, weil er die wesentliche Gleichheit aller Kirchenmitglieder lehrt: »Laien« gibt es nicht im Protestantismus. Ebenso wenig einen Klerus, der das »Heil« vermittelt. Hegel geht so weit zu sagen: »Der Protestantismus ist wesentlich Bildung des Geistes, seine wahren Tempel sind Schulen und Universitäten.« Die katholische Lehre fördere dagegen nicht den reifen, selbstbewussten Glauben, sondern die Haltung von Untertanen. Der Katholizismus ist für Hegel, trotz mancher Reformen im 16. Jahrhundert, auf dem geistigen Niveau des Mittelalters stehen geblieben. Sonst würde man nicht die Hierarchie so sehr in den Mittelpunkt stellen, die Menschenrechte für eine Irrlehre erklären und nach wie vor am Ablass festhalten. Trotzdem hat Hegel nie für Übertritte zum Protestantismus geworben. Hellsichtig sah er, dass es auch dort Widersprüche zwischen dem Ideal und der Realität gab. Letztlich, so Hegel, rettet allein die Philosophie eine vernünftige Spiritualität. </p>
<p>Hegel hat darunter gelitten, dass er als Philosoph naturgemäß vom Allgemeinen, vom Wesentlichen, sprechen muss und viel zu wenig vom bunten Leben der vielen einzelnen Menschen sprechen konnte. Aber er tröstet sich und seine Leser: Der einzelne Mensch ist immer auch im allgemeinen Menschen. Insofern ist auch eine Spiritualität hilfreich, die sich aus der Reflexion des allen Menschen gemeinsamen göttlichen Geistes ergibt!</p>
<p>&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;.<br />
Von Sklaven und Afrikanern<br />
Von Christian Modehn (PUBLIK FORUM vom 28.08.2020) </p>
<p>Obwohl Hegel Sklaverei vehement verurteilte, hat er sich dem Rassismus seiner Zeit nicht ganz entzogen. </p>
<p> Hegels Philosophie ist von der Hochschätzung der Französischen Revolution bestimmt. Er hat sie »als herrlichen Sonnenaufgang« gepriesen, weil »Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit« nun grundsätzlich als höchste Prinzipien für jede staatliche Ordnung gelten sollen. Aber sein republikanischer Enthusiasmus wird gebremst durch die Erfahrung der Gewaltexzesse seit Robespierre und auch durch reaktionäre Ideologien, die in Preußen seit 1818 die freie Meinungsäußerung einschränken. </p>
<p>In der Hochzeit des Kolonialismus war Rassismus allgemeine Ideologie, die auch an den Universitäten Einzug hielt. Die »Schädellehre«, »Cranioskopie«, wollte wegen der Größe des Kopfes die »Weißen« zu den wertvolleren Menschen erklären. Als einer der wenigen widersprach der Anthropologe Johann Blumenbach. Seiner Kritik schloss sich Hegel an und schrieb in seiner »Rechtsphilosophie«: »Das Sein des Geistes ist doch kein Knochen.« Auch zum Thema Sklaverei äußert sich Hegel pointiert. Über den Aufstand der Sklaven auf »Saint Domingue«, heute Haiti, war er gut informiert. Seine Sympathie galt der ersten Republik der einstigen Sklaven, die die Kolonialherrschaft bereits 1804 überwunden hatten. Als die neuen Herrscher dann aber ebenfalls blutige Gewalt ausüben, modifiziert Hegel seine Meinung. Die Befreiung von Sklaverei sollte nur moderat, schrittweise, geschehen. Dennoch sieht er klar: »Sklaverei ist an und für sich Unrecht. Denn das Wesen des Menschen ist die Freiheit. Der Besitz an einer anderen Person ist ausgeschlossen. Dass keine Sklaverei sei, ist eine sittliche Forderung.« 1822 schreibt er: »Was den Menschen zum Menschen macht, Freiheit und Vernunft, daran haben alle Menschen gleiches Recht.« Gegen Ende seines Lebens passt sich Hegel allerdings doch der allgemeinen, rassistischen Ideologie an – vielleicht weil die staatlichen Repressionen ihm gegenüber immer größer werden. In seinen »Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte« nennt er Afrika einen Kontinent der »Wildheit und Unbändigkeit«, der keine Bedeutung für den Fortschritt in der Weltgeschichte habe. »Hegel wird – in politischer Hinsicht – dümmer«, meint die Philosophin Susan Buck-Morss.</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin</p>
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		<title>Von den Abgründen der Seele und dem Wahnsinn der Politik: Francois Mauriac.</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/12979_von-den-abgruenden-der-seele-und-dem-wahnsinn-der-politik_gott-in-frankreich</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 10 Sep 2020 14:33:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Denkbar]]></category>
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		<category><![CDATA[katholische Erneuerung in Frankreich]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Abgründe der Seele und der Wahnsinn der Politik Über den Schriftsteller Francois Mauriac Hinweise von Christian Modehn 1. Wer heute an den Schriftsteller Francois Mauriac erinnert, bezieht sich nicht auf eine Gestalt und ein Werk von vorgestern, wie dies jetzt gern behauptet wird! Mauriac ist doch erst vor 50 Jahren gestorben. Aber die Distanz [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/12979_von-den-abgruenden-der-seele-und-dem-wahnsinn-der-politik_gott-in-frankreich">Von den Abgründen der Seele und dem Wahnsinn der Politik: Francois Mauriac.</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Abgründe der Seele und der Wahnsinn der Politik</p>
<p>Über den Schriftsteller Francois Mauriac<br />
Hinweise von Christian Modehn</p>
<p>1.<br />
Wer heute an den Schriftsteller Francois Mauriac erinnert, bezieht sich nicht auf eine Gestalt und ein Werk von vorgestern, wie dies jetzt gern behauptet wird! Mauriac ist doch erst vor 50 Jahren gestorben. Aber die Distanz &#8211; wie ist sie zu dieser nahen und doch fern wirkenden Zeit und ihrer Kultur mit dem Schriftsteller Mauriac zu verstehen?  Unter den Jüngeren, zumal in Deutschland, ist Mauriacs Name kaum noch ein Begriff. Können Gedenktage wieder zur lebendigen Erinnerung, zum Denken, führen? Der Nobelpreisträger für Literatur (1952) Francois Mauriac wurde vor 135 Jahren, am 11. Oktober 1885 geboren und vor 50 Jahren, am 1.9.1970, ist er gestorben.<br />
2.<br />
Mauriacs Romane werden, selbst in seiner Heimat,in Frankreich, wie die Tageszeitung „La Croix“ (Paris) kürzlich schrieb, kaum noch gelesen, genauso seine Gedichte, auch seine Theaterstücke werden nicht mehr aufgeführt. Aus einem eher politischen Interesse werden seine berühmten, oft spitzen und polemischen, journalistisch – literarischen „Bloc-Notes“, seine „Notizblöcke“, neu herausgegeben, Notizen, die er über viele Jahre (von 1952 -1970) in  verschiedenen Zeitungen veröffentlichte (jetzt im Verlag Laffont als „Bouquins“ neu herausgegeben).<br />
3.<br />
Mauriac gehört prominent zu einer Epoche der französischen Kultur, die etwa von den 1930 Jahren an einen Aufschwung ganz eigener Art erlebte: Es gab damals in Frankreich parallel und dialektisch – disputierend verbunden mit der vorherrschenden säkularen, agnostisch – atheistisch und politisch oft kommunistisch orientierten Kultur eine starke, sichtbare und durchaus auch respektierte intellektuelle katholisch geprägte Literatur und Philosophie.  Und dies in einem Staat, der bekanntlich seit 1905 von der Trennung von Kirchen (Religionen) und Staat bestimmt war, mit einer einflussreichen antiklerikalen Mentalität und militanten atheistisch – freidenkerischen Organisationen. Diese stark wahrgenommene Präsenz katholischer Schriftsteller, Journalisten und Philosophen in Frankreich von etwa 1930 bis 1970 ist aus heutiger Sicht nichts anders als erstaunlich zu nennen: Da gibt es Intellektuelle, die sich dem katholischen Glauben anschließen, von Bekehrungserlebnissen sprechen, obwohl sie wissen, welche konservativ – reaktionären Positionen im Vatikan vertreten werden. Schriftsteller, wie Mauriac, haben in ihren Werken zentrale Themen des Glaubens und der katholischen Dogmatik literarisch bearbeitet und individuell geformt. Und das haben damals viele Leser begeistert aufgenommen. Mauriac hat die Bürokratie der Kirche, die Verlogenheit ihrer offiziellen Theologie, öffentlich kritisiert, aber an seiner Verbundenheit mit der Institution Kirche im allgemeinen hat er dennoch festgehalten. Aus einem vielleicht letztlich „kindlichen“ Glauben, den ihm seine fromme Mutter vermittelt hatte&#8230;<br />
4.<br />
Aber: Ich denke, es gehört einfach zum Verstehen „unserer“ Gegenwart, den tiefen Bruch hinsichtlich der religiösen Mentalitäten im 20.Jahrhundert wahrzunehmen. Ich habe vor einigen Jahren auf spirituelle Aspekte heutiger französischer Literaten hingewiesen, aber es sind eben „nur“ spirituelle Aspekte, keine direkt christlichen, geschweige denn katholische. (Siehe den LINk: https://religionsphilosophischer-salon.de/10014_auf-der-suche-nach-dem-verlorenen-gott-religioese-fragen-franzoesischer-schriftstellerinnen-von-heute_gott-in-frankreich)<br />
Das ist eine Beschreibung von Tatsachen, keine Wertung, wobei natürlich zu fragen wäre: Welchen Anteil die katholische Kirchenführung über all die Jahre hat, dass sich eigentlich kaum noch ein französischer Intellektueller mit der Kirche und ihrer Lehre identifizieren kann. In Deutschland, ja in ganz Europa ist das genauso. Unter den großen französischen Historikern gab es bsi vor kurzem noch einige wenige bekennende Katholiken, wie Prof. Jean Delumeau, aber auch er hatte zur Kirche insgesamt ein gut begründetes kritisches Verhältnis.<br />
Nebenbei: Das noch katholische Milieu Frankreichs ist heute geprägt von Angestellten und Beamten, Mitarbeitern aus der Wirtschaft und Technik &#8230; und sehr vielen Rentnern&#8230;<br />
5.<br />
Auch wenn nicht alle Romane Mauriacs explizit die Verbundenheit seiner ProtagonistInnen mit dem Thema Sünde, Gnade, Schuld, Strafe, Gottes Gericht bezeugen: Die innere Welt dieser „Mauriac-Menschen“ ist ohne die katholische Prägung des Autors nicht zu begreifen. Und das Erstaunliche ist ja, dass Mauriacs Romane damals auch außerhalb Frankreichs viel gelesen wurden, schließlich hat Mauriac 1952 für dieses sein katholisches Werk den Literatur Nobelpreis erhalten: „Für die tiefe spirituelle Reflexion und künstlerische Intensität, mit der seine Romane eingedrungen sind in das Drama des menschlichen Lebens“, wie es in der Begründung aus Stockholm heißt.<br />
6.<br />
Zu den Romanen: Der Theologe und hervorragende Kenner der Literatur, Pater Jean-Pierre Jossua aus dem Dominikaner – Orden in Paris, hat darauf hingewiesen: Es gibt nur wenige Romane Mauriacs, die nicht unmittelbar von Themen der christlichen Glaubenswelt und katholischen Tradition geprägt sind, dazu gehört wohl das Meisterwerk „Thérèse Desqueyroux“ (1927). Ein Roman, der die leere und moralisch miserable Welt in Mauriacs Heimat, Bordeaux und die Umgebung mit den großen Weingütern und deren Chateaux, beschreiDer Roman zeigt „la misère de l homme sans Dieu“, schreibt Mauriac und, wie Kritiker betonen, „die gefrorene Oberfläche der Seele“&#8230;Über die Protagonistin Thérèse Desqueyroux hat Mauriac später noch weitere Texte verfasst, wie „La fin de la nuit“ (1935)&#8230;<br />
Als Meisterwerk gilt auch „Le Noeud de Vipères“ (Natterngezücht) von 1932, auch dieser Roman führt in das menschlich so zerstörerische bourgeoise Milieu, voller Bosheit, eine Welt, die Mauriac bestens kannte.<br />
7.<br />
Seine tiefe spirituelle Bindung an zentrale Dogmen der katholischen Kirche war für Mauriac überhaupt kein Hindernis, ausdrücklich für Reformen und Neuansätze in der französischen Kirche einzutreten. Insofern wird er durchaus zurecht als „linker Katholik“ dargestellt. Konflikte mit der Kirchenleitung scheute er nicht, sein literarisches, nicht exegetisches Jesus-Buch „Vie de Jesus“ (1936) zeigt den Mann aus Nazareth in seiner ganzen Menschlichkeit, was der auf „Göttlichkeit“ bedachten Hierarchie gar nicht gefiel und erwartungsgemäß Mauriac attackierte. Wichtig ist in dem Zusammenhang bis heute sein Vortrag „Die Nachahmung der Henker von Jesus Christus“, den er am  15. November 1954 vor der „Vereinigung katholischer Intellektueller“ (auch das gab es damals!) hielt und darin zeigte: Eigentlich sind die sich brav fühlenden Christen in ihrer rassistischen und kolonialistischen Haltung ebenfalls Henker („bourreaux“) wie die Misstäter, die Jesus Christus ans Kreuz geschlagen haben. Die sich katholisch nennenden Henker sah Mauriac damals in weiten Kreisen der französischen Politiker und Militärs, die etwa brutal den Freiheitswillen der Marokkaner niederknüppelten. Dieser Vortrag Mauriacs wurde erst 1984 als Buch veröffentlicht (bei Desclée de Brouwer).<br />
Schon 1933 hatte sich der eigentlich konservativ geprägte Katholik Francois Mauriac aus großbürgerlichem Hause zum Verteidiger der Menschenrechte entwickelt, als er die Aggressionen Mussolinis in Äthiopien verurteilte und sich den links-katholischen und vatikankritischen Zeitschrift  „Temps présent“ (ab 1937 mit einem Beitrag jede Woche auf der ersten Seite vertreten) anschloss. Heute werden diese Ideen fortgesetzt in der Revue „Parvis“ an der sich auch liberale Protestanten beteiligen. (https://www.reseaux-parvis.fr/)<br />
8.<br />
Ein eigenes Kapitel ist die Unterstützung Mauriacs für die in den 1940 bis 1950 Jahren „berühmten“, aber vom Vatikan letztlich verurteilten Arbeiterpriester. „Der Arbeiterpriester ist für Mauriac vor allem die Möglichkeit, das Christentum von der bourgeoisen Korruption zu befreien“ (zit. in dem großartigen von  Jean Louis Schlegel u.a herausgegebenen Buch „A la Gauche du Christ“, ed. du Seuil, 2012, S.128 f). Mauriac kennt gut die Arbeiterpriester, etwa in der Wohngemeinschaft in Montreuil bei Paris mit André Depierre und Geneviève Schmitt. Er schätzt deren Versuch, einen nicht bürgerlichen Katholizismus mit den Arbeitern und den Armen zu leben. Aber, als Rom unter Papst Pius XII. im Jahr 1954 das „Experiment der Arbeiterpriester“ stoppt, ist Mauriac hin &#8211; und hergerissen zwischen der Treue zur Institution und dem von vielen anderen geforderten Widerstand gegen diese römische Entscheidung. Mauriac entschied sich dann doch für die Treue zur Institution. „Es ist ihm unendlich viel leichter, sein Talent zu entfalten im Namen der Caritas und der Gerechtigkeit, etwa in seinem Kampf gegen die Folter (von Franzosen ausgeübt) in Nordafrika als in der Anklage der katholischen römischen Bürokratie. In letzter Instanz führt ihn seine Gläubigkeit immer dazu, diese kirchliche Bürokratie zu rechtfertigen“ (a.a.O., S. 130).<br />
9.<br />
Mauriac, wie gesagt, großbürgerlicher, „bourgeoiser“ Herkunft und in einer letzten frommen Anhänglichkeit mit der Institution Kirche verbunden, war kein politisch militanter Verteidiger der Menschenrechte, sicher kein Linker, aber bekannt ist sein Einsatz zugunsten der  Résistance. Wegen seiner Haltung in der Résistance gehörte er im Herbst 1945 zu dem „Conseil National des Ecrivains“ (CNE), der die Aufgabe hatte, mit dem Pétain Regime  und mit dem französischen Nazis verbundene Schriftsteller zu überprüfen, zu „säubern“  und den Strafen zuzuführen, wenn sie denn Verbrechen der Okkupation begangen hatten. Mauriac gehörte zu diesem Kreis der mit den „Säuberungen“ Beauftragten neben Malraux, Camus, Sartre, Aragon und anderen. Er war in diesem Kreis des CNE  eher ein Gemäßigter.  Mit Claudel, Anouilh, Colette hatte er sogar ein – letztlich vergebliches – Gnadengesuch für den Nazi-Schriftsteller Brasillach unterschrieben. Brasillach wurde hingerichtet; ein anderer rechtsextremer Poet, Céline, konnte fliehen und wurde 1951 begnadigt. Unter de Gaulle wurde alles unternommen, Frankreich als Land der Résistance zu etablieren, was den Fakten nicht entsprach.<br />
Interessant ist in dem Zusammenhang Mauriacs Beziehung zu Camus. Mauriac schätzte Camus, auch wenn es mit ihm Streit gab in der Einschätzung der épuration. Mauriac war überzeugt: Absolute Gerechtigkeit kann es in der Welt nicht geben. Anläßlich des plötzlichen Todes des großen Humanisten Camus konnte Mauriac nicht darauf verzichten zu sagen: „Schade, dass Camus kein Christ war“.<br />
10.<br />
Meine Hinweise haben nur an einige Aspekte im Werk Francois Mauriacs aufmerksam machen wollen. Über Mauriacs Verehrung für de Gaulle wäre zu sprechen genauso wie über die nun  deutlicher diskutierte homosexuelle Neigung Mauriacs, die Jean Luc Barré in seiner „Biographie intime“ (im Verlag Fayard) ausführlich würdigt. Barré stellt auch die Frage, wie diese von Mauriac niemals öffentlich gemachte homosexuelle Neigung (er war bekanntlich verheiratet und hatte vier Kinder) das eigene Werk, die Romane etwa, verschwiegen, aber „strukturell“ auch prägt&#8230;Dass die tiefe Verbindung zum bourgeoisen Milieu und die von der Mutter vermittelte Abhängigkeit von der katholischen Lehre auch nicht gerade förderlich war für ein öffentliches Bekenntnis (Coming-out), ist auch klar. (vgl.: https://www.lemonde.fr/idees/article/2010/10/29/jean-luc-barre-mauriac-a-lutte-contre-le-feu-qu-il-portait-en-lui_1432937_3232.html)<br />
11.<br />
Um noch einmal an den Anfang dieser Hinweise zurückzukommen: Kulturwissenschaftlich betrachtet, ist das „Verschwinden“ katholischer Intellektueller (Schriftsteller, Philosophen usw.) in Frankreich, aber auch in vielen europäischen Staaten im 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts ein philosophisch zu bedenkendes „Zeichen der Zeit“. In Paris wurde das schon erwähnte „Zentrum der katholischen Intellektuellen Frankreichs“ in der Rue Madame in Paris im Jahr 1977 aufgelöst&#8230; weil es so viele katholische Intellektuelle einfach nicht mehr gibt &#8230;Und vielleicht ist manch ein „säkularer“ Autor tatsächlich auch von „christlichem“, jesuanischen Geist geprägt&#8230;<br />
Noch einmal: Für diesen hier nur angedeuteten kulturellen – religiösen Umbruch als Vertreibung Intellektueller aus der Kirche ist die katholische Kirchenführung, also der alles bestimmende Klerus, selbst mit verantwortlich: Sie hat sich über all die Jahre trotz mancher Reformen bzw. Reförmchen als hierarchisch-antidemokratische und letztlich auch Frauen- und Homosexuellen feindliche Institution etabliert. Sie hat die Kritik von Mauriac in seinem schon zitierten Vortrag über die „Nachahmung der Henker von Jesus Christus“ nicht beantwortet: „Ich bin wie besessen von all den Kreuzen, die immer noch errichtet werden von dieser blinden und tauben Christenheit&#8230;“(Seite 17). “Und der Lauf der Geschichte wurde nicht von Heiligen bestimmt. Sie haben zwar Herzen und Geist bewegt. Aber die Geschichte ist kriminell geblieben“ (Seite 21).<br />
12.<br />
Das Schloss und der Park der Domaine Malagar, Mauriacs „Landsitz“, ist heute das „Centre Culturel Francois Mauriac“ http://malagar.fr  Oder: https://monumentum.fr/domaine-malagar-actuel-centre-culturel-francois-mauriac-pa00083896.html</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin</p>
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		<title>Ohne Emotionen kein Verstehen der Kulturen</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/12239_ohne-emotionen-kein-verstehen-der-kulturen_denkbar</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Jan 2020 14:12:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Denkbar]]></category>
		<category><![CDATA[Eckige Gedenktage]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophische Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[den anderen Menschen verstehen]]></category>
		<category><![CDATA[der italienische Philosoph Vico]]></category>
		<category><![CDATA[Philosoph der Emotion]]></category>
		<category><![CDATA[Philosoph der Hermeneutik]]></category>
		<category><![CDATA[Philosoph Vico]]></category>
		<category><![CDATA[Verstehen als Basis der Geisteswissenschaften]]></category>
		<category><![CDATA[Verstehen contra Begreifen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Philosoph Giambattista Vico grenzt den Verstand ein Ein Hinweis von Christian Modehn Gedenktage müssen nicht nur eine kulturpolitische Pflichtübung sein. Zumal dann, wenn man nicht auf die „runden Gedenktage“ fixiert ist, sondern auch die „eckigen Gedenktage“ beachtet, etwa an den Tod des großen italienischen Philosophen Giambattista Vico am 23. 1. 1744 denkt. Es ist [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Philosoph Giambattista Vico grenzt den Verstand ein<br />
Ein Hinweis von Christian Modehn </p>
<p>Gedenktage müssen nicht nur eine kulturpolitische Pflichtübung sein. Zumal dann, wenn man nicht auf die „runden Gedenktage“ fixiert ist, sondern auch die „eckigen Gedenktage“ beachtet, etwa an den Tod des großen italienischen Philosophen Giambattista Vico am 23. 1. 1744 denkt. Es ist wohl zutreffend, wenn man sagt: Vico ist heute – leider &#8211;  nur in Fachkreisen bekannt. Das sollte sich ändern. Biographische Hinweise bieten Lexika, auch wikipedia. Ich will nur auf zwei zentrale Erkenntnisse seiner Philosophie hinweisen. </p>
<p>Giambattista Vico wurde am 23. Juni 1668 in Neapel geboren;  und dort ist er am 23. Januar 1744 gestorben. Er war als vielseitig gebildeter Philosoph auch Professor für Rhetorik, und nebenbei: Angesichts seines Hauptwerkes war er mit einem sehr hohen Selbstbewusstsein ausgestattet&#8230; Vielleicht zurecht, denn Vico kann als einer der wichtigsten Philosophen der Hermeneutik gelten. </p>
<p>Bei der Gelegenheit möchte ich gleich das Buch von Thomas Sören Hoffmann empfehlen. Der Titel „Philosophie in Italien. Eine Einführung in 20 Porträts“, erschienen im MARIX Verlag, Wiesbaden. Die meisten Porträts gelten Philosophen der Renaissance. Vico gehört zum Übergang in die Moderne, wesentliche Aspekte seines Denkens werden auf den Seiten 351 bis 367 dargestellt. </p>
<p>Warum also Erinnerung an Vico?<br />
Weil sein Denken eine Alternative zu dem damals völlig im Mittelpunkt stehenden Descartes bietet: Es gibt andere Bereiche, andere Fragestellungen, so Vico, als die von Descartes strengem Rationalismus vorgestellten. Vico wird zum „Gründervater“ der Geistes-Wissenschaften. Diese haben das Ziel, geistige, kulturelle Erscheinungen zu verstehen, und Verstehen ist etwas Anderes als das naturwissenschaftliche Rechnen und Erfinden. Thomas Sören Hoffmann spricht von einer „Frontstellung Vicos gegen die Rationalisierung der Welt“ (S. 354).<br />
„Scienza nuova“ heißt das Hauptwerk Vicos, es vermittelt ein Bild von der sprachlich und geschichtlich geformten Welt. Um das Verstehen der Geschichte geht es.  Und die können Menschen selbst in großem zeitlichen Abstand die anderen, die Fremden, verstehen, weil deren Texte Ausdruck des menschlichen Geistes und der Freiheit sind: Der eine allgemeine Geist ist anwesend in den kulturellen Werken, die sich in der Geschichte zeigen. „Die Wahrheit ferner Welten ist uns erreichbar“, schreibt der Philosoph Hoffmann über Vicos zentrale Erkenntnis. „Was von Menschen hervorgebracht worden ist, ist für andere Menschen erkennbar“ (S. 358). Vico schreibt: „Als wahr erkennen wir nur das, weil wir Menschen es selbst gemacht haben“! Eigentlich eine Aussage, die heute eher eine wie eine Selbstverständlichkeit klingt: Aber sie hat nach wie vor höchste Bedeutung, weil total Fremdes in der Menschenwelt ausgeschlossen ist. Keine vergangene wie gegenwärtige Kultur kann gegenüber einer anderen, etwa „unserer“ heutigen,  behaupten: Diese ist und bleibt uns fremd.<br />
Fremdheit kann vor allem durch Einfühlen überwunden werden. Einfühlen: Die ist eine Haltung, die nicht nur fürs Verstehen der Historiker gilt. Einfühlen ist eine Haltung, die für jeden Menschen gilt &#8230; und die lernbar ist! Gerade in Zeiten eines zunehmenden Rassismus und Antisemitismus. Im Verstehen des Fremden, der fremden Kultur, werden diese in ihrer Fremdheit natürlich nicht total nivelliert, angepasst oder aufgelöst: Sie bleiben „anders“, aber es wird Aspekte geben, für den jetzt Verstehenden hilfreich, wichtig, inspirierend sind. </p>
<p>Irritierend bleibt in Vicos Werk, dass sein Misstrauen gegenüber der autonomen Vernunft des Menschen umfassend wird. Vico spricht sogar von einer „Barbarei der Reflexion“  und dem „Zerstörerischen der Vernunft-Erkenntnis“. Er hält allein die Emotionalität für die Quelle der Kultur. Rationales Denken (der Verstand) sei zerstörerisches Denken: Eine These, die sich dann immer weiter sich bis in unsere Gegenwart durchsetzte, etwa derart, dass die Rationalität sogar zu Auschwitz geführt habe. Aber die Widerlegung dieser These ist ein anderes Thema.<br />
In jedem Fall haben wir Vico zu danken für seine deutliche und aktuelle Aussage: Die Menschen sollten ihre reflektierte Emotionalität pflegen, wenn sie den anderen verstehen wollen. </p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin</p>
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		<title>Der 1. September 1939: Katholiken und der Zweite Weltkrieg</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/11974_der-1-september-1939-katholiken-und-der-zweite-weltkrieg_aktuelles</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 26 Aug 2019 13:18:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Alternativen für eine humane Zukunft]]></category>
		<category><![CDATA[Denken und Glauben]]></category>
		<category><![CDATA[Eckige Gedenktage]]></category>
		<category><![CDATA[1.September 1939]]></category>
		<category><![CDATA[2. Weltkrieg und Katholiken]]></category>
		<category><![CDATA[80 Jahre Kriegsbeginn]]></category>
		<category><![CDATA[Friedensbund deutscher Katholiken]]></category>
		<category><![CDATA[Katholiken und 2.Weltkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Katholiken und Faschismus]]></category>
		<category><![CDATA[Pater Franziskus Stratmann]]></category>
		<category><![CDATA[Pater Max Josef Metzger]]></category>
		<category><![CDATA[vor 80 Jahren begann der Zweite Weltkrieg]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Einige Hinweise zur Rolle der katholischen Kirche vor dem Krieg , während des Krieges und danach&#8230; Von Christian Modehn 1. Die Erinnerung, das Gedenken, das Forschen und Fragen anlässlich des 1. September 1939 kann sich überhaupt nicht punktuell nur auf das Datum allein beziehen. Es gilt, die lange Vorkriegsgeschichte zu beachten (wann beginnt sie?) und [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Einige Hinweise zur Rolle der katholischen Kirche vor dem Krieg , während des Krieges und danach&#8230;<br />
Von Christian Modehn</p>
<p>1.<br />
Die Erinnerung, das Gedenken, das Forschen und Fragen anlässlich des 1. September 1939 kann sich überhaupt nicht punktuell nur auf das Datum allein beziehen. Es gilt, die lange Vorkriegsgeschichte zu beachten (wann beginnt sie?) und den Krieg selbst als Tat der Deutschen, vor allem der deutschen Nationalsozialisten und ihres verbrecherischen Führers Adolf Hitler bis zur Nachkriegszeit. Also zur restaurativen Entwicklung in der BRD unter der CDU/CSU und zur Entwicklung des „Sozialismus“ in der DDR.</p>
<p>2. Eine knappe Zusammenfassung zum Thema als grundlegende Orientierung:<br />
Der Katholizismus in Europa war bis weit in die Mitte des 20. Jahrhunderts national und nationalistisch geprägt. Es war eher normal, um nur bei dem Bild zu bleiben, dass ein katholischer Franzose einen katholischen Deutschen an der Front erschoss. Die Bindung an das beiden gemeinsame Evangelium (Bergpredigt) war nicht mehr als ein subjektiver Spruch; viel bedeutungsloser als die Bindung an die Nation. Das galt schon im 1. Weltkrieg. Eine gemeinsame pazifistische europäische katholische Haltung war undenkbar. Ist sie heute denkbar? Wo sind die anti-nationalistischen katholischen Organisationen in Deutschland, Polen, Frankreich, Irland usw.?</p>
<p>3.<br />
<em>Der Katholizismus als durch und durch autoritär gestaltetes und autoritär von meist alten Herren geführtes Kirchensystem (ohne jede Form demokratischer Mit-Bestimmung, man spricht von vatikanischer „Wahlmonarchie“) stand den autoritären faschistischen Systemen a priori nahe.</em> Man fühlte ähnlich, was Zuverlässigkeit, Ordnung, Unterordnung, Gehorsam angeht&#8230; Dies gilt zumal, wenn die faschistischen Führer irgendwas Religiöses oder gar Pro-Katholisches von sich gaben. Und etwa den Bestand der katholischen Privatschulen zu sichern versprachen.<br />
Der Faschismus, vor allem auch die Herrschaft Hitlers, wurde katholischerseits gegenüber dem Sozialismus und Kommunismus (auch in der Sowjetunion) als das geringere Übel behandelt. Der Faschismus, auch Hitler, so glaubten die obersten Kleriker und die ihm hörigen katholischen Massen, seien sogar ein gutes, geeignetes Mittel, den allergrößten Todfeind der Katholiken, den Kommunismus, zu besiegen. <em>Der Kommunismus galt als Konkurrenz zum Katholizismus, als eine irdische Ersatzreligion, die die Erlösung der Menschen hier auf Erden bewirken will.</em> Dass diese Faschisten Juden verfolgten und ermordeten, wurde letztlich billigend in Kauf genommen und vielleicht noch stillschweigend mit uralten christlich-antisemitischen Vorurteilen begründet. Es war katholischerseits offenbar nicht möglich, gleichzeitig den Faschismus wie den Bolschewismus (Stalin) zu verurteilen und zur bekämpfen. Dann hätte die Kirche demokratisch werden müssen und die Menschenrechte respektieren müssen. Aber nein, der Katholizismus blieb und bleibt autorität. Und begründet die Ablehnung einer demokratisch gestalteten katholischen Kirche sogar noch heute mit dem angeblichen Willen Gottes: Ein Gott, der für seine eigene Organisation im 20. und 21. Jahrhundert keine Demokratie will, ist schon ein komischer Gott.</p>
<p>4.<br />
Ein Aspekt, aber sicher kein marginales Thema, ist Bedeutung der Päpste in dieser Zeit, ferner die Rolle, die die deutschen Bischöfe vor dem 2. Weltkrieg und im 2. Weltkrieg spielten in ihrer Beziehung zum Hitler Regime. Und dann die schwache katholische Basis, die sich etwa im „Friedensbund deutscher Katholiken“ sammelte.<br />
Zu den genannten Themen, umfassend wie sie sind, können hier nur Hinweise gegeben werden. Sozusagen Impulse und Forschungsmöglichkeiten.</p>
<p>5.<br />
Es sollte viel stärker die Bedeutung von Papst Benedikt XV. (1914-1922) beachtet werden und zwar im Blick auf seinen verbalen Pazifismus. Dieser Papst sollte hinsichtlich seines Friedensengagements viel mehr beachtet werden. Aber das blieb wirkungslos: Pater Franzismus Stratmann hat darauf hingewiesen: „Von einer begeisterten Gefolgschaft der Mehrzahl der Katholiken hinter ihrem obersten Hirten (Benedikt XV.) kann keine Rede sein“. (In: „Hermes Handlexikon: Die Friedensbewegung“. ECO Taschenbuch, 1983, S. 219).</p>
<p>6.<br />
Über die Rolle Papst Pius XII. im Umgang mit den Faschisten Italiens, mit dem Hitler-Regime und der Juden-Ausrottung ist vieles geschrieben worden. Es gibt wohl einen Trend in der historischen Forschung, der das sehr zögerliche Verhalten des Papstes Pius XII. gegenüber dem Schutz der Juden aufzeigen. Ob mehr Klarheit nach der nun endlich angekündigten Öffnung der vatikanischen Archive in dieser Frage möglich wird, ist natürlich offen: Welche Dokumente sind noch vorhanden, welche können unabhängige Historiker lesen etc.? Einige interessante Aspekte bietet mein Beitrag auf dieser Website. <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/11352_pius-xii-und-sein-diplomatisches-schweigen-zur-vernichtung-der-juden_religionskritik">Hier klicken</a>.</p>
<p>7.<br />
Über das Verhalten der deutschen Bischöfe 1939 und zum Hitler Regime hat jetzt der kürzlich verstorbene Theologe und Kirchenhistoriker Prof. Heinrich Missalla (Essen) einen „offenen Brief“ an die heutigen Bischöfe in Deutschland verfasst. Missalla war ein Spezialist für diese Fragen, was er schreibt in dieser Kürze, ist für die allermeisten Kirchenführer damals eine politische und moralische Katastrophe. Nur ein kleiner Auszug aus dem wichtigen Beitrag Missallas:<br />
„Nach dem Überfall auf Polen übernahm der Bischof von Münster von Galen die offizielle Version vom Angriff der feindlichen Mächte auf das friedliebende Deutschland; unsere Soldaten erkämpften „einen Frieden der Freiheit und Gerechtigkeit für unser Volk“. Für Bischof Machens von Hildesheim wurde der Krieg „gegen das Recht des deutschen Volkes auf seine Freiheit“ geführt. Bischof Berning von Osnabrück ließ die Gläubigen „beten, daß Gott uns den Sieg verleihe“. Vier Tage nach dem Angriff auf die Sowjetunion wussten und lehrten die deutschen Bischöfe, dass die Soldaten mit ihrer Pflichterfüllung „nicht nur dem Vaterland dient(en)“, sondern sie wagten sogar zu behaupten, dass sie damit „auch dem heiligen Willen Gottes folgt(en)“. Der Bischof von Münster nannte den Krieg jetzt einen „neuen Kreuzzug“, in dem „der Soldatentod des gläubigen Christen in Wert und Würde ganz nahe dem Martertod um des Glaubens willen (steht,) der dem Blutzeugen Christi sogleich den Eintrittin die ewige Seligkeit öffnet.“ (Quelle: Heinrich Missalla_ Brief_an DBK_80 Jahre Kriegsbeginn pdf.)_</p>
<p>8.<br />
<em>Die katholische Friedensbewegung in Deutschland war in der Weimarer Republik sehr schwach</em>: Es war der Friedensbund der deutschen Katholiken, (FDK), repräsentiert vor allem von dem Dominikanerpater Franziskus Stratmann (1883-1971). Der Friedensbund hatte 45.000 Mitglieder (Zit. in Hermes Handlexikon a.a.O, S 221). Die Tragik war, dass diese katholische Friedensorganisation fast ausschließlich an die katholische Zentrumspartei gebunden war, die ja auch einen schwachen demokratischen-republikanischen Flügel hatte (J. Wirth z.B.). Es gab auch Versuche, den FDK an die einzige pazifistische Partei, die „<em>Christlich-Soziale Reichspartei“ (CSRP</em>), zu binden, aber das brachte keinen Durchbruch hinsichtlich der Massenwirkung des FDK. Unter dem starken antipazifistischen Druck der CDU/CSU löste sich der „Friedensbund der deutschen Katholiken“ 1951 auf. Es folgte die katholische Organisation PAX CHRISTI, die sich zunächst als Gemeinschaft derer betrachtete, die für den Frieden betet oder individuelle freundschaftliche Verbindungen etwa zwischen Deutschen und Franzose förderte.</p>
<p>9.<br />
An Pater Stratmann sollten sich Katholiken dieser Tage besonders erinnern: Er war als Theologe und Publizist hochbegabt, er wandte sich gegen die damalige theologische Ideologie, der Krieg sei eine Folge der Erbsünde und Ausdruck menschlicher Unvollkommenheit. Dagegen betonte er die vernünftige Erkenntnis: Irgendeine greifbare, friedenspolitische Bedeutung muss die Erlösung durch Jesus Christus doch wohl haben. 1933 wurde Stratmann verhaftet, er konnte über Rom in die Niederlande fliehen, wo er sich in Klöstern versteckte. Stratmann war u.a für den gewaltfreien Widerstand gegen den verbrecherischen Staat, er forderte einen starken Völkerbund (vgl. den kurzen Hinweis im genannten „Hermes Handlexikon, Die Friedensbewegung, S. 378).<br />
Zu den Gründungsmitgliedern des FDK gehörte uch der katholische Pfarrer Max Josef Metzger, <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/19112_max-josef-metzger-aktiv-gegen-die-nazis-aktiv-fuer-die-oekumene-ein-friedensaktivist_befreiung">LINK</a> auch mit dem Internationalen Versöhnungsbund war er eng verbunden. Er verfasste eine Denkschrift zur Friedenspolitik, wurde daraufhin von Freisler, Chef des Volksgerichtshofes, als „Pestbeule“ bezeichnet, die man „ausmerzen“ muss: Am 17.4 1944 wurde er im Gefängnis in der Stadt Brandenburg enthauptet. Was mag er wohl von den anpasslerischen und „Mitläufer-Bischöfen in Deutschland gedacht haben, er, der mit gefesselten Händen ein halbes Jahr im Gefängnis noch gequält wurde&#8230;.</p>
<p>10.<br />
Heute ist das Thema Friedenspolitik, Abrüstung, Kritik am Waffenexport alles andere als ein Hauptthema des deutschen oder des europäischen Katholizismus. So dringend und absolut wichtig die Aufklärung des sexuellen Missbrauchs durch Priester auch ist: Diese Beschäftigung und die mit den üblichen Kircheninterna (Zölibat, Aufhebung der Gemeinden zugunsten der monumentalen Groß-Pfarreien usw.) bindet die ohnehin schwächer werdende Energie des Katholizismus.<br />
Politische Gestaltung der Gesellschaft und der Welt im ganzen im Sinne der universalen Menschenrechte ist NICHT Mittelpunkt katholischen Denkens und katholischer Arbeit. Denn diese würde zur Kritik an den sich oft noch christlich nennenden Parteien führen, zu neuen auch außerkirchlichen Bündnispartnern, würde zur Distanz gegenüber dem Staat führen &#8230; und die Einbindung der Kirche in das kapitalistische System freilegen. Aber davor haben die Bischöfe Angst. Und so ist der deutsche Katholizismus auch 80 Jahre nach Kriegsbeginn keine Avantgarde des Friedens, der Abrüstung, der Gerechtigkeit unter den Völkern. Das alles überlässt man kleinen Sonderorganisationen wie Pax Christi oder den Hilfswerken, die vor allem eins wollen: Spenden sammeln. Und so ein ruhiges Gewissen beschaffen&#8230;</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin</p>
<p>&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;.<br />
Literaturhinweise und Empfehlungen:<br />
IN KOOPERATION MIT DEM ÖKUMENISCHEN INSTITUT FÜR FRIEDENSTHEOLOGIE:</p>
<p>1. DIE SEELEN RÜSTEN – Zur Kritik der staatskirchlichen Militärseelsorge.<br />
Herausgegeben von Rainer Schmid, Thomas Nauerth, Matthias-W. Engelke und Peter Bürger. (edition pace 8.) Norderstedt 2019.<br />
[ISBN: 9783749468041; Seitenzahl: 456; zahlreiche farbige Abbildungen; Preis 15,99 Euro].</p>
<p>2. <em>Im Sold der Schlächter – Texte zur Militärseelsorge im Hitlerkrieg</em>.<br />
Herausgegeben von Rainer Schmid, Thomas Nauerth, Matthias-W. Engelke &amp; Peter Bürger.<br />
(edition pace 6). Norderstedt 2019.<br />
[ISBN 9783748101727; Seitenzahl: 440; fünfzehn farbige Abbildungen; Preis 14,99 Euro]
https://www.bod.de/buchshop/im-sold-der-schlaechter-9783748101727<br />
(Leseprobe mit Inhaltsverzeichnis oben links abrufbar)<br />
Mit einer Direktbestellung bei BoD fördern Sie die Friedensbibliothek der edition pace; das Werk ist auch überall vor Ort im Buchhandel bestellbar.<br />
BUCHVORSTELLUNG IM NETZ:<br />
https://www.lebenshaus-alb.de/magazin/012393.html</p>
<p>Jahrzehntelang wurden die Abgründe der staatskirchlichen Kriegsbeihilfe 1939-1945 verschleiert. Die vorliegende Dokumentation erschließt Forschungsbeiträge, Quellentexte, Interviews und Kommentare zur Militärseelsorge der beiden großen Kirchen in Hitlers Vernichtungsfeldzug. Die Richtlinien (24.5.1942) fielen denkbar eindeutig aus: &#8222;Die Feldseelsorge ist eine dienstliche Einrichtung der Wehrmacht. [&#8230;] Der siegreiche Ausgang des nationalsozialistischen Freiheitskampfes entscheidet die Zukunft der deutschen Volksgemeinschaft und damit jedes einzelnen Deutschen. Die Wehrmachtseelsorge hat dieser Tatsache eindeutig Rechnung zu tragen.&#8220; Durch die Vermittlung eines neuen Forschungsstandes wird deutlich, wie bereitwillig evangelische wie römisch-katholische Militärseelsorge dieser Vorgabe zur Kollaboration beim Völkermord Folge geleistet haben. Nach Kriegsende warfen auch Soldaten den Militärgeistlichen vor, sie hätten als gutbezahlte Offiziere &#8222;im Solde derer gestanden, die uns zur Schlachtbank geführt haben&#8220;.<br />
Dieses Buch enthält Beiträge von Christian Arndt, Holger Banse, Dieter Beese, Peter Bürger, Matthias-W. Engelke, Ulrich Finckh, Ulrike Heitmüller, Hartwig Hohnsbein, Herbert Koch, Dietrich Kuessner, Antonia Leugers, Heinrich Missalla, Kristian Stemmler, Erika Richter, Dieter Riesenberger und Martin Röw.<br />
Herausgegeben in Kooperation mit dem Ökumenischen Institut für Friedenstheologie</p>
<p>3. „Gewaltfrei leben“<br />
John Dear: Gewaltfrei leben. Aus dem Englischen von Ingrid von Heiseler, herausgegeben von Thomas Nauerth (editionpace 7) Norderstedt 2019. ISBN 9783749451791; Seitenzahl: 192; Preis: 8,90 €.<br />
Ohne Portozuschlag direkt bestellbar bei BoD:<br />
https://www.bod.de/buchshop/gewaltfrei-leben-john-dear-9783749451791</p>
<p>Nach dem Sammelband „Ein Mensch des Friedens und der Gewaltfreiheit werden“ (2018) liegt jetzt auch der das Buch &#8222;The Nonviolent Life&#8220; des US-amerikanischen Friedenstheologen und gewaltfreiem Aktivisten John Dear unter dem Titel „Gewaltfrei leben“ dank der Übersetzerin Ingrid von Heiseler als deutschsprachige Ausgabe vor.<br />
&#8222;Machen wir die aktive Gewaltfreiheit zu unserem Lebensstil.&#8220; Dazu rief Papst Franziskus 2017 in der Botschaft zum Weltfriedenstag auf. Vom &#8222;Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens&#8220; spricht der Ökumenische Rat der Kirchen. John Dear übersetzt diese Aufrufe und Appelle in einen dreifachen persönlichen Weg, den jeder und jede zu gehen vermag; er spricht von einer spirituellen Lebensreise, auf der drei Dinge zu lernen sind: Gewaltfreiheit im Umgang mit sich selbst; Gewaltfreiheit im Umgang mit allen Mitmenschen und Gewaltfreiheit leben, indem wir uns der globalen Basisbewegung der Gewaltfreiheit anschließen. &#8222;Um Menschen der Gewaltfreiheit zu sein, müssen wir alle drei Dimensionen gleichzeitig praktizieren, denn nur in dem Fall können wir Gewaltfreiheit authentisch ausüben“.<br />
Mit großer Eindringlichkeit, großem Pathos und in unbeirrbarer Hoffnung wirbt Dear für diesen dreifachen Weg: &#8222;Das können wir tun. Wir können ein gewaltfreies Leben führen. Wir können Gottes Gabe des Friedens in uns, unter uns und in der Welt willkommen heißen. Wir haben mehr Macht, als wir denken. Wir alle haben die Macht des Gottes des Friedens in uns, wenn wir an diesem Glauben festhalten und ihm gemäß zu handeln wagen. Wir können den Frieden zu unserer Heimat machen und dazu beitragen, dass die Erde für alle in eine Heimat des Friedens verwandelt wird.&#8220;<br />
Das Buch ist erwachsen aus Besinnungs- und Einkehrtagen, die John Dear als katholischer Priester und ehemaliger Jesuit, in den letzten Jahren zahlreich gegeben hat. Von daher hat es nicht den Anspruch, ein wissenschaftliches theologisches Werk zu sein. Das kommt der Lesbarkeit sehr zugute. Gleichwohl können nicht nur einfache Christenmenschen, sondern wohl auch Theologen einiges von diesem Buch lernen. Denn es ist ein tief religiöses, ein spirituelles und zugleich ein eminent politisches Buch, das mit einem Gebet eröffnet und abgeschlossen wird. Die Politik wird aber nicht auf der Ebene der Mächtigen gesucht, sondern sie wird im täglichen Einsatz für eine gerechtere und gewaltfreiere Welt, im täglichen Widerstand gegen die herrschenden Mächte gesucht und gefunden. John Dear ist überzeugt, dass wir dabei auch Gott selbst neu entdecken: „Wenn wir Gott in dieser Arbeit für den Frieden entdecken, vertiefen wir unsere spirituellen Wurzeln und finden neue Kraft, Gnade und Hoffnung, unser Leben lang für Gerechtigkeit und Abrüstung zu kämpfen.“<br />
John Dear hat Leser und Leserinnen vor Augen, die nicht alleine lesen. Nach jedem Buchteil finden sich „Fragen als Anstoß für persönliche Überlegungen und für Gespräche in Kleingruppen“. Insofern ist dieses Buch gut geeignet auch für Gemeinden und Gemeinschaften, die sich, wie das in Deutschland heißt, „auf den Weg zu einer Kirche des gerechten Friedens“ begeben haben.<br />
https://www.bod.de/buchshop/gewaltfrei-leben-john-dear-9783749451791</p>
<p><strong>Diese Buchhinweise sind von peter bürger</strong><br />
kiefernstr. 33<br />
d-40233 düsseldorf<br />
phone 0211-678459<br />
mail peter@friedensbilder.de<br />
www.friedensbilder.de<br />
www.sauerlandmundart.de</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/11974_der-1-september-1939-katholiken-und-der-zweite-weltkrieg_aktuelles">Der 1. September 1939: Katholiken und der Zweite Weltkrieg</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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		<title>Die Volksreligionen kritisieren: Über David Hume anläßlich seines Todestages am 25.8.1776</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/11871_die-volksreligionen-kritisieren-ueber-david-hume-anlaesslich-seines-todestages-am-25-8-1776_buchhinweise/philosophische-buecher</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Jul 2019 09:21:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Denken und Glauben]]></category>
		<category><![CDATA[Eckige Gedenktage]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophische Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[David Hume]]></category>
		<category><![CDATA[Die Naturgeschichte der Religion von David Hume]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik der Volksreligion]]></category>
		<category><![CDATA[Polytheismus David Hume]]></category>
		<category><![CDATA[Religionsphilosophie von David Hume]]></category>
		<category><![CDATA[Volksreligion kritisch]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>David Hume und die Re&shy;li&shy;gi&shy;ons&shy;phi&shy;lo&shy;so&shy;phie Ein Hinweis von Christian Modehn 1. David Hume, schreibt der Philosoph Friedo Ricken, „ist der heute in der angelsächsischen Philosophie wahrscheinlich einflussreichste Klassiker der Religionskritik“ (F. Ricken, Re&shy;li&shy;gi&shy;ons&shy;phi&shy;lo&shy;so&shy;phie, 2003, S. 233). In Deutschland, so mein Eindruck, hat der schottische Philosoph David Hume (7.5. 1711 – 25.8.1776) keine allgemeine Bekanntheit oder [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/11871_die-volksreligionen-kritisieren-ueber-david-hume-anlaesslich-seines-todestages-am-25-8-1776_buchhinweise/philosophische-buecher">Die Volksreligionen kritisieren: Über David Hume anläßlich seines Todestages am 25.8.1776</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>David Hume und die Re&shy;li&shy;gi&shy;ons&shy;phi&shy;lo&shy;so&shy;phie<br />
Ein Hinweis von Christian Modehn</p>
<p>1.<br />
David Hume, schreibt der Philosoph Friedo Ricken, „ist der heute in der angelsächsischen Philosophie wahrscheinlich einflussreichste Klassiker der Religionskritik“ (F. Ricken, Re&shy;li&shy;gi&shy;ons&shy;phi&shy;lo&shy;so&shy;phie, 2003, S. 233). In Deutschland, so mein Eindruck, hat der schottische Philosoph David Hume (7.5. 1711 – 25.8.1776) keine allgemeine Bekanntheit oder Würdigung in „breiteren Kreisen“ gefunden. Vielleicht findet er neue Aufmerksamkeit, weil wieder stärker die Arbeiten seines Freundes Adam Smith, Philosoph und Ökonom,  beachtet werden. Bestenfalls kennt man heute Hume als Vertreter des „Empirismus“, der gegen die Metaphysik alles Erkennen auf den Bereich des sinnlich Erfahrbaren begrenzte;  einmal abgesehen davon, dass Hume auch als Historiker sowie als Botschaftssekretär in Paris (1763 bis 1765) und Gast der dortigen Salons von Holbach und Diderot zu würdigen ist.<br />
2.<br />
Nebenbei: Gegen die Metaphysik zu rebellieren ist ein hervorstechendes Kennzeichen angelsächsischer Philosophen, Das Erleben der realen Macht der Kirche und ihrer Dogmenwelten war sicher ein dauernder Impuls für den  empiristisch denkenden Philosophen David Hume. Kant hat sich mit der Erkenntnistheorie Humes kritisch auseinandergesetzt.<br />
3.<br />
Religionsphilosophisch besonders wichtig sind die beiden Werke „Dialoge über natürliche Religion“ (posthum, 1779) und „Die Naturgeschichte der Religion“  (1757). Die „Dialoge“  sind ein kontroverser theologischer Disput (nach dem Vorbild Ciceros „de natura Deorum“).<br />
Wenn man „Die Naturgeschichte der Religion“ in den Mittelpunkt stellt, dann fällt auf, wie Hume die philosophische Deutung der Religion von der geschichtlichen Entwicklung religiöser Praxis abhängig macht. Weil die Menschen Furcht und Angst in einer bedrohlichen Welt hatten, entstanden Religionen, so meint er, und zwar zuerst in den Gestalten des Polytheismus. Der Monotheismus ist für Hume eine spätere Erscheinung. Auch Religionswissenschaftler haben sich mit dieser historisch wohl zutreffenden Deutung befasst.<br />
Philosophisch bzw. sogar auch theologisch ist in dem Buch das Kapitel über „Aberglaube und Schwärmerei“ besonders interessant, das Buch enthält auch Kapitel über die „Unsterblichkeit der Seele“ und den „Selbstmord“.<br />
3.<br />
Einige Erkenntnisse aus dem Aufsatz „Aberglaube und Schwärmerei“ sind nach wie aktuell. Polytheismus ist für Hume vor allem Aberglaube. Bemerkenswert ist, dass Hume meint, auch diesen Glauben habe „der göttliche Werkmeister seinem Werk (also den Menschen) eingeprägt“. Denn, so meint er, eine „unsichtbare, intelligente Macht gibt es in der Welt“: Diese intelligente Macht ist also auch die Ursache für Aberglaube/Polytheismus, aber auch die Ursache für den Monotheismus. Und auch für den von Hume geschätzten,  allein philosophisch erzeugten „Vernunftglauben“. Er nennt diesen auch „natürliche Religion“, die unabhängig von jeder Offenbarung gedacht werden kann.<br />
Es gibt also für Hume einen volkstümlichen Theismus (Monotheismus) UND darüber hinaus einen wertvolleren, philosophisch reflektierten Theismus der Vernunftreligion. Diese Vernunftreligion sieht in den Ereignissen der Natur eben nicht göttliche Kräfte am Wirken; sie erklärt vielmehr alles ohne einen Wunderbegriff, also allein aus natürlichen Ursachen: Deswegen werden philosophisch reflektierte Anhänger der Vernunftreligion verachtet, und vom Volk und der Kirche als Ungläubige behandelt.<br />
4.<br />
Den populären, also unreflektierten Theismus hält Hume sogar für gefährlicher als den alten Polytheismus. Er nennt die Fehlformen des von absoluter Wahrheit besessenen Theismus: Intoleranz, Gewalt, Menschenopfer. Den Polytheismus deutet Hume dann doch vergleichsweise eher positiv: Er führe zu Mut und Freiheitsliebe. Ob das historisch gesehen korrekt ist, bleibt sehr die Frage. Auch heutige Philosophen wie Odo Marquard haben Lobeshymnen auf den Polytheismus angestimmt. Und rechte bzw. rechtsextreme Ideologen geben sich gern als Freunde des Polytheismus und Feinde des angeblich nur intoleranten Monotheismus aus, wie etwa Ideologen der Nouvelle Droite in Frankreich. Insofern wirken jedenfalls die ziemlich pauschalen Polytheismus-Thesen Humes bis heute weiter.<br />
5.<br />
Hume meint: Nur eine kleine Gruppe von Menschen wird sich jemals aus den Verirrungen der populären monotheistischen Religionen befreien können. Es ist die Philosophie als Skepsis, die die verirrten Menschen aus der heillosen Populärreligion befreien kann; etwa dann, wenn sich Menschen in ihrem religiösen Wahn gar nicht an Gott binden, sondern an Zwischenwesen, also Heilige, die sie als Schutzgottheiten (also dann doch wieder in polytheistischer Haltung) verehren.<br />
Die Kritik der theistischen Volksreligion (auch und gerade innerhalb des Christentums und der Kirchen) ist sicher ein Thema, das im Zusammenhang von Hume weiter diskutiert werden sollte. Es sollte also der immer noch stark vorhandene populäre Glaube an Wunder diskutiert werden, also über die Meinung, Gott könne Naturgesetze für einzelne besonders Fromme wunderbar durchbrechen. Und als könnte „die Gottesmutter und Jungfrau Maria“ vom Himmel herabschweben und in zu Menschen sprechen, wie in Fatima oder Lourdes immer noch geglaubt wird.<br />
6.<br />
Und dann wäre zu erörtern, ob philosophisches Welt- und Selbstverstehen jemals ohne das eine und einzige vertretbare Wunder auskommen kann, das sich in dem Erstaunen äußert: „Dass überhaupt etwas ist und nicht nichts“. Dieses ist wohl das einzige Wunder, das Gültigkeit hat. Alle anderen so genannten Wunder sind bestimmte Formen des Volksglaubens, auf die aber viele Menschen einfach nicht verzichten können und wollen, weil sie meinen, in dem Volksglauben bzw. Aberglauben inneren Halt zu finden. Ob man diese die Betroffenen von dieser subjektiven Überzeugung des volkstümlichen Glaubens argumentativ befreien kann und dann auch befreien sollte, ist eine offene Frage. Wahrscheinlich haben sogar die kritischsten Anhänger eines Vernunftglaubens noch einen Restbestand an Volksglauben in sich, und sei es die Beschäftigung mit Astrologie oder Homöopathie usw.<br />
7.<br />
Was Vernunftglauben heute aktuell und neu formuliert bedeuten kann, ist eine aktuelle Herausforderung der Re&shy;li&shy;gi&shy;ons&shy;phi&shy;lo&shy;so&shy;phie. Den alten Vorwurf des „trockenen und abstrakten Begriffssystems“ wird der neue Vernunftglaube überwinden müssen. Der neue Vernunftglaube könnte angesichts des Niedergangs der konfessionellen Kirchen in Europa eine neue Ökumene religiöser und explizit christlicher Menschen erzeugen; dieser Vernunftglaube würde die auch sich stets weiter entwickelnden Menschenrechte in seinen „Grundbestand“ aufnehmen. </p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin. </p>
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		<title>Für eine demokratische, republikanische Kirche: Erinnerungen an Abbé  Grégoire</title>
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		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 May 2019 20:03:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Denken und Glauben]]></category>
		<category><![CDATA[Eckige Gedenktage]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophische Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Abbé Gregoire]]></category>
		<category><![CDATA[Abbe Grégoire für eine unabhängige französische katholische Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Abbe Gregoire und Judenemanzipation]]></category>
		<category><![CDATA[aktuell Priester und Politiker]]></category>
		<category><![CDATA[die Messe auf Französisch in Frankreich schon um 1791]]></category>
		<category><![CDATA[eine Nationalkirche in Frankreich]]></category>
		<category><![CDATA[Judenemanzipation in Frankreich]]></category>
		<category><![CDATA[Priester und Revolutionär]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Hinweise von Christian Modehn Erinnerungen an einen ungewöhnlichen Priester: Er war als Politiker aktiv seit dem Beginn der Französischen Revolution und ein glühender Verteidiger der humanen Werte der Revolution: Sein Name Abbé Grégoire. In Deutschland sollten wir mehr von ihm wissen: Als Ausnahmegestalt eines demokratischen organisierten Katholizismus, der aber diese Kirche, als Hort des Konservativen [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/11701_fuer-eine-demokratische-republikanische-kirche-erinnerungen-an-abbe-gregoire_buchhinweise/philosophische-buecher">Für eine demokratische, republikanische Kirche: Erinnerungen an Abbé  Grégoire</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Hinweise von Christian Modehn<br />
Erinnerungen an einen ungewöhnlichen Priester: Er war als Politiker aktiv seit dem Beginn der Französischen Revolution und ein glühender Verteidiger der humanen Werte der Revolution: Sein Name Abbé Grégoire. In Deutschland sollten wir mehr von ihm wissen: Als Ausnahmegestalt eines demokratischen organisierten Katholizismus, der aber diese Kirche, als Hort des Konservativen und damals heftig Reaktionären, nicht verändern konnte. Aber er hatte doch Erfolge, als Verteidiger der Menschenrechte, vor allem auch zugunsten der Juden und der „Schwarzen“ in den Kolonien. </p>
<p>Der katholische Priester Abbé Grégoire heißt mit vollständigem Namen Henri Jean-Baptiste Grégoire. Er war der berühmte „Priester-Bürger“, „citoyen par excellence“, schreibt der Historiker Bernard Plongeron (Concilium, 1969, Heft 1, Seite 31, französische Ausgabe).<br />
Abbé Grégoire ist eine Ausnahme – Gestalt in dem damaligen antirepublikanischen, antidemokratischen und reaktionären Katholizismus, repräsentiert im Vatikan. Aber er hat dafür gesorgt, dass sich mindestens für ein paar Jahre die Ideen des katholischen Glaubens mit den richtigen Ideen der Französischen Revolution versöhnen konnten. Er ist die entscheidende Gestalt unter den Abgeordneten des revolutionären Parlaments, der die rechtliche Gleichberechtigung der Juden durchsetzte sowie auch die Abschaffung der Sklaverei. Die Bevölkerung der Republik Haiti, die erste unabhängige Republik in den damaligen südamerikanischen Kolonien, hat ihn hoch verehrt! Und bei seinem Tod 1831 mehrere Tage eine Staatstrauer begangen.<br />
Er hat für die Eingliederung des katholischen Klerus in die Verfassung der Republik gestimmt („Constitution civile du Clergé“): „Alle Bischöfe und Pfarrer müssen von nun an von den Bürgern gewählt werden“. Der Papst wurde dann lediglich von der Wahl benachrichtigt. Alle Priester sollten – wie er auch es ganz entschieden tat &#8211; auf die Verfassung der Republik schwören. Seit der Zeit ist der französische Klerus der Revolutionsepoche gespalten, republikanisch oder königstreu und dem Papst absolut ergeben. Abbé Gregoire hat niemals darauf verzichtet, an dieser Konzeption einer Art „nationalen“, also weithin von Rom unabhängigen katholischen Kirche festzuhalten. Deswegen hatte der Erzbischof von Paris auch verboten, dass ein Priester ihn in seinen letzten Stunden besucht, der Erzbischof hatte sogar eine kirchliche Bestattung verboten.<br />
Geboren wurde Grégoire am 4. Dezember 1750 in Vého bei Luneville in Lothringen, einer Region, in der sich unterschiedliche philosophische und aufklärerische Bewegungen versammelten. Er war zuerst Pfarrer und Theologe, bevor er als Abgeordneter ins Pariser Parlament kam. Als Dorfpfarrer setzte er sich entschieden für die Bildung der Bauern ein, er stellte seine private Bibliothek allen Interessierten zur Verfügung, er hat entschieden gegen den „Obskuratismus“ gekämpft, also gegen die übliche Mischung von Glauben und Aberglauben unter Katholiken. Er sprach drei Fremdsprachen, auch etwas Deutsch. Seine befreundeten Rabbiner empfahlen ihm die Lektüre philosophischer, aufklärerischer Zeitschriften in Berlin.<br />
In seinen Lebenserinnerungen („Mémoires“) schreibt Abbé Grégoire: „Nachdem ich die Zweifel förmlich verschlungen hatte durch die Lektüre so genannter philosophischer Werke, habe ich alles neu geprüft und bin nun Katholik, nicht etwa, weil meine Eltern katholisch waren, sondern weil mich die Vernunft, unterstützt von der göttlichen Gnade, zur Offenbarung (der Bibel) geführt hat“.<br />
Viele theologischen Impulse bezog er auch aus dem Studium der alten, der ursprünglichen Kirche („ecclesia antiquior“). Er verfasste zahlreiche politische und theologische Studien, 427 Titel von ihm sind bis jetzt zusammengetragen und tausende von Briefen: Ein Intellektueller und ein Verteidiger der Menschenrechte, und das alles ab 1789, zu einer Zeit, als die Päpste die Menschenrechte und die Freiheit verfluchten. Abbé Grégoire ließ sich nicht unterkriegen. Dabei hatte er gar nichts gegen die Dogmen der Kirche, er wollte nur die menschlichen Verhältnisse in Staat und Kirche  grundlegend durch vernünftige Gesetze verbessern.<br />
Er fand es normal, dass man katholische Bischöfe wählte: Er selbst wurde etwa zum Bischof von Blois gewählt. Er setzte es durch, dass Französisch die Sprache in katholischen Messen wurde; er organisierte Synoden als Orte des freien katholischen Disputs. Er setzte sich für eine Versöhnung der römischen mit der orthodoxen Kirche ein.<br />
Natürlich, möchte man sagen, wurde dies alles vom Vatikan verboten, untersagt, zerschlagen. Die zerstörerische Kraft alles Lebendigen und Neuen war im Vatikan immer schon sehr groß. Aber Abbé Grégorie ließ sich nicht in die Verzweiflung treiben, er kämpfte für die Menschenrechte, für die Befreiung der “Schwarzen“. Michelet sagte von ihm: „Abbé Grégoire hat zwei Gottheiten gehabt, Christus und die Demokratie. Beide vermischten sich seiner Meinung nach zu einer einzigen Überzeugung, denn beide haben dasselbe Ideal, die Gleichheit und die Brüderlichkeit“ (Histoire et dictionnaire de la Révolution Francaise, Robert Laffont, 1987, Seit 860)<br />
1950, zum 200. Gedenken an die Geburt dieses freien, republikanischen Priesters, Bischofs und Politikers war es ausgerechnet der vietnamesische Politiker Ho-chi-Minh, der seiner gedachte: Er nannte ihn einen „Apostel der Freiheit der Völker“.<br />
Am 28. Mai 1831 ist Abbé Grégoire in Paris verstorben. An seiner Bestattung auf dem Friedhof Montparnasse, Paris, nahmen 2.000 Studenten und Arbeiter teil, berichtet Bernard Plongeron (ebd., S. 43).<br />
Ein der Hierarchie gegenüber kritischer Priester (Abbé Guillon) war dann noch bereit, eine kirchliche Bestattung zu feiern.<br />
1989, im Rahmen der Feiern „200 Jahre Französische Revolution“, erhielt dieser republikanische, demokratische Priester endlich ein Ehrengrab im berühmten Pariser Panthéon. Die französischen Bischöfe, immer noch im Zorn auf ihren großen republikanisch-katholischen Vorgänger, nahmen selbstverständlich NICHT an den Feiern im Panthéon teil. Lediglich der progressive Außenseiter unter den Bischöfen damals, Jacques Gaillot, Bischof von Evreux, war – für Gaillot selbstverständlich – bei den von Staatspräsident Francois Mitterrand geleiteten Zeremonien im Panthéon dabei.<br />
Es wird Zeit, in Deutschland umfassender an Abbé Grégoire zu erinnern.  Leider sind seine Werke in deutscher Sprache nicht verfügbar. In Frankreich gibt es förmlich einen Boom an Grégoire &#8211; Forschung, siehe etwa die entsprechende französische website von wikipedia.<br />
Ich finde diesen Mangel an deutschsprachigen Büchern über Abbé Gregoire in gewisser Weise typisch: Wie viele Bücher wurden in den frommen Verlagen über die Karmeliter-Nonne Theresia vom Kinde Jesu in Lisieux oder über den angeblichen Mystiker, den Pfarrer von Ars publiziert? Und eben nicht über einen revolutionären, republikanischen Priester und Bischof, einen Kämpfer für die Menschenrechte und eine demokratisch verfasste Kirche! </p>
<p>Es gibt ein kleines Abbé Grégoire Museum in Emberménil,   Département Meurthe-et-Moselle, in der Region Grand Est.<br />
 https://musee-abbe-gregoire.fr/un-musee</p>
<p>Über „Haiti und Abbé Grégoire“  gibt es etliche differenzierende Studien, etwa: https://www.persee.fr/doc/outre_0300-9513_2000_num_87_328_3804</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Be</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/11701_fuer-eine-demokratische-republikanische-kirche-erinnerungen-an-abbe-gregoire_buchhinweise/philosophische-buecher">Für eine demokratische, republikanische Kirche: Erinnerungen an Abbé  Grégoire</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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