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	<title>Was hat Mystik mit Atheismus zu tun? Archive &#8211; Religionsphilosophischer Salon</title>
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	<description>... eine Einladung zum Mitdenken und Mitdiskutieren</description>
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		<title>Theresa von Avila 500. Geburtstag: Mystik bricht aus dem religiösen System aus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 28 Mar 2015 14:29:03 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Was hat Mystik mit Atheismus zu tun?]]></category>
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		<category><![CDATA[Karmelitin trifft Atheistin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Theresa von Avila und „Die mystische Fabel“ Ein Hinweis zum 500. Geburtstag der Mystikerin und eine Erinnerung an Michel de Certeau SJ Von Christian Modehn Theresa von Avila ist eine große Autorin, eine inspirierende Mystikerin, wohl auch heute. Aber was heißt eigentlich „Mystik“? Welcher Sprache begegnen wir dann? Welche Lebenserfahrungen sind prägend? Wer darf sich [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Theresa von Avila und „Die mystische Fabel“</p>
<p>Ein Hinweis zum 500. Geburtstag der Mystikerin und eine Erinnerung an Michel de Certeau SJ</p>
<p>Von Christian Modehn</p>
<p>Theresa von Avila ist eine große Autorin, eine inspirierende Mystikerin, wohl auch heute.</p>
<p>Aber was heißt eigentlich „Mystik“? Welcher Sprache begegnen wir dann? Welche Lebenserfahrungen sind prägend? Wer darf sich Mysteriker, Mysterikerin, nennen oder darf so von anderen genannt werden?</p>
<p>Fragen, die anlässlich des 500. Geburtstages der Karmeliter-Nonne Theresa von Avila (28.3.1515 – 1582) wichtig sind, aber unseres Wissens im Umfeld dieses Gedenktages nicht (so oft) behandelt werden. Wie umfassend darf an kirchlichen (römischen) Gedenktagen gedacht werden?</p>
<p>Hilfreich sind immer die Studien des französischen Intellektuellen und Jesuiten Michel de Certeau (1925-1986). Wenn jemand die französische Ehrenbezeichnung „Intellektueller“ verdient, dann wohl er, der Historiker, Psychoanalytiker, Linguist, Theologe. Er hat unter anderem das (auch auf Deutsch vorliegende) Buch veröffentlicht “La Fable Mystique“, 1982 erschienen. 2013 wurde dann ein 2. Band publiziert: La Fable Mystique, II, Édition établie et présentée par Luce Giard, erschienen bei Gallimard, 392 p., 22,90 €. Luce Giard ist eine hervorragende Kennerin des Werkes de Certeaus.</p>
<p>Certeau spricht von „Fabel“, um das Sprechen und Briefe-Schreiben der Mystiker des 16. und 17. Jahrhunderts zu bezeichnen, und er meint damit: Es gibt bei den Mystikern eine bemerkenswerte Erfindungsgabe der Sprache. Sie sagen alles, „von dem man sagt, es nicht sagen zu können“ (so Johannes vom Kreuz, ein Mitstreiter und Freund Theresas, auch er ein Meister der Sprache, ein Poet). De Certeau zeigt, dass die Mystik (ein Wort, das vor dem 16. Jahrhundert unbekannt war, meint er) eine Art „paradoxe Wissenschaft“ sei, weil sie in neuer Sprache, befreit von der Last der klassischen Theologie und ihrer Systeme, wieder unverbraucht Wesentliches sagt. Die Welt der Mystiker dieser beiden Jahrhunderte ist erschüttert: Politischer Absolutismus, neue Welten („Amerika“), Wissenschaften, rationale Philosophie, Übersetzungen der Bibel etc&#8230;</p>
<p>Die Mystiker erleben diese neue Welt und wollen als Glaubende dieser erlebten neuen Welt Ausdruck geben. Es ergibt sich so eine „Befreiung der Stimme der Frauen“, ein Gespür für die Bedeutung der Subjektivität. Die alte Welt wird als untergehende erlebt, von der neuen Welt wird in neuer Sprache gesprochen, nicht in einer Geheimsprache, betont de Certeau. Es wird mystisch das NEIN gepflegt, das Nein zum alten System-Denken, es wird der alte religiöse Raum leer geräumt, zugunsten des NICHTS (vor allem bei Johannes vom Kreuz). Alte Sicherheiten zerbrechen, das Gehaltensein im Nichts als „dennoch“-Gehaltensein kann zum Glaubensausdruck werden.</p>
<p>Wer würde diese Gedanken nicht modern, also zeitgemäß finden? Bloß wo sind die Mystiker heute? Gibt es sie noch etwa unter den vielen tausend Nonnen der Unbeschuhten Karmelitinnen, also jenes Ordens, den Theresa unter Leiden und Not (drangsaliert von den reformunwilligen Nonnen) gegründet hat? Der Katholizismus hat „MystikerInnen“  in seinen Reihen, bloß die kommen nicht zu Wort, melden sich nicht, schweigen. Weil sie nichts zu sagen haben? Weil die Orden ihre beste Tradition aufgegeben haben und nicht mehr mystisch sind und bestenfalls historische Studien publizieren? Oder weil sie ihre vielleicht provozierende mystische Einsicht nicht sagen dürfen? Etwa: Dass wir vielleicht mehr an das Nichts, die Leere, als an den so lieben und allmächtigen und gerechten Gott denken sollten? Dass wir die Sprache des Schweigens üben und hören sollten als das viele religiöse Gerede, diese routinierte Fortsetzung von frommen Sprchen und Floskeln.</p>
<p>Vielleicht noch ein Hinweis zu dem empfehlenswerten Buch „Michel de Certeau“, herausgegeben von Marian Füssel, erschienen UVK Verlagsgesellschaft, 2007.</p>
<p>Aus dem Beitrag von Koenrad Geldof nur einige markante Sätze, immer bezogen auf das Werk de Certeaus selbst, als Einladung weiterzuforschen:</p>
<p><em>„Der Geburtsort der Mystik ist die Ruine“</em> (S. 138). „Die Mystik existiert gerade dank des Fehlens ihres Objektes Gott. Sie sehnt sich nach dem Abwesenden, aber ihre Sehnsucht kann und wird nie erfüllt werden: Diese Unmöglichkeit ist der Grund, aus dem die Mystiker sprechen und schreiben“ (S. 139).</p>
<p>„Der Mystiker ist dazu verdammt, ICH zu sagen, um im Namen seiner selbst sprechen zu können“ (S. 141).</p>
<p>Und Daniel Bogner schreibt in dem genannten Buch: “Wahrheit gibt es für die Mystiker nicht mehr als eine von der kirchlichen Institution treuhänderisch verwaltete und abrufbar bereitgestellte Wahrheit“ (S. 312). Wird man solche Sätze hören bei den nun einmal nicht ausbleibenden Jubelfeiern und Festgottesdiensten zu Ehren der Theresa von Avila. Papst Paul VI. hat 1970 diese unbequeme Frau und Kritikerin gar zur offiziellen Kirchenlehrerin ernannt. Wollte er diese radikale Theologin und Nonne besänftigend „eingemeinden“? Oder rechnete er damit, dass radikale Worte der Gottesferne und des Nichts wirklich in die Mitte des christlichen Glaubens und der römischen Institution gehören?</p>
<p>Dieser Beitrag bedarf einer Ergänzung:</p>
<p>Ich habe als Hörfunk und Fernseh-Journalist (RBB) im Karmelitinnen Kloster Regina Martyrum in Berlin Ordensfrauen getroffen, die durchaus von einer Weite des Denkens und des mystischen Erfahrens geprägt sind und dies auch so sagen. Ob alle Karmelitinnenklöster in Deutschland von diesem offenen Geist geprägt sind, ist eine andere Frage.</p>
<p>Einige Zitate aus verschiedenen Ra&shy;dio&shy;sen&shy;dungen von mir.</p>
<p>Schwester Maria Theresia sagt zum Beten für andere Menschen: „Für andere beten, das heißt zunächst einmal von anderen wissen. Und nicht nur theoretisch, sondern auch direkt, persönlich, und auch die Lage von anderen Menschen, sich selbst unter die Haut gehen lassen. Es ist eine gewisse Solidarisierung. Das ist so etwas wie das Halten einer Hand, wenn wir sagen: Ich denke an dich“.</p>
<p>Die Gründerin des Karmelitinnenklosters in Berlin ist Schwester Gemma Hinricher, zuvor lebte sie im Karmel am Rande des ehem. KZs Dachau: Schwester Gemma ist 1990 verstorben, sie war in Berlin als geistliche Lehrerin sehr angesehen, ie sagte mir in einem Interview in Plötzensee:</p>
<p>„Es ist für die Karmelitinnen ganz wesentlich die Ausrichtung auf Gott und zugleich die Ausrichtung auf die Menschen. Ich glaube, dass wir teilnehmen an der Glaubensnot unserer Epoche. Dass wir ja in welcher Form auch immer auch ein Stück Gottferne erfahren. Es ist wichtig zu betonen, dass es uns da nicht besser geht, dass wir auch angefochtene Menschen sind und verletztliche Menschen, dass uns nicht alles zufliegt mit Heiterkeit“.</p>
<p>Gelegentlich besuchen auch Agnostiker und Atheisten den Berliner Karmel, so etwa Gita Neumann, Psychologin und Mitarbeiterin des Humanistischen Verbandes im Rahmen eines Filmes, den ich fürs ERSTE drehte. Gita Neumann fragte Schwester Maria Theresia:. „Betet man irgendwie zu Gott, zu Jesus, zu einer übergeordneten Instanz? Sind Sie der Meinung, dass da auch Wünsche auch irgendwo ankommen?“ Darauf die Karmelitin Schwester Maria-Theresia: :</p>
<p>„Ich muss gestehen, ich teile diese Frage auch. Für mich ist dieses Beten in eine gewisse Leere hinein wie ein Gottesbeweis. Weil ich mir sage: Eine fassbare Antwort, das ist nicht mein Gott. Es muss immer etwas bleiben, was geheimnisvoll ist, was scheinbar sogar das Gegenteil sogar von dem Erbeteten ist. Dieses durchkreuzende Moment von Gebeten führt mich, wenn ich ehrlich bin, letztlich weiter. Ich möchte darauf hin leben, dass ich Gott größer sein lasse als meine Gebete.“</p>
<p>In einem Beitrag über die spirituellen Dimensionen der Nacht konnte ich auch Schwester Maria Theresia zu dem Thema befragen: „Das beste Nachtgebet ist für mich, das, was am meisten mich selbst einsammeln kann, wo ich am meisten drin bin. Das ist überhaupt kein Gebet im üblichen Sinn. Das ist vielleicht ein Fallenlassen, ein Loslassen. Eine Einwilligung, in das, was jetzt gerade mein Leben ist, weil ich jetzt mal gerade so ganz zu mir kommen kann. Und ich denke, dass ist dann beste Gebet, auch wenn ich in dem Moment gar nicht merke, dass ich bete&#8220;.</p>
<p>Copyright: Christin Modehn Berlin</p>
<p>&nbsp;</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Tomas Halik erhält Templeton Preis 2014</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/5182_tomas-halik-erhaelt-templeton-preis-2014_mystik-und-atheismus</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Mar 2014 14:26:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Denken und Glauben]]></category>
		<category><![CDATA[Was hat Mystik mit Atheismus zu tun?]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Prof. Tomas Halik erhält 2014 den Templetonpreis Der tschechische Theologe, Soziologe und katholische Priester Tomas Halik (Prag) erhält in diesem Jahr 2014 den hoch angesehenen TEMPLETON Preis.  Die Freunde des Re&shy;li&shy;gi&shy;ons&shy;phi&shy;lo&shy;so&shy;phi&shy;sch&shy;en Salon Berlin kennen und schätzen sehr die Arbeiten Tomas Haliks. Vor allem sein Eintreten für eine mystische Gotteserfahrung und sein entschiedenes Plädoyer für den [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Prof. Tomas Halik erhält 2014 den Templetonpreis</p>
<p>Der tschechische Theologe, Soziologe und katholische Priester Tomas Halik (Prag) erhält in diesem Jahr 2014 den hoch angesehenen TEMPLETON Preis.  Die Freunde des Re&shy;li&shy;gi&shy;ons&shy;phi&shy;lo&shy;so&shy;phi&shy;sch&shy;en Salon Berlin kennen und schätzen sehr die Arbeiten Tomas Haliks. Vor allem sein Eintreten für eine mystische Gotteserfahrung und sein entschiedenes Plädoyer für den lernbereiten Dialog mit &#8222;Atheisten&#8220; und Ungläubigen verdienen höchste Beachtung in einer Zeit, in der sich die Kirchen immer mehr dogmatisch eingrenzen.</p>
<p>Christian Modehn hat als Journalist mehrfach Tomas Halik interviewen können, zur Lektüre eines von mehreren Beiträgen <a href="http://religionsphilosophischer-salon.de/2443_tomas-halik-na…s-beichtvaters_aktuelle-buchhinweise/theologische-bucher ">klicken</a> Sie hier. Der Beitrag erschien in der Zeitschrift PUBLIK FORUM und trägt den Titel: &#8222;Nachtgedanken eines Beichtvaters&#8220;, bezogen auf eines der letzten Bücher Haliks.</p>
<p>Außerdem hat Christian Modehn 1999 für die ARD einen der ersten längeren <strong>Filme über Tomas Halik</strong> realisiert, der 30 Minuten Film über und mit Tomas Halik hat den Titel: &#8222;Meine Freunde die Ungläubigen&#8220; (SFB und MDR). Der Film ist nach wie sehenswert, er zeigt wesentliche biographische Elemente und Beispiele aus der vielfältigen Tätigkeit Prof. Haliks in Prag.</p>
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		<item>
		<title>Die Götter müssen verschwinden. Warum die neuen Atheisten den Glauben fördern</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/2061_die-gotter-mussen-verschwinden-warum-die-neuen-atheisten-den-glauben-fordern_religionskritik</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 13 Dec 2011 15:30:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Religionskritik]]></category>
		<category><![CDATA[Was hat Mystik mit Atheismus zu tun?]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Modehn]]></category>
		<category><![CDATA[Dawkins]]></category>
		<category><![CDATA[Geduld mit Gott]]></category>
		<category><![CDATA[Halik]]></category>
		<category><![CDATA[Joachim Kahl]]></category>
		<category><![CDATA[Joachim Kahl kritisiert Schmidt Salomon]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik an Dawkins]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik an Giordano Bruno stiftung]]></category>
		<category><![CDATA[Philip Clayton Theologe]]></category>
		<category><![CDATA[Schmidt-Salomon]]></category>
		<category><![CDATA[Susan Neiman kritisiert Dawkins]]></category>
		<category><![CDATA[Tomas Halik]]></category>
		<category><![CDATA[Tomas Halik Geduld mit Gott]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der folgende Text ist die ungekürzte Fassung eines Beitrags für den NDR (Kultur) am 30.10.2011, die Form entspricht der für Hörfunk &#8211; Produktionen üblichen Gestaltung. NDR  Glaubenssachen Die Götter müssen verschwinden Warum die „neuen Atheisten“ den Glauben fördern Von Christian Modehn &#160; 1. SPR.: Berichterstatter 2. SPR.: Zitator SPRECHERIN 1.SPR.: In Europa und Amerika machen [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/2061_die-gotter-mussen-verschwinden-warum-die-neuen-atheisten-den-glauben-fordern_religionskritik">Die Götter müssen verschwinden. Warum die neuen Atheisten den Glauben fördern</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der folgende Text ist die ungekürzte Fassung eines Beitrags für den NDR (Kultur) am 30.10.2011, die Form entspricht der für Hörfunk &#8211; Produktionen üblichen Gestaltung.</p>
<p>NDR  Glaubenssachen</p>
<p>Die Götter müssen verschwinden</p>
<p>Warum die „neuen Atheisten“ den Glauben fördern</p>
<p>Von Christian Modehn</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>1. SPR.: Berichterstatter</p>
<p>2. SPR.: Zitator</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>1.SPR.:</p>
<p>In Europa und Amerika machen Missionare der besonderen Art von sich reden. Sie gehen nicht werbend von Tür zu Tür und sie stehen auch nicht mit ihren Druckschriften geduldig wartend auf der Straße. Kanzeln werden sie wohl niemals betreten. Sie werben im Internet, organisieren Konferenzen, treten in Talkshows auf. Aber wie alle Prediger haben sie ein festes Ziel vor Augen: Sie wollen bekehren. Dabei ist ihre Botschaft alles andere als religiös. Sie propagieren, wie sie sagen, eine „Alternative“ zu den bestehenden Religionen. Im „Manifest des evolutiven Humanismus“ heißt es:</p>
<p>2. SPR.:</p>
<p>Es geht um die Entlarvung des realen Unsinns, der sich hinter den religiösen Sinnstrukturen verbirgt. Wir gehen davon aus, dass es im Universum mit rechten Dingen zugeht, dass also weder Götter noch Geister noch Kobolde oder Dämonen in die Naturgesetze eingreifen.</p>
<p>1.SPR.:</p>
<p>Mit diesen Worten formuliert die religionskritische „Giordano Bruno Stiftung“ ihr Grunddogma: Die Natur mit ihren Gesetzen sei „die“ Wirklichkeit. Philosophen nennen diese Überzeugung „Naturalismus“. Das heißt: Auf die Naturgesetze kommt es entscheidend an. Deswegen können auch nur die Naturwissenschaften erklären, was die Welt „letztlich“ bedeutet. Weil sich Gott mit naturwissenschaftlich &#8211; empirischen Methoden nicht wahrnehmen lässt, gibt es ihn auch nicht. So einfach ist das. Wer auf der Höhe der Zeit leben will, sollte darum eine Art Bekehrung vollziehen und dem religiösen Glauben abschwören. Die Attacken gegen den Glauben sind heftig und radikal; sie treffen das Herz der Religionen:</p>
<p>2. SPR.:</p>
<p>Es ist unverzichtbar, dass wir die lebensfeindlichen, kindlichen Mythen über Bord werfen. Wer dabei auf verletzbare religiöse Gefühle Rücksicht nimmt, zementiert nur die weltanschauliche Borniertheit.</p>
<p>1. SPR.:</p>
<p>So formuliert Michael Schmidt – Salomon, der Vorstandssprecher die Überzeugung der religionskritischen „Giordano Bruno Stiftung“. Unentwegt, immer unterwegs, versucht der promovierte Erziehungswissenschaftler diese Botschaft zu verbreiten. Die „Giordano Bruno Stiftung“, im Jahr 2004 gegründet, versteht sich als „Denkfabrik für Humanismus und Aufklärung“. Inzwischen ist sie fest im kulturellen Leben verankert, nicht nur in Deutschland. Die Giordano Bruno Stiftung hat mehrere Regionalgruppen eingerichtet. Der internationale Förderkreis zählt mehr als 2000 Mitglieder aus 25 Ländern. Zum wissenschaftlichen Beirat gehören 54 zum Teil prominente Forscher und Universitätsprofessoren.</p>
<p>Die Zentrale der „Denkfabrik“ befindet sich in Mastershausen im Hunsrück, genauer gesagt auf dem Grundstück des Unternehmers Herbert Steffen. Nach seinem Austritt aus der katholischen Kirche stellt er schon seit vielen Jahren sein gesamtes Vermögen der Werbung für den Atheismus zur Verfügung. Seine Stiftung bezieht sich in ihrem Titel auf den Dominikaner Mönch Giordano Bruno. Er war zwar kein Atheist, dafür aber dachte er naturwissenschaftlich modern und, das ist wichtig: Er war ein unnachgiebiger Kritiker des kirchlichen Glaubens. Deswegen wurde er im Jahr 1600  auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Von dieser Leidenschaft für die kirchenkritische Vernunft ist der Vorstandssprechers Schmidt Salomon erfasst:</p>
<p>2. SPR.:</p>
<p>Heute kommt es vor allem auf Eines an: Kämpferischen Einsatz und öffentlich Farbe zu bekennen.  Gefordert ist eine globale Konversion, also Bekehrung, von der religiösen Überheblichkeit zum schlichten Menschsein.</p>
<p>1. SPR:</p>
<p>Bis vor etwa 10 Jahren war der dezidierte Atheismus in Deutschland eher in kleinen philosophischen Zirkeln beheimatet. Wenn sich Philosophieprofessoren wie Herbert Schnädelbach und Hans Blumenberg zum Atheismus bekannten, dann waren ihre Stellungnahmen differenzierte, sachlich abwägende Essays über den Unglauben, ohne jeden propagandistischen Ton.</p>
<p>Nun aber gibt es einen neuen Trend: Die Zahl der erklärten Atheisten nimmt weltweit zu, 700 Millionen sind es weltweit. Sie beziehen ihre Kraft vor allem aus dem Kampf gegen die Glaubenseiferer von der anderen Seite: den radikal Frommen, den islamistischen und christlich &#8211; evangelikalen Kreisen mit ihren fundamentalistischen Überzeugungen. Diese interpretieren ihre heiligen Texte im wortwörtlichen Verständnis. Ultra &#8211; konservative Christen in den USA glauben daran,  dass Gott die Welt in sechs Tagen erschaffen hat. Sie fordern auch, dass dieser Glauben in den Schulen gelehrt wird. Wie in einem dialektischen Gegenschlag starten nun die neuen Atheisten ihre Propaganda.  Mit besonderer polemischer Schärfe wirbt der englische Biologe Richard Dawkins für den Atheismus. Sein Buch „Der Gotteswahn“  kam vor 5 Jahren auf den Markt, es wurde weltweit mehr als 3 Millionen Exemplaren mal verkauft, allein 300.000 in Deutschland. Dawkins formuliert sein Credo kurz und bündig:</p>
<p>2. SPR.:</p>
<p>Der Glaube an Gott ist eine entsetzliche Krankheit, die ausgerottet werden muss.</p>
<p>1. SPR.:</p>
<p>Diese Behauptung wird  von den amerikanischen Philosophen Sam Harris und Daniel Dennett &#8211; wiederum in Bestsellern &#8211; unterstützt. In Italien wettert der Mathematiker Professor Pieregiorgio Odifreddi gegen das Christentum. Er hält den religiösen Glauben für eine Form des Schwachsinns, der nur geistigen Zwergen zusteht. In Frankreich polemisiert der Philosoph Michel Onfray in zahlreichen Büchern gegen die Religionen. Auch Onfray steht dem so genannten „Meister Atheisten Richard Dawkins“ nahe. Im „Humanistischen Verband Deutschlands“, der Vertretung konfessionsfreier Menschen in Deutschland, grenzt man sich von diesen polemisch auftretenden Herren ab. Man spricht dort von „Krawall – Atheisten“.  Andere, weltweit geachtete Philosophen hingegen, wie Peter Sloterdijk, haben sich von der neuen atheistischen Welle distanziert:</p>
<p>2. SPR.:</p>
<p>Für mich ist Dawkins Buch ein Ausdruck von Seichtheit, deswegen lege ich es beiseite. Das Feld der Transzendenz ist das Feld dessen, was für uns Geheimnis bleibt, was wir nicht ganz durchdringen,. Transzendenz ist ja auch eine Metapher für das, was wir noch werden können.</p>
<p>1. SPR.:</p>
<p>Die am Potsdamer „Einstein Forum“ lehrende Philosophin Susan Neiman  verteidigt ausdrücklich die Überzeugungen religiöser Menschen:</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Ich finde, Religion nicht ernst zu nehmen ist eine Verachtung der Welt, in der die meisten Menschen heute leben und denken. Die Ansicht Dawkins’, religiöse Menschen seien allesamt irrationale Idioten, ist einfach selber Ausdruck reiner Ignoranz.</p>
<p>1. SPR.:</p>
<p>Zu einem ähnlichen Urteil kommt auch der sich ausdrücklich atheistisch nennende Philosoph Joachim Kahl aus Marburg. Er wirft dem von Dawkins inspirierten Buch „Manifest des evolutionären Humanismus“ gedankliche Dürftigkeit vor.</p>
<p>2. SPR.:</p>
<p>Dieser bilderstürmerische Atheismus ergeht sich in einer eifernden Antithese zur Religion, und er erschöpft sich darin. Die ganze Welt soll als „religionsfreie Zone“ erlöst werden, wo nur die wahre Lehre der vermeintlich Aufgeklärten gelten soll. Dawkins hat von den Ambivalenzen der Religion keine Ahnung, sie hat menschenverachtende und menschenfreundliche Züge, sie enthält Sinn und Unsinn, Vernunft und Unvernunft.</p>
<p>1. SPR.:</p>
<p>Die christlichen Kirchen, vor allem die Theologen, können und wollen die Thesen der neuen Atheisten nicht einfach ignorieren. Denn deren einprägsamen Sprüche und griffigen Formeln prägen das Bewusstsein vieler Menschen. Es ist vielfach chic, sich als Atheist zu outen; in manchen großstädtischen Milieus ist man sich des Beifalls sicher.</p>
<p>Viele Theologen wollen ohne Polemik und seriös argumentierend auf die Herausforderung der „neuen Atheisten“  reagieren.  Sie sind überzeugt: Trotz aller Polemik weisen die atheistischen Eiferer auf Schwachstellen der christlichen Lehre hin. Ein Beispiel für die beginnende Auseinandersetzung ist die Internationale Zeitschrift für Theologie CONCILIUM. Sie hat vor einem Jahr in einem Heft vierzehn Autoren aus verschiedenen Kirchen zu Wort kommen lassen. Die Auseinandersetzung mit dem „Neuer Atheismus“ sei zumindest in den USA en vogue, meint Philip Clayton, protestantischer Theologe aus Kalifornien:</p>
<p>2. SPR.:</p>
<p>Die Zahl der aktuellen Bücher, die die Argumente der neuen Atheisten erschüttern, ist inzwischen Legion.</p>
<p>1. SPR.:</p>
<p>Theologen und Philosophen leisten zunächst elementare Aufklärungsarbeit: Und die beginnt damit, an die Grenzen naturwissenschaftlicher Forschung zu erinnern. Darin sind sich die Autoren der Zeitschrift Concilium einig:</p>
<p>2. SPR.:</p>
<p>Naturwissenschaft hat nichts mit Gott zu tun. Sie kann mit ihren Methoden Gott nicht erreichen und auch Gott nicht erkennen. Deswegen lässt sich naturwissenschaftlich weder der Theismus noch der Atheismus beweisen. Naturwissenschaft fragt nicht nach dem Sinn des Lebens, sie kann von daher keine Antwort geben auf religiöse oder metaphysische Fragen. Der Versuch, den Atheismus, naturwissenschaftlich zu begründen, muss scheitern. Auch der Atheismus ist eine Glaubenshaltung mit dem Bekenntnis: Ich bin überzeugt, es gibt keinen Gott.</p>
<p>1.SPR.:</p>
<p>Atheismus wie Theismus haben also eins gemeinsam: Sie sind Glaubenshaltungen und naturwissenschaftlich nicht begründbar. Auf dieser Basis können Philosophen und Theologen die neuen Atheisten ernst nehmen. Sie können sogar dankbar sein, dass die neue Bewegung der Ungläubigen für die nötige Unruhe der Selbstkritik in den Kreisen der Gläubigen sorgt, wie der protestantische Philosoph Paul Ricoeur betont:</p>
<p>2. SPR.:</p>
<p>Der Atheismus ist der Boden für einen neuen Glauben, für einen Glauben des nachreligiösen Zeitalters.</p>
<p>1. SPR.:</p>
<p>Dawkins und seine Mitstreiter haben eindringlich gezeigt, dass es populäre und manchmal infantile Vorstellungen unter den Gläubigen gibt. Theologen können dies nicht gutheißen und müssen sich dagegen wehren. So wird es zur dringenden Aufgabe, zeitgemäß und in der Sprache von heute die wichtigen Grundlagen der christlichen Religion zu erläutern, meint der Theologe Philip Clayton:</p>
<p>2. SPR.:</p>
<p>Ich sage nicht, dass alle theologischen Aussagen über Gott überflüssig geworden sind. Doch die traditionellen Kategorien und Begriffe, mit denen Gott beschrieben wurde, verlieren an Halt. Darum müssen neue Formulierungen gefunden werden.</p>
<p>1. SPR.:</p>
<p>Der amerikanische Theologe Clayton weist etwa den traditionsreichen Begriff „übernatürlich“ zurück. Früher war er selbstverständlich, die besondere, die himmlische, also nicht – irdische  Existenzform Gottes mit dem Wort übernatürlich zu beschreiben:</p>
<p>2. SPR.:</p>
<p>Aber diese Trennung von natürlich und übernatürlich, von weltlich und göttlich, ist theologisch gesehen ein komplettes Desaster. Gott wird in weite Ferne gerückt, ein solcher ferner himmlischer Gott kann die Welt nur durch sein Eingreifen in die Natur beeinflussen, indem er z.B. in Wundern die Naturgesetzte durchbricht. Aber für diese Eingriffe Gottes gibt es im modernen Bewusstsein keinen Platz mehr.</p>
<p>1. SPR.:</p>
<p>Ähnliche Probleme gibt es, wenn die Frommen ihren Gott als eine Person ansprechen, und dabei so tun, als wäre Gott sozusagen der gute Kumpel von nebenan, eine Person wie wir. Theologen revidieren darum missverständlich personale Beschreibungen Gottes. Sie werden vorsichtiger in der allzu menschlich gefärbten Anrede Gottes und nennen Gott nicht mehr so selbstverständlich wie in Kirchenliedern gerecht und gütig, barmherzig und strafend. Wie kann ein gerechter Gott auch gütig sein, und ein barmherziger Gott auch strafend? Es macht sich heute eine neue Scheu bemerkbar, von dem Unbedingten, dem Absoluten und dem ewigen göttlichen Geist allzu menschlich zu sprechen. Theologen bekennen, wie leichtfertig sie von Gott bisher gesprochen haben. Der Protestant Paul Tillich warnte schon vor 50 Jahren, dass der allzu vertraute und allzu bekannte Gott zu einem Götzen wird, einem Objekt, das in die Verfügbarkeit der Menschen gerät. An diese Warnung halten sich heutige Theologen. Sie nehmen Gott als das Unendliche wahr, als das Geheimnis, das wir nicht umfassen und deswegen auch nicht definieren können. Wir können es im Denken lediglich „berühren“, ahnend ertasten. Darin beziehen sich die Theologen auf die Einsichten des Mystikers Meister Eckart oder die Erkenntnisse des Philosophen Karl Jaspers:</p>
<p>2. SPR.:</p>
<p>„An den Grenzen der Vernunft steht das Unbegreifliche und das Geheimnis. Das Geheimnis erfahren wir als Grenze unserer Vernunft, aber wir nehmen es in das Licht unserer Vernunft auf“.</p>
<p>1.SPR::</p>
<p>Die Berliner Philosophin Petra von Morstein führt Jaspers Gedanken weiter:</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Das Göttliche entzieht sich unserer objektiven Erkenntnis. Aber doch erleben wir etwas über die Grenzen des objektivierenden Verstandes hinaus. Wir wollen das artikulieren. Aber wie tun wir das? Natürlich auch in Begriffen. Aber wir drücken diese Erfahrung symbolisch aus. Und in diesem Sinne wäre „Gott der Vater“ ein Symbol, aber es ist nicht wörtlich zu nehmen.</p>
<p>1. SPR.:</p>
<p>Vor allem über das Beten und Bitten muss angesichts eines „reiferen“ Gottesbild neu nachgedacht werden. Kann Gott, der das alles gründende, das ewige Geheimnis ist, unsere egoistischen Wünsche erhören und befriedigen?  Der spanische Theologieprofessor Andrés Torres Queiruga fragt in der Zeitschrift Concilium:<br />
2. SPR.:</p>
<p>Schon der Kirchenlehrer Augustinus und der mittelalterliche Theologe Thomas von Aquin lehrten, dass wir im Gebet nicht etwa bitten sollen, um Gott zu unseren Gunsten zu verändern und umzustimmen, sondern vielmehr sollen wir beten und bitten, dass wir selbst uns ändern. Der dänische Philosoph Sören Kierkegaard hat diesen Gedanken weitergeführt: Das Gebet ändert nicht Gott, aber es verändert den Betenden. Wenn wir beten: Gottes Reich möge kommen, dann wollen wir dieses Reich des Friedens nicht herbeizwingen. Dann bestärken wir lediglich unsere eigene Sehnsucht nach diesem Reich des Friedens und der Gerechtigkeit.</p>
<p>1. SPR.:</p>
<p>Im Gebet wollen sich die Betenden also selbst ändern, ihr Denken und ihr Verhalten. So gesehen führt die theologische Auseinandersetzung mit den neuen Atheisten zur Überprüfung bisheriger kirchlicher Überzeugungen. Etliche Beobachter haben den Eindruck, als seien die neuen Atheisten –trotz ihrer Polemik – provozierende, prophetische Stimmen. Für diese von außen, aus der kritischen Distanz, formulierte Kritik kennt die kirchliche Tradition den Begriff der „Fremdprophetie“: Sie sollte ernst genommen werden, weil sie auf „wunde Punkte“ der traditionellen Lehre hinweist.</p>
<p>So macht sich angesichts der Provokationen der „neuen Atheisten“ eine neue theologische Bescheidenheit breit. Diese Haltung wird nachdrücklich unterstützt von Christen, die im ständigen Austausch mit Atheisten, Agnostikern und Skeptikern stehen, z.B. von dem katholischen Priester Tomas Halik. Er leitet in Prag die „Christliche Akademie“ und arbeitet als Professor für Soziologie an der Karls Universität. Sein besonderes Interesse gilt der Studentengemeinde, in der ausdrücklich atheistische und skeptische Menschen willkommen sind. Wenn Tomas Halik von Gott spricht, dann nie in der Position des Wissenden, schon gar nicht des „Besserwissenden“. Seine theologisch &#8211; spirituellen Überzeugungen hat er kürzlich in seinem Buch „Geduld mit Gott“ veröffentlicht. Darin heißt es:</p>
<p>2. SPR.:</p>
<p>Auch Glaubende erfahren, dass Gott mehr abwesend als greifbar nahe ist. Ein reifer Glaube ist ein geduldiges Ausharren in der Nacht des Geheimnisses. Der suchende Glaube kann im schmerzlichen, leidenschaftlichen, protestierenden Atheismus seinen Bruder erkennen. Auch wir Christen bleiben manchmal im Schmerz unbeantworteter Fragen vor dem Geheimnis des Bösen stehen. Auch unser Glaube erlaubt uns nicht, im Frieden endgültiger Antworten zu ruhen, sollte die Antwort der billige Trost des &#8218;religiösen Opiums&#8216; oder das stoische Akzeptieren der Sinnlosigkeit der Welt sein. Diesen Atheismus &#8211; den leidenschaftlichen Protest-Atheismus &#8211; können Christen nicht anders „besiegen, als dass wir ihn umarmen.</p>
<p>1. SPR.:</p>
<p>Diese „Umarmung“ von Glaubenden und Nichtglaubenden hat nur Sinn, wenn sie sich über alle Debatten hinaus auch gemeinsamen Aufgabe zuwenden: Und entdecken, dass sie z.B. vereint für die Menschenrechte eintreten können, für den Schutz der Umwelt, die Überwindung der Armut. In diesem Sinne haben sich z.B. in Frankreich Gruppen gebildet, in denen Glaubende und Nichtglaube alle ideologischen Differenzen hinter sich lassen. Dieses gemeinsame Engagement ist für den atheistischen Philosophen und Publizisten André Comte Sponville aus Paris genauso dringlich wie die religiösen Debatten:</p>
<p>2.SPR.:</p>
<p>Für mich geht die Grenze nicht zwischen den Glaubenden und den Nichtglaubenden. Sie verläuft vielmehr zwischen den freien, offenen, toleranten Geistern auf der einen Seite, ob man nun an Gott glaubt oder nicht. Und auf der anderen Seite sind die dogmatischen, die fanatischen Geister, die gibt es unter Glaubenden wie Nichtglaubenden. Wir kämpfen gegen die Fanatiker und gegen die Nihilisten. Das sind die Leute, die an nichts glauben, die nichts respektieren, die keine Werte haben, keine Prinzipien, keine Ideale. Darum will ich allen den anderen, Glaubenden wie Nichtglaubenden,  ein Bündnis vorschlagen: Wir sollen die gemeinsamen Werte der Menschheit verteidigen, vor allem die Menschenrechte.</p>
<p>1. SPR.:</p>
<p>Ob es zu einer praktischen Zusammenarbeit von Christen und Mitgliedern der Giordano Bruno Stiftung kommen wird, ist offen. Auszuschließen sind Formen der praktischen Kooperation allerdings nicht, zumal Theisten wie Atheisten entdecken: Es gibt längst die neuen Götter oder besser: die Götzen, die da heißen: Wirtschaftswachstum, Geld, Profit, Herrschaft der Reichen. Diesen Göttern opfern sich die meisten Menschen auf. Der Dichter Christoph Hein hat sich mit diesen neuen Göttern auseinandergesetzt, er hat kürzlich erklärt:</p>
<p>2. SPR.:</p>
<p>Alle Regierungen haben entschieden, es sei wichtiger das Kapital zu schützen als das Klima, deswegen sie kümmern sich verstärkt um funktionierende Banken und Autofabriken.</p>
<p>1. SPR.:</p>
<p>Darüber hinaus ist es auffällig, dass die Atheisten aus dem Umfeld der Giordano Bruno Stiftung nun differenzierter über die Kirchen denken. Haben sie die von den theologischen Repliken gelernt? So wird endlich zugegeben, dass es vernünftig argumentierende Christen gibt. Noch wichtiger ist, dass die neuen Atheisten in ihren neuesten Publikationen anerkennen:</p>
<p>2. SPR.:</p>
<p>Es gibt einen „poetischen Überschuss des Lebens“.</p>
<p>1.SPR.:</p>
<p>Und der zeigt sich, wenn Menschen nach dem Sinn des Lebens fragen, dann werde die Alltagswelt überschritten zugunsten dieses poetischen Überschusses In der Kunst findet er seinen Ausdruck. Beschreibt dieser poetische Überschuss eine Art Transzendenzerfahrung? Wird die Kunst zur Plattform für Gespräche zwischen Christen und Atheisten? Vielleicht könnte die Einsicht Goethes hilfreich sein:</p>
<p>2. SPR.:</p>
<p>Wer Wissenschaft und Kunst besitzt, der hat auch Religion. Wer jene beiden nicht besitzt, der habe Religion.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>copyright: christian modehn, berlin.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/2061_die-gotter-mussen-verschwinden-warum-die-neuen-atheisten-den-glauben-fordern_religionskritik">Die Götter müssen verschwinden. Warum die neuen Atheisten den Glauben fördern</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Was glauben Atheisten? Über die „Frömmigkeit“ der Gottlosen</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/74_was-glauben-atheisten-uber-die-frommigkeit-der-gottlosen_mystik-und-atheismus</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Apr 2009 17:18:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Was hat Mystik mit Atheismus zu tun?]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://religionsphilosophischer-salon.venetus.de/?p=74</guid>

					<description><![CDATA[<p>Von Christian Modehn 1. SPR.: Berichterstatter 2. SPR.: Übersetzer 16 25“ O TÖNE (incl. der musikal. Einblendungen) 12 Min Text. 1.SPR.: Zum „Chinesischen Garten“ in Berlin – Marzahn gehören Pavillons und Teiche, Konfuzius-Statuen &#8230; und ein „klassisches Teehaus“ mit einem geräumigen Salon. Dort  haben zwanzig Menschen Platz genommen: Aus feinem Porzellan trinken sie behutsam ihren [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/74_was-glauben-atheisten-uber-die-frommigkeit-der-gottlosen_mystik-und-atheismus">Was glauben Atheisten? Über die „Frömmigkeit“ der Gottlosen</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Von Christian Modehn<br />
<span style="FONT-SIZE: 10pt" lang="DE"><br />
1. SPR.: Berichterstatter<br />
2. SPR.: Übersetzer</span></p>
<p>16 25“ O TÖNE (incl. der musikal. Einblendungen)<br />
12 Min Text.</p>
<p>1.SPR.:<br />
Zum „Chinesischen Garten“ in Berlin – Marzahn gehören Pavillons und Teiche, Konfuzius-Statuen &#8230; und ein „klassisches Teehaus“ mit einem geräumigen Salon. Dort  haben zwanzig Menschen Platz genommen: Aus feinem Porzellan trinken sie behutsam ihren Tee.<span id="more-74"></span><br />
Einige Teilnehmer haben Fotos ihrer „lieben Verstorbenen“ auf dem Tisch ausgebreitet. An das „Leben im ganzen“ wollen diese Menschen denken, an die Endlichkeit, den Tod. Üppige Blumengestecke verbergen fast das Licht der Kerzen&#8230;</p>
<p>3. O TON, Cello, insges. 0 28“;  0 06“ freistehend. (Musik evtl. doppeln)</p>
<p>&#8230;&#8230;Musik : Leise im Hintergrund weiter&#8230;</p>
<p>1. SPR.:<br />
Die Feierstunde im Teehaus ist ungewöhnlich. Sie ist kein Gottesdienst, sondern –sozusagen &#8211; ein „Menschendienst“, eine Feier des Lebens, zu der sich Atheisten und Skeptiker, Konfessionslose und Agnostiker versammeln. Gerda K. findet hier den Mut, „ganz privat“ von ihrem verstorbenen Mann zu sprechen.</p>
<p>4. O TON, 0 14“<br />
Ich schreibe ihm alles auf, was ich erlebe, und das ist für mich die Verbindung zu ihm. Und das hilft mir eigentlich. Ihm kann ich alles sagen. Und er ist bei mir eben im Herzen.</p>
<p>3. O TON, Musik, noch mal 0 04“</p>
<p>1.SPR.:<br />
Die meditative Feier wird von Gita Neumann geleitet, sie arbeitet als Psychologin im „Humanistischen Verband Deutschland“:</p>
<p>1.  O TON , 0 26“<br />
Aufgeklärte weltliche Humanistinnen und Humanisten glauben nicht an einen Gott, an ein Auferstehen nach dem Tod und erst nicht an ein Weiterleben in der Hölle oder im Paradies. Doch sind wir getragen von der Zuversicht, dass ein humanistisches Lebens- und Gemeinschaftsgefühl uns davor bewahren kann, in bodenlose Sinnlosigkeit und Einsamkeit zu versinken.</p>
<p>1. SPR:.:<br />
Ihren Freunden macht Gita Neumann Mut, die eigene atheistische Weltanschauung nicht bloß in negativer Abgrenzung, als Zurückweisung Gottes oder als Ablehnung von Transzendenz zu verstehen. Atheismus sei vielmehr eine positive Lebenseinstellung!</p>
<p>2. O TON, 0 39 “<br />
Dabei glauben wir, im Wortsinne von: auf etwas vertrauen, dass wir als Menschen die individuelle Fähigkeit und die soziale Verantwortung haben, unserem Leben selbst Sinn und Wert zu geben. In der Regel werden wir uns dabei in ein größeres Ganzes einzufügen haben oder auch aufgehoben uns fühlen wollen. Wir werden uns einem Interesse verschreiben für eine bestimmte Sache, für andere Menschen. Es geht dabei um Ziele und Ideale, die über unseren eigenen Egozentrismus und über unser bloßes Überlebensinteresse hinausreichen.</p>
<p>1. SPR.:;<br />
Solche Feierstunden gab es vor 10 Jahren noch nicht. Atheisten oder „weltliche Humanisten“ haben bisher in ihren üblichen Vereinssitzungen diskutiert und gestritten, über Politik oder Fragen der Religionskritik. Jetzt deutet sich eine spirituelle Wende in atheistischen Kreisen an. Es sind Philosophen, die sich zu Wortführern einer atheistischen Spiritualität machen: Zum Beispiel der Pariser Philosoph und Autor André Comte – Sponville:</p>
<p>8. O TON, 0 39“<br />
2. SPR.:<br />
Die Atheisten haben nicht weniger ésprit, nicht weniger Geist, als die anderen. Das spirituelle Leben ist eine konstitutive Dimension der menschlichen Existenz. Atheisten oder Gläubige haben den Geist, das ist eine Fähigkeit unseres Gehirns, die Fähigkeit zu denken, kontemplativ zu leben. Die Spiritualität und die philosophische Lehre der Metaphysik haben dasselbe Thema. Aber der Spiritualität geht es darum, die Wirklichkeit nicht mit Worten, sondern im Schweigen zu erreichen. Nicht mit Begriffen und Überlegungen, sondern mit Erfahrungen und Empfindungen. Nicht im Denken, sondern kontemplativ.</p>
<p>1.SPR.:<br />
André Comte – Sponville plädiert für einen ganzheitlichen, nicht bloß kopflastigen Atheismus. Seine Buch „L ésprit de l athéisme“, „Geist des Atheismus“, erscheint dieser Tage auch auf Deutsch. In Frankreich hat es den Untertitel: „Einführung in eine Spiritualität ohne Gott“. Und die ist wird im Alltag gelebt: Gita Neumann entdeckt ihre persönliche Lebenskunst in  der Auseinandersetzung mit Kunst und Musik&#8230;oder bei meditativen Spaziergängen in der Natur:</p>
<p>5. O TON, 0 26“<br />
Das innere Zur &#8211; Ruhe &#8211; Kommen ist ganz wichtig. Ablenkung von dieser schrecklichen Hektik und diesen vielen Einflüssen, denen wir ausgesetzt sind. Wir sind Teil der Natur, aber es gibt eben auch Dimensionen, die uns darüber hinaus tragen. Da muss man sich das Staunen bewahren, dass es weder wünschenswert noch möglich ist, nur mit rationalen Kategorien an das Welterleben heranzutreten.</p>
<p>1. SPR.:<br />
Wer sich als Atheist zum Staunen und Verwundern hinreißen lässt, will sich nicht in einen Götterhimmel führen lassen. Er bleibt der „Erde treu“ und sucht die Fülle des Lebens hier. Und er will die ganze Tiefe der sichtbaren Dinge auskosten, bekennt Frank Spade:</p>
<p>9. O TON. 0 37“.<br />
Ich war über das Wochenende in der Nähe von Zittau und habe da die Chance gehabt, wirklich einen sternenklaren Himmel zu sehen. Und da wurde mir wieder diese Mächtigkeit bewusst und auch die Kleinheit, die wir sind. Und dieses Wunder, dass es uns gibt. Das sind Milliarden von Galaxien und Sternen in einer Galaxie, und in dieser einen Galaxie, wo wir jetzt sind,  gibt es diesen einen Stern, der gerade so diese Möglichkeiten geschaffen hat, dass sich Leben entwickeln kann. Was für ein Wunder, was für ein Zufall. Dann kommt eine Demut auf und ein anderes Verhältnis zum Sein.</p>
<p>1.SPR.:<br />
Demut und Bescheidenheit sind wichtige Tugenden eines spirituellen Atheisten. Frank Spade hat als junger Mensch kirchlich geheiratet und gelegentlich christliche Gemeinden besucht. Aber die religiösen Lehren erschienen ihm „zu weit weg“ , zu „abgehoben“ vom eigenen Erleben zu sein. Frank Spade lebt jetzt, wie er sagt, „ohne Illusionen“. Das heißt: Er nimmt die eigene Endlichkeit an:</p>
<p>10. O TON,  0 30“.<br />
Aber so ist das Leben nun mal, und ich muss einfach akzeptieren, dass es so ist. Das kann mich morgen treffen, und dann ist es so. Wenn es so etwas geben sollte wie Geist, dann stelle ich mir das vor wie einen Tropfen, der ins Meer fällt. Dann bin ich nicht mehr der Tropfen, dann bin ich Teil des Meeres, dann ist es gut so. Und das, was ich in diesem Leben gelernt und geleistet habe, das geht in das Meer des Lebens an sich, und das lebt fort, aber da bin ich nicht mehr drin, und das reicht mir.</p>
<p>1. SPR.:<br />
Frank Spade, Kommunikationswissenschafter und Mitarbeiter im Humanistischen Verband Deutschlands, hat seine eigene Form gefunden, eine sehr „irdische Mystik“ im Alltag zu pflegen; zu Hause hat er eine Meditationsbank stets griffbereit:</p>
<p>6. O TON, 0 32“<br />
Ich kann mich hinsetzen und die Augen zumachen, auch die Augen offenlassen, die Methoden sind auch völlig unwichtig. Ich benutze Meditation als einen psychohygienischen Reinigungsprozess, dass mein Geist andere Verknüpfungen eingehen kann. Und das verstehe ich als Kreativität, und da kommen für mich neue Ideen. Ich möchte eine Praxis für mich entwickeln, die positiv ist, die nachhaltig ist, die dafür sorgt, dass ich wenig Schaden anrichte in meinem Leben.</p>
<p>1.    SPR.:<br />
Eine Lebensmaxime, die praktische Konsequenzen hat: Frank Spade hat sich entschlossen, auf seine Weise der stummen Kreatur, den Tieren, das Leiden der Massentierhaltung zu ersparen: Er ist konsequenter Veganer, also radikaler Vegetarier. Darin sieht er auch seine persönliche Antwort auf das Wunder der Schöpfung:</p>
<p>7. O TON,  0 49“.<br />
Für mich ist Spiritualität Beziehung zur Geschichte des Universums. Also für mich fängt das wirklich das vor 14  Milliarden Jahren an. Und da eine Achtung zu entwickeln, eine Dankbarkeit für das, was vor einem her gegangen ist, was alles geschehen ist. Und welche Zufälle und Entwicklungen durchgehen mussten und wie viele Leiden vor mir gewesen ist, damit ich jetzt diese Gunst habe, leben zu können, diese Freude haben kann. Im Grunde unverdient. Das ist ein Geschenk. Natürlich. Wenn man fragt, wer ist der Schenker? In meiner Sicht sind die Schenker die Sterne und die Steine und die Pflanzen, die den Sauerstoff erzeugt haben und alles, was dieser Entwicklungsgeschichte vorhergegangen ist.</p>
<p>1. SPR.:<br />
Weitausgreifende Spekulationen über den göttlichen Schöpfer im Jenseits lehnen spirituelle Atheisten natürlich ab: Denn wie könnte denn ein guter Schöpfer &#8211; Gott als allmächtiges Wesen so viel Leiden auf dieser Welt zulassen? Solche Fragen sind für Frank Spade eher Ausdruck eines naiven, noch kindlich geprägten Bewusstseins:</p>
<p>11. O TON, 0 38“.<br />
Dieser Schöpfergedanke ist eine Projektion. Wir haben es natürlich als Menschen schwer, uns etwas vorzustellen, was unsere Vorstellungen überschreitet. Ich kann mir z. B. nicht vorstellen, einen Raum, der keine Grenzen hat, der aus Nichts angefangen ist. Und da fragt man sich natürlich aus der geistigen Beschränktheit heraus, die man hat, oder der Gewohnheit des Denkens, die man hat: Na ja, wenn das so angefangen ist, dann muss was davor gewesen sein. Aber diese Frage, die kann man nicht beantworten und sich da irgendwo einen blinden Uhrmacher vorzustellen, der das ganze gebastelt hat, ist ein bisschen platt.</p>
<p>1.SPR.:<br />
Der polemische Unterton darf nicht fehlen: Das Bild vom „blinden Uhrmacher“ erinnert an die Religionskritiker Friedrich Nietzsche und Sigmund Freud. Sie gelten unter Gottlosen als die Meisterdenker. Einige Atheisten gehen heute noch weiter: Im Sinne des Evolutionsforschers Charles Darwin deuten sie Religionen als gefährliche Nebenprodukte der Menschheitsentwicklung. Nicht nur veraltet und unvernünftig seien das Christentum und der Islam, sie lehren vor allem Hass und Aggressionen. Der Biologe Richard Dawkins verbreitet lautstark diese Botschaft in seinem Buch „Gotteswahn“ .Wie ein Missionar verteidigt er seinen radikalen Atheismus gegenüber Einwänden seiner Leser sogar noch im  Internet:</p>
<p>12. O TON, 0 41“<br />
2.SPR.:<br />
Sie greifen immer das Schlimmste der Religion an, sagen einige Leser, ich würde das Beste der Religion ignorieren, wie zum Beispiel die Theologie von Tillich oder Bonhoeffer. Ich kann dazu nur sagen: Wenn diese sanfte Religion der Theologen vorherrschen würde, dann wäre die Welt sicher ein angenehmer Platz. Die traurige Wahrheit aber ist: Diese Art zurückhaltender und modernisierter Religion ist zahlenmäßig bedeutungslos. Für die allermeisten Glaubenden weltweit ähnelt doch Religion ganz deutlich dem,  was die fundamentalistischen Prediger Robertson, Falwell oder Haggard sagen sowie Osama bin Laden oder der Ayatollah Khomeini. Sie sind alle viel zu einflussreich und jedermann in der modernen Welt muss sich mit ihnen beschäftigen.</p>
<p>1.SPR.:<br />
Dem Kampf gegen „die“ Religionen haben sich prominente Mitstreiter angeschlossen, wie die Bestseller Autoren Sam Harris oder Christopher Hitchens. Der sanften Form einer atheistischen Spiritualität steht also immer noch heftige Polemik gegenüber. Atheismus ist heute ein buntes, vielfältiges Phänomen. Zur Garde der polemischen Kirchenfeinde gehört der Franzose Michel Onfray, ein freischaffender Philosoph. Kürzlich hielt er auf der Internationalen Buchmesse in Göteborg, Schweden, einen Vortrag:</p>
<p>13. O TON, 0 33“:<br />
2. SPR.:<br />
Ich danke Ihnen, dass ich bei Ihnen sein kann. Denn ich reise wie der Apostel Paulus durch Europa. Aber ich arbeite an der Bekehrung der Völker zum Atheismus. Ich beziehe mich in meinem Vortrag wieder auf mein Buch „Abhandlung zur A-Theologie“, aber auch auf die 30 anderen Bücher, die ich schon veröffentlicht habe. Ich habe ja über Methodologie, Erkenntnistheorie genauso gearbeitet wie über Ethik und Politik, Ideologiekritik, aber auch über Erotik.</p>
<p>1. SPR.:<br />
Michel Onfray liebt es, sich von seiner „höheren Warte“  aus sehr unbescheiden zu präsentieren. Er gehört zu jenen Atheisten, die auf  Hasstiraden fundamentalistischer Prediger und Imame nun ihrerseits mit heftigster Polemik reagieren. So aber wird das geistige Klima erhitzt, die Polarisierungen nehmen nur zu. Der Philosoph Peter Sloderdijk will für Abhilfe sorgen:</p>
<p>15. O TON, 0 37“<br />
Die eigentliche Arbeit der Philosophie in diesen verwickelten Debatten besteht eigentlich in einer Art Dienstleistung, die der des Roten Kreuzes vergleichbar ist. So wie auf den Schlachtfeldern von Solferino Henri Dunant zwischen den Verwundeten beider Lager hin und her geeilt ist, um zu retten, was zu retten ist. So muss, heute glaube ich, heute die Philosophie auf diesen neuen Schlachtfeldern einen Rettungsdienst anbieten, um diejenigen, die noch zur Vernunft zu bringen sind, die Schwerverletzten der Glaubenskämpfe aus dem Gefecht herauszuholen und sie unter dem Zeltdach eines vernünftigen Lazaretts zu therapieren.</p>
<p>1. SPR.:<br />
Philosophie als Therapie, als „Weg der Mitte“, des Dialogs. Nur mit Hilfe einer allseitig kritischen Vernunft kann atheistische Spiritualität gefördert werden.  Denn die Vernunft fragt und sucht und forscht und kommt niemals zu endgültigen Ergebnissen: „Transzendenz“ stellt sich dabei ein, so nennt Peter Sloterdijk den Schlüsselbegriff der neuen humanistisch – atheistischen Spiritualität:</p>
<p>14. O TON,  0 46“.<br />
Gott füllt nicht alles aus, was wir mit Transzendenz beschreiben. Das Feld der Transzendenz ist das Feld dessen, was für uns Geheimnis bleibt, was wir nicht ganz durchdringen, was wir noch nicht sind. Transzendenz ist ja auch eine Metapher für das, was wir noch werden können. Das Feld der Transzendenz umfasst die Poesie, es umfasst die Kunst, es umfasst die Summe dessen, was die Wissenschaften noch nicht wissen, und worauf sie sich mit immer kunstvolleren Formen des Vermutens beziehen. Das heißt, unser Sinn für Transzendenz bleibt nicht unbeschäftigt, auch in Zeitläufen, in denen das religiöse Fieber wieder sinken sollte, was sehr zu hoffen ist. Denn aus diesen Überhitzungen des religiösen Bedürfnisses erwächst nach allen historischen Erfahrungen nichts Gutes.</p>
<p>1.SPR.:<br />
Atheistische Spiritualität duldet keine Überlegenheitsgefühle, weder der Glaubenden noch der Nichtglaubenden. An dem Thema arbeitet André Comte – Sponville:</p>
<p>16. O TON,  0 33“.<br />
2. SPR.:<br />
Ganz klar: Mein Atheismus ist kein Wissen. Ich weiß doch nicht, dass Gott nicht existiert. Meine Position ist auch eine Glaubenshaltung. Ich glaube nur, dass Gott nicht existiert! Dann nenne ich meinen Atheismus auch „treu“. Das Wort soll bedeuten: Ich bleibe verbunden mit einer gewissen Anzahl von Werten aus der Moral, der Kultur, der Spiritualität, die auch in den großen Religionen entstanden sind, vor allem, im Bereich unserer Kultur, in den drei monotheistischen Religionen.</p>
<p>1.SPR.:<br />
André Comte – Sponville ermuntert die vielen tausend konfessionslosen Menschen, ein eigenes spirituelles Profil zu entwickeln. Jeder dritte Franzose nennt sich heute „Atheist“. Aber nach dem Abschied vom religiösen Glauben gilt es, eine neue Innerlichkeit zu pflegen , Antworten auf die Frage nach dem Sinn des Lebens zu suchen. In Deutschland ist die Situation nicht anderes: Auch jeder Dritte nennt sich konfessionslos, viele von ihnen sind Atheisten. Aber ein tragendes Lebensfundament werden diese Menschen nicht in einer „natur-wissenschaftlichen Weltanschauung“ finden, betont der Vorsitzender des Humanistischen Verbandes Deutschlands, Horst Groschopp:</p>
<p>17. O TON, 0 36“.<br />
Für mich ist Humanismus eine Kulturanschauung wie das Christentum oder der Buddhismus. Und da mag allerlei Wissenschaftliches drin sein, etwa was die Entstehung der Welt oder so betrifft. Aber insgesamt denke ich, Kultur ist nicht wissenschaftlich belegbar, ich kann nicht wissenschaftlich beweisen, was gut und was böse ist. Ich kann eine Plausibilität nachweisen, und kann sagen, dieses Verhalten ist plausibler als jenes. Aber ich bin nicht der Auffassung, dass es so etwas gibt wie eine wissenschaftliche Weltanschauung. Davon haben wir uns verabschieden müssen. Denn wenn Wissenschaft uns leitet, das ist ja was ganz Seltsames.</p>
<p>18.  O TON, Musik, (1 17“ insges). bleibt ca. 0 07“ freistehen, dann etwas herunterziehen:</p>
<p>1.SPR.:<br />
Atheistische Spiritualität hat längst auch musikalischen Ausdruck gefunden, etwa in der Komposition „Liturgie für einen toten Gott“ des Franzosen Charles Ravier. &#8230;..</p>
<p>18. O TON, Musik, noch mal 0 05“ freilassen, dann langsam herunterziehen:</p>
<p>1.SPR.:<br />
Spirituell interessierte Atheisten wollen eigene Feiern gestalten. Sie brauchen Riten, nicht nur anlässlich der „weltlichen Bestattungen“, sondern auch bei den Höhepunkten des Lebens. Aber da gibt es noch keine wegweisenden Modelle. Die jetzt noch üblichen Jugendweihen, vor allem im Osten Deutschlands, haben weder eine philosophische noch eine spirituelle Botschaft. Immerhin bieten atheistische Humanisten in Belgien jetzt eigene Riten zur Trauung an, betont einer der Mitarbeiter, der Philosoph Marc Campine:</p>
<p>19. O TON 0 58“. (evtl, den Schluß nicht mehr freistehend)<br />
2. SPR.:<br />
Im Rahmen der Humanistischen Vereine Flanderns kann man diese Zeremonie gemeinsam mit unseren Ratgebern entwickeln. Tatsächlich werden diese Zeremonien gleichermaßen heterosexuellen wie homosexuellen Paaren angeboten. Wir machen bei den Paaren keine Unterschiede. In Belgien haben wir als Humanisten für diese Feiern etliche Räume, wo man diese Feiern gestalten kann.<br />
Bei diesen Feiern kann man klassische oder moderne Musik spielen, je nach dem Wunsch der Paare. Natürlich können auch Gedichte vorgetragen werden, unsere Ratgeber stehen als Berater zur Verfügung. Wir sind in der Gestaltung der Riten ziemlich frei, verglichen mit den Religionen.</p>
<p>1.SPR.:<br />
Auch eigene Feiern zur Geburt haben Humanisten in Belgien entwickelt; unter Hollands Atheisten gibt es inzwischen eigene Berater für Fragen des Ritus.<br />
Aber die Humanisten wollen nichts übertreiben: Neben der rituellen Praxis ist die soziale Praxis, die Hilfsbereitschaft, mindestens genauso wichig. Humanistische Frömmigkeit hat darum ein ganz eigenes Profil, betont der religionskritische, skeptische Philosoph Gonsalv Mainberger:</p>
<p>20. O TON, 0 41“<br />
Ein echt frommer Mensch, ist für mich jener Mensch, an dem es nichts zu kritisieren gibt. Der macht alles, was er macht, so wie er es aus seinem Gewissen heraus das erarbeiten muss. Fromm in diesem säkularen Sinne, hat zum Ziel, das Leben selbst auf ein mögliches Gelingen hin einzurichten und auch im Zusammenhang mit denjenigen, mit denen man lebt, also die Sorge um das Selbst als auch die ganz physische, leibliche Wahrnehmung der Gegenwart des anderen.</p>
<p>1.SPR.:<br />
Die Hilfsangebote des Humanistischen Verbandes Deutschland sind beträchtlich: Es gibt Wohngemeinschaften für Demenz – Kranke und Begleitung von Sterbenden, Unterstützung von Arbeitslosen und Ausländern. Um behinderte und alte Menschen kümmert sich Andrea Käthner in Berlin:</p>
<p>21. O TON, 0 44“.<br />
Wir haben einen Schiebe- und Begleitdienst. Das heißt, wir betreuen Menschen, die nicht in der Lage sind, allein ihre Wohnung zu verlassen, Behörden und Arzt aufzusuchen, Freizeitunternehmungen zu organisieren. Wir beraten hinsichtlich ihrer Rechte. Und in der Regel werden alle mindestens einmal in der Woche von uns betreut. Und ich glaube, dass es uns das relativ oft gelungen ist, Menschen in depressiven Lebensphasen wieder ein Lächeln abzuringen und Freude so am Alltäglichen zu finden. Wenn z.B. jemand sieben, acht Jahre nicht auf der Straße war, endlich überhaupt mal an irgendeiner Veranstaltung teilnehmen kann, dann sind das so die kleinen Freuden, die das Leben leichter und schöner machen können.</p>
<p>1.SPR.:<br />
Allerdings gehören religiös gefärbte Begriffe wie  „Sich-auf -Opfern für andere“  oder „die eigenen Interessen hintanstellen“ nicht zu einer humanistisch – atheistischen Spiritualität: Darin ist die Ethik der Atheisten wieder sehr irdisch, sehr weltlich: Ein völliges Vergessen der eigener Bedürfnisse könnte selbst der hilfsbreiteste Mensch nicht leisten, immer erwarte auch der Helfende etwas „Positives“ von seinen Einsatz, betont der Philosoph Michael Schmidt – Salomon.</p>
<p>22. O TON, 0 47“.<br />
Es geht ja letztlich um Transzendenz, d.h. Überschreiten der Ichfixierung, das ist eigentlich das, was Transzendenz ausmacht. Man kann diese Ichfixierung überwinden, indem wir anderen helfen. Ich  sehe in altruistischen Handlungen keine Überwindung des Eigennutzes, es ist eine Überwindung des Egoismus meinetwegen, aber es ist keine Überwindung des Eigennutzes, denn es nutzt mir, anderen zu helfen. Ich freue mich an ihrer Freude mit, und ich leide an ihrem Leid mit.  Alle unseren ethischen Konzepte müssen ja irgendwo her kommen sind nicht vom Himmel gefallen, sondern das ist evolutionär entstanden. Deswegen ist es mir sehr wichtig, der Eigennutz ist die Grundlage jeglicher altruistischer Handlung. Wir machen nur das, was für uns sinnvoll ist und wobei wir uns gut fühlen.</p>
<p>(falls Zeit vorhanden: 18., Musikal. Zusp. noch einmal 0 05“ einblenden)</p>
<p>1. SPR.:<br />
Haben die Kirchen Interesse an Gesprächen mit Vertretern atheistischer Spiritualität? Der Dialog mit Vertretern des Buddhismus oder Islam ist längst eine Selbstverständlichkeit. Immerhin, in Frankreich gibt es spirituelle Diskussionen zwischen Christen und Atheisten, berichtet André Comte – Sponville :</p>
<p>23. O TON, 0 37“<br />
2. SPR.:<br />
Es handelte sich um eine öffentliche Diskussion in der Kathedrale von Rouen, zusammen mit Pater Philippe Chapelle, ein katholischer Priester und Dekan der Philosophischen Fakultät der Katholischen Universität von Paris in der Rue d Assas. Wir sprachen über die Existenz Gottes. In Rouen hat eine Gruppe von Christen dazu eingeladen. Auch in Toulouse habe ich auch am Theologischen Institut diskutiert, da ging es auch um die Gottesfrage. Im ganzen kann man sagen, dass dieses Buch in christlichen Kreisen sehr positiv aufgenommen wurde.</p>
<p>1.SPR.:<br />
In Deutschland haben offizielle Gespräche zwischen  Vertretern atheistischer Organisationen und Repräsentanten der Kirche noch nicht stattgefunden. Es fällt offenbar Bischöfen und  Synoden schwer, anzuerkennen, dass der Atheismus in seinen vielfältigen Ausprägungen definitiv zu unserer Kultur gehört, vor allem zum Lebensgefühl jungen Menschen.<br />
Nur in einigen Klöstern sind Atheisten als Gesprächspartner ausdrücklich willkommen, etwa bei den Karmelitinnen in Berlin-Charlottenburg. Schwester Maria Theresia konnte kürzlich Gita Neumann vom Humanistischen Verband in ihrem Konvent begrüßen, sie stellte sich den Fragen der Atheistin:</p>
<p>24. OTON 0 53“.<br />
Betet man irgendwie zu Gott, zu Jesus, zu einer übergeordneten Instanz? Sind Sie der Meinung, dass da auch Wünsche da irgendwo ankommen?<br />
Ich muss gestehen, ich teile diese Frage vollständig auch.<br />
Für mich ist dieses Beten in eine gewisse Leere hinein wie ein Gottesbeweis. Weil ich mir sage, eine fassbare Antwort: Das ist nicht mein Gott. Es muss immer etwas bleiben, was geheimnisvoll ist. Ich möchte jedenfalls darauf hin leben, dass ich Gott größer sein lasse  als meine Gebete.</p>
<p>1. SPR.:<br />
Schwester Maria Theresia ist durch die Mystiker des 16. Jahrhunderts, Theresa von Avila und Johannes vom Kreuz, mit dem „dunklen, dem unfassbaren Gott“ vertraut. Sie kann sich gut in die Mentalität der Menschen hineinversetzen, die mit der Vielfalt und Widersprüchlichkeit so unterschiedlicher  Gottesbilder nicht zu recht kommen: Wenn z.B. Gott der Richter ist, wie kann er dann auch barmherzig und gut sein? Schwester Maria Theresia hat diese Fragen immer wieder mit Atheisten erörtert und dabei selbst zu mehr Klarheit gefunden:</p>
<p>25.  O TON, 0 47“.<br />
Wenn wir sagen: Wir erfahren Gott, ist das Wort eigentlich zu groß. Weil wir denken bei Erfahrung immer etwas  Handgreifliches, sehr Klares, sehr Fassbares. Und diese Art Erfahrung ist natürlich in Bezug auf Gott gar nicht gegeben. Immer entzieht er sich. Und dieser Weg zu Gott ist immer weniger ein Weg einer erfüllten Erfahrung, sondern vielleicht einer Sehnsucht, die aber so ist, dass sie einen trägt, dass man doch immer einen Schritt geht. Ich habe das mal gehört mit diesem schwindenden Horizont, man geht auf den Horizont zu und er entzieht sich permanent.</p>
<p>1. SPR.:<br />
Der Dialog mit den Atheisten sollte vor allem in den theologischen Fakultäten stattfinden. Aber auch da bewegt sich wenig. Immerhin, einige Professoren, wie der katholische Theologe Magnus Striet aus Freiburg im Breisgau, nehmen die Fragen der Gottlosen ernst. Sie wissen, dass  z.B. die weit verbreitete katholische Volksfrömmigkeit mit ihrem naiven Wunderglauben ganz und gar nicht dem Anspruch des Glaubens gerecht wird.</p>
<p>26. O TON, 0 39“.<br />
Die Theologie wird bestimmte Positionen überdenken müssen und insofern ist dieser neue Atheismus ein Segen für die Theologie, weil man das eigene Denken daran schärfen, profilieren kann.<br />
Bestimmte Dinge müssen zwar nicht beiseite geschoben werden, aber aufgeklärt werden. D.h. auch bestimmte Formen der Volksfrömmigkeit werden vermutlich intellektuellen Standards nicht genügen. D.h. wir müssen uns viel entschiedener auf die autonomen Prinzipien einlassen und das heißt eben, wir müssen uns von Gruppen distanzieren, die diese fundamentalistische Position beziehen. Das Christentum wollte die Synthese von Glaube und Vernunft und sie ist bedroht.</p>
<p>1.SPR.:<br />
Den Glauben mit der Vernunft versöhnen: Die wichtigste Aufgabe für Christen in den nächsten Jahren. Sie werden dann immer häufiger spirituell interessierten Atheisten begegnen, die das Geheimnis des Lebens verehren und das Wunder der Welt, und sonst nichts! Aber über die weltanschaulichen Unterschiede hinaus sollten Christen und Atheisten im Alltag zueinander finden, sie sollten praktische Probleme gemeinsam anpacken, etwa im Bereich der sozialen Hilfe, fordert der Atheist André Comte– Sponville:</p>
<p>27. O TON. 0 43“.<br />
2. SPR.:<br />
Für mich geht die Grenze nicht zwischen den Glaubenden und den Nichtglaubenden. Sie verläuft vielmehr zwischen den freien, offenen, toleranten Geistern auf der einen Seite, ob man nun an Gott glaubt oder nicht. Und auf der anderen Seite sind die dogmatischen, die fanatischen Geister, auch da gibt es Glaubende und Nichtglaubende. Wir kämpfen gegen die Fanatiker, andererseits auch gegen die Nihilisten. Das sind die Leute, die an nichts glauben, die nichts respektieren, die keine Werte, keine Regeln haben, keine Prinzipien, keine Ideale. Darum will ich allen anderen eine Art Bündnis vorschlagen, das die gemeinsamen Werte verteidigt, die gemeinsamen Werte der Menschheit.</p>
<p>Evtl. 18. O TON, Musik noch mal einblenden.</p>
<p>STOP.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Raum der Stille</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/72_raum-der-stille_mystik-und-atheismus</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Apr 2009 17:18:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Was hat Mystik mit Atheismus zu tun?]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Alle Götter sind verschwunden und zertrümmertDer &#8222;Raum der Stille&#8220; im Brandenburger TorVon Christian Modehn Der &#8222;Pariser Platz&#8220; bildet wieder ein Ensemble. Mit dem Brandenburger Tor in der Mitte, umgeben von Banken, Botschaften, Restaurants und einem Hotel der oberen Luxus-Noch leistet sich die Stadt den Luxus, in einem Nebengelass des Brandenburger Tores gibt es einen [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><P><SPAN lang=DE style="FONT-SIZE: 10pt"><FONT color=#000000>Alle Götter sind verschwunden und zertrümmert<BR>Der &#8222;Raum der Stille&#8220; im Brandenburger Tor<BR>Von Christian Modehn</FONT></SPAN></P><br />
<P><SPAN lang=DE style="FONT-SIZE: 10pt"><FONT color=#000000>Der &#8222;Pariser Platz&#8220; bildet wieder ein Ensemble. Mit dem Brandenburger Tor in der Mitte, umgeben von Banken, Botschaften, Restaurants und einem Hotel der oberen Luxus-Noch leistet sich die Stadt den Luxus, in einem Nebengelass des Brandenburger Tores gibt es einen &#8222;Raum der Stille&#8220;.</p>
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		<item>
		<title>Meister Eckhart</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/70_meister-eckhart_mystik-und-atheismus</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Apr 2009 17:17:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Was hat Mystik mit Atheismus zu tun?]]></category>
		<category><![CDATA[Dietmar Mieth deutet Eckhart]]></category>
		<category><![CDATA[Eckhart in Avignon]]></category>
		<category><![CDATA[Einssein mit Gott]]></category>
		<category><![CDATA[Gott ist in mir]]></category>
		<category><![CDATA[Haben oder Sein Fromm]]></category>
		<category><![CDATA[Meister Eckhart]]></category>
		<category><![CDATA[Pater Painadath deutet Meister Eckhart]]></category>
		<category><![CDATA[Rehablitierung Eckharts]]></category>
		<category><![CDATA[um Gottes willen Gott lassen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mystik ist Lebenshilfe Über Meister Eckhart Von Christian Modehn Er war viel unterwegs, fast möchte man ihn einen Manager nennen. Er pendelte zwischen Paris, Köln und Straßburg. Acht Jahre lang unternahm er von Erfurt aus strapazierende Reisen, über Brandenburg, die Altmark und Hamburg zog es ihn bis in die Niederlande. Im 13. Jahrhundert war das [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="FONT-SIZE: 10pt" lang="DE">Mystik ist Lebenshilfe</span></p>
<p><span style="FONT-SIZE: 10pt" lang="DE"> </span><span style="FONT-SIZE: 10pt" lang="DE">Über Meister Eckhart</span></p>
<p><span style="FONT-SIZE: 10pt" lang="DE"> </span><span style="FONT-SIZE: 10pt" lang="DE">Von Christian Modehn </span></p>
<p><span style="FONT-SIZE: 10pt" lang="DE">Er war viel unterwegs, fast möchte man ihn einen Manager nennen. Er pendelte zwischen Paris, Köln und Straßburg. Acht Jahre lang unternahm er von Erfurt aus strapazierende Reisen, über Brandenburg, die Altmark und Hamburg zog es ihn bis in die Niederlande. Im 13. Jahrhundert war das kein Vergnügen. <span id="more-70"></span> Aber er musste sich um den Aufbau von 47 Klöstern kümmern; er predigte, hielt Vorlesungen und Vorträge: &#8222;Meister Eckart&#8220; wurde er genannt, der &#8222;Lese- und Lebe-Meister&#8220;: Nicht nur die Bildung (&#8222;Lesen&#8220;) war ihm wichtig, er wollte die Menschen anregen, glücklich zu leben: Man sprach im ganzen nord- und westdeutschen Land von ihm, dem Dominikaner, dem philosophischen Theologen. Im kritischen, radikalen Denken fühlte er sich Gott besonders nahe. Vor 700 Jahren wurde er in Erfurt zum Provinzial seines Ordens gewählt. Bei aller Betriebsamkeit interessierte ihn nur eine einzige zentrale Frage: Wie kann Gott im Menschen &#8222;geboren&#8220; werden? Wie kann der Mensch erkennen und wahrnehmen, dass er in Wahrheit Gottes Sohn, Gottes Tochter, ist und deswegen unmittelbar ins Leben Gottes hineingehört? </span></p>
<p><span style="FONT-SIZE: 10pt" lang="DE">&#8222;Mystik&#8220; heißt dieses Innewerden des Göttlichen. Meister Eckart ist ein Mystiker, das ist keine Frage. Aber er hält nichts von Versenkung, vom &#8222;Augen schließen&#8220;, das meint<span> </span>ja das für &#8222;Mystik&#8220; grundlegende griechische Verb &#8222;myein&#8220;: Meister Eckart dämmerte nicht in &#8222;dunkler Nacht&#8220;; er hatte keine Visionen, keine ungewöhnlichen Erlebnisse, keine Entrückungen und keine göttlichen Verzückungen, wunderbare Heilungen werden von ihm nicht berichtet. Er ist ein Mystiker des Denkens: Mit Argumenten will er die Tiefe der Wirklichkeit beschreiben: Wenn Gott diese Welt geschaffen hat und Jesus als göttlicher Mensch verehrt wird, dann muss das konsequent zuende gedacht werden. Dann kann Gott seiner Schöpfung nicht fern sein. Im Gegenteil: &#8222;Gott ist in mir und in dir&#8220;. Alles andere war ihm zweitrangig, von Sakramenten, Gemeinden oder der kirchlichen Hierarchie sprach er sehr selten. Bischöfe und Päpste sind nicht Thema seiner Ausführungen. Günter Stachel, als<span> </span>katholischer Theologe einer der Interpreten des mittelalterlichen philosophischen Mystikers, schreibt in seinem Buch &#8222;Gottesgeburt&#8220;: &#8222;Bei einem Überdruss an Formulierungen von Dogmen, die lediglich die Machtfülle der Kircheninstitution steigern, erscheint die dogmatische Abstinenz der Mystik Eckarts als etwas sehr Wohltuendes&#8220;. </span></p>
<p><span style="FONT-SIZE: 10pt" lang="DE">&#8222;Das Buch der göttlichen Tröstung&#8220; hat Eckart geschrieben und &#8222;Die Reden der Unterweisung&#8220;, mehr als hundert deutsche Predigten sind überliefert und andere, auch lateinische Vorlesungen und Predigten. Der Grundtenor dieser Arbeiten ist klar: &#8222;Gottes Anwesenheit ist die unendlich belebende Quelle im Menschen, in jedem Menschen&#8220;. Nur wer das erkennt und auch in der Kraft des Göttlichen lebt, kann glücklich werden. </span></p>
<p><span style="FONT-SIZE: 10pt" lang="DE">1260 wurde &#8222;Eckhart von Hochheim&#8220;<span> </span>in Thüringen geboren. Er tritt in den Dominikanerorden ein und wird als begabter Student zum Studium an die Sorbonne nach Paris geschickt; so &#8222;europäisch&#8220; lebten die Mönche bereits im 13. Jahrhundert! In Paris kann Eckhart seine theologischen, vor allem aber seine philosophischen Interessen voll entfalten. Er wird Professor in Köln und in Paris. Seinen vielen tausend Hörern bietet er keine leichte Kost: Seine Erkenntnisse formuliert er in paradoxen, alltägliche Vorstellungen sprengenden Formulierungen. Er ist ein Meister der Sprache, die es niemandem leicht macht. Seine Thesen erschüttern die Frommen: &#8222;Der himmlische Vater ist wahrhaftig MEIN Vater, weil ich sein Sohn bin und alles von ihm habe. Ich bin derselbe Sohn Gottes wie Jesus Christus. Er hat auch mich als seinen eingeborenen Sohn geschaffen. Ich bin eins mit Gott. Das Auge, mit dem ich Gott sehe, ist dasselbe Auge, mit dem Gott mich sieht. Zwischen Gott und mir gibt es EIN Auge, EINE Sehkraft, EIN Erkennen und EIN Lieben&#8220;.</span></p>
<p><span style="FONT-SIZE: 10pt" lang="DE">Er ist ein Denker der Einheit, des &#8222;Gottes-in-allen-Wesen&#8220;. Nur so glaubt er sinnvoll leben zu können. Eckarts Angebot: Wer sich ins göttliche Leben einbezogen weiß, ist Teil des Unendlichen, ist Teil der göttlichen Energie. Er hat trotz allen Leidens eine unzerstörbare, ewige Substanz. Der Tod kann dem vergöttlichten Menschen nichts anhaben.<span> </span></span></p>
<p><span style="FONT-SIZE: 10pt" lang="DE">Aber bevor diese Erkenntnis gelten kann, müssen alte Gottesbilder zertrümmert werden: Die mittelalterliche Welt will den fernen Gott ins Irdische hineinziehen:<span> </span>Wunderbare Ereignisse werden gesucht und überschwänglich gefeiert. Heilige Stätten und Wallfahrts -Orte sind die Mittelpunkte des Lebens, Heiligenverehrung bestimmt die Frömmigkeit des Volkes. Mit Büßen und Fasten soll Gott gnädig gestimmt werden. ER ist der machtvolle Herrscher und manchmal wütende Gebieter. Ihm, der im fernen Himmel thront, gilt es zu gehorchen, sich zu unterwerfen. Das ist ein Gott, mit dem der Mensch zu &#8222;rechnen&#8220; glaubt, der mit menschlichen Namen und Attributen ausgestattet wird, den man ständig herbeizitieren und in ein theologisches System einbauen kann: Ein solcher Gott wird zu einem verfügbaren Gegenstand, zu einem Götzen, meint Eckart. Und genau in dieser Religions-Kritik &#8222;um Gottes und der Menschen willen&#8220; bleibt er ein moderner Denker, betont Dietmar Mieth. Er ist Professor für Ethik in Tübingen und zugleich einer der bedeutenden Eckart Forscher, kürzlich erschien sein Buch &#8222;Einheit mit Gott&#8220;. Dietmar Mieth betont: &#8222;Es gibt ja die berühmten Wort von Eckart, wo er Gott bittet, ihn um Gottes willen gottlos zu machen. Dahinter steht die Einsicht, dass wir alle Bilder von Gott ständig relativieren müssen&#8220;. </span></p>
<p><span style="FONT-SIZE: 10pt" lang="DE">Bevor aber angemessene Bilder vom göttlichen Gott, von Gott &#8222;über&#8220; Gott<span> </span>wirksam werden können, möchte Eckart erst einmal das religiöse Bewusstsein befreien, es &#8222;leer machen&#8220;, wie er sagt, und entrümpeln. Dabei geht es ihm um die seelische Gesundheit. Denn mit ihren<span> </span>infantilen Gottesvorstellungen folgen die Menschen nur Wahnideen; etwa wenn sie meinen, so mächtig zu sein, um Gott &#8211; etwa im Bittgebet &#8211; manipulieren zu können. Eckarts Therapie ist radikal: Der Mensch muss alle eigenen Vorstellungen loslassen, er muss &#8222;arm&#8220; werden, oder, wie er sagt, &#8222;abgeschieden&#8220; leben, losgelöst von allen Wünschen. Eckhart betont: &#8222;Das ist ein armer Mensch, der nichts WILL und nichts WEISS und nichts HAT&#8220;. </span></p>
<p><span style="FONT-SIZE: 10pt" lang="DE">Der Psychotherapeut Erich Fromm hat in seinem Buch &#8222;Haben oder Sein&#8220; gezeigt, wie aktuell diese Lehre Meister Eckarts ist: &#8222;Der Mensch, der nichts will, ist der Mensch, der keine Begierde nach irgendetwas noch hat. Das Ziel des Menschen ist, dass wir uns von der Egozentrik und Ich-Bindung befreien, das heißt von der Existenzweise des Habens befreien, um zum vollen Sein zu gelangen. Sein bedeutet Leben, Tätigsein, Lieben, Sich &#8211; Verströmen&#8220;. </span></p>
<p><span style="FONT-SIZE: 10pt" lang="DE">Aber Eckart radikalisiert dieses grundlegende Leersein des Bewusstseins noch weiter: &#8222;Der Glaubende, der arm sein will, soll so frei werden, dass auch kein Wissen von Gott in ihm mehr existiert&#8220;. Erst in der Leere des Nichts wird Raum geschaffen für den göttlichen Gott. </span></p>
<p><span style="FONT-SIZE: 10pt" lang="DE">Der Dominikaner-Mystiker schlägt auf der Kanzel die Bibel auf und findet darin etwa den Satz: &#8222;Gott wird Mensch in Jesus&#8220;. Dieses kurze Wort ist für ihn ein Anlass, ausführlich philosophisch über das Verhältnis Gottes zu jedem einzelnen Menschen zu sprechen:<span> </span>&#8222;Gott begehrt nichts mehr von dir, als dass du aus dir selbst ausgehst, deine natürliche Seinsweise überschreitest und Gott wirklich Gott in dir sein lässt. Lieber Mensch, geh also völlig aus dir heraus, verzichte auf deine eigenen Wünsche, dann geht auch Gott völlig aus sich heraus, er verlässt den Himmel um deinetwillen. Du und Gott, ihr formt dann in dir selbst zusammen eine Einheit&#8220;.<span> </span></span></p>
<p><span style="FONT-SIZE: 10pt" lang="DE">In der Einheit mit Gott leben, ohne grosse Worte zu machen, ohne das ewige verzückte Lächeln der Frommen aufzusetzen: Eckart zielt auf eine alltägliche, man möchte sagen, nüchterne Mystik. Er macht beim Beten nicht mehr viele Worte: &#8222;Man soll eigentlich um gar nichts bitten im Sinne Eckarts, vor allem nicht plappern und grosse Worte machen. Gott weiss, was der Mensch braucht, in diesem Grundvertrauen ist das beste Beten das Schweigen&#8220;, sagt Pater Lambert Schmitz, ein Eckart Spezialist im Dominikaner-Orden. </span></p>
<p><span style="FONT-SIZE: 10pt" lang="DE">Sich der Einheit mit Gott versichern hat auch Auswirkungen auf die Lebenspraxis: Nicht Gebote und Verbote bestimmen dann das Ethos. Nicht die Pflichten stehen im Mittelpunkt: &#8222;Was du BIST zählt allein, nicht was du hast oder du tust oder wirkst. Ein gutes Werk kann dich niemals gut machen. Bist du aber gut, dann tust du immer gute Werke. Um wen es recht steht und wer richtig IST, dem ist es allen Orten und bei allen Menschen recht&#8220;. Wer nur ethisch handelt, um Gebote und Pflichten zu erfüllen, vielleicht aus Angst vor Strafe, ist noch fremdbestimmt, er tut eigentlich &#8222;nichts Gutes&#8220;. Gut handeln kann nur, wer gut IST. Hütet euch, würde Eckart sagen, noch so fromme Menschen voreilig gut zu nennen, bloss weil sie nach aussen gut und moralisch erscheinen.<span> </span></span></p>
<p><span style="FONT-SIZE: 10pt" lang="DE">Eckarts Ethik ist keineswegs nur individualistisch geprägt: Er schreibt: &#8222;Die Liebe kennt keinen Vorzug gegenüber Verwandten und Freunden. Solange du deinen Freunden mehr Gutes gönnst als jenem, der jenseits des Meeres wohnt, solange steht es nicht recht um dich&#8220;.<span> </span>Perspektiven für die globale Welt von heute&#8230;</span></p>
<p><span style="FONT-SIZE: 10pt" lang="DE">Meister Eckarts Texte werden heute nicht nur in Europa gelesen. In Indien z.B. leiten zahlreiche Jesuiten zum Beispiel Zentren des Dialogs mit den Hindus. Pater Sebastian Painadath hat einen Ashram in Kalady gegründet: &#8222;Mit Hindus lesen wir dort regelmässig Texte Meister Eckarts. Es gibt dort ein spontanes Verständnis seines Denkens, denn er will die Einheit denken, den Seinsgrund, der IN allem ist. Bei solchen Ideen fühlen sich Hindus sehr wohl, sie staunen, dass das Christentum nicht immer nur in der üblichen Entgegensetzung von Welt und Gott gedacht werden muss. Gott ist eine trans-personale Wirklichkeit, diese Einsicht verbindet Eckart und meine Hindu-Freunde. Beide wissen: das Reich Gottes ist in uns, jetzt und hier, es ist nicht eine jenseitig-ferne Wirklichkeit&#8220;. </span></p>
<p><span style="FONT-SIZE: 10pt" lang="DE">Auch in zen-buddhistischen Klöstern Japans ist Meister Eckart hoch angesehen. Das Loslassen und das Leerwerden, das Nicht-Klammern und Nicht-Haben ist für Zenmönche der zentrale Auftrag des Menschen. Wie der christliche Mystiker<span> </span>wehren sich die Zen-Buddhisten gegen das Festhalten an Bildern, sie wehren sich wie er gegen die angeblich so klaren und so griffigen Formel, wenn es um die Beschreibung des Wesentlichen im Leben geht. Wie Eckart betonen sie gern: das Entscheidende sei &#8222;eigentlich Nichts&#8220;. </span></p>
<p><span style="FONT-SIZE: 10pt" lang="DE">Freilich wollen die Buddhisten bei aller Sympathie für Meister Eckart nicht vergessen, dass der christliche Mystiker letztlich doch an Gott, dem göttlichen Gott oder der Gottheit festhält. Hingegen wollen die Freunde des Erleuchteten, des Buddha, jegliche göttliche Wesenheit ausschliessen. Aber auf praktischer Ebene können sich religiöse Menschen aus dem asiatischen Raum und Christen von Eckart inspirieren lassen, meint der indische Theologe Sebastian Painadath:</span></p>
<p><span style="FONT-SIZE: 10pt" lang="DE">&#8222;Das größte Werk für Eckart ist die Barmherzigkeit, das ist mehr als Mitleidhaben. Der barmherzige Mensch strömt aus sich selbst aus in seiner Güte, er hofft auf die verwandelnde Kraft der Gewaltlosigkeit, die einzig dem Frieden dienen kann&#8220;.<span> </span></span></p>
<p><span style="FONT-SIZE: 10pt" lang="DE">Die Kirchenführung in Rom hat sich mit dem Denken Meister Eckarts immer sehr schwer getan; sie konnte schon im Mittelalter die Zuspitzung des Glaubens auf die Gottmenschheit eines jeden Menschen nicht nachvollziehen. Sie bangte um ihren Einfluss und ihre Macht, wenn die Gnade Gottes sozusagen überall lebendig sein kann, auch außerhalb der Kirche. Einige<span> </span>Sätze Meister Eckarts wurden vom Papst im Rahmen eines Prozesses in Avignon verworfen. Dabei hatten der Papst und die Inquisition nicht dessen ganzes Lehrsystem untersuchen können. Meister Eckart hat sich persönlich immer als treues Mitglied der Kirche betrachtet. Während seines Prozesses starb er in Avignon im Jahr 1328. &#8222;Ob Eckart sich nicht nur allgemein zu seiner Irrtumsmöglichkeit bekannt, sondern inhaltlich widerrufen hat, ist nicht mehr zu ermessen&#8220;, so Dietmar Mieth. </span></p>
<p><span style="FONT-SIZE: 10pt" lang="DE">Nach seinem Tod wurde von offizieller Seite alles versucht, sein Werk auszulöschen. Aber längst hatten Eckarts Freunde sein Werk abgeschrieben, unter anderem Namen wurden es weiter publiziert.</span></p>
<p><span style="FONT-SIZE: 10pt" lang="DE">Heute betonen Eckart Forscher: Der umstrittene Mystiker lehrte keine Ketzerei, sondern eine originelle Interpretation der zentraler Glaubensauffassung. Die römische Kurie will sich nicht zu einer Rehabilitierung des immer wieder aktuellen &#8222;Lese &#8211; und Lebemeisters&#8220; aufraffen, trotz aller Schuldbekenntnisse von Papst Johannes Paul II. Der Dominikanerorden hat in den vergangenen Jahren ausdrücklich eine Rehabilitierung seines Ordensbruders verlangt. </span></p>
<p><span style="FONT-SIZE: 10pt" lang="DE">Trotz allem wird Eckart weiterhin das religiöse Denken inspirieren; zumal in einer Zeit, in der die alten kirchlichen Bindungen zerbrechen und viele Christen vor allem eins suchen, den ureigenen, den persönlichen, &#8222;inneren&#8220; Glauben. Sie wollen an dieser Gottes-Verbundenheit festhalten, unabhängig davon, wie frustrierend und verstörend sich z.B. die von Rom geführte katholische Kirche auch entwickelt. Auf diesem Weg zu einem gelassenen, will sagen durchaus auch kirchenamtlich-fernen, aber &#8222;wesentlichen&#8220; Glauben ist der Dominikaner-Mönch Eckart einer der wichtigsten Begleiter. </span></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/70_meister-eckhart_mystik-und-atheismus">Meister Eckhart</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>André Comte Sponville. Atheistische Spiritualität</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/66_andre-comte-sponville-atheistische-spiritualitat_mystik-und-atheismus</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Apr 2009 17:15:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Was hat Mystik mit Atheismus zu tun?]]></category>
		<category><![CDATA[André Comte Sponville]]></category>
		<category><![CDATA[Atheist gegen Fanatiker]]></category>
		<category><![CDATA[Atheisten haben Spiritualität]]></category>
		<category><![CDATA[Comte Sponville atheistische Spiritualität]]></category>
		<category><![CDATA[Comte Sponville Paris]]></category>
		<category><![CDATA[ich bin Teil des Ganzen]]></category>
		<category><![CDATA[Spiritualität ohne Gott]]></category>
		<category><![CDATA[Spiritualität von Atheisten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>ANDRE COMTE SPONVILLE Eingetaucht in die Leere des Kosmos Mystik ohne Gott: Der Philosoph André Comte-Sponville hat sich vom Christentum abgewandt. Er vertritt eine atheistische Spiritualität – ohne Militanz Von Christian Modehn Er hat in der Christlichen Studierenden Jugend in Paris aktiv mitgearbeitet. Als Gymnasiast war er bei Exerzitien in einem Trappistenkloster dabei. Noch immer [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/66_andre-comte-sponville-atheistische-spiritualitat_mystik-und-atheismus">André Comte Sponville. Atheistische Spiritualität</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>ANDRE COMTE SPONVILLE</p>
<p>Eingetaucht in die Leere des Kosmos<br />
Mystik ohne Gott: Der Philosoph André Comte-Sponville hat sich vom Christentum abgewandt.<br />
Er vertritt eine atheistische Spiritualität – ohne Militanz</p>
<p>Von Christian Modehn</p>
<p>Er hat in der Christlichen Studierenden Jugend in Paris aktiv mitgearbeitet. Als Gymnasiast war er bei Exerzitien in einem Trappistenkloster dabei. Noch immer rühmt der heute 54-Jährige die beiden katholischen Pfarrer, die ihn als Abiturienten prägten und mit dem Mystiker Blaise Pascal vertraut machten: »Ich hatte zwar einen gewissen Glauben, war aber doch von Zweifeln bestimmt.«<span id="more-66"></span></p>
<p>André Comte-Sponville ist inzwischen einer der bekanntesten Philosophen Frankreichs. Mit seinen leicht lesbaren Büchern erreicht er weite Kreise. Wie viele andere Intellektuelle hat er sich schon als Student vom dogmatisch geprägten Glauben der katholischen Kirche verabschiedet. »Ich bin Atheist. Aber das ist für mich keine wissenschaftliche, absolut sichere Erkenntnis, sondern eben auch ein Glaube. Als Philosoph kann ich nur sagen: Ich glaube, dass Gott nicht existiert.« Von kämpferischer Gottlosigkeit also keine Spur. »Die Wirklichkeit Gottes, wie sie in den Kirchen vorgestellt wird, genügt meinen intellektuellen Ansprüchen nicht. Der klassische Begriff Gott ist zu widersprüchlich, die Geschichten der Offenbarung sind zu diffus. So bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass Gott eine Erfindung der Menschen ist, geschaffen zum Trost, zur seelischen Beruhigung und zur gesellschaftlichen Kontrolle.«</p>
<p>In seinem Arbeitszimmer in Paris zeigt André Comte-Sponville sein neuestes Buch: »L’esprit de l’athéisme«. Es trägt den Untertitel: »Einführung in eine Spiritualität ohne Gott«. »Atheisten sind alles andere als spirituell arm. Das ist wichtig zu wissen in einer Zeit, in der jeder dritte Franzose konfessionslos ist und sich zwanzig Prozent der Bevölkerung atheistisch nennen.«</p>
<p>Viele Menschen bewegt die Frage: Kann es nach dem Abschied vom dogmatischen Glauben, nach dem Abschied von Gott, eine Spiritualität der Ungläubigen geben? André Comte-Sponville hat in der Kathedrale von Rouen mit einem Priester öffentlich darüber diskutiert; der atheistische Philosoph wird in Toulouse von der Theologischen Fakultät eingeladen; die Liste seiner Vorträge ist lang: »Am meisten interessiert mein Buch christliche Kreise«, hat er die Erfahrung gemacht. Sie sähen in der Entwicklung einer atheistischen Spiritualität so etwas wie die Entdeckung dieses Jahres.</p>
<p>»Auch Atheisten haben ein Anrecht auf ein spirituelles Leben, für mich ist dies ein konstitutives Element menschlicher Existenz. Sie haben ohne jeden Zweifel genauso wie die Gläubigen die Fähigkeit, sich dem Geheimnis des Lebens zu stellen«, betont der Philosoph. Er beschreibt dazu eine Erfahrung, die der Schriftsteller Romain Rolland einmal das »ozeanische Gefühl« nannte, das Eingetauchtsein in das Ganze des Kosmos. Er verweist auf das Schweigen, das Aushalten der Stille und die dabei erfahrbare Leere. »Dabei habe ich gespürt, wie ich angstfrei leben kann, wo ich sonst ein eher ängstlicher Mensch bin. Dabei habe ich gespürt, dass wir Menschen ewig sind, nicht ewig in einer fernen himmlischen Welt, sondern ewig im Hier und Jetzt.«</p>
<p>Atheistische Spiritualität lebe von den Unterbrechungen im Alltag, von der Wahrnehmung des Erstaunlichen, des Wunderbaren, das einem zufällt. »Ich erinnere mich noch an einen Spaziergang spätabends in einem Wald, wo ich das Gefühl hatte, vom Ganzen der Natur bergend umfangen zu sein. Wo ich Teil des Geheimnisses dieser Welt war. Das war für mich eine mystische Erfahrung. Aber beim Nachdenken über diese Erfahrung ist mir klar geworden: Da erlebte ich nichts Transzendentes, nichts Göttliches, Absolutes. Sondern ich war Teil des Ganzen und Einen. Ich möchte als Philosoph dieses Geheimnis offenhalten, es nicht benennen, nicht festmachen. Atheistische Spiritualität weigert sich, in diesen Erfahrungen eine absolute Person, einen Gott, am Werk zu sehen. Ich als spiritueller Atheist liebe die menschliche Bescheidenheit.«</p>
<p>André Comte-Sponville übt sich regelmäßig im Za-Zen, dem stillen Sitzen in der zen-buddhistischen Tradition. Er liebt die klassische Musik: Bach und Mozart. »Ich will mich auf meine philosophische Art an den inneren Christus halten, der nichts mit dem Christus der Dogmen zu tun hat, sondern auf einer Stufe mit Buddha, Sokrates, Laotse steht. Aber Christus steht mir als Europäer besonders nahe. An seine Werte will ich mich halten, die er als Lebensmodell vorgeschlagen hat: Solidarität, Nächstenliebe, Friedfertigkeit.«</p>
<p>André Comte-Sponville nennt seine Lebensphilosophie einen »treuen« Atheismus. »Ich bleibe verbunden mit gewissen Werten aus der Moral, der Kultur, der Spiritualität, die auch in den großen Religionen entstanden sind«, erläutert er. »Für mich verläuft die Grenze nicht zwischen Glaubenden und Nichtglaubenden, sondern zwischen den freien, offenen, toleranten Geistern auf der einen Seite und den dogmatischen, fanatischen Geistern auf der anderen Seite. Ich kämpfe gegen die Fanatiker und auch gegen die Nihilisten. Das sind die Leute, die an nichts glauben, die nichts respektieren, die keine Werte, keine Regeln haben, keine Prinzipien, keine Ideale. Darum schlage ich allen anderen eine Art Bündnis vor, das die gemeinsamen Werte der Menschheit verteidigt.«</p>
<p>André Comte-Sponville hat die philosophischen Cafés mit entwickelt. Mehr als hundert von ihnen gibt es inzwischen in Frankreich. Sie sind der deutlichste Beleg für dieses freie Suchen nach Lebensweisheit. Dazu zählt auch die neue Monatszeitschrift Philosophie Magazine, die seit einem Jahr aus dem Stand heraus mit 90 000 Exemplaren verbreitet wird.</p>
<p>André Comte-Sponville weiß, dass seine atheistische Spiritualität Fragen offenlässt, dass etwa im Umgang mit dem Tod liebster Menschen große Ernsthaftigkeit verlangt ist. Den Atheisten bleibe angesichts des Todes eher die Revolte als der Trost, meint er. »Aber es kann doch sein, dass die Wahrheit traurig ist«, wie der Bibelwissenschaftler Ernest Renan einmal sagte. Eine atheistische Spiritualität habe noch viele praktische Themen anzugehen, etwa die weltlichen Bestattungen. Sie sollten weniger oberflächlich gestaltet werden, findet der Philosoph. Oder die Frage nach Gemeinschaften atheistischer Spiritualität – warum gibt es davon so wenige?</p>
<p>Eine atheistisch-philosophische Spiritualität sei keine intellektuelle Spielerei, kein Hobby, sagt der Denker aus Paris. »Bei dem Projekt geht es mir darum, wie ich überleben kann, an Leib und Seele. Aber diese unsere Welt reicht mir. Ich brauche keinen Jenseitstrost. Ich habe den Eindruck, besser zu leben, seitdem ich Atheist bin. Die Vorstellung der Hölle ist für mich störender als die Vorstellung eines Nichts nach dem Tode. Wichtig ist: Jetzt erlebe ich erfüllte Ewigkeit, die sich in der Liebe zeigt. Sie eröffnet das Bleibende.«</p>
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