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	<title>Gott in Frankreich Archive &#8211; Religionsphilosophischer Salon</title>
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	<description>... eine Einladung zum Mitdenken und Mitdiskutieren</description>
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		<title>Frankreich: Papst Leo besucht Paris, Lourdes, Metz. Seine große Show vom 25. bis 28. September 2026.</title>
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		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Sep 2026 19:08:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Forschungsprojekte]]></category>
		<category><![CDATA[Gott in Frankreich]]></category>
		<category><![CDATA[27 Millionen Euro kostet der Papstbesuch in Frankreich 2026]]></category>
		<category><![CDATA[kann Maria erscheinen?]]></category>
		<category><![CDATA[Papst fördert den Aberglaben]]></category>
		<category><![CDATA[Papst in Lourdes]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo in Paris Lourdes und Metz]]></category>
		<category><![CDATA[Past Leo besucht Frankreich]]></category>
		<category><![CDATA[praktizierende Katholiken erwarten wenig vom Papstbesich]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Schwärmerei für den Besuch Papst Leos in Frankreich hält sich  in Grenzen. Das zeigt jetzt eine repräsentative Umfrage anläßlich des Papstbesuches: Nur 21% der Befragten wollen in den Medien dem Papstbesuch „folgen“. Darunter sind 56 % der praktizierenden Katholiken, eine nicht gerade überwältigende Zahl hinsichtlich einer eigentlich treuen und gehorsamen Verbundenheit dieser Kreise mit dem “heiligen Vater“. 22% der zu anderen Religionen gehörenden Befragten wollen den Papst - Besuch in den Medien „verfolgen“, und nur 16 % der - mehrheitlich - nicht-religiösen Menschen in Frankreich interessieren sich sogar für den Papstbesuch.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/22726_frankreich-papst-leo-besucht-paris-lourdes-metz-seine-grosse-show-vom-25-bis-28-september-2026_gott-in-frankreich">Frankreich: Papst Leo besucht Paris, Lourdes, Metz. Seine große Show vom 25. bis 28. September 2026.</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Hinweis von Christian Modehn am 23.9.2026</p>
<p>1.<br />
Der Religionsphilosophische Salon Berlin hat seit vielen Jahren über den Zustand des Katholizismus in Frankreich berichtet. Ein Beispiel: <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/18388_post-katholisch-ueber-das-langsame-verschwinden-der-katholischen-kirche-in-frankreich_aktuelles">LINK</a>.  Alle diese Beiträge sind mit Leichtigkeit auf dieser Website zu finden! Hier nur ganz wenige Hinweise, denn wir wollen uns nicht ewig wiederholen: Obwohl man angesichts des Zustandes der katholischen Kirchen zur Wiederholung gezwungen wird, weil sich nichts grundlegend verändert. Der Klerus behält die Macht.</p>
<p>2.<br />
Nun wird also der reiselustige Papst Leo XIV. (er war schon in Algerien, Kamerun und Angola, im schönen und sehr reichen Monaco und dem kleinen San Marino…) vom 25. bis 28. September 2026 auch Frankreich besuchen (Paris, Lourdes, Metz): Auf Einladung der dortigen Bischöfe und der Regierung, d.h. die französische Regierung (Macron) hat diese Einladung unterstützt! Aber sie bezahlt von den insgesamt etwa 27 Millionen Kosten nur die Unkosten für die „offizielle Sicherheit“ des Gastes bei einem „Großereignis“. Viele Millionen Euro muss die Kirche also selbst für dieses Papst &#8211; Spektakel durch Spenden aufbringen… aber es gibt ja einige sehr katholische, aber politisch rechtsextreme katholische Millionäre, wie den Medienmogul Vincent Bolloré.</p>
<p>3.<br />
Wer die sehr kleiner werdende katholische Welt in Frankreich beobachtet, ist erstaunt: Es gibt eigentlich seit Monaten kein anderes Thema, das derart heftig etwa die katholischen Medien (die Tageszeitung La Croix und viele katholische Wochenzeitungen) beschäftigt. Sie sprechen von &#8222;engouement&#8220;, also von Schwärmerei der Katholiken für den Papstbesuch. Sie schwärmen für ihren Führer.</p>
<p>4.<br />
Aber die Schwärmerei für den Papst Leo hält sich dann doch in Grenzen. Das zeigt jetzt eine repräsentative Umfrage anläßlich des Papstbesuches: Nur 21% der Befragten wollen in den Medien dem Papstbesuch „folgen“. Darunter sind 56 % der praktizierenden Katholiken, eine nicht gerade überwältigende Zahl hinsichtlich einer eigentlich treuen und gehorsamen Verbundenheit dieser Kreise mit dem “heiligen Vater“. 22% der zu anderen Religionen gehörenden Befragten wollen den Papst &#8211; Besuch in den Medien „verfolgen“, und nur 16 % der &#8211; mehrheitlich &#8211; nicht-religiösen Menschen in Frankreich interessieren sich sogar für den Papstbesuch. <a href="https://www.la-croix.com/religion/exclusif-21-des-francais-veulent-voir-le-pape-leon-xiv-les-raisons-de-cet-engouement-20260923?utm_term=actu_opening&amp;utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=NEWSLETTER__CRX_ESSENTIEL_SOIR_EDITO&amp;utm_content=1274512053~DM150948~NL_CRX_EssentielSoir_newsletter-essentiel-soir-v2-2026-09-23-18-36-20-mp8699~Act_CRXNUMEssentiel~20260923">LINK</a></p>
<p>5.<br />
Noch ernüchternder für die katholische Führung sind weitere Aussagen der Befragten: Nur 10 % der praktizierenden Katholiken erhoffen sich eine Vertiefung der Spiritualität durch den Papstbesuch, genau so wenige erhoffen sich eine Erneuerung der Gemeinden und Gemeinschaften durch das Kommen des Papstes.</p>
<p>6.<br />
Natürlich ist es für manche beeindruckend, dass etwa 600.000 Fromme an der Place de la Concorde und den Champs Elysées an der absolut riesigsten Mammut &#8211; Messe des Papstes irgendwie „teilnehmen“ und dort auch „kommunizieren“ wollen. Die stramm katholisch &#8211; konservativen Bewegungen, von denen es in Frankreich sehr viele zunehmend gibt, das haben wir alles veröffentlicht, haben offenbar alle ihre Getreuen nach Paris zur mächtigsten aller Mammut -Messen gelotst. Ob eine solche absoluten Massen -Messe noch eine Abendmahlsfeier im Sinne eines gewissen Jesus von Nazareth ist, bleibt die Frage.<br />
Man möchte sie bei noch etwas theologischen &#8211; biblischen Verstand eindeutig mit Nein beantworten.</p>
<p>7.<br />
Tatsache ist: Papst Leo wird zumal in Paris und Metz die üblichen allgemeinen, friedlichen, manchmal auch etwas kritischen Worte finden zum Zusammenleben der Menschen in einer zerstrittenen Gesellschaft, er wird, wie ständig schon im Vatikan seit Monaten, mahnen und warnen. Und warnen und mahnen, Das ist die Hauptaufgabe eines Papstes als Staatschef. Aber garantiert wird der Papst nicht explizit, konkrete Namen nennen, also nicht die rechtsextreme Partei „Rassemblement National“ oder die Partei „Reconquete“ und deren irgendwie noch katholisch bzw. jüdisch gebundenen Parteiführer beim Namen nennen und diese Rechtsextremen als für Katholiken und vernünftige Menschen sowieso als nicht wählbar bezeichnen. Das wäre ja auch nicht so erwartbar, denn der Papst ist immer auch Diplomat und Staats-Chef des staatlichen Winzlings „Heiliger Stuhl2. Und je nach Situation kann der Papst, diplomatisch klug,schwanken zwischen seiner Rolle als Staatschef und der des religiösen Führers, der vielleicht noch ein paarprophetisch &#8211; konkrete Worte sagen könnte. Hingegen wird der Papst, seinem Lieblingsthema folgend, sehr deutlich die jüngsten Gesetze des französischen Staates zum selbstbestimmten Tod aufs heftigste pauschal kritisieren. Er bläht sich dann auf als Verteidiger der Menschenrechte, verschweigt aber wie immer, dass die Menschenrechte in der katholischen Kirche und auch die Demokratie NICHT gelten. Dass er unglaubwürdig ist, wird dann bei diesem „engouement“ (d.h. Papst -Schwärmerei) von den verbleibenden Frommen gern übersehen. Sie sehen dann auch als reaktionäre Politiker den Papst auf ihrer Seite…</p>
<p>8.<br />
Wir weisen zum Schluss nur noch auf den Besuch des Papstes im Marien- Wunder Ort Lourdes hin: dass dort Maria höchst persönlich der Bernadette Soubirous erschienen ist, glaube wohl noch ein paar Leute: Aber der Papst pflegt diesen Wunderglauben, diese naive Vorstellung, Maria könnte vom Himmel herunter kommen und erscheinen und einem Mädchen irgendwelche Weisungen geben. Der Besuch in Lourdes als dem Ort, wo gelegentlich nur psychosomatisch erklärbare außergewöhnliche Ereignisse geschehen, ist bester Ausdruck einer „wunderbaren“ Frömmigkeit, die auch dieser Papst im 21. Jahrhundert noch wagt propagieren zu können: Aber: Vielleicht brauchen die meisten Menschen heute dieses Opium? Ist Aberglaube nicht immer schon Opium gewesen? I</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/22726_frankreich-papst-leo-besucht-paris-lourdes-metz-seine-grosse-show-vom-25-bis-28-september-2026_gott-in-frankreich">Frankreich: Papst Leo besucht Paris, Lourdes, Metz. Seine große Show vom 25. bis 28. September 2026.</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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		<title>Rechtsextreme und Identitäre in der katholischen Kirche Frankreichs heute</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/22699_rechtsextreme-in-der-katholischen-kirche-frankreichs-heute_aktuelles</link>
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		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Sep 2026 19:36:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Befreiung]]></category>
		<category><![CDATA[Forschungsprojekte]]></category>
		<category><![CDATA[Gott in Frankreich]]></category>
		<category><![CDATA[Benoist de Sinety]]></category>
		<category><![CDATA[das Evangelium widerspricht den Rechtsextremen]]></category>
		<category><![CDATA[das neue Buch von Benoist de Sinety]]></category>
		<category><![CDATA[französischer Katholizismus von Rechtsextremen durchsetzt]]></category>
		<category><![CDATA[Grasset Verlag in Paris]]></category>
		<category><![CDATA[Identitäre]]></category>
		<category><![CDATA[katholische Identitäre]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Le besucht Frankreich]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo feiert Messe auf der Place de la Concorde]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtsextreme Katholiken]]></category>
		<category><![CDATA[rechtsextreme Katholiken in Frankreich]]></category>
		<category><![CDATA[Vincent Bolloré]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Buch "La Cause du Christ" von Benoist de Sinety ist eine dringende Warnung vor den sich katholisch nennenden rechtsextremen Kreisen, die politisch auf der „christlichen Identität“ Frankreichs (und Europas) insistieren: Diese Kreise wollen ein strenges, intolerantes Europa bauen, das sich als christliches Bollwerk gegen den Islam versteht, ein christliches Bollwerk ohne Menschenrechte gegen alle Fremden, gegen alle, die sich gegen den Wahn eines abgeschotteten Abendland wehren. De Sinety betont: Da wird das Christentum missbraucht, da wird das Evangelium Jesu Christi verfälscht und zerstört.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/22699_rechtsextreme-in-der-katholischen-kirche-frankreichs-heute_aktuelles">Rechtsextreme und Identitäre in der katholischen Kirche Frankreichs heute</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn die „Identitären“ das Evangelium verfälschen und die Kirche beherrschen<br />
Ein Hinweis am 16.9.2026 von Christian Modehn auf ein neues Buch.</p>
<p>Ein Vorwort:<br />
Wir bieten hier ein Beispiel dafür, wie Rechtsextreme in Frankreich auch das Leben der katholischen Kirche bestimmen; mit ihrer Ideologie das kirchliche Leben vergiften und die Gläubigen beeinflussen, d.h. zu einer gesellschaftlichen und politischen Praxis verführen, die mit den Weisungen Jesu von Nazareth UND der humanen Vernunft nichts mehr zu tun hat. Und die Kirchenführung in Frankreich ist wie üblich hilflos. Und hat nichts Dringenderes zu tun, als die massenhaften Massenkundgebungen (anders kann man das Spektakel nicht bezeichnen) mit Papst Leo zu organisieren: Welch ein Wahn, dass der Papst allen Ernstes eine Messe, Eucharistie genannt, mit 600.000 Frommen auf der Place de la Concorde „feiern“ will. Nebenbei: Wenn alle diese 600.000 Leute sich dann die Kommunion (Hostie) in den Mund stecken wollen, werden Stunden des Austeilen vergehen. Und die Place de la Concorde? Absolut kein heiliger Ort, sondern ein Ort des Mordens und Abschlachtens, etwa in der Französischen Revolution… Von den Straßenschlachten dort zwischen Rechtsextremem und der Polizei 1934 ganz zu schweigen.. Ein sehe feiner Platz halt, voller Charme und göttlichen Friedens… Hat die katholische Kirche angesichts des auch in Frankreich drohenden Faschismus (Wahl 2027, Sieg des Rassemblement National…) nichts Dringenderes? Aber die in Frankreich stets schrumpfende Anzahl der Frommen sucht Halt bei Ihrem Führer, dem Papst. Die Huldigung für einen Führer ist also nicht zu überwinden…Und: Diese Vier-Tages-Reise des Papstes als Chef des „Heiligen also Stuhls“ und PAPA aller Katholiken kostet mindestens 25 Millionen Euro…</p>
<p>1.<br />
Pünktlich zum Besuch Papst Leos in Lourdes, Paris und Metz (25. &#8211; 28. September 2026) erscheint ein Buch über den Zustand der katholischen Kirche in Frankreich. Der Essay von 155 Seiten erinnert manchmal an eine theologische Meditation voller Empörung über die rechtsextremen Tendenzen in der Kirche… Der Autor ist ein kenntnisreicher Insider, kein „Kritiker von außen“, kein „Religionssoziologe… sondern ein Priester, der die gefährliche Entwicklung in der französischen Kirche freilegt. De Sinety (Jahrgang 1968) ist ein Kleriker mit einer beachtlichen Karriere: Er war Sekretär des konservativen Kardinals Lustiger in Paris (2004), Pfarrer in sehr bürgerlichen, reichen Vierteln in Paris; jetzt hat er eine führende Stellung im Bistum Lille: Da kommt kein Verdacht einer linken häretischen Abweichung auf.</p>
<p>2.<br />
Der Titel des Buches: „La Cause du Christ“, „Die Sache Christi“. Sicher ist „cause“ auch im juristischen Sinn als „Causa“ gemeint, es geht dem Autor letztlich um das Urteil, dass sich katholisch nennende Gruppen die Sache Christi verfälschen: Der Untertitel ist präzise: „L` évangile contra l` identité chrétienne“: „Das Evangelium gegen die `christliche Identität`“. Das Buch ist eine dringende Warnung vor den sich katholisch nennenden rechtsextremen Kreisen, die politisch auf der „christlichen Identität“ Frankreichs (und Europas) insistieren: Diese Kreise wollen ein strenges, intolerantes Europa bauen, das sich als christliches Bollwerk gegen den Islam versteht, ein christliches Bollwerk ohne Menschenrechte gegen alle Fremden, gegen alle, die sich gegen den Wahn eines abgeschotteten Abendland wehren. De Sinety betont: Da wird das Christentum missbraucht, da wird das Evangelium Jesu Christi verfälscht und zerstört. Auf entsprechende Tendenzen im us- amerikanischen Katholizismus weist de Sinety hin; wir stellen Frankreich in den Mittelpunkt.</p>
<p>3.<br />
Das Evangelium ist für den Autor eine Botschaft der Gerechtigkeit, der Nächstenliebe, der Gastfreundschaft für Fremde, der universellen Liebe eines Gottes, der als „Vater“ aller Menschen geehrt wird. Es geht also nicht nur um humanistische Werte, diese sind Gebote Gottes, für Katholiken unverzichtbar für ein humanes Zusammenleben.</p>
<p>4.<br />
Diese Feinde des Evangeliums, die sich als Freunde des abendländischen Christentums tarnen, gewinnen immer mehr Macht, urteilt de Sidney: Es gibt etwa die Gemeinden der mit Rom versöhnten Traditionalisten, wie das reaktionäre „Institut du bon Pasteur“ in Bordeaux, dort ist Abbé Matthieu Raffray für die rechtsextreme Sache heftig in den social Medien engagiert…<br />
Es gibt die katholischen „Columbus- Ritter“ mit ihrer radikalen Forderung: Es muss wieder richtig männliche Männer geben, also die Kämpfer und Krieger so wie dann auch als Beschützer ihrer sorgenden Frauen zu Hause. „Virilität“ heißt die neue Tugend (S. 26 ff.). Zu den Columbus Rittern n Frankreich: https://www.chevaliers-de-colomb.fr/index.php/les-enjeux-de-la-masculinite/<br />
Auch die berüchtigte rechtsextreme katholische „academia christiana“ erwähnt de Sinety, selbstverständlich ist von den vielen tausend Freunden der „alten Messe“ im Sinne der Traditionalisten die Rede: Und er weist darauf hin, dass diese alte Messe mit dem Priester im absoluten Zentrum, von den Gläubigen abgewandt zelebriert er die Messe; die Gläubigen werden zur schweigenden Masse der Ehrfürchtigen in einem für sie sprachlich unverständlichen „Mysterium“. Diese Messen sind Ausdruck der alten feudalen Ordnung, der (Un)Ordnung der Hierarchie. Dass de Sinety die neue Messe des Konzils als demokratische Form versteht, ist freilich sehr fragwürdig, gerade wenn man an den Ausschluss der Frauen vom Priesteramt denkt.</p>
<p>5.<br />
Im Mittelpunkt der Ideologie, Glaube genannt, der Identitären steht: Christus ist ein Meister und Lehrer der Stärke und Macht. Christus ist ein Kämpfer für „die“ Wahrheit. Christus wurde in einem bestimmten Volk geboren, deswegen gilt: Gott liebt &#8211; nun &#8211; das christliche Volk Frankreich. Bezeichnenderweise interessiert in diesen Kreisen die Gestalt Jesu von Nazareth nicht, weder seine Gleichnis Reden noch seine Bergpredigt. Die Rede von Christus kommt &#8211; wie so oft- ohne einen Bezug zu Jesus von Nazareth aus.<br />
Dieser Katholizismus der moralischen Strenge und politischen Macht findet immer mehr Anklang in den Kreisen, die man einst „normale, bürgerliche Gläubige“ nannte. Über die verbliebenen Mitglieder der französischen Kirche beschreibt der Autor: „Der französische Katholizismus ist jetzt soziologisch gesehen, was er niemals exklusiv sein dürfte: Bürgerlich, bourgeois, ´konsumorientiert…“<br />
Linke, kritische Katholiken haben sich längst aus der Kirche verabschiedet. Auf Seite 64 heißt es: „En moins de vingt ans, tout a basculé“: „In weniger als 20 Jahren ist alles gekippt, befindet sich die französische Kirche also am Kipppunkt:“ Zahlreiche wissenschaftliche Umfrage zeigen bekanntlich seit Jahren: Nur noch eine Minderheit (30 %) der Franzosen nennt sich katholisch, eine verschwindende Minderheit (etwa 4 Prozent) nimmt noch an der Sonntagsmesse gelegentlich teil, die Zahl der Priester sinkt ständig, immer wieder werden neue Missbrauchsfälle im Klerus freigelegt … <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/18388_post-katholisch-ueber-das-langsame-verschwinden-der-katholischen-kirche-in-frankreich_aktuelles">LINK</a></p>
<p>Angesichts des Niedergangs dieser Kirche „trösten“ auch die 20.000 Taufen von Erwachsenen und Jungendlichen im Jahr 2026 nicht.</p>
<p>6.<br />
Militante rechtsextreme Kreise im französischen Katholizismus wollen diese am Boden liegende Kirche retten und als politisch machtvolle Organisation zugunsten des „christlichen Abendlandes“ aufbauen. Sie streben eine Kirche ohne Christus an, eine machtvolle Kirche, vom Evangelium entkernt. Diese Ideologie hat eine lange Tradition in Frankreich: Das Vorbild der heutigen katholischen Rechtsradikalen ist die „Action Francaise“ um 1920, sie war auch antisemitisch fixiert. Auf den Antisemitismus verzichtet jetzt die rechtsradikale Le Pen Nachfolge -Partei „Rassemblement National“ aus taktischen Gründen… Ein anderer Rechtsextremer und „Identitärer“ ist der Jude Eric Zemmour, er ist ein expliziter Feind des Islams und explizit auch ein Verteidiger der „Rückführung“, also des Rausschmeissens von störenden (muslimischen) Fremden…</p>
<p>7.<br />
Benoist de Sinety, der wie gesagt, kein Religionssoziologe ist, bewertet die rechtsextremen Kreise Im französischen Katholizismus als Kräfte der Zerstörung. Diese Leute bauen Mauern aus Hass, Schlösser der Paranoia.</p>
<p>8.<br />
Es ist paradox: Das Buch von Benoit de Sinety ist im Verlag Grasset in Paris erschienen. Dieser Verlag gehört dem rechtsextremen katholischen Medien- Mogul und Milliardär Vincent Bolloré, er ist ein Freund der Identitärer Politiker: <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/17455_katholischer-milliardaer-im-dienst-der-rechtsextremen_gott-in-frankreich">LINK</a></p>
<p>De Sinety erwähnt in seinem Buch sehr vorsichtig sogar Bolloré (S. 94f.), nennt aber keine Fakten zu dessen Imperium, sondern beschränkt sich sehr schlicht (ängstlich?) darauf, an einige Lehren Jesu Christi zum Reichtum und zum Leben im Staat zu erinnern. Auch den anderen prominenten katholischen Milliardär Pierre Stérin erwähnt de Sinety: Da wird er schon etwas konkreter, wenn er daran erinnert, dass dieser Milliardär &#8211; Wohltäter leider keine Projekte unterstützt, die sich auf die Unterbringungen von Migranten, also Flüchtlingen, beziehen (S. 96).<br />
Das Buch des Priesters de Sinety gegen die Identitäten Katholiken ist am 13. Mai 2026 erschienen: Offenbar konnte Bolloré den Druck dieses Buches und den Vertrieb nicht mehr stoppen, so landete es in den Buchhandlungen am 13. Mai. Einen Monat zuvor (am 14.4.2026) hat Bolloré den weithin geschätzten verantwortlichen Hauptlektor des Grasset &#8211; Verlages, Olivier Nora, fristlos entlassen: war es die Wut, weil Nora das Buch von de Sinety publizierte?</p>
<p>9.<br />
So wertvoll auch die heftige Warnung de Sinetys vor der Umgestaltung der französischen Kirche durch die katholischen Rechtsradikalen und Identitätren in Frankreich ist: Die Argumente des Autors wirken manchmal merkwürdig schwach, etwa wenn er die bestehende Trennung von Kirchen und Staat in Frankreich, die laicité, nur als einen formalen Rahmen versteht, den die Kirche mit (ihrem) Inhalt füllen sollte: Dabei hat doch die laicité selbst ihre eigene humanistische Philosophie: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, letztlich auch die Menschenrechte als das Ideal der Republik. Mit den klassischen theologischen Argumenten des sehr frommen Autors de Sinety wird man die Rechtsradikalen und Identitären, selbst wenn sie sich katholisch geben, nicht von ihrem falschen Denken und falschen Handeln abbringen. Anders gesagt: Ohne philosophische Argumente wird man rechtsextremen Ideologien &#8211; auch katholisch rechtsextremen Ideologien &#8211; nicht begegnen können.</p>
<p>10.<br />
Man muss freilich auch daran erinnern, dass auch schon 2016 der Journalist Jean-Claude Guillebaud in der Pariser Wochenzeitschrift „La Vie“ an jene Rechtsextreme erinnerte, die er «Les catholiques athées“, also die atheistischen Katholiken nannte, in Erinnerung an die genannte „Action franciase“ und ihres Gründers Charles Maurras. Auch ihm ging es um die Verteidigung der Institution Kirche als Garantie der konservativen Ordnung. Auch Mussolini war ein Anhänger dieser &#8211; vom Papst verbotenen, aber bis heute lebendigen &#8211; Ideologie. Der Schriftsteller Georges Bernannos hat der Action Francaise heftig widersprochen, in seinem Text “Scandale de la verité“, Skandal der Wahrheit, schieb er 1939 über diese „falschen Christen“, die katholischen Rechtsextremen: «Ils croiraient volontiers que le Christ est mort uniquement pour la sécurité des propriétaires, le prestige de tous les hauts fonctionnaires et la stabilité des gouvernements-: „Sie glauben ohne weiteres, dass Christus einzig für die Sicherheit der Eigentümer gestorben ist, für das Prestige der hohen Beamten und die Stabilität der Regierungen. (Der französische Text von Bernanos: <a href="https://fr.wikisource.org/wiki/Scandale_de_la_v%C3%A9rit%C3%A9)">LINK</a>.  https://fr.wikisource.org/wiki/Scandale_de_la_v%C3%A9rit%C3%A9)</p>
<p>11. ERGÄNZUNG:</p>
<p>Der Essay von Benoit de Sinety „La Cause du Christ“ nennt nur wenige Gruppen, Gemeinschaften und Orden, die zu der sehr rechten, stets stärker werdenden Dimension im französischen Katholizismus gehören: Ich nenne ergänzend einige Beispiele dieser einflussreichen Kreise, sie werden unter Religionssoziologen als „intransigent“ bezeichnet, das heißt:. Sie sind „kompromisslos“, „unerbittlich“, „unnachgiebig“ hinsichtlich ihrer Treue zu ihren extrem konservativen Überzeugungen.<br />
In einer Studie in dem Buch „Jean Paul II &#8211; la fin d` un règne“ (Edition Golias 2003) werden viele der neuen geistlichen Gemeinschaften genannt, etwa Emmanuel oder die Gemeinschaft „St. Jean“ und so weiter, alle snd seit Jahren nun bekannt auch als Orte sexuellen Missbrauchs und spirituellen Missbrauchs. Auf S. 184 wird auf die „Intransigenten Medien“ verwiesen, etwa auf „La Nef“, „L Homme nouveau“, „Familie chrétienne“, „France catholique“. oder auch auf die machtvolle Organisation „Associations familiales catholiques“ (AFC). Das Opus Dei hat auch in Frankreich einen eigenen Verlag, „Editions du Laurier“…. Diese reaktionären Kreise bestimmen weithin das Leben der katholischen Kirche in Frankreich. Aus diesen Kreisen werden die vielen tausend Papst &#8211; Bewunderer stammen anläßlich der Reise Papst Leos nach Lourdes, Paris und Metz&#8230;</p>
<p>Benoist de Sinety, „La Cause du Christ. `L Evangile contre l`identité chrétienne“. Paris 2026, Editions Grasset, 160 Seiten, 16 €.</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/22699_rechtsextreme-in-der-katholischen-kirche-frankreichs-heute_aktuelles">Rechtsextreme und Identitäre in der katholischen Kirche Frankreichs heute</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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		<title>Spiritueller Missbrauch: Eine neue Dimension des Missbrauchs durch Priester, Ordensleute in Frankreich</title>
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		<pubDate>Fri, 11 Sep 2026 16:27:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Befreiung]]></category>
		<category><![CDATA[Gott in Frankreich]]></category>
		<category><![CDATA[Theologische Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Frankreichs katholische Kirche am Ende?]]></category>
		<category><![CDATA[Frankreichs katholische Kirche in der Krise des sexuellen und spirituellen Missbrauchs]]></category>
		<category><![CDATA[geistlicher Missbrauch in katholischen Gemeinschaften]]></category>
		<category><![CDATA[mehr als 200 Opfer des spirituellen Missbrauchs in Frankreich schreiben Papst Leo]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo besucht Frankreich]]></category>
		<category><![CDATA[spiritueller Missbrauch]]></category>
		<category><![CDATA[spiritueller Missbrauch in katholischen Gemeinschaften]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Spiritueller Missbrauch ist eine Instrumentalisierung Gottes durch die Herrschaft von kirchlichen Vorgesetzten. Diese meinen, förmlich an der Stelle Gottes stehend, ihre Untergebenen seelisch belasten und quälen zu dürfen und zu Gehorsam und Unterwürfigkeit zwingen zu können. Das Motto dieser spirituellen HerscherInnen“: Wer den OberInnen folgt, folgt Jesus Christus. Totaler Gehorsam also. „Dieses Verhalten zerstört fundamental die Seele der betroffenen Menschen“, sagt die Psychologin und Spezialistin für diese „Fälle“ Isabelle Chartier - Siben der Tageszeitung La Croix. Der spirituelle Missbrauch darf angesichts der vielen tausend Fälle des sexuellen Missbrauchs durch Kleriker nicht länger ignoriert werden, zumal der spirituelle Missbrauch oft auch in einem sexuellen Missbrauch führt, betonen die Betroffenen.</p>
<p>Eine erstaunlich große Anzahl: 215 Frauen und Männer, Laienm Priester und Nonnen gehen in die Öffentlichkeit: Den Brief an den Papst haben alle unterschrieben, in die große Öffentlichkeit (der französischen Presse) gehen drei Opfer: Fabio Barber, Priester der „monastischen Familie von Bethlehem“, Gabriel Laguarigue de Survilliers, ehemaliger Mönch der „Gemeinschaft Saint Jean“ sowie die Theologin Benedicte Nolte de Brauwere aus der „Kommunität des Lammes“.<br />
Die übrigen Unterzeichner des Briefes an den Papst haben nach wie vor Angst vor Repressalien seitens der Chefs ihrer Gemeinschaften, und meiden deswegen die große Öffentlichkeit, berichtet die Tageszeitung La Croix. Sie hat diesen Missbrauch am 7.9.2026 publiziert.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/22678_spiritueller-missbrauch-eine-neue-dimension-des-missbrauchs-durch-priester-ordensleute-in-frankreich_aktuelles">Spiritueller Missbrauch: Eine neue Dimension des Missbrauchs durch Priester, Ordensleute in Frankreich</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Hinweis von Christian Modehn am 12.9.2026</p>
<p>1.<br />
In Frankreich haben am 7. September 2026 215 Opfer von ihrem &#8222;spirituellen Missbrauch&#8220; Papst Leo einen Brief geschrieben: Sie  fordern den Papst auf, wirksame Mittel zur Überwindung dieser Form kleriker Herrschaft  zu veranlassen.</p>
<p>2.<br />
Spiritueller Missbrauch ist eine Instrumentalisierung Gottes durch die Herrschaft von kirchlichen Vorgesetzten. Diese meinen, förmlich an der Stelle Gottes stehend, ihre Untergebenen seelisch belasten und quälen zu dürfen und zu Gehorsam und Unterwürfigkeit zwingen zu können. Das Motto dieser spirituellen HerscherInnen“: Wer den OberInnen folgt, folgt Jesus Christus. Totaler Gehorsam also. „Dieses Verhalten zerstört fundamental die Seele der betroffenen Menschen“, sagt die Psychologin und Spezialistin für diese „Fälle“ Isabelle Chartier &#8211; Siben der Tageszeitung La Croix. Der spirituelle Missbrauch darf angesichts der vielen tausend Fälle des sexuellen Missbrauchs durch Kleriker nicht länger ignoriert werden, zumal der spirituelle Missbrauch oft auch in einem sexuellen Missbrauch führt, betonen die Betroffenen.</p>
<p>3.<br />
Eine erstaunlich große Anzahl: 215 Laien, Priester und Nonnen, gehen in die Öffentlichkeit: Den Brief an den Papst haben alle unterschrieben, in die große Öffentlichkeit (der französischen Presse) gehen drei Opfer: Fabio Barber, Priester der „monastischen Familie von Bethlehem“, Gabriel Laguarigue de Survilliers, ehemaliger Mönch der „Gemeinschaft Saint Jean“ sowie die Theologin Benedicte Nolte de Brauwere aus der „Kommunität des Lammes“.<br />
Die übrigen Unterzeichner des Briefes an den Papst haben nach wie vor Angst vor Repressalien seitens der Chefs ihrer Gemeinschaften, und meiden deswegen die große Öffentlichkeit, berichtet die Tageszeitung La Croix. Sie hat diesen Missbrauch am 7.9.2026 publiziert. Die Autorin des Berichtes in „La Croix“ schreibt: „Warum gerade jetzt an den Papst schreiben? Die Initiative der Unterzeichner erfolgt zu einem Zeitpunkt, zu dem Rom bereits im Jahr 2024 die Auseinandersetzung mit dem Thema „geistlicher Missbrauch“ in Angriff genommen hat. Seit zwei Jahren arbeitet eine kleine gemeinsame Arbeitsgruppe des `Dikasteriums für die Glaubenslehre` und des `Dikasteriums für Gesetzestexte` daran, spirituellen Missbrauch im kanonischen Recht anzuerkennen. Dabei soll insbesondere geklärt werden, ob ein spezifischer Straftatbestand geschaffen oder bestehende Straftatbestände präzisiert werden müssen, um diese Situationen besser zu erfassen.<br />
Gerade weil diese Überlegungen im Gange sind, wollen sich die Unterzeichner Gehör verschaffen: Soe sagen:  „In diesen Studienkreisen sind die Opfer kaum vertreten. Man betrachtet sie weiterhin als Menschen, denen man Mitgefühl entgegenbringt, aber nicht als Experten, die in der Lage sind, über das, was sie erlebt haben, nachzudenken und es zu entschlüsseln“, bedauert Fabio Barbero. Der ehemalige Ordensbruder fordert „mehr Transparenz“ und vor allem, dass die Opfer wirklich in die Arbeit einbezogen werden, „nicht nur, um eine Statistenrolle zu spielen.&#8220;  &#8230;Doch der Weg scheint lang und heikel zu sein, wie aus einem Interview hervorgeht, das Kardinal Victor Manuel Fernandez, Präfekt des Dikasteriums für die Glaubenslehre, im Januar 2025 der spanischen katholischen Wochenzeitung „Alfa y Omega“ gewährte.(Übersetzt durch deepl.com)</p>
<p>4.<br />
Wichtig ist auch die Veröffentlichung der Namen der der betroffenen Gemeinschaften, siehe die aus La Croix übernommene Liste in Fußnote 1.</p>
<p>Dabei ist auffällig, dass als `Täter &#8211; Organisationen` viele offiziell so genannte „neue geistliche Gemeinschaften“ vertreten sind. Diese haben durchaus befremdliche, mysteriös &#8211; fromme Titel. Aber man unterschätze nicht den Einfluß dieser Gruppen auf die französische Kirche: Diese Gemeinschaften leiten Pfarr &#8211; Gemeinden, betreuen Wallfahrsorte, haben Priesterseminare, bieten allerlei Besinnungstage für Laien an usw… Auch etliche französische Bischöfe gehören etwa zur sehr konservativen Gemeinschaft `Emmanuel`. Zum Beispiel Bischof Dominique Rey, der von Papst Franziskus wegen allzu reaktionären Regierens „seines“ Bistums als Bischof von Toulon abgesetzt wurde. Diese genannten Gruppen, in den bisher spiritueller Missbrauch bekannt wurde, sind meist sehr konservativen, sehr papsttreuen, sehr charismatisch: Sie wurden wurden &#8211; wen wundert es &#8211; von Papst Johannes Paul II. aufs höchste gelobt: Sie seine die wahren Missionare Europas, sie seien so zuverlässig katholisch usw…</p>
<p>Kardinal Joseph Ratzinger sagte 2005 ganz enthusiastisch (naiv): &#8222;Diese kirchlichen Bewegungen (die neuen geistlichen Gemeinschafte)  verheißen neue Möglichkeiten: Hier kommt ein Suchen nach der Mitte zum Vorschein, das die Diagnose vom Ende des Religiösen Lügen straft und Wege neuen Lebens aus dem Glauben anbahnt, in denen sich die unerschöpfliche Fruchtbarkeit des Glaubens erneut bewährt.&#8220; (Quelle: Joseph Ratzinger, &#8222;Theologische Prinzipienlehre&#8220;, 2005, S. 394.</p>
<p>&#8222;Gezeigt hat sich&#8220; hingegen, de facto, &#8222;die unerschöpfliche Fruchtbarkeit&#8220; sexuellen und spirituellen Missbrauchs in den meisten dieser Gemeinschaften..</p>
<p>Seit etwa 10 Jahren sind viele Fälle heftigen sexuellen Missbrauchs in diesen so hoch gelobten Gemeinschaften öffentlich bekannt. Diese Freilegung dieser Verbrechen führte zu einer tiefen Krise der (Glaubwürdigkeit der) katholischen Kirche in Frankreich.  Zum Niedergang der katholischen Kirche in Frankreich: LINK https://religionsphilosophischer-salon.de/16606_wenn-der-klerus-die-glaeubigen-vertreibt-der-zusammenbruch-der-katholischen-kirche-in-frankreich-heute_aktuelles</p>
<p>5.<br />
Und das alles wird öffentlich wenige Tage vor dem Besuch Papst Leos in Frankreich: Vom 25. bis 28. September 2026 wird er Lourdes, Paris und Metz besuchen: Die Anmeldungen zur Teilnahme an seinen vielen Messen und Gottesdiensten dort gehen in die vielen tausend. Auf der riesigen Place de la Concorde wird es eine Messe für die 500.000 bis 600.000 frommen Massen geben… 27 Millionen Euro wird die drei-tägige so genannte “Pilgerfahrt“ kosten.</p>
<p>Kann mit einer halben Million Teilnehmer die Eucharistie, die Erinnerung an das Abendmahl Jesu von Nazareth, gefeiert werden? Oder wird da die Eucharistie zur Demonstration der Macht und Herrschaft der katholischen Kirche in einem weltlichen (&#8222;laique&#8220;) Staat? Als Kult eines &#8222;Führers&#8220;, des Papstes?<br />
6.<br />
Ob der Papst einige Opfer des spirituellen Missbrauchs in Frankreich trifft, ist offen.<br />
Das aber steht fest: Die Freilegung des spirituellen, man sollte eher sagen seelischen Missbrauchs in diesen einst offiziell so vorbildlich gepriesenen Gemeinschaften ist eine Katastrophe nicht nur für die französische Kirche. Aber die frommen Massen, offenbar die dogmatisch stabilen „Hardliner“, lassen sich davon nicht beeindrucken. „Es menschelt halt bis zu Gott“, heißt ihre tröstende (?) Weisheit.</p>
<p>7.</p>
<p>Spiritueller, geistlicher Missbrauch ist nicht nur ein Problem der Kirche in Frankreich, im Bistum Münster wird  eine entsprechende Studie veröffentlicht: LINK: https://katholisch.de/artikel/70293-studie-zu-geistlichem-missbrauch-in-muenster-wird-vorgestellt</p>
<p>Fußnote 1: Die Betroffenen Gemeinschaften des spirituellen Missbrauchs, entnommen von la Croix am 7.9.2026:</p>
<p>Alliance des Cœurs unis, Bénédictines de Montmartre, Carmel de Simacourbe, Carmel du Reposoir, Carmel de Toulouse, Carmel,<br />
Cisterciens de Sept-Fons,<br />
Les Communautés de L’ Agneau, de l’Emmanuel, des Béatitudes, du Chemin Neuf, du Pain de vie, du Verbe de Vie,<br />
consacrées du Regnum Christi (Laien der Legionäre Christi),<br />
Communautés Saint-Jean, Communauté Saint-Martin,<br />
Communion et libération, Compagnie de Jésus province de France (Jesuiten),<br />
Famille de Marie Œuvre de Jésus Souverain Prêtre, Religieuses de l’Assomption,<br />
Famille missionnaire de Notre-Dame, Famille monastique de Bethléem, Focolari, Fondacio, Foyers de Charité, Fraternité Eucharistein, Fraternité de Marie Reine Immaculée,<br />
Fraternités monastiques de Jérusalem (St. Gervais, Paris), Fraternité Verbum Spei, Institut du Christ Roi Souverain Prêtre, Institut Notre-Dame de Vie,<br />
Légionnaires du Christ,<br />
Maria Stella Matutina,<br />
Opus Dei,<br />
Point Cœur, Sœurs Missionnaires de la Charité, Séminaire Saint-Luc d’Aix-en-Provence.</p>
<p>Quelle: https://www.la-croix.com/religion/abus-spirituels-d-anciens-membres-de-communautes-demandent-au-pape-des-reponses-fortes-20260907</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, www.religionsphilosophischer-salon.de</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/22678_spiritueller-missbrauch-eine-neue-dimension-des-missbrauchs-durch-priester-ordensleute-in-frankreich_aktuelles">Spiritueller Missbrauch: Eine neue Dimension des Missbrauchs durch Priester, Ordensleute in Frankreich</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Kollaboration rechtsextremer Parteien mit katholisch- nationalistischen &#8211; rechtstextremen Parteien in Polen</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/22393_kollaboration-rechtsextremer-parteien-mit-katholisch-nationalistischer-parteien-in-europa_religionskritik</link>
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		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Jul 2026 15:36:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Befreiung]]></category>
		<category><![CDATA[Forschungsprojekte]]></category>
		<category><![CDATA[Gott in Frankreich]]></category>
		<category><![CDATA[Religionskritik]]></category>
		<category><![CDATA[Frankreichs Bischöfe sind hilflos gegenüber den Rechtsradikalen]]></category>
		<category><![CDATA[Jordan Bardella in Polen]]></category>
		<category><![CDATA[Jordan Bardella publiziert im Verlag des katholischen rechtsextremen Milliardärs Vincent Bolloré]]></category>
		<category><![CDATA[Jordan Bardella trifft in Polen rechtsextreme Politiker]]></category>
		<category><![CDATA[wenn katholische Rechtsradikale den Katholismus in Fankreich finanzieren]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Jordan Bardella, Chef des rechtsaußen "Rassemblement National" und möglicherweise Präsident Frankreichs 2027, hat sich im Juni 2026 in Polen mit rechtsextremen polnischen Politikern getoiffen. Bardella schmiedet ein Bündnis rechtsextremer Parteien in Europa. In Frankreich publiziert Bardella im Verlag Fayard des rechtsextrejen katholischen Milliardärs Bolloré. Es entsteht auch eine Kooperation rechtsextremer Katholiken und rechtsextremer Parteien. Und die Bischöfe sind hilflos. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/22393_kollaboration-rechtsextremer-parteien-mit-katholisch-nationalistischer-parteien-in-europa_religionskritik">Kollaboration rechtsextremer Parteien mit katholisch- nationalistischen &#8211; rechtstextremen Parteien in Polen</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Jordan Bardella, Präsidentschaftskandidat der äußerst rechten Le &#8211; Pen &#8211; Partei („Rassemblement National“, RN) schafft Allianzen mit Polens rechtsextremen Parteien</p>
<p>Ein Hinweis von Christian Modehn am 6. Juli 2026</p>
<p>1.<br />
Über die aktuell regelmäßige Zusammenarbeit rechtsextremer Parteien in Europa ist schon viel publiziert worden. Und einige Erkenntnisse zu dieser europäischen Allianz der rechtsaußen Parteien haben sich herumgesprochen, hoffen wir.<br />
Europas Staaten sind schon jetzt rechtslastig, oft rechtsextrem und es wird wohl immer schlimmer. Wir dokumentieren ein weiteres Faktum.</p>
<p>2.<br />
Jordan Bardella, neben Marine Le Pen, Chef der rechtsextremen Partei „Rassemblement National“ und möglicher Präsident Frankreichs 2027, knüpft Bündnisse mit katholisch geprägten Rechtsaußen &#8211; Parteien in Polen … bei seinem Besuch in Warschau am 18. und 19.Juni. Dort wurde Bardella geradezu pompös empfangen, wie in großer Staatsmann.<br />
Diese Rechtsaußen Parteien in Polen machen allen demokratisch Gesinnten das Leben schwer, haben aber enormen Rückhalt unter den immer noch zahlreichen praktizierenden Katholiken. Die wichtigste rechtsextrem &#8211; katholische &#8211; nationalistische &#8211; antisemitische Stimme Polens ist das Radio &#8211; Medien -Imperium „Radio Maryja“. Selbst den wenigen progressiven Bischöfen Polens ist es nicht gelungen, durch päpstlichen Druck ein Ende dieses Imperiums zu erreichen. Die Geduld der offiziellen katholischen Kirche mit rechtsextremen Katholiken (nicht nur in Polen) ist bekanntlich sehr groß.</p>
<p>3.<br />
Wie gesagt, am 18.und 19. Juni 2026 besuchte Jordan Bardella Warschau, und zwar die rechtsextreme Partei „Nationale Bewegung“, die auch im Europa &#8211; Parlament vertreten ist. Vermittelt wurde das glanzvoll inszenierte Treffen von der erz-katholischen PiS Partei. Bardella hatte auch Gespräche mit dem PiS Chef Jaroslaw Kaczynski und mit dem Staatspräsidenten Karol Nawrocki, er ist PiS sehr nahestehend. Aber die sehr rechtsextreme polnische „Nationale Bewegung“, sozusagen der „Partner“ Bardellas und seiner Partei, ist dem Staatspräsidenten dann selbst doch etwas zu extrem. Deswegen wollte der Präsident keinen Medienrummel zu seiner Begegnung mit Bardella. <a href="https://www.radiofrance.fr/franceinter/podcasts/l-info-de-france-inter/en-pologne-jordan-bardella-rencontre-l-extreme-droite-et-peaufine-sa-stature-presidentielle-6041644">LINK</a></p>
<p>4.<br />
Gott sei Dank ist Bardella nicht homosexuell, in dem Falle hätten ihn die polnischen Politiker sicher erst gar nicht empfangen. Bardella ist hingegen nicht getauft, er nennt sich konfessionslos. „Dieser Makel“ spielt im politischen Kalkül der rechtsextremen Katholiken und ihrer Parteien aber offenbar keine so große Rolle.</p>
<p>5.<br />
Der katholische Milliardär Vincent Bolloré hat in seinem Verlag Fayard (Paris) kürzlich eine Art politische Programmschrift Bardellas veröffentlicht: „Ce que veulent les Français“ („Was die Franzosen wollen“). Auch in Frankreich läuft die Zusammenarbeit Rechtsextremer (Millionärs-) Katholiken und rechtsextremer Politiker offenbar wie geschmiert. Zum Milliardär und Medienmogul Bolloré: <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/17455_katholischer-milliardaer-im-dienst-der-rechtsextremen_gott-in-frankreich">LINK</a>.<br />
Und auch „Katholische Rechtsextreme gegen die Menschenrechte“: <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/22281_katholische-rechte-und-rechtsextreme-gegen-die-menschlichkeit-heute_aktuelles">LINK</a></p>
<p>6.<br />
Wer ist noch in der Lage, der Kollaboration rechtsextremer Parteien in Europa, inklusive der rechtsextremen Katholiken und ihrer finanzstarken Netzwerke, Widerstand zu leisten?<br />
Wer kann noch wirksam zeigen: Katholizismus hat nichts mit rechtsextremen Ideologien und Parteien zu tun? Linke Katholiken wurden von der Kirchenführung ja vergrault oder rausgeschmissen. Es gibt de facto keine linken Katholiken mehr.</p>
<p>7.<br />
In Frankreich sind die Bischöfe allgemein sehr zaghaft gegenüber den rechtsextremen Parteien, wahrscheinlich wissen sie aus repräsentativen Umfragen: Etwa 40 Prozent der noch praktizierenden Katholiken stimmen für Le Pen bzw. den Rassemblement National. Bekanntlich lebt die katholische Kirche Frankreichs vor allem von Spenden der praktizierenden Gläubigen. Rechtsextreme Katholiken können also den ohnehin schwach fließenden Geld- Hahn der Kirche zudrehen und kein Geld mehr spenden. Oder katholische rechtsextreme Milliardäre können helfend ein paar Millionen Euro rüberreichen, aber dabei bestimmen, für welche &#8211; ihnen günstige &#8211; Projekte ihr Geld verwendet werden soll. Sie können, mit anderen Worten, die Bischöfe und den Rest der Katholiken erpressen… So wird also der Katholizismus, nun unter Druck von rechtsaußen stehend, selbst sehr rechtslastig.</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/22393_kollaboration-rechtsextremer-parteien-mit-katholisch-nationalistischer-parteien-in-europa_religionskritik">Kollaboration rechtsextremer Parteien mit katholisch- nationalistischen &#8211; rechtstextremen Parteien in Polen</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Rechtsextrem und katholisch: Neues von den Traditionalisten</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/21630_rechtsextrem-und-katholisch-neues-von-den-traditionalisten_religionskritik</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 22 Feb 2026 12:17:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Denken und Glauben]]></category>
		<category><![CDATA[Gott in Frankreich]]></category>
		<category><![CDATA[Religionskritik]]></category>
		<category><![CDATA[Davide Pagliarani]]></category>
		<category><![CDATA[Erzbischof Lefebvre]]></category>
		<category><![CDATA[Piusbrüder werden Bischöfe weihen am 1.7.2026]]></category>
		<category><![CDATA[Traditionalisten versöhnen sich NICHT mit dem Papst]]></category>
		<category><![CDATA[viele sehr konservative Gemeinschaften inmitten des Katholizismus]]></category>
		<category><![CDATA[wer sind die Piusbrüder]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die traditionalistischen "Piusbrüder" (die Gemeinden Lefèbvres)  wollen am 1.Juli 2026 wieder eigenmächtig Bischöfe für ihre schismatische Kirche weihen. Der Vatikan suchte den Dialog, um dies zu verhundern. Doch dieser Versuch ist gescheitert. Demokraten sollten sich freuen, dass nun nicht noch mehr sehr rechte und rechtsextreme Katholiken, also die Piusbrüder, offizieller Teil der römisch-katholsichen Kirche werden. Denn rechtsextreme Katholiken, viele einzelne und Gemeinschaften, gibt es schon in großer Zahl im offiziellen Katholizismus. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/21630_rechtsextrem-und-katholisch-neues-von-den-traditionalisten_religionskritik">Rechtsextrem und katholisch: Neues von den Traditionalisten</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Reaktionär-katholische „Piusbrüder“ wollen nicht zur offiziellen katholischen Kirche gehören.<br />
Ein theologisch-politischer Hinweis von Christian Modehn am 22.2.2026</p>
<p><em>Zur Einführung:</em><br />
Der römische Katholizismus, die Papstkirche, ist faktisch alles andere als eine uniforme Einheit: Es gibt die wenigen progressiven Reformgruppen, sie sind ohne reformatorischen Einfluß auf die Institution. Und es gibt die vielen konservativen, dann die sehr konservativen und dann die reaktionären, politisch stets sehr rechten, katholischen Gemeinschaften mit vielen tausend Mitgliedern und Anhängern.<br />
Einige Gruppen sind hingegen so reaktionär, dass sie außerhalb der offiziellen Papstkirche agieren, am bedeutendsten und umtriebigsten sind dabei die sogenannten Piusbrüder, auch Traditionalisten oder Integristen genannt. Sie sind eine Gründung des katholischen Erzbischofs Marcel Lefèbvre im Jahr 1970. Diese „Lefèbvre-Katholiken“ sind theologisch auf dem Niveau des 19. Jahrhunderts stehen gebliebenen, politisch sind sie gegen alles, was mit Menschenrechten zu tun hat. Diese in vielfacher Hinsicht reaktionären Katholiken ärgern mal wieder sehr den Papst und seine vatikanischen Behörden. Durch die politische Relevanz dieser Sonder-Kirche ist unser Thema alles andere als ein bloßer Hinweis auf „vatikanische Kircheninterna“…</p>
<p>1.<br />
Die international verbreitete, ca. 150.000 Mitglieder zählende Kirche der katholischen Traditionalisten, auch „Piusbrüder“ genannt und treffend als reaktionär-katholisch bewertet, ärgert seit Beginn 2026 mal wieder sehr heftig die von ihr ungeliebte, wenn nicht verachtete offizielle römisch-katholische Papstkirche. Aber der Streit hat wohl jetzt ein (vorläufiges?) Ende gefunden: Am 18. 2. 2026 verkündete der Leiter der Piusbrüder, Davide Pagliarani, dass er, nach einem Dialog mit dem Vatikan, an dem Entschluss festhält: Es werden nun eigenmächtig Bischöfe für die Piusbrüder -Kirche geweiht, und zwar am 1.7.2026!<a href="https://www.vaticannews.va/de/vatikan/news/2026-02/heiliger-stuhl-piusbrueder-dialog-abgelehnt-pagliarani-brief.html?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=NewsletterVN-DE"> LINK</a></p>
<p>Mit anderen Worten: Die reaktionär-Katholischen, die Piusbrüder, wollen ihren eigenen Weg außerhalb der offiziellen katholischen Papstkirche fortsetzen. Theologisch und politisch ist klar: Darüber können sich alle demokratisch gesinnten Menschen nur freuen: Denn es ist nun entschieden: Es wird also nicht noch eine weitere extrem konservative Gemeinschaft die Entwicklungen des offiziellen Papstkatholizismus mitprägen oder gar mitbestimmen können. Sehr konservative und sehr rechte Positionen gibt es ohnehin schon viel zu viele im offiziellen Katholizismus, unter Kardinälen (nur ein Beispiel: Robert Sarah,<a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/7011_nichts-als-polemik-und-hass-absonderliche-stellungnahmen-des-aus-guinea-stammenden-kurien-kardinals-robert-sarah-auf-der-roemischen-bischofssynode_religionskritik"> LINK</a>), in „neuen geistlichen Gemeinschaften“ (nur ein Beispiel „Opus Dei“) oder unter einzelnen, etwa Millionären, nur ein Beispiel etwa in Frankreich Vincent Bolloré: <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/17455_katholischer-milliardaer-im-dienst-der-rechtsextremen_gott-in-frankreich">LINK </a></p>
<p>2.<br />
Zur Erinnerung: Worum geht es, in aller Kürze, für theologische „Laien“ nachvollziehbar, bei den Auseinandersetzungen der Piusbrüder contra Papstkirche?</p>
<p>3.<br />
Die Traditionalisten, die „Piusbrüder“, gegründet 1970 durch den damals noch offiziell katholischen, aber schon reaktionären Erzbischof Marcel Lefèbvre, können sich &#8211; trotz ihrer Ablehnung dieser angeblich modernen &#8222;Reform-Päpste&#8220; und des 2. Vatikanischen Konzil &#8211; noch katholisch nennen. DENN: Sie verfügen über gültig geweihte Bischöfe. Der katholische Bischof Marcel Lefèbvre weihte vier seiner Getreuen 1988 zu Bischöfen, allerdings ohne Zustimmung des Papstes. Aber diese Weihen sind nach offiziellem katholischen Kirchenrecht GÜLTIG, so vertrackt ist das Kirchenrecht! Wegen seines eigenmächtigen Ungehorsams wurden Lefèbvre und die neu geweihten Bischöfe vom Papst sofort bestraft, nämlich exkommuniziert. Dadurch wurde die Piusbrüder &#8211; Kirche als „schismatische“, d.h. vom Papst und den Weisungen des 2. Vatikanischen Konzils „abgespaltene“ katholische Bewegung bewertet. Aber dadurch, dass sie über gültig geweihte Bischöfe verfügt, ist sie  immer noch vom Vatikan aus bewertet als katholisch einzuschätzen. Der Papst hat also keine Alleinverfügungs-Gewalt mehr über diejenigen, die sich katholisch nenne. Und das empört den Papst sehr!</p>
<p>Seit 1970 und besonders seit 1988 gibt es auch deswegen immer wieder Versöhnungsversuche zwischen den Päpsten und den Führern dieser reaktionär &#8211; katholischen Kirche. Wie viel Energie wurde für diese Frage im Vatikan in eigenen Kommissionen etc. aufgewendet! Hätten die vatikanischen Behörden in der Zeit Theologie studiert und endlich ernst genommen, dann hätten sie wenigstens das DiakonInnen Amt einführen können. Aber nein: Den Reaktionären und Konservativen gilt im Vatikan immer bevorzugte Aufmerksamkeit!</p>
<p>4.<br />
<em>Ein wichtiger theologischer Hinweis</em>:<br />
Nur gültig geweihte Bischöfe garantieren in dieser merkwürdigen Theorie des Katholizismus die engste Verbundenheit mit den ersten 12 Aposteln Jesu von Nazareth: Dieser Umstand wird in der katholischen Theologie „apostolische Nachfolge“ genannt: Nur Bischöfe können und dürfen Männer zu Priestern GÜLTIG weihen. Die absolute Aufwertung der Kleriker ist bekanntlich eine ebenso fixe Idee des Katholizismus: Nur geweihte Priester dürfen der Eucharistiefeier vorstehen. Und diese Messe, eine weitere fixe Idee des Katholizismus, wird als absoluter Höhepunkt katholischen Lebens allen Katholiken eingepaukt, selbst wenn diese Messen immer in derselben Form durchaus etwas „Langweiliges“ haben, selbst wenn die einst lateinischen Gebete etc. wortwörtlich aus dem Lateinischen in die jeweiligen Landessprachen übersetzt worden sind. Die immer geringere Teilnahme an diesen Messen im aufgeklärten Europa ist ja der beste Beleg für die fremde Welt, die befremdliche Sprache und die kaum nachvollziehbare Theologie dieser Messe&#8230;. selbst wenn die Priester heute dem &#8222;gläubigen Volk&#8220; nicht mehr den Rücken zukehren. Das ist nur noch bei den Piusbrüdern oberstes Gebot!</p>
<p>5.<br />
<em>Nebenbei:</em> Bekanntlich gilt ein Katholik dann als „praktizierend“, wenn er an der Eucharistiefeier, der Messe, an jedem Sonntag teilnimmt. Man könnte ja auch mit viel besseren Argumenten betonen, ein Katholik sei dann „praktizierend“, wenn er sich bemüht, gemäß den Weisungen Jesu in der Bergpredigt zu leben: Erst diese, auch politische kritische Praxis hätte etwas mit den Werten im Sinne Jesu von Nazareth zu tun.…</p>
<p>6.<br />
Zu den „reaktionär-katholischen“ Piusbrüdern: Es ging bei den Versuchen der „Versöhnung“ im Hintergrund immer auch um die Frage, ob und wenn ja wie die Messe in der Liturgie und Theologie des 16. Jahrhunderts heute noch von den vielen Gemeinden der Piusbrüder gefeiert werden darf. Hatte doch das 2. Vatikanische Konzil (1962-1965), das so genannte Reformkonzil, die Messe in den jeweiligen Landessprachen als oberste Norm mit überwältigender Mehrheit beschlossen. Aber die Reaktionär &#8211; Katholischen verstecken ihre wahre Ideologie/„Theologie“ nur hinter ihret leidenschaftlichen Zelebration der Messe in der Form des 16. Jahrhunderts. Und diese Messe des 16. bzs 19. Jahtrhunderts nennen sie die &#8222;ewige Messe&#8220; in völliger theologischer Blindheit.</p>
<p>Viel wichtiger ist: Die Piusbrüder und ihre Anhänger sind explizit und öffentlich ganz ungeniert gegen die Demokratie, sie sind auch gegen die Religionsfreiheit, gegen die Moderne im allgemeinen, gegen die philosophische Aufklärung. Sie sind leidenschaftlichste Verfechter im Pro-Life-Kampf, zum Schutz des ungeborenen Lebens vom ersten Moment der Zeugung an. Dass die reaktionär Katholischen gegen die „Ehe für alle“ sind, ist bekannt, dass sie gegen jede Form des Feminismus kämpfen, ist ebenso klar. Die enge Bindung der Piusbrüder an die politisch rechtsextremen Parteien ist etwa für Frankreich evident. Aber Bindungen an die Rechtsextremen gibt es auch bei Katholiken, die noch zum offiziellen französischen Katholizismus gehören wollen, wie der katholischen Medien-Mogul Vincent Bolloré, <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/17455_katholischer-milliardaer-im-dienst-der-rechtsextremen_gott-in-frankreich">LINK</a>,</p>
<p>Wir haben dokumentiert, dass 2024 über 40 Prozent der so genannten praktizierenden französischen Katholiken für die rechtsextremen Partei Front Nation (Rassemblement Nation) <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/18252_42-prozent-der-praktizierenden-katholiken-in-frankreich-waehlen-2024-rechtsextreme-parteien_befreiung">LINK</a> oder die Partei des reaktionären Eric Zemmour gestimmt haben<a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/21126_wenn-rechtsextreme-die-katholische-kirche-lieben_gott-in-frankreich"> LINK</a>.</p>
<p>7.<br />
Die demokratische Welt sollte also jetzt aufatmen: Diese theologisch wie politisch rechtsextreme katholische Gemeinschaft der Piusbrüder wird also auch 2026 <em>nicht</em> Teil der offiziellen Papstkirche.</p>
<p>Die Päpste und ihre  Beamten haben seit Jahren schon ohnehin viele einzelne oder Gruppen dieser reaktionär Katholischen wieder in ihre Papstkirche aufgenommen, die Liste ist sehr lang, nur ein paar Beispiele: Etwa die Benediktiner- Mönche von Le Barroux bei Avignon <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/10356_gott-finden-im-kloster-der-rechtsradikalen-in-le-barroux-die-zeitung-christ-und-welt-die-zeit-riskiert-eine-blamage_religionskritik">LINK</a>. Oder: Das „Institut du Bon Pasteur“ in Bordeaux <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/18268_sehr-rechtsextrem-frankreichs-katholiken-im-juni-2024_benediktxvi">LINK</a> , es umfasst etwas moderat gewordene Piusbrüder, sie erkennen den Papst an, können aber ihre reaktionäre Theologie etc. weiter vertreten. Von vielen weiteren reaktionären, offiziell sehr päpstlichen Orden und Gemeinschaften wie dem „Institut Christ König“ wäre zu reden, <a href="https://institut-christus-koenig.de/">LINK</a>,  oder von den reaktionären sehr finanzstarken Katholiken in den USA, nicht nur von Steve Bannon, wäre zu sprechen <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/8802_wann-wird-der-katholik-steve-bannon-washington-exkommuniziert_befreiung">LINK</a> , sondern vom reaktionär-katholischen Umfeld von Vizepräsident Vance und seiner Freunde im Klerus usw…<br />
Schließlich wäre die päpstliche Alternative zu den Piusbrüdern zu nennen: Es ist die papsttreue, aber selbstverständlich äußerst konservative „Petrusbruderschaft“ <a href="https://petrusbruderschaft.de/">LINK</a>…</p>
<p>Dies nur als kleinen Eindruck, wie durchsetzt die offizielle Papstkirche von sehr konservativen Positionen ist. Dabei haben wir von vielen tausend theologisch &#8211; fundamentalistischen Neokatechumenalen oder den Legionären Christi mit dem „Regnum Christi“ oder dem internationalen Geheimclub &#8222;Opus Dei“ noch gar nicht gesprochen…Wer diese äußerst zahlreichen und einflußreichen sehr konservativen offiziell katholischen Kreise vor Augen hat und dann auch die vielen tausend Missbrauchs-Verbrechen durch Priester wahrnimmt oder etwa auch noch an die heftigen Klagen der Ordensfrauen denkt, die von Priestern in Afrika sexuell missbraucht werden und so weiter… der kommt zu dem Schluß: Eigentlich ist diese Papst-Kirche insgesamt mit ihrem Zölibatsgesetz, ihrer offensichtlichen Frauenfeindlichkeit, ihrer Ablehnung der „Ehe für alle“, ihrer Ablehnung der Geltung von umfassenden demokratischen Strukturen der Kirche … nur noch ein machtvolles Gerüst, das immer mehr wackelt. Es ist die fromme Folklore im Vatikan, in Assisi, Lourdes, Fatima, Medjugorje und so weiter, die noch den Eindruck hinterlässt: Der Katholizismus lebt noch in Europa&#8230;</p>
<p>8.<br />
Noch mehr reaktionäre Katholiken innerhalb der Papstkirche wären jedenfalls für jeglichen kleine Hoffnung einer dringenden Kirchen &#8211; Reformation der Papstkirche  äußerst verderblich. Demokraten freuen sich also: Die Piusbrüder sollen doch ihre eigene Sache im eigenen Stil unabhängig weiter machen, sie bleiben eine Sekte, einflußreich zwar da und dort und mit vielen finanzstarken Gönnern ausgestattet.. Machen sie viel Blödsinn, kann man das theologisch öffentlich kritisieren; begehen ihre Mitglieder weiterhin Verbrechen im „pädophilen“ Bereich, wird sich der Staat hoffentlich kümmern und endlich für Aufklärung längst vergangener Taten sorgen&#8230;</p>
<p>9.<br />
Aber auch das noch: Längst haben sich weitere reaktionärere Gruppen von diesen Reaktionären Piusbrüdern abgespalten: Denn der bekannte Leugner der Shoa, der Piusbruder Bischof Richard Williamson, musste 2009 aus diesem Club rausgeschmissen werden. Aber Bischof Williamson (ebenfalls gültig geweiht, durch Erzbischof Lefèbvre 1988) zog sich nicht zurück, Williamson gründete seine eigene reaktionäre Kirche, die „Union sacerdotale Marcel-Lefèbvre“ mit etwa 60 Priestern. <a href="https://www.la-croix.com/religion/mort-de-richard-williamson-ancien-eveque-exclu-de-la-fraternite-saint-pie-x-20250130">LINK</a> . Bischof Williamson redete viel wirres Zeug, auch viel Antisemitisches. Auch das ist  für den Papst noch eine Art Untat: Auch Williamson weihte sechs seiner Priester zu Bischöfen, sogar einen Polen, und gab seinen rechtsextremen, sich auch antisemitischen Gemeinschaft damit weiteren Bestand.</p>
<p>10. Papst Leo erkennt durchaus die politische Gefahr durch die Rechtsextremen: Er ist  ist ein aufmerksamer Beobachter der politischen Rechtsradikalen nicht nur in den USA, sondern auch in Spanien. Die Zeitung „El Pais“ berichtet am 23.2.2026: Der Papst warnte die spanischen Bischöfe vor der immer stärker werdenden rechtsradikalen Partei VOX in Spanien: Diese Partei „instrumentalisiere“ die Kirche für ihre rechtsextremen Zwecke, und: die Partei sei gefährlich, weil sie feindlich gegen Ausländer und Flüchtlinge eingestellt sei.<br />
Tatsache ist: Gerade unter praktizierenden Katholiken ist der Anteil der Vox &#8211; Wähler und Vox-Anhänger sehr hoch, diese Katholiken stört die fremden-feindliche Politik der VOX nicht. Quelle: <a href="https://www.elmundo.es/espana/2025/08/11/689a36f6fdddffe01a8b458f.html">LINK</a>:</p>
<p><em>Der &#8222;Religionsphilosophische Salon Berlin&#8220; hat sich mehfach, schon seit vielen Jahren, mit rechtsextremen Katholiken vor allem in Frankreich auseinandergesetzt.</em> Etwa im Jahr 2018:<a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/10651_vor-30-jahren-am-30-6-1988-spaltete-erzbischof-marcel-lefbvre-die-katholische-kirche_benediktxvi">LINK</a></p>
<p>Sehr ausführliche und zuverlässige, wissenschaftliche Informationen zu diesem weiten Thema „Piusbrüder“ bietet die französische Ausgabe von wikipedia unter dem Titel:  Fraternité Saint Pie X und auch der Wikipedia Beitrag zum sexuellen Missbrauch durch Priester in diesem Club: Abus sexuels dans la fraternité Saint-Pie-X.</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/21630_rechtsextrem-und-katholisch-neues-von-den-traditionalisten_religionskritik">Rechtsextrem und katholisch: Neues von den Traditionalisten</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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		<title>Gerechtigkeit ist etwas Göttliches:  Wenn ein katholischer Theologe den Kirchenfeind Proudhon lobt.</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/21536_gerechtigkeit-ist-etwas-goettliches-wenn-ein-katholischer-theologe-den-kirchenfeind-proudhon-lobt_gott-in-frankreich</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Feb 2026 15:08:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alternativen für eine humane Zukunft]]></category>
		<category><![CDATA[Befreiung]]></category>
		<category><![CDATA[Denken und Glauben]]></category>
		<category><![CDATA[Forschungsprojekte]]></category>
		<category><![CDATA[Gott in Frankreich]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophische Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Theologische Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[das Christentum wird ersetzt durch die Religion der universalen Gerechtigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[de Lubac schätzt Proudhon]]></category>
		<category><![CDATA[de Lubac und Pétain]]></category>
		<category><![CDATA[de Lubac wird vom progressiven Theologen zum vatikanischen Theologen]]></category>
		<category><![CDATA[der katholsiche Theologe Henri de Lubac und sein Buch über Proudhon]]></category>
		<category><![CDATA[eine neue Religion der Gerechtigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Gerechtigkeit für alle ist etwas Göttliches]]></category>
		<category><![CDATA[Henri de Lubac]]></category>
		<category><![CDATA[Henri de Lubac ein progressiver Theologie wird konservativ]]></category>
		<category><![CDATA[Proudhon ist ein Theologe sagt de Lubac]]></category>
		<category><![CDATA[Proudhon lehrt die Gerechtigkeit als Göttliches]]></category>
		<category><![CDATA[theologische Auseinandersetzung mit Proudhon]]></category>
		<category><![CDATA[wer ist der Theologe Henri de Lubac]]></category>
		<category><![CDATA[Yves de Montcheuil]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://religionsphilosophischer-salon.de/?p=21536</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der katholische Theologe Henri de Lubac setzt sich in seinem Buch über Proudhon (veröffentlicht 1945) objektiv, aber doch voller Wohlwollen mit dessen Lehre von der universalen Gerechtigkeit auseinander. Für Proudhon ist die Gerechtigkeit etwas Göttliches, das höchsten Respekt und Achtung unter allen Menschen verdient. Proudhon meint sogar, das kirchliche Christetum, das er ablehnt, werde durch eine neue Religion der Gerechtigkeit ersetzt. De Lubac schreibt dieses Buch während des Pétain-Regimes, er mahnt die Christen, mehr auf die Gerechtigkeit als auf die Dogmen und Riten der Kirche zu achten. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/21536_gerechtigkeit-ist-etwas-goettliches-wenn-ein-katholischer-theologe-den-kirchenfeind-proudhon-lobt_gott-in-frankreich">Gerechtigkeit ist etwas Göttliches:  Wenn ein katholischer Theologe den Kirchenfeind Proudhon lobt.</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Hinweis auf ein Buch von Henri de Lubac über Proudhon<br />
Von Christian Modehn am 2.2.2026</p>
<p>„Revolution und Gerechtigkeit“: Für diese Ziele kämpft der radikale Philosoph Pierre-Joseph Proudhon (1809-1865) in seinem sehr umfangreichen Werk. Mit diesem rebellischen, heftig kirchenkritischen Denker beschäftigt sich objektiv, aber durchaus auch voller Sympathie der katholische Theologe Henri de Lubac in seinem Buch „Proudhon et le christianisme“.<br />
Warum ist es wichtig, daran zu erinnern? Der Theologe veröffentlicht sein Buch unmittelbar nach dem Zusammenbruch der rechtsradikalen, faschistoiden Pétain-Diktatur. Eine denkwürdige Konstellation. Der prominente katholische Theologe zeigt den (französischen) Christen nach dem Ende des Pétain &#8211; Regimes: Die meisten Katholiken haben das Regime unterstützt. Hätten sie die Gerechtigkeit für alle als etwas Göttliches angesehen, wäre der Zusammenbruch der Republik, die Verfolgung der Juden und der Linken nicht möglich geworden. Also: Hätten sie den verschmähten antiklerikalen Philosophen Proudhon gelesen, was er über die Gerechtigkeit schreibt…</p>
<p>1.<br />
Das Buch „Proudhon et le christianisme“ wird 1945 in den „Editions du Seuil“, Paris, veröffentlicht, ein Jahr nach der Überwindung der Herrschaft des Vichy-Regimes. De Gaulle ist am 26. 8.1944 in das befreite Paris einmarschiert.</p>
<p><em>Die Studie des katholischen Theologen de Lubac erscheint unmittelbar nach der Überwindung des antisemitischen, menschenfeindlichen, anti-demokratischen Pétain-Regimes. Aber die LeserInnen werden erstaunt sein, dass es nur einen einzigen winzigen Hinweis auf die Zeit dieses Nazi-ergebenen Regimes Pétain im Buch gibt: De Lubac widmet seine Studie einem Priester, einem Jesuiten, der in der Résistance aktiv war und von der Gestapo am 10.8.1944 ermordet wurde. Sein Name:  <strong>Yves de Montcheuil.</strong> Da veröffentlicht also der schon damals berühmte Theologe de Lubac ein Buch 1945 und verbindet das Thema nicht mit der politischen Aktualität. Das Buch &#8222;Proudhon et le christianisme&#8220; ist trotz dieser &#8222;politischen Abgehobenheit&#8220; wichtig. </em></p>
<p>2.<br />
Der Autor ist ein schon damals bekannter Theologe im Jesuitenorden: Henri de Lubac wurde geboren 20.2.1896, gestorben ist er am 4.9.1991. Im Jahr 1929 wurde er Professor für „Fundamentaltheologie“ an der Hochschule der Jesuiten in Lyon. 1938 hatte er das viel beachtete Buch „Catholicisme“ veröffentlicht. Darin plädiert er für ein großzügiges, weites Konzept des Katholischen in der heutigen Welt, „alles Menschliche in höchstmöglicher Liebe einschließend“, schreibt der Theologe Herbert Vorgrimler. (Quelle: FUßNOTE 1)<br />
3.<br />
Aber Liebe zu allen Menschen erfordert auch den Widerstand gegen Rechtsradikale, Antisemiten, Faschisten: De Lubac gehörte während des Vichy-Regimes des Marschall Pétain und seiner Nazi &#8211; Freunde zur Résistance in Lyon. Besonders zum „intellektuellen Widerstand“ derer, die den unmittelbar politisch Handelnden im Widerstand helfen, durch persönliche Unterstützung, auch durch theoretische Arbeiten: De Lubac war eng verbunden mit den eher kleinen Kreisen der katholischen Résistance, die sich in Lyon um die geheimen Widerstandszeitschrift „Cahiers du Témoignage Chrétien“ sammelten. Das Motto dieser &#8211; bis heute bestehenden &#8211; Zeitschrift: „Vérité et Justice quoi qu il en coute“, „Wahrheit und Gerechtigkeit, koste es, was es wolle“.<br />
4.<br />
De Lubac weiß aus eigener Erfahrung, dass nur ein kleiner Teil des Klerus und der „praktizierenden katholischen Laien“ das Vichy Regime aktiv bekämpfte. Die mehrheitlich „braven Christen“ (Mitläufer, Nazi-Freunde etc.) will er durch sein Buch daran erinnern: Der Philosoph Proudhon, zwar ein heftiger Feind der Kirche, stellt auf vorbildliche Weise das Thema der Gerechtigkeit für alle Menschen (zumal für die Menschen im Elend, in Armut) in den Mittelpunkt. Proudhon bewertet die Gerechtigkeit für alle Menschen so hoch ein, dass er ihr sehr deutlich in seinen zahlreichen Publikationen göttliche Qualitäten zuspricht. Die Christen haben also nach Meinung de Lubacs von einem antiklerikalen Gegner der Kirche zu lernen! Man möchte sagen: Trotz dieser Aussagen erhielt diese Proudhon-freundliche Studie des Jesuiten de Lubac die damals erforderliche „kirchliche Druckerlaubnis“.<br />
5.<br />
De Lubac arbeitete an seiner &#8211; übrigens leicht lesbaren &#8211; wissenschaftlichen Studie über Proudhon (316 Seiten mit zahllosen Belegen und wissenschaftlichen Verweisen) natürlich schon einige Jahre, also zu Zeiten der Herrschaft des Pétain Regimes. De Lubacs Erkenntnis ist eine Provokation für alle Katholiken, die Proudhon bisher als Feind Nr. 1, als Anarchisten, Kommunisten usw. bewerteten. Proudhon hingegen, in der Sicht de Lubacs, will die Religion keineswegs zerstören, sondern auf neue Weise retten, aber er will nicht die bestehende Kirche unterstützen: „Um die Religion wiederherzustellen, muss man die Kirche verurteilen.“ (S. 85).Und die Religion? Sie ist für Proudhon vor allem die Verehrung der göttlichen Gerechtigkeit! De Lubac schreibt ein eigenes Kapitel mit dem Titel: „Proudhon der Theologe.“ Das heißt: Er ist zwar antiklerikal, aber er verdient den Titel Theologe (S.112).<br />
6.<br />
Proudhon neu zu bewerten, ihn aus der üblichen oberflächlichen Interpretation eines „Anarchisten“ oder Atheisten und Kommunisten usw. zu befreien, ist für de Lubac eine theologische Verpflichtung. Denn durch die Hochschätzung der Gerechtigkeit für alle entsteht eine Art neue, große Ökumene: Sogenannte Antiklerikale haben eine tiefe, eine radikale Hochachtung für die Gerechtigkeit, das beweist die Résistance der Sozialisten, Kommunisten, Freidenker. Mit ihnen zusammen haben einige Christen in der Résistance gekämpft, warum sollte diese Gemeinschaft nicht weitergehen? Die „göttliche Gerechtigkeit“ verbindet doch unterschiedliche Menschen! Aber diese Gedanken wurden auch von einer auf sich selbst fixierten Kirche nach 1945 nicht weiter gedacht, schließlich waren ja nun die Kommunisten Feind Nr.1 der Kirche….<br />
7.<br />
Gerechtigkeit steht als Prinzip der Gestaltung von Welt und Gesellschaft an oberster, „göttlicher“ Stelle, betont also Proudhon. Und er zieht daraus die Konsequenz: Ein Christ, der sich nicht für die umfassende soziale Gerechtigkeit interessiert und einsetzt, handelt nicht entsprechend der Logik seines Glaubens (S. 221). De Lubac ist überzeugt: Diese Hochschätzung der Gerechtigkeit „kann man nicht anders als religiös qualifizieren“ (S.297). De Lubac meint sogar: Proudhon erlebe der Gerechtigkeit gegenüber sogar einen „Schauder des Heiligen“ (ebd.) Proudhon ist überzeugt: „Das Gerechte, das Schöne, das Wahre ist die Religion der Zukunft“ (ebd.). Letztlich will er das kirchliche Christentum in der modernen Welt durch die Idee der heiligen Gerechtigkeit ersetzen. De Lubac widmet darum ein eignes Kapitel der Bindung Proudhons an die Gerechtigkeit: „Adoration de la Justice“, „Anbetung der Gerechtigkeit“ ist der Titel (S. 294ff).<br />
8.<br />
De Lubac hat als Theologe durchaus Anfragen an dieses Konzept der göttlichen Gerechtigkeit. Etwa: Sollte nicht doch ein transzendenter Gott mit &#8211; bedacht werden, weil er diese Idee der Gerechtigkeit, die in allen Menschen letztlich lebt, „geschaffen“ hat? Denn Proudhon denkt selbst an den Schöpfer: „Gerechtigkeit als das Wesen der Menschheit ist förmlich etwas Angeborenes in der Seele der Menschen“ (S. 302). Angesichts dieser Erkenntnis muss Proudhon betonen: „Diese starke Idee der `angeborenen Gerechtigkeit im Menschen` bleibt ein Geheimnis“ (S. 313).<br />
9.<br />
Bis heute fällt auf: Katholische Autoren erwähnen NICHT in ihren Studien zu dem inzwischen offiziellen vatikanischen Theologen de Lubac dessen Buch „Proudhon et le Christianisme“: Nur ein Beispiel: <a href="https://kath-akademie-bayern.de/mediathek-eintrag/henri-de-lubac-und-die-theologie-der-gegenwart-2/">LINK</a>.<br />
Hingegen war nicht-katholische Presse unmittelbar nach Erscheinen voller Lob: LINK.  www.persee.fr/issue/r1848_1155-8792_1946_num_37_172<br />
10.<br />
Die weitere theologische Entwicklung de Lubacs kann hier nicht dargestellt werden: Er hatte sich seit 1950 zu einem progressiven theologischen Störenfried entwickelt mit entsprechenden Bestrafungen durch den Vatikan (Lehrverbot etc..). Allerdings wurde er durch Papst Johannes XXIII. als theologischer Berater in das 2. Vatikanische (Reform-) Konzil berufen. Seit der Zeit allerdings verbreitete de Lubac eher offizielle, papstfreundliche akzeptable Positionen, wobei seine Interessen etwa für den Buddhismus etwas Besonderes bleiben. Papst Benedikt XVI. auch Papst Franziskus schätzten de Lubac, im hohen Alter wurde er noch zum Kardinal durch Papst Johannes Paul II. ernannt. Heute sind es eher konservative Theologen und Bischöfe, die den nun offiziell katholischen Theologen de Lubac verehren, von Auseinandersetzungen mit Proudhon und dessen Maxime „Eigentum ist Diebstahl“ ist von diesen konservativen Theologen nichts zu hören. Darum merke: Selbst anfänglich progressive Theologen (wie de Lubac anfänglich) werden zu Vertretern des offiziellen Lehr &#8211; Systems, wenn sie von Papst und Bischöfen integriert und belohnt werden…<br />
Nun soll der Mann, der 1945 den Kirchenkritiker und Agnostiker Proudhon so sympathisch fand, auch noch „selig gesprochen“ werden, also als Fürsprecher im Himmel von Katholiken hier auf Erden angefleht werden, so beschloß es die Konferenz der französischen Bischöfe 2023. Ob dadurch auch Proudhon etwas in den Stand des Seligen gerät? Eher unwahrscheinlich!<br />
11.<br />
Posthum erschien eine Studie Proudhons über Jesus: „Jésus et les Origines du christianisme”, „Jesus und die Ursprünge des Christentums“. Darin interessiert sich der theologische Agnostiker und Kirchenfeind vor allem für die menschliche Person Jesu im historischen Umfeld. Schon seit seiner Jugend hat sich Proudhon für die Jesusgestalt interessiert. Ausführliche Darstellungen über Jesus bietet auch das Buch „De la justice dans la Révolution et dans l&#8217;Église” („Über die Gerechtigkeit in der Revolution und in der Kirche“). Die Arbeiten über Jesus zeigen Proudhon als Bibelwissenschaftler, Soziologen und Philosophen. Der Theologe Gérard Bessière hat zu dem Thema ein wichtiges Buch veröffentlicht, das leider auch &#8211; in Deutschland &#8211; wenig Beachtung fand. (Fußnote 2)<br />
12.<br />
Unsere, von de Lubac inspirierte Erinnerung an Proudhon, an dessen Hochschätzung der Gerechtigkeit, ist natürlich keine „Seligsprechung“ Proudhons.<br />
Wir wissen, dass er ein damals übliches, sehr enges Bild von Familie hatte, dass er die Homosexualität ablehnte und auch antisemitische Äußerungen in die Welt setzte.<br />
Trotz dieser Begrenztheiten: Über die göttliche Gerechtigkeit lässt sich weiter nachdenken. Der Philosoph Omri Boehm zeigt in einer Interpretation des alttestamentlichen Mythos vom Untergang Sodoms: Gott ist selbst an die Gerechtigkeit gebunden, Gott steht nicht über der Gerechtigkeit: Darauf wird im Mythos Gott selbst von Abraham belehrt (etwa: Genesis 18).<br />
In einer Besprechung des Buches „Radikaler Universalismus“ von Omri Boehm hat Christian Modehn geschrieben: „Da die Gerechtigkeit universell ist, steht sie auch über der Autorität der einen wahren Gottheit“ (zit. S. 53 in Boehms Buch). Diese über allem und allen stehende Gerechtigkeit ist entscheidender noch als Gott! Das in dieser Deutlichkeit zu sagen, ist sensationell, weil dann Gott nicht mehr der „Aller-Oberste“ ist. Es gibt eine Art „Gott über Gott“, und dies ist die universale Gerechtigkeit. Aber die zeigt sich in der Erfahrung der Menschen als eine nicht von Menschen gemachte und von Menschen verfügbare Wirklichkeit.“ Quelle: <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/keys/ueber-gott-steht-die-gerechtigkeit">LINK</a><br />
13.<br />
Proudhon und sein Interpret de Lubac (1945) hätten sich über diese Erkenntnis des (an Kants Philosophie geschulten) Philosophen Omri Boehm sehr gefreut. Wir freuen uns, dass offenbar manche Erkenntnisse der Philosophie Proudhons doch nicht ganz verschwinden und aktuell eine Bestätigung finden.</p>
<p>Fußnote 1: Orientierung, Zeitschrift der Jesuiten, Zürich, 1970, S. 107<br />
Fußnote 2: Gérard Bessière, Jésus selon Proudhon. La « messianose » et la naissance du christianisme, Paris, Éditions du Cerf, 2007, 484 p.</p>
<p>Fußnote 3: Zum Thema &#8222;Eigentum ist Diebstahl&#8220; (Proudhon) <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/13911_eigentum-ist-diebstahl-proudhon-1809-1865_religionskritik">LINK</a></p>
<p>Fußnote 4: zum Thema: Superyachten &#8211; die obszönen Kapitalisten und Milliardäre, Hinweis auf ein wichtiges Buch:  <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/15446_superyachten-das-obszoene-des-kapitalismus_religionskritik"><em>LINK</em></a></p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/21536_gerechtigkeit-ist-etwas-goettliches-wenn-ein-katholischer-theologe-den-kirchenfeind-proudhon-lobt_gott-in-frankreich">Gerechtigkeit ist etwas Göttliches:  Wenn ein katholischer Theologe den Kirchenfeind Proudhon lobt.</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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		<title>Wenn Rechtsextreme die katholische Kirche lieben…</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/21126_wenn-rechtsextreme-die-katholische-kirche-lieben_gott-in-frankreich</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 09 Nov 2025 13:31:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
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		<category><![CDATA[Muslime aus Frankreich entfernen wollen Rechtsradikale]]></category>
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		<category><![CDATA[Rechtsradikale lieben die Kirche als Institution]]></category>
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		<category><![CDATA[Reconquista]]></category>
		<category><![CDATA[Verlag Fayard Paris]]></category>
		<category><![CDATA[Who is eric Zemmour]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der rechtsextreme Politiker Eric Zemmour, Frankreich, Gründer der Partei Reconquete, plädiert in seinem neuen Buch "La messe n est pas dite" für die Rückführung der Muslime aus Frankreich in ihre nordafrikanische Heimat. Für dieses rassistische Programm beruft er sich auf seine Konstruktion einer jüdisch-christlichen Zusammenarbeit. Zemmour will die Kirche als Institution gewinnen für sein Programm, das die katholische Identität Frankreichs absolut herausstellt. im Europa-Paralemtn bildet Zemmour zusammen mit der deutschen AFD eine gemeinsame Fraktion. AFD und Zemmour stehen sich also ideologisch sehr nahe. Marine le Pen hat sich sogar von Zemmour und der AFD diustanziert...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/21126_wenn-rechtsextreme-die-katholische-kirche-lieben_gott-in-frankreich">Wenn Rechtsextreme die katholische Kirche lieben…</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der rechtsradikale französische Politiker Eric Zemmour will aus Frankreich Muslime rausschmeißen. Ein kritischer Hinweis auf das neue Buch Zemmours.<br />
Von Christian Modehn. Am 9.November 2025</p>
<p><em>Dies ist ein Hinweis auf das heftige Bemühen eines Rechtsradikalen und Identitären, katholische Gläubige zu gewinnen: „Wir brauchen die Kirche als für uns hilfreiche Institution“, ist das Motto Zemmours.</em></p>
<p>Und: CSU-Politiker (Seehofer, Dobrindt) und AFD Politiker müssen wissen, wenn sie, wie so oft, verkünden: &#8222;Der Islam gehört nicht zu Deutschland&#8220;: Dann befinden sie sich in bester Gesellschaft mit dem Rechtsextremem Eric Zemmour, er verkündet: &#8222;Der Islam ist mit der französischen Republik nicht kompatibel.&#8220; (zit. S.100 im neuen Buch Zemmours &#8222;La messe n est pas dite&#8220;, Paris 2025).</p>
<p>1.<br />
Sollte man wirklich die neue Publikation eines notorischen, mehrfach gerichtlich verurteilten französischen Rechtsextremen lesen und kritisch bewerten? Das hat nur Sinn, um die Lügen seiner Ideologie freizulegen, seine Unterstützer zu nennen und seine internationalen Connection.</p>
<p>2.<br />
Eric Zemmours Partei „Reconquete“ gehört seit 2024 im Europa-Parlament zur rechtsextremen Fraktion „Europa der Souveränen Nationen“(ESN). Mitglied sind auch die „Alternative für Deutschland&#8220; (AFD) und weitere rechtsradikale Parteien aus Polen, Ungarn, der Slowakei usw.. Auf der &#8222;Buchmesse&#8220; der rechten und rechtsextremen Verlage in Halle am 9. Novembetr 2025 war auch ESN aus Brüssel vertreten, <a href="https://www.tagesspiegel.de/kultur/nietzsche-nius-und-neonazis-eine-buchmesse-in-halle-wird-zum-schaulaufen-der-rechten-14792573.html">LINK</a> &#8230; Bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich 2022 erhielt Zemmours Partei 7,07% der Stimmen, danach gab es Streit unter den Parteimitgliedern und Parteiauschlüsse. Momentan schwächelt also „Reconquete“: Das neue Buch Zemmours soll Wähler gewinnen, und zwar katholische Wähler, hatten doch 2022 schon 10 Prozent der katholischen Wähler für Reconquete gestimmt. <a href="https://www.la-croix.com/France/Presidentielle-2022-vote-catholiques-droite-radicalise-2022-04-11-1201209794">LINK</a></p>
<p>3.<br />
Der Autor hat seinem neuen, kleinen Essay den katholisch gefärbten Titel gegeben: „La Messe n`est pas dite“ (Der Titel will etwa sagen: “Die Sache ist noch nicht erledigt“). Welche Sache? Diese ist für den Autor Eric Zemmour seit vielen Jahren schon absolut klar: Die Ausgrenzung, die Verachtung und der Rauswurf von Muslimen aus Frankreich (und aus Europa): „Das“ also ist noch nicht erledigt, sollte aber alsbald erledigt werden, meint Zemmour, wenn die Rechtsextremen die Herrschaft übernehmen, was ja in absehbarer Zeit leider durchaus wahrscheinlich ist. Zemmour bläht seine Attacken, seine Polemik, im Mittelteil seines „Opus“ auf … zu einer sehr einseitigen, irgendwie religionswissenschaftlich, „kulturell“ angehauchten Reflexion. Seine heftigen politischen Forderungen fasst er in den abschließenden Kapiteln zusammen. Und betont dort erneut seine Verbundenheit mit dem reaktionären Flügel des USA-Katholizismus. Vor allem nennt er J.D.Vance einen &#8222;brillanten Geist&#8220; (S. 116). Und Zemmour lobt ausdrücklich Papst Leo XIV. für seine &#8222;friedlichen und versöhnenden Intentionen&#8220; (S. 115), im Unterschied zum verhaßten Papst Franziskus, &#8222;der versuchte, die auf Identität zielende Rückkehr junger Europäer zu ihren kulurellen Wurzeln einzudämmen.&#8220;  (S. 115).</p>
<p>4.<br />
Dabei steht für Zemmour (wie heute bei allen Rechtsextremen, Identitären usw.) diese etwas kulturell-philosophisch kaschierte Anti-Islam Polemik entschieden im Dienst der aktuellen politischen Abwehr und Vertreibung von Flüchtlingen aus Frankreich und Europa. Zemmour begründet seinen Hass gegen „den“ Islam auch mit Zitaten von Autoren der alten, traditionsreichen rechtsextremen Szene wie Maurice Barrès, Joseph de Maistre…</p>
<p>5.<br />
Eric Zemmour hat im Jahr 2021 die Partei „Reconquete“ („Rückeroberung“) gegründet, die der rechtsextremen Partei von Marine Le Pen („Rassemblement National“, zuvor „Front National“) Konkurrenz macht. Aber Zemmours Partei gibt sich ungeniert noch rechtsextremer als die Le Pen &#8211; Partei. Der Name der Partei „Reconquete“ sagt alles: Es geht um die Rückeroberung, also die Befreiung Frankreichs von den Zerstörern der alten französischen, und zwar der katholischen Identität: Und diese Feinde sind für Zemmour die Muslime. „Reconquista“ ist der bekannte spanische Begriff für die „erfolgreiche“ Vernichtung und Verdrängung der Muslime aus dem katholischen Spanien Ende des 15. Jahrhunderts. Dass im 11. und 12. Jahrhundert die Muslime in Andalusien die entscheidenden Vermittler von Kultur für die Christen waren, verschweigt Zemmour selbstverständlich. Aufgeklärte und gebildete Christen, ihre Theologen, sind den Muslimen dankbar für ihre kulturelle Leistung.</p>
<p>6.<br />
Über Eric Zemmours Leben, geboren 1958 in der Banlieue von Paris, mit seiner Herkunft aus jüdischen Kreisen Algeriens, über seine Studien, seine journalistische Arbeit, seine vielen Bücher, seine politische Hetze usw. kann man sich sehr ausführlich und sehr treffend über die französische wikipedia Seite informieren: <a href="https://fr.wikipedia.org/wiki/%C3%89ric_Zemmour">LINK</a>.<br />
Über die Prozesse gegen ihn siehe dort die Rubrik „Condamnations, relaxes et poursuites judiciaires“ („Verurteilungen, Freisprüche und Gerichtsverfahren“), gelesen am 7.11.2025.</p>
<p>7.<br />
Wichtig ist zunächst: Diese Kampfschrift Zemmours mit dem theologisch wirkenden Untertitel „Für eine jüdisch-christliche Wiederbelebung“ erscheint im Verlag „Fayard“ in Paris, der früher als großer literarischer Verlag einen guten Ruf hatte: Seit einigen Jahren gehört er dem katholischen Multimillionär Vincent Bolloré, er ist mit der rechtsextremen Partei „Rassemblement National“ von Madame Le Pen sehr hilfreich verbunden. Wegen seiner rechtsextremen Bindung hat Bolloré auch Zemmours Essay veröffentlicht und zum Preis von 10 Euro förmlich unters Volk geworfen. Gleichzeitig erscheinen bei Fayard auch Publikationen weiterer rechtsextremer Politiker und Ideologen: Von Philippe de Villiers, altbekannter rechter Politiker, jetzt Mitglied der Partei von Zemmour und von Jordan Bardella, er ist jetzt Vorsitzender der rechtsextremen Partei „Rassemblement National“ (die Le Pen Partei). Da sammelt sich also in Frankreich ein finanziell bestens ausgestatteter rechtsextremer Katholizismus, und dies leider mit Erfolg: Bei der Parlamentswahl 2024 stimmten 36% der Katholiken für die rechtsextreme Parteien, also für Reconquete und für die Partei Le Pens, 2012 waren es nur 20%. …<a href="https://www.rcf.fr/articles/actualite/pour-qui-votent-les-catholiques-de-france">LINK </a></p>
<p>Über den rechtsextremen katholischen Milliardär Bolloré: Siehe den schon länger vorliegenden Hinweis des Re&shy;li&shy;gi&shy;ons&shy;phi&shy;lo&shy;so&shy;phi&shy;sch&shy;en Salons: <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/17455_katholischer-milliardaer-im-dienst-der-rechtsextremen_gott-in-frankreich">LINK</a>.<br />
Genauso wichtig ist der Slogan der Rechtsextremen: Es geht um ein Plädoyer für die „jüdisch-christliche Kultur“, die auch der Untertitel des Zemmour Buches betont: Plötzlich werden nun von Rechtsextremen, die einst Juden hassten (wie der Vater von Marine Le Pen) und Juden verfolgten (wie die faschistischen Führer im Vichy-Regime) zu Bündnispartner im Kampf gegen die schlimmen Feinde, und dies sind „die“ Muslime. Rechtsextreme schmücken sich also als Rassisten jetzt mit einer gewissen philo-semitischen Ideologie.</p>
<p>8.<br />
Wie gesagt: Der rechtsextreme, explizit traditionalistisch-katholische Milliardär Bolloré und Verlagschef von Fayard ist von Zemmours angetan, weil der Autor für eine starke katholische Kirche in Frankreich und Europa plädiert. Sie soll eine religiöse Bastion gegen den Islam werden. Zemmour bekennt: Kein Katholik, kein Christ zu sein, sondern sich als Jude zu einem &#8211; bei ihm diffus wirkenden &#8211; „Judäo-Christentum“ zu bekennen (S. 19). Aber er schätzt aus politischen, machtpolitischen Gründen eine mächtige, einflußreiche konservativ-traditionalistische Kirche: Ein Vordenker für diese politisch bedingte Bevorzugung der Kirche als einer hilfreichen Institution/Organisation ist Maurice Barrès.<br />
Barrés Motto wird von Zemmour auf Seite 15/16 zitiert: „Ich unterstütze und verteidige den bedrohten Katholizismus, weil ich Patriot bin, im Namen des nationalen Interesses. Den Katholizismus aus unserer französischen Erde herausreißen, das hieße, unser ganzes nationales Gebäude erschüttern, unser ganze Zivilisation. Zwischen dem Katholizismus und unserer Zivilisation kann man nicht mehr unterscheiden.“ In einer Art geschichtsphilosophischen Ideologie schreibt Zemmour: „Ein heiliges Land ist diesem Volk Gottes versprochen: Frankreich“ (S. 34).<br />
Mit dieser Bevorzugung des Katholizismus wird der klassische Protestantismus (Lutheraner, Reformierte…) von Zemmour zurückgewiesen, dieser Protestantismus sei von der Aufklärungs-Philosophie verdorben und genauso so gefährlich wie die Freimaurer. Aber Zemmour schätzt, wie gesagt, den traditionalistischen Katholizismus, mit der alten Messe in Latein, dem Klerikalismus, nicht aber den Katholizismus des Zweiten Vatikanischen Reformkonzils (S. 44 f.). Denn der moderne Katholizismus pflegt den Dialog der Religionen, auch den Dialog mit dem Islam…</p>
<p>9.<br />
Gegen den Islam schreibt Zemmour (S. 50): „Der Islam ist eine Unterwerfung unter eine bevormundende und überholte Regel, die aus dem 7. Jahrhundert, aus der Wüste Arabiens, stammt, sie verschließt förmlich jeden Augenblick im Leben des Individuum: Denn Individualität und Freiheit werden negiert in einer totalitären Logik.“ Zemmour behauptet, die katholische Kirche hätte die Individualität gefördert, die Individuen gepflegt….von Hexenverbrennungen und Unterdrückung von Frauen, von Minderheiten usw. ist keine Rede bei ihm. Zemmour bastelt sich seine Kirchengeschichte zusammen…</p>
<p>10.<br />
Zur „Identität“ Europas, dem Hauptthema des Identitären Zemmour: „Juden und Christen haben begriffen, dass einzig diese ihre gemeinsame Verbindung Frankreich und Europa retten kann von einer unausweichlichen und verheerenden Islamisation“ (S.90). Verlogen ergänzt Zemmour an dieser Stelle einmal, dass er gegen die Islamisation Frankreichs und Europas kämpft, nicht aber gegen „alle Muslims“. Damit will er sagen: Es gebe doch einige gute Muslims, etwa die Flüchtlinge aus dem Iran oder jene afrikanischen Muslime, die den französischen Lebensstil mit seiner Trennung von Kirchen und Staat schätzen. „Diese Muslims wissen, dass allein ein französisches Frankreich, das heißt ein Frankreich, das gleichzeitig christlich und vom Geist der Trennung von Kirchen und Staat geprägt ist, sie schützen kann…etwa vor familiärer Gewalt… (S. 91). Im Grunde will Zemmour suggerieren: Diese wenigen guten Muslims sollten am besten zum Katholizismus konvertieren…<br />
Auf Seite 100 zeigt Zemmour sein wahres Gesicht. Er will islamische Menschen aus Europa „zurückführen! Er behauptet: „Der Islam ist tatsächlich inkompatibel mit der französischen Republik, wie er auch inkompatibel ist mit den Werten aller demokratischen Staaten des christlichen Europa… Einzig die Muslime, die dieses unser eherne Gesetz akzeptieren, werden bei uns bleiben können: Die anderen werden nach nach Hause zurückkehren müssen, um dort nach ihrem islamischen Gesetz in aller Strenge und Vollkommenheit zu leben. Denn es gibt ja mehr als 50 islamische Länder auf der Welt“ (S. 100/101).</p>
<p>11.<br />
Die katholische Kirche als Institution soll für diesen rassistischen Kampf gegen die Muslime in Europa und für deren Rückführung „in die Heimat“ eine Bündnisparterin werden… „indem man etwa den Bau von großen Moscheen in Frankreich verbietet“. Zemmour will verhindern, dass große Moscheen das Stadtbild in Frankreich stören, bisher sind viele Moscheen in kleinen und häßlichen Garagen auf Hinterhöfen untergebracht. Also bitte keine „mosquées cathédrales“, fordert Zemmour… Und die offizielle katholische Kirche Frankreichs sieht er jetzt auf gutem Wege, indem sie sich gegen LGBT Menschen wehrt und gegen Feminismus und die Ideologie des Genre verurteilt. Und dann wünscht sich Zemmour: Es sollen bitte die Französinnen wieder mehr Kinder gebären, bei der großen Anzahl von Kindern in islamischen Familien Frankreichs ein dringendes Gebot zur Rettung der „Identität“ Frankreichs.<br />
Das ganze Repertoire der rechtsextremen Ideologie bietet Zemmour auf, um die „Identität Frankreichs“ „zu retten“. Denn „die Islamisierung bedroht die Seele der Europäer“ (S. 105). Und als Krönung seiner Ideologie bezieht sich der Jude Zemmour auf die Erfinderin dieser Ideologie, die Jüdin Bat Ye Or.. und fordert wie sie das „Grand remplacement“: <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/10184_wenn-europa-islamisch-wird-die-aengste-der-juedischen-forscherin-bat-yeor_buchhinweise/philosophische-buecher">LINK</a>    Das „große Ersetzen“ eines Teils der Bevölkerung: Also die Muslime werden „ersetzt“, das heißt rausgeschmissen! Aber wer ersetzt die die Muslime, wenn vielleicht nur noch hochbegabte, wertvolle und unpolitische, „kompatible“ Inder ins Land gelassen werden? Wer wird alsbald den alten Zemmour pflegen, vielleicht eine nette reiche rechte französische Dame aus seiner Partei?</p>
<p>12.<br />
Das Pamphlet von Zemmour braut eine Ideologie zusammen, die unsere Demokratie zerstören wird. Die Rechtsextremen erobern mit ihren Hass- Sprüchen auch die Mentalität vieler naiver (katholischer) Bürger, die meinen: Ihre berechtigte aktuelle Kritik am Zustand unserer Demokratie dadurch zu bewältigen, wenn sie rechtsextreme, identitäre Parteien (wie Zemmour, Le Pen, AFD, Wilders, VOX etc.) unterstützen und wählen. Diese naiven Leute werden sich dann bei der Herrschaft dieser rechtsextremen Politiker wundern, wenn sie Kritik an der neuen rechtsextremen Regierung nicht mehr öffentlich äußern dürfen, weil dMeinungsfreiheit und Redefreiheit längst abgeschafft wurden. Dann beginnt bei einigen vielleicht das Aufwachen der Vernunft. Aber dann ist es zu spät.</p>
<p>Weitere kritische Hinweis zu Rechtsextreme Katholiken in Frankreich: <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/18268_sehr-rechtsextrem-frankreichs-katholiken-im-juni-2024_benediktxvi">LINK</a></p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/21126_wenn-rechtsextreme-die-katholische-kirche-lieben_gott-in-frankreich">Wenn Rechtsextreme die katholische Kirche lieben…</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wenn rechtsextreme katholische Milliardäre kirchliches Leben bestimmen &#8230;</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/20551_wenn-rechtsextreme-katholische-milliardaere-katholisches-leben-bestimmen-wollen_religionskritik</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 12 Aug 2025 19:06:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Denkbar]]></category>
		<category><![CDATA[Forschungsprojekte]]></category>
		<category><![CDATA[Gott in Frankreich]]></category>
		<category><![CDATA[Religionskritik]]></category>
		<category><![CDATA[katholische Kirche in Frankreich wird immer konservativer]]></category>
		<category><![CDATA[Milliardär Bolloré]]></category>
		<category><![CDATA[Milliardär Stérin]]></category>
		<category><![CDATA[Pierre Louis Choquets Studie über katholische Milliardäre]]></category>
		<category><![CDATA[rechtsextreme katholische Milliardäre beeinflussen die katholische Kirche in Frankreich]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitschrift ESPRIT Frankreich]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://religionsphilosophischer-salon.de/?p=20551</guid>

					<description><![CDATA[<p>Rechtsextreme katholische Milliardäre, wie Bolloré und Stérin, nehmen mit ihrem Geld viel Einfluss auf das Leben der katholischen Kirche in Frankreich. Die katholische Kirche Frankreichs ist eher arm, und um so bereiter, Geld von sich katholisch nennenden Milliardären nicht abzuweisen. Diese Leute sind zugleich heftige Verteidiger der rechtsextremen Partei "Rassemblement National". Bei den letzten Wahlen 2024 haben sich die katholischen Bischöfe sehr zurückhaltend geäußert zu den überwältigenden Erfolgen dieser rechtsextremen Partei, die von katholischen Milliardären gefördert wird. Stellen die Bischöfe sich schon auf die künftig Regierenden ein? </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/20551_wenn-rechtsextreme-katholische-milliardaere-katholisches-leben-bestimmen-wollen_religionskritik">Wenn rechtsextreme katholische Milliardäre kirchliches Leben bestimmen &#8230;</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Hinweis zur aktuellen politisch &#8211; religiösen Entwicklung in Frankreich<br />
Von Christian Modehn am 13.8.2025</p>
<p>1.<br />
Zwei reaktionäre, rechtsradikale und libertäre Milliardäre versuchen mit ihrem sehr reichlichen Geld, mit ihren entsprechenden Netzwerken und Auftritten in den &#8222;Social-Media&#8220; das Leben der katholischen Kirche in Frankreich zu prägen und für die Zukunft zu bestimmen. Die ersten erfolgreichen Schritte dieser Herren werden wissenschaftlich dokumentiert. Wichtig ist<em>: Diese Milliardäre unterstützen die immer stärker werdende rechtsextreme Partei „Rassemblement National“ (Le Pen).</em> Und ihre geförderten kirchlichen Projekte sind mindestens „rechtsextrem affin“. Ein Ende dieser gefährlichen Entwicklung ist kaum absehbar: <strong>„Der Katholizismus in Frankreich ist dabei, sich neu zu ordnen rund um die großen Mäzene.“, schreibt die immer um Objektivität bemühte katholische Tageszeitung „La Croix“., Paris am 11. Juni 2025.</strong></p>
<p>2.<br />
Selbst die immer unbedeutender und kleiner werdende katholische Kirche in Frankreich braucht Geld. Sie überlebt seit 1905 („Trennung von Kirchen und Staat) ohnehin nur von Spenden der „Kirch-Gänger“ und paradoxerweise auch von der finanziellen Unterstützung des Staates: Die manchmal in Deutschland noch „laizistisch genannte“ Republik zahlt einen Großteil des Erhaltes derjenigen Kirchengebäude, die vor 1905 gebaut wurden. Und die „République laique“ (das bedeutet nicht: laizistisch!) unterstützt seit Jahrzehnten mit Milliarden die in katholischer Sicht immer noch so wichtigen katholischen Privatschulen. Offenbar erwarten der Staat und seine Politiker, dass dort die Kinder aus „gutem Hause“ eine entsprechende und durchaus privilegierte Ausbildung erhalten. Den Unterricht in der sehr turbulenten Banlieue mit den vielen Armen und Ausländern überlassen Kirche wie Staat gern den „öffentlichen Schulen“. (Fußnote 1)… aber dies ist ein anderes Thema.</p>
<p>3.<br />
Wir legen hier Fakten vor, die in der demokratischen Presse Frankreichs seit einigen Monaten dokumentiert werden, vor allem beziehen wir uns auf einen wichtigen Aufsatz des Soziologen Pierre Louis Choquet in der Kulturzeitschrift Zeitschrift ESPRIT (Paris), man fragt sich, warum solche wichtigen erhellenden Aufsätze nicht auf Deutsch erscheinen.  (Fußnote 2).</p>
<p>4.<br />
<em>Es geht hier um zwei reaktionär- katholische Milliardären mit starker Bindung an rechtsextreme Parteien und rechtsextremes Denken.</em><br />
<em>Über den in Frankreich so genannten „Medien &#8211; Zaren“ Vincent Bolloré haben wir auf dieser website schon ausführlicher berichtet.</em> <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/17455_katholischer-milliardaer-im-dienst-der-rechtsextremen_gott-in-frankreich">LINK</a>.<br />
Zur Erinnerung: Durch sein breites vielfältiges Medien &#8211; Imperium von Paris -Match, über den Radiosender Europe 1, die Sonntagszeitung Journal du Dimanche bis zu seinem Fernsehsender CNews verbreitet er auch seine eigene, sehr konservative Theologie. Wenig informierte Leser und Zuschauer werden verführt zu denken: Was Herr Bolloré da an Katholizismus präsentiert, sei DER katholische Glaube.</p>
<p>5.<br />
In der französischen, noch demokratischen Presse wird seit einigen Monaten vermehrt auch auf den katholischen <em>Unternehmer <strong>Pierre-Eduard Stérin</strong> hingewiesen. Er ist Milliardär, „Libertarien“, wie man in Frankreich „Libertäre“</em> nennt (der argentinische Staatspräsident Milei ist libertär, auch sehr viele Herrschaften aus der Trump &#8211; Clique in den USA sind es). Dabei hat Stérin auch enge Verbindung zur rechtsextremen Partei „Rassemblement National“. Der Soziologe Pierre Louis Choquet schreibt in dem schon genannten Beitrag von „Esprit“: „Sterin will die extreme Rechte unterstützen in ihrem Kampf um die Macht etwa durch sein ideologisch &#8211; umfassendes Projekt `Péricles`. (Zu Péricles Fußnote3). Der Unternehmer verbirgt nicht seine Feinschaft gegenüber den Flüchtlingen, und er zögert nicht zu erklären: Flüchtlinge aufzunehmen nützt nichts“ (Übersetzung CM).<br />
Was etlichen noch wachen und kritischen Katholiken Sorgen macht, ist die &#8211; natürlich bischöflich &#8211; gar nicht kontrollierbare &#8211; Auswahl der Wohltätigkeit Stérins für konservative katholische Institutionen: Wer spendet, kann spenden, wem und für was er will, das gilt noch überall. Es sind bei Stérin etwa Häuser für schwangere Frauen in Not (Titel „La Maison de Louise“), für den Erhalt von Heiligenfiguren in der Öffentlichkeit („Calvaires“) oder kleiner Dorfkirchen auf dem Lande.<br />
Zu der großen Menge seines Geldes ist Stérin durch die Restaurant &#8211; Reservierungs &#8211; Website „La Fourchette“ gekommen oder durch seine „SmartBox“, eine Art Geschenk-Tasche. Er steht jetzt an der Spitze eines Investmentfonds, der ein Vermögen von einer Milliarde 300 Millionen verwaltet. Sein Vermögen hat er einem „Stiftung &#8211; Fonds des Gemeinwohls“ übertragen. 80 bis 120 Millionen Euro aus seinem Gewinn s<em>pendet er pro Jahr für Projekte &#8211; seiner politisch-katholischen Wahl</em> &#8211; immer für „das Gemeinwohl“, wie er sagt. Stérin wird in diesem Herbst auch aus eigener Initiative eine katholische Privatschule nur für Jungen eröffnen, ganz seinem konservativen pädagogischen Konzept entsprechend.</p>
<p>Die viel beachtete, kirchenunabhängige französische Internetzeitschrift &#8222;Streetpress&#8220; hat am 6.3.2025 einen Beitrag veröffentlicht mit dem Titel &#8222;Wie der Milliardär der extremen Rechten Stérin die Websites katholisch &#8211; reaktionärer Influencer überschwemmt&#8220;, Autor ist Nicolas Sonnet. <a href="https://www.streetpress.com/sujet/1741086667-milliardaire-extreme-droite-sterin-inonde-web-influenceurs-cathos-sponsor-finance-fonds-chretiens-conservateurs-tiktok-instagram">LINK</a> Er weist auf das weite Netzwerk Sterins hin, erinnert an die von ihm organisierten &#8222;Nächte der Influencer&#8220; im offiziell katholischen &#8222;Collège des Bernardins&#8220; in Paris (eine Art &#8222;Katholische Akademie&#8220;). Schon mehrere solcher &#8222;Nächte&#8220; der wechselseitigen Unterstützung katholischer Rechtsextremer gab es schon, &#8222;um gemeinsam mehr zu erreichen in der Evangelisierung&#8220;, im Sinne der genannten Herren. Der Einfuß Stérins reicht bis in die Ordensgemeinschaften: Der junge Dominikaner Paul André d Hardemare ist ein äußerst erfolgreicher Prediger in den Sozialen Medien, er ließ sich einige Zeit lang von Stérin finanzieren, nimmt auch an den Wallfahrten der reaktionären Katholiken nach Chartres teil. &#8222;Jedes Jahr organisiert Stérin auch die &#8222;Nächte des Gemeinwohls&#8220;, dies sind Abende der &#8222;caritativen Versteigerungen&#8220; nach us-amerikanischer Art, dabei kommen viele führende Industrielle (&#8222;Patrons&#8220;) zusammen, ebenso die alte Aristokratie, Aktivisten katholoischer  Hilsvereine sowie Politiker aus rechten und rechtsextremen Parteien. Mit dem Ziel: Vereine zu finanzieren, die sich in der <code>Galaxie</code>des Konservativen bewegen.&#8220;</p>
<p><em>Ergänzung am 23.9.2025:</em> Stérin ist am &#8222;Institut Catholique&#8220;, einer katholischen Universität in Angers, gescheitert, berichtet die Tageszeitung Libération (Paris) am 23.9.2025:</p>
<p class="text-build-content" data-testid="aOlXa66YAFh"><b>Mise sous pression par ses étudiants, l’Université catholique de l’Ouest renonce au mécénat de Pierre-Edouard Stérin</b></p>
<p class="text-build-content" data-testid="aOlXa66YAFh">A peine installé, déjà prié de plier bagage : l’Université catholique de l’Ouest a coupé les ponts avec Pierre-Edouard Stérin. Le milliardaire d’extrême droite, qui rêvait de faire du campus angevin son terrain de jeu idéologique, se voit renvoyé à ses chéquiers et ses acronymes grandiloquents, grâce à la mobilisation des étudiants.</p>
<p>&nbsp;</p>
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</tr>
</tbody>
</table>
<p>Und auch von einer Finanzkrise des Milliardärs Stérin berichtet &#8222;Libération&#8220; am 23.9.2025.</p>
<p class="text-build-content" data-testid="aOlXa66YAFh"><b>Pierre-Edouard Stérin à court de cash : ses projets vers la casse ?</b></p>
<p class="text-build-content" data-testid="aOlXa66YAFh">Il était censé faire gagner la droite et (surtout) l&#8217;extrême droite à coups de millions déversés dans son projet Périclès, sorte d&#8217;incubateur faf de start-ups, think-tanks et autres influenceurs identitaires. Manque de pot, le milliardaire exilé fiscal Pierre-Edouard Stérin traverse une mauvaise passe financière : son fonds d&#8217;investissement Otium a raté plusieurs ventes et manque cruellement de cash. Résultat : l&#8217;argent ne ruisselle plus, ou presque, dans les poches d&#8217;acteurs de la mouvance, qui l&#8217;ont pris, un peu trop vite, pour la poule aux œufs d&#8217;or.</p>
<p>&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;.</p>
<p>6.<br />
<em>Für die katholische Kirche in Frankreich ist die überdimensionale Spendelust der reaktionären Katholiken eigentlich ein großes Problem.</em><br />
Denn die Kirche in Frankreich kämpft tatsächlich um ihr spirituelles wie damit zusammenhängend um ihr materielles Überleben. Sie hat seit Jahren einen miserablen Ruf aufgrund der zahllosen Fälle von schwerem sexuellen Missbrauch  auch durch z.T. &#8222;ultra-prominente&#8220; Priester, wie den als &#8222;heiligmäßig“ verehrten Sozialapostel Abbé Pierre 1912-2007. Die Zahl der Gottesdienst-Teilnehmer geht (deswegen?) ständig zurück, der französische Klerus vergreist, die kleinen Gemeinden können nur durch die Anwesenheit afrikanischer oder asiatischer Priester noch halbwegs „versorgt“ werden. <em>Angesichts dieses Niedergangs katholischen Lebens gehen auch die Spenden der „normalen“ Kirchgänger zurück.</em> Deswegen sehen sich die Bischöfe gehalten, gute Kontakte mit den staatlichen Behörden auch in der Provinz zu pflegen, also auch mit Politikern aus der rechtsextremen Partei „Rassemblement National“. Sehr bald könnte diese Partei die Regierung in Paris stellen, das ist eine begründete Prognose von Politologen. Die katholischen Bischöfe waren so klug bzw. vorausschauend &#8211; raffiniert, bei den letzten Wahlen, die überwältigende Wahlerfolge der Rechtsextremen auch im katholischen Milieu brachten, den Mund zu halten und schon gar nicht allzu kritisch gegen Rechtsextrem zu werden… Einige der Rechtsextremen sind ja nach außen hin sehr fromm, sie machen zu Tausenden Wallfahrten nach Chartres, loben die alte lateinische Messe (nicht nur bei den traditionalistischen Pius &#8211; Brüdern!) und als Politiker schätzen sie die Kirchengebäude als Orte des nationalen Gedenkens der nationalen Traditionen, oder sie fördern die katholischen Schulen, dort sollen schließlich christliche, aber vor allem gut &#8211; bürgerliche Werte der „anständigen Leute“ (so verstehen sich die Rechtsextremen) gelehrt werden. Und dann gibt es da noch entscheidend die reaktionären katholischen Milliardäre, die ihre Form des Katholizismus ungeniert nach außen in ihren Medien vorstellen und propagieren oder Projekte fördern, die ihrer eigenen begrenzten Theologie entsprechen. Diese Herrschaften darf die Kirchenführung nicht verärgern, sie bringen noch Geld, das heilige Geld zum Überleben der insgesamt so tief ramponierten Kirche.<br />
Die Kirche Frankreichs als verschwindende Minderheit driftet also, „not &#8211; gedrungen“ möchte man sagen, immer weiter nach rechts: Die wenigen jungen Priester in Frankreich, die am liebsten in langen Talaren durch die Straßen laufen, stammen denn auch aus dem „gut-bürgerlichem konservativen Milieu“ der Stadt Versailles…Und einzelne Bischöfe, wie in Toulouse oder Angers, sind <em>so unverschämt, wegen sexuellen Missbrauchs verurteilte Priester jetzt mit offiziellen Aufgaben im Bistum zu betrauen</em>. Der moralische Niedergang auch des hohen Klerus erlebt einen neuen, ganz anderen Höhepunkt. Darüber berichtet etwa die ausgezeichnete online Zeitung GOLIAS: <a href="https://www.golias-editions.fr/2025/08/12/les-eveques-continuent-a-nommer-des-pretres-condamnes-comme-si-la-ciase-navait-jamais-existe/">LINK</a>.</p>
</div>
<p>7.<br />
Der Soziologe Pierre Louis Choquet fasst in der schon erwähnten empfehlenswerten Zeitschrift ESPRIT (gegründet von dem Philosophen Emmanuel Mounier, <a href="https://esprit.presse.fr/">LINK</a>) die Situation zusammen: „Aufgrund ihres großen Finanz-Vermögens versuchen diese Milliardäre die Kirche neu zu positionieren auf einer antimodernen und Pro &#8211; Business Ebene.“ Und in seiner Fußnote 21 schreibt der Autor: „Es gibt in der Kirche Herrschende und Beherrschte“. Und er meint: „Die Milliardäre sind längst zu den herrschenden Laien geworden, es sind ja in der Kirchensprache „Laien“, die da die Kirche auf ihre Weise im Sinne des Rechtsextremen durch ihr Geld bestimmen wollen. Eine einst vielleicht noch in Kirchen-Kreise naive Freude über die „Aktivität von Laien“ muss also doch sehr differenziert werden.</p>
<p>8.</p>
<p>Der Soziologe Pierre Louis Choquet beendet seinen Essay über die katholischen rechtsextremen Milliardäre mit dem Aufruf an die christlichen Gemeinden, &#8222;den unheilvollen Einfluss der <code>`frommen Milliardäre`</code>zu &#8222;kontern&#8220; (contrer auf Französisch). Deren identitäre Religiosität erscheint als ein Symptom des Aufruhrs unserer Epoche&#8220;. Heute investieren diese Milliardäre &#8222;nur&#8220; in ihre Medien oder in ihre sozialen Werke und beeinflussen die pastorale Arbeit der Kirche. Und in Zukunft? Darum fragt Pierre Louis Choquet in dem ESPRIT Aufsatz: <em>&#8222;Was wird diese Leute dann hindern, wenn die Spenden für die Kirche durch die Gläubigen immer kleiner werden, so dass diese Milliardäre  dann auch die Priesterseminare und die theologischen Lehrstühle an den katholischen privaten Universitäten finanzieren?&#8220; &#8230; Und in ihrem theologisch &#8211; reaktionären Sinne dort theologisch eingreifen! Wird das Geld und die rechtsextreme Ideologie dieser Herren dann die Kirche vergiften?</em> Man hat den Eindruck, dass die Verantwortlichen in der Kirche (nicht nur Frankreichs) an diese Zukunft nicht zu denken wagen.</p>
<p><em>Fußnote 1:</em><br />
80, 5 Millionen Euro gab die französische Republik für den Erhalt der Kirchengebäude kürzlich aus. Und 10 Milliarden Euro hingegen beträgt die staatliche Unterstützung für die Privatschulen, die allermeisten sind katholische. Quelle: Siehe Fußnote 2.</p>
<p>Fußnote 2:<br />
Der Beitrag wurde in der Zeitschrift „Esprit“ im September 2024 veröffentlicht. Der Titel „L Eglise catholique face à la montée de l extreme droite“. Die Zahlen in Fußnote 1 stammen aus diesem Aufsatz, dort die Fußnoten 3 und 4.</p>
<p><em>Fußnote 3</em>:<br />
„Péricles“ ist ein Think &#8211; Tank aus einer Mischung von Libertärem, Liberalem und sehr konservativ &#8211; Katholischem. Inspiriert wurde Péricles von der reaktionären „Heritage Foundation“ in den USA, auch zu Victor Orban in Ungarn gibt es enge Verbindungen.<br />
Der Name „Péricles ist ein Acronym für Patriotes / Enracinés / Résistants / Identitaires / Chrétiens / Libéraux / Européens / Souverainistes), also: Patrioten, Verwurzelte, Widerständler, Identitäre, Christen, Liberale, Europäer, Souveränisten. Das heißt: Dieser Think &#8211; Tank ist nationalistisch, gegen LGBT, euroskeptisch, gegen Einwanderung usw… Siehe dazu den ausführlichen französischen Wikipedia-Beitrag:<a href="https://fr.wikipedia.org/wiki/Projet_P%C3%A9ricl%C3%A8s">LINK</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/20551_wenn-rechtsextreme-katholische-milliardaere-katholisches-leben-bestimmen-wollen_religionskritik">Wenn rechtsextreme katholische Milliardäre kirchliches Leben bestimmen &#8230;</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Exzentrisch, asketisch, spirituell: Zum 100. Todestag des Komponisten Erik Satie am 1. Juli 2025</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/20307_exzentrisch-asketisch-spirituell-zum-100-todestag-des-komponisten-eric-satie-am-1-juli-2025_gott-in-frankreich</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 28 Jun 2025 19:15:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Denkbar]]></category>
		<category><![CDATA[Forschungsprojekte]]></category>
		<category><![CDATA[Gott in Frankreich]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophische Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[am 1.Juli 1925 ist Eric Satie gestorben]]></category>
		<category><![CDATA[an Eric Satie erinnern]]></category>
		<category><![CDATA[der spirituelle Komponist Satie]]></category>
		<category><![CDATA[die "Messe der Armen" von Eric Satie]]></category>
		<category><![CDATA[Eric Satie aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Eric Satie exzentrisch]]></category>
		<category><![CDATA[Eric Satie komponiert eine Messe]]></category>
		<category><![CDATA[Eric Satie vor 100 Jahren gestorben]]></category>
		<category><![CDATA[Eric Satie war auch ein Asket]]></category>
		<category><![CDATA[Satie als Gründer einer Kirche]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://religionsphilosophischer-salon.de/?p=20307</guid>

					<description><![CDATA[<p>Wir wollen auf den spirituellen Komponisten Erik Satie erinnern, und dazu gehört auch: an den eher unbekannten Kirchengründer Eric Satie erinnern. Er gründete 1893 seine eigene Kirche. In diesem spirituellen Erleben komponierte er um 1895 eine von ihm selbst so bezeichnete „Messe der Armen“, weil er sich selbst als Asket, als Künstler „am Rande“ verstand. Satie hatte offenbar für sich selbst ein Gelübde der Armut ausgesprochen, einer Armut, die er selbst in seinem Lebensstil zeigte.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/20307_exzentrisch-asketisch-spirituell-zum-100-todestag-des-komponisten-eric-satie-am-1-juli-2025_gott-in-frankreich">Exzentrisch, asketisch, spirituell: Zum 100. Todestag des Komponisten Erik Satie am 1. Juli 2025</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Hinweis von Christian Modehn am 28.6.2025</p>
<p>1.<br />
An Erik Satie (17.5.1866 &#8211; 1.7.1925) erinnern: Den Musiker und Komponisten, den Menschen, den so viele für skurril und rätselhaft hielten und halten, der aber auch so viele begeistert mit seiner Musik …. des minimalen Klangs, der irritierenden Einfachheit, der Mißachtung üblicher musikalischer Regeln. Satie zeigt sich immer wieder als eigenständiger, Ungewohntes und Ungehörtes schaffender Komponist, er ist keiner „Schule“ verpflichtet und verzichtet auf brillante oder schillernde musikalische Effekte… darüber ist viel geschrieben worden. Wir zitieren nur den einen Satz: „Die aufscheinende Skepsis Saties gegenüber etablierten Vorstellungen vom musikalischen Kunstwerk hat spätere Künstler bis hin zu John Cage nachhaltig beeinflusst.“ Zitat siehe: <a href="https://www.schott-music.com/en/person/erik-satie">LINK</a>.</p>
<p>2.<br />
Wir wollen auf den Esoteriker hinweisen, und dazu gehört auch: an den eher unbekannten Kirchengründer Eric Satie erinnern. Zunächst in enger Verbindung mit den esoterischen „Rosenkreuzern“ suchte Satie seinen eigenen Weg: Er verließt diese Gemeinschaft und gründete 1893 seine eigene Kirche und gab ihr den etwas schwierigen und durchaus mysteriös klingenden Titel: „Église Métropolitaine d’Art de Jésus Conducteur“, „Metropolenkirche der Kunst von Jesus dem Lenker“. Kirchen zu gründen war in Frankreich keine Seltenheit: Intellektuelle, Schriftsteller und Künstler wollten sich vom herrschenden dogmatischen und weithin monarchistisch gesinnten Katholizismus absetzen und gründeten eigene Kirchen-Gemeinschaften. Satie zeigt sich also nicht nur in seinen Kompositionen, auch in seiner Kirchen-Gründung und seiner Messe als mutiger, Konventionen sprengender Individualist. Siehe auch <em>Fußnote 1.</em></p>
<p>3.<br />
Es gehört zum exzentrischen Charakter Erik Saties, dass er das einzige Mitglied seiner Kirche blieb und wohl auch bleiben wollte; er gab zwar sein Gemeindeblatt heraus, aber er fand keine Mitglieder und wollte wahrscheinlich auch keine um sich sehen in seinem Haus, der „Kirchenzentrale“ in Arcueil bei Paris. Aktuelles Foto: <a href="https://www.gettyimages.de/detail/nachrichtenfoto/eric-satie-lived-at-the-2nd-floor-in-this-house-in-nachrichtenfoto/121516410">LINK</a>.</p>
<p>4.<br />
In diesem spirituellen Erleben komponierte er um 1895 eine von ihm selbst so bezeichnete „Messe der Armen“, weil er sich selbst als Asket, als Künstler „am Rande“ verstand. Satie hatte offenbar für sich selbst ein Gelübde der Armut ausgesprochen, einer Armut, die er selbst in seinem Lebensstil zeigte.<br />
Mit der ihm vertrauten mondänen Welt von Montmartre und ihren Vergnügungen hatte er offenbar gebrochen. Olivier Messiaen hat diese Messe zuerst aufgeführt. Sie enthält von den üblichen Gebeten (den „Ordinarien“) der römisch &#8211; katholischen Messe lediglich das Kyrie, hingegen aber auch Gebete, etwa speziell „für die Reisenden und die Seeleute in Todesgefahr“ und zum Schluß auch ein „Gebet für meine Seele“. Diese Satie &#8211; Messe hat den Untertitel, offenbar an Gott adressiert: „Intende Votis supplicum“, „Sei bedacht auf das Flehen des Gebetes.“</p>
<p>5.<br />
Die spirituelle Prägung Eric Saties könnte uns inspirieren, seine Musik, seine Klaviermusik, etwa die „Gnossiennes“ auch als Ausdruck einer ungewöhnlichen, nicht &#8211; dogmatischen Frömmigkeit zu hören und zu verstehen. Und musikalisch ins Meditieren zu kommen.</p>
<p><em>Fußnote 1:</em> <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/14613_neue-religionen-und-kirchen-werden-gegruendet_gott-in-frankreich">LINK</a></p>
<p>Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/20307_exzentrisch-asketisch-spirituell-zum-100-todestag-des-komponisten-eric-satie-am-1-juli-2025_gott-in-frankreich">Exzentrisch, asketisch, spirituell: Zum 100. Todestag des Komponisten Erik Satie am 1. Juli 2025</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>„Notre Dame“, die Pariser Kathedrale, ist beliebt. Die Kirche nicht.</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/19277_notre-dame-die-pariser-kathedrale-ist-beliebt-die-kirche-nicht_gott-in-frankreich</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Nov 2024 17:26:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Denken und Glauben]]></category>
		<category><![CDATA[Forschungsprojekte]]></category>
		<category><![CDATA[Gott in Frankreich]]></category>
		<category><![CDATA[7. und 8. Dezember 2024 in Paris Notre Dame]]></category>
		<category><![CDATA[alle Bischöfe tragen identische Gewänder in Notre Dame]]></category>
		<category><![CDATA[angemessenes Honorar für Castelbajac]]></category>
		<category><![CDATA[Castelbajac hat Messgewänder entworfen]]></category>
		<category><![CDATA[Dorfkirchen verfallen aber Kathedralen werden aufgebaut]]></category>
		<category><![CDATA[Emmanuel Macron baut Notre Dame wieder auf]]></category>
		<category><![CDATA[Jean-Charles de Castelbajca]]></category>
		<category><![CDATA[Kathedrale Notre Dame eingeweiht]]></category>
		<category><![CDATA[Kirche liebt repräsentative Gebäude]]></category>
		<category><![CDATA[neue Kultur-Spiritualität]]></category>
		<category><![CDATA[Notre Dame in Paris wieder aufgebaut]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Franziskus meidet Paris]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Franziskus nicht in Notre Dame sondern auf Korsika]]></category>
		<category><![CDATA[Trump am 7.12.i n Paris]]></category>
		<category><![CDATA[Trump bei Eröffnung von Nitre Dame dabei]]></category>
		<category><![CDATA[Trump in Paris]]></category>
		<category><![CDATA[Trump liebt Notre Dame]]></category>
		<category><![CDATA[Wiederaufbau von Notre Dame]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://religionsphilosophischer-salon.de/?p=19277</guid>

					<description><![CDATA[<p>Ein Hinweis von Christian Modehn am 29.11.2024. Ein kulturhistorisches Monument wird am 7. und 8.12. 2024 wieder eröffnet. Und ausgerechnet Donald Trump wird am 7.12. dabeisein! Seine sehr vielen evangelikalen Fans  in den USA und anderswo werden sich über so viel katholische &#8222;Sympathien&#8220; von Mister Trump &#8222;freuen&#8220;&#8230;  LINK Papst Franziskus meidet dieses zweitägige Spektakel &#8230;zu [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/19277_notre-dame-die-pariser-kathedrale-ist-beliebt-die-kirche-nicht_gott-in-frankreich">„Notre Dame“, die Pariser Kathedrale, ist beliebt. Die Kirche nicht.</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Hinweis von Christian Modehn am 29.11.2024.</p>
<p>Ein kulturhistorisches Monument wird am 7. und 8.12. 2024 wieder eröffnet. <em>Und ausgerechnet Donald Trump wird am 7.12. dabeisein! Seine sehr vielen evangelikalen Fans  in den USA und anderswo werden sich über so viel katholische &#8222;Sympathien&#8220; von Mister Trump &#8222;freuen&#8220;&#8230; </em> <a href="https://www.la-croix.com/international/reouverture-de-notre-dame-donald-trump-assistera-aux-ceremonies-a-paris-20241203?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=NEWSLETTER__CRX_ESSENTIEL_MATIN_EDITO&amp;utm_content=20241203">LINK</a></p>
<p>Papst Franziskus meidet dieses zweitägige Spektakel &#8230;zu Ehren der &#8222;Notre Dame&#8220; und des Monsieur Macron&#8230;. Siehe Nr. 12 in diesem Hinweis.</p>
<p>Zum Zustand der katholischen Kirche in Frankreich heute außerhalb aller Jubelfeierlichkeiten: <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/18388_post-katholisch-ueber-das-langsame-verschwinden-der-katholischen-kirche-in-frankreich_aktuelles">LINK</a>.</p>
<p><em>Die kirchliche, die katholische Eröffnung mit der feierlichen Messe der Bischöfe fand am 8.12. statt.</em> TeilnehmerInnen, in den Foto-Serien bestens dokumentiert, waren die übliche politische Prominenz, auch des Adels. <a href="https://photo.gala.fr/l_actu/photos-messe-de-notre-dame-de-paris-avec-brigitte-et-emmanuel-macron-la-ceremonie-en-images-20241208#photo-1">LINK</a> Das &#8222;fromme Volk&#8220; oder gar die religiösen Bettler (&#8222;Clochards&#8220;) wurden nicht als Teilnehmer bei diesem Ereignis der &#8222;göttlichen Dame&#8220;  gezeigt, waren sie anwesend oder waren nur die großen Spender für den Wiederaufbau willkommen? Wichtiger ist das &#8222;klerikale Spektakel&#8220; (man nennt es Liturgie) rund um den Altar mit vielleicht 70 Bischöfen und Priestern. Sie alle trugen identisch (!) gestaltete Messgewänder, alles vom Feinsten, entworfen und per Hand erarbeitet vom Team des bekannten Designers Jean-Charles de Castelbajac. <a href="https://fr.aleteia.org/2024/12/08/en-images-revivez-la-premiere-messe-a-notre-dame-depuis-lincendie">LINK</a> Er selbst habe für die Messgewänder &#8222;eineinhalb Jahre gearbeitet und beschäftige ein großes Team.&#8220; Der Reporterin des ZEIT Magazin vom 5.12. 2024 S. 32, gestand de Castelbajac auch: ein &#8222;angemessenes Honorar&#8220;  von der Kirche erhalten zu haben.</p>
<p><em>Nebenbei</em>: Es verdient wohl eine weite theologische Aufmerksamkeit, dass alle Priester und Bischöfe bei diesem Spektakel, der Messe, wie üblich identisch klerikal gekleidet waren. Wie kann man das deuten? Bunte Vielfalt ist nicht willkommen? Wahrscheinlich ist das so. Die Kleriker gehören halt alle zur gleichen Klasse, sind hervorgehoben und anders als &#8222;das Volk&#8220;. Die protestantische französische Zeitschrift REFORME kritisierte zurecht: Dieses ganze Spektakel, also diese Liturgie am Altar von Notre Dame am 8.12., sei eine absolute Männer &#8211; Veranstaltung gewesen. Gut, dass sich Protestanten noch über den Ausschluß der Frauen vom Pastoren/Priesteramt in der katholischen Kirche wundern. Papst Franziskus gibt sich gern als heftigster Kritiker des Klerikalismus in der Kirche, aber er ist nicht bereit, und wohl nicht in der Lage, diesen absolut vorherrschenden Klerikalismus als relgiös, sakramentale Männerherrschaft zu beenden. Dass Frauen ausgeschlossen sind vom Priesteramt ist wohl der größte Skandal des Katholizismus im 21. Jahrhundert. <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/17830_papst-franziskus-erzaehlt-einiges-aus-seinem-leben-und-erwaehnt-vieles-nicht_benediktxvi">LINK</a>.</p>
<p>&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;.</p>
<p>1.<br />
Am 7. und 8. Dezember 2024 finden die Feierlichkeiten der (Wieder) &#8211; Eröffnung der Kathedrale „Notre Dame“ in Paris statt. Vor 5 Jahren, im April 2019, vernichtete ein verheerendes Feuer umfangreiche Teile des mittelalterlichen Gebäudes.</p>
<p>2.<br />
Über die nun fast abgeschlossene Neugestaltung der Pariser Kathedrale informieren aktuelle Berichte. Man beachte u.a.: Nicht mehr Bänke dienen als Sitzgelegenheit, sondern 1.500 bequeme Stühle…Alles andere als eine Kleinigkeit für katholische Verhältnisse.<br />
Der religionsphilosophische Salon bietet angesichts der Wiedereröffnung &#8211; in gebotener Kürze &#8211; etwas Hintergrund zur aktuellen religiösen Situation in Frankreich sowie Hinweise auf Besonderheiten in der langen Geschichte von „Notre Dame“.</p>
<p>3.<br />
„Die jetzt auferstandene „Notre Dame“ ist ein Werk des Präsidenten Emmanuel Macron“: Diesen durchaus auch zutreffenden Eindruck wollte der französische Präsident für die Geschichtsbücher hinterlassen, als er sich am 29. November 2024, noch vor der offiziellen Wieder &#8211; Eröffnung, in der Pariser Kathedrale im renovierten Gotteshaus präsentierte. <a href="https://www.katholisch.de/artikel/57888-notre-dame-ist-zurueck-macron-besucht-ein-letztes-mal-die-baustelle">LINK</a>. Einige aktuelle Fotos: <a href="https://www.la-croix.com/france/en-images-notre-dame-de-paris-decouvrez-les-premiers-cliches-de-la-cathedrale-reconstruite-20241129?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=NEWSLETTER__CRX_ESSENTIEL_SOIR_EDITO&amp;utm_content=20241129">LINK</a> Der Präsident einer in Deutschland laizistisch genannten Republik („République laique“ meint allerdings etwas andres als„laizistisch“) will zweifellos die Kathedrale als ein überkonfessionelles Monument der (erwünschten) nationalen Einheit propagieren, als ein herausragendes kulturelles, künstlerisches und ästhetisch erhabenes Erbe der „Grande Nation“. Und damit entspricht Macron durchaus einer weit verbreiteten Sehnsucht im gar nicht mehr katholisch geprägten Frankreich, nur 29 % der Franzosen nannten sich 2023 katholisch.<a href="https://www.insee.fr/fr/statistiques/6793308?sommaire=6793391 ."> LINK</a> https://www.insee.fr/fr/statistiques/6793308?sommaire=6793391 . Sowie ein <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/18388_post-katholisch-ueber-das-langsame-verschwinden-der-katholischen-kirche-in-frankreich_aktuelles">LINK</a> zum Zustand des französischen Katholizismus.</p>
<p>4.<br />
Aber auch die Mehrheit der Franzosen, also die Menschen die sich „sans religion“ nennen, konfessionsfrei sagen manche in Deutschland, schätzen die Kathedrale Notre Dame: Bei der Suche nach der „französischen Identität“ geht es auch ihnen um die Stärkung des jetzt wieder viel besprochenen „patrimoine“, des „Kulturerbes“. Für die „Fondation Notre Dame“ wurden zum Wiederaufbau 358 Millionen Euro &#8211; auch aus dem Ausland, auch von Atheisten, gespendet.</p>
<p>5.<br />
Mit „Notre Dame“ fühlen sich sehr viele Menschen vor allem emotional verbunden, Franzosen zumal. Es gibt zahlreiche Berichte, wie die Besucher ( 13 bis 20 Millionen sollen es vor dem Brand gewesen sein, also mindestens 30.000 pro Tag) die Dunkelheit im Innenraum schätzen, das Licht, die Fenster, die Skulpturen. Als Sigmund Freud 1885 diese Kathedrale besuchte, lobte er ausdrücklich „den Ernst und die Strenge des Gebäudes“… Er konnte wohl noch in einer gewissen Beschaulichkeit die Kathedrale besuchen, heute verweilen dort die meisten Touristen (um Fotos zu schießen) im Gedränge nicht länger als 5 Minuten, sie können diesen „obligatorischen Programmpunkt“ dann „abhaken“ und weiter durch Paris eilen…Es ist schon bezeichnend, dass auch in spanischen Kathedralen inzwischen eigens kleine (sic!) Kapellen mit eigenem Eingang geschaffen wurden, für Menschen, die wirklich in einem Gotteshaus auch mal ihre persönliche spirituelle Poesie, Gebete genannt, pflegen wollen.</p>
<p>6.<br />
„Notre Dame“ gilt als Nationalsymbol. Der weibliche Titel einer katholischen Kathedrale spielt sicher hinsichtlich der Beliebtheit eine Rolle: Die Pariser Kathedrale gilt vielleicht auch -undogmatisch betrachtet &#8211; als das Haus einer „Gott &#8211; Mutter“, einer „Dame“, mindestens aber der „Gottes &#8211; Mutter“ Maria, die als die einflußreiche Himmelskönigin an Gottes Thron steht, so die offiziellen Dogmen…</p>
<p>7.<br />
Das „National-Symbol“ Notre Dame hat eine sehr wechselhafte Geschichte. Vor allem an die alles entscheidende und bis heute prägende Zeit der Französischen Revolution (1789…) soll hier kurz erinnert werden.<br />
Die Revolution identifizierte zurecht den Katholizismus mit dem absolut herrschenden „Ancien Régime“ des Königshauses, und die Revolutionäre, so unterschiedlich sie auch dachten, wollten eine katholische Kirche gründen, die die Ideale der Revolution und der Republik achtete und unterstützte, als eine demokratische Kirche. Der Papst tobte deswegen … bis 1950 wurde von führenden Katholiken die Französische Revolution zum Übel aller Übel erklärt… Philosophisch hoch gebildete Revolutionäre wie Robespierre setzten alles daran, auch Teile des höheren Klerus für die Revolution zu gewinnen, das gelang zum Teil, man denke an die herausragende Person des „Abbé Grégoire. 1791 wurde der damalige Weihbischof Jean &#8211; Baptiste Gobel zum „konstitutionellen“ (also revolutionsfreundlichen) Erzbischof von Paris gewählt. Im Rahmen der Radikalisierung atheistischer Revolutionäre (Anacharsis Cloots u.a.) wurden Gobel als Atheist bezeichnet und zum Rücktritt als Erzbischof aufgefordert und schließlich dann von Robespierre als angeblicher, verdächtigter Atheist am 13.4.1794 hingerichtet.</p>
<p>8.<br />
Die Revolutionäre waren über die Kirchenführer als privilegierte Stütze des ancien régime empört, sie wollten in ihrer maßlosen Wut Frankreich „entchristlichen“ (décristianiser), d.h. auch aus der auch ideologischen Herrschaft der Kirche gewaltsam lösen. Als Ersatz zur Messe und den Sakramenten inszenierten einige Revolutionäre zunächst den „Kult der Vernunft“, der als eine Art Theaterspektakel auch in der Kathedrale Notre Dame aufgeführt wurde. Eine zentrale Rolle spielte dabei eine Frau als Repräsentantin der Sieger über den religiösen Fanatismus. „Das Fest der Vernunft hatte eine zutiefst theatralischen Charakter (caractère théatral“), schreibt die Historikerin Mona Ozouf, auf S. 607 in ihrem Beitrag „Religion revolutionaire“ in: „Dictionnaire critique de la Révolution Francaise“, Paris 1988.</p>
<p>9.<br />
Dieser als Theater inszenierte „Kult der Vernunft“ wurde von Robespierre als atheistisch abgelehnt. Dieser Theater &#8211; Kult hatte auch nicht die Kraft, die verbliebenen religiösen Bedürfnisse des Volkes zu befriedigen, vor allem konnte er nicht eine religiös fundierte Einheit des ideologisch zerrissenen französischen Volkes herstellen. So setzte der deistisch geprägte Robespierre alles auf den „Kult des höchsten Wesens“, einer Art deistischen Konfession: Der Schöpfergott im Himmel verlangt von den Bürgern als religiöse Übung ein ethisch korrektes Leben im Geist der Gesetze der neu geschaffenen Republik.</p>
<p>10.<br />
Ende des 18. Jahrhundert wurde dann eine ethische- deistische Kirche als „Theophilanthropie“ (d.h. Menschlichkeit mit Liebe zu Gott) im ganzen Land praktiziert, <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/4039_eine-humanistische-religion-die-theophilanthropen-in-frankreich_forschungsprojekte">LINK</a>.<br />
Diese Kirche, ein Produkt der Revolution, wurde nach ca. 10 jährigem Bestehen von Napoléon verboten: Er duldete als Herrscher nicht den religiösen Pluralismus, ihm war das Konkordat mit dem Papst aus politischen Gründen wichtiger… 1804 krönte sich Napoléon in Notre Dame selbst zum Kaiser, Papst Pius VII. war bei dieser pompösen Inszenierung anwesend.</p>
<p>11.<br />
Religionssoziologisch betrachtet ist heute wichtig: Die Katholische Kirche verliert in Frankreich &#8211; wie in den meisten europäischen Ländern &#8211; immer mehr an Mitgliedern, sie wird zur Minderheit. Aber die Kirchenführer lieben in dieser Situation des Niedergangs nicht ohne Stolz die Pflege großer repräsentativer Gebäude. Sicher,Notre Dame wurde von vielen auch nicht &#8211; katholischen Spendern wieder aufgebaut: Aber die Kirche ist durchaus heilfroh, in Paris wie in vielen anderen Städten so prächtige Kathedralen und Klöster zu haben. Dass diese Gotteshäuser von vielen Menschen eher als prachtvolle Museen angesehen und bewertet werden, stört dabei nicht. Das bedeutet aber: Eine explizit kirchliche Wirkung geht von diesen Kathedralen eher selten aus. Tatsache ist: Es entwickelt sich in Frankreich wie in ganz Europa so etwas wie eine kulturelle Interessiertheit für alte religiöse Gebäude. Eine Art ästhetisch &#8211; kulturelle -säkulare Spiritualität. Darüber arbeiten Religionssoziologen wie Jean &#8211; Louis Schlegel und Danièle Hervieu -Léger.</p>
<p>12.<br />
Die Pflege alter herausragender Kathedralen durch die Kirchenführer steht im Widerspruch zu den vielen auf dem Land, in den Dörfern, verfallenden Kirchen und den aufgegebenen Klöstern. <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/13119_verlassene-kirchen-aufgegeben-verfallen-christentum-im-uebergang_buchhinweise/philosophische-buecher">LINK</a> Viele hundert Dorfkirchen in Frankreich verfallen auch deswegen, weil es keine Priester mehr gibt: Nur weil Rom eine Gemeindeleitung ans Priesteramt bindet, verschwindet sozusagen das kirchliche und damit soziale Leben auf den Dörfern. Dabei könnten Laien die Messen in den kleinen Dorfgemeinden leiten, aber die haben die Bischöfe nicht ausbilden wollen, so daß jetzt auch „aktive, kompetente Laien“ fehlen.</p>
<p>12.<br />
Es ist nicht ohne Bedeutung, manche sagen ein Witz, dass am 15. Dezember, also genau eine Woche nach der weltweit beachteten Eröffnung von Notre Dame de Paris, Papst Franziskus ausgerechnet Frankreich besucht: Aber nicht etwa Paris, sondern Ajaccio auf Korsika, dort findet ein Kongress statt über die „Frömmigkeit des Volkes und der einfachen Leute in der Mittelmeer &#8211; Region“, es geht also um Heiligenverehrung, Wallfahrten, Wetterprozessionen, Segnungen der Äcker usw… Veranstalter ist der sehr konservative Kardinal Bustillo von Ajaccio. Manche Beobachter in Paris deuten diesen Papst &#8211; Besuch eines nicht weltbewegenden Kongresses auf Korsika als bewussten Affront gegen den ganzen Kultur- Trubel um dieses monumentale Gebäude in Paris…Papst Franziskus bevorzugt eben bekanntlich das Abseitige, Unbedeutend &#8211; Wirkende, das Kleine und Volkstümliche. Aber Präsident Macron will den Papst auf Korsika dann treffen, vielleicht erzählt er ihm, wie schön die Kathedrale Notre Dame nach der Brand &#8211; Katastrophe geworden ist.</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, religionsphilsophischer-salon.de</p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/19277_notre-dame-die-pariser-kathedrale-ist-beliebt-die-kirche-nicht_gott-in-frankreich">„Notre Dame“, die Pariser Kathedrale, ist beliebt. Die Kirche nicht.</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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		<item>
		<title>Das &#8222;letzte Abendmahl&#8220; der Olymischen Spiele und die klerikale Ideologie</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/18548_das-letzte-abendmahl-der-olymischen-spiele-und-die-klerikale-ideologie_religionskritik</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 04 Aug 2024 19:06:11 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Hinweis von Christian Modehn am 4.8.2024 Ergänzung am 5.8.24: Am Sonntag, 4. August, fand vor der Kathedrale Notre Dame de Paris ein interreligiöses Treffen statt, auf Wunsch von Thomas Bach (!), dem Präsidenten des Olympischen Komitees (CIO). Von der Kritik an der Darstellung eines &#8222;letzten Abendmahles&#8220; zur Eröffnung der Spiele war direkt keine Rede [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/18548_das-letzte-abendmahl-der-olymischen-spiele-und-die-klerikale-ideologie_religionskritik">Das &#8222;letzte Abendmahl&#8220; der Olymischen Spiele und die klerikale Ideologie</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Hinweis von Christian Modehn am 4.8.2024</p>
<p><em>Ergänzung am 5.8.24</em>: Am Sonntag, 4. August, fand vor der Kathedrale Notre Dame de Paris ein interreligiöses Treffen statt, auf Wunsch von Thomas Bach (!), dem Präsidenten des Olympischen Komitees (CIO). Von der Kritik an der Darstellung eines &#8222;letzten Abendmahles&#8220; zur Eröffnung der Spiele war direkt keine Rede mehr. Man war sich interreligiös einig, wie Thomas Bach sagte: &#8222;Sport kann die letzten Fragen der Menschheit nicht beantworten, das kann nur die Religion&#8220;. (<a href="https://www.la-croix.com/religion/jo-2024-olympisme-et-religions-un-meme-reve-de-fraternite-20240804?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=NEWSLETTER__CRX_ESSENTIEL_MATIN_EDITO&amp;utm_content=20240805">LINK</a>)</p>
<p><em>Ergänzung am 6.8.24</em>: Dass es noch vernünftige Theologen in der katholischen Kirche gibt, zeigt ein Kommentar des Benediktinerpaters Martin Werlen (Schweiz) zum Abendmahl bei der Eröffnung der Olympischen Spiele in Paris; dieser Kommentar wurde sogar im Vatikan veröffentlicht: <a href="https://www.vaticannews.va/de/kirche/news/2024-08/werlen-sieht-glaubenskritik-im-olympia-abendmahl.html?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=NewsletterVN-DE">LINK</a></p>
<p>1.<br />
Die Frage ist dringend: Wie dumm und begrenzt sind eigentlich <strong>katholische Oberhirten</strong> im Jahr 2024? Haben sie keine anderen Sorgen? Denn jetzt verteidigen immer mehr geistliche Herren, auch Kardinäle, inbrünstig das Gemälde „Das Abendmahl“ von Leonardo da Vinci. Aber dies ist der intellektuelle Skandal: <strong>Sie verteidigen dieses Gemälde aus dem 15. Jahrhundert, als sei es DER absolut gültige Ausdruck des letzten Abendmahls Jesu und seiner Jünger.</strong> Welch ein Wahn. <strong>Eines von vielen Kunstwerken zum Abendmahl zur theologischen Norm zu erklären! Und als DEN Ausdruck der katholischen Eucharistiefeier zu deuten.</strong><br />
Zur Erinnerung: Bei seinem letzten Abendmal feierte Jesus von Nazareth, so die Erzählung, mit seinen 12 Jüngern kurz vor seinem Prozess und der folgenden Hinrichtung noch einmal ein ordentliches Abendessen, selbstverständlich mit Wein…</p>
<p>2.<br />
Die Herren der Kirche fühlen sich also beleidigt und zutiefst empört: Bei der Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele in Paris 2024 seien ganz üble, gotteslästerliche Assoziationen geweckt worden, Erinnerungen an da Vincis Gemälde „Letztes Abenmahl“. Denn die Feiernden in Paris waren Schwule und Lesben. Queers, an einem Tisch vereint zu sehen, wie sie da ordentlich bzw., je nach Wertesytem, „unordentlich“ feierten, tanzten und tranken. Eine nur ferne Assoziation an da Vinci&#8230;</p>
<p>3.<br />
Das Problem der geistlichen Herren: Was soll denn da der liebe Gott bloß denken, und vor allem der himmlische Jesus, wenn nun in Paris das da Vinci Gemälde verunreinigt und dadurch (!) die Erinnerung an Jesu Abendmahl beschmutzt wird &#8230; auch noch durch diese  &#8222;üblen&#8220; Queeren &#8211; Menschen? Die Eucharistiefeier kann nur mit einem Priester und frommen Leuten dargestellt werden&#8230;&#8220;aber doch nicht mit diesen zum Teil halbnackten Gestalten&#8220;&#8230;</p>
<p>Man erinnere sich: Papst Franziskus hatte erst kürzlich gefordert: <em>&#8222;Die Olympischen Spiele sollten Frieden vermitteln, nicht Hass&#8220;</em>. Nun aber wird Unfrieden gestiftet durch die Intoleranz klerikaler und fundamentalistischen Kreise, sie können die Freiheit der Kunst nicht ertragen und zeigen letztlich ihre Ablehung queeren Lebens.</p>
<p>4.<br />
Einen freien, lockeren und deswegen künstlerisch immer freizügigen Umgang mit dem Gemälde halten die Herren der Kirche in ihrer Ideologie für Blasphemie, für Gotteslästerung.</p>
<p>5.<br />
Lassen wir diese wirre Interpretation, sie ist lächerlich, weil die Herren der Kirche <em>den  Denkfehler begehen</em> <em>und ein Gemälde ALS Ausdruck ihres dogmatischen Glaubens verstehen. Leonardo da Vinci wird sich freuen über so viele  „Ehre“.</em></p>
<p>6.<br />
Das Abendmahl Jesu war sicher noch einmal ganz anders als das „Abendmahl da Vincis, denn damals haben, kulturell üblich, die Beteiligten zu Tische <em>gelegen, nicht brav am Tisch gesessen. Die Kirche St. Petri in Seehausen, Altmark,</em> zeigt ein solches ungewöhnliches, authentisches Wand &#8211; Gemälde, eine noch zu besprechende Rarität.</p>
<p>7.<br />
Man erinnere sich: Schon einmal &#8211; wie so oft vorher &#8211; regten sich die Kirchenleute maßlos auf und die mit ihnen verbundenen reaktionären Politiker der Weimarer Republik, weil der Künstler George Grosz es wagte: Jesus am Kreuz mit einer Gasmaske angetan zu zeigen.</p>
<p>8.<br />
Die Herren der römischen Kirche sollten sich, ehrlich gesagt, schämen, dass sie nun, nach diesem ihrem Blödsinn, heftige Unterstützung  von rechtsextremen Politikern (Marine le Pen) und sogar von Putins klerikalem Kriegstreiber Patriarch Kyrill I .in Moskau erhalten. (Fußnote 1) Auch der fundamentalistische Präsident Erdogan hat sich eingeschaltet und nach bekannter Sicht behauptet: Durch diese Darstellung des letzten Abendmahls sei die menschliche Würde in den Schmutz gezogen worden. Dass die sehr vielen Diktaturen weltweit die Würde der Menschen  de facto, politisch, in den Schmutz ziehen, wäre das große Thema der Kirche. Aber nein, sie sorgt sich, verblendet, um eine queere Interpretation des Gemäldes da Vincis.</p>
<p>9.<br />
Der Vatikan und die römische Kirche befinden sich im weltweit großen Club der Reaktionären, der Kunst &#8211; und Freiheitsverächter. Wollen sie in dieser Position es wagen, das Evangelium des Propheten und Weisheitslehrers Jesus von Nazareth zu verkünden?</p>
<p><em>Fußnote 1</em>: &#8222;Die russisch-orthodoxe Kirche und das Außenministerium in Moskau äußerten sich entsetzt über die Eröffnungsfeier, weil bei einer Darstellung des letzten Abendmahls die Apostel von „Transvestiten“ verkörpert worden seien. „Ein kulturell-historischer Selbstmord geht in einer der einst christlichen Hauptstädte der europäischen Zivilisation vor sich“, sagte der Geistliche Wachtang Kipschidse, der im Moskauer Patriarchat der russisch-orthodoxen Kirche für Kontakte zur Gesellschaft und zu den Medien zuständig ist.&#8220; (Quelle: Welt, 27.7.2024, <a href="https://www.welt.de/sport/olympia/article252727934/Olympia-2024-Christentum-verspottet-Katholische-Kirche-kritisiert-Eroeffnungsfeier.html">LINK</a></p>
<p>PS: Wer all das hier Dokumentierte nicht glaubt, lese etwa: <a href="https://www.la-croix.com/religion/jo-2024-le-vatican-attriste-par-des-passages-de-la-ceremonie-d-ouverture-20240804?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_content=20240804&amp;utm_campaign=NEWSLETTER__CRX_SOIR_EDITO&amp;_ope=eyJndWlkIjoiMmIzMDVlMTMyZjhlM2QyMDc1YzVlZGMxZGI4YzgwNzUifQ==">LINK</a><br />
Und <a href="https://www.domradio.de/artikel/vatikan-kritisiert-nach-einer-woche-olympia-eroeffnungsfeier">LINK</a>.</p>
<p>Und am 5.8.2024 die Päpstliche Kritik am &#8222;letzten Abendmahl&#8220; in Paris: <a href="https://www.katholisch.de/artikel/55139-nach-einer-woche-vatikan-kritisiert-olympia-eroeffnungsfeier">LINK</a></p>
<p>10.</p>
<p>Die Katholische Kirche mit ihrem exzessiven Bilder &#8211; Kult hatte trotzdem immer schon Probleme, wenn Künstler etwa  &#8211; noch recht anständig &#8211; halbnackte Jesus Christus Bilder malten. Auf Kreuzesdarstellungen erscheint Jesus sehr oft fast ganz nackt, über die homoerotisch gestylte Figur des heiligen Sebastian ist viel geschrieben worden. Und die hübschen Sebastians &#8211; Darstellungen fehlen fast in keiner Kirche in Südeuropa. Hanno Rauterberg, Redakteur in der Wochenzeitung DIE ZEIT schreibt dort am 15.2.2024, Seite 45: &#8222;Bei vielen Künstlern wird der Penis Jesu zwar verhüllt, doch notdürftig nur, denn kunstvolle Falten im Lendentuch lenken den Blick erst recht auf die mächtige Beule. Das Leben nach dem Tode &#8211; vitaler denn je&#8220;.</p>
<p>11.</p>
<p><em>Angesichts der so oft halbwegs tolerierten Nackheit der größten Gestalten des Christentums fragt man sich, was sollte eigentlich die Aufregung in Paris im Juli 2024 bedeuten über &#8222;Das letzte Abendmahl&#8220;, gefeiert von Queers?</em> Die Antwort kann nur sein: Eigentlich mag die katholische Kirche offiziell die queeren Menschen ganz und gar NICHT, trotz vieler hübscher Sprüche des angeblich progressioven Papstes Franziskus. Die queeren Menschen sollen brav sein, sich etwa in einem Nebenraum der Kirchen diskret in ihrer Partnerschaft (natürlich NICHT Ehe!) segnen lassen und dann bitte wieder diskret im Untergrund oder Hintergrund verschwinden.</p>
<p>12.</p>
<p>Es reicht also, wenn die noch verbliebene katholische Öffentlichkeit mit weiblich gekleideten, in bunte Gewänder gehüllten Talar-Trägern konfrontiert wird oder den süßlich lächelnden Seminaristen, die selbst verständlich alle gar nicht Tunten sind. Nein, Respekt und Gleichberehctigung gibt es in dieser Kirche faktisch nicht.</p>
<p>Und von der Freiheit der Kunst und der Künstler hat diese Kirche in den allermeisten Fällen  keine Ahnung. Darüber haben schon die wenigen Kunst-gebildeten katholischen Theologen Jahre lang gesprochen. Ihre kreative, aufklärerische Arbeit ist wohl gescheitert&#8230;</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophiischer Salon Berlin.</p>
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		<title>Jacques Bouveresse, französischer Philosoph, Literaturkenner und Kirchenkritiker</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/18524_jacques-bouveresse-franzoesischer-philosoph-literaturkenner-und-kirchenkritiker_buchhinweise/philosophische-buecher</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Jul 2024 19:31:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alternativen für eine humane Zukunft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Hinweis von Christian Modehn am 23. Juli 2024. 1. In Deutschland ist der französische Philosoph Jacques Bouveresse ( 20.8.1940 &#8211; 9.5.2021) in weiten Kreisen nahezu unbekannt. In Frankreich gilt er als wichtiger Denker mit einem „Oeuvre philosophique majeure“, wie man dort sagt. Kaum zu verstehen, dass seine großen Werke nicht ins Deutsche übersetzt wurden. [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/18524_jacques-bouveresse-franzoesischer-philosoph-literaturkenner-und-kirchenkritiker_buchhinweise/philosophische-buecher">Jacques Bouveresse, französischer Philosoph, Literaturkenner und Kirchenkritiker</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Hinweis von Christian Modehn am 23. Juli 2024.</p>
<p>1.<br />
In Deutschland ist der französische Philosoph Jacques Bouveresse ( 20.8.1940 &#8211; 9.5.2021) in weiten Kreisen nahezu unbekannt. In Frankreich gilt er als wichtiger Denker mit einem „Oeuvre philosophique majeure“, wie man dort sagt.<br />
Kaum zu verstehen, dass seine großen Werke nicht ins Deutsche übersetzt wurden.<br />
Jacques Bouveresse, stammt aus einer katholischen Familien im Département Doubs &#8211; an der Grenze zur Schweiz gelegen &#8211; , er ist auch mit theologischen Themen durchaus vertraut.</p>
<p>Jacques Bouveresse war ein außergewöhnlicher Mensch, nicht nur wegen seiner Sprachbegabung (er hatte z.B. einen akademischen Abschluss in Deutsch). Vor allem: Er hat &#8211; nicht nur aus Bescheidenheit, sondern um jegliche Abhängigkeiten zu vermeiden &#8211; offizielle „Dekorationen“, wie er sagte, also Orden und (staatliche) Auszeichnungen zurückgewiesen. Selbst die Ernennung zum “Chevalier de la Legion honneur“ lehnte er ab, jeglicher Konformismus war ihm zuwider, allerdings wurde ihm von der ökonomischen Hochschule HEC in Paris der Titel Dr. h.c. verliehen, 2019 empfing er den „Grand Prix de Philosophie“ von der „Académie Francaise“ für die Gesamtheit seines Werkes.</p>
<p>2.<br />
Warum sollten wir uns für Bouveresse interessieren?<br />
Er hat die Grenzen des philosophischen „Betriebes“ gesehen und sich Impulse der Erneuerung und dafür notwendige Ressourcen erhofft … auch von der Literatur. Er suchte Philosophie also auch dort, wo „man“ sie üblicherweise nicht vermutet. Vor allem mit dem österreichischen Schriftsteller Robert Musil und auch mit dem Autor Karl Kraus hat er sich intensiv befasst. Wichtig für Bouveresse ist vor allem der umfangreiche Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“. Bouveresse läßt sich von der Literatur anregen, die eigene Philosophie zu gestalten. Diese Erfahrung gilt es festzuhalten, wenn man sich vorstellen will, was Philosophieren und Philosophie heute sein sollte und sein könnte: Als kritisches Interessiertsein an allen Äußerungen, „Objektivierungen“ (Hegel), des Geistes.</p>
<p>3.<br />
Bouveresse ist ein Rationalist, und er nennt sich so und ist stolz darauf und kämpft gegen alles Obskure in der Gesellschaft, gegen fundamentalistische Religionen und Kirchen (etwa in den USA) und gegen die postmodern sich nennenden Philosophen, die seiner Meinung nach die Beliebigkeit des totalen Relativismus pflegen und das „alles geht und alles ist möglich“ propagieren. Der Philosoph Jean -Matthias Fleury nennt Bouveresse einen „kritischen Historiker der Philosophie“: Er war also kritisch gegenüber der Postmoderne und modischen Tendenzen französischer Philosophen, Bernard-Henri Lévy oder Jean Marie Benoit warf er wissenschaftlichen und intellektuellen „Betrug“ vor. „Bouveresse war ein Polemiker und er war sehr bemüht, ein Minimum an praktischen philosophischen Regeln auszudrücken. <em>Er hat Partei ergriffen für einen militanten Rationalismus, kritisierte gelegentlich heftig den Nihilismus à la Nietzsche. Und der schien ihm für eine ganze weite Fläche der französischen Philosophie der 1960- 1970ger Jahre charakteristisch zu sein, etwa in den gestalten Derrida, Lyotard und Foucault“ (siehe Fußnote 2).</em><br />
Mindestens 50 philosophische Studien hat Jacques Bouveresse veröffentlicht; er war viele Jahre Professor an der Sorbonne und Mitglied des Collège de France, immer interessiert an dem weiten Umfeld der „analytischen Philosophie“ . Seine Doktorarbeit verfasste er 1975 über Ludwig Wittgenstein, damals in Frankreich noch relativ unbekannt. Regelmäßig veröffentlichte er Beiträge in der Monatszeitschrift „Le Monde diplomatique“. Und: „Bouveresse plante die philosophischen Übungen als eine Kunst der Lektüre und des Dialogs und als eine ständige Konfrontation mit dem Gedanken des anderen“, so Florence Vatan (im Vorwort zu Bouveresses Buch „La Passion et l exactitude“, 2024, S. 21., siehe Fußnote 1).</p>
<p>4.<br />
Bouveresse war in seiner Entschiedenheit für möglichst umfassende Klarheit, für die konsequente Suche nach Gründen und Begründungen, der Verpflichtung der Wahrheit zu dienen sozusagen als Mensch bescheiden in seinem Auftreten und Argumentieren, die Ironie schätzend, mit einer Vorliebe für Philosophen, die bisher (in Frankreich) eher wenig Beachtung fanden, vor allem Wittgenstein und die „Wiener Schule“ .<br />
Vor allem war er immer religionskritisch orientiert, gegen alle Irrationale, Frömmelnde, Mystizistische… Für religionsphilosophische Fragen ist besonders wichtig sein Werk „Peut-on ne pas croire? Sur la vérité, la croyance und la foi“, Marseille, 2007, 286 Seiten. Als Einführung in sein Denken empfiehlt sich Bouveresse, „Le Philosophie et le réell. Entretiens avec J.J. Rosat“, Hachette, Paris, 1998.</p>
<p>5.<br />
Warum also ist ein Hinweis auf Bouveresse wichtig, wenn man den Zustand der Religionen vor allem in Europa und den USA kritisch untersucht?<br />
Der zweifelsfreie Ausgangspunkt ist: Trotz aller Säkularisierung in Europa und Amerika gibt es ein deutliches Comeback eher fundamentalistischer Kirchen. Sie betonen übereinstimmend: Der Zusammenhalt ihrer Gesellschaften und ihrer Staaten könne nur durch die praktizierte (fundamentalistische) Religion garantiert werden. Es gebe also diesen Propagandisten zufolge eine Art praktische und auch politische Notwendigkeit, zur alten Religion und den überkommeneren Konfessionen zurückzukehren…</p>
<p>6.<br />
An diesem Punkt der Analyse setzt Bouveresse in einem auf Deutsch publizierten Beitrag für „Le Monde diplomatique“ vom 13.5.2007 an. Der Aufsatz hat den Titel „Annäherung an die Funktion Gott“. Bouveresse bezieht sich dabei auf eine These des Philosophen und Autors Régis Debray: Er hatte behauptet, die „derzeitige Renaissance des Religiösen“ sei ein Beweis dafür, dass der religiöse Glaube überhaupt nicht zum Verschwinden zu bringen sei, auch nicht durch so genannte Ersatzreligionen. Bouveresse kritisiert zunächst, dass es nicht möglich ist, aus dem faktischen Vorhandensein z.B des Phänomens Kirche auf die Notwendigkeit ihres Fort &#8211; Bestehens zu schließen. Die Renaissance des Religiösen und auch das Wiedererstarken der alten Konfessionen sind also kein Bewies dafür, dass die klassischen Religionen und Konfessionen nun letztlich doch nicht gescheitert sind und Recht haben. Bouveresse schreibt: „Und selbst wenn die Gesellschaft der Rückkehr zu einem verloren gegangenen Glauben bedürfen sollte, welche Art von Glauben ist es dann genau, zu der sie angeblich zurückfinden muss? Sie einfach an das religiöse Bedürfnis der Gesellschaft zu erinnern, reicht jedenfalls anscheinend nicht, um sie diesen Glauben wiederfinden zu lassen.Noch einmal: Irgendeine Form des Glaubens als Faktum anzuerkennen ist nicht dasselbe wie die Unvermeidlichkeit des religiösen Glaubens zu behaupten, auch wenn Religionsphilosophen wie Debray diesen Unterschied gern herunterspielen.“</p>
<p>7.<br />
Bouveresse deutet nur kurz und knapp an: Welche Religion kann in dieser zerstrittenen Welt und in der säkularen Gesellschaften noch Bestand haben, ohne dabei sinnlose Überlegenheitsansprüche gegen dem säkularen Staat zu betonen? Es kann sich dabei eigentlich nur um eine rational zugängliche Menschheitsreligion für alle Menschen handeln, eine Idee, die für Kant wichtig wurde in seiner Schrift „Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft“. Wenn Religionen und Kirchen heute eine Bedeutung haben können, dann so Bouveresse, wenn sie die republikanischen Werte, also die Menschenrechte, höher einschätzen, auch als Kriterium der eigenen Wahrheit als alle konfessionellen und religiösen Lehren und Weisungen. „Was genau brauchen wir eigentlich in religiöser Hinsicht? Könnte es nicht mehr oder weniger objektive Gründe geben, die eher für die eine als für die andere Glaubensentscheidung sprechen? Angenommen, man gesteht zu – was ohne Schwierigkeiten möglich sein sollte –, dass eine „Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft“ (ungefähr im Kant’schen Sinn) immer noch eine Religion wäre. Gäbe es dann nicht ernst zu nehmende (intellektuelle, moralische, politische usw.) Gründe, eine derartige Religion solchen vorzuziehen, die die fraglichen Grenzen überhaupt nicht kennen?“</p>
<p>8. <em>Die alten Religionen, Konfessionen, führen nicht aus der Krise</em><br />
Wichtig ist dem entsprechend die These Bouveresses:<br />
Hütet euch vor der Wiederkehr der alten Religionen in dieser Zeit, in der angesichts der vielfachen Krisen erklärt und verkündet wird, die Säkularisierung sei vorbei und die Zeit der alten Religionen beginne wieder. Bouveresse schreibt: <em>„Mit Sicherheit wäre es dagegen ein Trugschluss, auf künstliche Weise herkömmliche Religionen in die Institutionen, Verhaltensweisen und Praktiken wieder einführen zu wollen – in der Hoffnung, so den sozialen Zusammenhang herstellen oder festigen zu können.</em>“ In der jetzigen Situation eines globalen gesellschaftlichen Umbruchs mit zahllosen Krisen helfen nur „Veränderung und Reorganisation“ der Gesellschaft weiter. Dabei können die alten Religionen und ihre Lehren gar nicht mehr hilfreich sein, weil ja auch sie zu der tiefgreifenden politischen, ökonomischen und kulturellen Krise geführt haben. Noch einmal: Die alten Religionen und Kirchen sind also Mit &#8211; Verursacher des gegenwärtigen heillos wirkenden Zustandes der Welt.<br />
Das heißt: Die altgewordene Religionen und altgewordenen und veraltet erscheinenden Konfessionen haben im globalem gesellschaftlichen Wandel und Zusammenbruch keine inspirierende, hilfreicheKraft mehr.</p>
<p>9.<br />
Bouveresse sieht im Fortbestehen und Überleben der alten Religionen und der alten Götter nur eine Form der „Amnesie“, der Vergesslichkeit und Gedächtnisstörung der Menschen, hofsichtlich der Kraft der Religionen von einst. Er schreibt: „Diese Form der Amnesie lässt nach dem bitteren Scheitern einer Neuerung (der Religion, CM), die eine Zeit lang vielversprechend schien, mit Vorliebe die guten alten, immer bequemeren und beruhigenderen Lösungen wieder aufleben – obwohl man eigentlich weiß, dass diese Versuche, gelinde gesagt, nicht sehr erfolgreich gewesen sind.“ Mit anderen Worten: Die Kirchenführer der alten, aber nachweisbar im politischen und ökonomischen Bereich wirkungslosen Kirchenwelten, machen sich falsche Hoffnungen für eine Zukunft ihrer Kirchen, gerade wenn sie nichts weiter tun, als das Alte und angeblich „Ewige“ und „göttlich Verordnete“ unbeirrt und stur fortzusetzen, siehe etwa die Haltung der katholischen Kirche zur Ordination von Frauen; die päpstliche Ablehnung von Demokratie in der katholischen Kirche usw.. Diese Haltung hat zum langsamen Verschwinden der Kirchen-Bindung und Kirchen-Gläubigkeit in Europa geführt. Siehe die hohen Austrittszahlen aus den Kirchen etwa in Deutschland, Österreich, Holland, Belgien, England, Spanien, der Schweiz usw. ChristenInnen verlassen die Kirchen, weil diese ihnen antiquiert, irrational, bürokratisch, fundamentalistisch, paternalistisch usw. erscheinen. Und es wohl auch erfahrungsmäßig und nachweislich sind.<br />
………………………….</p>
<p>FUßNOTE 1:<br />
„La Passion de l Exactitude“ mit dem Untertitel „Robert Musil et la philosophie“, erschienen im Verlag Hors d` Atteinte, Marseille, 2024, mit einem Vorwort von Florence Vatan. 123 Seiten, 17€. Der Text geht auf eine auf Deutsch gehaltenen Vorlesung Bouveresses in Wien im Oktober 2008 zurück.</p>
<p>FUßNote 2:<br />
Cinquante ans de philosophie française.“ Band 4, von Bernard Sichère, Paris 1998, S. 72.<br />
………………………..</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer-salon.de</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/18524_jacques-bouveresse-franzoesischer-philosoph-literaturkenner-und-kirchenkritiker_buchhinweise/philosophische-buecher">Jacques Bouveresse, französischer Philosoph, Literaturkenner und Kirchenkritiker</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Abbé Pierre: Ein hochverehrter Priester, nun Missbrauchstäter.</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/18475_abbe-pierre-ein-hochverehrter-priester-nun-missbrauchstaeter_gott-in-frankreich</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Jul 2024 12:11:47 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Père Jacques Perotti homosexueller Priester]]></category>
		<category><![CDATA[sexueller Missbrauch durch Abbé Pierre]]></category>
		<category><![CDATA[Vatikan wusste von Abbé Pierres Missbruch]]></category>
		<category><![CDATA[wer hat Interesse Abbé Pierre zu schädigen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://religionsphilosophischer-salon.de/?p=18475</guid>

					<description><![CDATA[<p>Ein Hinweis von Christian Modehn am 12.9.2024 1. Ich lösche meinen Beitrag vom 18.7.2024 bzw 2.8.2024 über Abbé Pierre als Missbrauchstäter. 2. Mein Hinweis war von der Hoffnung geleitet, Abbé Pierre habe sich &#8222;bloß&#8220; &#8222;leichte&#8220; sexuelle Übergriffe erlaubt&#8230;Ich war zudem sehr bewegt  von seinem offenen und öffentlichen Bekenntnis: Er habe dem sexuellen Verlangen nachgegeben&#8230; Welcher [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/18475_abbe-pierre-ein-hochverehrter-priester-nun-missbrauchstaeter_gott-in-frankreich">Abbé Pierre: Ein hochverehrter Priester, nun Missbrauchstäter.</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Hinweis von Christian Modehn am 12.9.2024</p>
<p>1.</p>
<p><strong>Ich lösche meinen Beitrag vom 18.7.2024 bzw 2.8.2024 über Abbé Pierre als Missbrauchstäter.<br />
</strong></p>
<p>2.</p>
<p>Mein Hinweis war von der Hoffnung geleitet, Abbé Pierre habe sich &#8222;bloß&#8220; &#8222;leichte&#8220; sexuelle Übergriffe erlaubt&#8230;Ich war zudem sehr bewegt  von seinem offenen und öffentlichen Bekenntnis: Er habe dem sexuellen Verlangen nachgegeben&#8230; Welcher &#8222;Missbrauchstäter&#8220; ist so offen und wahrhaftig? Siehe das Buch: Abbé Pierre, &#8222;Mein Gott, warum?&#8220; (DTV 2007), Seite 32f.</p>
<p><strong>Am 25.1.2025 notiert:</strong></p>
<p>Will man es genau wissen: Abbé Pierre ist als junger Mann von 17 Jahren, wie üblich damals (und bis ca 1970 üblich),in den Orden der Kapuziner eingetreten, der damals sehr strenge Orden hat diesen zweifellos &#8211; auch sexuell &#8211; unreifen jungen Mann sehr gern aufgenommen (unbedingt will jeder Orden &#8222;Nachwuchs&#8220;!), und über Sexualiät wurde selbstverständlich im Kloster wie in allen anderen Klöstern und Priesterseminaren nicht gesprochen. So begann der Leidensweg eines sexuell stark interessierten, aber auch fürs Ordensleben, Priestertum ebenso heftig interessierten sehr jungen Mannes. Mit anderen Worten. Es ist auch die klerikale Kirchenführung schuld am &#8222;Fall Abbé Perre&#8220;, es ist eine klerikale Clique, die nach wie vor sehr junge Männer zu einer angeblich zölibatären Lebensweise auffordert.</p>
<p>Damit wird die subjekive Schuld Abbé Pierres nicht geleugnet, aber sie wird deutlich eingebunden in das klerikale System der &#8222;Rekrutierung des Priester &#8211; Nachwuches&#8220;. Das heißt: Auch das Kirchensystem ist schuld am &#8222;Fall Abbé Pierre&#8220;. Abbé Pierre war offenbar nicht in der Lage, wie sonst alle zölibatär lebenden katholischen Ordensleute und Priester, sich mit der üblichen Onanie zu begnügen, als der Form von einsamer Sexualität, der sich sonst die meisten anderen katholischen Seminaristen und Priester usw. hingeben (müssen). Dabei sagt der Katechismus von 1993 deutlich: Onanie ist Sünde (§ 2352 dieses Katechismus). Das heißt: Die zölibatäre Lebensweise treibt aufgrund der Zölibatsgesetze die Priester in die Sünde, wenn sie denn noch die Weisungen des Katechismus überhaupt noch ernst nehmen. Dieses Thema wird auch unabhängig vom &#8222;Fall Abbé Pierre&#8220; nicht in der Katholischen Kirche besprochen: Onanie als Klerus &#8211; Sexualität wäre aber ein neues (peinliches) Forschungsthema&#8230;</p>
<p>Abbé Pierre, der damals sehr hoch geschätzte &#8222;Sozialapostel&#8220;, ist eines der Opfer dieses Systems. An dem die Kirchenführung festhielt, weil sein Renommé in der Öffentlichkeit (es ist das Spenden &#8211; Geld, das er einspielte) wichtiger war als seine damals schon bischöflich bekannten sexuellen Verirrungen. Dass Abbé Pierre den offen und explizit Homosexuellen Priester Jacques Perotti als seinen Sekretär  für viele Jahre ausdrücklich wählte, wird bei all den dramatischen Verirrungen Abbé Pierres mit Frauen vergessen. Komisch. Darauf haben wir immer hingewiesen. Siehe das Buch: Jacques Perotti, &#8222;Un pretre parle&#8220;. Filipacchi edition, Levallois, 1995. Christian Modehn hat in seinem Buch &#8222;Religion in Frankreich&#8220; (1993) in einem Kapitel über  Jacques Perotti berichtet (S. 114-116).</p>
<p>3.</p>
<p><em>Mich wundert es, dass auf dieses offene und öffentliche Bekenntnis Abbé Pierres in dem genannten, auf Französisch selbstverständlich auch erschienen, Buch jetzt so selten Bezug genommen wird.</em></p>
<p>4.</p>
<p>Aber: Die Fakten gegen ihn sind jetzt, Mitte September 2024, in dieser Hinsicht offenbar sehr gravierend. Deswegen lesen Sie bitte weiter unten einen Hinweis zur Erklärung der französischen Bischofskonferenz vom 12.9.2024. Sie will ihr gut behütetes (?) auf Abbé Pierre bezogenes Archiv vorzeitig schon zugänglich machen. Wenn solches in katholischen offiziellen Kreisen geschieht, ist das schon außergewöhnlich.</p>
<p>5.</p>
<p>Und es wird weiter eine Art Beben geben nicht nur in katholischen Kreisen, sondern in weiten Kreisen der französischen Gesellschaft, wenn nun auch dieser einst so hoch verehrte Priester in die Kategorie der Verbrecher einsortiert wird und man seinen Namen aus der Öffentlichkeit entfernen wird. Eine Abbé Pierre Säuberung also.</p>
<p>6.</p>
<p>Und nun ist das ohnehin schon absolut angeschlagene Renommée der katholischen Kirche in Frankreich weiter zutiefst beschädigt. Die bekannte und geschätzte linke katholische Wochenzeitung &#8222;Témoignage Chrétien (T.C.) &#8220; (jetzt leider nur noch erreichbar im Internet) hat am 12.9.2024 darauf hingewiesen, und das ist ein großer Skandal: <strong>Bestimmte Kardinäle (Feltin und Spellmann) und französische Bischöfe Alexandre Renard und André Fourgerat, wussten schon sehr früh, seit Mitte der fünfziger Jahre, von Abbé Pierres sexuellen Übergriffen</strong>. Ich zitiere aus T.C.: &#8222;Il apparaît en effet, selon des informations concordantes, que <em>l’inconduite – au minimum – de l’abbé Pierre envers les femmes était connue des cercles de ses proches à Emmaüs dès le milieu des années 1950. Étaient également au courant des membres éminents de la hiérarchie catholique, tels que le cardinal Maurice Feltin, alors archevêque de Paris, et le cardinal Francis Spellman, son homologue de New York, ou encore les évêques de Versailles Alexandre Renard, ou de Grenoble André-Jacques Fougerat.</em> Ces prélats ont été alertés après un voyage désastreux de l’abbé Pierre aux États-Unis <em>en avril-mai 1955</em>, au cours duquel au moins deux femmes se sont plaintes de sa conduite, d’après les carnets inédits du philosophe catholique Jacques Maritain. &#8220; Quelle: https://www.temoignagechretien.fr/laffaire-de-labbe-pierre/) Die genannten &#8222;Oberhirten&#8220; wussten also sehr früh schon Bescheid über Abbé Pierres &#8222;inconduite&#8220;, harmlos genannt ungewöhnliches Verhalten&#8230; und diese Herren der Kirche unternahmen nichts. Denn  am Ruhm eines nun endlich mal katholischen &#8222;Helden&#8220; im &#8222;laizistischen&#8220; Frankreich (der &#8222;große Sozialapostel&#8220;,&#8220;Helfer der Menschheit&#8220;  etc&#8230;) wollten die Oberhirten nicht &#8222;kratzen&#8220;&#8230; Vielleicht gab es andere &#8222;Fälle&#8220; im Klerus, dier auch verschwiegen wurden&#8230; Dabei ist es andererseits unzweifelhaft, dass Abbé Pierre ein bedeutendes internationales Sozial-Werk aufgebaut hat  .. trotz seines Doppellebens&#8220; als &#8222;Abbé&#8220;.</p>
<p>7.</p>
<p>Das ist das Schlimme an den Debatten um Abbé Pierre: Es findet keine  freie und offene Diskussion statt zum Thema Zölibatsgesetz für Priester: Man denke bitte daran, dass der junge Henri Grouès, so der bürgerliche Name Abbé Pierres, als 17 Jähriger (sic) in ein Kapuiner &#8211; Kloster eintrat, weil er in dem damals bis heute üblichen katholischen Wahn auch von sich selbst überzeugt war, dem &#8222;lieben Gott&#8220; und der &#8222;Mutter Kirche&#8220; auf diese Weise dienen zu können.</p>
<p>Nebenbei: Es ist bis heute in aller Welt, in Indien, Indonesien, auf den Philippinen und soweiter, allüberall, offiziell üblich, junge Männer ab 17 Jahren schon ins Kloster oder ins Priesterseminar als &#8222;Novizen &#8220; oder &#8222;Seminaristen&#8220; aufzunehmen. In den &#8222;armen Ländern&#8220;  der Armen ist die katholische Priester &#8211; Karriere eine gute &#8222;Laufbahn&#8220;, die zudem immer öfter ins europäische Ausland führt (weil es dort keine &#8222;einheimischen&#8220; deutschen, französischen Priester mehr gibt). in Europa haben die vielen tausend afrikanischen oder indischen Priester als Afrikaner oder als Inder oder Philippinos keine Probleme, Aufenthaltsgenehmigingen zu erhalten. Priester sind eben aufgrund bester Kirche- Staat- Beziehungen &#8222;etwas Besonderes&#8220;..</p>
<p>8.</p>
<p>Und man diskutiert bis heute nicht offen und öffentlich in der Kirche die streng -katholische Ideologie, die da meint: Wunderbar, wenn sich so junge Männer, &#8222;schon so wunderbar fromm&#8220;, mit 17, 18 oder 19 Jahren fürs Kloster oder Priesterseminar entscheiden. Der Klerus freut sich, wenn er &#8222;Nachwuchs&#8220; bekommt, wie es heißt, zur Stablisierung der ewigen Klerus &#8211; Kirche.</p>
<p>9.</p>
<p>Und man diskutiert bis heute nicht offen und öffentlich in der Kirche die Tatsache, dass die kirchlichen Zöibats-Gesetze  junge Männer in der emotionalen Einsamkeit von Kloster und Priesterseminar zur Selbstbefriedigung (manchmal mit anderen) förmlich treiben. Über die  Masturbation im Kloster und im Priesterseminar und später nach der Priesterweihe wird selbstverstädnlich überhaupt nicht offen und öffentlich in katholischen Kreisen gesprochen. Was um so dramatischer ist, weil im offizielen katholischen Katechismus (von 1993) immer noch Masturbation &#8222;als schwere ordnungswidrige Handlung gebrandmarkt wird&#8220; (so wörtlich in Paragraph 2352 dieses offiziellen Texte, an den sich doch wenigstens Seminaristen und Kosterbürder halten sollen)?</p>
<p>10.</p>
<p>In diesem kletrikal vergifteten Milieu wurde Abbé Pierre zum Täter, in gewisser Weise auch ein Opfer des klerikalen Systems mit seinem Zwangszölibat für Priester. Und Abbé Pierre selbst hat unter diesem menschlich so grausamen  System gelitten, siehe bitte das Buch &#8222;Mein Gott, warum?&#8220;, &#8222;Mon Dieu, pourquoi ?&#8220; Warum wird das Buch nicht intensiver gelesen, nicht zitiert??? Darin wird deutlich: Abbé Pierre hat unter dem unmenschlichen Zölibatsgesestz gelitten, er konnte (und wollte?) sich daraus nicht befreien. Deswegen hat er Frauen missbraucht. Es ist die Klerus &#8211; Kirche, die eigentlich bei den Frauen um Verzeihung bitten müsste angesichts des Missbrauchs. Dies tut die Klerus Kirche eben ALS Klerus Kirche aber nicht. Und das ist die Schande.</p>
<p>11.</p>
<p><em>Es bleibt die entscheidende Frage:</em> Ein Missbrauchstäter kann ein umfangreiches, hoch geschätztes internationales Sozialwerk (&#8222;Emmaus&#8220;) aufbauen, kann die Menschen zur sozialen Hilfe bewegen, als Sozialkritiker in der Öffentlichkeit sprechen, zum &#8222;Beliebtesten&#8220; aller Franzosen aufsteigen und trotzdem &#8211; in einer verschwiegenen Welt des Missbrauchs &#8211; sexuellen Missbrauch begehen. Und einige Kirchenführer wussten von diesem Missbrauch, griffen aber nicht ein, weil der &#8222;angesehene Priester &#8211; Star&#8220; in hellem Licht erscheinen musste. Er spielte aufgrund seines Renommes schließlich auch viel Geld, Spenden etc. ein&#8230; Auf diese Ikone des Klerus wollte die Klerus &#8211; Kirche nicht verzichten&#8230;</p>
<p>&#8230;&#8230;</p>
<p><em>Frankreichs Bischöfe öffnen Archive zu Abbé Pierre</em><br />
<em>Veröffentlicht am 12.09.2024 um 12:44 Uhr –</em><br />
Quelle: https://www.katholisch.de/artikel/55962-vorzeitig-frankreichs-bischoefe-oeffnen-archive-zu-abbe-pierre</p>
<p>Paris ‐ Die Vorwürfe gegen den französischen Armenpriester Abbé Pierre wiegen schwer. Nun öffnet die Kirche vorzeitig ihre Archive, um den Anschuldigungen gegen die einstige nationale Ikone auf den Grund zu gehen.</p>
<p>Nach schweren Vorwürfen gegen den als &#8222;Vater der Obdachlosen&#8220; bekanntgewordenen Armenpriester Abbé Pierre (1912-2007) haben die französischen Bischöfe entsprechendes Archivmaterial freigegeben. Es werde ab sofort allen berechtigten Personen zur Verfügung gestellt, insbesondere Forschern und Journalisten, heißt es in einer Mitteilung der Französischen Bischofskonferenz (Donnerstag). Ohne die Freigabe wären die Dokumente erst 75 Jahre nach dem Tod Abbé Pierres – also 2082 – einsehbar gewesen.<br />
Dem Ordensmann werden sexuelle Übergriffe gegen Frauen und Minderjährige vorgeworfen. Erst kürzlich veröffentlichte die von ihm gegründete Emmaus-Bewegung weitere belastende Zeugenaussagen. Eine Expertenkommission soll den Vorwürfen auf den Grund gehen.</p>
<p>&#8230;..</p>
<p>Siehe auch die offizielle Erklärung der französischen Bischofskonferenz:</p>
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="QPtLHW0oEv"><p><a href="https://eglise.catholique.fr/espace-presse/communiques-de-presse/554773-communique-de-la-cef-a-la-suite-des-nouvelles-revelations-concernant-labbe-pierre/">Communiqué de la CEF à la suite des nouvelles révélations concernant l’abbé Pierre</a></p></blockquote>
<p><iframe class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="« Communiqué de la CEF à la suite des nouvelles révélations concernant l’abbé Pierre » &#8212; Église catholique en France" src="https://eglise.catholique.fr/espace-presse/communiques-de-presse/554773-communique-de-la-cef-a-la-suite-des-nouvelles-revelations-concernant-labbe-pierre/embed/#?secret=QPtLHW0oEv" data-secret="QPtLHW0oEv" width="600" height="338" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe></p>
<p>&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;</p>
<p>&#8222;Le Monde&#8220;  (Paris)  am 13.9.2024:</p>
<div class="article__heading">
<h1 class="article__title">Le Vatican était au courant des agressions sexuelles commises par l’abbé Pierre depuis des années, selon le pape François</h1>
<p class="article__desc">De retour d’un voyage en Asie, le chef de l’Eglise catholique a reconnu que Rome était au courant des violences sexuelles perpétrées par le fondateur d’Emmaüs, au moins après sa mort. Il a appelé à la transparence et condamné des faits « démoniaques »&#8230;</p>
<p>&#8230;&#8230;</p>
</div>
<p><strong>&#8222;Libération&#8220;</strong> am 14.9.2024: &#8222;Abbé Pierre: Comment le silence a-t-il tenu aussi langtemps autour du fondateur d REmmaus?&#8220;</p>
<div class="sc-lcoedz clHZiM sc-fXynhf jsripj" data-coreads-cover-parentcontent="true">
<p>Décédé en 2007, l’abbé Pierre est depuis juillet <a href="https://www.liberation.fr/societe/religions/labbe-pierre-accuse-dagressions-sexuelles-par-plusieurs-femmes-20240717_QKT3PZZZVBCOZEEU52U5UGR7YY/" target="_blank" rel="noopener">visé par des accusations de violences sexuelles</a> commises entre les années 50 et 2000, avec début septembre <a href="https://www.liberation.fr/societe/religions/de-nouveaux-documents-revelent-les-menaces-de-labbe-pierre-contre-ceux-qui-laccusaient-dagressions-sexuelles-20240909_24HVKSPSAZCK5ASSF7L2KUAJ7E/" target="_blank" rel="noopener">une nouvelle salve de témoignages</a> sur des faits gravissimes pouvant pour certains s’apparenter à des viols ou concernant des mineures. Vendredi soir, le pape François a fait savoir que <a href="https://www.liberation.fr/societe/religions/le-pape-admet-que-le-vatican-etait-au-courant-des-accusations-visant-labbe-pierre-un-terrible-pecheur-20240913_U6CNGKO3XJGUJJFOWUDAUECWRE/" target="_blank" rel="noopener">le Vatican avait été informé</a>, a minima après la mort de l’abbé Pierre, des accusations visant le prêtre français qu’il a qualifié <i>«de terrible pécheur»</i>.</p>
</div>
<article class="article-body-wrapper article_table article_blockquote font_secondary" data-datawall-status="null">
<p class="article_link">Pour la présidente de la Conférence des religieux et religieuses de France (Corref), Véronique Margron, <i>«on ne peut sérieusement imaginer une seconde que cela s’est fait à l’insu de tout le monde. Sur une figure aussi connue, aussi publique, aussi repérée, c’est impossible». </i>Mais il fallait sans doute <i>«protéger la naissance de ce qui allait s’appeler Emmaüs», </i>considère auprès de l’AFP la religieuse, selon qui <i>«la figure de l’abbé Pierre était trop forte et le mouvement trop important pour aller au-delà de décisions de conscience personnelle».</i></p>
<div class="display_block width_100 border border_solid border_top border_color_grey border border_bottom border_color_grey margin-md-bottom">
<div class="margin-xs-top font_tertiary font_16 font_bold">Témoignage</div>
<div class="read-also-item display_block margin-sm-top padding-xs-bottom ">
<div></div>
<div class="flex flex_row margin-sm-top font_xs font_tertiary font_line-height_sm">Le délégué général d’Emmaüs International, Adrien Chaboche, estimait le 9 septembre sur RTL que <i>«forcément il y a des gens qui ont su ce qui se passait, dans l’Eglise», «le mouvement Emmaüs».</i> Mais quoi exactement, <i>«ça, je ne le sais pas». </i>Emmaüs a depuis ces révélations lancé une commission d’enquête et l’Eglise ouvert ses archives.</div>
</div>
</div>
<div></div>
<h2 class="heading__StyledHeading-sc-5jxglz-0 jztCkt"><strong>«Une machine à cash»</strong></h2>
<p class="article_link">L’ancienne présidente du Secours catholique Véronique Fayet rappelle que l’abbé Pierre rendait bien service à l’institution. <i>«C’était la machine à cash, pour dire les choses crûment»</i> et <i>«sans l’abbé Pierre, les collectes auraient été un peu plus compliquées»,</i> ajoute-t-elle. Car le prêtre est au fil du temps devenu une icône de la lutte contre la pauvreté, identifiable immédiatement avec sa cape et son béret. Député dans les années 50, pendant seize ans personnalité préférée des Français, il a même été en 1989 au cœur du film à succès <i>Hiver 54, l’abbé Pierre.</i></p>
<p class="article_link">Véronique Fayet, qui fut elle-même «chiffonnière d’Emmaüs» dans les années 70, se souvient : <i>«On avait 18-20 ans, et c’est vrai qu’il nous fascinait, il avait une parole forte, qui nous faisait rêver d’une société juste, fraternelle, généreuse.» </i>Elle n’a pas personnellement souvenir de scènes exaltées à son passage, telles que décrites dans certains ouvrages dès les années 60. Mais elle dépeint un personnage devenu peu à peu <i>«intouchable»</i>, voire <i>«quasi-saint de son vivant».</i> <i>«Pour une victime, porter plainte contre un saint, c’est impossible. Elle est quasiment sûre que ça va se retourner contre elle, parce qu’elle dit du mal d’une personne qui est quasiment béatifiée»,</i> explique-t-elle.</p>
<h2 class="heading__StyledHeading-sc-5jxglz-0 jztCkt">«Un sentiment de toute-puissance»</h2>
<p class="article_link">Le premier rapport du cabinet spécialisé Egae, en juillet, expose un tel témoignage : <i>«J’ai l’habitude de me défendre. Mais là, c’était Dieu. Comment vous faites quand c’est Dieu qui vous fait ça ?» </i>Dans son essai «Emmaüs et l’abbé Pierre» (2009), l’historienne au CNRS Axelle Brodiez-Dolino explique que le prêtre était <i>«perçu à l’extérieur comme un leader charismatique»</i> et <i>«sans conteste en interne une icône et une figure tutélaire».</i></p>
<p class="article_link">L’abbé avait lui-même évoqué en 2005 des expériences sexuelles dans son livre <i>Mon Dieu… pourquoi ?. «Consacrer sa vie à Dieu n’enlève rien à la force du désir, et il m’est arrivé d’y céder de manière passagère»,</i> y écrivait-il. Un aveu au goût amer, rétrospectivement : ce qui passait alors pour une allusion au vœu de chasteté évoque immanquablement aujourd’hui des abus plus graves.</p>
<p class="article_link">Mais le silence a prévalu. Ainsi <i>«vous renforcez le sentiment de toute-puissance, puisque malgré des actes au minimum répréhensibles, pour prendre un euphémisme, il ne se passe absolument rien»,</i> souligne Véronique Margron. Exemple de cette «toute-puissance» : des courriers révélés par la cellule investigation de Radio France montrent un abbé Pierre menaçant dans des lettres ceux qui l’accusaient d’agressions sexuelles. Personne n’a alors parlé, <i>«par peur du scandale»</i>, disait Axelle Brodiez-Dolino dans <i>le Monde</i> du 1er août. Elle résume ainsi le problème : <i>«L’icône rendait davantage service sur son piédestal.»</i></p>
<p>&#8230;&#8230;</p>
<p>La Croix (Paris) am <em>19.9.2024</em>:  <a href="https://www.la-croix.com/religion/affaire-abbe-pierre-ce-que-revelent-les-archives-de-l-eglise-de-france-20240919?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=NEWSLETTER__CRX_ESSENTIEL_SOIR_EDITO&amp;utm_content=20240919">LINK</a>   https://www.la-croix.com/religion/affaire-abbe-pierre-ce-que-revelent-les-archives-de-l-eglise-de-france-20240919?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=NEWSLETTER__CRX_ESSENTIEL_SOIR_EDITO&amp;utm_content=20240919</p>
<p>&#8230;&#8230;..</p>
</article>
<p>Copyright: Christian Modehn, www.religionsphilosophischer-salon.de</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/18475_abbe-pierre-ein-hochverehrter-priester-nun-missbrauchstaeter_gott-in-frankreich">Abbé Pierre: Ein hochverehrter Priester, nun Missbrauchstäter.</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Marine Le Pen und ihr katholischer Glaube</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/18403_marine-le-pen-und-ihr-katholischer-glaube_aktuelles</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Jul 2024 20:44:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Forschungsprojekte]]></category>
		<category><![CDATA[Gott in Frankreich]]></category>
		<category><![CDATA[Religionskritik]]></category>
		<category><![CDATA[Bernard Antony]]></category>
		<category><![CDATA[Bischöfe schweigen zu Marine Le Pen 2024]]></category>
		<category><![CDATA[keine katholischen Reaktionären mehr in Le Pens Partei]]></category>
		<category><![CDATA[Marine Le Pen in Reims]]></category>
		<category><![CDATA[Marine le Pen katholisch?]]></category>
		<category><![CDATA[Marine Le Pen kritisiert Papst Franziskus]]></category>
		<category><![CDATA[Rassemblement National und Kirche]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://religionsphilosophischer-salon.de/?p=18403</guid>

					<description><![CDATA[<p>Ein Hinweis von Christian Modehn am 1.7.2024 1. Wenn mehr als 40 Prozent der praktizierenden Katholiken die rechtsextreme Partei von Marine Le Pen („Rassemblement National“, RN) zur Europawahl am 9. Juni 2024 gewählt haben, muss man fragen: Ist denn Madame Le Pen eine so überzeugende Katholikin, dass praktizierende Katholiken sie so gern wählen? 2. Über [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/18403_marine-le-pen-und-ihr-katholischer-glaube_aktuelles">Marine Le Pen und ihr katholischer Glaube</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Hinweis von Christian Modehn am 1.7.2024</p>
<p>1.<br />
Wenn mehr als 40 Prozent der praktizierenden Katholiken die rechtsextreme Partei von Marine Le Pen („Rassemblement National“, RN) zur Europawahl am 9. Juni 2024 gewählt haben, muss man fragen:<br />
Ist denn Madame Le Pen eine so überzeugende Katholikin, dass praktizierende Katholiken sie so gern wählen?</p>
<p>2.<br />
Über ihren Glauben, auch über ihre Bindung an den Katholizismus, hat Marine Le Pen mehrfach kurz gesprochen.</p>
<p>Dabei war die Partei „Front National“ (FN) unter ihrem Vater Jean-Marie Le Pen deutlich geprägt von einem sich katholisch nennenden, traditionalistischen Flügel, zu dem etwa der extrem militante Bernard Antony gehörte. Aber im Jahr 2008 wurde Bernard Antony, Führer des katholisch &#8211; reaktionären Flügels, aus dem FN ausgeschlossen. Das wird als Vorspiel gedeutet für den Aufstieg von Marine Le Pen: 2011 wurde sie Vorsitzende der Partei. Sie sorgte dafür, dass ihr offen rechtsextremer Vater 2015 aus der Partei ausgeschlossen wurde. Im Juni 2018 erhielt die Partei unter ihrer Führung den Namen „Rassemblement National“ (RN). Das Nationale und Nationalistische blieb erhalten, aber „Versammlung, Rassemblement, klingt etwas freundlicher als „Front.“ Mit der Ausgrenzung des katholisch &#8211; traditionalistischen Einflusses von einst wollte sie zeigen: Die „neue“ Partei will vor allem auch die sehr vielen kirchenfernen Wähler gewinnen. Madame Le Pen nennt diesen nach außen hin etwas freundlicheren Namen der Partei „dédiablisation“, Entdiabolisietung, will sagen: dass die Partei nach außen vor allem nicht mehr antisemitisch ist. Das jüdische Ehepaar Klarsfeld, die „Nazijäger“ von einst, glaubt das so einfach und betont jetzt, Marine Le Pen zu wählen. Darf man das eine Schande nennen oder nur „Alters-Schwäche“… Feinde sind für Marine Le Pen nicht mehr, wie es zur französischen Tradition auch ihres Vaters gehört, „die Juden“, sondern die „Islamisten“ und eigentlich alle Fremden…</p>
<p>3.<br />
Zum Jahr 2017: (Quelle:<a href="https://www.rtl.fr/actu/politique/presidentielle-2022-marine-le-pen-s-est-elle-mise-les-catholiques-a-dos-7900122587"> LINK</a> )</p>
<p>Anläßlich der Präsidentschaftswahlen 2017 sagte Marine Le Pen in Reims bei einem Besuch der berühmten Kathedrale, sie wird als „Geburtsort“ des katholischen Frankreich hoch gepriesen: „Frankreich muss sich an die Versprechen seiner Taufe erinnern. Es gibt Menschen, die glauben an den Himmel, und solche, die daran nicht glauben. Aber ich glaube!“<br />
Die Mitarbeiter Madame Le Pens ergänzten: „Ganz evident, sie ist katholisch“. Von der Erinnerung an das Taufversprechen Frankreichs sprach in ähnlichen Worten („Erinnert euch an die Taufe Frankreichs“!) übrigens Papst Johannes Paul II. bei seinem Besuch in Reims im Jahr 1996.<br />
Madame Le Pen wurde in Reims von vielen nicht willkommen geheißen, und ausgepfiffen: (Quelle: &#8222;Le Monde&#8220;. <a href="https://www.lemonde.fr/election-presidentielle-2017/video/2017/05/05/marine-le-pen-a-ete-chahutee-lors-d-une-visite-surprise-a-reims_5123207_4854003.html">LINK</a> )<br />
Trotzdem sagte sie dort über ihren katholischen Glauben: „Ich habe meine Kinder in der Kirche (der so genannten &#8222;Pius-Brüder&#8220; des schismatischen Erzbischofs Marcel Lefèbvre, CM) St. Niocolas du Chardonnet (Paris) taufen lassen. Ich habe also nicht traditionalistische Katholiken zu kritisieren. Aber ich wünsche nicht, dass sie wie in einer Art abgeschlossenen `Kapelle`, ihre religiösen Überzeugungen über die politischen Überzeugungen stellen“.<br />
So gibt sich Madame Le Pen nach außen hin als treue Verteidigung der französischen laicité, also der Überordnung staatlicher, aber vernünftiger Gesetze über religiöse Weisungen.<br />
Aus taktischen Gründen ist in dem RN offiziell keine kritische Rede mehr von Kritik an der Homosexuellen &#8211; Ehe oder zum Schwangerschaftsabbruch zu vernehmen. Die rechtsextremen Führer haben erkannt: Diese Themen spalten die Gesellschaft, man will die Mehrheit gewinnen…</p>
<p>4.<br />
Im April 2017 bekannte sich Madame Le Pen in einem Interview mit „La Croix“ sogar als „extrem gläubig, aber verärgert mit der Kirche.&#8220;<br />
Dieselben Worte sagte sie schon in einem Interview mit der katholischen Zeitschrift „La Vie“ (Paris) im Jahr 2011: Und damals fügte sie hinzu: „Glücklicherweise aber berührt (stört) der Klerus nicht meinen Glauben“ (Quelle. Pierre Jova in „La Vie“, 3.10.2022. Publié et mis à jour le 05/10/2022 à 11h37). Madame Le Pen fühlt sich verletzt, so heißt es in ihren Kreisen, weil die katholischen Bischöfe einst ihren Vater, den reaktionären Chef des Front National, heftigst kritisieren. Gegenüber Marine Le Pen ist die Bischofskonferenz sehr viel moderater, sehr viel schweigsamer geworden. Vor den Wahlen am 30.6.2024 fiel den Bischöfen nichts anderes ein, als aufzufordern zur Wahl zu gehen und&#8230; zu beten. <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/18362_parlamentswahlen-in-frankreich-jetzt-hilft-nur-noch-beten-glauben-die-bischoefe_aktuelles">LINK</a>.</p>
<p>5.<br />
Madame Le Pen äußert Kritik auch zu Papst Franziskus, weil er sich stark für die Offenheit gegenüber Migranten einsetze. Marine Le Pens dauerndes Statement: „Der Papst sollte sich nicht politisch einmischen.“ Damit zeigt sie sich wiederum als Anhängerin der laicité, der Trennung von Kirche und Staat. Und damit kann sie Mehrheiten finden!</p>
<p>6.<br />
2021 schrieb die Zeitung „Le Parisien“, Marine Le Pen verstehe sich nun eher als „Catholique du Parvis“, als „Katholiken auf dem Vorplatz der Kirche“. (Quelle: Alexandre Sulzer in der Tageszeitung „Le Parisien“, am 18.März 2021.)</p>
<p>7.<br />
2022: Madame Le Pen polemisiert gegen ihren politischen Feind von sehr extrem Rechtsaußen, gegen Eric Zemmour und seine Partei Reconquete: In einen Zusammenhang nannte sie Zemmour &#8211; Wähler „katholische Traditionalisten“, „Heiden“ und „Nazis“. „Eine Ungeschicklichkeit“ nennen sogleich Mitarbeiter diese Äußerung der Parteichefin und sie selbst versucht die Wogen zu glätten. „Ich hätte eher „Integristen“ sagen sollen“, meint Madame Le Pen später. „Integristen“ sind eigentlich noch radikaler als Traditionalisten: Sie wollen die Herrschaft der Kirche über den Staat. Traditionalisten fordern hingegen den Stop jeglicher Kirchenreform und die Wiederkehr der alten lateinischen Messe des 16. Jahrhunderts.</p>
<p>8.</p>
<p><em>Warum also wählen so viele praktizierende Katholiken die nach wie vor rechtsextreme, nach außen sich etwas freundlich gebende Partei Marine Le Pens? V</em>iele Gründe sind zu nennen: Etwa: Die Inhalte der Partei &#8222;Rassemblement National&#8220;  sind den Katholiken sympathisch, weil sie selbst politisch sehr konservativ, sehr national, manchmal reaktionär denken &#8230; und immer nur eine Minderheit der französischen Katholiken politisch links war. Weil sie die Demokratie als schwierige Lebensform (&#8222;zu viele Diskussionen&#8220; etc.) nicht auf Dauer gestalten und auch ertragen wollen. Weil die Demokratie ohnehin in der katholischen Kirche selbst keine &#8222;heilige Institution&#8220; ist und sich diese katholische Kirche selbst so oft auch poffiziell und so gern &#8222;nicht &#8211; demokratisch&#8220; nennt. Und: Die geheime Liebe der Katholiken zu einem &#8222;Führer&#8220;, etwa zu Marschall Pétain in den Jahren der Nazi-Besetzung Frankreichs, ist bekannt. Die Ergebenheit vieler Laien für den Papst und den Klerus war immer auch eine Treue zu &#8222;Führern&#8220;&#8230;</p>
<p>9.</p>
<p><em>Der neue Trend unter konservativen und reaktionären Katholiken in Frankreich,</em> der auch zur Sympathie für die Partei Marine Le Pens führt: Diese Katholiken nennen sich &#8222;tradis&#8220;, also eher sanfte Traditionalisten: Sie beteiligen sich an dem jährlichen Pilgermarsch von Paris nach Chartres, 18.000 Teilnehmer 2024; sie sind mit offiziell römisch &#8211; katholischen Vereinen und Orden verbunden, die aber de facto auch theologisch reaktionär sind, wie das &#8222;Instiutut du Bon Pasteur&#8220; in Bordeaux, dort ist Mitglied der populäre, äußerst konservative Priester Matthieu Raffray. Oder auch die viele Mitglieder zählende äußerst konservative Gemeinschaft der Priester von &#8222;Christ-Roi Souverain Pretre&#8220;.</p>
<p>10.</p>
<p>Der neue Parteichef des Rassemblement National ist Jordan Bardella (geb. 1995 in Drancy), er besuchte als Katholik in der Banlieue, in Saint Denis, die katholische Schule &#8222;Jean-Baptist de la Salle&#8220;.</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/18403_marine-le-pen-und-ihr-katholischer-glaube_aktuelles">Marine Le Pen und ihr katholischer Glaube</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Über das langsame Verschwinden der katholischen Kirche in Frankreich.</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/18388_post-katholisch-ueber-das-langsame-verschwinden-der-katholischen-kirche-in-frankreich_aktuelles</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 28 Jun 2024 14:34:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Befreiung]]></category>
		<category><![CDATA[Denken und Glauben]]></category>
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		<category><![CDATA[le post - catholicisme]]></category>
		<category><![CDATA[Post-katholisch]]></category>
		<category><![CDATA[qu est-ce que le post-catholicisme?]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://religionsphilosophischer-salon.de/?p=18388</guid>

					<description><![CDATA[<p>Für Frankreich gilt: Es ist ein "POST-katholisches" Land geworden.  Das heißt: Frankreich ist - schon vor einigen Jahren - in eine neue religiöse Epoche eingetreten. Sie ist bestimmt vom stetigen Abschied von katholischen Glaubenswelten und vom Abschied von der Bindung an die katholische Kirche als Institution. Frankreich lebt in Zeiten, in denen Katholisches als gelebte Orientierung weithin Vergangenheit ist: „Post - katholisch“ wäre der Begriff, selbst wenn die französische Kirche noch über ein großes Gerüst an Institutionen verfügt und viele Kathedralen und Abteien Zeugnisse sind für den Glauben ... „von einst“.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/18388_post-katholisch-ueber-das-langsame-verschwinden-der-katholischen-kirche-in-frankreich_aktuelles">Über das langsame Verschwinden der katholischen Kirche in Frankreich.</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Hinweise von Christian Modehn am 28.6.2024.</p>
<p><em>Ergänzt am 30.6.2024, 19 Uhr:</em></p>
<p>Ein Freund aus Frankreich sagte mir: &#8222;Es gibt im Augenblick zwar politisch gesehen wichtigere Themen für uns Franzosen als dein Thema hier. Aber die so starke Verbundenheit der praktizierenden Katholiken mit den Rechtsextremen, dokumentiert nach der Europawahl am 9. Juni, ist schon erschütternd.&#8220;</p>
<p>Ich antwortete ihm: &#8222;<em>Weil die katholische Kirche nicht im entferntesten demokratisch strukturiert und organisiert ist, also auch von offizieller Seite keine demokratischen Werte als &#8222;göttlich&#8220;, als &#8222;absolut wertvoll&#8220; vertreten kann und so auch predigt, ist die starke Nähe der praktizierenden Katholiken zu Rechtsextremen durchaus verständlich.</em>.. &#8220;</p>
<p>&#8230;</p>
<p>Anläßlich der Wahlen zum Europaparlament und zu den Parlamentswahlen Ende Juni 2024 sollte sich das Interesse auch auf den Zustand der Religionen in Frankreich richten, etwa auf die katholische Kirche. Und dies nicht nur, weil bei den Europawahlen am 9.Juni 42 Prozent der „praktizierenden Katholiken“ für die rechtsextreme Partei „Rassemblement National&#8220; und die noch rechts-extremere Partei „Reconquete“ stimmten. Wichtig ist, dass sich im Jahr 2023 nur eine Minderheit von 29 Prozent der Franzosen „katholisch“ nennt, und: die meisten dieser Katholiken gehören der älteren Generation an…</p>
<p>&#8230; Der Text vom 28.6.2024:</p>
<p>1.<br />
Die katholische Kirche in Frankreich, als die „älteste Tochter der römischen Kirche“ gepriesen, ist tatsächlich uralt. Seit dem 1. Jahrhundert gibt es in Gallien christliche Präsenz, etwa in Lyon. Und bis heute ist der Katholizismus sichtbar durch zahlreiche gotische Kathedralen, romanische Kirchen und große, zum Teil noch bewohnte Abteien oder auch durch die vielen tausend christlich geprägten, auf Heilige bezogenen Straßen &#8211; und Ortsnamen.</p>
<p>2.<br />
An der populären Verehrung der gotischen Kathedrale „Notre Dame in Paris“ gibt es keinen Zweifel. Das uralte Gebäude schätzen die meisten, zumal die 12 Millionen touristischen Besucher etwa im Jahr 2017.<br />
Aber, die permanente „Fotografier &#8211; Sucht“ der durch die Kirche Eilenden zeigt: Die Kathedrale wird als Museum, als Monument des Mittelalters und der nationalen Identität wahrgenommen. Von plötzlichen Bekehrungen zum Katholizismus durch einen Besuch in „Notre Dame“ &#8211; wie es einst dem Schriftsteller Paul Claudel geschah &#8211; wird nichts mehr berichtet. Immerhin, die Kirchenfernen, zumal die materiell stark Begüterten, spendeten für den Wiederaufbau der Kathedrale nach dem verheerenden Brand am 15. Juli 2019. Staatspräsident Macron versprach sofort in seiner übereilten Art, der Wiederaufbau werde etwa ein Jahr dauern, jetzt wird Ende 2024 die Kathedrale feierlich eröffnet.</p>
<p>Auch wenn einige tausend erwachsene franzosen sich jährlich zu Ostern in katholischen Kirchen TAUFEN lassen: Dies sind sehr kleine Minderheiten, von einem &#8222;renouveau&#8220; des Katholizismus deswegen zu sprechen, ist übertrieben und falsch. Die Zahl der &#8222;praktizierenden Katholiken&#8220; (d.h. einmal im Monat an der Sonnztags-Messe teilnehmen)  nimmt stetig ab&#8230;</p>
<p>Nebenbei: Hoffentlich wird dann NICHT im Jahr 2027  Marine Le Pen („Rassemblement National“) als neue Präsidentin um den Segen des Erzbischofs in &#8222;Notre &#8211; Dame&#8220; bitten. Vom katholischen Glauben, so sagte Madame Le Pen bisher, halte sie nicht viel, bestenfalls in der traditionalistischen Variante der Pius-Brüder. Mit denen war ihr Vater Jean-Marie Le Pen als Rassist und Antisemit sehr eng verbunden. Zu Marine Le Pens Beziehung zum katholischen Glauben: <a href="https://www.leparisien.fr/politique/rassemblement-national-le-chemin-de-croix-de-marine-le-pen-avec-les-catholiques-18-03-2021-8428966.php">LINK</a></p>
<p>3.<br />
Diese äußere Sichtbarkeit der katholischen Kirche darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die katholische Kirche in Frankreich &#8211; wie in anderen westeuropäischen Ländern &#8211; <em>am Verschwinden</em> ist. 1950 nannten sich 90 Prozent aller Franzosen katholisch, 1998 waren es 53 Prozent; 2023 waren es nur noch 29 Prozent der Franzosen, die sich katholisch nannten. (Quelle: https://www.insee.fr/fr/statistiques/6793308?sommaire=6793391)</p>
<p>Nebenbei: Immer handelt es sich um repräsentative <em>Umfragen</em> zur Religion der Franzosen, denn die Republik („laique“!) verbietet sich selbst seit dem 19. Jahrhundert, nach der konfessionellen Bindung seiner Bürger zu fragen.</p>
<p><em>Auch die Zahlen zur Beteiligung der Katholiken an der Sonntagsmesse</em> sind deutlich:<br />
1946: 37 Prozent regelmäßige Teilnehmer an der Sonntagsmesse,<br />
1969: 25 Prozent,<br />
1975: 16 Prozent. (Quelle: Delumeau, „Stirbt das Christentum?“, Seite 21).<br />
2023: 8 Prozent Katholiken, die mindestens einmal im Monat an der Sonntagsmesse teilnehmen. (Quelle: https://www.insee.fr/fr/statistiques/6793308?sommaire=6793391</p>
<p><em>Die Zahl der Priester in Frankreich geht ständig zurück</em>: Ein wichtiges Thema, denn ohne immer nur männliche Priester, so die offizielle Lehre, kann die katholische Kirche nicht bestehen.<br />
1965: 40.000 Priester in Frankreich<br />
1984: waren es 30.000.<br />
(Quelle: „Les Francais sont-ils encore catholiques“, S. 41.)<br />
2000: 25.353<br />
2022: 11.644 (Quelle: https://eglise.catholique.fr/guide-eglise-catholique-france/statistiques-de-leglise-catholique-france-monde/statistiques-de-leglise-catholique-france/ministres-ordonnes-religieux/) Der Altersdurchschnitt des französischen Klerus liegt heute bei 70 Jahre. Selbst viele 75 Jährige Pfarrer sind noch „im Einsatz“. Mindestens 1000 Priester aus dem Französisch sprechenden Afrika sind in Frankreich wie „Gastarbeiter“ im Einsatz, sie sind in machen Bistümern, die einzigen, die noch nicht 60 Jahre alt sind. Diese „Gastarbeiter“ ersetzen den aussterbenden französischen Klerus und verlängern so noch einmal um ein paar Jahre die Klerus &#8211; Herrschaft.</p>
<p><em>Die Zahl der neu geweihten Priester ist seit 60 Jahren minimal geworden.</em><br />
1965: waren es noch 646 Neupriester<br />
1974: nur noch 170. (Quelle Delumeau, Stirbt das Christentum, S. 22):<br />
2010: 96 Neupriester<br />
2022: 114 Neupriester. (Quelle: https://eglise.catholique.fr/guide-eglise-catholique-france/). Die Zahl der Sterbefälle im Klerus ist sechsmal höher als die Zahl der „Neupriester“.</p>
<p><em>Hinweise zum Ende der Klerus &#8211; Kirche werden vertieft in FUßNOTE 2:</em></p>
<p><em>Die Zahl der Taufen von Babys und Kindern geht ständig zurück.</em><br />
2000: 400.000 Taufen<br />
2022: 198.000 Taufen<br />
Quelle: https://eglise.catholique.fr/guide-eglise-catholique-france/statistiques-de-leglise-catholique-france-monde/statistiques-de-leglise-catholique-france/les-sacrements-en-france/)</p>
<p>(Bekannte französische Historiker der religiösen Mentalitäten wie Prof. Jacques Delumeau haben in ihren Studiendarauf hingewiesen: Die Bindung der sich kathaolisch nennenden Franzosen an die Lehren des Evangeliums, etwa seit dem 17. Jahrhundert, war alles andere als vorbildlich. <em>Siehe dazu am Ende dieses Hinweises die Fußnote 1.</em> )</p>
<p>4.<br />
<strong>Diese aktuelle Situation sollte man religionsphilosophisch und religionssoziologisch „auf den Begriff bringen“</strong>:<br />
<em>In Frankreich ist in der Philosophie der Begriff „postmodern“ für den Zustand der Gesellschaft und der Mentalitäten des 20.Jahrhunderts entstanden. A</em>nderswo spricht man von „post-kolonial“ oder „post-demokratisch“, um den politischen Umbruch der Gegenwart zu bestimmen. Auch wenn das „Post-Moderne“ allmählich an Akzeptanz wegen „allzu heftiger subjektiver Beliebigkeit“ verloren hat: An dem Wort „Post- “, „Nach-“ , steckt ja auch die Einladung, den geistigen Zustand einer Gesellschaft kurz und bündig zu beschreiben.</p>
<p>5.<br />
<strong>Nun könnte also für Frankreich ein neuer „Post“ &#8211; Begriff gebräuchlich werden: Es ist das Wort „Post &#8211; Katholisch“.</strong><br />
Das heißt: Frankreich ist &#8211; schon vor einigen Jahren &#8211; in eine neue religiöse Epoche eingetreten. Sie ist bestimmt vom stetigen Abschied von katholischen Glaubenswelten und vom Abschied von der Bindung an die katholische Kirche als Institution. Frankreich lebt in Zeiten, in denen Katholisches als gelebte Orientierung weithin Vergangenheit ist: „Post &#8211; katholisch“ wäre der Begriff, selbst wenn die französische Kirche noch über ein großes Gerüst an Institutionen verfügt und viele Kathedralen und Abteien Zeugnisse sind für den Glauben &#8230; „von einst“.</p>
<p>6.<br />
<em>Wer Verantwortung oder gar Schuld hat an diesem „post-katholischen Zustand“, ist eine wichtige Frage</em>. Unsere These: Es ist die klerikale Herrschaftsform dieser Kirche selbst und ihre absolute Unbeweglichkeit, die auf nicht mehr nachvollziehbare Dogmen nicht verzichten kann und die Menschen aus der Kirche treibt… Es ist also die starre Herrschaft erstarrter Kleriker, die diese „post &#8211; katholische Epoche“ hervorgebracht hat. Kleriker nennen gern als „schuldig“ für diesen Zustand diffus „die Säkularisierung“, den fehlenden &#8222;Respekt vor den Werten“, die „Konsumgesellschaft&#8220;, früher sagte man auch gern „das Fernsehen“… Wenn die Kleriker dann heute vornehm „Reformen“ vorschlagen, dann sind es, wie üblich, immer nur solche, die ihre eigene Macht nicht gefährden.</p>
<p>7.<br />
Es ist dabei interessant zu sehen, dass mit diesem post &#8211; katholischen Zustand Frankreichs jetzt <em>eine „post &#8211; demokratische Zeitenwende“ gleichzeitig korrespondiert,</em> also die wahrscheinliche Machtübernahme durch die nur nach außen hin gemäßigte, nicht-rechtsradikale Partei von Marine Le Pen, das „Rassemblement National“. Das zentrale Motto dieser Partei ist der egoistische Nationalismus, „La France d abord.“ Egoismus zuerst also. Und deswegen die Forderung: Flüchtlinge und Fremde: Raus…<br />
Weil die Katholiken wahrscheinlich besser die Paragraphen des römischen Katechismus kennen als die Menschenrechte und die Werte der Demokratie, haben gerade die „praktizierenden Katholiken“ am 9.Juni bei den Europa-Wahlen sehr heftig die beiden rechtsradikalen Parteien gewählt (42 % aller praktizierenden Katholiken). Die französischen Bischöfe haben nicht explizit die Katholiken vor den Rechtsextremen gewarnt, sie schweigen sich auch jetzt aus, nach den Ergebnissen der Europawahl. Manche kompetente Beobachter meinen: Vielleicht denken ja auch einige Bischöfe so wie die Führer der Rechtsextremen, die Bischöfe sind wie diese Politiker gegen die „Ehe für alle“, für den absoluten Schutz der heteronormativen Familie, der Liebe zum „alten Frankreich“ usw… Von den Bischöfen Rey (Toulon) oder Aillet (Bayonne) kann man das gewiss sagen.</p>
<p>8.<br />
<em>Ob dieser Zustand des „Post-Katholischen“, also der katholischen Minderheit, sich in Zukunft weiter bestätigt, hängt von vielen Faktoren ab:</em> Gibt es Kräfte, die zur grundlegenden Reformation (nicht zur „Reform&#8220;, diese ist viel zu bescheiden angesichts der Probleme) in der Lage sind? Sind die engagierten Laien in den Gemeinden in der Lage, eine Präsenz des Katholischen zu garantieren? Bekanntlich sind sie nur HelferInnen des Klerus, die Eucharistie leiten dürfen sie nicht. Die Feier der Eucharistie wird offiziell vom Klerus als der absoluteste aller Mittelpunkte katholischen Lebens behauptet, aber die Eucharistie dürfen nur zölibatäre Priester leiten, so behalten die Priester nach wie vor die Macht in der absolut wichtigsten aller katholischen „Ereignisse“… Wenn der Klerus ausstirbt, sterben also auch die Gemeinden. Das weiß der Klerus, und er akzeptiert diesen Weg ins Ende des Katholizismus.</p>
<p>Und die eigentlich irgendwann einmal etwas prophetisch gesinnten Ordensleute fallen auch in Frankreich weithin aus, nicht nur weil die Orden, männliche wie weibliche, am Aussterben sind in Frankreich, sondern weil auch das Renommee der neu gegründeten, oft charismatischen Ordensgemeinschaften einfach miserabel ist, wegen der vielen Fälle sexuellen Missbrauchs vor allem durch männliche Ordensleute.</p>
<p>9.<br />
Wer heute noch in dieser Kirche mitwirkt, ist meistens dem konservativen Lager zuzurechnen: Und diese Kreise sind froh, dass auch heute alles der Tradition und den angeblich unwandelbaren Dogmen entsprechen… alles Katholische soll also so bleiben, wie es &#8211; angeblich &#8211; immer schon war.<br />
In dieser versteinerten Haltung wird die katholische Kirche zur sehr „kleinen Herde“, wie man kirchenintern gern voller Trost im Blick auf ein Jesus-Wort sagt, also zur abgeschotteten Sekte in einer „post &#8211; katholischen Gesellschaft“.<br />
Noch einmal: Jetzt nennen sich noch 29 Prozent aller Franzosen, vor allem ältere Menschen, katholisch. Die stärkste „Konfession“ sind heute die Religionslosen, mit über 50 Prozent. Und ihr Anteil wächst. Sind diese Religionslosen aber wirklich ohne Religion? Wenn nein, welche Religion haben sie, suchen sie, das sind offene Fragen, die bisher kaum religionsphilosophisch bearbeitet werden.</p>
<p>10.<br />
<em>Mit den Menschen „sans religion“ , „ohne Religion“, sowie den 5 Millionen Muslims</em> sowie den einigen hunderttausend Evangelikalen und 500.000 Juden und den zahlreichen Buddhisten wird sich also der Minderheiten &#8211; Katholizismus irgendwie verständigen müssen, in einer Zeit alsbald, die man dann allgemein nur „post-katholisch“ nennen wird. Nietzsche fragte einst: Wird die Kirche zum Grab Gottes? In Frankreich ist man geneigt, diese frage mit Ja zu beantworten. Man lasse sich nur vom schönen Schein der so schönen Kathedralen etc. täuschen oder von den Wallfahrtsorten und Pilgerrouten, die selbst für „Religionslose“ wichtig geworden sind, als Formen des „Besonderen“, „Anregenden“ und durchaus „Unterhaltsamen“…</p>
<p>&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;</p>
<p><strong>FUßNOTE 1: </strong></p>
<p>Man studiere die Katholizismus-Geschichte etwa seit König Ludwig XIV.: Auch wenn es im seit dem 18. Jahrhundert zahlreiche katholische Ordensgründungen und mystische Bewegungen auch volkstümlicher Art (Pascal, Jansenisten etc.) gab: Eine tiefere, reflektierte und bewusst gelebte Orientierung am Evangelium Jesu gab es weithin nicht.<br />
Darauf hat unter anderen der bekannte Historiker der religiösen Mentalitäten Prof. Jacques Delumeau in seinen zahlreichen Studien seit Mitte der 1970er Jahre hingewiesen. Etwa in dem Buch „Stirbt das Christentum?“ (Walter Verlag Olten, 1978).<br />
Delumeaus wichtige Erkenntnis: Die Katholiken der viel gerühmten früheren Zeiten, etwa des Barock und danach, waren nicht vorbildlich christlich oder katholisch-fromm, selbst wenn sie noch in vielen Regionen sehr oft an der Messe teilnahmen.<br />
Man lese in dem Zusammenhang auch die empirischen, schön geschriebenen journalistischen Beobachtungen und Studien von Sébastian Mercier (geb. 1740 &#8211; 1814) „Mein Bild von Paris“ (Insel-Verlag, 1979). Darin etwa das Kapitel „Messen“ (s. 134 ff.) „Sonn-und Feiertage“ (235 ff) oder „Beichtväter“: Deutlich wird die Oberflächlichkeit des Glaubens der meisten Katholiken in Paris kurz vor der Revolution (1789). Deutlicher kann der Glaube der „ältesten Tochter der römischen Kirche“ in Paris nicht beschrieben werden.</p>
<p>Bekannt ist auch, dass etliche französische Bischöfe schon seit 1930 deutlich sahen: Frankreich ist wieder Missionsland geworden, weil trotz der formellen Bindung an die Kirche durch die übliche Taufe die wichtige innere Verbundenheit mit dem Glauben fehlt. Das waren und sind religions-soziologische Feststellungen, die das Äußere der „religiösen Praxis“ betreffen, was aber bekanntlich nichts aussagt über den „inneren Glauben“ des einzelnen Menschen.</p>
<p>Jedenfalls wurden dann durch die Bischöfe Initiativen erlaubt, die ein neues Gesicht der Kirche in Frankreich zeigen sollten: Es waren seit 1940 etwa die Arbeiterpriester, die als Pfarrer und Ordensleute als „normale“ Arbeiter in den Fabriken vor allem tätig waren und keine Verantwortung in Pfarrgemeinden hatten. Die Arbeiterpriester und die entsprechenden katholischen Laienbewegungen der Arbeiter (ACO und JOC) wollten durch ihre solidarische Präsenz mit den Arbeitern zeigen: Christen sind nicht nur (groß)bürgerlich, sie stehen an der Seite des Proletariates, bis hin zur Mitgliedschaft von Arbeiterpriestern und Theologen in der Kommunistischen Partei oder der Gewerkschaft CGT, dies als Ausdruck der echten Verbundenheit mit dem Proletariat. Auch aus politischen Gründen wurde es 1954 von Papst Pius XII.Priestern untersagt, in der Fabrik zu arbeite. (das übliche vatikanische Nein zum Kommunismus und Sozialismus mit dem bekannten Ja und milden Nein zum Faschismus (Mussolini-Konkordat usw. )<br />
Erst nach dem 2. Vatikanischen Konzil 1965 erlaubte Rom wieder das „Experiment der Arbeiterpriester“, heute sind nur 20 Priester als Arbeiter tätig, weil es zu wenige Priester heute gibt… Und die wenigen jungen Priester sich in gut ausgestatteten bürgerlichen Pfarreien mit lateinischen Messen möglichst noch am wohlsten fühlen. Dass die jungen französischen Priester eher sehr rechts stehen und konservative Theologien vertreten, wurde in den letzten Monaten oft dokumentiert.</p>
<p><em><strong>FUßNOTE 2</strong>:</em></p>
<p><em>Hinweise zum Ende der Klerus &#8211; Kirche:</em></p>
<p>Der Klerus in Frankreich ist noch stärker überaltert als etwa in Deutschland: In Paris und Versailles, dort, wie es schön und bequem ist, arbeiten noch etliche junge Priester. Aber in den kleinen Bistümern in der Provinz ist die Ausstattung mit den im Katholizismus immer noch für unersetzlich gehaltenen Klerikern äußerst prekär. Und dies schon seit Jahrzehnten.</p>
<p>Nur ein Beispiel: Die aktuelle Website des Erzbistums Sens-Auxerre in Burgund nennt in seiner aktuellen Website, gelesen am 26.6.2024, noch 64 Priester. Schaut man aber genauer hin, dann sind 2 Priester in anderen Bistümern tätig, 11 meist noch jüngere Priester stammen aus Afrika, und von den anderen, in Frankreich geborenen, sind nach meiner Recherche mindestens 20 über 70 Jahre. Die Website erwähnt sogar im Bistum tätige Priester im Alter von 94 Jahren oder 85 Jahren oder 92 Jahren.</p>
<p>Ich habe 1998 in dem Bistum Sens &#8211; Auxerre einen Film für die ARD realisiert, „In letzter Minute“ war der Titel, der schon das bevorstehende Ende der Kirchenstrukturen im Bistum andeuten sollte. Damals führte das Jahrbuch des Bistums „Eglise dans l Yonne“ (1998) noch etwa 100 Priester auf, wobei viele auch sehr vorgerückten Alters waren.damals lebten 320.000 Menschen im Bistum bzw.im Département. Heute, laut website des Bistum, leben dort 340.000 Menschen. Der Anteil der „praktizierenden, d.h. an der Sonntagsmesse teilnehmenden Katholiken in den ingesamt 30 Pfarreien ist minimal. Manche sprechen von 2 Prozent „praktizierender Katholiken“ in diesen Gegenden Burgunds , oft sind es Pariser mit einer Ferienwohnung dort, die an der Messe teilnehmen. Die absolut minimalen Zahlen der „praktizierenden Katholiken“ ist ähnlich in den Bistümern Troyes, Nevers, Moulins, Limoges (Guéret), Perigeux usw. usw. und es sind ganz überwiegend ältere Menschen, die sich noch in die leeren Kirchen sonntags zur Messe setzen, und es sind ältere Frauen, die in den Dörfern als „Ansprechpartner der Kirche“ noch eine gewisse Präsenz der Kirche zeigen…</p>
<p>Aber wer durchs Land fährt, sieht überall verfallene Kirchen, oft schon Ruinen seit 100 Jahren. <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/13119_verlassene-kirchen-aufgegeben-verfallen-christentum-im-uebergang_buchhinweise/philosophische-buecher">LINK</a>.</p>
<p>Eine gewisse Melancholie stellt sich ein: <em>Denn die Frage nach der Schuld an diesem Zustand stellt sich ein. Es evident, dass die Herren der Kirche auch für diesen Niedergang Verantwortung tragen, weil sie katholisches Gemeinde &#8211; Leben ohne den zölibatären Klerus für unmöglich halten, also Laien nicht Verantwortung geben, die Eucharistie in neuer Form zu feiern.</em> Selbst wenn das heute ab sofort möglich wäre, diese Reform käme zu spät. Es gibt nur wenige Laien, die diese Reformen &#8211; schon altersmäßig &#8211; mittragen können und wollen. Es ist also vorbei, mit dem Katholizismus in Frankreich, selbst wenn er nach außen hin noch als alte kulturelle Tradition sichtbar ist.</p>
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<p><em>Einige Bücher, die für diesen Hinweis wichtig sind</em>:</p>
<p>Céline Béraud et Philipe Portier, Metamorphosen catholiques. Editions de la Maison des sciences de l` homme, Paris, 2015.</p>
<p>Patrick Cabanel, „Le droit de croire. La France et ses minorités religieuses 16.-21. siècle“. Edition Passés Composés, Paris, 2023.</p>
<p>Guillaume Cuchet, „Comment notre monde a cessé d être chrétien“. Ed.du Seuil, Paris, 2018.<br />
Ders., Le catholicisme a-t-il de l avenir en France?“ Ed. du Seuil, 2021.</p>
<p>Jérome Fourquet, „Á la Droite de Dieu“. Ed. du Cerf., Paris, 2018.</p>
<p>Danièle Hervieu &#8211; Léger, „Catholicisme, Fin d` un Monde, Ed. Bayard, Paris, 2003.</p>
<p>Danièle Hervieu &#8211; Léger, Jean Louis Schlegel, „Vers l `implosion? L` avenir du catholicisme“. Ed. du Seuil, 2022.</p>
<p>Guy Michelat und andere, „Les Francais sont &#8211; ils encore Catholiques?“, Ed. Du Cerf, 1991.</p>
<p><em>C<strong>opyright: Christian Modehn, www.religionsphilosophischer-salon.de</strong></em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/18388_post-katholisch-ueber-das-langsame-verschwinden-der-katholischen-kirche-in-frankreich_aktuelles">Über das langsame Verschwinden der katholischen Kirche in Frankreich.</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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