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	<title>Remonstranten Forum Berlin Archive &#8211; Religionsphilosophischer Salon</title>
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	<description>... eine Einladung zum Mitdenken und Mitdiskutieren</description>
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		<title>Fördert die Regierung Netanjahu den Antisemitimus?</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/20487_foerdert-die-regierung-netanjahu-den-antisemitimus_religionskritik</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 Jul 2025 19:39:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Alternativen für eine humane Zukunft]]></category>
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		<category><![CDATA[Israels Politiker fördern Antisemitismus]]></category>
		<category><![CDATA[ist Israel ein jüdischer Staat der die Bibel ernst nimmt]]></category>
		<category><![CDATA[Netanjahu fördert den Antisemitismus]]></category>
		<category><![CDATA[Palästina-Politik Netanjahus fördert weltweit Antisemitismus]]></category>
		<category><![CDATA[Prof.Shlomo Sand Israel-Kritiker]]></category>
		<category><![CDATA[Shlomo Sand]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Regierung Netanjahu fördert in ihrer maßlosen und totalen Zerstörung der Menschen im Gaza-Streifen den Antisemitismus. Die Unterscheidung von Antisemitismus und "Kritik an Israel" wird jetzt durch die Netanjahu Regierung heftigst in Frage gestellt.Antisemitismus also durch Israel? Man darf das fragen und muss Israel daran erinnern: Dass Israel als jüdischer Staat den grundlegenden biblischen humanen Werten auch jetzt und immer absolut verpflichtet ist. Oder Israel sollte aufhören, sich "jüdischer Staat" zu nennen. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/20487_foerdert-die-regierung-netanjahu-den-antisemitimus_religionskritik">Fördert die Regierung Netanjahu den Antisemitimus?</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die 28. der „Unerhörten Fragen“<br />
Von Christian Modehn <em>am 31.7.2025</em></p>
<p><em>Am 16.9.2025:</em> <em>Nach vielen Rückmeldungen beantworten viele LeserInnen diese Frage mit JA. </em>Sie meinen, dass diese Regierung Netanjahus mit den Rechtsextremen in der Regierung (an die er sich aus persönlichen, egoistischen Gründen klammern muss)  tatsächlich  antisemitische Gefühle bewirkt oder fördert. Progressive Juden sind offenbar zu schwach, um diesem Netanjahu-Wahn sofort und absolut Einhalt zu gebieten!!  CM.</p>
<p>&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;Am 31.7.2025:</p>
<p>Könnte es sein, dass die Netanjahu-Regierung in Israel in ihrem absolut unmenschlichen Umgang mit den Palästinensern in Gaza (und im Westjordanland) den allgemeinen Antisemitismus weltweit fördert? Antisemitismus in der westlichen Welt also verursacht durch Israels Politiker und durch die jüdischen Bürger Israels, die diese Politiker wählten?</p>
<p>Diese Frage wird in aller Vorsicht gestellt. In dem Wissen, dass gebildete Menschen Antisemitismus von Kritik an einer brutalen Regierung in Israel unterscheiden. Aber auch in dem Wissen, dass diese Unterscheidung bei sehr vielen Menschen leider nicht üblich ist. Und jetzt schwerfällt. Dass diese Regierung Israels de facto Antisemitismus erzeugt, wird verstärkt durch das Wissen: Dass Israel sich ursprünglich als ein „jüdischer Staat“ behauptet. Ein religiöser, biblischer Staat also, der, bei diesem Titel dem eigenen Anspruch folgend, gewisse grundlegende humane Prinzipien etwa der biblischen Propheten respektieren müsste! Der also dem entsprechend mehr auf Dialog mit den Feinden setzen müsste als auf permanente Unterdrückung des Feindes. Fördert also Israels Regierung den Antisemitismus in der &#8222;westlichen Welt&#8220;? Das ist wahrscheinlich!</p>
<p>Dies wird auch in dem Wissen gesagt, dass die Hamas Israel brutal angegriffen hat. Dies wird auch in dem Wissen gesagt, dass das übliche, angeblich biblisch begründete (aber nicht etwa christlich geltende) Prinzip der Rache „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ gegen den Feind maßvoll eingesetzt werden sollte.<br />
Jetzt aber ist die tötende Gewalt Israels gegenüber dem Feind absolut maßlos geworden. Die Bilder des durch Isarel erzeugte Elends der Menschen in Gaza erinnern an leidende Menschen im KZ!<br />
Hilfsorganisationen nennen das Elend der Palästinenser jetzt „die Hölle“ (Tagesschau 31.7.2025, 20. Uhr). Ist es also für bestimmte Juden normal geworden, dass jüdische Politiker die Hölle für andere erzeugen?<br />
Nein, es gibt Widerspruch unter Juden in Israel und weltweit, aber leider bleibt der Widerspruch bisher wirkungslos. Woran liegt das? Wie weit darf Israel -Kritik durch Juden gehen? Die großartigen Studien des jüdischen Historikers <em>Prof. Shlomo Sand</em> (Tel Aviv) sind leider die Ausnahme, sie werden in Deutschland kaum beachtet, seine Studien verdienen weites Interesse! <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shlomo_Sand">LINK  </a>Kein deutscher TV Sender fragt Prof. Slomo Sand…Eine Rezension eines der Bücher von Shlomo Sand: siehe die Fußnote 1.</p>
<p>Gott sein Dank wehren sich gegen den Massenmord durch Israels Regierung einige vernünftige europäische Politiker. Deutsche sind bislang deutlich nicht dabei, wenn es jetzt um die Anerkennung eines Palästinenser Staates geht. Deutsche Politiker fördern also auch in dieser ihrer Zurückhaltung, Angst, Staatsräson, den von dieser Regierung in Israel erzeugten Antisemitismus? Darf man diese Situation paradox nennen? Das heißt: Deutsche Politiker (Merz und Co) fördern wieder in dieser ihrer genannten Zurückhaltung eine neue Form des Antisemitismus?</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin</p>
<p>&#8230;&#8230;..</p>
<p><em>Fußnote 1:</em></p>
<p>Shlomo Sand<br />
Warum ich aufhöre, Jude zu sein<br />
Propyläen Verlag. 156 Seiten. 18 €</p>
<p>Von Christian Modehn , erschienen in der Zeitschrift PUBLIK &#8211; FORUM  2014.</p>
<p>Shlomo Sand, Professor für Geschichte in Tel Aviv, bietet mehr als ein persönliches Bekenntnis. Er kann aus objektiven Gründen nicht länger Jude sein, weil er den heutigen Staat Israel ablehnt. Dabei gibt es für ihn keinen Zweifel, als polnischer Jude, 1942 in Österreich geboren, für das Existenzrecht Israels einzutreten. In dem „jüdischen Staat“ lebt er seit 1949. Aber gerade diese Definition findet er unerträglich. Denn Israel bevorzugt die Bewohner, die dem jüdischen Volk zugehören. Dabei ist es ein Mythos, so wörtlich, über die jüdische Rasse den Staat Israel zu definieren. Die „Rasse“ der Hebräer gibt es nicht. Jude, meint Sand, sei man einzig durch sein religiöses Bekenntnis. Als Atheist möchte er aufhören, als Jude zu gelten, kann es aber nicht, weil er vom Staat unaufhebbar dem „Volk“ zugerechnet wird. In dieser „Volksideologie“ sieht Sand zudem die Wurzel der verhängnisvollen Besatzungspolitik. Er plädiert für eine „republikanische Identität“ Israels mit dem absoluten Respekt der Menschenrechte und einer Zweistaatenlösung mit Palästina. Das Buch verdient intensive Diskussionen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/20487_foerdert-die-regierung-netanjahu-den-antisemitimus_religionskritik">Fördert die Regierung Netanjahu den Antisemitimus?</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Warum klagen Juden, Christen und Muslime ihren Gott heute nicht an: Wegen der übelsten Zustände auf dieser Welt.</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/20365_wwarum-klagen-juden-christen-und-muslime-gott-heute-nicht-an-wegen-der-uebelsten-zustaende-auf-dieser-welt_religionskritik</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 06 Jul 2025 18:27:28 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Navid Kermani Der Schrecken Gottes]]></category>
		<category><![CDATA[Pslam 88 lesen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Juden, Christen und Muslime klagen ihren Gott heute nicht mehr an wegen der unsäglichen Leiden in dieser Welt. Einst war die Anklage Gottes selbstverständlich, heute glauben Juden und Christen nicht mehr an den Bund Gottes mit den Menschen. Gott kümmert sich nicht mehr um seine Welt. Katholiken klagen nur noch ihre bürokratische und dogmatische Kirche an, vergeblich allerdings, aber sie klagen nicht mehr den tatenlosen Gott an. Er schweigt in der tiefen Krise der Menschheit. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/20365_wwarum-klagen-juden-christen-und-muslime-gott-heute-nicht-an-wegen-der-uebelsten-zustaende-auf-dieser-welt_religionskritik">Warum klagen Juden, Christen und Muslime ihren Gott heute nicht an: Wegen der übelsten Zustände auf dieser Welt.</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die 27. der „Unerhörten Fragen“</p>
<p>Von Christian Modehn am 6.7.2025</p>
<p>Einst gehörte die Anklage Gottes durch die Frommen im Judentum (Hiob) und im Islam (Attar) selbstverständlich zur Spiritualität. Christen liebten es allerdings nicht so sehr, Gott anzuklagen und gegen ihn zu protestieren. Denn Er galt ihnen als „Gott der Liebe“. Über ihre Ignoranz (Hass im Antisemitismus, Kolonialismus etc.) gegenüber dem Gott der Liebe verloren die allermeisten Christen keine Tränen und keine Worte, geschweige denn formulierten sie Anklage-Gebete. Solche Gebete fehlen bis heute in christlichen Kreisen!</p>
<p>Wenn Juden, Christen, Muslime und ihre „Führer“ tatsächlich noch an ihren lebendig-handelnden Gott glauben, dann sollten sie doch Anklage erheben, also ihren Gott beschuldigen: „Wo bist du denn?“ Gibt es den Gott des „Bundes mit den Menschen“ etwa nicht mehr? Kümmert Er sich nicht mehr um seine Geschöpfe?</p>
<p>Von solchen Anklagen gegen Gott ist heute nichts zu vernehmen. Sind die Frommen mit einem fernen, untätigen Gott sogar zufrieden? Mit dem &#8222;Gott&#8220; Netanjahus und seiner super“frommen“, aber rechtsextremen Minister? Oder ist die Hamas mit ihrem genauso heftigen Allah einverstanden?</p>
<p>Unsere Vermutung: Vielleicht glauben die Frommen und ihre „Führer“ längst nicht mehr an einen fürsorglich handelnden, einen liebenden Gott. ER ist entschwunden. Gott handelt nicht mehr, und wird wegen seines Nicht-Handelns auch gar nicht mehr angeklagt.</p>
<p>Die Theologie des &#8222;Bundes Gottes mit den Menschen&#8220; ist tot, existiert nur auf den Papieren der Theologen, die Ideologen geworden sind. Es herrscht der Nihilismus?</p>
<p>Und was die Christen angeht: Einige Katholiken zumal klagen jetzt zurecht, allerdings völlig erfolglos ,die bürokratischen, undemokratischen Strukturen der Kirche an. Kirchen-Anklage ersetzt die Gottes-Anklage. Diese Kirchen-Anklage ist sowieso einfacher und in den Medien wirksamer und theologisch auch nicht so schwierig wie die Gottes-Anklage.</p>
<p>Nebenbei: Der Autor dieses Hinweises hat eine andere Antwort auf diese &#8222;unerhörte Frage Nr. 27&#8220;. Hier soll nur der Abschied von der Gottes-Anklage in dogmatischen Kreisen der etablierten Religionen religionswissenschaftlich, sozusagen von außen betrachtet, dokumentiert werden. Und als Wende in der religiösen Szene der Gegenwart gedeutet werden! Gott ist angesichts der politischen, ökologischen, sozialen Katastrophen der Gegenwart, von Menschen gemacht, nicht mehr relevant. Man beklagt Seine Abwesenheit schon gar nicht mehr.</p>
<p>PS:<br />
Zur Einstimmung bitte lesen: Psalm 88 „Klage eines Kranken und Einsamen“.</p>
<p>Und zur Vertiefung bitte lesen: Das wichtige Buch von Navid Kermani, „Der Schrecken Gottes. Attar, Hiob und die metaphysische Revolte“, Becksche Reihe, München, 2011, 335 Seiten, 14, 95€.</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.</p>
<p>&nbsp;</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Amsterdam 750 Jahre: Einst kirchlich, heute etwas spirituell und vor allem gottlos?</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/20324_20324_befreiung</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 04 Jul 2025 13:58:01 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Amsterdam feiert jetzt (2025) sein 750-Jubiläum. Welche Bedeutung haben Kirchen und Religionen in der niederländischen Metropole? Heute nennen sich noch 11 Prozent der Einwohner Christen. Und es gibt noch einige lebendige Kirchengemeinden in dieser säkularisierten Stadt. Von offenem humanistischen Geist sind etwa die protestantischen Remonstranen bestimmt. Auch die soziale Hilfe der Christen spielt noch eine Rolle, etwa die Gemeinde der "Drogengebraucher". </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/20324_20324_befreiung">Amsterdam 750 Jahre: Einst kirchlich, heute etwas spirituell und vor allem gottlos?</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Amsterdam wird  750 Jahre alt. Und die Kirchen &#8211; bleiben sie jung?</p>
<p>Ein Hinweis von Christian Modehn am 4. Juli 2025</p>
<p>Wir haben schon früher ausführliche Radio &#8211; Features zu &#8222;Kirchen und Religionen in Amsterdam&#8220;  verfasst, siehe <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/390_religionen-in-amsterdam-kreativ-und-modern_denken-und-glauben">LINK </a></p>
<p>Ein Vorwort:<br />
Über die aktuelle kirchliche und religiöse Situation in Amsterdam sollte auch in Deutschland gesprochen werden. Weil dort sichtbar wird, deutlicher als anderswo in West-Europa, wie umfassend und radikal der &#8222;religiöse Umbruch&#8220; dort ist, er wird „Säkularisierung“ allgemein und oberflächlich genannt. Kirchliche Traditionen sind in Amsterdam durch etliche große Kirchengebäude noch sichtbar. Aber die Zahl derer, die sich in Amsterdam mit dem Christentum „verwandt fühlen“, wie die offizielle Studie von <em>„Onderzoek en Statistik“ (O&amp;S, Amsterdam)</em> die Kirchenbindung nennt, muss marginal genannt werden: <em>Christen aller Konfessionen zusammengenommen bilden im Jahr 2022 den statistischen Wert von 11 Prozent der Bevölkerung, 13 Prozent nennen sich Muslime, 64 Prozent bekennen, ungläubig zu sein. A</em>uch Juden, Buddhisten und Hinduisten werden in der Statistik als kleine Minderheit genannt. 9 Prozent aller &#8222;irgendwie religiösen&#8220; Amsterdamer nehmen regelmäßig an Gottesdiensten teil, im Jahr 2018 waren es noch 12 Prozent. (Quelle: Seite 145 f. in der Studie: Siehe Fußnote 1).</p>
<p>Hier können die Entwicklungen der vielfältigen Orte kirchlichen oder religiösen Lebens in Amsterdam nicht umfassend analysiert oder umfassend theologisch kommentiert werden. Es kommt uns darauf an, wesentliche Entwicklungen des kirchlichen Lebens in Amsterdam zur Kenntnis zu nehmen.</p>
<p><em>Ergänzung am 17.10.2025</em>: Die  Kirchen in Amsterdam bieten nun doch noch eine eigene Publikation zum Stadtjubiläum an, wir gratulieren: Einen digitalen Plan zur Kirchen-Geschichte der Stadt:<a href="https://deanderekaart.amsterdam/">LINK</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Der Anlass für diesen Hinweis,</em> geschrieben am 4. Juli 2025:</p>
<p>1.<br />
Amsterdam feiert &#8211; schon seit Ende Oktober 2024 &#8211; ein großes Jubiläum: &#8222;750 Jahre Amsterdam.&#8220; <strong>Am 27. Oktober 2025 ist der offizielle 750. &#8222;Geburtstag</strong>&#8222;:<a href="https://amsterdam750.nl/">LINK</a></p>
<p>Im Jahr 1275 wurde die Stadt zum ersten Mal in einer Urkunde erwähnt… Seit mehr als 700 Jahren ist dann auch der christliche Glaube, sind die Kirchen, in Amsterdam präsent. Aber diese Präsenz wird seit dem 20. Jahrhundert stetig schwächer: Bei der letzten Zählung 2022 waren noch 11 Prozent der Amsterdamer Bevölkerung mit einer Kirche verbunden. Etwa 6 Prozent der Amsterdamer nennen sich katholisch, etwa 3 Prozent protestantisch und 2 Prozent evangelikal-pfingstlerisch. Um diese Auskunft zu erhalten, muss man im s<em>tädtischen Büro für Statistik „O&amp;S“</em> nachfragen: Wie viele der heute ca. 935.000 Einwohner sind noch mit einer Kirche verbunden? Oder, wie die Niederländer vorsichtiger sagen, wie viele sich noch „verwandt fühlen“ mit „godsdienst of levensbeschouwing“, also mit einer Religion oder einer Lebensanschauung, Weltanschauung: Dies ist eine gewiss interessante, die Beziehung zur Kirche aber eher milde ausdrückende Definition von „Zugehörigkeit“ oder „Mitgliedschaft“… Das „O&amp;S“ Büro der Stadt Amsterdam nennt auch Zahlen zur geschichtlichen Entwicklung: Für das Jahr 2022, aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor, also gilt: „11 Prozent der Amsterdamer fühlen sich mit dem Christentum verwandt. Im Jahr 2006 waren es 21 Prozent.“ <em>Innerhalb von 15 Jahren hat sich die Zahl der Kirchenmitglieder halbiert.</em> Im Jahr 1869, als offenbar zum ersten Mal nach der Konfession der Amsterdamer gefragt wurde: Da nannten sich tatsächlich 100 Prozent der Amsterdamer Kirchenmitglieder, im Jahr 1947 waren es noch 55 Prozent, 1971 waren es 46 Prozent, im Jahr 2012 38 Prozent.</p>
<p>Nebenbei: <em>In Berlin sind es im Jahr 2024 noch 18 Prozent der Einwohner, die sich als Kirchenmitglieder bekennen.</em></p>
<p>2.<br />
Bedeutende alte Kirchengebäude sind im Zentrum Amsterdams (dem „Grachtengürtel“) zu besichtigen, etwa die &#8222;Oude Kerk&#8220;: Im Jahr 1325 wurde an dieser Stelle die erste steinerne Kirche errichtet, heute werden dort sonntags regelmäßig protestantische Gottesdienste gefeiert: Und dies ist Ausdruck der kirchlichen Situation in Amsterdam: Die &#8222;Oude Kerk&#8220; ist tatsächlich bereits ein Museum und eine Konzerthalle, die kleine protestantische, aber ökumenische Gemeinde mietet für ihre Gottesdienste am Sonntag das Gebäude. Oder: Die &#8222;Nieuwe Kerk&#8220; am Dam (1408 errichtet) ist, wie der Name sagt, auch ein &#8222;Gotteshaus&#8220;, aber ein ehemaliges, falls man eine Kulturkirche ein &#8222;ehemaliges Gotteshaus&#8220; nennen soll: Sie ist eines der bekanntesten Kulturzentren der Stadt. Auch die Portugiesische Synagoge (eingeweiht 1675) und die benachbarte „Große Synagoge“ (1825) finden viel Aufmerksamkeit.</p>
<p>3.<br />
<em>Die Protestantische Kirche Amsterdams</em> verfügt noch über 19 Gemeinden und Kirchengebäude <a href="https://www.protestantsamsterdam.nl/kerkdiensten-4/">LINK</a> , das zentrale Kirchenbüro berichtet regelmäßig über kirchliche Veranstaltungen &#8211; auch aus Anlass des Jubiläums. <a href="https://www.protestantsamsterdam.nl/activiteiten/">LINK</a></p>
<p>Die katholische Kirche hat in Amsterdam noch 17 Pfarreien, von denen 7 für „fremdsprachige“ Katholiken bestimmt sind. Viele einstige selbständige kaholische Pfarreien wurden zu Großpfarreien zusammengefügt, wie überall in Europa, wo der Mangel an zölibatären Priestern das Gemeindeleben bestimmt, d.h. reduziert. Für die Freikirchen, Pfingstkirchen gibt es keine Gesamtübersicht der Gemeindezentren, oft sind es eher bescheidene Räume, etwa ehemalige Garagen in eher ärmeren Gegenden. <em>Die Spaltung zwischen Reichen und Armen gilt auch unter Christen in Amsterdam.</em> In diesen Freikirchen treffen sich vor allem Menschen aus Surinam, den Antillen, aus Afrika usw. Das heißt: Die traditionellen einst großen Konfessionen bestimmen nach wie vor das offizielle, man möchte sagen, touristische Bild in der Stadt.</p>
<p>Viele Kirchengebäude, errichtet seit dem 20. Jahrhundert, wurden seit ca. 1970 abgerissen, die genaue Zahl ist sehr schwer zu ermitteln. Es sind sind 20 Kirchen. Einige alte Kirchengebäude blieben in neuer Funktion erhalten und wecken so, aufgrund des Kirchturms etwa, den &#8222;falschen Eindruck&#8220;, es gebe noch viele &#8222;aktive, &#8222;echte&#8220; Kirchen: Einige Beispiele: Die Oosterkerk, die Posthoorn-Kerk, die Oude Lutherse Kerk, die Zuiderkerk, die Amstelkerk; <em>die katholische St. Ignatiuskerk wurde in die Fatih-Mosee umgewandel</em>t, die Kirche am Vondelpark, die Vondelkerk, ist seit langem ein Ort u.a. für opulentes Feiern. Siehe dazu die bunte Website: <a href="https://stadsherstel.nl/eventlocatie/vondelkerk/">LINK</a>:  Lesenswert ist in dem wichtigen Zusammenhang noch immer die Dokumentation &#8222;Herbestemming van Kerken&#8220; , Siehe Fußnote 3.</p>
<p>4.<br />
Der noch ein bißchen beachtliche, sehr kleine Anteil derer, die sich heute noch katholisch in Amsterdam nennen, ist durch die Anwesenheit von Lateinamerikanern, Spaniern und Portugiesen und Polen bedingt. Aber die Teilnahme an der Messe ist wie in ganz Holland minimal. Und es sind meist sehr alte niederländische und etwas jüngere asiatische und afrikanische Priester, die noch für die regelmäßige Messfeier in den Kirchen sorgen. Genaue religionssoziologische Untersuchungen etwa zum Alter der noch Messe zelebrierenden holländischen Priester versucht die Kirxhenfphrung offenbar zu unterdrücken,  ich schätze den Alterdurchschnitt dieser Priester auf etwa 70&#8230; Ein interessantes Beispiel: In der „Onze Lieve Vrouwekerk“ finden katholische Messen unter Leitung spanischer Opus Dei Priester (!) und zu anderen Zeiten auch Liturgien der Syrisch-orthodoxen Kirche statt, eine interessante ökumenische Melange zumal fürs Opus Dei: Die finanzielle Not (bedingt durch die sehr wenigen Katholiken, die noch ihr jährliches Kirchgeld zahlen)  lehrt also auch die extrem konservative katholische Organisation Opus Dei, die Ökumene zu praktizieren. Auch die Russisch-orthodoxe Kirche hat eine ehemalige katholische Kirche „übernommen“ <a href="https://orthodox-amsterdam.nl/en/">LINK</a> . Auf diese Gemeinde an der Lijnbaangracht hinzuweisen ist deswegen wichtig, weil die Popen dort sehr früh schon zu heftigen Kritikern des Angriffskrieges Putins und seines „orthodoxen“ Ideologen Patriarch Kyrill von Moskau waren. <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/14738_gegen-den-moskauer-patriarchen-die-russisch-orthodoxe-gemeinde-in-amsterdam-befreit-sich-von-bindung-an-kyrill-putin_religionskritik">LINK</a></p>
<p>5.<br />
<em>Für die ökumenische Bewegung der Kirchen ist Amsterdam wichtig:</em><br />
Am 23. August 1948 wurde dort der „Ökumenische Weltrat der Kirchen“ (Zentrale in Genf) gegründet. Ökumene gehört zu Amsterdam! Und innerkirchliche Ökumene als Form der Toleranz der einst verfeindeten Konfessionen ist  ein christlicher Aspekt des viel besprochenen niederländischen Humanismus&#8230; Man möchte sagen:Ökumene komnnte nur Amsterdam entstehen. Immerhin: Die moderne (protestantische) Theologie spielt heute in Amsterdam noch eine große Rolle, sie wird an der „Schule für Religion und Theologie“ an der staatlichen &#8222;Vrije Universiteit&#8220; gelehrt. <a href="https://vu.nl/en/about-vu/faculties/school-of-religion-and-theology">LINK</a><br />
Neben vielen speziellen Forschungszentren ist auch das „Arminius &#8211; Institut“ der ziemlich außergewöhnlichen freisinnigen Remonstranten &#8211; Kirche dort angesiedelt, <a href="https://vu.nl/en/about-vu/faculties/school-of-religion-and-theology/more-about/centers-and-institutes-of-the-school-of-religion-and-theology">LINK</a><br />
Diese Fakultät ist eine erstaunliche theologische Leistung in einem &#8211; der Konfessions- Statistik nach &#8211; gar nicht so Kirchen &#8211; und Theologie affinen Milieu.</p>
<p>6.<br />
Die Entwicklung der Verbundenheit mit den Kirchen in Amsterdam wie in den Niederlanden insgesamt ist sehr komplex und kann hier nur kurz skizziert werden:<br />
Die Gesellschaft war bis ca. 1965 in verschiedene „Säulen“, nebeneinander lebend, gespalten: Die „Säulen“ hatten den Titel reformiert, katholisch, liberal, sozialdemokratisch: Sie boten ihren Mitgliedern von der Geburt über die Schule und die konfessionell selbstverständlich nicht-gemischte Ehe &#8230; bis zum Begräbnis auf einem katholischen Friedhof ein Leben in der auch kulturellen und konfessionellen Abgeschlossenheit der jeweiligen Gruppe.<br />
Mitte der neunzehnhundertsechziger Jahre zerbrach dieses System. Es begann auch in Amsterdam die durchaus leidenschaftliche Zeit der praktisch gelebten Ökumene: <em>In der Katholischen Kirche der Niederlande gab es nach dem 2. Vatikanischen Konzil einen radikalen Aufbruch der Reformer,</em> nicht nur das Zölibatsgesetz ignorierten viele Priester, sie setzten sich für die Abendmahlsgemeinschaft mit Protestanten ein in Gemeinden, die sich oft von der Kontrolle der Bischöfe befreit hatten. Es wurden also ökumenische Gemeinden, „Basisgemeinden“ und „kritische Gemeinden“ gegründet, die sich außerhalb der institutionellen konfessionellen Strukturen ziemlich mutig und rebellisch gestalteten. Ich nenne hier nur die bis heute lebendige „Dominikus Gemeinde“, <a href="https://dominicusamsterdam.nl/">LINK</a>. , die ökumenische Basis &#8211; Gemeinde „de Duif“,  die „Ekklesia“ inspiriert von dem bekannten Theologen und Poeten <em>Huub Oosterhu</em>is (1933-2023). <a href="https://ekklesia-amsterdam.nl/liturgie/">LINK</a> . Und zu seinem Werk: <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/16210_huub-oosterhuis-gestorben-der-christliche-glaube-als-poesie-gebet-und-protest_buchhinweise/theologische-buecher">LINK</a></p>
<p>7.</p>
<p>Der Autor dieses Hinweises hat als Journalist die kirchliche Entwicklung Amsterdams seit ca. 1976 regelmäßig beobachtet. Etliche der damals durchaus wegweisenden ökumenischen Initiativen sind jetzt verschwunden, wie etwa das Theologencafé, ein wöchentlicher Treffpunkt, eine Art theologischer Salon für Pfarrer und Pastoren aus wirklich allen verschiedenen Konfessionen! Beispielhaft damals, dem Beispiel ist kein deutsches Bistum gefolgt&#8230;Auch die sozial engagierten Wohngemeinschaft der Orden mussten &#8211; wegen Personalmangel &#8211; aufgegeben werden, etwa die Wohngemeinschaft der Kapuziner oder das Kloster der Augustinerinnen im Rotlicht-Viertel oder das der Franziskanerinnen am Rembrandt Plein, die Prostituierten Zuflucht bot; oder das politisch eher linke Franziskanerkloster in der Moses und Aaron Kirche usw. Das Aussterben der Ordensgemeinschaften kann auch einen Ausfall sozialer, menschlicher Nähe für &#8222;Menschen am Rande, ganz unten&#8220; bedeuten&#8230;Immerhin: Die Gemeinde speziell für &#8222;Drogengebraucher&#8220; gibt es bis heute, diese Gemeinde wurde viele Jahre von dem katholischen Pastor (ein Laie) Ricus Dullaert geleitet&#8230; <a href="https://drugspastoraat.nl/de-stichting/">LINK</a>.  Eine evangelische Initiative mitten im Rotlicht &#8211; Viertel ist seit vielen Jahren die Kommunität „Oude Zijds 100“, ein offenes Haus für Menschen, die Hilfe und Unterstützung brauchen gerade im Umfeld dieses Milieus, auch diese Initiative hat die Krise der Kirchen in Amsterdam überstanden, einige wenige Basisinitiativen leben vielleicht länger als offizielle Kirchen-Zentren. <a href="https://oudezijds100.nl/">LINK</a><br />
Die große Kirche „Moses en Aaron“ am Waterlooplein wird jetzt als „Kirche der Barmherzigkeit&#8220; von der internationalen katholischen Laien &#8211; Gemeinschaft „Sant Egidio“ geleitet…</p>
<p>Der viel besprochene „Niedergang&#8220; der katholischen Kirche Amsterdams ist sicher entscheidend auch durch die Starrheit und Sturheit des römischen Systems, der zentralistischen vatikanischen Leitung und durch die Abwehr alles Demokratischen durch die Kirche unter den Päpsten der letzten Jahre, vor allem Johannes Paul II., bedingt. Der international anerkannte katholische Theologe Edward Schillebeeckx (Nijmegen) erklärte im NRC Handelsblad am 20. November 1999: „<em>Der Papst (Johannes Paul II.) ist ein Alleinherrscher, er beschließt alles selbst. Das ist eine verkehrte `Betriebsleitung`. Er versammelt lauter Ja &#8211; Sager um sich“ .</em> Und bezogen auf die autoritäre Durchsetzung konservativster Bischöfe in Holland sagt Schillbeeckx: „<em>Jetzt kommt alle Weisheit aus Rom und die Leute in Holland laufen aus der Kirche weg“.</em></p>
<p><em>Es ist aber auch entscheidend: Die traditionelle dogmatische Lehre der Kirche, die Formeln und Floskeln im Gottesdienst auch vieler protestantischer Kirchen, sorgen dafür, dass die kritischen, nachdenklichen jüngeren Menschen die Gemeinden verlassen. Dieser Aspekt der verstörenden dogmatischen Kirchenwelt in ihrer veralteten Sprache, ihrer oft rigiden Motal etc. wird viel zu selten als Hauptgrund genannt für den Abschied so vieler von den Kirchen! Davon sprechen Theologen viel zu selten! </em></p>
<p><em>Amsterdam ist übrigens die einzige Hauptstadt Europas, die der extrem reiselustige (er sprach von Pilgerfahrten) polnische Papst Johannes Paul II. nie besucht hat</em>, er wusste sicher warum: Dort gab es damals eine explizite Rom &#8211; Ablehnung auch unter vielen Katholiken. Öffentlichen Ärger wollte er sich also ersparen&#8230; Die progressiven Katholiken wurden von der Kirchenführung so lange und so heftig ausgegrenzt, bis sie keine Kraft zum Widerstand mehr hatten. Ein Trauerspiel: Rom macht eine Kirche kaputt  etwa durch die Bischofsernennungen reaktionärer Bischöfe (Simonis, Gijsen, Kardinal Eijk etc&#8230;) Dieser Aspekt wird von katholischen Autoren in Deutschland, die sich heute noch über Hollands Katholizismus äußern, oft gern „ausgeblendet“. Tatsache ist: Keine katholische Teilkirche wurde von Rom und den Reaktionären weltweit so diffamiert und kaputt gemacht, wie die niederländische Katholische Kirche in den Jahren 1970-1985. Immer ging es um die Demokratie, einen der höchsten Werte niederländischer Kultur, aber einen der größten Unwerte fürs Innenleben des Katholismus bis heute&#8230;</p>
<p>8.<br />
Über 60 Prozent der Amsterdamer nennen sich jetzt, wie gesagt, unreligiös oder ungläubig. Und ihre Zahl steigt von Jahr zu Jahr. Die offizielle Statistik von „O&amp;S“ kann als soziologische Studie für diese Entwicklung keine Antwort geben. Die Theologen und Religionswissenschaftler sind sich uneins: Etliche meinen zurecht, dass auch die sich ungläubig nennenden Menschen eine persönliche Spiritualität bewahren und pflegen, dass sie an „etwas Größeres“ glauben. <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/856_an-etwas-glauben-auf-der-suche-nach-dem-gottlichen-geheimnis_aktuelles">LINK</a> .<br />
Für diese undogmatisch Suchenden und Fragenden kann die Gemeinde der protestantischen Remonstranten &#8211; Kirche in Amsterdam ein Ort des Gesprächs und der Meditation sein. <a href="https://www.vrijburg.nl/">LINK</a> . Zur Solidarität dieser Gemeinde mit den Menschen in Gaza:  <a href="https://www.vrijburg.nl/vrijburg-roept-op/">LINK</a></p>
<p>9.<br />
Zur Stadt Amsterdam als der viel gepriesenen &#8222;Stadt der Toleranz&#8220; (mit einer vergleichsweise schwachen Präsenz der rechtsextremen Partei PVV von Herrn Wilders) passt es gut, dass dort eine explizit christlich &#8211; humanistische Kirche (wie die Remonstranten) und auch säkulare &#8211; humanistische Organisationen (Humanistisch Verbond) aktiv sind. Bekanntlich war die Remonstrantenkirche im Jahr 1986 weltweit die erste christliche Kirche, die Paare des gleichen Geschlechts im Gottesdienst mitten in der Kirche segnete, ob sie nun Mitglieder der Remonstranten sind oder nicht. Übrigens: Alle Gottesdienstteilnehmer, gleich welcher Konfession, snd selbstverständlich zum Abendmahl eingeladen. Zur Theologie der Gemeinde: <a href="https://www.protestantsamsterdam.nl/kerk/vrijburg/">LINK </a></p>
<p>Bei allem Stolz auf die humanistischen Traditionen auch gegenüber Flüchtlingen (Descartes&#8230;) einst: Erst seit wenigen Jahren wird  die Verbindung der Kirchen mit der kolonialistischen Herrschaft und Unterdrückung durch die Niederlande freigelegt. Zu einer neuen Publikation zum Thema niederländische Kirchen und Sklaverei: <a href="https://www.nieuwwij.nl/opinie/recensie-van-kerk-kolonialisme-en-slavernij/">LINK</a>.<br />
Eine ebenfalls humanistische, aber eher agnostisch &#8211; atheistische Glaubensgemeinschaft nennt sich „Vrije Gemeente“: Einst hatte sie in der Nähe des Leidseplein (heute das „Paradiso“) ihre Kirche, seit einigen Jahren hat man sich in einer Villa in der Nähe des Rembrandt Museums niedergelassen und bietet spirituelle und philosophische Gespräche und Vorträge an. An der „Universität von Amsterdam“ hat Prof. Wouter Hanegraaff ein einmaliges Institut zur <em>„Erforschung hermetischer und esoterischer Philosophie“</em> eingerichtet, wichtig in einer Stadt, in der es zahlreiche esoterische Zentren und Buchhandlungen gibt. Ob es heute einen Dialog gibt zwischen christlich/kirchlich Glaubenden und esoterisch/New Age Glaubenden gibt, ist eine offene Frage. Das theologische Zentrum des Franziskaner-Ordens „La Verna“ in Amsterdam bemühte sich einst um einen solchen Dialog, es musste leider wegen Personalmangel geschlossen werden. Und in den 1970-1980 Jahren bemühte sich der <em>Benediktiner Dom Kees Tholens</em> (1913 &#8211; 2011) &#8211; er lebte als Stadtmönch im Begijn-Hof &#8211; intensiv um Gespräche mit den damals sehr stark esoterisch oder auch buddhistisch Interessierten. Zu Kees Tholens siehe meinen Beitrag „Die Kirchen schließen und die Religion lebt auf“ von 1993. Fußnote 2.</p>
<p>10.<br />
Die wenigen heute noch verbliebenen Kirchengemeinden hätten eigentlich große Aufgaben, die über das unmittelbar Religiöse hinausgehen, aber dicht an den Weisungen des Weisheitslehrers Jesus von Nazareth orientiert sind: Vorausgesetzt, die Kirchengemenden sind offen und tolerant. Es wäre etwa die wichtige Aufgabe, für das seelische Wohlbefinden der Menschen in der Stadt einen Beitrag zu leisten. Die Studie von „O&amp;S“ sagt unter Nr. 14: „ <em>Das Glücksgefühl, das Vertrauen in die Zukunft und die Zufriedenheit mit der Regierung haben abgenommen.</em> Junge Menschen haben oft psychische Beschwerden. Dazu kommt belastende Einsamkeit stets öfter vor und öfter als auf Landesebene.“ (Übersetzung CM). Mit anderen Worten: <em>Wie überall in Europa wären also Gemeinden auch Orte des Lernens, der Therapie vor allem, vorausgesetzt, die dort tätigen Pastoren und Gemeindemitglieder sind selbst noch psychisch relativ stabil und kompetent&#8230;</em></p>
<p>11.<br />
Angesichts der Altersstruktur in den Kirchen-Gemeinden ist es absehbar, dass sich <em>in etwa 20 Jahren der Anteil der sich Christen nennenden Amsterdamer so um die 3 Prozent bewegen wird</em>. Die noch verbliebenen Kirchengebäude werden dann schon wegen finanzieller Knappheit der Gemeinden nicht mehr als kirchliche Gebäude zu erhalten sein. Die schönen Gebäude werden verkauft und umgewandelt, aber die Kirchengemeinde mietet noch gelegentlich ihre ehemalige Kirche für ihre Gottesdienste, siehe die Erfahrungen in der &#8222;Oude Kerk&#8220;. Vielleicht wird es dann aber da und dort noch kleine Kapellen und christliche spirituelle Zentren in umgewandelten Läden und Geschäften  &#8211; vielleicht Krypten &#8211; geben, falls selbst diese bei den exzessiven Preisen für Wohnungen und Läden im neoliberalen, kapitalistischen Amsterdam noch bezahlbar sind.</p>
<p><em>Fußnote 1</em>: „Staat_van_de_stad“ Onderzoek en Statistiek (O&amp;S), Gemeente Amsterdam<br />
www.onderzoek.amsterdam.nl<br />
redactie.os@amsterdam.nl<br />
Eindredactie: Ellen Lindeman, m.m.v. Lotje Cohen en Jeroen Slot.</p>
<p><em>Fußnote 2</em>: „Die Kirchen schließen und die Religion lebt auf. Beobachtungen in Amsterdam“. In: „Götter auf der Durchreise“, hg. von Hans W. Dannowski, Michael Göpfert u.a., E.B. Verlag, 1993, dort Seite 40 bis 54. Dieser Beitrag, zu Beginn der neunziger Jahre verfasst, weist u.a. auf den <em>Benediktinerabt Kees Tholens</em> im Begijnhof hin. Ein Zitat von Abt Tholens: <em><strong>„Die Kirche</strong> sollte wie eine weise Mutter sein, die ihre Kinder gehen lässt. Stattdessen umgibt sie sie mit allerlei Reichtümern und hält sie mit Regeln und Verboten klein. Auf diese Weise <strong>wirkt sie wie eine Art Kindergarten für Erwachsene,</strong> auf diese Weise werden die Menschen nicht erwachsen, auf diese Weise können sie kein umfassenderes Bewusstsein erlangen.“ </em>(Der niederländische Text von Kees Tholens: „De kerk zou moeten zijn als een wijze moeder die haar kinderen loslaat. Maar in plaats daarvan omgeeft ze hen met allerlei rijke dingen en houdt hen klein met regels en verboden. Zo lijkt ze op een soort kinderkamer voor volwassenen, zo groeien de mensen niet uit, zo kunnen ze geen ruimer bewustzijn binnengaan.“ Quelle: https://www.ghardeman.nl/cit/citthole.htm)</p>
<p>Fußnote 3: &#8222;Herbestimmung van Kerken.&#8220; (Neue Funktionen von Kirchengebäuden), auch mit zahlreichen Fotos, herausgegeben vom Rijksdienst voor de Monumentensorg, Zeist,  1995.</p>
<p><em>1999 wurde von Christian Modehn das 30 Minuten &#8211; Feature, der Film &#8222;Unter dem Himmel von Amsterdam&#8220;, im Ersten Programm der ARD (WDR) gesendet. </em></p>
<p><strong>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin</strong></p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/20324_20324_befreiung">Amsterdam 750 Jahre: Einst kirchlich, heute etwas spirituell und vor allem gottlos?</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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		<title>Die Theologie Augustins überwinden.</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/20252_fuer-eine-befreiung-von-der-theologie-augustins_befreiung</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Jun 2025 14:54:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Befreiung]]></category>
		<category><![CDATA[Denken und Glauben]]></category>
		<category><![CDATA[Forschungsprojekte]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo XIV. und Augustinus]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophische Bücher]]></category>
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		<category><![CDATA[Augustinerorden ist ohne bedeutende Theologen]]></category>
		<category><![CDATA[Augustinerorden ist theologisch arm]]></category>
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		<category><![CDATA[Augustinus wird von Papst Leo XIV. ständig zitiert]]></category>
		<category><![CDATA[das verfälschte Bild Augustins]]></category>
		<category><![CDATA[die ständige Zitierei von Augustinus durch Leo XIV.]]></category>
		<category><![CDATA[die Theologie Augustins überwinden]]></category>
		<category><![CDATA[Einheit der Katholiken unmöglich]]></category>
		<category><![CDATA[Erbsündenlehre Augustins]]></category>
		<category><![CDATA[Frauenbild des heiligen Augustinus]]></category>
		<category><![CDATA[Henri Marrou]]></category>
		<category><![CDATA[keine bedeutenden Theologen im Augustinerorden außer Luther]]></category>
		<category><![CDATA[Kurt Flasch]]></category>
		<category><![CDATA[Kurt Flasch interpretiert Augustin]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo XIV. als Augustiner]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo XIV. setzt sich von Augustin ab]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo XIV. will die Einheit]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo XIV. zitiert nur die angenehmen und schlichten Weisheiten Augustins]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo zitiert ständig Augustin]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Brown über Augustinus]]></category>
		<category><![CDATA[Pluralität der Katholiken]]></category>
		<category><![CDATA[Prädestination]]></category>
		<category><![CDATA[Provokation zur Theologie Augustins]]></category>
		<category><![CDATA[Ungetaufte kommen in die Hölle]]></category>
		<category><![CDATA[was ist der Augustinerorden]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://religionsphilosophischer-salon.de/?p=20252</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die Theologie Augustins übetrwinden. Augustinus und seine Theologie wird zweifellos im Mittelpunkt der theologischen Debatten und spirituellen Interessen der nächsten Monate und Jahre stehen: Auch eine „augustinische Bücherflut“ ist wahrscheinlich… Papst Leo XIV. ist Mitglied des Augustinerordens (OSA), er hat von Anfang an als Papst betont „Ich bin ein Sohn des heiligen Augustinus“.<br />
Aber heute sollten sich Christen und TheologInnen mit der Theologie des Augustinus nur befassen, um die Grenzen und Begrenztheiten des Theologen Augustin zu erkennen und sich auch von den Verirrungen seiner Theologie zu befreien. Es gilt, wichtige Grundprinzipien der Theologie Augustins beiseitezulegen, wenn denn die Kirche noch den Anspruch hat, Menschen von heute zu erreichen. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/20252_fuer-eine-befreiung-von-der-theologie-augustins_befreiung">Die Theologie Augustins überwinden.</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><em>Ein Hinweis von Christian Modehn am 10.6.2025 und am 4.8.2025 wegen der ständigen &#8222;Augustinus-Zitierei&#8220; durch Papst Leo XIV.</em></strong></p>
<p><em>Ergänzung am 4.8.2025:</em> Während der katholischen Weltjugendtage in Rom Anfang August 2025 zitierte Papst Leo XIV. ständig nette Sprüche und irgendwelche Weisheiten seines viel geliebten Meisters Augustinus aus dem 4.und 5. Jahtrhundert. Dieser Augustin sollte angesichts seiner verheerenden Lehren etwa zur Erbsünde  endlich beiseite gelassen und überwunden werden. Aber nein, den ahnungslosenen und enthusiastischen  Jugendlichen aus aller Welt wird ein &#8222;weiser&#8220; und angeblich aktueller Augustinus mit einigen hübschen Zitaten als Vorbild empfohlen. Wir halten das für einen Irreweg. Kann ein Papst nicht eher die Mitarbeit an demokratischen NGOs empfehlen als fromme und allgemeine, letztlich belanglose Ermahnungen von sich zu geben? Und es wird hoffentlich die Zeit kommen, in der sich kritische und kirchenunabhängige Historiker und Religionswissenschaftler die Mühe machen, diese Augustinus &#8211; Zitierei von Papst Leo XIV. zu dokumentieren und krtitisch zu bewerten.</p>
<p>Diese Reden des Papstes Leo XIV. von der &#8222;Einheit der Kirche&#8220; sind, nebenbei, eine Illusion: Die Katholische Kirche ist weltweit de facto und unumkehrbar schon jetzt  so stark auseinandergebrochen in ihrer Vielfalt, dass eine uniforme, päpstlich-fixierte Einheit nichts als ein Traum ist. Und dieser Traum, man möchte sagen diese klerikale Ideologie, sollte beendet werden zugunsten einer explizit gewollten Pluralität IM Katholizismus&#8230;Aber auch dies zusagen ist nur ein Traum angesichts der nach wie vor absoluten klerikalen Macht.</p>
<p><em>Im Juni 2025  notiert: Wir haben mit der Wahl eines Augustiners (&#8222;Sohn des heiligen Augustinus&#8220;, Selbstbezeichnung Leo XIV.) zum Papst eher Schlimmes befürchtet:</em> Dies ist die ständige Bezugnahme auf den heiligen Augustinus, er lebte im 4. und 5. Jahrhundert. Ein moderner Heiliger? Garantiert nicht. Lassen wir ihn ruhen.  Aber leider bestätigt sich diese unsere Prognose der Augustinus Zitiererei durch den Papst  fast ständig: Den Kandidaten für Priesteramt (&#8222;Seminaristen&#8220;) empfahl Leo XIV., sich an Sprüche Augustins  zu halten und vor allem den Zölibat hochzuschätzen. Mit etwas Anstrengung sei der Zölibat doch zu leben, sagte er den 20 -25 Jahre jungen Männern, darf man das theologisch und psychologisch naiv nennen? Natürlich. <a href="https://www.katholisch.de/artikel/62582-papst-leo-xiv-zoelibat-anerkennen-bewahren-und-foerdern">LINK</a>:</p>
<p>Und auch die am 25. 6. versammelten Bischöfen ermahnte er, &#8222;Vorbild&#8220; zu sein. <a href="https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2025-06/papst-leo-xiv-bischoefe-heiliges-jahr-katechese.html?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=NewsletterVN-DE">LINK</a></p>
<p><em>Immer wieder wird Augustin zitiert von Papst Leo XIV</em>.: Der Journalist und Vatikan &#8211; Spezialist der angesehenen katholischen Tageszeitung LA CROIX (Paris), Mikael Corre,  schreibt am <em>14.6.2025</em> zusammenfassend über die Form der Argumente von Papst Leo XIV.: Er hielt einen Vortrag für Priester, Mikale Corre berichtet.: L<em>eo XIV. beendet sein Statement für die Priester, <strong>indem er den heiligen Augustinus zitiert, wie er es in fast allen seinen Ansprachen tut:</strong></em> Papst Leo zitierte also Augustin: &#8222;Liebt diese Kirche, bleibt in dieser Kirche, seid diese Kirche. Liebt den Guten Hirten, den sehr schönen Gatten (sic), der keine Person täuscht und nur will, dass keine Person untergeht&#8230;&#8220; (Le 12 juin, Léon XIV terminait son adresse aux prêtres en citant saint Augustin (Sermons 138, 10), comme il le fait dans presque tous ses discours. « Aimez cette Église, restez dans cette Église, soyez cette Église. Aimez le bon Pasteur, l’Époux très beau, qui ne trompe personne et ne veut que personne ne périsse&#8230;&#8220;). <a href="https://www.la-croix.com/religion/ce-que-leon-xiv-pense-des-pretres-20250613">LINK</a></p>
<p>Wie soll theologisch diese offenbar vom Papst geteilte Priesterspiritualität aus dem 4. Jahrhundert bewertet werden? In jedem Fall ist sie nicht auf der Höhe der Theologie von heute&#8230; Nach einer Abschaffung des sinnlosen Zölibatsgesetzes klingen seine Worte jedenfalls  nicht&#8230;Wir haben unsere Meinung schon früher mitgeteilt: Zu den &#8222;Progressivsten&#8220; zählen die dem Denken des heiligen Augustin verpflichteten Theologen, also auch die Augustiner, bekanntermaßen nicht. Wegweisende moderne Theologen gehören eher anderen Orden an. Ob auch der Augustiner Papst Leo XIV. zu den eher behutsamen, durchaus das übliche Katholische unbedingt bewahrenden, auf Ausgleich und &#8222;Einheit&#8220; bedachten Augustinern gehört, ist wahrscheinlich&#8230;</p>
<p>Nebenbei: Kann ein Papst dieser Kirche überhaupt progressiv sein? Erst dann, wenn er selbst das Papsttum abschafft. Das könnte zumal ein Papst, dessen Mitbruder im Augustinerorden Martin Luther ist! Aber von Martin Luther hat Leo XIV. bisher nicht einmal gesprochen&#8230;</p>
<p><strong><em>Ein Vorwort zu unserem Hinweis, einer &#8222;Provokation&#8220;: </em></strong><br />
Heute sollten sich Christen und TheologInnen mit der Theologie des Augustinus befassen, um die Grenzen und Begrenztheiten des Theologen Augustin zu erkennen und sich auch von den Verirrungen seiner Theologie zu befreien. Augustinus mag ja einige allgemeine humane Weisheiten etwa in seinen „Confessiones“ geschrieben und etwa über die Zeit treffend philosophiert haben: Aber einzelne populäre Weisheiten wie: „Unruhig ist unser Herz, bis ruht in dir o Gott“ (das heißt: „Ruhe gibt es auf Erden nicht, auch nicht durch die Philosophie, auch nicht durch den Glauben“) bestimmen nicht das Gesamtwerk.<br />
Dabei sind wir uns der Allmacht der Theologie Augustins bis heute bewusst, etwa auch im offiziellen „Katechismus der Katholischen Kirche“ (Vatikanstadt 1993): Dort wird Augustinus in 88 Paragraphen zitiert, häufiger als Thomas von Aquin… Nebenbei: Aus dem 20.Jahrhundert wird niemand zitiert, aus dem 19. Jahrhundert nur der Pfarrer von Ars, der zwar heiliggesprochen wurde, aber theologisch völlig ungebildet war, betonen Historiker. Der Pfarrer von Ars, Johannes Vianney, wird im Katechismus zitiert: „Der Priester setzt auf Erden das Erlösungswerk fort“…, § 1589.</p>
<p><em>Zu Augustins Aussagen über &#8222;die Frauen&#8220; siehe FUßNOTE 2.</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>Unsere Thesen</em>:</strong></p>
<p>1.<br />
Augustinus und seine Theologie wird zweifellos im Mittelpunkt der theologischen Debatten und spirituellen Interessen der nächsten Monate und Jahre stehen: Auch eine „augustinische Bücherflut“ ist wahrscheinlich… Papst Leo XIV. ist Mitglied des Augustinerordens (OSA), er hat von Anfang an als Papst betont „Ich bin ein Sohn des heiligen Augustinus“, er spricht immer wieder in seinen Ansprachen von einigen allgemeinen Aspekten der Theologie Augustins. Und der Papst setzt sich sogar gelegentlich, im allgemeinen verbleibend, von ungewöhnlichen theologischen Aussagen Augustins ab (Fußnote 1).</p>
<p>2.<br />
Es ist also Zeit, etwas näher das theologische Profil von Augustinus außerhalb von wohlwollenden Zitaten kritisch zu betrachten. Angesichts des nur riesig zu nennenden Umfangs der Schriften des Augustinus können hier selbstverständlich nur einige „Grundlinien“ seines Werkes kritisch erwähnt werden, eines Denkens, das durchaus Entwicklungen vorweist, und diese Entwicklung führt weg von großer Offenheit in jungen Jahren hin zur Strenge und Militanz im Alter als Bischof.</p>
<p>3.<br />
Kurt Flasch, Philosophiehistoriker und Philosoph, Spezialist für mittelalterliches Denken, ist ein international geschätzter Kenner der Werke des Augustinus. Kurt Flaschs Studien sind deswegen wichtig, weil sie nicht kirchengebunden sind, die bekanntlich oft der „enormen Größe und Bedeutung des heiligen Augustinus“ erliegen und nur nebenbei die Grenzen seines Denkens freilegen.</p>
<p>4.<br />
Kurt Flasch bietet in einigen Kapiteln seines Buch „Warum ich kein Christ bin“ aus dem Jahr 2013 ( C.H.Beck Verlag) zentrale Erkenntnisse zu wichtigen theologischen Aussagen Augustins: Die Seitenzahlen in den Zitaten hier beziehen sich auf dieses Buch. Auf die große Augustinus &#8211; Studie Kurt Flaschs „Augustin. Einführung in sein Denken“, 487 Seiten (Reclam Verlag, 1980) kommen wir später zurück, um die eher knappen Ausführungen Flaschs von 2013 zu bestätigen.</p>
<p>5. Zum Umgang mit der Bibel:<br />
Augustin will in seinem Buch „De consensu evangelistorum“ („Über den Konsens der Evangelisten“) eine Harmonie der Aussagen der vier Evangelisten herausstellen. „Augustin sah die Autorität der Glaubenszeugen bedroht, wenn sie nicht mit EINER Zunge sprachen. Seine Argumentation illustriert als ihr Gegenteil die historisch &#8211; kritische Methode der Bibelauslegung.“ (S. 53). „An einer kulturell &#8211; historischen Einordnung des Bibeltextes hatte er kein Interesse.“ (Ebd.). „Augustinus konnte kein Hebräisch und kaum Griechisch verstehen“ (ebd.), er glaubte mit den Übersetzungen der Bibel ins Lateinische die Bibel kompetent auslegen zu können…</p>
<p>6.<br />
Augustin war als neu-platonischer Philosoph an rationalen Begründungen des Glaubens interessiert. Aber als Begründungen, sich auf den Glauben einzulassen, waren ihm dann doch äußerliche Fakten wichtig: Etwa: Die Missionserfolge der Kirche wurden gerühmt, auch die Wunder Jesu seien ein Grund zu glauben; und die regelmäßige Abfolge der Bischöfe seit Petrus sei hoch zu respektieren. Und vor allem: „Allein seine, Augustins Kirche sei die katholische, denn selbst Häretiker nennen sie so“ (S. 64).</p>
<p>7.<br />
Platon spielte in der geistigen Entwicklung Augustins eine entscheidende Rolle. Augustin lehrte: „Der Glaube an die zeitliche Offenbarung (in Jesus) ermögliche die rein geistige Einsicht. Diese bestehe in der platonisierenden Erkenntnis Gottes als dem einzig beständigen Glück der Seele“ (S. 92f.)<br />
Wesentliches der Philosophie Platons stimme mit dem christlichen Glauben überein, meinte Augustin. Das können Christen aber erst erkennen, wenn sie von der Gnade Gottes angeleitet werden.<br />
„Wenn die großen griechischen Philosophen noch lebten, würden sie Christen sein. Sie bräuchten an ihren Lehren nur wenige Worte zu ändern“, so fasst Kurt Flasch Augustins Überzeugung zusammen (S. 93).<br />
Augustin übernahm also den „platonisch-universalen Theismus“ (S. 93). Platons Begriff von Gott als dem „höchsten Gut“ setzte sich dann in der Kirche durch, ebenso die platonische Überzeugung, „sinnliches Vergnügen sei der Bestimmung der Seele fürs Jenseits unterzuordnen. (S. 94). „Augustins Neu &#8211; Platonismus konzentrierte sich darauf, die Seele durch asketisches Leben zum jenseitigen Dauerglück beim rein geistigen Gott zu führen.“ (S. 94).</p>
<p>8.<br />
Die radikale Lehre von der Gnade, die Gott gewährt, ist seit 396/397 für Augustin entscheidend: „Für ihn endeten nicht mehr nur alle Ungetauften im ewigen Höllenfeuer, sondern auch die Mehrheit der Christen“ (S. 87).</p>
<p>9.<br />
Auf die verheerende Erbsündenlehre Augustins, haben wir schon oft hingewiesen. <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/9438_gegen-die-erbsuende-der-beitrag-von-christian-modehn-in-publik-forum_benediktxvi">LINK</a>. Mit seiner <em>Erbsündenlehre</em> hat Augustin das christliche Denken vergiftet und Sexualität letztlich als „Übertragungsweg“ der Erbsünde deklariert.<br />
Kurt Flasch schreibt: „Augustinus machte aus dem Apfelbiss, den der Jesus der Evangelien nie erwähnt hatte, den Sündenfall der gesamten Menschheit und den Beginn der Teufelsherrschaft auf Erden“ (S. 196). „Augustin dachte die Erbsünde als die durch geschlechtliche Vermehrung übertragene Fortdauer der Ursünde im Paradies. Augustin ERFAND die Erbsünde, die in der Theologie vor ihm nur ein Erbschaden war, nun als wahre Schuld, als wirkliche Sünde, die auch den Neugeborenen anhafte…“ (S. 197).<br />
Die Konsequenz: „Im Denken Augustins kommen selbst alle Getauften nicht mehr in den Himmel.“ (S. 197) Erlösung heißt dann: Der von den Sünden der Menschen erzürnte Gott (Vater) „kann allein besänftigt werden durch die Tötung seines eigenen Sohnes, des Gottesohnes, am Kreuz“ (S. 198.) Diese abstoßende Vorstellung von einem Gott, der seinen Sohn in den Tod schickt als Erlösung der Menschen wird heute noch theologisch gelehrt, hat sich aber heute de facto wohl erledigt: Gebildete Christen glauben das einfach nicht mehr…<br />
Aber Augustinus sagt: „Wenn Gott wollte, würden alle gerettet. Aber Gott will es nicht seit Adams Sünde; er rettet aus der Masse der Sünder nur, wen er retten will. Also geht die überwiegende Mehrheit für immer verloren“ (S. 208). An dieser Stelle muss an das Fortleben dieser theologischen Ideologie etwa im Denken des Reformators Calvins erinnert werden…</p>
<p>10.<br />
Kritische Hinweise zu einigen zentralen theologischen Aussagen Augustins bietet keineswegs nur Kurt Flasch. Man muss nur die ausführliche Biographie des Historikers Peter Brown (Oxford) „Augustinus von Hippo“ lesen (auf Deutsch erschienen 1982): Auch Peter Brown beschreibt den schwierigen Charakter Augustins, seine Strenge als Bischof im Kampf gegen die große Glaubensgemeinschaft der Donatisten, seinen leidenschaftlichen, polemischen Kampf gegen Andersdenkende insgesamt. Sein Kampf galt auch kompetentem gebildeten Bischöfen wie Julian von Eclanum: Er lehnte die Erbsündenlehre Augustins ab und wurde von ihm verfolgt… Die Erbsündenlehre Augustins, die Julian von Eclanum zurecht ablehnt, beschreibt Peter Browns: „Da der Geschlechtstrieb für Augustin eine permanente Strafe war, wurde er als permanente Neigung, als triebhafte Spannung dargestellt, der man widerstehen konnte, die jedoch in Tätigkeit blieb, selbst wenn sie unterdrückt wurde“ (S. 340). Und weiter: „Der Gott des Augustinus war ein Gott, der eine Kollektivstrafe für die Sünde eines Mannes (Adam) verhängt hatte“. Die Lehre des 1. Timotheus Briefes im Neuen Testament: „Gott will, dass ALLE Menschen gerettet werden“ (1 Tim. 2,4) bemühte sich „Augustin wegzuerklären… (S. 351), also beiseite zu lassen, zu ignorieren. Und angesichts der theologischen Lehren des „liberalen“, auf die Kraft der menschlichen Freiheit setzenden Theologen Pelagius wollte er seine katholische Gemeinde wie in eine Festung einsperren, um sie vor den Angriffen des Irrlehrers zu schützen.“(S. 352). Über Pelagius contra August hat Kurt Flasch in seiner Studie „Augustin. Einführung in sein Denken“ ausführlich geschrieben (S. 176 ff.): “Als der Bischof von Rom, Zosimus, den <em>Theologen Pelagius</em> rehabilitierte, intrigierte Augustin solange beim kaiserlichen Hof in Ravenna, bis der Kaiser intervenierte…“ Deswegen wurde Pelagius aus Rom verbannt…“ (S. 178) und seine Anhänger auf Betreiben Augustins verfolgt. Augustin gelang es mit Bestechungen die Pelagius &#8211; Freunde einzuschränken, „gegen die verbleibenden Anhänger des Pelagius mobilisierte Augustin die Staatsgewalt“ (S. 179).</p>
<p>11.<br />
Man mag auch im Buch von <em>Peter Brown</em> einzelne Zitate und Sentenzen finden, die einen sympathischen Augustinus zeigen: Aber im ganzen war er als Bischof ein sehr polemischer Theologe in den aufgewühlten Zeiten des 4. und 5. Jahrhunderts. Und es mag ja sein, dass seine Weisungen, also seine „Regel“ zum Zusammenleben der Priester (die so genannte Ordensregel) nach wie vor allgemein gehaltene, durchaus noch inspirierende Vorschläge enthalten, aber was bleibt denn sonst noch?<br />
Nebenbei: Dass Augustinus von seiner Herkunft her ein Afrikaner ist, wird meines Wissens oft übersehen oder vergessen. Vielleicht wäre dieser „afrikanische Augustinus“ nicht nur eine Herausforderung für die Augustinerorden (es gibt ja mehrere), etwa indem sie ihre Klöster in Europa für Flüchtlinge aus Afrika öffnen und &#8211; wie die Jesuiten &#8211; einen „Flüchtlingsdienst“ einrichten…</p>
<p>12.<br />
Henri Marrou, ein „klassischer“ Augustinus- Kenner und durchaus Augustinus &#8211; Freund, schreibt über die enorme Bedeutung Augustins in den Kirchen im 17. Jahrhundert: „Er erfüllt das ganze Jahrhundert, alle zitieren, benutzen und kommentieren ihn… es wird schließlich eine Besessenheit daraus: Man wagt nicht mehr, Vorbehalt und Kritik zu äußern, der heilige Augustinus hat immer und überall recht.“ (in Rowohlts Monographie „Augustinus“ von Henri Marrou, 1984, S. 147).</p>
<p>13.<br />
Hinweise von Kurt Flasch aus einem Buch „Augustin. Einführung in sein Denken“, Reclam, 1980:<br />
Im 17. Kapitel seiner Studie spricht Flasch vom „Zwiespalt Augustins“ (S. 403 ff.). Augustin sieht „das Böse gerade bei den `guten` Taten (S. 404). „Er bestand darauf, das Höllenfeuer sei körperliches Feuer“ (S. 419). „Solche Sätze gaben dem Kirchenglauben der westlichen Christenheit eine Buchstäblichkeit und Enge, die ihn mit der (philosophischen) Aufklärung in Konflikt brachte (S. 419). Und auch dies: „Die Gewohnheiten der Gruppe (bestimmter Christen) sollte das Sprechen einzelner normieren. Vielleicht hat Augustin an keiner anderen Stelle seinen Bruch mit dem antiken Ideal freier Rede härter und folgenreicher ausgesprochen als an dieser Stelle“ ( S. 420). „Der Militärdienst wurde bei ihm unbedenklich. Augustin konnte christliches Leben und Militärdienst erbaulich in Parallele setzen“(S. 422).</p>
<p>14.<br />
Papst Leo XIV. beschwört als Augustiner seit Beginn seiner Regierung ständig <em>den Wert der EINHEIT u</em>nter den Gläubigen. Der Papst meint, Einheit sei DIE zentrale Forderung Augustins für die Kirche auch heute. Wer sich allerdings genauer anschaut, wie im einzelnen Augustin als Bischof für die Einheit unter den vielfältigen Christen in Nordafrika damals sorgte (von der großen kirchlichen Bewegung der Donatisten war schon die Rede) und seiner katholischen Kirche auch mit Druck und Zwang zum Sieg verhalf, der hat seine Zweifel an der Relevanz der augustinischen Einheits-Idee. Sie passt angesichts der Pluralität der Kulturen und Theologien nicht mehr in unsere Zeit.</p>
<p>15.<br />
<em>Die Idee einer theologischen Einheit unter den eineinhalb Milliarden Katholiken heute ist ohnehin sehr problematisch.</em> Denn die Vielfalt der Glaubensüberzeugungen und moralischen Vorstellungen ist unter den 1,5 Milliarden Katholiken heute so unterschiedlich, dass von einer Einheit keine Rede sein kann, Einheit im Sinne von: “Wir Katholiken glauben alle das Gleiche und haben die gleichen theologischen Prinzipien etwa zur Rolle der Frauen oder der Homosexuellen in der Kirche“ . Und eine solche Einheit „Alle glauben das Gleiche und sprechen in gleichen Formeln vom Glauben“ ist nicht nur faktisch unmöglich, sondern auch theologisch nicht wünschenswert und angesichts der Vielfalt der Kulturen auch sinnlos.</p>
<p>16.<br />
<em>Über die Bedeutung der Einheitsvorstellung beim Augustiner Papst Leo XIV. wird in Zukunft noch viel debattiert und kritisiert werden, hoffentlich.</em></p>
<p><em>Fußnote 1:</em><br />
Es ist aber beachtlich, dass der Augustinus &#8211; begeisterte Papst Leo XIV. schon am 18.Mai 2025 in seiner ersten großen, wichtigen Predigt zur Amtseinführung betonte: &#8222;Es geht niemals darum, andere durch Zwang, religiöse Propaganda oder Machtmittel zu vereinnahmen, sondern immer und ausschließlich darum, so zu lieben, wie Jesus es getan hat.“ Und der Augustiner Papst Leo XIV. machte diese Aussage noch deutlicher: „Wir sind gerufen, allen Menschen die Liebe Gottes zu bringen, damit jene Einheit Wirklichkeit wird, die die Unterschiede nicht aufhebt, sondern die persönliche Geschichte jedes Einzelnen und die soziale und religiöse Kultur jedes Volkes zur Geltung bringt.“ Das sind hoffentlich programmatische, man möchte beinahe sagen: anti &#8211; augustinische Worte. LINK https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2025-05/wortlaut-predigt-von-leo-xiv-zur-amtseinfuhrung.html<br />
Der Augustiner Papst Leo XIV. widerspricht der höchst problematischen Weisung des Bischofs Augustinus, man solle die unwilligen Menschen auch zwingen, den Glauben anzunehmen… Augustinus bezieht sich dabei auf das Gleichnis Jesu vom großen Gastmahl (Lukas14,23). Dieses Wort Jesu ist eine Einladung fremder Gäste zu einem Festmahl, es hat aber nichts mit zwanghafter Einfügung von Ketzern in die katholische Kirche zu tun, wie Augustinus dieses Jesuswort umdeutete. Augustinus versteht es als „Aufforderung zur Gewaltanwendung und er verwendet es neben anderen Argumenten als Beleg zur Billigung von Gewaltmaßnahmen gegen Häretiker. Das von Augustinus als dem erstem, doch nicht häufig verwendete Zitat hatte für die Ketzerbekämpfung in Mittelalter und Neuzeit verheerende Wirkung.“ <a href="https://www.augustinus.de/einfuehrung/texte-von-augustinus-mit-online-uebers/aphorismen/230-compelle-intrare">LINK</a>:</p>
<p><em>Fußnote 2:</em></p>
<p>Augustins Aussagen über Frauen:</p>
<p>&#8222;Ist Augustin auf eine gleichrangige Bewertung beider Geschlechter bedacht, so ändert sich das Bild bei der Frage nach dem Zweck der Erschaffung eines weiblichen Partners für Adam und den daraus folgenden spezifischen Aufgaben der Frau. Augustin: „Erschaffen wurde die Frau also für den Mann, aus dem Mann, mit ihrem Geschlecht, ihrer Formung und der Verschiedenheit ihrer Organe, die das Kennzeichen der Frau sind.“ Die Hilfsfunktion der Frau erfüllt sich ausschließlich in ihrer Rolle als Mutter. Die Frage nach möglichen Alternativen für die Rolle der Frau stellt Augustin sichtlich vor ein Rätsel: „Wenn die Frau nicht dem Manne zur Hilfeleistung, um Kinder hervorzubringen, gemacht worden ist, zu welcher Hilfe ist sie dann gemacht worden?“ Der Gedanke, Mann und Frau könnten durch freundschaftliche Beziehungen miteinander verbunden sein, erscheint Augustin als abwegig, schließlich birgt der Umgang mit Frauen stets die Gefahr der Erotisierung in sich, welche die Reinheit des freundschaftlichen Umgangs trüben könnte. Zudem implizierte der antike Freundschaftsgedanke die Freundschaft unter Gleichen, die allein die notwendige Einheit und Verbundenheit zu erbringen vermag.</p>
<p>Ihre anthropologische Bestimmung als Gehilfin des Mannes verpflichtet die Frau in der ehelichen Beziehung zu spezifischen Pflichten und Wesenszügen. Augustin entwirft das Sittenbild einer christlichen Ehefrau mit den wesentlichen Tugenden des Gehorsams und der Sittsamkeit im Rahmen ihrer Aufgabe als treusorgende Mutter der aus der Ehe entsprungenen Kinder.</p>
<p>Augustin beschränkt die Möglichkeiten weiblicher Selbstverwirklichung wie seine christlichen Zeitgenossen auf die Ehe, die Witwenschaft und die Jungfräulichkeit, wobei er stets die Superiorität der Jungfräulichkeit hervorhebt. Paradebeispiel für die Vollendung des „züchtig-frommen Frauentypus“ ist Maria, da sie sowohl das Ideal der Jungfräulichkeit als auch das der Ehefrau und Mutter in Reinform repräsentiert. An ihr wird auch die androzentrische Perspektive des frühchristlichen Frauenbildes deutlich, denn Maria erscheint nie als eigenständige Persönlichkeit, sondern stets nur in ihrer Beziehung zu einem männlichen Partner: Sie ist die jungfräuliche Mutter, die Braut Christi und die folgsame Gattin Josefs, und ihre Aufgaben beschränken sich auf ihre dienende mütterliche Funktion.</p>
<p>Sexuelle Enthaltsamkeit ist für Augustin aber nur dann von moralischer Bedeutung, wenn sie in dem höheren sittlichen Zweck der exklusiven Bindung an Gott und der Abwendung von allem Weltlichen gründet. Selbst eine mehrfach verheiratete christliche Frau ist für Augustin besser als eine jungfräuliche Häretikerin, da die spirituelle Virginität auch ohne die des Körpers realisierbar ist und umgekehrt.</p>
<p>Allerdings gibt der Autor Kiesel zu bedenken, dass Augustins Frauenbild auf dem Boden einer asketisch geprägten eschatologischen Naherwartung entstanden ist und demzufolge alle irdischen Beziehungen unter dem Aspekt der Vorläufigkeit und Zweitrangigkeit zu betrachten sind.&#8220;</p>
<p>Quelle: https://www.information-philosophie.de/augustinus-frauenbild.html.</p>
<p>SIEHE AUCH UNSEREN BEITRAG &#8222;AUGUSTIN EIN RIGIDER THEOLOGE der spätantiken Welt. veröffentlicht am 26.5.2025: <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/20141_augustinus-ein-problematischer-heiliger-ein-rigider-theologe-der-spaetantiken-welt_denkbar">LINK </a></p>
<p><em>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/20252_fuer-eine-befreiung-von-der-theologie-augustins_befreiung">Die Theologie Augustins überwinden.</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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		<title>Wer stoppt das Aushungern der Palästinenser im Gaza &#8211; Streifen? Werden KZs von Israels Regierung errichtet?</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/20173_wer-stoppt-das-aushungern-der-palaestinenser-im-gaza-streifen_religionskritik</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 26 May 2025 14:24:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Alternativen für eine humane Zukunft]]></category>
		<category><![CDATA[Befreiung]]></category>
		<category><![CDATA[Religionskritik]]></category>
		<category><![CDATA[Remonstranten Forum Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Unerhörte Fragen]]></category>
		<category><![CDATA["anti-israelisch jüdisch-christliche Zusammenarbeit"]]></category>
		<category><![CDATA[Antiisraelismus ist kein Antisemitismus]]></category>
		<category><![CDATA[Aushungern]]></category>
		<category><![CDATA[Aushungern der Palästinenser durch Israel]]></category>
		<category><![CDATA[Bezalel Smotrich]]></category>
		<category><![CDATA[die Bilder in Gaza sind bilder aus KZs]]></category>
		<category><![CDATA[die jüdisch - christliche Zusammenarbeit neu definieren]]></category>
		<category><![CDATA[Ehud Olmert]]></category>
		<category><![CDATA[Israel als jüdischer Staat?]]></category>
		<category><![CDATA[Israel baut KZs]]></category>
		<category><![CDATA[Israels Regierung schafft neue KZs]]></category>
		<category><![CDATA[Israels Regierung will KZs für Palästinenser]]></category>
		<category><![CDATA[KZs in Gaza]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Hintergrund: Das Wort „aushungern“ gehört wie „ausmerzen“ und „ausrotten“ zur Sprache der Nazi - Verbrecher.</p>
<p>Vor allem der rechtsextreme Finanz - Minister Israels Bezalel Smotrich hat das faschistische Projekt „aushungern“ (store) für die Palästinenser in die Öffentlichkeit gebracht und durchgesetzt...Die Bilder vom Damals der KZs und vom Heute in Gaza erleben Menschen in Deutschland sozusagen als eine Art Überblendung, wenn nicht als Einheit.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/20173_wer-stoppt-das-aushungern-der-palaestinenser-im-gaza-streifen_religionskritik">Wer stoppt das Aushungern der Palästinenser im Gaza &#8211; Streifen? Werden KZs von Israels Regierung errichtet?</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn faschistische Ideologie zur Realität der Regierung Israels wird. Und eine jüdische Regierung <em>KZ</em> ähnliche Siedlungen für Palästinenser bauen will.</p>
<p>Wir veröffentlichen diese 25. unserer &#8222;unerhörten Fragen&#8220; nun noch einmal als 26. der unerhörten Fragen:</p>
<p>Wir veröffentlichen diese &#8222;Unerhörte Frage&#8220;, weil die kaum beschreibbare tötende Gewalt des Staates Israel gegen die Palästinenser &#8222;himmelschreiend &#8222;ist, um ein biblisches Wort zu benutzen. Die aller Humanität (vom biblischen Glauben der Juden in der Regierung Israels sprechen wir schon gar nicht, sie sind offenbar Heiden geworden?)  widersprechende Tötung und die Aushungeraktion, mit dem Bau von KZ ähnlichen Anlagen für die Palästinenser, ist eine Schande des Judentums, eine Schande der der Menschheit, vor allem eine Schande, dass die kleine, demokratisch verbliebene  Welt außer Stande ist, dass Morden der Regierung Israles sofort zu stoppen. Sind die progressiven Juden weltweit,in den USA und Europa so ohnmächtig, dass sie dem Verbrecher &#8211; Regime des Staates Israel jetzt kein Stop verfügen können, indem sie dieser Regierung und diesem sich immer jüdisch nennenden Staat mit dieser Regierung keinen Dollar, keinen Euro mehr schenken?</p>
<p>D<em>ie 25. unserer „unerhörten Fragen“,  von Christian Modehn am 26.5.2025</em></p>
<p><em>Ergänzung am 15.7.2025</em> aus einem Beitrag des &#8222;Tagesspiegel&#8220; am 15.7.2025: Ein Interview mit dem Politiker und EX-Premier Ehud Olmert. Darin bezeichnet Olmert den geplanten Bau von Unterbringungen für viele Tausend Palästinenser durch die Netanjahu Regierung als <strong>KZ ähnliche Unterbringungen</strong> . FUßNOTE 1.</p>
<p>Der Hintergrund: Das Wort „aushungern“ gehört wie „ausmerzen“ und „ausrotten“ zur Sprache der Nazi &#8211; Verbrecher.</p>
<p>Vor allem der rechtsextreme Finanz &#8211; Minister Israels Bezalel Smotrich hat das faschistisch zu nennende Projekt „aushungern“ (store) für die Palästinenser in die Öffentlichkeit gebracht und durchgesetzt. Sogar der Beauftragte der Bundesregierung gegen Antisemitismus, Felix Klein, kritisiert jetzt öffentlich dieses Programm des Rechtsextremen Belazel Smotrich.</p>
<p>Der Eindruck einiger Menschen in Deutschland:<br />
Die verhungernden Menschen im Gaza-Streifen, ihr Betteln um ein paar Reste Nahrung, ihr Leiden im einzigen verblieben, aber auch schon von Isarelis ruinierten Krankenhaus… Das erinnert deutlich an Bilder in den KZs der Nazis. Die Bilder vom Damals der KZs und vom Heute in Gaza erleben Menschen auch in Deutschland sozusagen als eine Art Überblendung, wenn nicht als Einheit.</p>
<p>Zur Erinnerung: Die Gründer des Staates Israel wollten diesen Staat als einen explizit jüdischen (und demokratischen) Staat. Das heißt: Verpflichtet auch den humanen Weisungen der hebräischen Bibel, vor allem der Propheten. Wie wenig gilt jetzt noch dieser Geist, diese &#8222;Spiritualität&#8220;? Die Rache Israels &#8211; wegen der Verbrechen der Hamas am 7. Oktober 2023 &#8211; wird ins absolut Maßloseste übertrieben. Dieser verrückte Spruch der Bibel: „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ meint: Wenn man sich denn rächt, dann nur in GLEICHER HÖHE des Schadens, den der Täter angerichtet hat. Es ist bei diesem Denken gar nicht zynisch, seit dem 7.10.2023 die Zahl der Toten in Israel und die Zahl der Toten im Gaza-Streifen zu zählen und die Zahl der zerstörten Häuser und Hochhäuser in Israel und die Zahl der zerstörten Häuser und Hütten im Gaza-Streifen zu nennen&#8230;</p>
<p>Wann kommt es zum Aufstand der Demokraten in Israel gegen diese ihre faschistische Regierung? Ist die in Europa so viel gelobte „Demokratie“ Israels schon zerstört?<br />
Europäer wissen aber nun klar zu unterscheiden: Anti-Israelismus (bei dieser Regierung dort !) hat überhaupt nichts zu tun mit Antisemitismus.<br />
Der erste Schritt Europas zur Rettung der Verhungernden im Gaza-Streifen ist: Keine Waffen mehr für Israel … bei diesen faschistischen Politikern.</p>
<p>Die viel besprochene und durchaus wichtige „Jüdisch &#8211; christliche Zusammenarbeit“ (&#8222;Woche der Brüderlichkeit&#8220;!) müßte unter den aktuellen Bedingungen ab jetzt neu definiert werden. Und bei dieser (!) Regierung in Israel auch das  <em>„Anti-israelische&#8220; (gemeint ist diese Regierung) einbeziehen.<br />
</em></p>
<p>Es gibt bekanntlich viele Juden weltweit, die gegen diese eher faschistisch zu nennende Regierung in Israel protestieren. Sie haben sich bis jetzt leider nicht durchgesetzt…</p>
<p>FUßNOTE 1:</p>
<header class="tspBo">
<div>
<div class="tspBq tspBr">
<div class="tspBIke tspBIkh tspBx">
<div class="tspBIkg">
<p class="tspBPk3">Frage: Herr Olmert, der israelische Verteidigungsminister Israel Katz hat vorgeschlagen, in Gaza auf den Ruinen von Rafah eine „humanitäre Stadt“ zu bauen, in der alle Palästinenser wohnen sollten. In einem Interview mit „The Guardian“ haben Sie das mit einem Konzentrationslager verglichen. Warum?</p>
</div>
</div>
</div>
</div>
</header>
<div class="tspBl">
<div class="tspBm">
<div id="story-elements">
<p class="tspB0l1">Olmert: <em>Ich habe gesagt, es könnte zu etwas wie einem Konzentrationslager werden. Die Initiative von Verteidigungsminister Katz sieht vor, dass mehr als 600.000 Palästinenser deportiert werden – von dort, wo sie derzeit leben, in ein Sperrgebiet, das von allen Seiten eingezäunt ist. Und das mit angeblich „humanitärer“ Absicht.</em></p>
<p>Was möchten Sie erreichen?<br />
Ich will mit meinen drastischen Worten warnen: Die internationale Gemeinschaft wird dieses Lager, das jetzt von der Regierung in Erwägung gezogen wird, als etwas Ungeheuerliches empfinden. Zu Recht. Und sollte es tatsächlich eingerichtet werden, werden diese Vergleiche auch von anderer Seite angestellt werden. Denn weltweit kann kaum noch jemand nachvollziehen, was die israelische Regierung derzeit in Gaza macht&#8230;</p>
<p class="tspB0l1"><em>Wenn Menschen im Rahmen eines illegitimen Kriegs getötet werden, muss man das trotzdem als Kriegsverbrechen bezeichnen.</em></p>
<p class="tspB0l1"><strong>Mit welcher Konsequenz?</strong><br />
Netanjahu und die anderen Verantwortlichen sollten für die Verbrechen verurteilt werden, die sie begangen haben. Aber das muss in Israel geschehen – entsprechend der demokratischen und rechtsstaatlichen Ordnung unseres Staats.</p>
<p class="tspB0l1"><strong>Genau die sehen Sie und viele andere Beobachter aber in Gefahr durch die Netanjahu-Regierung.</strong><br />
J<em>a. Die Regierung hat den staatlichen Institutionen und der Bevölkerung den Krieg erklärt</em>. Derzeit versucht sie, die Generalstaatsanwältin zu entlassen. Es ist ein weiterer Schritt, um die Justiz zu schwächen, die Gewaltenkontrolle auszusetzen, die Freiheitsrechte der Bürger einzuschränken und immer mehr Macht an sich zu reißen. Wir müssen verhindern, dass unsere Demokratie weiteren Schaden nimmt.</p>
</div>
</div>
</div>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/20173_wer-stoppt-das-aushungern-der-palaestinenser-im-gaza-streifen_religionskritik">Wer stoppt das Aushungern der Palästinenser im Gaza &#8211; Streifen? Werden KZs von Israels Regierung errichtet?</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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		<title>Der Augustinermönch Papst Leo XIV. und der Augustinermönch Martin Luther</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/20083_der-augustinermoench-papst-leo-xiv-und-der-augustinermoench-martin-luther_befreiung</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 May 2025 19:23:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Befreiung]]></category>
		<category><![CDATA[Denken und Glauben]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo XIV. und Augustinus]]></category>
		<category><![CDATA[Remonstranten Forum Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[auch Martin Luther war Augustinermönch]]></category>
		<category><![CDATA[Augustinerorden]]></category>
		<category><![CDATA[Leo XIV. als Augustiner]]></category>
		<category><![CDATA[Ökumene und Papst Leo XIV.]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo XIV. und Martin Luther sind Mitbrüder im gleichen Orden]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://religionsphilosophischer-salon.de/?p=20083</guid>

					<description><![CDATA[<p>Papst Leo XIV. ist Mitglied des Augustiner - Ordens, dem auch der Reformator Martin Luther angehörte. Zu Luthers Zeiten noch „Augustiner Eremiten“ genannt. Papst Leo XIV. und Martin Luther sind in gewisser Weise, wie es in Kirchenkreisen heißt, „Mitbrüder.“ Werden sie zerstrittene „Mitbrüder“ bleiben?</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/20083_der-augustinermoench-papst-leo-xiv-und-der-augustinermoench-martin-luther_befreiung">Der Augustinermönch Papst Leo XIV. und der Augustinermönch Martin Luther</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Hinweis von Christian Modehn am 8. Mai 2025.</p>
<p>Papst Leo XIV. ist Mitglied des Augustiner &#8211; Ordens, dem auch der Reformator Martin Luther angehörte. Zu Luthers Zeiten noch „Augustiner Eremiten“ genannt.</p>
<p>Papst Leo XIV. und Martin Luther sind in gewisser Weise, wie es in Kirchenkreisen heißt, „Mitbrüder.“ Werden sie zerstrittene „Mitbrüder“ bleiben? Martin Luther war von 1505 -1524 Augustiner-Mönch. Seit der Zeit trug er nicht mehr die Ordenskleidung und zeigte öffentlich sein &#8222;Anderssein&#8220; als Reformator.</p>
<p>Ob Leo XIV. die Papstkritik seines Mitbruders Martin Luther ernst nimmt und die Ökumene als versöhnte Verschiedenheit der Kirchen und Christen voranbringt? Das wünschen sich einige an der Ökumene noch Interessierte. Ich halte es eher für unwahrscheinlich.</p>
<p>Papst Leo XIV. hat zwar in seiner Biografie sicher viele wichtige unterschiedliche Erfahrungen. Etwa Arme und Armut in Peru, Befreiungstheologie in Peru, Universitätserfahrungen an der Universität der Augustiner in Philadelphia USA (Villanova-Uni) sowie die Besetzung von Bischofsstühlen weltweit, organisiert von seinem einstigen „Bischofs-Ministerium“ im Vatikan…<br />
Aber Ökumene? Vielleicht helfen etwas Gedanken des heiligen Augustinus weiter vom gemeinschaftlichen Kloster Leben in der Verschiedenheit der Mentalitäten.<br />
Wünschen würde ich vor allem, dass ein Augustiner als Papst im 21. Jahrhundert endlich die furchtbare und falsche Erbsündenlehre des heiligen Augustinus beiseite legt, also abschafft. Aber auch das ist sogar sehr unwahrscheinlich. Dogmen werden nicht abgeschafft&#8230;Aber warten wir ab…</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/20083_der-augustinermoench-papst-leo-xiv-und-der-augustinermoench-martin-luther_befreiung">Der Augustinermönch Papst Leo XIV. und der Augustinermönch Martin Luther</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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		<item>
		<title>Menschen werden dumm gemacht &#8211; von Populisten, Autokraten und Rechtsextremen, sagt Dietrich Bonhoeffer</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/19864_menschen-werden-dumm-gemacht-von-populisten-autokraten-und-rechtsextremen_religionskritik</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 17 Mar 2025 09:29:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Befreiung]]></category>
		<category><![CDATA[Buchhinweise]]></category>
		<category><![CDATA[Denkbar]]></category>
		<category><![CDATA[Religionskritik]]></category>
		<category><![CDATA[Remonstranten Forum Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Dietrich Bonhoeffer aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Dietrich Bonhoeffer gegen politische Dummheit]]></category>
		<category><![CDATA[Dietrich Bonhoeffer über die Dummheit der Deutschen]]></category>
		<category><![CDATA[Dietrich Bonhoeffer vor 80 Jahren hingerichtet]]></category>
		<category><![CDATA[Dumme halten sich für den Nabel der Welt]]></category>
		<category><![CDATA[erinnerung an Dietrich Bonhoeffer]]></category>
		<category><![CDATA[Gedenktag Dietrich Bonhoeffer]]></category>
		<category><![CDATA[Karl Bonhoeffer]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Seel über Dummheit]]></category>
		<category><![CDATA[Mit dummen Menschen reden?]]></category>
		<category><![CDATA[Nazi-Anhänger sind dumm meint Bonhoeffer]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie der Dummheit]]></category>
		<category><![CDATA[TAZ über Dietrich Bonhoeffer]]></category>
		<category><![CDATA[Vor 80 Jahren Dietrich Bonhoeffer hingerichtet]]></category>
		<category><![CDATA[Widerstand und Ergebung von Bonhoeffer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die entscheidende Warnung Dietrich Bonhoeffers vor dem politisch Dummen: „Der Dumme ist gefährlicher als der Mensch der Bosheit. Der Dumme ist mit sich selbst zufrieden, er wird sogar gefährlich…“<br />
"Das Wesen der Dummheit ist ein allgemeiner menschlicher Defekt, nicht ein intellektueller Defekt, also kein Mangel an bestimmtem Wissen."</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/19864_menschen-werden-dumm-gemacht-von-populisten-autokraten-und-rechtsextremen_religionskritik">Menschen werden dumm gemacht &#8211; von Populisten, Autokraten und Rechtsextremen, sagt Dietrich Bonhoeffer</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Theologe und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer über ein aktuelles politisches Übel.</p>
<p>Ein Hinweis von Christian Modehn am 17. März 2025.</p>
<p><em>Ein Vorwort</em>:<br />
Der Widerstandskämpfer, der protestantische Theologe Dietrich Bonhoeffer (er wurde am 9. April 1945 von Nazis hingerichtet), hat auch einen <em>Essay über die Dummheit</em> geschrieben. Damit meint er: Wie umgehen mit Menschen, die kritiklos und ohne eigenes Nachdenken ideologischen Parolen von rechtsradikalen Autokraten und Nazi &#8211; Populisten folgen. Und die dabei die Demokratie stören und zerstören. Und damit auch die eigenen freien, humanen Lebensbedingungen einschränken. Aber das wissen diese Menschen gerade nicht oder sie verleugnen für sich diese Tatsache. Deswegen nennen kritische Beobachter die politische Haltung dieser Menschen dumm. Also: Nicht der ganze Mensch ist dumm, es geht um die politische Haltung der Gedankenlosigkeit als Dummheit.<br />
Wir empfehlen die Lektüre dieses Textes von Dietrich Bonhoeffer, der unter 17. hier nachzulesen ist.</p>
<p>Aber wir versuchen auch, von einem aktuellen Ausgangspunkt aus die Bedeutung der immer schwierigen Reflexionen über Dummheit hervorzuheben. Dass Dummheit ein philosophisches Thema ist, steht außer Frage. Warum? Weil es zu viele dumme Menschen gibt, die es nicht wagen, „sich des eigenen Verstandes kritisch zu bedienen“, wie Immanuel Kant sagte.<br />
………….</p>
<p><em>Dieser Hinweis hat zwei Kapitel: </em></p>
<p>Erstens: <em>Allgemeine philosophische Reflexionen über die Dummheit. (Nr. 1-4)</em></p>
<p>Zweitens: <em>Die Kritik Dietrich Bonhoeffers an der politischen Dummheit.</em> (Nr. 5- 17)</p>
<p>&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;.</p>
<p><strong><em>ERSTENS: Allgemeine philosophische Reflexionen über die Dummheit. </em></strong></p>
<p>1.</p>
<p>Nicht zuerst Autokraten sind dumm, sie sind meist sogar sehr raffiniert in ihrer Lügenwelt. Dumm sind auch nicht zuerst die gerissenen ParteiführerInnen von rechtsextremen Parteien inmitten der noch bestehenden Demokratien. Als dumm gelten Menschen, die blind und gedankenlos diese Autokraten wählen bzw. die rechtsextremen Parteien in Demokratien ihre Stimme geben.</p>
<p>2.</p>
<p>Diese Menschen gelten als dumm, weil sie, volljährig, erwachsen, oft mit einem Reifezeugnis ausgestattet usw., also „eigentlich“ bei Sinn und Verstand sind … dann aber Politikerinnen wählen bzw. unterstützen, die &#8211; laut öffentlich zugänglichen Parteiprogrammen &#8211; die Demokratie letztlich zerstören wollen. Diese so genannten Politiker wollen den Menschen ihre freie Lebenswelt Schritt für Schritt, langsam, aber systematisch, vernichten: Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Pluralität der Kulturen im eigenen Land, … absolute Gültigkeit der Gerichtsurteile des Rechtsstaates soll es nicht mehr geben … Solche PolitikerInnen zu wählen ist manchmal auch Ausdruck von Verzweiflung und Hilflosigkeit …vor allem aber: Ausdruck dafür, dass eigenes umfassendes Nachdenken stillgelegt wurde. Und gerade dies ist der Ausdruck von Dummheit.</p>
<p>3.</p>
<p>Damit soll keineswegs behauptet werden, alle humanen Qualitäten des einzelnen Wählers dieser Parteien seien total zerstört. Nur unter dieser Bedingung meinen wir, das unterstreicht auch Bonhoeffer, diese Menschen wieder für die Werte der Demokratie und des Rechtsstaates zu begeistern, als der einzig humanen Staatsform.</p>
<p>4.</p>
<p>Es gibt längst eine philosophische Debatte über die Dummheit. (Fußnote 1). Einige Autorinnen berufen sich &#8211; eher pessimistisch &#8211; auf das Sprichwort: „Gegen Dummheit ist kein Kraut gewachsen“.</p>
<p>Der <em>Philosoph Martin Seel</em> hat in einem kleinen Essay (Fußnote 3) Dummheit kurz definiert: &#8222;Dumm verhält sich, wer von seinen eigenen geistigen und körperlichen Gaben eine allzu geringe oder nachlässige Verwendung macht.&#8220; Und Martin Seel hat eine Verbindung gezeigt zu <em>politischer Dummheit</em>: &#8222;Nur was ihren simpen Maßstäben entspricht, halten Dumme für vernünftig. Was in ihrem Horizont liegt, halten sie für den Nabel der Welt, was über ihn hinaus geht, erscheint ihnen abstrus oder bedrohlich. Dumme schlagen um sich, sobald ihnen zugemutet wird, sich einer komplexen Realität zu stellen&#8220; (dort S. 63).</p>
<p><em>Brecht Brecht</em> hat 1933 geschrieben: „ Hinter der Trommel trotten die Kälber, das Fell für die Trommel liefern sie selber“, ein Hinweis auf die deutschen Soldaten im Krieg, die dem „Ruf“ des Metzgers Adolf Hitler und seiner Gesellen folgen… Von der heutigen Psychologin und Autorin Heidi Kastner (Fußnote 1) stammt die Erkenntnis, „dass Nicht &#8211; Dumme immer das destruktive Potential der Dummen unterschätzen und immer wieder vergessen, dass es sich immer und überall als kostspieliger Fehler erwiesen hat, mit Dummen gemeinsame Sache zu machen“ (S. 90 im Buch „Dummheit“). Aber: „Gemeinsame Sache“ mit Dummen zu machen ist etwas anderes als mit bestimmten rechtsradikalen Leuten das geduldige Gespräch zu suchen, um sie zur Demokratie einzuladen und zur Demokratie „zurückzuholen“… Das mag als Utopie gelten, aber sie ist unverzichtbar für die Rettung der Demokratie und: der Qualität des humanen Lebens.</p>
<p>&#8230;&#8230;</p>
<p><strong>ZWEITENS: <em>Die Kritik Dietrich Bonhoeffers an der politischen Dummheit.</em> </strong></p>
<p>5.</p>
<p>Das schwierige Thema Dummheit &#8211; vor allem in der Politik &#8211; wollen wir also vertiefen durch die Erinnerung an einen Text des Widerstandskämpfers und vielseitig begabten protestantischen Theologen Dietrich Bonhoeffer. Er wurde vor 80 Jahren, am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg, Bayern, hingerichtet. Bonhoeffer hat Ende 1942 für einen kleinen Kreis von Freunden einen nur privaten Text verfasst mit dem Titel „Rechenschaft an der Wende zum Jahr 1943“: „An der Wende“ zum Jahr 1943 gab es an der Ostfront heftigste Kämpfe, der Glaube an den unbesiegbaren Führer begann schon zu schwinden… Dieser Essay besteht aus mehreren kurzen Kapiteln (der ganze Text hat im Buch 15 Seiten). Er ist eine Art philosophisch &#8211; theologische Reflexion auf den eigenen geistigen Standort: „Ohne Boden unter den Füßen“ heißt das erste der siebzehn Kapitel, es folgt „Was hält stand?“, dann „Zivilcourage, „Vom Erfolg“ und gleich danach „Von der Dummheit“. (Siehe Fußnote 2, die Seitenangaben beziehen sich auf dieses Buch).</p>
<p>6.</p>
<p>Für Bonhoeffer drängt sich die Frage auf, in welcher geistigen Verfassung sind eigentlich die meisten Deutschen, als sie Hitler ihren Führer nannten und verehrten und sich in den Krieg stürzten. Die klare Antwort Bonhoeffer: Es war die Dummheit der Deutschen, dass dieser Adolf Hitler Millionen Menschen ins Verderben führen konnte und unter anderen Opfern 6 Millionen europäische Juden vernichten ließ von Deutschen und deren europäischen Kollaborateuren….</p>
<p>7.</p>
<p>Die Überlegungen Bonhoeffers zur politischen Dummheit so vieler Deutscher &#8211; als Ausdruck ihrer Ergebenheit für einen populistisch sich gebenden Verbrecher &#8211; sind sicher auch von Einsichten Karl Bonhoeffer, des Vaters und Psychiaters inspiriert.</p>
<p>8.</p>
<p>Wir nennen hier nur einige zentrale Einsichten Bonhoeffer, die im Kontext der Nazi &#8211; Herrschaft stehen, aber darüber hinaus allgemeine Bedeutung auch heute haben, zumal wenn man auf gegenwärtige Autokraten schaut und deren dumme Gefolgschaft. Nr. 15 bietet den ganzen lesenswerten Text.</p>
<p>9.<br />
Entscheidend ist für Bonhoeffer: „Menschen werden &#8211; von Politikern, Autokraten &#8211; dumm gemacht, Dummheit ist also nichts Angeborenes.“ (Das gilt etwa für die LeserInnen von primitiven Boulevard &#8211; Druckerzeugnissen, CM).<br />
„Jede äußere Machtentfaltung (eines Autokraten, Diktators) schlägt einen großen Teil der Menschheit mit Dummheit“ (also mit blinder Verehrung dieser Verbrecher etc..) „In Gesprächen mit dem Dummem merkt man, man hat es im Gespräch nur mit über ihn mächtig gewordenen Schlagworten, Parolen etc. zu tun.“ (S. 16).</p>
<p>10.</p>
<p>Der Dumme glaubt an Fakes, so die aktuelle Einsicht Bonhoeffer: „Tatsachen, die dem eigenen Vorurteil widersprechen, brauchen einfach nicht geglaubt zu werden, in solchen Fällen wird der Dumme sogar kritisch &#8211; wenn die Tatschen unausweichlich sind, können sie einfach als Nichts sagende Einzelfälle beiseite geschoben werden.“<br />
Die entscheidende Warnung Bonhoeffers vor dem Dummen: „Der Dumme ist gefährlicher als der Mensch der Bosheit. Der Dumme ist mit sich selbst zufrieden, er wird sogar gefährlich…“ (S. 15).</p>
<p>11.<br />
Das Wesen der Dummheit ist ein allgemeiner menschlicher Defekt, nicht ein intellektueller Defekt, also kein Mangel an bestimmtem Wissen. „Selbst intellektuell Schwerfällige sind nicht dumm“, sagt Bonhoeffer, weil sie &#8211; etwa als technisch oder mathematisch Unbegabte &#8211; eine Weisheit bewahrt haben…</p>
<p>12.</p>
<p>„Der Dumme ist (von den Autokraten, Diktatoren) in seinem eigenen Wesen missbraucht, misshandelt.“ (S, 16). „So zum willenlosen Instrument geworden, wird der Dumme auch zu allem Bösen fähig und zugleich unfähig, dieses als Böses zu erkennen“. Man würde gern diese Erkenntnis Bonhoeffers mit der Erkenntnis Hannah Arendts verbinden, die Adolf Eichmann, den Erz &#8211; Verbrecher im Nazi &#8211; Staat, als Ausdruck der Banalität des Bösen, also Ausdruck schlimmster Dummheit, interpretierte.</p>
<p>13.</p>
<p>Gibt es für Bonhoeffer eine Befreiung von der Dummheit? Er ist zunächst skeptisch: „Weder mit Protesten noch durch Gewalt läßt sich hier etwas ausrichten… Niemals werden wir mehr versuchen, den Dummen durch Gründe zu überzeugen, es ist sinnlos und gefährlich“ (S. 15). „Dabei ist der Dumme im Unterschied zum Bösen restlos mit sich selbst zufrieden; ja, er wird sogar gefährlich, indem er leicht gereizt zum Angriff übergeht. Daher ist dem Dummen gegenüber mehr Vorsicht geboten als gegenüber dem Bösen.“ (Seite 15, „Widerstand und Ergebung“, auch Fußnote 2)</p>
<p>14.</p>
<p>Und doch glaubt Dietrich Bonhoeffer am Schluss seiner Überlegung an eine innere Befreiung des Dummen, also an eine Art Reinigung des Bewusstseins. Aber die geht nicht ohne die äußere, also politische Befreiung. Erst Demokratie und Rechtsstaat sowie Sozialstaat können politische Dummheit einschränken und überwinden. Und was die „innere Befreiung“ (vielleicht als Therapie) angeht: Da ist der Theologe Bonhoeffer überzeugt. Ohne Verbindung des Menschen mit Gott, als dem Grund des Daseins und der absoluten Stimme im Gewissen, wird geistige und seelische Befreiung von Dummheit nicht möglich sein.</p>
<p>15.</p>
<p>Dem Kapitel „Von der Dummheit“ folgt gleich die auch theologisch argumentierende Reflexion zum Thema „Menschenverachtung.“ So will wohl Bonhoeffer deutlich machen: Die Kritik an &#8211; politisch &#8211; dummen Menschen hat nichts mit definitiver Verachtung dieser Menschen zu tun.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>16. Menschenverachtung? Ein Essay Dietrich Bonhoeffers:</em><br />
Die Gefahr, uns in Menschenverachtung hineintreiben zu lassen, ist sehr groß. Wir wissen wohl, daß wir kein Recht dazu haben und daß wir dadurch in das unfruchtbarste Verhältnis zu den Menschen geraten. Folgende Gedanken können uns vor dieser Versuchung bewahren: mit der Menschenverachtung verfallen wir gerade dem Hauptfehler unserer Gegner. Wer einen Menschen verachtet, wird niemals etwas aus ihm machen können. Nichts von dem, was wir im anderen verachten, ist uns selbst ganz fremd. Wie oft erwarten wir von anderen mehr, als wir selbst zu leisten willig sind. Warum haben wir bisher vom Menschen, seiner Versuchlichkeit und Schwäche so unnüchtern gedacht? Wir müssen lernen, die Menschen weniger auf das, was sie tun und unterlassen, als auf das, was sie erleiden, anzusehen. Das einzig fruchtbare Verhältnis zu den Menschen – gerade zu den Schwachen – ist Liebe, d.h. der Wille, mit ihnen Gemeinschaft zu halten. Gott selbst hat die Menschen nicht verachtet, sondern ist Mensch geworden um der Menschen willen.</p>
<p><strong>17</strong>. <strong>Der vollständige Text Dietrich Bonhoeffers „Von der Dummheit“</strong>:</p>
<p>Dummheit ist ein gefährlicherer Feind des Guten als Bosheit. Gegen das Böse läßt sich protestieren, es läßt sich bloßstellen, es läßt sich notfalls mit Gewalt verhindern, das Böse trägt immer den Keim der Selbstzersetzung in sich, indem es mindestens ein Unbehagen im Menschen zurückläßt. Gegen die Dummheit sind wir wehrlos. Weder mit Protesten noch durch Gewalt läßt sich hier etwas ausrichten; Gründe verfangen nicht; Tatsachen, die dem eigenen Vorurteil widersprechen, brauchen einfach nicht geglaubt zu werden – in solchen Fällen wird der Dumme sogar kritisch –, und wenn sie unausweichlich sind, können sie einfach als nichtssagende Einzelfälle beiseitegeschoben werden. Dabei ist der Dumme im Unterschied zum Bösen restlos mit sich selbst zufrieden; ja, er wird sogar gefährlich, indem er leicht gereizt zum Angriff übergeht. Daher ist dem Dummen gegenüber mehr Vorsicht geboten als gegenüber dem Bösen. Niemals werden wir mehr versuchen, den Dummen durch Gründe zu überzeugen; es ist sinnlos und gefährlich. Um zu wissen, wie wir der Dummheit beikommen können, müssen wir ihr Wesen zu verstehen suchen. Soviel ist sicher, daß sie nicht wesentlich ein intellektueller, sondern ein menschlicher Defekt ist. Es gibt intellektuell außerordentlich bewegliche Menschen, die dumm sind, und intellektuell sehr Schwerfällige, die alles andere als dumm sind. Diese Entdeckung machen wir zu unserer Überraschung anläßlich bestimmter Situationen. Dabei gewinnt man weniger den Eindruck, daß die Dummheit ein angeborener Defekt ist, als daß unter bestimmten Umständen die Menschen dumm gemacht werden, bzw. sich dumm machen lassen. Wir beobachten weiterhin, daß abgeschlossen und einsam lebende Menschen diesen Defekt seltener zeigen als zur Gesellung neigende oder verurteilte Menschen und Menschengruppen. <strong><em>So scheint die Dummheit vielleicht weniger ein psychologisches als ein soziologisches Problem zu sein. Sie ist eine besondere Form der Einwirkung geschichtlicher Umstände auf den Menschen, eine psychologische Begleiterscheinung bestimmter äußerer Verhältnisse. Bei genauerem Zusehen zeigt sich, daß jede starke äußere Machtentfaltung, sei sie politischer oder religiöser Art, einen großen Teil der Menschen mit Dummheit schlägt. Ja, es hat den Anschein, als sei das geradezu ein soziologisch-psychologisches Gesetz. Die Macht der einen braucht die Dummheit der anderen.</em></strong> Der Vorgang ist dabei nicht der, daß bestimmte – also etwa intellektuelle – Anlagen des Menschen plötzlich verkümmern oder ausfallen, sondern daß unter dem überwältigenden Eindruck der Machtentfaltung dem Menschen seine innere Selbständigkeit geraubt wird und daß dieser nun – mehr oder weniger unbewußt – darauf verzichtet, zu den sich er gebenden Lebenslagen ein eigenes Verhalten zu finden. Daß der Dumme oft bockig ist, darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß er nicht selbständig ist. Man spürt es geradezu im Gespräch mit ihm, daß man es gar nicht mit ihm selbst, mit ihm persönlich, sondern mit über ihn mächtig gewordenen Schlagworten, Parolen etc. zu tun hat. Er ist in einem Banne, er ist verblendet, er ist in seinem eigenen Wesen mißbraucht, mißhandelt. So zum willenlosen Instrument geworden, wird der Dumme auch zu allem Bösen fähig sein und zugleich unfähig, dies als Böses zu erkennen. Hier liegt die Gefahr eines diabolischen Mißbrauchs. Dadurch werden Menschen für immer zugrunde gerichtet werden können. Aber es ist gerade hier auch ganz deutlich, daß nicht ein Akt der Belehrung, sondern allein ein Akt der Befreiung die Dummheit überwinden könnte. Dabei wird man sich damit abfinden müssen, daß eine echte innere Befreiung in den allermeisten Fällen erst möglich wird, nachdem die äußere Befreiung vorangegangen ist; bis dahin werden wir auf alle Versuche, den Dummen zu überzeugen, verzichten müssen. In dieser Sachlage wird es übrigens auch begründet sein, daß wir uns unter solchen Umständen vergeblich darum bemühen, zu wissen, was das Volk eigentlich denkt, und warum diese Frage für den verantwortlich Denkenden und Handelnden zugleich so überflüssig ist – immer nur unter den gegebenen Umständen. Das Wort der Bibel, daß die Furcht Gottes der Anfang der Weisheit sei, sagt, daß die innere Befreiung des Menschen zum verantwortlichen Leben vor Gott die einzige wirkliche Überwindung der Dummheit ist. Übrigens haben diese Gedanken über die Dummheit doch dies Tröstliche für sich, daß sie ganz und gar nicht zulassen, die Mehrzahl der Menschen unter allen Umständen für dumm zu halten. Es wird wirklich darauf ankommen, ob Machthaber sich mehr von der Dummheit oder von der inneren Selbständigkeit und Klugheit der Menschen versprechen.</p>
<p>1<em>8. Rezeption der Erkenntnisse Bonhoeffers zur Dummheit:</em></p>
<p>Die TAZ (Autor Stefan Hunglinger) zitiert in ihrem Bericht über den zerstörerischen Umgang  Trumps  mit der Demokratie in den USA auch Dietrich Bonhoeffers Reflexionen  zur Dummheit: TAZ am 15.12. 2025, Seite 16.</p>
<p><em>Fußnote 1:</em> Emil Kowalski, Dummheit, Eine Erfolgsgeschichte. J. B. Metzler Verlag 2. Auflage, 2022. Heidi Kastner, Dummheit. Verlag Kremayr und Scherlau, Wien, 10. Auflage, 2022.</p>
<p><em>Fußnote 2</em>:  Dietrich Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft. Gütersloher Verlagshaus, 22. Auflage 2019, S. 15.</p>
<p><em>Fußnote 3:</em> Martin Seel, &#8222;111 Tugenden &#8211; 111 Laster. Eine philosophische Revue&#8220;. S. Fischer Verlag, 2011, der Essay über Dummhei auf den Seiten 62-64. Wir empfehlen ausdrücklich dieses philosophische Buch! <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/2424_tugenden-und-laster-eine-philosophische-revue_denkbar">LINK</a></p>
<p>Leider wird in beiden Studien nicht der Essay „Von der Dummheit“ von Dietrich Bonhoeffer diskutiert!</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/19864_menschen-werden-dumm-gemacht-von-populisten-autokraten-und-rechtsextremen_religionskritik">Menschen werden dumm gemacht &#8211; von Populisten, Autokraten und Rechtsextremen, sagt Dietrich Bonhoeffer</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ein philosophisch &#8211; christliches Glaubensbekenntnis für heute und morgen.</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/19829_ein-philosophisch-christliches-glaubensbekenntnis-fuer-heute-und-morgen_befreiung</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Mar 2025 19:26:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Alternativen für eine humane Zukunft]]></category>
		<category><![CDATA[Befreiung]]></category>
		<category><![CDATA[Denken und Glauben]]></category>
		<category><![CDATA[Forschungsprojekte]]></category>
		<category><![CDATA[Remonstranten Forum Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[alte Glaubensbekenntnisse]]></category>
		<category><![CDATA[das Glaubensbekenntnis von Nikäa überwinden]]></category>
		<category><![CDATA[das philosophisch-christliche Glaubensbekenntnis]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte sind Teil des christlichen Glaubensbekenntnisses]]></category>
		<category><![CDATA[Paulus als Philosoph]]></category>
		<category><![CDATA[Paulus Bekenntnis auf Areopag]]></category>
		<category><![CDATA[Paulus neu verstehen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://religionsphilosophischer-salon.de/?p=19829</guid>

					<description><![CDATA[<p>Das philosophisch geprägte Bekenntnis des Apostels Paulus auf dem Areopag in Athen wird neu formuliert. Es ist eine Art philosophisch begründendes Glaubens - Bekenntnis mit einer universellen Bedeutung: Eine Alternative zum Bekenntnis von Nizäa. Die universell geltenden Menschenrechte gehören zum christlichen Glaubensbekenntnis.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/19829_ein-philosophisch-christliches-glaubensbekenntnis-fuer-heute-und-morgen_befreiung">Ein philosophisch &#8211; christliches Glaubensbekenntnis für heute und morgen.</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Vom Apostel Paulus inspiriert … und darüber hinaus.<br />
Ein Hinweis von Christian Modehn am 12.3.2025</p>
<p><em>1. Eine Vorbemerkung:</em></p>
<p>Bekenntnisse des christlichen Glaubens können heute auch kurze Essays, Aphorismen oder philosophische Poesie sein.</p>
<p>Dies gilt angesichts der immer noch üblichen Geltung der nahezu unverständlichen Bekenntnisse aus dem 4. und 5. Jahrhundert.</p>
<p>Im Neuen Testament, in der „Apostelgeschichte“, wird eine merkwürdige Geschichte erzählt (Kapitel 17, Vers 16 &#8211; 34):<br />
Der Apostel Paulus hält sich in Athen auf, einem Zentrum verschiedener philosophischer Schulen, der Stoiker, Epikureer und Neuplatoniker. Und mit diesen Philosophen sucht Paulus das Gespräch, so die Erzählung.</p>
<p>Wir haben das philosophisch geprägte Bekenntnis des Apostels Paulus dort, auf dem Areopag in Athen, neu formuliert. Und dabei entsteht eine Art philosophisch begründendes, sehr kurzes Glaubens &#8211; Bekenntnis mit einem universellen Interesse. Dieses Bekenntnis führt noch weiter: Zu einem leidenschaftlichen Ja zu den universell geltenden Menschenrechten. Sie werden Teil des heutigen christlichen „Glaubensbekenntnisses“.</p>
<p>2.<br />
Zunächst das philosophisch orientierte christliche Bekenntnis, inspiriert vom Paulus-Text in der Apostelgeschichte Kapitel 17, Vers 16 &#8211; 34:</p>
<p><em>„Gott hat die Welt erschaffen und alles in ihr. Der Herr über Himmel und Erde wohnt nicht in Tempeln, die von Menschenhand gemacht sind. </em><br />
<em>Gott gibt allen das Leben. Keinem Menschen ist Gott fern. </em><br />
<em>In ihm leben wir. In ihm bewegen wir uns und sind wir. Wir Menschen sind von seiner Art.“ </em><br />
<em>Bis dahin folgen wir dicht den Aussagen des Apostels Paulus, jetzt folgt unsere Interpretation der Aussagen des Paulus zu Jesus Christus:</em></p>
<p><em>&#8222;Der Mensch Jesus von Nazareth lebte ganz mit Gott verbunden. </em><br />
<em>Nach seinem Tod erkannten seine Freunde: Er hat den Tod überwunden, so wie alle Menschen den Tod überwinden: Denn alle Menschen sind mit dem Ewigen verbunden: Denn in ihm (Gott) leben wir. In ihm bewegen wir uns und sind wir.“ (Zur Erschaffung der Welt, Fußnote 1 unten)</em></p>
<p>An dieses klassische Glaubensbekenntnis schließt sich <em>eine Erweiterung des christlichen Glaubensbekenntnisses</em> an:</p>
<p>„Der christliche Glaube ist nur wirklich, wenn er in der Praxis der Mitmenschlichkeit lebt. Entscheidende Orientierung dafür bietet die „Erklärung der universell geltenden Menschenrechte“ von 1948: Dabei können durchaus neu erkannte soziale, klimabezogene oder Gender &#8211; bezogene Menschenrechte hinzukommen.<br />
Aber darauf kommt es an: Die Menschenrechte und die Pflichten der Menschen, diese Rechte praktisch zu respektieren, <em>sind Teil des christlichen Glaubens,</em> also des Glaubens an eine göttliche Wirklichkeit: Sie hat jeden Menschen mit einer absolut wertvollen, ewigen, göttlichen Qualität geschaffen. Das ist eine Erkenntnis seit Albertus Magnus, Meister Eckart, Hegel … Diese Erkenntnis würde aber im engen religiösen Bereich verbleiben, wenn nicht die politische Dimension der Menschenrechte für die Verbindung des Glaubens mit der Praxis der Menschen sorgen würde.“</p>
<p>(Siehe auch das Interview mit dem Berliner Theologen Prof.Wilhelm Gräb (+2023) über &#8222;Die Erklärung der <em>Menschenrechte als Bekenntnisgrundlage einer universalen Religion</em>&#8220; <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/3150_die-erklaerung-der-menschenrechte-bekenntnisgrundlage-einer-universalen-religion-von-prof-wilhelm-graeb_weiter-denken">LINK</a></p>
<p>3.<br />
Es ist bemerkenswert, dass der Autor der Apostelgeschichte im unmittelbaren Umfeld der Areopag &#8211; Erzählung den <em>christlichen Glauben nicht etwa als Dogma, als Lehre, als Doktrin bezeichnet, sondern: Als „neuen Weg</em>“. (Apg. 19,9, in der „Einheitsübersetzung“ der Bibel).<br />
Der christliche Glaube als „WEG“ &#8211; eine sympathische „Definition“, die heute nahezu in Vergessenheit geraten ist!</p>
<p><em>NEBENBEI:</em></p>
<p>4. <em>Paulus lebte und lehrte zwei Jahre bei einem Philosophen in Ephesus</em></p>
<p>Der Apostel Paulus lebte zwei Jahre in Ephesus bei einem Philosophen: Tyrannus, sein für uns etwas ungewöhnlicher Name. Paulus konnte im Saal des Philosophen seine christliche Lehre verbreiten. Tolerant sind die Philosophen! Paulus war zuvor aus der Synagoge rausgeworfen worden. <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/8653_zuflucht-beim-philosophen-der-apostel-paulus-in-ephesus_buchhinweise/theologische-buecher">LINK</a>:</p>
<p><em>NEBENBEI:</em></p>
<p>5. <em>Kein direkter Bezug zu „Dionysius, dem Areopagiten</em>“.</p>
<p>Am Ende der Erzählung „Paulus in Athen“ wird berichtet: Einige wenige ZuhörerInnen hätten sich nach dem Bekenntnis und der Predigt des Apostels Paulus dem christlichen Glauben zugewandt, unter ihnen wird ein „Dionysius, der Areopagit“ (Vers 34) erwähnt.<br />
Dieser Dionysius ist nicht identisch mit dem Philosophen aus dem 6. Jahrhundert, der sich &#8211; zur eigenen Aufwertung &#8211; „Dionysius Areopagita“ nannte: Es handelt sich um einen griechisch schreibenden Christen und philosophischen Autor von vier Texten, darunter „Über mystische Theologie“.<br />
Was diesen Dioysius mit dem Bekenntnis und der Predigt des Apostels Paulus in Athen, auf dem Areopag, ein wenig verbindet: Die Betonung der Ähnlichkeit des Menschen mit Gott durch die „Gottähnlichkeit der Vernunft“… Aber für diesen Dionysius ist Gott letztlich das Unnennbare, alle menschlichen sprachlichen Äußerungen über Gott sind für diesen Meister der „negativen Theologie“ unzutreffend. Da war ja Paulus bekanntlich ganz anderer Meinung.</p>
<p><em>Fußnote 1</em>: Das Wort <em>&#8222;Gott als Erschaffer der Welt&#8220;</em> kann hier nicht weiter entwickelt werden, es hat nichts zu mit fundamentalistischer Bibelinterpretion. Das Wort &#8222;Gott als Schöpfer der Welt&#8220; ist gemeint als die Konsequenz des Denkens selbstbewusster Subjektivität: Diese versteht sich als eine kontingente Realität der Welt und weiß dabei, dass sie nicht über die eigene Existenz, die eigene Präsenz in dieser Welt, verfügt. Subjektivität, der Mensch, ist also auf den Gedanken eines gründenden Grundes angewiesen. Dieser Grund hat Subjektvität in die Welt freigesetzt. Man kann ihn Gott nennen, das Absolute, das/den Ewige(n), also das in allem und allen Anwesende&#8230;</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/19829_ein-philosophisch-christliches-glaubensbekenntnis-fuer-heute-und-morgen_befreiung">Ein philosophisch &#8211; christliches Glaubensbekenntnis für heute und morgen.</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Als Jesus zum Gott erklärt wurde: Das Bekenntnis des Konzils von Nizäa (325) überwinden</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/19450_als-jesus-zum-gott-erklaert-wurde-das-bekenntnis-des-konzils-von-nizaea-325-ueberwinden_religionskritik</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Jan 2025 14:59:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Denken und Glauben]]></category>
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		<category><![CDATA[Konzilien Nizäa und Chalcedon überwinden]]></category>
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		<category><![CDATA[Nizäa 325]]></category>
		<category><![CDATA[Theologe Bernhard Welte für Abschied von metaphysischen Glaubensbekenntnissen]]></category>
		<category><![CDATA[unverständliches Glaubensbekenntnis von Nizäa]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Konzil von Nizäa vor 1.700 Jahren wird groß gefeiert. Dabei ist das Glaubensbekenntnis von Nizäa unverständlich und es sollte abgeschafft werden. Neue Glaubensbekenntnisse in modernen Sprachen brauchen die Kirchen. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/19450_als-jesus-zum-gott-erklaert-wurde-das-bekenntnis-des-konzils-von-nizaea-325-ueberwinden_religionskritik">Als Jesus zum Gott erklärt wurde: Das Bekenntnis des Konzils von Nizäa (325) überwinden</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Hinweis von Christian Modehn am 22.1.2025.</p>
<p>Aktuell: <i><span style="font-size: large;"> Papst Leo XIV. wird am 27.11.2025 in die Türkei reisen, um dort (in Isznik) das Konzil von Nizäa, vor 1.700 Jahren, im Jahr 325, zu feiern, zu würdigen und auch als aktuell-bedeutsam hochzupreisen und herauszustellen, in ökumenischer Gemeinschaft mit dem Ehrenoberhaupt der Orthodoxie, dem Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel; auch der Generalsekretär des Weltrats der Kirchen, Prof. Jerry Pillay, von der Refomierten Kirche in Südafrika, wird beteiligt sein.  Der Religionsphilosophische Salon Berlin, als Ort der üblichen Religionskritik und einer vernünftigen, modernen Theologie kann in den Jubel über das nach wie vor als solches gültige Glaubensbekenntnis von Nizäa (325) überhaupt nicht einstimmen. Dazu sind einige Erläuterungen notwendig. </span></i></p>
<p><em>Das Vorwort</em>:</p>
<p>Die Kirchenführer und viele ihrer TheologInnen klammern sich auch heute sehr gern an Vergangenes, verteidigen alte, eigentlich unergiebige, &#8222;tote&#8220; Dokumente, wiederholen sie, kauen sie durch, beten sie nach. Darum geht es in diesem Beitrag am Beispiel uralter Glaubensbekenntnisse, vor allem des Bekenntnisses von Nizäa (im Jahr 325).<br />
Und wir schlagen theologisch und philosophisch gut begründet vor, diese beinahe neurotisch wirkenden Bindungen an nicht mehr nachvollziehbare Definitionen des Christlichen („Bekenntnisse“) aufzugeben. Damit der christliche Glaube als eine universell argumentierende Lehre von humaner Weisheit noch eine Chance des Respekts hat weltweit. Und wir schlagen vor: Neue, nachvollziehbare Aussagen zum eigenen Glauben in heutigen Sprachen zu formulieren.</p>
<p>Das Konzil von Nizäa und die dann folgenden Konzilien in Konstantinopel und Chalcedon haben <em>die Idee der Hierarchie</em> absolut in den Mittelpunkt gestellt, diese Hierarchie &#8211; Ideologie war herrschend wie ein Denk &#8211; Zwang und sicher das oberste aller Dogmen: <em>An der obersten himmlischen Spitze ruht Gott,</em> in der weltlichen Realität gibt es die Hierarchie innerhalb des Klerus und die Konkurrenz zwischen dem obersten Kleriker (Papst) und dem obersten weltlichen Herren (Kaiser etc.). Diese Idee, dass die Wirklichkeit hierarchisch &#8222;geordnet&#8220; ist, hat bis heute ihren Wahn durchsetzen können und damit die Kirchen außerhalb der demokratischen Welt und der Menschenrechte platziert. <em>Über die Wirkung der Hierarchie &#8211; Ideologie etwa im orthodoxen Russland bis heute,</em> siehe unten Fußnote 3.</p>
<p><em>Ergänzung am 16.2.2025:</em> Erstaunlich ist, dass die offiziell &#8211; katholische Wochenzeitung des katholischen Herder &#8211; Verlages &#8222;Christ in der Gegenwart&#8220; Heft 6, 2025, Seite 3-4, einen kritischen Beitrag zum Konzil von Nizäa und dem dort formulierten Glaubensbekenntnis druckt. Den Beitrag verfasste der katholische Prof. emer. für Neues Testament (Graz) Peter Trummer. Einige seiner Erkenntnisse stimmen mit unserer weitreichenden Kritik an Nizäa und den folgenden überein. Leider wird bei Trummer nicht deutlich, wie denn nun von Jesus Christus zu sprechen ist, wenn Jesus von Nazareth endlich nicht mehr als Gott angesprochen und verehrt wird. Darauf eine positive Antwort zu geben, macht katholischen Theologen offenbar noch immer Angst. Auch zur Frage der Überwindung und Abschaffung von nicht mehr nachvollziehbaren Dogmen bietet dieser sonst lesenswerte Beitrag keine Antwort.   <a href="https://www.herder.de/cig/cig-ausgaben/archiv/2025/6-2025/goettliche-hierarchie/">LINK</a></p>
<p><em>Ergänzung am 30.12.2025:</em> Schon 1973 sah Prof. Bernhard Welte, ein prominenter katholischer Theologe und Religionsphilosoph, dass die Bekenntnisaussagen über Christus als Gott heute nicht mehr wiederholt und nachgesprochen werden sollten. Welte benutzte für diese von ihm geforderte Überwindung des Nizäa/Chalcedon-Bekenntnisses den Begriff &#8222;Verwindung&#8220;, durchaus im Anschluß an Martin Heideggers Begrifflichkeit. Bernhard Welte sprach auch von einem &#8222;Paradigmenwechsel&#8220;: Die Aussagen über Christus in den Konzilien der Antike (Nizäa, Chalcedon) sind <em>an &#8222;philosophische Denksysteme&#8220; gebunden, die heute nur als relativ gelten</em> können. Welte betonte: &#8222;Im Konzil von Nizäa kam das Seinsverständnis der abendländischen Metaphysik in der Theologie zur Herrschaft, während das in der Bibel vorherrschende Seinsverständnis ursprünglich vor-metaphysischer Natur war und am ehesten vom Begriff des Ereignisses her deutbar scheint&#8220; (B. Welte, Gesammelte Schriften, IV/2, S. 124). Deswegen plädierte Bernard Welte für ein Neuverständnis dieser antiken, metaphysischen Bekenntnisse zu Christus als Gott, er sprach von &#8222;<em>einer Rückübersetzung der dogmatischen Aussagen von damals auf die Ebene der biblischen Red</em>e.&#8220; (ebd., S. 128). Werden diese Vorschläge Bernhard Weltes jetzt, 2025, respektiert und weitergeführt? Ich habe nicht den Eindruck. Es herrscht unter Theologen und Kirchenführern  nach wie vor eine Art erstarrte Begeisterung fürs Wiederholen uralter Glaubens &#8211; Formeln &#8230;. die heute zu Floskeln geworden sind.</p>
<p>1.</p>
<p><em>Das ökumenische Konzil von Nizäa vor 1700 Jahren (325) elementar zu kennen und kritisch zu bewerten, ist also nicht bloß Thema für Fachtheologen und Fachphilosophen.</em><br />
<em>Denn mit dem metaphysisch abstrakten Glaubensbekenntnis des Konzils von Nizäa (der Text: Fußnote 1) wurde der christliche Glaube zu einer Art spätantiker Theorie bzw. Ideologie. Wer als Christ glaiuben will, wird förmlich eingezwängt in diese alte Welt&#8230;</em></p>
<p>In dem Glaubensbekenntnis von Nizäa (auch noch in den Bekenntnissen späterer Konzilien) wurde die Verbundenheit mit dem Juden Jesus von Nazareth weitgehend ausgelöscht. Der Grund: Weil die Kirche eine Religion für alle (also für die Heiden) sein wollte, glaubten die Kirchenführer, die Nähe der Kirchen zum Juden Jesus von Nazareth (und damit zum Judentum insgesamt) stark reduzieren zu müssen. Gott wollten diese Theologen und ihre theologisch bestimmenden christlichen Kaiser mit ihren philosophischen Formeln „in den Griff bekommen“. Dieser maßlose Anspruch wäre ein eigenes Thema! Dadurch, so hofften diese Herren, sollte der christliche Glaube universell für alle gedanklich erreichbar sein, was vielleicht für einige gebildete Philosophen damals zutraf. Aber spätestens seit 1000 Jahren nicht mehr zutrifft angesichts der Internationalisierung und &#8222;Inkulturation&#8220; der Kirchen in vielen Kulturen.</p>
<p>2.</p>
<p>Das ist entscheidend: Es wurde in Nizäa 325 und danach<em> nicht der Versuch gemacht, die allgemeinen (also über das damalige Judentum Jesu hinausgehenden) humanen Weisheitslehren Jesu von Nazareth ins Glaubensbekenntnis aufzunehmen.</em> Also den Menschen Jesus von Nazareth als Vorbild auch für die Heiden darzustellen. Stattdessen wird allen Menschen weltweit bis heute die Kenntnis der Begriffe spätantiker Philosophie und Metaphysik zugemutet, wenn sie ein Bekenntnis sprechen. Spätantike Denkweisen und Formeln bestimmen die seit Nizäa geltenden Glaubensbekenntnisse.</p>
<p>3.</p>
<p>Das Konzil von Nizäa und seine Botschaft ist also heute für fragende, nachdenkende Menschen nur ein riesiges philosophisches metaphysisches Problem, für eine persönliche Spiritualität eher nur eine Belastung. Lässt sich der Verzicht auf die sehr ungewöhnlichen „unorthodoxen“ Weisheitslehren Jesu von Nazareth im Bekenntnis des Konzils von Nizäa und danach noch korrigieren? Dies sollte eine der entscheidenden kritischen Fragen anläßlich des Nizäa &#8211; Jubiläums 2025 sein.</p>
<p>4.</p>
<p><em>Diese Bekenntnisse der Konziliens von Nizäa und Konstantinopel haben  heute nur noch einen historischen Wert!</em> Sie sind keine Hilfe für ein humanes Leben im Sinne der Weisheitslehren des Jesus von Nazareth. Ob mit unserer Abwehr dieser Konzils &#8211; Bekenntnisse jetzt konstruktive weiterführende Debatten eröffnet werden, ist bei der Bindung der katholischen und orthodoxen und einiger lutherischer Theologen an die Kirchenführung zweifelhaft. Die Führer der großen christlichen Kirchen (vor allem des Katholizismus und der Orthodoxie) freuen sich, alsbald in Nizäa (heute Iznik, Türkei) all das vor 1.700 Jahren Gesagte zu feiern und zu bestätigen. Als hätten die Kirchen in dieser verrückt gewordenen, ins Antidemokratische abrutschenden Welt nichts Dringenderes zu tun… Die Kirchenführer werden das Glaubens-Bekenntnis aus dem Jahr 325 also bestätigen und nachbeten (nur ein Beispiel für diese Haltung: Fußnote 2).</p>
<p>5.</p>
<p>Die Kirchenführer und ihre Theologen waren nach 325 in ihren Bekenntnissen nur noch an der abstrakten Gestalt eines universellen Christus interessiert, Christus sollte jene göttliche Heilsgestalt sein, dem sich alle Menschen weltweit als ihrem „Erlöser“ anschließen sollten. Die Kirchenführer glaubten dabei, völlig unbescheiden, mit Unterstützung der Kaiser, von Gott sehr Genaues im Detail zu wissen: Die Ferne der Menschen von Gott und der Menschen Sündhaftigkeit könne nur durch Gott persönlich geheilt werden. Darum muss in diesem Denken Gott selbst in die Welt kommen, und zwar in der Gestalt des Logos, des Sohnes bei Gott &#8211; Vater, er, der Logos, steigt aus dem Himmel auf die Erde herab. Und dieser Logos als „Sohn Gottes im Himmel“ soll nun der Christus auf Erden sein, er wird eins mit dem Menschen Jesus von Nazareth…Tatsächlich war also diese universelle Christusgestalt (der universelle Logos) immer noch etwas mit dem Menschen Jesus von Nazareth verbunden und deswegen sprach man und spricht heute noch von „Jesus Christus“. Es gibt dabei das typische undeutliche Schwanken zwischen Jesus und dann Jesus Christus oder schließlich nur noch „Christus“ &#8211; etwa als Pantokrator (Allherrscher) in den Basiliken des 5. Jahrhunderts. Dieses unentschiedene Schwanken ist bis heute vorherrschend, auch in üblichen Kirchen-Liedern zu beobachten, etwa in den populären Weihnachtsliedern, aber das ist ein anderes Thema.</p>
<p>6.</p>
<p>Einige zentrale Informationen zum Konzil von Nizäa (325):</p>
<p>Die Voraussetzung für dieses große ökumenische Bischofs &#8211; Treffen: <em>Kaiser Konstantin hatte sich 312 dem Christentum zugewandt.</em> Er war von der wundertätigen Lehre der Christentums und seines Gottes so begeistert, dass er sich als Laie stolz wie ein Bischof gerierte und das Konzil einberief und inhaltlich bestimmte. Der Kaiser war leidenschaftlichst daran interessiert, die vielfältigen Kirchen, damals noch eine Minderheit von 10 Prozent der Bewohner des Reiches, einig und stark zu machen. Denn in der Sicht der Mehrheit hatten sich problematische theologische Lehren ausgebreitet, etwa die Lehre des Theologen Arius: Er behauptete: Jesus Christus sei nur ein Geschöpf Gottes, des ewigen „Gott &#8211; Vaters“. Aber Jesus Christus sei selbst nicht als Gott zu bezeichnen. Genau darüber berieten die ca. 300 Bischöfe in Nizäa, und sie kamen zu dem Schluß: Jesus Christus ist mit Gott, dem Vater, wesensgleich („homoousios“ heißt das viel zitierte griechische Wort) und wesenseins mit Gott- Vater. Und der wird als der Schöpfer der Welt gedacht. Wichtiger aber ist: Jesus Christus wurde als Gott bezeichnet und sollte als Gott verehrt werden. Es ist also der göttliche Logos, der Sohn von Gott &#8211; Vater, der in Jesus von Nazareth Mensch wird und einige Jahre auf dieser Erde, in Judäa &#8211; Israel, gelebt hat.</p>
<p>7.</p>
<p><em>Nebenbei etwas theologisch Absurdes</em>: Dieses Problem liegt nahe, wird aber kaum theologisch diskutiert: Wenn der göttliche Logos (der Sohn) also auf die Erde &#8222;herabsteigt&#8220;, wie es heißt, und sich mit dem Juden Jesus von Nazareth vereint, dann ist doch der Platz des &#8222;Sohnes&#8220; (Logos) neben Gott &#8211; Vater im Himmel für ein paar Jahre leer. Das heißt: E<em>s gab also einmal eine „Logos &#8211; freie Zeit“ im Himmel:</em> Wenn man das Problem auf die Trinität bezieht, muss man sagen: So etwa ab dem Jahr 2 bis ca. zum Jahr Jahr 35 (in diesen Jahren lebte Jesus) gab es nur eine unvollständige Trinität im Himmel, eben nur Gott Vater und den heiligen Geist. Erst nach Jesu Auferstehung war der Logos wieder im Himmel…Man sieht an diesem Beispiel, zu welchen absurden Spekulationen man heute noch kommt, wenn man das Dogma bedenkt: Jesus ist Gott.</p>
<p>Das Konzil von Ephesus (431) lehrte dann weiterführend zu &#8222;Christus ist Gott-Mensch&#8220;: <em>Maria, die Mutter Jesu von Nazareth, ist die Gottes-Mutter. Mit diesem Titel Gottes-Mutter wurde die weite und willkürliche Praxis der Marien-Verehrung, des Marien &#8211; Kultes definitiv eröffnet.</em> Alle nur denkbaren Titel wurden dieser Gottesmutter (in der Kunst: Maria im Himmel, neben Gott selbst platziert) zugesprochen, die fromme volkstümliche Phantasie war und ist maßlos. Man denke an den Wunderglauben in Marien &#8211; Wallfahrtsorten Lourdes, Fatima, Medjugorje usw&#8230;Nur durfte nicht gesagt werden: Katholiken haben auch eine weibliche Gottheit (Maria), obwohl das sicher viele KatholikInnen subjektiv bis heute im Volksglauben meinen. Und viele, bis heute offizielle Marienlieder, haben auch den Inhalt: Maria ist die Retterin, die Gnadenvolle usw&#8230; nur die &#8222;Miterlöserin&#8220; darf sie offiziell nicht genannt werden, das wäre selbst dem Papst zu viel des Frommen. etc&#8230; <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/12652_maria-maienkoenigin-und-religioese-illusionen_religionskritik">LINK</a></p>
<p>8.</p>
<p>Man hat in den Kirchen immer vermieden, wenn von der Menschwerdung des Logos die Rede war, zu sagen: „Der Logos wurde Jude.“ Denn Gott wurde doch nicht im allgemeinen „irgendwie ein Mensch“. Richtig wäre doch:: „Gott wurde Jude, in Jesus von Nazareth.“ Dann hätte die Kirche sagen müssen, welche Aspekte des unorthodoxen Juden Jesus von Nazareth als Weisheitslehrer nach wie vor für alle Menschen relevant sind. Über die allgemein menschlichen, also nicht explizit jüdisch gefärbten Worte Jesu spricht der katholische Theologe und Dominikanermönch Richard Glöckner in seinem Buch (siehe Literaturangaben) auf S. 140 ff. <em>„Den Kern und das Zentrum der Botschaft Jesu bilden seine Gleichnisse vom Reich Gottes“ (S. 142) „Jesus denkt und spricht in den Gleichnissen außerhalb der jüdisch-heilsgeschichtlichen Traditionen und Vorstellungen. Aber diese Ansätze sind von der frühen Kirche nicht aufgenommen und weiterentwickelt worden.“ (S. 144)</em>. Wohl wahr, weil die Kirchen und ihrer Theologen nicht in der Lage waren, seit Nizäa die universale Erlösergestalt Christus (=&#8220;Logos) mit dem universalen Weisheitslehrer Jesus von Nazareth und seinen universalen (nicht mehr nur jüdischen, sondern allgemein-menschlichen) Lehren zu verbinden. Das Buch des katholischen Theologen Richard Glöckner hat &#8211; soweit ich sehe &#8211; leider keine Aufmerksamkeit unter Theologen gefunden. Dabei gäbe es dort vieles zu diskutieren…</p>
<p>9.</p>
<p><em>Die Gültigkeit der Konzilsbeschlüsse von Nizäa und den danach folgenden Konzilien mussten von den jeweiligen Kaisern (!!) bestätigt werden.</em> Der Kampf um die geistliche, theologische Vormacht von Kaisern und Päpsten hatte begonnen. Theologen und Bischöfe, die sich gegen die von der Mehrheit angenommenen Bekenntnisse wandten, wurden exkommuniziert, so etwa der in Alexandrien lehrende Theologe Arius. Gegen ihn wandte sich besonders der äußerst einflußreiche heftige Patriarch von Alexandria, Athanasius, mit aller Macht. Aber mit Gewalt und Strafen lassen sich Ideen nicht töten: Auch Arius sammelte seine Anhänger… Die jeweiligen Feinde des Bekenntnisses wurden bis aufs Blut verfolgt, es kam zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Ein abstraktes, philosophisch &#8211; metaphysisches Glaubensbekenntnis hat also heftiges Unheil bewirkt, Frieden jedenfalls nicht. Und die erwünschte theologische Einheit als Uniformität zur Sicherung der Innenpolitik im Reich brachte das Konzil auch nicht hervor. Die Kirchen blieben zerrissen und zerspalten, eine Pluralität setzte sich faktisch also doch etwas durch. Auch nach dem Konzils von Chalcedon (451) wurde die gegensätzliche, verfeindete und nicht mehr zu versöhnende Vielfalt der Kirchen mit ihren unterschiedlichen Glaubensbekenntnissen evident, etwa in den so genannten „alt-orientalischen Kirchen“, die (in Äthiopien, als Kopten in Ägypten usw..) bis heute glauben: Jesus Christus habe nur eine einzige, nämlich eine göttliche Natur. (Monophysiten).</p>
<p>10.</p>
<p>Im Konzil von Konstantinopel (381) wurde auch die Göttlichkeit des heiligen Geistes als Dogma und Glaubensbekenntnis verkündet. Der heilige Geist wurde als dritte Person Teil der göttlichen Wirklichkeit. In der Trinitätslehre wurde das gedankliche Wagnis ausgesprochen: Drei Personen, Vater, Sohn und Heiliger Geist, haben nicht nur das eine göttliche Wesen gemeinsam, sie sind auch zu dritt dieses eine göttliche Wesen. Der Theologe Hermann Baum nennt in seiner sehr empfehlenswerten Studie „Die Verfremdung Jesu“ (Düsseldorf 2006, S. 154) diese <em>Trinitäts-Lehre zurecht ein „bloßes Gedankenkonstrukt</em>“ (S. 154)… „Es entzieht sich jeder menschlichen Vorstellungskraft“ (S. 155). Und man kann mit Hermann Baum nur schmunzeln, wenn dieses gedankliche Ungetüm den Glaubenden bis heute als absolutes Geheimnis, als hinnehmbares und hinzunehmendes göttliches Mysterium empfohlen wird. Da war der in den Niederlanden lehrende katholische Theologe Edward Schillebeeckx mutiger und vor allem ehrlicher, wenn er sagte: Auf diese Trinitätslehre könnte die Kirche heute verzichten (<a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/16648_die-trinitaet-dreifaltigkeit-gottes-als-dogma-abschaffen_religionskritik">LINK</a> ) Aber das macht sie nicht, sie mutet den Glaubenden Unsägliches, Mysterium genannt, Nicht-Nachvollziehbares, zu. Das heißt: Die Kirchen bieten bis heute den Glaubenden „Steine statt Brot.“ Die Frommen lieben aber vielleicht das Unverständliche, das Mysteriöse, das Spinöse, das sie auch zusätzlich und anderweitig in esoterischen Kulten finden und pflegen. Religion wird also von den Kirchen selbst ins Nebulöse gedrängt. Und der alles interpretierende Klerus kann seine phantasiereiche Macht zeigen…</p>
<p>11.</p>
<p>Wird nun aber Jesus Christus als Gott und zugleich auch als Mensch gedacht und verehrt, entsteht wie von selbst die Frage: Hat der in Palästina lebende Jesus (Christus) denn nun <em>zwei Willen gehab</em>t, einen göttlichen und einen menschlichen Willen? Wie passten diese beiden Willen in der einen Person Jesus Christus zusammen? Diese hochspekulativen Fragen will ich hier nicht weiter ausbreiten: Es sollte nur erinnert werden, mit welchen hochspekulativen Thesen sich die Christen damals befassten, als sie sich eingelassen hatten auf die Übernahme spätantiker Philosophie zur Formulierung des universellen christlichen Glaubens. Ein hübsches Detail zu den zwei Willen (göttlicher Wille und menschlicher Wille) in der einen Person Christi: „Als Papst Martin I. (649 &#8211; 653) sich zugunsten von zwei natürlichen Willen in Jesus Christus äußerte und ihn die Patriarchen von Konstantinopel und Alexandrien wegen ihrer Ansicht: „Jesus Christus hatte nur einen Willen“ mit dem Kirchenbann belegte, ließ ihn der Kaiser im Jahr 653 nach Konstantinopel verschleppen und als Hochverräter auf die Krim verbannen. Im Konzil von Konstantinopel 680 wurde dann aber doch gelehrt: Jesus Christus habe zwei Willen gehabt, „ungetrennt, unveränderlich, unteilbar und unvermischt in ihm“, wie es „weise“ und unverständlich heißt. (Siehe dazu das Buch des katholischen Theologen Hermann Baum, „Die Verfälschung Jesu“, S, 161.)</p>
<p>12.</p>
<p><em>In dem Nizäa &#8211; Bekenntnis (im Jahr 325) ist, wie gesagt, von dem ungewöhnlichen unorthodoxen Juden Jesus von Nazareth nur sehr marginal die Rede.</em> Kein Wort in einem offiziellen Glaubensbekenntnis von der Bergpredigt Jesu, von Jesu Gleichnissen, von seiner Verbundenheit mit den Menschen, den Frauen, den Leidenden usw. Es ist der Verlust des Erzählens, der diese Glaubensbekenntnisse so ins Abstrakte &#8211; Uninteressante &#8211; Nicht &#8211; Bewegende führt. <em>Es wird keine abschauliche Geschichte erzählt von diesem Christus, den man nun ehren und verehren soll. Die dann für allgemein &#8211; gültig erklärten und ewig nachgeplapperten Bekenntnisse sind so entleiblicht und enthistorisiert, dass sie Assoziationen an den Charme von Parteiprogrammen wecken, schreibt mir ein Freund. </em>Und, wie gesagt, es ist traurig, dass diese Ideologie bis heute fortgesetzt wird. „Erlösung erscheint hier isoliert vom aktuellen Leben, Erlösung wird bezugslos…Allein das historisch greifbare irdische Wirken Jesu von Nazareth vermag das zu erschließen, was christlich Erlösung bedeutet.“ (So der katholische Theologe Hans Kessler, S. 59 und 61). Und der katholische Professor für Altes Testament Fridolin Stier schreibt in seinen „Aufzeichnungen“ „Vielleicht ist irgendwo Tag“ ( Herder &#8211; Verlag 1993 S. 38): „<em>Haben die christologischen Bekenntnissätze, die Dogmen, die sagen, definieren, bestimmen, was Jesus ist, als solche die Kraft, die Begegnung mit Jesus zu vermitteln? Oder ist es so, dass von der christologischen Ikone die Aktivität des lebendigen Jesus verdeckt wird?</em>“ Noch deutlicher wird der Theologe und Historiker Maurice Sachot, der in seinem Buch den Religionshistoriker René Nouailhat (Strasbourg) zitiert: „Die christologischen Definitionen sind nicht mehr Ausdruck der Glaubensbekenntnisse von Personen oder von Gruppen. Die Definitionen drängen sich vielmehr auf wie institutionelle Kategorien, wie der Ausdruck eines neuen Machtdiskurses …“ (Seite 214).</p>
<p>13.</p>
<p><em>Der Vorschlag:</em>  Dies könnte das entscheidende Profil eines heutigen, vernünftigen christlichen Glaubensbekenntnisses sein: Es sollte regional &#8211; kulturell verschieden sein und Ausdruck des wirklichen Glauben der Menschen sein. Man könnte in die Richtung denken: Christen verehren den Propheten Jesus von Nazareth, sie schätzen dessen Menschenfreundlichkeit und Liebe, seine Bereitschaft, für die Gerechtigkeit einzutreten und dafür -im Widerstand gegen diverse Obrigkeiten &#8211; zu sterben. Und sie sind überzeugt, dass ein solcher Mensch im Tod nicht ins Nichts versinkt. Und sie werden sagen: Dieser Mann Jesus von Nazareth lebte in enger liebevoller Verbundenheit mit einem absoluten Seinsgrund und Lebensgrund, den er als Symbol Gott nennen wollte. Und dieser Jesus fühlte sich geleitet von seiner menschlichen Vernunft, seinem Geist, der etwas Heiliges ist im Menschen ist und der selbstverständlich in allen Menschen lebt und wirkt und, wie beim Propheten Jesus von Nazareth, etwas Ewiges ist. Für mich ist das Glaubensbekenntnis der niederländischen Remonstranten Kirche von 2006 ein Beispiel für ein heute mögliches Bekenntnis, das übrigens bei den Remonstranten nicht vorschrieben ist, sondern als Impuls und Orientierung verstand wird: <a href="https://forum.remonstranten-berlin.de/94/ein-neues-glaubensbekenntnis-ein-ausdruck-der-freiheit/">LINK</a>.</p>
<p><em>Siehe auch unseren Versuch ein philosophisch &#8211; christliches, aber einfaches Glaubensbekenntnis zu formulieren, im Anschluss an das Bekenntnis des Apostels Paulus auf dem Areopag in Athen</em>: <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/19829_ein-philosophisch-christliches-glaubensbekenntnis-fuer-heute-und-morgen_befreiung">LINK.</a></p>
<p>F<em>ußnote 1: <strong>Das Glaubensbekenntnis von Nikäa</strong></em> im Jahr <strong>325</strong><br />
Ich glaube an den einen Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer alles Sichtbaren und Unsichtbaren.<br />
Und an den einen Herrn Jesus Christus, den Sohn Gottes, der als Einziggeborener aus dem Vater gezeugt ist, das heißt: aus dem Wesen des Vaters, Gott aus Gott, Licht aus Licht, wahrer Gott aus wahrem Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater (homoousion to patri); durch den alles geworden ist, was im Himmel und was auf Erden ist; der für uns Menschen und wegen unseres Heils herabgestiegen und Fleisch geworden ist, Mensch geworden ist, gelitten hat und am dritten Tage auferstanden ist, aufgestiegen ist zum Himmel, kommen wird um die Lebenden und die Toten zu richten;<br />
Und an den Heiligen Geist.<br />
Auf Griechisch: Πιστεύομεν[1] εἰς ἕνα Θεόν Πατέρα παντοκράτορα, πάντων ὁρατῶν τε καὶ ἀοράτων ποιητήν.  Καὶ εἰς ἕνα κύριον Ἰησοῦν Χριστόν,  τὸν υἱὸν τοῦ Θεοῦ,  γεννηθέντα ἐκ τοῦ Πατρὸς μονογενῆ,  τουτέστιν ἐκ τῆς οὐσίας τοῦ Πατρός,  Θεὸν ἐκ Θεοῦ, φῶς ἐκ φωτός, Θεὸν ἀληθινὸν ἐκ Θεοῦ ἀληθινοῦ,  γεννηθέντα, οὐ ποιηθέντα, ὁμοούσιον τῷ Πατρί, δι&#8216; οὗ τὰ πάντα ἐγένετο, τά τε ἐν τῷ οὐρανῷ καὶ τὰ ἐπὶ τῆς γῆς, τὸν δι&#8216; ἡμᾶς τοὺς ἀνθρώπους  καὶ διὰ τὴν ἡμετέραν σωτηρίαν κατελθόντα  καὶ σαρκωθέντα καὶ ἐνανθρωπήσαντα, παθόντα, καὶ ἀναστάντα τριτῇ ἡμέρᾳ,  καὶ ἀνελθόντα εἰς τοὺς οὒρανούς, καὶ ἐρχόμενον κρῖναι ζῶντας καὶ νεκρούς.  Καὶ εἰς τὸ Ἅγιον Πνεῦμα.) …………</p>
<p>Der jüdische Theologe Pinchas Lapide kommentiert dieses und das folgende Glaubensbekenntnis: &#8222;Im Eiltempo des Credos von <em>Geboren &#8211; gelitten &#8211; gestorben und begraben</em> (kursiv von Lapide) wird all das gute und beispielhafte Tun und Lassen des Meisters aus Nazareth unter den Tepplich gekehrt&#8220;  (Pinchas Lapide, &#8222;Paulus zwischen Damaskus und Qumran&#8220; , Gütersloh 1993, S. 22).</p>
<p><strong>D<em>as Nicäno-Konstantinopolitanum von 451</em></strong> (auch Nicaeno-Konstantinopolitanum oder Nizäno-Konstantinopolitanum oder Großes Glaubensbekenntnis genannt) ist auch ein Glaubensbekenntnis, es wird als „Credo“ oft in den Messen und Gottesdiensten verwendet. Im Katholischen Gesangbuch Gottlob hat es die Nr. 586,2, im evangelischen Gesangbuch z. B. in Württemberg die Nr. 687.<br />
Der deutsche Text der katholischen Kirche:<br />
Wir glauben an den einen Gott, den Vater, den Allmächtigen, der alles erschaffen hat, Himmel und Erde, die sichtbare und die unsichtbareWelt. Und den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit: Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; durch ihn ist alles geschaffen. Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel gekommen, hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria  und ist Mensch geworden. Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius  Pilatus, hat gelitten und ist begraben worden, ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift und aufgefahren in den Himmel. Er sitzt zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten; seiner Herrschaft wird kein Ende sein. Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird, der gesprochen hat durch die Propheten, und die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche. Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden. Wir erwarten die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt. Amen.</p>
<p><em>Fußnote 2</em>: Nur ein Beispiel für viele, wie heute in katholischen Medien von den Feierlichkeiten des Konzils von Nizäa gesprochen wird: Das eigentlich theologisch &#8211; progressive katholische „Haus am Dom“ in Frankfurt/M. kündigt sein Symposium zu Nizäa (6. &#8211; 8.3.) u.a. mit diesen Worten an: „Das Konzil von Nizäa zeigt mit seinen Beschlüssen das normative Idealbild einer einzigen, organisatorisch geeinten, in Lehre und Praxis einheitlichen und, in diesem Sinne, ökumenischen Gesamtkirche“. Diese Behauptungen werden verbreitet in dem Programm dieser Akademie zum Halbjahr 2025, S. 15.</p>
<p><em>Fußnote 3</em>  am 4.2.2o25: Der bekannte russische Autor Vladimir Sorokin hat ein Buch mit dem Titel <em>&#8222;<strong>Die rote Pyramide&#8220;</strong></em> (Verlag Kiepenhauer und Witsch) publiziert. Für die Wiener Wochenzeitung &#8222;FALTER&#8220; (Literaturbeilage  2022, S. 20) hat er zum Thema ein Interview gegeben und damit auf Zusammenhänge aufmerksam gemacht zum bis heute bestehenden Bündnis von christlich &#8211; orthodoxer Hierarchie &#8211; Fixierung UND der dementsprechenden politischen Herrschaft.</p>
<p>Mit der &#8222;roten Pyramide&#8220; meint Sorokin die Pyramide der Macht, &#8222;die seit dem 16. Jahrhundert in Russland nicht mehr modernisiert wurde&#8230; An der Spitze der Pyramide steht eine Person, und von der hängt alles ab&#8230;  Über die Zaren, dann Stalin usw. bis zu Putin. Eine Person, die alle Rechte hat, entscheidet alles&#8220;, so im Interview mit der empfehlenswerten politischen Zeitschrift  FALTER.</p>
<p>Wenn es also jemals in Russland eine Demokartie geben sollte: Dann muss die totalitäre Ideologie der Pyramide verschwinden. Und damit auch die als Pyramide organisierte russisch -orthodoxe Kirche mit ihrem berüchtigten Kriegstreiber Patriarch Kyrill an der Spitze.</p>
<p>Diese tiefgreifendste Reformation der russischen wie der anderen orthodoxen Kirchen wird aber nicht passieren, weil die frommen Leute im Laufe der Jahrhunderte förmlich zutiefst eingelullt wurden von Weihraum, Ikonen, Singang und der absoluten Hochschätzung der Popen, der Patriarchen&#8230;Diese Leute sind hierarchie- gläubig&#8230;.</p>
<p>Und dies ist ein Riesenproblem: Die ebenfalls pyramidal orientierten Päpste &#8211; auch Franziskus &#8211; haben kein dringenderes ökumenisches Anliegen, als eine Versöhnung, wenn nicht eine Verbindung mit diesen pyramidalen orthodoxen Kirchen anzustreben. Eine Potenzietrung der Pyramie also!</p>
<p>Bitte nicht diese Ökumene, kann man als kritischer Theologe nur sagen. Aber das sagt aber sonst keiner. Schon gar nicht in diesem &#8222;wunderbaren&#8220; Nizäa Gedenken von Papst und orthodoxen Patriarchen&#8230;Dort wird die Pyramide wieder heilig geprochen, als göttlich verehrt, denn Gott ist ganz oben&#8230; Dabei war der Weisheitslehrer Jesus von Nazareth &#8222;ganz unten&#8220; und er blieb ganz unten. Bei den Menschen, die alle gleichberechtigt sind&#8230;</p>
<p><em>Literaturempfehlungen</em>:</p>
<p>Angesichts der immensen Fülle von Fachliteratur zum Thema empfehlen wir zum weiteren Studium vor allem das leider nur noch antiquarisch zu erwerbende Buch des katholischen Theologen und Philosophen:</p>
<p>Hermann Baum „Die Verfremdung Jesu“, Düsseldorf 2006. Dieses grundlegende, äußerst wichtige Buch sollte man sofort bestellen, solange dieses Buch überhaupt verfügbar ist.</p>
<p>Paul Veyne, „Als unsere Welt christlich wurde (312 -394).“ „Untertitel: Aufstieg einer Sekte zur Weltmacht. C.H.Beck Verlag, 2008. Sehr detaillierte Studien des international geschätzten Althistorikers.</p>
<p>Hans Kessler, „Erlösung als Befreiung“, Düsseldorf 1972.</p>
<p>Gottfried Bachl, „Der schwierige Jesus“, Innsbruck -Wien, 1996.</p>
<p>Maurice Sachot, „L invention du Christ. Genèse d une religion“, Paris 1998.</p>
<p>Richard Glöckner, „Quo Vadis? Das Christentum am Scheideweg zur Moderne“ , Lit Verlag Münster, 2023, 170 Seiten.</p>
<p><strong>Copyright: Christian Modehn, www.religionsphilosophischer-salon. de</strong></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/19450_als-jesus-zum-gott-erklaert-wurde-das-bekenntnis-des-konzils-von-nizaea-325-ueberwinden_religionskritik">Als Jesus zum Gott erklärt wurde: Das Bekenntnis des Konzils von Nizäa (325) überwinden</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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		<title>„Der Sündenfall des Christentums“: Zur Theologie des Friedens.  </title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/19376_der-suendenfall-des-christentums-zur-theologie-des-friedens_aktuelles</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 22 Dec 2024 10:18:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Alternativen für eine humane Zukunft]]></category>
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		<category><![CDATA[Religionskritik]]></category>
		<category><![CDATA[Remonstranten Forum Berlin]]></category>
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		<category><![CDATA[Christentum mit Staat und Krieg vereint]]></category>
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		<category><![CDATA[Friedenstheologie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die bahnbrechende Studie des niederländischen Friedenstheologen, des Remonstranten Gerrit Jan Heering zum frühkirchlichen Pazifismus ist als Übersetzung jetzt wieder greifbar. Ein Gast Beitrag von Peter Bürger, Düsseldorf von der „Edition Pace“ am 22.12.2024. Zunächst ein Hinweis: Bevor wir im „Regal: Pazifismus der frühen Kirche“ demnächst neue Studien darbieten, wird hier ein weiteres historisches Werk wieder [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/19376_der-suendenfall-des-christentums-zur-theologie-des-friedens_aktuelles">„Der Sündenfall des Christentums“: Zur Theologie des Friedens.  </a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die bahnbrechende Studie des niederländischen Friedenstheologen, des Remonstranten Gerrit Jan Heering zum frühkirchlichen Pazifismus ist als Übersetzung jetzt wieder greifbar.</p>
<p>Ein Gast Beitrag von Peter Bürger, Düsseldorf von der „Edition Pace“ am 22.12.2024.</p>
<p>Zunächst ein Hinweis: Bevor wir im „Regal: Pazifismus der frühen Kirche“ demnächst neue Studien darbieten, wird hier ein weiteres historisches Werk wieder zugänglich gemacht, das trotz des Abstandes von einem Jahrhundert noch immer wichtige Impulse geben kann. Zum editorischen Vorgehen sei bezogen auf die ganze Reihe angemerkt: Wir versehen die Werke aus früheren Zeiten nicht mit einem kritischen Anmerkungsapparat, in dem Abweichungen zu heutigen Sichtweisen und Erkenntnissen jeweils kommentiert werden (Beispiel: Darstellung und Gewichtung der Friedensbotschaft der Hebräischen Bibel), sondern rechnen mit mündigen Leserinnen und Lesern, die die geschichtlichen Kontexte einer Arbeit vor Augen haben.</p>
<p>1.<br />
Der Erste Weltkrieg führte den niederländischen Theologen Gerrit Jan Heering (1879-1955) zu einem radikalen Antikriegsstandpunkt. Im Vorwort zu dem hier neu edierten Werk „Der Sündenfall des Christentums“ (Erstauflage NL 1928, dt. Übersetzung 1930) schreibt er: Ich will „ernsthaft auseinandersetzen, dass Christentum und Krieg – jetzt mehr denn je – unversöhnliche Gegensätze sind. Ich will zwischen die christliche Lehre und die Ideologie des Krieges einen Keil treiben. Beide Systeme sind von der Geschichte zwangsweise zusammengeführt und werden jetzt in künstlicher Weise zusammengehalten. Ich will an das christliche Gewissen und an das von diesem Gewissen gelenkte vernünftige Denken appellieren und fragen, ob es nicht die höchste Zeit ist, dass Kirche und Christen sich prinzipiell gegen das ganze Kriegswesen auflehnen. &#8230; Es war eine verhängnisvolle Wendung in der Geistesgeschichte, die während und nach der Zeit von Kaiser Konstantin sich vollzog; durch das enge Bündnis zwischen Staat und Kirche ging das Bewusstsein des Gegensatzes zwischen Christentum und Krieg … verloren &#8230;; das schlimmste ist, dass man (seither) &#8230; ruhig Böses gut nennt. &#8230; Die Art, wie in allen christlichen Ländern die Kirche direkt in das gegenseitige Gemetzel des letzten Krieges [1914-1918] hineingezogen worden ist, nämlich als unentbehrlicher, als inspirierender Faktor, demonstriert jenen Sündenfall in deutlichster und greulichster Weise. Es ist kein größerer Abstand und Gegensatz denkbar, als zwischen Christus und dem modernen Krieg. Wer dies verneint, hat die Realität eines von beiden oder beider nicht klar gesehen. Das militärische Christentum unserer Tage kann nicht schärfer gerichtet werden, als es durch das Christentum Christi geschieht.“</p>
<p>2.<br />
Gerrit Jan Heering – geboren am 15. März 1879 in Pasuruan/Indonesien, gestorben am 18. August 1955 in Oegstgeest – wirkte nach seinem Universitätsstudium lange als Hochschullehrer des Theologischen Seminars der Remonstranten in Leiden (NL). Als junger Pfarrer heiratete er im Jahr 1905 Alida van Bosse; die beiden wurden Eltern von fünf Söhnen. – Heeringʼs Leidenschaft gehörte der Kanzel. Seine Predigten zeichneten sich durch eine starke persönliche Überzeugungskraft aus; verschiedene Predigtsammlungen sind in Buchform veröffentlicht worden (‚Unser Vertrauen‘; ‚Zeugnisse aus dunkler Zeit‘ 1940; ‚Was uns erhält‘). Predigen bedeutete für Heering die durch den Glauben getragene ‚freie prophetische Verkündigung des Evangeliums, im Dienste und zur Ehre des heiligen Gottes‘. – Gerrit Jan Heering entwickelte eine eigene „Dogmatik auf der Grundlage der Evangelien und der Reformation“, schrieb über den „Ort der ‚Sünde‘ in der freisinnigen-christlichen Dogmatik“ (1912) und über „Die Selbstständigkeit der Seele“ (1917).</p>
<p>3.<br />
Der Erste Weltkrieg führte Gerrit Jan Heering zu einem radikalen Antikriegsstandpunkt, beeinflusst von Hilbrandt Boschma (1869-1954), der bereits während der Kriegszeit 1914-1918 an verschiedenen Orten pazifistische Lesungen abhielt: „Kreuz oder Kanone?“ – „Warum kein Krieg? Weil der Krieg die radikalste Sünde gegen Gott ist.“ Heering fasste seine eigenen Studien und Einsichten 1928 in dem Werk „Der Sündenfall des Christentums“ zusammen (s.u.). Er grün­dete mit anderen „Kerk en Vrede“ (Church and Peace), wurde Vorsitzender dieser Vereinigung auf nationaler Ebene und war für viele Jahre auch international eine der leitenden Persönlichkeiten des neuen kirchlichen Friedensnetzes.</p>
<p>4.<br />
Die Friedensbewegung in den Niederlanden zeigte sich schon vor dem Ersten Weltkrieg gut organisiert, vielgestaltig (‚Tolstojaner‘, Anarchisten, sozialistische Antimilitaristen …) und übernational vernetzt. Mit Gerrit Jan Heering und Persönlichkeiten, die ihm nahestanden, wurde sie durch eine neue Strömung mit ökumenisch-friedenskirchlicher bzw. friedenstheologischer Programmatik bereichert. Wie bedeutsam die 1928 vorgelegte Untersuchung des gelehrten Remonstranten zum ‚konstantinischen Sündenfall‘ und dessen mögliche Überwindung über die Landesgrenzen hinaus war, führen uns gleich vier Übersetzungen in andere europäische Sprachen vor Augen. 1933 ist der Verfasser sogar für den Friedens-Nobelpreis vorgeschlagen worden.</p>
<p>5.<br />
Der bekannte Dominikaner und Friedenstheologe vor allem in der Weimarer Republik, P. Franziskus Maria Stratmann (1883-1971), schrieb bald nach Erscheinen der deutschen Ausgabe von Heerings Werk „De zondeval van het Christendom“ in einer Rezension (Der Friedenskämpfer. Organ der Katholischen Friedensbewegung 5. Jg. / 1931, S. 69-76): „Einem Christen tut es weh, vom ‚Sündenfall des Christentums‘ reden zu hören. Je stärker er seine Religion liebt, um mehr schmerzt ihn jede Anklage. Aber gerade die starke Liebe muß hellsichtig sein, damit Krankes geheilt, Schwaches gestärkt werden kann. Die Christen, die die Geschichte des Christentums mit Einschluß der Kriegsgeschichte ganz in der Ordnung finden, sind sicher nicht die besten und erweisen ihm einen schlechten Dienst…“</p>
<p>6.<br />
In seinem Geleitwort zur deutschen Ausgabe des Werkes von 1930 hatte der evangelische Theologe Martin Rade (1857-1940) ge­schrieben: „Wenn der nächste Krieg kommt, werden die Kirchen nicht mehr geschlossen zu den Armeen stehn. Es wird dann nicht ohne schwere innere Konflikte gehen. Wie sie sich abspielen, wie sie sich lösen werden, weiß kein Mensch. Je länger die gegenwärtige Atempause dauert, desto besser mag es sein.“ (Neuausgabe, S. 10). Doch die ‚Atempause‘ bis zum nächsten Menschenschlachten im Zweiten Weltkrieg dauerte nur kurz. Die amtlichen Leitungen der beiden deutschen Großkirchen leisteten ab 1939 für den ‚Hitlerkrieg‘ (!) doch wieder – ziemlich ‚geschlossen‘ – kriegstheologischen Beistand in großem Umfang und riefen – mit durchschlagendem Erfolg – die Getauften zum Gehorsam gegenüber der Obrigkeit im NS-Staat auf (Dokumentation: https://kircheundweltkrieg.wordpress.com/). Nach 1945 haben die i. d. R. vom Staat besoldeten Kirchenhistoriker wunderliche Verteidigungstexte zu diesem abgründigen Komplex verfasst – und nicht wenige ‚weltliche Vertreter‘ der Geschichtswissenschaften haben ihnen dabei unter dem Vorzeichen sogenannter „Historisierung“ assistiert.</p>
<p>7.<br />
Heerings Anliegen wird gegenwärtig verstanden, wenn etwa der Bischof von Rom bezeugt, es könne im Licht des Evangeliums keine ‚gerechten Kriege‘ geben und Christen müssten schon Herstellung oder Besitz atomarer Massenvernichtungswaffen als verwerflich brandmarken.</p>
<p>8.<br />
Jedoch der vom niederländischen Seelsorger und Theologieprofessor nach dem Ersten Weltkrieg ersehnte radikale Bruch mit dem konstantinischen Staatskirchenparadigma hat in den privilegierten nationalen Kirchengebilden, zumal im Militärkirchenwesen, nie stattgefunden. Die völlig irrationale militärische Heilslehre stößt in diesem Zusammenhang heute nirgendwo auf eine Fundamentalkritik, während der Militarismus unentwegt Felder des öffentlichen Lebens für sich ‚zurückerobert‘. Leider gibt es viele Gründe, das ehedem bahnbrechende Werk „Der Sündenfall des Christentums. Eine Untersuchung über Christentum, Staat und Krieg“ gerade jetzt wieder allgemein zugänglich zu machen. Möge es vielen zur Erschütterung und zu einem klaren Denken in der Kriegsfrage verhelfen.</p>
<p>Copyright: Peter Bürger Düsseldorf, Dezember 2024 ǀ    Die Digitale Erstauflage der Neuedition  ist beim Lebenshaus Schwäbische Alb e.V. abrufbar: Gerrit Jan Heering: Der Sündenfall des Christentums. – Eine Untersuchung über Christentum, Staat und Krieg. Aus dem Holländischen übersetzt durch Octavia Müller-Hofstede de Groot, 1930. Neu ediert von Peter Bürger in Kooperation mit: Lebenshaus Schwäbische Alb, Ökumenisches Institut für Friedenstheologie, Portal Friedenstheologie. (= edition pace ǀ Regal: Pazifismus der frühen Kirche 4). <em>Digitale Erstausgabe der Neuedition</em>. Düsseldorf ǀ Gammertingen, 12.12.2024. https://www.lebenshaus-alb.de/magazin/media/pdf/Heering_S%C3%BCndenfall.pdf</p>
<p><em>Die gedruckte Buchausgabe im Handel: Gerrit Jan Heering</em>: Der Sündenfall des Christentums. – Eine Untersuchung über Christentum, Staat und Krieg. Aus dem Holländischen übersetzt durch Octavia Müller-Hofstede de Groot, 1930. (= edition pace ǀ Regal: Pazifismus der frühen Kirche 4). Norderstedt: BoD 2024. (ISBN: 978-3-7693-2488-4; Paperback; 316 Seiten; Preis: 12,99 Euro) https://buchshop.bod.de/der-suendenfall-des-christentums-gerrit-jan-heering-9783769324884</p>
<p>Eine etwas ausführlichere Darstellung dieses Beitrags von Peter Bürger finden Sie auf der website www.remonstranten-berlin.de    <a href="https://forum.remonstranten-berlin.de/1959/1959/">LINK</a>.</p>
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		<title>Jacob Böhme &#8211; ein Religionsphilosoph für unsere Zeit.</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/19217_jacob-boehme-ein-religionsphilosoph-fuer-unsere-zeit_aktuelles</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 15 Nov 2024 12:52:54 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Hinweis von Christian Modehn, am 1.9.2017, erneut veröffentlicht am 15. Nov. 2024, anläßlich des 400. Todestages Jacob Böhmes am 17.11.2024! Geboren wurde Jacob Böhme am 24.4.1575 in Stary Zawidów (Schlesien), gestorben ist er am 17.11.1624 in Görlitz. 1. Jacob Böhme verdientBeachtung, Lektüre, Mitdenken und Debatte vielleicht heute noch mehr als im 16. und 17. [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/19217_jacob-boehme-ein-religionsphilosoph-fuer-unsere-zeit_aktuelles">Jacob Böhme &#8211; ein Religionsphilosoph für unsere Zeit.</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Hinweis von Christian Modehn, <em>am 1.9.2017, erneut veröffentlicht am 15. Nov. 2024, anläßlich des 400. Todestages Jacob Böhmes am 17.11.2024! Geboren wurde Jacob Böhme am 24.4.1575 in Stary Zawidów (Schlesien), gestorben ist er am 17.11.1624 in Görlitz.<br />
</em></p>
<p>1.</p>
<p>Jacob Böhme verdientBeachtung, Lektüre, Mitdenken und Debatte vielleicht heute noch mehr als im 16. und 17. Jahrhundert. <em>Hegel</em> sagt in seinen „Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie“ (Band 3, Suhrkamp 1971, Seite 94) sehr treffend: “Böhme ist genannt worden der <em>philosophus teutonicus</em>, und in der Tat ist durch ihn erst in Deutschland Philosophie mit einem eigentümlichen Charakter hervorgetreten. Es ist uns wunderbar zumute beim Leben seiner Werke; und man muss mit seinen Ideen vertraut sein, um in dieser höchst verworrenen Weise (der Texte Böhmes, CM) das Wahrhafte zu finden“. Eine mühsame Aufgabe auch heute! Immerhin widmet Hegel in seiner Vorlesung Böhme viel Aufmerksamkeit! Das Böhme Kapitel in dem genannten Buch umfasst immerhin 28 Seiten! Dabei ist Hegel aus seiner Position durchaus kritisch gegen Böhme, spricht von der „Barbarei in der Ausführung der Böhmeschen Gedanken“ (S. 118), von „gewaltsam sinnlichen Vorstellungen“ in Böhme Sprache. Dabei respektiert aber Hegel die “größte Tiefe“ von Böhmes Gedanken,<em> „diese Tiefe hat sich mit der Vereinigung der absolutesten Gegensätze herumgeworfen“</em> (ebd.).</p>
<p>2.</p>
<p>Denn der Philosoph und Mystiker aus Görlitz hat eine zentrale Erfahrung gemacht und zu Wort gebracht, auch wenn seine Sprache, seine Begriffe heute manchmal sehr vermischt und schwer zugänglich erscheinen: Aber es gibt eine zentrale Einsicht, sie berührt genau den heutigen globalen Umbruch der religiösen Situation in einer säkularisierten Welt. Gleichzeitig bieten Erfahrungen und Erkenntnisse Böhmes gerade auch Auswege an, angesichts des langsamen, aber sehr deutlichen Verschwindens der orthodoxen, katholischen oder evangelischen, aber in allen Fällen dogmatisch versteinerten Kirchenformen in Europa.</p>
<p>3.</p>
<p><em>Was ist also inspirierend in Böhmes Erkenntnis?</em> Dass Gott als der Ewige in jedem Menschen lebt. Und dass dies das einzig Wichtige und Entscheidende ist: Alle bürokratischen Kircheninstitutionen, aller Klerus, alle feierlichen Messen und Gottesdienste, alle Lehrschreiben usw. sind gegenüber der ewigen Präsenz des Ewigen IM Menschen mindestens sekundär! Was ist entscheidend? Die Achtsamkeit auf diesen Gott IN mir und IN uns. Und folglich wäre dann die Einrichtung von Gruppen, Kreisen, Salons usw., die diese Qualität des Menschseins in aller Freiheit auch mit so genannten Atheisten besprechen.</p>
<p>Man möchte meinen, dass Böhme mit seinem absoluten Plädoyer für den Gott IN mir und IN uns eine gewisse Form moderner liberaler, d.h. auch freisinniger Theologie da formuliert. Dem wäre später eingehend einmal nachzugehen.</p>
<p>4.</p>
<p>Die Gottesbeziehung ist nach Jacob Böhme also nichts Äußerliches, keine zuerst durch Worte. Lehren und Dogmen vermittelte Lebenshaltung. Das setzt ihn heraus aus der lutherischen Orthodoxie. Manche Überzeugungen wirken gar katholisch, etwa wenn er die Weisheit verehrt wie eine jungfräuliche, weibliche Seite Gottes.</p>
<p>Auf Gott als der inneren und ewigen und ungeschaffenen und damit vom Tod nicht berührten Wirklichkeit bezieht sich der Mensch, wenn er sich auf sich selbst, seinen Geist und damit seine Freiheit bezieht.</p>
<p>5.</p>
<p>Diese eine entscheidende Grundeinsicht wurde Jacob Böhme förmlich geschenkt: Alles gründet bei ihm auf einer mystischen Erfahrung, d.h. einer plötzlichen Einsicht, einer Erleuchtung: Die er aber nicht spinös oder fanatisch herausschreit, sondern in einem langen Reflexionsprozess gedanklich und sprachlich bearbeitet und &#8211; dem Thema angemessen &#8211; mühsam zu Papier bringt. Man nennt ja manche Komponisten, wie Mozart, mit dem etwas altertümlichen Wort „Genie“. Ebenso ist es ja sicher treffend, Dichter, wie Goethe, genial zu nennen, ohne dabei in einen säkularen Heiligenkult umzukippen. Mit diesem Vorbehalt kann man selbstverständlich auch Philosophen genial nennen in der Konzentration ihres Gedankens. Jacob Böhme könnte wohl zu diesen Philosophen gehören. Er, der kluge Autodidakt, der ja bekanntermaßen das Schusterhandwerk gelernt hatte, also alles andere als ein stolzer, klerikal gebildeter Pfarrer oder gar Theologieprofessor war. <em>Er hat sich alle Kenntnis selbst erworben und sich in damalige Theologie, Philosophie und die Wissenschaften eingearbeitet.</em> Dass er dabei auch auf die Alchemie in gewisser Hinsicht zurückgriff, hängt ab von seiner Bindung an die gängige Kultur seiner Zeit. Er kannte die Arbeiten des damals hoch geschätzten Naturphilosophen Paracelsus (also Theophrastus Bombastus von Hohenheim, 1493 – 1541). Schon Paracelsus legte – wie Müntzer &#8211; allen Nachdruck auf eine Kirche, die vom Geist, nicht aber vom toten Buchstaben, regiert wird. Die theologischen Auffassungen (seine Abweisung der gewaltsamen Mission, der Bekehrungen, sein Eintreten für die Gleichheit aller Stände) verdienen viel mehr Aufmerksamkeit als ihn bloß in die Ecke von Astrologie oder Magie zu stellen).</p>
<p>6.</p>
<p>Jacob Böhme, der „Laie“ also, störte den dogmatischen Betrieb der lutherischen Kirche in Görlitz und anderswo. Nicht weil er stören wollte, sondern weil seine Erkenntnis so universal ist, dass sie den Frieden in der Welt, mitten im Dreißigjährigen Krieg, hätte bringen können: <em>„Gott ist kein Gott der Christen“, sagt Böhme sehr treffend,</em> Gott gehört keiner Konfession, Religionskriege sind Gotteslästerung, könnte man fortfahren. Religionskriege haben bis heute ihre Ursache in der Bindung an Dogmen, die der Vernunft nicht zugänglich. Dogmenferne und Friedfertigkeit gehören also auch für Böhme zusammen!</p>
<p>7.</p>
<p>Er, der sich auf die Erfahrungen des heiligen Geistes berief und diese wichtiger fand als die ewige Wiederholung und das ständige Nachsprechen von Bibelworten, Böhme also, hat die Menschen seiner Zeit bewegt, weil er keine trockene Bücherlehre verkündete, sondern aus dem Leben selbst stammende Erweise des Wirkens Gottes im Menschen. Diese starke Bindung an die Wirkkraft des Geistes – gegen den trockenen Buchstaben der Bibel &#8211; erinnert an Thomas Müntzer, den Böhme sicher nicht kennen konnte: Denn Luther und seine Nachfahren hatten auch für den geistige Berschwinden des Reformators Müntzer gesorgt.</p>
<p>8.</p>
<p>Aber auch Böhme wurde verfolgt, geschmäht, diffamiert. Die Herren der Kirche machten ihm das Leben sehr schwer. Seine Texte duften in Deutschland nicht gedruckt werden, als Abschriften von Hand wurden sie weitergereicht. In Holland, dem liberalen Land, konnten Böhmes Texte gedruckt werden, nicht nur auf Deutsch oder Niederländisch, sondern auf Englisch. Eine feste „Böhme &#8211; Gemeinschaft“ oder gar “Böhme – Kirche“ hat sich langfristig nicht gebildet, auch wenn eine kleine Begleitbroschüre zur Ausstellung (in Dresden 2017) auf S. 6 betont: „Viele Anhänger Böhmes gingen wegen religiöser Verfolgung ins niederländische Exil“.</p>
<p>9.</p>
<p>Der bekannte Spezialist für westliche esoterische Philosophie, <em>Prof. Wouter J. Hanegraaff, UNI Amsterdam,</em> erwähnt immerhin kleine „Böhme-Gruppen“: wie die „Angelic Brethren“ von Johann Georg Gichtel (1638 – 1710) oder die „Philadelphian Society“ von John Pordage (1607-1681) oder Jane Leade (1623- 1704), die erste `philosophisch &#8211; esoterische` Frau, wie Hanegraaff erwähnt (in: „Western Esotericism“, Bloomsbury, 2013, Seite 32). Die Ideen einer „christlichen Theosophie“ (so Hanegraaff) verbreiteten sich dann weiter über Friedrich C. Oetinger, Louis &#8211; Claude de Saint Martin und Franz von Baader&#8230;</p>
<p>Ein eignes Thema ist die Frage, die Böhme nicht zur Ruhe kommen ließ: Wie kommen Leiden und Böses in die Welt? Böhme denkt in diese Richtung: Wenn Gott der Schöpfer von allem ist, dann müssen auch das Böse, das Leiden, ihren Grund in Gott selbst haben&#8230;</p>
<p>10.</p>
<p>Im ganzen gesehen hatte Böhme keine „<em>philosophischen“ Schüle</em>r, die – wie etwa im Falle Hegels – nach dem Tod sein Werk „fortsetzten“.   Das ist eine Mangel, zumal wenn man bedenkt, dass bis heute meines Wissens keine ins moderne Deutsch übertragene kritische Gesamtausgabe von Böhmes umfangreichen, verstreut vorliegenden Werken gibt. So müssen viele LeserInnen die veraltet &#8211; sprachlichen Zitate durcharbeiten, das ist auch angesichts der an Symbolen reichen komplexen Sprache des Görlitzer Mystikers nicht einfach. Immerhin gibt es eine „Internationale Jacob Böhme – Gesellschaft“ in Görlitz, Vorstandsmitglied ist Sibylle Rusterholz, die insgesamt über die barocke Mystik forscht. Wir sind gespannt auf die Veröffentlichungen dieser Böhme – Gesellschaft.</p>
<p>11.</p>
<p>Es bleibt natürlich ein Problem: Böhme setzt die „Existenz“ Gottes in seinem Denken voraus. Er wird ja förmlich in seiner mystischen Erfahrung von einer Wirklichkeit überwältigt, die er dann Gott bzw. etwas befremdlich „finsteres Tal“ bzw. „UNGRUND“ nennt. Und die Spekulationen zum inneren Leben Gottes selbst sind sozusagen auf Anhieb nur mitvollziehbar für jene, die schon eine reflektierte Kenntnis der „göttlichen Wirklichkeit“ haben. Böhme selbst wollte ja über die Naturerfahrung zur inneren göttlichen Wirklichkeit „durchstoßen“.</p>
<p>Damit will ich sagen: Um die aktuelle Relevanz Jacob Böhmes auch für die modernen Skeptiker und Zweifler deutlich zu machen: Da müsste man wohl versuchen, einen tragenden Sinn-Grund in jedem geistigen Leben gedanklich aufzuweisen und diesen Sinngrund dann gedanklich mit jener Wirklichkeit zu verbinden, die klassisch „Gott“ genannt wurde und wird.</p>
<p>12.</p>
<p>Was mich bei meinen aktuellen Studien besonders freut, dass Böhme selbstverständlich den Menschen als freies Wesen definiert, weil er ja Ebenbild Gottes ist, des &#8211; sozusagen „absolut“ &#8211; freien Wesens. Wenn der Mensch frei ist, kann er sich selbst für das Gute entscheiden. Die zerstörerische Macht der alle Freiheit und alles Denken vernichtenden Erbsünde ist also für Böhme hinfällig. Nur wenige Jahrzehnte nach Luthers und Calvins Reformation ist Böhme also eine Stimme der Freiheit, eine Stimme der Ablehnung dieser grässlichen Erbsünden-Lehre. Böhme ist deswegen tatsächlich kein treuer Lutheraner, er ist sozusagen ein weiterer, ein radikaler Reformator der Freiheit. Und eines universalen Gottes IM Menschen.</p>
<p>13.</p>
<p>Gleichzeitig, zu Beginn des 17. Jahrhunderts, stand in den Niederlanden der Theologe Jacob Arminius auf, um die Freiheit zu retten in der dogmatischen Starre des Calvinismus. Daraus entstand dann die theologisch liberale und freisinnnige Remonstranten Kirche&#8230;Über diesen Zusammenhang Böhme – Arminus müsste auch weiter studiert werden.</p>
<p><em>14.</em></p>
<p><em>Zum Schluss ein zentrales Zitat von Böhme</em>: “Ich trage in meinem Wissen nicht erst Buchstaben zusammen aus vielen Büchern; sondern ich habe den Buchstaben in mir; liegt doch Himmel und Erden mit allem Wesen, dazu Gott selber, IM Menschen“ (in dem genannten Aufsatzband, S. 16).</p>
<p><em>Und ein hermeneutischer Hinweis</em> zur angemessenen Lektüre: “Hermann Hesse schreibt über Böhme:  Die Lektüre seiner Texte erfordere `ein vorübergehendes Leerwerden`, eine völlig freie Aufmerksamkeit und Seelenstille`“.</p>
<p>Für religionsphilosophisch Interessierte ist es wichtig, den <strong>Aufsatzband: </strong>„Grund und Ungrund – Der Kosmos des mystischen Philosophen Jacob Böhme“ zu lesen. Der 216 Seiten umfassende, schön gestaltete Band wurde von Claudia Brink und Lucinda Martin herausgegeben, im Sandstein Verlag 2017.</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.</p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/19217_jacob-boehme-ein-religionsphilosoph-fuer-unsere-zeit_aktuelles">Jacob Böhme &#8211; ein Religionsphilosoph für unsere Zeit.</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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		<title>Buchmesse 2024: Wo sind die Ketzer Italiens?</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/19000_buchmesse-2024-wo-sind-die-ketzer-italiens_aktuelles</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 Oct 2024 19:22:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Befreiung]]></category>
		<category><![CDATA[Forschungsprojekte]]></category>
		<category><![CDATA[Religionskritik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Über das Thema Religionen und Kirchen auf der Buchmesse in Frankfurt. Ein Hinweis von Christian Modehn 1. Die Buchmesse in Frankfurt am Main 2024: ITALIEN ist „Ehren-Gast“. 2. Der Religionsphilosophische Salon Berlin erinnert auch 2024 an ein Thema, das auf der Frankfurter Buchmesse meist keine große Bedeutung hat und eher wenig Beachtung findet: Es sind [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/19000_buchmesse-2024-wo-sind-die-ketzer-italiens_aktuelles">Buchmesse 2024: Wo sind die Ketzer Italiens?</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Über das Thema Religionen und Kirchen auf der Buchmesse in Frankfurt.</p>
<p>Ein Hinweis von Christian Modehn</p>
<p>1.<br />
Die Buchmesse in Frankfurt am Main 2024: ITALIEN ist „Ehren-Gast“.</p>
<p>2.<br />
Der Religionsphilosophische Salon Berlin erinnert auch 2024 an ein Thema, das auf der Frankfurter Buchmesse meist keine große Bedeutung hat und eher wenig Beachtung findet: Es sind die Religionen und Kirchen und Philosophien. Dabei geht es uns gerade am Beispiel Italiens nicht um die dort übliche massenhafte Produktion frommer Traktate und Broschüren, sondern um Hinweise zu kritischen Aspekten des religiösen Lebens dort.<br />
Nebenbei: In vergangenen Jahren hatten wir schon Hinweise gebracht: Zu 2017 Frankreich  <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/10014_auf-der-suche-nach-dem-verlorenen-gott-religioese-fragen-franzoesischer-schriftstellerinnen-von-heute_buchhinweise/philosophische-buecher">LINK</a> und <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/10750_georgiens-philosoph-der-freiheit-anlaesslich-der-frankfurter-buchmesse-2018_buchhinweise/philosophische-buecher">LINK</a> zu Georgien 2018 und <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/1951_island-faszinierend-befremdlich-inspirierend-interview-mir-der-island-spezialistin-marie-kruger-berlin_interkultureller-dialog">Link</a> 2011 zu Island.</p>
<p>3.<br />
2024 konzentrieren wir uns anläßlich des Ehrengastes Italien auf eine zahlenmäßig kleine, aber geistig und politisch bedeutende progressive protestantische Kirche. Sie ist für uns ein Kontrast Programm zum allgegenwärtigen, auch politisch noch machtvollen Katholizismus in Italien. Diese protestantische Kirche hat den Namen „Waldenser &#8211; Kirche“. Und dieser Titel passt gut zum Motto des „Ehrengastes“ der Buchmesse 2024: „Verwurzelt in der Zukunft“. Die Waldenser &#8211; Kirche ist tatsächlich stark verwurzelt in der Geschichte Italiens und sie hat auch richtige, d.h. den Menschenrechten entsprechende  politische Perspektiven für die Zukunft dieses nicht nur in Nord und Süd geteilten Landes. Die Bindung dieser Kirche an die Menschenrechte ist für andere Kirchen inspirierend unter den Bedingungen der von Neofaschisten bestimmten Regierung Melonis.</p>
<p>Unsere Hinweise verstehen sich wie immer als Einladungen, als Impulse an die LeserInnen, selbst weiter zu forschen.</p>
<p>4.<br />
Der Name Waldenser bezieht sich auf den mittelalterlichen Katholiken Petrus Valdes, er stammte aus Lyon (Frankreich), war ein Laie, kein Kleriker, aber er war ein kirchenkritischer Prediger und ein leidenschaftlicher Freund der Armen in dergleichen Kleriker &#8211; Kirche. Die Bibel wollte er selber lesen und deuten, etliche katholische Lehren lehnte er ab, wie den Glauben an ein Fegefeuer oder die Heiligenverehrung. Mit ihm bildete sich die &#8222;Bewegung der Armen von Lyon“. Sie konnte sich in Zeiten der Verfolgung durch die Inquisition in die westlichen Bergtäler Norditaliens (Piemont) zurückziehen.<br />
Um 1210 ist Petrus Valdes gestorben. Die Waldenserkirche hat als ketzerische Vereinigung (ketzerisch in der Sicht der Päpste) trotz aller Anfeindungen und Verfolgungen durch die Päpste und die weltlichen Herrschaften überlebt. Eigentlich ist dies eine Sensation. Sie zählt heute etwa 40.000 Mitglieder in Italien, auch in Lateinamerika und sogar in Deutschland gibt es Waldenser &#8211; Gemeinden. <a href="https://www.waldenser.de/">LINK</a> Deutsche Waldenservereinigung.<br />
In Italien haben sich die Waldenser mit einer anderen protestantischen Kirche, den Methodisten, zusammengeschlossen.<br />
Nebenbei: Papst Franziskus hat in einem Schreiben die Waldenser um Vergebung gebeten für die Verfolgung durch die katholische Kirche. <a href="https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2021-08/papst-franziskus-waldenser-synode-telegramm-oekumene-italien.html">LINK</a>.</p>
<p>5.<br />
Die Waldenser Kirche in Italien ist heute eine moderne, NICHT &#8211; fundamentalistische protestantische Kirche, die Bibellektüre folgt den historisch &#8211; kritischen wissenschaftlichen Grundsätzen und Frauen sind als Pfarrerinnen willkommenem, um nur zwei Beispiele zu nennen. Die ewigen Probleme der Katholiken haben Waldenser also nicht.<br />
<em>Und diese Kirche ist wegen ihres sozialen Engagements zugunsten behinderter Menschen und vor allem zugunsten der Flüchtlinge sehr beliebt.</em> Ein Beispiel: Nur 70 Prozent der katholischen Italiener wollen ihre so genannte Kultur &#8211; und Religions-Steuer, das sind 0,8 Prozent der Steuerschuld, der dominanten katholischen Kirche überlassen. Viele weisen diese Steuer sozialen Projekten des Staates zu oder eben auch der Waldenserkirche: Obwohl weniger als 0,1 Prozent der Italiener Mitglieder dieser Kirche sind, entscheiden sich fast 3 Prozent aller steuerpflichtigen Italiener, diese Steuerschuld den Waldensern zu überweisen! Ein Zeichen für das gute Renomée dieser Kirche, die sehr genau und mit großer Transparenz dokumentiert, was mit dem Steuergeld geschieht: Viel Geld geht an Projekte zur Aufnahme von Flüchtlingen und Migranten oder an die Prävention und Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt… „Die Arbeit der Projektbewertung ist schwierig und komplex, und wir versuchen, das Prinzip zu respektieren, das auf die Emanzipation der Menschen, auf die Verteidigung der Schwächsten und die Entwicklung der Völker blickt, soziale Veränderungen mit der gebührenden Aufmerksamkeit für den Nächsten und ohne Vorurteile“, heißt es in einer Publikation der Waldenser. <a href="https://www.ottopermillevaldese.org/">LINK</a></p>
<p><em>Intermezzo: Zum Selbstverständnis der Waldenser Kirche, veröffentlich am 19.5.2024:</em> Der kritische Geist zugunsten der Demokratie: &#8222;Gewissensfreiheit ist eine weitere Säule der Waldenskirche. Dieses Prinzip bestätigt, dass jeder Einzelne in der Lage sein muss, seinem Gewissen in Fragen des Glaubens und der Moral zu folgen, ohne äußere Zwang oder Zumutungen. Dieser Ansatz hat die Waldensische Kirche dazu veranlasst, historisch das Recht auf Religionsfreiheit zu verteidigen und s<em>ich jeder Form von Autoritarismus und Intoleranz zu widersetzen</em>.<br />
<em>Gleichheit i</em>st ein Wert, der alle Aktivitäten der Waldenskirche durchdringt. Alle Mitglieder der Gemeinschaft, unabhängig von Geschlecht, Alter, ethnischer Herkunft oder sozialem Status, gelten vor Gott als gleich. Dieses Prinzip spiegelt sich auch in der Struktur der Waldensischen Kirche wider, die auf demokratische und partizipative Weise organisiert ist, mit Ratschlägen und Synoden, in der alle Gläubigen ihre Meinung äußern und zu Entscheidungen beitragen können.<br />
Schließlich ist die Aufnahme ein Kernwert für die Waldenserkirche. <em>Die Waldenser-Gemeinde setzt sich dafür ein, für alle ohne Diskriminierung willkommen zu sein. Dieses Engagement zeigt sich auch in den zahlreichen sozialen und humanitären Initiativen der Waldenser-Kirche, die darauf abzielen, die Schwächsten zu unterstützen und Ungerechtigkeit zu bekämpfen. (Quelle. <a href="https://chiesa.ai/scopri-la-storia-e-i-valori-della-chiesa-evangelica-valdese-un-percorso-di-fede-e-inclusione/">LINK ) </a><br />
</em></p>
<p>6.<br />
Ausdruck für die theologische ökumenische Offenheit der Waldenser ist auch deren theologische Fakultät in Rom: Sie ist offen für Studenten aller Konfessionen und auch für Interessenten, die keiner Kirche angehören, wie es in einer Publikation der Fakultät heißt. <a href="http://facoltavaldese.org/it">LINK</a><br />
In diesen Zusammenhang gehört auch ein Hinweis auf eine ökumenische Monatszeitschrift: CONFRONTI ist der Titel, einst gehörte der bekannte ehemalige Benediktiner Abt und Theologe Giovanni Franzoni (1928 &#8211; 2017) zur Chefreaktion. Franzoni ist auch als Autor zahlreicher (politischer) Bücher bekannt geworden: Aber es ist bezeichnend, dass die Theologen der Waldenser Kirche mit einem vom Papst abgesetzten katholischen Abt zusammenarbeitete. I<a href="https://www.confronti.net/"> LINK</a>.</p>
<p>7.<br />
Offen für die Rechte der Homosexuellen eintreten und die Gleichberechtigung praktisch leben: Dies ist ein weiteres typisches Kennzeichen der Waldenser. Der Journalist und Italien -Experte Thomas Migge sagte im Deutschlandfunk 2011: „Bereits im Jahr 2010 hatten die italienischen Waldenser auf ihrer Synode die Möglichkeit der kirchlichen Eheschließung für homosexuelle Paare einstimmig beschlossen. Aber erst Ende Juni 2011 wurde dieser Beschluss in die Tat umgesetzt. Eine Entscheidung, die vom Vatikan in Rom wie ein Schlag ins Gesicht empfunden wurde. So hieß es nach dem Trauungsakt von Homosexuellen in einer Waldenser Kirche in Mailand inoffiziell aus dem Vatikan, dass nach so einem Schritt an eine Vertiefung der Beziehungen zwischen beiden Kirchen im ökumenischen Sinn vorerst nicht zu denken sei.“ <a href="https://www.deutschlandfunkkultur.de/klein-aber-rege-100.html">LINK</a>.</p>
<p>8.<br />
Die Waldenser sind nach wie vor ein Stachel im Fleisch des italienischen Katholizismus: Diese Kirche verliert ständig und sytematisch an Mitgliedern, vor allem unter jungen Leuten und Frauen: Im Jahr 2018 waren 73 % der Italiener Mitglieder der katholischen Kirche, im Jahr 1981 waren es noch 93%. Der Katholizismus ist zwar nicht mehr offizielle Staatsreligion, aber er ist die „Religion des italienischen Kulturerbes“, etwa mit Religionsunterricht auch in staatlichen Schulen und dem obligatorischen Kreuz in staatlichen Gebäuden.<a href="https://www.deutschlandfunk.de/italien-warum-das-kruzifix-fuer-viele-italiener-dazugehoert-100.html"> LINK</a></p>
<p>9.<br />
Der Katholizismus in Italien setzt nach wie vor auf die Pflege der so genannten Volksfrömmigkeit: Also auf Wallfahrten (man denke etwa an den Marienwallfahrtsort Loreto in den Marken, dort kann das Haus besichtigt werden, in dem die Jungfrau Maria als Mädchen angeblich lebte.) Oder man denke an die Verehrung des heiligen Scharlatans, des Paters Pio, <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/10857_glauben-ohne-wunder-warum-pater-pio-endlich-im-grab-verschwinden-sollte-ein-gruss-zum-50-todestag-des-heiligen-scharlatans_befreiung">LINK</a>  oder an die Verehrung des Heiligen Gennaro und seine mysteriöse Blutkapsel in Neapel. Diese Mischung aus Aberglaube und diffusem Volkskatholizismus gilt offenbar immer noch als eine starke Stütze für die zerrissene italienische Gesellschaft. Heilen kann dieser religiöse Wahn diese kranke Gesellschaft (Mafia!) nicht.<br />
Unter diesen Bedingungen haben die Waldenser als eine nüchterne, aufgeklärte, man könnte sagen vernünftige Kirche nur wenige Chancen, eine breite Reform- Bewegung zu werden…</p>
<p>10.<br />
In Italien gab es immer schon Abweichler vom offiziellen Katholizismus, eigentlich müßen Historiker und Religionswissenschaftler eine italienische Ketzergeschichte schreiben, wobei es immer die Herrscher und die Päpste waren, die Menschen als Ketzer definieren. Aber sie waren oft klüger und wertblickender als das meist erstarrte System des Katholizismus.</p>
<p>11.<br />
Vom fast vergessenen Theologen und Augustiner-Mönch Arnaldo de Brescia (1090- 1155) wäre im Zusammenhang der Ketzerei zu sprechen, an die theologisch radikalen Franziskaner &#8211; Spiritualen wäre zu erinnern, genauso an die Tatsache, dass Franziskus von Assisi eigentlich eine radikale Armuts-Bewegung als Glaubensgemeinschaft gründen wollte. Dann aber hat er sich der Macht des Papstes beugen müssen und einen „normalen, korrekten Orden“ entstehen lassen. Zur Rettung dieser machtvollen Klerus &#8211; Machtkirche… Neapel wurde später für kurze Zeit ein Zentrum reformatorischer Ideen, auch Venedig war zeitweise ein Zufluchtsort für Protestanten. Weil die kirchliche Zensur in Italien so heftig war, konnten Luthers Schriften in Italien kaum verbreitet werden. Bartolomeo Fonzie hat als erster Luthers Traktat „An den christlichen Adel“ ins Italienische übersetzt. Die wenigen Lutheraner wurden verfolgt, der Humanist Antonio Bruccioli (1498- 1566) übersetzte die Bibel ins Italienische, wurde deswegen von den Päpsten verfolgt… er lebte unter Hausarrest und starb in großer Armut.<br />
Später machten radikale italienische Reformatoren von sich reden, wie Girolamo Zanchi (der später in Neustadt an der Weinstraße predigte), vor allem Lelio und Fausto Sozzini (1539 &#8211; 1604) sind auch nach wie vor wichtig und in Deutschland leider kaum bekannt oder sie werden verteufelt wegen „dogmatischer Abweichungen“ etwa von den großen Konzilien des 4. Jahrhunderts. Aber die Sozzinis waren theologisch hochgebildete Theologen und sehr gut begründete Überwinder des üblichen Dogmas der göttlichen „Dreifaltigkeit“ (Trinität). Fausto Sozzini konnte in das damals liberale Polen fliehen und dort Gemeinden aufbauen, die der „Polnischen Brüder“. Aber auch sie hatten letztlich dort kein Lebensrecht, einige „polnische Brüder“ flüchteten nach Holland und traten später in Kontakt mit den dortigen liberal &#8211; theologischen <em>Remonstranten</em>.</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/19000_buchmesse-2024-wo-sind-die-ketzer-italiens_aktuelles">Buchmesse 2024: Wo sind die Ketzer Italiens?</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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		<title>Der Geist ist heilig: Eine kleine Philosophie des Pfingsfestes</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/18009_der-geist-ist-heilig-eine-kleine-philosophie-des-pfingsfestes_buchhinweise</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Apr 2024 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Buchhinweise]]></category>
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		<category><![CDATA[Philosophie des Pfingfestes]]></category>
		<category><![CDATA[was ist Pfingsten]]></category>
		<category><![CDATA[zu Pfingsten predigen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://religionsphilosophischer-salon.de/?p=18009</guid>

					<description><![CDATA[<p>Ein Hinweis von Christian Modehn am 30.4.2024. Überarbeiteter Beitrag von 2015, der viel Aufmerksamkeit fand. Siehe auch: &#8222;Eine philosophische &#8222;Predigt&#8220; zum Pfingstfest&#8220;: LINK: Siehe auch: &#8222;Pfingsten &#8211; Fest der Philosophen. Ein Vorschlag von G.W.F. Hegel&#8220;   LINK 1. Mit dem Pfingstfest tun sich die meisten Menschen heute schwer. Auch religiöse Menschen. Und daran sind die [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/18009_der-geist-ist-heilig-eine-kleine-philosophie-des-pfingsfestes_buchhinweise">Der Geist ist heilig: Eine kleine Philosophie des Pfingsfestes</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Hinweis von Christian Modehn am 30.4.2024. Überarbeiteter Beitrag von 2015, der viel Aufmerksamkeit fand.</p>
<p>Siehe auch: &#8222;Eine philosophische &#8222;Predigt&#8220; zum Pfingstfest&#8220;: <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/7732_pfingsten-2016-wie-der-geist-der-heilige-zu-politischer-kritik-ermuntert-eine-philosophische-predigt_befreiung">LINK</a>:</p>
<p>Siehe auch: &#8222;Pfingsten &#8211; Fest der Philosophen. Ein Vorschlag von G.W.F. Hegel&#8220;   <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/15056_pfingsten-fest-der-philosophen-ein-vorschlag-von-hegel_buchhinweise/philosophische-buecher">LINK</a></p>
<p>1.<br />
Mit dem Pfingstfest tun sich die meisten Menschen heute schwer. Auch religiöse Menschen. Und daran sind die Kirchen mit-schuld: Die bis heute in kirchlichen Kreisen übliche theologisch-spitzfindige Trennung von (bloß auf den Menschen bezogenem) „Geist“ und dem offenbar göttlichen „Heiligen Geist“ ist nicht nur problematisch. Sie ist falsch. Sie ist ein Relikt aus Zeiten, als die Kirche und ihre amtliche, herrschende Theologie die Wirklichkeit aufspaltete, in &#8222;Natürlich&#8220; und &#8222;Über-Natürlich&#8220; trennte. Dabei konnte kein Theologe erklären, was denn nun die &#8222;Übernatur&#8220; ist. Aber es wurden zwei Welten geschaffen, die eine (natürliche, angeblich heidnische) als fern von Gott befindliche Wirklichkeit; die andere, die übernatürliche Wirklichkeit, als Gnaden-Wirklichkeit: Und diese wird von der Kirchenführung verwaltet und bestimmt. Der weltweit geachtete katholische Theologe Karl Rahner SJ hat in seinen zahlreichen Hinweisen zur Gotteserfahrung immer gezeigt, dass im Wahrnehmen menschlichen Geistes (in der Einsamkeit, in der Liebe, in der Angst usw.) das Göttliche erfahren werden kann. Im menschlichen Geist, wohlgemerkt, an dem alle Menschen Anteil haben. Theologisch formulierte das Karl Rahner so: &#8222;Wir leben immer schon in einer von Gott, dem göttlichen Geist, bestimmten Wirklichkeit&#8220;. Mit anderen Worten: Der göttliche Geist ist in jedem Menschen, als menschlicher Geist, immer schon wirksam. Universell, selbstverständlich auch in allen Religionen.</p>
<p>2.<br />
Die im Neuen Testament beschriebene Geschichte vom Pfingstereignis will darauf hinweisen: Auch die Gemeinde ist (nach dem Weggang Jesu von Nazareth) geisterfüllt, lebendig, kreativ. Und sie erlebt ihren neuen Optimismus als Geschenk. Sie erlebt vor allem ihre eigene Vielfalt als Gabe. Jede einzelne Sprache, d.h. jede einzelne Kultur, ist wertvoll, keine Sprache, keine Kultur darf dominieren. Alle Sprachen, alle Kulturen, haben das gleiche Lebensrecht. Der in Berlin zu Pfingsten stattfindende &#8222;Karneval der Kulturen&#8220; als Fest der Vielfalt und der Gleichberechtigung aller Kulturen, ist/war ein (fernes) Echo auf die religiösen Geschichten vom Pfingstfest. Nur wird aus diesem Fest der Viefalt eben ein &#8222;Karneval&#8220;. Und ein Karneval als Ereignis eines Tages hat keine politischen Konsequenzen für eine gelebte Politik der Vielfalt.  Hat keine Konsequenzen etwa auf die Flüchtlingspolitik, auf die Abwehr des Fremden, auf die alltäglichen (geschürten) Ängste vor dem Anderem. Der &#8222;Karneval der Kulturen&#8220; ist/war insofern bloß ein &#8222;ästhetisches&#8220;, aber kein politisches Ereignis.</p>
<p>3.<br />
Schon früher lehrten Philosophen und Theologen, wie Meister Eckart, darin durchaus Thomas von Aquin folgend: Es gibt nur den einen als den einzigen Geist im Menschen. Eigentlich eine Einsicht, die in der geistvollen Erfahrung eines jeden Menschen bestätigt wird: Hat jemand schon einmal seinen &#8222;natürlichen&#8220; Geist als solchen, später aber seinen &#8222;übernatürlichen&#8220;, so genannten heiligen Geist als solchen erfahren? Der Geist als Geist ist heilig, weil er das Belebende, das Kreative, ist.<br />
Der Geist ist das über alles Gegebene stets hinaus Weisende im menschlichen Leben; weil Geist auch Sprache ist und Poesie in ihrer unendlichen Fähigkeit des Ausdrucks und Suchens; weil Geist auch Musik ist und neue Welten erschließt; weil Geist Philosophie ist in der Suche nach jenen Zeichen, die über das Weltliche hinausweisen; weil Geist Religion (bzw. Religionen im Plural) ist in der Suchbewegung, sich von selbst gemachten Göttern zu befreien und des Namenlosen, des alles gründenden Geheimnisses inne zu werden. Weil Geist refelktierte gestaltete Freiheit ist, und Freiheit etwas Unantastbares, Heiliges, Sakrales, vom Menschen nicht Totzuschlagendes, nicht Abzuschaffendes ist. Weil mit dem Symbol Geist letztlich das Menschliche des Menschen gemeint ist, selbst wenn einzelne Philosophen, wie Nietzsche meinen, der Geist des Menschen sei dann doch noch von Trieben anhängig: Aber allein diese Erkenntnis kann kein Trieb als Trieb formulieren, dazu braucht man dann doch wieder den Geist. Er ist dann also doch größer als der Trieb&#8230; Also: Der Geist wird als der letztlich Unzerstörbare, wenn nicht Absolute erfahren, und das ermutigt zu der Hoffnung: Der allgemeine Geist, an dem jeder und jede teilhat, wird den inidviduellen Tod überdauern.</p>
<p>4.<br />
Pfingsten ist also das Fest des einen, universalen Geistes. In einer aufs Materielle fixierten Welt, in der der universale Gott das Geld ist und die Banker an der Wall Street und anderswo die Hohenpriester sind, hat ein &#8222;Fest des Geistes&#8220; einen schweren Stand. Trotzdem bleibt die Erkenntnis, die tröstlicher ist als die Börsennotiz der Wall Street: Wo immer und wann immer noch geistvoll gelebt wird, in der Weise der Reflexion, des Sich-Beziehens auf den Geist, im geistvollen Miteinander, im Gestalten und &#8222;Machen&#8220; gemäß den Impulsen des Geistes&#8230; da wird das umfassend menschliche (eben geistvolle) Leben gefeiert und dem Gott des Bloß-Materiellen widerstanden. Dabei ist &#8222;geist-voll&#8220; überhaupt nicht gemeint als Eröffnung eines dualistischen Denkens, sozusagen als Absage alles Leiblichen, Erotischen usw. Das Gegenteil ist der Fall. Es gibt sicher nichts Geistvolleres als gelebte Erotik, als geistvoll gestaltete Leiblichkeit.</p>
<p>5.<br />
Pfingsten will also eine geistvolle Gesellschaft. Man kann sie eine offene Gesellschaft nennen, eine solche, die ohne Überwachung und Kontrolle auskommt, eben eine Gesellschaft, die Freiheit für das höchste Gut hält und jeglichem autoritärem Verhalten Widerstand leistet. Demokraten kennen die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen ihrer Demokratie: Sie wissen, eine bessere Staatsform gibt es nicht, sie lässt sich stets entwickeln und korrigieren und sie muss vor allen Liebhabern der so einfach erscheinenden autoritären Staatsform (Diktatur) heftig und deutlich verteidigt werden.<br />
Insofern ist Pfingsten ein Fest der Freiheit des Geistes. Da müssen sich die Kirchentüren weit öffnen, um vor allem die dogmatisch erstarrten Kirchen erst einmal selbst zu verwandeln: Weil eben alle zum Fest eingeladen sind, alle, die die Freiheit des Geistes verteidigen, Skeptiker, Agnostiker, weltliche Humanisten&#8230;Wo finden solche ökumenischen Feiern statt?</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer-Salon Berlin.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/18009_der-geist-ist-heilig-eine-kleine-philosophie-des-pfingsfestes_buchhinweise">Der Geist ist heilig: Eine kleine Philosophie des Pfingsfestes</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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		<title>Ist Kant jetzt wieder tot? Oder lebt er weiter nach den Geburtstags &#8211; Feierlichkeiten?</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/17963_ist-kant-jetzt-wieder-tot-oder-lebt-er-weiter-nach-den-geburtstags-feierlichkeiten_aktuelles</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Apr 2024 21:15:57 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Hinweis von Christian Modehn am 23. April 2024 1. Die Geburtstagspartys zu Ehren Immanuel Kants, in allen Medien veranstaltet, sogar mit ehrenden Worten von „prominenten“ Politikern, sind zu Ende: Kants großer Tag war der 22. April 2024, da feierte er mit vielen Menschen in aller Welt seinen 300. Geburtstag. Schon Monate vorher lief der [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Hinweis von Christian Modehn am 23. April 2024</p>
<p>1.<br />
Die Geburtstagspartys zu Ehren Immanuel Kants, in allen Medien veranstaltet, sogar mit ehrenden Worten von „prominenten“ Politikern, sind zu Ende: Kants großer Tag war der 22. April 2024, da feierte er mit vielen Menschen in aller Welt seinen 300. Geburtstag. Schon Monate vorher lief der Geburtstagstrubel auf Hochtouren: So wollen es nun die Gesetze des Kulturbetriebes und des Journalismus: Große Gedenktage großer Namen bringen eben auch großes Geld … Sollten aber vor allem Erkenntnisse fördern.</p>
<p>2.<br />
Die Gemeinde der „Kulturschaffenden“ hat sich bereits voller Publikationslust den nächsten runden Gedenktagen zugewandt: Bis zu seinem 100. Tagestag, am 3. Juni 2024, wird Franz Kafka noch weiter gefeiert, bedacht, geehrt, „gewürdigt“, hoffentlich auch gelesen und der Vernichtung vieler seiner Familienmitglieder durch Deutsche, Nazis, gedacht… Dann folgt der große Caspar David Friedrich, sein 250. Geburtstag am 5. September treibt schon jetzt viele Tausend Menschen zum Staunen und Entzücken in die Sonderausstellungen. <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/16672_caspar-david-friedrich-seine-spiritualitaet-und-warum-er-kirchen-als-ruinen-malte_buchhinweise/philosophische-buecher">LINK</a>.  Wer denkt bei so vielen Größen noch daran, dass der Schriftsteller und Satiriker Karl Kraus am 28. April 2024 seinen 150. Geburtstag feiert? <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/17951_karl-kraus-sein-dienst-am-kritischen-wort_aktuelles">LINK</a>. Wer hat sich musikalisch und religiös bereits auf den Komponisten Anton Bruckner eingestellt, der am 4.9. seinen 200. Geburtstag begeht? Wird höchste Zeit, z.B. seine 8. Symphonie wieder zu hören … oder sein Heimatland Oberösterreich zu besuchen (zu Bruckner, siehe Fußnote 1)</p>
<p>3.<br />
Man hat den Eindruck: Die Präsentation von Kultur bewegt sich heute hart an der Grenze der „Gedenktageritis“, der Fixierung auf runde Geburts &#8211; und Todestage. Dabei könnte man doch prinzipiell jeden Menschen und dessen einmalige Individualität auch an „eckigen“ Gedenktagen bedenken…</p>
<p>4.<br />
Zurück zu Kant: Ist er ab heute, 23. April 2024, schon wieder tot für die meisten Menschen? Philosophen werden sein Werk zwar weiter studieren und die schon jetzt unübersehbare Fülle der Kant &#8211; Studien ausbauen. Aber muss man wirklich erst 10 Jahre abwarten, um zu wissen: Welche breite Wirkung hatten denn nun die vielen Bücher, Reden, Beiträge, Sendungen anläßlich von Kants 300. Geburtstag? War alles eine kulturelle Zwangshandlung oder bleibt „etwas hängen“ im Bewusstsein der Menschen?</p>
<p>5.<br />
Um nicht gleich in ein kulturkritisches Jammer zu verfallen: Besser ist die Antwort auf die Frage, die eigentlich als Leitmotiv alles öffentlich Kant-Gedenken und Kant &#8211; Besprechen hätte bestimmen sollen: Was soll denn jeder Menschen von Kants universell geltenden Erkenntnissen wissen:</p>
<p>&#8211; Jeder Mensch soll wissen, was der „Kategorische Imperativ“ deutlich erklärt. Er könnte eine Art ethisches „Allheilmittel“ sein. Und er bietet große Sicherheit bei der Frage: Wie gestalte ich mein menschliches Leben mit anderen? Es geht um die Förderung der Würde des Menschen! Dann entsteht aber die Frage: Welche Lebensphilosophie, welche Ideologie, welche Maxime ist für mich wichtig, hat sie auch Bestand vor der universell für alle Menschen geltenden Vernunft? So, wie doch die meisten Menschen gewisse mathematische Kenntnisse haben (etwa die schlichte Erkenntnis: „Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel“), so sollte eben auch jeder den Kategorischen Imperativ kennen.</p>
<p>Jeder Mensch sollte mit Kant wissen: Angesichts des zunehmenden Fundamentalismus in der Politik und in den Religionen und Kirchen, ist eine noch zu schaffende universale vernünftige Menschheitsreligion der Humanität entscheidender als die Bindung an eine konkrete historisch gewachsene Religion und Konfession. Diese Menschheitsreligion braucht keine Institution, braucht keinen Klerus: Die einzelnen Menschen sollen erfahren und wissen: Es gibt eine göttlich genannte schöpferische Urkraft, im Geist der Menschen ist sie verstehbar. Und diese einfache Vernunftreligion hat wenige Grundsätze, allgemein vernünftig einsehbar: Diese Menschheitsreligion gebietet die Toleranz, den Respekt, empfiehlt die Liebe. Kant spricht in dem Zusammenhang von der unsichtbaren Kirche.</p>
<p>Auch wenn es um Frieden und Krieg geht, ist eine große Leitlinie für Kant zentral: Jeder Krieg ist zuerst und vor allem ein Unrecht, weil er die Menschenrechte verletzt, d.h. Weil er die Würde eines jeden Menschen verletzt. Und gegen diese schlimmste aller Degradierungen, den Verlust der Würde des Menschen, können aufgeklärte Bürger und deren Politiker nach Kant &#8211; schon im 18. Jahrhundert gedacht &#8211; Entscheidendes tun: Sie können z.B. Verträge untereinander schaffen, die den Krieg verhindern, sie können einen Völkerbund organisieren, sie sollen ein „Weltbürgerrecht“ schaffen, das die Rechte eines jeden gegenüber jedem anderen Staat garantiert. Diese Vorstellung mag „idealistisch“ erscheinen: Aber nur unter der globalen Perspektive einer anderen, also einer gerechten, friedfertigen Welt, von den Menschenrechten geregelt, lässt sich die Hoffnung bewahren, die Hoffnung, dass es sinnvoll ist, auf dieser Erde als Mensch mit anderen leben zu können.</p>
<p>6.<br />
Mit diesen sehr knappen Hinweisen wird kein Spezialwissen zu Kant verbreitet, sondern mit Kant werden die Grundlagen des Menschseins freigelegt.<br />
Kant hat natürlich nicht auf alle Fragen richtige Antworten. Aber er hat einige bleibende, richtige Antworten auf die ewige Frage: Wie kann ich als Mensch &#8211; jeder Kultur &#8211; menschlich leben? Einige zentrale Erkenntnisse des Philosophen Immanuel Kant zu kennen, sie im Gedächtnis zu behalten, sie praktisch im Leben als Orientierung zu gebrauchen: Das sollte nun wirklich ein Resultat all der vielen Feierlichkeiten, Publikationen, Reden usw. zu Kants 300. Geburtstag sein. Es ist doch wohl nicht so, dass wir von dem Gefühl bestimmt sein sollten: Na ja, gibt es halt zu unserer Abwechslung immer wieder runde Gedenktage, und die &#8222;haken wir ab“, und dann geht ungebrochen der alte Trott weiter. Mit neuen runden Gedenktagen. Das wäre dann wirklich der Kulturbetrieb…</p>
<p>Fußnote 1: &#8222;Durch Oberösterreich mit Anton Bruckner: Dickschädels Reisen&#8220; von Florian Sedmak, Verlag Anton Pustet, 2024, 256 Seiten.</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin</p>
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		<title>Omri Boehm (Philosoph und Kritiker der Politik Israels) erhält den Leipziger Buchpreis 2024</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/17682_omri-boehm-philosoph-empfaengt-den-leipziger-buchpreis-2024_buchhinweise/philosophische-buecher</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 08 Mar 2024 12:59:38 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[radikaler Univertsalismus gilt auch in Israel]]></category>
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		<category><![CDATA[Yuval Abraham]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Von Christian Modehn am 8.3.2024 Am 21.3.2024 eingefügt: Die Rede von Omri Boehm in Leipzig mit dem Titel &#8222;Freundschaft in finsteren Zeiten&#8220;. LINK Über das in Leipzig wichtige geehrte Buch von Omri Boehm: &#8222;Radikaler Universalismus&#8220;:  LINK Die Laudatio auf Omri Boehm und sein Buch &#8222;Radikaler Universalismus&#8220; hielt in Leipzig die Soziologin Eva Illouz (Frankreich/Israel). LINK [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/17682_omri-boehm-philosoph-empfaengt-den-leipziger-buchpreis-2024_buchhinweise/philosophische-buecher">Omri Boehm (Philosoph und Kritiker der Politik Israels) erhält den Leipziger Buchpreis 2024</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Von Christian Modehn am 8.3.2024</p>
<p>Am 21.3.2024 eingefügt: Die Rede von Omri Boehm in Leipzig mit dem Titel &#8222;Freundschaft in finsteren Zeiten&#8220;. <a href="https://www.leipzig.de/news/news/reden-zur-verleihung-des-leipziger-buchpreises-zur-europaeischen-verstaendigung">LINK</a></p>
<p>Über das in Leipzig wichtige geehrte Buch von Omri Boehm: &#8222;Radikaler Universalismus&#8220;:  <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/15293_gegen-den-wahn-sich-in-identitaeten-abzukapseln-fuer-einen-radikalen-universalismus_buchhinweise/philosophische-buecher">LINK</a></p>
<p>Die Laudatio auf Omri Boehm und sein Buch &#8222;Radikaler Universalismus&#8220; hielt in Leipzig die Soziologin Eva Illouz (Frankreich/Israel).<a href="https://www.leipzig.de/news/news/reden-zur-verleihung-des-leipziger-buchpreises-zur-europaeischen-verstaendigung"> LINK</a></p>
<p>&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;..</p>
<p>Unser Hinweis vom 8.3.2024:</p>
<p>1.<br />
Man darf am 20. März 2024 gespannt sein, wenn in Leipzig der israelisch &#8211; deutsche Philosoph OMRI BOEHM den Leipziger Buchpreis erhalten wird. Die Laudatio wird die Soziologin Eva Illouz halten. Omri Boehm wurde 1970 in Haifa (Israel) geborren, er besitzt die israelische und die deutsche Staastbürgerschaft, er arbeitet vor allem in New York an der &#8222;New School for Social Research&#8220; als Philosophieprofessor.</p>
<p>Und wir können nur hoffen, dass den richtigen Aussagen Omri Boehms zur gegenwärtigen Politik in Israel (siehe unten) die Attacken erspart bleiben, die der jüdische Filmemacher Yuval Abraham nach seinen Aussagen, auch auf der &#8222;Bären Gala&#8220;der Berliner Filmfestspiele, erleben musste. Yval Abraham (Regie: &#8222;No Other land&#8220;) hatte die rechtsextrem beherrschte Politik Israels treffend als &#8222;Apartheids-Politik&#8220; bezeichnet. Und er hatte deswegen Morddrohungen erhalten, weil bestimmte &#8222;übereifrige Deutsche&#8220;  seinen Argumenten unterstellten,  sie seien antisemitisch&#8230; <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Yuval_Abraham">LINK</a> zu Yval Abraham.</p>
<p>2.<br />
Der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung wird seit 1994 verliehen, <a href="https://www.leipzig.de/freizeit-kultur-und-tourismus/kunst-und-kultur/kunst-und-kulturpreise/leipziger-buchpreis-zur-europaeischen-verstaendigung/">LINK</a>,  er gehört in Deutschland zu den bedeutendsten Literaturauszeichnungen. Veranstalter des Preises sind der Freistaat Sachsen, die Stadt Leipzig, der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und die Leipziger Messe.<br />
Omri Boehm erhält den Preis zu Beginn der Leipziger Buchmesse am 20. März 2024 im Leipziger Gewandhaus.</p>
<p>3.<br />
Omri Boehm zeigt u.a. in seinem wichtigen Buch „Radikaler Universalismus“ einen Ausweg aus den ständigen Kriegen Israel &#8211; Palästina: Es ist die Idee/Utopie eines <em>gemeinsamen Staates von Juden und Arabern.</em> Die viel besprochene Zweistaatenlösung lehnt Omri Boehm ab.</p>
<p>4.<br />
Aktuell wichtig erscheint uns die Deutlichkeit, mit der Boehm in seinem Buch „Radikaler Universalismus“ (Propyläen &#8211; Verlag) den Staat Israel und seinen Zionismus, vor allem die jetzige Regierung Israels kritisiert. Schon 2020 verfasste er eine „Streitschrift“ „Israel. Eine Utopie“. Nach dem Terroranschlag der Hamas am 7.10.2023 wiederholte Boehm seine Grundüberzeugung: &#8222;Wir haben es mit einer unerträglichen Situation zu tun, wo das Unmögliche notwendig ist. (&#8230;) Wir müssen Vorschläge für eine politische Lösung in der Zukunft finden. Die einzige Alternative zum entgrenzten Krieg ist der Kompromiss einer Föderation.“<br />
Omri Boehm spricht auf Seite 150 des Buches „Radikaler Universalismus“, von der „Apartheidsstruktur, die Israels jahrzehntelange Siedlungspolitik im Westjordanland bestimmt.“</p>
<p>5.<br />
Das Wort Apartheidsstruktur öffentlich zur Qualifizierung von Israels Westjordan &#8211; Politik zu gebrauchen, ist hierzulande doch „ein bißchen“ mutig. Man denke an die Aufgeregtheit, die anläßlich der Berliner Film &#8211; Festspiele die Debatten bestimmten, als auch das Wort „Apartheidspolitik Israels“ fiel…</p>
<p>6.<br />
Ebenso erstaunlich, dass Boehm den Staat Israel und die westlichen Demokratien dadurch gekennzeichnet sieht, „dass sie für immer auf der gewaltsamen Unterdrückung anderer gegründet“ sind.(S. 152). Noch deutlicher auf Seite 153: Israel könne beides sein, ein Staat der Holocaust &#8211; Überlebenden und ein kolonialistischer Apartheidsstaat. Israel kann dieses beides nicht nur sein, sondern, so fügt Boehm wörtlich hinzu: „Ist es auch“ (S. 153).</p>
<p>7.<br />
Mit dieser Kritik will Omri Boehm überhaupt nicht einen Antisemitismus fördern. Und auch ein deutscher Journalist, der Böhms Aussagen und Urteile dokumentiert, ist kein Antisemit, sondern wie Boehm ein Kritiker der von rechtsextremem Denken bestimmten gegenwärtigen Politik Israels! Diese Politik ist ein heftiger und für Humanisten und Philosophen unerträglicher Widerspruch gegen die vernünftige Politik, die den „radikalen UNIVERSALISMUS“, „Jenseits von Identität“ lebt. Zum Buch „Radikaler Universalismus“ der Hinweis des &#8222;Re&shy;li&shy;gi&shy;ons&shy;phi&shy;lo&shy;so&shy;phi&shy;sch&shy;en Salon Berlin&#8220; ,veröffentlicht am 30.9.2022: <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/15293_gegen-den-wahn-sich-in-identitaeten-abzukapseln-fuer-einen-radikalen-universalismus_buchhinweise/philosophische-buecher">LINK.</a></p>
<p>8.<br />
Omri Boehm will nur für Klarheit sorgen über die gegenwärtigen Zustände in Israel und Palästina; er denkt und argumentiert zugunsten eines besseren, eines gerechten Israel für Juden wie auch selbstverständlich für Araber.</p>
<p>9.<br />
Unser herzlicher Glückwunsch zum Leipziger Buchpreis zur europäischen Verständigung für Omri Boehm.</p>
<p>10.</p>
<p>Zur &#8222;weiten Herkunft&#8220; (und damit der universalen &#8222;Verbreitung&#8220; dieser Erkenntnis, also des universell gültigen Prinzips der selben Menschenwürde für alle Menschen. Nur ein Beispiel: Marc Aurel (121 &#8211; 180 n.Chr.) sagt in seinen &#8222;Selbstbetrachtungen&#8220;: „Ich habe klar erkannt, dass der Mensch, der gegen mich fehlt, in Wirklichkeit mir verwandt ist, nicht weil wir von demselben Blut oder derselben Abkunft wären, sondern <em>wir haben gleichen Anteil an der Vernunf</em>t, der göttlichen Bestimmung.“ (Seite 22 in Reclam, „Marc Aurel, Selbstbetrachtungen 2001). Und auch: „Jedes vernünftige Wesen ist mit mir verwandt“, (ebd. S. 34, 3. Buch)<br />
………..</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, www.religionsphilosophischer-salon.de</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/17682_omri-boehm-philosoph-empfaengt-den-leipziger-buchpreis-2024_buchhinweise/philosophische-buecher">Omri Boehm (Philosoph und Kritiker der Politik Israels) erhält den Leipziger Buchpreis 2024</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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