„Kirchensteuer muss gezahlt werden“ – Wie die Katholische Kirche in Deutschland auf das Niveau eines Vereins abrutscht

21. Sep 2012 | von | Themenbereich: Denken und Glauben, Religionskritik

Katholische Kirche in Deutschland auf dem Niveau eines Vereins?

Fragen des „Religionsphilosophischen Salons Berlin“ zur aktuellen Debatte am 21.9.2012

Die Deutsche Bischofskonferenz hat am 20.9.2012 verfügt: Wer seine Kirchensteuer nicht zahlen will, kann nicht mehr Mitglied der Katholischen Kirche in Deutschland sein, d.h. sogar: Er/sie kann kein(e) Katholik(in) mehr sein, obwohl in fast allen anderen Ländern dieser Welt die Mitgliedschaft in der katholischen Religionsgemeinschaft nicht gebunden ist an die vom Staat eingezogene Kirchensteuer oder überhaupt an feste regelmäßige Beitragszahlungen. Oder hat man etwas von verpflichtenden Beitragszahlungen auf den Philippinen, in Kolumbien, in der Demokratischen Republik Kongo oder in Mexiko gehört? Den viel gerühmten katholischen „Stammländern“?

Noch einmal: Selbst wenn ein Katholik ausdrücklich bekennt, er sei nach wie vor ein gläubiger Katholik, habe aber seine eigenen Ansichten, wie er die persönlich hoch geschätzte Glaubensgemeinschaft finanziell unterstützen wolle, der wird von den so genannten Oberhirten ausgeschlossen. Das Wort exkommuniziert bietet sich von selbst an.

Damit rückt die katholische Kirche in Deutschland durch den Beschluss der Bischofskonferenz auf das Niveau eines von vielen Vereinen: Etwa:Du kannst ein noch so großer Liebhaber von Schäferhunden sein; wenn du nicht deinen Beitrag zahlst als Mitglied des „Vereins Freunde der Schäferhunde“ dann darfst du – in der Sicht der Vereinschefs – auch kein Schäferhund – Liebhaber mehr sein. Du darfst dich nicht mehr Schäferhundliebhaber nennen.

Ein Gedanke drängt sich einigen Freunden und Mitgliedern des Religionsphilosophischen Salons auf:

Die Bischöfe wollen unbedingt das Geld, so viel wie möglich. Es ist ihnen dabei egal, ob ein zahlendes Mitglied sich seinen persönlichen Glauben, etwa als Mix von Astrologie, Buddhismus, Yoga und Bibel,  selber formt, ob er mehr Maria verehrt als Gott, ob er mehr Pater Pio anbetet als das göttliche Geheimnis: All das ist den so genannten Oberhirten weithin egal. Wer aber tiefer theologisch nachdenkt, wie einige Theologieprofessoren, etwa Prof. Hartmut Zapp, die aus Glaubensgründen (!) keine Kirchensteuer mehr zahlen wollen, der wird rausgeschmissen. Keine Debatten, keine Vielfalt, keine viel besprochene „Brüderlichkeit“, kein Respekt vor abweichenden (gar nicht häretischen!) Meinungen… So handeln nur  Vereine, nicht Glaubensgemeinschaften. Mit ihrer Entscheidung führen die sogenannten Oberhirten die Katholische Kirche weiter ins Getto. Manche Freunde unseres Salons meinen: „Sie gehört wohl in den Club der =Sekten=“. Tatsache ist: Diese Entscheidung der deutschen Bischöfe isoliert weiter die Spitze von der sogen. Basis. Von Glaubensgemeinschaft in Viefalt Gleichberechtigter kann keine Rede mehr sein. Es geht den Hirten vor allem ums Geld, um die Wahrung bisheriger Strukturen (die ja bekanntermaßen alles andere als einen kirchlichen Frühling bescherten) und die Fortsetzung ihres abgehobenen, fürstlichen Lebens in Palästen und Residenzen. Und das alles im Namen des Evangeliums. Welches Evangeliums eigentlich?

Copyright: Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

 

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