Humanistische Credos: Bekenntnisse von HumanistInnen, AtheistInnen, Agnostikern…

Die humanistischen Credos: Bekenntnisse von HumanistInnen, AtheistInnen, Agnostikern…

Die Zeitschrift DIESSEITS vom Humanistischen Verband Deutschland (HVD) hat kürzlich (Heft 3/2015 in einem Beitrag von Arick Platzek) Ihre LeserInnen eingeladen, die persönliche, eigene Lebensauffassung aufzuschreiben und fürs öffentlich  Gespräch mitzuteilen. Die Rede ist dabei durchaus von einem CREDO, einem Bekenntnis zu den Werten, die für HumanistInnen, AtheistInnen, Agnostikern… persönlich wichtig und entscheidend sind, sozusagen „Leitlinien“, die das eigene Denken und Handeln bestimmen sollen.

Der Religionsphilosophische Salon Berlin findet diese CREDO Initiative des HVD äußerst beachtlich. Weil einmal mehr deutlich wird, dass in den Kreisen der HumanistInnen, AtheistInnen, Agnostiker … auf diese Weise die persönliche, humanistische Spiritualität ins Blickfeld rückt und anschaulich erscheint in der ganzen Vielfalt. Über die Frage einer „atheistischen Spiritualität“ hat der Initiator des Religionsphilosophischen Salons Berlin im Jahr 2006 mit Gita Neumann (HVD) einen Halbstunden Film fürs ERSTE (ARD) realisiert, unter dem Titel „Glauben ohne Gott“ wurde er im Februar 2007 zum ersten Mal gesendet. Es war der erste Film überhaupt, der sich in der ARD mit „atheistischer Spiritualität“ befasste. Seit der Zeit beschäftigt uns im Religionsphilosophischen Salon die Frage, wie Gespräche zwischen religiösen und nichtreligiösen Menschen heute in Berlin z.B. sinnvoll gestaltet werden können. Das Thema Spiritualität ist dabei ein Hauptthema, angestoßen auch durch die hervorragenden Bücher des Pariser (agnostischen) Philosophen André Comte-Sponville.

Nun also erfreulicherweise das CREDO Projekt des HVD. Ausdrücklich wünschte sich die Zeitschrift DIESSEITS kurze und knappe Bekenntnisse. In der Theologie Karl Rahner spricht man ja bekanntlich auch von den „Kurzformeln des Glaubens“. Wird es eines Tages einen Austausch geben über religiöse und nicht-religiöse CREDOS? Wünschenswert wäre es sicher in einer multireligiösen Stadt Berlin…Das CREDO Projekt könnte eine weitere Ermunterung sein, dass sich religiöse und nichtreligiöse Menschen begegnen, verständigen, vielleicht näher kommen. Welcher Christ „weiss“ denn schon, „dass“ es Gott „gibt“?  Und welcher Atheist „weiss“ denn schon, dass es Gott eben nicht „gibt“?

Gita Neumann, im HVD seit vielen Jahren verantwortlich für Fragen rund um Krankheit, Patientenverfügungen und Lebensende, vor allem um selbstbestimmtes Sterben, sowie Protagonistin in dem oben genannten ARD Film „Glauben ohne Gott“ schreibt ihr CREDO:

Ich glaube, dass wir dringend mehr Menschen brauchen, die
mit sich selbst und anderen im Reinen sein möchten,
ästhetische Bildung ebenso wie Zivilcourage haben,
für Geschichten und Poesie empfänglich sind,
Frieden auch im Kleinen stiften wollen,
Rechthaberei, Gewalt, Unterdrückung
und materielles Erfolgsstreben verachten.
Liebende aller Art, Zivilisierte, Wohlwollende,
die sich in unzeitgemäß scheinenden Tugenden üben,
als da sind Klugheit, Mäßigung, Anstand, Gerechtigkeit, Mut
– ja, und ebenso höflicher und achtsamer Umgang miteinander.

Gita Neumann