Artikel mit Stichwort ‘ Monika Wohlrab – Sahr ’



Jeder Mensch hat seinen Gott. Für ein neues Verstehen des Atheismus. Text einer Radiosendung

27. Mai 2014 | Von | Kategorie: Denken und Glauben

Der folgende Beitrag ist der Text einer Radiosendung auf NDR Kultur am 25. Mai 2014 um 8. 40 Uhr in der Reihe „Glaubenssachen“:

„Jeder Mensch hat seinen Gott“. Für ein neues Verstehen des Atheismus‘

Von Christian Modehn

Redaktion: Dr. Claus Röck, Norddeutscher Rundfunk, Religion und Gesellschaft, Rudolf-von-Bennigsen-Ufer 22, 30169 Hannover

www.ndr.de/ndrkultur

– Unkorrigiertes Manuskript -Zur Verfügung gestellt vom NDR. Dieses Manuskript ist urheberrechtlich geschützt und darf nur für private Zwecke des Empfängers benutzt werden. Jede andere Verwendung (z.B. Mitteilung, Vortrag oder Aufführung in der Öffentlichkeit, Vervielfältigung, Bearbeitung, Übersetzung) ist nur mit Zustimmung des Autors zulässig. Die Verwendung für Rundfunkzwecke bedarf der Genehmigung des NDR.

………………….

Sprecher:

Immer mehr Menschen in Europa nennen sich Atheisten. Das Gottesbild der Bibel halten sie für eine Illusion, die dogmatischen Lehren und moralischen Weisungen der Kirche lehnen sie ab. Repräsentative Umfragen und religionssoziologische Untersuchungen dokumentieren den aktuellen religiösen Wandel.

Sprecherin:

Vor 30 Jahren galt Spanien noch als ausschließlich katholisch geprägtes Land. Heute nennen sich bereits 10 Prozent der Einwohner Atheisten. In Frankreich ist jeder Dritte ungläubig, ebenso viele sind es in den Niederlanden, in Böhmen sind es sogar 70 Prozent. In Polen wurde bei den dortigen „Tagen des Atheismus“ mitgeteilt, dass sich jeder Zehnte Einwohner gottlos nennt.

Sprecher:

In Deutschland ist jeder Dritte konfessionslos. Dazu gehören unkirchliche, doch spirituell interessierte Menschen, aber auch Skeptiker, Agnostiker oder militante Atheisten. Gläubige wie Ungläubige sind oft zugleich auch Anhänger esoterischer Lehren, wie der Astrologie oder der Rückführung in vormalige Leben. Für den Gott der Bibel gibt es dann nur noch selten Interesse.

Sprecherin:

Man könnte sich mit dieser Analyse der religiösen Situation schnell abfinden. Einige Beobachter sehen darin tatsächlich den Untergang des christlichen Abendlandes. Andere jubeln im Geist der philosophischen Aufklärung, weil bislang übliche religiöse Bindungen nun von persönlicher Freiheit und Wahlmöglichkeit abgelöst werden.

Sprecher:

Gibt es einen Ausweg aus dieser abstrakten Gegenüberstellung von gläubig oder ungläubig, von religiös oder atheistisch? Sind die Gesellschaften Europas so tief gespalten, dass keine gemeinsame weltanschauliche oder philosophische Basis mehr vorhanden ist? Europa sollte doch mehr sein als ein Wirtschaftsverband.

Sprecherin:

Dass die Europäer zunehmend als ungläubig oder atheistisch angesehen werden, gilt nur dann, wenn man Atheismus sehr eng definiert. Nämlich als die entschiedene und bewusst formulierte Ablehnung des Gottesbildes der Kirchen. Gegen diese Festlegung wehren sich heute immer mehr Menschen. Umberto Eco zum Beispiel, weltweit bekannter Autor aus Italien und Professor für Semiotik, nennt sich selbst in einer neuen Konfessionsbeschreibung „weltlich religiös“. Er betont in dem Buch „Woran glaubt, wer nicht glaubt?“:

Zitator:

Ich bin Agnostiker, weiß also nicht genau, ob es Gott gibt. Ich bin aber fest überzeugt, dass es eine weltliche Religiosität gibt, also einen Sinn für das Heilige, und den gibt es, auch wenn ich nicht an einen personalen und alles vorhersehenden Gott glaube.

Sprecher:

Die Bindung an etwas Heiliges ist der Mittelpunkt dieser weltlichen Religiosität. Und die entdecken viele Menschen nicht in ekstatischen Erlebnissen oder mystischen Verzückungen. Sie erfahren Heiliges, Erhabenes, Transzendentes nicht in Tempeln, Kirchen oder Klöstern, sondern inmitten ihres alltäglichen Lebens.

Sprecherin:

Gläubige wie auch ungläubige Menschen sind erstaunt, tief berührt oder gar erschüttert, wenn sie beim Spaziergang innehalten und sich ganz in die Pracht der Kirschblüten versenken oder die Lichtung im Wald. Oder wenn sie am Meer verweilen und die Weite des Horizonts bewundern. Unvermittelt ergibt sich dann die Frage: Warum ist das alles, warum ist nicht vielmehr nichts? Für Immanuel Kant gehört die Ehrfurcht vor dem Erhabenen zum Wesen des Menschen. Das Erhabene zeigt sich, so meinte Kant, wenn der Mensch den bestirnten Himmel über sich wahrnimmt und das moralische Gesetz in sich selbst.

Sprecher:

Wer dem moralischen Gesetz, also seinem Gewissen folgt, setzt sich auch für andere Menschen ein, so könnte man heute Kant verstehen. Kann man denn einen Menschen ungläubig nennen, der zum Beispiel einen guten Teil seiner Lebenszeit in humanitären Organisationen einsetzt? Etwa in einer der zahlreichen Nichtregierungsorganisationen, wie den „Ärzten ohne Grenzen“, wo jüngere und ältere Fachärzte mitten in den kriegerischen Auseinandersetzungen Afrikas ihre Hilfen anbieten. Ihren Einsatz können diese Menschen nur leisten, weil sie glauben, dass die Ärmsten der Armen genauso viel Respekt verdienen wie die wohl situierten Bürger in Berlin, Hamburg und anderswo. Dieser Glaube an den unbedingten Wert eines Jeden ist der persönliche spirituelle Mittelpunkt dieser engagierten Menschen, egal, ob sie sich religiös oder atheistisch nennen.

Sprecherin:

Man muss aber nicht immer nach den großen Vorbildern oder Helden Ausschau halten: In der Nachbarschaft leben Menschen, die einem zentralen Wert unbedingt entsprechen wollen, wenn sie etwa angesichts des Leidens und der Not anderer den eigenen Lebens-entwurf radikal umstellen. Man denke an die Frauen und Männer, die sich voller Hingabe der Pflege ihrer Angehörigen oder Freunde widmen. Sie sind überzeugt, dass alte und kranke Menschen besser nicht in Pflegeheimen untergebracht werden sollten, sondern gerade zuhause noch Lebensfreude erleben können.

Sprecher:

Auch diese Menschen folgen einer elementaren Überzeugung, die Philosophen eine Evidenz-Erfahrung nennen: Absolut und unumstößlich schätzen sie den Wert eines jeden Menschen, gerade der Kranken, Ausgegrenzten oder Verarmten. Der österreichisch-amerikanische Theologe und Religionssoziologe Peter L. Berger geht sogar noch weiter, wenn er schreibt:

Zitator:

Ich nenne Phänomene und Verhaltensweisen in unserer alltäglichen, natürlichen Lebenswelt Zeichen der Transzendenz, wenn sie über die enge alltägliche Welt hinaus-weisen. Transzendenz ist hier nicht im üblichen konfessionellen Sinne zu verstehen, sondern als ein geistvolles Überschreiten der Alltagswelt.

Sprecher:

Berger bietet dafür ein eindringliches Beispiel. Er erinnert an die Sorge der Mutter um ihr Kind. Es beginnt nachts zu schluchzen und zu schreien, so sucht es voller Angst die Nähe seiner Mutter.

Zitator:

Sie wendet sich beruhigend ihrem Kind zu, spricht sanfte Worte oder sie singt ihm ein Schlummerlied. Der Grundtenor dieses Verhaltens ist bei allen Menschen derselbe: Hab keine Angst, mein Kind. Alles ist in Ordnung, alles ist wieder gut. So gewinnt das Kind sein Vertrauen in die Wirklichkeit zurück, es kann wieder einschlafen.

Sprecher:

Die Mutter kann ihr Kind nur trösten, weil sie überzeugt ist: Wir Menschen können unserem Dasein in dieser Welt vertrauen, selbst wenn wir nicht alles überschauen und vieles uns auch ängstigt. Es gibt aber in uns eine Energie, eine geistige Kraft, die uns zu solchen Aussagen ermuntert und die Gewissheit schenkt: Die Tröstung meines Kindes ist keine Lüge. Die Mutter lebt in dem elementaren Glauben: Die Dunkelheit der Nacht und das Beängstigende des Lebens sind nicht allmächtig. Dieser Glaube hat nur ein ganz einfaches Dogma: Hab keine Angst, die Welt ist – trotz allem – gut.

Sprecherin:

Diese Religiosität des Alltags hält uns lebendig und inspiriert uns: Sie ist die Basis, auf der eine Bindung an eine Kirche oder religiöse Institution weiter aufgebaut werden kann oder eben auch die Entscheidung für den Atheismus. Diese weltliche Spiritualität, die in uns lebendig ist, wird noch von der abstrakten Gegenüberstellung von gläubig und ungläubig oder von christlich und atheistisch erlebt. Weltliche Spiritualität ist wichtig, weil sie uns erleben lässt, wie wir über das eigene Ego und die begrenzte Welt hinausblicken.

Sprecher:

Philosophen, Sozialwissenschaftler und auch Theologen können diese elementaren religiösen Empfindungen mitten im Alltag nicht übersehen. Der österreichische Sozialwissenschaftlers Thomas Luckmann hat dazu 1967 seine Studie unter dem Titel „Die unsichtbare Religion“ veröffentlicht. Angesichts der Macht der Kirchen als Institutionen sollten auch die vielen Beispiele individueller, also eher unsichtbarer Formen von Religiosität wissenschaftlich gewürdigt werden. Thomas Luckmann

schreibt:

Zitator:

Jeder Mensch hat ein Wertesystem, das für ihn heilig und absolut geltend ist. Heute bilden sich Menschen in ihrer Privatsphäre ihre individuelle Religiosität. So schaffen sie sich Werte und Themen, denen sie eine entscheidende, letzte Bedeutung zuweisen.

Sprecherin:

Diesen Mittelpunkt im Leben entfaltet jeder Mensch auf seine persönliche und individuelle Art, etwa bei der Frage: Worauf freue ich mich am meisten? Welche Gemein-schaft von Menschen erlebe ich als Wohltat, vielleicht sogar als Stärkung, so dass ich immer wieder gern mit ihnen zusammen bin? Wie erlebe ich meine Dankbarkeit für schöne Stunden? Und: Wem oder was kann ich zutiefst dankbar sein?

Sprecher:

Als Mittelpunkt ihres Lebens bezeichnen Menschen auch Hobbys, wie das Fußballspiel mit der geradezu innigen Liebe zu einem Verein; es kann auch der ständige Besuch im Fitness-Studio sein, wo alles für den perfekten Körper getan wird. Zentral für ihr Leben nennen andere ihre Begeisterung für Mozart oder Wagner. Oder ihre völlige Hingabe an die Arbeit, von der nicht nur Manager, sondern auch Künstler und Schriftsteller sprechen. Immer gilt es, einem hoch geschätzten Wert zu entsprechen, dem man sich voller Hin-gabe und Begeisterung zuwendet. Diese intensive emotionale Bindung an das Erhabene nennt man auf Lateinisch „religio“, also Religion.

Sprecherin:

Der Begründer der Soziologie in Frankreich, Emile Durkheim, wollte diese vielfältige Bindung an Werte sortieren, differenzieren und Schwerpunkte setzen: Für ihn ist entscheidend die starke Verbundenheit mit grundlegenden humanen Werten. Sie finden in den allgemeinen und universellen Menschenrechten ihre sprachliche Gestalt. Darin sieht Durkheim die allen gemeinsame Religion der Moderne. Emile Durkheim lebte von 1858 bis 1917; zuletzt war er Professor an der Sorbonne in Paris. Dort hat er die Menschenrechte als etwas Heiliges verteidigt:

Zitator:

Wer auch immer einen Menschen angreift, erfüllt uns mit einem Gefühl der Abscheu. Die Person hat etwas von der transzendenten Majestät, welche die Kirchen zu allen Zeiten ihrem Gott verleihen. Dieses Gefühl der Abscheu bei Gewalt gegen einen Menschen ist ähnlich dem Gefühl des Gläubigen, wenn er erlebt, wie sein göttliches Idol nicht respektiert wird.

Sprecher:

Natürlich propagiert Durkheim nicht die Anbetung des Menschen durch den Menschen. Er will auch keine neuen Kulte entwickeln, die wie zur Zeit der Französischen Revolution, die Vernunft des Menschen zur Göttin bzw. zum Götzen erklärten. Durkheim denkt nüchtern und kritisch: Wer die menschliche Person heilig nennt, meint ihre unantastbare Würde, den Schutz, die Förderung und die Pflege, die sie absolut verdient. Vor aller konfessioneller religiöser Bindung, so unterstreicht Durkheim, gibt es diese allen gemeinsame Erfahrung der Erhabenheit und Heiligkeit der Person. Und diese Vorschläge wirken noch heute weiter: Etwa bei dem katholischen Soziologen und Philosophen Hans Joas. Er lehrte viele Jahre in Chicago und Freiburg im Breisgau. Vor kurzem erschien sein Buch „Die Sakralität der Person“, darin schreibt er:

Zitator:

Der Glaube an die Menschenwürde ist eine Form, den Menschen als ein heiliges Wesen anzusehen. Ohne diese Überzeugung hätte es nie eine Abschaffung der Sklaverei gegeben. Und aus der Vorstellung einer von Gläubigen und Nichtgläubigen geteilten Erfahrung von Heiligkeit des personalen Lebens ergeben sich heute politische Konsequenzen.

Sprecher:

Von dieser Einsicht in die Heiligkeit der Person lassen sich zahlreiche Theologen inspirieren. Für den protestantischen Theologen Wilhelm Gräb von der Berliner Humboldt Universität ist sie die Basis. Denn nur so können das Fragen und Suchen des einzelnen Menschen absolut ernst genommen werden, meint Gräb. In einem Vortrag zum Thema: „Religion – eine Angelegenheit des Menschen“ sagte er kürzlich:

Zitator:

Wir sollten von der Gleichsetzung loskommen, die darin besteht, Kirchlichkeit und Religion zu identifizieren. Religion ist doch zuerst das gefühlte Vertrauen in den Sinn des Daseins. Und dieses Gefühl haben alle Menschen! Auch wenn also das Wort Gott im modernen Lebenszusammenhang nicht gebraucht wird, machen doch Menschen religiöse Erfahrungen, wenn sie fragen: Was gibt meinem Leben Inhalt und Sinn. Die Theologie muss diese Fragen ernst nehmen. Wir brauchen eine Theologie, die die Menschen völlig respektiert und keine anderen Interessen hat, als den Menschen zur besseren Klarheit über die eigene Spiritualität zu verhelfen.

Sprecherin:

Auch für den katholischen Theologen und Jesuiten Karl Rahner gibt es keinen Zweifel: Alle Menschen machen als geistvolle Wesen auch religiöse Erfahrungen. Damit will er nicht Atheisten und Agnostiker in den Schoß von Mutter Kirche heimholen. Er würdigt nur elementare Formen geistigen Lebens, die als Hinweise auf die Transzendenz zu ver-stehen sind. Karl Rahner betont in seinem Aufsatz „Selbsterfahrung und Gottes-erfahrung“:

Zitator:

Mitten im Alltag ereignet sich eine Erfahrung Gottes. Um nur ein Beispiel zu nennen: Wenn man plötzlich die Erfahrung personaler Liebe macht und das Geschenk einer Begegnung und plötzlich selig erschreckt, wie man in Liebe absolut, bedingungslos angenommen wird. Darum meine ich: Wenn die Menschen, auch die so genannten Atheisten, unbedingte Treue, absolute Wahrhaftigkeit und selbstlose Hingabe an das Wohl anderer kennen und leben, dann wissen sie irgendwie schon etwas von Gott.

Sprecher:

Beobachter der religiösen Situation in Ostdeutschland melden da ihre Fragen an: War denn nicht die Werbung für den Atheismus und der Kampf gegen die Kirchen in der DDR so stark, fragen Pfarrer und engagierte Christen zwischen Rostock und Chemnitz, dass sich letztlich der Atheismus durchgesetzt hat? Sind diese so genannten Atheisten wirklich irgendwie noch religiös? Heute nennen sich nur 15 Prozent der Menschen in den neuen Bundesländern Christen.

Sprecherin:

Die Leipziger Soziologie-Professorin Monika Wohlrab-Sahr hat bei ausführlichen Befragungen von Bewohnern der ehemaligen DDR entdeckt, dass auch dort bescheidene, aber ungewöhnliche Formen von Transzendenz erlebt wurden: als Überschreitung des alltäglichen Einerleis. In ihrem Buch „Forcierte Säkularität“ schreibt Monika Wohlrab-Sahr:

Zitator:

In den Interviews lobten die Gesprächspartner die damaligen Ideale, etwa den gemeinschaftlichen Zusammenhalt der Menschen in der DDR; sie lobten das Ideal der Ehrlichkeit untereinander in dem kleinen überschaubaren Alltag. Auch das Ideal der Solidarität wurde hervorgehoben. Ausdrücklich betonen die Interviewpartner, dass in ihrer Erinnerung das egoistische Leben nicht so verbreitet war. Man habe mehr füreinander statt nebeneinander gearbeitet, sagen sie.

Sprecher:

Menschen können wichtige Werte und Ideale auch dann hoch schätzen, wenn sie in einer religionsfeindlichen Gesellschaft aufwachsen. Das Bestreben des menschlichen Geistes, sich geistige Mittelpunkte und spirituelle Zentren im Leben zu schaffen, verbindet nämlich alle.

Sprecherin:

Natürlich fördern nicht alle Ideale oder Werte in gleicher Weise die freie, selbst-bestimmte Individualität. Es mag ja im persönlichen Erleben durchaus faszinierend sein, wenn ich mich mit ganzer Hingabe meinem Motorrad widme. Vielleicht spielt da eine Bewunderung für die technischen Leistungen der Menschen hinein, vielleicht sogar ein Respekt vor dem schöpferischen und erfinderischen Geist. Aber es kann auch gefragt werden, ob diese erhöhte Aufmerksamkeit für eine Maschine meine persönliche Entwicklung fördert, mich also zu größerer geistiger Weite und Reife führt.

Sprecher:

Der Philosoph Erich Fromm ist zwar als Psychotherapeut überzeugt, dass jeder Mensch eine intensive Bindung an einen zentralen Mittelpunkt im Leben braucht. Nur so kann er die eigene enge Welt überhaupt ertragen und möglicherweise auch übersteigen, um sie besser und gerechter zu gestalten. Aber für den Psychologen Fromm steht fest: Es sollten niemals irdische Dinge und leibhaftige Menschen so verehrt werden, wie ein Gott. Jeglicher Götzendienst macht den Menschen unfrei und tötet den lebendigen Geist und die Kreativität. Deswegen schärft Erich Fromm seinen Lesern ein:

Zitator:

Der Kampf gegen den Götzendienst kann Menschen aller Religionen und auch Menschen ohne Religionen vereinen, und zwar gerade um der geistigen Freiheit willen und der personalen Entwicklung eines jeden. Bindung an höchste Werte darf nie zum Götzen-dienst werden.

Sprecherin:

Diesen kritischen Hinweisen schließen sich auch Theologen an. Zum Beispiel der Hamburger Jesuitenpater Paul Bolkovac. Bis zu seinem Tod 1993 war er in der Hanse-stadt tätig. Ihn beschäftigte die Frage: Wo sind die Maßstäbe, um das Wertvolle im eigenen spirituellen Leben zu unterscheiden von dem, was mich in den engen Rahmen meines Alltags nur einschließt? Wie kann ich in der Bindung an höchste Werte seelisch gesund bleiben und reifen? Paul Bolkovac schreibt in dem Buch „Atheismus kritisch betrachtet“:

Zitator:

Im praktischen Leben wird deutlich, wofür oder wogegen der Mensch steht. In der Praxis, in den praktischen Interessen, wird sichtbar, ob ein Mensch mit Heiligem zu tun hat oder mit einem Götzen. Maßstab der Erkenntnis ist für mich das Gebot der Liebe zu sich selbst und zum Nächsten. Darum kann man sagen: Wer in seinem praktischen Alltag nichts tut, um das Miteinander und Füreinander der Menschen zu fördern, geht seinen Weg fern von Gott und ohne Gott. Gottlos ist derjenige, der im Egoismus befangen bleibt. Diese Atheisten, also diese Egoisten, gibt es quer durch alle Weltanschauungen, unter Christen wie unter Nichtchristen. Und jeder einzelne Mensch, wenn er Egoist bleibt, bewegt sich in dieser Zone der Gottlosigkeit.

Sprecher:

Die höchsten spirituellen Werte, für die sich die Menschen so vielfältig entscheiden, können also auf ihre Qualität hin befragt und überprüft werden. Das Heilige mitten im Alltag wird dann als wertvoll erfahren, wenn es die Liebe zu sich selbst wie die Liebe zum Nächsten und Fernsten fördert. Diese Aussage ist alles andere als pathetisch oder bloß poetisch, meint der Philosoph Maurice Blondel. Denn wer liebt, so sagt er, erlebt zugleich auch seine geistige Energie, sie ist eine Gabe, die den Menschen auszeichnet. Diese Liebe nennt Blondel auch die heilige Unruhe, denn sie führt über die Enge der Welt hinaus in eine offene Transzendenz, an die sich Gläubige wie Atheisten gleichermaßen halten können.

 

Zum Autor:

Christian Modehn, Theologe und Journalist aus Berlin;   http://religionsphilosophischer-salon.de/

 

Literaturangaben:

Umberto Eco (mit Cardinal Martini) „Woran Glaubt, wer nicht glaubt“, DTV Taschenbuch 1999

Peter L. Berger, Auf den Spuren der Engel, Herder Spektrum, Freiburg 1991

Thomas Luckmann, Die unsichtbare Religion, Suhrkamp, Frankfurt 1991

Emile Durkheim, „Der Individualismus und die Intellektuellen, 1898, zit. in Hans Joas, Die Sakralität der Person, Suhrkamp Verlag 2011.

Hans Joas,  Die Sakralität der Person, Suhrkamp, 2011.

Wilhelm Gräb, Religion, eine Angelegenheit des Menschen, Vortrag 2014, gehalten in Wien, bisher nur veröffentlicht in: www. religionsphilosophischer-salon.de

Karl Rahner, Selbsterfahrung und Gotteserfahrung in: Karl Rahner, Schriften zur Theologie Band X., Benziger Verlag Zürich, 1972.

Monika Wohlrab Sahr, Forcierte Säkularität, Campus Verlag Frankfurt 2009

Erich Fromm, Gesamtausgabe,  Band VI, darin „Ihr werdet sein wie Gott“. Deutsche Verlagsanstalt, 1980.

Paul Bolkovac, „Atheismus im Vollzug – Atheist durch Interpretation“, in „Atheismus kritisch betrachtet“

(hg. von Emerich Coreth) Walter Verlag, 1971

 

 

 

 



Vom Glauben an ein “Höheres Wesen”

28. November 2010 | Von | Kategorie: Denken und Glauben, Religionskritik

Vom Glauben an ein „Höheres Wesen“. Eine Bemerkung vorweg:
„Ich bin weder gläubiger Christ noch fühle ich mich als Atheist. Ich glaube nur noch an etwas Höheres, Größeres“. Ein Bekenntnis, das heute in allen Teilen Europas immer mehr Menschen formulieren. Religionssoziologen bestätigen diesen Abschied vom „klassischen“ biblischen Gottesbild. In den Niederlanden wird schon von der stetig wachsenden Konfession der „Ietsisten“, also der „Etwas – Gläubigen“, gesprochen. Theologen untersuchen dort dieses Phänomen. In Deutschland gab es schon in der Romantik Menschen, die angesichts außergewöhnlicher Lebenserfahrungen ins Staunen gerieten: „Da muss es doch noch etwas geben zwischen Himmel und Erde“… In den neuen Bundesländern ist diese Überzeugung längst zur „zahlenmäßig größten Spiritualität“ geworden, wie Forscher an der Universität Leipzig betonen. Aber auch immer mehr Kirchenmitglieder im „Westen“ begrenzen ihre Spiritualität auf die Verehrung dieses „höheren Etwas“. Ist dieses unnennbare „Etwas“ vielleicht sogar der letzte Gott, den man, von allen Eigenschaften befreit, als säkularer Mensch heute noch bejahen können?

Die Langfassung der Radiosendung:
WDR am 13, Mai 2010 um 8.30.

„Da muss doch noch etwas sein…“
Wenn Menschen noch an ein „Höheres Wesen“ glauben
Von Christian Modehn

Der Text wird hier so präsentiert, wie er für eine Hörfunk Sendung üblich ist.

1.SPR.: Erzähler
2.SPR.:Zitator
3.SPR.:ÜbersetzerIN

31 O TÖNE insges. 17 45“.

1. O TON, 0 31“, Bärbel Jaeschke
Im Grunde interessiere ich mich für das Baudenkmal Kirche, weil die alten Kirchen sehr interessant sind und die bunten Fenster, wie das Licht einfällt. Dann hat es sich so ergeben, nachdem mein Mann gestorben war, dass ich zum ersten Mal eine Kerze angezündet hatte, beim nächsten Kirchbesuch irgendeiner anderen Kirche habe ich dann wieder eine Kerze angezündet.

1. SPR.:
Bärbel Jaeschke, im Ruhrgebiet aufgewachsen, lebt jetzt an der Ostsee. Vor einigen Jahren ist sie aus der Kirche ausgetreten.

2. O TON, 0 15“, Bärbel Jaeschke
Ich sehe die Kirche nur als etwas Gesetzgebendes. Wenn ich so sehe, was in der Katholischen Kirche passiert: Für meine Person muss ich das total ablehnen, weil sehr viel Verlogenheit für mich darin steckt.

1. SPR.:
Auch an der offiziellen Kirchenlehre hat Bärbel Jaeschke kein Interesse. Für sie ist allein wichtig ihr privater, persönlicher Glaube. Ihre Hoffnung wird unterstützt von einem bescheidenen Ritus, dem Anzünden einer Kerze für ihren lieben Mann:

3. O TON, 0 26“, Jaeschke
Das drückt Verbundenheit aus oder Sehnsucht oder Erleuchtung. Ich kann es nicht genau beschreiben, warum. Mittlerweile ist es allerdings zur gewissen Tradition von mir geworden. Wenn ich in eine Kirche gehe, suche ich den Kerzenständer auf und zünde für meinen Mann eine Kerze an. Es ist irgendetwas Überirdisches, ich weiß es nicht.

1. SPR.:
Selbst wenn sich Bärbel Jaeschke vom Glauben der Kirche verabschiedet hat:, unreligiös oder atheistisch ist sie nicht geworden. Sie lebt in Verbundenheit mit „irgendetwas Überirdischem“, wie sie sagt. Auch Musik erleben viele Menschen als eine offene, undogmatische religiöse Sprache. Sie gehört nicht mehr zu dieser „irdischen Welt“, meint Nikolaus Wilcke, er arbeitet als Pädagoge.

4. O TON, 0 46“. N. Wilcke
Um Abstand vom Alltag zu finden oder auch die Herausforderungen des Schicksals zu bewältigen, zu überstehen, hilft mir vor allem das Hören vom klassischer Musik. Es ist für mich wie das Eintreten in eine andere Welt, vor allem in den Solopartien von Opern oder auch Kantanten erlebe ich den Ausdruck von Demut, Erhabenheit Schmerz Liebe und Erbarmen. Also meinen ganzen Weltschmerz, wenn man so will, der durch die Musik ausgedrückt wird und in eine andere, vielleicht geheimnisvolle Wirklichkeit gehoben wird. Dort bekomme ich neue Kraft, die andere vielleicht in einem Gebet oder einer Meditation finden.

1. SPR.:
Es gibt viele Möglichkeiten, „die geheimnisvolle Wirklichkeit“ mitten im Alltag zu berühren. Einige Menschen zieht es in die Natur, wenn sie meditieren wollen. Uli Scheidl möchte deswegen auf seinen Garten in Brandenburg nicht mehr verzichten:

5. O TON, 0 19“, Scheidl
Herrlich, herrlich. Ich setz mich manchmal um halb sechs hier hin. Die Sonne kommt hoch, die Vögel zwitschern, das ist Beruhigung für die Seele. Das ist einfach schön, kann man gar nicht beschreiben. Die ganze Natur ist ein Wunder. Wie ist die Erde überhaupt entstanden? Normalerweise ist der Mensch viel zu klein, um das zu begreifen.

1. SPR.:
Es sind nicht überschwängliche Esoteriker oder enthusiastische Charismatiker, die von „etwas Wunderbarem“ mitten im Leben sprechen. Sie sind nur überzeugt, dass es eine in sich abgeschlossene, bloß „weltliche Welt“ nicht gibt. Und damit befinden sie sich in guter Gesellschaft. Von einem Verschwinden der Spiritualität oder von einem Triumph des Atheismus spricht heute in Europa kein Soziologe mehr und auch kein Philosoph. „Gott ist tot“ – Diese These wurde noch Ende der neunzehnhundertsiebziger Jahren von Religionssoziologen und Theologen lautstark verbreitet. Die Entwicklung neuer Formen der Frömmigkeit scheint sie jedoch zu widerlegen. Und die außerkirchlich Frommen sind keineswegs immer fundamentalistisch oder evangelikal geprägt. In den Niederlanden z.B. bilden viele tausend Menschen eine Art „neuer Konfession“. Sie ist eher nüchtern, rational, sie kennt keine festen Strukturen und hat keine feste Glaubenslehre. Diese Menschen halten sich für „Ie-t-sisten“. Mit diesem Titel beziehen sie sich auf das niederländische Wort „iets“: Es bedeutet – ganz schlicht – „etwas“. Der Amsterdamer Pastor Dik Mook:

6. O TON, 0 18“, Dik Mook.
Ietsismus heißt: Man glaubt an etwas, weil man nicht glauben kann, dass es NICHTS gibt. Es gibt etwas, da muss etwas sein, das mehr ist, als wir uns denken können, was mehr ist, was wir sehen können.

1. SPR::
„Irgendetwas Besonderes, Erstaunliches oder Wunderbares wird es schon geben“: Im Plauderton, vielleicht am Stammtisch, lässt sich ein solches „Bekenntnis“ schnell formulieren. Aber: Sprechen da die ernstzunehmenden Ietsisten, die „An – Etwas – Glaubenden“? Der protestantische Theologe Herbert Wevers aus Den Haag will doch lieber differenzieren:

7. O TON 0 41“, Herbert Wevers
Iestismus – ist das nicht artikulierte Glauben der ganz großen Menge der Bevölkerung. Das ist ein oberflächliches Glauben. Man sitzt im Sofa, die Beine hoch und denkt ein bisschen mit einem Glas Wein über das Leben. Und nicht so viel weiter. Das ist der dünne Ietsismus. Und man hat auch das dicke Ietsimsus, das ist positiver, ein erster Schritt im Glauben.

1.SPR.:
Mit diesen „dicken“ Ietsisten, wie Herbert Wevers sagt, also denen, die ernsthaft nach einem tragenden Grund der Welt und den Konsequenzen daraus fragen, setzen sich Theologen auseinander, zum Beispiel Professor Gijs Dingemans. Er hat bis zu seiner Emeritierung an der Universität Groningen gelehrt und dabei viele Menschen kennen gelernt, denen die alten, schlichten Gottesbilder der Kindheit zerbrochen sind.

8. O TON, 0 19“ Dingemans,
Dann gibt es sehr viele Leute, die suchen und die sagen, ich hab von der Kirche aus und von meiner Jugend so viel mitgekriegt, das muss ich erst mal loswerden und zu einem Nullpunkt oder so etwas kommen, und dann kann man vielleicht etwas weiter kommen.

1. SPR.:
An „Gott Vater“, der im Himmel thront, zu glauben ist zu viel verlangt für manche vernünftige Menschen. Viele religiös Interessierte in ganz Europa haben auch Probleme, einen „Herrn, der alles so herrlich regieret“, zu verehren. Wer sich von angelernten religiösen Formeln und Lehren befreit, meint an den religiösen Nullpunkt zu gelangen, aber spürt doch eine merkwürdige Nähe von „Etwas“ Göttlichem:

9. O TON, 0 34“, Dingemans
Das Zurückgehen zu einer Nullinterpretation, also dass etwas sein muss, habe ich in Verbindung gebracht mit einer Sache, die in allen Religionen anwesend ist, das ist das Mysterium, dass es etwas gibt, das heilig ist. Das, was unbedingt angeht. Und ich sehe, dass viele Leute suchen, wo fühle ich das Geheimnis der Welt, wie kann ich damit etwas weiterkommen, wie kann ich das erfahren.

1. SPR.:
Und die Menschen finden für dieses „Geheimnis der Welt“ ihre eigene Antwort. Sie fühlen sich gestärkt sich von einem „überirdischen „Etwas“, das sogar den Tod überdauert. Barbara Jaeschke:

10. O TON, 0 23“, Bärbel Jaeschke
Der Mensch besteht aus Energie. Und in der Physik haben wir ja gelernt, Energie geht nicht verloren, sie kann umgewandelt werden. Und diese Energie, die ja in einem Körper steckt, der dann stirbt, die entweicht diesem Körper, wird umgewandelt und ist auch irgendwo noch vorhanden, weil Energie einfach nicht verloren geht.

1. SPR.:
Eine persönliche Antwort auf die Herausforderung der eigenen Endlichkeit: Eigenwillig vielleicht, aber wahrhaftig. Mit eindeutigen, wissenschaftlich – exakten Antworten ist bei diesem Thema ohnehin nicht zu rechnen. Der Sinn des Lebens und der Sinn des Sterbens, dieses große „Warum“, bleibt auch für den Theologen Gijs Dingemans immer etwas Geheimnisvolles.

11. O TON, 0 15“, Dingemans
Wir haben verschiedene Antworten auf die Weise, worauf wir das Mysterium sehen. Ich denke, es wäre besser, als wir nicht die Wahrheitsfrage stellen. Da kommt man nicht weiter, wer die Wahrheit hat.

1. SPR.:
In Holland begleiten einige Pfarrerinnen und Pfarrer ausdrücklich auch Menschen außerhalb der Kirchengemeinden. Oft sind es „Ietsisten“, die sich bei ihrer Suche nach dem „Etwas“, dem Mysterium, sogar nach neuen Ritualen sehnen. Jeder zweite Niederländer ist aus der Kirche ausgetreten; für diese Menschen kommen die klassischen katholisch oder evangelisch geprägten Riten nicht mehr in Frage. Pfarrerin Christiane Berckvens (Aussprache?) stammt aus Belgien, sie arbeitet in der holländischen Remonstranten – Kirche als „Ritual-Lehrerin für Ietsisten“:

12. O TON, 0 48“, Christiane Berckvens
3. Sprecherin:
Es gibt viele Menschen, die wollen einen Übergangsritus beispielsweise anlässlich einer Geburt, Hochzeit oder Bestattung. Viele Menschen, die nicht einer Kirche angehören, wünschen einen Ritus, der etwas ihrem Leben mehr Tiefe verleiht. Darin zeigt sich ein spirituelles Bedürfnis! Deswegen entwickele ich Riten für die unterschiedlichen Menschen, etwa, wenn ein Partner gläubig ist und der andere nicht. Wichtig ist allein, mit diesen Menschen die Spiritualität zu vertiefen.

1.SPR.:
Und diese „Hilfe“ beginnt bei neuen religiösen Riten zur Geburt eines Kindes, sie gilt für Eheschließung oder auch Ehescheidung sowie für die Trauerfeier. Die Etwas–Gläubigen erleben die neuen Riten als Hilfe, den Übergang in neue Lebensphasen zu bewältigen. In repräsentativen Umfragen, wie z.B. dem „Religionsmonitor“, wurde deutlich: 15 Prozent der nicht–religiösen Menschen beten noch regelmäßig. Und eine noch größere Gruppe von bisher ungläubig genannten Menschn bezeichnet sich ausdrücklich als spirituell interessiert. Im Angesicht des Todes suchen offenbar sehr viele Menschen nach etwas Bleibendem, vielleicht Zeitlosem. Andrea Richau gestaltet als Rednerin Trauerfeiern in Berlin. Sie versteht sich als atheistische Humanistin, organisiert aber doch regelmäßig wie sie sagt, etwas „romantische“ Feierstunden für Trauernde.

13. O TON, 1 01“, Andrea Richau.
Wir haben immer wieder dasselbe Motto: Nicht derjenige ist tot, der gestorben ist, sondern derjenige, der vergessen wird. Das heißt, alle, die kommen, schreiben den Namen auf, der ihnen wichtig ist an dem Tag. Und die Namen werden vorgelesen und für jeden eine Kerze angezündet. In diesem Kerzenschein spiegelt sich Warmherzigkeit, Ruhe, Besinnung, auch ein Leuchten. Und das Schöne ist ja, wie sich Erinnerungen in Gesprächen von Generation zu Generation weiterreichen. Das verknüpft sich für mich z.B. mit dem so genannten ewigen Leben. Dieses ewige Leben, das eben sich aufhebt in den Erzählungen derer, die es mit denjenigen zu tun hatten. Also ein Urenkel z.B. erzählt: Meine Oma hatte meine Mutter gehabt, was Schöneres kann doch dem Menschen gar nicht passieren, als dass er in den Erinnerungen der anderen fort besteht.

1. SPR.:
Der Tote lebt „irgendwie“ weiter, selbst wenn Humanisten das „ewige Leben“ des Verstorbenen eher zeitlich begrenzt ansetzen und die Erinnerung auf zwei oder drei nachfolgende Generationen einschränken. Trotzdem: Das Gedenken als eine geistige, spirituelle Haltung bleibt etwas Besonderes.

14. O TON, 0 12“, Andrea Richau
Was heißt denn Glauben? Glauben ist ja nun nicht eindeutig definiert. Glauben heißt Treue, Glaube heißt auch Unerschütterlichsein oder Glauben heißt, jemanden mein Herz verschenken.

1. SPR.:
Wer es nicht fertig brachte, einem Angehörigen zu Lebzeiten „sein Herz schenken“, will wenigstens noch dem Toten seine Liebe ausdrücken; ein merkwürdiger Wunsch, für den die Bestatterin Claudia Marschner in Berlin durchaus Verständnis hat: Sie nimmt die Menschen ernst, die meinen, dass die Toten in „irgendetwas Überirdischem“ noch erreichbar sind:

15.O TON, 0 23“, Marschner.
Hier gibt es einen Briefkasten: Und wenn du wütend bist, traurig bist, wenn du noch Fragen offen hast, weil deine Mutter sich das Leben genommen hat oder durch einen Unfall gestorben ist oder dein Freund oder deine Oma, dann kannst du einen Brief schreiben, den ganz geheim zukleben, der wird nicht gelesen, und in die Post to heaven geben. Und da ist auch ne Briefmarke, die kostet auch Geld, das ist richtig ein Postamt.

1. SPR.:
Mit dem kleinen Unterschied, dass dieser Briefkasten von der Bestatterin geleert wird. Wenn 20 Briefe zusammengekommen sind, werden sie im Krematorium feierlich verbrannt, die Verfasser der Briefe sind dann dabei:

16. O TON, 0 07“, Marschner
Und die Asche ist dann Zeichen nach der Kremierung für die Ankunft der Briefe. Und dann ist die Post im Heaven.

1. SPR:
Post in den Himmel senden: Der individuellen Suche nach „etwas Überirdischem“ sind heute keine Grenzen gesetzt. Religionssoziologen haben für diesen Glauben an „etwas Transzendentes“, an ein „großes Weltgeheimnis“, einen Begriff geprägt: „Believing without belonging“. Glauben, ohne einer festen Konfession anzugehören. Volker Krech arbeitet als Religionssoziologe an der Universität Bochum:

17. O TON, 0 32“, KRECH
Religionswissenschaftlich haben wir zu beobachten und zu analysieren. Und in dieser Perspektive ist es schon eine längere Entwicklung, dass zugespitzt: Hauptsache etwas glauben, woran man glaubt, wird dann gewissermaßen den religiösen Experten überlassen. Seit wir Umfragedaten haben seit den 60 Jahren in repräsentativer Hinsicht kann man durchaus diese Entwicklung bestätigen, dass die allgemeine, inhaltlich unbestimmte Religiosität zunimmt.

1.SPR.:
Diese Entwicklung ist in ganz Europa zu beobachten, nicht nur im säkularisierten Holland oder in Schweden, auch in Spanien oder Frankreich. Im Osten Deutschlands wurden über viele Jahre atheistische Überzeugungen vom Staat selbst propagiert. Aber auch dort ist ein Wandel der „weltanschaulichen Mentalität“ festzustellen, betont die Soziologin Monika Wohlrab–Sahr .

18. O TON, 0 21“ Wohlrab
Es hat sicherlich etwas damit zu tun, dass mit der Wiedervereinigung ein anderes gesellschaftliches Klima entstanden ist. Es ist mehr an Wissensbeständen verfügbar. Es ist auch nicht mehr so klar, dass religiöse Denkgebäude per se illegitim sind. Das macht einen großen Unterschied, also dass man einen breiteren Horizont an legitimen Denkmöglichkeiten hat.

1.SPR.:
Monika Wohlrab-Sahr arbeitet als Professorin an der Universität Leipzig. Mit ihrem Team hat sie kürzlich ein genaues Bild zur neuen religiösen Befindlichkeit im Osten Deutschlands gezeichnet:

19. O TON, 0 38“ WOHLRAB
In einem Teil dieser Gespräche haben wir eine Frage gestellt an die Familien, was glauben Sie, kommt nach dem Tod. Und in diesem Zusammenhang fällt eben diese Äußerung: Ich würde mir das offen lassen. Das ist gewissermaßen so eine Zwischenstellung zwischen einer klar entweder atheistischen oder christlichen Positionierung und in der Mitte eben diese Haltung: ich lass mir das offen. Man sagt klar nicht mehr dezidiert: Da kommt gar nichts. Also man ist nicht mehr klar atheistisch positioniert. Eine Tür steht offen im Hinblick auf das was da vielleicht kommen könnte. Aber es deutlich eine Grenze da gegenüber einer klar inhaltlichen Füllung.

1. SPR.:
An „irgendetwas“ Höheres und Größeres glauben: Noch sind es Minderheiten, die in den neuen Bundesländern solches bekennen. Aber besonders junge Leute orientieren sich neu:

20. O TON, 0 47“, Wohlrab
Es gibt aber natürlich auch Umfrageergebnisse, die sich auf 19 bis 29 beziehen. Da ist deutlich, dass sich eine spirituelle Öffnung andeutet.
Oder eine Öffnung gegenüber religiösen Denkräumen. Das zeigt sich auf statistischer Ebene insbesondere daran, dass diese Altersgruppen wieder stärker von sich sagen, dass sie an ein Leben nach dem Tod glauben. Also die Zahlen sind stark angestiegen. Und interessant ist, dass der Glaube an ein Leben nach dem Tod oder der Glaube, dass da was sein könnte, um es mal vorsichtig auszudrücken, nicht unbedingt was zu tun hat mit christlicher Orientierung oder hinduistischer Orientierung, also mit einer inhaltlichen religiösen Orientierung, sondern eher einen Denkhorizont aufstößt.

1. SPR.
20 Jahre nach der Wende ist also der vom Staat verordnete Atheismus alles andere als selbstverständlich.

21. O TON, 0 28“, Wohlrab
Dieses Spekulieren über das Leben hat was mit Transzendenz zu tun. Das Leben ist nicht begrenzt auf das, was hier und jetzt erfahrbar ist. .
Ob da was Göttliches mitspielt, da wäre ich vorsichtig. Ich hab den Eindruck, dass eher gedacht wird in Vorstellungen, es gibt vielleicht eine höhere Macht, aber dass diese höhere Macht doch in der Abstraktion belassen wird und nicht personalisiert im Sinne einer christlichen Gottesvorstellung etwa gedacht wird.

1. SPR.:
Kirchliche Mitarbeiter im Osten Deutschlands können diese Entwicklung aufgrund ihrer praktischen Erfahrung nur bestätigen. Die Jesuiten z.B. haben in Leipzig das Informations- und Beratungszentrum „Orientierung“ eingerichtet. Es soll katholisches Leben darstellen in einer Stadt, in der 85 Prozent der Bewohner „konfessionslos“ sind. Unter den zahlreichen Kursen zur religiösen Vertiefung finden einige ganz besonderen Zuspruch, betont Pater Hermann Kügler:

22. O TON, 0 55“ Kügler
Rein von den Zahlen her sind unsere Angebote von Yoga und Zen, diejenigen regelmäßigen Veranstaltungen, die die größte Teilnehmerzahl haben. Nämlich dreimal in der Woche jedes Mal etwa 20 Personen. Da kommen junge Leute, 20 Jährige, alte Leute bis 70, und solche, die religiös oder auch christlich, aber auch sehr viele, die keine religiöse Orientierung haben. Und offenbar merken sie etwas, das hört man ja nachher beim Nachgespräch nach den Meditationsabenden, dass sie da Erfahrungen machen, die sie in ihre wirkliche eigene Tiefe führen. Jetzt wird’s es ein bisschen lyrisch, aber anders kann ich es nicht sagen, die sie wirklich auf den Grund ihrer Seele, ihrer Existenz führen. Und es ist, als wenn sie da durch eine Tür gehen in Räume ihres Lebenshauses, die ihnen anders verschlossen werden.

1. SPR.:
Pater Kügler fühlt sich in Leipzig nicht als Missionar, er macht keine direkte Werbung für seinen klassischen kirchlichen Glauben.

23. O TON, 0 38“, Kügler
Wir haben ja in den letzten 50 Jahren einen sehr starken Individualisierungsschub. Und da ist es nicht mehr so, dass Menschen sich von einer Institution, sei es die Kirche oder der Staat, ihr Verhalten vorschreiben lassen. Sondern sie bestimmen selbst Nähe und Distanz zur Institution. Und das heißt, sie sind auch ehrlich ihren eigenen Erfahrungen gegenüber. Das heißt, das habe ich zur Kenntnis zu nehmen. Und wenn ich es dann bewerte, dann muss ich sagen: Das ist doch toll, wenn Leute in Kontakt sind mit ihrem eigenen Inneren und ehrlich sind. Manchmal sage ich: Dann hört aber bitte nicht zu früh mit dem Nachdenken und Nachfühlen auf.

1.SPR.:
Die meisten Menschen, so berichtet Pater Kügler, halten sich an einen unbestimmten Glauben an „etwas Höheres“. Aber gerade diese offene Haltung im Leben, das Fragen und Suchen, auch das Zweifeln, sind die Voraussetzungen für einen wirkliche Beziehung zu Gott. Der weltbekannte Theologe und Jesuit Karl Rahner hat immer wieder betont: Mitten im menschlichen Alltag zeigen sich die Spuren des „göttlichen Geheimnisses“. Hier eine Archiv-Aufnahme des im Jahr 1985 Verstorbenen:

31. O TON. 1 03“, K. Rahner
So etwa, wenn der Mensch plötzlich einsam wird, wenn alles einzelne wie in eine schweigende Ferne hinein sich zurückzieht und darin auflöst. Wenn alles “fraglich“ wird, wie wir zu sagen pflegen. Wenn die Stille dröhnt, eindringlicher als der übliche Alltagslärm. So etwa, wenn man plötzlich unerbittlich sich seiner Freiheit und Verantwortung überantwortet erfährt, ihr als einer und ganzer, die das ganze Leben umgreift, keine Ausflucht mehr zulässt, keine Entscheidung. Was mit Gott gemeint ist, ist zu verstehen von dieser Erfahrung her, weil sonst immer die Gefahr droht, sich unter dem Wort Gott etwas Sinnloses zu denken.

1. SPR.:
Die Suche nach dem „göttlichen Geheimnis“, dem „Mysterium“ und „Etwas“, ist ein deutlicher Ausdruck für den religiösen Wandel heute.
Religionswissenschaftler erinnern allerdings daran, dass diese Entwicklung so neu gar nicht ist. Volkhard Krech:

24. O TON, 0 18“, Krech
Soweit ich die Daten einschätzen kann, ist das schon ein länger andauerndes Phänomen. Vielleicht, wenn man tiefer in die Geschichte guckt, ist das auch eher die Ausnahme, dass man einen inhaltlich sehr bestimmten Glauben hat, und zwar eben nicht nur bei den theologischen Experten, sondern auch in der Normal-Bevölkerung.

1. SPR.:
Diese „Normalbevölkerung“ ist heute von dem allgemeinen, kulturellen Klima geprägt. Der inhaltlich eher unbestimmte Glaube an „etwas Transzendentes“ wurde z.B. schon von Philosophen im 18. Jahrhundert als authentische, menschliche Lebensmöglichkeit dargestellt. Immanuel Kant hat die klassischen Gottesbeweise zwar entschieden zurückgewiesen. Aber er hat sehr wohl in seiner praktischen Philosophie für einen vernünftig vertretbaren Glauben an „Etwas Höheres“ plädiert:

2. SPR.:
Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender
Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das
Nachdenken damit beschäftigt, der gestirnte Himmel über mir
und das moralische Gesetz in mir.

1. SPR.:
Kant denkt dabei nicht an den Gott der Bibel, sondern an die göttliche Stimme, die sich im Gewissen „unbedingt“ äußert. Das wunderbare Etwas hat also seinen Platz im menschlichen Geist! Der Philosoph Martin Heidegger hat weitergedacht und die entscheidende Frage vorgelegt: Warum ist überhaupt ETWAS und nicht vielmehr Nichts? Was ermöglicht das Bestehen der Welt? Heidegger hat dabei selbst eine Art Elementar–Religion gefördert, die heute noch aktuell sein kann, betont der Freiburger Philosoph Professor Günter Figal:

25. O Ton, 1 04“, Figal
Heidegger hat versucht, den Erfahrungsgehalt von Religion in eine philosophische Sprache zu bringen, nämlich hinter die dogmatischen Theologien zurückzugehen, also hinter die Theologien, die eine bestimmte Lehre verkünden zurückzugehen. Und das Geschehnis von Gottespräsenz als eine für sich bestehende Möglichkeit zu denken. Also er hat nicht weniger versucht, als sich vorzustellen, wie das Göttliche oder ein Gott jenseits religiöser Dogmen als geschehend erfahren werden kann. Es ist das Wesen des Göttlichen, befreit von religiösen Erscheinungsformen.

1. SPR.:
Dieses Namenlose, Heilige, das allem Dasein gewährt, ist mehr als ein abstrakter Begriff. Es kann zu einer persönlichen Spiritualität inspirieren, meint der Berliner Philosoph Lutz von Werder:

26. O TON, 0 42“, L. v Werder
Meine Konsequenz ist ein Beten ohne Worte, das heißt also ein Schweigen. Das heißt also: Wenn man am Tag einmal, zweimal absolut ruhig ist, dann ist das dem Gemeinten und Erfahrenen vielleicht am angemessensten. Eine Meditationstechnik, die ich mache, indem ich mich in einen Zustand völliger Gedankenlosigkeit begebe. Und das ist ein Zustand, der in gar keiner Weise irgendein weder positives noch negatives Gefühl hervorruft, ein Zustand der schlichten, unbefragbaren Vorhandenheit.

1. SPR.:
Christen und Theologen, die an der traditionellen Kirchenlehre und ihrer Dogmatik festhalten, haben noch ihre Probleme mit diesem relativ neuen Phänomen, dem Auftreten der „Etwas–Glaubenden“. Ein entschiedener Kritiker ist Christian Lehnert, er arbeitet als Theologe an der Evangelischen Akademie in Wittenberg:

27. O TON, 0 52“, Lehnert.
Es gibt ja eine weite Volksfrömmigkeit, dass Gott als irgendein Prinzip gibt oder dass es irgendwo ein kosmisches Wesen gibt, das Sinn mir schenkt. Und diesen Gott verehre ich, indem ich in der Natur spazieren gehe, und Sonnenaufgang genieße, das ist ja eine ganz weit verbreitete Meinung. Es ist einfach ein Zeichen von mangelnder Kompetenz im Umgang mit Religion. Weil es eben diesen Gott nicht gibt jenseits der großen Traditionsströme der christlichen Religion, ja. Diesen Gott gibt es nicht jenseits des Zentrums Jesus Christus z.B. Es gibt keinen Gott in der Natur ohne Jesus Christus. Es entstehen ja selbst gebastelte religiöse Welten. Das ist eine, für meine Begriffe, dürre Basis, weil diese selbst gemachten Bilder, wenn es denn hart auf hart kommt, oft nicht tragen.

1. SPR.
Warum können sich Menschen nicht in einem göttlichen Geheimnis genauso geborgen fühlen wie in einem als Dreifaltigkeit gedachten „personalen“ Gott? Ein göttliches Geheimnis kann doch auch „trösten“ und „Halt bieten“, meint Professor Gijs Dingemans:

28. O Ton, 0 32“, Dingemans
Ich habe mehr den Eindruck, dass Menschen, die aufgewachsen sind in einer gewissen Religion, dass sie mehr egoistisch, subjektiv sind in der Welt und mehr ihre Meinung weiter tragen als Ietsistsen. Die sind doch relativierender, sie wissen; Es gibt es ein Geheimnis, ich weiß nichts genau, wie das ist. Ietsismus führt zu Offenheit, Toleranz. Ich finde es interessant etwas von anderen Leuten zu lernen, das ist auch da drin.

1. SPR.:
Zu dieser Lernbereitschaft sind einzelne Christen durchaus in der Lage. Die Ordens – Schwester Susanne Schneider hat in Leipzig viele Kontakte mit Atheisten, Skeptikern, Menschen, die an „etwas“ glauben. Im Gespräch mit diesen Menschen hat sie zu ihrem persönlichen Gottesbild gefunden.

29. O Ton, 0 45“, Susanne Schneider.
In einer normalen guten Dogmatik, wird sogar gesagt, das ist sogar Lehre, Laterankonzil, wir können über Gott mehr sagen, was er nicht ist, als was er ist. Und das haben wir vergessen. Über Gott werden Sätze gemacht, die müssen falsch sein, weil das nicht geht, über Gott zu reden wie über einen Gegenstand. Wir wissen alles ganz genau, das stimmt nicht. Was ich wirklich als Häresie brandmarken täte, wenn ich zu klar weiß, was der liebe Gott will, was nicht, womöglich noch für andere, das ist eine Katastrophe, so hat die Kirche lange sich verhalten

1.SPR.:
Noch ist nicht abzusehen, ob ein Austausch zwischen den traditionell geprägten Christen und den undogmatischen Freunden des göttlichen Lebensgeheimnisses, den Ietsisten, gelingen kann. Offensichtlich fühlen sich viele amtliche Vertreter der Kirchen in ihrem eigenen Milieu besonders wohl, ungewöhnliche spirituelle Erfahrungen irritieren da eher. Einzelne Bischöfe empfehlen aber dringend eine dialogbereite Haltung. Zu ihnen gehört der Alt – Erzbischof von Uppsala in Schweden, Karl Gustav Hammar. Er kennt die vielen „Etwas–Glaubenden“ aus zahllosen Begegnungen und Gesprächen. Seine Vorschläge, so meint der lutherische Theologe, hätten Gültigkeit für ganz Europa:

3O. TON. 0 46“, KG Hammar
2.SPR.:
Es gibt in Schweden eine Spiritualität, die sehr eng verbunden ist mit der Natur, es gibt eine Verbindung mit dem Ganzen, der Schöpfung. Sicherlich, diese Spiritualität ist nicht kirchlich geprägt, die Leute sind nicht kirchlich gebunden. Aber sie sind doch spirituell. Aber die Kirche ihrerseits muss betonen: Nicht die Beziehung zur Kirche als einer Institution ist wichtig. Entscheidend ist die Verbindung mit der Tiefe unserer Wirklichkeit. Darüber muss man öffentlich sprechen: Die Kirche muss in dieser Situation ein Partner sein, nicht jemand, der die Lösungen und die Antworten parat hat. Wir müssen die Leute nicht „erwecken“, sondern mit ihnen zusammen unterwegs sein.
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