Michel de Montaigne: Skeptisch bleiben gegenüber einem vernünftigen christlichen Glauben

Am 13. September 1592 ist Michel de Montaigne gestorben, ein philosophierender Autor, der so gewinnend persönlich schreibt und ohne Floskeln sein eigenes Leben, als Fragen, vor dem Leser ausbreitet: In seinem so vielfach geschätzten Buch “Essais”. Es lohnt sich, vielleicht anläßlich des Gedenktages, im 2. Buch der Essais das lange 12. Kapitel “Apologie für Raymond Sebond” zu lesen. Es zeigt, wie entgegen dem Titel einer “Apologie” für einen die Vernunft lobenden Philosophen und Theologen (1385-1436) doch die skeptische Haltung Montaignes siegt gegenüber der “Macht” der Vernunft. Religiös hat Montaigne den Rationalismus abgelehnt, und die Dunkelheit des Glaubens betont. Diese Haltung eines theologischen “Fideismus”, ein “Etikett” natürlich,  wird von vielen Montaigne-Freunden und Montaigne Fans, so scheint es,  zu wenig beachtet.

Gerade heute, inmitten religiöser Debatten und Feindseligkeiten, erscheint ein Satz Montaignes wie eine kurzgefasste Religionskritik: “Unsere Religion ist gestiftet, die Laster auszurotten. Jedoch: Sie bahnt ihnen den Weg, unterhält und reizt sie noch”.

Zu diskutieren wäre weiter auch Montaignes Interesse an den Kulturen und Lebensformen „der anderen“. Es kommt für ihn auf das Geltenlassen der Pluralität und damit auch der befremdlichen Lebensformen der anderen an. Wenn die Fremden, von uns aus gesehen: die so genannten Barbaren, wild erscheinen, muss doch die Frage sein: Wie und wann sind wir Europäer selbst barbarisch, wie sind wir selbst „Menschenfresser“, etwa wenn die gebildeten und christlichen Europäer einander umbringen? Auch die Europäer sind für Montaigne wie die „Wilden“ Amerikas also selbst Kannibalen. Sind nicht die Christen aus getrennten und feindselig mit einander umgehenden Konfessionen selbst auch Barbaren und Menschenfresser, wenn man nur an die Religionskriege denkt, fragt Montaigne. Bei ihm ist das Bewusstsein der kulturellen Relativität sehr deutlich, wenn er sagt: Er selbst, als Europäer, als Franzose, sei eigentlich nicht besser und wertvoller als etwa ein Indio aus den neu „entdeckten“ Welten Amerikas. In seinem umfangreichen Buch „Essais“ sollte anlässlich des Montaigne-Gedenktages auch das Kapitel über „Über die Menschenfresser“ gelesen werden, im Ersten Buch Kapitel 31. Es ist sicher eines der schwersten und gar nicht leicht zu lesenden bzw. für manche Montaigne-Fans gar nicht „schön“ zu “genießenden” Essais.

Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.

An Michel Foucault erinnern: Von der Zerstörung der üblichen Evidenzen.

Ein Hinweis von Christian Modehn. Anläßlich von Michel Foucaults Todestag am 25.6.1984.

Michel Foucault (gestorben am 25.6. 1984in Paris , geboren am 15.10.1926 in Poitiers) ist einer der besonders anregenden Denker der Gegenwart. Er war und ist umstritten. Seine Thesen und grundlegenden Einsichten, etwa zum Humanismus und zur Frage nach dem „Wesen DES Menschen“, wurden heftig kritisiert. Oft hat man in der Polemik nicht genau hingeschaut, was er eigentlich meinte.

Foucault bleibt also ein Anreger, einer der aufweckt aus Selbstverständlichkeiten; er unterstützt subversive Formen des Lebens und Denkens. Er selbst sah sich als „Zerstörer der (üblich gewordenen) Evidenzen“, er suchte Formen der Lebenskunst in der „Nach-Moderne“. Dabei hat er sich als umfassend (historisch, psychologisch, philosophisch) gebildeter Denker selbst gewandelt, entwickelt, korrigiert.

Seine erste größere Arbeit erschien 1961. Sie bezog sich auf die Ausgegrenzten, Kranken, Unvernünftigen, für wahnsinnig gehaltenen Menschen:Wahnsinn und Gesellschaft: Eine Geschichte des Wahns im Zeitalter der Vernunft“ , „Folie et déraison“.

Die dort aufgeworfenen Fragen bleiben aktuell: Wer definiert den Wahnsinn, das Aus-dem-Rahmen-Fallen? Wer lässt es zu, dass diese Menschen eingesperrt werden? In Fez z.B gab es, so Foucault, schon im 7. Jahrhundert Hospize für Wahnsinnige. Ist die Mehrheit vernünftig und als „nichtwahnsinnige“ Mehrheit etwa auch gesund? Woher kommt dieser Anspruch? Ist die Mehrheit, etwa in der Politik, die heute wieder die Nation als absoluten Wert hochspielt, ist diese Mehrheit etwa gesund, d.h. rational auf der Höhe der Menschlichkeit? Angesichts der Kriege, die Nationalismus IMMER erzeugt, kann man da “im Ernst” noch von gesunden und vernünftigen Politikern und Bürgern sprechen? Sind Politiker, die Kriege führen, etwa Assad in Syrien, die Mörderbanden in der arabischen Welt usw., sind die alle gesund, also nicht-wahnsinnig? Warum werden diese Kategorien in dem Zusammenhag nicht angewendet? Wer verbietet diese Anwendung? Ist die Ausgrenzung bestimmter, tatsächlich schwer belasteter seelisch Kranker, auch ein Alibi für die Mehrheit, sich selbst für vernünftig zu halten? In diesen störenden Fragen sah auch Michel Foucault die Notwendigkeit neuer Philosophie: “Philosophie ist jene Verschiebung und Transformation der Denkrahmen, die Modifizierung etablierter Werte und all die Arbeit, die gemacht wird, um anders zu denken, anders zu machen und anders zu werden als man ist“ (zit. in „Metzler Philosophen Lexikon“, Beitrag Foucault, Michel, von Thomas Schäfer, Seite 224). Und noch einmal zur Bedeutung der Philosophie: „Philosophie ist eine Bewegung, mit deren Hilfe man sich nicht ohne Anstrengung und Zögern, nicht ohne Träume und Illusionen von dem freimacht, was für wahr gilt und nach anderen Spielregeln sucht“ (ebd. 228).

Foucault stellt die Frage nach der Ausgrenzung und Abschiebung der anderen, der Minderheiten, der Schwachen und Kranken aus dem großen Rahmen der sich vernünftig wähnenden Gesellschaften und Staaten. Die Frage der Ausgrenzung der Armen stellte er meines Wissens leider nicht. Dabei ist diese Ausgrenzung, Degradierung, Verachtung, Abschiebung der Armen auch in den reichen Gesellschaften des Westens und der Demo-kratien”, wo die Armen eben nicht herrschen, ein Skandal, an den sich die Mehrheit gewöhnt hat. Wahrscheinlich sind westliche “Demo-Kratien” auf dem Weg zu Pluto-Kratien”… Die “Säuberung” der Städte  in Deutschland von den Armen, besonders in den touristisch attraktiven und Geld bringenden Innenstädten, ist längst leider selbstverständlich. In Paris wohnt im Zentrum kein Armer mehr, in London nicht, in Manhattan nicht, in München nicht und in Berlin, wenn diese Politik sich fortsetzt, bald auch nicht mehr. Es sind längst Gettos entstanden. Zu diesen Hinweisen inspiriert die Lektüre von Michel Foucault.

Er stellt die Frage: Ist Vernunft vielleicht immer ausgrenzend und repressiv? Ist etwa die oft nur vorgebliche sorgende Haltung der Staaten für die Bürger nichts als eine pastorale Attitude? Bezogen auf die christliche Gemeinde hat er sich 1979 zur „pastoralen Macht“ geäußert, wo die selbst ernannten, nicht von den Gläubigen gewählten Führer und Herrscher sich als Hirten ausgeben und die Gläubigen eben zu Schäfchen machen, die sich unterdrücken lassen. Diese Arbeit Foucaults sollte theologisch endlich bearbeitet werden, zur Lektüre dieses Foucault Beitrages klicken Sie hier.

Foucault war ein Denker, der mit allem Nachdruck das Interesse auf den einzelnen, den singulären Menschen lenkte. Er wollte den einzelnen förmlich retten vor der Gewalt der (Denk) Systeme. “Das einzige was für ihn, Foucault, existiert, sind Singularitäten“, so Paul Veyne, Historiker und (explizit heterosexueller) Freund von Michel Foucault in dem Buch „Foucault. Der Philosoph als Samurai“ (Reclam, 2009, Seite 50). Auch wenn Foucault die metaphysischen und letzten und endgültigen Wahrheiten als Skeptiker entschieden zurückwies, so hat sicher Paul Veyne recht, wenn er Foucaults letztlich immer offene Haltung dann auf den Punkt bringt und damit meines Erachtens zugleich eine gültige Aussage zur Skepsis „insgesamt“ macht: “Ein Skeptiker hält es nicht für unmöglich, dass die Welt sehr anders ist, als wir sie wahrnehmen“(ebd. 51).

 

Copyright: Christian Modehn Religionsphilosophischer Salon Berlin.

 

 

Michel Foucault: Was ist eigentlich “normal”? Erinnerungen zum Todestag 25. Juni 1984

Michel Foucault (geb. am 15. Oktober 1926, gestorben in Paris am 25. Juni 1984) ist aufgrund seiner vielseitigen Begabungen und Interessen zweifellos einer der inspirierenden Philosophen der Gegenwart, von dem so viele Lebenskunst-Philosophen heute “zehren”. Unser Religionsphilosophische Salon wird besonders der Frage nachgehen, die Foucault von Anfang an bewegte: “Was ist normal ?”

Lesen Sie bitte den ausführlichen Beitrag zu Foucault, klicken Sie hier.

Eric Satie hat Geburtstag: Ein “minimalistisch” – spirituelles Gedenken am 17. Mai.

Der Komponist Eric Satie wurde am 17. Mai 1866 in Honfleur, Normandie, geboren. Er ist heute sicher ein immer wieder viel und begeistert gehörter Musiker, zudem in zahlreichen Filmen als Sound-Lieferant häufig vertreten, ein Komponist der “ganz anderen Art”. Seine “minimalistisch” genannten Klänge haben mindestens für seine Fans eine Art bleibende Gültigkeit, des immer wieder Hörbaren und zu Hörenden!

Wir erinnern an diesen wahrscheinlich etwas sehr ungewöhnlichen, wenn nicht exzentrischen Komponisten, der 1925 in Paris starb. Satie hat übrigens als Einzelgänger sich für esoterische Lehren interessiert, anglikanisch aufgewachsen, dann katholisch geworden, widmete er sich der Lehre des Rose-Croix, schließlich gründete er sogar seine eigene Kirche. Leider blieb er dort das einzige Mitglied… Entscheidend war für ihn der Kampf gegen Konventionen und Hierarchien…Man darf sich auch heute keine Illusionen machen: Selbst wenn einige wenige Stücke von Satie oft zu hören sind (als immer “verwendbare” Hintergrundgeräusche von Spielfilmen, etwa die Gnossiennes von Satie): Sein umfassendes Werk wird kaum geschätzt, kaum gehört und es wird in Konzerthallen fast nicht aufgeführt. Vielleicht, weil Satie ein großer Komponist ist, der sich über seine Hörer und über seine Interpreteten und über die offzielle Aufführungspraxis lustig machte? Dabei ist er mit der Einbeziehung von Alltagsgeräuschen, wie Schreibmaschinengeklapper und Trillerpfeifen als Klangquellen (in seinem 1917 uraufgeführten Ballett PARADE) sicher bleibend ein “Heutiger”. Man kann sich der Einschätzung des Philosophen Franz Josef Wetz (in seinem sehr lesenswerten Buch “Die Magie der Musik”, Klett-Cotta 2004) nur anschließen, wenn er schreibt: “Bis heute begegnen die meisten Menschen der Musik, die wir immer noch unterschiedslos die “Neue” nennen, rat-und verständnislos, gewissermaßen mit feindseliger Gleichgültigkeit” (S. 271).

Ein Hinweis zu Begegnungen von Satie mit dem katholischen Pfarrer Abbé Mugnier in Paris:

Es gab in Paris einen sehr ungewöhnlichen, man möchte sagen einmaligen, katholischen Priester, der in den Salons der Künstler (und des Adels) immer und ständig willkommen war als intelligenter Gesprächspartner, so etwas gab es tatsächlich in einer Zeit, als die Trennung von Kirche und Staat gerade heftig per Gesetz (1905) vollzogen wurde: Abbé Mugnier  (1853-1944). Wir haben in einem eigenen Beitrag auf Mugnier als “Salon-Priester” im Zusammenhang eines interessanten Buches von Charles Chauvin (Paris) hingewiesen; klicken Sie bitte zur Lektüre dieses Beitrags hier.

Mugnier hat von 1879 bis 1939 ausführlich Tagebuch geführt. Darin wird auch zweimal auf Begegnungen mit ERIK SATIE hingewiesen. Die Zitate sind dem Buch “Journal de l´ Abbe Mugnier”, Mercure de France, 1985, entnommen und von mir übersetzt worden. Am 17. April 1918 notiert Mugnier im Zusammenhang eines gemeinsamen Mittagessens bei Walter Berry, anwesend waren u.a. auch Picasso und Cocteau, sehr knapp, aber doch erhellend: “Satie ist 52 Jahre alt. Nachdem er über den Impressionismus sprechen wollte, wandte er sich anderem zu. Er hat die Gabe der Verjüngung (rajeunissement) und deswegen sammeln sich auch die jungen Leute um ihn. Cocteau erzählt uns, wie er Debussy empfohlen habe, Materlinck in Musik zu übertragen. Debussy sagte dann vor seinem Tod: Wie wollen Sie denn, dass aus diesem Krieg noch irgendeine Kunst hervorgeht ?”. Satie, im Gegenteil, er glaubt daran, dass nun eine Jugend hervorgeht, eine Kunst von all dem”. (Seite 334 f.).

Zum Aufenthalt Saties im Hospital Saint Joseph notiert Abbé Mugnier am 22. Februar 1925: “Gestern war ich im Hospital Saint-Joseph, wohin Erik Satie transprtiert wurde aufgrund der Hilfe des Comte de Beaumont, er bat mich auch, Satie zu besuchen. Ich habe mit ihm einige Augenblicke mich unterhalten. Und er wird auch den Krankenhauskaplan sehen. Als ich das Klinikgebäude verließ, habe ich Etienne de Beaumont und Picasso getroffen, die ihn besuchen wollten, Blumen in der Hand. Picasso machte einen sehr schlichten (“modeste”) Eindruck”. (Seite 460).

copyright: Christian Modehn

Kant und die Auferstehung Jesu. Ein Hinweis.

Kant und der Glaube an die Auferstehung Jesu. Anläßlich des Geburtstages von Immanuel kant am 22.4.1724.

In seinem Buch „Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft (1793/1794) sagt Kant (Seiten 173 f.) in der Ausgabe des Felix Meiner Verlages (2003) bzw. in der Originalausgabe Seite 191.

Dabei ist klar, dass Kant die Erkenntnisse der historisch-kritischen Bibelforschung durchaus vertraut sind.

Das Christentum ist für Kant aus dem Judentum entstanden, und zwar „plötzlich, obzwar nicht unvorbereitet“ (S. 173). Dann ist von Jesus (aus dem Judentum stammend) als dem „Lehrer des Evangeliums“ die Rede. Er kündigte sich als einen vom Himmel Gesandten an. Jesus zeigte sich als einer solchen Sendung würdig (aus dem Himmel kommend !), indem er den „Fronglauben“, wie Kant sagt, (also den veräußerlichten Gesetzesglauben) für „an sich nichtig“ erklärte, hingegen den „moralischen Glauben,“ der seine „Echtheit durch einen guten Lebenswandel beweist“, zu dem, so wörtlich, „alleinseligmachenden Glauben“ erklärte. Kommentar: Also war Jesus bereits das Vorbild des Vernunftglaubens im Sinne Kants…

Dieser Jesus hat, so Kant weiter im Text, durch seine Lehre und sein Leiden („bis zum unverschuldeten und verdienstlichen Tod“) ein Beispiel gegeben für die Gott wohlgefällige Menschheit; Jesus ist „das Ideal der Gott wohlgefälligen Menschheit“ (S. 175). Jesus „kam aus dem Himmel und ist dorthin wieder zurück gekehrt“. (Kant sieht Auferstehung Jesu und Himmelfahrt Jesu als ein „Ereignis“).

Dann kommt Kant auf die Auferstehung zu sprechen, und zwar in der Fußnote 1, S. 174: Kant hält, so wörtlich es „für die Vernunft günstiger“ die, wörtlich, „Hypothese des Spiritualismus vernünftiger Weltwesen“ anzunehmen. Dieser Spiritualismus, wie er diese Denkhaltung nennt, bedeutet: Der Körper bleibt tot in der Erde und, so wörtlich, „doch ist diese Person lebend da“, „dem Geiste nach kann diese Person (nicht aber in ihrer sinnlichen, d.h. körperlichen Qualität“) zum „Sitz der Seligen gelangen“. Das heißt für Kant: Der alte Körper wird nicht „in Ewigkeit mit geschleppt“. Dem Geiste nach kann es ein „ewiges Leben im Sitz der Seligen“ geben. Kant stellt klar, dass dies Bilder sind, auf die der Vernunftglaube sich nicht verlassen muss.

copyright: Christian Modehn

 

Ludwig Wittgenstein: Ein religiöser Philosoph?

Ludwig Wittgenstein, war er religiös? Ein Hinweis von Christian Modehn anläßlich von Wittgensteins Geburtstag am 24. April 1889.

Diese Frage zu stellen, ist naheliegend und geboten, wenn man in der Werkausgabe Band 8 “Über Gewissheit” die Notizen zum Glauben, zur Gestalt Christi und zur Lebensform des Religiösen liest. Sie sind in dem Kapitel “Vermischte Bemerkungen” zu finden, in der Suhrkamp Ausgabe (2015) Seite 445 -573.

Diese Frage wird zudem unterstützt durch die Hinweise von Dieter Henrich in seinem hoch interessanten Buch “Werke im Werden. Über die Genesis philosophischer Einsichten” (C.H.Beck Vl, 2011), Seite 45 ff. Dort zitiert Henrich Ludwig Wittgenstein, dass er “jedes Problem von einem religiösen Gesichtspunkt aus ansehe”. Zu dieser Einsicht sei Wittgenstein durch ein “Volkstheaterstück”  von Ludwig Anzengruber gekommen (“Die Kreuzelschreiber”). Darin sagt sich die Hauptfigur, auch angesichts des Behütetseins durch die Sonne: “Es kann dir nix geschehen“. “Ob gestorben oder genesen”, sagt sich die Hauptfigur, dass er “zu dem alln gehört, was ihm vor Augen liegt, und dös alls ghört zu dir”.

Diese Frage nach dem religiösen Denker Wittgenstein ist ungewöhnlich nur für jene, die Wittgenstein mit dem “Tractatus” identifizieren, aber das sind eher wenige.

Ludwig Wittgenstein (1889 – 1951): Ein religiöser, vielleicht ein christlicher Philosoph? Diese Frage kann man sich und muss sich wohl stellen, wenn etwa die Texte in dem Band „Über Gewissheit“ und dort die Notizen aus dem Nachlass unter dem Titel „Vermischte Bemerkungen“ von 1929 bis zum Todesjahr 1951 liest.

Es ist vielleicht noch erstaunlicher, Ludwig Wittgenstein auch im Zusammenhang des Themas „Auferstehung Jesu von Toten“ zu nennen, vor allem für jene, die ihn nur als den Logiker kennen, den Autor des schwierigen „Tractatus logico-philosophicus“ von 1916.

Aber Wittgenstein hat die Grenzen der logischen Positivisten früh erkannt. Er wusste: Die wissenschaftliche Weltanschauung lässt „die eigentlichen Fragen“, wie er sagt, ungelöst.

Zu unserem Thema Auferstehung findet man die besten Hinweise in dem genannten Buch Wittgensteins „Über Gewissheit“, Werkausgabe Band 8, Suhrkamp, und dort die Abteilung „Vermischte Bemerkungen“.

Mehrfach und immer wieder gibt es in dem Kapitel „Vermischte Bemerkungen“ Hinweise zum Glauben und Christentum.

Ich will hier nur eine Hauptstruktur seines Gedankens nachzeichnen:

Der Glaube ist für Wittgenstein eine eigene Welt. Glauben ist nicht beweisbar. „Glauben ist für ihn eine Art Intuition“, schreibt einer der Wittgenstein-Interpreten, Karl Nähr. Glaube ist eine Intuition, die zu einer Grundeinstellung im Leben führt, die mein Verhalten bestimmt. Glaube ist eine praktische (!) Entscheiddung für ein Bezugssystem, für eine Grundeinstellung. Siehe Karl Nähr: http://sammelpunkt.philo.at:8080/1669/1/naehr.pdf

„Der Glaube ist etwas, was mein Herz, meine Seele braucht“, so in dem längeren Text Wittgensteins zur Auferstehung aus dem Jahre 1937, Seite 495 f. in dem genannten Band 8. „Das Christentum ist keine Lehre, keine Theorie, was mit der Seele geschehen ist und geschehen wird, sondern eine Beschreibung eines tatsächlichen Vorgangs im Leben des Menschen. …. Die Erlösung durch den Glauben ist ein tatsächlicher Vorgang“. Vorgang: das meint wohl, eine innere Bewegtheit, die den praktischen Lebensvollzug bestimmt. Religion als Lebensvollzug, der stark von einer Entscheidung abhängt und nicht eine Folge logischer und philosophischer Überlegungen ist. Da spielt seine Hochachtung vor Kierkegaard hinein. Die Religion sagt: „Tu dies! Denk so! Aber die Religion kann dies nicht begründen…“ S. 491.

„Das Christentum sagt: Jetzt glaube. Verhalte dich zur Nachricht des Glaubens NICHT wie zu einer historischen Nachricht. Lass diese Nachricht eine ganz andere Stelle in deinem Leben einnehmen. S. 494

„Der historische Beweis geht den Glauben nichts an.“ Die Evangelien werden glaubend d.h. liebend ergriffen“… Das ist die Sicherheit dieses Fürwahrhaltens, nicht Anderes. S 495.

Der Kern seiner etwas ausführlicheren Notiz zum Auferstehungsglauben ist (S. 496): “Weisheit und Spekulation helfen beim Thema Auferstehung nicht weiter”. “Ich brauche Gewissheit, und diese Gewissheit ist der Glaube”.  „Nur die Liebe kann die Auferstehung glauben. Oder: Es ist die Liebe, was die Auferstehung glaubt. Man könnte auch sagen: Die erlösende Liebe glaubt auch an die Auferstehung…“

Copyright: christian modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.

 

 

Für ein modernes Völkerrecht: Der Niederländer Hugo Grotius, geboren am 10.4.1583

In unserer Reihe “Eckige Gedenktage” erinnern wir am 10.April an den Geburtstag des niederländischen Juristen und Philosophen Hugo de Groot, auf Deutsch Hugo Grotius, geboren 1583 in Delft. Zudem war er ein Freund der auf Toleranz setzenden Remonstranten-Kirche in Holland. Grotius gilt als einer der “Väter” des modernen Völkerrechts. Er ist am 28.8.1645 in Rostock (!) gestorben.

Wenn Historiker und Theologen heute wie früher über „Toleranzdiskurse in der frühen Neuzeit“ (so ein neues Buch hg. von Friedrich Vollhardt, erschienen 2015) sprechen und über Duldung religiöser Pluralität, „dann ist es auffällig, dass die großen Vordenker der Toleranz intensive Kontakte zu den Remonstranten in Holland gepflegt haben“, schreibt Professor Yves Bizeul (Rostock) in seinem Beitrag über den Philosophen Pierre Bayle. Dass sich nach all den Kriegen und Religionskämpfen die Toleranz-Idee immer mehr dann doch durchsetzte, hat verschiedene Gründe; ein entscheidender Grund ist, dass sich der „liberale Flügel des Protestantismus“ in Holland, also die Remonstranten, als starke intellektuelle christliche wie humanistische Kraft erweisen konnte. Yves Bizeul erwähnt den großen Hugo Grotius, „er stand den Remonstranten nahe“, Bizeul nennt weiter Spinoza, auch Locke „der lange Gespräche führte mit dem Remonstranten Philippe von Limborch; erwähnt wird auch, dass Pierre Bayle befreundet war mit dem Remonstranten Adrian de Paets.. (Vgl. in dem genannten Buch die Seiten 205 f.)

Es gab also schon der Mitte des 17. Jahrhunderts – in Holland – eine unter kritischen Intellektuellen angesehene (kleine) protestantische Kirche, die auch humanistische Ideale als die eigenen verstand. Über die Entwicklung einer theologisch – engen lutherischen Orthodoxie im 17. Jahrhundert ist viel geklagt worden. Es wäre wohl hilfreich zu erinnern, dass es einmal ein protestantisch-humanistisches Christentum der Toleranz gab und auch heute noch in der Remonstranten Kirche gibt. Dies wäre auch ein Thema der Reformationsfeierlichkeiten 2017. Humanismus und Protestantismus!

Nebenbei: Es gibt gelegentlich gemeinsame Veranstaltung der „Jungen Mitglieder des Niederländischen Humanistischen Verbandes NL“ und der „Jungen Remonstranten“. Eine Mitarbeiterin des neuen theologischen Instituts der Remonstranten an der „Vrije Universiteit van Amsterdam“, Christa Anbeek, hat etliche Jahre an der „Humanistischen Universität“ von Utrecht als Dozentin gearbeitet.

copyright: Christian Modehn

 

Modern im Mittelalter: Thomas von Aquin, gestorben am 7. März 1274

Modern im Mittelalter: Thomas von Aquin, gestorben am 7. März 1274

Er wurde im 19. Jahrhundert der “doctor angelicus”, also der “engelgleiche” Theologe und Philosoph genannt. Der Dominikanermönch Thomas von Aquin, gestorben am 7. März 1274, geboren 1224 oder 1225 in der Nähe der Stadt Aquino. Im Mittelalter war er modern und deswegen hoch umstritten. Vieles verdankt er den philosophischen Textsammlungen des Aristoteles. Sie stellten muslimische Philosophen (etwa Ibn Ruschd bzw. Averroes) in Europa, vor allem in Andalusien, zur Verfügung. Eine kulturelle Leistung muslimischer Wissenschaftler, für die Europa höchst dankbar sein sollte. Fast das gesamte Werk des Aristoteles wurde zuerst in arabischer Sprache nach Europa gebracht! Und durch diese Aristoteles-Rezeption wurde Thomas von Aquin zu einem damals modernen Philosophen und Theologen. Denn die weltliche Wirklichkeit  in ihrer ganzen Fülle und Vielfalt sollte vernünftig erforscht werden, das ist seine Grundhaltung;  die bis dahin übliche neuplatonische Einstellung, die in allem Weltlichen sofort die Symbolik des Göttlichen spürte, wurde überwunden. Das Argument galt, die Vernunft, der Glaube sollte nicht total die Erkenntnis bestimmen. Und dadurch machte sich Thomas von Aquin viele Gegner. Die übliche Angst ging um, die Klarheit der Vernunft und des Argumentes vernichte den (neuplatonisch gedeuteten) Glauben. Thomas von Aquin hat Licht ins Mittelalter gebracht!

Spätestens seit dem 18. Jahrhundert setzte sich seine Lehre als DIE katholische Theologie (und vom Papst einzig erlaubte Philosophie) durch. Seine Leistungen in der Aristoteles-Rezeption und sein Bemühen, ein “System” der katholischen Lehre zu schaffen, bleiben bedeutend wie umstritten. Aus dem offenen Denken des Thomas von Aquin wurde eine starre Lehre gemacht, die sich in Handbüchern als Neothomismus präsentierte. Der Schaden, den dieses totalitäre, engstirnige Denken anrichtete, ist innerhalb der Kirche enorm, Ketzerprozesse, Abwehr der Menschenrechte durch die Päpste usw. gehören dazu…Erst vor ca. 50 Jahren war es möglich, dass sich katholische Theologen und katholische Philosophen aus dem erstarrten Denken des “Neo-Thomismus” befreiten.

Aber die Vorstellungen einer machtvoll herrschenden Kletrus-Hierarchie, ein Gedanke des Thomas, sind bis heute gültig. Auch die Vorstellung, dass das “höchste Sein” Gott selbst ist oder die Lehre, dass sich Gott “beweisen” lässt, sind immer noch lebendige Ideen des Thomas von Aquin, des Heiligen. Aber wenn heute in der katholischen Ethik die Überzeugung gilt, dass Moral aus der autonomen Vernunft begründet werden muss und nicht als unmittelbares Nachsprechen biblischer Weisungen möglich ist, dann ist das eine ferne Wirkung des Thomas von Aquin: Für ihn war – grundsätzlich – die Vernunft des Menschen nichts Verdorbenes und Böses, sondern eine der wichtigsten und schönsten Gaben des Schöpfers der Welt.

Interessant ist die Einführung in das Denken des Thomas von Aquin, die der einstige Dominikaner und spätere hervorragende katholische Lutherforscher Otto Hermann Pesch verfasst hat. Sein Buch “Thomas von Aquin. Grenze und Größe mittelalterlicher Theologie” ist im Matthias-Grünewald-Verlag in Mainz 1988 erschienen, es hat 452 Seiten.

 

An (und mit) Montaigne denken: Am 28. Februar

Am 28. Februar 1533 wurde Michel de Montaigne geboren. Gestorben ist er am 13. September 1592. Wohl kaum ein anderer philosophierender Autor, den wir durchaus Philosoph nennen sollen, (denn dieser Titel ist doch nicht Universitäts-Professoren vorbehalten), hat in den letzten Jahren so viel Beachtung gefunden, so viele Leser, die mit Vergnügen seine skeptischen und wahrhaftigen Essais lesen. Und als Inspiration begreifen, das Leben “trotz allem” zu lieben.

Ein Hinweis mit einer Lese-Empfehlung:

Michel de Montaigne: Er lehrt die Menschen „wie sie mit sich selbst sprechen sollen“

Ein Hinweis von Christian Modehn

Eigentlich muss man das Werk Michel de Montaignes nicht mehr empfehlen, er ist jetzt beliebt selbst bei Menschen, die sich sonst schwer tun mit philosophischer Lektüre. Dabei wäre es auch falsch, Montaignes Denken „leicht“ zu finden. Ihm gelingt es, komplexe Lebens-Erfahrungen nachvollziehbar und in angenehmer Sprache zu benennen. Er macht Lust am Selber-Denken. Und er ist in Zeiten der Religionskriege des 16. Jahrhunderts kritisch und selbstkritisch, man lese etwa Essay 56 „Über das Beten“ bzw. über die Verlogenheiten beim Beten und die offiziell erwünschte Frömmigkeit.

Was die Lektüre der Essais, also des Hauptwerkes von Montaigne, so erfreulich macht, ist die man möchte sagen umfassende, nahezu absolute Wahrhaftigkeit des Autors; ist die Tatsache, dass da ein Mensch im Angst-besetzten 16. Jahrhundert sich ganz frei zeigt, „ich“ sagt, eigene Überzeugungen begründet, immer als Beispiel, wie Leben auf dieser verrückten und feindseligen Welt doch noch einen Schimmer des Gutseins und der Hoffnung bewahrt. Man lese seine Empfehlung zum Selbst-Denken: “Worauf ihr zu sinnen habt, ist nicht mehr, dass die Welt von euch spreche, sondern wie ihr MIT EUCH selbst sprechen sollt. Zieht euch in euer Inneres zurück, vorher aber macht alles bereit, euch dort empfangen zu können…“ (Essay 39, Über die Einsamkeit). Und vor allem: “Wir müssen uns ein Hinterstübchen zurückbehalten, ganz für uns, ganz ungestört, um aus dieser Abgeschiedenheit unseren wichtigsten Zufluchtsort zu machen, unsere wahre Freistatt…“

Unpolitisch war er nicht, bei aller Liebe zu einer skeptischen Lebenshaltung: Schon als junger Mann hat er sich als Stadtrat von Bordeaux um das Wohl der Bürger gekümmert. Und vor allem kann er darauf verweisen, dass er vier Jahre lang als Bürgermeister von Bordeaux tätig war, zur Zufriedenheit der Bürger übrigen. Allerdings hat er selbst auch negative Erfahrungen gemacht: „Die Gesetze werden oft von Hohlköpfen gemacht und noch öfter von Leuten, die die Gleichheit aller Menschen hassen und dabei ihres Sinnes für die Gerechtigkeit beraubt werden. Diese Gesetzgeber sind windige und wetterwenderische Macher…. Ich finde die Gemeinwesen am gerechtesten, die am wenigsten Ungleichheit zwischen Oben und Unten in der Gesellschaft, sagen wir zwischen Vorgesetzten und Untergebenen, zulassen“.

Nach wie vor empfehle ich die Übersetzung der Essais durch Hans Stilett, eine großartige Leistung. Zuerst 1998 im Eichborn Verlag 1998 in einer prächtigen Ausgabe erschienen.

Copyright: Christian Modehn

An René Descartes denken: 11. Februar

An René Dscartes denken:

Am 11. Februar 1650 ist René Descartes in Stockholm gestorben, zweifellos einer der wichtigsten Philosophen der Neuzeit, geboren am 31. 3. 1596 in der Touraine. Sein Denken hat die grundlegende “Mentalität” der europäischen Moderne und der “modernen” Menschen grundlegend bestimmt.

Ohne Zweifeln keine Sicherheit im Leben. Ein Hinweis von Christian Modehn. Veröffentlicht am 30.1.2016

Inmitten der Katastrophen des Dreißigjährigen Krieges, der Religionskriege in Frankreich, der gesamt-europäischen Verfolgung von Ketzern als Folge der brutal agierenden Inquisition, also inmitten einer Zeit allgemeiner Angst und Verwirrung, bietet der Philosoph René Descartes einen Vorschlag geradezu als Lebenshilfe: Es ist seine Lehre vom Zweifeln. Sie öffnet einen Weg, inmitten der Katastrophen noch einen letzten vernünftigen Boden der Lebens-Gewissheit für sich als einzelnen zu entdecken. Dies gilt, auch wenn einige seiner Lehren, etwa die Spaltung von Innenwelt und Außenwelt oder seine Einschätzung der Tiere als Gegenstände, heute überwunden werden müssen. Darin werden die Grenzen seines Denkens sichtbar.

Es gilt jedoch: Wahrheit zeigt sich dem einzelnen denkenden Menschen nur, wenn er sich seines eigenen Verstandes selbständig bedient. Die Kraft der Vernunft ist autonom, von keinem Einspruch eines Herrschers abhängig; einzig Gott, so meinte Descartes, garantiert die richtigen Leistungen der Vernunft. Auf den einzelnen kommt es an, zu fragen, zu zweifeln, darin lebt die Form des „klaren Denkens“. So muss sich der einzelne an den vorgegebenen Lehren, Dogmen, Ideologien, an den Propaganda-Sprüchen abarbeiten, um „sicheren Boden“ selbst für sich zu finden.

Philosophie des Zweifelns wird so zur Befreiung von der Macht der Autoritäten und uralten, deswegen oft falschen (weil etwa wissenschaftlichen erwiesenermaßen überholten) Traditionen.

Die religiösen Autoritäten haben genau erkannt, dass ihre Macht und Verfügung über die geistige Orientierung der Menschen durch Descartes stark bedroht wird. Sie fürchteten vor allem Descartes als Lehrer dieser neuen, emanzipatorischen Geisteshaltung. Seit 1653, drei Jahre nach seinem Tod in Stockholm, stehen seine Schriften auf der päpstlich verfügten Liste der Verbotenen Bücher (Index), 1691 folgte das königliche Verbot in Frankreich, seine Lehren an französischen Schulen zu unterrichten. Auch Universitäts-Professoren wird es untersagt, das Denken von Descartes zu verbreiten und zu lehren. Die Jesuiten veröffentlichen 1706 ein Buch, das die Lehre vom „Systematischen Zweifel“ im Sinne Descartes verbietet (Siehe Georges Minois, Geschichte des Atheismus, 2000, Seite 251), Aber diese Verbote verbunden mit der Drangsalierung von Descartes-Forschern, nützten wenig. In der allmählich antiklerikal eingestellten Gesellschaft etwa Frankreichs wurden seine Bücher mit Begeisterung gelesen, populäre Interpretationen wurden verbreitet („L art de vivre heureux selon les principes de M. Mesdcartes“ aus dem Jahr 1667. Oder, man stelle sich das heute vor, es gab spezielle Descartes-Einführungen für die Damen gelehrter Salons, etwa von René Bary. Und Madame de Sévigne, die berühmte Pariser Salonnière, ist voll des Lobes für Descartes.

Descartes ist nur ein Beispiel, wie zuvor schon in Italien, der Zweifel zu einer Art „Habitus Mentis“ wurde, wie Minois schreibt (S. 117), zu einer allgemeinen Geisteshaltung. Dabei war Descartes persönlich eher ängstlich, er wollte die Auseinandersetzungen mit der Inquisition meiden. In seinen Briefen wird seine Persönlichkeit sichtbar. Dem Philosophen Pater Mersenne vertraut er an: “Mein Wunsch in Frieden zu leben, zwingt mich dazu, meine Theorien für mich zu behalten“ (in Minois, Seite 248). D.h. er hat längst nicht „alles“ öffentlich gesagt, was ihm wichtig war. Trotzdem galten seine veröffentlichten Lehren den Herrschern bereits zu Lebzeiten als hoch gefährlich: Der Philosoph Prof. Theodor Ebert (Erlangen) hat in seiner Studie (Der rätselhafte Tod des René Descartes) gezeigt, dass Descartes in Stockholm sehr wahrscheinlich von dem französischen Priester François Viogué aus dem Augustiner-Orden vergiftet wurde, offensichtlich um Descartes „kritischen (antikatholischen) Einfluss“ auf die zum Katholizismus tendierende König Christine definitiv zu beenden.

Jedenfalls hat sich der Katholizismus in seiner Abwehr des Zweifelns (auch als gültige Dimension der Wissenschaften, der Theologien, der Bibel-Deutung usw.) selbst ins Getto der „Ewig-Gestrigen“ begeben und sich von der intellektuellen Debatte weithin verabschiedet. Die Mentalität der „von Feinden belagerten Stadt“, wie der Historiker Jean Delumeau („Angst im Abendland“) treffend sagt, galt im Katholizismus sozusagen noch bis vorgestern. Diese Abwehr von neuen Erkenntnissen zeigt sich heute etwa im rigorosen Nein zur Vielfalt der Formen der Ehe, also auch der Homo-Ehe. Dabei berufen sich die meisten Katholiken und ihre leitenden ehelosen (!) Bischöfe und Prälaten auf einige Verse aus der Bibel und praktizieren so die Methode, die einige fundamentalistische Muslime in ihrer Koran-Interpretation leisten: Wenn im biblischen Buch Genesis steht: „Als Mann und Frau schuf Gott die Menschen“, (Genesis 1, 27) so schließen die Prälaten aus dieser schlichten Tatsachen-Behauptung: Also hat Gott für alle Zeiten nur die EHE von Mann und Frau zugelassen. Solche Schlüsse entbehren jeder Logik, sie sind Ausdruck fundamentalistischer Bibellektüre. Könnte man nicht gleichermaßen den Satz aus Genesis 2, 18 zitieren: „Es ist nicht gut, dass der Mensch (hier ist der Mann gemeint), allein sei“ und folgern: Also ist wegen der göttlichen Abwehr des Alleinseins auch eine Homoehe eben als Überwindung des Alleinseins gottgefällig? Aber lassen wir den fundamentalistischen Wahn: Jedenfalls glauben die frommen und oft theologisch-dumm gehaltenen Massen diese steilen Sprüche ihrer Glaubens-Hüter, sie können und wollen eben nicht zweifeln (!), wie jetzt, anlässlich der Diskussionen und Demonstrationen gegen die „eingetragene Partnerschaft von Homosexuellen“ in Italien. Bisher hat der Vatikan das Gesetz, selbst im katholischen Spanien seit langem üblich, verhindern können. In Italien darf es eben keine Politik ohne den Vatikan geben. Die auch staatliche, gesetzliche Gestaltung der Sexualität ist die letzte eigene „Bastion“, um die die Kirche heute kämpft. Da will sie die alte Übermacht des Geistlichen über das Weltliche (so die Kämpfe seit dem Mittelalter) noch einmal demonstrieren. Langfristig ist dieser Kampf – Gott sei Dank – vergeblich.

Man sieht, wie aktuell Descartes heute sein kann: Der Zweifel als Lebenshaltung wäre gerade heute eine Tugend, sie könnte die Leichtgläubigkeit beenden, das schnelle Urteilen einschränken, das mediale „Immer schon wissen, was genau passiert ist“. Der Zweifel als Haltung auch der Politiker würde Abstand bringen zum Stress, den Propaganda-Sprüche verursachen. Der Zweifel könnte eventuell den Wahn religiöser Fundamentalisten eben zweifelhaft und falsch erscheinen lassen. Aber die Macht derer, die schnelle Sicherheit versprechen, ist so groß, dass die Tugend des Zweifelns wenige Chancen hat, bestimmend zu werden. Gerade in Zeiten, die von übereilten, so wenig kritischen und selbstkritischen Äußerungen zum Thema Flüchtlinge bestimmt sind, wäre Zweifeln sozusagen die „heilige Tugend“ der Menschen. Aber wehrt lehrt das Zweifeln? Sind Schulen und Universitäten Orte des systematischen Zweifelns? Sollten es christliche oder buddhistische oder jüdische und muslimische Gemeinden nicht auch sein, Orte des selbstkritischen Zweifelns?

Aber viele Menschen können das eigene Zweifeln kaum aushalten, weil sie sich lieber selbst an schnelle, falsche Antworten halten als an das geduldige, die Wahrheit erkundende Fragen. Weil sie im Zweifeln also eine Bedrohung ihrer Existenz sehen und nicht wahrnehmen, dass die ganze Kunst des Lebens darin besteht, am angenommenen und gelebten Zweifeln nochmals selbst zu zweifeln. Um dabei zu entdecken, dass der Zweifel eine Dimension und eine Form der Aktualisierung des menschlichen Geistes ist.

Copyright: Christian Modehn

 

An Friedrich Wilhelm Joseph Schelling denken.

An Friedrich Wilhelm Joseph Schelling denken.

Am 27. JANUAR 1775 wurde der große (Religions-) Philosoph Friedrich Wilhelm Joseph Schelling in Leonberg geboren, er starb am 20.August 1854 in Bad Ragaz (CH). Er lebte auch in Berlin.

Wir wollen in unserem Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon jetzt regelmäßig an Geburtstage oder Todestage von PhilosophInnen oder philosophierenden Literaten, Künstlern, Musikern, Widerstandskämpfern und (religiösen) Dissidenten  erinnern, gerade wenn und weil sie nicht die üblichen, medial überschütteten “runden Gedenktage” haben. Sondern, sagen wir, die eckigen. Und die eckigen Gedenktage sind vielleicht viel inspirierender. CM.

Zur Aktualität des Philosophen Friedrich Wilhelm Joseph Schelling (1775-1854):

“Schelling: Die menschliche Freiheit in der Entstehungsgeschichte der Zeiten”.

Ein Beitrag von Wolfram Chemnitz

Schelling unterscheidet zwischen einer negativen und einer positiven Philosophie, somit zwischen einer bloß betrachtenden und einer den Menschen existentiell erfassenden Philosophie.
Vor Schelling wurde der Gegensatz von Natur und Geist betrachtet. Dabei wurden „der geistigen Natur die Eigenschaften der Vernunft, des Denkens und Erkennens“ zugerechnet. Der eigentliche Gegensatz in der Philosophie soll nun, wie Schelling in seiner Schrift „Über das Wesen der menschlichen Freiheit“ erörtert, der zwischen Notwendigkeit und Freiheit sein.

Zunächst: Freiheit als ein lebendiges Vermögen ist eigentlich auf die Überwindung von Schranken angelegt, bedarf aber, um da zu sein, wie alles Existierende, der Form. Des weiteren: „Durch die Freiheit wird eine Macht außer und neben der Göttlichen behauptet. Dies steht zunächst im Gegensatz zu dem Begriff der Allmacht Gottes.“ Für Schelling ist der Mensch nicht außer, sondern in Gott. Die Tätigkeit des Menschen gehört selbst mit zum Leben Gottes. Wenn es im Prolog des Johannesevangeliums heißt: „Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott“, dann ist das Wort oder das menschliche Bewusstsein eine Offenbarung Gottes. „ Gott aber kann nur offenbar werden in dem, was ihm ähnlich ist: in einem freien, aus sich selbst handelnden Wesen.“

Der Begriff einer abgeleiteten Absolutheit oder Göttlichkeit ist nicht widersprechend; vielmehr ist er für Schelling der Mittelpunkt der ganzen Philosophie. Es gibt keine Unvereinbarkeit zwischen einer Immanenz in Gott und der menschlichen Freiheit. Anschaulich wir dies am Beispiel der Zeugung. So sind wir in unserer Existenz abhängig vom Zeugungsakt unserer Eltern zugleich aber selbständige und freie Persönlichkeiten.

Der seiner selbst bewusste Mensch bedarf, um sich zu erhalten und zu empfinden, einer gegenüberstehenden Welt. Frei ist der Mensch da, wo er sich in der Welt wiederzuentdecken vermag – im Anderen bei sich selbst ist. Was ist nun das Selbige im Verhältnis von Mensch und Welt? Es ist die Gott-Ebenbildlichkeit.

Gott bliebe ohne seine Offenbarung in sich verschlossen. Er offenbart sich nach Schelling in der Natur und in besonderer Weise in dem seiner selbst bewussten Menschen. Als existierender Gott kann er nicht nur rein ausfließende Liebe sein; um da zu sein, muss auch in Gott eine der ausfließenden Liebe gegenläufige Kraft wirksam sein, mithin eine auf Konzentration und Selbsterhalt gerichtete Kraft. Der Schellingsche Gott ist nicht der rein „Liebe Gott“ gemäß einer populären religiösen Vorstellung.

Ein Gott, in dem entgegen gesetzte Kräfte wirksam sind, kann nicht die höchste Spitze sein. Diese ist nach Schelling „Der Glanz des unzugänglichen Lichts, in dem Gott wohnt.“ (vgl. „Die Weltalter“).

Gott ist nach Schelling Leben, welches – wie alles Leben – in dem Zusammenspiel von Kontraktion und Extension bewegt ist.

Bereits Aristoteles hatte die Bewegtheit beseelter Kreaturen erörtert und als vorzüglichste Bewegung die Kreisbewegung genannt, zumal hier Anfang und Schluss im Vollzug mitanwesend sind. Augustinus hatte in seinen „Confessiones“, „Bekenntnissen“ – um das Verhältnis von Zeit und Ewigkeit anschaulich darzustellen – das Beispiel des Liedes angeführt. Das Lied, obwohl eine Zeitstrecke durchlaufend, ist in sich so gestimmt, dass Anfang, Verlauf und Schluss eine Einheit bilden.

Der Schellingsche Gott geht aus einer anfänglichen, bewusstlosen Alleinheit, der Vergangenheit, über in die Sphäre der Differenz, der Gegenwart, in der sich zunächst verhalten das Selbstbewusstsein bildet. Die wiederhergestellte Einheit steht als Zukunft bevor. Die religiöse Vorstellung schaut den Schellingschen Gedanken der Weltalter, in dem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eine Dreieinigkeit bilden, in dem natürlichen Verhältnis von Vater, Sohn und Geist an. Im Sohn kommt die dunkle, unbewusste Einheit des Vaters in das Licht der Erkenntnis. In der Sphäre der Differenz, also der Gegenwart, wird der Widerstreit zwischen Licht und Finsternis ausgetragen. Die je einzelne Persönlichkeit ist in dem Verhältnis gebildet, wie es gelingt, das Unbewusste in das erkennende Bewusstsein zu erheben. Die vollkommene Auflösung dieses Widerstreits ist der Zukunft vorbehalten. Der Geist ist so die Einheit der unbewussten Einheit und des Widerspruchs.

Wie im Makrokosmos so im Mikrokosmos: Der vorgeburtliche Embryo ist selig im Zustand einer unbewussten Alleinheit. Gleichwohl aber treibt „die Lust, sich selbst zu haben“ („Weltalter“) die Geburt der besonderen Existenz hervor, in der sich allmählich ein Selbstbewusstsein entwickelt.

Schellings „Weltalter“ sind weit entfernt von dem aktuell herrschenden linearen Zeitverständnis, in dem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft als berechenbare Zeitgrößen behandelt und dem planendem Kalkül ausgeliefert werden. Bereits der Gesang der Sirenen auf der Vorbeifahrt des Odysseus kündet von einer Abkehr vom linearen Zeitverständnis. Adorno erörtete in seiner „Dialektik der Aufklärung“ eine entsprechende Deutung. Parmenides hatte im Anfang der abendländischen Philosophie ausgeführt, dass die Meinung (doxa), Vergangenheit sei abgeschlossen und Zukunft jeweils angestückt, zu Irrtum und Verzweiflung führe. Sinngemäß sind in der Einheit des Seins bei Parmenides das Gewesene als das Wesen und die Zukunft als das Zukommende da.

Was Irrtum und Verzweiflung in der Folge eines verkehrten Zeitverständnisses konkret heißt, hatte Marx in den „Ökonomisch- philosophischen Manuskripten“ erörtert: „Die Arbeit des Proletariers hat zum Ergebnis, dass er sich in seiner Arbeit nicht bejaht, sondern verneint, nicht wohl, sondern unglücklich fühlt, keine physische und geistige Energie entwickelt, sondern seine Physis abkasteit und seinen Geist ruiniert. Der Arbeiter fühlt sich daher erst außer der Arbeit bei sich und in der Arbeit außer sich. Zu Hause ist er, wenn er nicht arbeitet, und wenn er arbeitet, ist er nicht zu Hause.“
Der Marxsche Begriff von der „schöpferischen Arbeit“ verwandelte die christliche Idee vom Schöpfergott, der Welt und Mensch nach seinem Ebenbild geschaffen hatte, in eine diesseitige Forderung. So wie die Werktätigkeit Gottes keine entfremdete war, so sollte auch der Mensch die Möglichkeit zu einer schöpferischen Arbeit erhalten, mithin sich in seiner Arbeit wiederentdecken können.

In der „mundus dei“ der mittleren Epoche war die Einheit von Arbeit und Wesen im „ora et labora“ ausgesprochen. Der Mensch sollte im „tugendhaften Handeln“ auf seinen Schöpfergott gerichtet bleiben. Der göttliche Wille war als Dogma vorgegeben.

Schelling hatte in seinen Schriften „Über das Wesen der menschlichen Freiheit“ und in „Die Weltalter“ den Zusammenhang von Freiheit und Notwendigkeit auseinandergesetzt, welcher sich nach dem oben Gesagten auch auffassen lässt als der Zusammenhang von Freiheit und Zeit. Dies nicht nach seinem eigenen Bekunden „in einer streng wissenschaftlichen, sondern in einer leicht mitteilenden Form.“

Zusammenfassung: Der Mensch findet sich zu Beginn seines Daseins gleichsam in einen Strom geworfen, dessen Bewegung eine von ihm unabhängige zu sein scheint, die er zunächst bloß leidet. Dennoch ist er nicht dazu bestimmt, sich von diesem Strom wie ein totes Objekt bloß fortziehen zu lassen: Werde, was Du bist!

Wolfram Chemnitz, M.A. Philosophie.

 

 

 

 

Diderot vor 300 Jahren geboren

Wir erinnnern gern an den vielseitigen Philosophen und Autor Denis Diderot, der am 5. Oktober 1713 in Langres, Champagne, geboren wurde. Wichtig ist vor allem, dass die kleine Stadt ein eigenes Diderot Museum am 22. September 2013 eröffnet. Mehr zu Diderot und dem neuen Museum: klicken Sie bitte hier.

Was alle Menschen verbindet: Die “goldene Regel”

 

Was kann alle Menschen unterschiedlicher Religionen und Kulturen vereinen? Gibt es eine gemeinsame humanistische Basis, einen “gemeinsamen Nenner”, auf dem sich alle Menschen treffen und begegnen können?

Die Goldene Regel und das Mitgefühls: Die Philosophin Karen Armstrong plädiert für eine >Charta des Mitgefühls<.

Ein Vortrag (Christian Modehn) und Aussprache. Im Kulturraum Mainzer7 in Berlin – Neukölln, Mainzer Str. 7, nahe U Bhf Hermann Platz.

Am Montag, 20.8.2012 um 19 Uhr. Herzliche Einladung!

300 Jahre Jean – Jacques Rousseau

300 Jahre Jean – Jacques Rousseau

Von Christian Modehn

Zum 300. Geburtstag des vielseitigen Philosophen am 28. 6. möchten wir noch einmal kurz auf die Aktualität seiner Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie hinweisen. Dabei ist entscheidend:

Rousseau nimmt teil am Kampf der Aufklärung gegen die “betrügerischen Priester”  und den Aberglauben (in) der Kirche.  Die Gestalt Jesu sieht er als Vorbild eines Erziehers der Menschlichkeit, seine Worte erreichen direkt das Herz des Menschen. Jesu brutaler Tod am Kreuz ist der Tod eines Einzelgängers, von allen Seiten verleumdet. Irgendwie “erlösend”, sozusagen automatisch für alle Menschen aller Zeiten, ist dieser Tod aber nicht. Wer Jesus nachfolgen will, muss einzig auf die Stimme seines Gewissens hören. Das Gewissen ist die Quelle der Wahrheit. “Darin zeigt sich die göttliche Dimension, die unsterbliche und himmlische Stimme”, so Rousseau im “Emile”. Für Rousseau haben die christlichen Kirchen den wahren Geist des Christentums verloren. “Die Herrschaft, die die Theologen ausüben, geschieht über einen priesterlichen Despotismus in der Auslegung der Heiligen Schrift. Dabei wird das Wesentliche vergessen, das Hören auf das Wort Gottes und die die Praxis seiner Gebote”, schreibt Dominique Julia in dem Buch “Histoire de la France religieuse”, Band 3, Seite 153. Für Rousseau ist die bestehende Kirche nicht in der Lage, humanistische Ethik in der Welt zu verbreiten und zu fördern, weil ihre Prinzipien auf Willkür und Macht beruhen. “Die Kirche und ihre Lehre dient nur dazu, unter den Menschen Spannungen zu erzeugen, Kriege aller Art”, so Rousseau in einem Brief an Christophe de Beaumont, Erzbischof von Paris. Von daher wird der Wunsch Rousseaus immer stärker, das “Glaubensbekenntnis des Vikars aus Savoyen” zu fördern, für den sich Gott in der Vernunft zeigt und im Gewissen. “Und wenn Gott sich für Rousseau zeigt, dann nicht über kirchliche Vermittler. =Jean Jacques=, wie er von sich selbst schreibt, versteht sich so nicht als Schüler der Priester, sondern als Schüler Jesu Christi”.  (ebd. S. 154.) In der Kritik der bestehenden Religion in Frankreich damals stimmt Rousseau weithin mit – seinem Gegner –  Voltaire überein. Diese Philosophen waren die ersten, die für die Freiheit und Selbständigkeit der Glaubenden gegenüber den – als willkürllich – autoritär erscheinenden – kirchlichen Institutionen eintraten; deren Überzeugung, so bestätigen Religionssoziologen heute aus Umfragen, setzt sich jetzt immer mehr durch. Wir leben also in einer Gesellschaft, in der die Menschen mit ihrer Vernunft und ihrem Gewissen entscheiden, was sie selbst religiös für wirklich entscheidend halten. Ist das Ende der Institutionen also absehbar, selbst wenn sie faktisch und äußerlich noch bestehen, fragt Rousseau. In jedem Fall: Rousseau lebt, auch sein Denken über Religionen… und lädt ein zum Disput.

Philosophen, lebendig oder nicht ganz tot

  • Gedenktage im September 2009:
  • 5.9.: Auguste Comte gestorben, 1857
  • 11.9. Theordor W. Adorno geboren, 1903
  • 13.9. Ludwig Feuerbach gestorben 1872
  • 13.9. Michel de Montaigne gestorben 1592
  • 14.9. Rudolf Carnap gestorben 1970
  • 17.9. Karl Popper gestorben 1994
  • 26.9. Martin Heidegger geboren 1889
  • Gedenktage im Juli
  • 12. Juli 1536: Der niederländische Philosoph ERASMUS von Rotterdam gestorben
  • 15. Juli 1930 Jacques Derrida  geboren
  • 19. Juli 1898 Herbert Marcuse geboren
  • 28.Juli 1902 Karl Popper geboren
  • 28. Juli 1804 Ludwig Feuerbach geboren
  • 29. Juli 1979, vor 30 Jahren, Herbert Marcuse gestorben
  • 31. Juli 1784 Denis Diderot gestorben

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