LIBYEN: KZ –„ähnliche“ Zustände: Die „Hölle“ für Flüchtlinge in Libyens Lagern!

Ein Hinweis von Christian Modehn

Nun sagen es – endlich – auch deutsche Diplomaten in gar nicht so diplomatischen Floskeln: Es gibt (für sie) wieder KZs, jedenfalls Lager mit „KZ-ähnlichen Zuständen“. Sie befinden sich zur Zeit in Libyen, in den Lagern, in denen mehr als 500.000 Flüchtlinge aus Afrika gesammelt und zusammengepfercht werden, denen die Flucht über das Mittelmeer nicht gelungen ist oder die auf ein Entkommen hoffen. Siehe etwa den Focus-Bericht.

Die „Tagesthemen“ haben am 18.11. 2018 diese entsetzlichen Verhältnisse in den neuen KZs in der bei solchen Themen eher üblichen Kürze von 3 Minuten gezeigt, ein Bericht von Daniel Hechler. Einige der dortigen KZ Insassen wollen sogar wieder in ihre Heimat Eritrea zurückkehren, dort sind die politische Verhältnisse, wie einige Europäer ja inzwischen wissen, katastrophal. Aber die Katastrophe dort sei besser als das KZ in Libyen, bzw. korrekt das „KZ ähnliche Lager…“

Schon Wochen zuvor haben die Medien immer wieder über diese von der EU gut bezahlten und letztlich von ihr mit-eingerichteten KZs berichtet, die Überschriften sprachen von „Hölle“, von „entsetzlich“ usw. Man suche selbst bei google unter dem Stichwort “Flüchtlingslager in Libyen“ weitere Informationen.

Es sind mehr als 500.000 Menschen aus Afrika, die in den mindestens 24 Lagern festsitzen bzw. festgehalten werden und unter so erschreckenden Bedingungen herumsitzen auf kleinstem Raum, dass sich TBC und andere Seuchen ungehindert ausbreiten. Ärzte trauen sich in diese stinkenden und verseuchten Räume nicht mehr rein..

„Die Zeit“ berichtete, dass viele dieser geschundenen Menschen als Sklaven weiter verkauft werden.

Eine KZ „ähnliche“ Katastrophe gibt es also wieder, am Rande des so zivilisierten, so wunderbar abendländischen, so stolz christlichen Europa, das sich in seinen Gedenkfeiern ohnehin ständig des humanen Geistes rühmt und ständig „nie wieder“ sagt, dabei aber diese KZ – ähnlichen Zustände hinnimmt oder mit gelegentlichen kleinen Finanzspritzen kurzfristig etwas erträglicher macht.

Dabei wird das große Geld der EU für die Abwehr der Flüchtlinge durch Libyen ausgegeben: 46 Millionen etwa im Juli 2017; das Auswärtige Amt stellte 2017 120 Millionen für die Lager bereit.

„Die libysche Einheitsregierung wird von der Europäischen Union und Deutschland politisch und militärisch unterstützt: Die so genannte libysche Küstenwache wird auch von der Bundeswehr ausgebildet. Damit sollen Flüchtlinge aus Libyen von Europa ferngehalten werden. Eine Rückführung von Flüchtlingen in Länder, in denen ihnen Folter oder Misshandlungen drohen, wäre völkerrechtswidrig. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisiert die Unterstützung der libyschen Einheitsregierung und deren Sicherheitskräfte durch die EU und Deutschland: „Das ist eine Art Komplizenschaft“, sagt Iverna McGowan. „Menschen werden in die Hände von Akteuren übergeben, von denen wir wissen, dass sie Menschen misshandeln.“ (Tagesschau 15.3.2018) https://www.tagesschau.de/ausland/libyen-milizen-101.html

Wer wagt es die Zusammenarbeit der EU auch Deutschlands mit den libyschen Behörden in die treffenden Worte zu fassen? Wer wagt es, von einem Niedergang der Humanität in Europa zu sprechen, einem Europa, das im ganzen gesehen wirtschaftlich blendend dasteht, aber unter allen Umständen den eigenen Luxus (oftmals durch Geschäftemacherei mit auch mit afrikanischen Diktatoren erworben) verteidigen will? Wer wagt es zu sagen, dass dieses Europa am eigenen Egoismus ersticken wird, weil keine reine Luft zum Atmen unter diesen korrupten Bedingungen mehr möglich ist.

Wer wagt es eigentlich zu sagen, dass dieses sich christlich, humanistisch usw. nennende Europa im Angesicht der KZ-„ähnlichen“ Zustände vor der eigenen Haustür, also in Libyen, eine totale Schande ist. Wann wird mit der „Aufarbeitung“ dieser Schande begonnen?

Wer den Kurzbericht in den Tagesthemen am 18.11. 2018 aufmerksam gesehen hat, wird in der Mitte des Films, am Rande eines überfüllten KZ –ähnlichen Lager-Raum, einen winzigen Hausaltar gesehen haben: Auf einem Stuhl stand ein Heiligenbild: Maria und Josef und das Jesuskind auf der Flucht. Davor die Reste einer Kerze! Dieses Bild ist das Symbol einer letzten (einer transzendenten) Hoffnung dieses Elenden KZ – ähnlichen Bewohners, der vielleicht aus dem christlich geprägten Eritrea oder aus der Elfenbeinküste kommt. Ein Bild, das einen allerletzten Trost, ein letztes spirituelles Geborgenseins trotz allen Hungers und aller Scherzen, ausdrückt. Es ist, von außen betrachtet, das Opium der Krepierenden, weil ihnen die Christen jegliche Humanität verweigern.

Die Kirchen sollten diese erschütternde Film-Einstellung, dieses Heiligenbildchen mit Maria, Josef und dem Christkind im Lager, fotografieren (natürlich alle rechtlichen Fragen vorher klären, dies wird sicher nicht Monate dauern) und allen Gottesdienstbesuchern am Heiligen Abend als Meditationsbild überreichen. Mit entsprechenden politischen Informationen zu Lagerleben dort… Dann schmeckt die edle Schokolade aus der Elfenbeinküste, unter dem so genannten Christbaum verzehrt, gleich noch viel besser…

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.

Als Buchempfehlung: Siehe meine Rezension von „Diktatoren als Türsteher Europas“. Ein schönes Weihnachtsgeschenk.

 

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