Die Hedwigs – Kathedrale in Berlin wird jetzt umgebaut: Mindestens 60 Millionen Euro nur für Steine…

Ein Hinweis von Christian Modehn

Alle Kritik, alle Debatten, sogar der Gerichts-Prozess haben nichts genützt. Die Hedwigskathedrale in Berlin-Mitte wird jetzt definitiv umgebaut. Die Arbeiten haben begonnen, meldet die „erzbischöfliche Pressestelle“. Wie hat doch Erzbischof Koch treffend schon am 1.11.2016 geschrieben: Er habe entschieden: „Die Umgestaltung der Kathedrale in ANGRIFF ZU NEHMEN“.

Es ist wirklich ein Angriff, diese Entscheidung für den Umbau, ein Angriff auf die Vernunft in mehrfacher Hinsicht. Nicht nur, wenn man dringend den Erhalt dieses kunsthistorisches Denkmals fordert. Darüber ist inzwischen das meiste gesagt worden.
Erinnern sollte man sich in den kommenden Jahren an die Worte des Richters Marcus Rau vom Verwaltungsgericht, der die Klage im Januar 2018 zugunsten des Erhalts dieser Form der Kathedrale zurückgewiesen hatte. Er nahm in seiner Entscheidung FÜR den Umbau explizit Rücksicht auf die „Selbstbestimmung der Kirche“. „Ginge es um eine normale unter Denkmalschutz stehende Immobilie, könnte die Entscheidung durchaus anders ausfallen“, berichtete die Presse, etwa auch die „Berliner Morgenpost“. Das heißt: Die doch wohl unabhängige Justiz in Deutschland nimmt im Fall der Hedwigskathedrale also Rücksicht auf den rechtlichen Sonderstatus der Kirche. Kann man besser belegen, dass es nicht nur keine Trennung von Kirche und Staat in Deutschland gibt? Sondern auch, dass die Rechtssprechung, angeblich neutral, die kirchlichen Eigenwelten und Eigengesetze voll respektiert. Wofür braucht die Kirche noch eine staatliche Rechtsprechung?

Wichtiger scheint mir aber: Es sind bis jetzt (die Summe wird sicher noch größer, wie üblich bei Bau-Maßnahmen) 60 Millionen Euro für den Umbau der Kathedrale und die Neugestaltung des benachbarten Bernhard Lichtenberg-Hauses geplant. Dort wird auch eine Wohnung für den Erzbischof und seinen Haushalt renoviert bzw. neu errichtet, dieses Detail erwähnt die Pressemeldung vom 1.7.2019 nicht.
Und es ist Ausdruck des prächtigen Zusammenarbeitens von Kirche und Staat, dass 12 Millionen Euro vom Bund und 8 Millionen Euro vom Land Berlin für die Umgestaltung der Kathedrale stammen.

Armes Land, arme Republik, die so viel Geld in ein sinnloses Umbauprojekt vergeuden. Denn eine maßvolle, bescheidene Renovierung der Kirche und damit das Belassen im alten Zustand, hätte, so sagen Fachleute, nicht mehr als 10 Millionen gekostet. Und die hätte die Kirche ja durch Spenden aufbringen können.

So werden mindestens 60 Millionen Euro in Steine „gesteckt“. Bloß damit der Klerus seine Messen und Pontifikalämter etwas dichter an der Gemeinde steht, also an einem neu eingerichteten Altar, die ewig selbe Liturgie zelebrieren kann. Als würde dadurch eine neue Nähe zwischen Laien und Klerus erzeugt! Nachdenkliche Laien haben sich ohnehin von diesem, die Steine und die eigene Herrschaft liebenden Klerus abgesetzt und „à Dieu Kirche!“ gesagt. Meint der Klerus im Ernst, eine teuer umgebaute Kathedrale würde die Zustimmung zum (Berliner) Katholizismus insgesamt erhöhen, wie die offizielle Pressemeldung suggeriert….

40 Millionen stellt nun die Kirche selbst zur Verfügung. Sie hat ja ohnehin Geld wie Mist , obwohl sie ständig um Spenden bettelt. Denn die Katholiken treten zwar in Scharen aus der Kirche aus, aber die Kirchensteuern fließen noch heftig hinein in den bekannten Milliarden Euro –Bereich.

Warum so viel Phantasielosigkeit in dieser Klerus Kirche? Was hätte denn die Kirche tun können, wenn sie sich an ihre eigenen Worte erinnert hätte, von dem armen Propheten Jesus von Nazareth und seinem Lebensentwurf ganz zu schweigen: Also, allzu viele Predigten tönen doch vollmundig so: Zuerst den Menschen nahe sein. Eine Kirche für die Armen sein, wie dies Papst Franziskus ständig fordert und nicht durchsetzt: Bekanntlich werden Bischofspaläste nach wie vor großzügig errichtet. Und vom Verkauf einiger Immobilien des Vatikans in Rom hat man auch nichts gehört. Alles frommes Gerede also, diese „Option für die Menschen, besonders die Armen“. .
Um noch einmal, und für uns zum letzten Mal in dieser Sache, um die christliche Phantasie in Gang zu bringen: Nur einige Beispiele: Die Kirche hätte doch bei einer bescheidenen Renovierung die übrig gebliebenen 50 Millionen für Bildungsprogramme ausgeben können, auf dem Land, in Brandenburg, um die „Ursünde“ des Rassismus, der Fremdenfeindlichkeit und des Antisemitismus zu bekämpfen. Oder: Sie hätte viele kleine Bildungshäuser für ökologische Aktionen einrichten können, hätte zwei kaum noch genutzte große Kirchen zu Wohnungen für Familien und Flüchtlinge umbauen können; sie hätte so genannte Laien, Frauen und Männer, ausbilden können, die in den zunehmend „priesterlosen Gemeinden“ verantwortlich das Gemeindeleben wieder in Schwung bringen und selbstverständlich Gottesdienste und Eucharistie feiern. Sie hätte offene kleine Treffpunkte des Gesprächs mieten können für den Dialog der Berliner untereinander, über Gott und die Welt. Um dem langweiligen Programm der katholischen Akademie Berlin einen Gegenakzent zu setzen…
Die Kirche hätte also in Menschen „investieren“ können und damit öffentlich gesagt: Diese umfassende Neugestaltung der Kathedrale ist uns überhaupt nicht so wichtig. Wichtiger sind uns die Menschen. Die Stärkung der Kommunikation, der Friede in der Stadt usw….
Die Hedwigs- Kathedrale ist auch ihrem Gründer und Bauherrn in gewisser Weise verpflichtet: Dem Philosophenkönig Friedrich II.! Für ihn war die religiöse Toleranz entscheidend wichtig. An den Geist ihres Baumeisters denkt kaum noch ein Katholik im positiven Sinne! Den Geist der Toleranz zu verbreiten, wäre jetzt möglich gewesen, wenn man die 50 Millionen für einen Total-Umbau eingespart hätte – zugunsten der Menschen.
Vielleicht hätten dann bei dieser Großzügigkeit die Menschen Beifall gespendet und endlich mal Bravo zu dieser Kirche gesagt, die in der Korruption des Missbrauchs förmlich erstickt und deswegen zurecht den allgemeinen „Vertrauensschwund“ beklagt-

Aber nein: Der Klerus und die wenigen ihm noch gehorsamen Laien lieben mehr die Steine, die neuen Granitplatten in der Hedwigs – Kathedrale und sonstiges Gestein: Ein Jammer ist das und ein theologischer Skandal.
Und jetzt ist man so hartnäckig und wird wohl zu jeder Kleinigkeit des Umbaus zu einem Fototermin eingeladen, Start ist die Abnahme der Pfeifen, der Orgelpfeifen, in der Kathedrale am 3.7.2019. Und dann gehen die Foto Termine sicher weiter. Wer will sich diese Bilder noch ansehen?

Copyright: Christian Modehn, Journalist und Theologe. Religionsphilosophischer Salon Berlin

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