„Die Russisch-Orthodoxe Kirche ist jetzt eine Putin-Sekte“ (Serguei Tchapnin)

Und: Die entscheidende Frage: Warum ist diese „Sekte Putins“ bis heute Mitglied im „Ökumenischen Rat der Kirchen“ in Genf?

Ein Hinweis von Christian Modehn am 8.2.2026

1.
Die Zeitschrift „Le Grand Continent“ (aus dem bekannten, angesehenen Gallimard-Verlag, Paris) bietet erneut eine kritische Studie über den Zustand der Russisch-Orthodoxen Kirche unter der Herrschaft des Patriarchen Kyril I.. (bürgerlicher Name: Vladimir Goundiaïev)
Autor ist der Historiker Guillaume Lancereau, veröffentlicht wurde sein Beitrag am 31.1.2026. LINK

2.
Der Politologe und Historiker Guillaume Lancereau dokumentiert zunächst neueste Ergebenheits-Bekundungen Kyrills zur Putin-Herrschaft: “In seiner Predigt zur Epiphanie, gesprochen am 19.1.2026 in der “Kathedrale der Theophanie“ von Jelochovo (Moskau) sagte Kyrill: `Wir haben das Glück in einer Zeit zu leben, wo der Staatschef sich als orthodoxer, aufrichtiger Glaubender zeigt, er ist ein orthodoxer Führer, nicht aus Gründen des äußerlichen Protokolls, sondern wegen seiner tiefen Überzeugung: Es ist Vladmirir Vladimorowitch (Putin). Das alles bezeugt tatsächlich, dass ein Wunder Gottes sich ereignet hat. Durch das Gebet der Heiligen, der Marytrer, der Bekenner hat sich die Gnade Gottes über unserem Land gezeigt, das einst vom Atheismus gequält wurde`.“ (Übersetzung CM).
Das schwadroniert Patriarch Kyrill I., der einst unter der atheistischen Sowjetherrschaft Mitglied des KGB war (Sein Codename war „Michailow“) wie sein hoch geschätzter KGB-Kollege und jetzige Präsident Putin…

3.
Guillaume Lancereau weist in seinem Beitrag erneut darauf hin, dass diese Ergebenheit des Patriarchen gegenüber Putin seit langem öffentlich weltweit bekannt ist: Seit 2022 hat Kyrill etwa die „Spezialoperation“ (den Krieg Russlands gegen die Ukraine) sozusagen heilig gesprochen.
Am 7.Januar 2026 hat Putin eine Ansprache anläßlich des orthodoxen Osterfestes gehalten: „Sehr oft nennen wir den Herrn unseren Erlöser, denn er ist auf die Erde gekommen, um die die Gesamtheit der Menschheit zu retten.Und genau diese Mission ist es, die unter dem Mandat des Herrn die Krieger führen, die Krieger Russlands: Sie verteidigen die Nation und ihre Bewohner, retten das Vaterland und die Russen.“ (Übersetzung CM). Es fällt natürlich auf, dass Putin nicht etwa Jesus Christus namentlich als „den Herrn“ erwähnt, sondern nur allgemein von „dem Herrn“ spricht… dies weckt die Vorstellung, Putin sei eigentlich„der Herr“ heute“, der Erlöser der Menschheit!

4.
Der Beitrag Guillaume Lancereaus in „Le Grand Continent“ aus dem Gallimard Verlag, Paris, weist auch hin auf Serguei Tchapnin, einst enger Mitarbeiter des Patriarchates in Moskau, 2015 aber von Kyrill entlassen wegen, diplomatisch verschleiernd von Kyrill formuliert, „ungeeigneter Meinungen“.
Nun arbeitet Serguei Tchapnine kritisch über die russische Orthodoxie von den USA aus. „Von der Fordham University aus, einer US-amerikanischen Hochschule der Jesuiten, unterzeichnete Tschapnin als einer der ersten den Aufruf zum Ausschluss der Russisch-Orthodoxen Kirche aus dem Ökumenischen Rat der Kirchen vom 23. Juli 2022, so wikipedia über Serguei Tchapnine, gelesen am 7.2.2026. Siehe auch zur Entlassung Tchapnine durch Kyrill I: LINK

5.
Serguei Tchapnin, der Kenner des Russischen Kirche unter Kyrills I. Führung, betont: „Die heutige orthodoxe Kirche, wie sie von Patriarch Kyrill, Wladimir Putin und nun auch vom Auslandsgeheimdienst geprägt wird, ist nichts weiter als eine Art vulgäre para-religiöse Sekte […], deren wesentliche Funktion darin besteht, die nationalen und internationalen Interessen des russischen Staates auf unglaublich primitive Weise zu verteidigen. Was heute als russisch-orthodoxe Kirche bezeichnet wird, ist nicht mehr in der Lage, die orthodoxe Tradition als solche zu bewahren. Was bedeutet das? Es bedeutet, dass sie im Wesentlichen erklärt, nicht mehr zur christlichen Welt zu gehören.“ (deep.com Übersetzung) (Französischer Originaltext Fußnote 1.)

6.
Guillaume Lancereau dokumentiert, wie der Patriarch von Moskau nach wie vor heftigste Attacken führt gegen den Ehrenprimas der Orthodoxie, den Patriarchen Bartholomäus I. von Konstantinopel. Aufgrund der absoluten Nähe und Verbundenheit Kyrills mit Putin betont Guillaume Lancerau: „Die immer offensichtlicher werdende Angleichung des Moskauer Patriarchats an die Strategie des Kremls gefährdet jedoch seine Beziehungen zum Rest der orthodoxen Welt. Zu Beginn des Jahres 2026 scheinen diese einen Bruchpunkt erreicht zu haben.“ (Deepl. Übersetzung). Französischer Originaltext: Fußnote 2.

7.
Am 12.1.2026 veröffentlichte das Patriarchat von Moskau eine besonders heftige Erklärung, berichtet Guillaume Lancereau, „darin wird der Ehrenprimas Bartholomäus als „Antichrist im Priestergewand“ bezeichnet. Die Kritik am Ehrenprimas aller Orthodoxen, Bartholomäus I.,wird politisch um so aktuell bedeutsamer, als nun vom Moskauer Patriarchat behauptet wird: Bartholomäus I. will in den baltischen Staaten die dort noch vorhandene offiziell – russische Orthodoxie auslöschen. Kyrill behauptet: „Auf die Initiative britischer Geheimdienste hin hat Bartholomäus, der in der Todsünde des Schismas versunken ist, eine gemeinsame Basis mit den Behörden der baltischen Staaten gefunden, um Unruhe in der russisch-orthodoxen Welt zu stiften.“ (Französischer Text Fußnote 3.)
Damit wird von Kyrill I. dem Kriegsherrn Putin eine Art religiöser Grund schon geliefert, doch bitte alsbald auch die baltischen Staaten von den dort agierenden Feinden Russlands zu befreien…

8.
Die kleine noch verbliebene demokratische Welt bemüht sich, durch Sanktionen Putin in seinem Krieg weiter einzuschränken.
Nur eine ziemlich bedeutende Organisation der protestantischen und orthodoxen Kirchen, die sich im Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) in Genf versammeln, ist überhaupt nicht bereit, Sanktionen gegen ihr russisches Mitglied in dieser Organisation in Genf zu erlassen. Also diesen Kriegshetzer Kyrill I. und seine ihm offenbar total ergebene Kirche aus dem Weltrat ÖRK auszuschließen, selbst wenn das den ÖRK Gesetzen folgend etwas schwer sein sollte. Aber man kann sich hinter juristischen Problemen eines sofortigen Rausschmisses auch verstecken, indem man von Seiten des ÖRK permanent in gleichbleibender Naivität behauptet: Man wolle doch nur den Dialog mit dem Kriegstreiber Kyrill unbedingt fortsetzen. Dabei findet dieser so genannte Dialog mit Kyrill schon seit Jahren statt, der „Dialog“ hat den offenbar Kriegs-Theologen, den Patriarchen von Moskau, nicht zur Vernunft, zur Menschlichkeit, geschweige denn zu einer christlichen Haltung gebracht, die diesen Namen verdient.

9.
Es könnte geprüft und veröffentlicht werden, welche führenden Personen im ÖRK in Genf ein so starkes Interesse haben, dass dieser Patriarch und seine allmählich zur Sekte Putins verkommene Kirche noch immer offizielles Mitglied im ÖRK ist. Die Zahlungen des Russischen Patriarchats für den ÖRK in Genf sind doch wahrlich nicht so bedeutend. Und dass dieser künftige Patriarch, damals noch Erzppriester schon 1961 als KGB Mann im ÖRK in hoher Funktion tätig war, dürfte doch nur noch wenige zu Tränen der Dankbarkeit rühren…

10.
Eine nicht unbegründete Vermutung: Die Vorliebe Putins und Kyrills I. für Südafrika ist dokumentiert. Man kann auch daran erinnern, dass der heutige Generalsekretär des ÖRK, Pastor Prof. Dr. Jerry Pillay, ein Südafrikaner ist, also vielleicht in einiger gewissen Verbundenheit, Abhängigkeit, zur herrschenden südafrikanischen Politik steht? Zur Mission der Russen in Südafrika: LINK

11.
Dem ÖRK ist offenbar die Treue zu Patriarch Kyrill (dem KGB Priester einst) wichtiger als die entschiedene Parteinahme zugunsten des Ehren – Primas aller Orthodoxen Bartholomäus I. Auch diese Haltung darf man eine Schande nennen.

12.
Das Verbleiben der Russisch – orthodoxen Kirche des Patriarchen Kyrill im Ökumenischen Weltrat der Kirchen (ÖRK) in Genf muss eine Schande sein für die Menschen, die auch als Christen die Menschenrechte wichtiger finden als kirchenpolitisch – diplomatische, ökumenisch verpackte Glaubenslehren. Der Respekt des ÖRK vor dieser angeblich „alt-ehrwürdigen“ russischen Kirche mit ihrer ewigen Treue zum Zaren Imperium oder zu den Zaren des Kommunismus oder zum Zaren und Kriegsherr Putin ist eigentlich problematisch.

13.
Angesichts dieser Tatsache die theologische Frage: Was ist eigentlich alles faul und falsch an dieser sich orthodox nennenden russischen Kirche? Die etliche Jahrzehnte dauernde Mitgliedschaft dieser Kirche (jetzt Sekte) im Ökumenischen Rat der Kirchen hat offenbar keine Reformen, keine theologische Korrektur, bewirkt…was für ein blamables Ergebnis für den ÖRK.

14.

Schon am 23. JUki 2022 haben zahlreiche prominente Wissenschaftler, Theologen, Kirchenmitarbeiter aus aller Welt den “Ökumenischen Rat der Kirchen” (ÖRK) aufgefordert, doch bitte die Mitgliedschaft der Russisch – Orthodoxen Kirche in dieser doch eigentlich angesehenen Organisation ÖRK zu “suspendieren”. Die Führungsclique des ÖRK hat dem erwartungsgemäß NICHT entsprochen, bis heute, sie setzt naiv (?, sicher nicht) auf “Dialog” mit dem Kriegstreiber dem Patriarchen Kyrill I. Dieser Dialog über all die Jahre hat NICHTS gebracht, trotzdem setzt der ÖRK weiter auf Dialog mit dem ideologisch-theologichen Kriegstreiber Kyrill. Die Frage ist: Wer hatim ÖRK  sooooo ein riesiges Interesse daran, dass dieser Kriegstreiber und seine Kirche in Russland nicht isoliert werden??? Nach einem Sieg der Demokratie in Russland in einigen Jahren kann diese Kirche wieder Mitglied des ÖRK werden..Zum Dokument vom 23. Juli 2022: .LINK

Fußnote 1: „l’Église orthodoxe d’aujourd’hui, telle que la façonnent le patriarche Kirill, Vladimir Poutine et, désormais, le Service de renseignement extérieur, n’est plus qu’une forme de secte parareligieuse assez vulgaire […] dont la fonction essentielle est de défendre les intérêts nationaux et internationaux de l’État russe, d’une manière incroyablement primitive. Ce qu’on appelle aujourd’hui l’Église orthodoxe russe n’est plus capable de préserver la tradition orthodoxe en tant que telle. Qu’est-ce que cela signifie ? Cela signifie qu’elle déclare, en substance, qu’elle n’appartient plus au monde chrétien.“

Fußnote 2: „Mais l’alignement toujours plus manifeste du Patriarcat de Moscou sur la stratégie du Kremlin menace ses relations avec le reste du monde orthodoxe. En ce début d’année 2026, celles-ci semblent avoir atteint un point de rupture.“

Fußnote 3: “Sous leur impulsion, Bartholomée, embourbé dans le péché mortel du schisme, a trouvé un terrain d’entente avec les autorités des États baltes pour jeter le trouble au sein du monde orthodoxe russe.
Avec l’appui de ses alliés idéologiques, à commencer par les nationalistes et les néonazis locaux, il s’applique à arracher les Églises orthodoxes de Lituanie, de Lettonie et d’Estonie au Patriarcat de Moscou en attirant les prêtres et les fidèles vers des structures religieuses artificielles qui ne sont qu’une marionnette entre les mains de Constantinople.“
Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

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