Aschermittwoch und das Aschenkreuz: Auch die Mächtigen werden zu Asche. Ein Trost.

Ein Hinweis von Christian Modehn am 14.2.2026

1.
In vielen katholischen und auch in einigen lutherischen Kirchen wird am „Aschermittwoch“ das “Aschenkreuz” den Gläubigen von einem Pfarrer auf die Stirn gezeichnet, und zwar sichtbar, es verschwindet schnell nicht von selbst. Die Asche soll eine Weile das Gesicht auszeichnen. Wer nach dem Empfang des Aschenkreuzes in die Öffentlichkeit geht, bleibt ein Gezeichneter: Einer, der seine Sterblichkeit für einen Moment wahrscheinlich akzeptiert hat. Beim Ritus sagt der Liturge, die Pfarrerin: „Bedenke Mensch, dass du Staub bist und zum Staub’ zurückkehrst“ (Buch Genesis, 3,19, ein Spruch Gottes bei der Vertreibung der Menschen aus dem Paradies). Dieser Spruch ist ziemlich bekannt, aber er unterscheidet leider nicht zwischen dem toten Körper, der Staub wird, und dem Geist, der teilhat am Ewigen!

2.

Mich freut an diesem Ritus, weil ich nun materiell, durch die Asche auf meinem Leib, an die eigene Sterblichkeit und das Ende meines Körpers erinnert werde. Mein Körper wird Asche. Der Körper eines Verstorbenen ist bekanntlich nur noch Materie. Der alles belebende Geist ist entschwunden. Wohin? Darüber kann man meditieren und philosophieren. Ein andres Thema.

3.
Mich freut und tröstet der Aschenkreuz – Ritus, weil auch die so genannten „Herren dieser Welt“, die sich heute allmächtig wie böse Götter durchsetzen zum Schaden der Menschheit, dass also auch der Körper dieser Herren eines Tages Asche sein wird. Das Aschenkreuz lassen sich diese politischen, ökonomischen, neoliberalen „Götter” und „Halbgötter” natürlich nicht in einem christlichen Gottesdienst auf ihre Stirn zeichnen. Dafür sind sie viel zu sehr Nihilisten, sie lieben die Zerstörung, dass wirklich alles Leben zu Asche wird, mindestens das Land ihres Feindes.
Aber auch der Körper dieser „Herren der Welt“ wird bald nichts als Asche sein. Das tröstet manche Menschen, die hilflos unter diesen bösen Göttern zu leiden haben. Aber es werden neue Herren dieser Welt nachfolgen. Wer wird sie verhindern?

4.
Das Bedenken des Aschenkreuzes führt also wie von selbst mitten in politische Überlegungen. Und diese sind inspiriert von der Weisheit der großen Propheten im „Alten Testament“: Bekanntlich beginnt mit „Aschermittwoch“ die Fastenzeit. Und bei dem Thema hat der Prophet Jesaja eine klare Weisung ( Jes. 58, 6-8): Jesaja schreibt „Das ist das Fasten, wie ich es liebe: Die Fesseln des Unrechts lösen, die Versklavten freilassen, jedes Joch zerbrechen, den Hungrigen das Brot austeilen, die obdachlosen Armen im Haus aufnehmen, die Nackten bekleiden…“

5.
Erst wenn beim Ritus des Aschenkreuzes auch diese politische Botschaft bewusst gesagt und erlebt wird, hat er seinen Sinn erreicht. Dies ist der „politische Aschermittwoch“ der Christen, die sich auf die Bibel beziehen. DIESER politische Aschermittwoch ist anders, radikaler als die daher geredeten Propaganda-Sprüche der verschiedenen Parteien bei ihrem „politischen Aschermittwoch“. Ob dieser christliche – politische Aschermittwoch etwas bewirkt, ist natürlich eine andere Frage.

6.
Es wird bekanntlich die Asche nicht irgendwie diffus über das Haupt der Gläubigen verstreut, nein: Es wird aus Asche ein Kreuz auf die Stirn gemalt. Das Kreuz aber ist das Symbol Jesu von Nazareth, des Gerechten, des radikalen Menschenfreundes, des Kritikers sinnloser religiöser Gesetze, des Weisheitslehrers :„Gott ist unser lieber Vater“…Die genannte Weisheit des Propheten Jesaja hat auch Jesus gelehrt. Aber auf das religiös damals vorgeschriebene Fasten legte er keinen Wert…

7.
Die Feier des Aschenkreuzes ist also auch eine politische Feier. Ein Moment, den rebellischen Geist der Hoffnung wieder zu beleben. Wer das Aschenkreuz empfängt, weiß: Der Geist bleibt lebendig, er lebt weiter… auch über den Ritus des Aschenkreuzes hinaus.

8.
Und auch das tröstet jene KatholikInnen, die gegen die Allmacht der klerikalen Hierarchen endlos kämpfen um die volle Gleichberechtigung auch der Frauen in der katholischen Kirche und gegen die Allmacht des Klerus: Auch die Päpste und Bischöfe lassen sich im feierlichen Ritus das Aschenkreuz auf ihre Stirn zeichnen. Das will sagen: Auch die Körper der Päpste und Prälaten werden zu Asche. Ein Trost für alle, die an die Gleichheit aller Gläubigen glauben, diese Gleichheit aber in der Kirche nicht erleben dürfen. Aber: Die nächsten Kleriker und Päpste kommen bestimmt, vielleicht wird dann alles besser. Hoffnung hat immer auch einen utopischen Charakter…

Siehe auch unseren viel beachteten Beitrag als “Unerhörte Frage”: Was heißt philosophisch fasten? LINK 

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.

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