„Eigentum ist Diebstahl“ (Proudhon, 1809 – 1865): Gerechtes und ungerechtes Eigentum

Der Philosoph Pierre-Joseph Proudhon lehrt den Unterschied
Von Christian Modehn, am 3.Februar 2026.

Angesichts der aktuellen Debatten über soziale Gerechtigkeit und der Mitverantwortung, die viele Milliardäre eigentlich als Mit – Menschen heute haben sollten, lohnt es sich, das sehr umfangreiche und nuancenreiche Werk des Philosophen und Ökonomen Pierre – Joseph Proudhon zu lesen und zu studieren. Proudhon ist einer der ersten im 19. Jahrhunderts, der den absoluten Wert des Privateigentums kritisiert hat … falls dieses Eigentum nicht durch eigene Arbeit erworben wurde.
Hier können nur einige Hinweise gegeben werden, die zur Frage führen sollten: Welche Möglichkeiten gibt es, heutige Milliardäre an ihre Pflichten als Mit – Menschen zu erinnern. Das heißt an ihre menschliche solidarische Verpflichtung, nicht länger zuzusehen, dass viele Millionen Menschen in Elend leben.

1.

Der französische Philosoph und Ökonom Pierre-Joseph Proudhon (1809 – 1865) ist oft nur wegen seiner radikal klingenden These „Eigentum ist Diebstahl“ (in seinem frühen Werk „Was ist Eigentum?“, 1840) bekannt. Diese von ihm inhaltlich begründete These wird wie eine Waffe gegen ihn verwendet von leidenschaftlichen (auch christlichen) Verteidigern „des“ „heiligen“ Eigentums. Für Proudhon ist die soziale Frage identisch mit der Frage: Unter welchen Bedingungen ist Eigentum gerecht, für welches Ziel – um den Egoismus oder die Solidarität zu leben – wird Privateigentum eingesetzt? Sein ganzes Leben hat Proudhon diese Frage bewegt, in seinen zahlreichen Publikationen hat er dazu Stellung genommen und gezeigt, wie im Laufe der Jahre seine Reflexionen zum Thema präziser und deutlicher werden. Gewisse Schwierigkeiten im Verstehen des Begriffs „propriété“ (Eigentum) ergeben sich, weil Proudhon selbst um klare Definitionen gerungen hat.

2.

Auch heute ist die Vorstellung von der Unantastbarkeit, wenn nicht der „Heiligkeit“ des Privateigentums ein allgemeines Dogma in der kapitalistischen Welt: Weil alles der Logik des Marktes unterworfen ist, wird für Privatleute wie für international agierende „Firmen“ alles käuflich und damit zu in Privat – Eigentum: Gesundheit, Arbeit, Wohnen, Wasser, Wald … und zum Spekulationsobjekt.

3.
Die Zahlen sind bekannt: Die internationale Organisation OXFAM hat 2026 publiziert: „Es gibt mehr als 3.000 Milliardäre auf der Welt, und diese Herren verfügen über ein Gesamtvermögen von 18,3 Billionen Dollar.“ Dieses kaum vorstellbare Privateigentum würde ausreichen, um extreme Armut in der Welt bis zu 26-mal zu beseitigen. Das rasante Wachstum des Reichtums der Superreichen entspricht jedoch keinem Fortschritt in der Verringerung der globalen Armut: „Die Armutsbekämpfung ist seit sechs Jahren praktisch unverändert geblieben“, betont Misha Maslennikov, Forscherin und Analystin für öffentliche Ordnung bei Oxfam Italia. Oxfam fordert einen Paradigmenwechsel: die Umstrukturierung und Streichung der Schulden der ärmsten Länder, eine gerechtere Besteuerung auf globaler Ebene und die Einführung eines internationalen Standards für die Besteuerung von Extremvermögen.
Quelle: LINK

4.
In einer Welt, in der die universal geltenden Menschenrechte – wenigstens noch verbal – von den wenigen verbliebenen demokratischen Staaten anerkennt werden, muss die ungleiche Verteilung des Eigentums debattiert werden. Und im Falle von nur monströs bzw. obszön zu nennenden Milliardärs – Eigentum auch aufgehoben werden, so die vernünftige Erkenntnis. Wenn man schon den Begriff „heilig“ in dem Zusammenhang verwenden will: Heilig ist nicht das Milliardeneigentum einzelner, sondern einzig das voll entfaltete Leben aller Menschen in Gerechtigkeit.
Viele politische Schwierigkeiten bereitet die Frage. Wie kann es Enteignungen von Milliardären geben – ohne dabei in kommunistische Gewaltaktionen abzurutschen? Aber die Frage der Enteignungen wird irgendwann auftauchen, wenn der Abstand zwischen dem Ultra- Luxus einiger weniger und dem Elend der meisten unerträglich wird, für die Elenden, die dann, falls noch bei Kräften, schreien: Wir wollen endlich Gerechtigkeit.

5.
Proudhon lehrt: Eigentum, begrenzt für den persönlichen Gebrauch in der Gestaltung des eigenen Lebens, ist selbstverständlich richtig und legitim. Zur freien Entfaltung der einzelnen Menschen kann darauf gar nicht verzichtet werden. Es gilt nur, eine neue Rechtsordnung zu schaffen, die das begrenzte, durch Eigenarbeit erworbene Eigentum sichert und das maßlose Eigentum einzelner, vor allem das monströse Eigentum an Grund und Boden, überwindet. So kommt Proudhon zu seiner Einsicht: Eigentum ist Diebstahl (etwa bei spekulativen Großgrundbesitzern) und Eigentum ist aber auch Freiheit, für die Menschen, die die Arbeit dieses Eigentum erworben haben. Also: Einkommen ohne Arbeit, das „arbeitslose Einkommen“, ist abzulehnen. „Dieser Eigentümer erntet, ohne selbst zu säen“, betont Proudhon.
Der gierige „homo oeconomicus“ (der ganz aufs Ökonomische und den Profit fixierte Mensch) ist ein „Zerrbild der Menschlichkeit, ebenso wie eine Eigentums-Marktgesellschaft, deren öffentliche Räume zerfallen“ (so der Philosoph Helmut Rittstieg, Artikel „Eigentum“, in: Enzyklopädie Philosophie, Band I, S.453).

6.

Proudhon lässt sich in seiner Kritik am Eigentum von der grundlegenden Idee der universalen Gerechtigkeit leiten. Gerechtigkeit steht im Mittelpunkt seiner Argumente. Der katholische Theologe Henri de Lubac hat sich in seiner Studie „Proudhon et le christianisme“ (Paris 1945) mit dieser zentralen Idee Proudhons befasst: „Er war nicht weit davon entfernt, die Gerechtigkeit wie ein sakrales Erlebnis zu deuten und die Gerechtigkeit zu lieben wie eine Person“. Proudhon sagt: „Wir, die wir eine dem Menschen eingegebene, „immanente“ Moral zusprechen, wir, die wir wollen, dass Gleichheit und Gerechtigkeit herrschen, wir sind überhaupt keine Atheisten. Wir setzen die Gottheit nur um“ (Carnets, II, 178). D. h.: Wir setzen also an die Stelle des kirchlichen Gottes die Gerechtigkeit. Ausführlich zu Proudhon und das Christentum: LINK.

7.
Proudhon kannte die katholische Kirche und die Theologie seiner Zeit sehr genau. Und er wusste, wie sehr die Kirche das Privateigentum gerade der Reichen verteidigt. Die Kirchen sind ideologische Stützen der bourgeoisen Fixierung auf das „heilige Privateigentum“.
7.
Wenn also Eigentum unter dem Maßstab universaler Gerechtigkeit steht, muss also das Eigentum verteilt werden. Das Eigentum an Grund und Boden muss in der Verfügung der staatlichen Gemeinden bleiben, die den Grund und Boden befristet den Pächtern übergeben.
Proudhon setzt im Unterschied zu den Marxisten-Kommunisten auf radikale Reformen, und dabei sucht er nach alternativen Konzepten. Wer die Produktionsmittel besitzt, soll dann nur über so viel Eigentum verfügen, wie er selbst für sich bzw. seine Familie braucht. 1849 gründete er eine „Banque Populaire“, also eine „Volksbank“, sie sollte zinslose Kredite an Arbeiter gewähren.
Ab 1851 leitet Proudhon diese Erkenntnis: „„So nimmt der Philosoph aus Besançon ab 1851 eine viel positivere Haltung gegenüber dem Eigentum ein, es handelt sich um ein geläutertes Eigentum, das heißt, im Gegensatz zum kapitalistischen Eigentum führt es nicht mehr zur Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. Diese neue Art von Eigentum zeichnet sich zunächst dadurch aus, dass es untrennbar mit der Arbeit verbunden ist und dadurch eine soziale Dimension erhält, denn wie er seit 1840 betont, ist die Arbeit der Ursprung einer kollektiven Kraft, die von Natur aus allen Produzenten gehört. Das Eigentum nach Proudhon ist also niemals vollständig privat, sondern wird von der Gesellschaft geregelt und hat einen vertraglichen Charakter gegenüber der Gemeinschaft, der auf der Ebene der ländlichen Gemeinde oder der Arbeiterproduktionsgenossenschaft ausgeübt wird.“ Quelle: LINK.

8.

Es wäre wichtig, weiter zu zeigen, wie die von Philosophen, Sozialisten, Anarchisten und Kommunisten angestoßenen Debatten über das Privateigentum auch bescheidene lehramtliche Veränderungen in der katholischen Kirche bewirkt haben. Da wird gelegentlich das Gemeinwohl über das Recht auf Privateigentum gestellt, so formuliert im § 2403 des offiziellen katholischen Katechismus von 1993. Im § 2406 heißt es aber noch sehr allgemein und vorsichtig: „Die staatliche Gewalt hat das Recht und die Pflicht, zugunsten des Gemeinwohls die rechtmäßige Ausübung des Eigentumsrechtes zu regeln“… Wohlgemerkt: Es geht um rechtmäßige Ausübung, nicht um gerechte Ausübung des Eigentumsrechtes!

9.
In dem (noch bis ca. 1960 in der Priesterausbildung üblichen) „Handbuch katholische Moraltheologie“ des Kapuzinerpaters Heribert Jone (15. Auflage 1953) unter Verweis auf das Naturrecht der „gemeinsame Besitz der irdischen Glücksgüter viele Unzuträglichkeiten“ nach sich ziehen würde (S. 204). Und weiter heißt es dann: „Demnach sind die Lehren …der Sozialisten und Kommunisten falsch“. Aber immerhin schreibt Jone in seinem Handbuch: „Nur in äußerster Not darf sich jedermann etwas von den Gütern des anderen aneignen“! (ebd.). Dies gilt nur in „äußerster Not“, nicht etwa allgemein schon in schwerer Not“, wie in § 331 betont wird….Jedoch: “Güter von geringem Wert aber dürfe sich ein Armer aneignen, wenn er sich so leicht aus schwerer Not erretten könnte und auf Bitten nichts erhalten würde“. Wenn aber sehr viele Arme sich Güter aneignen, dann könnte ja vielleicht eine kleine Revolution passieren oder? Daran denkt der Autor, der Kapuzinerpater Jone, nicht.

10.
Es gibt darüber hinaus reaktionäre katholische Kreise, die sich unter dem Titel der internationalen „Bewegung für Tradition, Familie, Privateigentum“ zusammenfinden, diese Werte sollen als Spitze der katholischen Moral gelten! So wollen es die Groß-Bourgeoisie, der Adel und ihre ergebenen, gut bezahlten Theologen-Ideologen. Diese Bewegung wurde von dem Brasilianer Plinio Correa de Oliveira begründet, sie hat in Deutschland – wie in vielen Ländern Europas – ihre Zentrale in Bad Homburg (Leitung: Martin von Gersdorff). LINK in dem Beitrag „Das reaktionäre Christentum der AFD… dort das 5. Kapitel. Ausführlich auch der kritische Bericht „Kreuzritter gegen die Moderne“, LINK

Zu zentralen Themen Proudhons hat die „Société P.-J.Proudhon“ in F- 72320 Courgenard etliche einführende Studien als PDF-Dateien gratis zur Verfügung gestellt. (https://www.proudhon.net/)

Wir empfehlen zum Thema Eigentum: LINK.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

Aktualisiert am 3. Februar 2026 durch CM

Die Remonstranten – eine christliche Kirche der Freiheit, auch in Berlin.

Im September 2021 gedenkt die Remonstranten-Gemeinde in Friedrichstadt ihres 400 jährigen Bestehens.

Das Ereignis ist nicht nur aus historischen Gründen bedeutend, weil dort niederländische Flüchtlinge remonstrantischen Glauben (also Häretiker in der Sicht der offiziellen Calvinisten in den Niederlanden auch kurze Zeit verfolgt) Zuflucht fanden.

Aus aktuellen Gründen vor allem verdienen die Remonstranten Interesse in der weiten christlichen Ökumene und darüber hinaus: Remonstranten sind tatsächlich die einzige explizit „theologisch-liberale“ Kirche weltweit heute, was angeichts des zunehmenden Fundamentalismus in allen anderen christlichen Konfessionen sehr bedeutend ist. Die Remonstranten sind Mitglied des ökumenischen Weltrates der Kirchen in Genf.

Remonstranten gestatten selbstverständlich jedem einzelnen Mitglied, das eigene, persönliche Glaubensbekenntnis zu formulieren. Vorgegebene uralte Bekenntnisse sind interessant, aber nicht für den eigenen Glauben heute entscheidend. Glauben ist für Remonstranten kein Zwangssystem, dem man angesichts von Hierarchien eher leidend angehört, sondern eine Lebensform der persönlichen spirituellen Freiheit.
Das Glaubensbekenntnis der Remonstranten wurde 2006 selbstverständlich nur als Vorschag, als Impuls zum eigenen Nachdenken, für die eigene Lebensgestaltung formuliert.

Die Remonstranten waren – nebenbei gesagt – die erste christliche Kirche weltweit, die schon 1986 in Holland homosexuelles Leben und Lieben in ihren Kirchen offiziell segnete und die auch heute diese Lebensform als völlig gleichberechtigt versteht. Deswegen auch die Abwehr von Homophobie unter Remonstranten.

Vielfältige Informationen über remonstrantisches Leben und remonstrantische Theologie hat der Remonstrant Christian Modehn in Berlin veröffentlicht: LINK

In Berlin ist der Ort remonstrantischer Präsenz seit 2007 der Religionsphilosophische Salon Berlin, als offenes philosophisches wie auch remonstrantisch – theologisches Gesprächsforum. Als einziges „Dogma“ gilt dort, sich seiner eigenen Vernunft kritisch und selbstkritisch „zu bedienen“.

Wer Niederländisch lesen kann: Ich empfehle diese website: https://www.remonstranten.nl/

Sonst auf Deutsch: www.remonstranten-berlin.de
Und:www.religionsphilosophischer-salon.de

Copyright: Christian Modehn

Die 6. „unerhörte Frage“: Sind Menschen bloß noch „andere Tiere“?

Von Christian Modehn.

Was bedeutet „unerhört“?
„Unerhört“ werden außerordentliche Themen genannt.
Als „unerhört“ gilt, wenn ein wahres Wort, ein vernünftiger Vorschlag, von anderen nicht gehört und nicht wahr-genommen wird, also un-erhört bleibt. Unerhörte Fragen müssen entfaltet , beschrieben werden, um ihre provokative Kraft zu bezeugen.

Ein Motto: „Denn wahrlich, der Mensch ist dem Leibe nach dem Tiere verwandt; ist er aber nicht dem Geiste nach Gott verwandt, so bleibt der Mensch ein gemeines und unedles Geschöpf. Ebenfalls wird die Seelengröße und der Glaube an die Veredlung des menschlichen Wesens zerstört“ (so der Philosoph Francis Bacon, in: „Essays“, Leipzig, 4. Aufl., 1979,S. 68).

Und weiterer Hinweis zu Beginn: Diese unerhörte Frage wäre gar nicht formuliert worden, hätte nicht der australische Philosoph Singer das Thema seit langer Zeit mit aller Bravour nach vorn gebracht, so dass viele seine Thesen nachplappern. Singer hat, das ist bekannt, moralisch gesehen abartige Vorstellungen von dem Unwert bestimmter (etwa behinderter) Menschen und dem angeblichen Wert bestimmter Affen oder Schweine. Sein gefährliches Denken „geht mit der Negation der universalen Gültigkeit der Menschenrechte für Menschen einher“ (Andreas Speit, Verqueres Denken, Berlin 2021, S. 210). Dieses Urteil zugunsten der universalen Menschenethik gilt, selbst wenn Singers Werk zur „Animal Liberation“ manche Veganer als ihre neue Bibel betrachten. Und den Tierschutz wichtiger nehmen als den Schutz eines jeden menschlichen Wesens.

Warum sprechen heute so viele Menschen, auch Philosophen, salopp „Von Menschen und anderen Tieren“? Oder wie der „berühmte Philosoph“, Prof. Markus Gabriel sagt: “Wir als Tiere“ (S. 116, in „Zwischen Gut und Böse“, Hamburg 2021). An die unsinnigen Thesen von Peter Singer habe ich gerade oben erinnert.
Es könnnen zahllose weitere Beispiele genannt werden, wie es Mode ist, die Menschen als andere Tier zu bezeichnen, d.h. den Menschen als Menschen abzuwerten. Das ist wohl auch ein politischer Trend? Etwa Thilo Hagendorff in seinem Buch:“Was sich am Fleisch entscheidet“(Büchner -Verlag):“Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Emotionen usw. bei Tieren macht deutlich, dass nicht-menschliche den menschlichen Tieren ähnlich sind„. Und bei Sloterdijk kann man Entsprechendes finden, etwa in seiner Preisrede anläßlich der Übergabe des Helmuth Plessner Preises: „Der Mensch als Tier, dem etwas fehlt„, fasst der Tagesspiegel Sloterdijks Position zusammen. Und er selbst sagt in dem Vortrag nach bekannter Manier sich nicht festlegend und schwankend:“Der Mensch ist eine Randexistenz der Tierwelt“.

1.
So sehr ich selbstverständlich weiß, dass Menschen innerhalb der Evolution entstanden sind und dass Menschen auch animalische (d.h. oft: brutale) Tendenzen haben. Und ich weiß auch: Hundefreunde tun alles für ihren „Liebsten“ und meinen zu sehen, wie er sich freut, anhänglich ist usw. Aber ist das Hunde – Verhalten Ausdruck ihrer vermuteten Freiheit oder gar Liebe? Gewiss nicht, es ist Ausdruck für die Dressur, die seinem Hunde-Wesen entspricht…
Mir scheint es sehr problematisch zu sein, immer wieder, sich den Naturwissenschaften offenbar anbiedernd, von „Menschen und anderen Tieren“ zu sprechen oder bekenntnismäßig zu sagen „Wir als Tiere“.
Welche Interessen stehen dahinter, den Menschen als Tier zu bezeichnen, ihn in die Tierwelt (des Unvernünftigen, vielleicht Dressierten) einzuordnen?
Polemisch gefragt: Wie viele Mücken haben Konzerte komponiert, wie viele Hyänen haben Romane geschrieben, wie viele Löwen gastronomische Leistungen vollbracht, wie viele Eulenhaben von Mystik gesprochen?
Könnte man den Freunden der Behauptung „Menschen und andere Tiere“ eine Freude machen, wenn man ihren Satz einfach umdreht und sagt: “Tiere und andere Menschen“? Oder sogar: „Tiere sind doch auch (nur) Menschen“. Vielleicht stimmen sie dem zu. Manche sind, so sagte meine Mutter, im Blick auf in Hunde verliebte Hundefreunde: „Diese Leute sind auf den Hund gekommen“. Sie können einem vielleicht leidtun, weil sie keine Menschen gefunden haben, die sie lieben können.
2.
Ich verstehe den philosophischen Kontext im Hintergrund dieser modischen Thesen, es ist die Abwehr von einer rein aufs Geistige zielende Definition des Menschen. Bloß weil die Menschen als Geistwesen/Vernunftwesen de facto so viel Unsinn und Verbrechen begangen haben und begehen, gibt es trotzdem keinen Grund, dem Menschen innerhalb der Natur und der Evolution eine besondere Stellung abzusprechen, die durch Geist und Vernunft als „typische Unterscheidung“ gekennzeichnet ist. Oder wollen wir einem unfähigen und trägen Politiker die Entschuldigung abnehmen: „Ich war eben beim Schutz der Umwelt oder beim kritischen Umgang mit Lobbyisten einfach nur faul wie ein Schwein“?
Wenn ich mich also gegen diese Thesen wehre, will ich nicht wieder die totale Herrscherrolle des Menschen bzw. des Mannes herausstellen. Ich will nur an die Erkenntnis erinnern: Ein Tier hat als Tier keine Vernunft und damit auch keine Freiheit. Das diskriminiert die Tiere ganz und gar nicht, es ist eine artgerechte Beschreibung ihres tierischen Wesens. Wir sollten unsere lieben Tiere (lieb sind alle, siehe Haie) nicht als mögliche Vernunftwesen überfordern. T. Viele Tiere behandeln wir als Fleischfresser nach wie vor brutal wie Sachobjekte in der üblichen Massentierhaltung. Wenn man das bedenkt, ist diese Rede von „Wir als Tiere“ nichts als modisches, ein bisschen modische Geschwätz.
3.
Reden wir also vom Menschen als dem Wesen der Freiheit, der Mensch, der noch die Klimakatstrophe etwas einschränken kann oder der das Massensterben in den Hungerregionen überwinden könnte, wenn er nur will. Tiere würden nicht einmal auf solche Gedanken kommen…

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

Aktualisiert am 28. Januar 2023 durch CM

60 Jahre Berliner Mauer am 13. August…Und Mauern entstehen allerorten.

Ein Hinweis zum „Mauerbau-Jubiläum“ am 13. August 2021.
Von Christian Modehn

1.
„Fast alle haben heute die Absicht, Mauern zu errichten“. Wenn Walter Ulbricht (SED) noch lebte, würde er seine altbekannte Lüge „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“ (mitgeteilt am 15.6.1961, also knapp zwei Monate vor dem Bau der Berliner Mauer) verändern. Und ausnahmsweise kritisch und richtig sagen: “Fast alle haben heute die Absicht, Mauern zu errichten“. Und Ulbricht hätte ausnahmsweise recht!
2.
Ohne Ironie: Dieser Satz ist der nüchterne Befund derer, die auf die sozialen Verhältnisse in ihrem eigenen Land schauen wie auf die soziale Ungleichheit weltweit oder speziell auf die unüberwindlichen Abgrenzungen, was Berufswahl und Karriere für Arme angeht oder auch, was die Wohnverhältnisse betrifft. In zentralen Lagen deutscher Städte, wie München, Frankfurt, Berlin, Hamburg kann kein „Normalverdienender“ mehr wohnen und leben. Ganze Innenstadt-Bezirke errichten immer höhere (unsichtbare) Mauern in den Städten. Und die demokratischen Regierungen sehen dem machtlos zu, sehen zu, wie es Massen von Vertriebenen gibt, vertrieben von international agierenden Spekulanten. Mauern unter den „gleichen Bürgern“ werden errichtet.
3.
„Gated communities“ („geschlossene Wohnanlagen“) sind jetzt nicht mehr nur die mit Mauern und Wachpersonal behüteten Wohnquartiere der Millionäre und Millionäre in Californien oder Brasilien, gated communties sind schon längst auf andere, nicht sofort erkennbare Art bestimmend, etwa für die größten Teile der Innenstädte von London, Amsterdam und Paris (durchschnittlicher Preis für einen Quadratmeter Eigentumswohnung etwa in der Nähe des Pariser Rathauses, also im 4. Arrondissement, ca. 14.000 Euro).
4.
Unsere Welt ist heute nicht nur von Grenzen, oft für viele nicht passierbar, durchzogen, sondern von Mauern: Das sind jene materiellen oder virtuellen massiven Abwehrsysteme, um in einer sozial gespaltenen Welt die „anderen“, die „Störenden“, die „Benachteiligten“ von den Reichen auszuschließen. Bestes Beispiel ist die Abwehr von Flüchtlingen im Mittelmeer. Um Walter Ulbrichts Wort zu variieren: Da hat die ganze EU-Mauern errichtet, mit abwehrenden Wächtern, die sogar bereit sind, Flüchtlinge ertrinken zu lassen. Grenztruppen also, bekannt aus der DDR. Auf diesem Ulbricht – Niveau ist Europa (E.U.) wieder angekommen. Und selbst die heftigsten und störrischsten „Grenzer“, wie Herr Orban in Ungarn, können ungestört antihuman walten und empfangen dickes Geld von der E.U.
Das heißt ja nicht, dass es keine Grenzen geben sollte, aber sie sollten keine unüberwindbaren Mauern sein, sondern durchlässig, vor allem für Hilfesuchende. Wie viele Menschenleben hätten gerettet werden können, wenn die europäischen und amerikanischen Staaten bedrohte Juden ab 1933 aufgenommen hätten. Walter Benjamin hätte noch glückliche Jahre erlebt…
5.
Also bitte kein Jubel am 13. August 2021 mit dem Motto: Die Mauer ist weg. Ja, die Berliner Mauer ist als materielle Gegebenheit fast ganz verschwunden, aber wo sind die Mauern heute? Da ist die Liste, siehe oben schon begonnen, endlos lang.
7.
Ich nenne nur die „Mauer in den Köpfen“, wie ein Bonmot sagt, also den Beton im Kopf, der kritisches Nachdenken im einzelnen Menschen verhindert. Wer hat der Beton in die meisten Köpfe gesteckt? Es waren und es sind die Macher von menschenfeindlichen Ideologien, von Rassismus, Antisemitismus, Homophobie, Antifeminismus, die Feinde der Demokratie und der universal geltenden Menschenrechte und so weiter. Sie sind die Mauer-Bauer in den Köpfen. Weil die Köpfe so vieler leer waren oder keine Widerstandsreserven gegen den Wahn hatten, konnten sie von ideologischen Machthabern gefüllt werden. Wer wohl diese ideologischen Machthaber sind? Sie agieren oft eher anonym, hinter den Kulissen der angeblich hilflosen Regierungen, also etwa die Neoliberalen, jeder und jede kann weitere ideologische Beton-Mischer und Mauer-Bauer finden…
8.
In unserer Sicht ist es besonders tragisch, dass die christliche Religion, die vom Kern ihrer Botschaft Nächstenliebe predigt und leben will, also alles gegen Mauern haben sollte, dass diese Religion selbst Mauern baut. Das gilt für viele fundamentalistische Kirchen, wie für viele Evangelikale und Pfingstkirchen, das gilt für den immer noch dogmatisch erstarrten offiziellen Katholizismus. Der Vatikan ist bekanntlich von hohen und meterdicken Mauern umgeben. Ein Symbol! Vom Betongeist islamistischer Fundamentalisten wäre zu sprechen oder dem der Ultra-Orthodoxen in der russischen Putin -Kirche oder in Israel oder im Hinduismus usw…
9.
Religionen als Institutionen sind Mauer-Institutionen, sie lieben die Mauern, die streng bewachten Grenzen, in denen es nur Freunde oder Feinde gibt.
10.
Wer kann Mauern einreißen: Der kritische Geist der reflektierenden Vernunft im einzelnen. Und die einzelnen können sich zum spirituellen und politischen Überleben Organisationen und Gruppen suchen, die dem Wahn der Mauern Widerstand leisten und versuchen ,diese einzureißen…
11.
Eine Anregung:
Die Gruppen des kritischen Katholizismus (mit ihrem „Synodalen Weg“ jetzt) werden an den „Mauern des Vatikans“ selbstverständlich wieder scheitern, wie so viele ähnliche Projekte zuvor … und sich dann auf die Suche nach ihrer verlorenen Lebens-Zeit begeben.
Wie wäre es, wenn diese Katholiken sich von dem Modell der Aktionen des „Zentrums für politische Schönheit“ (Berlin) inspirieren ließen. Sie könnten in einer wohl geplanten Aktion an vielen Stellen die hohen Mauern des Vatikan-Staates erklimmen und schließlich hoffentlich unbemerkt überwinden. Die Reformer landen förmlich auf den Schreibtischen der Prälaten und Kardinäle… Das wäre ein politisch-theologischer Symbolakt, der mehr gedanklich bewirken könnte und langfristig im Gedächtnis bliebe als die ewigen, aber hoffnungslosen Debatten über die Reform der eingemauerten römischen Kirche.

Zur Vertiefung: Hohe Mauern sperren den Vatikan ein, das Zentrum der römisch-katholischen Kirche LINK

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

Die 7. „unerhörte Frage“: Haben politische Einsichten eines Philosophen des 17. Jahrhunderts eine aktuelle Bedeutung?

Das Motto von Francis Bacon: „Aberglaube (und Verschwörungstheorien) sind verheerend für den Staat“.

Ein Hinweis von Christian Modehn.

Was bedeutet „unerhört“?
„Unerhört“ werden außerordentliche Themen genannt.
Als „unerhört“ gilt, wenn ein wahres Wort, ein vernünftiger Vorschlag, von anderen nicht gehört und nicht wahr-genommen wird, also un-erhört bleibt. Unerhörte Fragen müssen entfaltet , beschrieben werden, um ihre provokative Kraft zu bezeugen.

1.
„Der Aberglaube bringt Verstand, Philosophie, natürliches Gefühl, Recht und Achtung auf den guten Namen zum Schweigen“. Dadurch verhindert der Aberglaube ein menschenwürdiges Leben. „Aberglaube beherrscht dann allein und unumschränkt die menschlichen Gemüter“. Der Philosoph Francis Bacon, (1561-1626), bekannt vor allem als Philosoph der Natur und der Empirie, hat vor den Verirrungen des Aberglaubens gewarnt, den er, aus seiner Sicht damals, als viel verhängnisvoller deutete für das menschliche Zusammenleben als den Atheismus.
2.
Unter Aberglauben verstand Bacon vor allem einen wahnhaften religiösen Glauben, aber auch verrückte Ideologien, die man heute Verschwörungstheorien nennt. Im 15. seiner „Essays“ (von 1625) spricht er über „Aufstände und öffentliche Unruhen“, dabei betont er, dass „Schmähschriften und zügellose Reden“ sowie „Gerüchte“ zu den öffentlichen Unruhen führen“, also in seiner Sicht zum Chaos (in: Essays, Leipzig, 1979, S. 55). Gerüchte als Verschwörungstheorien deutet bereits der römische Dichter Vergil (70 vor Chr. -19 nach Chr.) als „Vorläufer kommender Aufstände“, betont Bacon. „Aufrührerische Tumulte und aufrührerische Gerüchte lassen sich gar nicht unterscheiden“. (S.56).
Erstaunlicherweise empfiehlt Bacon nicht eine „allzu strenge Unterdrückung“ der Gerüchte; er wehrt sich gegen allzu häufiges Agieren, die das Ziel hat, den inneren sozialen Frieden zu bewahren. Bacon meint hingegen, wenn man sich zu intensiv um die Unterdrückung der Gerüchte bemüht, „sind diese Gerüchte von erstaunlich langer Lebensdauer“ (S. 56).
In die Gegenwart übersetzt: Das allzu häufige Sprechen, zum Beispiel über die AFD, die Reichsbürger etc. stärkt wohl eher noch das „Ansehen“ dieser rechtsextremen Kreise. Die AFD ist eine Partei, für die sich nur ca. 10 Prozent der Wähler entscheiden, da ist übermäßiges Reden mit denen nicht so hilfreich, was aber auch nicht heißt, dass Fakten freigelegt werden müssen.
3.
Bacon nennt Beispiele übler Verschwörungstheorien, er erinnert etwa an den berühmten Religionsphilosophen Plutarch, (45 – 125 n. Chr.) Von ihm behaupteten Verschwörungstheoretiker damals, er verzehre seine Kinder gleich nach der Geburt. (Francis Bacon, Essays, Leipzig, 1979, S. 70). Nebenbei: Plutarch hat eine Studie über den Aberglauben veröffentlicht…
Interessant ist, dass Francis Bacon neben anderen eine Ursache für den Aberglauben (und Verschwörungstheorien) nennt: “Es sind schließlich barbarische, namentlich mit Elend und Ungemacht verbundene Zeitalter“ (Ebd., S .71).
Und man glaubt förmlich Verbindungen zur Gegenwart der verbrecherischen Verschwörungstheorien (und der entsprechenden Praktiken!) zu lesen, wenn Bacon schreibt: „Der Aberglaube (auch die Verschwörungstheorien) hat den Sturz manches Staates herbeigeführt, weil er eine neue Urkraft darstellt, die verheerend den ganzen Staatskörper überfällt. Beim Aberglauben gibt das Volk den Ton an, und in diesem Punkte folgen Weise den Toren nach, und in verkehrter Reihenfolge passen sich die Vernunftgründe hinterher der Praxis an“ (Ebd. S.70).
4.
In dem leider nicht vollendeten Essay „Über Gerüchte“ (S. 244ff.) schreibt er: „Jedenfalls ist nicht zu leugnen, dass Rebellen und aufrührerische Gerüchte und Schmähreden zueinander gehören wie Brüder und Schwestern“ (S. 244). „Das Gerücht verfügt über eine solche Macht, dass kaum eine bedeutende Handlung vor sich geht, woran es nicht einen großen Anteil hat, zumal im Kriege“ (S. 245)
5.
Bacon war zu seiner Zeit sicher ein getreuer Anhänger des Absolutismus, seine Warnungen vor Aberglauben, Verschwörungstheorien und Gerüchten müssen in dem Zusammenhang gesehen werden. Aber er „lehnt jede königliche Diktatur und Tyrannei ab. Auch der König sei dem Ganzen verpflichtet und dürfe nicht das Gleichgewicht im Staate durch willkürliche Maßnahmen stören“ (S. 261, in dem Beitrag von Walter Apelt). Für Bacon gibt es also keine fürstliche „Allgewalt“.
6.
Weil Bacon eine universale humane Ordnung vor Augen hatte, sind seine Warnungen vor der Macht des Aberglaubens, der Gerüchte und Verschwörungstheorien durchaus auch heute ernst zu nehmen.

Die „Essays“ von Francis Bacon gibt es in deutscher Sprache in unterschiedlichen Verlagen.Ich zitiere nach der vollständigen Ausgabe der „Dietrichschen Verlagsbuchhandlung“ in Leipzig, 4. Aufl., 1979, das Buch, in feiner Ausstattung, gebunden, 284 Seiten, hatte den erstaunlichen Preis von 6,15 DDR-Mark.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

Aktualisiert am 28. Januar 2023 durch CM

Macron – ein Revolutionär?

Zu einem neuen Buch von Joseph de Weck

Ein Hinweis von Christian Modehn am 26.7.2021

1.
Der Untertitel des Buches „Emmanuel Macron“ zeigt von vornherein die Richtung, es geht um einen „revolutionären Präsidenten“. Autor dieses Essays, das rechtzeitig vor der Präsidentschaftswahl 2022 erscheint, ist der in Paris lebende Politologe Joseph de Weck (Jahrgang 1986). Herrscht also, 232 Jahre nach dem Beginn der Französischen Revolution, tatsächlich ein „Revolutionär“ an der obersten, äußerst mächtigen Spitze der Republik? Macron sieht sich in einem geradezu übermäßigen Anspruch, aber er kann nicht die neue Revolution vollbringen, die Bürger folgen ihm nicht… und die Europäer – bis jetzt – auch nicht. So ist die Macht des sehr energischen und sehr selbstbewussten Emmanuel Macron doch begrenzt, immer wieder gestört von den eigensinnigen Bürgern, wie etwa der berühmten Protest-Bewegung der „Gelbwesten“. Macron will ganz entschlossen, nach der Beurteilung des Politologen, die zerrissene, „gespaltene“ (S. 180) und deswegen widersprüchliche Nation Frankreich nicht etwa nur regieren, er will sie versöhnen. Ein Mammutprojekt, denn gespalten ist die Nation spätestens seit 1789. Die BürgerInnen Frankreichs sind, ohne in Klischees zu verfallen, oft sehr aufmüpfig und sozusagen ständig streikbereit, Kompromisse fallen schwer, dabei „im letzten“, was die Stabilität ihres Lebens zumal auf dem Lande betrifft, doch „sehr konservativ“ (S. 166). Macron, der Präsident will diese seine Nation versöhnen, und gleichzeitig Europa in der Gestalt der E.U. als geistige wie ökonomische Macht entwickeln und verteidigen. Seine europäische Führerrolle wird wohl nach dem Ende der Ära Merkel noch deutlicher werden. Macron ist wohl DER europäische Politiker heute und zweifellos auch nach 2022, wenn „es denn klappt“, und sich Macron gegen die sehr rechtslastige Marine Le Pen (Parteiführerin von „Rassemblement National“) durchsetzt…
2.
Es ist auch bezeichnend für das ausgeprägte Selbstbewusstsein Macrons, dass er als Titel für seine politische Programmschrift schon im November 2016, also kurz vor seiner Wahl, schlicht und unbescheiden „Revolution“ wählte. In der Taschenbuchausgabe 2017 steht der etwas milder stimmende Untertitel „Reconcilier la France“, „Frankreich versöhnen“. Keine leichte Aufgabe: „Frankreich ist im Grunde eine Gesellschaft von Anarchisten“, heißt das sehr provozierende Urteil de Wecks (S. 36), und er bezieht sich dabei auf das bekannte Zitat von de Gaulle, der daran (ver)zweifelte ein Land zu regieren, „in dem es 258 Käsesorten gibt“ (ebd.).
Joseph de Weck bezieht sich oft auf dieses „Revolutions-Buch“ von Macron. Und zeigt, dass tatsächlich die Versöhnung des in sich zerstrittenen, ideologisch wie sozialpolitisch zerrissenen Frankreich die oberste, aber äußerst schwierige Projekt des jungen Staatspräsidenten (geboren am 21. 12.1977 in Amiens) ist.
De Wecks Buch bietet keine ausführliche, chronologisch geordnete Biographie des Staatspräsidenten, nur elementare Informationen werden dazu geboten, etwa auch zu seiner Ehe (Heirat 2007!) mit seiner früheren Lehrerin Brigitte Auzière im Gymnasium der Jesuiten in Amiens (S. 23 f.).
Im ganzen stellt der Autor den Präsidenten Macron in den Kontext der aktuellen politischen, ökonomischen und sozialen Verhältnisse. Damit werden viele Leserinnen in Deutschland zugleich wichtige Hintergrundinformationen zu der doch eher unbekannten, wenn nicht fremden Nation in der Nachbarschaft geboten.
3.
Ich nenne nur einige zentrale Stichworte, die im Essay dargestellt werden:
Macron will explizit im Auftreten, Reden, Handeln ein großer, ein intellektueller Staatsmann sein, der sich gern mit de Gaulle und dem Sozialisten Mitterrand vergleicht. Macron ist sich seiner Bedeutung sehr bewusst und er zeigt das.
Er ist verglichen mit anderen PolitikerInnen in Europa tatsächlich ein intellektueller Staatspräsident, mit einer tieferen Kenntnis der Philosophie und Literatur, seine Reden und Ansprachen haben oft den Charakter philosophischer Reflexion. PolitikerInnen in der europäischen Nachbarschaft oder in den Büros der E.U. zeigen in ihren intellektuell dürftigen Reden eher ihren eigenen, eher technokratischen Charakter.
Das ist der Anspruch: Macron will eine Politik gestalten, die weder rechts noch links ist. Dafür gibt es viele Beispiele: Er fördert die Wohlhabenden in der Steuerpolitik und erhöht aber auch die Rente der Armen ein bisschen. Er fördert die Bildung und reduziert die Klassengröße in „sozial prekären Vierteln“ auf 12 SchülerInnen. Das Gehalt der Lehrer, die es in diesen Problemgegenden aushalten, erhöht er um 3.000 Euro jährlich (S. 90).
4.
So sehr auch manche Reformen für die „einfachen Leute“ wichtig sind: Die Kritik gerade von Seiten der Linken ist heftig (S. 96). Joseph de Weck schreibt: “Ein Teil der Bevölkerung hasst den Präsidenten Macron richtig gehend, heftiger noch als Sarkozy“ (S. 159). Warum? Weil er in der Sicht der Linken doch letztlich eine Politik zugunsten der Reichen macht, selbst wenn er sich dialogfreundlich etwa mit den „Gelbwesten“ unterhält. Die Rechten und die Reaktionären, auch viele Katholiken, verachten ihn, weil er die „Ehe für alle“, also die Ehe für homosexuelle Paare, eingeführt hat. Bezeichnend ist, dass Macron mit dem niederländischen rechtsliberalen und neoliberalen Ministerpräsidenten Mark Rutte befreundet ist (S. 128).
5.
Im Ganzen ist „Macrons Image noch immer nicht fixiert“, (s. 185), viele Beobachter betonen: Man kann Macron nicht definieren, er entzieht sich förmlich einer Festlegung. Die Linken sehen das anders, wie etwa der inzwischen viel gerühmte Autor Eduard Louis (S. 163). Louis beschwerte sich sogar darüber, dass sein autobiographischer Roman „Wer hat meinen Vater umgebracht“ im Präsidentenpalast gelesen wird. Per Tweet schrieb Louis an Macron: “Sehen Sie davon ab, mich zu benutzen, um die Gewalt (des Staates gegen ausgegrenzte, arm gemachte Bürger, CM) zu maskieren, die Sie ausüben und inkarnieren…“ Worte, die de Weck eher peinlich findet… Und er schreibt weiter: „Obwohl (der tatsächlich weltberühmte linke Ökonom, CM) Thomas Piketty ähnlich denkt wie Macron, jedenfalls in Sachen Weltwirtschafts – und Europapolitik, sucht Macorn nicht die Nähe zu diesem Starökonomen“ (S. 163). Macron ist eben kein Linker, wer es immer noch weiß! Er verteidigt die „Meritokratie“ (S. 164), also das liberale (auch FDP) Motto: Leistung und viel Arbeit lohnt sich, sie erst macht aus einem Menschen einen wertvollen Menschen…
6.
Es ist auch klar, dass sich Macron einigen Thesen von Marine Le Pen angepasst hat, gerade hinsichtlich der Flüchtlingspolitik. Ihm geht es darum, Stimmen aus dem sehr konservativen Lager bei der Wahl 2022 zu sammeln, damit er stärker wird als die rechtsextreme Politikerin Le Pen. Auf die Stimmen der Linken kann Macron im zweiten, entscheidenden Wahlgang gegen Le Pen nicht zählen. Aber noch ist vieles offen und vielleicht passiert ein Wunder und die zerstrittenen Linken vertragen sich und einigen sich auf einen gemeinsamen Kandidaten bzw. eine Kandidatin.
7.
Natürlich kann der Essay von Joseph de Weck nicht alle relevanten Aspekte zu Macron und Frankreich heute ansprechen. Ich hätte mir trotzdem mehr Informationen gewünscht zu der typisch französischen Laicité, die de Weck komischerweise einmal falsch mit „laizistisch“ übersetzt (S. 167). Und die Bedeutung Macrons als Philosoph und Ricoeur – Schüler wird meines Erachtens vom Autor etwas übertrieben. LINK Und auch dies: „Gottesdiensten bleibt (der getaufte Katholik) Macron grundsätzlich fern“, schreibt de Weck auf S.18. Mag ja sein. Aber mit den Katholiken will der Katholik Macron, der Jesuitenschüler, letztlich doch in gutem Einvernehmen sein. Kürzlich besuchte er als erster Präsident überhaupt im Juli 2021 den Marienwallfahrtsort Lourdes… Natürlich offiziell nicht als Pilger, sondern als besorgter Politiker. Aber diese Visite fand nach der Veröffentlichung des Buches statt. Immerhin aber hat Macron im Juni 2018 Papst Franziskus im Vatikan zu einem einstündigen, offenbar sehr herzlichen Gespräch getroffen, er wurde zum Ehrenkanonikus der Basilika St. Johannes im Lateran ernannt, gemäß einer alten Tradition. Und noch am 21.3. 2021 hat Macron und der Papst telefoniert. Dabei gratulierte der Präsident Papst Franziskus für seine Reise in den Irak. Schwieriger gestaltet sich der Umgang Macrons mit „den“ Muslimen, sein Innenminister bezeichnete pauschal den „Islam als Problem“…Ein neues Laicité-Gesetz soll die Muslime auffordern, sich eindeutig zu den Werten der Republik theoretisch wie praktisch zu bekennen. LINK
Die Laicité, die ständig viel besprochene Trennung von Religionen und Staat, wird heute neu bestimmt im Blick auf die Muslime und ihre Gemeinden. Macron will die Integration fördern, viele meinen, es handle sich eher um eine Assimilierung „des“ Islams an die französische Republik. Deswegen schwärmt die rechtsextreme Politikerin Marine Le Pen auch von der Laicité, weil sie darin ein Instrument entdeckt hat, „die“ Muslime in Frankreich einzugrenzen mit einer Art „Nicht -Willlkommens – Unkultur“. Marine Le Pens Vater war und ist stärker antisemitisch orientiert, die Tochter als Parteiführerin ist geradezu judenfreundlich, ihre ganze Abneigung gilt nun dem Islam.
Leider wird in politischen oder soziologischen journalistischen Essays viel zu wenig die nach wie vor aktuelle Bedeutung der Religionen in Europa dokumentiert und diskutiert…
8.
Ansätze für eine politisch-theologische Vertiefung bietet de Weck, etwa auf Seite 71. Er erinnert an die sakral anmutende Inszenierung Macrons im Louvre zu Beginn seiner Präsidentschaft, er weist auf einen gewissen Heldenkult hin (sozusagen säkulare Heiligenverehrung?) und vor allem: Macron ist durchaus mit dem Gedanken vertraut, dass Franzosen manchmal eine „Praxis der religiösen Überhöhung der Republik“ (Seite 71) suchen und pflegen.
Wird dann der Präsident der Republik zu einem säkular-heiligen Nachfolger unter den Königen? Bloß: Welcher Bischof würde ihn, den Präsidentenkönig, dann salben etc.?
Fest steht: So ganz wird die säkulare, wenn nicht jetzt bereits tief säkularisierte, also auch durchaus a-kirchliche bzw. anti-kirchliche französische Gesellschaft (nur noch ca. 32 Prozent nennen sich jetzt laut Umfragen katholisch (Quelle: Le Point, 23.5.2019) dann doch nicht die Verbindungen zu einer gewissen Transzendenz los… Etwas Göttliches verschwindet offenbar nicht. Aber vielleicht verbergen sich hinter dem säkular Göttlichen doch nur Götzen?
9.
Nur ein kleiner Korrekturvorschag für die 2. Auflage: Evreux ist wahrlich, wie de Weck behauptet, keine „Pariser Vorstadt“, (S. 165), sondern Sitz der Präfektur des Départements Eure. Evreux ist 98 Km von Paris entfernt…

Joseph de Weck, Emmanuel Macron. Der revolutionäre Präsident. Weltkiosk-Verlag London-Berlin, 2021, 201 Seiten, 20 Euro.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

Vatikan – ein Blick hinter die Mauern. Päpste und Prälaten regieren die Kirche hinter Mauern…

Prälaten und Päpste herrschten und herrschen hinter hohen Mauern
Ein Besuch in der Vatikanstadt

Ein Hinweis von Christian Modehn (urspünglich eine Ra­dio­sen­dung im WDR 2009). Noch einmal veröffentlicht am 24.7.2021.

1.

Im Jahr 2009 habe ich diesen Beitrag über den Staat „Vatikan-Stadt“ („Heiliger Stuhl“) veröffentlicht. Diese Hinweise sind nach wie vor gültig: Die hohen und dicken Mauern des Vatikans umgeben die Herrscher der Katholischen Kirche noch immer. Das Thema „Katholizismus ist eingemauert“ wäre ein spezielles Thema, wenn man des Mauerbaus am 13.8.1961 in Berlin gedenkt und an Regime denkt, die sich einmauern…

2.

Am 11. 2. 2009 hat einer der ungewöhnlichsten Staaten der Welt sein 80 jähriges Bestehen gefeiert: Nicht nur ein Kleinstaat, wie Andorra, sondern noch kleiner als ein Kleinst- Staat wie etwa die Republik San Marino. Dieser Staat verfügt zwar nur über knapp einen halben Quadratkilometer Fläche und zählt 550 Bürger. Aber in diesem Winzling von Staat ist sehr viel politische und religiöse Macht versammelt.  Wir meinen die Vatikanstadt:

In einem Vertrag mit dem Faschisten Benito Mussolini war es Papst Pius XI. im Jahr 1929 gelungen, einen souveränen Staat zu errichten.
Jeder Rombesucher muss die Republik Italien verlassen, wenn er dem Papst auf dem Petersplatz zujubeln will: Denn der Segen „Urbi et Orbi“ wird auf ausländischem Territorium, auf dem Gebiet der Vatikanstadt, gespendet. Und die umfasst z.B. den Petersdom, die Sixtinische Kapelle, die vatikanischen Gärten, einige Kirchen, Paläste und Verwaltungsgebäude sowie auch noch exterritoriale Gebiete wie die luxuriöse Sommerresident Castel Gandolfo. Wenn der oberste Hirte vom Petersdom aus seinen frommen Schäfchen den Segen erteilt, bleibt er selbstverständlich das politische Oberhaupt seines souveränen Staates, der Vatikanstadt. Aber die Rompilger sollten trotz Weihrauch und lateinischen Gesängen einen klaren Kopf behalten: Denn das vatikanische Staatsoberhaupt ist mit einer weiteren umfassenden Macht ausgestattet: Die Päpste ließen es sich vor 80 Jahren von Mussolini verbriefen, dass sie sogar als einzelne Personen auch „Völkerrechtssubjekte“ sind, also geradezu unantastbare Würde weltweit genießen. Als Inhaber des „Heiligen Stuhls“ sind die Päpste von höchster moralischer und religiöser Autorität. Die Appelle z.B. beim Segen Urbi et Orbi stammen also vom Heiligen Stuhl, nicht vom vatikanischen Staatsoberhaupt. Auch Benedikt XVI. fühlt sich in dieser doppelten Rolle als Politiker und religiöser Führer zugleich  recht wohl.

3.

Wer  wissen möchte, in welchem Umfeld der Papst lebt, muss hohe Festungsmauern  aus dem 16. Jahrhundert überwinden. Denn das ganze Gebiet der Vatikanstadt ist von meterhohem Gestein umgeben, es ragt bis zu 20 Meter in die Höhe. Die Berliner Mauer wirkt demgegenüber wie ein politischer Witz. Die Botschaft ist deutlich: Besucher sind in der Vatikanstadt nicht erwünscht. Zahlungskräftige Touristen sind lediglich in den vatikanischen Museen willkommen, nicht im Innern des Staatsgebietes. Es wäre darum sinnlos zu versuchen, als frommer Christ aus den Vatikanischen Museen auszubrechen, um ins freie Gelände der Vatikanischen Gärten zu gelangen. Und wer einmal die Gnade empfangen hat, im Vatikanischen Archiv Akten zu studieren, sollte bei der strengen Bewachung besser nicht die Tür öffnen, die ins Innere der päpstlichen Herrschaft führt. Erfolgreicher könnte der Versuch sein, mit einem Rezept ausgestattet, die Apotheke innerhalb der  Vatikanstadt zu konsultieren. Man sollte den kontrollierenden Schweizer Gardisten an der „Porta Santa Ana“ allerdings nicht verraten, dass man „die Pille“ oder gar „Kondome“ zu kaufen wünscht. Die gibt es nämlich nicht in der päpstlichen Pharmazie. Und so wäre dieser Versuch, ins Innere der Papst Stadt einzudringen, zum Scheitern verurteilt. Erfolgreich könnte vielleicht das Ersuchen sein, unbedingt Geld zu wechseln bei der Vatikanbank IOR, schließlich, so wurde berichtet, hätten ja auch machtvolle Familien aus Neapel und Sizilien ihr Geld dort anlegen wollen.
Man sollte gar nicht erwarten, Frauen im Innern des Papststaates zu treffen: Die wenigen Nonnen des Staates müssen sich um Essen und Wäsche ihrer geistlichen Herrn kümmern, einige andere Damen sind im Radio Vatikan mit der Weitergabe päpstlicher Lehren befasst. Wer Tierliebhaber ist, sollte versuchen, auf dem Vatikan Friedhof nach der letzten Ruhestätte des einst so beliebten, weil so umtriebigen Katers Rambo zu fragen: Er ist das einzige nicht getaufte Wesen, das in vatikanischer, d.h. katholischer  Erde ruht.

4.

Der ganze Staat zählt kaum 40 Straßen. Eine Gasse führt zum Beispiel zur Obersten Glaubensbehörde. Dort verfolgte ihr damaliger Chef Kardinal Joseph Ratzinger angebliche Ketzer wie Hans Küng oder Leonardo Boff. Die geistlichen Bürokraten dort im Range eines Erzbischofs verdienen 3.500 Euro netto monatlich. „Wer in einem Interview aber irgendein Geheimnis verrät und dann namentlich zitiert wird“, berichtet der Publizist Alexander Smoltczyk, „kann sein Entlassungsschreiben sofort abholen“. Innerhalb der vatikanischen Mauern ist Selbständigkeit im Denken absolut  unerwünscht. Ein hoch angesehener Insider, Prälat Walter Brandmüller, kann es sich leisten, öffentlich zu sagen: “Man profiliert sich niemals, die Regel heißt: Bloß nicht aufffallen“. Der Vatikan Prälat betont sogar: “Das Ideal des kurialen Funktionärs ist die graue Maus“.
Innerhalb der Mauern überwacht ein klerikaler Mitarbeiter den anderen. Ausschweigungen, auch sexueller Art, sind unter diesen repressiven Bedingungen absolut tabu. Solche Freiheiten dürfen sich Kurienmitarbeiter nur außerhalb der Mauern, also im Sumpf der Metropole Rom, leisten. „Der einzige Unterschied, der bei den Vatikanprälaten zählt, ist die Frage, ob man hetero – oder homosexuelle Vorlieben hat“, berichtet Alexander Smoltczyk. Ältere Herrschaften aus dem Vatikan befriedigen ihre Lust, so wird berichtet,  eher in Luxus Restaurants in der römischen Altstadt. Alexander Smoltczyk nennt die Adressen. Aber diese Freiheiten nehmen sich alle Beteiligten selbstverständlich in absoluter Verschwiegenheit. Verlogenheit wird zum Prinzip, schließlich will man ja noch möglichst lange dem Hof, dem päpstlichen, dienen. Beförderungen spricht der Papst nach eigenem Gutdünken aus, er herrscht wie ein absoluter Fürst. Sehr treffend nennen alle Lexika die Vatikanstadt eine absolute Monarchie. Menschenrechte klagt der Papst nur bei anderen Staaten ein, auf seinem eigenen Territorium vereinigt er in seiner Person alle drei politischen Gewalten.
Der unangemeldete und unerwünschte Besuch im Innern des Papststaates ist eigentlich schnell beendet. Die Türen zu den Behörden in den Renaissance Palästen öffnen sich nur Eingeweihten, und die müssen geweiht sein. Aber der verstohlene Blick in die Gemächer hoch oben zeigt: Da wird das Evangelium verwaltet, inmitten antiker Möbel, von Seidentapeten umgeben und barocker Kunst verziert. „Wer angesichts des Vatikans noch römisch – katholisch bleibt, der  muss schon sehr, sehr tapfer sein“,  sagt ein Insider, natürlich anonym. Aus Angst.

Zahlreiche Informationen verdanke ich dem neuen Buch (2009!) von Alexander Smoltczyk, der in Rom als Journalist arbeitet. Er hat seiner Studie den Titel „Vatikanistan“ gegeben. Er will damit gewisse Anklänge an zentralasiatische Regime wecken, die, wie etwa Usbekistan, nicht gerade Vorbilder der Demokratie sind. Das Buch mit Lesebändchen (!) hat 352 Seiten und kostet 17,95 €, erschienen ist es im Heyne Verlag in München. Sehr zu empfehlen!

Aktualisiert am 4. August 2026 durch CM