Ein Hinweis von Christian Modehn am 7.September 202
1.
Der Wahlsonntag, 6.9.2026 in Sachsen – Anhalt, ist ein Tag vielfältiger Niederlagen der demokratischen Vernunft, ein historischer Tag, eine Zäsur in der Geschichte, wie auch immer die weitere politische Gestaltung des Landes Sachsen – Anhalt und damit auch in der Bundesrepublik Deutschlands aussieht.
2.
Der Begriff „Niederlage der Vernunft“ ist selbstverständlich ein normativer Begriff, also ein Begriff, der mit ethischen und philosophischen Überlegungen verbunden ist: Philosophische Vernunft ist bekanntlich ein Hinweis auf die Menschenrechte und auf die Grundsätze der prinzipiell für alle Menschen gültigen Ethik. Diese Grundsätze humanen Zusammenlebens sind nicht verhandelbar. Ohne ethische und d.h. normative Grundsätze gibt es kein humanes Leben, auch kein politisches Leben. Das ist evident: Alle Menschen handeln immer nach ethischen Maximen, einige Maximen – auch politischer Menschen – können schädlich sein, andere gut, etwa die Maximen der Demokratie. Das ist auch die Erkenntnis der nach wie vor gültigen Ethik Immanuel Kants.
3.
Wir sprechen von vielfältigen Niederlagen der Vernunft. Damit meinen wir: Das Wahlergebnis der AfD (43,8%) in Sachsen-Anhalt ist eine Niederlage der Vernunft, das heißt eine Niederlage des Respektes der Menschenrechte, eine Niederlage des Respekts der unverzichtbare Idee der Demokratie. Die AfD ist keine „Alternative für Deutschland“, sie ist vielmehr eine Alternative zu Deutschland, also eine Alternative, die in ein grundsätzlich anderes, ein rechtsextremes Deutschland führen will.
4.
Das Wahlergebnis ist erstens eine Niederlage der Vernunft auch für die PolitikerInnen der AfD, die, ideologisch verblendet, bewusst und systematisch die Demokratie in Deutschland abschaffen wollen und in diesem Handeln auch ihre eigene humane Vernunft zerstören.
5.
Das Wahlergebnis ist zweitens eine Niederlage der Vernunft für die WählerInnen der AfD, die sich in blinder Wut auf offensichtliche, aber korrigierbare Fehler der Demokratie zur Wahl der AfD hinreissen lassen oder bewusst die demokratischen Grundsätze ablehnen und eine Herrschaft einer rechtsextremen Partei wünschen,. Diese Leute ignorieren also das Wahlprogramm der AfD , das die vielfache, auch ökonomische, Unvernunft direkt aussagt.
6.
Das Wahlergebnis ist drittens eine Niederlage der Vernunft für die demokratischen Parteien und deren Politikerinnen: Sie müssen sich fragen: Was haben wir als Demokraten falsch gemacht? Sind wir den Prinzipien einer sozialen und ökologisch verantwortlichen Politik gefolgt? Haben wir versucht, in ausführlichen Gesprächen Menschen zu überzeugen: dass NICHT in einer amtlich nachgewiesen rechtsextremen Partei das „Heil“ zu erwarten ist? Warum ist es nicht gelungen, die vielgesprochene Nähe zu den Menschen, gerade auf dem Land, durch demokratische Parteien zu realisieren? Warum haben demokratische Politiker nicht tausendmal glaubhaft gesagt: „Wir haben als demokratische Politiker Fehler gemacht, aber nur in einer Demokratie sind Fehler korrigierbar. In einem politischen System der rechtsextremen Partei AfD wird kein Fehler korrigiert, da geht es nur um die Herrschaft rechtsextremer Ideologie.“
7.
Solche Entgleisungen einer Demokratie sind immer möglich, das liegt an den Menschen, den PolitikerInnen wie den Bürgern, den WählerInnen, die nicht immer humanen Grundsätzen folgen, also den Menschenrechten und dem Gebrauch der eigenen immer selbstkritischen Vernunft usw… Immanuel Kant sprach treffend davon, dass Menschen aus „krummem Holz“ gebildet sind, also den aufrechten Gang nur mit Mühe realisieren können.
8.
Dieser Hinweis auf die vielfältigen Niederlagen der Vernunft, die am 6.9.2026 offensichtlich wurden, erinnert an die immer möglichen Korrekturen und Verbesserungen der Demokratie. Denn noch besteht in den Bundesländern noch die Demokratie. Aber es muss jetzt eine Zeit intensiver Bildungsarbeit zur Demokratie beginnen, inklusive der Darstellung der in Deutschland durchaus bekannten Gefahren durch Rechtsradikale und eine Zeit des wirksamen Respekts der sozialen Grundsätze der Demokratie und der ökologisch gebotenen Reformen angesichts der Klimakatastrophe, um nur zwei Beispiele zu nennen.
9.
Es muss jetzt auch an Schriftsteller und Intellektuelle erinnert werden, die in der nahen Vergangenheit explizit wie wir von der Niederlage der Vernunft in der Politik gesprochen haben.
10.
Wir erinnern an ein wichtiges Zitat aus dem Roman von George Orwell mit dem Titel „1984“. Darin spricht der Autor des 1948 geschriebenen Romans von einem Wahrheitsministerium der Diktatur, das alle Bürger zur Anerkennung dieser perversen Grundsätze zwingt:
„Krieg bedeutet Frieden. Freiheit ist Sklaverei. Unwissenheit ist Stärke.“
(In der „Ullstein – Taschen-Buch“ Ausgabe des Romans, im Jahr 1976, dort S. 7).
Dies sind die Maximen, die Grundsätze aller Feinde der Demokratie, man denke auch an Mister Trump oder Putin….
11.
Wir weisen auf Thomas Mann hin, der am 17.10.1930 in Berlin, kurz nach dem ersten bedeutenden Wahlerfolg der NSDASP, eine berühmte Rede hielt unter dem Titel: „Deutsche Ansprache. Ein Appell an die Vernunft“. Es ist ein dringender Appell an die Deutschen, zur politischen Vernunft zurückzukehren.
Wir erinnern an Carl von Ossiezky, Herausgeber der „Weltbühne“, Friedensnobelpreisträger: Er warnte explizit vor einem „Kultus der Unvernunft“.
KI bietet – am 7.9.2026 – die treffende und richtige Auskunft: „Für Ossietzky war der Kult der Unvernunft untrennbar mit einem wiederaufflammenden Militarismus und Nationalismus verbunden. Er argumentierte, dass eine Politik, die sich von der Vernunft lossagt, zwangsläufig im Chaos und im nächsten Krieg enden müsse.
Wir erinnern an den Schriftsteller Lion Feuchtwanger: In seinem Roman aus dem Jahr 1930 „Erfolg“ ist der Titel“, analysiert er die Unvernunft in der Gesellschaft und die dumpfen Ressentiments. „Der Roman von Lion Feuchtwanger erschien 1930 als erster Teil des Zyklus „Der Wartesaal“. Als weitere Teile erschienen „Die Geschwister Oppenheim“ (1933) und „Exil“ (1940). In den Romanen beschreibt Feuchtwanger den „Wiedereinbruch der Barbarei in Deutschland und ihren zeitweiligen Sieg über die Vernunft“. Quelle: https://www.dhm.de/lemo/kapitel/weimarer-republik/kunst-und-kultur/lion-feuchtwanger-erfolg )
12.
Mit diesen Hinweisen zur Unvernunft und Nazi Herrschaft durch Thomas Mann, Carl von Ossietzky und Lion Feuchtwanger wird keineswegs eine Identität von NDSDSP und AfD behauptet. Es wird nur daran erinnert, dass rechtsextreme Parteien nun auf der Spur von regelmäßigen Wahlsiegen extrem für die Menschheit gefährlich sind: Rechtsextreme Parteien, ob sie nun AfD, FPÖ, Le Pens Partei „Rassemblement National“, Wilders PVV in Holland, Vox in Spanien, Melloni Koalitionspartner „Lega“, Teile der Republikaner in den USA und so weiter heißen.
13.
Hoffentlich kann dieser Hinweis „Über die vielfältigen Niederlagen der Vernunft“ hilfreich sein angesichts der Wahlen in Berlin und Mecklenburg – Vorpommern am 20.9.2026.
Der Hinweis ist auch eine Ermunterung, die Machtübernahme der AFD durch den persönlichen Einsatz der eigenen Vernunft zu verhindern…also NICHT AfD zu wählen.
Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin
