Das argentinische Gesicht von Kard. Bergoglio, jetzt Papst Franziskus

Das argentinische Gesicht von Kardinal Bergoglio, jetzt Papst Franziskus.

Mit Hinweisen von Prof. Fortunato Mallimaci.

Ein Beitrag von Christian Modehn veröffentlicht am 18.3.2013!

Wenn ich jetzt, am 24.1.2025, meinen Text,  am 18.3.2013 veröffentlicht, also wenige Tage nach der Wahl Bergoglios zum Papst, lese: Da ist die Erkenntnis vorherrschend: Über die unheilvolle Rolle Bergoglios als Jesuitenprovinzial und als Erzbischof von Buenos Aires im Umfeld der Militärdiktatur ist nicht mehr wirklich objektiv und kritisch geforscht  worden. Zu viele ließen sich von einem gewissen Charme von Papst Franziskus ins Vergessen treiben. Andere, wie der argentinische Menschenrechtler Adolfo Perez Esquivel, sind nach der Wahl Bergoglios zum Papst in ihrer Bergoglio – Kritik umgekippt und haben sich auf die Seite des Herrschers gestellt.

Ich habe nach dem 18.3.2013 immer wieder weitere Ergänzungen publiziert, sie wurden hundertfach angeklickt, aber haben keine weitere Forchung weiterer Journalisten oder Historiker provoziert.

Bemerkenswert ist, wie Papst Franziskus in seiner so genannten Autobiografie „Hoffe“ über seine für ihn katastrophale „Apostolischen Reise“ nach Chile spricht, kein Wort, über seinen Irrtum hinsichtlich des sexuellen Missbrauchs durch chilenische Bischöfe. Sondern eine rührselige Story über eine Eheschließung einer gewissen Paula und eines gewissen Carlos im Flugzeug in Chile, in Iquique. (S. 323 ff). Und danach viel Blabla über Hesiod, eine „argentinische Callas“und Charles Peguy und alles hübsch durcheinander. Bloß kein Wort zum Missbrauch vieler chilenischer Bischöfe…Leider erwähnt der Papst nicht Johann Strauß und dessen Weisheit aus der „Fledermaus“: „Glücklich ist, wer vergißt…“

Ergänzung am 24.3. 2013: Am Schluss dieses Beitrags finden Sie einen Hinweis zu einer Stellungnahme von Adolfo Pérez Esquivel vom 5. April 2005 im argentinischen Fernsehen „Canal America“ über Kardinal Bergoglio.

Ergänzung am 31.3.2013: Am Schluss dieses Beitrags finden Sie einen Hinweis zur Diskussion in Argentinien unter dem Stichwort: „Von welcher Option für die Armen spricht Papst Franziskus“. Mit einem Hinweis auf die entscheidende Tatsache, dass die Befreiungstheologie in Argentinien fast ganz auf den stets von den Bischöfen bekämpften (zahlenmäßig kleinen) Kreis der „Priester für die Dritte Welt“, „Sacerdotes para el tercer Mundo“, begrenzt war.

Ergänzung am 3. 4.2013: Am Schluss dieses Beitrags finden Sie einen Link zu einem Interview mit dem argentinischen Journalisten und kenntnisreichen und kritischen Beobachter der argentinischen Kirchen- Szene Horacio Verbitzky; das Interview über Kardinal Bergoglio in Argentinien damals sendete der NDR (Fernsehen) am 27.3.2013, das Interview wurde vom NDR übersetzt. Das Interview wird noch einmal wiederholt im NDR (ZAPP heißt die Sendereihe) am 5.4. 2013 um 2.45 (sic).

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Auch in Deutschland ist der argentinische Soziologieprofessor Dr. Fortunato Mallimaci kein Unbekannter. Er hat in der umfangreichen Studie „Kirche und Katholizismus seit 1945“ in Band VI „Lateinamerika und die Karibik“ den Beitrag über Argentinien geschrieben (zusammen mit seiner Kollegin, der argentinischen Soziologin Veronica Gimenez Beliveau). Das Buch ist im Jahr 2009 im katholisch geprägten Schöningh Verlag erschienen, es wurde herausgegeben von dem katholischen Kirchenhistoriker Prof. Johannes Meier und dem katholischen Theologen Veit Strassner. Der Sammelband von 559 Seiten enthält ausschließlich Beiträge von Katholiken, sogar von Mitarbeitern der kirchen- offiziellen bischöflichen „Aktion für Lateinamerika Adveniat“  in Essen. Diese wurde bekanntlich lange Jahre von dem Opus – Dei Mitglied Bischof Hengsbach geleitet.

Also in diesem quasi offiziell katholischen Buch ist – erstaunlicherweise – Prof. Fortunato Mallimaci mit seinem wissenschaftlichen Beitrag über die katholische Kirche in Argentinien von 1945 bis ca. 2008 vertreten; sein Artikel umfasst 23 Seiten und hat 61 umfangreiche Fußnoten: Fortunato Mallimaci hat in Paris studiert, vor allem an der berühmten Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales. Er ist (geboren 1950) Professor für Sozialgeschichte Argentiniens und Religionssoziologie an der „Universidad de Buenos Aires“. Er hat zahlreiche Gastprofessuren im In – und Ausland wahrgenommen. Erstaunlich ist, dass der Beitrag nicht die Beziehungen der katholischen Kirche zur Regierung Kirchner untersucht, obwohl die Literaturangaben bis ins Jahr 2006 reichen, etwa durch Hinweise der beiden Wissenschaftler auf die Arbeiten des kritischen Journalisten H. Verbitzky „La Argentina católica y militar“, erschienen in Buenos Aires 2006.

Dieser lange Hinweis ist notwendig, um die Seriosität von Prof. Mallimaci von vornherein gegen alle Anwürfe zu betonen. Mallimaci ist einer der wichtigsten Interviewpartner der unabhängigen demokratischen und ökumenischen Presse in Argentinien, in diesen Tagen, nach der Papstwahl. Wir können von seinen zahlreichen ausführlichen Interviews und Beiträgen zum damaligen Kardinal Bergoglio (Buenos Aires) nur schrittweise den deutschen Lesern zugänglich machen. Religionskritik ist ein Teil der Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie.

Noch eine Vorbemerkung:

Für die deutschen Leser muss wohl noch einmal an das wahre, nahezu unsägliche  Ausmaß der Militärdiktatur in Argentinien (1976 –  1983) wenigstens elementar erinnert werden: Der Diktator Jorge Rafael Videla (1976) hatte das Ziel, „die moralische Ordnung der Nation, die wirtschaftliche Effizienz und die nationale Sicherheit wiederherzustellen…Die katholische Kirche war von der Diktatur besonders betroffen, da ihre internen Brüche offensichtlich wurden“, schreiben F. Mallimachi und V. Gimenez Béliveau in ihrer Studie auf Seite 425. Und sie fahren fort, und jetzt wird es wichtig, um die wahre Dimension unseres Themas wahrzunehmen: „Mit aktiver Unterstützung von Mitgtliedern der Kirche wurden Verbrechen an anderen Mitgliedern der Kirche verübt. Die Bischöfe, die den Staatsstreich begrüßten, versuchten die progressiv – christlichen Gruppen zunächst zu isolieren und schließlich aufzulösen. Die Militärs zerschlugen mit bischöflicher Billigung und Unterstützung die aktivsten Gruppen und ermordeten eine Reihe engagierter Christen. Priester, Mitglieder von Basisgemeinden, Ordensfrauen, Laien und sogar einzelne Bischöfe (wie Bischof Enrique Angelelli aus La Rioja  und Bischof Carlos Ponce de Leon aus San Nicolas), die sich für die Verfolgten einsetzten, wurden Opfer des Staatsterrros: Sie wurden verfolgt, ins Exil geschickt, entführt, gefoltert, ermordet“. (ebd., S 425). Über die unmittelbare, wohlwollende Unterstützung der Militärdiktatur durch die meisten Bischöfe schreiben die Autoren u.a.:“Die Machtübernahme durch die Militärjunta unter dem Katholiken Videla wurde von führenden Mitgliedern des Episkopars ausdrücklich begrüßt und unterstützt“,so auf Seite 426 mit ausführlichen Literaturhinweisen, auch zur wohlwollenden Haltung des Nuntius damals, Msgr. Pio Laghi. Bischof Victorio Manuel Bonamin aus dem Salesianerorden etwa forderte schon 1975 die Intervention der Streitkräfte: „Die Armee sühnt die Unreinheit unseres Landes. Die Soldaten wurden im Jordan vom Blut gereinigt, um die Führung unseres Landes zu übernehmen“, zit. ebd. (Nebenbei: Es wird nicht dokumentiert, wie die Bischofskonferenz mit solchen bischöflichen Mitbrüdern umging nach dem Ende der Militärdiktatur). Die beiden Autoren schreiben weiter auf Seite 427: „Die Legitimität, die die Bischöfe der Militärregierung zubilligten, beschränkte sich nicht auf die politische Unterstützung, sondern sie wurde auch auf die Rechtfertigung willkürlicher Folter ausgedehnt….Die Militärs führten ihren Reinigungsprozeß in der Kirche mit der Zustimmung einiger Bischöfe und aktiver Unterstützung einer erheblichen Zahl von Priestern durch. Einige unterstützten sogar Folterer moralisch und waren bei Folterungen in den Haftzentren anwesend. Die Militärregierung dankte der Kirche dafür durch einige Privilegien, die Bischöfe wurden fortan über den Staatshaushalt  finanziert…Das Regime konnte sich (von wenigen Ausnahmen abgesehen) der Untertsützung durch den Gesamtepiskopat gewiss sein“ (ebd). Unter den bischöflich geduldeten Massakern an ihren Mitchristen erwähnen wir nur die Ermorderung von drei Ordensleuten und zwei Theologiestudenten aus dem Pallottinerorden sowie die Entführung und das Verschwinden der beiden französischen Nonnen Alice Domon und Léonie Duquet, sie hatten das „Verbrechen“ begangen, Familien von Verschwundenen zu unterstützen. Léonie Duqet wurde nach ihrer Ermordung bei einem der üblichen Todesflüge der Mörderbanden ins Meer geworfen. Zu den Opfern gehörte übrigens auch Elisabeth Käsemann, die Tochter des protestantischen Theologen Prof. Ernst Käsemann, Tübingen.

Es ist bezeichnend, dass die beiden Autoren, F. Mallimaci und V. Giménez Béliveau, unter den wenigen mutigen Widerstand leistenden Klerikern nur zwei Bischöfe ausdrücklich erwähnen: Bischof Jorge Novak SVD, Bischof von Quilmes und Bischof Jaime de Nevares SDB, Bischof von Neuquen (Fußnote 49, Seite 427). Der Name Jorge Mario Bergoglio, Provinzial des Jesuitenordens in Argentinien von 1973 bis 1979, taucht in dem Zusammenhang des Widerstandes jedenfalls nicht auf. Das widerständige „Format“ von Novak und de Nevares hatte er wohl nicht, sonst hätten ihn die beiden so gründlich recherchierenden Autoren zweifelsfrei in ihrer ausführlichen Studie erwähnt. Bergoglio wird übrigens von beiden nur einmal ganz kurz als Kardinal von Buenos Aires (seit 2001) erwähnt, und zwar als „Kardinal italienischer Herkunft“, dies Ausdruck für die „Italienisierung der argentinischen Amtskirche“ (so die Autoren), die knappe Erwähnung Bergoglios befindet sich in der Fußnote 6 auf Seite 411!

Diese Hinweise sind wichtig, um die tiefe Bindung des argentinischen Klerus an die Werte der Nation, die klassischen Familienwerte (gegen Homosexualität etwa) und gegen den angeblich allgegenwärtigen Kommunismus zu vestehen.

Wir beginnen mit einem Beitrag Fortunato Mallimacis, der am 31. Juli 2010 veröffentlicht wurde in dem blog „La Máquina de Escribir“ in der Verantwortung von Anibal Jorge Sciorra. Quelle: http://lamaqdeescribir.blogspot.de/2010/07/entrevista-fortunato-mallimaci-el-rol.html. Der TEXT auf Spanisch: Fußnote 1: „Die unheilbringende Rolle Bergoglios“ ist der Titel ins Deutsche übersetzt.

Wir können nicht den langen Beitrag übersetzen, wir bieten nur einige zentrale Aussagen des Religionssoziologen Prof. Mallimaci zu Kardinal Bergoglio von Buenos Aires, dem Vorsitzenden der argentinischen Bischofskonferenz. Es lohnt sich, den ganzen Text auf Spanisch zu lesen!

Hier einige wesentliche Erkenntnisse Mallimacis:

1.“Bergoglio versteht nicht, was heute in der Gesellschaft passiert“.

2.“Die bischöfliche Hierarchie Argentiniens befindet sich in einem fieberhaften, nervösen Zustand. Sie zeigt sich als eine Institution der Macht“.

3.“Das wird deutlich in der Amtsenthebung des progressiven Priesters Nicolas Alessio, Cordoba in Argentinien, der es wagte, sich öffentlich für die Rechte Homosexueller einzusetzen“.

4. „Die argentinischen Bischöfe, auch Erzbischof Bergoglio, setzen ausschließlich auf das unwandelbare und ewige Naturrecht. Sie haben keinen Sinn für den gesellschaftlichen Wandel. Sie fühlen sich wie in einem „Krieg Gottes“ und , verwenden den Begriff inneren „Krieg“, der unter General Videla noch benutzt wurde“.

5. „Die Christen an der Basis sagen angesichts der Bischöfe: „Wir finden in der Haltung der Bischöfe nicht mehr Jesus wieder“.

6. „Die Bischöfe verteidigen die „klassische Familie“ bedingungslos“. Mallimaci spricht von einem „Kreuzzug“ der Bischöfe, Kardinal Bergoglio sei einer der Fahnenträger dieses Kreuzzuges. „El rol que juega Bergoglio es nefasto“, sagte Mallimaci: „Die Rolle, die Bergogio in diesem Kreuzzig (für die alten Familienwerte z. B. und gegen die Moderne) spielt, ist, so wörtlich, =nefasto=, d.h. unheilbringend. Die Bischöfe sprechen eine militärische Sprache…“

7. „Bergoglio hat geschwiegen, als der Militärseelsorger, der Priester Christian von Wernich, verurteilt wurde wegen seiner Mittäterschaft in der Diktatur, ihm wurden Folter und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Last gelegt“.

8. „Als der Priester Julio Grassi wegen sexuellen Missbrauchs an Kindern angeklagt wurde, hat Bergiglio den Anwalt bezahlt, Grassi wurde zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt“.

9. „Bergoglio hat auch Erzbischof Edgardo Storni von Santa Fé noch unterstützt, als er wegen sexuellen Missbrauchs angeklagt und verurteilt wurde“.

10. „Bergoglio hat die Idee verbreitet: Der Relativismus sei der Hauptfeind der Gesellschaft“, darin in voller Übereinstimmung mit Benedikt XVI.

11.“In der argentinischen Kirche unter dem Chef der Bischofskonferenz Bergoglio gibt es keine öffentliche Meinung, keine Diskussion. Die Angst ist stärker als die Freiheit, wenn sich Kritiker äußern wollen“.

12. „Die Kirche Argentiniens befindet sich im Dauerkonflikt mit der liberalen Welt der Demokratie“.

13. „Bergoglio hat 2004 dafür gesorgt, dass eine Ausstellung des berühmten Künstlers Leon Ferrari wegen Blasphemie für einige Zeit verboten wurde. Später wurde sie gerichtlich doch noch durchgesetzt. Von allen Kanzeln ließ er gegen den Künstler wettern. Das brachte ihm allerdings weiteren Ruhm ein., betonte Ferrari. Jedenfalls wollte Kardinal Bergoglio eine Art Zensur für moderne Kunst durchsetzen“. Siehe dazu einen umfangreichen Beitrag in der spanischen Tageszeitung el periodico vom 14. 3. 2013, zur Lektüre klicken Sie hier.

14. Mallimaci weist ausführlich darauf hin, dass Bergoglio, der Jesuit, und der erzkonservative Opus – Dei Bischof Hector Aguer von La Plata in sehr vielen zentralen Fragen eng verbunden und einer Meinung waren: Mallimaci nennt etwa die gemeinsame Auffassung von der Familie als einer =patriarchalen Struktur=, dass die Frauen an die 2. Stelle gehören, dass Verschweigen besser sei als Aufklären, dass Gehorsam die zentrale Tugend ist, sowie, wörtlich, „dass schmutzige Wäsche besser versteckt werden sollte“.

In einem Interview für die Tagezeitung Pagina/12 vom 17.3. 2013 geht Fortunato Mallimaci erneut auf die Strategie der argentinischen Bischofskonferenz ein, deren Präsident Kardinal Bergoglio war: „Die Bischofskonferenz hat sich weder zur Verurteilung des pädophilen Priesters Julio Grassi noch gegenüber dem (Sexuellen Mißbrauch durch)  Bischof Edgardo Storni noch gegenüber dem Verbrecher, Pfarrer Christian von Wernich,  offiziell ausgesprochen, im Unterschied etwa zu den Bischfskonferenzen in den USA, wo offizielle Statements zur Pädophilie unter Priestern abgegeben wurden. Zur Lektüre des Interviews klicken Sie hier.

Weitere Informationen zur Auseinandersetzung um die Homoehe in Argentinien:

Anlässlich der Debatte über die Homoehe sagte Kardinal Bergoglio: „Es steht auf dem Spiel die Identität und das Überleben der Familie:  Papa, Mama und die Kinder. Seien wir nicht naiv: Es handelt sich hier nicht um einen politischen Kampf. Es handelt sich um einen destruktiven Anspruch gegenüber dem Plan Gottes. Es handelt sich nicht um ein bloßes gesetzliches Vorhaben, sondern um eine Bewegung, die vom Vater der Lüge (dem Teufel) ausgeht, die die Söhne Gottes verwirren und täuschen will.“ Quelle: http://www.elblogoferoz.com/2013/03/15/el-nuevo-papa-colaboro-con-la-dictadura-militar-argentina/Gelesen am 18.3. 2013

Über die Beziehung zu dem „Verbrecher Priester“ Christian von Wernich, dem Militärgeistlichen z.Z. der Diktatur und Mörder heißt es weiter: „Es ist erwiesen, dass Pfarrer von Wernich schuldig ist für die Verbrechen, die zu seiner Verurteilung führten. Tatsächlich half die argentinische Kirche ihm, zuerst noch nach Chile zu entkommen, dort lebte er unter einem falschen Namen in einer Pfarrei. Ohne diese Tatsachen zu beachten, spielte Bergoglio auf das Urteil des Gerichts an und nannte es eine verleumderische Verfolgung der Kirche und nannte diejenigen Verräter, die die Vergangenheit nur  verfluchen. Hingegen rief er zur Vergebung auf… Diese Erklärung hängt zusammen mit einer Unterstützung Bergoglios für die Aktionen von Cecilia Pando, die die Straflosigkeit der Militärs damals nachdrücklich forderte unter dem scheußlichen Slogan: memoria completa, d.h. die Erinnerung ist vollständig, sie reicht“.  Quelle: http://www.elblogoferoz.com/2013/03/15/el-nuevo-papa-colaboro-con-la-dictadura-militar-argentina/

Diese rechtsextreme Aktivistin Maria Cecilia Pando hat jubiliert angesichts der Wahl Bergoglios zum Papst: Quelle:   http://www.agenciapacourondo.com.ar/secciones/sociedad/10936-cecilia-pando-festeja-la-eleccion-de-bergoglio.html,  gelesen am 18.3. 2013. Cecilia Pando sagte: „Qué alegría ! Bergoglio Papa !!! Una gran bendición para nuestro país que tanto lo necesita. Bergoglio, el Papa Argentino !!! Bienvenido Francisco I, un orgullo para nuestro país !!! Estaremos a su lado, dándoles fuerzas por medio de la oración“. (Welche Freude. Bergoglio ist Papst. Ein großer Segen für unser Land,  das den (Segen) so dringend braucht. Willkommen Franziskus I., ein Stolz für unser Land. Wir werden an seiner Seite sein, wir werden ihm Kraft geben durch unser Gebet“.

Wir weisen noch auf einen weiteren Beitrag  des religionsphilosophischen Salons vor allem über den inzwischen verurteilten Kollaborateur, den Priester Christian von Wernich, hin, zur Lektüre klicken Sie bitte hier.

ERGÄNZUNG am 24. 3. 2013: Zu den Aussagen von Adolfo Pérez Esquivel über Kardinal Bergoglio.

Horacio Verbitzky hat am 24.3. 2013 in der Tageszeitung „Pagina 12“ in Buenos Aires  einen Hinweis zu verschiedenen Aussagen des Friedensnobelpreisträgers Adolfo Perez Esquivel publiziert.

In einem TV Beitrag vom 15. 4. 2005 (drei Tage vor der Wahl von Papst Benedikt XVI.) (zur Ansicht: www.youtube.com/watch?v=Qu2iET8fc5s brachte „Canal Argentina“, Informe special, einen Beitrag mit Interviews u.a. mit A. Perez Esquivel. In dem Beitrag für Pagina/12 bezieht sich H. Verbitzky auf dieses Interview, er schreibt jetzt u.a.: „Perez Esquivel erinnerte damals daran, dass viele Bischöfe zur Zeit der Militärdiktatur einen doppeldeutigen Diskurs hielten. „Als er selbst gefangen war damals, sagten die Bischöfe seiner Frau: Sie würden für ihn, Perez Esquivel, eintreten. Dann taten sie genau das Gegegenteil“. Dann fragten ihn die Reporter konkret zur Haltung des argentinischen Kardinals (Bergoglio). Da antwortete Perez Esquivel, „ohne zu zweifeln, dass die Haltung von Bergoglio „se inscribe“, also dazugehört zur Haltung aller dieser Leute aus der Politik, die da denken: Alle, die sozial mit den Ärmsten und Bedürftigen arbeiteten, waren Kommunisten, Subversive und Terroristen. … Bergoglio ist ein intelligenter Mann, er ist fähig, aber doch eine zweispältige Person. Ich hoffe, dass der Heilige Geist heute (beim Konklave 2005) wach ist und sich nicht irrt“ (also Bergoglio sollte nicht Papst werden) .

H. Verbitzky schreibt in dem genannten Artikel weiter: Die erste Erklärung Perez Esquivels nach der Wahl von Bergoglio zum Papst bestand darin zu sagen: Andere Bischöfe hätten mit der Diktatur kollaboriert, aber nicht Bergoglio. Aber er sei nicht allzu energisch gewesen in der Verteidgung der Menschenrechte. Diese Aussage irritierte offenbar den Vatikan: Deswegen:

Am Donnerstag, 21. März, treffen sich Papst Franziskus und Perez Esquivel im Vatikan, sie sprechen über die Menschenrechte, berichtet Perez Esquivel danach, sie hätten sich in der in Buenos Aires üblichen Umarmung verabschiedet und betont: „Vielleicht hat sich Bergoglio damals nicht in den Streit begeben, aber er hat eine schweigsame Diplomatie betrieben“.  Zur Lektüre des Beitrags in Pagina/12 klicken Sie bitte hier.

Der Artikel verweist empfehlend auf das Buch von Mignone, „Iglesia y dictatura“,  El papel de la iglesia a la luz de sus relaciones con el régimen militar.
por Emilio Mignone, Ediciones del Pensamiento Nacional, 4° Edición, Septiembre de 1987.

Ergänzung am 31. 3. 2o13: Wir verweisen auf den ausführlichen theologischen Artikel des Autors Washington Uranga in der Tageszeitung Pagina 12 aus Buenos Aires (31.3. 2013) mit dem Titel: „Von welcher Option für die Armen spricht der Papst“. Der Autor weist nach, wie der religionsphilosophische Salon schon früher, dass sich Kardinal Bergoglio in Buenos Aires eher der caritativen Unterstützung der Armen widmete „und versuchte, diese Position mit der politischen Macht listig und diskret zugleich zu vermitteln“. Bergoglio also dachte (und denkt) eher in der Kategorie „Kirche FÜR die Armen“ als in der befreiungstheologischen Kategorie „Kirche der Armen“, im Sinne von: „Kirche gestaltet VON den Armen“. Uranga schreibt:“ Bergoglio hat sich der radikalen Position der Befreiungstheologen nicht angeschlossen. Das lag auch daran, dass sich argentinische Theologen, wie etwa der populäre Lucio Gera, niemals mit der Befreiungstheologie anfreunden konnten, weil sie auch Beiträge des Marxismus für richtig befand…Insgesamt hat sich die argentinische Kirche – von der kleinen Bewegung „Priestern für die Dritte Welt“ abgesehen – Ende der sechziger und in den siebziger Jahren (Konferenzen von Medellin und Puebla) fremd und fern und mißtrauisch verhalten gegenüber den anderen (oft befreiungstheologisch eher freundlicheren) katholischen Kirchen in Lateinamerika. Und dies waren genau die Jahre, in den Bergoglio als Priester sich bildete und als Theologe. Die argeninischen Bischöfe waren auf den entscheidenden Bischofsversammlungen in Medellin und Puebla wenig „präsent“ (im Sinne von aktiv dabei), anders hingegen auf den späteren Konferenzen von Santo Domingo und Aparecida: Diese wurde von Papst Benedikt XVI. geleitet oder stark geprägt, die Endredaktion der Texte von Aparecida (2007) hatte Kardinal Bergoglio.

Wir fragen: Erstaunlich bleibt, dass Befreiungstheologen wie Leonardo Boff (oder auch Bischof Kräutler, beide Brasilien) große Hoffnungen in den eigentlich der Befreiungstheologie gar nicht gewogenen Papst Franziskus setzen. Wissen sie zu wenige Fakten von Bergoglio? Wollen sie den Papst durch allzu heftiges Loben auf ihre Seite ziehen? Oder ist es ein „gesamtlateinamerikanischer Stolz“ der beiden, dass nun ein Latino überhaupt einmal Papst geworden ist? Abetr wir stark werden Argentinier im allgemeinen überhaupt als „Latinos“ wahrgenommen, das ist eine andere Frage.

Das Interview mit dem argentinischen Journalisten und kritischen Beobachter der Kirchenszene Argentiniens Horacio Verbitzky wurde im NDR am 27. 3. 2013 gesendet; zur Lektüre klicken Sie bitte HIER.

FUßNOTE 1:

sábado, 31 de julio de 2010

Entrevista a Fortunato Mallimaci: “El rol de Bergoglio es nefasto”

Por Néstor Leone. (*)

Doctor en Sociología y especialista en temas ligados a la historia del catolicismo y las distintas formas de religiosidad popular, Fortunato Mallimaci analiza en esta entrevista la forma en que la jerarquía eclesiástica encaró la discusión sobre el matrimonio entre personas del mismo sexo. Además, hace un poco de historia y repasa continuidades y rupturas respecto de la relación entre la Iglesia Católica, los poderes políticos y las cuestiones de Estado. “No comprende lo que sucede en la sociedad”, dice Mallimaci acerca del cardenal primado Jorge Bergoglio. “Creyó que su presencia en el mundo de la política partidaria le iba a dar apoyos, y quedó demostrado que no es tan así”, señala entre las razones de la derrota eclesiástica.

¿Cuál es su primer análisis, luego de la sanción de la ley?
Que la Iglesia jugó a todo o nada, y se quedó con nada. Perdió porque pasó lo que tenía que pasar. La ley de matrimonio igualitario, si no se sancionaba este año, se hubiese sancionado el próximo. O el otro. Estamos en una etapa de nuestra vida democrática en donde el tratamiento de estos temas ya no se puede posponer. El problema es que tenemos una Iglesia que todavía no lo entiende. Pero se están quedando solos. El hecho de que ciertos sectores políticos tomaran distancia es relevante, porque se dieron cuenta de que, a pesar de las presiones, votar a favor de esta ley les generaba más simpatías públicas que votar en contra.
¿Por qué jugaron a todo o nada y endurecieron sus posturas?
La jerarquía está en estado febril. Prefiere el enfrentamiento y dejar atrás el discurso del consenso y la unidad nacional para mostrarse como una institución de poder. Pero nada muestra mejor ese estado febril, que la prohibición al cura Nicolás Alessio de dar misa. Una verdadera locura, y sólo por hacer pública una disidencia.
El lobby sobre los legisladores también puede ser otro punto.
Sobre los legisladores, sobre los medios… El lobby fue muy fuerte, es cierto. Pero muy burdo. En lo personal, pienso que han optado por hacer público su reclamo para hacer crecer el miedo y ganar en legitimidad. El problema para ellos es que, al ser tan burdo, perdieron entre el conjunto de la población por la multiplicación que hicieron los medios de algunas declaraciones inadmisibles. Y esto se relaciona con otra cosa que no es menor. Al no tener movimientos laicales fuertes, al no tener gente porosa en el resto de la cultura social, política y sindical fueron los mismos obispos quienes tuvieron que salir al ruedo. Y a los obispos no les gusta eso. Les gusta estar en las sombras, ser comandantes en jefe, conducir desde el patio trasero. De lo que no se dieron cuenta es que la sociedad argentina cambió mucho en los últimos años en temas de derechos y respeto de la diversidad.
¿Hubo un quiebre, un corte, respecto de lo que venía sucediendo?
Los pronunciamientos hablan de eso. La movilización de los niños en las escuelas es un hecho gravísimo. Parecía un límite infranqueable y, sin embargo, se lo traspasó. Que se haya apelado a eso habla de ese estado febril y habla, también, de que entendieron mal lo que estaba en juego, como leyeron mal lo que pasó con el divorcio y están leyendo muy mal lo que sucede en la cultura dominante. Por ejemplo, los nuevos valores que imperan y el proceso amplio de individuación que atravesamos. Tanto insistir con la ley natural, casi como única manera de entender la misión de la Iglesia, los llevó a callejones sin salida, porque si hay sólo ley natural, no hay historia ni hay presencia de Dios en la historia. Y esto, me parece, ha descolocado a mucha gente internamente.
¿Qué implican, en este contexto, que haya apelado a términos como “guerra de Dios”?
En lo personal, les agradezco esta frase porque me permite insistir con que ese modelo integralista, antiliberal, superortodoxo, conservador, que reacciona contra la modernidad sigue muy vigente. El problema que tienen es que concita mucho rechazo. No sólo de parte de la Presidenta, sino también de la sociedad civil. La sensación es que actúan como si estuviésemos viviendo en época de dictadura. No es casual que hace unos días Videla también hablara de guerra.
¿Piensa que todo esto tendrá consecuencias aún más gravosas para la Iglesia como institución?
Por supuesto. La Iglesia ya viene con un cuestionamiento no menor desde la época de la dictadura, por el tema de los derechos humanos y su complicidad. Ahora, durante estos días también se dio un cuestionamiento importante de parte de sacerdotes y comunidades de base. “No encontramos a Jesús en las posturas de ustedes”, han dicho y es muy fuerte. Y que se haga público es más fuerte todavía. La mayoría de los medios, que son condescendientes con estos obispos, no han tenido otra que empezar a publicar estas cosas… Otro obispo, en estos días, dijo algo muy claro sobre lo que la Iglesia todavía sigue pensando: “el matrimonio merece la tutela del Estado”.
Lo dijo Héctor Aguer.
Lo dijo Aguer, pero lo piensa la mayoría. Es una Iglesia Católica que no puede pensarse sin el Estado, que no distingue entre esfera estatal y propuesta para sus fieles. Claro, si cada vez sus fieles son menos y, de esos que siguen siéndolo, son pocos los que se apegan al dogma…
¿Cómo evalúa el rol jugado por Jorge Bergoglio?
Nefasto. El rol que juega Bergoglio es nefasto.
Fue un abanderado de esta cruzada.
Fue un abanderado, un monje negro, todo junto. No comprende lo que sucede en la sociedad. Creyó que su presencia en el mundo de la política partidaria le iba a dar apoyos, y quedó demostrado que no es tan así. Esta estrategia me recuerda mucho a la que tuvieron los militares durante la Guerra de Malvinas. No sólo repiten el lenguaje militar, como hizo Bergoglio, sino que replican su lógica. Los militares pensaron que, como eran aliados de los norteamericanos, éstos nos iban a ayudar en la guerra. Acá pasó lo mismo: no entendieron la lógica que gobierna lo político-partidario.
¿Cuánto tiene que ver esto con el juego interno de la Iglesia a nivel mundial y las apetencias papales de Bergoglio?
Difícil saberlo. Además, desconozco cuántos votos sacó en la elección papal. Él dice que no lo sabe; su vocero, tampoco. ¿Por qué tendría que confiar en lo que dijeron algunos medios? ¿Cuáles fueron esas fuentes? No dejo de impresionarme por el modo en que se trabajan estas cuestiones. Lo mismo pasó con este tema. Es cierto, la Iglesia tiene un poder simbólico muy fuerte, pero es más lo que ha perdido y lo que siguen perdiendo con manifestaciones de este tipo. La misa de Bergoglio, en Constitución, por ejemplo, por la trata de personas, es otra lectura retrógrada, premoderna de la realidad. ¿Qué dijo? Que la ciudad es el lugar del pecado, cuando, hoy, el noventa por ciento de los argentinos vive en ciudades…
¿Se puede pensar en una sobreactuación?
Si sobreactúa es porque está perdiendo legitimidad y fieles. Sobreactúa para imponerse, porque es su autoridad la que está en tela de juicio. Hasta Mauricio Macri le dijo que no en varias oportunidades. Hasta Macri, y en su propia diócesis. Lo mismo pasa en la Conferencia Episcopal, de la que Bergoglio es presidente. Les repartieron un documento a los sacerdotes para que lo leyeran desde el púlpito, porque no son capaces de mantener una discusión racional en el espacio público. Le están hablando a un pequeño grupo de católicos movilizados, un núcleo duro que pretenden consolidar, pero no le están hablando al resto de la sociedad. Hasta no hace mucho tiempo tenían un discurso para el conjunto de la sociedad, mientras trataban de que esos grupos duros quedasen adentro. Ahora es al revés. Alquilaron ómnibus para que la gente se movilizara. Y actuaron con la misma lógica que dicen ver en otros. Sólo les faltó la chorihostia.
Clientelismo, digamos.
No me gusta utilizar la categoría clientelismo con tanta facilidad, pero si vamos a hablar de clientelismo también les cabe a ellos. Se conciben por encima de la sociedad y del conjunto de los partidos, y terminan actuando como cualquier grupo partidario en búsqueda del poder.
En el caso de Bergoglio, esa lógica política se puede rastrear. Su cercanía con Guardia de Hierro es apenas un primer antecedente.
Pero si piensa seguir con esa lógica está equivocado. Bergoglio está llevando a la Conferencia Episcopal a una de sus mayores pérdidas de credibilidad y derrotas en la historia argentina. Los demás tienen todo el derecho de acompañarlo. Lo que no pueden hacer es querer trasladar eso a la democracia, al Estado.
¿Qué distancia separa a Bergoglio de sectores más integristas, como el que representa Héctor Aguer?
Mi profesor de Historia del Catolicismo, Émile Poulat, le hubiera dicho que ésa no es la pregunta correcta, sino qué los une, qué le permite que sigan estando juntos. Bueno, los une la idea de que la familia es el centro de la sociedad, la concepción patriarcal de la familia, la idea de que la mujer debe permanecer en una segunda posición, la concepción de que los trapitos sucios hay que esconderlos. Y, ahora, los une la condena al sacerdote Alessio, como antes los unió el silencio ante el caso Christian von Wernich, condenado por asesinatos, torturas y crímenes de lesa humanidad. A ver si nos entendemos: tanto Aguer como Bergoglio no sólo no le piden al sacerdote Julio Grassi, condenado por violar a niños, que se vaya de la Iglesia, sino que ponen dinero para pagarle sus abogados. Con el arzobispo Storni hicieron algo parecido.
Son más las cosas que los une, entonces.
Desde ya. Los une la idea de que esto subvierte los valores de la sociedad, una idea de jerarquía que llevan al extremo, la idea de que la obediencia es lo principal y, por supuesto, la idea de que hay que afirmar certezas y que el relativismo es el principal enemigo a combatir. Muchos católicos no entienden este manejo partidario de Bergoglio, de Aguer, de Jorge Casaretto, ese juego en las sombras. Uno hace de bueno y busca sindicalistas. El otro hace de malo y busca tipos más conservadores.
¿Qué pasará de aquí en más?
Los mariscales de la derrota deberían dar un paso al costado y reflexionar por qué perdieron. Deberían preguntarse, por ejemplo, si quieren quedarse con un pequeño núcleo duro que les dé certezas a ellos y a sus afirmaciones o si prefieren dialogar con el conjunto de la sociedad argentina que, sobre estos temas, quiere más derechos, más participación y más pluralidad.
Que esos mariscales de la derrota den un paso al costado, supongo, debe ser más bien una expresión de deseos.
Por cierto. En esta Iglesia no pasan estas cosas, pero no estaría mal que lo hicieran. No estaría mal que esos mariscales guardasen silencio, porque cada vez que hablan atentan contra aquellos que quieren construir diálogo en la diversidad. Por eso valoro mucho la autonomía que se dieron los partidos políticos para votar. Dejaron de lado la amenaza concreta que hizo la Iglesia y eso me parece un paso fundamental para la democracia argentina.

El rol del Opus Dei

¿Qué rol jugó y qué peso tuvo el Opus Dei en la discusión?
En su momento, el Opus Dei, como movimiento laical, denunció cierta clericalización del catolicismo argentino. Incluso, se enfrentó a ese clericalismo porque no los dejaba crecer. Hoy, esas críticas quedaron atrás, en un segundo plano, porque el que estaba en juego era un tema que, para ellos, resulta central. Cuando se trata el tema de la familia y ven que pueden imponer la concepción que ellos tienen del tema, dejan todo lo demás de lado. Por eso, hoy, esa afinidad es muy fuerte. Además, no hay que olvidar que los dos obispos del Opus, el de Santiago del Estero y el de San Juan (ndr: Francisco Polti y Alfonso Delgado, respectivamente), fueron quienes más incitaron a la movilización. Hay una razón instrumental, tantas veces criticada en los demás, que hoy se cumple tanto para el Opus Dei, como para Jorge Bergoglio o Héctor Aguer.
Página/12 informó, en estos días, que a la cruzada se había sumado el supernumerario español Benigno Blanco.
No lo pude chequear, pero puede ser. La transnacionalización de los grupos católicos es un hecho. Los grupos ProVida son los mismos aquí, en Estados Unidos, en España.

Los disensos y los miedos
¿Qué pasa entre los obispos, más allá de Héctor Aguer y Jorge Bergoglio?
En la Iglesia argentina no hay opinión pública posible. Una institución que es incapaz de escuchar el disenso interno, que es incapaz de escuchar la opinión de la sociedad y que, ante algún tipo de declaración pública de un sacerdote, lo único que hace es sancionarlo, está muy dificultada de comprender los cambios en la sociedad y actuar en consecuencia. Es cierto, así como la sociedad contemporánea no vivió nunca tanto tiempo en democracia, la Iglesia tampoco. Pero no se acostumbra. Por eso no entienden, por ejemplo, que los medios tengan su lógica propia y hagan su juego, más allá de sus presiones. Que no entiendan esto los lleva a enojarse con esos medios, porque los creían aliados eternos.
¿Hasta dónde llega el disenso interno, entonces?
Hay cualquier cantidad de obispos que están en contra de que Bergoglio sea el jefe simbólico, mediático o material de la oposición. Pero se animan a decirlo y hablan por debajo. El miedo predomina sobre la libertad o la posibilidad de hacerlo público.
¿Qué pasa con las comunidades de base, con los laicos?
Hay desconcierto. Por eso me parece que lo de Nicolás Alessio es muy importante. Ahí hubo un grupo de sacerdotes muy valientes que hizo pública la diferencia con la autoridad, que es el corazón del poder de la Iglesia. La Iglesia Católica no castiga a un asesino ni a un pederasta mientras diga que respeta la autoridad. Bueno, que haya surgido un grupo de sacerdotes que haya salido a decir en el espacio público y por los medios que estaba en desacuerdo, me parece importante. Pero, más todavía, me parece importante que los medios hayan tenido que difundirlo. ¿Por qué paso? Porque expresó un sentir de muchísima gente que, hasta ese momento, no tenía una expresión pública.
Una historia de enfrentamientos.

No es la primera vez que la Iglesia se enfrenta al poder político. ¿Qué diferencia encuentra con otros hechos?
Es cierto. La Iglesia Católica tuvo conflictos con el mundo liberal cuando se sancionó la educación pública, gratuita y obligatoria. Tuvo conflictos cuando salió la Ley del Matrimonio Civil, la Ley de Registro Civil, la Ley de Cementerios. La diferencia con ese momento es que era una Iglesia con menos peso. En los conflictos con el primer radicalismo y con el peronismo la cosa fue distinta. Y la cosa terminó peor. La quema de Iglesias y el bombardeo a la Plaza con los aviones que tenían la inscripción “Cristo Vence” es un ejemplo. Lo que vino después fue décadas de paz militar-católica, que se interrumpió con el gobierno de Raúl Alfonsín y la Ley del Divorcio, con un nuevo conflicto.
Los argumentos, en cada caso, fueron más o menos similares, ¿no?
Sí, en buena medida: que peligraba la familia, que llegaba el acabose. Como dije, la diferencia es que, en 1880, la Iglesia que se resistía a los cambios era una institución débil. La de estas épocas es una Iglesia más poderosa, sobre todo, luego del proceso de militarización y catolización que vivió nuestra sociedad. Y como tal, no quiere perder los privilegios conseguidos. Yo espero que los obispos, ahora, digan que no aceptan más el salario de este Estado corrupto y pecaminoso, que distorsiona la familia…
No lo van a hacer.
Claro, porque son hipócritas. ¿Por qué este discurso sobre la sexualidad y la familia no penetra tanto? Porque en los últimos dos o tres años lo único que hemos escuchado de la Iglesia son casos de abusos sexuales de curas y obispos. ¿Qué autoridad moral tiene la Iglesia para levantar el dedo? Hay algo ahí muy profundo que habrá que ver si quieren cambiar o no.
Respecto de este gobierno, está el antecedente del caso Antonio Baseotto.
Es cierto, fue casi un símbolo del cambio en el vínculo con el poder político. Por eso es importante lo que pasó con la votación en el Senado. La política debía acompañar las posturas de buena parte de la sociedad para que se diferenciase lo político de lo religioso, para que quedase clara la diferencia entre los preceptos de la Iglesia y las leyes del Estado. Por suerte, hoy estamos en otra era, donde la consolidación de la democracia no deja otra cosa que el debate respetuoso. Pero recuerdo cuando Bergoglio acusó de blasfemo a León Ferrari, calificativo en desuso y totalmente desatinado para un artista. Dijo “blasfemo” y el núcleo duro de fieles rompió toda la muestra. (PE/Debate)

(*) Publicado en la revista Debate, de Buenos Aires, en la edición del 16 de julio de 2010.
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copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

Der Advent – philosophisch betrachtet.

Inspirationen im Advent.

Diese philosophische Meditation wurde am 30.11.2012 publiziert.

Von Christian Modehn.  Siehe auch „Advent in Kiew (Kyjiw)“ : LINK.

1.

Der Beitrag wurde am 27.11.2022 aus dieser Website entnommen, angesichts der Hilflosigkeit, wenn nicht der Verzweiflung, für eine andere, spirituell und vor allem human angemessene Form des Lebens im Advent zu plädieren. Leben ALS Erwartung, als Hoffnung auf ein gerechtes Leben für alle, war eine Kernthese dieses Beitrags. Diese Hoffnung schwindet, sie wird systematisch zerstört von vielen Herrschenden: Sie sind Nationalisten, religiöse Fundamentalisten, Egomane, Psychopathen… Die Vernünftigen fühlen sich so hilflos… Die Anzahl der Demokratien, also der Staaten, die den Titel Demokratie wirklich verdienen, wird immer kleiner.

2.

Um nicht nur vom Krieg, von der Klimakatastrophe, der Spaltung der Menschheit in sehr wenige Super – Reiche und sehr viele Arme zu sprechen: Sind die Weihnachtsmärkte in Deutschland nicht ein populäres Symbol dafür, dass Weihnachten ein Markt-Ereignis, ein Markt-Geschehen, geworden ist? Kann auf diesen Weihnachts-Märkten die Hoffnung auf eine andere, gerechte Welt lebendig werden? Sind die Weihnachtsgottesdienste eine wirksame Hilfe, aus der genannten Depression und der Kommerzialisierung von Weihnachten herauszuführen? Sind die üblichen Weihnachtslieder der Kirchen nicht auch Ausdruck infantiler Regression?

3.

Advent – Adveniat – d.h. : Möge ER doch erscheinen, dasein, kommen  – endlich, der ersehnte Messias, verstanden als Inbegriff, als Symbol, einer geretten, weil reif gewordenen menschlichen Menschheit. Die Hoffnung heute als letzte Rettung im Dunklen bleibt diffus. Hoffnung findet keine Subjekte mehr … oder nur sehr wenige.

4.

Vielleicht aber ist der Messias, die „messianische Zeit“ (Walter Benjamin), schon da und dort unbemerkt, aber  lebendig? Aber nur wenige geben Hinweise, wo ER oder die messianische Zeit, zu suchen seien. In den großen, dem kapitalistischen Markt-Geist ergebenen Kirchen doch wohl nicht? Oder an der Basis der Suchenden, Glaubenden, jenseits der Hierarchien!

Die ökologischen Bewegungen, die „Klima-Aktivisten“, die verzweifelten Kämpfe um die Geltung der Menschenrechte: Sie sind ein Hinweis in die richtige Richtung einer humaneren Welt. Advent wird zum politischen Handeln, ist nicht länger mehr frommes, nur religiöses Warten…

5.

Die Machthaber der alten Ordnung wehren sich gegen die Möglichkeit einer besseren, gerechteren Welt … weil diese ihnen die Privilegien entziehen könnte. Die Machthaber der alten Ordnung fixieren sich auf ihren Status-Quo bzw. ihre imperialen Wünsche. Mit Zukunft für die EINE Menschheit hat das nichts zu tun. Also auch gar nichts mit Advent als dem Beginn einer neuen humanen Epoche, human für alle.

Copyright: Christian Modehn Religionsphilosophischer Salon Berlin.

Zu einigen Filmen und Radiofeatures für die ARD von Christian Modehn. Sowie zu einigen Buchpublikationen und Aufsätzen…

PHILOSOPHISCHE und THEOLOGISCHE RADIO SALONS von Christian Modehn (zwischen 2005 und 2014)

(Länge : 24 Min.)  im RBB Kulturradio (Redakteurin Anne Winter).

Eine unvollständige Übersicht:

Ein Radio – Salon über Montaigne

Über Kant

Über Hegel

Über Heidegger

Über Bultmann

Über Tillich

Über Schleiermacher

Über Melanchthon

Außerdem im RBB Kulturradio Features über

Wunderglauben

Fegefeuer

Gottesbeweise

Karl Rahner

Die Jungfrau Maria

Apokryphe Evangelien

Jesus am Kreuz

Anders Trauern

Patchworkreligion

Kreuz oder GLÜCK?

In der Reihe von NDR Kultur „Gaubenssachen“ (Sonntags um 8.40 Uhr, Redakteure waren u.a. Bernward Kalbhenn, Florian Breitmeier):

21.7.2002
Coca-Cola zum Abendmahl?
Kirche und Religion als kultureller Mix

20.7.2008
Der philosophische Glaube
Karl Jaspers Angebot ist von bleibender Aktualität

14.6.2009
„Weil so vieles zum Himmel schreit“
Warum der Philosoph Jürgen Habermas auf religiöses Bindungen setzt.

21.3.2010
Eine Frau mit tausend Namen
Wer ist Maria, die Mutter Jesu von Nazareth?

25. 7.2010
Wegweiser in ein glückliches Leben
Über die „Goldene Regel“

2.1.2011. (Wdh. am 19.2.2017)
Einfach glauben. Wenn Menschen wieder Wesentliches spüren wollen.

17.4.2011
Leise winken, weitergehen
Leben ist Abschiednehmen

10.7.2011
Muße muss sein
Vom zweckfreien Genießen des Daseins

30.10.2011
Die Götter müssen verschwinden
Warum Atheisten den Glauben fördern können

12.2.2012
Weder zu heiß noch zu kalt
Lob der Lauheit

12.8.2012.
Welcher Geist regiert den Staat
Über das Prinzip der Laizität

9.6.2013
Lässt sich Gott beleidigen?
Sinn und Unsinn der Blasphemie

20.10.2013
„Das Leben ist ein Geheimnis“
Albert Camus – ein frommer Ungläubiger

2.3.2014
Wenn die Lust zur Vernunft kommt
Die Aktualität des Hedonismus

21.9.2014
Von der Frömmigkeit des Denkens
Zum Miteinander von Religion und Philosophie

11.1.2015
Fromme Sprüche reichen nicht
Wer glaubt, will auch verstehen

10.5.2015
„Halten wir uns an das Lichtvolle“
Zum 100. Geburtstag von Frère Roger Schutz (Taizé)

8.11.2015
Zur Vernunft kommen
Unterwegs zu umfassender Menschlichkeit

22.5.2016
Vergiss dich selbst und finde dich
Wege aus dem Egoismus

2.10.2016
Stille und Spiritualität
Erfahrungen in leeren Kirchen

17.4.2017
Befreit von der Macht des Todes
Ostern für Aufgeklärte

10.9.2017
Das umstrittene Kreuz
Christlicher Glaube in der Öffentlichkeit

1.7.2018
Wo ist die heile Welt?
Über die Sehnsucht

20.1.2019
Wenn immer mehr unsicher wird
Über das Haltfinden

Im WDR Hörfunk /3. Programm/ arbeitete ich vor allem mit den Redakteuren Ulrich Teiner, Monika Kringels, Theo Dierkes. Im HR (2.Programm) vor allem mit dem Redakteur Klaus Hofmeister, im Saarländischen Rundfunk vor allem mit den Redakteuren Norbert Sommer und Dietrich Haubold. Im RIAS vor allem mit dem Redakteur Frank Pauli, im Bayerischen Rundfunk mit dem Redakteur Adalbert Deris und Leonhard Reinisch (Nachtstudio, Fragen unserer Zeit)….

……………………………

Einige ARD-FILME ( 30 Min. Features) von Christian Modehn: Eine unvollständige Übersicht. Die vielen Magazin – Beiträge Christian Modehns, Länge 4 bis 8 Minuten, werden nur in Auswahl genannt. 

Die im SFB/ARD gesendeten Filme hatten als verantwortlichen Redakteur Johannes Huthmann. Für den Schnitt war im SFB/RBB in den allermeisten Filmen Matthias Spranger verantwortlich.

“Wir haben von Luther gelernt” (mit Beiträgen von Otto-Hermann Pesch, mit Augustinern in  Würzburg)
Katholiken und der Reformator 1984. SFB. (Kommentar von Christian Modehn 2026: Einen solchen Titel würde ich heute nicht mehr wählen, die theologische Erkenntnis geht weiter…)

….

„Außenseiter im katholischen Milieu. Die Friedensgruppe Pax Christi“ 1987, SFB

..

„Vom Virus nicht berührt“. AIDS, die Kirche und die Moral“. Im Ersten/WDR. Red. Friedhelm Lange, Sendung am 18.4. 1986. Peter Kurath schrieb in der „Funk-Korrespondenz“ (am 25.4.1986):“Die Sendung steht für die Hoffnung, dass journalistische Arbeit auch immer Lebenshilfe sein kann,indem sie Anteilnahme am Schicksal anderer fördert, auch wenn das nicht ohne Kratzer geht“. Mit „Kratzern“ ist die Empörung über den Film gemeint, der in den biederen katholischen Kreisen entstand, bis hin zu Polemiken in der katholischen Presse.

…..

„Meine Freunde, die Ungläubigen, Tomas Halik in Prag“
1999, (MDR und SFB).

„Momente des Glücks
. Wie alte Menschen würdig miteinander leben“ (etwa die Initiative „Les petits frères des pauvres“, Paris)
, SR 2000 (Red. Norbert Sommer)

..

„Der Reformator mit dem Schwert. Über Thomas Müntzer.“ WDR 1989, kurz vor der Wende. Red. Friedhelm Lange WDR


.
„Machtlos und frei“
Über den einzigen  progressiven katholischen Bischof Europas: Jacques Gaillot (Evreux)
1989 (SR, Red. Norbert Sommer)

„Die Räuberbanden bekehren“ (SR)
Die problematische “Neue Evangelisierung Europas” (mit Bildern und Interviews mit den Legionären Christi, Rom)
1992

„Verfolgt, vernichtet, lebendig. Jüdische Gemeinden in Osteuropa heute“ 1992, SFB

„Auf den Spurenm des Erleuchteten.Buddhisten in Europa“, 1993. SFB

….

„Menschlich leben ohne Gott. Die Humanisten“. 1993, SFB

….

„Fromme Besserwessis“. Ordensleute im Osten Deutschlands,  auch in verschiedenen 3. Programmen, SFB, 6.2.1994.

….

„Die Berlin-Amsterdam-Connection“:  Begegnungen in europäischen Metropolen (u.a. mit den Ordensfrauen Michaela Bank und Angelika Kollacks, Berlin-Marzahn) SFB, 27.8. 1994.

..

„Manchmal hilft nur noch beten“ (u.a. mit dem Theologen Klaus Kliesch)
Menschen, die zu Gott sprechen
1995 SFB
…..
„In die Wüste geschickt“
Bischof Jacques Gaillot wurde vor einem Jahr abgesetzt. Bischof Gaillot lebt in besetztem Haus in Paris, Partenia,
1995 WDR, Red. Friedhelm Lange (siehe den ersten Beitrag von 1989)

….

„Stadt ohne Gott: Wenn die Kirche in Berlin zur Minderheit wird“. 1996. SFB.
…….
„Fitness für die Seele“
Wege in die Meditation
1997 SFB
……..
„Da bin ich aber skeptisch“
Junge Theologen in Berlin
1997 SFB
…….
„Paläste für die Armen“
Beobachtungen in Berlin und New York (u.a. über das weltweite Nehemia-Projekt)
1998 SFB
…………
„Schwache sind stärker“
Kirchentag in Leipzig
1997 SFB
……….
„Ritter, Mönche, Abenteurer“
Das Mittelalter lebt
1997 SFB
……….
„Neugierig auf Got“t
Wenn Atheisten Christen werden
1997 SFB
………
„Unter dem Himmel von Amsterdam“, WDR
Fromme Huren, neue Mönche, falsche Kirchen    (Kirchenabriß und Neubeginn, Ricus Dullaert Pastor, Oude Kerk usw)
1998
…………
„Gesund durch Glauben?“
Möglichkeiten ganzheitlicher Heilung
1998 SFB
…………
Himmlisch speisen
Ein Menu für Leib und Seele
1998 SFB
……..
„Der Griff der Krake nach dem Kreuz“
Kirche und Stasi (WDR, 1992)
……..
„Kraft und Herrlichkeit“
Ein Berliner Vater Unser
1999 SFB
……….
„Unter dem Himmel von Paris“
Von Göttern, Zweiflern und frommen Tieren
1999 WDR (Red. Friedhelm Lange)
………
„Beichten beim Frisör „(Ein Versuch, der „weltlichen“ Spiritualität auf die Spur zu kommen)
2001 SFB
………….
„Der gute Gott von Mainhattan“
Evangelischer Kirchentag in Frankfurt/M.
2000, SFB
………
„Landungsbrücken“
Der Katholikentag in Hamburg
2001, SFB
……….
„Von der Lust zu feiern“
Alternative Jugendweihe in Erfurt
2001 SFB
…………
„Auf Ihr Wohl“
Vom Geist edler Getränke
2003, SFB
……….
„Die Nacht wandeln“
Begegnungen mit Menschen, die das Licht lieben
2002 SFB (Zum ersten Mal ein Beitrag, der die Spiritualität der Nacht darstellt, u.a im Karmel Kloster und mit dem Theologen Hans Peter Hauschild)
Ein weiteres Feature, ebenfalls mit einem Beitrag von Hans Peter Hauschild und Pater Klaus Mertes SJ in einem der ersten Filme, die sich mit AIDS und den Kirchen auseinandersetzten:
“Vom Virus nicht berührt“. AIDS, die Kirche und die Moral (WDR 1. Progr., Red. Friedhelm Lange) 1986
……………
„Laufen, laufen, nichts als Laufen“
Die Spiritualität des Marathon
2003 SFB
…………….
„Wenn die Kirche kein Geld hat“
Christen in der Vorstadt von Paris (Ivry) ein Porträt einer Gemeinde, die von der progressiven katholischen Gemeinschaft „Mission de France“ geleitet wird.
2005 SR (Red. Norbert Sommer)
………..
„In letzter Minute
“, Über die Zukunft der Kirche in Burgund (AUXERRE)
, 2000 SR
…………..
„Engel unter uns“
(u.a. auch Engeldarstellungen auf Friedhöfen und einem Interview mit P. Anselm Grün)
2006 RBB, Red. Harald Quist)
…….
„San Lazaro tanzt Salsa und Merengue“
Karibik in Berlin
2003 SFB
………
„Karriere nach unten“
Franziskanerinnen in Berlin – Kreuzberg (u.a. mit Schwester Ingrid)
2003, SFB
……..
Von der Lust zu denken
Philosophie als Lebenshilfe (über den praktischen Philosophen Prof. Lutz von Werder)
2003, SFB
…….
„100 gemeinsame Stunden“
Der Ökumenische Kirchentag in Berlin (zus. mit Margarethe Steinhausen) u.a. mit Bildern zu Prof. Gotthold Hasenhüttl)
2003 SFB, Red. Friederike Sittler
…………
„Jeder ist Weltmeister“
Brasilien in Berlin, anläßlich der Fußball Weltmeisterschaft in Deutschland
2006 RBB, Red. Harald Quist
………..
Weitere Halbstunden-Features von Christian Modehn im Sender Freies Berlin SFB, ARD:

„Außenseiter im katholischen Milieu. Die Friedensgruppen „Pax Christi“
1.2.1987
……….
„Verfolgt, vernichtet, lebendig. Jüdische Gemeinden im Osten Europas heute“.
3.7.1992
…….
„Auf den Spuren des Erleuchteten. Buddhisten in Europa.“
2.1.1993. Und eine Neubearbeitung Sendung am 8.4.1995
………..
„Menschlich leben ohne Gott. Humanisten entdecken ihre „Mission“ für den Osten Deutschlands.“
4.9.1993
….
„Schwache sind stärker. Vom Kirchentag in Leipzig. Sendung am 21.6.1997.
…..
„Glauben ohne Gott“
Porträt einer Humanistin Ein Film über die vielseitige Tätigkeit von Gita Neumann vom HVD
RBB 2007, Red.Friederike Sittler
Dies war mein (aber nur zeitlich gesehen) “letzter” Halbstundenfilm für ERSTE.
PS:
Das werde ich manchmal gefragt:
Mein erster Halbstundenfilm fürs ERSTE (SFB 1976) hatte den Titel:
Gott in der Kneipe.
Und:
Mein erster Film für die ARD überhaupt  war ein 10 Minuten dauernder Magazinbeitrag fürs ERSTE, WDR, Reihe Blickfeld, 1975, über die ökumenische und unabhängige, einst röm. katholische Gemeinde DOMINIKUS in Amsterdam. Red. Dietrich P. Winterberg.
………………………………………………………
Abgesehen von den 30 Minuten-Features für die ARD: Ich habe zahlreiche Magazin-Beiträge (Länge zwischen 4 und 8 Minuten, manchmal 12 Minuten realisiert für die ARD.
Hier nur einige Beispiele der Beiträge für den SFB, die Magazin Beiträge für den WDR lasse ich hier aus…
Ungehorsam aus Glauben. Praktische Ökumene in Holland. Sendung: 9.1.1985.

Ist das Boot wieder voll? Schweizer Christen kämpfen für die Flüchtlinge. Sendung: 4.4.1987

Raus dem Ghetto: 10 Jahre „Homosexuelle und Kirche“ Sendung 5.12.1987.

Religiöses im Werk von Joseph Beuys in Berliner Ausstellung, Sendung 5.3.1988.

Euthanasie-Diskussion unter Christen in Holland, Sendung am 6.8.1988.

Wo Atheisten die Bibel lesen: Beobachtungen in Amsterdam. Sendung 7.5.1988.

Pfarrer Klaus Kliesch muss Berlin-Kreuzberg verlassen (Auf Befehl von Kardinal Meisner) Sendung am 3.9.1988.

Tamilische Gemeinden in Berlin Sendung am 6.1.1989.

Dein Name lebt weiter: Trauern angesichts von Aids: Sendung am 3.2.1989.
…damit die Toten leben: das neue jüdische Museum in Amsterdam, Sendung am 1.9.1989.

Eine katholische Gemeinde in Leipzig: St. Laurentius: 5.1. 1990.

Der brasilianische Theologe Leonardo Boff in Berlin 2.3.1990.

Der 3.Oktober 1990 in Genthin: Sendung am 5.10.1990.

Gläubige Sowjets? Beobachtungen bei der „Roten Armee“ in Brandenburg, Sendung 9.11.1990.

Ukrainische Kirche in Lemberg: Sendung am 13.1.1991.

Neubau und Umbau der Kirche in Halle. Sendung am 12.5.1991

„Ich habe der Kirche geschadet“. Bekenntnisse einer Stasi – Mitarbeiterin. Sendung am 15.3. 1992

Ein Mensch – ein Wort : Rupert Neudeck und die Bibel, Sendung am 27..3.1992.

Ein Mensch – ein Wort – Wolfgang Thierse und die Bibel. Sendung 1.5.1992.

Der eine Gott in vielen Religionen: Der Benediktiner Abt Tholens in Amsterdam. Sendung 21.7.1991

Mystik für Anfänger: Sendung am 29.12.1991.

Die Neokatechumenalen, Sendung am 12.9.1992.

Die Armen im Abseits. Konferenz lateinamerikanischer Bischöfe in Santo Domingo. Sendung am 24.10.1992

Russische Gemeinden und Kirchen in Berlin: Sendung 2.9.1995

Papstbesuch in Berlin, Sendung im 1.Progr. am 23.6.1996.

Kirche in Paris: Sendung am 10.8.1996

Meditieren in Auschwitz: Sendung am 14.12.1996

Die Bibel im Theater: Ein Experiment der Schaubühne. Sendung am 19.4.1997

Zwischen Gospel und HipHop. Freikirchen in Berlin, Sendung am 24.1.1998.

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Die meisten Essays und Beiträge habe ich seit 1975 für verschiedene Rundfunksender verfasst, für die Sender der ARD, aber auch für RIAS Berlin sowie gelegentlich auch für den Deutschlandfunk.

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Beiträge  für etliche Sammelbände: Sie sind auf theologische Fragen bezogen. Sie haben sich aber niemals als „Werbung“ für die bestehende römische Kirche verstanden.

Eine Auswahl:

1.
„Apokalypse jetzt?“ Ein Beitrag über die Vorstellungen vom Ende vor allem in Pfingst-Kirchen. In dem Buch „Mythos Jahrtausendwechsel“ Hg. von Norbert Sommer, Berlin 1998 .Dort S. 54 bis 66.
2.
Joseph Cardijn und die lateinamerikanische Befreiungstheologie“. In: „Zur Arbeiterschaft, zur Arbeiterbewegung entschieden“, hg. von B. Anthony, Mainz 1982, dort S. 113 bis 126. Der Beitrag geht den Spuren nach, die das Denken und Handeln Cardijns bestimmten und die in Richtung Befreiungstheologie weisen. Auf Seite 125 f. schreibe ich bezogen auf kirchliches Leben in Deutschland: „Von der Kirche aus Arbeitern, aus Unterprivilegierten, Subproletariern usw. sind wir hierzulande noch meilenweit entfernt. Arbeiterinteressen stehen im großen und ganzen NICHT im Mittelpunlt kirchlicher Interessen… Ein Militärgeistlicher ist dann wichtiger als ein Arbeiterpriester; ein ruhiges, weltfernes Kloster wichtiger als eine Kommunität von Arbeiternonnen in Neubausiedlungen…“ usw.
3.
„Christen sind Götzendiener. Perspektiven zum Thema Geld und Gold aus Lateinamerika“ in: „Vom Geld und seiner Seligkeit“, hg. von Norbert Sommer, Berlin 2005. S. 97 bis 101. Der Beitrag bezieht sich auf Studien von Bartolomé de Las Casas, Gustavo Gutierrez sowie auf den „indianischen“ Schriftsteller Felipe Guamán Poma de Ayla.
4.
„ Die Gettos überwinden. Der christlich-moslemische Dialog in Frankreich“, in: „Fremde Nachbarn“, E. B. Verlag, Hamburg,1997, hg. von Michael Göpfert, dort S. 187 bis 198.
5.
Die Kirchen schließen und die Religion lebt auf. Beobachtungen in Amsterdam“. In: „Götter auf der Durchreise“, hg. von Hans W. Dannowski, Michael Göpfer u.a., E.B. Verlag 1993, dort Seite 40 bis 54. Dieser Beitrag, zu Beginn der neunziger Jahre verfasst, weist u.a. auf den Benediktinerabt Kees Tholens hin im Begijnhof; auf die freie ökumenische, einst katholische Gemeinde „de Duif“; die „Studentenecclesia“ mit Huub Oosterhuis; auf die interessante Initiative am Sonntagmorgen „Atheisten deuten die Bibel“ im Kulturzentrum Paradiso (einer ehem. Kirche) sowie auf den unvergessenen Jesuiten Pater Jan van Kilsdonk… Ein Theologe, der nur in der Freiheit einer freien Stadt Amsterdam auch wirklich leben konnte. Und ganz offen zeigte, wie seine besondere Sympathie den Homosexuellen galt, später dann auch in der Begleitung von Menschen mit AIDS.

6.
„Zwischen Gott und der Revolution. Zur Situation christlicher Literatur in Lateinamerika“. In der Zeitschrift „Am Tisch des Wortes, Nr. 146“. KBW Verlag Stuttgart, 1974, S. 95 bis 100.

7.
Der Traum ist vorbei…Erinnerungen an den Mai 68. In: „Zwischen Medellin und Paris. 1968 und die Theologie“, hg. von Kuno Füssel und Michael Ramminger. Edition Exodus, 2009. Dort S. 11-24.

8.
„Nicht länger bereit, sich zu verstecken. David und Jonathan. Eine Vereinigung homosexueller Christen in Frankreich“. In: „Die Welt ist voller Hoffnung“, hg. von Michael Albus. Mainz 1984, dort S. 109 – 116.

9.
„Im Dienste der Ärmsten der Vierten Welt. Die Bewegung ATD“. ebd., S. 91 – 99.

10.
„Christen und Atheisten. Werden aus Feinden jetzt Partner?“ in: „Zugänge und Herwege“, KBW Verlag, Stuttgart, 1977, S. 223 -239.

11.
„Jesus war der erste Sansculotte. Religiöse Tendenzen während der französischen Revolution“. Zeitschrift Refommatio, Schweiz, Juni 1989. S. 192 – 200.

12.
„Katholiken für Luther. Ein Jubiläum, um zu lernen“. In: „Martin Luther“, Goldmann Verlag 1983, Dort S. 102 – 123.(Nebenbei: Dieser Beitrag sollte eine Ergänzung sein zu meinem Film im Ersten/SFB am 26.3.1983 „Wir haben von Luther gelernt“.)

Tugenden und Laster: Eine philosophische Revue

Müßiggang ist aller Liebe Anfang

Wenn Tugenden zu Lastern werden – und umgekehrt.   Christian Modehn im Gespräch mit dem Philosophen Martin Seel

Wollen Sie an einer philosophischen Revue teilnehmen? Dabei können Sie ganz schön erschüttert werden. Denn im Laufe der Revue werden Tugenden zu Lastern und umgekehrt. Der Philosoph Martin Seel (Universität Frankfurt am Main) zeigt überzeugend, wie fließend die Übergänge sind zwischen gutem und bösem Verhalten. »111 Tugenden – 111 Laster« heißt sein neuestes Buch. Es stellt keineswegs 111 Tugenden den 111 Lastern gegenüber. Vielmehr sind die 111 menschlichen Charakterbilder in sich doppeldeutig: Eine Tugend kann zum Laster werden und ein Laster zur Tugend.

Herr Seel, verwischen Sie in Ihrem Buch nicht das klare Bild, das bisher ein tugendhaftes beziehungsweise ein verabscheuungswürdiges, ein lasterhaftes Leben auszeichnete?

Martin Seel: Auch nach der Lektüre meines Buches bleibt es dabei, dass Tugenden ein gutes und gerechtes Leben fördern und Laster ein solches Leben behindern und im Extremfall zerstören. Jedoch führt das Buch vor, dass in den meisten der menschlichen Charaktereigenschaften, die wir auf den ersten Blick als Laster verbuchen, durchaus auch Energien der Tugend stecken und entsprechend, dass in den menschlichen Tugenden häufig auch Kräfte des Lasters wirksam sind. Das heißt: Tugenden sind heikle Balancen, die oft nur mit Mühe gehalten werden können – aber die Mühe ist es wert.

Zum Beispiel: Warum kann das hoch gelobte Mitgefühl auch lasterhaft, also schädlich sein, für den Mitfühlenden wie für die Betroffenen?

Martin Seel: Wir alle kennen das Phänomen des falschen Mitleids. Aber auch dort, wo wir nicht nur ein geheucheltes, sondern ein echtes Mitgefühl für die Lage anderer Personen aufbringen, kann es vorkommen, dass wir die anderen durch unsere Empathie erdrücken: Wir glauben, besser als diese selbst zu wissen, wie es ihnen ergeht, und maßen uns an, deren Leben in unsere Hand zu nehmen. Zugleich kann übersteigertes Mitgefühl auch denen schaden, die es zeigen. Dies geschieht, wenn sie vor lauter Anteilnahme das Gespür für ihr eigenes Wohlergehen verlieren, was ihnen früher oder später die Kraft und die Fähigkeit zu aufrichtiger Anteilnahme raubt.

Oder denken wir an die Tugend der Frömmigkeit. Warum kann sie ins Lasterhafte »umkippen«?

Martin Seel: Wie immer man Frömmigkeit im Einzelnen versteht, ob als eine religiöse Haltung oder auch nur eine Haltung der »Weltfrömmigkeit« (die von jener gar nicht immer so leicht zu unterscheiden ist) – ihre Formen kippen ins Lasterhafte um, wenn der Glaube der Frommen zu einem starren, dogmatischen und darum intoleranten Glauben wird, der keinen anderen neben sich duldet. Insofern ist aller Fanatismus fehlgeleitete Frömmigkeit.

Nehmen wir eine relativ milde Form des Lasters, etwa die Faulheit. Kann denn aus Faulheit eine tugendhafte Haltung werden?

Martin Seel: Aber sicher. Das ethische Lob der Faulheit ist ja durch die Jahrhunderte hinweg immer wieder gesungen worden. Nicht weil Faulheit in jeder Hinsicht wohltuend und sozialverträglich wäre, aber doch, weil in ihr manchmal ein Geist des Widerstands gegen falsche eigene Erwartungen und maßlose gesellschaftliche Zumutungen steckt, der durchaus heilsam sein kann. In der richtigen Dosis erweist sich Faulheit als eine Form des Müßiggangs. Und entgegen anderslautenden Gerüchten ist Müßiggang nicht aller Laster, sondern aller Liebe Anfang.

Könnte man es ethisch rechtfertigen: Wer nie untreu war, weiß nicht, was Treue ist? Also sollte man sich eine gewisse »Dosis« Untreue gönnen?

Martin Seel: Ich würde vorsichtiger sagen: Wer den Zweifel an der Treue nicht kennt, kennt den Sinn der Treue nicht. Der Zweifel, auf den es hier ankommt, betrifft die Frage, ob die Person oder Sache, der ich treu bin, es wirklich wert ist, dass ich es bin. Sich dies fragen zu können ist selbst ein Zeichen der Fähigkeit zur Treue.

Ein hundertprozentig heiliger Mensch ist also philosophisch gesehen nichts als ein frommer Wunsch?

Wenn wir mit der Figur des Heiligen, wie es in der Moralphilosophie und Moraltheologie immer wieder geschehen ist, das Ideal einer Person verbinden, die sich vollkommen sicher auf der Seite des Guten bewegt, weil diese den Widerstreit zwischen Pflicht und Neigung, zwischen Selbstsorge und Sorge für andere, zwischen den Forderungen des Tages und denen über den Tag hinaus (usw.) überhaupt nicht kennt, dann handelt es sich nicht einmal um einen frommen Wunsch, sondern einfach um eine unsinnige Vorstellung. Denn moralisch zu sein heißt gerade, den Widerstreit zwischen unterschiedlichen Anforderungen und Erwartungen ohne Bedauern anzunehmen – ohne den Irrglauben, man könne ein für alle Mal auf der richtigen Seite sein. Die wirklichen Menschen übrigens, die in religiösen Traditionen als »Heilige« verehrt werden, haben sich diesen Irrglauben kaum zuschulden kommen lassen.

Der Revolutionär Robespierre etwa wollte »nur tugendhaft« sein. Ist er gerade deswegen zum Massenmörder geworden?

Martin Seel: Unter anderem deswegen würde ich sagen. Moralischer Rigorismus ist gerade politisch gefährlich. Er verletzt das menschliche Maß eben dadurch, dass er sich einbildet, im Besitz der einzig wahren Deutung dieses Maßes zu sein. Auch hier gilt: Die reine Illusion ist immer eine Illusion der Reinheit.

Gibt es denn für Sie ein Laster, das niemals die Möglichkeit hat, sich positiv zur Tugend zu entwickeln?

Martin Seel: Ja, zumindest ein Laster bildet in meinem Buch eine Ausnahme von der Ambivalenz-Regel: die Grausamkeit. Grausam sind Personen oder Institutionen, die bereit sind oder es in Kauf nehmen, die leibliche und seelische Integrität von Personen ohne Rücksicht auf ihr Wohlergehen zu verletzen. In dieser Einstellung steckt nicht der geringste Keim einer Orientierung am Guten.

Es kommt in Ihrer Tugend-Philosophie darauf an, die Übergänge wahrzunehmen, wenn zum Beispiel aus der authentischen Freundlichkeit das Bloß-freundlich-Tun wird?

Martin Seel: Überall in der menschlichen Lebensführung kommt es auf die feinen Unterschiede an – so auch hier. Wobei nicht einmal das bloße Freundlich-Tun ganz zu verachten ist, etwa, wenn wir an die »professionelle« Freundlichkeit von Schalterbeamten oder Kassiererinnen denken.

Sie wenden sich gegen die definitive Abgeschlossenheit einer bestimmten Lebenshaltung. Könnte man sagen: Sie wollen das Leben flüssiger machen? »So bin ich und so bleib ich auf ewig«: Dieser Spruch hat dann wenig Sinn?

Martin Seel: »Das Leben« flüssiger machen zu wollen wäre wohl allzu vermessen. Außerdem erscheint es den meisten von uns ohnehin als einerseits zu flüssig (und flüchtig) und andererseits zu festgelegt (und beengend). Der Prozess der Lebensführung aber kann so gestaltet werden, dass in ihm eine Offenheit für die Ungewissheiten und Instabilitäten des Lebensvollzugs zum Ausdruck kommt. Nur dank dieser Offenheit ist so etwas wie ein über einzelne glückliche Augenblicke hinaus gelingendes Leben möglich.

Sie nennen Ihr Buch »eine philosophische Revue«: Das heißt, die Leserinnen und Leser können mit der Lektüre irgendwo beginnen, zum Beispiel bei der »Coolness«. Dann werden sie lesen, dass Coolness durchaus eine Mischung aus Gleichmut, Lässigkeit und Gewitztheit ist. Aber dann schreiben Sie auch: Coolness, »diese wohltemperierte Leidenschaft, lässt sich auf Dauer im wirklichen Leben nicht durchhalten«. Hoffen Sie darauf, dass durch Erkenntnis eine neue Einstellung zur Coolness, vielleicht zum Leben insgesamt, gelingt?

Martin Seel: Das Argument an der Stelle, auf die Sie sich beziehen, besagt, dass ein Leben lang durchgehaltene Coolness zur bloßen Fassade verkommen müsste: »Nur brüchige Coolnes ist cool«, lautet deshalb in dieser Sache das paradoxe Fazit. Wer das akzeptiert, verleiht seiner Lebenseinstellung einen bestimmten Akzent. Die Sache der Tugenden und Laster ist aber zu komplex, als dass man im Nachdenken über eine von ihnen sogleich die ganze Einstellung zum Leben neu konfigurieren könnte. Dies aber kann man ohnehin durch Nachdenken allein gar nicht bewerkstelligen. Erfahrung und Übung, und mit ihnen Enttäuschung und Überraschung, sind die unumgänglichen Begleiter einer wirksamen ethischen Reflexion.

Meinen Sie also, dass philosophische Besinnung und Kritik einen therapeutischen Charakter haben kann?

Martin Seel: Ja, durchaus: vor allem deshalb, weil es sich um Selbsttherapie handelt, die ihre Basis in einsamer oder gemeinsamer Selbstverständigung hat.

Sind denn Tugenden aus Ihrer Sicht lernbar? Und wenn ja, wer sollte Tugenden lehren?

Martin Seel: Hier möchte ich paradox sagen: Sie sind lernbar, aber nicht lehrbar. Dies folgt aus dem, was ich eben gesagt habe: Die Ausbildung von Tugenden und auch Laster ist wesentlich eine Sache der individuellen Selbstformung, die im günstigen Fall von beständigen Lernprozessen begleitet wird. Das bedeutet freilich weder, dass man den eigenen Charakter insgesamt in Regie nehmen könnte, noch, dass man nicht auf die Hilfe und das Beispiel anderer angewiesen wäre. Dennoch bleibt der Gedanke eines Tugendlehrers ein hölzernes Eisen. Die Fähigkeit, im eigenen Handeln diverse Tugenden zu beweisen, hat nicht die Verfassung eines Expertenwissens, das in feinen Dosen an die Laien weitergegeben werden könnte. Denn es gibt hier weder Laien noch Experten. Wohl aber gibt es Menschen, die anderen durch Erziehung, Anleitung, Imagination und Animation auf die Sprünge helfen können, indem sie veranschaulichen oder vormachen, wie es trotz allem möglich ist, sich selbst und den anderen einigermaßen gerecht zu werden.

Sollten heute Philosophen bestimmte Tugenden in den Mittelpunkt stellen, wenn nicht fördern? Etwa Gerechtigkeit, Engagement, Solidarität?

Martin Seel: Dies sind wichtige und unbedingt zu stärkende soziale Tugenden, über denen aber auch die stärker individualethischen Tugenden nicht vergessen werden sollten, wie beispielsweise Humor, Selbstachtung und Selbstvertrauen. Denn ohne diese werden jene nicht umsichtig wirksam werden können. Außerdem ist zu beachten, dass gerade die primär sozialen Tugenden in einer Gesellschaft wie der unseren nicht allein individuelle, sondern zugleich institutionelle Werte bezeichnen: Ohne gerechte Institutionen beispielsweise bleibt das individuelle Bemühen um Gerechtigkeit immer auch ohnmächtig. Daher hat die Förderung von Tugenden von vornherein eine politische Dimension.

Wie können Philosophen die verschiedenen Formen der Gier, etwa in der Finanzwelt, analysieren und kritisieren?

Martin Seel: Gerade an diesem Beispiel zeigt sich die eben erwähnte politische Dimension der Rede von Tugenden und Lastern. Das Problem der Finanzmärkte und ihrer Regulierung liegt ja nicht in erster Linie an der persönlichen Gier der Akteure, die auf dem Parkett der Börsen zugange sind. Es liegt vor allem an den systembedingten Imperativen, denen die Finanzindustrie gehorcht, und ihrer Indifferenz gegenüber den Entwicklungen der Realwirtschaft. Hier gegenzusteuern – und damit auch die Spielräume individueller Gier zu verringern – ist eine eminent politische Aufgabe, die zudem nur im internationalen Maßstab angegangen werden kann.

Warum brauchen wir eine neue Tugendlehre? Reicht im Alltag nicht der kategorische Imperativ Immanuel Kants als Orientierung völlig aus, der mich mahnt, immer zu prüfen, ob meine Lebensmaxime allgemeines Gesetz für alle werden kann?

Martin Seel: Der kategorische Imperativ oder andere Formen eines Instrumentalisierungsverbots im Verhalten der Menschen untereinander reichen allein deshalb nicht aus, weil sie angesichts konkreter Situationen viel zu wenig aussagen können. Und weil sie nicht in der Lage sind, der Möglichkeit von normativen Konflikten gerecht zu werden. Eine moderne Tugendlehre erinnert demgegenüber an die praktische Auslegung allgemeiner moralischer und rechtlicher Grundsätze, wie sie in der Gestalt einer Pluralität von Tugenden und Lastern in unserem alltäglichen Leben wirksam ist – und dort auch immer wieder verhandelt wird. Denn das ist der Sinn der Tugenden: Denen, die sich um ihren Besitz bemühen, eine Deutung ihres Lebens zu geben, die es ihnen erlaubt, ihr Dasein in Selbstachtung und in mit anderen geteilter Selbstbestimmung zu vollbringen.

Buchhinweis: Martin Seel. 111 Tugenden, 111 Laster. Eine philosophische Revue.

S. Fischer. Frankfurt am Main. 288 Seiten. 18,95 €

Dieser Beitrag erschien zuerst im April 2012 in der empfehlenswerten Zeitschrift Publik Forum.

Hinweis am 2.1.2019: Über das neue (2018) Buch von Martin Seel „Nichtrechthabenwollen“ klicken Sie hier.

Coypright: christian modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.

 

 

 

Friedrich der Große – Religionsphilosoph und Kirchenkritiker

Zur Aktualität der Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie „Friedrich des Großen“

Hinweise anlässlich seines 300. Geburtstages von Christian Modehn am 23.1.2012.

1.

Der Satz Friedrich II., als Weisheit populär, aber selten Realität: „Jeder soll nach seiner Fasson selig werden“ wurde wohl 1740 gesprochen.

Eine ähnliche Formel verwendet er: “Im übrigen mögen wir das Sprichwort: Leben und Lassen“. (Seite 490 in: „Der Briefwechsel Voltaire – Friedrich d.Gr.“ Hg., übersetzt und vorgestellt von Hans Pleschinski, Zürich 1992. Die Seitenangaben beziehen sich auf dieses Buch).

Weitere programmatische Worte Friedrich II: „Halten Sie (gemeint ist Voltaire) es für möglich, dass man mich gottlos schimpft, weil ich erkläre, dass die Menschen nicht auf die Welt gekommen sind, um sich gegenseitig zu vernichten?“ (41).

„Es ist gewiss, dass man niemals zum Erkennen der letzten Ursachen vordingen wird.“ (26).

Der König ist ein Meister der Sprache, ein Meister der Ironie und des Witzes. Er versteht sich in der Korrespondenz mit Voltaire selbst häufig als ein Philosoph (z.B. 491), auch wenn die Verwendung dieses Begriffs gegenüber dem Philosophen und „Patriarchen“ Voltaire eher leicht ironisch klingt.

Friedrich zeigt sich als universal gebildeter Mann. Er hat z.B. Pufendorf und Grotius gelesen ( 488), er kennt die Quäker, ist über das Leben der Jesuiten (er nennt sie Ignatianer“) und deren Unterdrückung durch den Papst informiert (490), er kennt Bossuet, Corneille usw. Nur die deutsche Literatur ist ihm fremd.

2.

Grundlegend ist: Friedrich betrachtete die Lehren der Kirchen insgesamt als Formen des Aberglaubens.
Er weiß, dass den französischen Herrschern der Aberglaube politisch nützlich ist (519).
Mit Bedauern spricht er vom französischen König Ludwig XV., „der von Priestern im dümmsten Aberglauben erzogen wurde“ (504). Die Salbung der französischen Könige in der Kathedrale von Reims empfindet Friedrich als „bizarre Zeremonie“. Tatsächlich wurden dem gesalbten König heilende Wunderkräfte zugesprochen, was das Volk glaubte. „Ein weiser und aufgeklärter Fürst könnte das Heilige Salbgefäß abschaffen und sogar die Salbung selbst“( 511).

Friedrich hat die christlichen Abendmahlsfeiern wohl nur in einer – damals durchaus verständlich – verzerrten Form von Theologie kennen gelernt. Er nennt das Abendmahl eine „widerwärtige und gotteslästerliche Absurdität, den eigenen Gott (im Abendmahl) zu verspeisen. Das ist die größte Beleidigung des Höchsten Wesens…“ (533).

3. DIE HEDWIGSKIRCHE in BERLIN

Friedrich bekämpft diesen Aberglauben nicht militant, er gestattet etwa den Bau der ersten katholischen Kirche in Berlin nach der Reformation, die heutige „St. Hedwigkathedrale.“ Errichtet aber im Stil eines römischen Pantheons. Nur mit ein paar Worten berichtet Friedrich seinem hoch geschätzten Freund Voltaire am 9. Oktober 1773: “Die katholische Kirche von Berlin wird bald eingeweiht. Der Bischof von Ermland wird sie weihen. Diese für uns fremdartige Zeremonie lockt Neugierige in hellen Scharen an“ (486). Eigentlich ist der Bau dieser Kirche in der Korrespondenz kein wichtiges Thema.

4.

Friedrich hatte keinerlei Verständnis für die Verfolgung von Religionskritikern in Frankreich. Selbst die sogen. Blasphemie, etwa ein „Kruzifix zu zerbrechen und freche Lieder dabei zu singen“, ist für ihn in Preußen kein „wirkliches Verbrechen“. (498)

5.

Welche Religiosität war für Friedrich II. persönlich wichtig?
Trotz kriegerischen Auseinandersetzungen, die er führte mit der üblichen Grausamkeit der Kriege: Ihm war der aufgeklärte Humanismus als Leitidee auch eine praktische Verpflichtung: Am 24. Oktober 1773 schreibt er, von einer Reise zurückgekehrt: „Ich war in Preußen, um die Leibeigenschaft aufzuheben, barbarische Gesetze zu reformieren und vernünftigere zu verkünden“….Er spricht dann von seinem Einsatz, Kanäle zu bauen, Städte aufzubauen, Sümpfe trocken zu legen usw…

Interessant ist, dass er für seine im Jahr 1758 verstorbene „Lieblingsschwester“ Wilhelmine einen Gedenktempel im Park von Sanssouci bauen ließ, in Form eines griechischen Rundtempels (!) (Monopteros). „Diesen Tempel habe ich in einem Hain meines Gartens plaziert. Ich begebe mich häufig dorthin, um mich an Verlorenes und an einst genossenes Glück zu erinnern“ (489f). In der antiken Welt findet er offenbar meditative Inspirationen, nicht im christlichen Glauben.
Hier ist vielleicht ein Hinweis des inzwischen leider fast vergessenen –und in geschichtlichen Fragen kompetenten – Schriftstellers Reinhold Schneider wichtig: Schneider schreibt in seinem Buch „Die Hohenzollern“ (Fischer Taschenbuch 1958) über die für Friedrich so erfreulichen Jahre in Rheinsberg: „Aus der Fülle dieses müßig – tätigen Lebens wendet sich Friedrich dankend an das höchste Wesen. Er muss genießen können, um zu beten. Die Weisen Griechenlands und Roms wecken dieses Gefühl der Frömmigkeit in ihm auf, das den gütigen Beglücker verehrt“. Aber von der Kirche wendet sich Friedrich schon in Rheinsberg ab: “Für den Kronprinzen werden die bestellten Diener des Herrn für immer zum Gegenstand des Spottes“ (alle Zitate S. 114).

6. Die katholischen Bischöfe

An Voltaire schreibt Friedrich II. am 24. August 1743 sehr deutliche, wohl provozierende Worte: „Wir können hier mit mit einem Kardinal und ein paar Bischöfen aufwarten, von den die einen die Liebe von vorn, die übrigen von hinten betreiben, Bischöfe, die eher in der Theologie des Epikur als in der des heiligen Paulus bewandert sind…“ (274).

Eher nebenbei wird in einem Brief erwähnt, dass Friedrich „den großen Julian“ schätzt, also Kaiser Julianus Apostata, den vom Christentum zum Heidentum rück – konvertierten römischen Kaiser. Er wurde in der christlichen Historiographie „der Abtrünnige“ genannt, dabei war er durchaus auch tolerant gegenüber den Christen. Julian, meint Friedrich, würde heute einen bedrohten Freigeist schützen, „die Kyrillos und Gregors von Nazianz hätten ihn vom Leben zum Tode befördert“. (503), beide sind berühmte Kirchenlehrer des 4. Jahrhunderts, Zeitgenossen Julians.

7.

Die Kirche – Staat –Politik möchte er am liebsten als König einseitig zugunsten des Staates gestalten, eine Konsequenz seiner Kritik am kirchlich verbreiteten Aberglauben. Man sollte, so meint Friedrich, „der Staatsgewalt erlauben, Bischöfe entsprechend dem Staatswohl einzusetzen. Nur so kann man vorgehen. Das leise und lautlose Unterminieren des Gebäudes der Unvernunft (der Kirchen) hat unweigerlich zur Folge, dass es ganz von selbst in sich zusammenbricht“. (519).

Friedrich II.  meinte, ein Staat könne nur lebendig sein, wenn sich alle Bürger an die Prinzipien der Humanität halten, konfessionelle Bindungen gehören an die zweite Stelle.

Immanuel Kant hat diesen preußischen König sehr respektiert.

8.

Friedrich wollte mit seiner  Vorrangstellung der allgemeinen Vernunft vor allen religiösen Dogmen  letztlich dem Fortschritt dienen, verstanden auch als Befreiung von Aberglauben: „Es steht fest, dass diejenigen, die Leute von Welt genannt werden, in allen Ländern mit dem Denken anfangen. Im abergläubischen Böhmen, in Österreich, ehedem die Bastion des Fanatismus, beginnen weltoffene Menschen die Augen zu öffnen… Wenngleich sich Fortschritte nicht gleich einstellen, so ist es doch ein gewaltiger Schritt nach vorn, wie bestimmte Menschen sich die Binde des Aberglaubens von den Augen reißen… In unseren protestantischen Ländern geht es schneller voran …Von diesem weiten Reich des Fanatismus bleiben kaum mehr als Polen, Portugal, Spanien und Bayern übrig, wo die schiere Ignoranz und der Winterschlaf des Geistes den Aberglauben noch am Leben erhalten.“ (428 f).

9.

Das Glaubensbekenntnis des jungen Friedrich II: (am 8. Februar 1737 an Voltaire): “ Mein Glaubensbekenntnis besteht darin, das höchste Wesen zu verehren, das einzig gut, einzig barmherzig ist und schon daher meine Verehrung verdient; auch dies: Soweit ich vermag, den Menschen, um deren Elendiglichkeit ich weiß, Hilfe und Stütze zu sein; mich ansonsten auf den Willen meines Schölpfers zu verlassen, der über mich verfügt, wie ihm gutdünkt, und von dem ich, komme was mag, nichts zu fürchten habe. Ich schätze, dies ist so ungefähr mein Glaubensbekenntnis.“ (35).

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer-Salon.de

Ein Weg in die Heiterkeit? Beim Lesen des „Feldweg“ von Martin Heidegger

Ein Weg in die Heiterkeit?
Beim Lesen von „Der Feldweg“ von Martin Heidegger

Am 26. Juli 2011 haben wir in unserem „Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon“ den wohl kürzesten Text Martin Heideggers „Der Feldweg“ gelesen und interpretiert, unterstützt und beraten von dem Heidegger Spezialisten Michael Braun, Berlin.

Ein Teilnehmer schickt uns einige persönlichen Beobachtungen und Reflexionen.

„Der Feldweg“ (1948 geschrieben) weckt den Eindruck, als würde er sich in einer leichten, schnell zugänglichen Lektüre erschließen.
Tatsächlich nimmt Heidegger in einfachen Worten den Leser mit auf seinen seit Jugendzeiten vertrauten Spaziergang gleich hinter dem Schloss von Messkirch.

Einzelne Worte erscheinen merk – würdig: „der Feldweg half“, eine „hohe Eiche grüßt“: Die Natur wird nicht als fremdes Gegenüber erlebt, sie steht im Gespräch mit dem nachdenklichen Menschen. Natur und Mensch können noch „kommunizieren“.

Es ist ein „karges Land“, durch den der Feldweg führt. Ist diese Kargheit bereits Metapher für das karge Leben insgesamt? Heidegger spricht später, in „Holzwege“, von der „dürftigen Zeit“ der Seins – Vergessenheit.

Welche Worte in dem Text gelten unmittelbar als solche in einem noch vordergründigen Verständnis, welche müssen „tiefer“ verstanden werden?

Kann man einer ersten, „schlichen“ Lektüre vertrauen? Dann erzeugt die meditierende Lektüre des Feldweges eine gewisse Geborgenheit, eine Sehnsucht nach Verwurzelung, einen Wunsch, wesentlich zu leben, achtsam zu sein auf die Natur, den Wechsel der Jahreszeiten, die Erinnerung zu pflegen, den göttlichen Gott zu suchen (von ihm spricht Heidegger im Verweis auf Meister Eckart).

Darüber hinaus wird der Leser in tiefere, zum Teil schockierende Fragen „geschleudert“: Heidegger spricht von Wanderungen, auf denen „alle Ufer zurückbleiben“. Oder: „Wachsen heißt, der Weite des Himmels sich öffnen und zugleich in das Dunkel der Erde wurzeln“. In einer Heimat verwurzelt sein, d.h. die konkrete Endlichkeit in einem zugewiesenen Lebensraum annehmen, UND: in die Weite des Himmels sich öffnen, also eine eigene Form des Transzendierens über alles Begrenzte leben.

In dieser Verbundenheit mit Immanenz und Transzendenz wird das „Einfache“ erlebt. Da stellt sich besinnliches Denken ein, wird die Herrschaft des Rechnens und Verfügens und Machens unterbrochen. In der technischen Welt, so Heidegger, denken die Menschen, der Lärm der Apparate sei die „Stimme Gottes“. Die Technik, absolut genommen, kann das Göttliche ersetzen und verdrängen.

Auf den Feldweg wird der Denkende befreit von den Üblichkeiten der herrschenden Kultur. Das Gehen auf diesem eher unspektakulären Weg kann eine letzte Heiterkeit fördern. „Die wissende Heiterkeit ist ein Tor zum Ewigen“. Das heißt: Dieser philosophische Text ist keine „abstrakte Abhandlung“, viele Menschen halten ja Philosophie irrtümlich für „abstrakte Abhandlungen“. Nein: „Der Feldweg“ erschließt Lebensmöglichkeiten, er IST Philosophie für ein „besseres“, eigentliches Leben. Und dieses Leben ist voller Fraglichkeit, die ausgehalten werden soll: „Spricht die Seele? Spricht die Welt? Spricht Gott?“. Danach zu fragen und zu suchen ALS Dasein ist, wenn man so will, der Auftrag des Feldweges als des Daseins – Weges. Philosophieren kann also eine Lebenshaltung sein, daran lag ja den antiken und spätantiken Philosophen sehr viel.

Wir empfehlen anschließend an den „Feldweg“ den Vortrag „Gelassenheit“ ( 1955) zu lesen, auch dieser Text ist als Einzelausgabe preiswert im Neske Verlag erschienen.
copyright: christian modehn, berlin.

Tiere segnen und Autos, aber nicht alle Menschen, jetzt aber auch Handys

Fragmente zum katholischen Segnungs-Wahn.

Von Christian Modehn, veröffentlicht  201o, danach immer weiter aktualisiert…

Dieser Beitrag ist im Laufe der Zeit „gewachsen“, der Autor verspürte aber keine Energie, die vielen Informationen zum katholischen Segnungs-Wahn noch zu sortieren, die Lektüre könnte trotzdem lohnend sein und etwas Spaß machen… und Freude am Katholizismus bereiten.

Man bedenke: Die Sucht der katholischen Kirche, also des Klerus, alles nur Mögliche zu segnen, ist Ausdruck ihres spirituellen und materiellen Machtdenkens: Diese Kirche will mit diesen albernen Segnungen von Tieren, Handys, Autos usw. zeigen: Ein bißchen Macht haben wir Kleriker noch. Nur: Diese letztlich minderwertigen Homosexuellen die segnen wir doch nie und nimmer. Denn dann müssten wir so viele betroffene Kleriker und Bischöfe  ja auch segnen… Das wäre doch sehr blamabel…

1.

TIERE SEGNEN, AUTOS SEGNEN, PFERDE SEGNEN, WAFFEN SEGNEN  usw… Eine unendliche Geschichte….
Philosophische, aber leicht satirische Randbemerkungen…In der Philosophie der sehr lebendigen Aufklärung (im 18. Jahrhundert und später) wurde immer wieder auf gesellschaftliche, ökonomische, kulturelle und kirchliche Merkwürdigkeiten hingewiesen. Wir folgen gern dieser Tradition und veröffentlichen gelegentlich kleine „Fragezeichen“, d.h. kleine philosophisch gemeinte Satiren.

2.

Der folgende Text ist insofern keine Satire, kein Bericht aus surrealen Welten, sondern real, vielleicht realsatirisch…Die Segnung von Autos durch den katholischen Klerus nimmt kein Ende: Nun hat auch noch Papst Franziskus Anfang April 2018 einen Elektro-Rennwagen gesegnet, vor der „Formel E“ am 14. 4. 2018. Darüber berichtete mit Foto die offizielle Papst Zeitung „Osservatore Romano“, deutsche Ausgabe, am 20.4.2018 auf Seite 2! Wie man als Papst allen Ernestes Autos für diese verrückten und dekadenten Auto-Rennen segnen kann, bleibt ein päpstliches Geheimnis, und es bleibt ein Skandal. Denn dies ist die Einbeziehung der verrücktesten und überflüssigsten Produkte in den göttlichen Raum,  das ist ja eine Segnung, nach katholischem Verständnis. Segnungen von homosexuellen Eheleuten, falls sie dies von dieser Kirche überhaupt noch wünschen, bleiben ausgeschlossen! Hätte doch bloß ein Papst mal die VW Werke in Wolfsburg gesegnet, möchte man denken…

3.

Zur Segnung eines Walrosses durch den Hamburger Erzbischof: LINK:

4.

Am 18.1.2012 erweitern wir die Informationen. Denn nun finden auch im unmittelbaren Umfeld des Vatikans derartig intensive Tiersegnungen statt, dass der Gestank sicher alle Gemächer der Hochwürden erreicht hat… Wir bleiben stilistisch bei der philosophischen Satire. Wir haben gar nichts prinizipiell gegen Tiersegnungen, sollen doch alle Geschöpfe irgendwie am katholischen Segen teilhaben, wenn die Tierfreunde dies wünschen. Tiere sind ja in unmenschlichen Zeiten bekanntermaßen die besten Freunde vieler Menschen…Aber davon abgesehen. Wir wollen nur weiter dokumentieren, dass Tiere den katholischen Segen erhalten, hingegen nicht alle Katholiken, die um den Segen bitten..
Unsere auf den ersten Blick absonderliche Dokumentation wirft einen Blick auf die Verfassung katholischer offizieller Theologie. kath.net dokumentierte, wir zitieren nur kurz:
17. Januar 2012,
Vatikan: Hohe Tiere zu Besuch
Mehrere Dutzend Pferde, Rinder, Hühner und andere Haustiere haben am Dienstag in Rom vor der Kulisse von Berninis Kolonnaden vom italienischen Kardinal Angelo Comastri einen Segen erhalten. Anlass für die Zeremonie unmittelbar vor den Vatikangrenzen war der Gedenktag des heiligen Mönchsvaters Antonius, des Patrons der Haustiere und Tierzüchter.
Der italienische Tierzüchterverband Aia hatte die Tiere aus der Umgebung von Rom in überdachten Pferchen untergebracht. Die Bandbreite reichte von einem weißen Tolfa-Bullen bis hin zu schwarz-weiß gestreiften Hühnern der aus England stammenden Rasse «Plymouth Rock». Tierärzte boten kostenlose Untersuchungen für Katzen und Hunde an.
Antonius wurde er zum Patron der Haustiere und Tierzüchter. Antonius gilt zudem als einer der Gründerväter des Mönchtums.

5.

Auch die Segnungen von Gegenständen durch die katholische Kirche erfreuen sich kreativer Beliebtheit: Jetzt wurden (am Wochenende 2. Oktober 2011) in Nizza von Pater Gil Florini in einem Gottesdienst in der Kirche St. Pierre d Arène bei 400 Teilnehmern ausgerechnet auch noch Handys gesegnet. „Mögen diese Handys Freude bereiten und den Frieden stärken“, sagte der Priester. Offenbar weiß der geistliche Herr nicht, was er sagt: In einer TV Dokumentation des WDR wurde z.B. gezeigt, wie Kinder unter sklaverei-ähnlichen Bedingungen in der Demokratischen Republik Kongo die Rohstoffe für Handys suchen und „erarbeiten: Coltan und Kassiterit. Der Bürgerkrieg in dem Land, in dem Mord und Totschlag an der Tagesordnung sind, führt zu diesen unerträglichen Arbeitsbedingungen … zugunsten der Handys…. „Mögen sie den Frieden stärken“… Unklar ist, wie viel Weihwasser die frommen Handy Fans ihren nun gesegneten, also Gott wohlgefälligen Geräten, zumuteten…….Dies ist eine aktuelle Meldung, die am 3. 10. 2011 noch eingefügt wurde…

6. Der Haupttext:

Manche gläubige Menschen wollen gesegnet werden. Katholisch gesegnet werden, so richtig mit Choralgesang, Orgel und Weihrauch. Die Existenz als solche reicht diesen Menschen nicht, vielleicht bereitet sie zu viel Angst und Schrecken. Da reicht es dem Frommen auch nicht zu glauben, dass er ja eigentlich getauft ist und eigentlich durch den Heiligen Geist mit dem Unendlichen verbunden ist. Nein, er braucht den Segen, er will mit Weihwasser besprengt werden, eine eigene, leibliche Zuwendung durch Handauflegung spüren. Zusätzlich, in besonderen Lebenssituationen.
In der katholischen Kirche hat sich das Segnen von Gegenständen traditionellerweise über die Jahrhunderte gehalten. Da werden Häuser und Wohnungen gesegnet, sogar Flugzeuge, ICEs und Autos werden unter den Schutz Gottes gestellt oder zumindest der Hilfsbereitschaft des Patrons Christophorus anheim gestellt. Auto Segnungen gibt es ja seit Jahren in vielen Städten; damit wurde wohl gleichzeitig das Auto und damit der Autoverkehr heilig gesprochen, in die himmlische Sphäre gezogen. Autofahren ist gottgewollt, immer mehr Autobahnen dann auch? Der „Heiligste“ aller „heiligen“ Gebrauchsgegenstände wurde sozusagen sakralisiert.

Auch Tiere werden seit Jahrhunderten gesegnet, es wird etwa das Sankt Rita Öl verkauft, es soll auch bei schweren Geburten (etwa bei Kühen, Pferden) hilfreich sein, man muss nur an der richtigen Stelle das Öl auftragen. Es werden sogar Tier – Segnungs – Gottesdienste veranstaltet, meist im Umfeld des Sankt Franziskus Tages. Eine nette Idee, die sprachlose Schöpfung in den Raum der segnenden Kirche einzubeziehen. Aber was ist, wenn bestimmte Menschen um den Segen Gottes bitten, den ihrer Meinung nach ja besonders feierlich die Katholische Kirche austeilen darf? Was ist also, wenn Menschen nach der Scheidung ihre zweite oder dritte Ehe gesegnet haben wollen? Oder wenn homosexuelle Menschen um den Segen für ihre Partnerschaft bzw. ihre Ehe bitten. Es soll ja noch einige wenige Homosexuelle geben, die auf solche Segnungen durch die katholische Kirche wert legen. Diese armen Teufel wie auch die wiederverheiratet Geschiedenen aber werden von der Amtskirche zurückgewiesen. „Wir segnen nur Autos und Eigentumswohnungen, wir segnen nur Flugzeuge und Tiere, etwa Kühe“, heißt es dann lapidar aus Rom und allen Bistümern weltweit, und die Kleriker fahren fort: „Denn wir segnen doch keine Sünder“, so heißt es im offiziellen Katechismus der römischen Kirche von Homosexuellen. Und Geschiedene sollten doch bitte schön Buße tun…Also konzentriert sich die segnende Kirche weiterhin lieber auf Tiere und Gebrauchsgegenstände.

Einige ganz clvere, unbedingt auf Segen erpichte katholische Homosexuelle im Fürstentum Liechtenstein haben eine Art Notlösung gefunden: Sie haben sich als schwules Paar in ein zu segnendes Auto gesetzt, in dem festen Glauben, dadurch sozusagen „mit – gesegnet“ zu werden. Im Vatikan ist allerdings umstritten, ob solche „Mitsegnungen“ den eigentlichen Wert von Segnung haben. Man darf gespannt auf das Urteil warten..

Kürzlich fand wieder eine Tiersegnung statt, diesmal wurden in der Steiermark wieder einmal Pferde gesegnet. Da setzte sich ein segnender Pfarrer auf das Tier und wurde nach kurzem Ritt heruntergeworfen. „Wehren sich jetzt die Tiere gegen Segnungen, wollen sie etwa auf diejenigen Menschen verweisen, denen eine gar nicht so gnädige Kirche den Segen verweigert?“ Wir wollen diese Frage, die uns aus Österreich erreicht, gern weitergeben. Die Österreicher schreiben: “Wir wünschen dem reitenden und segnenden Tier-Pfarrer natürlich gute Genesung… und viel Segen“.

PS.:Manche Segnungen hat die Kirche inzwischen wohl stark eingeschränkt: Die Segnung von Waffen, wie noch bis ins 19. Jahrhundert üblich, ist jetzt etwas tabu geworden. Wie sollte sich der liebe Gott denn auch entscheiden, wenn die Franzosen ihre Waffen gegen die Deutschen richteten und um Sieg der Franzosen beteten … und die Deutschen Selbiges auch taten, bloß gegen die Franzosen… Oder gab es damals National – Götter, die parteilich waren? Sind die unterlegenen, aber in den USA gesegneten Waffen (Kardinal Spellman, New York, war ein ganz großer Segner) im Vietnam Krieg, letztlich ein Hinweis auf die größere Stärke möglicherweise des dortigen buddhistischen Glaubens? Verloren haben die Menschen in allen Kriegen immer alles, auch mit dem Segen einer Herrschaftskirche…

Das Thema der Segnung von Objekten und der Zurückweisung von Segnungen für bestimmte Menschen nimmt kein Ende: Gerade berichtet der SPIEGEL in seiner Ausgabe vom 15.11.2010 (S. 62), wie der Bischof Limburg, Tebartz -Van Elst, an einer Segnung von Óldtimern teilgenommen hat. Spitzfindige Theologen werfen in dem Zusammenhang die Frage auf, was denn passiert, wenn diese Oldtimer vielleicht vor 50 Jahren schon einmal gesegnet wurden. Sind Doppel – Segnungen von Autos zulässig? Erhöhen sie den Grad der Segnung? Und aus Rom erreicht uns die Meldung, dass künftig auch die sündhaft teuren roten Prada Schuhe von Benedikt XVI. gesegnet werden sollen. Das wäre wohl der beste Segen für Prada…

7.

PS.:Ursprünglich glaubten wir Mitglieder im Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon, man könne die Vorliebe der römischen Kirche für die allumfassende Segnung von Autos, Tieren, Waffen usw. und die Ablehnung der Segnung von ALLEN Menschen nur satirisch – realistisch fassen. Dem ist leider nicht so! Die Wirklichkeit ist stärker als die Satire: Benedikt XVI. hat in seinem so genannten Interview Buch „Licht der Welt“ jetzt im November 2010 wieder erneut seine, so berichten unsere römischen Korrespondenten, Haltung bestätigt: Segnungen homosexueller Paare /falls denn überhaupt noch ein solches Paar um römischen Segen bittet/ sind absolut ausgeschlossen. „Homosexualität …bleibt etwas, das gegen das Wesen dessen steht, was Gott ursprünglich gewollt hat“, so Ratzinger in dem genannten Buch. Woher weiß Joseph Ratzinger, was „Gott ursprünglich gewollt hat“, war er persönlich bei der Schöpfung dieser Welt und ihrer Menschen dabei? Welche politischen und sozialen Konsequenzen ergeben sich aus solchen Worten?

Fördern Ratzingers irren Worte das interreligiöse Eingeständnis, dass im muslimischen Iran Homosexuelle als göttlich nicht gewollt hingerichtet werden? Weiß dieser alte Herr in Rom, Ratzinger, was er für Unsinn daher schwadroniert. Unsere Vermutung: Leider weiss er es.

Nebenbei: Je schwulenfeindlicher ein Priester, um so mehr ist er selbst schwul, Klemmschwestern nennt man solche Leute… Die Religionskritik kann nicht müde werden, abwegige und inhumane Überzeugungen zu kritisieren. Kritik ist das, was uns angesichts gegebener Herrschaftsformen (hoffentlich) bleibt.

8.

Am 17.1.2011 berichtet KNA, „Tiersegen am Vatikan

„Mit einer Tiersegnung am Petersplatz und einem Gottesdienst in der Basilika ist am Montag in Rom das Fest des heiligen Mönchsvaters Antonius begangen worden. Kardinal Angelo Comastri feierte im Petersdom…“ Wer unbedingt will, kann bei KNA weiterlesen. Also: Tiersegnungen sind für den Papst wichtiger als Menschensegnungen.

Aber kann man, darf man,  die gesegneten Tiere dann eigentlich noch essen, fragen mich katholische Gourmets aus Paris. Oder werden homosexuelle Paare, die gesegnetes Tierfleisch zu sich nehmen, vielleicht indirekt dann doch irgendwie noch gesegnet, sozusagen durch Vermittlung gesegneter Tiere? Oder wird damit ein päpstlicher Vegetarismus („gesegnete Tiere isst man nicht“) als ethische Pflicht der Glaubenden, der frommen Tierfreunde, eingeläutet? „Schön wär es“, sagen meine vegetarischen Freunde…

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophicher Salon Berlin