Wie Karl Lagerfeld, der „Halbgott“ der Mode, enden wollte: „Und dann ab in die Mülltone“!

Ein Hinweis von Christian Modehn zum Thema Nihilismus

Es ist für einige sicher etwas verstörend zu lesen, was Tanja Rest in der Süddeutschen Zeitung (20.2.2018, Seite 3) über den, so wörtlich, „erfolgreichsten Modeschöpfer“ Karl Lagerfeld schreibt: „An Gott hat Karl Lagerfeld nicht geglaubt, auch zu seinem Tod hatte er ein Bonmot parat: `Verbrennen, Asche und ab in die Mülltonne“.
Gehen wir davon aus, dass korrekt zitiert wurde…
Wenn ein Bonmot mehr ist als ein Scherz, sondern tatsächlich ein Stück „Lebensweisheit“: Dann gibt dieses Bekenntnis Lagerfelds doch zu denken:
Wer den Glauben an Gott ablehnt (welchen Gott eigentlich? An den Gott der Haute Couture hat Lagerfeld ja heftig geglaubt und damit auch an das große Geld), muss ja nicht gleich zu dieser „Mülltonnen-Lebensweisheit“ gelangen. In der Mülltonne landen, im Dreck, Gestank und Abfall: Ist dies ein würdiges Begräbnis für einen Menschen? Ob dieser nun Karl Lagerfeld heißt oder etwa Charles Champs, ein Verhungerter in Afrika.
Bei diesem Bonmot des „so wunderbaren Modeschöpfers“ kann man also auf dessen Bestattung alsbald gespannt sein: Wahrscheinlich versammelt sich die prominente Trauergemeinde um eine Mülltonne herum, die nach stillem Betrachten des stinkenden Kübels dann – wie in Paris üblich – von afrikanischen Müllmännern abtransportiert wird zur Entsorgung in der Müllverbrennungsanlage.
Ich muss aus philosophischer Perspektive gestehen: Dieses Bonmot Karl Lagerfelds ist, ohne ihm zu nahe zu treten, nichts anderes als die Lebensweisheit eines Nihilisten, eines Modemachers, der im Leben zwar so viel Anerkennung fand, dem aber „letztlich“ dann doch alles scheißegal ist, selbst das Landen der Asche in der Mülltonne. An eine „Seele“, also etwas „Ewiges im Menschen“, hat der bekennende Atheist Lagerfeld ja ohnehin nicht geglaubt oder glauben wollen…Aber was für eine Botschaft hat er für unsere Gesellschaft, die sich mit dem menschenwürdigen Umgang mit dem Tod auseinandersetzt…
Wie hat Nietzsche, sensibel für Veränderungen der Mentalitäten in Europa, den Nihilismus umschrieben? „Nihilismus: Es fehlt das Ziel. Es fehlt die Antwort auf das ´Warum?` Was bedeutet Nihilismus? Dass die obersten Werte sich entwerten.“( Friedrich Nietzsche, Werke, Achte Abteilung, Zweiter Band, Nachgelassene Fragmente Herbst 1887 bis März 1888, Giorgio Colli/Mazzino Montinari (Hrsg.), Berlin 1970, S. 14.).Es ist sicher kein Zufall, dass Wolfgang Joop im Tagesspiegel (20.2.2019, S.3) sich auf Carine Roithfeld bezieht. Sie sagt: „Lagerfeld war ein ÜBERMENSCH“. Schon wieder ein Begriff Nietzsches! Also hatte Lagerfeld im Sinne Nietzsches dann doch als „Übermensch“ den Nihilismus überwunden ? Aber: Die Reste eines Übermenschen im Müll? Das passt auch nicht.
Der „erfolgreichste Modeschöpfer“ und Halbgott der Haute Couture – ein Repräsentant des heute ohnehin weit verbreiteten Nihilismus? Kein undenkbarer Gedanke. Darf man dann etwa sagen: Es lebe der Nihilismus?

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

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