Auf diese 29. Frage unserer Reihe “Unerhörte Frage” sind mehrere richtige Antworten möglich, eine Antwort ist wahrscheinlich die besonders treffende.
Papst Leo XIV. besucht also am 28. März das Fürstentum Monaco…
1 …weil er sich mit Fürst Albert II. nach dessen Privataudienz im „Apostolischen Palast“ so blendend und herzlich versteht? (Der Fürst verfügt nach Schätzungen über ein Vermögen von 1 Milliarde US Dollar).
2 …weil der Papst gern drei Stunden im Helikopter sitzt, der ihn von Heiligen Stuhl nach Monaco transportiert? Also: ein päpstlicher Beitrag für einen hohen CO2 Ausstoß…
3 …weil er hofft, mit einer der vielen Superluxusyachten in Monaco im Mittelmeer etwas herumkurven zu können und dabei als Dank allen Superluxus-Yachten seinen apostolischen Segen erteilt?
4 … weil er in Monaco ein Augustinerkloster gründen will oder nach Spuren seines absolut höchst geliebten „Vater“ Augustin dort sucht? Der erste Teil dieser Frage ist schon jetzt ausgeschlossen, weil der Augustinerorden in Europa fast nur noch alte Herren als Mitglieder zählt und an Kloster – Neugründungen gar nicht zu denken ist.
Papst Leo XIV. besucht also am 28. März das Fürstentum Monaco…
5 … weil der Papst sich freundschaftliche Beratungen und Hilfen finanzieller Art vom Fürsten und den Seinen verspricht – für den nicht gerade finanziell glänzend dastehenden Heiligen Stuhl?
6… weil er diesen Winzling von Staat Monaco liebt, denn dort ist noch wie einst die uralte katholische, päpstliche Moral staatliches Gesetz: Gegen Abtreibung, gegen gesetzlich mögliche Sterbehilfe…Darum muss doch sonst, weltweit, der Papst nur – erfolglos – kämpfen.
7… weil er zeigen will: Papst Franziskus unternahm seine erste Reise innerhalb Italiens nach Lampusa zu den Flüchtlingen.. Aber er als Leo und „Sohn des heiligen Augustinus“ macht genau das Gegenteil: Er besucht die Superreichen..
Papst Leo XIV. besucht also am 28. März das Fürstentum Monaco…
8… weil er die an dieser Reise Interessierten auffordert, die Papstpredigt in der Kathedrale von Monaco schon jetzt zu schreiben! Das ist doch bei allen üblichen Floskeln nicht schwer. Die päpstliche Predigt sollte diese Worte enthalten: Friede ist zentral; wir danken dem Fürsten und seiner Familie für ihre Treue zum katholischen Glauben; auch Superreiche gehen selbstverständlich ins Himmelreich ein, bei dem Thema irrte Jesus von Nazareth ein bißchen; nicht nur Monaco, alle demokratischen Staaten sollen den katholischen Moralvorstellungen folgen; Eheschließungen für Homosexuelle sind Monaco ausgeschlossen, Bravo sage ich als Stellvertreter Christi; Frankreich als Nachbar Monacos ist mit seinem „Laizismus“ kein gutes Vorbild für Katholiken; die Kirche hat nicht nur eine „Option für die Armen“, sondern muss immer auch ihre Liebe zu den Reichen und Superreichen zeigen, nur das zahlt sich wirklich für den Vatikan aus; ….Dies sind einige zu erwartende Floskeln der Papstansprache in Monaco…(Wir wären überrascht, wenn Leo XIV. den Mut hätte, genau das Gegenteil zu verkünden).
9… weil unter den Superreichen viele Depressionen und Sinnkrisen bestehen; der Bischof von Monaco nannte dies jetzt bereits die furchtbare „Armut“ der Bewohner Monacos; die seelische Krankheit dieser „Armen“ könne durch eine päpstliche Botschaft wenn nicht geheilt, so doch gemindert werden. Also: Bitte mehr Seelsorge für die Superreichen, die haben dies bitter nötig. Zum Teilen ihres Reichtums wird der Papst sie selbstverständlich nicht explizit oder gar prophetisch auffordern, das wäre doch ein bißchen undiplomatisch und zu unfreundlich gegenüber dem Milliardär – Fürsten…
Papst Leo XIV. besucht also am 28. März das Fürstentum Monaco…
10… weil er (mit einem Pass des lateinamerikanischen Staates Peru ausgestattet) die Superreichen von Monaco auffordern will, sich für die Theologie der vom Kapitalismus arm Gemachten, also die „Theologie der Befreiung“ in Lateinamerika einzusetzen. Denn in Peru ist bekanntlich die Theologie der Befreiung entstanden (Gustavo Gutiérrez als Initiator).
11… weil der Papst Einladungen der gegen die Mafia kämpfenden Priester und Staatsanwälte in Italien bisher nicht beachtet hat, ebenso die Einladung in Neapels Elendsviertel, deswegen fliegt er im Helikopter ins schöne Monaco… Dies kann doch eine (spirituell ???) reiche Vorbereitung sein für den dann folgenden Palmsonntag, am 29. März.
12…weil er weiß: Kein anderer Papst hat jemals eine solche, dermaßen überflüssig erscheinende Reise unternommen? (Fehlt bloß noch, dass der Papst diese seine Monaco – Exkursion als „apostolische Pilgerfahrt“ deklariert.)
13… weil er weiß, dass einige Journalisten den päpstlichen Hofstaat und seine Diplomatie immer noch beobachten bzw. aus beruflichen Gründen selbst die absurdesten Papst-Reisen beobachten müssen. Dabei hätten sie Dringenderes zu tun….
Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin
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