„Die Religion ist der tiefste ruhige Meeresgrund…“ Wittgenstein lesen … und auch meditieren

Datum: 26. April 2019
Uhrzeit: um 0:00 Uhr am Freitag, 26. April 2019 - um 0:00 Uhr am Freitag, 26. April 2019
Gedenktag

Ein Hinweis zu Wittgensteins Geburtstag am 26. April (1889)

Die Werke Ludwig Wittgensteins muss man nicht empfehlen, sie sind „Pflicht“ und Last und Freude und Inspiration.
Anlässlich seines Geburtstages am 26. April (der 29. April 1951 ist sein Todestag) plädiere ich für eine Lektüre einiger „Vermischter Bemerkungen“, die in Band 8 der Werkausgabe „Über Gewissheit“ bei Suhrkamp ab Seite 445 publiziert sind.
Diese meist knappen „Bemerkungen“ stammen aus dem Nachlass; sehr viele „Bemerkungen“ wurden 1945 nach Abschluss des ersten Teils der Schrift „Philosophische Untersuchungen“ notiert. Dieses Buch ist wohl der Hintergrund für viele „Bemerkungen“.

Das Zitat im Titel (von 1946) heißt vollständig:
„Die Religion ist sozusagen der tiefste ruhige Meeresgrund, der ruhig bleibt, wie hoch auch die Wellen oben gehen“. (S. 525)...
Kurz davor hat Wittgenstein notiert:
„Das Christentum sagt unter anderem, glaube ich, dass alle guten Lehren nichts nützen. Man müsse das Leben (Vom Verfasser kursiv, CM) ändern (oder die Richtung des Lebens). (ebd.)

Wer die "Vermischten Bemerkungen" liest, wird bemerken: Für Wittgenstein ist religiöser Glaube (im Christentum) ein „leidenschaftliches Sich-Entscheiden“ (S. 540, von 1947). Glauben ist für ihn vor allem Praxis, als Sprung in eine bestimmte Lebensform. Aber jede ethisch wertvolle Lebensform ist wohl nur in einem Sprung erreichbar, meint er. Darin wird der Einfluss Kierkegaards spürbar. Glaube hat für Wittgenstein zentral mit der Bewegtheit des Herzens zu tun. Wissenschaften können (seine) Lebensprobleme nicht lösen! Davon war Wittgenstein, der Skepiker, überzeugt.
Es ist also eine große Begrenzung, nur den Wittgenstein des „Tractatus“ zu lesen!

Ich empfehle auch die Darstellung des Religionsphilosophen Wittgenstein von Friedo Ricken, ín: “Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie“, Kohlhammer Verlag, 2003, S.29 bis 57.

Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

Karfreitag und Ostern verstehen

Startdatum: 19. April 2019
Enddatum: 22. April 2019
Uhrzeit: um 0:00 Uhr am Freitag, 19. April 2019 - um 0:00 Uhr am Montag, 22. April 2019
Gedenktag

Wer an Karfreitag und Ostern denkt, muss nicht aufs Denken verzichten.
Die Auferstehung Jesu offenbart: Alle Menschen haben Anteil an dem Ewigen, das Gott ist: Jesus überwindet den Tod, weil auch er ein viel geliebter Sohn, ein Geschöpf Gottes ist. Und er offenbart: Jeder Mensch hat als "Geschöpf Gottes" daran Anteil. Dies ist kein metaphysischer Trost. Sondern eine Aufforderung, die unendliche Würde des Menschen, jedes Menschen, politisch zu verwirklichen, in der Geltung der universalen Menschenrechte. Die alten dogmatischen Lehren vom "Sühnetod" werden also entschieden zurückgewiesen, also der unsinnige Gedanke, der immer noch vorherrscht: Gott(Vater) hätte ein Wohlgefallen daran, dass sein Sohn (Jesus) grausam am Kreuz umgebracht wird, weil durch sein Blut die Welt erlöst wird. Was soll das nur? Selbst wenn es Paulus sagt, muss es ja noch nicht richtig sein für ein heutiges Verstehen der Bibel.
In meinem Beitrag wird ein Impuls gesetzt. Der Glaube an die Auferstehung ist etwas "Einfaches", Nachvollziehbares...
Das einzige, so möchte ich sagen, worauf es ankommt, ist in dem Zusammenhang: Davon überzeugt sein, dass diese Welt irgendwie eine "göttliche Schöpfung"(inklusive Evolution!) ist! Dieses eine ist der zentrale Glaube der Christen.

Buchmesse Leipzig: An Milan Machovec erinnern!

Startdatum: 21. März 2019
Enddatum: 24. März 2019
Uhrzeit: um 0:00 Uhr am Donnerstag, 21. März 2019 - um 0:00 Uhr am Sonntag, 24. März 2019
Kongress

Eine gute Gelegenheit, sich anläßlich der Leipziger Buchmesse 2019 an den böhmischen Philosophen Milan Machovec zu erinnern. Er ist ein Grenzgänger der Ideologien, ein Marxist, kein Kommunist; einer, der Jesus von Nazareth verehrt, aber nicht die Kirche als Institution.Ein Philosoph, der in die heutige Zeit passt, weil er stört, Anregungen gibt?

Tag des Kampfes gegen Rassismus

Startdatum: 17. März 2019
Enddatum: 21. März 2019
Uhrzeit: um 0:00 Uhr am Sonntag, 17. März 2019 - um 0:00 Uhr am Donnerstag, 21. März 2019

Der 21. März ist ein wichtiger Tag des Gedenkens und des politischen Kampfes gegen den immer stärker werdenden Rassismus. Solche "Gedenktage" sind nur dann nicht Routine, wenn sie wirklich bei möglichst vielen zu einem Nachdenken und Vorausdenken und "polischer Rebellion" (im Sinne von Albert Camus) führen: Besinnen wir uns also schlicht auf die unleugbare Tatsache: Alle Menschen haben die gleichen Rechte zum Leben und die gleiche Würde. Diese Worte heute zu sagen, ist eigentlich ein Hohn, wenn man an das Krepieren der Armen in vielen Ländern Afrikas und Asiens denkt. Dieses von den Herrschenden gemachte und zugelassene Krepieren ("Sterben" ist viel zu vornehm) der Menschen, etwa in Yemen, ist der Skandal der Menschheit. Wir befassen uns lieber mit Madame May und ihrem Brexit seit gefühlten Jahren oder dem Fußball als Opium des Volkes...
Die Rechtsextreme hauen heftig zu in ihrer Ideologie, wonach es wertvolle und nicht wertvolle Menschen gibt, gute Religionen und böse Religionen: Siehe den Massenmord in Neuseeland.Siehe auch den Hinweis auf die Gewalttätigkeit der Neuen Rechten, die gegen die universalen Menschenrechte Propaganda machen....

Buchmesse in Leipzig 2019: Tschechien ist das „Gastland“. Ein philosophischer Hinweis

Startdatum: 21. März 2019
Enddatum: 24. März 2019
Uhrzeit: um 0:00 Uhr am Donnerstag, 21. März 2019 - um 0:00 Uhr am Sonntag, 24. März 2019
Kongress

Ein guter Anlass, sich mit einer "ziemlich einmalige" Gestalt zu befassen, einem Philosophen, der Staatspräsident war! Tomas Garrigue Masaryk war von 1918 bis 1935 Staatspräsident der 1. Tschechoslowakischen Republik. Ein ungewöhnlicher Denker, ein freier Geist, auch in religiöser Hinsicht.

Wie viel Geheimnis brauchen wir, ertragen wir? Ein philosophischer Salon

Datum: 15. März 2019
Uhrzeit: um 0:00 Uhr am Freitag, 15. März 2019 - um 0:00 Uhr am Freitag, 15. März 2019
Salons

In unserem Salonabend am Freitag, den 15. März 2019, wollen wir uns mit der alltäglichen Realität des Geheimnisses auseinandersetzen: Vieles verschweigen wir! Wir wollen unsere Identität schützen; die Wahlen sind geheim; die Anonymität (also auch das Sichverbergen im Geheimnisvollen) ist gerade heute beliebt und manchmal notwendig; jeder und jede hat sein ganz einmaliges "Lebensgeheimnis". Aber, so fragen die Philosophen, ist das Leben als solches nicht immer schon etwas Nie- Zuklärendes, also nie etwas total Transparentes: Also ein bleibendes Geheimnis? Wenn man schon an Gott denkt: Ist Gott nicht nur als ewiges Geheimnis überhaupt denkbar, trotz aller kirchlichen Besserwisserei?
Geheimnis ist etwas, das nie total transparent werden kann: Warum bin ich hier, warum bin ich in die Welt gesetzt worden? Ist denn Liebe restlos erklärbar? Gibt es einen wesentlichen Unterschied zwischen Geheimnis und (wissenschaftlichem) Rätsel?
Herzliche Einladung zu einem intensiven Austausch: In der Kunstgalerie FANTOM, Hektorstr.9,in Wilmersdorf. Beginn um 19 Uhr.
Bitte um Anmeldung: christian.modehn@berlin.de

Das Fiasko in Rom heute: Die Predigt des Papstes am Ende der Konferenz zum sexuellen Missbrauch durch Kleriker

Startdatum: 24. Februar 2019
Enddatum: 25. Februar 2019
Uhrzeit: um 0:00 Uhr am Sonntag, 24. Februar 2019 - um 0:00 Uhr am Montag, 25. Februar 2019
Kongress

Ein Kommentar von Christian Modehn am 24.2. 2019

Es kam so, wie es kritische Beobachter erwarteten: Die Rede des Papstes am Ende des „Gipfels“ über den sexuellen Missbrauch durch Priester und Bischöfe ist eher eine allgemein gehaltene kulturkritische Predigt über das furchtbare Geschehen des Missbrauchs von Kindern im allgemeinen, mit dem unverbindlich und unkonkret gegebenen Versprechen, dass sich die Kirche in dieser Sache „reinigen“ will. Im ganzen also: Diese in finanzieller Hinsicht aufwändige, in medialer Hinsicht von Erwartungen überladene, in einigen Statements (besonders der Opfer und von Frauen) zwar manchmal noch denkwürdige Konferenz ist insgesamt ein Fiasko. Denn das letzte Wort hat nun einmal der Papst in den Strukturen der Kirche. Und der denkt gar nicht daran, etwa den Pflicht-Zölibat abzuschaffen oder Frauen ins Priesteramt zu lassen...Alles wie gehabt, also. Was sollte nur dieser ganze Aufwand? Nach außen wollte die Klerus-Kirche agil und etwas schuldbewusst auftreten! Das ist alles.
Und das für mich erstaunlich: Dieser „Gipfel“, manche sprachen gar von „Synode“, wird nun im Titel der Papst-Predigt zum allgemeinen „Kinderschutz-Gipfel“ umbenannt wurde: Diese allgemein kulturelle Öffnung des Themas erlaubt es dem Papst, möglichst wenig vom kirchlichen Missbrauch und den nötigen Veränderungen IN der Kirche zu sprechen.
Diese frommen Worte des Papstes Franziskus (manche nannten ihn ja einst progressiv) zeigen ihn befangen in der klerikalen Sonderwelt, dieser Papst, das zeigt sich immer mehr, ist den Konservativen verpflichtet. Er will, kann und darf aus der Welt der Privilegien der Kleriker nicht heraustreten. Man bedenke: Der Klerus glaubt bis heute allen ernstes „in der Person Christi des Hauptes der Kirche zu handeln“ (Katechismus, § 1549). Der katholische Priester ist förmlich der zweite Christus. Und in diesem all-verbindlichen Katechismus von 1993 ist sogar „der Bischof Abbild des Vaters (Gott-Vaters)“. Wer so in der Nähe Gottes lebt, kommt da nicht mehr raus. Maßlose Ansprüche, die keine Reform, sondern nur eine neue Reformation abwenden könnte.
Im ganzen gesehen haben sich angesichts dieser frommen – im letzten belanglosen Worte des Papstes die reaktionären Kräfte im Vatikan durchgesetzt, jene machtvollen Kleriker, die sich ständig gegen Aufklärung, Vernunft und tief greifende Reformen aussprechen.
Nach diesen frommen Worten des Papstes bleibt die katholische Kirche also in der Sackgasse.
Siehe LINK:

Cpyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin