Der Katholizismus ist veräußerlicht. Aus aktuellem Anlass: Ein Hinweis zur Religionskritik Georg W.F. Hegels

Der Katholizismus ist veräußerlicht. Aus aktuellem Anlass: Ein Hinweis zur Religionskritik Georg W.F. Hegels

Von Christian Modehn

Wenn im Petersdom Leichname zur Verehrung und zum Gebet jetzt (Februar 2016) ausgestellt werden und die Massen tatsächlich sich drängeln, um den Heiligen Pater Pio im Glassarg mit Silikonmaske zu betrachten, dann kommt ein philosophierender Mensch natürlich zum Thema der Religionskritik. Und er wird dabei erneut überrascht, in welcher Deutlichkeit der Philosoph Hegel (1770 bis 1831) den Katholizismus als veräußerliche Konfession dargestellt hat. Auch in seinen „Vorlesungen über die Philosophie der Weltgeschichte“, (Band IV, Verlag von Felix Meiner, Hamburg, 1968,) wird diese klare Erkenntnis des immer noch, bis heute, vorherrschenden Wesens des Katholizismus formuliert.

Der Hinweis kann die Lektüre aus aktuellem vatikanischen Anlass nicht ersetzen und wird dringend empfohlen, in diesen Vorlesungen spricht Hegel übrigens gut „nachvollziehbar“…

Hegel geht davon aus, dass im Katholizismus die Hostie, ausgestellt und dargeboten, zur Verehrung im Knien empfohlen wird. Die Hostie als äußere Präsenz des Göttlichen hat für Hegel weit reichende Bedeutung: “Wenn aber einmal zugegeben ist, dass Gott in äußerlicher Gegenwart ist, so wird zugleich dieses Äußerliche zu einer unendlichen Mannigfaltigkeit…dass Christus da und dort, diesem und jenen, erschienen ist…Allerorten werden also in höher begnadeten Erscheinungen, Bluteindrücken von Christus usf. sich Vergegenwärtigungen des Himmlischen begeben…Die Kirche ist daher eine Welt voller Wunder… Das Göttliche erschient als ein vereinzeltes Dieses (also ein Ding, eine Reliquie etwa). Siehe Seite 823 f.

Die Konsequenzen dieser veräußerlichten Frömmigkeit, die sich an wundersame Dinge, heilige Gegenstände, heilige Orte, heilige Personen, heilige Leichen, Reliquien usw. hält, sind für Hegel gravierend: Es gibt die ungebildeten, dumm gehaltenen Laien, die sich an diese heiligen Dinge halten sollen. Und es sind die Kleriker, die diese veräußerlichte Form des Frommseins fördern. Es wird also in der Sicht Hegels den Laien verweht, sich im eigenen Geiste eine unmittelbare Verbindung mit Gott zu suchen. Die Mystik erwähnt er dabei als seltene katholische Ausnahme leider nicht.

Im ganzen sieht Hegel den Katholizismus in seiner Welt-Geschichts-Konzeption als Beispiel („aufzuhebenden“) mittelalterlichen Denkens.

Er sieht im Verlauf der Vorlesungen sogar eine Art tiefes inneres Verderben (Korruption) im Katholizismus, dadurch dass der Klerus die Verehrung des Äußerlichen, der Hostie, der Heiligen, der heiligen Gegenstände usw. in den Mittelpunkt stellte (S. 872). „In der Frömmigkeit erscheint das Verderben als Abergluaben überhaupt, als Gebundensein an ein Sinnliches (etwa Reliquien), das die katholische Frömmigkeit als Geist verehren soll. Das ist Wunderglaube der ungereimtesten und läppischsten Art. Denn das Göttliche wird auf eine ganz vereinzelte und endliche Weise für ganz endliche und besonders Zwecke da zu sein gemeint…“ (S. 873). Von Gott, der auch nach neutestamentlichen Zeugnis GEIST ist, bleibt dann nichts übrig…

Also:Vom „Christentum als einem geistigen Prinzip !“ (S. 875) ist etwa bei den Reliquienkulten nichts mehr zu spüren…. bis die Reformation sich durchsetzt… „Versöhnung mit Gott kann es für Luther nicht auf äußerliche Weise, sondern nur auf geistige Weise geben“ (S. 878).

Copyright: Christian Modehn

 

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