Siglo de Oro: Das goldene Jahrhundert: Es war gar nicht so golden.

16. Jul 2016 | von | Themenbereich: Forschungsprojekte, Philosophische Bücher

Hinweise anlässlich der Ausstellung „El siglo de oro“  vom 1.7. bis 30.10.2016 in der Gemäldegalerie Berlin.

Von Christian Modehn im Religionsphilosophischen Salon am 15. 7. 2016

Manche haben gefragt, warum beschäftigen wir uns als philosophischer Club, als religionsphilosophischer Salon, mit dem „siglo de oro“ in Spanien. Zumal an einem Tag, an dem der schreckliche Terror gegen so viele Menschen in Nizza bekannt wurde.

Aber sollten wir in unserem Salon an diesem Abend über den Täter spekulieren? Hätte das Erkenntnisgewinn gebracht? Sicher nicht. Politische, oft haltlose Spekulation ist etwas anderes als (klassische, metaphysische ) philosophische Spekulation. Zumal: Philosophisch darf eben nicht nur auf eine einzelne Tat gestarrt werden, sondern auch das historische Umfeld (Kolonialzeit, Kriege gegen Irak, Gewährenlassen des Massenmörders in Syrien usw.) muss immer kritisch mit-betrachtet werden. Hegel nannte das wohl „konkretes Denken“. Und das ist in Politikerkreisen z.B. kaum lebendig, weil es peinlich ist, weil es zum Eingeständnis von groben Fehlern führen müsste. Angesichts des unerfreulichen, nur der „grande nation“ dienenden Verhaltens der französischen Regierungen auch nach dem Ende des Kolonialismus gegenüber den Menschen in (Nord-) Afrika, wäre zu betonen, wie dies Rudolf Balmer von der TAZ am 16. Juli auf Seite 3 treffend schreibt:“Das hat in diesen afrikanischen Ländern mitunter ein (für Frankreich CM) feindseliges Bild geschaffen, für das die Staatsführungen in Paris eine große Mitverantwortung tragen“. Weiterhin wäre von der zwanghaften, staatlich befohlenen Anpassung der Muslime an die nicht-muslimische französische Gesellschaft, etwa in der rigiden Kleiderordnung usw., zu sprechen. An die ökonomische Ausgrenzung der eher zweitklassigen „Ausländer“ in den grausigen Vorstadtgettos wäre zu erinnern usw. Da wurden und werden vom Staat und der Gesellschaft Fakten gesetzt, die nicht dem Frieden dienen. Heute sieht man das Ergebnis. Das heißt natürlich auch,  dass terroristische Verbrecher eben Verbrecher sind und als einzelne auch Schuld auf sich laden und bestraft werden müssen. Aber die Dialektik zwischen Einzeltätern und dem umgebenden kulturellen, ökonomischen Milieu muss gerade im Falle Frankreichs mit berücksichtigt werden…

Darüber wollten wir am 15.7. nicht spekulieren. Wir haben über das siglo de oro gesprochen und dabei entdeckt: Wie ein Staat sich damals geistig und ökonomisch letztlich zugrunde richtete, weil er zur Toleranz nicht in der Lage war.

Lesen Sie also die Hinweise, die von Christian Modehn am 15.7.2016 zur Diskussion gestellt wurden.

Das Goldene Zeitalter, das 17. Jahrhundert in Spanien, wird als golden bewertet und dargestellt und propagiert in einer bestimmten Hinsicht: Diese spezielle „Hinsicht“ macht philosophisches kritisches Fragen aus.

Das 17. Jahrhundert war golden wegen der künstlerischen Leistungen vor allem der Maler und Bildhauer, aber auch der Dichter. Das tatsächliche Gold glänzte zwar in den Kirchen und Palästen, auch wenn Spanien viel erbeutetes Gold aus Amerika in den zahlreichen Kriegen im 17. Jahrhundert förmlich verpulvert hatte.

Und übrigens tut es wohl Spanien heute trotz aller Millionen von Touristen gut, an die Leistungen der eigenen Kultur damals zu erinnern. Und, mit Verlaub gesagt: So viel Großes bleibt ja dann, abgesehen von Goya, auch nicht viel übrig bis zum Ende der Franco-Zeit 1975.

Wer von diesen künstlerischen Leistungen in der Kunst absieht, entdeckt ein Spanien in erbärmlichen, auch ökonomisch erbärmlichen Zuständen. Tatsächlich aber war das 17. Jahrhundert in Spanien vor allem ein weithin rassistisches Jahrhundert.

Und dies war dadurch bedingt, dass der Hof, der König und seine Regierung tief überzeugt waren, dass Spanien nur eine einzige Religion haben darf. Nur einzige Ideologie sollte herrschen, weil nur diese eine den Zusammenhalt des tatsächlichen Welt-Reiches gewährleisten konnte, glaubte der sich immer katholisch definierende König. Wir erleben also an einem Beispiel, wie ein Staat aussieht, wie er auch ökonomisch verkommt und kulturell sehr eng wird, wenn er Pluralität nicht wünscht, also keine Toleranz kennt, und Andersdenkende verfolgt und tötet. Man möchte also einmal mehr sagen: Es ist die Toleranz und die reale Vielfalt in Gleichberechtigung, die einen Staat, die die Kulturen lebendig macht. Trotz dieser Belastungen sind die künstlerischen Werke, die etwa auch in der Ausstellung „El siglo de oro“ gezeigt werden, aller Beachtung wert. Sie inspirieren, auch wenn sie im Schatten der allseits drohenden Inquisition gemalt wurden.

1.  Zur KUNST

Die Künstler, die Maler und Bildhauer, galten dem Ansehen nach, im Unterschied zu Literaten etwa, wenig im Spanien des 16. und 17. Jahrhunderts. Sie galten eher als Handwerker. Um in der Geltung „aufzusteigen“, bemühte sich etwa Diego Velázquez, in den „Santiago-Ritterorden“ aufgenommen zu werden, und das war angesichts der Hierarchien nicht einfach.

Wer heute diese Gemälde betrachtet, entdeckt eine starke thematische Festlegung, aber dabei auch ein großartiges Können:

Es sind wirkliche, leibhaftige, lebendige Menschen, die uns anschauen; es sind Menschen, die untereinander agieren, zusammenstehen, trauern, beten usw. Diese Gesichter bewegen uns. Diese Kunst ist von einem ausdrucksvollen Realismus geprägt, oder besser: Von einer Bezogenheit auf die Wirklichkeit. Manche Interpreten sprechen gar, etwa im Falle von Velazquez, von beinahe fotografischen Leistungen.

Man denke etwa an das wohl berühmteste Bild von Velazquez „Las Meninas“, Die Hoffräulein, von 1656: In der Mitte die fünfjährige Königstochter Margarita. Alle Personen sind historische Personen. Dem Namen nach bekannt, es ist das Atelier des Malers im Alcazar. Velázquez zeigt sich selbst als Santiago-Ritter; das Königspaar ist im Spiegel zu sehen; selbst die Zwerge werden gezeigt, sie sind hier keine Untermenschen, kein Spielzeug. Es ist ein Moment, wo man glaubt: Die Zeit steht still. Es werden Seelen gezeigt, hat ein Historiker gesagt, aber es sind immer wieder wie hier auch Menschen-Seelen, die nicht lachen, nicht lächeln. Ein dauerhafter Schatten von Melancholie und Trauer ist deutlich, auch auf den späten Porträts von Philipp IV.

Zu den Zwergen: Wunderbar ist auch das Gemälde, das den gelehrten Zwerg, der Hofnarren, zeigt mit dem Buch. Ein kluges Gesicht: Der Hofnarr als gebildeter Mensch.

Nach meinem Eindruck fehlen die Alltagszenen, bodegón genannt: Diese gibt es zwar, etwa die alte Frau, die sich Eier brät oder die essenden Kinder, aber es wird auch dort kaum gelacht, es ist keine Zuversicht mehr da. Das Land selbst versinkt im Elend trotz allen früheren ökonomischen Reichtums. In dieser Situation, auch der Verteidigung des Katholischen um jeden Preis gegen Protestanten, Juden und Muslime,  werden Bilder und Skulpturen, man möchte sagen en masse, geschaffen, die den Gekreuzigten Christus zeigen oder die leidende Mutter Jesu, Maria. Mit aller Präzision wird von Gregorio Fernandez „Der tote Christus“ als Skulptur (um 1627) dargestellt, mit echt erscheinenden blutunterlaufenen Wunden und mit echt wirkenden Fingernägeln aus Stierhorn, Zähnen aus Elfenbein usw. Eine tiefe Bewegtheit, eine seelische Erschütterung soll von dieser Skulptur wie von allen Darstellungen des leidenden Christus ausgehen. Wenn Murillo in Sevilla die Werke der Barmherzigkeit zeigt, dann will er damit ausdrücklich zur Nachahmung auffordern. Diese religiösen Bilder haben explizit – angesichts des weitest verbreiteten Analphabetismus – die Tendenz, zu bilden und zur Nachahmung aufzurufen, 90 % der Bevölkerung können weder Lesen noch Schreiben.

Wenn man diese Tendenz auf die Bilder des leidenden Christus überträgt, und das muss man wohl, dann soll der Betrachter, also auch das gläubige Volk, zur Annahme des eigenen Leidens aufgefordert werden. Und das gilt dann als Christusnachfolge. Nun gibt es immer wieder Leiden unter den Menschen, aber es gibt auch von Menschen gemachtes Leiden, etwa durch die brutale Verfolgung der damals in Spanien allgegenwärtigen Inquisition: Wollten diese Leidensbilder Christi auch daran gewöhnen, an diese grasuige politische Unmenschlichkeit? Diese Frage der Leidens-Propaganda durch Kunst wird meines Erachtens kaum diskutiert: Darin könnte sich eine gewisse Abartigkeit der offiziell propagierten Frömmigkeit zeigen, so sehr auch den einzelnen in seinem Leiden und in seiner Todesangst möglicherweise dieser leidende Christus dann doch tröstet und bewegt…

Hinzu kommt: Die Fülle der Vanitas Gemälde, der Bilder der Sinnlosigkeit und Vergänglichkeit, sie sind auch in Holland beliebt, immer mit Totenköpfen auf dem Tisch, man denke etwa an Harmen Steenwijk oder Pieter Claesz zur gleichen Zeit (1630). Aber dass ausschließlich nur Folianten, Bücher als Vanitas – Darstellungen vorkommen, umgeben noch von einer ablaufenden Uhr und einem Federkiel wie in einem anonymen Gemälde aus Madrid um 1639 mit dem Titel „Bücherstillleben“, das ist schon ungewöhnlich: Darin drückt sich die für Spanien damals typische Verachtung der freien Forschung, der Vielfalt der Bücher und der umfassenden intellektuellen Schulung aus. Die Botschaft ist: Bücher sollten zugebunden bleiben und eigentlich nur staubige Masse sein.

In der Kunst duldete die Inquisition keine weiblichen Akte, eines der wenigen Akt-Gemälde ist die „Venus im Spiegel“ mit einem nackten Rücken. Von Velázquez gemalt, 1644, offenbar für einen privaten Sammler.

Die Künstler Spaniens ordnen sich den fast immer kirchlichen und königlichen Auftraggebern unter; die allmächtige Kirche, sie ist von der Steuerzahlung befreit und durch Geschenke usw. sehr reich, auch in den Klöstern, steht noch im Glanz da. Und die Mönche bestellen etwa bei Zurbaran immer die selben Motive … der Kreuzigung und der Heiligen.

Entscheidend ist: Durch die Inquisition war das Themenspektrum der Kunst äußerst eingeschränkt. Das sagen alle Historiker. Und trotz dieser Einschränkungen wurden noch schöne Bilder geschaffen.

Aber im ganzen gesehen, das ist ein unbezweifelte Tatsache: Es herrschte im „siglo de oro“ die Stagnation. Manche sagen: Nicht das Goldene, sondern das Eisenerne Zeitalter war bestimmend..

Aber von dem Niedergang, ökonomisch, gesellschaftlich, geistig im Spanien des 17. Jahrhunderts ist in den Werken des siglo de oro eigentlich nicht so viel zu spüren. „Die Bilder von Velazquez verraten selten etwas von den Kämpfen seiner Zeit, der sich immer mehr verschlechternden Lage Spaniens, den Sorgen von König und Volk…. Keine der Tragödien seiner Zeit tritt in Velazquez Werk zutage. Was sich ihm, Velazquez, darstellte, ist STOLZ, und zwar Stolz als Lebensform“. (in: Velazquez und seine Zeit, TIME-Life 1972, Seite 135.

Mit Stolz könnte man auch sagen: EHRE, in der Sicht der anderen geehrt werden, wie dies Juan Goytisolo auch schreibt, als einer Grundhaltung „der“ Spanier.

2. Spanien im 17. Jahrhundert

Es gibt in dem Roman von Miguel de Cervantes (1547 bis 1616), Don Quijote, bereits das Wort vom Goldenen Zeitalter, allerdings bezogen auf eine Erzählung: Der Protagonist lässt vor Ziegenhirten eine Lobrede auf die glücklichen Zeiten halten, „welche die Alten die goldenen Zeiten genannt haben“. Damals habe es keine sexuelle Zudringlichkeit gegeben, und die Erotik sei nur von der Neigung und dem freien Willen der Beteiligten abhängig und keinem äußeren Zwang unterworfen gewesen. Die eigene Gegenwart meint Cervantes jedenfalls damit nicht.

Das Wort vom goldenen Zeitalter ist ein Titel, der im Rückblick formuliert wurde, wenn man in noch schlimmeren Zeiten auf dieses 17. Jahrhundert schaut.

Wie war die gesellschaftliche Situation? Seit 1492 sind die Muslime „endgültig“ vertrieben. Das Land ist muslimfrei, sie leben unter ständiger Kontrolle als die zwangskonvertierten Moriscos. Zu Begin des 17. Jahrhunderts wurden sie vertrieben und nach Nordafrika zurückgebracht.

Die Juden in Spanien mussten zum Katholizismus übertreten, wenn sie in Spanien bleiben wollten. Aber wenn sie konvertieren, begegnen ihnen die so genannten Altchristen voller Misstrauen, das sieht man am Beispiel der Heiligen Theresia von Avila. Von Theresa von Avila wurde jetzt ein Zitat entdeckt, das treffend auch die frauenfeindliche Mentalität in der Kirche ausdrückt: „Dir, Gott, hat vor den Frauen nicht gegraut“. Dieses Wort wurde dann von der Inquisition geschwärzt, es war diesen Herren nicht möglich zuzugestehen, dass Gott vor den Frauen nicht graut… (Dies ist übrigens der Titel eines Buches über „Mystikerinnen in der Christentumsgeschichte“, 2016, Kohlhammer Vl.).

So entwickelt sich seit dem 15. Jahrhundert eine merkwürdige Haltung unter den etablierten, alt-christlichen und sich rassistisch für blutrein haltenden „eigentlichen Spaniern“. Der Geist der Muslime wird prinzipiell verachtet, weil sie in ihrem Alltag sexuell freizügig lebten, meint man. Jedenfalls lassen die Katholiken in Granada nach der Muslim-Vertreibung gleich alle Badehäuser schließen. Auch die Wissenschaft wurde von vielen Muslimen betrieben, für die Altchristen in Spanien gilt Wissenschaft als muslimisch, sie wurde auch deswegen als freie Forschung abgelehnt. Bildung soll keine große Achtung haben. Forschung auch nicht. Die Inquisition bestimmt das ganze geistige Leben mit ihren Verboten. Es ist eine Zeit der Intellektuellen-Feindlichkeit. Juan Goytisolo weist darauf hin,  dass der Ruf der Faschisten unter Franco „Nieder mit der Intelligenz, es lebe der Tod“ (S. 64) ein „Echo ist der altchristlichen Spiritualität, die im 16. Jh. das spanische Leben prägte“… Schon unter Philipp II. wurde die Wissenschaft verachtet. „Niemand kann nur halbwegs gründlich die schönen Wissenschaften pflegen, ohne dass sogleich ein Haufen Ketzereien und jüdische Mängel entdeckt werden“, sagt der Sohn des Generalinquisitors Rodrigo Manrique. (in Goytisolo, S 38). Im „Goldenen Jahrhundert“ schreibt der Jesuit Baltasar Garcian in einer bei ihm seltenen politischen Deutlichkeit über seine Gegenwart: „Die Philosophie ist außer Ansehen gekommen… die Wissenschaft der Denker hat alle Achtung verloren, eine zeitlang fand sie Gunst bei Hofe, jetzt gilt sie für eine Ungebührlichkeit“. (Handorakel, S. 55, Nr. 100)

Und die Juden waren die guten Geschäftsleute und die Händler: Aus anti-judischem Ressentiment lehnen die Altchristen für sich selbst Handel und Wirtschaft ab. Man darf ja nicht als „Jude“ erscheinen, das wäre gegen die Ehre… Also sind die „blutreinen“ altchristlichen Spanier nur Ritter, nur Adlige, nur Klerus und Mönche, und eben die Armen in den Städten und den Dörfern, die kaum das Nötige zum Überleben produzieren. Dies ist eine Zeit der selbst verursachten ökonomischen und geistigen Lähmung. Es war, noch einmal, eine rassistische Zeit, es wurde Wert gelegt auf die Reinheit des Blutes

Der Verlust so vieler tausend Moriscos und der Maranen führte auch zu einer wirtschaftlichen Katastrophe: Kenntnisreiche Händler und Handwerker fehlten. So geht es eben einer Regierung und einem König, der der Stimmung des Volkes folgt und Rassismus in die eigene Politik bestimmend übernimmt.

Nebenbei: Als Judenchristen von der Inquisition verfolgt und verbrannt wurden, hat man deren Besitz vonseiten der Inquisition sofort übernommen. Was die Nazis später taten, hatte also historische Vorbilder.

3. Wer vom goldenen Jahrhundert spricht, muss auch vom realen Gold sprechen, das den Ureinwohnern Amerikas von den Spanien geraubt wurde.

Alles Gold und Geld, das aus den so genannten Vize-Königreichen Lateinamerikas kam, wurde für die vielfältigen Kriege ausgegeben. Viel Gold ging unterwegs in die Hände der Seeräuber und der „bandoleros“ zu Lande.

Nur ein Hinweis, dass in dieser Zeit einer theologischen Verirrung durch die Inquisition und den Eroberungs – bzw. Missionierungsgedanken doch einige vernünftige und ziemlich authentische Christen lebten. Erinnert werden soll nur an den Dominikaner Mönch Bartolomé de Las Casas.

Er bezeichnet in seinen öffentlichen Predigten die Spanier seiner Zeit, im 16. Jahrhundert, als Götzendiener. Er sagt: „Die Spanier haben Gold zu ihrem Gott gemacht“, so in Gutierrez, S. 22. Dort wird auch Christoph Columbus erwähnt, er sagte: „Das Gold ist das wertvollste aller Güter. Wer es besitzt, hat alles, wessen er in dieser Welt bedarf wie auch die Mittel, um die Seelen vor dem Fegefeuer zu bewahren und sie in die Freunde des Paradieses zu schicken“. (auch Gutierrez, S. 25)

Die Stimmen, die sich gegen das Abschlachten und Ausnutzen der Indianer wehrten und für eine menschenwürdige Behandlung der Indianer eintraten, wie Pater Bartholome de la Casas, wurden zwar offiziell am Hofe Karl V. angehört und humanere Behandlungen der indianischen Völker wurden auch befohlen. Aber in den Vizekönigreichen Lateinamerikas folgten die Conquistadores nicht diesen Weisungen. Das Morden und Ausbeuten der Indianer nahm kein Ende.

Zu Mord und Totschlag ein Beispiel aus der frühen Zeit der sogen. Entdeckung: Die geschätzte Einwohnerzahl in Westindien betrug 9 Millionen im Jahr 1520. Und es war eine Million Einwohner übrig geblieben im Jahr 1570. (Gutierrez, Gott oder das Gold, S. 10.)

 Sehr wichtig und bislang nahezu unbekannt: Es gab einen „Indianer“ in Peru, ein Mitglied des Volkes der Quechua, sein Name: Felipe Guaman poma de Ayala. (Gutierrez, S.13), er lebte von 1535 bis 1615. Kurz vor seinem Tod hat er ein umfangreiches Buch auch mit vielen Bildern, Skizzen, fertig gestellt, an dem er lange daran gearbeitet hat. Er spricht als Augenzeuge, der „alle Schrecken dieser Christen“ gesehen hat. Er hat erlebt, was die Armen leiden. Er wendet sich an die Leser in Spanien. „Diese spanischen Übeltäter verschlingen mein („indiansches“) Volk. Mir selbst als Christen will es scheinen, dass ihr Spanier euch allesamt zur Hölle verdammt (Gutierrez S.15). Und noch einmal: „Mit ihrer Gier nach Gold sollen die Spanier in die Hölle fahren“ (Gutierrez S.189) Das heißt: In der Sicht einiger Theologen und der indianischen Völker selbst ist das spanische Reich ein gottloses Reich, trotz aller zur Schau gestellten Frömmigkeit. Das siglo de oro ist ein gottloses Zeitalter in der Sicht aufgeklärter Christen schon damals! Und es ist, klassisch-theologisch gesprochen, eine Art Blasphemie, wenn mit dem erbeuteten Gold, den indianischen Völkern entrissen, dann in den spanischen (aber auch lateinamerikanischen) Kathedralen, Kirchen und Klöstern die Bilder des leidenden Christus, etwa im Rahmen,  vergoldet wurden. Mit verbrecherisch erworbenem Gold wollte man Gott ehren, die Kirche in goldigen Glanz setzen und die Frömmigkeit fördern.

4. Ein Hinweis zur Philosophie im Goldenen Zeitalter: Baltasar Gracian (1601-1658).

Er war ein Jesuit, der ohne Erlaubnis seiner Ordensoberen z.T. unter Pseudonym, kurzgefasste Lebensweisheiten für den erfolgreichen Mann seiner Zeit schrieb. Dieses Büchlein, das „Handorakel“, sollte man als Dünndruckausgabe stets bei sich als Lebenshilfe haben. Ich meine: Das Handorakel war so eine Art ANTI-Evangelium und ANTI-Bibel mit Grundsätzen, die dem Geist der universalen Nächstenliebe eher widersprechen. Das Handorakel des Baltasar Gracian war eines seiner meist gelesenen Bücher: Allein 10 verschiedene Ausgabe und Übersetzungen in Deutschland…

Baltasar Gracian war auch kurze Zeit als Prediger, auch am Hof von Madrid, tätig. Er wollte den Menschen ein erfolgreiches Leben aufzeigen mit 300 relativ kurz gefassten Lebensregeln, die er in seinem Buch von 1647 darstellt. Den Wahn der Welt zu erkennen ist das Motto des pessimistischen Denkers.

Er schreibt also Vorschläge und Weisungen seines klugen Denkens, wie man sich möglichst klug erfolgreich durchs Leben schlägt; wie man weltgewandt wird und sich zu behaupten weiß; wie man sich verstellen lernt und sich durchsetzen, wie man im richtigen Moment abwarten muss und vorsichtig agiert, nur nicht zu viel von sich selbst sagt, auch aus Angst vor der allmächtigen Inquisition. Freundschaft wird gelobt, aber es wird eher ein Grundmisstrauen gegenüber den anderen empfohlen.

Das Leben des Menschen ist, so Gracian, milicia, ist Kampf, und wir klugen Menschen sind umgeben von der malicia, der Bösartigkeit, der anderen. Nur Raffinesse ist dem gewachsen!

Gracian wurde von seinem Orden bestraft, bestraft, eingesperrt, weil er seine Werke nicht vor Drucklegung den Oberen zur Kontrolle gezeigt hatte.

Gracian hat mehrere Bücher geschrieben, unter anderem auch den Roman „El Criticon“, der viel beachtet wird auch von konservativen Kreisen noch heute.

Ein Hinweis nebenbei: Es gibt etwa in der „Bibliothek des Konservatismus“ in Berlin, Fasanenstr. Nr. 4, zahlreiche Ausgaben des „Handorakel“, sie stehen wahrscheinlich in der Bibliothek irgendwo im Umfeld der 33 mal dort versammelten Ausgaben von „Mein Kampf“ und dem „Mythos des 20. Jahrhunderts“ und eben… etwa der „Jungen Freiheit“… Äußerst konservative Denker haben sich für ihr autoritäres Denken immer wieder Gracians bedient…

Der Jesuit Dominik Terstriep hat sich in seinem Buch „Indifferenz“, 2009 erschienen, mit Gracian kritisch auseinandergesetzt (dort Seite 123 ff). Eine kleine Rarität in der Theologie der Gegenwart!

5. Zu Cervantes

Auch Cervantes war betroffen vom Kulturdirigismus und der Inquisition. Er studierte bei dem Humanisten Juan Lopez de Hoyos, vielleicht auch bei Jesuiten in Vallodolid. Er zitiert Cristobal de Fonseca aus dem Augustinerorden. Er wurde als Seefahrer gefangen genommen und nach Algerien gebracht, im Gefängnis von 1575 bis 1580, dort Gedichte geschrieben von Mönchen des Trinitarier-Ordens losgekauft.

Es gibt in Don Quijote gelegentlich auch eine starke Darstellung von Predigten, der Ritter und sein Knecht Sancho halten sich, so wird deutlich, durchaus für Theologen.

Auch bei Cervantes gibt es diese typische Angst: Er sparte seine Kritik für bessere Zeiten auf. „Der kluge Mann spart sich für bessere Gelegenheiten auf, so Don Quijote. II 28, 934, ähnlich wie Gracian. Tatsächlich hatte die Inquisition auch Cervantes verdächtigt, er würde den Ideen von Erasmus anhängen. Die Inquisition ließ diese Stelle nicht durchgehen, wo eine Herzogin zu Sancho sagt: „Und Ihr, Sancho, mochtet daran denken, dass die Werke der Nächstenliebe, die lau und nachlässig vollzogen werden, kein Verdienst nach sich ziehen und gar wertlos sind“. (II 36).

Und weiter: „Unseren Herrgott soll man um seiner selbst willen lieb haben, ohne an Himmel und Hölle zu denken“, so wird von Mariano Delgado zitiert in: „Don Quojote für Theologen“. Dies war ein ketzerisches Postulat der Mystiker, Gott um seiner selbst willen zu lieben, ohne dabei immer gute Werke tun zu müssen.

Nebenbei: Die Religion am Hofe war sehr vom Aberglauben durchsetzt, durchaus mit so genannten heidnischen Praktiken, etwa, wenn dem kranken Sohn von Philipp IV. Amuletten angelegt werden, damit er bloß gesund bleibt.

6.Eine systematische Überlegung: Das Goldenes Zeitalter: In der Frühzeit oder in der Zukunft?

In der Dichtung Ovids und in vielen Mythen ist die goldene Zeit die Vergangenheit: Eine paradiesische Zeit, in der eben alles stimmte, alles schön und gerecht war, so, wie es Ovid in den Metamorphosen beschrieb, als der ersten glücklichen Ur-Zeit, in der die Gerechtigkeit herrschte und die Menschen von sich aus und ohne gesetzlichen Zwang das Gute und Rechte taten („Aurea prima sata est aetas“ …so beginnt der Text). Die eigene Gegenwart wurde dann von Ovid als die eiserne Zeit der Härte und des Zwangs beschrieben. Bei Ovid gibt es vier Zeitalter dort, es beginnt mit gold, also mit Frieden und Gerechtigkeit, geht über zu Silber, dann das erzürnte Zeitalter, dann zum Schluss das eiserne Zeitalter. Scham, Wahrheit und Treue verschwinden, es herrschen Betrug als auch List als auch Hinterhalt und Gewalt und die verbrecherische Liebe zu besitzen (=Geiz) nach.

Die Mystik, die christliche, neigt dazu, die gute Zeit in die Vergangenheit zu legen, in die zeitlose Ewigkeit bei Gott: Dort strebt die Seele, die ihren göttlichen Funken entdeckt hat, dort, in der Urzeit, erlebt sie die Erlösung, als Austritt aus Geschichte, als ewiges Sein in Gott.

In der Bibel wird im Buch des Apokalypse, der Geheimen Offenbarung, ganz am Ende, im 21. Kapitel, das neue Jerusalem als Ort der Verheißung beschrieben, Die Stadt war aus reinem Gold, heißt es da in Vers 18. Das ist die neue Welt. In der aller Schrecken beendet ist. Goldene Zeitalter also in der Zukunft. Dort gibt es keinen Tempel (der Juden) mehr. In der Zukunft wird die unmittelbare Gottesbegegnung geben.

Es wäre der Kritik am Gold im AT weiter nach zugehen, in den Psalmen etwa: „Die Götzen sind Silber und Gold; der Fromme liebt Gottes Gebote mehr als Gold“.

Geschichtsphilosophisch sehr interessant ist, dass es seit dem Mittelalter, etwa in Joachim von Fiore, später dann im 16. Jahrhundert durch Thomas Morus, die goldene Zeit als die zukünftige Zeit entwickelt wird. Als Utopie der menschlichen Welt, die dann auch gemacht werden kann von den Menschen. Utopie ist sozusagen ein Aufruf zur Tat. Das goldene Zeitalter wird eher wahrgenommen als Geschenk, als zufälliges Glück, etwa viele Künstler um sich zu haben. Konservative Denker weisen bis heute die Utopien ab, weil in der Utopie immer die kritische Negation der Gegenwart mitgemeint ist, wie Ernst Bloch, der Philosoph des „GEISTES der Utopie“ meint. Schon bei Thomas Morus, in seiner UTOPIA von 1535, ist Sozialkritik in großer Schärfe dargestellt. Anstelle des Egoismus wird eher für die Gütergemeinschaft plädiert.

In Berlin spricht man von den goldenen Zwanzigern, die Jahre 1924 bis 1929, die so goldig für alle Berliner, besonders für solche, die arbeitslos im Schatten der Hinterhöfe lebten, ja nicht waren. Politisch war alles sehr schwankend, das kulturelle Leben in bunter Vielfalt, die Nacht wurde zum Tage, neue Eleganz, Luxus, an der wenige teilhatten.

Das Wirtschaftswunder, einige Jahre nach der Beendigung des Holocaust, also in der Erhardt-Ära, Kanzler von 1963 -66) wird wegen des Wirtschaftsaufschwungs (bei bleibenden Schweigen über die Nazi-Verbrechen) auch golden genannt. Politisch eher ein unaufgeklärtes, die Vergangenheit verleugnendes Zeitalter!

7. UNSER persönliches goldenes Zeitalter:

Irgendwann hat jede Nation und sicher auch jedes Individuum das Verlangen, eine bestimmte reale Zeit in der eigenen Geschichte als das goldene Zeitalter oder das goldene Jahrhundert, el siglo de oro, festzulegen. Eine Zeit, meist in der Vergangenheit, in der eben alles stimmte, alles schön und gerecht war.Vielleicht ist es die (schöne !) Kindheit?

Es ist merkwürdig, wenn Künstler und Intellektuelle, die in der DDR in einer Nische der versteckten, aber sichtbaren Opposition lebten, heute sagen: „Nie war die DDR vielgestaltiger als während ihrer Auflösung von Innen heraus, so Wolfgang Engler, heute Rektor der Schauspielschule Ernst Busch. „im Gedächtnis derer, die daran teilhatten, war dies die beste Zeit“ (Tagesspiegel 15. 7. 2016).

8. Ein kritischer Hinweis zum Schluss:

Die Ausstellung „el siglo de oro“ befindet sich in der Gemäldegalerie in ständiger Berührung und Sichtweite zur allgemeinen, wunderbaren Dauerausstellung. Ich bin kurz vor Ende der Spanien-Ausstellung schnell mal zu den alten Meistern der Holländer ausgewichen. Und ich muss sagen: Es war dort für mich eine Art Befreiung, ein Aufatmen, das reale Leben von armen, vor allem bürgerlichen Menschen in Holland auf den Genre-Gemälden zu erleben. So viel Alltag, so viel Menschlichkeit, so viel Lachen und Freude und Staunen und Lesen und Saufen und Prügeln usw. Das ist doch der Alltag. Im „el siglo de oro“ hat kein Heiliger gelacht. Nur ständig diese Christus-Leichname, die Kreuzigungen, die (Selbst) Quälereien von Heiligen, dieses Blut, die Wunden.

Warum kam kein die Kunst finanzierender Klerus damals auf die Idee, den Jesus der Bergpredigt malen zu lassen, wäre doch ein tolles Motiv gewesen; oder den Jesus, der die Händler aus dem Tempel rausschmeißt; der Wunder wirkt am Sabbat natürlich als Gesetzesbrecher; der die Tischgemeinschaft liebte, der mit den Frauen so freundlich-erotischen Umgang pflegte und so weiter und so weiter. Die kirchlichen Auftrageber liebten das Leiden und das Blut und den Tod. Diese Kunst, diese Blut-Kunst der Leichname und Sterbenden, von der Kirche finanziert, ist in dieser Einseitigkeit in meiner Sicht häretisch und theologisch falsch im eigentlichen Sinne: Sie wählt einige wenige Aspekte aus dem Leben Jesu aus, die Geburt mit der Jungfrau, und immer wieder das Kreuz … und die Mönche und die Heiligen, die sich als Sünder geißeln und permanent – angeblich – Buße tun. Der Klerus stellt sich in den Mittelpunkt. Diese Tradition des leidenden, Blut triefenden Christus lebt bis heute in der semana santa. Manche Fromme oft wohl krankhaft fromm, lassen sich selbst heute noch bei diesen volksreligiösen Folklore-Veranstaltungen ans Kreuz nageln. Auf den von spanischer Frömmigkeit bestimmten Philippinen ist das noch üblich. Da staunen die Touristen… Jedenfalls ist in meiner Sicht die absolute Dominanz der Kreuzesdarstellungen und des sterbenden, verstorbenen Jesus, verheerend für ein wirklich umfassendes Verstehen des Christlichen. Dass heute so viele Menschen damit nicht mehr so viel zu tun haben, kann ich verstehen. Zeigt uns doch den ganzen Jesus von Nazareth, könnte eine Forderung heißen.

Noch einmal gefragt: Was bringt also die Ausstellung „El siglo de oro“? Sie zeigt zweifellos wunderbare Porträts von Menschen, wunderbare Charakterstudien der oft depressiven oder dummen Herrscher (Philipp IV. und Karl II.) oder der Leute am Hof . Über allem aber steht ein Schatten der Trauer, wenn nicht der Verzweiflung. Natürlich auch darüber, dass dieses „allermächtigste Königsreich“, das bis nach Lateinamerika und bis auf die Philippinen seine Macht ausgedehnt hatte und mit millionenfachem Mord an den sogen. Indianern sich finanziell zunächst bestens stabilisiert hatte, eben doch sich übernommen hatte in den Kriegen. Es war zudem an der eigenen wirtschaftlichen Unfähigkeit gescheitert. Aber auch dadurch, dass man in Spanien keine bürgerlichen Freiheiten gewährte und Wissenschaft und Forschung verhinderte bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts, blieb Spanien ein weithin klerikal bestimmtes eher unbewegliches, starres Land.

9. Ein aktueller Hinweis zur weiteren Debatte: Was vermag Kunst in einem Staat der Repression?

Die Kunst des „siglo de oro“ war, wenn, dann nur andeutungsweise schwach, kaum politisch-kritisch. Die kritische Haltung konnte sich kein Künstler leisten, Cervantes deutet eine solche Haltung in seinem Don Quijote an.

Hingegen: Ein Hinweis auf eine heute wirkmächtige, Politisches tatsächlich verändernde Kunst: Vom 16. Juli bis 26. September 2016 gibt es im Martin Gropius Bau eine empfehenswerte Ausstellung über die oppositionelle Kunst in der DDR. Ihr Titel: „Gegenstimmen“.

Der totalitäre Herrschaftsanspruch konnte sich in der DDR eben nicht total durchsetzen, es gab von Künstlern erkämpfte freie Räume, zwar bescheiden, aber gegen Mitte der 1980 Jahre wachsend. Das waren Künstler, die nicht mehr auf sozialistische Reformhoffnungen setzten, wie der Kurator der Ausstellung, Paul Kaiser, schreibt. „Die Künstler folgten nur ihrer eigenen Erfahrungswelt, sie propagierten eine Generaldistanz, die sich nicht mehr um die Erweiterung eines künstlerischen Vokabulars, sondern um eine gänzlich neue Semantik bemühte… dadurch trug die Bohème auf ihre Weise zu innenpolitischen Destabilisierung der DDR bei.“ … „Diese Künstler sind leider fast vergessen“. Es gibt bis heute eine Verblendung, eine Ignoranz, „eine vampiristische Konsequenz westdeutscher Sinngebungsinstanzen“, wo wird Christoph Tannert von Paul Kaiser in „Museumsjournal“, 3/2016 Seite 53, zitiert.

Die Voraussetzung für diese so mutige Kunst: In der DDR gab es immerhin doch eine schwache Pluralität, trotz der dominanten Einheitspartei: Es gab die Informationen usw. aus dem Westen via Radio und Fernsehen; es gab immerhin die Kirchen, vor allem die sich nicht ins Getto versteckende evangelische Kirche, und es gab eben die Künstler, die Schriftsteller, die Filmemacher, die Musiker, die alle, trotz Stasi-Präsenz, ein Stück Freiheit eroberten. Diese Ideen waren dann die Kraft, das Regime, selbst schon ökonomisch am Ende, 1989 zum Sturz zu bringen.

Solche Konstellationen gab es in dem total vereinheitlichten, von Angst vor „den anderen“ zerfressenen katholischen System im Goldenen Zeitalter Spaniens nicht.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.

Literatur zum Umfeld: Goldenes Zeitalter in Spanien

Gustavo Gutierrez, Gott oder das Gold. Der befreiende Weg des Bartolomé de Las Casas. Herder Verlag, 1990.

Bartolomé de Las Casas: Kurzgefaßter Bericht von der Verwüstung der Westindischen Länder. herausgegeben von Michael Sievernich, Inselverlag, Frankfurt/Main / Leipzig 2006.,

Sehr zu empfehlen, bewegend: Reinhold Schneider: Las Casas vor Karl V. Szenen aus der Konquistadorenzeit. 8. Auflage. Suhrkamp, Frankfurt a.M. 2000 Ersterscheinung 1938, nach der 1. Auflage von den Nazis verboten, dann wieder 1946 erscheinen)

Baltasar Gracian, „Hand Orakel und Kunst der Weltklugheit“. Fischer Taschenbuch, 2008. 7 Euro. Ein philosophischer Ratgeber für ein erfolgreiches Leben.

Martin Franzbach, Cervantes, Reclam Heft, 80 Seiten. 1991. Sehr zu empfehlen.

Über den wichtigen kritischen Schriftsteller aus dem Quechua Volk mit Namen Waman Puma de Ayala (ca. 1535 bis 1615) liegen meines Wissens auf Deutsch keine Studien vor. „Es ist das reichhaltigste und umfassendste Dokument, das uns aus der Epoche der ‚Besiegten der Eroberung‘ überliefert ist“, so Bernard Lavallé in Hdb.d.Gesch.Lateinamerikas, Bd.1, S.514

Informativ auf Deutsch wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Waman_Puma_de_Ayala#Literatur

Auf Deutsch eine Einführung zu Felipe Guaman poma de Ayala: http://sammelpunkt.philo.at:8080/2226/1/Fr%C3%BChmann_Poma-de-Ayala.pdf

Grundsätzlich zu Spanien im allgemeinen und en passant auch zum Goldenen Zeitalter: Juan Goytisolo, Spanien und die Spanier. Taschenbuch, viele Auflagen. 11 Euro. Suhrkamp.

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  1. […] Einen ausführlichen Beitrag vom 16.7.2016 über das „siglo de oro“, das „Goldene Zeitalter in Spanien“ mit dem Titel „Das goldene Jahrhundert war gar nicht so golden“ können Sie nachlesen, klicken Sie hier. […]