Artikel mit Stichwort ‘ Legionäre Christi ’



Geistliche Gemeinschaften: Wie geistlich sind sie wirklich?

24. Februar 2011 | Von | Kategorie: Legionäre Christi - Kritische Studien, Religionskritik

Der folgende Text ist die noch ungekürzte Fassung einer Radiosendung des Deutschlandfunks. Wir bieten das Manuskript (in der für Hörfunkproduktionen üblichen Form) zum privaten Gebrauch. Das Thema berührt auch religionsphilosophisch Interessierte wegen der Beziehungen zu aktuellen Themen der Religionskritik. C.M. Siehe auch den Kommentar am Ende des Beitrags.

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Redaktion: Hartmut Kriege
STUDIOZEIT
Aus Religion und Gesellschaft
Die hochgelobten „Geistlichen Gemeinschaften“ werden mehr und mehr zur Belastung der Katholischen Kirche
Von Christian Modehn

Sendung : 23. Februar 2011
Uhrzeit : 20.10 – 20.30 Uhr Continue reading “Geistliche Gemeinschaften: Wie geistlich sind sie wirklich?” »



Wer die Macht im Vatikan hat – ein neues Buch

8. August 2010 | Von | Kategorie: Religionskritik, Theologische Bücher

NDR INFO
Blickpunkt Diesseits, Sendung am 8. August 2010 um 12.05 Uhr

Wer die Macht hat
Ein neues Buch analysiert die Herrschaftsverhältnisse im Vatikan
Von Christian Modehn

Sie nennen sich „neue geistliche Gemeinschaften“: Die Legionäre Christi oder die Mitglieder des Opus Dei; andere Gruppen mit ebenso vielen tausend Mitgliedern haben auch merkwürdige Namen wie etwa die Focolarini, die Freunde von „Communione e liberazione“ oder die Neokatechumenalen Gemeinschaften. „Neu“, so behaupten diese Gemeinschaften, sei ihr Zusammenleben von Laien und Priestern, von Frauen und Männern, unter einem Dach. Dabei verschweigen sie, dass tatsächlich auch in diesen Kreisen der Klerus allein bestimmt, wie sich ihre Gruppe innerhalb der gesamten Kirche zu verhalten hat. „Geistlich“ nennen sich diese Kreise, um ihr besonderes Interesse an Frömmigkeit nach außen zu betonen. Aber so viele neue Impulse für eine moderne und freie Spiritualität können sie nicht bieten. Denn ihre absolute Ergebenheit dem Papst gegenüber und die Wiederholung alter dogmatischer Formeln lässt nur wenig Spielraum. Tatsächlich sind diese so genannten neuen geistlichen Gemeinschaften mit immerhin 300.000 Mitglieder weltweit nicht nur geistlich, sondern vor allem auch politisch engagiert. Sie wollen seit 50 Jahren im Dienst der Päpste offizielle kirchliche Vorstellungen, etwa in Fragen der Sexualität oder der Ehe, auch gesellschaftlich durchsetzen. Hanspeter Oschwald analysiert in seinem neuen Buch „Im Namen des heiligen Vaters“ diese Gruppen. Sie agieren weltweit und unterstützen mit allen Mitteln, z.B. durch umfassende Medienauftritte und durch theologische Institute, eine klare Tendenz, wenn sie lautstark propagieren: Das Zweite Vatikanische Reformkonzil Mitte der neunzehnhundert sechziger Jahre sei nicht ein mutiger Neubeginn, sondern ein bescheidenes Ereignis unter vielen. Darum sollte man das hierarchische Kirchenmodell von einst wieder pflegen. Hanspeter Oschwald berichtet auch vom Innenleben dieser Gruppen: Da werden Ehen arrangiert, da wird die öffentliche Beichte praktiziert mit allem Verlust an Privatsphäre; da werden, wie bei den Legionären Christi, jahrelang die pädophilen Verbrechen des Ordensgründers von den eigenen Mitgliedern übersehen und geduldet; da werden enge partiepolitische Bande geknüpft, etwa mit der Regierung Berlusconi, weil sich die Kirche dadurch materielle Vorteile erhofft. Die neuen geistlichen Gemeinschaften sind zwar sehr unterschiedlich in ihrer Art, das Katholische zu leben: Die einen sind mehr enthusiastisch und nach außen hin fröhlich, wie die Charismatiker; die anderen schwören auf das Auswendiglernen des traditionellen Katechismus, wie die Neokatechumenalen. Alle aber haben ein gemeinsames Ziel: Sie wollen den Papst dadurch unterstützen, dass sie möglichst viele junge Männer fürs Priestertum begeistern. Das wäre nicht weiter erwähnenswert, wenn nicht diese jungen Kleriker ausdrücklich antimodernen Vorstellungen folgten. Für Hanspeter Oschwald haben sich diese neuen geistlichen Gemeinschaften längst in den vatikanischen Leitungsstrukturen etabliert. Sie wollen als die „hundertprozentig“ Treuen den Kernbestand des Katholizismus darstellen, also die kleine treue Herde, wie sie so häufig beschworen wird als „heiliger Rest“, nachdem die Progressiven und an Kirchenreform interessierten Katholiken längst innerlich oder äußerlich die Kirche verlassen haben. Für den mit alten Traditionen eng verbundenen Benedikt XVI. sind diese so genannten „geistlichen Gemeinschaften“ die engsten Freunde. Ihnen gehört in seiner Sicht die Zukunft.

Hanspeter Oschwald, Im Namen des Heiligen Vaters. Wie fundamentalistische Kräfte den Vatikan steuern. Heyne Verlag, München 2010. 384 S., 19,95 €.



Der Gründer der Legionäre galt als Heiliger

24. August 2009 | Von | Kategorie: Benedikt XVI. - Kritische Hinweise

Der religionsphilosophishce Salon diskutiert auch Fragen der Religionskritik, zeigt Phänomene auf, wie auch die christliche Religion „entgleisen“ kann. Die Diskussion wird dadurch nur vertieft, wie kann eine vernünftige und freie Form christlichen Lebens heute aussehen?

Päderast und Frauenheld

Der Gründer der „Legionäre Christi“ erschüttert die katholische Kirche

Von Christian Modehn

Moderationshinweis:

Noch ist nicht abzusehen, wie die römische Kirche ihr Problem mit den erzkonservativen Pius – Brüdern zu lösen gedenkt, da erschüttert schon eine weitere Krise nicht nur den Vatikan: Der Gründer einer der einflussreichsten katholischen Ordensgemeinschaften, der Legionäre Christi, war nicht nur „Pater“, sondern auch Vater mehrerer Kinder. Dies wird jetzt bekannt. Darüber hinaus wurde er schon seit vielen Jahren wegen pädophiler Umtriebe beschuldigt. Seit einigen Wochen wird zudem berichtet,  dass sich der oberste Legionär Christi, Pater Marcial Maciel, viele Millionen Dollar durch Betrug erschlichen hat. Ein Ende dieser Skandalgeschichte ist noch nicht abzusehen, sie  scheint die Affäre um die traditionalistischen und zum Teil antisemitischen Pius Brüder noch in den Schatten zu stellen. Denn Pater Marcial Maciel, war einer der engsten Freunde Papst Johannes Paul II. Ein Kommentar von Christian Modehn.

Die Geschichte könnte einem Krimi als Drehbuch dienen: Der oberste Leiter eines päpstlich anerkannten Ordens vergeht sich Jahre lang sexuell an Schülern, Studenten und jungen Ordensmitgliedern. Unter Drohungen zwingt er sie zu schweigen. Als sich die eingeschüchterten Missbrauchsopfer nach Jahren melden und dem Vatikan Bericht erstatten, werden sie abgewiesen und ignoriert. Einige Opfer, wie José Barba, haben ihre seelische Qual in Büchern dargestellt; aber der Einfluss des Ordens über die Medien war so groß, dass diese Zeugnisse weithin ignoriert wurden. Der Pater jedoch, sexuell offenbar nicht ausgelastet, wendet sich auch Frauen zu, mit einigen hat er Kinder: Seine wahre Identität als Priester verheimlicht er ihnen. Seiner Lieblingsfrau und der gemeinsamen Tochter Norma Hilda Rivas kauft er zwei Luxusappartements in Madrid, damit sie schweigen. Das Geld stammt aus anderen Liebschaften des Ordensoberen: Er bevorzugt Frauen aus der Oberschicht Chiles und Mexikos, wie Flora Barragún oder Dolores Barroso. Sie überlassen ihm, offenbar von der Sexualität des Paters umnebelt,  ein großes Vermögen. Hat er das Geld in der Tasche, zieht der Pater weiter, zur nächsten Frau und zum nächsten jungen Mann. Diese Details aus dem Alltagsleben Pater Marcial Maciels werden dieser Tage bekannt. In Mexiko haben sich 6 weitere Kinder des Ordensgründers gemeldet, sie lassen sich von Rechtsanwalt Jose Bonilla (sprich Bonija) vertreten. Die Priesterkinder waren  entsetzt, als sie hörten, dass ihr Vater ein notorischer Pädophiler war. Ihren Anteil an der Erbschaft aus dem Millionenvermögen ihres Vaters fordern sie trotzdem. Erst jetzt, ein Jahr nach dem Tod von Pater Maciel, hat weltweit eine öffentliche Debatte über diesen betrügerischen und verbrecherischen Ordensgründer begonnen. Papst Benedikt XVI. bekundet jedenfalls Interesse an der Freilegung der Wahrheit, denn in seinem Auftrag sind seit dem 15. Juli fünf Bischöfe unterwegs, um alle Mitglieder und alle Häuser der Legionäre Christi weltweit zu untersuchen. Hinter dieser offiziellen „Visitation“ steht das Eingeständnis: Auch der 2.500 Mitglieder zählende Orden und die mit ihm verbundenen 70.000 Laien in der Bewegung „Regnum Christi“ haben von den finanziellen Machenschaften Pater Maciels profitiert, und einige Patres haben ihrerseits pädophile Neigungen ausgelebt. In den Schulen der Legionäre Christi gab es immer wieder Fälle von sexuellen Übergriffen  durch Priester, so dass ein ganzes einschlägiges Netzwerk im Orden vorhanden ist, auch darüber wird jetzt berichtet. Ob die päpstlichen Visitatoren die volle Wahrheit nicht nur erfahren, sondern auch veröffentlichen, ist fraglich: Denn die Legionäre Christi gehören zu den päpstlich besonders geförderten Gemeinschaften. Papst Johannes Paul II. hatte sich den Legionärs Gründer, den notorischen Pädophilen, Pater Maciel,  gar als seinen besonderen Freund und Ratgeber auserwählt. Er war der Koordinator der päpstlichen Reisen nach Mexiko, er war gefragt, als die Befreiungstheologie und die Basisgemeinden ausgegrenzt und diffamiert wurden.  Die Affäre Maciel wird jetzt zum Skandal für die päpstliche Kurie, denn auch Joseph Ratzinger hat noch als Kardinal dem Treiben Pater Maciels kein Ende setzen wollen. Er schrieb dem Missbrauchsopfer José Barba: „Da kann ich nichts machen, der Orden gibt dem Johannes Paul II. Papst viel Geld“. Als Papst kann nun Joseph Ratzinger den Skandal Orden nicht länger decken. Einige Beobachter fordern jetzt, der Orden sollte aufgelöst werden. Aber dazu wird es nicht kommen: Die Legionäre Christi sind fest mit ihren über 700 Bildungseinrichtungen weltweit fest in der Kirche etabliert. In jedem Fall aber hat die Glaubwürdigkeit der römischen Kirche einmal mehr schwer gelitten.



Die Legionäre Christi – ein machtvoller Orden in der Krise

7. Juli 2009 | Von | Kategorie: Legionäre Christi - Kritische Studien, Religionskritik

Die Konkurrenz zum OPUS DEI: Und genauso reich und einflussreich:

Die Legionäre Christi

Publik-Forum Nr. 12 26.6.2009
»Delikate Zeiten«

Die schrecklichen Taten des Ordensgründers werfen dunkle Schatten auf die katholische Ordensgemeinschaft der Legionäre Christi. Jetzt schickt Rom eine Untersuchungskommission.  Die definitiven Namen der seit Mitte Juli 2009 vom Papst berufeneen 5 „Visitatoren“  siehe am Ende dieses Beitrags.  Continue reading “Die Legionäre Christi – ein machtvoller Orden in der Krise” »