Katholischer Milliardär – im Dienst der Rechtsextremen

Über Vincent Bolloré, Frankreich
Ein Hinweis von Christian Modehn

Ein Vorwort:

Dies ist ein Hinweis auf einen der vielen politisch sehr rechten und rechtsextremen Katholiken in ihrem „Stammland“, in Frankreich.
Diese rechten und rechtsextremen KatholikInnen von heute sind, meist seit ihrer Kindheit, mit der traditionellen katholischen Glaubenspraxis und Dogmatik aufs engste verbunden. Ihnen wurde die offizielle Lehre eingeschärft: Die katholische Kirche ist in ihrer Regierungsform und Lebensform undemokratisch. Und die Herren der Kirche sind stolz darauf, ihre Kirche ganz offiziell als undemokratisch zu qualifizieren.
Oder Weil nun diese Kirche von Gott in dieser undemokratischen Form gewollt ist, darum ist es nur eine Art logischer Schluss zu verkünden: Also ist die Demokratie als Staatsform und Lebensform nicht gottgewollt. Also können dann auch diese KatholikInnen sagen: Wir brauchen keine Demokratie, sondern eine autoritäre Regierung, mit entsprechenden Parteien, die dem System zum Durchbruch verhelfen.
Mit anderen Worten: Diese Katholiken zerstören die Demokratie und vernichten die universell geltenden Menschenrechte. Diese Zusammenhänge wurden bislang kaum dokumentiert. Es sind also nicht allein die fundamentalistisch glaubenden Evangelikalen, als verrückt gewordene Trump-Fans, die die Demokratie zerstören, es sind auch bestimmte sehr rechtslastige Katholiken, die für die Demokratie gefährlich sind.

1.
Ihre Herrschaft wollen Rechtsextreme auch in Frankreich in einem „combat culturell“, einem Kulturkampf, erringen. Die Strategie: Über möglichst viele „klassische Medien“ (Radio, Fernsehen, Zeitungen) wollen sie nicht nur als ihr Eigentum verfügen, sie wollen selbstverständlich auch mit ihrer eigenen Ideologie die Bürger (bei den Wahlen) beeinflussen.

2.
So etwa Vincent Bolloré: Er wird üblicherweise als ein Magnat oder Medienmogul bewertet, unter den französischen Milliardären nimmt er Platz 14 ein (6,8 Milliarden Euro beträgt sein Vermögen, LINK
Bolloré gilt als „gefürchteter Investor“, er wird „Corporate Rider“ genannt, also als „Unternehmensplünderer“, der börsennotierte Unternehmen kauft, um sie dann mit Gewinn weiterzuverkaufen. Die Tageszeitung „Welt“ nennt ihn„skrupellos“: In der Presse wird er oft „Parrain“, Pate, genannt.
Uns interessiert hier besonders:
Zu seinem breit gestreuten Eigentum gehören die Fernsehsendern „CNEWS“ und „C8“, ihm gehört auch der Radiosender Europe 1 und die Illustrierte „Paris Match“ sowie die Zeitung „Journal du Dimanche“ (JDD), auch die katholisch-traditionalistische Wochenzeitung „La France Catholique“ hat er gekauft. Sie liegt ihm wohl sehr am „Herzen“, denn er ist ein sehr traditionell fühlender Katholik. Vincent Beaufils nennt ihn in seinem Buch einen „ultra-tradionell katholischen Patron“. (siehe Fußnote 1, dort s. 20). „Ich bediene mich meiner Medien, um einen Kampf um die Zivilisation zu führen“, zitiert Vincent Beaufils den Medienmogul (S. 68). Gemeint ist immer die christliche Zivilisation, wobei „christlich“ in einem sehr konservativen, reaktionären Sinn verstanden wird.

3.
„Etwas hat sich in der französischen Gesellschaft beschleunigt: Die Durchdringung der Ideen der extremen Rechten hinein ins Herz der französischen Gesellschaft“, schreibt die Chefredakteurin der angesehenen Kulturzeitschrift ESPRIT (Paris), Anne – Lorraine Bujon, in ihrem Leitartikel zu Jahresbeginn 2024: „Die Schwierigkeit der linken Kräfte ist vorhanden, sich dem wirksam entgegenzustellen. Das Ganze wird erleichtert durch die Konsolidierung eines ultrakonservativen Medien-Imperiums in den Händen eines Unternehmers, es ist Vincent Bollore, dessen politische Absichten immer deutlicher zur Schau gestellt werden“.

4.
Vincent Vollere stammt aus einer alteingesessenen Unternehmerfamilie in der Bretagne, die Väter und Großväter waren eher noch politisch – religiös liberal und sozial etwas aufgeschlossener gestimmt. Vincent Bolloré wurde am 1. April 1952 in Boulogne – Billancourt bei Paris geboren. Er entwickelt den Familienbetrieb zu einem international agierenden Groß – Unternehmen, auch mit sehr zweifelhaften Aktivitäten in Afrika…Weitere Details auch zur Karriere des Milliardärs:LINK

5. Remigration: Auch in Frankreich das Thema der Rechtsextremen
Vincent Bolloré hat jetzt konkrete politische Ambitionen. Er will, berichtet die Tageszeitung „Le Monde“ (22. Dez. 2023, S 10), eine ganz enge Zusammenarbeit der noch demokratischen, aber sehr rechten Konservativen Partei (LR) mit den rechtsextremen Parteien von Martine Le Pen (RN) und „Reconquete“ herbeiführen. Mit dem noch weiter extrem rechts stehenden Gründer der Partei „Reconquete“ (d.h. „Wiedereroberung“), dem jüdischen Journalisten Eric Zemmour, ist Bolloré eng verbunden. Im Parteiprogramm der “Reconquete” von 2021 wird ausdrücklich Remigration von Ausländern gefordert.  Das ist ja auch der Sinn des Titels Reconquete: “Rückeroberung” des chrstlichen Abendlandes aus den Händen der Muslime, wie damals schon im 15. Jahrhundert inSpanien.

Es wird nicht ausgeschlossen, so „Le Monde“, dass Bolloré zu den Europa-Wahlen die rechtsextreme Katholikin Marion Maréchal (von der Reconquete – Partei) unterstützen wird, Maréchal ist die Nichte der rechtsextremen Führerin Marine Le Pen (einst Front National, jetzt Rassemblement National, RN).

6.
Den Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon Berlin interessiert besonders die Verbindung des sich explizit streng traditionell – katholisch nennenden Vincent Bolloré mit der katholischen Kirche und dem katholischen „Wählervolk“. Angesichts der Europa – Wahlen (aber auch schon im Blick auf die kommenden Präsidentschaftswahlen im Jahr 2027) will Bolloré unter den katholischen Wählern die Bereitschaft, rechts und rechtsextrem zu wählen noch weiter stärken. Denn beim ersten Wahlgang zur Präsidentschaftswahl 2022 stimmten schon 40 Prozent der praktizierenden Katholiken für die extreme Rechte, der nationale Durchschnitt war 32 % für die Rechtsradikalen.
So schwach die enge Verbundenheit der Franzosen mit der katholischen Kirche heute auch ist (nicht zuletzt aufgrund der zahllosen Sex-Skandale der Priester ist die Kirche moralisch diskreditiert), so deutlich hat sich doch eine Art militanter katholischer Rest gebildet: Es sind die so genannten „Tradis“, also die eher milde gestimmten traditionalistischen Gläubigen, oft sind es jüngere, wohlhabende Leute (aus Versailles, den westlichen Arrondissements von Paris…). Sie haben den Bruch mit Rom nicht vollzogen, wie die extrem traditionalistischen Pius Brüder. Aber sie sind Fans der alten lateinischen Messe und heftige Kritiker von Papst Franziskus … und der „Ehe für alle“ oder dem Recht auf Abtreibung.

7.
Der Bolloré – Fernsehsender CNEWS (Abkürzung für Canal News) gilt als französischer „Fox-News“ (USA, Mr. Trump überaus zugeneigt). Pluralität der Meinungen ist im TV Sender CNEWS eine Rarität, die meisten Autoren und Kommentatoren stehen rechtsextremen Parteien nahe. Auch der Chef der rechtsextremen Partei „Reconquete“ Eric Zemmour ist mit dem Sender eng verbunden. Nicht alle Journalisten von CNEWS sind kirchlich engagiert oder gar katholisch – gläubig, aber sie sind, wie Bolloré, überzeugt: Frankreich muss seine christlichen Wurzeln wieder herausstellen. Das Christentum (und das heißt hier: der traditionelle Katholizismus) wird zum wesentlichen Element der Identität Frankreichs deklariert. Darum sind auch Sendungen über kirchliches Leben, etwa Wallfahrten, wichtiger Programmschwerpunkt von CNEWS.
Am 12. Januar 2024 wurde ein Beitrag „Bienvenue au Monastère (Willkommen im Kloster) in Bollorés Sender C8 ausgestrahlt: Das Kloster gehört einer Gemeinschaft in Corbara, Korsika: In dem Kloster spielen die Mitglieder der hoch umstrittenen „neuen geistlichen Gemeinschaften“ die zentrale Rolle, es sind Mitglieder aus der Gemeinschaft St. Jean und „Béatitudes“. In beiden Gemeinschaften wurde sexueller Missbrauch nachgewiesen. Aber davon war in dem Film keine Rede! Der Film „Bienvenue au Monastère“ könnte ein Zeichen dafür sein, dass mächtige katholische Kreise unter Druck stehen, den Skandal des sexuellen Missbrauchs in Klöstern beiseite zu tun“, schreibt Bernadette Sauvaget in der Zeitschrift Témoignage Chrétien am 25.1.2024.

8.
Pap Ndiaye, der Historiker und kurzzeitige „Minister für Bildung und Jugend“ im Kabinett der Premierministerin Borne (Mai 2022 – Juli 2023), ist ein deutlicher Kritiker des TV Senders CNEWS. Ndiaye hatte die „Black Studies“ in Frankreich bekannt gemacht, er versuchte bei den Unruhen in Frankreichs Banlieus auch Verständnis für die dort lebenden maginalisierten Jugendlichen auszudrücken. Als er das Ministeramt aufgeben musste (sicher auf Druck rechtsextremer Kreise) sagte er: „Wenn man sich „CNEWS“ anschaut und auch das hört, was im Radiosender Bollorés „Europe 1“ gesendet wird, wenn man das zusammenfasst, gibt es nur eine Schlussfolgerung: Das spricht klar die extreme Rechte (…) die Sender verletzen die Demokratie, es besteht daran kein Zweifel.“ (https://www.lemonde.fr/idees/article/2023/07/17/apres-les-propos-de-pap-ndiaye-sur-cnews-face-a-la-culture-de-haine-que-diffuse-l-extreme-droite-il-faut-defendre-avec-energie-les-valeurs-humanistes-et-democratiques_6182341_3232.html).
Einige Politiker und Intellektuelle (wie der ehem. Minister Jack Lang) bedauerten öffentlich, wie wenig Unterstützung Pap Ndiaye mit seiner Kritik an CNEWS vonseiten aktueller demokratischer Politiker erhalten habe.

9.
Bolloré hat auch die im ganzen Land verbreitete Sonntagszeitung „Journal du Dimanche“ (JDD) gekauft (Auflage etwa 136.000) und sogleich mit dem Abbau der Meinungsvielfalt begonnen. Etliche Journalisten verließen wegen der Übernahme des Blattes durch Bolloré das Blatt, Bolloré setzte den rechtsradikalen Journalisten Geoffroy Lejeune als Chefredakteur ein: Er arbeitete zuvor für die explizit rechtsradikal einzuordnende Wochenzeitschrift „Valeurs Actuelles“ (115.000 Auflage). Dieses Blatt wurde gegründet von Raymond Bourgine, einem Journalisten und Freund zahlreicher konservativer Politiker, er war Vorsitzender des „Vereins zur Verteidigung der Erinnerung an Marschall Pétain“… Geoffroy Lejeune, der von Bolloré geförderte neue Chefredakteur der Sonntagszeitung JDD, ist ein enger Freund von Marion Maréchal, der Nichte von Marine Le Pen (Chefin der rechtsextremen Partei RN). Marion Maréchal wiederum ist eng verbunden mit dem sehr rechtsextremen Politiker Eric Zemmour. Beide bilden förmlich eine neuen Ökumene von traditionalistisch – katholisch und jüdisch.
Nebenbei: Geoffroy Lejeune wurde in einem katholischen Collège ausgebildelt, das der traditionalistischen Piusbruderschaft nahesteht. (Quelle: Wiki France)

10.
Auch die traditionsreiche Illustrierte „Paris Match“ (Auflage 525.00) steht unter der Herrschaft Bollorés: Das Titelbild der Ausgabe zu Weihnachten 2023 zeigte eine klassische, aber wie so oft kitschige Krippe: Sie gehört zum frommen Mobiliar des von Bolloré geschaffenen katholischen Studentenwohnheimes Don Bosco in Paris: Aus einem Kloster der „Kleinen Schwestern der Armen“ ließ der Milliardär, um seine (als Milliardär gar nicht so üppige) Großzügigkeit zu dokumentieren, dieses Wohnheim errichten.

11.
Jeder Mensch, auch jeder Unternehmer, kann selbstverständlich seine Spiritualität und Konfession pflegen. Bei Bolloré aber ist diese Situation eine ungewöhnliche, besondere: Er will über seine Medien seine private katholische Meinung der Öffentlichkeit aufdrängen, das zeigt sich schon in der Auswahl der Programme seiner Sender und der Auswahl seiner maßgeblichen Journalisten. Zudem leistet ercsich den Luxus eines eigenen Haus-Kaplans, so wie einst die Fürsten und Könige ihre Seelsorger und Beichtväter am Hofe hatten. Der Hofkaplan ist Abbé Gabriel Grimaud, zum Priester geweiht 1977, er war in verschiedenen Pariser Pfarreien tätig und ist jetzt am rechten Rand theologisch zu Hause. Grimaud wohnt in Nähe des Domizils von Bolloré im 16.Arrondissement (Villa Montmorency), Grimaud ist Bollorés Beichtvater.
Die Tageszeitung „Le Monde“ berichtet: Bolloré hält die katholische Religion geradewegs für wunderbar: „Wenn ich sündige, ich beichte, und ich kann wieder beginnen“. Der Hofkaplan Grimaud wird auch im letzten Buch „(La France n a pas dit son dernier mot“) des rechtsextremen Parteichefs Eric Zemmour erwähnt: „Der Priester fürchtet nicht den Kommunismus, sondern den Islam, dies ist eine Komplitzenhaftigkeit zwischen uns beiden, die spontan im gemeinsamen Kampf entsteht. Wir beide sind engagiert im Kampf für das Überleben jenes Frankreich, so, wie wir es kennen“.

12.
Bolloré zeigt sich auch gern etwas als Wohltäter: Er har das alte Kloster der „Kleinen Schwestern der Armen“ gekauft und zu einem Studentenwohnheim nach seinem katholischen Geschmack (mit Hauskapelle!) ausgebaut, das Foyer ist dem heiligen Don Bosco geweiht: Ihm zu Ehren ließ Bolloré sogar Reliquien des italienischen Heiligen herbeischaffen und ausstellen. Eine Lourdes – Madonna soll sich in seinem Büro befinden und mit Bischof Dominique Rey (von Toulon – Fréjus) verbindet ihn vieles: Nicht nur, weil Bolloré in St. Tropez (im Bistum von Bischof Rey) ein Haus besitzt: Rey liebt alles katholisch Traditionelle.Er hat auch die rechtsextreme Politikerin Maréchal in seinem Bistum zu Wort kommen lassen. Der Bischof ist allmählich auch theologisch so weit rechtsaußen gelandet innerhalb der französischen Bischofskonferenz, dass ihm Papst Franziskus jetzt einen Koadjutor zur Seite stellte.

13,

Die Ideologie der Rechtsextremen in Frankreich und Europa wurde und wird seit Jahren gefördert von der Ideologie der “Invasion der Araber ins heutige Europa”, eine Wahnidee, die vor allem von der jüdischen Autorin Bat Ye Or verbreitet wurde und wird. LINK.

Fußnote 1:
Vincent Beaufils, „Bolloré. L Homme qui inquiète“. Editions de l Observatoire, Paris, Sept. 2023. 247 Seiten.
Das Buch enthält Informationen vor allem zur Familie und zum Wirtschaftsimperium der Bollorés. Auf 14 Seiten (S. 229 fff.) wird in einem eigenen kleinen Kapitel auch der „Catho“ Bolloré etwas analysiert … in seiner eher kindlichen Verbundenheit mit dem traditionellen Volkskatholizismus.

Copyright: Christian Modehn Religionsphilosophischer Salon Berlin