Artikel mit Stichwort ‘ Johannesbrüder ’



Ordentliche Orden? Neue sehr konservative Ordensgemeinschaften im Katholizismus

29. März 2015 | Von | Kategorie: Denken und Glauben, Religionskritik

Ordentliche Orden? Es gibt immer mehr Ordensgemeinschaften, die kritisches Fragen und kritisches theologische Theologie ablehnen.

Hinweise zu einem religionswissenschaftlich unbeachteten Trend und ein weiteres Stück Religionskritik

Von Christian Modehn

Es gibt katholische Ordensgemeinschaften weltweit, die stolz auf ihren stetig wachsenden „Nachwuchs“ sind. Und sie sagen das manchmal mit einer gewissen Häme, weil die meisten anderen (alt-etablierten) Orden zumindest in Europa und Nordamerika bald aussterben werden. Sie nennen sich Reformorden, weil sie die bestehenden „klassischen“ Ordensgemeinschaften als zu modern und verweltlicht ablehnen. Dabei wollen diese neuen Gemeinschaften innerhalb der römischen Kirchen leben und dem Papst eigentlich gehorchen, anders als etwa die Orden, die im Umfeld der traditionalistischen Lefèbvre-Bewegung entstanden sind und das 2. Vatikanische Konzil ablehnen. So bestehen z.B. seit 40 Jahre innerhalb dieser von Rom getrennten traditionalistischen Gemeinschaft die „Schul-Dominikanerinnen vom heiligen Namen Jesus“ von Fanjeaux bei Toulouse, sie haben 200 Mitglieder.

Die Rom-treuen, so genannten Reformorden sind vom Papst anerkannt, viele sind „bischöflichen Rechts“. Bisher werden sie von der theologischen und religionswissenschaftlichen Forschung übersehen. Dabei bestimmen sie das Gesicht der Kirche entscheidend schon heute, man denke nur an die Weltjugend-Tage. Bereits jetzt ersetzen einige hundert dieser Reform-Mönche in vielen Ländern Europas und Amerikas den alt gewordenen, aber eher progressiven Klerus in den Gemeinden. Diese Orden sind stolz darauf, sehr konservativ zu sein und entsprechende Bewegungen zu fördern, wie „Pro life“. Einige dieser „Reformorden“ neigen zum Traditionalismus und bevorzugen die lateinische Messe. Nach dem 2. Vatikanischen Konzil (1961-64) gegründet, haben sie trotz aller Vielfalt eine gemeinsame Überzeugung: Die strengen Ordensregeln und Gelübde von einst müssen wieder respektiert werden, um die angebliche Verweltlichung in den Klöstern zu beenden. Theologie als kritische Wissenschaft spielt dabei keine Rolle. Der zumeist autoritären Führung der Gründergestalten müssen sich die Mitglieder fügen. Im gleichen konservativem Geist agieren die Priester der charismatischen Gemeinschaften (wie „Emmanuel“ oder „Gemeinschaft der Seligpreisungen“) und dem Neokatechumenat. Wie die „Reformorden“ bieten sie absolute Glaubens-Gewissheit in einer „bösen Welt“.

Nur einige Beispiele: (die um weitere ergänzt werden sollten, etwa zu neuen „Reformorden“ in Afrika, Lateinamerika und Asien, aber darum könnten sich auch mal die kritischen römischen Theologen wissenschaftlich kümmern…)

Die „Franciscan Friars of the renewal“ (1) trennten sich 1987 vom großen Kapuzinerorden, sie sind mit jungem Personal in vielen Ländern tätig, 120 Mitglieder zählt diese streng auf Armut fixierte Gemeinschaft. Wie alle anderen Gruppen legen sie großen Wert darauf, stets das Ordensgewand zu tragen. Von den Minoriten hat sich 1970 der Orden der „Franziskaner-Immakulaten“ abgespalten, (2), heute zählt er über 300 Mitgliedern, mit ihm verbunden ist – wie bei den meisten anderen – ein „blühender“ Frauenorden. Viele dieser Franziskaner-Immakulaten sind so sehr ins traditionalistische Milieu abgedriftet, dass der Papst den Gründer als Leiter absetzte und einen kommissarischen Leiter an die Spitze stellte. Mit dem argentinischen Nationalismus stark verbunden ist die inzwischen auch in Europa tätige Ordensgemeinschaft „Institut vom Inkarnierten Wort“ (3) mit 400 Priestern. Einige Mitglieder „klagen die Leitung an, mit eiserner Hand die Gemeinschaft zu führen, bis zu seelischer Manipulation und Unterwerfung“, berichten spanische Medien. Die jungen Priester des „Instituts Christus König und Hoher Priester“ (4) zeigen sich gern prächtigen Gewändern: 1990 gegründet, hat der Orden schon 150 Mitglieder. Einige Bischöfe in den USA wehrten sich gegen die Etablierung dieser Christus-König-Priester in ihrem Bistum. Für das esoterische Engelwerk wurde eine eigene Gemeinschaft gegründet, der Kreuzorden (5) mit 140 Priestern. Das Engelwerk wurde von der Seherein Gabriele Bitterlich gegründet, die Engelweihe machte sie berühmt. Mitglied des Engelwerk-Kreuzordens ist Bischof Athanasius Schneider, er arbeitet in Kasachstan. Er besucht gern den Generaloberen der tradititionalistischen Pius-Brüder, Bischof Fellay, zuletzt am 11. Februar 2015 in Winona, USA. (8) . Zuvor war er schon zu Besuch bei den Traditionalisten in Flavigny, Frankeich. Im Bistum Frejus-Toulon (der Bischof gehört zur sehr konservativen charismatischen Gemeinschaft Emmanuel) tummeln sich viele neue Orden mit durchaus merkwürdigen Namen: Von den „Salvisten-Priestern“ (6) wäre da zu berichten, oder den „Missionaren von Christus dem Meister“ (7). Auch viele neue Orden waren und sind willkommen im Bistum St. Pölten, vor allem zu Zeiten, als Kurt Krenn dort Bischof war. Die grau gewandeten „Johannesbrüdern“ sind im deutschen Sprachraum tätig, verwenden in ihrer Spiritualität zentral gern den Begriff „Abhängigkeit“ von Gott – tatsächlich wird die Abhängigkeit vom Ordensoberen gerühmt . „Psychologie hassen sie wie der Teufel das Wasser“, schreiben kritische Beobachter. Man hat den Eindruck, dass diese so genannten Reformorden mit ihrem jungen Personal eine stillschweigende Umprägung des Katholizismus Richtung vorgestern gestalten. Uns im Religionsphilosophischen Salon Berlin erstaunt es nur, dass sich kein Theologe dazu kritisch schriftlich äußert. Ist das Thema schon zu peinlich?

Diese und viele hier nicht erwähnte „Reform-Orden“ (allein die Namen sind ja bezeichnend) ziehen viele junge Leute an, weil sie ihnen absolute Glaubens-Gewissheit bieten, weil sie möglichst wenig Theologie betreiben, eine enge, alles kontrollierende Gemeinschaft haben und einen Ausstieg aus der bösen Welt garantieren. Ist es ein gewisser Fundamentalismus, der sich in der katholischen Kirche ausbreitet? Von kritischen theologischen Impulsen für die Gesellschaft ist von diesen Kreisen nichts zu hören, sie versinken sozusagen in der uralten Kirchenwelt oder pflegen den individuellen caritativen Beistand. Von einer Kritik an einer Armut erzeugenden Welt-Gesellschaft ist von den frommen Brüdern und Nonnen nichts zu vernehmen.

Bei vielen Bischöfen sind diese theologisch äußerst schlichten, aber missionarisch militanten und „sich aufopfernden“ Kreise zunehmend beliebt: Denn nur diese Gemeinschaften haben überhaupt noch viele junge zölibatäre Priester. So können die alten Kirchenstrukturen mit der Vormacht des Klerus weiterhin überleben. Dabei ist es vielen Bischöfen offenbar egal, dass diese Kreise für Ökumene oder den interreligiösen Dialog wenig bsi gar kein Interesse haben.

Copyright: Christian Modehn Berlin.

Dieser Beitrag erschien in sehr viel kürzerer Form in PUBLIK FORUM am 27. März 2015.

 

Einige Quellenhinweise:

(1)http://franciscanfriars.com/

(2) zu den Immaculata Franziskanen u.a. : https://veritacommissariamentoffi.wordpress.com/

oder: http://www.lastampa.it/2014/06/14/blogs/san-pietro-e-dintorni/il-papa-si-occupi-dei-francescani-dellimmacolata-mzeixH2PIa5gtJePrxsxCO/pagina.html

(3) die offizielle website des Inkarnierten Wortes: www.iveargentina.org

Kritik u.a.   http://www.pepe-rodriguez.com/Mentiras_Iglesia/Taxa/Taxa_taxacamarae_apologetica.htm

Auch Christian Modehn in: „Rolle Rückwärts mit Benedikt“. Publik-Forum Buch., dort Seite 159 mit Hinweis auf Unterstützung Benedikt XVI. für da Inkarnierte Wort.

(4) die ordenseigene Website: http://institut-christus-koenig.de/

(5) etwa: http://www.kathpedia.com/index.php?title=Kreuzorden

Über die Rezeption des esoterischen Kreuzordens durch esoterische Medien siehe etwa mit Verweis auf die Seherin und Engel-Spezialistin Gabriele Bitterlich: http://188276.homepagemodules.de/t462f20-Magnum-Opus-Teil.html

(6) Die Salvisten nannten sich früher die Salvisten Yahvisten (sic). sind vor allem in Frankreich tätig:

siehe etwa: http://www.diocese-frejus-toulon.com/Les-peres-Salvistas-de-Six-Fours.html

(7) siehe etwa zu dem Christus Meister Orden:http://www.diocese-frejus-toulon.com/Les-missionnaires-du-Christ-Maitre.html

(8) siehe etwa: „Mitteilungsblatt“ der Priesterbruderschaft St. Pius X., April 2015, Seite 20 f.

 

 

 

 



Vorhof der Völker – ein Dialog mit Atheisten? Nun auch in Berlin

23. November 2013 | Von | Kategorie: Denken und Glauben, Religionskritik

Der „Vorhof der Völker“ – in Paris (2011) und jetzt auch in Berlin:
Zum Dialog mit „Heiden“ und Atheisten
Von Christian Modehn und dem Religionsphilosophischen Salon Berlin

Zum aktuellen Bericht über den „Vorhof der Völker“ in Berlin vom 26. bis 28. November 2013 klicken Sie bitte HIER.

Ende November 2012 (!) hat der Religionsphilosophische Salon Berlin einen Beitrag publiziert zum Vorhaben „Vorhof der Völker“ in Berlin. Dabei geht es um einen Dialog zwischen Katholiken (!, Ökumene findet da offenbar nicht statt), vor allem zwischen Kardinälen, Prälaten und Theologie-Professoren und so genannten Atheisten, ebenfalls oft Professoren. Wir haben damals an die ähnliche Veranstaltung in Paris im Jahre 2011 erinnert.
Aus aktuellem Anlaß bieten wir nun aufgrund vielfältiger Anfragen noch einmal diese Beiträge.
Denn vom 26. bis 28. November 2013 findet die Veranstaltung „Vorhof der Völker“ in Berlin statt; diese „Vorplätze“, also die offenen Räume, das meint ja „Vorhof“, sind nun – merkwürdigerweise – das Berliner Rathaus (mit dem Bürgermeister als politischem Schutzpatron und offenbar Mitfinanzier), die Charité und das Bodemuseum…Sogar in den abgeschlossenen Räumen der „Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft“ findet ein Vorhof statt. Sind das alles wirkliche „Vorhöfe“, also eine Art offene und allgemein zugängliche AGORA? Wir wagen das zu bezweifeln und fragen: Vor wem haben diese Katholiken Angst, wirklich auf einem Vorhof, auf einer Agora, mit den Tausenden von Atheisten und Skeptikern Berlins in Kontakt zu kommmen und einen Dialog in „Augenhöhe“ also Gleichberechtigung, zu führen? In Berlin sind bekanntlich etwa eine Million Menschen „konfessionsfrei“. Und wie viele „Atheisten“, Skeptiker, Agnostiker usw. es in den Kirchen selbst gibt, ist noch einmal die Frage. Warum also dieser Rückzug in abgeschlossene, hohe Mauern? Und wer wird später die Millionen Euro bedauern, die solch ein Unternehmen gekostet hat?
In Paris hieß im Jahre 2011 die Veranstaltung „Au parvis de gentils“, also auf dem „Vorplatz der Heiden“ authentisch und wörtlich übersetzt. Aus den „Heiden“ wurden nun schlicht die „Völker“…Und die Völker in Berlin werden von dem Chef des Unternehmens, Kardinal Ravasi, vorweg als ziemlich säkular und leider nicht katholisch beschrieben.

Im November 2011 publiziert:
In Berlin, so berichtet „Christ und Welt“, die Beilage zur Wochenzeitung Die Zeit, am 22. 11. 2011, soll im kommenden Jahr ein Dialog mit Atheisten stattfinden, organisiert von einer vatikanischen Kultur – Behörde. Diese Initiative bezieht sich auf eine Veranstaltung, die schon im Frühjahr 2011 in Paris stattfand, unter dem Titel: „au parvis des gentils“, wörtlich und korrekt aus dem mittelalterlichen Latein übersetzt, „Auf dem Vorplatz der Heiden“. „Les gentils“, sind die Heiden, siehe Thomas von Aquin „Summa contra gentiles“. Im Rheinischen Merkur wird berichtet, wie die päpstlichen und sonstigen Veranstalter daraus den weniger belasteten Titel „Vorhof der Völker“ gemacht haben.

Wir dokumentieren hier einen Beitrag aus der empfehlenswerten Zeitschrift PUBLIK FORUM, der anläßlich der mit einem Riesen – Aufwand gestalteten Veranstaltung in Paris 2011 geschrieben wurde. Dieser sogen. Dialog war, so einhellig die große, die „nicht – klerikale Presse“, ein ziemliches Fiasko, für das sich kaum ein normaler „Heide“ oder Atheist in Paris interessierte. Eher waren es die charismatisch-missionarischen Katholiken aus fundamentalistischen Bewegungen, die da – meist vergeblich – auf atheistisch-heidnische Gesprächspartner warteten.. .auf dem Vorplatz der Heiden, nämlich auf dem parvis de Notre Dame, dem Vorpöatz der Kathedrale, im Herzen der angeblich gottlosen Metropole PARIS…

Auf dem Vorhof der Heiden
Wenn der Vatikan mit Atheisten sprechen will
Von Christian Modehn, am 4.4.2011
Diesem Beitrag liegt ein Artikel für PUBLIK FORUM zugrunde.

Papst Benedikt gibt sich dialogfreundlich. Er hat kürzlich in Paris Atheisten drei Tage lang zum Gespräch mit Theologen eingeladen. Zu den Organisatoren gehören Mitarbeiter des „Päpstlichen Rates für die Kultur“, wichtigster Manager ist Pater Laurent Mazas von der äußerst konservativen „neuen geistlichen Gemeinschaft“ der Johannesbrüder. Die Tagungsorte hatten den Charme des Exklusiven, wie die UNESCO oder das akademische „Institut de France“. Aber organisierte Atheisten, wie die Freidenker, blieben fern. Selbst der spirituell interessierte Atheist und Buchautor André Comte – Sponville zeigte kein Interesse. Der populäre, aber deutlich antiklerikale Philosoph Michel Onfray wurde erst gar nicht eingeladen. So umkreisten denn 45 Wissenschaftler, darunter 5 Frauen, eher abstrakte Themen, wie das „Universale und Individuelle“ oder die „gerechte Ökonomie“. Sie lieferten Beiträge, deren Bedeutung über die Veröffentlichung in Sammelbänden kaum hinausgeht. Beachtlich waren die Ausführungen der international bekannten Philosophen Julia Kristeva und Fabrice Hadjadj, die erneut ihr spirituelles Interesse bekundeten. Nur am Ende der dreitägigen Veranstaltung wollte sich der elitäre Zirkel dem Dialog zwischen glaubenden und nichtglaubenden Menschen „an der Basis“ öffnen: Vor der Kathedrale Notre Dame sollten sie debattieren, während innen Brüder von Taizé meditative Gesänge darboten. Aber zu dieser „populär“ gemeinten Veranstaltung kamen anstelle der 25.000 erwarteten Besuchern nur einige tausend, darunter waren äußerst wenige, die sich als Atheisten outeten. Diese Abendveranstaltung ist ein Flop, berichtet die halboffizielle katholische Tageszeitung La Croix. Und das war insgesamt vorauszusehen, denn das Projekt stand unter einem antiquierten Motto: Dialog auf dem „Vorplatz der Heiden“. Welcher Atheist sieht sich denn auch als ein „Heide“, der an viele Götter glaubt? Und was soll der Begriff Vorplatz? Warum laden die Katholiken ihre ungläubigen Mitbürger nicht zu sich „nach Hause“, also in eine Kirche, ein, sondern lassen sie auf dem „Vorplatz“ stehen? Werden Atheisten etwa als Taufbewerber gesehen, die wie in der Urkirche keinen Zutritt ins Heiligtum haben?
Das neue päpstliche Dialog Projekt rechnet mit festen Identitäten: Hier der Gläubige, dort der Ungläubige. Aber sind die heutigen kirchenfernen Menschen überhaupt „Atheisten“ ? Sind sie nicht eher Skeptiker, Suchende, Zweifler? Und aktuelle Umfragen zeigen, dass etwa 30 Prozent der französischen Kirchenmitglieder nicht an Gott glauben. Kann der klassische Gottesbegriff von Theologen wie eine fixe und bekannte Größe in die Debatte geworfen“ werden?
Der Vatikan hat mit diesem um äußeren Glanz bemühten Projekt gezeigt, dass er das Wort Dialog nicht ernst nimmt. Denn Dialog meint Lernbereitschaft aller Beteiligten; auch Glaubende, auch Theologen haben von Atheisten zu lernen.
Trotz dieser blamablen Dialoginitiative ist der Vatikan entschlossen, bald Atheisten in Prag und Tirana auf den Vorhof der Heiden zu laden. Dabei fehlen schon jetzt 600.000 Euro allein zur Finanzierung der Pariser „Dialoge“.

Zum Dialog „Christen und Atheisten, was sie von einander LERNEN können“, veranstaltet vom Religionsphilosophischen Salon am 21. 11. 2013 klicken Sie bitte hier.

COPYRIGHT: CHRISTIAN MODEHN.