Artikel mit Stichwort ‘ Pfingsten und Philosophie ’



Pfingsten – Fest der Philosophen

11. Juni 2011 | Von | Kategorie: Denken und Glauben

Pfingsten – Fest der Philosophie, Fest der Freiheit

Bekanntlich bezieht sich das Pfingstfest innerhalb der Religionsgeschichte der Christen auf die Erfahrung, dass der Gemeinde nach dem Tod und der dann folgenden himmlischen Existenz Jesu der Geist geschenkt wurde. Geist hatten diese Menschen als Menschen natürlich schon vorher. Zu „Pfingsten“ wussten sie nur deutlicher, dass der Geist es ist, der die ganze Existenz belebt, dass der Geist es ist, der die Menschen zu einer Selbstbezüglichkeit führt und Dialog ist, dass der Geist also identisch mit Freiheit ist. So steht es ja auch in neutestamentlichen Texten.

Diese Freiheitserfahrung haben Christen später fast nur als seelische, nur als innere Freiheit verstanden, haben also die freie Weltgestaltung in Richtung realer Freiheit für alle eher anderen überlassen. Siehe den Kampf um die Menschenrechte. So wurden die meisten Kirchen selbst zu Orten der Unfreiheit, des blinden Gehorsams, der Angst vor der nächst höheren Instanz innerhalb der pyramidalen Hierarchie, wo das Oben das Unten bestimmt; wo diese Hierarchie bis beute im Ernst als göttlich behauptet wird. Gerade die katholische Kirche zeigt sich auch heute als die „allumfassende Kirche der Angst“, um ein Wort Christoph Schlingensiefs etwas zu erweitern. Man frage einmal einen Bischof oder einen Theologen nach seiner eigenen tiefen Überzeugung, man wird hören: Das darf ich nicht sagen…

Philosophen, die sich an die klassische Lehre des Geistes halten und die Erkenntnisse Kants, Fichtes und Hegels nicht achtlos beiseite schieben, wissen: Wenn es eine Brücke gibt zwischen christlicher Religionsgeschichte und Philosophie dann im Pfingstfest. Es ist das Fest des freien Geistes, das Fest der Philosophen, die allerdings Neues einbringen.
Diesen Geist hat jeder Mensch.
Diesen Geist kann jeder Mensch auf seine Art ausgestalten.
Dieser Geist wird welthaft greifbar, in dem er eine freie Gesellschaft aller aufbauen will und Unfreiheit kritisiert und bekämpft. Befreiungstheologie und Befreiungsphilosophie haben hier ihren Ort.
Dieser Geist der Philosophen braucht keine hierarchische Gemeinschaft. Er ist nur interessiert am Austausch freier Menschen über den Geist. Insofern braucht auch die Philosophie Gemeinschaft, aber als Gesprächsgemeinschaft. Es gibt einige wenige christliche Kirchen, die dieser Erfahrung Freiheit Raum geben, also freie Kirchen sind.
PS: Der Titel: „Allumfassende Kirche der Angst“ ist reserviert.
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