Die französischen Bischöfe sind nicht gegen Marine Le Pen. Die Schande.

Ein Hinweis von Christian Modehn am 20.4.2022. Wieder ist Religionskritik und Kirchenkritik eine aktuelle Hauptaufgabe der Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie…

Die angesehene katholische Tageszeitung “La Croix”, Paris, publiziert am 20.4.2022 ein Interview mit dem katholischen Soziologen und Theologen Jean-Marie Donegani, Paris, über die immer größere Bereitschaft der Katholiken, der so genannten praktizierenden Katholiken besonders,  für die rechtsextreme Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen am 24.4.2022 zu stimmen.

Die Nerven in Frankreich liegen blank, einige Tage vor der entscheidenden Präsidentschaftswahl. Wird die rechtsextreme Marine le Pen Präsidentin? Dann hätte auch Europa riesige Probleme, zusätzlich zum Krieg Putins gegen die Ukraine und der Covid-Pandemie usw…

Und das Unglaubliche, aber Faktische ist: Etwa 40 % der praktizierenden Katholiken haben im ersten Wahlgang bereits rechtsextrem gewählt. Sie folgen damit der Mutlosigkeit, Ignoranz und Demokratiefeindlichkeit (?) der französischen Bichöfe, die offiell in ihren Verlautbarungen nicht vor den Rechtsextremen warnten und damit alle Prinzipien der katholischen Soziallehren ignorierten. Sind diese Herren Bischöfe selbst etwas sehr rechtslastig? Bei einigen, wie dem Bischof von Fréjus oder von Bayonne, ist diese Tendenz allgemein bekannt!

Professor Donegani sagt in dem Interview u.a.:

“Eine Sache erstaunt mich, nämlich, dass die Bischöfe meinen, den Katholiken bloß zu sagen: “Tut, was ihr richtig findet” anstelle von “Gebt acht bei dieser Wahl”. Die Stellungnahme der Bischöfe scheint mir nicht sehr intelligent zu sein. An der Banalisierung der extremen Rechten teilzunehmen, ist nicht sehr hilfreich, das wird sogar kontraproduktiv sein. Die Kirche beansprucht immer, die Gewissen der Menschen zu prägen, dann hätte sie in ihrer Stellungnahme zur Wahl sehr viel weiter gehen müssen. … Man kann der extremen Rechten nicht seine Stimme geben, wenn diese Partei etwas Böses und Übles banalisiert. Das Übel und das Böse, das ist für diese Partei die Feier und Bejahung der Ungleichheit, der Kultur des Hasses und der Spaltung der Gesellschaft”.

Am 24.4.2022 werden im Fall eines Wahlsieges von Le Pen die Bischöfe scheinheilig sagen: “Wir haben doch unser Bestes getan. Wir sind wie immer ohne Schuld”.

Das ist aber falsch: Diese denkfaulen Bischöfe haben dann den Wahlsieg der Rechtsextremen zugelassen, wenn nicht befördert. Das ist die Wahrheit, die dann wie üblich kein Kleriker hören und akzeptieren wird. Die geistig noch wachen Katholiken werden weiter in Scharen dieser Kleriker-Kirchen fern bleiben. Und ihren christlichen Glauben auf eigene Art leben.

copyright: Christian Modehn, Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon Berlin.

 

 

Die Stichwahl am 7. Mai: Katholiken in Frankreich. Bisher haben sie überwiegend rechts(extrem) gewählt.

Katholiken in Frankreich wählen wieder überwiegend rechts(extrem)

Ergebnisse nach dem 1. Wahlgang am 23. 4. 2017

Von Christian Modehn, veröffentlicht am 25. 4. 2017. Ein aktueller Beitrag vom 29.4. zu einer Erklärung der französischen Bischöfe klicken Sie hier.

Der Religionsphilosophische Salon Berlin interessiert sich für das Wahlverhalten der Katholiken in Frankreich, bis jetzt noch – vor den “Atheisten” – die zahlenmäßig stärkste Religion dort. Nach dem ersten Wahlgang am 23. 4. sind die Katholiken desorientiert: Ihr viel geliebter, jetzt aber wegen der Affären durchaus kritisch betrachteter konservativer FILLON kommt nicht in die Stichwahl. Katholiken haben zu 68 % keinen der beiden Kandidaten des Zweiten Wahlgangs gewählt, also Macron und Le Pen. Macron halten viele sehr konservative praktizierende Katholiken für einen liberalen, unmoralische Prinzipien (HOMOEHE!) vertretenden Politiker. Katholiken entscheiden sich nach moralischen, besonders sexual-moralischen Kriterien, um einen Politiker gut oder weniger gut zu finden. Macron entfällt also für viele Katholiken als zu wählender Präsident. Und Madame Le Pen? Die ist sexual-moralisch in der Sicht vieler konservativer Katholiken doch recht OK. Viele Katholiken werden also, und sei es bloß aus Trotz und Frustration, Le Pen wählen. Oder eben gar nicht wählen. So geht es, wenn fromme Katholiken zu enge Maßstäbe haben, um Politik mitzugestalten…Erstaunlich aber bleibt: Melenchon von den Linken haben diesmal im ersten Wahlgang 9 % der praktizierenden Katholiken gewählt; 2012 waren es nur 3 %. Insgesamt haben von allen Katholiken, also auch den Nichtpraktizierenden, 14 % Melenchon gewählt.

……………………………… Zum ersten Wahlgang————————–

Wenn man alle Stimmen von Katholiken für die Präsidentschaftskandidaten Fillon, Le Pen und Dupont-Aignan beim 1. Wahlgang addiert, kommt man leicht auf 54 Prozent. Die drei genannten Kandidaten vertreten entschieden rechte bzw. rechtsextreme Positionen. Das haben Umfragen des Instituts Harris für die Tageszeitung La Croix ergeben.

Wenn man die katholischen Wähler noch einmal unterteilt in „regelmäßig praktizierende Katholiken“ (das sind solche für die französischen Befragungen, die wenigstens einmal im Monat (!) an der Messe teilnehmen; das nennt man üblicherweise dort religiöse Praxis, aber das am Rande) und „gelegentlich praktizierende“ und „nicht – praktizierende“ Katholiken, dann zeigt sich dieses Ergebnis für die Wahl der rechten bzw. rechtsextremen Kandidaten:

Von den regelmäßig praktizierenden Katholiken haben 67 % rechts bzw. rechtsextrem gewählt.

Von den gelegentlich praktizierendenKatholiken 55 %

und von den nicht-praktizierenden Katholiken 42 %.

Das heißt: Je enger die Kirchenbindung, um so enger die Bindung an rechte und rechtsextreme Politiker.

Dabei muss wissen: Fillon vertritt zwar Europa-freundliche Positionen, er ist deswegen auch der CDU-CSU nahe; seine Ausländer/Flüchtlingspolitik und seine Innenpolitik (Beispiel: Zurücknahme des Gesetzes zur so genannten Homoehe) sind praktisch mit den Positionen von Le Pen identisch. Die Politiker, die heute von der Partei „Les Républicains, also von Fillons Partei, an der Cote d Azur herrschen, vertreten weithin identische Positionen wie der Front National.

Was aber am meisten erstaunt: Fillon wird bekanntermaßen nach wie vor heftiger Betrug und Fälschung vorgeworfen. Aber dies macht den praktizierenden Katholiken nichts aus. Sie wählen ihn trotzdem mit großer Mehrheit, mit einem Anteil von 46 Prozent (landesweit hatte Fillon 19 %!), selbst 25 % der nicht – praktizierenden Katholiken haben Fillon gewählt.

Das heißt: Einem relativ bedeutenden Teil der Katholiken waren die Betrugsaffären von Fillon egal. Sie wählten einen Mann, der sich als praktizierender Katholik nach außen hin darstellte und eben für die klassische kirchliche Moral eintrat.

Hingegen haben nur 19 % der praktizierenden Katholiken Macron gewählt, im ganzen Land erzielt er 23 %!

Wenn alle “Gruppen” von Katholiken zusammensieht, ergibt sich dieses Bild:

Katholiken insges. haben für Macron gestimmt: 22 %

Für Marine Le Pen 22 %

Für Fillon 28 %

Für Melenchon 14 %

Für Hamon 4 %

Für Dupont-Aignan 6 %

Das heißt: Ca. 18 Prozent aller verschiedenen Gruppen unter den Katholiken haben links gewählt.

Immerhin haben 30 % der Protestanten Macron gewählt. Unter allen religiös gebundenen Franzosen haben die Protestanten am deutlichsten für Macron gestimmt.

Für Le Pen haben 20 % der Protestanten gestimmt.

Für Fillon 20 %

Für Melechon 16 %

Für Hamon 4 %

Für Dupont Aignan 7 %

Zusammenfassend: 47 % der französischen Protestanten haben rechts bzw. rechtsextrem gewählt.

Wie haben die muslimischen Franzosen gewählt?

Für Macron: 24 %

Für Le Pen: 5 % (komisch, Muslime, die Le Pen wählen…es gibt auch Juden, die FN wählen)

Für Fillon:     10 %

Für Melechon: 37 %

Für Hamon:   16 %

Für Dupont Aignan: 3 % (auch das gibt es)

Muslime haben wieder, wie bei früheren Wahlen, über 50% links gewählt, dazu noch einmal 24 % für Macron!

Siehe auch:  http://www.pelerin.com/A-la-une/Sondage-exclusif-Vote-et-religions

COPYRIGHT: Christian Modehn am 25.4. 2017, 12.15 Uhr.