Macron – ein Revolutionär?

Zu einem neuen Buch von Joseph de Weck

Ein Hinweis von Christian Modehn am 26.7.2021

1.
Der Untertitel des Buches „Emmanuel Macron“ zeigt von vornherein die Richtung, es geht um einen „revolutionären Präsidenten“. Autor dieses Essays, das rechtzeitig vor der Präsidentschaftswahl 2022 erscheint, ist der in Paris lebende Politologe Joseph de Weck (Jahrgang 1986). Herrscht also, 232 Jahre nach dem Beginn der Französischen Revolution, tatsächlich ein „Revolutionär“ an der obersten, äußerst mächtigen Spitze der Republik? Macron sieht sich in einem geradezu übermäßigen Anspruch, aber er kann nicht die neue Revolution vollbringen, die Bürger folgen ihm nicht… und die Europäer – bis jetzt – auch nicht. So ist die Macht des sehr energischen und sehr selbstbewussten Emmanuel Macron doch begrenzt, immer wieder gestört von den eigensinnigen Bürgern, wie etwa der berühmten Protest-Bewegung der „Gelbwesten“. Macron will ganz entschlossen, nach der Beurteilung des Politologen, die zerrissene, „gespaltene“ (S. 180) und deswegen widersprüchliche Nation Frankreich nicht etwa nur regieren, er will sie versöhnen. Ein Mammutprojekt, denn gespalten ist die Nation spätestens seit 1789. Die BürgerInnen Frankreichs sind, ohne in Klischees zu verfallen, oft sehr aufmüpfig und sozusagen ständig streikbereit, Kompromisse fallen schwer, dabei „im letzten“, was die Stabilität ihres Lebens zumal auf dem Lande betrifft, doch „sehr konservativ“ (S. 166). Macron, der Präsident will diese seine Nation versöhnen, und gleichzeitig Europa in der Gestalt der E.U. als geistige wie ökonomische Macht entwickeln und verteidigen. Seine europäische Führerrolle wird wohl nach dem Ende der Ära Merkel noch deutlicher werden. Macron ist wohl DER europäische Politiker heute und zweifellos auch nach 2022, wenn „es denn klappt“, und sich Macron gegen die sehr rechtslastige Marine Le Pen (Parteiführerin von „Rassemblement National“) durchsetzt…
2.
Es ist auch bezeichnend für das ausgeprägte Selbstbewusstsein Macrons, dass er als Titel für seine politische Programmschrift schon im November 2016, also kurz vor seiner Wahl, schlicht und unbescheiden „Revolution“ wählte. In der Taschenbuchausgabe 2017 steht der etwas milder stimmende Untertitel „Reconcilier la France“, „Frankreich versöhnen“. Keine leichte Aufgabe: „Frankreich ist im Grunde eine Gesellschaft von Anarchisten“, heißt das sehr provozierende Urteil de Wecks (S. 36), und er bezieht sich dabei auf das bekannte Zitat von de Gaulle, der daran (ver)zweifelte ein Land zu regieren, „in dem es 258 Käsesorten gibt“ (ebd.).
Joseph de Weck bezieht sich oft auf dieses „Revolutions-Buch“ von Macron. Und zeigt, dass tatsächlich die Versöhnung des in sich zerstrittenen, ideologisch wie sozialpolitisch zerrissenen Frankreich die oberste, aber äußerst schwierige Projekt des jungen Staatspräsidenten (geboren am 21. 12.1977 in Amiens) ist.
De Wecks Buch bietet keine ausführliche, chronologisch geordnete Biographie des Staatspräsidenten, nur elementare Informationen werden dazu geboten, etwa auch zu seiner Ehe (Heirat 2007!) mit seiner früheren Lehrerin Brigitte Auzière im Gymnasium der Jesuiten in Amiens (S. 23 f.).
Im ganzen stellt der Autor den Präsidenten Macron in den Kontext der aktuellen politischen, ökonomischen und sozialen Verhältnisse. Damit werden viele Leserinnen in Deutschland zugleich wichtige Hintergrundinformationen zu der doch eher unbekannten, wenn nicht fremden Nation in der Nachbarschaft geboten.
3.
Ich nenne nur einige zentrale Stichworte, die im Essay dargestellt werden:
Macron will explizit im Auftreten, Reden, Handeln ein großer, ein intellektueller Staatsmann sein, der sich gern mit de Gaulle und dem Sozialisten Mitterrand vergleicht. Macron ist sich seiner Bedeutung sehr bewusst und er zeigt das.
Er ist verglichen mit anderen PolitikerInnen in Europa tatsächlich ein intellektueller Staatspräsident, mit einer tieferen Kenntnis der Philosophie und Literatur, seine Reden und Ansprachen haben oft den Charakter philosophischer Reflexion. PolitikerInnen in der europäischen Nachbarschaft oder in den Büros der E.U. zeigen in ihren intellektuell dürftigen Reden eher ihren eigenen, eher technokratischen Charakter.
Das ist der Anspruch: Macron will eine Politik gestalten, die weder rechts noch links ist. Dafür gibt es viele Beispiele: Er fördert die Wohlhabenden in der Steuerpolitik und erhöht aber auch die Rente der Armen ein bisschen. Er fördert die Bildung und reduziert die Klassengröße in „sozial prekären Vierteln“ auf 12 SchülerInnen. Das Gehalt der Lehrer, die es in diesen Problemgegenden aushalten, erhöht er um 3.000 Euro jährlich (S. 90).
4.
So sehr auch manche Reformen für die „einfachen Leute“ wichtig sind: Die Kritik gerade von Seiten der Linken ist heftig (S. 96). Joseph de Weck schreibt: “Ein Teil der Bevölkerung hasst den Präsidenten Macron richtig gehend, heftiger noch als Sarkozy“ (S. 159). Warum? Weil er in der Sicht der Linken doch letztlich eine Politik zugunsten der Reichen macht, selbst wenn er sich dialogfreundlich etwa mit den „Gelbwesten“ unterhält. Die Rechten und die Reaktionären, auch viele Katholiken, verachten ihn, weil er die „Ehe für alle“, also die Ehe für homosexuelle Paare, eingeführt hat. Bezeichnend ist, dass Macron mit dem niederländischen rechtsliberalen und neoliberalen Ministerpräsidenten Mark Rutte befreundet ist (S. 128).
5.
Im Ganzen ist „Macrons Image noch immer nicht fixiert“, (s. 185), viele Beobachter betonen: Man kann Macron nicht definieren, er entzieht sich förmlich einer Festlegung. Die Linken sehen das anders, wie etwa der inzwischen viel gerühmte Autor Eduard Louis (S. 163). Louis beschwerte sich sogar darüber, dass sein autobiographischer Roman „Wer hat meinen Vater umgebracht“ im Präsidentenpalast gelesen wird. Per Tweet schrieb Louis an Macron: “Sehen Sie davon ab, mich zu benutzen, um die Gewalt (des Staates gegen ausgegrenzte, arm gemachte Bürger, CM) zu maskieren, die Sie ausüben und inkarnieren…“ Worte, die de Weck eher peinlich findet… Und er schreibt weiter: „Obwohl (der tatsächlich weltberühmte linke Ökonom, CM) Thomas Piketty ähnlich denkt wie Macron, jedenfalls in Sachen Weltwirtschafts – und Europapolitik, sucht Macorn nicht die Nähe zu diesem Starökonomen“ (S. 163). Macron ist eben kein Linker, wer es immer noch weiß! Er verteidigt die „Meritokratie“ (S. 164), also das liberale (auch FDP) Motto: Leistung und viel Arbeit lohnt sich, sie erst macht aus einem Menschen einen wertvollen Menschen…
6.
Es ist auch klar, dass sich Macron einigen Thesen von Marine Le Pen angepasst hat, gerade hinsichtlich der Flüchtlingspolitik. Ihm geht es darum, Stimmen aus dem sehr konservativen Lager bei der Wahl 2022 zu sammeln, damit er stärker wird als die rechtsextreme Politikerin Le Pen. Auf die Stimmen der Linken kann Macron im zweiten, entscheidenden Wahlgang gegen Le Pen nicht zählen. Aber noch ist vieles offen und vielleicht passiert ein Wunder und die zerstrittenen Linken vertragen sich und einigen sich auf einen gemeinsamen Kandidaten bzw. eine Kandidatin.
7.
Natürlich kann der Essay von Joseph de Weck nicht alle relevanten Aspekte zu Macron und Frankreich heute ansprechen. Ich hätte mir trotzdem mehr Informationen gewünscht zu der typisch französischen Laicité, die de Weck komischerweise einmal falsch mit „laizistisch“ übersetzt (S. 167). Und die Bedeutung Macrons als Philosoph und Ricoeur – Schüler wird meines Erachtens vom Autor etwas übertrieben. LINK Und auch dies: „Gottesdiensten bleibt (der getaufte Katholik) Macron grundsätzlich fern“, schreibt de Weck auf S.18. Mag ja sein. Aber mit den Katholiken will der Katholik Macron, der Jesuitenschüler, letztlich doch in gutem Einvernehmen sein. Kürzlich besuchte er als erster Präsident überhaupt im Juli 2021 den Marienwallfahrtsort Lourdes… Natürlich offiziell nicht als Pilger, sondern als besorgter Politiker. Aber diese Visite fand nach der Veröffentlichung des Buches statt. Immerhin aber hat Macron im Juni 2018 Papst Franziskus im Vatikan zu einem einstündigen, offenbar sehr herzlichen Gespräch getroffen, er wurde zum Ehrenkanonikus der Basilika St. Johannes im Lateran ernannt, gemäß einer alten Tradition. Und noch am 21.3. 2021 hat Macron und der Papst telefoniert. Dabei gratulierte der Präsident Papst Franziskus für seine Reise in den Irak. Schwieriger gestaltet sich der Umgang Macrons mit „den“ Muslimen, sein Innenminister bezeichnete pauschal den „Islam als Problem“…Ein neues Laicité-Gesetz soll die Muslime auffordern, sich eindeutig zu den Werten der Republik theoretisch wie praktisch zu bekennen. LINK
Die Laicité, die ständig viel besprochene Trennung von Religionen und Staat, wird heute neu bestimmt im Blick auf die Muslime und ihre Gemeinden. Macron will die Integration fördern, viele meinen, es handle sich eher um eine Assimilierung „des“ Islams an die französische Republik. Deswegen schwärmt die rechtsextreme Politikerin Marine Le Pen auch von der Laicité, weil sie darin ein Instrument entdeckt hat, „die“ Muslime in Frankreich einzugrenzen mit einer Art „Nicht -Willlkommens – Unkultur“. Marine Le Pens Vater war und ist stärker antisemitisch orientiert, die Tochter als Parteiführerin ist geradezu judenfreundlich, ihre ganze Abneigung gilt nun dem Islam.
Leider wird in politischen oder soziologischen journalistischen Essays viel zu wenig die nach wie vor aktuelle Bedeutung der Religionen in Europa dokumentiert und diskutiert…
8.
Ansätze für eine politisch-theologische Vertiefung bietet de Weck, etwa auf Seite 71. Er erinnert an die sakral anmutende Inszenierung Macrons im Louvre zu Beginn seiner Präsidentschaft, er weist auf einen gewissen Heldenkult hin (sozusagen säkulare Heiligenverehrung?) und vor allem: Macron ist durchaus mit dem Gedanken vertraut, dass Franzosen manchmal eine „Praxis der religiösen Überhöhung der Republik“ (Seite 71) suchen und pflegen.
Wird dann der Präsident der Republik zu einem säkular-heiligen Nachfolger unter den Königen? Bloß: Welcher Bischof würde ihn, den Präsidentenkönig, dann salben etc.?
Fest steht: So ganz wird die säkulare, wenn nicht jetzt bereits tief säkularisierte, also auch durchaus a-kirchliche bzw. anti-kirchliche französische Gesellschaft (nur noch ca. 32 Prozent nennen sich jetzt laut Umfragen katholisch (Quelle: Le Point, 23.5.2019) dann doch nicht die Verbindungen zu einer gewissen Transzendenz los… Etwas Göttliches verschwindet offenbar nicht. Aber vielleicht verbergen sich hinter dem säkular Göttlichen doch nur Götzen?
9.
Nur ein kleiner Korrekturvorschag für die 2. Auflage: Evreux ist wahrlich, wie de Weck behauptet, keine „Pariser Vorstadt“, (S. 165), sondern Sitz der Präfektur des Départements Eure. Evreux ist 98 Km von Paris entfernt…

Joseph de Weck, Emmanuel Macron. Der revolutionäre Präsident. Weltkiosk-Verlag London-Berlin, 2021, 201 Seiten, 20 Euro.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

Präsident Macron: Seine Spiritualität und Religion sowie seine Philosophie.

Präsident Emmanuel Macron – über seine Spiritualität und Religion und seine Verbundenheit mit der Philosophie

Siehe auch den aktuellen Hinweis vom Juli 2021: Macron – der Revolutionär? LINK

Hinweise von Christian Modehn am 8.5.2017

1. Glaube und Spiritualität

Präsident Emmanuel Macron, geboren am 21. Dezember 1977 in Amiens, hat dort die katholische Privatschule „La Providence“ („Die Vorsehung“) unter Leitung des Jesuitenordens besucht. Macron kann sich also wie etliche andere bekannte Politiker durchaus Jesuitenschüler nennen. Im Alter von 12 Jahren ließ er sich, beim Eintritt in die Jesuitenschule, (katholisch) taufen. „Das war eine persönliche Wahl, meine Familie (die Eltern sind Ärzte) war eher mit der „laizistischen Tradition“ verbunden. Die Jesuitenschule hat mich die Disziplin des Geistes und einen Willen zur Öffnung gegenüber der Welt gelehrt. Aber danach, (offenbar beim Verlassen der Schule, CM) habe ich weniger (den Glauben) praktiziert (was in Frankreich bedeutet: die Messe besucht, CM). Heute habe ich eine dauernde Reflexion über die Natur meines eigenen Glaubens. Meine Beziehung zur Spiritualität nährt weiterhin mein Denken, aber ich mache daraus kein Element, irgendetwas (politisch? CM) zu beanspruchen (élément de révendication)“, so Macron im Interview mit der katholischen Wochenzeitung La Vie, Paris, am 15. 12. 2016. Macron betont also, dass für ihn (schon damals) die intellektuelle Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben wichtiger war als der spirituelle Aspekt. Das gilt bis heute. Macron lobt ausdrücklich die Werte, die die Caritas (Secours catholique) in ihrem Engagement verteidigt, etwa in der Unterstützung der Wohnungslosen.

Der Kirchenhistoriker Jean-Domique Durand (Lyon) sieht in den politischen Äußerungen Macrons Elemente einer christlichen Kultur, etwa wenn er vom „Wohlwollen gegenüber dem Nächsten“ spricht. Er hat die (frühe) von Offenheit geprägte Flüchtlingspolitik von Angela Merkel gelobt. Zu dem lange diskutierten Thema der „christlichen Wurzeln Europas“ meint Durand bezogen auf Macron: Er würde die „christlichen Wurzeln Europas“ nicht offiziell anerkannt sehen wollen.

Zu Papst Franziskus hat sich Macron in „La Vie“ geäußert: „Im Unterschied zu den Präsidentschaftskandidaten Fillon oder Hamon werde ich nicht eine Nähe oder eine enge Verbindung mit dem Papst fordern und suchen. Aber als politisch entscheidender Akteur hat der Papst mutige Entscheidungen getroffen, die auch mit meinen Werten verbunden sind. Besonders in der Frage der Migranten hat der Papst an die Pflicht Europas erinnert und – aus einem geopolitischen, moralischen und philosophischen Gesichtspunkt – an den Unterschied zwischen einem Migranten und einem Flüchtling“. Quelle:

http://www.lavie.fr/dossiers/invites-politique-de-la-redaction/foi-laicite-europe-emmanuel-macron-en-7-extraits-15-12-2016-78648_807.php

Sehr konservative Katholiken lehnen Macron ab, weil er für die Homoehe ist und auch über aktive Sterbehilfe diskutieren will, siehe dazu die einschlägige Zeitschrift „France Catholique“: https://www.france-catholique.fr/Macron-Evangile.html: „Emmanuel Macron a des propositions économiques qui peuvent inquiéter les Français : augmentation de la CSG qui ponctionne déjà les revenus des retraités et des autres, suppression de la Taxe d’habitation pour 80 % des foyers : il faudra bien payer autrement et ce sont les classes moyennes qui devront le faire une fois de plus. En matière de valeurs morales censées être chères aux chrétiens : la faveur pour le mariage homosexuel et la volonté de généraliser la PMA (procréation médicalement assistée) à toutes les femmes qui la demandent sont deux prises de position totalement contraires à la morale de l’Eglise catholique. Les « Chrétiens démocrates » déclarent que Jésus n’était pas attaché à la famille et en concluent sans doute que les positions relativistes ne posent aucun problème ! Or elles sont parfaitement inadmissibles au nom même d’une philosophe politique dans la ligne de Léo Strauss et au nom de la théologie morale catholique“.

2.Zur Philosophie

Interessant ist, dass Macron vor seiner Ausbildung zum Ökonom in den Jahren zwischen 1995 und 2001 Philosophie studierte und das Diplom DEA , also das „diplôme d’études approfondies“, ein Hochschuldiplom, in der Universität „Paris –X. Nanterre“, erlangte, das oft als das erste Jahr eines Promotionsstudiums angesehen wurde. Einige Philosophen, wie der zur Polemik neigende Michel Onfray, aber auch Mitglieder des Fonds Ricoeur haben sich kritisch zu der Annahme geäußert, Macron könne als Philosoph gelten und als solcher auftreten: Sie halten den Titel Macrons als eines Assistenten von Paul Ricoer für überbewertet. Es geht dabei vor allem um die Frage, in welcher konkreten philosophischen Weise Macron als Assistent des protestantischen Philosophen Paul Ricoeur arbeitete. Auch die Philosophie Professorin Myriam Revault de Allonnes hat ihre Bedenken, Macron zu deutlich als Philosophen zu bezeichnen.  Sie sagte, dass Macron wohl nur die Korrekturbögen des Buch „La Memoire, l histoire, l oubli“ von Ricoeur (als Buch 2000 erschienen) korrigiert habe. Macron behauptet auch, von dem marxistischen bzw. kommunistischen Philosophen Etienne Balibar inspiriert zu sein, auch über die intellektuelle Beziehung Macron – Balibar wird unter Philosophen gestritten. Immerhin hat sich Balibar kurz vor der Wahl am 7.5. für Macron eingesetzt. Tatsache ist, dass Macron auch für die eher linke (einst explizit christliche, personalistische Zeitschrift) ESPRIT arbeitete und zum Redaktionskomitee gehörte: Dort wird die „zweifelsfreie philosophische Zuverlässigkeit“ Macrons gelobt, so etwa vom ehemaligen Chefredakteur von ESPRIT, Olivier Mongin. Fünf Beiträge hat Macron (darunter auch Buchbesprechungen) in ESPRIT publiziert, der letzte Artikel erschien 2011. Siehe: http://www.esprit.presse.fr/article/macron-emmanuel/francois-dosse-l-histoire-9396

Als philosophisch gebildeter Politiker hat Macron auch den Philosophen Jürgen Habermas in Berlin am 16. März 2017 getroffen, die Initiative dafür ging von der „Hertie School of Governance“ aus. Habermas lobte in höchsten Töne Macron, weil er entschlossen sei, Europa neu zu gestalten. Auch Sigmar Gabriel (SPD), er kennt Macron aus seiner Zeit als Wirtschaftsminister, war bei dem Treffen dabei. Die ZEIT berichtete ONLINE am 17.3.2017 über diese Tagung: „Die Europäische Union habe seit der Unterzeichnung des Vertrags von Lissabon vor knapp zehn Jahren keine gemeinsame Erzählung mehr, so Macron. Ihr fehle ein gemeinsamer Wille, der sich auf ein klares Ziel richte. Europa vertrage aber keinen Stillstand. „Wenn Sie ein zaghafter Europäer sind, sind Sie bereits ein besiegter Europäer“… Auch den Deutschen ruft Macron damit sein „En Marche“ entgegen: Vorwärts! „Man kann Wahlen gewinnen, wenn man eine Idee von Europa hat und diese verteidigt“, sagt er. Es sei das deutsch-französische Verhältnis, von dem „das europäische Momentum“ ausgehen müsse. Da Misstrauen und uneingelöste Versprechen das Verhältnis der Nachbarn zerrüttet hätten, wirbt Macron dafür, zuallererst diese Beziehung zu erneuern. Dafür will er bei sich selbst anfangen und in Frankreich überfällige Reformen anstoßen“. Quelle: http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-03/emmanuel-macron-berlin-sigmar-gabriel-juergen-habermas-frankreich-wahlkampf

3. Die Trennung von Religion und Staat verteidigen

 Macron ist leidenschaftlicher Verteidiger der Laicité, also der seit 1905 gesetzlich verankerten Trennung von Religionen und Staat in Frankreich. Er sagt: „Ich will nicht, dass die Gesellschaft den hegemonialen (Macht orientierten) Versuchungen einer Religion unterworfen ist…Die Laicité erlaubt es, im öffentlichen Raum respektvoll miteinander zu leben, im Respekt der Werte der Republik. … Im öffentlichen Dienst des Staates (service public) ist es sehr wichtig, die Neutralität dieses öffentlichen Dienstes des Staates zu respektieren. Aber die Laicité hat nicht die Berufung, eine republikanische Religion zu fördern“… „Die Republik ist der magische und einzigartige Ort ,der es erlaubt, dass Menschen in der Intensität ihrer Religion leben können. Man verlangt in der Republik, dass die Leute mit ihrer Religion für sich selbst (privat) umgehen, wie sie es wollen und dass sie dabei aber in einem absoluten Respekt vor den Regeln der Republik leben. Im öffentlichen Raum verlange ich von religiösen Menschen nur eine Sache: Dass sie die Regeln (les règles), also auch die Gesetze, absolut respektieren. In seinem eigenen, tiefen Gewissen, denke ich, kann ein praktizierender Katholik meinen, dass die Gesetze seiner Religion die Gesetze der Republik übersteigen. Aber ganz einfach: In jedem Augenblick, wo sich der Katholik im öffentlichen Raum bewegt, sind die Gesetze der Republik größer und wichtiger als die religiösen Gesetze… Die Menschen können das Bedürfnis nach einer Transzendenz haben. Die Republik hat nicht gegen die Transzendenz zu kämpfen. Die Republik hat zu kämpfen, wenn ihre Werte nicht respektiert werden“. (Interview mit dem politischen Magazin Marianne, 2016)

Siehe auch: https://www.franceculture.fr/politique/aux-sources-des-idees-demmanuel-macron

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