Warum sind Religionen und Kirchen vom (Un-) Geist der Effizienz verdorben?

Wir starten in unserem „Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon“ eine neue Kategorie, eine neue Rubrik: „Eine Frage: Wer hat eine Antwort?“

Dabei leitet uns das Interesse, offenbar einfache und deswegen oft übersehene Fragen in die Öffentlichkeit zu bringen, immer aus dem Umfeld von Philosophien und Religionen. Es sind die  für selbstverständlich gehaltenen Situationen und Zustände in Religionen, Gesellschaften und Staaten, die das Nachdenken verdienen, auch wenn eine „schnelle Antwort“ schwerfällt. Es sind die unmenschlichen Verhältnisse, an die „man“ sich so schnell gewöhnt und als alternativlos hinnimmt, weil wir in einer Kultur leben, die Alternativlosigkeit als oberstes Glaubensbekenntnis für alle, besonders für die Mächtigen, herausposaunt.

Der erste Beitrag:   Warum sind Religionen und Kirchen vom (Un-) Geist der Effizienz verdorben?

Der Soziologe Professor Wilhelm Heitmeyer (Uni Bielefld) beschäftigt sich mit der Frage, wie der zunehmende Niedergang der Demokratie in Europa zu verstehen ist. Er schreibt in der TAZ vom 27. Februar 2012 auf Seite 15:

„Es gibt eine Ökonomisierung des Sozialen. Richard Sennett, ein us -amerikanischer Soziologe, hat sich damit beschäftigt. Bei dieser Ökonomisierung des Sozialen dringen Kategorien, die aus der Ökonomie kommen, wie Effizienz, Verwertbarkeit und Nützlichkeit, in die sozialen Verhältnisse ein. Und zwar in Institutionen, die überhaupt nicht danach beschaffen sein dürften: in die Familien, in soziale Gruppen, auch in Schulen etc.“

Die Frage ist: Warum hat diese Ideologie der Verwertbarkeit und Nützlichkeit auch die „sozialen Gruppen“, also auch Religionen erfasst, auch die Kirchen, etwa in Europa? Warum wird z.B. immer gefragt, „wie viele“ bei einer religiösen Feier dabei waren? Warum werden Kirchen geschlossen, weil angeblich niemand mehr dort hin kommt? Warum fragt niemand, ob sie sozial, human, als Treffpunkte gebraucht werden? Warum gibt es keine Phantasie, sich dem Nützlichkeitswahn zu widersetzen auch und gerade in Kirchen und Religionen? Sind sie vom Geist der Effizienz vergiftet? Gibt es noch ein Verständnis für die „freie Gabe“, für das  nicht rechnende Denken? Wird dieses Denken ausgelöscht zugunsten eines Machtkalküls, ist dann nicht Wesentliches des (immer wieder amtskirchlich beschworenen)  Evangeliums Jesu von Nazareth verraten?

Wer weiß darauf plausible Antworten?

Der Salon: „Befreiung – pädagogisch, philosophisch. Perspektiven Paulo Freires“

Ein Salon Abend im Café antikflair in Schöneberg, Grunewaldtsr.10, mit dem Philosophen und Coach Hernan Silva-Santisteban-Larco (Berlin), ein Spezialist für die Themen rund um die „Pädagogik der Befreiung“ des brasilianischen Autors, Pädagogen und Philosophen Paulo Freire.

Am Freitag, 23. März 2012, um 19 Uhr.

Teilnahmegebühr: 5 Euro (für die Raummiete).  Bitte um Anmeldung: christian.modehn@berlin. de

Zur Einstimmung empfehlen wir den Beitrag unseres Referenten Hernán Silva – Santisteban Larco: „Paulo Freire, von befreiender Pädagogik zur Pädadgogik der Autonomie“

Jeder soll nach seiner Fasson selig werden: Fragen und Probleme

Fragen zum Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon am 10.2. 2012

Von Christian Modehn

 „Jeder soll nach seiner Fasson selig werden“ (Friedrich II., genannt der Große)

Diese Maxime Friedrich II. berührt nicht nur das Miteinander unterschiedlicher Menschen unterschiedlicher Religionen und Meinungen, sie ist von daher sehr aktuell. (Sie stellt auch die Frage: Haben wir denn heute überhaupt auch kulturell die Chance, auf je eigene Art auch kulturell „selig“, d.h. zufrieden, zu leben?)

– Welches Bild des Neben/Miteinanders unterschiedlicher Menschen unterschiedlicher Religionen setzt diese Maxime offenbar voraus?

– Wie kann jeder mit dem anderen „selig“ werden, wenn alle ihre (religiöse) Seligkeit auch außerhalb ihrer privaten Sphäre leben? Also etwa ihren „seligen Glauben“ öffentlich ausdrücken ?

– Wie kommt es, dass der religiöse Ausdruck (die Seligkeit) von Minderheiten in weiten Kreisen einer Mehrheit Irritationen erzeugt? – Wie kann der plurale religiöse Ausdruck in Gleichberechtigung erreicht werden? Und zwar universal!

– Gleichberechtigung aller Formen der „Seligkeit“: gilt sie auch für Atheisten?

– Gibt es eine gemeinsame philosophische Basis, eine allgemein humanistische Basis trotz aller kulturellen Differenzen, die VOR allem religiösen Bekenntnis liegt?

– Wie kann diese allgemeine, stets weiter zu entwickelnde philosophische Basis, die wichtiger ist alle Religionen, ausgebaut, verteidigt und international „verbreitet“ werden.

 

 

Jeder soll nach seiner Fasson selig werden. Ein Salonabend

Wir freuen, dass diesmal eine Freund unseres Salons auch ein einleitendes Statement hält mit dem Titel: „Vernunft und Religion aus Sicht eines praktizierenden Muselmanen“. Der Begriff „Muselmane“ ist bezogen auf die damalige Sprachwelt.

Poesie und Selbsterkenntnis – Das „Bittgebet“. Ra­dio­sen­dung HR 2

Welttag der Philosophie

18. November, 19 Uhr, ein besonderer Salonabend anläßlich des Welttages der Philosophie. Cafe „Antikflair“ in Schöneberg. Thema: „Geben wir der Vernunft noch eine Chance ?“

An diesem Abend wird die Philosophin Prof. Petra von Morstein bei uns sein, das freut uns besonders. Sie wird ein einleitendes Statement halten: „Und wozu Denken in dürftiger Zeit: Wie kann Vernunft in der gegenwärtigen Welt wirksam werden?“.

Wir bitten um Anmeldung: christian.modehn@berlin.de   Diesmal bitten wir um einen Beitrag von 5 Euro.

Eine Liste der Veranstaltungen zum Welttag der Philosophie in Deutschland siehe:

http://www.unesco.de/tag_der_philosophie_2011.html