Faschistische Wurzeln der „konservativen Revolution“: Charles Maurras

Ein Hinweis von Christian Modehn (anlässlich des Geburtstages von Charles Maurras am 20.4. 1868).

Angesichts der politischen Wende (bzw. „Revolution“) nach rechts und rechtsextrem in ganz Europa ist es nötig, an die „Gründerväter“ dieser Ideologie zu erinnern. Dabei wird eine Figur aus der rechtsextremen Ecke wieder hoch gespielt: Der französische Schriftsteller Charles Maurras (20.4.1868 bis 16.11.1952). Die Renaissance dieses Vordenkers der politischen Bewegung „Action Francaise“, „die unverkennbar faschistische Züge trägt“, so Ernst Nolte, 1971 und auch der Soziologe Zeev Sternhell, ist nicht nur auf Frankreich beschränkt. Wer die ideologischen Wurzeln des rechtsextremen Denkens auch in Deutschland heute freilegen will, muss sich leider mit Charles Maurras auseinandersetzen. Ausdrücklich weist etwa Wolfgang Kowalsky in seinem Buch „Kulturrevolution?“ (1991) darauf hin, dass alles heutige Gerede von „konservativer Revolution“ in der Action Francaise und damit in Maurras seine Bezugspunkte hat (S.28).

Maurras hatte ein Ziel: Die republikanische, die demokratische und linke Kultur zu bekämpfen und zu zerstören, dies gehörte förmlich zur „Kultur“ jener beträchtlichen Kreise, die die Französische Revolution pauschal als Katastrophe bewerteten. Maurras gehörte wie Edouard Drumont zu den Wortführern des militanten Antisemitismus seit der Affäre Dreyfus. Der massive Einfluss der Action Francaise und damit von Maurras bis heute verdankt sich nicht der direkten politischen Aktion, man arbeitete vielmehr im entscheidenden „Vorfeld“ der ideologischen Bildung und geistigen Verführung und Verblendung. Die Ideologie von Maurras ist ein Plädoyer für die wesentliche Ungleichheit der Menschen, für das Führerprinzip, für den Antisemitismus, für die Gewalt bei innenpolitischen Konflikten….Zum besonderen Profil von Maurras: Er nannte sich Atheist, aber katholisch. Damit wollte er sagen: Der christliche Glaube interessierte ihn nicht (da ist ja auch von Brüderlichkeit die Rede), sondern nur die katholische Kirche als möglichst machtvolle Institution, sie hat für die antidemokratische Ordnung zu sorgen. (Siehe ein treffendes Zitat von Jean-Claude Guillebaud am Ende dieses Beitrags)

Unter dem Kollaborateur und Nazi-Freund Marschall Pétain kam Maurras zu großen Ehren: Pétain stand Maurras sehr nahe und Maurras predigte „die blindeste Ergebenheit“ gegenüber dem nazifreundlichen Pétain. (vgl. Kowalsky, S. 33). Im November 1944 wurde Maurras verhaftet; er wurde verurteilt, und, wie in solchen Fällen beinahe üblich, vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen, im März 1952. Kurz danach starb er…

In katholischen Kreisen ist Maurras und seine Action Francaise bis heute präsent: Erzbischof Marcel Lefèbvre war mit der Action Francaise verbunden und seine traditionalistischen Pius – Brüder sind gewiss keine Maurras Verächter. Denn entschiedene Vertreter der modernen Demokratie und der Menschenrechte sind sie bekanntermaßen nicht. Traditionalistische Klöster, die sich wieder formal mit dem Papst versöhnt haben, wie das Benediktinerkloster Le Barroux, erwähnen Charles Maurras voller Hochachtung noch heute wie einen großen vorbildlichen Denker. Der Abt von Le Barroux gedachte kürzlich, bei einer Trauerfeier für den Front National Anhänger und Freund dieses Klosters Jean Madiran, auch des alten „Meisters“ Charles Maurras in einer Predigt. http://www.nd-chretiente.com/dotclear/public/documents/2013_Documents/2013.08.08_Jean_Madiran_obseques_Dom_Louis-Marie.pdf

Dabei muss daran erinnert werden, dass Papst Pius XI. die katholischen Mitglieder der Action Francaise exkommunizierte. So viel Antisemitismus war dem Papst dann doch zu viel. In langwierigen Versöhnungsversuchen zwischen Rom und der Action Francaise zeigte sich dann Papst Pius XII. großzügig: Angesichts des Kommunismus wollte er einen starken, geschlossenen Katholizismus, eben wieder auch mit Maurras und den Seinen. Maurras hingegen entwickelte sich dann, wie nicht anders zu erwarten, zur stärksten Stütze des Anti – Demokraten Marschall Pétain… Es ist diese übliche Blindheit, wenn nicht das Wohlwollen der katholischen Kirchenführung für rechtsextreme Ideologen, die wieder auch im Falle von Maurra auffällt. Man muss als Reaktionär nur „antikommunistisch“ sein, um die Gunst der römischen Kirche zu gewinnen, die ganze Tragik und der Niedergang der lateinamerikanischen Befreiungstheologie (Leonardo Boff etc.) ist nur so zu verstehen.

Nebenbei: Es verdient weitere Untersuchungen, wie die angeblich so streng weltfernen Karmelitinnen im Kloster von Lisieux darum kämpften, dass sich Maurras und die Action Francaise mit dem Papst aussöhnten. Solche Begeisterung für die Versöhnung verdeckte sicher auch gewisse Sympathien der streng im Kloster lebenden Nonnen für Mauras und Co. In dem Karmelitinnen Kloster in Lisieux lebte bekanntlich die hoch gelobte Mystikerin Theresia von Lisieux (1873 – 1897, heilig gesprochen 1925). Ihre leibliche Schwester und dortige Nonne unter dem Namen Mère Agnès setzte sich für Maurras ein…Die Action Francaise hatte ihre Ideologie weit im Katholizismus verbreitet, bis ins Priesterseminar der Franzosen in Rom, mit dem „einschlägigen“ Spiritanerpater Le Floch. (Vgl. https://www.cairn.info/revue-histoire-monde-et-cultures-religieuses1-2009-2-page-33.htm). Marcel Lefèbvre, der spätere Traditionalistenführer empfing dort als Mitglied im Spiritanerorden seine theologische ideologische Ausbildung.

Der Schriftsteller Jean-Claude Guillebaud schreibt: „En réalité, on voit réapparaître au cœur de l’extrême droite française un courant de pensée qu’il faut bien qualifier de catholicisme athée. L’expression se réfère à une formule de Charles Maurras, fondateur de l’Action française : « Je suis athée, mais catholique. » Maurras voulait dire par là que le message évangélique ne l’intéressait pas, mais qu’il voyait dans l’Église une institution garante de l’ordre social“. Quelle:  Jean-Claude Guillebaud: http://www.lavie.fr/debats/bloc-notes/qui-sont-les-catholiques-athees-16-08-2016-75561_442.php

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Das Wort ergreifen. Aber das Wichtige aktuell und gegenwärtig sagen!

Erinnerung an Michel de Certeau, geboren am 17. Mai 1925

Michel de Certeau (17.5.1925 bis 9.1.1986) war ein französischer Jesuit, und dabei vor allem aber ein selbständiger, vielseitig hoch begabter Intellektueller, ein Soziologe, Philosoph, Historiker… Solche katholischen Intellektuellen gibt es heute nicht mehr. Der europäische Katholizismus ist heute bekanntermaßen intellektuell eher verödet, wenn man an Gestalten wie de Certeau vergleichsweise denkt. Für intellektuelle Lebendigkeit fehlt heute die Freiheit, die Ermunterung, selbstständig und ungeschützt zu denken und Störendes zu sagen im Katholizismus. In Deutschland etwa bestimmen Gestalten wie Manfred Lütz und Martin Mosebach die angeblich intellektuelle katholische Szene. Wer kennt noch einen öffentlich auftretenden, mutigen katholischen deutschen Theologen oder gar einen französischen? Hans Küng wurde gerade 90…. Was für eine Armut sonst…

Pater Michel de Certeau SJ war nicht konform, nicht ängstlich vor Autoritäten. Nur so konnte sein bis heute aktuelles Werk entstehen.

Daran wird in Deutschland auch heute eher nur marginal erinnert. Ulrich Engel hat einige Seiten seiner Studie „Politische Theologie nach der Postmoderne“ dem französischen Jesuiten gewidmet. Interessant ist, dass der Jesuit Papst Franziskus offenbar de Certeau kennt und schätzt.

Nun ist es Zeit, in diesen Erinnerungs“wogen“ an den Mai 68 auch in diesem Zusammenhang an Michel de Certeau zu erinnern. Man kann in der ausgezeichneten, leider in Deutschland fast ganz ignorierten Studie „à la Gauche du christ“ (Seuil, Paris, 2012) lesen, dass de Certeau die Ereignisse des Mai 68 unmittelbar im Geschehen, mitten im Ereignis, deutete: Aber er war – anders als der sehr revolutionär gesinnte Dominikaner Jean Cardonnel damals – „gegen den politischen Gebrauch der Theologie“ (S. 320). Certeau war nüchterner: Er sah analytisch in den Ereignissen Mai 68 das Entstehen einer neuen Kultur und das Abschiednehmen von der alten Sprache und ihrer abgenutzten Formeln und Floskeln.

Certeau sieht in der Sprache der Mystik die einzige Rettung für die vielen Christen, die seit dem außerhalb der Kirche leben. Was den Mai 68 betrifft: „ Certeau erkennt in der Erhebung (Mai 68) den Ausdruck von Erfahrungen, die bis dahin verborgen waren, d.h. unbewusst waren, aufgrund einer Sprache, die diesen Erfahrungen keine Geltung bot“ (S. 321) „Nichts kann nach dem Mai 68 so sein wie vorher“ (322). Diese Prognose mag übertrieben sein, angesichts der theologischen Eiszeiten, die durch die Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI. betrieben wurden. Aber das Paradoxe aus heutiger Sicht ist: Certeau konnte seine Aufsätze damals, alles andere als bequem in einem traditionell katholischen Milieu, doch in Pariser Jesuitenzeitschriften veröffentlichen, in den „Etudes“ etwa.

Empfehlenswert in unserem Zusammenhang sind die beiden Taschenbücher von Michel de Certeau: „La faiblesse de croire“ (Essais, ed. du Seuil) mit einem wichtigen Vorwort der Certeau Kennerin Luce Girard und:  „La Prise de parole“, (Essais, ed.du seuil, Paris). Beide Bücher kosten jeweils weniger als 10 Euro.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

 

 

 

 

Woher kommt das Neue?

Das Februar Heft des Philosophie Magazins

Ein Hinweis von Christian Modehn

In einer Zeit politischer Stagnation in Deutschland, also der Abwehr, qualitativ Neues als das Bessere, d.h. das Gerechtere politisch zu gestalten, ist die Reflexion auf das Neue in unserem Leben vielleicht ein Impuls, mindestens weiterzudenken… Wir leben bekanntlich in einer Epoche des Stillstands und des Verdrängens von Neuem, sozial Besseren,  in der das politische Dogma von Frau Merkel „Ich kann nicht erkennen, was wir jetzt anders machen müssten“ offenbar ungebrochen durchgesetzt werden soll.

Das „Philosophie Magazin“, dieses alle zwei Monate erscheinende, 100 Seiten starke Heft, hat seit Jahresbeginn eine neue Chefredakteurin, Svenja Flaßpöhler. Da lag es nahe, einmal nach Ansätzen für eine Philosophie des Neuen zu fragen. Diesem Thema sind etliche Beiträge gewidmet.

Ich hätte mir gewünscht, anstelle des uns ohnehin ständig in allen Medien begleitenden Interviews mit Reinhold Messner sehr viel mehr zu lesen von dem jungen Philosophen Christian Neuhäuser zu seinem uns bedrängenden Thema „Sich gegen Armut einzusetzen, ist eine Bürgerpflicht“. Richtig, es ist aber auch eine Staatspflicht, falls die herrschenden Parteien mit einem C und einem S (=sozial) im Titel es ernst meinen in ihrer Verantwortung für alle Menschen, die sich in unserem Land aufhalten.

Sehr schön, dass auch einmal ein Philosoph eingeladen wurde,  eine Reportage zu schreiben: Hartmut Rosa (Jena) berichtet ausführlich von seiner Studienfahrt nach China, ein gelungener und schön geschriebener Essay, der die natürlich immer nur partiell wahrnehmbaren kommunistisch – kapitalistischen Realitäten in China heute spiegelt. Ich würde mir solche Reportagen von Philosophen regelmäßig wünschen: Warum nicht auch als Stadt – bzw. Städte-Erkundung, es muss ja nicht immer die Distanz des Flaneurs vorherrschen.

Zum Hauptthema. Sehr inspirierend die Gegenüberstellung kontroverser Meinungen etwa zu den Fragen „Gibt es überhaupt etwas Neues?“ oder „Ist das Neue immer das Gute?“. Bekannt ist sicher ist die Meinung von David Edgerton, dass etliche aktuelle technische Innovationen schon zu Beginn des 20. Jahrhundert gedacht und z. T. entwickelt wurden. Edgerton beklagt zurecht, dass die Welt des Neuen heute fast immer neue technische Welt heißt und dadurch zu „eindimensionalen Vorstellungen von der Zukunft“ führt. Dass der Zufall eine große Rolle in der Naturwissenschaft spielt, wenn sie nach Neuem sucht, betont Hans Jörg Rheinberger. Naturwissenschaftler wollen Bedingungen schaffen, dass „der Zufall wirksam werden kann“. Die Liebe, wenn nicht die Sucht nach Neuem fördert die Mode – Industrie, ob nun für arme Massen gemacht oder als Einzelstück für Menschen mit exklusiven Ansprüchen. In der Mode, auch dieses Thema wird im Heft angesprochen, ist wohl die „Neophilie“, von der Sloterdijk spricht, also die (krankhafte ?) Liebe zu allem Neuen entscheidend. Im Interview mit dem Philosophen Markus Gabriel betont der Unternehmer Frank Thelen, der besonders in junge Technologie – Unternehmen investiert: Angesichts der nicht mehr zu stoppenden Entwicklung immer neuer, hochintelligenter Roboter werden sehr bald äußerst viele Menschen arbeitslos werden: „Das bedeutet, dass wir in den nächsten 10 Jahren krasse ethische Entscheidungen zu treffen haben“. Was er mit „krass“ meint, wird im Interview versäumt durch Nachfrage zu erläutern. Thelen fährt dann fort: „ Das bedeutet aber auch, dass wir uns als Menschheit neu erfinden müssen. Dazu benötigen wir zum Beispiel ein bedingungsloses Grundeinkommen“ (Seite 62). Die neue lange Freizeit, in die dann wohl bald die bisher Tätigen gestürzt werden, zu gestalten, wäre auch ein philosophisch – praktisches Thema für angehende Philosophen etwa, die dann in Gesprächskreisen zu sinnvollen Diskussionen mit den von Robotern Freigesetzen einladen. Ob dabei Roboter den Wein und das Wasser in diesen Runden servieren, wird man sehen.

Merkwürdig abrupt und in sich stehend, d.h. nicht weiter befragt, ist das höchst verstörende Bekenntnis des Unternehmers Frank Thelen „Die Diktatur ist viel besser als Demokratie“ (S. 63, Spalte 3). Was soll dieser wahnwitzige Satz, ist meine kommentierende Frage, selbst wenn Thelen diesen Satz dann kurz erläutert, dass in China, (einer Diktatur, CM), „alles ganz schnell geht, weil man das einfach durchsetzen kann“, so Thelen. Kommt es also vor allem darauf an, „alles (also wohl auch alles ökonomisch viel Profit Bringende) schnell durchzusetzen“? Zum Schluss dieses Statements mildert Thelen sein Bekenntnis etwas ab, in dem utopischen Wunsch, dass es doch gute Diktatoren geben sollte. Ist das alles vielleicht nur Ironie? Der Textlage entsprechend sicher nicht! Der Philosoph Markus Gabriel (Bonn) hält ultra-kurz, aber treffend dagegen: „Einen benevolenten Diktator gibt es nicht“. An dem Punkt ist es wieder bedauerlich, dass nicht weiter nachgefragt wurde. Jedenfalls ist es für mich ein ziemliches Problem, von einem offenbar erfolgreichen Unternehmer zu lesen „Die Diktatur ist viel besser als die Demokratie“, um neue Technologien durchzusetzen.

Dass mich persönlich die Art und der Inhalt stören, wie einige Philosophen und Psychologen –auch in den Heften von Philosophie Magazin – mit der Gottesfrage umgehen, gehört zur philosophischen Debatte, selbstverständlich. Da wird doch nun im vorliegenden Heft im Ernst gefragt, ob sich der Psychologe Steven Pinker „im Alter von 13 Jahren zum Atheismus konvertiert habe?“ (Seite 69). Kann man sich im Alter von 13 Jahren bewusst und reflektiert, das ist ja wohl Konversion, für den Atheismus entscheiden?  Und Herr Pinker antwortet schlicht und ergreifend nur: „Ja“. Danach erläutert er noch die Religion als eine „biologische Notwendigkeit“, eine Behauptung, die auch einfach so stehenbleibt… Die Spuren des Göttlichen, Gottes, der Transzendenz, in unserer nun einmal postsäkularen Gesellschaft zu suchen, in den heutigen Philosophien, aber auch in der heutigen Kunst, Musik, Poesie, in der politischen Aktion usw. wäre ein Thema für viele Hefte des Philosophie Magazin. Denn bekanntlich lebt Philosophieren als lebendiger Vollzug von Philosophie nicht nur dort, wo Philosophie draufsteht. Dieses Thema nun mit einer neuen Chefredakteurin aufzugreifen, wäre etwas Neues für das Philosophie – Magazin.

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Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin!

„Babylon Berlin“: Der Film, die „goldenen Zwanziger“ und die Theologie

Hinweise anlässlich der TV Serie von Tom Tykwer

Von Christian Modehn am 4.10.2017

„Verlockungen und Abgründe“: Das also hat Berlin zu bieten, nicht zuletzt in der Sicht der Künstler, Autoren, Filmemacher. Und dieses Berlin der „Zwanziger Jahre“ steht ab 13. Oktober 2017 wieder einmal ganz groß im Mittelpunkt begieriger Aufmerksamkeit: „Babylon Berlin“ heißt der fast schon erwartbare Titel der Fernsehserie unter der Regie von Tom Tykwer. Die schon jetzt hoch gelobte Serie wird zuerst auf SKY, leider erst ein Jahr später dann in der ARD gezeigt. Aber muss wirklich immer wieder „Babylon“ herhalten, um Haltlosigkeit und moralischen Verfall in Berlin zu signalisieren? Folgt man immer noch der seit Alfred Döblins Roman „Berlin Alexanderplatz“ verbreiteten Vorstellung von Berlin als „Moloch“? Unter diesem Symbol fanden sich eher die Benachteiligten und Armgemachten wieder.

„Verlockungen und Abgründe“ gab es zweifellos in den explosiven Nachkriegsjahren, den „Zwanzigern“. Wer diese Jahre als „golden“ (vielleicht sogar als goldig) erlebte, befand sich auf der Seite der „wenigen Glücklichen“ und hatte damit die Macht der Definitionen. Und dies ist wohl heute genauso! Im Überangebot an Lust, Exzessen und Ausschweifungen ist Berlin wahrscheinlich unschlagbar. Dieses Überangebot an Zerstreuung, Unterhaltung und „Kulturindustrie“ (Adorno) zieht bekanntlich nicht nur Künstler, Lebenskünstler, Leute der Start-ups, Studenten hierher, sondern vor allem Touristen: Sie alle „lieben“ (so sagen sie es ständig) die ziemlich absolute individuelle Freiheit in dieser „bunten und schrillen Metropole“ (um noch einmal abgenutzte Klischees zu verwenden). Man lobt die vergleichsweise immer noch erschwinglichen Mieten und die eher geringen Kosten fürs alltägliche Leben. Die Armen in Berlin heute, immerhin ein Drittel der Bevölkerung, also etwa die Hartz IV Empfänger und die Obdachlosen, sehen allerdings NICHT so viel Erschwingliches in dieser Hauptstadt der Verlockungen. Sie leben eher am Rande der Abgründe. Bei dieser zunehmenden Spaltung von Reichen und Armen in ein und derselben Stadt sind wir schon wieder beim Thema „Babylon Berlin“. Da gibt es Straßen in Berlin, da wohnen die Reichen und die Bürgerlichen auf der einen Seite, und ein paar Schritte weiter die Ausgegrenzten: Man denke an „Kreuzkölln“ oder Schöneberg Nord…Verhältnisse, die einst Städteforscher für den Norden von Manhattan beschrieben und beklagten.

Für unseren Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon ist es eine Pflicht, angesichts dieses zweifelsfrei kulturellen TV Ereignisses auf das Berlin der Zwanziger Jahre zu schauen. Natürlich in der uns interessierenden Hinsicht und Rücksicht auf Religionen, Theologien und Philosophien. Auch in dieser Zuspitzung ist dies noch ein sehr weites Feld, das eigentlich nur ein Team von Religions-, Philosophie-, Kirchen- und Literaturhistorikern bearbeiten könnte. Spezielle ausführliche Studien zu diesem eng umgrenzten Thema „Religionen und Theologien im Berlin der Zwanziger Jahre“ sind mir leider bis jetzt nicht bekannt. Vielleicht ist die TV Serie ein Impuls, sich darum zu kümmern.

Ich möchte nur einige Linien und Perspektiven zeigen und vor allem auch einige Fragen stellen in der uns interessierenden Hinsicht .

Zuerst könnte man fragen: Was sagten und wie lebten Theologen, also vor allem Theologieprofessoren, im Berlin der Zwanziger Jahre? An der Universität Unter den Linden gab es ja eine Evangelisch – theologische Fakultät, einst lehrten hier berühmte Leute, wie Schleiermacher und dann Adolf von Harnack. Aber in den Zwanziger Jahren bis 1933 etwa? Wer kennt da als gebildeter Zeitgenosse einen Namen unter den etablierten protestantischen Theologieprofessoren in diesem Berlin von damals? Während die Schriftsteller und Dichter, die Künstler und Musiker in diesen Jahren Berlin zu einem Zentrum kreativer, neuer Kultur machten, lebten evangelische Theologen eher am Rande dieser Welt. Es waren vor allem Schriftsteller und Journalisten, die mit dem Judentum auf irgendeine Weise verbunden waren, die das Leben des Geistes in Berlin prägten, etwa schon in den großen Tageszeitungen damals. Sie waren es, die für die geistige Bewegtheit dieser Jahre sorgten: Dass die Nazis schlechthin „die“ Juden töten wollten, damit auch die jüdischen Intellektuellen, ist eines der größten Verbrechen des 20. Jahrhunderts und der geistige Selbstmord der sich evangelisch, katholisch oder „deutsch-christlich“ nennenden Deutschen.

Unter den nach wie vor bemerkenswerten und aktuellen evangelischen Theologen ragt der junge Paul Tillich hervor. Von 1919 bis 1924 lehrte er als Privatdozent an der Theologischen Fakultät. Eigentlich eine kurze Zeit, aber in diesen Berliner Jahren publizierte Tillich seine bleibend belebenden, provozierenden Gedanken. Etwa zum Atheismus meinte er, seiner Deutung des Menschseins entsprechend: Selbst das Nein zu Gott kann den Menschen nicht von Gott trennen. Denn zurecht abgelehnt wird von Atheisten der Gott, der wie ein besonderes herausragendes Objekt unter anderen verstanden wird. Diesen „endlichen“ Gott (also Götzen) gilt es zu töten zugunsten eines „Gott über Gott“. „Wer Gott mit unbedingter Leidenschaft leugnet, bejaht (den göttlichen) Gott, weil er etwas Unbedingtes bekundet“ (zit. in Werner Schüssler und Erdmann Sturm in ihrer Studie „Paul Tillich“, Darmstadt 2007, S. 46).

Diese Einsichten diskutierte Tillich übrigens schon sehr früh in einem philosophischen Salon, den er damals sehr mutig in Berlin – Moabit, im Bereich der Erlöserkirche, gründete. Wo sind heute theologische Salons in Berlin Moabit, Wedding oder Kreuzberg, möchte man fragen… In der Erlöser Gemeinde war Tillich von 1911 bis 1913 als „Hilfsprediger“ tätig.

Bedeutend ist seine frühe theologische Leistung schon in Berlin, eine Kulturtheologie zu entwickeln: In den Erscheinungen der Kultur gilt es, „die konkreten religiösen Erlebnisse zur Darstellung zu bringen“ (S. 57). Dabei ist für Tillich leitend: „Religion ist die Substanz der Kultur, und Kultur ist die Form der Religion“ (S. 58). Dies sind unerhörte Perspektiven im Berlin der Zwanziger Jahre: Wie wurden diese Erkenntnisse der Kulturtheologie konkret aufgewiesen im Gespräch mit Literaten, Künstler, Malern, auch mit der Welt der „Lebenlust“? Denn an der Lust (an und in) der Stadt Berlin nahm Tillich leibhaftig teil: Er war kein distanzierter Beobachter im Berlin der zwanziger Jahre: Als junger Mann war er Mitglied der „Bohème“, wie Tillich selbst sagte. Er hatte eine „elementare Daseinsfreude und einen Hunger nach Vergnügungen“, so die Tillich Spezialisten Werner Schüssler und Erdmann Sturm in ihrer Studie „Paul Tillich“, Darmstadt 2007, Seite 10. „Er traf sich mit Freunden und Freundinnen in Cafés und Bars, besuchte Bälle und Kostümfeste und geriet in erotische Abenteuer. Er liebte das Unerreichbare und Unkonventionelle…“ (ebd.). Gerhard Wehr schreibt in seiner Tillich – Monographie (Rowohlt, 1979, S. 67): „Doch wenn es ans Tanzen ging, war Tillich in seinem Element. Er wirkte wie elektrisiert. Er tanzte aus Freude an der Bewegung…“.

Ein bewegter, leidenschaftlicher Theologe, der am Leben der Stadt teilnahm: Eine lebenspraktische Konstellation, um neue bewegte theologische Themen zu formulieren. Aber Tillich blieb wohl in dieser nicht verheimlichten, sondern zugegebenen Lebensfreude eine Ausnahmegestalt. Obendrein war er noch eng mit der sozialistischen (USPD) Partei verbunden, Christentum und Sozialismus zu versöhnen, war ein weiteres Thema Tillichs…

Über Dietrich Bonhoeffer in Berlin zu Beginn der Dreißiger Jahre als Assistent an der Theologischen Fakultät der Universität wäre zu sprechen. Man darf auch nicht vergessen: In den eher proletarischen Milieus spielte die explizit kämpferisch – atheistische Freidenker Bewegung eine große Rolle: Aber mit denen sprach kein Theologe! Die Jugendweihen erfreuten sich großer Beliebtheit; es gab Freireligiöse Gemeinden, es wurde die Feuerbestattung propagiert: Dagegen wandten sich alle Theologen und Bischöfe aufs heftigste. Um 1965 wurde dann auch für Katholiken die Feuerbestattung offiziell erlaubt. Leute, die als junge Katholiken gegen die Feuerbestattung kämpften, mussten sich plötzlich sehr umstellen, als diese vom Vatikan erlaubt wurde!

Katholische Theologen (Theologieprofessoren) gab es bekanntlich nicht in Berlin, einmal abgesehen von dem Priester Romano Guardini, der aber als einsamer „Religionsphilosoph“ an einer protestantisch beherrschten Universität (der heutigen Humboldt – Universität) tatsächlich viel – beachtete Vorlesungen hielt. Guardini lag zwar treu auf der Linie des römischen, vatikanischen Katholizismus, er versuchte aber, in seinen Vorlesungen auch mal neue Themen zu bearbeiten, wie etwa die Gestalt des Buddha.

1923 wurde er an den neu errichteten „Lehrstuhl für Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie und katholische Weltanschauung an der preußisch-protestantischen Universität Berlin“ berufen. Rechtlich machte die Anwesenheit eines Katholiken Schwierigkeiten, so gehörte Guardini offiziell noch der katholisch – theologischen Fakultät der Universität Breslau an. Ökumene war damals auch bei protestantischen Theologen ein Fremdwort, nicht nur in Berlin.

Guardini blieb bis Mitte der vierziger Jahre in Berlin, erst im März 1939 wurde er „zwangsemeritiert“, vorher also war er für die Nazis offenbar nicht so gefährlich? Noch unter den Nazi-Herrschaft veröffentlichte er 1937 seine umfangreiche Meditation über Jesus Christus unter dem Titel „Der Herr“, vielleicht im Titel ein ganz kleiner, stiller Protest gegen „Den Führer“? Zuvor hatte er in Berlin noch ein Buch über Blaise Pascal veröffentlicht, jenen Mystiker (und Mathematiker), der am Ende seines Lebens leidenschaftlicher Anhänger einer der strengsten augustinischen Gnadenlehren, der Jansenisten, wurde: Was hatte Pascal im Berlin der zwanziger und dreißiger Jahre für eine Relevanz? Sind seine Vorlesungen noch zu greifen? Wie viele Agnostiker und Atheisten waren unter seinen Hörern, wie so oft in kirchlichen Kreisen heute behauptet wird? Auch seine umfangreichen Meditationen über Christus „Der Herr“ sind merkwürdig befremdlich, die historisch kritische Exegese, die damals bei protestantischen Theologen oft .selbstverständlich war, fehlt völlig. Theologie als Wissenschaft ist das Buch „Der Herr“ jedenfalls nicht. Es ist schon komisch, dass dieser einzige, aber doch eher konservative Theologe und Philosoph Romano Guardini heute im katholischen Berlin so viel Ansehen genießt: Wahrscheinlich liegt das daran: Das theologisch so arme katholische Berlin hat sonst keinen anderen berühmten Namen zu bieten. Man hat die geistige Öde des „katholischen Berlin“ immer mit der „Diaspora – Situation“ zu begründen versucht. Die Minderheit sollte nicht kritisch gebildet werden! Offenbar halten nur dumme Gläubige in der feindlichen Umwelt zu den Dogmen? Heute ist es der Personalmangel an Pfarrern, die ja eigentlich Theologen sein sollten, der die kleiner werden Gemeinden kaputt macht.

Eine ganz ungewöhnliche Rolle spielte in den zwanziger Jahren der katholische Priester Dr. Carl Sonnenschein: Er war aus Düsseldorf 1919 nach Berlin gekommen, um hier außerhalb jeder Gemeinde- Bindung seinen eigenen Stil von „Großstadt – Seelsorge“, wie er sagte, aufzubauen: Unmöglich in knapper Form sein vielschichtiges Werk zu würdigen: Sicher, er war ein Einzelgänger, manchmal autoritär, oft sehr konfessionalistisch am Wohlergehen der katholischen Kirche interessiert: Aber seine soziale Hilfe für die einzelnen, unabhängig von jeglicher Ideologie, ist unbestritten. Kurt Tucholsky lobte ihn! Sein Begräbnis 1929 war eines der größten in Berlin überhaupt mit mehr als 30.000 TeilnehmerInnen aller ideologischen Couleur.

Sonnenschein gründete angesichts der grausamen Wohnungsnot ein eigenes Wohnungsbauprogramm; er kümmerte sich um die kulturelle Förderung der intellektuell sehr vernachlässigten und unterforderten Berliner Katholiken; er schuf eine große Lesehalle an der Friedrichstraße, also eine große öffentliche Bibliothek mit dem Schwerpunkt Theologie und Religionen: Bis heute gibt es in Berlin keine große öffentliche und international gestaltete, selbstverständlich dann aber ökumenische theologische Bibliothek. Ich habe dies schon oft eine Schande genannt, angesichts der Unsummen, die den Kirchen heute auch in Berlin zur Verfügung stehen. Eine „multikultirelle Metropole Berlin“ ohne eine „multireligiöse Spezialbibliothek“ großzügigerweise und uneigennützig finanziert von den Kirchen? Das ist nur ein Traum hier in Berlin.

Sonnenschein war unermüdlich tätig, auch kirchenkritische Worte waren seine Sache: Unvergessen sein immer wieder zitiertes und treffendes Urteil über den Berliner Katholizismus der Zwanziger Jahre „Der Katholizismus in Berlin ist verdammt kleinstädtisch“. Schade eigentlich, dass bis heute kein großer Regisseur über diesen ungewöhnlichen Dr. Sonnenschein einen Film gedreht hat…

Wo also waren die Christen und Theologen in den goldenen Zwanzigern in Berlin? Sie lebten – angeblich – behütet in ihrem eigenen Getto. Man denke daran, dass sich für überzeugte Katholiken – und das waren damals nicht wenige – in den zwanziger Jahren eigentlich der ganze Alltag und die ganze Freizeit in der Pfarrgemeinde abspielte! Dazu habe ich zahllose Zeugnisse aus der eigenen nahen Verwandtschaft gehört, etwa am Beispiel der Gemeinde St. Sebastian in Gesundbrunnen. Es waren kirchliche Parallelwelten zur großen Kulturen der zwanziger Jahre. Und wenn es dann dort in all den Clubs und Tanzlokalen usw. sehr freizügig zuging, dann waren klerikale Moral-Standpauken sofort zu vernehmen. Dass noch niemand eine Mentalitätsgeschichte der katholischen (und in geringerem Umfang wohl auch evangelischen) Gemeindegettos damals (und heute!) geschrieben hat, ist ein Mangel!

Paul Tillich bewegte sich in dieser großen und schillernden Welt der zwanziger Jahre. Kann man sich vorstellen, dass auch Romano Guardini im Berlin der Zwanziger Jahre manchmal tanzen ging? Dass er die Berliner Cafés der Literaten betrat?  Inkulturation (also lebendiger Austausch von Glaube und Kultur) ist ein Stichwort der heutigen Theologie, und es wird oft nur auf Afrika und Asien bezogen. Verwurzelung des religiösen, des christlichen Glaubens in der vielfältigen Kultur im Berlin der Zwanziger Jahre – hat es dies gegeben? Ich wage begründet zu sagen: Von Ausnahmen abgesehen, sicher nicht. Getto war der oberste (UN)wert damals…

Man darf gespannt sein, wie in der TV Serie „Babylon-Berlin“ Religionen und Kirchen „vorkommen“.

Wahrscheinlich wären Philosophen heute am ehesten in der Lage, etwa vom Standpunkt einer epikuräischen Philosophie aus, nach der permanenten Suche nach Luststeigerung im heutigen Berlin zu fragen. Und Soziologen werden feststellen, dass in Berlin mehr Menschen an Wochenenden sich in Clubs vielfältigster Orientierung aufhalten und in den Kinos und Theater- und Opernhäuser als in Kirchen zum Gottesdienst. Gilt also doch „Babylon (ist) Berlin“? Vielleicht nicht, wenn man sich den Perspektiven des jungen Theologen Paul Tillich anschließt.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.

Der Glaube kommt vom Hören. Oder von der goldenen Gottesmutter? Beobachtungen in Spanien.

Philosophisch – theologische Eindrücke in Spaniens Kirchenwelt heute

Hinweise von Christian Modehn

Wer einige Barockkirchen in Spanien besucht und besichtigt, wird von der Fülle der Bilder, des Bunten, des Vergoldeten als Zierde der Heiligen, der Madonnen, der Kreuze und Himmelfahrten und Trinitäten förmlich erschlagen. Weiterlesen ⇘

Philosophie in Lateinamerika: Das umfassende Kompendium liegt vollständig vor.

Dies ist eine kleine Sensation, die in Deutschland endlich Aufmerksamkeit – auch bei den Verlagen – finden sollte: Nach 30 Jahre dauernder Arbeit liegt die 34 Bände umfassende Enzyklopädie zur iberoamerikanischen Philosophie jetzt (Anfang Juli 2017) vollständig vor! Mehr als 500 Autoren haben an diesem umfassenden und von nun an wohl maßgebenden Werk mitgearbeitet. Die Enzyklopädie bietet Darstellungen zu den klassischen philosophischen Disziplinen, aber auch zur Philosophie etwa der Indigenas sowie zur „Philosophie der Philosophie“. Der Philosoph Reyes Mate hat das Projekt von Anfang an inspiriert und betreut. Wir werden auf dieses grundlegende Buch später ausführlicher zurückkommen. Zunächst also nur der Hinweis, dass der Blick europäischer Philosophie sich immer mehr weitet in die Philosophien außerhalb Europas, selbst wenn diese, wie im Falle Lateinamerikas,  europäische Impulse stark in sich bergen. Auf die wichtige und durchaus eigenständige lateinamerikanische Philosophie der Befreiung (inspiriert von Prof. Enrique Dussel, Mexiko) wurde schon früher empfehlend hingewiesen!

Enciclopedia Iberoamericana de Filosofia. Editorial Trotta y Consejo Superior de Inverstigationes Cientificas. 34 Bände, sie kosten zusammen 657,40 Euro.

„Ohne Erbsünde glauben“. 10 Fragen und Antworten anlässlich einer theologischen Diskussion

Ein Hinweis von Christian Modehn,  am 8. Juni 2017.

Aus aktuellem Anlaß noch einmal am 11.11.2024 publiziert: Weil nicht (nur) Strukturreformen heute als dringende Reformen in der katholischen Kirche gelten sollten, sondern vor allem Reformen der nicht mehr vermittelbaren Dogmen. Zum Beispiel das sinnlose Dogma der Erbsünde. CM.

Siehe auch  „Muss der christliche Glaube Angst machen?“ LINK sowie Weiteres zum Thema „Gegen die Erbsünde“:  LINK

1.Frage

Die Lehre von der Erbsünde ist, etwa in der katholischen Kirche, ein Dogma, also eine definierte Glaubenslehre. Kann man sich denn heute von einem Dogma mit dieser umfassenden Lehre befreien?

Ja, kann man und sollte man. Das kann nicht nur der einzelne, aufgeklärt denkende Glaubende, indem er dieses Dogma in dieser Form eben für sich beiseite lässt. Und das tun sehr viele. Die Befreiung von diesem Dogma kann aber prinzipiell auch das katholische Lehramt heute vollziehen. Wenn es denn so viel Vernunft walten lässt und erkennt: Dieses Dogma zur Erbsünde ist nicht Weiterlesen ⇘