Benedikt XVI. – Kritische Hinweise

Hier werden Hinweise zu Radiosendungen und Artikeln geboten sowie Hinweise zu philosophischen Diskussionen.



Poesie und Selbsterkenntnis. Eine Radiosendung von Chr. Modehn SR 2 am 10. Juni um 20.04

25. Mai 2012 | Von | Kategorie: Benedikt XVI. - Kritische Hinweise


Der heilige Geist ist skeptisch: Ein philosophischer Salon zum Pfingstfest

21. April 2012 | Von | Kategorie: Benedikt XVI. - Kritische Hinweise

Der heilige Geist ist skeptisch: Ein philosophischer Salon zum Pfingstfest

Am Freitag, 25. Mai 2012 um 19 Uhr im Café Antikflair in Schöneberg, Grunewaldstr. 10.

Skepsis als Form des ausdauernden Fragen und Zweifens ist – seit der Antike – eine Form philosophischer Lebenshaltung. Sie ist befreiend, weil sie von trügerischen Vorstellungen löst und für einen unverstellten Zugang zur Wirklichkeit sorgt. Sie erschüttert, weil sie aufbauen hilft. Dabei wird der Skeptiker sich niemals auf letzte Festlegungen einlassen. Aber er wird an seinem Zweifel, seiner Skepsis, selber zweifeln, aber was zeigt sich dann? Ein tragender „Boden“, vielleicht der Geist oder … ein Abgrund? Ein philosophisches Gespräch zum Pfingstfest, an dem der Menschheit der „heilige Geist“ gegeben wurde. Von wem?  Wozu? Stört er die Skepsis oder ergänzt er sie? Wie zeigt sich der heilige Geist als skeptische Kraft gegenüber den Religionen und Gesellschaftsformen?

Wir bitten um Anmeldung: christian.modehn@berlin.de

Inspirierende Fragen und Perspektiven bietet das Buch von Andreas Urs Sommer, Die Kunst des Zweifelns. Anleitung zum skeptischen Denken. Becksche Reihe. 2007.

Fragen und Themen zur Einstimmung:

„Der heilige Geist ist skeptisch“:

Das Thema ist nicht mit einem Fragezeichen versehen.

Da werden Sie skeptisch?

Kann es sein, dass der heilige Geist skeptisch ist?

Welcher Geist ist denn gemeint?

Mein Geist, dein Geist, unser Geist? Haben wir Geist? Oder hat der Geist uns?

Ist dieser menschliche Geist heilig? Oder ist nur der Geist besonderer (frommer) Herren heilig? Aber haben die denn skeptischen Geist?

Darf man daran zweifeln? Wie weit reichen meine Zweifel?

Was heißt eigentlich skeptisch?

Skopein, heißt das griechische Verb, von dem sich das Wort ableitet. Es heißt um sich schauen, um sich blicken, prüfen.

Offenbar lebt Skepsis vom Blick nach außen. Kann der Blick nach Innen Skepsis befördern? Passiert gerade dann die skeptische Haltung? Denn Skepsis ist doch mehr als dieses und jenes bezweifeln („Kommt der Bus noch?“, das ist noch keine skeptische Haltung!)

Kann ich auf Dauer skeptisch leben?

Gibt es ein Grundvertrauen? Muss ich dem auch skeptisch begegnen?

Stört oder zerstört Skepsis mein Leben? Brauchen wir eine Basis, frei von aller Skepsis?

Was bedeutet skeptisch gegenüber der Skepsis zu sein? Verlieren wir dann die skeptische Kompetenz? Oder geht bei meiner Skepsis gegenüber der Skepsis erst so richtig das skeptische Leben los?

 

…………….Das sind ein paar vielleicht inspirierende Fragen für unseren Salon.

 

 

 



Zum Geburtstag des Papstes: Ein prominenter spanischer Theologe wird verurteilt

15. April 2012 | Von | Kategorie: Benedikt XVI. - Kritische Hinweise, Religionskritik

Zum Geburtstag des Papstes: Ein prominenter spanischer Theologe wird verurteilt

Von Christian Modehn

Pünktlich zum 85. Geburtstag von Papst Benedikt XVI. wird die Öffentlichkeit von der Verurteilung eines großen katholischen Theologen informiert: Wichtige Aussagen von Prof. Andrés Torres Queiruga, einem der bedeutendsten spanischen Theologen, werden gleichermaßen von der römischen Glaubensbehörde wie von der spanischen Bischofskonferenz verurteilt: Prof. Andrés Torres Queiruga (Jahrgang 1940) arbeitete an der Universität von Santiago de Compostela und ist Autor zahlreicher international verbreiteter Bücher sowie Mitglied des Direktionskomitees der führenden katholisch – theologischen Zeitschrift CONCILIUM.

Was werfen ihm Rom und die Bischöfe vor ? Andrés Torres Queiruga „negiert den Realismus der Auferstehung Jesu Christi als ein historisches wunderbares und transzendentes Ereignis. Außerdem leugnet er die Einzigkeit und die Universalität der für das Heil nötigen Vermittlung durch Christus und die Kirche“ (zit. nach der Tagezeitung El Mundo, 31. 3. 2012).

Einmal mehr wird deutlich, wie schwer sich die römische Kirche mit Neuinterpretationen der alten Glaubenslehren tut, wie schwer es Rom fällt, die Kultur der Moderne zu respektieren. Auch aus diesem Grund sind diese Ereignisse ein Thema des Religionsphilosophischen Salons, der ja, wie die Freunde unseres Salons wissen, vor allem philosophisch interessiert ist und theologisch besonders gern die liberale Theologie dokumentiert und fördert, als einer Theologie, die der aufgeklärten Vernunft Raum gibt.

Die Herren der Kirche in Rom sind jedenfalls fixiert auf die griechische Sprach- und Denkwelt der Antike; bezeichnend ist die bekannte äußerste Hochschätzung des Papstes für den Heiligen Augustinus und andere „Kirchenväter“ der Spätantike. Continue reading “Zum Geburtstag des Papstes: Ein prominenter spanischer Theologe wird verurteilt” »



Die Liebe zum Leben und die Kulte des Todes: Über Erich Fromm. Ein Salonabend

25. März 2012 | Von | Kategorie: Benedikt XVI. - Kritische Hinweise

 

Für Erich Fromm ist der Mensch weder gut noch böse, aber der Weg, den er aufgrund seiner spezifischen Situation geht, dient entweder dem Leben oder seiner Zerstörung. Gut bedeutet in Sinne seiner humanistischen Ethik Bejahung des Lebens und alles, was zur größeren Entfaltung der spezifischen menschlichen Möglichkeiten beiträg (Biophilie). Böse oder schlecht ist alles, was das Leben einschnürt und das Aktivsein des Menschen lähmt ( Nekrophilie).

Der Salon findet im Café Antikflair in Berlin – Schöneberg statt, Grunewaldstr. 10.Um Anmeldung wird gebeten. Beitrag (für die Raummiete): 5 Euro.

 

 



Sexueller Missbrauch seit Jahrzehnten im Vatikan bekannt. Neue Dokumente zur Pädophilie von Marcial Maciel

23. März 2012 | Von | Kategorie: Benedikt XVI. - Kritische Hinweise, Legionäre Christi - Kritische Studien

Sexueller Missbrauch seit Jahrzehnten im Vatikan bekannt. Neue Dokumente zur Pädophilie von Marcial Maciel. Mit einem Kommentar aus Zentralamerika.

Kein Treffen mit Missbrauchsopfern in Mexiko

Von Christian Modehn

Papst Benedikt XVI. weilt in Mexiko – und gleichzeitig erscheint dort am Samstag, 24.März 2012, ein Buch, das die pädophilen Verbrechen von Pater Marcial Maciel, dem Ordensgründer der Legionäre Christi, in einen über alles bisher Bekannte noch weiteren historischen Rahmen stellt. Maciel war Chef des katholischen Ordens der Legionäre Christi und „Vater“ der Laienbewegung „Regnum Christi“, er lebte von 1920 bis 2008. Beide Gemeinschaften haben heute ca. 60.000 Mitglieder weltweit, vor allem in Schulen und Hochschulen (sowie in Priesterseminaren, angefangen bei solchen für „Knaben“) sind sie aktiv. Continue reading “Sexueller Missbrauch seit Jahrzehnten im Vatikan bekannt. Neue Dokumente zur Pädophilie von Marcial Maciel” »



Benedikt XVI. in Mexiko: Die offizielle Hymne macht aus ihm eine göttliche Gestalt

16. März 2012 | Von | Kategorie: Befreiung, Benedikt XVI. - Kritische Hinweise

 

Benedikt XVI. ist der Heilbringer – Die offizielle Hymne zum Papstbesuch in Mexiko bewegt sich an der Grenze zur Idolatrie.

Wird die Ökumene gnädig schweigen?

Von Christian Modehn am 16. 3. 2012

„Wenn alles grau und dunkel ist,

Wenn ich den Weg nicht finde

und in meiner Welt nur Einsamkeit ist.

Dann erscheinst du in meinem Leben,

wie ein Leuchtturm, der mich leitet,

erleuchtest du all mein Inneres“.

Ein Loblied auf Jesus Christus, den die ersten Christen in ihren Evangelientexten als Licht und Leben gerühmt haben, als den Erlöser, der aus der Finsternis der Sünde und aus dem Dunkel der Todesverfallenheit ins Licht führt? Ein neuer Christushymnus also? Ganz und gar NICHT. Es handelt sich um die ersten Verse der offiziellen Hymne, die in Mexiko anlässlich des Papstbesuches Benedikt XVI. allerorten gesungen werden wird.

Der Refrain des Liedes heißt:

Du bringst den Wind unter meine Flügel zurück.

Du bist ein Pfad

von Licht und Wahrheit.

Bote des Friedens

Bote der Liebe,

der du meinem Herzen Hoffnung gibst.

Dieses Volk ist dir treu,

Du bringst uns den Glauben zurück,

den wir in unserer Seele tragen.

Wir teilen dein Licht.

(wir folgen der Übersetzung durch http//das hoerendeherz.blogspot.com, gelesen am 16. 3. 2012 um 10 Uhr)

Benedikt XVI. wird als Heilbringer begrüßt, er ist Licht, er bringt den Wind, wie ein Schöpfergott, er gibt ewig währende Hoffnung. Die Grenzen zwischen Christus, dem Erlöser, werden verwischt. Bote des Friedens, Bote der Liebe: Sind das nicht Ehrentitel, die in der klassischen Theologie auf Jesus Christus bezogen sind? Sind nicht alle Lieder zur Weihnacht oder zu Ostern voll von solchen Christus – Bekenntnissen?  Und jetzt wird Benedikt XVI. diese Rolle des göttlichen Heilbringers zugewiesen.

Weiter heißt es in dem offiziellen Papst Lied in Mexiko im März 2012, und da werden göttliche Prädikate Joseph Ratzinger zugeschrieben:

Zusammen mit dir gibt es keine Angst,

keine Traurigkeit, keine Klagen

dein Blick ist voller Hoffnung.

Du kommst um Freude zu säen,

kommst, um jedes Leben zu berühren,

mit deiner Liebe nimmst du jeden Schmerz.

Mit diesem Papst gibt es also keine Traurigkeit, keine Klagen: Was werden die vielen tausend Missbrauchsopfer sagen, die vielen Millionen wiederverheiratet Geschiedenen, die nicht zur Eucharistie zugelassen sind, die vielen tausend verheirateten Priester, die Millionen katholischer Homosexueller, die objektiv als Sünder im Katechismus der römischen Kirche gelten. Was werden die vilen tausend Mitglieder von Basisgemeinden sagen, die Kirche von unten leben und so gern Frauen und Männer aus ihren Reihen zu Priestern weihen lassen möchten? Was werden die vielen gemaßregelten (Befreiungs-)Theologen sagen, denen Joseph Ratzinger als Chef der Glaubensbehörde und jetzt als Papst jegliche Zukunft verstellt?

Mit  diesem Papst also soll es keine Traurigkeit, keine Angst, keine Klagen geben…. Diese Worte kann man ja verwenden… aber sie sollten auf den transzendenten Gott bezogen sein und nicht auf Joseph Ratzinger.

Wie tief muss eine Kirchenführung theologisch gesunken sein, um solche Songs tatsächlich als offizielles Lied zu gestatten? Ist die Theologie völlig verblödet? Sind nur Dilettanten theologisch einflussreich? in Mexiko werden solche Fragen gestellt, wir geben sie gern weiter. Dieser überdrehte Triumphalismus verbirgt nur die innere Schwäche dieses Papst – Katholizismus. Wie schlecht muss es seelisch und politisch einem Volk gehen, das solche Lieder singt und in dem angeblich völlig unpolitischen Benedikt XVI. den Heilbringer sieht?

Werden die vernünftigen Christen in der weiten Ökumene die Sprüche der Idolatrie kritisieren?  Gibt es noch kritischen Mut in der Ökumene? Wir warten ab.

Wir wollen auch berichten, dass ein Leser unseres religionsphilosophischen Salons uns in diesem Zusammenhang die Anfangsverse des SED Liedes „Die Partei, die Partei, die hat immer recht“ von 1950 mitteilte. Der Leser meinte gewisse Verbindungen zum Papstlied in Mexiko zu sehen, was ja genau besehen in gewisser Hinsicht so ganz falsch nicht ist. Darüber kann sich jeder Leser seine eigene Meinung bilden. Wir jedenfalls wollen nicht darauf verzichten, diese ersten Verse des Liedes der Partei sozusagen zum Vergleich mitzuteilen:

Sie hat uns alles gegeben.

Sonne und Wind und sie geizte nie.

Wo sie war, war das Leben.

Was wir sind, sind wir durch sie.

Sie hat uns niemals verlassen.

Fror auch die Welt, uns war warm.

Uns schützt die Mutter der Massen.

Uns trägt ihr mächtiger Arm.

Genauso wichtig ist der Hinweis, dass die Kirche in Mexiko selbst alle inhaltliche Berichterstattung zum Papstbesuch übernommen hat, alles im Sinne des „maximo leader“  Benedikt XVI. Maximo líder ist übrigens der Ehrentitel für Fidel Castro. Zwei oder drei kritische Katholiken in Mexiko  verwenden diesen Titel für Benedikt XVI, was ja so falsch nicht ist angesichts der Hymne.

Wir weisen darauf hin, dass Religionskritik als Kritik faktischer Religionen zum Kernbereich der Philosophie gehört und Teil einer demokratischen Kultur ist, die sich der Aufklärung verpflichtet weiß.

Copyright: Christian Modehn

………………………………………..

Kommentar von Paul Haverkamp:

Wenn es im Hymnen-Text heißt….:

„Wenn alles grau und dunkel ist,

Wenn ich den Weg nicht finde

und in meiner Welt nur Einsamkeit ist.

Dann erscheinst du in meinem Leben,

wie ein Leuchtturm, der mich leitet,

erleuchtest du all mein Inneres“.

.. so kann ich in diesen Worten nur pure Blasphemie eines unheilvollen Papalismus erkennen.

Der Text spiegelt eine zur Vergöttlichung neigende Attitüde des

Klerikerstandes wider, die von Papst Benedikt immer wieder untermauert wird.

In seinem Schreiben an die Priester vom 18. Juni 2009 zum Jahr des Priesters

zitiert Papst Benedikt XVI. zustimmend Johannes Maria Vianney (19. Jh.) , den Pfarrer

von Ars; mit folgenden Worten beschreibt Benedikt mit den Worten des

Pfarrers von Ars die Würde des Priesters: „Oh, wie groß ist der Priester! …

Wenn er sich selbst verstünde, würde er sterben. Gott gehorcht ihm.

Er spricht zwei Sätze aus, und auf sein Wort hin

steigt der Herr vom Himmel herab und schließt sich in eine kleine Hostie ein

…Der Priester ist es, der das Werk der Erlösung auf Erden fortführt…“

 

D.h: Priester gelten in den Augen von Papst Benedikt XVI. als besonders auserwählte

Menschen, durch die andere erst Zugang zu Erlösung und Frieden erhalten.“

Paul Haverkamp, Lingen, am 18.3.2012

 

 

 

 



Kein Gott in Frankreich? Die Krise der Kirche und die Suche nach Neubeginn

4. März 2012 | Von | Kategorie: Benedikt XVI. - Kritische Hinweise

Kein Gott in Frankreich? Die Krise der Kirche und die Suche nach Neubeginn

Eine Radiosendung von Christian Modehn  im Saarländischen Rundfunk, 2. Progr., SR2, am Ostersonntag, 8.4.2012 von 9.04 bis 9.30 Uhr.

Wird Frankreich atheistisch? Dies ist alles andere als eine rhetorische Frage; sie wird seit einigen Wochen diskutiert. Laut neuesten Umfragen bekennen sich 33 % aller Franzosen zum Unglauben, ein fast  gleicher Anteil nennt sich religiös uninteressiert. Nur noch jeder dritte Franzose bekennt sich zum christlichen Glauben. Und die religiöse „Praxis“ (Gottesdienstbesuch) ist noch viel geringer. „Ein tiefer Wandel der religiösen Mentalitäten hat Frankreich erfasst“, meint der Theologe J.P. Jossua, Paris. Werden in Zukunft Kirchen und Kathedralen zu Museen werden? Wie reagieren Pfarrer und Gemeindemitarbeiter? Welche Chancen sehen sie für den Glauben der Kirchen? Kann der Krise auch ein Neubeginn, ein religiöser Frühling, folgen?

 

 



Warum sind Religionen und Kirchen vom (Un-) Geist der Effizienz verdorben?

29. Februar 2012 | Von | Kategorie: Benedikt XVI. - Kritische Hinweise

Wir starten in unserem „Religionsphilosophischen Salon“ eine neue Kategorie, eine neue Rubrik: „Eine Frage: Wer hat eine Antwort?“

Dabei leitet uns das Interesse, offenbar einfache und deswegen oft übersehene Fragen in die Öffentlichkeit zu bringen, immer aus dem Umfeld von Philosophien und Religionen. Es sind die  für selbstverständlich gehaltenen Situationen und Zustände in Religionen, Gesellschaften und Staaten, die das Nachdenken verdienen, auch wenn eine „schnelle Antwort“ schwerfällt. Es sind die unmenschlichen Verhältnisse, an die „man“ sich so schnell gewöhnt und als alternativlos hinnimmt, weil wir in einer Kultur leben, die Alternativlosigkeit als oberstes Glaubensbekenntnis für alle, besonders für die Mächtigen, herausposaunt.

Der erste Beitrag:   Warum sind Religionen und Kirchen vom (Un-) Geist der Effizienz verdorben?

Der Soziologe Professor Wilhelm Heitmeyer (Uni Bielefld) beschäftigt sich mit der Frage, wie der zunehmende Niedergang der Demokratie in Europa zu verstehen ist. Er schreibt in der TAZ vom 27. Februar 2012 auf Seite 15:

„Es gibt eine Ökonomisierung des Sozialen. Richard Sennett, ein us -amerikanischer Soziologe, hat sich damit beschäftigt. Bei dieser Ökonomisierung des Sozialen dringen Kategorien, die aus der Ökonomie kommen, wie Effizienz, Verwertbarkeit und Nützlichkeit, in die sozialen Verhältnisse ein. Und zwar in Institutionen, die überhaupt nicht danach beschaffen sein dürften: in die Familien, in soziale Gruppen, auch in Schulen etc.“

Die Frage ist: Warum hat diese Ideologie der Verwertbarkeit und Nützlichkeit auch die „sozialen Gruppen“, also auch Religionen erfasst, auch die Kirchen, etwa in Europa? Warum wird z.B. immer gefragt, „wie viele“ bei einer religiösen Feier dabei waren? Warum werden Kirchen geschlossen, weil angeblich niemand mehr dort hin kommt? Warum fragt niemand, ob sie sozial, human, als Treffpunkte gebraucht werden? Warum gibt es keine Phantasie, sich dem Nützlichkeitswahn zu widersetzen auch und gerade in Kirchen und Religionen? Sind sie vom Geist der Effizienz vergiftet? Gibt es noch ein Verständnis für die „freie Gabe“, für das  nicht rechnende Denken? Wird dieses Denken ausgelöscht zugunsten eines Machtkalküls, ist dann nicht Wesentliches des (immer wieder amtskirchlich beschworenen)  Evangeliums Jesu von Nazareth verraten?

Wer weiß darauf plausible Antworten?



Der Salon: „Befreiung – pädagogisch, philosophisch. Perspektiven Paulo Freires“

11. Februar 2012 | Von | Kategorie: Benedikt XVI. - Kritische Hinweise

Ein Salon Abend im Café antikflair in Schöneberg, Grunewaldtsr.10, mit dem Philosophen und Coach Hernan Silva-Santisteban-Larco (Berlin), ein Spezialist für die Themen rund um die „Pädagogik der Befreiung“ des brasilianischen Autors, Pädagogen und Philosophen Paulo Freire.

Am Freitag, 23. März 2012, um 19 Uhr.

Teilnahmegebühr: 5 Euro (für die Raummiete).  Bitte um Anmeldung: christian.modehn@berlin. de

Zur Einstimmung empfehlen wir den Beitrag unseres Referenten Hernán Silva – Santisteban Larco: „Paulo Freire, von befreiender Pädagogik zur Pädadgogik der Autonomie“



Jeder soll nach seiner Fasson selig werden: Fragen und Probleme

9. Februar 2012 | Von | Kategorie: Benedikt XVI. - Kritische Hinweise

Fragen zum Religionsphilosophischen Salon am 10.2. 2012

Von Christian Modehn

 „Jeder soll nach seiner Fasson selig werden“ (Friedrich II., genannt der Große)

Diese Maxime Friedrich II. berührt nicht nur das Miteinander unterschiedlicher Menschen unterschiedlicher Religionen und Meinungen, sie ist von daher sehr aktuell. (Sie stellt auch die Frage: Haben wir denn heute überhaupt auch kulturell die Chance, auf je eigene Art auch kulturell „selig“, d.h. zufrieden, zu leben?)

– Welches Bild des Neben/Miteinanders unterschiedlicher Menschen unterschiedlicher Religionen setzt diese Maxime offenbar voraus?

– Wie kann jeder mit dem anderen „selig“ werden, wenn alle ihre (religiöse) Seligkeit auch außerhalb ihrer privaten Sphäre leben? Also etwa ihren „seligen Glauben“ öffentlich ausdrücken ?

– Wie kommt es, dass der religiöse Ausdruck (die Seligkeit) von Minderheiten in weiten Kreisen einer Mehrheit Irritationen erzeugt? – Wie kann der plurale religiöse Ausdruck in Gleichberechtigung erreicht werden? Und zwar universal!

– Gleichberechtigung aller Formen der „Seligkeit“: gilt sie auch für Atheisten?

– Gibt es eine gemeinsame philosophische Basis, eine allgemein humanistische Basis trotz aller kulturellen Differenzen, die VOR allem religiösen Bekenntnis liegt?

– Wie kann diese allgemeine, stets weiter zu entwickelnde philosophische Basis, die wichtiger ist alle Religionen, ausgebaut, verteidigt und international „verbreitet“ werden.

 

 



Jeder soll nach seiner Fasson selig werden. Ein Salonabend

6. Januar 2012 | Von | Kategorie: Benedikt XVI. - Kritische Hinweise

Wir freuen, dass diesmal eine Freund unseres Salons auch ein einleitendes Statement hält mit dem Titel: „Vernunft und Religion aus Sicht eines praktizierenden Muselmanen“. Der Begriff „Muselmane“ ist bezogen auf die damalige Sprachwelt.



Die Weihnachtsgeschichten der frühen Kirche. Radiosendung SR 2.

28. November 2011 | Von | Kategorie: Benedikt XVI. - Kritische Hinweise


Poesie und Selbsterkenntnis – Das „Bittgebet“. Radiosendung HR 2

14. November 2011 | Von | Kategorie: Benedikt XVI. - Kritische Hinweise


Welttag der Philosophie

4. Oktober 2011 | Von | Kategorie: Benedikt XVI. - Kritische Hinweise

18. November, 19 Uhr, ein besonderer Salonabend anläßlich des Welttages der Philosophie. Cafe „Antikflair“ in Schöneberg. Thema: „Geben wir der Vernunft noch eine Chance ?“

An diesem Abend wird die Philosophin Prof. Petra von Morstein bei uns sein, das freut uns besonders. Sie wird ein einleitendes Statement halten: „Und wozu Denken in dürftiger Zeit: Wie kann Vernunft in der gegenwärtigen Welt wirksam werden?“.

Wir bitten um Anmeldung: christian.modehn@berlin.de   Diesmal bitten wir um einen Beitrag von 5 Euro.

Eine Liste der Veranstaltungen zum Welttag der Philosophie in Deutschland siehe:

http://www.unesco.de/tag_der_philosophie_2011.html

 

 

 

 

 



Die Rede des Papstes im Bundestag: Benedikt XVI. folgt einem Traditionalisten

3. Oktober 2011 | Von | Kategorie: Benedikt XVI. - Kritische Hinweise

Die Rede des Papstes im Bundestag:
Benedikt XVI. lässt sich von einem Traditionalisten inspirieren.

In seiner Rede im Deutschen Bundestag (22.9.2011) bezieht sich Papst Benedikt XVI. dreimal (von insgesamt 5 Literaturhinweisen !) auf das Buch des Rechtshistorikers Wolfgang Waldstein “Ins Herz geschrieben. Das Naturrecht als Fundament einer menschlichen Gesellschaft“, St. Ulrich Verlag, Augsburg 2010. Wir haben im Religionsphilosophischen Salon unmittelbar nach der Papstrede am Tag selbst einen kritischen Kommentar publiziert unter dem Thema: „Gegen die Räuberbanden“ sowie gleich danach einen weiteren Hinweis „Papst im Bundestag“. Mit dem Untertitel: „Er beruft sich auf einen Historiker, dessen Bücher auch im Verlag der Piusbrüder verkauft werden“.
Diese beiden Kommentare der
website „religionsphilosophischer-salon. de
haben viel Aufmerksamkeit gefunden, offenbar, weil sie davor warnen, zu schnell die Rede des Papstes unbesehen „toll“ oder gar „orientierend“ zu finden, bloß wegen des Lobes der ökologischen Bewegung und der Grünen. Wir hatten damals schon den Verdacht geäußert, dass allein diese leicht nachvollziehbare Passage der Papstrede hoch gelobt wurde, weil die anderen und weitaus gewichtigeren Passagen zu schwer verständlich seien, „zu philosophisch“, wie es oft in Kommentaren hieß.
Darüber hinaus haben wir in diesen beiden Beiträgen schon gezeigt, in welchen theologischen Kreisen sich der vom Papst mehrfach zitierte Wolfgang Waldstein bewegt, dazu gehören Opus Dei Beziehungen gleichermaßen wie die traditionalistischen Verteidiger der alten lateinischen Messe aus dem 16. Jahrhundert, eine merkwürdige Mischung.
Wer das Buch von Waldstein liest, ist überrascht, dass der Autor in dieser rechtshistorischen Studie ganz offen seine theologischen Interessen und Vorlieben darstellt: Er bezieht sich lobend auf das ultra konservative „Forum deutscher Katholiken“, sozusagen die Gegeninstanz zu den Katholikentagen (S. 71), er findet Unterstützung bei der sehr konservativen Psychologin Christa Meves, (S. 119), weil sie, so wörtlich, gegen die „materialistische Sexualkunde“ kämpft. Er zitiert die sich katholisch nennende sehr konservative Zeitung „Deutsche Tagespost“, selbstverständlich auch den „Osservatore Romano“.
Theologen, die der Meinung Waldsteins nicht entsprechen, nennt er Irrlehrer (S. 27), wie den verdienten deutschen Moraltheologen Prof. Josef Fuchs aus dem Jesuitenorden (S. 27). Wie Waldstein als Rechtshistoriker (!) dazu kommt, Pater Fuchs „Irrlehrer“ zu nennen, bleibt sein Geheimnis, offenbar sind in solchen Äußerungen auch die Motive zu sehen, dass die traditionalistischen Piusbrüder dieses Buch in ihrem Verlagshaus verkaufen. Die Piusbrüder, daran gibt es keinen Zweifel, verkaufen ausschließlich Bücher, die der eigenen Ideologie entsprechen. Es ist also „logisch“, auch gegenüber diesem Begriff hat der Autor (S. 17) seine Bedenken, wenn man Waldsteins Denken traditionalistisch nennt…
Wenn er den modernen Moraltheologen Josef Fuchs zitiert, setzt Waldstein das Wort „leider“ voran, sozusagen als Entschuldigung dafür, dass er einen Bösewicht zu Wort kommen lässt, eine Haltung zeigt sich da, die in einem sich wissenschaftlich nennenden Buch nichts zu suchen hat.
Merkwürdig, wenn nicht skurril, mag es Theologen erscheinen, wenn Waldstein ausdrücklich betont, die Ablehnung von praktizierter Homosexualität durch die Glaubenskongregation sei im Sinne des antiken – römischen Philosophen Cicero geschehen (S. 112). Dabei wird der entscheidende Punkt berührt: Für Waldstein ist das nicht hinterfragbare Non Plus Ultra die römische (=antike, manche sagen: „heidnische“) Rechtsauffassung von der Natur „des“ Menschen. Waldstein versteigt sich zu der Auffassung, „dass es wahr ist, was Cicero über Gott sagt“. Seit wann ist für die Kirche, das Naturrecht verteidigend, Cicero und nicht die Bibel orientierender Maßstab? Jedenfalls ist der vom Papst hochgeschätzte und zitierte Waldstein der Meinung: Nur diese antike römische Auffassung vom Naturrecht hat in der Kirche ihre Gültigkeit. Wer diese Überzeugung Waldsteins kritisiert, folgt bereits einer „totalitären Ideologie“ (S. 112). Waldstein geniert sich nicht, die Verteidiger der Gleichberechtigung homosexuellen Lebens des „Kommunismus“ zu verdächtigen. Diese polemischen Argumente erinnern an Zeiten des „Kalten Krieges“…
Für Waldstein kann es kein geschichtlich sich wandelndes Naturrecht geben, für ihn gibt es nur das fix und fertige, sozusagen versteinerte Naturrecht der Antike. So ist in diesem versteinerten Denken kein Platz für die Möglichkeit, dass Frauen tatsächlich das Recht haben abzutreiben. So kann es für ihn „die“ Ehe auch nur zwischen Mann und Frau geben, weil sie „eine in ihrem Wesen naturrechtlich (!) vorgegebene Verbindung von Mann und Frau ist“. Für Waldstein ist das Naturrecht eine ewige, in den Formulierungen auch unwandelbare „Wirklichkeit“ (S. 7). Immer wieder insistiert er auf dem Naturrecht als einer äußeren, unwandelbaren „Wirklichkeit“, die man sozusagen in der Natur bloß ablesen muss. In diesem abstrakten, antiken Naturrecht sieht Waldstein das, „was allen Menschen wesensgemäß ist“ (S. 13). Von Kulturanthropologie, von Geschichtlichkeit jeder Wahrheit, von Hermeutik usw. hat Waldstein schlicht nichts gehört. Wenn Normen aus der vernünftigen Reflexion aktuell entwickelt werden, dann meint er: „Damit wird stillschweigend vorausgesetzt, dass Normen als solche nicht existieren“ (S. 15), eben weil sie nicht „der (äußeren) Natur abgelesen werden. Das Hauptproblem ist: Waldstein verteidigt die philosophische Unmöglichkeit, aus einem Ist – zustand zu einem Sollen zu kommen, aus einem Tatsachenbefund also zu der ethischen Einsicht: So soll es sein. Dabei übersieht er z.B.: In der Gesellschaft Ciceros gab es de facto Sklaverei: Wer da einfach von diesem „ist“ zum Sollen fortschreitet, kommt schnell zur Verteidigung der Sklaverei als einem Sollen, also als einer ethischen, „guten“ Möglichkeit. Der Papst setzt sich in seiner Rede im Bundestag für den Übergang vom Sein zum Sollen ein, und er folgt dabei einem inzwischen unhaltbaren philosophischen Standpunkt. Dabei ist es die historische Vernunft, die prüft, ob ein Faktum (etwa die überlieferte Ehe von Mann und Frau) tatsächlich die einzige ethische Form des Miteinanders der Menschen ist. Nur wer von der biologischen Differenz von Mann und Frau ausgeht und deswegen zur „natürlichen“ und ausschließlichen Verwiesenheit von Mann und Frau gelangt, kann die Ehe von Mann und Frau als einzige Form der Partnerschaft verteidigen. Uns haben Briefe erreicht, die zu recht fragen:Benedikt XVI. selbst schließt sich in seinem Vortrag im Bundestag offenbar in seiner Bevorzugung der Überlegungen Waldsteins selbst in einem geradezu engen Denken ein…
Dass der Papst als Interpret dieses alten römischen Naturrechts à la Cicero auch das Recht hat, in die aktuellen Debatten der Demokratien einzugreifen, steht für Waldstein außer Frage: „Gelegentlich setzt der Papst das Naturrecht mit dem Gesetz Gottes gleich“ (S. 78). Und weiter: „Der Papst ist verpflichtet zu sagen, dass ein Gesetz, das dem Naturrecht widerspricht, kein gültiges Gesetz ist“ (s. 79). Mit anderen Worten: Der Papst kann in Demokratien Katholiken zum Widerstand gegen solche (demokratisch verhandelten) Gesetze auffordern. Davon sprach auch Benedikt in Berlin mit Verweis auf Origenes. Man erinnere sich außerdem: In den USA sollte katholischen Politikern die Kommunion verweigert werden, wenn sie für die Gesetze der Abtreibung stimmen.
Das Buch „Ins Herz geschrieben“ würde keine weiteren Analysen und Debatten verdienen, wenn es nicht Papst Benedikt XVI. so sehr schätzen würde. Warum sonst verweist er von 5 Fußnoten insgesamt gleich dreimal auf das Opus von Herrn Waldstein? Ist die Vermutung so falsch, dass dieses Buch dem Papst gut gefällt? Ist die Vermutung falsch, dass der Papst weiß, dass Herr Waldstein zu den traditionalistischen Katholiken gehört, dass sein Buch bei den Piusbrüdern offenbar gut angesehen ist? Waldstein und Benedikt XVI. kennen sich persönlich gut, das belegen Berichte und Fotos von Treffen und Begegnungen im Vatikan; schon als Chef der Glaubenskongregation kannten die beiden Herren sich recht gut, darauf weist Waldstein hin. Die entscheidende Frage, auch im Blick auf die bevorstehende Versöhnung des Papstes mit den Piusbrüdern ist: Ist das Denken Benedikt XVI. selbst schon traditionalistisch geprägt? Waldstein steht für ein Denken, das ausdrücklich die Autonomie, also die Selbstbestimmung des Menschen, ablehnt. Er steht für eine rigorose Ablehnung der Moderne.
copyright: religionsphilosophischer salon berlin.