Kein Gott mehr in Frankreich? Eine Radiosendung

Neueste Umfragen weisen auf den tiefgreifenden religiösen Umbruch in Frankreich hin. In einer Radiosendung im Saarländischen Runkfunk, Programm SR2, am Sonntag, 3. März um 20.04 bis 20.30,  wird auf diese aktuelle Thematik hingewiesen, es wird gefragt: Wie reagieren die Kirchen in Frankreich, wenn die Anzahl der Christen immer kleiner wird, also die sogen. “Alteste Tochter der römischen Kirche” immer gebrechlicher wird. Auf die protestantische, theologisch liberale Gemeinde” L Oratoire du Louvre in Paris” wird genauso hingewiesen wie auf den progressiven Theologen Pater  Jossua aus dem Dominikaner Orden in Paris sowie auf die katholische Gemeinde St. Merri in Paris. Auf das neue Buch von Pater Gérard Bénéteau “Tagebuch eines Stadtpfarrers” (Kirche St. Eustache, Paris) wird ebenfalls gewürdigt.

Eine Radiosendung von Christian Modehn

Auf das Papsttum verzichten

Auf das Papsttum verzichten

Von Christian Modehn

Der Amtsverzicht Papst Benedikt XVI. sollte zu tieferen und durchaus radikalen ( wörtlich bedeutet “radikal”  auf die Wurzeln des Evangeliums Jesu von Nazareth bezogenen) Entscheidungen führen. Es sollte jetzt die theologisch gesicherte Erkenntnis auch praktisch und kirchenpolitisch respektiert werden: Der Spruch aus dem Matthäusevangelium “Du bis Petrus der Fels, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen” (Mt 16, 18) stammt nicht von Jesus von Nazareth selbst. Jesus von Nazareth dachte gar nicht an eine Kirchengründung, schon gar nicht an ein Papsttum: Das ist heute allgemeine gesicherte theologische Erkenntnis. Nur fundamentalistische Bibellektüre (etwa in Rom) ignoriert das aus Gründen des Machterhalts. Und weiter hat der Spruch bei Mt. nur den Sinn, dass sich die spätere Gemeinde, die den Spruch “erfand”, sich ihrer langfristig gesicherten Existenz sozusagen jesuanisch versichern wollte.

Wer die lange Geschichte der Bischöfe von Rom, die sich dann Päpste nannten, betrachtet, etwa die durchgehende Korruptheit der Männer auf dem “Stuhle Petri” (die Medici usw) seit dem 14. Jahrhundert bis weit über die Zeiten Luthers hinaus, vorher die Machtgelüste in Zeiten des “Exils von Avignon”, später die Ignoranz der Päüste seit dem 19. Jahrhundert allem Modernen, allen Menschenrechten, gegenüber… der fragt sich ohnehin: Was ist wirklich “schlimm”, wenn diese so belastete Form des Papsttum, auch heute  immer noch barocker Prägung, (siehe “letzte absolute Monarchie auf Erden”) nun  aufs “Weitermachen” verzichtet. Es sollte doch wenigstens einmal diskutiert werden: Ist ein Katholizismus ohne Papsttum nicht nur möglich, sondern – aus spirituellen wie politischen Gründen- nötig. Diese Diskussion findet kaum statt, die TheologInnen an den Universitäten sind sich dafür zu fein. Sie spekulieren lieber mit dem medialen Mainstream: Na, wer wird denn der nächste Papst? Wäre nicht endlich eine umfangreiche Studie fällig: “Für einen Katholizismus ohne Papsttum”. Natürlich mit Beteiligung von Protestanten, die noch einmal wieder holen könnten: “Martin Luthers Papstkritik bleibt nach wie gültig”. Aber nein, statt dessen drehen sich die sogen. kritischen Katholiken im Kreise und fordern die ewigen Verbesserungen des Katholizismus. Warum sagt niemand: Das Papsttum selbst  – als absolute Monarchie nach eigenem Bekenntnis gelebt – ist ein Irrweg?

Das ist der Hintergrund des folgenden allzu knappen Beitrags, der auf der website von PUBLIK FORUM am 16. 2. 2013 erschienen ist, wir empfehlen bei der Gelegenheit erneut diese unabhängige Zeitschrift zur Lektüre und zum (Probe-) Abonnement. Zur Lektüre des aktuellen Beitrags “Der nächste Papst sei der letzte” klicken Sie bitte HIER.

 

Benedikt XVI. – oberster Lehrmeister des Politischen

Papst Benedikt XVI. als oberster Lehrmeister des Politischen

Von Christian Modehn

Wir haben im Religionsphilosophischen Salon im Rahmen der philosophisch notwendigen Kritik der Religionen und Kirchen auf die politischen Ansprüche der Päpste, besonders Benedikt XVI., immer wieder hingewiesen und diese andauernden heftigen päpstlichen Weisungen gegenüber Staat und Gesellschaft dokumentiert und erläutert. Das neue Buch von Marco Politi, einem der renommiertesten „Vatikanologen“ mit dem Titel „Benedikt. Krise eines Pontifikats“ (Rotbuch Verlag, Berlin, Dezember 2012) bietet auch zu dem Thema wichtige Hinweise. Marco Politi, Journalist bei „La Repubblica“ und „Il Fatto Qutidiano“, bestätigt unsere eigenen bisherigen Dokumentationen. Wir weisen nur auf einige zentrale Aussagen aus dem 14. Kapitel („Der Prediger und die Wüste“) seines – sehr umfangreichen, sehr präzisen empfehlenswerten – Buches hin.

Benedikt XVI. ist davon überzeugt, dass er als Papst, d.h. als Stellvertreter Christi auf Erden und als Nachfolger Petri, die Vollmacht hat, die gesamte Politik weltweit zu belehren, „was die nicht verhandelbaren Prinzipien (der Politik) sind“. Das klingt zunächst interessant, könnte man doch denken, dass sich der Papst zu einem leidenschaftlichen Verteidiger der Menschenrechte (zu denen auch die Gewissensfreiheit gehört) aufschwingt und sich sozusagen an vorderster Front gegen Diskriminierung und Ungleichbehandlung bestimmter Menschen usw. aufstellt.  Aber Marco Politi belehrt uns eines besseren: Der Papst duldet als individuelle Freiheit nur den freien Ausdruck des „gebildeten christlichen Gewissens“ (S. 465), also des Gewissens, das sich von der christlichen Lehre prägen lässt. Aber wer verbreitet die authentische christliche Lehre? Es ist einzig der Papst als das oberste Lehramt. Gewissensfreiheit gibt es also nur für die päpstlich geprägten Gewissen. Noch als Chef der obersten Glaubensbehörde veröffentliche Joseph Ratzinger im Jahr 2002 eine „lehrmäßige Note“, also einen alle Katholiken orientierenden, wenn nicht bindenden Text zum Verhalten der Gläubigen in der Politik. Darin heißt es, ich zitiere aus dem Buch von Marco Politi (464 f.): “Es ist keinem Gläubigen gestattet, sich auf das Prinzip des Pluralismus und der Autonomie der Laien in der Politik zu berufen, um Lösungen zu begünstigen, die den Schutz der grundlegenden ethischen Forderungen für das Gemeinwohl der Gesellschaft kompromittieren oder schwächen“. Übersetzt könnte man sagen: „Liebe Politiker, hört auf Rom, den Vatikan, wenn ihr politische Entscheidungen trefft“. In den USA wurden tatsächlich in den letzten Jahren katholische Politiker exkommuniziert, die allzu sehr dem eigenen und nicht dem päpstlichen Gewissen folgten, etwa in Fragen des Schwangerschaftsabbruches. Ultramontanismus nannte man im 19. Jahrhundert diese entfremdende Denkungsart: „Zuerst der Papst, dann mein Gewissen“.

So wird also die faktische Autonomie und die faktische Gewissensfreiheit der (politisch handelnden) Katholiken zurückgewiesen. Katholiken müssen die „grundlegenden ethischen Forderungen“  über ihren persönlichen Gewissensspruch stellen. Der Bischof von Rom ist nicht nur ein spiritueller Lehrer, er ist als Nachfolger des heiligen Petrus auch der einzig berufene Interpret des Naturrechts. Denn dort sind die „grundlegenden ethischen Forderungen“ konkretisiert. Der Papst müsste sich konsequenterweise eigentlich auch des Titels „Oberster Naturrechtslehrer“ bedienen. Immer ist von Naturrecht in päpstlichen Stellungnahmen zu lesen, sehr selten von Menschenrechten: Warum das so ist? Menschenrechte entwickeln sich, sind mit dem Leben verbunden, sind um soziale Dimensionen etwa zu ergänzen. Hingegen ist „das“ Naturrecht im päpstlichen Sinne, auch in der konkreten inhaltlichen Prägung,  etwas UNWANDELBARES und EWIGES, es ist etwas Starres und Unhistorisches. Denn das Naturrecht geht letztlich, so wörtlich „auf den Schöpfer zurück“ (S: 485). Mit „Schöpfer“ ist der Gott gemeint, so, wie ihn die klassische vatikanische Theologie deutet: Als unwandelbarer Herr und Meister von moralischen Prinzipien. „Mit dieser Formulierung wird ein gleichberechtigter Dialog mit Atheisten und Agnostikern ein gewagtes, wenn nicht unmögliches Unterfangen“, so Politi (S. 485). Und was können Buddhisten und Hinduisten mit diesem Gott der Katholiken anfangen, der das Naturrecht erlässt und aus päpstlichen Munde universal für alle und immer und ewig verbreitet? Auch diese (rhetorische) Frage stellt Politi.

Der Papst und der Vatikan haben, das ist evident, mit ihrer total objektivistischen und unhistorischen Naturrechtslehre den Anschluss verloren an die moderne Philosophie (seit Kant): Diese entwickelt ethische Orientierung und Normen einzig aus der autonomen, kritischen Vernunft …  und eben nicht aus theologisch fixierten Überzeugungen … Diese Ignoranz gegenüber dem lebendigen Wandel führt sicher sehr viele nachdenkliche Menschen zur Distanz von dieser eher versteinert erscheinenden Kirchen -, d.h. Naturrechtslehre.

Mit dieser rigiden und ahistorischen (selbst theologisch längst umstrittenen) Ideologie will der Papst seine Urangst überwinden, die panische Angst vor dem Relativismus. Nichts ist für Benedikt schlimmer, als wenn relativistisch, d.h. mit historischem und hermeneutischen Wissen die vorgeblich ewigen vatikanischen Lehren befragt werden. Dann könnte man ja auch bestimmte Bibelsprüche relativistisch deuten, etwa die Begründung des Papsttums oder den Ausschluß der Frauen vom Priesteramt, dann aber würde sozusagen das ganze vatikanische System zusammenbrechen. Aus ureigenen, auf Machterhalt bedachten Motiven muss der Papst also Verfechter des rigiden, ahistorischen Naturrechts bleiben. Relativismus würde seine eigene Existenz als Papst und seines Hofes (=curia) gefährden.

Marco Politi weist zu recht darauf hin, dass nur von dieser völlig in sich abgeschlossenen Naturrechts – Ideologie aus der Kampf des Papstes gegen den ethischen Pluralismus der Moderne zu verstehen ist. Die von konservativ bis fundamentalistisch geprägten Katholiken heiß bekämpfte und äußerst polemisch attackierte so genannte Homoehe (jetzt etwa in aller Schärfe in Frankreich) ist nur ein Beleg dafür, zu welcher Mobilisierung diese uralte Naturrechts – Ideologie in der Lage ist. Die Homoehe, so der pauschale Vorwurf, würde „die“ Familie destabilisieren. Um dieser Naturrechts – Ideologie willen hat der Vatikan übrigens auch über viele Jahre zu Berlusconi gehalten. Dem Papst und seinen Mitarbeitern war das private Leben wie das politisch wie ökonomisch verantwortungslose Verhalten Berlusconis schlicht egal. Warum? Weil Berlusconi den italienischen Bischöfen und dem Vatikan signalisierte: “Von meiner Seite hat der Vatikan nichts zu befürchten“ (S. 463). Damit meinte er: Die Finanzierung katholischer Schulen durch den Staat und die Steuerprivilegien der katholischen Kirche bleiben unter Berlusconi erhalten. ABER, das ist entscheidend, Berlusconi verspricht, gegen die Homoehe vorzugehen, gegen das Gesetz über Patientenverfügungen usw. Kardinal Bertone, die so genannte Nummer 2 im Vatikan, freute sich deswegen auch zu betonen, wie der Vatikan Berlusconi „zu Dank verpflichtet ist, weil diese Regierung im Rahmen befriedeter Beziehungen stets die Interessen der Kirche (!) berücksichtigt hat“ (s. 463). Der Vatikan löste sich aus der ultra- freundschaftlichen Beziehung mit dem Katholiken Berlusconi erst im Herbst 2011: Da hatte dieser unsägliche Machtpolitiker insgesamt und nahezu überall jegliche Akzeptanz verloren. Auffällig ist: Der Vatikan unterstützt selbst auch heute höchst umstrittene und belastete, wenn nicht kriminelle Politiker, wenn sie denn nur „die Interessen der Kirche berücksichtigen“, wie Kardinal Bertone so präzise sagt.

Die Debatte um den Einfluss der rigiden Naturrechtslehre à la Vatikan bzw. Ratzinger wird aktuell noch einmal deutlich in der Ansprache des Papstes anlässlich der Weihnachtswünsche für die Kurie am 21. Dezember 2012, wir beziehen uns hier auf den französischen Text, den „La Croix“ (Paris) druckte. Darin nimmt Benedikt XVI. direkt Bezug auf eine Abhandlung des Groß- Rabbiners von Frankreich, Gilles Bernheim. Der Papst sucht sich sozusagen ökumenischen Beistand von  prominenter orthodoxer jüdischer Seite: Wer würde es da schon wagen zu widersprechen? In schärfsten Worten polemisiert er – darin mit dem Großrabbiner einer Meinung – gegen die Auflösung „der Familie“ durch die Homoehe und die Gender Philosophie, die er übrigens bei Simone de Beauvoir festmacht. Der Papst ist sich, als angeblich so brillanter und so viel gerühmter hoch gebildeter Theologe, nicht zu schade, die  biblische Schöpfungsgeschichte wortwörtlich normativ zu deuten: „Als Mann und Frau schuf er (Gott) die Menschen (Gen. 1, 27) heißt es da: Aus diesem beschreibenden Faktum wird beim Papst gefolgert: Nur Mann und Frau können eine Familie bilden. Nur in dieser Dualität, so Benedikt und Bernheim, sei „der“ Mensch authentisch. „Die (Hetero) Familie“, so wörtlich Benedikt und Bernheim, „ist eine Realität, die schon im voraus durch die Schöpfung etabliert wurde“. Die Heteroehe ist sozusagen eine Idee Gottes, die mit der Schöpfung ad aeternum verbunden ist. Konsequent heißt es weiter: Wer diese Tatsachen der Schöpfung leugnet, „der leugnet auch Gott selbst – und der Mensch wird degradiert“. Wer die Homofamilie lebt oder befürwortet, wird in dieser Sicht förmlich zum Unmenschen. „Nur wer Gott verteidigt, verteidigt das menschliche Sein“, heißt es in der „friedlichen“ Weihnachtsansprache an den päpstlichen Hof. Merkwürdig ist, wie stark diese Form der starren Bibelinterpretation und des objektivistischen Naturrechts jegliche Bezugnahme etwa auf die Jesus – Gestalt verschwinden lässt.

Schon lange nicht mehr waren derartig maßlose Worte anlässlich einer fundamentalistischen Bibellektüre aus päpstlichem Mund zu hören. Der Vatikan, so prachtvoll barock er sich auch mit allem Pomp und Glorienschein geben mag, ist längst ein Getto geworden, das sich in starren Prinzipen einmauert und kein Interesse hat an einem Dialog, der Streit und Auseinandersetzung ist unter gleichberechtigten Partnern. „Die Stimme der Wahrheit hat immer recht…“, sie braucht keinen wirklichen Dialog. Zeichen der Ermunterung und Symbole der Hoffnung für diese so vielfältige, pluralistische Menschheit sind vom Papst trotz so vieler Worte, Weisungen und Mahnungen kaum mehr zu erwarten. Das ist die – manchen noch traurig stimmende Weihnachtsbotschaft, die dieser Tage im Vatikan verbreitet wird. Neu ist dies für einige dies vielleicht noch deprimierende Botschaft nicht. Die Schärfe des Tons wundert sogar die Freunde des religionsphilosophischen Salons. Katholische Medien sprechen bezeichnenderweise von einem aktuellen „Kulturkampf“, etwa in Frankreich anlässlich der heftigsten Debatten um die Homoehe (vgl. Christ in der Gegenwart, Heft 52, 2012, Seite 578). Kulturkampf aber ist nichts als Krieg, ausgelöst durch eine rigide Haltung des Papstes, die in der Moderne nur das Böse sehen will. Der Papst meint allen Ernstes, diese Moderne sei gottverlassen und der (heilige) Geist habe sie verlassen. Kann eine Vorstellung von Gott eigentlich noch kleinlicher werden?

Marco Politi, „Benedikt. Krise eines Pontifikats“. Rotbuch Verlag Berlin, 2012, 539 Seiten, 19, 99 Euro. Wir empfehlen dieses preiswerte Buch dringend.

copyright: christian modehn

 

“Auf unser Wohl”: Wünsche und Hoffnungen fürs neue Jahr. Eine Radiosendung

“Auf unser Wohl”: Eine Radiosendung von Christian Modehn im Saarländischen Rundfunk, 2. Programm, am Sonntag 30.12.2012 um 9.04 bis 9.30.

Was passiert eigentlich, wenn wir uns “Alles Gute”, “Viel Glück” usw. wünschen? Christian Modehn hat mit Menschen gesprochen, die sich und anderen das “Wohlsein” wünschen, als Ausdruck der politisch – spirituellen Haltung/Tugend  der Sanftmut. Dazu gehört etwa die aktive Gewaltfreiheit genauso wie das “Buen vivir” – Konzept aus Ecuador und Bolivien, die Achtsamkeit und der Mut, Kirchenreformen grundlegender Art zu forcieren.

Was ist selbstbestimmtes Leben? – Der Salon im Oktober 2012

Wir starten am Freitag, 19. Okt. 2012, mit der gemeinsamen Lektüre und vor allem Besprechung des ersten Kapitels des Buches von Peter Bieri (Pascal Mercier) “Wie wollen wir leben?”, erschienen im Residenz Verlag, 2011. Es wird dringend empfohlen, dieses Kapitel bereits gelesen zu haben. Wir wollen im Salon vor allem gemeinsam sprechen, nachdenken, diskutieren… und eher am Rande gemeinsam lesen.

Dieses Buch ist allgemein zugänglich, also auch für Nichtphilosophen nachvollziehbar. Der Text führt in die Tiefen menschlichen Selbstverständnisses. Es ist ein persönlicher “Gewinn”, diese Texte des Berliner Philosophen Bieri zu verstehen.

Herzliche Einladung und Bitte um Anmeldung: christian.modehn@berlin.de

Der Salon abend von 19 bis 21 Uhr findet wieder in der Galerie Fantom in der Wilmersdorfer Hektorstr. 9 statt.

Natur und Philosophie: Ein Spaziergang

Der Religionsphilosophische Salon macht einen Spaziergang: Natur erleben – Natur bedenken

Ein philosophischer Spaziergang am Freitag 20. Juli 2012, Beginn um 16. 30.

Nun kann jeder Spaziergang zum Philosophieren verführen. Wir versuchen es etwas gezielter:

Wir wollen von Waidmanslust aus ein Stück des Tegeler Fließes Richtung Lübars  entlang gehen, innehalten, besprechen, wie wir Natur und Park erleben: Gibt es überhaupt noch Natur? Ist alles längst Kultur? Wäre das schlimm? Kann, wie im Mittelalter, noch ansatzweise Natur ein Denkweg zum Göttlichen sein? Warum brauchen wir das Abstandnehmen in der Natur? Welchen Sinn macht eine “Natur – Spiritualität”?

Nebenbei werden Impulse gegeben, etwa zur Parklandschaft, zu den englischen und französischen Parks…Oder Themen, die von den TeilnehmerInnen in dem Zusammenhang vorgeschlagen werden.

Darüber werden wir dann weiter austauschen in der Labsaal bzw. im Lübarser Dorfkrug.

Ist es zu viel verlangt, wenn jede und jeder, die/der wirklich teilnehmen will, vorher sich anmeldet? Denn wir wollen danach noch etwas in Lübars zusammen bleiben und weiter diskutieren… Da will ich einige Plätze reservieren. Darum bitte ich bei Interesse um Anmeldung an:christian.modehn@berlin.de

Ausgangspunkt unseres Spaziergangs ist der (kleine) Robinienweg Ecke Berliner Str., dicht am S Bahnhof Hermsdorf und dicht am Fließ um 16.30.

Auch diese Veranstaltung des Religionsphilosophischen Salons ist kostenlos, aber sicher nicht “umsonst”.

 

 

Auch diese Veranstaltung des Religionsphilosophischen Salons ist kostenlos, aber sicher nicht “umsonst”.

Lob der Lauheit. Radiosendung WDR 3 am 29.7.um 8.30 Uhr

 

Dämpfer für Hitzköpfe und Unterkühlte.

Ein Lob der Lauheit

Von Christian Modehn – Eine  Radiosendungin WDR 3 um 8.30 bis 9.00.

Wer den Normen religiöser Autoritäten nicht entspricht, wird von ihnen gern „lau“ genannt: Wahre Bekenner sollten glühen, zur Hingabe, möglichst zum Martyrium, bereit sein. Der Autor des neutestamentlichen Buches „Apokalypse“ will die „Lauen“ gar „ausspeien“, also vernichten. Heute reagieren die Menschen darauf eher gelassen: Sie gehen ihren „lauen Weg“ der Mitte“. Und der ist alles andere als mittelmäßig oder von Gleichgültigkeit geprägt. „Laue Menschen“ möchten nur nicht spirituell verglühen, wollen ein religiöses „burn out“ vermeiden. Ein desinteressiertes, „erkaltetes Herz“ kommt für sie aber auch nicht in Frage. Ihnen gelten Toleranz, Respekt und Nachsicht als oberste Tugenden. Das Freund – Feind – Denken weisen sie zurück und das radikale „Entweder – Oder“  lösen sie auf  – zugunsten eines friedvollen „Ja – Aber“.

 

> Michael aus Münster schrieb: (Eingereicht am 30.07.2012 um um 18:20 Uhr am Montag, 30. Juli 2012):

> gerade habe ich die Sendung Lob der Lauheit gehört: > http://www.wdr5.de/sendungen/lebenszeichen/s/d/29.07.2012-22.35.html

> Anders als früher wird heute

>  im immer noch katholisch dominierten

>  Münsterland durchaus scharf gegen laue

>  Christen gepredigt, was aufstößt.

> Einige Predigten haben sogar Wagenburg-artigen Charakter.

>  In Münster, der Stadt der Täufer, und im Münsterland wirkt sowas abstossend,

>  insbesondere, wenn die Prediger – wie meist – keine rhetorischen Leuchten

>  sind oder der Sermon als Doppelmoral daherkommt.

> Man kann diese Predigten auch als Reflex auf Kirchenkritik an

>  Schließung und Abriss von Kirchengebäuden nehmen,

>  wo die Kirchenhierarchie-Kämmerer sich wie ein Landlords

>  aufführen und sich weigern, die mittels Lohnverzicht

>  über die Kirchensteuer hinaus *aller* Ansässigen in den 50ern erbauten Gebäude

>  den klammen Komunen zu finanzierbaren – nicht marktwert orientieren – Preisen

>  für gemeinnützige Ziele zugänglich zu machen.

> Arm sind die Bistümer in den von den Kirchenschließungen betroffenen, früher

>  erzkatholischen Gegenden – wie das Münsterland – nicht, man konnte die Schulden

>  des Bistums Berlin aus der Portokasse bezahlen.

> Die Lauheit könnte z.B. mal als fehlende Transparenz in den Finanzen der im

>  Reichshauptdeputationsschluss 1803 säkularisierten Bistümer bekämpft werden.

> Was da brennt,  sind nicht die Herzen, sondern die Belege, Überweisungsträger und

>  in nur kleinsten Kreisen bekannten Bilanzen.

 

Der heilige Geist wird noch skeptischer angesichts der “Vatileaks”. Ein Brief aus Rom

Der heilige Geist wird noch skeptischer angesichts der “Vatileaks”: Ein Brief aus Rom

Von Christian Modehn

Unser kleiner Hinweis auf dieser website kürzlich auf den heiligen Geist, der als Geist eben auch skeptisch ist, prüfend und immer fragend, hat selbst in Rom, der Papststadt,  Aufmerksamkeit gefunden.

Wir freuen uns, dass ein Leser – angesichts der ersten bescheidenen Freilegungen etlicher älterer und jüngerer Skandale – uns aus Rom schreibt: „Der heilige Geist wird wohl noch skeptischer“.

In dem Text heißt es, und das ist neu in der Debatte: Es werde immer fraglicher, wie von diesem Staat aus, dem so genannten Heiligen Stuhl, die absolute Bestimmung zufallen kann, für alle Katholiken weltweit zu definieren, was zu glauben ist und wie „man“ moralisch zu leben hat.  Kurz: Ein offenbar korruptes, absolutistisches System, das an die „Glanzzeiten“ der Renaissance erinnert,  maßt sich an, zu definieren, was Evangelium ist, was Jesus von Nazareth tatsächlich wollte, was die große humanistisch- universale Vision Reich Gottes bedeutet.

Die Freilegung struktureller Korruptheit des römischen Systems heute ist vielleicht eine noch größere Erschütterung als die Freilegung des sexuellen Missbrauchs durch Priester weltweit über viele Jahre.

Da ist, so wird von unserem Leser betont, eine absolute Monarchie, so versteht sich der Vatikan auf seiner offiziellen Website selbst.

(„Die Regierungsform ist die absolute Monarchie. Staatsoberhaupt ist der Papst, der die absolute gesetzgebende, ausführende und richterliche Gewalt inne hat“.

Gewaltenteilung gibt es also nicht, siehe: http://www.vaticanstate.va/DE/Staat_und_Regierung/Geschichte/Die_Vatikanstadt_heute.htm

Und diese absolute Monarchie, wo alles in den Händen – eines (nun 85 jährigen) Papstes liegt – kennt keine Gewaltentrennung, also keine demokratische Kontrolle und vom Wesen her keine Transparenz. Indem Benedikt XVI. jetzt beteuert, trotz allem weiterhin auf dem Felsen Petri zu stehen, betont er auch die Unveränderlichkeit des absolutistischen Regimes, also des Fehlens jeglicher Transparenz. „Man sollte für die Freilegung einer Dokumente sehr dankbar sein“, schreibt unser römischer Leser. Das römische System, bestehend aus älteren Herren und Höflingen (Curia ist ja der “Hof”) maßt sich an, in göttlichem Auftrag, Werte und Tugenden, Glauben, Lieben, Hoffen verbindlich für alle Katholiken zu lehren. Der Widerspruch zu einem demokratischen Leben heute könnte – einmal mehr jetzt  – dokumentiert, kaum größer sein.

Der Brief des Lesers aus Rom fragt weiter: Hat dann noch die These der heutigen  kritischen Reformer recht, man könne von Innen her dieses Renaissance – System reformieren? Unter welchen Bedingungen sind Renaissance – Systeme verschwunden, wird diese Frage diskutiert?, fragt der Leser.

Werden da nicht von Reformern Illusionen geweckt und gutwillige Leute in die Irre geführt, wird ihnen in DIESEM Engagement für Reformen kostbare Lebenszeit geraubt?

Wir geben die Fragen aus Rom gern weiter zur Diskussion.

Weiter schreibt der Leser aus Rom: Warum schweigen zu dem Thema die einst etwas mutigeren Ordensgemeinschaften?

Warum schweigen die protestantischen Kirchen zu den aktuellen “Freilegungen” im Vatikan?

Wir erlauben uns, unabhängig  von dem “Brief aus Rom”, ein Zitat aus dem neuen Buch des international geschätzten katholischen Theologen und Philosophen Prof. Dr. Tomás Halik (Prag),  “Nachtgedanken eines Beichtvaters” (geschrieben 2005, auf Deutsch 2012, Herder) , wieder zu geben. Auf Seite 293 schreibt Tomás Halik:

“Unsere Zeit ist eine Zeit der Erschütterungen…So ist eines der großen Paradoxa, die wir derzeit durchleben … wohl darin begründet, dass gerade derjenige Bereich der (römischen) Kirche, der diese weiterhin für eine =feste Burg= hält, meiner Meinung nach wie ein auf Sand errichtetes Gebäude zusammenstürzen wird”.

Copyright: religionsphilosophischer-salon.de

 

Der heilige Geist ist skeptisch: Ein philosophischer Salon zum Pfingstfest

Der heilige Geist ist skeptisch: Ein philosophischer Salon zum Pfingstfest

Am Freitag, 25. Mai 2012 um 19 Uhr im Café Antikflair in Schöneberg, Grunewaldstr. 10.

Skepsis als Form des ausdauernden Fragen und Zweifens ist – seit der Antike – eine Form philosophischer Lebenshaltung. Sie ist befreiend, weil sie von trügerischen Vorstellungen löst und für einen unverstellten Zugang zur Wirklichkeit sorgt. Sie erschüttert, weil sie aufbauen hilft. Dabei wird der Skeptiker sich niemals auf letzte Festlegungen einlassen. Aber er wird an seinem Zweifel, seiner Skepsis, selber zweifeln, aber was zeigt sich dann? Ein tragender “Boden”, vielleicht der Geist oder … ein Abgrund? Ein philosophisches Gespräch zum Pfingstfest, an dem der Menschheit der “heilige Geist” gegeben wurde. Von wem?  Wozu? Stört er die Skepsis oder ergänzt er sie? Wie zeigt sich der heilige Geist als skeptische Kraft gegenüber den Religionen und Gesellschaftsformen?

Wir bitten um Anmeldung: christian.modehn@berlin.de

Inspirierende Fragen und Perspektiven bietet das Buch von Andreas Urs Sommer, Die Kunst des Zweifelns. Anleitung zum skeptischen Denken. Becksche Reihe. 2007.

Fragen und Themen zur Einstimmung:

„Der heilige Geist ist skeptisch“:

Das Thema ist nicht mit einem Fragezeichen versehen.

Da werden Sie skeptisch?

Kann es sein, dass der heilige Geist skeptisch ist?

Welcher Geist ist denn gemeint?

Mein Geist, dein Geist, unser Geist? Haben wir Geist? Oder hat der Geist uns?

Ist dieser menschliche Geist heilig? Oder ist nur der Geist besonderer (frommer) Herren heilig? Aber haben die denn skeptischen Geist?

Darf man daran zweifeln? Wie weit reichen meine Zweifel?

Was heißt eigentlich skeptisch?

Skopein, heißt das griechische Verb, von dem sich das Wort ableitet. Es heißt um sich schauen, um sich blicken, prüfen.

Offenbar lebt Skepsis vom Blick nach außen. Kann der Blick nach Innen Skepsis befördern? Passiert gerade dann die skeptische Haltung? Denn Skepsis ist doch mehr als dieses und jenes bezweifeln („Kommt der Bus noch?“, das ist noch keine skeptische Haltung!)

Kann ich auf Dauer skeptisch leben?

Gibt es ein Grundvertrauen? Muss ich dem auch skeptisch begegnen?

Stört oder zerstört Skepsis mein Leben? Brauchen wir eine Basis, frei von aller Skepsis?

Was bedeutet skeptisch gegenüber der Skepsis zu sein? Verlieren wir dann die skeptische Kompetenz? Oder geht bei meiner Skepsis gegenüber der Skepsis erst so richtig das skeptische Leben los?

 

…………….Das sind ein paar vielleicht inspirierende Fragen für unseren Salon.

 

 

 

Zum Geburtstag des Papstes: Ein prominenter spanischer Theologe wird verurteilt

Zum Geburtstag des Papstes: Ein prominenter spanischer Theologe wird verurteilt

Von Christian Modehn

Pünktlich zum 85. Geburtstag von Papst Benedikt XVI. wird die Öffentlichkeit von der Verurteilung eines großen katholischen Theologen informiert: Wichtige Aussagen von Prof. Andrés Torres Queiruga, einem der bedeutendsten spanischen Theologen, werden gleichermaßen von der römischen Glaubensbehörde wie von der spanischen Bischofskonferenz verurteilt: Prof. Andrés Torres Queiruga (Jahrgang 1940) arbeitete an der Universität von Santiago de Compostela und ist Autor zahlreicher international verbreiteter Bücher sowie Mitglied des Direktionskomitees der führenden katholisch – theologischen Zeitschrift CONCILIUM.

Was werfen ihm Rom und die Bischöfe vor ? Andrés Torres Queiruga „negiert den Realismus der Auferstehung Jesu Christi als ein historisches wunderbares und transzendentes Ereignis. Außerdem leugnet er die Einzigkeit und die Universalität der für das Heil nötigen Vermittlung durch Christus und die Kirche“ (zit. nach der Tagezeitung El Mundo, 31. 3. 2012).

Einmal mehr wird deutlich, wie schwer sich die römische Kirche mit Neuinterpretationen der alten Glaubenslehren tut, wie schwer es Rom fällt, die Kultur der Moderne zu respektieren. Auch aus diesem Grund sind diese Ereignisse ein Thema des Religionsphilosophischen Salons, der ja, wie die Freunde unseres Salons wissen, vor allem philosophisch interessiert ist und theologisch besonders gern die liberale Theologie dokumentiert und fördert, als einer Theologie, die der aufgeklärten Vernunft Raum gibt.

Die Herren der Kirche in Rom sind jedenfalls fixiert auf die griechische Sprach- und Denkwelt der Antike; bezeichnend ist die bekannte äußerste Hochschätzung des Papstes für den Heiligen Augustinus und andere „Kirchenväter“ der Spätantike. Continue reading “Zum Geburtstag des Papstes: Ein prominenter spanischer Theologe wird verurteilt” »

Die Liebe zum Leben und die Kulte des Todes: Über Erich Fromm. Ein Salonabend

 

Für Erich Fromm ist der Mensch weder gut noch böse, aber der Weg, den er aufgrund seiner spezifischen Situation geht, dient entweder dem Leben oder seiner Zerstörung. Gut bedeutet in Sinne seiner humanistischen Ethik Bejahung des Lebens und alles, was zur größeren Entfaltung der spezifischen menschlichen Möglichkeiten beiträg (Biophilie). Böse oder schlecht ist alles, was das Leben einschnürt und das Aktivsein des Menschen lähmt ( Nekrophilie).

Der Salon findet im Café Antikflair in Berlin – Schöneberg statt, Grunewaldstr. 10.Um Anmeldung wird gebeten. Beitrag (für die Raummiete): 5 Euro.

 

 

Sexueller Missbrauch seit Jahrzehnten im Vatikan bekannt. Neue Dokumente zur Pädophilie von Marcial Maciel

Sexueller Missbrauch seit Jahrzehnten im Vatikan bekannt. Neue Dokumente zur Pädophilie von Marcial Maciel. Mit einem Kommentar aus Zentralamerika.

Kein Treffen mit Missbrauchsopfern in Mexiko

Nebenbei: Es ist außergewöhnlich, aber wahr: Dass ein Ordensgründer, langjähriger Ordensoberer und Papst-Johannes Paul II. Freund auf der deutschen wikipedia Seite zu seinem Namen sehr treffend auch mit einem Verweis auf seine “Lebenspartnerin Norma Baños” und eines seiner Kinder “Normita Rivas Banos” vorgestellt wird, gelesen am 6. 2. 2017.  Gemeint ist Pater Marcial Maciel. Seine Ordensgemeinschaft “Legionäre Christi” (sowie das Regnum Christi) bestehen bis heute. Alle Bilder etc. des Ordensgründers wurden vor einigen Jahren aus den Häusern der Legionäre entfernt. So hat dieser Orden förmlich keinen Gründer mehr oder einen solchen, über den die Mitglieder in der Öffentlichkeit absolut schweigen. Warum wurde nie von einem Journalisten oder Religionswissenschaftler (katholische Theologen dürfen sich mit solchen Themen nicht befassen) diese Frage ausführlich aufgearbeitet: Warum braucht der Vatikan einen solchen Orden? Wer hat im Vatikan und anderswo (materielles, persönliches, politisches) Interesse daran, dass dieser Orden mit dem verheirateten und noch stärker pädophil aktiven Gründer Pater Marcial Maciel heute noch besteht? Ist es nur das viele Geld, das dieser Orden noch heute hat (“die Millionarios Cristi”) ?

Von Christian Modehn

Papst Benedikt XVI. weilt in Mexiko – und gleichzeitig erscheint dort am Samstag, 24.März 2012, ein Buch, das die pädophilen Verbrechen von Pater Marcial Maciel, dem Ordensgründer der Legionäre Christi, in einen über alles bisher Bekannte noch weiteren historischen Rahmen stellt. Maciel war Chef des katholischen Ordens der Legionäre Christi und „Vater“ der Laienbewegung „Regnum Christi“, er lebte von 1920 bis 2008. Beide Gemeinschaften haben heute ca. 60.000 Mitglieder weltweit, vor allem in Schulen und Hochschulen (sowie in Priesterseminaren, angefangen bei solchen für „Knaben“) sind sie aktiv. Continue reading “Sexueller Missbrauch seit Jahrzehnten im Vatikan bekannt. Neue Dokumente zur Pädophilie von Marcial Maciel” »

Benedikt XVI. in Mexiko: Die offizielle Hymne macht aus ihm eine göttliche Gestalt

 

Benedikt XVI. ist der Heilbringer – Die offizielle Hymne zum Papstbesuch in Mexiko bewegt sich an der Grenze zur Idolatrie.

Wird die Ökumene gnädig schweigen?

Von Christian Modehn am 16. 3. 2012

„Wenn alles grau und dunkel ist,

Wenn ich den Weg nicht finde

und in meiner Welt nur Einsamkeit ist.

Dann erscheinst du in meinem Leben,

wie ein Leuchtturm, der mich leitet,

erleuchtest du all mein Inneres“.

Ein Loblied auf Jesus Christus, den die ersten Christen in ihren Evangelientexten als Licht und Leben gerühmt haben, als den Erlöser, der aus der Finsternis der Sünde und aus dem Dunkel der Todesverfallenheit ins Licht führt? Ein neuer Christushymnus also? Ganz und gar NICHT. Es handelt sich um die ersten Verse der offiziellen Hymne, die in Mexiko anlässlich des Papstbesuches Benedikt XVI. allerorten gesungen werden wird.

Der Refrain des Liedes heißt:

Du bringst den Wind unter meine Flügel zurück.

Du bist ein Pfad

von Licht und Wahrheit.

Bote des Friedens

Bote der Liebe,

der du meinem Herzen Hoffnung gibst.

Dieses Volk ist dir treu,

Du bringst uns den Glauben zurück,

den wir in unserer Seele tragen.

Wir teilen dein Licht.

(wir folgen der Übersetzung durch http//das hoerendeherz.blogspot.com, gelesen am 16. 3. 2012 um 10 Uhr)

Benedikt XVI. wird als Heilbringer begrüßt, er ist Licht, er bringt den Wind, wie ein Schöpfergott, er gibt ewig währende Hoffnung. Die Grenzen zwischen Christus, dem Erlöser, werden verwischt. Bote des Friedens, Bote der Liebe: Sind das nicht Ehrentitel, die in der klassischen Theologie auf Jesus Christus bezogen sind? Sind nicht alle Lieder zur Weihnacht oder zu Ostern voll von solchen Christus – Bekenntnissen?  Und jetzt wird Benedikt XVI. diese Rolle des göttlichen Heilbringers zugewiesen.

Weiter heißt es in dem offiziellen Papst Lied in Mexiko im März 2012, und da werden göttliche Prädikate Joseph Ratzinger zugeschrieben:

Zusammen mit dir gibt es keine Angst,

keine Traurigkeit, keine Klagen

dein Blick ist voller Hoffnung.

Du kommst um Freude zu säen,

kommst, um jedes Leben zu berühren,

mit deiner Liebe nimmst du jeden Schmerz.

Mit diesem Papst gibt es also keine Traurigkeit, keine Klagen: Was werden die vielen tausend Missbrauchsopfer sagen, die vielen Millionen wiederverheiratet Geschiedenen, die nicht zur Eucharistie zugelassen sind, die vielen tausend verheirateten Priester, die Millionen katholischer Homosexueller, die objektiv als Sünder im Katechismus der römischen Kirche gelten. Was werden die vilen tausend Mitglieder von Basisgemeinden sagen, die Kirche von unten leben und so gern Frauen und Männer aus ihren Reihen zu Priestern weihen lassen möchten? Was werden die vielen gemaßregelten (Befreiungs-)Theologen sagen, denen Joseph Ratzinger als Chef der Glaubensbehörde und jetzt als Papst jegliche Zukunft verstellt?

Mit  diesem Papst also soll es keine Traurigkeit, keine Angst, keine Klagen geben…. Diese Worte kann man ja verwenden… aber sie sollten auf den transzendenten Gott bezogen sein und nicht auf Joseph Ratzinger.

Wie tief muss eine Kirchenführung theologisch gesunken sein, um solche Songs tatsächlich als offizielles Lied zu gestatten? Ist die Theologie völlig verblödet? Sind nur Dilettanten theologisch einflussreich? in Mexiko werden solche Fragen gestellt, wir geben sie gern weiter. Dieser überdrehte Triumphalismus verbirgt nur die innere Schwäche dieses Papst – Katholizismus. Wie schlecht muss es seelisch und politisch einem Volk gehen, das solche Lieder singt und in dem angeblich völlig unpolitischen Benedikt XVI. den Heilbringer sieht?

Werden die vernünftigen Christen in der weiten Ökumene die Sprüche der Idolatrie kritisieren?  Gibt es noch kritischen Mut in der Ökumene? Wir warten ab.

Wir wollen auch berichten, dass ein Leser unseres religionsphilosophischen Salons uns in diesem Zusammenhang die Anfangsverse des SED Liedes „Die Partei, die Partei, die hat immer recht“ von 1950 mitteilte. Der Leser meinte gewisse Verbindungen zum Papstlied in Mexiko zu sehen, was ja genau besehen in gewisser Hinsicht so ganz falsch nicht ist. Darüber kann sich jeder Leser seine eigene Meinung bilden. Wir jedenfalls wollen nicht darauf verzichten, diese ersten Verse des Liedes der Partei sozusagen zum Vergleich mitzuteilen:

Sie hat uns alles gegeben.

Sonne und Wind und sie geizte nie.

Wo sie war, war das Leben.

Was wir sind, sind wir durch sie.

Sie hat uns niemals verlassen.

Fror auch die Welt, uns war warm.

Uns schützt die Mutter der Massen.

Uns trägt ihr mächtiger Arm.

Genauso wichtig ist der Hinweis, dass die Kirche in Mexiko selbst alle inhaltliche Berichterstattung zum Papstbesuch übernommen hat, alles im Sinne des „maximo leader“  Benedikt XVI. Maximo líder ist übrigens der Ehrentitel für Fidel Castro. Zwei oder drei kritische Katholiken in Mexiko  verwenden diesen Titel für Benedikt XVI, was ja so falsch nicht ist angesichts der Hymne.

Wir weisen darauf hin, dass Religionskritik als Kritik faktischer Religionen zum Kernbereich der Philosophie gehört und Teil einer demokratischen Kultur ist, die sich der Aufklärung verpflichtet weiß.

Copyright: Christian Modehn

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Kommentar von Paul Haverkamp:

Wenn es im Hymnen-Text heißt….:

„Wenn alles grau und dunkel ist,

Wenn ich den Weg nicht finde

und in meiner Welt nur Einsamkeit ist.

Dann erscheinst du in meinem Leben,

wie ein Leuchtturm, der mich leitet,

erleuchtest du all mein Inneres“.

.. so kann ich in diesen Worten nur pure Blasphemie eines unheilvollen Papalismus erkennen.

Der Text spiegelt eine zur Vergöttlichung neigende Attitüde des

Klerikerstandes wider, die von Papst Benedikt immer wieder untermauert wird.

In seinem Schreiben an die Priester vom 18. Juni 2009 zum Jahr des Priesters

zitiert Papst Benedikt XVI. zustimmend Johannes Maria Vianney (19. Jh.) , den Pfarrer

von Ars; mit folgenden Worten beschreibt Benedikt mit den Worten des

Pfarrers von Ars die Würde des Priesters: „Oh, wie groß ist der Priester! …

Wenn er sich selbst verstünde, würde er sterben. Gott gehorcht ihm.

Er spricht zwei Sätze aus, und auf sein Wort hin

steigt der Herr vom Himmel herab und schließt sich in eine kleine Hostie ein

…Der Priester ist es, der das Werk der Erlösung auf Erden fortführt…“

 

D.h: Priester gelten in den Augen von Papst Benedikt XVI. als besonders auserwählte

Menschen, durch die andere erst Zugang zu Erlösung und Frieden erhalten.“

Paul Haverkamp, Lingen, am 18.3.2012