Ethik oder Religion? Eine Ra­dio­sen­dung auf NDR INFO am Do. 5. Mai 2016

NDR INFO: Ethik oder Religion? Was den Frieden fördert

Von Christian Modehn

Eine Ra­dio­sen­dung auf NDR INFO am Donnerstag, den 5. Mai 2016 um 6.05 und 17.05 Uhr (Dauer: 25 Minuten)

In Zeiten von Krieg und Terror muss die gemeinsame spirituelle Basis der Menschheit gesucht werden, vor allem aber die Ethik, die alle Menschen verbindet und das friedliche Miteinander fördert. Auch die Religionen haben dabei ihren Beitrag zu leisten. Sie müssen nur die eigenen Frieden stiftenden Lehren viel stärker betonen als Ausgrenzung oder Abwertung von Andersdenkenden. Der Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide (Münster) wagt es, von dem „humanistischen Gott im Islam“ zu sprechen“. Religionen bezeugen auch den „absoluten Wert“ eines jeden Menschen. „Diese Ethik ist Terrorprophylaxe“ sagt der katholische Theologe Karl-Josef Kuschel.

Panama Papers und Legionäre Christi

Die Panama Papiere und die Legionäre Christi

Ein Hinweis von Christian Modehn

Religionskritik ist eine philosophische Aufgabe, gemäß den guten Traditionen der Aufklärung. Bisher ist es den Forschungen des Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salons Berlin nicht gelungen zu klären, (Stand 6.4.2016), in welcher Weise auch kirchliche und andere religiöse Institutionen von den Briefkastenfirmen in Panama profitieren. Das ist eigentlich ein Thema für einen investigativen Journalismus, der sich mit Religionen selbstverständlich kritisch und im Abstand befasst…Gibt es diesen umfassend kritischen, kirchenunabhängigen Journalismus en in Deutschland? Carsten Frerk vom Humanistischen Verband Deutschlands hat das viel Wichtiges Erhellendes publiziert.

Man muss sich nur mal die Mühe machen und die Bücher des mexikanischen investigativen Journalisten Raul Olmos lesen (2015 publiziert: „El Imperio financiero de los Legionarios de Cristo“, Grijalbo), um festzustellen: Eigentlich ist das Thema Steueroasen bzw. Panama-Papiere auch ein Thema, das den einflussreichen und äußerst finanzstarken, gleichzeitig theologisch äußerst konservativen katholischen Orden der Legionäre Christi betrifft. Details zu diesem Orden und zu Pater Marcial Maciel, ihrem, gelinde gesagt, „unmoralischen“ (so nannte ihn Papst Benedikt XVI.) Gründer und Freund von Papst Johannes Paul II., kann man in meinen Beiträgen seit 2009 auf dieser website nachlesen.

Im Dezember 2015 wurde ein neuer Beitrag über das Buch von Raul Olmos publiziert, auch zur Tatsache, dass diesem Orden, extra,  von Papst Franziskus der päpstliche Ablass gewährt wurde. Klicken Sie hier.

Jetzt nur so viel, noch einmal, zu den Recherchen von Raúl Olmos, es sind Ergebnisse fünfjähriger Arbeit. Zweifelsfrei, und von den Legionären Christi selbst unwidersprochen hingenommen, ist das Recherche-Ergebnis: Dieser Orden (mit nur ca. 1000 Mitgliedern) verfügt über ein Vermögen von mehreren Milliarden Dollar. „Die Legionäre Christi könnten bei ihrem Finanz-Vermögen den ganzen Hauhalt des Vatikans finanzieren… Der Orden der Legionäre Christi verfügt über mindestens 500 Organisationen und Unternehmen, die viel Vermögen erzeugen“, so Raul Olmos in „Aristegui CNN“ am 27.1.2016. Olmos noch einmal wörtlich: „Diese Unternehmen haben nichts mit einer pastoralen Aufgabe zu tun haben, Unternehmen wie etwa in Panama, die schon von Marcial Maciel gegründet wurden. Es handelt sich dabei auch um Unternehmen imaginärer Art („empresas fantasma“, sagt Olmos), es gibt Unternehmen auf einer Insel, und dies wegen der Steuerflucht oder um Geld zu waschen“ („es para evasion fiscal o lacado de dinero“, so Olmos wörtlich).

In einem weiteren Beitrag, publiziert in Eldiario, Madrid, vom 6.1.2016, wird Raul Olmos genauso deutlich: „Im übrigen arbeitet der Orden mit Steuerparadiesen zusammen, etwa mit Jersey oder Panama bis in die Schweiz. Der Orden der Legionäre Christi hat seine Milliarden investiert in die United Technologies Corporation und Ametec Inc.; in die Alkoholproduktion, wie Diageo und Constellation Brands und Heineken sowie in die Produktion von Antibabypillen, wie Johnson & Johnson sowie Pfizer, um nur einige Beispiele zu nennen.
Die Frage, die immer noch nicht umfassend beantwortet wurde: Warum wurde der Orden de Legionäre Christi nach den Enthüllungen zahlreichen sexuellen Missbrauchs, nicht nur durch den Ordensgründer, sondern durch etliche andere Legionäre Christi, nicht aufgelöst, wie man es im 17. Jahrhundert schon einmal mit dem Orden der Piaristen, der Priester der frommen Schulen für einige Jahre getan hatte, weil auch dieser Orden des heiligen José de Calasanz von pädophilen Vergehen geprägt war.

Bei den Legionären kommt hinzu: Sie haben aufrund der Geldgier Pater Maciels Millionen durch Erbschaften und Schenkungen erhalten. Wer würde diese Milliarden dann erhalten, wenn der Orden aufgelöst worden wäre? Die verbliebenen Mitglieder? Oder vielleicht der Vatikan? Aber der Vatikan und mit ihm der Papst haben doch selbst ein Milliarden schweres Vermögen, allein schon durch den Immobilienbesitz in der „heiligen Stadt“ Rom… Nebenbei: Trotzdem sollen die Katholiken aber bitte brav für den Vatikan weiter spenden, den so genannten „Peterspfennig“ entrichten. Und auch die Legionäre Christi erlauben es sich noch, um Spenden zu bitten, etwa durch Einlagen in Kirchenzeitungen.

 

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

Die Macht des Todes überwinden. Auferstehung für Aufgeklärte

Die Macht des Todes überwinden: Auferstehung für Aufgeklärte

Von Christian Modehn

Dieses Manuskript ist die Grundlage für eine Ra­dio­sen­dung im RBB Kulturradio am Ostersonntag 2016. Die Sendung selbst bezieht sich auf ein gekürztes und leicht verändertes Manuskript. Das Manuskript der Sendung kann bestellt werden: religion@rbb-online.de

Mein Text ist der Versuch, wie der Untertitel sagt, auf Möglichkeiten hinzuweisen, wie „Aufgeklärte“, also (selbst-) kritische und eben nicht „traditionell – religiöse“ Menschen von heute die Auferstehung Jesu und die eigene Form des „Über den Tod hinaus“ verstehen können und möglicherweise für sich selbst als Impuls und Orientierung ergreifen. Es kommt ja bekanntlich darauf an, auch und gerade im christlichen Glauben bei Vernunft zu bleiben oder, wie man früher sagte, „den Verstand eben nicht an der Kirchentür abzugeben“.

Die Macht des Todes überwinden. Auferstehung für Aufgeklärte:

Musikal. Zuspielung, Mozart, Quintett g Moll, Adagio.

Das Adagio aus dem g moll Quintett von Mozart – eine Musik zum Osterfest: Wer den Klang in Worte fassen möchte, wird wohl sagen: Inmitten der Dunkelheit wächst die Hoffnung. Diese Erkenntnis hat den Mozart-Kenner und Theologen Karl Barth immer tief bewegt:

„In dieser Musik geschieht eine Wendung, in deren Kraft das Licht aufsteigt. Der Schatten fällt, ohne zu verschwinden. Die Freude überholt das Leid, ohne den Schmerz auszulöschen. Da kommt das Ja stärker als das Nein zum Klingen“.

Musikal. Zuspielung, Mozart, Quintett g Moll, Adagio. Noch einmal 0 05“ freistehen.

Ostern ein Fest des Lebens, das jeder auf seine Art begehen kann: Der Osterspaziergang wird zur spirituellen Erfahrung, weil sich die Natur wieder voller Leben zeigt. Und wer Ostern als das Fest des Friedens feiert, erinnert sich an die Verse des schweizerischen Dichters Kurt Marti:

„Das könnte manchen Herren so passen,

wenn mit dem Tode alles beglichen:

Die Herrschaft der Herren,

die Knechtschaft der Knechte

bestätigt wäre für immer.

Aber es kommt eine Auferstehung,

die anders, ganz anders wird, als wir dachten.

Es kommt eine Auferstehung, die ist

der Aufstand Gottes gegen die Herren….

und gegen den Herrn aller Herren: den Tod“.

Ostern … ein Fest, das Mut macht, weiter zu sehen, weiter zu gehen, aufzubrechen, meint die Dichterin Marie Luise Kaschnitz:

„Manchmal stehen wir auf,

Stehen wir zur Auferstehung auf,

Mitten am Tage.

Mit unserm lebendigen Haar

Mit unserer atmenden Haut…

….. Manchmal stehen wir auf. …“

Ostern hat seinen Ursprung in außergewöhnlichen Erfahrungen der ersten Christengemeinden. Sie haben ihre Einsichten im Neuen Testament aufgezeichnet. Wer die Erzählungen von der Auferstehung Jesu liest, ist verwirrt von der Fülle außergewöhnlicher Begebenheiten: Da treten Engel auf und Jünglinge in weißen Gewändern; Jesu Grab, so heißt es, sei leer; dann erscheint der Auferstandene seinen Getreuen in einer Art überweltlichen Leiblichkeit. Aber es wäre falsch, diese Texte als nebulöse Phantastereien beiseite zu legen. Denn Ostern wird zwar in der Sprache der Poesie beschrieben, aber im Hintergrund stehen wirkliche Erfahrungen. Die Osterberichte beziehen sich auf eine Tatsache: Jesus von Nazareth wurde als Rebell zum Tode verurteilt, er ist einsam am Kreuz gestorben. Und seine Getreuen, die Jünger, sind vor Angst davon gelaufen.

„Was ist eigentlich geschehen zwischen dem historisch bezeugten Jesu Tod am Kreuz und den späteren Erscheinungen des Auferstandenen, also zu Ostern? Was ist in dieser Zeit mit den Jüngern geschehen? Die Antwort heißt: Ihr Selbstverständnis war zutiefst erschüttert, sie waren traumatisiert“, betont der Theologe Christoph Türcke. „Aber nach etlichen Tagen, vielleicht auch Wochen oder Monaten, wir wissen es nicht genau, kam der Umschwung. Die abtrünnigen, untergetauchten Gefolgsleute Jesu traten als seine anhänglichsten Gewährsleute hervor. Die Panik war von ihnen abgefallen“.

Von der Angst befreit, erinnern sich die Jüngerinnen und Jünger an das gemeinsame Leben mit Jesus, an seine Worte und Taten: Wie sie Jesus als den Gerechten erlebten, den Freund der Menschen; den spirituellen Meister, der Gott als grenzenlose Liebe bezeugte. So kommen sie zu der Überzeugung: Dieser Jesus kann nicht im Tod versinken, war er doch so eng mit Gott verbunden. Diese Erkenntnis der Jünger sollte ernst genommen werden, betont der religionskritische Philosoph Kurt Flasch:

„Dass an der Entstehung der christlichen Bewegung intensive seelische Erfahrungen beteiligt waren, ist historisch plausibel, genauso wie es plausibel ist, dass die christliche Bewegung später kaum durch Lügen von Theologen oder durch den Diebstahl des Leichnams Jesu entstanden ist“.

Wie in einer Art Geistesblitz, einer Erleuchtung, wird den Jüngern Jesu die Einsicht von der Auferstehung Jesus zuteil. Mit wenigen Worten, in einer Art Kurzformel, bekennen sie schon wenige Monate nach Jesu Tod ihren gemeinsamen Glauben: „Jesus von Nazareth wurde von Gott zum Leben erweckt, er ist von den Toten auferstanden“.

Eines der ältesten – und schönsten – Osterlieder, aus dem 11. Jahrhundert, bezeugt diesen elementaren Glauben:

Musikal. Zuspielung, Lied: „Christ ist erstanden“.

Die historisch-kritische Bibelwissenschaft hat in den letzten Jahrhunderten viel Klarheit zur Auferstehung Jesu gebracht. Eine naive Bibellektüre, die jeden Vers wie einen Zeitungsbericht deutet, hat keine Berechtigung mehr. Warum sollten auch wissenschaftliche Erkenntnisse in der Religion und den Heiligen Texten weniger gelten als in der Medizin, der Physik oder der Psychologie? Die wichtigste Erkenntnis fasst Christoph Türcke, sozusagen stellvertretend für viele andere Theologen, kurz und bündig zusammen:

„Es gibt keine neutralen Beobachter der Auferstehung Jesu. Es gibt keinen Historiker, der das Auferstehungsgeschehen beobachtetet hat“.

Aber es ist auch eine Tatsache, dass sich unter den Jüngern Jesu die gemeinsame Überzeugung durchsetzte: Jesus von Nazareth lebt auf neue, bislang unbekannte Weise. Er hat den Tod überwunden. Und davon sprechen die ersten Christen voller Symbole und Metaphern. Vierzig oder fünfzig Jahre sind seit dem Tode Jesu vergangen, als die vier Evangelisten die Überzeugung der Gemeinden von der Auferstehung niederschreiben. Und die Autoren weichen dabei inhaltlich stark von einander ab, nennen etwa eine unterschiedliche Anzahl der Engel, die am Grab die Auferstehung verkünden. Aber diese Vielfalt sei doch ganz normal, betont der Philosoph Kurt Flasch:

„Dass Erzählungen mit der Zeit anwachsen und sich verändern, das ist auch heute noch die Regel. Erzähler fügen zunehmend etwas hinzu, was nach ihrer Ansicht gesagt werden muss, um die Botschaft gegen neue Zweifel zu sichern. So wuchsen die Erzählungen eben auch im orientalischen Alltag“.

In den Evangelien sind es Frauen, Jüngerinnen Jesu, die als erste voller Sorge zu seinem Grab eilen. Dort vernehmen sie von einem Engel, also dem Symbol für die innere Erkenntnis, dass die Macht des Todes besiegt ist, also eine neue Welt begonnen hat. Der Evangelist Matthäus lässt den Engel sagen: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Ich weiß, ihr sucht Jesus den Gekreuzigten. Er ist nicht hier. Denn er ist auferstanden“.

Und diese Überzeugung haben Christen schon im 6. Jahrhundert in ihren Gesängen zum Ausdruck gebracht. Die katholische Ordensfrau und weltbekannte Sängerin Marie Keyrouz aus dem Libanon interpretiert einen uralten Oster-Hymnus in arabischer Sprache:

Gesang Soeur Marie Keyrouz, aus dem Libanon:  „Der Engel sagte zu Maria, der Mutter Jesu: Freue dich, dein Sohn ist auferstanden. Er lebt!“

„Ostern ist ein Fest, das so viel den Frauen verdankt“, betont der Theologe und Psychologe Eugen Drewermann: „Denn allein die Frauen sind offenbar fähig und würdig, den Sieg des Lebens über den Tod zu sehen und sichtbar zu machen. Die Wirklichkeit des Ostermorgens kann man nur mit den Augen des Herzens wahrnehmen. Frauen scheinen seit alters her die berufenen Priesterinnen dieser Geheimnisse des Unsichtbaren zu sein“.

Feministische Theologinnen haben diese Hinweisen weiter vertieft und politisch aktualisiert. Doris Strahm aus Zürich meint: „Von der Auferstehung der Frauen reden, bedeutet, von der Auferstehung der gebrochenen Körper der Frauen reden, von Frauen, die dürsten nach einem Leben in Würde und Gerechtigkeit. Das heißt aber auch die Heiligkeit des weiblichen Körpers zu bestätigen, der seit Jahrhunderten abgewertet, ausgebeutet, vergewaltigt und nach Männerwünschen zurechtgebogen wird und sich nach Heilung, nach Selbstbestimmung und Befreiung sehnt. Von der Auferstehung zu reden, bedeutet für mich, auch von der Schönheit des Frauenkörpers seiner Lust und erotischen Leidenschaft zu reden, sie als Teil der Heiligkeit des menschlichen Lebens zu bejahen“.

Mit besonderer Aufmerksamkeit berichten die Evangelisten von Maria Magdalena, sie geht als erste zum Grab Jesu und vernimmt dort die Auferstehungsbotschaft. Einst war Maria von Magdala seelisch erkrankt, von bösen Geistern beherrscht, wie man damals sagte. Sie wandte sich an Jesus, als er in Galiläa wie ein Prophet und Heiler umherzog: Und er hat, so wird berichtet, Maria von Magdala angehört, er hat sie respektiert und in liebevoller Zuwendung geheilt. Wer so viel verwandelnde Kraft und positive Energie von Gott her hat, der kann nicht sterben. In dieser Überzeugung sagt ihr der strahlende Engel am Grab: Jesus lebt. Von diesem Bild lässt sich Eugen Drewermann inspirieren: „Die Wahrheit unseres Lebens liegt in dieser Vision des Engels, der bekleidet ist mit dem Lichtglanz des Himmels, angetan mit dem Strahlengewand der Sonne und der Wolken. Dies ist das Bild, das wir in uns tragen, mitten in der scheinbaren Hoffnungslosigkeit. So können wir einander wahrnehmen, dass nicht Alter und Verfall die letzte Auskunft über unser Leben ist, sondern etwas Unvergängliches in uns aufleuchtet, etwas Nie – Verlöschendes, eine Vision von Liebe. Wir folgen seit Ostern den Fußspuren einer unzerstörbaren Hoffnung“.

Die Ostererzählungen haben die Phantasie späterer Generationen nicht zur Ruhe kommen lassen. Beliebt war seit dem 2. Jahrhundert zum Beispiel das so genannte Petrusevangelium: Dem Autor zufolge, schweben zwei Jünglinge vom Himmel hernieder auf das Grab Jesu zu, und die Wächter sind machtlos: Das Grab öffnet sich … und dann geschieht etwas Wundervolles:

„Die beiden himmlischen Jünglinge verlassen wieder das Grab und stützen dabei einen weiteren Mann, und ein Kreuz folgt ihnen hinterher. Der Kopf der ersten beiden Jünglinge reichte bis zum Himmel. Das Haupt dessen aber, der von ihnen gehalten wurde, überragte sogar den Himmel. Und eine Stimme hörten sie vom Himmel her fragen: Hast du von dem Entschlafenen verkündet? Und die Antwort kam vom Kreuz: Sie lautete: Ja“.

Diese Erzählung wirkte auf viele Christen schon damals wie ein mysteriöses Märchenbuch. Deswegen wollten sie das Petrus-Evangelium nicht als einen maßgeblichen, „kanonischen“ Text im Neuen Testament betrachten.

Trotz der vielfältigen und überschwänglichen Erzählungen vom Ostergeschehen haben die ersten Christen doch ihren klaren Verstand bewahrt. Man muss nur genau hin schauen, wenn man ihre Antworten sucht auf die so Frage: War denn das Grab Jesu leer? Oder befand sich sein irdische Körper noch darin? Tatsächlich ist es so: Die Botschaft der Engel, also das Vernehmen einer inneren göttlichen Stimme, steht im Mittelpunkt der Evangelien. Übereinstimmend sagen die Engel: Jesus lebt, er ist auferstanden. Die Botschaft vom leeren Grab ist demgegenüber zweitrangig. Der katholische Theologe Hans Kessler und Autor einer umfassenden Studie schreibt:

„Wenn vom leeren Grab gesprochen wird, so ist dies nur eine Veranschaulichung der Auferstehung Jesu, ein Bild, ein Symbol, das die Erzählung farbiger machen soll. Der Osterglaube wird nicht vom leeren Grab begründet. Der Gedanke des leeren Grabes ist kein notwendiger Bestandteil des christlichen Auferstehungsglaubens. Eine im Grab aufgestellte Video-Kamera hätte den Auferstehungsvorgang nicht aufgenommen. Wer als religiöser Mensch auf einem leeren Grab besteht, leugnet das Menschsein Jesu Christi. Aber dass Jesus ganz Mensch ist, bleibt eine unaufgebbare Einsicht der Christenheit“.

Jesus hat als Mensch wie alle anderen Verstorbenen mit seinem toten Körper im Grab gelegen. Trotzdem gilt die Überzeugung: Er ist er auferstanden, er lebt. Denn er wurde schon zu Lebzeiten als die menschliche Verkörperung des Göttlichen erlebt. Natürlich gehörte schon für die ersten Christen ein Stück Mut dazu, diese Überzeugung öffentlich zu äußern. Aber sie wussten: Wenn es um die so genannten letzten Fragen geht, also um den Tod und das Überschreiten dieser Grenze, stehen alle vor einer Alternative: Entweder Ja oder Nein zur Überwindung des Todes zu sagen. Von dieser Einsicht ist der Philosoph und Naturwissenschaftler Carl Friedrich von Weizsäcker überzeugt:

„Wenn der dunkle Engel kommt, werden wir in unserem je eigenen Tod uns entschieden haben müssen: Zwischen der Verzweiflung vor der abgrundtiefen Nacht des Nichts. Oder der Hoffnung auf ein unvorstellbares Licht“.

Von diesem unvorstellbaren Licht waren die ersten Christen so berührt, dass sie sogar von Erscheinungen des Auferstandenen in ihren Häusern berichten. Sie projizieren dabei ihrem Glauben nach außen, sie erschaffen förmlich eine gott-menschliche Gestalt, sprechen gar von leibhaftigen Begegnungen. Aber diese Erzählungen dürfen – wieder einmal – nicht wörtlich verstanden werden, betont der katholische Theologe Karl Rahner: „Der Auferstandene darf als einer, der den Tod überwunden hat, nicht unserem menschlichen Stoffwechsel untertan sein; er darf nicht wieder in der Zeitlichkeit sein; er darf nicht von physikalischen Größen, wie dem Berührtwerden, abhängig sein“.

Aber die ersten Christen haben eigene Interessen, wenn sie von den Erscheinungen des Auferstanden in ihrer Mitte sprechen: Denn, so heißt es, Jesus sendet die Jünger in die Welt, zur Predigt, im Rahmen einer Kirche. Darauf weist der bekannte katholische Theologe Edward Schillebeeckx hin: „Diesen Berichten geht es unverkennbar um die Begründung und die Legitimierung der Kirche, die sich langsam bildet. Es geht um die Begründung der kirchlichen Sendung in der Welt. Die Gemeinde legt Jesus die Worte in den Mund, dass die Kirche nun Jesu Mission fortführen soll“.

Musik, Gesang Iegor Reznikoff,

Ein einziges Wort, das Ostern ausdrückt: Das Alleluja… Gesungen von Iegor Reznikoff, dem französischen Sänger. Wenn er in gotischen Kathedralen auftritt, kommen nicht nur kirchlich gebundene Menschen zusammen.

Das Alleluja haben die ersten Christen nie als eine bloße Floskel verstanden. Ihr Alleluja hatte einen konkreten Inhalt: Weil Jesus auferstanden ist, werden die Menschen als die Söhne und Töchter Gottes ebenfalls auferstehen. Der Apostel Paulus hat diese Einsicht seiner Gemeinde in Korinth einschärfen wollen:

Wenn Tote überhaupt nicht auferweckt werden, dann ist auch Christus nicht auferstanden. Er ist der Erste der Entschlafenen, die auferstanden sind.

Dieser Gedanke bewegt bis heute die Theologen, Giuseppe Barbaglio von der Universität Mailand betont: „Jesus Christus ist als der Auferstandene unser älterer Bruder. Was ihm widerfuhr, wird uns widerfahren. Seine Auferstehung ist das Anheben unseres neuen Lebens … und unserer Auferstehung“.

Aber das neue, das „auferstandene“ Leben geschieht bereits jetzt, mitten im Alltag. Die christlichen Mystiker weisen mit Nachdruck darauf hin, der mittelalterliche Dominikaner-Mönch Meister Eckart sagt:

„Wer Gottes Nähe, also den göttlichen Funken in sich selbst spürt, ist dem Strom der Zeit, also schon der Welt, enthoben“.

Er braucht den Tod keineswegs als Absturz ins Nichts zu fürchten… Für Meister Eckart ergibt sich daraus eine praktische Lebenseinstellung: Der Mensch konzentriert sich nun auf Wesentliches, bevorzugt alles, was sinnvolles Leben reicher macht. Er lebt im Abstand von den Dingen, lässt das Klammern und Besitzenwollen. Meister Eckart sagt: „Ein solcher Mensch findet zur Gelassenheit und inneren Ruhe. Er ist frei“.

Musik Intermezzo, Gesang Iegor Reznikoff,

Christen weisen jede Ideologie zurück, die da meint: Der Mensch könne durch eigenes egoistisches Tun den Eintritt in die göttliche Welt beschleunigen, etwa durch ein Selbstmordattentat, Dieser mörderische Jenseitsfanatismus hat nichts mit Glauben zu tun..

Wer Auferstehung heute mitten im eigenen Leben erfahren will, wird von den ersten Christen ganz schlicht aufgefordert, zu lieben. Im Ersten Johannesbrief des Neuen Testamentes heißt es: „Wir wissen, dass wir aus dem Tod in das Leben hinüber gegangen sind, weil wir die Brüder und Schwestern lieben. Wer nicht liebt, bleibt im Tod“.

Mit Liebe ist erotische Liebe genauso gemeint wie selbstlose Nächstenliebe. In der Liebe stehen die Menschen aus dem Egoismus auf; sie wachsen über sich hinaus. Es gibt diese Menschen, die schon jetzt wie Auferstandene leben. Sie haben sich von allen Ängsten um ihr eigenes kleines Leben befreit und handeln zum Wohl der Leidenden und werden so transparent fürs Gott. Zum Beispiel gehört Erzbischof Oscar Romero im zentralamerikanischen Staat El Salvador zu diesen „Auferstandenen“. Mitten im Bürgerkrieg seines Landes kämpfte er leidenschaftlich gegen die Militärs zugunsten des verarmten indianischen Volkes. Kurz vor seiner Ermordung durch die Militärs im Jahre 1980 sagte Oscar Romero: „Ich bin schon oft mit dem Tod bedroht worden. Ich muss Ihnen sagen, dass ich als Christ nicht an einen Tod ohne Auferstehung glaube. Sollte ich umgebracht werden, so werde ich im salvadorianischen Volk auferstehen. Ich sage Ihnen dies in aller Bescheidenheit. Als Bischof bin ich aufgrund göttlichen Auftrags verpflichtet, mein Leben hinzugeben für jene, die ich liebe. Sofern Gott das Opfer meines Lebens annimmt, dann möge mein Tod zur Befreiung meines Volkes dienen und ein Zeugnis der Hoffnung auf die Zukunft sein“.

Dorothee Sölle, die feministische und politische Theologin, hat oft Zentralamerika besucht. Dort konnte sie erleben, wie der Auferstehungs-Glaube unter den Armen alles andere als beruhigendes Opium ist: „Die vielen tausend Menschen, die in Lateinamerika jährlich am Todestag Oscar Romeros Gottesdienste feiern, rufen immer wieder einander zu: Oscar Romero lebt. Er ist bei uns. Er ist auferstanden in seinem Volk, er ist presente, anwesend. So werden die Auferstehung Jesu und die Auferstehung ihres Bischof Oscar Romero eins“.

Auferstehung jetzt heißt das Motto der Menschen, die sich nicht der Verzweiflung aufgeben in einer offenbar unheilbar zerrisenen Welt. Die Theologin Doris Strahm hat beobachtet:  „In der ganzen so genannten Dritten Welt sind es vor allem die Frauen, die aufstehen für das Leben, die täglich für das Überleben ihrer Kinder kämpfen müssen und mit ihrem Körper für das Leben sorgen, es nähren und schützen. Überall auf der Welt sind es in der Mehrzahl Frauen, denen die Erhaltung und Bewahrung des Lebens aufgebürdet wird; die, wie die Frauen am Grab Jesu, Zeugnis ablegen von der Auferstehung, von neuem Leben inmitten von Verzweiflung und Erfahrungen des Todes“.

Längst ist die Auferstehung Jesu ein Symbol, das weit über die Kirchen hinaus die Menschen bewegt. Künstler der Moderne lassen sich davon inspirieren, wie Vincent van Gogh. In einem Brief aus dem Jahr 1888 schreibt er:

„Christus allein bekräftigt unter allen Philosophen das ewige Leben als eine fundamentale Gewissheit. Er bekräftigt die Nichtigkeit des Todes und deswegen auch die Notwendigkeit und die Berechtigung heiterer Gelassenheit und Aufopferung. Er hat in heiterer Ruhe gelebt, er war sozusagen auch der größte aller Künstler: Denn er hat den Marmor, den Ton und die Farbe verschmäht und stattdessen in lebendigem Fleisch, also mit Menschen, gewirkt“.

Den auferstandenen Christus wollte van Gogh nicht figürlich malen, aus Respekt vor der heiligen gott-menschlichen Gestalt. Darum malte van Gogh die Sonne als das universell gültige Symbol des Auferstandenen: In der mittelalterlichen Gertrauden Kapelle von Güstrow, Mecklenburg, ist die Skulptur „Das Wiedersehen“ von Ernst Barlach ausgestellt. 1926 geschaffen, wird die Begegnung des ungläubige Thomas mit dem auferstanden Jesus gezeigt. Thomas, so berichten die Evangelisten, will nur an die Auferstehung glauben, wenn er die Wunden des Gekreuzigten berührt hat. Barlach zeigt, wie sich dieser Thomas an dem aufrecht stehenden Christus festhält, vor Angst noch erstarr und erkrümmt. Der Auferstandene gibt ihm das Rückgrat wieder, er wirkt gesammelt, von erstaunlicher Schlichtheit. Der Kunstkritiker und protestantische Theologe Horst Schwebel sagt: „Die Augen des Christus gehen jedoch über den Gebeugten Thomas hinweg ins Leere. Christi Gesicht drückt Mitgefühl und Teilnahme aus. Er wird dem Gebeugten zur Stütze…Es ist Christus, der als Bruder dargestellt wird, der dem anderen hilfreich zur Seite steht“.  So wird anschaulich, welchen Sinn das alte, fast abgegriffene Wort Erlösung hat: Ostern als Fest der Erlösung bringt Licht in die Dunkelheit, ein Licht, das nicht erlöschen kann, weil es göttlich ist. Die Auferstehung fördert also eine Lebensphilosophie. Sie beschreibt die Theologin Elisabeth Moltmann-Wendel: „Wenn wir aufmerksam werden auf die verwandelnden Kräfte, die schon hier unser Leben verändern, die uns anders sehen, fühlen, hören, schmecken lassen, dann können wir auch erwarten: Solche Kräfte werden nicht mit unserem biologischen Leben zu Ende sind. Wir können dem Schöpfersein Gottes zutrauen, dass es Energien gibt, die über unseren eigenen Lebenshorizont hinausreichen“.

COPYRIGHT: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon.

…….

Ein Hinweis auf die hier zitierte LITERATUR:

Albert Boime, Vincent van Gogh, Die Sternennacht. Fischer Taschenbuch, 1989.

Katharine Ceming u.a. Die Verbotenen Evangelien, Apokryphe Schriften. Marxis Verlag, 2010.

Concilium, Internationale Zeitschrift für Theologie, Themenheft Auferstehung, Dezember 2006.

Kurt Flasch, Warum ich kein Christ bin. C.H.Beck Verlag 2013.

Hans Kessler, Sucht den Lebenden nicht bei den Toten. Die Auferstehung Jesu Christi, 2011, Topos Taschenbücher. 2011, 526 Seiten.

Hans Küng, Musik und Religion, Piper Verlag München, 2010.

Elisabeth Moltmann- Wendel, Mit allen Sinnen glauben. Stimmen der Zeit 2005.

Karl Rahner Lesebuch. Herder 2014. 475 Seiten.

Horst Schwebel, Die Kunst und das Christentum, Geschichte eines Konflikts. Verlag C.H.Beck, München 2002.

Doris Strahm: http://www.doris-strahm.ch/Strahm_1_03.pdf –

 

 

 

Camilo Torres lebt: Seine Bedeutung 50 Jahre nach seinem Tod.

Camilo Torres lebt: 50 Jahre nach seinem Tod.  Siehe auch den einführenden Beitrag von Christian Modehn, Camilo Torres tot und lebendig. LINK 

Ein Interview mit Juan Camilo Biermann López. Er ist Wissenschaftler am „Centro de Pensamiento Camilo Torres Restrepo de la Universidad Nacional de Columbia“.

Ein Vorwort von Christian Modehn am 29.3. 2016: Angesichts der schwierigen und immer wieder scheiternden Friedensverhandlungen zwischen der kolumbianischen Regierung und der Guerilla dort ist es wichtig, an einen Priester, Theologen und Soziologen zu erinnern, der in Kolumbien 1966 als Mitglied einer damals noch ganz anderen „Befreiungsbewegung“ von Regierungstruppen erschossen wurde. Camilo Torres Restrepo gilt heute bei denen, die sich um eine objektive Sicht bemühen, als wichtiger Soziologe und als Befreiungstheologe, der mit der Allmacht eines konservativen Systems in Kirche und Staat zu kämpfen hatte. Camilo Torres war ein Intellektueller, der dem Evangelium gemäß die Armen über alles liebte und sich deswegen den Zorn einer reaktionären Kirchenführung zuzog. Dass er sich einst auch in Berlin aufhielt, darauf haben wir – danke der Hinweise von Juan Camilo Biermann Lopez – schon hingewiesen. Wir sind dankbar für das Exklusiv-Interview mit dem jungen kolumbianischen Historiker Juan Camilo Biermann Lopez.

Die Fragen stellte Christian Modehn, Berlin.

Anlässlich des 50. Todestages von Camilo Torres gibt es jetzt ein breites Interesse unter den KolumbianerInnen an seiner Person und seinem Denken? Gibt es möglicherweise eine neue, nicht-polemische Einschätzung seiner Person?

Jede Dekade der Erinnerung an den Tod von Camilo Torres Restrepo (im folgenden wird der Name der Einfachheit halber oft mit den Buchstaben CTR abgekürzt) führt zu einer Zunahme des Interesses an seinem Leben und Werk. (In der Fußnote wird eine Übersicht geboten, mit der man gut einschätzen kann, wie viele Zeitschriften-Beiträge außerhalb und innerhalb Kolumbiens über CTR geschrieben wurden. In dieser Übersicht kann auch man erkennen, dass sich in den Gedenk-Jahren 1976, 1986, 1996 und 2006 die Zahl der Publikationen über ihn ständig vermehrt hat. Diese Daten entnehme ich einem Buch, das kürzlich unter dem Titel „ Bibliografía general sobre Camilo Torres Restrepo“, veröffentlicht wurde, verfasst von Professor Alberto Parra Higuera von der Universität Hamburg). Aber in dieser Geschichte der Erinnerungen ist das Gedenken an den Tod von CTR vor 50 Jahren durchaus größer als zuvor. Der erste, eher oberflächliche Grund für das große Interesse an CTR ist, dass es jetzt nun einmal um die Erinnerung an den Tod vor genau 50 (!) Jahren geht. Jetzt sind die Menschen, die ihn kannten und seiner Generation angehörten, schon gestorben oder eben sehr alt. Diese Tatsache erleichtert es, dass man jetzt Themen behandeln kann, die vorher noch Groll erweckten oder von einigen Bereichen der kolumbianischen Gesellschaft als Störung empfunden wurden. Ein noch wichtigerer Grund für die Erinnerung an CTR jetzt ist die Tatsache, dass die kolumbianische Regierung und die Guerilla der FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Columbia) einen Ausweg suchen, indem man über den bewaffneten Konflikt verhandelt. Obwohl die FARC und der ELN (Ejército de Liberación Nacional; zum ELN gehörte CTR am Ende seines Lebens, der Übers.) zwei verschiedene Guerilla-Organisationen sind. So haben diese Friedensdialoge die Frage nach einem möglichen Dialog zwischen der Regierung und dem ELN aufgeworfen. So kommt der Gestalt von CTR von neuem eine Bedeutung zu, da er ja die intellektuell bedeutendste Figur des ELN war. Und sein politisches Projekt, das reflektiert wurde in „Plataforma del Frente Unido del Pueblo“ kann die Basis sein, um die Verhandlung zu beginnen. Einen dritten Grund für das starke Interesse an CTR ist darin zu sehen, dass seine sterblichen Überreste noch immer verschwunden sind. Das aber ist ein Verbrechen der Menschlichkeit und es gibt einen Gerichtsprozess, der international gültig ist. Und der hat die kolumbianische Regierung verpflichtet, nach den sterblichen Überresten von CTR zu suchen, um diese dann den Verwandten zu übergeben. Jedoch haben die Kommunikationsmedien ein wenig diese Tatsche verdreht, sie haben behauptet, dass der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos die Überreste von CTR suchen lässt wie in einer Art freundschaftlichen Geste gegenüber dem ELN.

Jede neue Erinnerung bringt neue Interpretationen und Forschungen über Leben und Werk von CTR mit sich. Es ist sehr schwierig, dass in eine Land, das mehr als 50 Jahre den Krieg erlebt, nun mit Leichtigkeit erkannt wird: Camilo Torres Restropo war mehr als ein Guerillero. Es gibt viele Sektoren, auf der Linken wie auf der Rechten, die das Bild von Camilo Torres als einem Guerilla-Priester aufrechterhalten wollen, obwohl klar ist: Priester sein und Guerillerosein bedeuten heute etwas anderes als vor 50 Jahren, als CTR sich der ELN anschloss. Vonseiten verschiedener Universitäten und religiöser und akademischer Kollektive haben wir versucht, neue Erkenntnisse anzubieten, damit CTR nicht nur als Guerilla-Priester gesehen wird. Vielmehr soll man auch anerkennen, dass er Beiträge geliefert hat etwa zu Themen der Stadt-Soziologie. Wichtig ist seine christliche Solidarität mit den Ärmsten der Armen, seine akademische Arbeit mit dem Ziel, die Gesellschaft zu verändern usw. Trotzdem, das wiederhole ich, haben es diese Erkenntnisse schwer, anerkannt zu werden. Denn die Gesellschaft ist sehr polarisiert. Und wenn man dann anerkennt, dass Camilo Torres mehr ein sozialer und politischer Führer war denn ein Guerillero: Dann kann man seinen Tod nicht mehr als einen Sieg des kolumbianischen Militärs über „die Guerillas“ betrachten. Dann kann man Camilo Torres Tod eher interpretieren als ein Beispiel mehr für die Tatsache, dass sich der kolumbianische Staat der bewaffneten Gewalt zuwandte als einer Antwort auf die Gruppen, die politische Veränderungen herbeiführen wollten zugunsten der marginalisierten Gruppen.

Haben die Führer der Katholischen Kirche in Kolumbien die theologische und hohe menschliche Qualität von Camilo Torres inzwischen anerkannt?

Bevor ich diese Frage direkt beantworte, ist es wichtig sich daran zu erinnern, dass CTR sein Priesteramt aufgab, weil die hohe Hierarchie zu der Zeit (damals geleitet von Kardinal Luis Concha Cordoba) ihn verpflichtete, zwischen der priesterlichen Tätigkeit und der politischen Aktivität zu wählen. Es ist schon komisch: Eine Figur wie Monsignore Angel Builes Gomez hat in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts versichert: „Liberale zu töten ist keine Sünde“, er hat vonseiten der Kirche konservative gewalttätige Gruppen unterstützt. Und jetzt ist dieser Prälat ein Kandidat für die Kanonisierung, also die Heiligsprechung im Vatikan. Hingegen gilt CTR nach wie vor als eine Art „outsider“ der katholischen Kirche in Kolumbien. Mehr Informationen über Builes und seine Heiligsprechung bietet: http://www.las2orillas.co/el-obispo-mas-violento-de-colombia-puede-terminar-de-santo/ )

Das zeigt, dass die katholische Kirche in Kolumbien verbunden war mit den Gruppen, die an der politischen Macht waren und die nicht interessiert waren, auf ihre Privilegien zu verzichten.

Trotzdem und über diese Tatsachen hinaus, gibt es doch einige Gestalten in der kolumbianischen Kirche von heute, die versuchen, das Vermächtnis von CTR zu befreien, neu zu lesen, und neu zu sehen, indem man ihn als einen engagierten Christen präsentiert, engagiert für die ganz armen Menschen. Das beste Beispiel dafür ist Bischof Jesus Dario Monsalve aus der Stadt Cali. Er hat nicht nur von der Regierung verlangt, dass sie sich um die sterblichen Überreste von CTR kümmert und diese ausliefert, er hat auch zahlreiche Termine gestaltet um dessen Andenken zu ehren. Das hat dazu geführt, dass Bischof Monsalve Drohungen erhalten hat und dass er von der Rechten als ein Freund der Guerilla qualifiziert wurde, was in Kolumbien schon etwas sehr Schwerwiegendes bedeutet.

Dann beantworte ich also die Frage: Es fehlt noch ziemlich viel an Einsicht, dass die hohe Hierarchie in Kolumbien die Leistungen und die hohen menschlichen Qualitäten von Camilo Torres anerkennt. Sie tut das deswegen nicht, weil dies bedeuten würde: Dass die Kirche eben auch Fehler und Fehleinschätzungen begangen hat und dass sie nicht verstanden hat, was CTR damals als Thema aufwarf, das noch immer gültg ist, nämlich die Solidarität der Kirche mit den Ärmsten der Armen. Hingegen ist das Bild von CTR anerkannt von den Basisgemeinden, das sind Gruppen von Christen, die ihn verehren und in ihm einen „Martyrer“ sehen.

Ist der Gedanke der Hingabe für das leidende Volk DAS Lebensmotiv von Camilo Torres? Ist sein Eintreten für die ELN ein Akt der Verzweiflung gewesen?

Ich glaube das Lebensmotiv bzw. die zentrale Idee seines Lebens war die „amor eficaz“, also die wirksame Liebe. Und die ist sehr viel umfassender als nur die Sorge um die Menschen, die leiden. Diese wirksame Liebe ist die Basis seiner Haltung als Christ, als Akademiker, als Priester, als politischer Führer und … endlich auch als Mensch! Das ist sehr wichtig, da nur dieses Verständnis es erlaubt, in CTR nicht einen Marxisten zu sehen. Sondern er hat begriffen, dass der Marxismus helfen kann, die christliche Liebe eben als eine wirksame Liebe zu gestalten, und zwar dank einer wissenschaftlichen Methode, die das Verständnis und die Umformung der Gesellschaft garantiert zugunsten der breiten Mehrheit.

Wenn man von der wirksamen Liebe ausgeht, dann bietet CTR drei große Aufrufe bzw. Appelle.

Es ist der Aufruf zur Einheit der Volksklasse (clase popular), also der armen Bevölkerung. Es ist der Aufruf zur Solidarität mit dieser Klasse. Und der Aufruf, diese Klasse zu organisieren. Wenn CTR von dieser clase popular sprach, bezog er sich auf die Armen auf dem Land und in den Städten. Es handelt sich um einen sehr weiten Begriff, er ist ein bisschen zwiespältig, denn CTR benutzte zu seiner Zeit diesen Begriff, um von der großen Mehrheit der Leute damals verstanden zu werden. Und dann wollte er damit auch den Unterschied zwischen der Volksklasse und der herrschenden Klasse etablieren, diese herrschende Klasse wurde auch die Oligarchie genannt.

Diese drei Aspekte und Aufrufe fassen sehr gut zusammen, was seine politische Arbeit in den letzten 2 oder 3 Jahren seines Lebens betrifft. Im übrigen suchte er mit diesen drei Appellen alle Parteien, die nicht so mächtig waren und alle Menschen innerhalb der herrschenden Macht-Parteien (also der liberalen und der konservativen Partei) zu vereinen. Er wollte diese Menschen vereinigen ringsum eine „Frente Unido del Pueblo“, eine vereinte Front des Volkes. Aus verschiedenen Gründen fand diese Koalition von Parteien keinen großen Erfolg, vor allem deswegen, weil die Idee verteidigt wurde, nicht an den Wahlen teilzunehmen (man nennt das Absentismus). Und das in einem Moment, als die Präsidentschaftswahlen näher rückten und es Parteien gab (wie die Kommunisten oder die Christlichen Demokarten), die sehr interessiert waren, an diesen Wahlen teilzunehmen.

Ich glaube nicht, dass Camilo Torres Entscheidung dem ELN beizutreten aus Verzweiflung geschah. Ich glaube, es war eine Entscheidung, die er unter großem Druck getan hat, da es ja bekannt ist, dass er im Jahr 1965 zahlreiche Todes-Drohungen erhalten hat. Es ist wichtig, um besser seine Entscheidung zu verstehen, im ELN mitzumachen: Zu dieser Zeit damals war die sozialistische Revolution als nahe bevorstehend erwartet worden. Der Triumph der Revolution in Cuba überzeugte viele, dass sie glaubten: Der bewaffnete Weg sei tauglich, um an die Macht zu kommen, besonders in Ländern wie Kolumbien, wo die Oligarchie überhaupt nicht bereit war, irgendetwas von der eigenen Macht anderen Gruppen der Gesellschaft zu überlassen.

Woran man sich immer erinnern muss ist: Die Idee der Guerilla in den 1960 Jahren ist sehr verschieden von der aktuellen Guerilla!! In der Dekade der 1960 Jahre hatte die Guerilla überhaupt keine Verbindung mit dem Drogenhandel. Zudem, auch wenn der sowjetische sozialistische Block existierte, gab es keine ideologische Rechtfertigung, um die bewaffnete Revolution zu verteidigen. Aber alle diese Zusammenhänge haben sich geändert. Das Problem heute ist: Viele Forscher und vor allem viele Massenmedien präsentieren die Guerilla der 1960 Jahre so, als wäre sie identisch mit der Guerilla von heute. So wird die Gestalt von Camilo Torres falsch verstanden und stigmatisiert!

Ist der ELN, der sich Camilo Torres angeschlossen hatte, überhaupt vergleichbar mit heutigen „Guerilla-Bewegungen“ in Kolumbien?

Es sind wenige Dinge, die noch heute mit dem ELN zur Zeit von CTR gemeinsam sind. Ich glaube, ein Element, das sich durchgehalten hat, ist die Verachtung für den Geistige (la intelectual). Die Guerilla des ELN ist eine solche, die vor allem von Campesinos geformt ist, die ohne große ideologische Bildung sind. Sie entscheiden sich, beim ELN mitzumachen, nicht nur, um „die Revolution zu machen“, sondern um etwas zum Leben zu haben. Ich beziehe mich nicht darauf, dass der ELN ein irreguläres Söldner Heer ist. Ich beziehe mich auf eine ideologische Schwäche, sie hält sich im ELN. Wenn der ELN noch Personen anzieht, dann wegen der Möglichkeit, sich vor den Misständen der Regierung zu verteidigen und um die Territorien zu kontrollieren, zu denen das Militär der Regierung nicht viel Zugang hat.

Kann die Beschäftigung mit der „ganzen“ Person von Camilo Torres ein Beitrag sein, dass Kolumbien zum inneren Frieden und zur Gerechtigkeit findet?

Es wäre geradezu ideal , wenn die Gestalt des Camilo Torres mehr Berücksichtigung fände in der aktuellen politischen Debatte in Kolumbien. Trotzdem: Es ist schwierig. Denn die großen Massenmedien und die katholische Kirche Kolumbiens stellen ihn nicht so dar, dass er mehr ist als einn „Guerilla-Pfarrer“. Man darf auch nicht vergessen, dass CTR in einer reichen kolumbianischen Familie geboren wurde und dass er in seinem Leben nicht nur ein großes Interesse und eine Sorge für die Armen hatte, sondern dass er auch die die Oligarchie attackiert hat. Deswegen wird er von vielen wie ein Verräter betrachtet.

Ich glaube, dass Camilo Torres eine Persönlichkeit ist aus der Generation der 1960 Jahre. Diese Generation suchte die Veränderung Kolumbiens. Es gibt mehrere andere auch, die wie CTR dachten. In diesem Sinne glaube ich, dass man damit beginnen muss, sich nicht nur auf Camilo Torres zu konzentrieren. Man sollte ihn hingegen als Mitglied einer Generation sehen (einer Generation, die für viele als gescheitere Generation gilt)… Diese Generation suchte die Veränderung, die Gerechtigkeit, die Gleichheit. Und noch heute sind seine Ideen gültig, weil er zeigte: Der Konflikt in Kolumbien wird von strukturellen Ursachen bestimmt, und diese Ursachen verpflichten uns auch …zu strukturellen Veränderungen.

Copyright: Juan Camilo Biermann López und Religionsphilosophischer Salon Berlin

Siehe auch das Dokument: Publicaciones sobre CTR 1957-2015.doc

 

Winfried Kretschmann hält sich an den Theologen Karl Rahner

Winfried Kretschmann hält sich an den Theologen Karl Rahner.

Ein Hinweis von Christian Modehn

Der in einigen nachdenklichen kritischen Kreisen immer noch geschätzte, um 1970 noch weltberühmte progressive katholische Theologe Karl Rahner aus dem Jesuitenorden (1904 bis 1984) bestimmt mit seinen theologisch-kritischen Aussagen offenbar jetzt (Mitte März 2016) den pragmatischen Umgang Winfried Kretschmanns (Die Grünen) mit dem neuen Koalitionspartner, der CDU. Ministerpräsident Kretschmann erinnerte schon wenige Stunden nach seiner Wahl, am 14. 3. 2016, an Karl Rahner, ein Zeichen für die theologische Kenntnis des katholischen Politikers.

Karl Rahner sagte: „Dogmen sind wie Straßenlaternen. Sie wollen den Weg beleuchten, aber nur Betrunkene halten sich daran fest“.

Offenbar ist Kretschmann nüchtern genug, relativ dogmenfrei eben auch mit der CDU eine Koalition einzugehen. Wir würden uns wünschen, diesen Spruch Karl Rahners auch aus dem Munde vieler führender SPD Politiker zu hören, bezogen auf eine gemeinsame Koalition mit der Partei Die Linke und den Grünen auf Bundesebene. Vielleicht wird dies angesichts der AFD auch not-wendig, sich von Dogmen zu trennen, die Koalitionen bisher verhindern…

Und wir wünschen uns auch – allerdings völlig illusorisch – dass sich die obersten dogmatischen Glaubenswächter in Rom, etwa Kardinal Müller von der so genannten Glaubenskongregation, an die Weisheit Karl Rahners halten. Rahner folgend, wären dann eigentlich alle Kardinäle und Bischöfe, alle Beamten der Glaubenskongregation irgendwie leicht oder heftig betrunken. Sie klammern sich ja förmlich an die Dogmen wie Rettungsanker und kommen kaum die Beine, im Sinne des fortschreitenden Unterwegsseins… Ja, selbst die Päpste und die bischöflichen Teilnehmer der dogmatisch-ängstlich geprägten Welt-Bischofs-Synoden wären dann eigentlich betrunken, weil sie sich an Dogmen klammern, und deswegen, beschwipst, kaum ernst zu nehmen sind in ihrer Erstarrung.

Dieses Zitat von Karl Rahner geistert jetzt förmlich durch das gesamte www.

Mir hat dieses Zitat Rahners der Wiener katholische Theologe Prof. Paul Michael Zulehner in einem Interview 2013 in Berlin mitgeteilt. Das Zitat Zulehners wurde dann von mir in einer Sendung für den HR 2013 verwendet (für die Reihe Camino):

9.O TON in der HR Sendung vom 26.5.2013:

Paul M.Zulehner: „Wir müssen weg von unseren alten, bekannten abgedroschenen Aussagen und von dem, was wir für richtig gehalten haben, auch weg von der Macht versessenen Kirche, als wären wir diejenigen, die das Heil der Menschen in der Hand haben. Die Dogmen sind im Grund genommen wie die Laternen, die uns auf dem Weg durch die dunkle Nacht leuchten und nur Betrunkene halten sich daran fest, hat Karl Rahner mal ein bisschen salopp über die Dogmen gesagt….“    Soweit Prof. Paul M. Zulehner.

Es wäre eigentlich wichtig, wenn das hoch geschätzte Rahner Archiv in Freiburg die exakte Belegstelle des Rahner Wortes mitteilen könnte.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon

 

Philosophischer Salon „Jeder Mensch ist ein Grenzgänger“

Der nächste religionsphilosophische Salon findet am Freitag, den 29. April 2016 um 19 Uhr, in der Galerie Fantom, Hektorstr.9 statt. Das Thema: „Jeder Mensch ist ein Grenzgänger“. Philosophische, theologische und politische Überlegungen zur aktuellen und uralten (immer aber falschen) Tendenz, sich selbst und andere einzumauern.

Schriftliche Anmeldungen (!) sind erforderlich. christian.modehn@berlin.de Es stehen eigentlich nie mehr als 20 Plätze in einem Salon zur Verfügung. Für die Raummiete: 5 Euro als „Eintrittsgebühr“. StudentInnen haben natürlich freien Eintritt.

Wir werden zunächst den Zusammenhang von menschlicher Existenz und Grenze in den Blick nehmen: Wie wir auch im ursprünglichen Mit-Sein doch immer letztlich unvertretbar einzelne sind, mit den Grenzen des Individuums ausgestattet, etwa im Blick auf den je eigenen Tod. Wie wir aber immer schon die Grenzen des Ich überwinden, indem wir erkennen, dass wir allein schon in der Sprache die Grenzen des Ego ins Allgemeine hin überschreiten. Wie wir bisherige Werte und moralische Selbstverständlichkeiten tatsächlich als Grenzen überwinden können und sollen, etwa durch die Auseinandersetzung mit der Kunst und der Musik oder der vernünftig geprägten, nicht-fundamentalistischen Religion. Wir wollen die Frage erörtern, wie gerade im Überschreiten der eigenen Grenzen das eigene Dasein in seiner Weite und Tiefe, die ständig wachsen und sich wandeln, neu bejaht wird. Wir wollen fragen, ob das Inistieren auf dem Gegebenen als dem angeblich Unveränderlichen (siehe Dogma) das Dasein selbst verkümmert lässt in ängstlicher Abwehr. Wir werden fragen, wie diese verkümmerte Existenz voller Angst auch politische Auswirkungen hat, etwa in der Abwehr der Fremden und Flüchtlinge. Das Insistieren auf den angeblich besonderen Werten der eigenen Nation als dem höchsten Wert, schlimmer noch, das Insistieren auf einer Rasse als Grenze gegenüber anderen, ist der Ursprung von Gewalt und Hass.

Alles in allem verspricht dieser Salonabend am 29.4. lebendig zu werden. „Vorbereitende Gedanken und konzentriertes Sprechen und gesammeltes Eingehen aufeinander sind in jedem Salon besonders willkommen und notwendig“, hat die berühmte Salonnière Madame d Epinay in Paris einmal gesagt…. Das nehmen wir alle uns doch sehr zu Herzen bzw. zur Vernunft.

Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

Kant und die Auferstehung Jesu. Ein Hinweis.

siehe den (am 9.4.2025) neu geschriebenen Beitrag: https://religionsphilosophischer-salon.de/19956_an-die-auferstehung-vernuenftigerweise-glauben_denkbar

LINK