Der Kampf um die Anerkennung. Erste Hinweise zu Hegel beim Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon am 30.10.2015

Der Kampf um die Anerkennung. Erste Hinweise zu Hegel beim Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon am 30.10.2015

Von Christian Modehn

Das Thema „Herr und Knecht“ bei Hegel hat in der weiteren Philosophie (u.a. Karl Marx) wie in der Literatur (etwa Bert Brecht) eine herausragende Rolle gespielt. Hegels Überlegungen können auch heutige Verhältnisse klären…Sie zeigen und das ist der zentrale Punkt: Es ist der Knecht, der trotz und wegen seiner untergeordneten Stellung das entwickeltere Selbst-Bewußsein sich „erobert“, der den Herrn auch als Individuum wahrnehmen kann, der bewusstseinsmäßig weiter ist als Herr und der als Knecht die Herr-Knecht-Beziehung aufbrechen und verändern kann. Zu einer Anerkennung der Menschen als gleichberechtiger Menschen, die gemeinsam an der Vernunftteil haben.Das ist das Ergebnis der Ausführungen Hegels.

Im einzelnen geht es Hegel um die Beschreibung der Dialektik an einem idealtypischen Verhältnis:

Der Herr ist in seiner Ich-Fixiertheit gar nicht in der Lage, den Knecht als Menschen wahrzunehmen. Er sieht ihn eher als Ding. Zu wahrer Menschlichkeit im Sinne von Respekt vor dem anderen wird der Herr durch den Knecht geführt.

Der Kampf um Gleichberechtigung und Anerkennung ist im Sinne Hegels ein Kampf auf Leben und Tod. Nur der wird den Respekt erlangen, der den eigenen Tod wagt, betont Hegel. Freiheit muss errungen werden. Und Tod muss ja nicht immer als physisches Ende verstanden werden, sondern auch als Zustimmung zu einem einschränkenden Lebensentwurf, in dem es keine Freiheit gibt.

Das Motto Hegels könnte sein: „Die Menschen müssen sich ineinander wieder finden wollen“ (Enzyklopädie III, 220, § 431). Das heißt sich als gleichwertige Teilhaber des einen universalen Geistes anerkennen.

Und Hegel fährt fort: „Dies kann aber nicht geschehen, solange die Menschen in ihrer Unmittelbarkeit, in ihrer Natürlichkeit (also in ihrem Egozentrismus), befangen sind. So können die Menschen nicht als freie Menschen füreinander sein. Denn diese Natürlichkeit ist es, dass die Menschen nicht als freie für einander da sein können“,

Mit dem Thema, „Herr und Knecht“ als Kampf um Anerkennung, hat sich Hegel schon sehr früh, etwa in Jena 1802, dann in der „Phänomenologie des Geistes, 1807, befasst, bis hin zu den Vorlesungen über die „Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften“ (noch einmal in den Vorlesungen 1830).

Das Thema der Herrschaftsüberwindung war damals schon philosophisch und politisch en vogue: Fichte hatte erkannt: Es gibt eine Wechselseitigkeit der Aufforderung: Dass ich frei sein will UND die Begrenzung meiner Freiheit durch den anderen als Bedingung meiner Freiheit respektiere, siehe Fichte: „Grundlage des Naturrechts“ 1796. Das sind eher abstrakte Überlegungen, die aus der Reflexion auf die Ich-Struktur allein zustande kommen.

Anders denkt Hegel: Er verortet das Anerkanntwerden der Menschen in der konkreten Geschichte. Er weiß, dass die Anerkennung des anderen ein Kampf ist, ein politischer Kampf, der einst stattgefunden hat, nun aber im Staat mit den Gesetzen ein gewisses Ziel erreicht hat. Hegel hat die Französische Revolution als das tiefste und einschneidende Ereignis seiner Gegenwart gedeutet. Und er kannte den Sklavenaufstand in Haiti und die Gründung der ersten „Schwarzen“ – Republik 1804. Die Philosophie wollte ihre eigene Zeit in Gedanken fassen, das versucht er bei unserem Thema. Wobei er durchaus seine intellektuellen Grenzen hatte, und von Schwarzen nicht gerade immer wohlwollend sprach.

 Ich fasse einige Gedanken aus der Enzyklopädie, Band III, zusammen: § 431:

Zwei Subjekte sind da, sie sind jeweils noch nicht entwickeltes Selbstbewusstsein. Aber in ihrem Wesenskern als an sich seiende geistvolle Menschen ist Wahres angelegt. Die Menschen sind nicht bloß natürlich, also nicht selbst bewusste Wesen, sie können ein Selbstbewusstsein, ein Sich als Individuum wissen, erwerben. Und sie begreifen sich als freie Wesen erst nach einem langen Prozess.

Frei bin ich, wenn ich in gewisser Weise (als Geistwesen wie der andere) identisch mit dem anderen bin, wenn der andere frei ist wie auch ich frei bin.

Beide sind in ihrer wechselseitigen Freiheit vereint.

Die Menschen sind innerlich in der Freiheit verbunden. Wenn man sich nur sieht als bedürftiges Wesen, als Not leidendes Wesen sieht, dann ist die Beziehung zu dem anderen nur äußerlich, noch nicht geistig, noch nicht als einander zu Freiheit herausrufend. Wenn ich dem anderen nur helfe, mitleidig, sehe ich ihn noch als Objekt. Es kommt darauf an, als freie Menschen für einander frei als gleichberechtigt dazusein. Die Natürlichkeit, also den nicht selbstbewussten, noch unfreien Zustand, kann ich nur überwinden im Kampf.

Nur durch Kampf kann Freiheit erworben werden, dieser Kampf um die Freiheit kann die Gefahr (!) des eigenen und des fremden Todes einschließen. Es gilt also um der Freiheit willen das Leben zu riskieren.

Es geht darum, sich in die Gefahr des Todes zu bringen, also alles zu riskieren, um die Freiheit zu gewinnen, also alles zu wagen, letztlich auf alles zu setzen: Dann erlangt man die Freiheit.

§ 432

Aber der wirkliche Tod des anderen kann gar keine Freiheit der Anerkennung mehr bringen. Die Anerkennung muss also geistig geschehen. Indem man einander als Geistwesen anerkennt. Dieser Kampf auf Leben und Tod findet in der bürgerlichen Welt, im Staat, in dieser Weise nicht mehr statt, mein Hegel, jetzt gibt es vernünftige Gesetze, die das Miteinander der Freiheit regeln.

§ 433

Die wahre Entwicklung zum Selbstbewusstsein macht der Knecht durch. Der Knecht bezieht sich schon auf den Herrn, er nimmt ihn als solchen ernst, zwar noch in der Position der Unterdrückung. Aber der Knecht sieht schon über seinen eigenen engen Horizont der eigenen Einzelheit hinaus. Indem er auch auf den Herrn schaut, arbeitet er sich hoch zu einem wahren Selbstbewusstsein „hoch“. Der Knecht überwindet das Auf-sich-selbst-Fixiertsein, das den Herrn noch bestimmt. Hegel meint: Man muss seine eigene Selbstsucht nichtig finden, als nur auf sich fixiert sein, darum ist der Knecht auf dem Weg der Freiheit. Der Knecht, der Unterlegene, ist also im dialektischen Fortgang der Stärkere.

§ 435 Der Herr bleibt in seiner Selbstsucht befangen.

Ziel dieser Bewegung zwischen Herr und Knecht, dass beide sich als freies vernünftiges Selbstbewusstsein anerkennen. Als Geistwesen, als Menschen, die den gemeinsamen Geist haben in ihrer jeweiligen Individualität.

Damit ist ein Weg beschritten, der zur Überwindung der Einzelheit führt und hin zur Vernunft, die auch im anderen den Geistvollen Menschen sieht. Auch der Herr muss erkennen, dass er seinen egoistischen Willen dem allgemeinen vernünftigen Geist unterwirft.

Der Knecht führt den Herrn zur Freiheit Siehe III., § 436, S. 227.

„Wer für die Erringung der Freiheit das Leben zu wagen, den Mut nicht besitzt, der verdient es, ein Sklave zu sein“ (§435 Zusatz).

Der Kampf kann beendet werden, wenn beide Seiten, die ja nun das Selbstbewusstsein gefunden haben, aufhören, ihre jeweiligen „Rollen“ aufgeben und aufhören eben „Herren“ und „Knechte“ zu sein. Wenn also als neue Menschen aus diesem Prozess hervorgehen.

Hingegen gibt es historisch gesehen immer wieder Entgleisungen in diesem Prozess des Wandels: Der Knecht kann dann der (neue) Herrschende werden und die Rolle des Herrn übernehmen. Dann beginnt die fatale Entwicklung von neuem, es gibt wieder neue Herren und neue Knechte. Diese möglicherweise ständige Wiederholung gilt es zu beenden. Indem beide anerkennen: Wir sind beide gleichwertige, vom gemeinsamen Geist geprägte Wesen, Personen. Wir wollen vernünftig, d.h. geistvoll mit einander leben, im Wissen, dass wir beide Teil haben an demselben universalen Geist, der die Menschheit als Menschheit und letztlich die Welt im ganzen auszeichnet.

Entscheidend ist nun im Blick auf die Flüchtlinge in Europa, in Deutschland, heute:
Es gibt immer noch die Herren, die gerade aus der Nichtanerkennung der anderen, der Sklaven, leben; das gilt für die Verbrecher-Politiker in den arabischen Ländern selbst, aber auch für jene, eigentlich human gesinnten Politiker, die diesen Zustand der Sklaverei in bestimmten Ländern der arabischen Welt oder der „3.Welt“ einfach hinnehmen, weil dieser Zustand den Europäern ökonomischen Vorteil bringt.

Nun brechen sehr viele Oppositionen, „Knechte“ aus diesen Ländern nach Europa auf. Europa weiß selbstverständlich, dass es selbst an dieser Fluchtbewegung mitschuldig ist, indem man eben die Verbrecher-Regierungen in den genannten Ländern aus ökonomischen Profitstreben gewähren ließ und gewähren lässt. Beispiele sind auch Waffenlieferungen aus Europa in diese Verbrecherstaaten.

Jetzt sind also die Opfer, die Knechte, eben als Flüchtlinge aus diesen Ländern, Syrien, Irak usw. bei uns. Gilt dann jetzt hier weiter die Haltung: Ich, der Europäer, bin der Herr, ihr, die Opfer und Flüchtlinge, ihr seid die Knechte. Also die Minderwertigen, über die ich Europäer bestimme und verfüge. „Ich gebe euch Taschengeld, ich lasse euch in Zelten frieren, ich verfüge, wohin ihr geschickt werdet“ usw.

„Ich bin ich, und ich bleibe ich; und die anderen sind eben die anderen, die Fremden, die Minderen“. Ist das die Haltung, die Devise der Herren in Europa?

Genauso abwegig wäre die andere Haltung der Flüchtlinge, der Knechte: Wir mit unserem Glauben (etwa Islam) wollen herrschen und werden eines Tages herrschen als die neuen Herren. Wir haben recht, unsere Religion ist die einzig wahre usw. Solche Positionen haben keine Wahrheit und kein politisches Recht. Toleranz ist das Mindeste.

Wird also der Kampf um die Herrschaft auch hierzulande weitergehen? Wird es immer weitergehen, auch unter veränderten Strukturen, mit der Herrschaft und Unterdrückung?

Hegel lehrt uns und damit die allgemeine Einsicht der Vernunft: Der Prozess des Respekts muss beginnen, der Prozess der wechselseitigen Anerkennung. Also Aufgabe der Herrschaftsgesten der „Herren“ (Europäer) und Sich Einlassen auf die neue Kultur der Gastgebenden Länder als der neuen Heimat der Flüchtlinge.

Es kommt also, Hegel folgend, auf die Veränderung des Bewusstseins im Miteinanders des nun ehemaligen Herrn und des nun ehemaligen Flüchtlings an.

Die Dialektik legt frei: Wir werden im Prozess des veränderten Selbstbewusstseins zu anderen; wir wandeln unsere alte, selbstverständliche Rolle und Identität.

Wir werden neue Menschen, können und sollten jedenfalls neue Menschen werden, wenn wir nicht die alte Welt der Unterdrückung bequemer finden als die eigene Freiheit und Verantwortung für sich und andere.

Noch ein Hinweis zur historischen Genese des philosophischen Motivs „Herr und Knecht“ bei Hegel:

Es geht um die Erkenntnis der Tatsache, dass Hegel schon von den Aufständen der Schwarzen in Haiti und der Gründung der „Schwarzen EX-Sklaven“ Republik Haiti (als erste Republik der „Schwarzen“ seit dem 1.1.1804 unabhängig) gehört hatte. Dafür bietet das überaus spannende und lehrreiche Buch „Hegel und Haiti“ der us-amerikanischen Philosophin Susan Buch-Morss viele Belege. (erschienen auch bei Suhrkamp, 2011, 16 €).

Aus der Geschichte des Befreiungskampfes der Schwarzen Sklaven auf Haiti nur kurz einige Stichworte: Haiti war damals die wichtigste Kolonie Frankreichs, mit Unmengen an Zucker und Kaffee, die von dort durch Sklavenarbeit nach Europa kamen.

Der Hauptakteur der Schwarzen Befreiung war Toussaint L-Ouverture. 1791 organisierte er die Revolte. Dabei spielte die Religion der schwarzen Sklaven aus Afrika, der Voodou, eine zentrale Rolle. „Lauscht der Stimme der Freiheit, die in unser aller Herzen spricht“ , sagten Voodou Priester in Haiti.Erstaunliche Worte aus dem Voodou.

Die Französische Revolution hatte – nicht zuletzt durch den entschiedenen Einsatz des Demokraten, des katholischen Priesters Abbé Grégoire, die Sklaverei abgeschafft. Das hörten die Sklaven in Haiti.

1794 wurde von Ihnen erzwungen, die bereits nun de facto bestehende Abschaffung der Sklaverei in Paris anzuerkennen.

So konnten die freigelassenen Sklaven auf französischer Seite gegen die Engländer kämpfen.

Napoléon wollte die Abschaffung der Sklaverei auf Haiti rückgängig machen, er holte den Schwarzen Führer Toussaint nach Frankreich … und kerkerte ihn ein. Er starb in Frankreich.

Jedoch der Kampf gegen Napoléon ging auf Haiti weiter: Unter dem Schwarzen Jean Jacques Dessalines. Am 1. 1. 1804 führte sein Kampf gegen Napoleon zur Unabhängigkeit Haitis von Frankreich. „Freiheit oder Tod“ war sein Wahlspruch. Die Geschichte Haitis begann mit einem Freiheitskampf der Knechte, der Sklaven. Einige Schwarze (bzw. Mulatten) sahen sich als führende Politiker in Haiti nur als die neuen Herren … und sorgen bis heute den politischen und ökonomischen Niedergang des eigenen freien Landes. Und Europa? Es konnte nicht ertragen, dass die europäischen Herrscher, die Herrenmenschen, von Sklaven besiegt wurden. Die Herren taten alles, um diesen Befreiungskampf zu behindern und die neue Republik der einstigen Knechte, der Sklaven, ab 1804 zu behindern bzw. zu attackieren.

 

Copyright: Christian Modehn

 

 

 

Das Morden in Syrien nimmt zu: Eine Stellungnahme des „Jesuitenflüchtlingsdienstes“

Der Religionsphilosophische Salon ist der Idee und Wirklichkeit der universalen Menschenrechte verpflichtet. Philosophie ist für den Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon niemals nur Spekulation, niemals nur Metaphysik, niemals nur Theorie.

Deswegen empfehlen wir dringend die Lektüre der bewährten und international sehr respektierten NGO „Jesuiten-Flüchtlingsdienst“, die in Syrien ausharrt … nebenbei, in allen Teilen der Welt hervorragende Arbeit für das Wohl der Flüchltinge leistet.

Die Erklärung des Jesuitenflüchtlingsdienstes vom 5. 2. 2015 hat diesen Wortlaut, wer will, möge bitte – auch helfend – Kontakt aufnehmen:

Pressemitteilung des JRS International und JRS Syrien

Link zum englischen Original: http://en.jrs.net/news_detail?TN=NEWS-20150205090424

Den höchsten Preis für die Gewalt zahlen jene, die sich am wenigsten wehren können

Rom / Damaskus, 5. Februar 2015. Die Eskalation der Gewalt seit einigen Tagen, besonders in Aleppo und Damaskus, hat den Jesuiten-Flüchtlingsdienst aufs Äußerste alarmiert. Angriffe haben auch dicht besiedelte Wohngebiete getroffen. In Damaskus hat die Gewalt ein bisher beispielloses Ausmaß erreicht. Die internationale Staatengemeinschaft muss dringend Maßnahmen ergreifen, um die Zivilbevölkerung zu schützen.

In den vier Jahren dieses andauernden Konflikts sind nach Angaben humanitärer Organisationen mehr als 200.000 Syrer und Syrerinnen getötet worden, rund 10 Millionen wurden vertrieben. Weitere 250.000 Menschen sind von der Versorgung abgeschnitten.

„Einige dieser Raketenangriffe haben mit Absicht auf besonders dicht bewohnte Gebiete gezielt, in denen Einheimische und Vertriebene Tür an Tür leben. Neben den furchtbaren Folgen für Menschenleben und die Infrastruktur schüren solche Angriffe auch sektiererischeTendenzen“, so ein Mitarbeiter des JRS in Damaskus.

Die Angriffe behindern humanitäre Hilfe, weil sie Hilfsorganisationen dazu zwingen, ihre Mitarbeitenden zu evakuieren und ihre Arbeit zumindest vorübergehend einzustellen. Inmitten eines solchen Angriffs versuchen Eltern verzweifelt, zu ihren Kindern zu gelangen und riskieren dabei ihr eigenes Leben. Es sind diejenigen, die sich selbst am wenigsten verteidigen können, die letztlich den höchsten physischen und seelischen Preis für die Gewalt zahlen müssen.

„Der fortdauernde militärische Einsatz wird die humanitäre Krise nur vertiefen. Für die Zukunft der ganzen Region muss die internationale Gemeinschaft – einschließlich der umliegenden regionalen Staaten – alles in ihrer Macht Stehende tun, um die Gewalt zu stoppen.“

Um humanitäre Hilfe wirkungsvoller zu machen, sollten diejenigen zivilen Gruppen mehr Unterstützung erhalten, die in den am stärksten betroffenen Gebieten arbeiten, wo internationale Organisationen nicht mehr hinkommen. Solche syrischen Netzwerke und Organisationen geben der Bevölkerung Hoffnung und leisten dringend benötigte Hilfe mit oft sehr geringen Mitteln. Lokale Akteure einzubinden ist eine Möglichkeit, langfristige Kompetenzen aufzubauen und Syrern zu helfen, der Logik von Gewalt und Krieg zu widerstehen.

Nachbarstaaten haben die größte Verantwortung für den Schutz derer übernommen, die vor dem Konflikt fliehen. Allein der Libanon hat mehr als eine Million syrische Flüchtlinge aufgenommen, was die Infrastruktur des kleinen Staats unter großen Druck setzt. Flüchtlinge sind obdachlos und ohne Arbeit, Kinder können nicht zur Schule gehen. Sie brauchen dringend massive technische und finanzielle Hilfe der internationalen Staatengemeinschaft.

Link zur englischen Pressemitteilung:

http://en.jrs.net/news_detail?TN=NEWS-20150205090424

For further information please contact:

International: James Stapleton

International Communications Coordinator

Jesuit Refugee Service

Tel: +39 06 69868 468; +39 346 234 3841

twitter: @JesuitRefugee, @stapletonjm;

linkedin.com/in/stapletonjm

en.jrs.net

facebook.com/JesuitRefugeeService

JRS Syrien:

Zerene Haddad

Regional Advocacy & Communications

Jesuit Refugee Service

Middle East and North Africa

zerene.haddad@jrs.net

Tel: +961 1 421 000 (ext 4712)

www.jrsmena.org

Der Jesuit Refugee Service (Jesuiten-Flüchtlingsdienst, JRS) wurde 1980 angesichts der Not vietnamesischer Boat People gegründet und ist heute als internationale Hilfsorganisation in mehr als 50 Ländern tätig. In Deutschland setzt sich der Jesuiten-Flüchtlingsdienst für Abschiebungsgefangene ein, für geduldete Flüchtlinge, Flüchtlinge im Kirchenasyl und für Menschen ohne Aufenthaltsstatus („Papierlose“). Schwerpunkte seiner Tätigkeit sind Seelsorge, Rechtshilfe und politische Fürsprache.

Dr. Dorothee Haßkamp

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Eine rassistische Flüchtlingspolitik überwinden. Zum Welttag der Flüchtlinge

 

Eine rassistische Flüchtingspolitik der deutschen Bundesregierung überwinden.

Der „Religionsphilosophische Salon Berlin“ versteht Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie immer auch als Kritik bestehender Religionen, Weltanschauungen und ideologisch/politischer Überzeugungen. Das sich angstvolle Einkapseln Europas in eine Welt der Reichen gegen eine Welt der Armen und Entrechteten hat durchaus Charakteristika einer Glaubensoption, einer Ideologie, eines Götzen, zu dem es angeblich keine Alternative geben soll, wie die hieisigen herrschenden PolitikerInnen gern behaupten.

Heute, am Welttag der Flüchtlinge, weisen wir darauf hin, wie die Bundesregierung, zu der  zwei sich christlich nennende Parteien gehören  sowie eine Partei, die das Wort sozial im Titel führt,  eher rassistisch anmutende Positionen vertritt.

Wir publizieren gern eine Stellungnahme der international hoch angesehenen Organisation „Jesuiten – Flüchtlingsdienst“ (JRS).

Am Montag, den 23. Juni 2014, wird im Bundestag mit Fachleuten die Absicht diskutiert, Serbien, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina zu sicheren Herkunftsländern zu erklären. Etwa 20.000 Asylsuchende kamen 2013 aus diesen Ländern. „Müssen wir dafür Grundrechte beschneiden?“, kristiert der Direktor des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes, Pater Frido Pflüger SJ. In Verbindung mit einem weiteren Gesetzesvorhaben erhalten diese Pläne zusätzliche Brisanz zu Lasten von Schutzsuchenden.

Asylanträge aus „sicheren Herkunftsländern“ können als „offensichtlich unbegründet“ noch schneller abgelehnt werden. Für Asylsuchende wird es dadurch schwieriger, ihren Schutzanspruch zu beweisen. Von der scharfen Kritik zahlreicher Menschenrechts- und Flüchtlingsorganisationen zeigt sich die Regierungskoalition bisher unbeirrt.  „Das deutsche Asylrecht beruht auf der Erfahrung: Menschen, die in ihrer Heimat rassistischer Verfolgung ausgesetzt sind, brauchen internationalen Schutz“, so Pater Pflüger SJ. „Obwohl alle genau wissen, dass viele Roma schwerer rassistischer Diskriminierung ausgesetzt sind, werden sie bei uns als ‚Armutsflüchtlinge‘ verleumdet. Mich beunruhigt es, wenn die Anerkennungsquote von Asylanträgen aus diesen Ländern gegen Null geht, während sich die Berichte über Gewalttaten und lebensgefährliche Ausgrenzung dort häufen.“

Zusätzliche Brisanz erhält das am Montag diskutierte Vorhaben durch einen zweiten Entwurf, der dem Jesuiten-Flüchtlingsdienst und anderen Verbänden zur Stellungnahme vorliegt. Wessen Asylantrag als „offensichtlich unbegründet“ abgelehnt wird – was für „sichere Herkunftsländer“ automatisch der Fall wäre –, soll per Gesetz als Sozialbetrüger gelten und mit einem Aufenthalts- und Wiedereinreiseverbot belegt werden. Das dürfte nicht nur schwerwiegende Folgen für die direkt Betroffenen haben. „Damit würden gängige feindselige Vorurteile gegenüber Asylsuchenden und Roma per Gesetz verfestigt. Auch unter diesem Aspekt sind die Pläne verantwortungslos“, urteilt Pater Pflüger SJ.

Schon jetzt stellt Serbien Roma unter Strafe, die im Ausland Asyl suchen. Wenn die Bundesregierung ihre Pläne verwirklicht, würden Serbien und Deutschland das Menschenrecht in die Zange nehmen, das eigene Land zu verlassen, um Schutz vor Verfolgung zu suchen. „Ich hoffe, dass die Abgeordneten der Regierungskoalition diese beiden unseligen Vorhaben letztlich ablehnen“, so Pater Pflüger.

Zur Vertiefung: JRS-Stellungnahme vom 14.4.2014 zum Gesetzesvorhaben: http://tinyurl.com/l38qzfn Gemeinsamer Appell für die Rechte von Roma-Flüchtlingen vom 30.4.14: http://tinyurl.com/n3nap9l

Zwei wichtige Hinweise:

Der Jesuit Refugee Service (Jesuiten-Flüchtlingsdienst, JRS) wurde 1980 angesichts der Not vietnamesischer Boat People gegründet und ist heute als internationale Hilfsorganisation in mehr als 50 Ländern tätig. In Deutschland setzt sich der Jesuiten-Flüchtlingsdienst für Abschiebungsgefangene ein, für geduldete Flüchtlinge und für Menschen ohne Aufenthaltsstatus („Papierlose“). Schwerpunkte seiner Tätigkeit sind Seelsorge, Rechtshilfe und politische Fürsprache.

Der Jesuiten-Flüchtlingsdienst Jesuit Refugee Service Der Jesuiten-Flüchtlingsdienst Deutschland ist ein Werk der Deutschen Provinz der Jesuiten K.d.ö.R. Dr. Dorothee Haßkamp Öffentlichkeitsarbeit Witzlebenstr. 30a, D-14057 Berlin Spendenkonto: 6000 401 020 Pax-Bank Berlin BLZ 370 601 93 Telefon (030) 3260-2590 Telefax (030) 3260-2592 E-Mail dorothee.hasskamp@jesuiten-fluechtlingsdienst.de Internet www.jesuiten-fluechtlingsdienst.de

Christian Modehn für den Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon Berlin

Weder sozial noch demokratisch noch christlich. Der Koalitionsvertrag und die Flüchtlinge

Weder sozial noch demokratisch noch christlich
Der Koalitionsvertrag und die Flüchtlinge

Der „Religionsphilosophische Salon Berlin“ liebt die Philosophien, vor allem die Basis, das Philosophieren eines jeden. Aber Philosophieren ist nicht nur eine grundsätzliche, manchmal abstrakte Denkhaltung. Sie ist immer gebunden an das Eintreten für die Menschenrechte. Darum veröffentlichen wir gern eine Stellungnahme des Jesuiten–Flüchtlingsdienstes vom 27. 11. 2013 über die Ausgrenzung von Flüchtlingen im Koalitionsvertrag von Union und SPD. Die so genannte Demokratie zeigt dort ihr wahres Wesen, wie sie mit den Schwächsten umgeht. Und zu den Schwächsten hier bei uns zählen die Flüchtlinge.
Christian Modehn

Der Jesuitenflüchtlingsdienst Berlin schreibt am 27. 11. 2013:

Ein skeptisches Fazit zu den flüchtlingspolitischen
Vereinbarungen der möglichen Großen Koalition hat Pater Frido Pflüger SJ,
Direktor des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes Deutschland, gezogen. „Dieser
Koalitionsvertrag ist ein Dokument des Misstrauens gegenüber
Flüchtlingen“, sagte Pflüger heute in Berlin. Er enthalte nebeneinander
positive Bekenntnisse zur nötigen Willkommenskultur und Drohungen von
Ausweisung und Abschottung.

Pflüger begrüßte, dass sich Union und SPD grundsätzlich auf eine
stichtagsunabhängige Bleiberechtsregelung für Menschen geeinigt haben, die
lange Zeit von den Ausländerbehörden nur geduldet wurden. „Das betrifft
bis zu 86.000 Menschen, oft Familien, deren Kinder schon in Deutschland
geboren sind. Ihnen müssen wir eine Lebensperspektive bieten“, sagte
Pflüger, der als Mitglied der Berliner Härtefallkommission täglich mit den
humanitären Defiziten der bisherigen Regelung konfrontiert ist. Auch die
geplanten Erleichterungen beim Zugang zum Arbeitsmarkt und die Lockerungen
der sogenannten „Residenzpflicht“, die es Geduldeten und Asylsuchenden
verbietet, ihre Stadt oder ihren Landkreis zu verlassen, begrüßte Pflüger.

Zum Flüchtlingsschutz in Europa beschwöre der Entwurf zwar die Solidarität
der EU-Staaten untereinander und die Einhaltung menschenrechtlicher
Standards. „Aber im Mittelmeer ertrinken Flüchtlinge, in Syrien sind wir
mit der größten humanitären Katastrophe der letzten Jahrzehnte
konfrontiert. Deutschland müsste jetzt konkrete Initiativen ergreifen,
damit sichere und legale Fluchtwege nach Europa geöffnet und die
Zuständigkeitsregeln für Asylverfahren innerhalb der EU vernünftig
reformiert werden. Statt dessen beschränkt sich der Vertrag auf
Allgemeinplätze.“

Der Jesuit lobte die Absicht von Union und SPD, das so genannte
Resettlement auszubauen, also mehr Flüchtlinge direkt aus Krisenregionen
aufzunehmen. „Hier kann Deutschland noch deutlich mehr anbieten“, so
Pflüger.

Zur Absicht der Koalitionäre, Asylverfahren für Flüchtlinge aus
Balkanstaaten wie Serbien und Mazedonien abzukürzen, sagte Pflüger: „Das
ist armselig. Aus diesen Ländern fliehen Angehörige der Roma-Minderheit
vor erwiesener und schwerster Diskriminierung, Rassismus und Elend. Aber
statt uns damit auseinanderzusetzen, schieben wir sie so schnell wie
möglich wieder dorthin ab.“ Stärker als der Flüchtlingsschutz werden
letztlich die Ausweisung und Abschiebung akzentuiert. Das erfülle ihn mit
Sorge, so Pflüger.

Der Jesuit Refugee Service (Jesuiten-Flüchtlingsdienst, JRS) wurde 1980
angesichts der Not vietnamesischer Boat People gegründet und ist heute als
internationale Hilfsorganisation in mehr als 50 Ländern tätig. In
Deutschland setzt sich der Jesuiten-Flüchtlingsdienst für
Abschiebungsgefangene ein, für geduldete Flüchtlinge und für Menschen ohne
Aufenthaltsstatus („Papierlose“). Schwerpunkte seiner Tätigkeit sind
Seelsorge, Rechtshilfe und politische Fürsprache.

Kontakte:
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