Christi Himmelfahrt: Vernünftig verstehen

Ein Hinweis von Christian Modehn am 7. Mai 2026.
1.
Den Titel des Festes „Christi Himmelfahrt“ können wir nur verstehen, wenn wir uns vom üblichen, wiederholenden Nachsprechen der neu-testamentlichen Erzählung befreien. Und in neuen Worten, ohne die bilderreiche Sprache der Bibel, nachvollziehbar und klar, erklären, was gemeint ist.
Dann zeigt sich: Ostern, Christi Himmelfahrt und Pfingsten werden zwar als drei verschiedene Feste bezeichnet, aber sie meinen das Gleiche: Gemeinsam ist: Gefeiert wird der kreative Geist, den Christen für heilig halten als eine Gabe des Ewigen, Gottes. Wenn dieser Geist Mittelpunkt der drei genannten Feste ist, dann wird der Geist nicht in frommen Verzückungen erlebt und gefeiert, sondern als handelnde Vernunft betrachtet, die in politische Praxis führt: In das politische Eintreten für die gleiche Würde aller Menschen, also für die Menschenrechte.

2.

Zu Ostern erkennen die Freunde Jesu von Nazareth in der Kreativität ihres Geistes, der heilig ist, weil er von Gott dem „Schöpfer“ stammt: Jesus von Nazareth ist „auferstanden“: Denn auch er hat als Mensch Anteil an dem göttlichen Geist, und der ist der Geist des Ewigen, der den Menschen Anteil an seinem Geist bietet. Der Ewige beschenkt also den Geist, die Seele, aller Menschen mit sich selbst, dem ewigen Geist. Die Auferstehung Jesu können seine Freunde Jesu als „Überwindung des Todes“ erkennen, weil sie selbst vom heiligen Geist, dem Geist des Ewigen, bestimmt sind. Ostern ist also bereits ein Fest des Geistes, des heiligen, Ostern ist also also schon Pfingsten als Fest der Gabe des heiligen Geistes Inder Erkenntnis der Auferstehung Jesu.
Und „Christi Himmelfahrt“ ist nur ein anderes Bild für die Auferstehung Jesu von Nazareth.

3.
Dieses seltsame Wort „Himmelfahrt“ ist ein Bild für die Erzählung: Dieser Jesus von Nazareth ist nicht im Nichts verschwunden. Jesu Leichnam liegt zwar – wie der Leichnam jedes anderen Menschen – in einem Grab! Aber Jesu Geist als ewiger Geist ist „woanders“, „nicht mehr hier“. Jesus ist – bildlich gesprochen – an dem Ort des Ewigen, des Göttlichen, also im „Himmel“.
Die Gemeinde will mit dem Fest „Christi Himmelfahrt“ also noch einmal explizit feiern, dass dieser von ihnen geliebte Mensch, der Prophet Jesus von Nazareth, nicht mehr nur zur Erde, nicht mehr nur zur Welt der Menschen, gehört. Er ist leiblich verschwunden, aber geistig nicht entschwunden. Jesus ist in den Bereich des Ewigen eingetreten, den man „Himmel“ nennen kann oder „Sein beim Ewigen“.

4.

Dass die Kirchen dreimal, Ostern, Christi Himmelfahrt und Pfingsten  in kurzem zeitlichen Abstand eigentlich dreimal das Gleiche feiern, ist einzig in der menschlichen Begeisterung begründet, möglichst viele Feste – mit unterschiedlichen Akzenten – zu feiern.

5.

Als Fest des Geistes als des heiligen, kritischen Geistes ist Pfingsten das Fest der besonderen menschlichen Qualität, sie zeichnet„den“ Menschen, alle Menschen, aus. In diesem universellen Geist als der Vernunft erschließt sich die Menschenwürde, erschließen sich die Menschenrechte.
Pfingsten als Fest des Geistes, der heilig ist, stellt also die allgemeine und universell geltende Vernunft in den Mittelpunkt. Pfingsten sollte deshalb politisch sehr deutlich
als das Fest der Menschenwürde gefeiert werden, als Fest der Menschenrechte, der wesentlichen Gleichheit aller Menschen, der universalen Gerechtigkeit also. Pfingsten ist also alles andere als ein gedankenloses, fundamentalistisch geprägtes Fest eines frommen, charismatisch sich nennenden Enthusiasmus.

6.

Zurück zu Christi Himmelfahrt: Dieser Tag ist kein Gedenktag an einen ins Unendliche, in himmlische Ferne Entrückten. Christi Himmelfahrt lässt die Welt der Menschen nicht gottlos erscheinen. Vielmehr ist der Geist aller Menschen auch vom Göttlich, vom Ewigen geprägt.  Trotz aller freier Entscheidungen der Menschen, die sich für Krieg und Zerstörung und Verachtung der universellen Menschenrechte entscheiden.
Gott hat, im Bild gesprochen, eine endliche, irdische Welt geschaffen, und die ist keine göttliche Welt, sondern eine weltliche Welt, das Andere Gottes, des Ewigen, der aber dieses „Andere seiner selbst“ mit sich verbindet – im Geist, in der Vernunft der Menschen und den geistvollen Strukturen der Welt und Natur…

7.

Man sieht schon angesichts dieses kurzen Hinweises: Der Gedanke an eine Schöpfung der Welt und der Menschen durch Gott, den Ewigen, ist die einzige Voraussetzung, um Ostern, Christi Himmelfahrt und Pfingsten zu verstehen. Dabei verstehen wir Schöpfung selbstverständlich NICHT im Sinne des fundamentalistischen Kreationismus.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin