„Ignorant katholisch“.

Populäre Variationen im aktuellen Katholizismus
Beiträge zum Thema: Mit welchen „dringenden“ Themen sich heute einige katholische Theologen befassen…
Hinweise von Christian Modehn

Das Motto:
“Man denke ja nicht, dass ein Kirchenkritiker ein Atheist ist“ (Voltaire)

Das Vorwort:
Natürlich kann jeder glauben, was er will, so lange er in seiner Glaubenspraxis andere nicht gefährdet.
Aber unsere Frage ist theologisch gesehen doch wohl üblich und normal: Kann man im Katholizismus alle nur denkbaren, auch dummen, bloß populären Inhalte als „Glaubensgut“ propagieren? Darf man das tun, wenn einem die seelische und spirituelle Gesundheit, die eigene wie die der anderen Glaubenden, wichtig ist?
Mit dieser Frage wird selbstverständlich nicht für eine Wiederkehr der Zensur plädiert. Pluralität der Glaubensinhalte muss auch im Katholizismus gelten. Aber nicht alles offiziell Verkündete kann vor dem Anspruch der Vernunft bestehen. Und sollte freimütig kritisiert werden. Welchen Maßstab für die Unterscheidung aller nur denkbaren Glaubensinhalte gibt es denn, wenn nicht die selbstkritische Vernunft? Die kritische Vernunft entscheidet, nicht irgendeine der vielen theologisch – dogmatischen Traditionen.

1.
Ein erstes Beispiel für unsere Rubrik „Ignorant katholisch“: Das Jahr 2021 soll das“ Jahr des heiligen Josef“ sein!

So will es ausdrücklich Papst Franziskus: Josef, den der Papst, wie in offizieller Dogmatik üblich, nicht etwa den Vater Jesu nennt, sondern als den „Ziehvater“ Jesu bezeichnet. Früher sprach man vom „Nährvater“ Josef, um auch so jeglichen sexuellen Kontakt mit seiner Verlobten Maria auszuschließen. Maria wurde bekanntlich dadurch Mutter Jesu, weil sie „vom heiligen Geist empfangen hat“. Dabei aber spricht das Johannes-Evangelium, knallhart möchte man sagen, (Joh. 1, 46), von „Jesus als dem Sohn Josefs“. Aber die leib- und sexfeindliche Theologie machte in ihrer Angst aus Josef den asexuellen Ziehvater. Was für ein Titel! Und dieser „Ziehvater“ soll nun, so wörtlich Papst Franziskus, als „Vorbild“ heute in Corona- Zeiten gelten. Ausgerechnet wegen, so wörtlich, „seines kreativen Mutes, seiner Bescheidenheit, wegen seines Gehorsams und der Zärtlichkeit sowie der Verantwortung“. Dieses Vorbild des heiligen Josef sei gerade in Pandemie – Zeiten relevant. Darf man fragen: Was soll dieses fromme Schwadronieren? Ich kann diese Verkündigung des Papstes Franziskus nur als einen Beitrag für eine Theologie des Absurden bezeichnen: Weil wir allen Ernstes von diesem Mann Josef fast gar nichts wissen. Josef ist nämlich eine Art Phantom. Der aber dann doch, versehentlich möchte man meinen, im Neuen Testament Vater einer größeren Familie genannt wird. Wobei dann Jesu Brüder (vgl. die Namen der vier Brüder Jesu bei Markus, 6,3) zu nahen Verwandten heruntergestuft werden, bloß damit Maria die total unberührte sexuell Reine bleiben kann.
Und auch dieses noch: Kein einziges Wort wird von diesem Familienvaters Josef in den vier Evangelien überliefert, von seinem Tod oder Weiterleben nach der Hinrichtung Jesu ist im Neuen Testament nichts bekannt. Lediglich über seinen Beruf wird ein Wort verloren, er soll den damals angesehenen Beruf des „Bauhandwerkers“ ausgeübt haben, ein Job, den sein Sohn offenbar auch lernte, so überliefern es viele Künstler in ihren Bildern.
Kurzum:
Wie kann eine Phantomgestalt, oder ein Protagonist eines Mythos, heute Vorbild sein für Katholiken im Jahr 2021? Oder werden die Gläubigen schlicht nur aufgefordert, ihrer Phantasie freien Raum zu lassen und sich ihren ganz persönlichen Josef zu imaginieren? Lebt der Glaube etwa von wunderbaren Legenden? Vielleicht wird dann sogar die von Josef mit seiner Gattin (?) Maria gelebte „Josefsehe“ wieder attraktiv in diesen Corona – Zeiten, wo wir leibliche Kontakte möglichst meiden und alle anderen Menschen auf Distanz halten sollen.
Katholiken können bekanntlich Heilige als Fürsprecher im Himmel anflehen: Sie mögen sich doch bitte bei Gott einschalten und dem Betenden hilfreich sein. So wird Josef traditionell als Schutzpatron der Sterbenden verehrt. Meinte dies etwa Papst Franziskus, als er das „Jahr des heiligen Josef“ in dieser Pandemie ausrief? Welche Form von Spiritualität wird dann aber gefördert? Sollte man diese Spiritualität nicht allen Ernstes eine Form des Aberglaubens nennen: Ein heiliger Josef, im Himmel wandelnd, bittet den Ewigen Gott um Erbarmen in einem ganz konkreten Fall eines hoffentlich braven Menschen? Was soll das? Hat das etwas mit christlichem Glauben zu tun?
Wenn schon der Papst dem Jahr 2021 ein besonderes Motto geben will, das für nachdenkliche Menschen nachvollziehbar ist und nicht absurd wirkt: Warum sagt er dann nicht: Das ist ein Jahr der Solidarität, der Hilfsbereitschaft auch der katholischen Gemeinden und ihrer Priester. Sie sind bereit, mit einzelnen, unter Beachtung aller geltenden Schutz-Regeln, zu sprechen; sie öffnen ihre Kirchen tagsüber zum stillen Gebet oder der Meditation für einzelne oder ganz kleine Gruppen, sie sind als Priester in diesen Kirchen anzutreffen, denn in diesen Corona-Zeiten haben die Pfarrer ja so furchtbar viel nicht zu tun, weil alle Gruppen, Bibelkreise etc. ausfallen. Diese Pfarrer und ihre Gemeinden beschenken dann die Pflegenden, trösten die Trauernden. Und verschanzen sich nicht in den hübschen Pfarrhäusern und Klöstern oder katholischen Akademien. Was haben die Akademie Direktoren eigentlich in Corona – Zeiten gemacht? Wahrscheinlich haben sie in der langen Freizeit Bücher geschrieben…
Wie auch immer: Nur praktische Hilfe ist sinnvoll und frei von jeglichem absurden Aberglauben. Ein offizielles Jahr des heiligen Josef weltweit, verführt angesichts der Phantom-Gestalt dieses Mannes nur zu spinösen Ideen … und ist insofern absurd. Lassen wir den heiligen Josef also ruhen oder im Himmel sich erfreuen…

2.
Ein zweites aktuelles Beispiel: Die katholische Kirche soll doch bitte das „Fest der Beschneidung Jesu“ wieder einführen.

Der 1. Januar war bis 1969 das Hochfest der Beschneidung Jesu. Irgendwann aber war den Theologen doch klar, dass für Christen die Beschneidung Jesu aktuell keine Bedeutung mehr hat. Dass Jesus als Jude beschnitten wurde, ist ja klar, bedarf aber wohl keines eigenen christlichen Festes. Nun gibt es im heutigen Katholizismus prominente Stimmen, die das Fest der Beschneidung Jesu wieder einführen wollen. Dadurch soll der „Relativierung des Mann-Seins (sic!) Jesu“ Widerstand geleistet werden (man ahnt, das hat etwas mit der Abwehr des Frauenpriestertums zu tun) und der „Marginalisierung des Jude-Seins Jesu“ sollwidersprochen werden, so etwa wörtlich der katholische Theologe und Universitätsprofessor (Wien) Jan-Heiner Tück in der „Herder-Korrespondenz“ Januar 2021, S. 25. Inzwischen will sich auch Kardinal Marx für die Wiederbelebung des Festes der Beschneidung Jesu einsetzen. Der Provinzial der Jesuiten in der Schweiz, Pater Christian Rutishauser, macht sich schon seit längerer Zeit für das „Beschneidungsfest“ stark. Ein entscheidendes Motiv dafür ist, der jüdischen Gemeinschaft den guten Willen zu zeigen und Jesus als vollständigen Juden auch in christlicher Sicht herauszustellen. Diese Idee ist sehr löblich, man muss sich aber auch mit der Abwehr der Beschneidung durch den Apostel Paulus noch befassen. Und sich fragen, wie der Jude Jesus nicht vielleicht doch aufgrund seiner Kritik an jüdischen Gelehrten dich etwas über das Judentum hinausgewachsen ist. Das wäre ein spannendes religionswissenschaftliches Thema…Diese Wiederbelebung einer katholisch zu feiernden Beschneidung Jesu ist aber sicher kein wirksamer Beitrag, um den auch in katholischen Kreisen immer noch und immer wieder vorhandenen Antisemitismus zu bekämpfen. Judenfeindschaft heute, propagiert von Rechtsextremen, überwinden Katholiken nur, wenn sie gegen den Antisemitismus der Rechtsextremen kämpfen. Und wenn sie in den christlichen Gemeinden die Kenntnis des jüdischen Lebens vertiefen, Begegnungen ermöglichen und vor allem auch die hebräische Bibel studieren. Damit machen sie wohl der jüdischen Gemeinschaft mehr Freude als mit der Wiedereinführung des Festes der Beschneidung Jesu.

Nebenbei: Ich wäre den LeserInnen sehr dankbar, die mir verraten könnten, wo denn überall die kleinen Fetzen der Vorhaut Jesu als bis heute übliche Reliquien in katholischen Kirchen verehrt werden, Hautfetzen, die nach der Beschneidung Jesu übriggeblieben und – angeblich wie immer bei Reliquien – wohl erhalten sind. Nur darf es so viele Hautfetzen eigentlich gar nicht geben….Ich kann nur daran erinnern, dass sich vor etlichen Zeit die Vorhaut Jesu in Antwerpen befunden haben soll. Aber es kommt noch anders: „Am intensivsten war die Vorhautverehrung in Frankreich, wo man sich auch im Besitz einiger Nabelschnüre des Heilands glaubte: „Praeputia Christi“,Vorhäute Jesu, gab es in vielen Städten, wie Besançon, Boulogne, Compiegne, Langres, Nancy, Paris
doch die berühmteste Vorhaut nannte die Abtei von Charroux bei Poitiers ihr Eigen..“ (Quelle: https://www.sonntagsblatt.de/artikel/kirche/die-vorhaut-christi-vom-niedergang-einer-reliquie).
Für mich ist die Überlegung zu einer Wiedereinführung des Festes der Beschneidung Jesu ein weiterer Beitrag zum Thema „Ignorant –„ oder sollte man schon sagen „absurd – katholisch“.
PS.: Wer sich für eine Ausweitung dieses Themas interessiert, also die Widereinführung alter, Gott sei Dank abgeschaffter Feiertage, möge sich bitte für eine Wiederbelebung des Titels „Fest Mariä Reinigung“ einsetzen oder auch des Festes „Sieben Schmerzen Mariens“. Auch ein großes Fest zu Ehren des imaginären, also „legendär“ genannten heiligen Georg wäre dann sinnvoll. Als siegreicher Ritter gegen allerhand fremde Feinde, auch aus dem Ausland, könnte er doch himmlischer Fürsprecher sein. Vielleicht ist dieser mythische Georg der ideale Schutzpatron der AFD? Die prominenten katholischen Freunde in der AFD, wie Pater Ockenfels OP, sollten sich bitte mal darum kümmern. „AFD -Georgs -Bund“ klingt doch nicht schlecht.

Copyright: Christian Modehn, www.religionsphilosophischer-salon.de

Fortsetzung folgt, leider.

Die Jesusgestalt – zwischen Mythos und Geschichte

Die Jesusgestalt zwischen Mythos und Historie:

Geboren aus der Jungfrau – oder ein uneheliches Kind?

Im Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon befassen wir uns auch mit den Gründergestalten der Weltreligionen. Über Jesus wird in verschiedenen „Sprachspielen“  und literarischen Formen berichtet. Wir haben einmal gefragt: Welche Perspektiven ergeben sich, wenn man z.B. die Berichte von der Geburt Jesu von Nazarteh mythologisch ernst nimmt? Was aber passiert, wenn man die historische und kritische Forschung ernst nimmt?  Da kommt man zu spannenden Einsichten für weitere Diskussionen, die immer auch zu der Frage führen: Wie stark fördern bestimmte kirchliche Strukturen und Hierarchien ein bestimmtes Jesusbild. Welches Interesse haben die Vertreter der Dogmen,  z.B. einseitig und ausdauernd das Bild eines himmlischen Kindes oder göttlichen Erlösers weiter einseitig zu propagieren?

Besonders zur Weihnachtszeit verehren Christen aller Konfessionen Maria als süße Jungfrau und „reine Magd“. Aber auch während des ganzen Jahres, in jedem Gottesdienst am Sonntag, betonen sie im Glaubensbekenntnis:  Jesus Christus sei „geboren aus der Jungfrau Maria“. In den „Bekenntnisschriften der Lutherischen Kirche“  ist seit alters her von der „unversehrten Jungfrau Maria“ die Rede. Katholiken werden in ihrem offiziellen Glaubensbuch, dem Katechismus aus dem Jahr 1993, belehrt:

„Maria ist auch bei der Geburt des menschgewordenen Gottessohnes Jungfrau geblieben. Ihre jungfräuliche Unversehrtheit wurde durch die Geburt Jesu nicht gemindert“.

Bei der Geburt Jesu Christi sollen also auf unerklärliche Weise biologische Gesetzmäßigkeiten außer acht gelassen worden sein. Seit dem 4. Jahrhundert waren Theologen davon überzeugt. Bis heute wird im Vatikan die Lehre des mittelalterlichen Theologen Thomas von Aquin hochgeschätzt, er schreibt:

„Wenn das Wort Gottes Fleisch wird, ist es angemessen, dass der Leib dieses Wortes Gottes, also Christus, aus dem unversehrten Uterus der Jungfrau geboren wird“.

In dieser Sicht hatte Maria auch keine Schmerzen bei der Geburt. Und bei der Empfängnis ihres Sohnes, so glaubte die Tradition, habe sie lediglich die Öffnung eines ihrer Ohren gebraucht. Ein Relief am Nordportal der Würzburger Marienkapelle zeigt dies in aller Deutlichkeit: Dort erreicht ein Schlauch vom himmlisch thronenden Gottvater aus ein Ohr der Jungfrau. Die Gläubigen nennen diese Darstellung „Gottvater mit dem Blasrohr“. Musiker, wie  Marc Antoine Charpentier, haben im 17. Jahrhundert Lieder geschaffen, die ausdrücklich Maria preisen, weil sie „per aurem“, durch das Ohr, ihr Kind empfangen hat:

Das Bild mag ja ganz hübsch sein und einen tieferen Sinn haben, etwa, dass vom gläubigen Hören auf Gott eben eine wunderbare Verbundenheit mit dem heiligen Geist geschieht. Nachdenkliche Christen und kritische Theologen wollen mit dieser befremdlichen Bilderwelt nichts mehr zu tun haben. Der in Basel arbeitende katholische Theologe Xaver Pfister meint:

„Jungfrau gehört nicht zur Glaubensaussage, sondern das ist eine Interpretation, die sich als sehr fragwürdig erweist und damit für uns nicht mehr vollziehbar ist. Es gibt ja Dinge, die man annehmen muss, so unverständlich sie sind,  aber das ist nicht etwas, was in diese Kategorie hineingehört“.

Aber einige Theologen sind überzeugt: Vielleicht lohnt es sich doch, die Bedeutung der biblischen Bilderwelt zu prüfen. In der historisch – kritischen Forschung der vergangenen 200 Jahre haben Bibelwissenschaftler die besondere literarische Gestalt der Weihnachtsbotschaft genau untersucht. Mit der Eigenart dieser Texte beschäftigt sich seit vielen Jahren der evangelische Theologe Pfarrer Michael Göpfert aus München:

„Die Weihnachtsgeschichten sind natürlich keine historischen Berichte im heutigen Sinn. Wir würden heute vielleicht sagen, sie sind religiöse Legenden, Predigten, Legenden auf jeden Fall für den Gemeindegebrauch, für den Glauben, geschrieben. Das ist eine andere literarische Gattung! Und deswegen kann man sie auch nicht behandeln als historische Reportagen. Es ist ja auch keiner dabei gewesen. Aber auch dann, wenn solche Erzählungen Legenden sind, ändert es nichts daran, dass sie einen Wahrheitsgehalt haben“.

Auch für Menschen von heute kann diese an Wundern so reiche Geschichte von der Geburt Jesu wichtige Einsichten mitteilen: Zum Beispiel, dass ein Mensch ganz eng mit Gott verbunden sein kann. Theologen schätzen den Wert dieser „Mythen“:

„Dass ein Mensch wie Maria so in Anspruch genommen ist von dem heiligen Geist, das finde ich so schön, aber das ist Mythologie.

Das ist doch sehr schön mythologische Sprache, dass der Mann ausgeschaltet wird, und dass hier die Frau die Mutter Gottes geworden ist, wie man das in der Tradition gesagt hat. Und dass das ein Bild, ein Mythos, geworden ist für den sehr besonderen Menschen Jesus“, sagt Gijs Dingemans, er war bis zu seiner Emeritierung Professor für protestantische Theologie an der Universität Groningen in den Niederlanden. Kritischer Umgang mit der Bibel ist für ihn selbstverständlich. Dennoch möchte er gerade zu Weihnachten nicht auf die ungewöhnliche Sprache der biblischen Mythen verzichten:

„Ich kann nur über Liebe oder Tod oder Leben mit Mythen, mit mythologischer Sprache, sprechen. Dafür habe ich andere Worte als Naturwissenschaften, da habe ich genaue Begriffe. Aber wenn ich über die letzten Dinge des Lebens rede, dann brauche ich Symbole, Mythen, Poesie, auch Prosa, Mythos ist auch Prosa, das ist Kunstsprache, die wahrscheinlich noch tiefer geht und noch mehr von uns selbst sagt, als die Sprache der Naturwissenschaften“.

Die Verfasser des Neuen Testaments, auch die Autoren des Matthäus – und Lukas – Evangeliums, nahmen am kulturellen Leben ihrer Umgebung teil. Und da waren mythische Erzählungen über die außergewöhnliche Geburt göttlicher Menschen selbstverständlich. Die Göttin Athene beispielsweise wurde aus dem Kopf ihres Vaters Zeus geboren;  im ganzen Mittelmeer Raum gab es ähnliche Berichte. Auch in Ägypten und Persien verkündeten die dortigen Religionen, dass reine Jungfrauen die Götter oder Halbgötter zur Welt brachten. Die Evangelisten bedienten sich der mythischen Erzählungen, um auf diese Weise bei ihren eigenen Lesern das Verständnis für die besondere Gestalt Jesu zu wecken. Daran erinnert der katholische Theologe Josef Imbach aus Basel:

„Da steckt schon Absicht dahinter, Jungfrauengeburt, da wollte man eben die Jungfrau als solche darstellen. Und die theologische Aussage lautet: Indem Gott Jesus seinen Sohn schickt und die Jungfrau ihn zur Welt bringt, macht er einen absoluten Neuanfang“. 

Dieser Mythos vom Zusammenwirken Gottes mit der asexuellen Jungfrau fand in der frühen Kirche eine geradezu enthusiastische Aufnahme. Aus Maria, der schlichten Frau aus Nazareth, wurde die „jungfräuliche Gottesmutter“, weil sie den Gott – Menschen Jesus Christus zur Welt gebracht hatte. So ist Maria mit der göttlichen Wirklichkeit aufs engste verbunden. Schon die ersten Einsiedler und Mönche verehrten die Jungfrau Maria leidenschaftlich. Sie galt ihnen als himmlisches Vorbild, weil auch sie, so glaubte man, die  Sexualität als „schmutzige Befleckung“ verachtete. Der Berliner  Kirchenhistoriker Christoph Marschies schreibt in seinem Buch „Das antike Christentum“:

„Den Unverheirateten empfahl ein Theologe namens Thomas im 3. Jahrhundert, ehelos zu bleiben. Den Verheirateten gab er den Ratschlag, sich dem Ehepartner zu verweigern. Sexuelle Enthaltsamkeit war „besser“.

Auch wenn die Jungfräulichkeit in der katholischen Kirche von heute nicht mehr höher geschätzt wird als die Ehe: Maria wird nach wie vor als die jungfräuliche Gottesmutter am Throne Gottes angerufen, als Hilfe bei Versuchungen aller Art und als Gnadenmittlerin gepriesen.

Die Marienfrömmigkeit hat ihren Ursprung sicher auch in volkstümlichen Weihnachtslegenden. Diese Geschichten wurden immer wieder erzählt, interpretiert ,um Details bereichert….bis die Gottesmutter schließlich zum Mittelpunkt des katholischen Glaubens wurde,  meint der katholische Theologe Josef Imbach :

„Im Christentum hat das eine große Rolle gespielt, weil das Christentum doch eine sehr patriarchalische Religion ist: der strenge Vater, Gott Vater, der straft, der die Vergehen ahndet. Und da flüchtet sich natürlich das Menschenkind vor diesem strengen Vater unter die schützende Schürze der Mutter. Man muss das psychologisch auch sehen“.

Es gibt zweifellos noch immer viele Katholiken, die eine Art innerer Freude oder gar „einen Seelentrost“ erleben, wenn sie zu Weihnachten die Gottesmutter verehren können, die gottnahe Frau, die mit dem Engel sprechen darf. Dieses Bild Marias hat sich in den Jahrhunderten durchgesetzt. Der Mythos vom göttlichen Kind und der wunderbaren Geburt verleiht dem grauen Alltag Glanz und Würde.

ABER: So sehr viele Christen heute die zauberhafte Welt einer Weihnachtsidylle mit Engeln und Schäfchen sowie der knieenden Jungfrau an der Krippe im Stall respektieren: Sie wollen ihr vernünftiges Denken nicht ausschalten, wenn sie Weihnachten feiern. Denn sie wissen, wie sehr das allseits propagierte Bild von der asexuellen Jungfrau und der reinen Gottesmutter missbraucht wurde: Nicht nur die rigide Ablehnung sexueller Lust, vor allem die Abwertung der Frauen im allgemeinen hat hier ihren Ursprung: Die wahre, die gottgefällige Frau konnte nur die Jungfrau sein. Als Alternative gab es in dieser Symbolwelt nur die Hure. Und Männer, die sich als katholische Priester zum Zölibat verpflichteten, wurden zu den innigsten Verehrern der Jungfrau Maria. Das gilt für die meisten großen männlichen Heiligen! Für Augustinus, Bernhard von Clairvaux, Dominikus und so weiter. Denn wer als  Mann asexuell leben musste, fand eben in der asexuellen Jungfrau Maria Stütze und Halt. Die vielen anderen Männer fühlten sich aber degradiert, wenn im Wort von Marias  „unbefleckter Empfängnis“ ihr männlicher Sperma nur als Fleck bzw. als Befleckung letztlich als Schmutz angesehen wurde.

Angesichts der Last einer solchen Tradition ist es vielen Christen heute wichtig, die authentische Mutter Jesu kennen zu lernen, die Maria von Nazareth. Bibelwissenschaftler haben allerdings erkannt, dass das Neue Testament keine umfassende Biografie Marias vorlegt. Nur in wenigen Versen oder einzelnen Begriffen können sie etwas von der Mutter Jesu erfahren. Deswegen untersuchen sie die Bedeutung des Titels „Jungfrau“.  Mit diesem Thema hat sich die Theologieprofessorin in Basel, Luzia Sutter – Rehmann befasst:

„Also ich denke, die neuere Forschung stimmt mir da zu, dass man heute darunter junge Frau, ganz ganz junge Frau verstehen sollte. Also ein zwölfeinhalb jähriges Mädchen, d.h. ein heiratsfähiges junges Mädchen. Natürlich waren die auch im biologischen Sinn Jungfrauen, die jungen Mädchen, die sollten es wenigstens sein. Aber der Begriff meint vor allem ein noch nicht verheiratetes Mädchen, jetzt bereit zum Leben“.

„Jungfrau“ im Sinne der sexuellen Unberührtheit kann Maria also nicht genannt werden. Der Evangelist Matthäus bezieht sich auf einen Text des alttestamentlichen Propheten Jesaja. Er kündigt in einer Weissagung lediglich das außergewöhnliche Leben „einer jungen Frau“ an. Sie werde einst den Retter Immanuel zur Welt bringen. Der Prophet spricht ausdrücklich nicht von einer „Jungfrau“. Als man später die hebräische Bibel ins Griechische übersetzte, wurde aus dieser, natürlich auch sexuell lebendigen jungen Frau,  die asexuelle „Jungfrau“.  Das „Mädchen Maria“ wandelte sich  durch einen Übersetzungsfehler zu einer durch Wunder begnadeten Jungfrau. Die Autoren des Matthäus und Lukas Evangeliums sprechen davon. Sie haben ihre Texte nach dem Jahre 80 geschrieben. Christen, die noch eine Generation vorher lebten, hatten von Maria eine andere Vorstellung: In den frühesten Schriften des Neuen Testaments, den Briefen des Apostels Paulus, ist ausdrücklich nicht von Maria, schon gar nicht von der Jungfrau die Rede, betont der katholische Theologe Josef Imbach:

„Jesus wurde geboren von einer Frau. Das finden wir schon bei Paulus im Galaterbrief: Was sagt er: Geboren von einer Frau. Punkt. Wichtig ist, dass da die Menschheit Jesu betont werden soll. Da ist von Jungfrau nicht die Rede“.

Im ältesten Evangelium, das Markus um das Jahr 70 verfasst hat, wird die Geburt Jesu gar nicht erwähnt. So belanglos erschien sie dem Autor gegenüber dem Leiden, Sterben und Auferstehen Jesu. Auch das jüngste aller 4 Evangelien, das Johannes Evangelium, geschrieben nach dem Jahre 90, bietet keine Weihnachtsgeschichte! Lediglich die Evangelisten Lukas und Matthäus erzählen einige Details zur Geburt Jesu. Bei Matthäus wird Josef als der Verlobte Marias vorgestellt. Er muss erleben, dass seine künftige Ehefrau bereits schwanger ist. Darüber ist er offenbar so irritiert, dass er die Beziehung mit Maria abbrechen will. Luzia Sutter – Rehmann stellt diesen Fall in die Ehegesetze der damaligen Zeit:

„Also eine Verlobte, die schwanger wurde, da gab es zwei Möglichkeiten vom Verlobten: Dann muss er still sein, dann muss er eheliches Recht wahr machen, vollziehen. Oder von einem anderen. Und wenn Josef so reagiert, dann sieht das so aus, dass es nicht von ihm wäre“.

Erst nach einem Traum, durch den Zuspruch eines Engels, lässt sich Josef umstimmen, betont Luzia Sutter – Rehmann:

„Das ist eine ganz schöne Geschichte. Der Engel sagt, steht auf, und nimm deine Braut zu Dir. Und dann tut er das auch. Und ich denke, rein rechtlich ist es wichtig, dass er seine Frau geheiratet hat. Rein vor dem Recht ist Jesus sein Sohn, das ist das, was den Text interessiert“.

Trotz dieser nun „geordneten Verhältnisse“ weiß Josef:  Seine Frau, Maria, bringt ein Kind zur Welt, das nicht von ihm stammt. Sonst hätte der Evangelist Matthäus nicht von einer möglichen Trennung des Paares berichtet. Die Bibelwissenschaftlerin Luzia Sutter Rehmann:

„Das wäre ein Erzählschub, den man nicht freiwillig erfinden würde, wenn er nicht wahr wäre. Der wäre zu problematisch“.

Auch das  älteste Evangelium nach Markus betont, dass Josef nicht der leibliche Vater Jesu sei. Im  6. Kapitel berichtet dieser Evangelist, wie Jesus von seinen Landsleuten in aller Öffentlichkeit  als „der Sohn der Maria“ bezeichnet wird. Diese Aussage ist sensationell: Einen Mann nicht nach dem Vater, sondern nach der Mutter zu benennen, war in der damaligen Kultur Ausdruck für eine uneheliche Herkunft. Nur illegitime Söhne wurden damals nach der Mutter benannt. Darauf weist die Bibelwissenschaftlerin Luzia Sutter Rehberg  hin:

„Da gibt es auch Forschungen von Jane Schaberg, die gezeigt hat, dass es zu Zeit der römischen Besatzung in Palästina sehr gut möglich wäre, sich Maria als, ja sag ich mal, Opfer von Soldaten vorzustellen.

Junge Mädchen wurden da irgendwie schwanger, man weiß nicht von wem. Da waren keine geordneten Verhältnisse, da waren Landbesitzer oder Beamte oder Männer, die sich das junge Mädchen mal vorgeknöpft haben. Die Lebensumstände im 1. Jahrhundert in Palästina waren nicht einfach für junge Mädchen. Das ist sicher“.

Jesus ein uneheliches Kind?

Wenn man diesem Forschungsergebnis folgt: Dann ist Jesus als uneheliches Kind anzusehen, und Josef ist sein Stiefvater. Diese Erkenntnis klingt in den Ohren einiger Christen vielleicht befremdlich. Zu sehr sind sie durch das bürgerlich geprägte glanzvolle Weihnachtsfest an bruchlose Harmonie  gewöhnt. Aber für die Bibelwissenschaftlerin Luzia Sutter Rehberg wird die so „un- bürgerliche“, eher randständige Herkunft Jesu von einem weiteren Bericht aus dem Lukas – Evangelium bestätigt, dem Gebet Marias:

„Da spricht auch noch das Magnificat dafür, wo Maria davon spricht, dass Gott sie angesehen hat in ihrer Erniedrigung. Meistens wird das übersetzt in ihrer Niedrigkeit. Und Niedrigkeit macht so was Bescheidenes aus diesem Mädchen. Aber das Wort tapeinosis vom Griechischen her  bezeichnet eigentlich eine Gewalttat, die jemandem geschieht, die jemanden erniedrigt. Das muss nicht Vergewaltigung sein, es gibt andere Möglichkeiten von Gewalt. Aber sie sagt, in ihrer Erniedrigung hat Gott sie gesehen. Und da denke ich schon, sie hat erlebt, was das Volk erlebt zu dieser Zeit, das hat viel Gewalt erlebt“.

Luzia Sutter Rehberg hat auch als Pastorin und Predigerin beim Schweizer Radio diese Erkenntnisse verbreitet … und durchaus Zustimmung gefunden:

„Das wäre eine feministische Deutung, die auch heute sehr viele Frauen anspricht, die solche Dinge erlebt haben, also Vergewaltigungen z.B. Und denen dann plötzlich die ganze Jungfrau Maria Geschichte unheimlich einfährt, weil sie merken, mein Gott, die hat das erlebt, was ich auch erlebt habe. Das sind Erfahrungen auch von Gemeindegliedern mit eigenen Kindern und eigenen Leben, die plötzlich theologisch zur Sprache kommen können. Und das allein hat schon einen großen Wert. Es geht ja nicht nur um den exegetischen Buchstaben, und  wer hat jetzt recht. Sondern immer auch um die Frage: Wie wirkt das, wie leben wir das menschlich aus“.

Auch die Bedeutung des heiligen Josef wird dann neu interpretiert: Er ist als Stiefvater alles andere als ein Greis, wie er oft dargestellt wird. Der katholische Theologe Daniel Picot leitet in Montréal, Kanada, eine internationales Studienzentrum über den heiligen Josef:

„Seit langer Zeit wurde Joseph als alter Mann vorgestellt, mit einem Bart, ein „armer alter Typ“. Aber wir erleben seit einiger Zeit eine neue Entwicklung, da stellt man sich Josef vor als einen jungen Mann, der sehr verleibt ist in seine junge schöne Frau, der sein Kind liebt. Josef ist dann doch ein glücklicher Mann, väterlich, und dabei normal“.

Die historisch kritische Bibelforschung fördert ungeahnte Perspektiven zum Weihnachtsfest: Maria bringt als wirkliche Mutter ihr Kind Jesus zur Welt; sie rühmt Gott, dass er auf der Seite der Frauen steht. Und Josef überwindet alle Vorurteile und heiratet seine Verlobte „trotz allem“.  So werden beide ein Ehepaar mit Jesus als dem „Erstgeborenen“, wie es im Lukas Evangelium ausdrücklich heißt. Im „Bibelportal“ der angesehenen Deutschen Bibelgesellschaft heißt es kurz und bündig:

„Keiner der neutestamentlichen Texte weist darauf hin, dass Jesu Geburt und Herkunft außergewöhnlich gewesen wären“.

Eine Erkenntnis, die heute von den meisten Theologen geteilt wird. Der französische Theologe und Publizist Jacques Duqenesne schreibt in seinem Buch „Maria“:

„Jesus wird in den Kirchen als wahrer Mensch verehrt. Dann hatte er als Mann eben auch wie alle anderen Männer ein X Chrosom von der Mutter und ein Y Chrosom vom Vater“.

Jesus wuchs also als „ganzer Mann“ bei Maria und Josef auf. Als Ehepaar hatten sie selbstverständlich weitere Kinder. Der Evangelist Markus erwähnt ja namentlich Jakobus und Joses, Judas und Simon. Und er fragt weiter: „ Leben nicht die Schwestern Jesu hier unter uns?“ Und der jüdische Historiker Flavius Josephus erwähnt Jacobus, und nennt ihn ausdrücklich den „Bruder Jesu“. Die Kirchen hatten früher größte Mühe, die leiblichen Geschwister Jesu anzuerkennen. Schließlich geriet dadurch ihr Glaube ins Wanken, Maria sei „auf ewig“ die asexuelle, die reine Jungfrau geblieben. Luzia Sutter – Rehberg hat sich mit diesem Thema befasst:

„Wenn Paulus seine Adressaten Geschwister nennt, dann ist das für alle klar, er meint seine jüdischen Landsleute und nicht biologische Geschwister. Und da könnte man natürlich jetzt auch irgendwie behaupten, auch bei Jesus wären das irgendwelche Verwandte weiterer Art. Das sind dann eben so Dinge, die man strickt, die der Text eigentlich nicht festlegt.

Ich würde jetzt sagen, das waren weitere Geschwister, weil es nicht anders geht. Maria hatte offenbar weitere Kinder. Und weitere Jungfräulichkeit wäre ganz sicher nicht zu haben“.

Maria als die leibhaftige, als biologische Mutter Jesu: Diese Erkenntnis öffnet auch neue Horizonte für Spiritualität und Frömmigkeit.

„Für mich wäre das Wunder des Lebens eher noch größer als eine Verherrlichung einer außergewöhnlichen Geburt. Weil das verletzliche Leben dann im Zentrum steht, das verletzte Leben Marias, vielleicht auch Josefs, als des nicht stolzen Vaters. Der Sohn kommt in ganz arme Verhältnisse hinein zur Welt. Also das würde  uns viel mehr die Türen öffnen für ungewöhnlichen Zwischenfälle im Leben“.

Inzwischen folgen auch männliche Theologen dieser feministisch – theologischen Perspektive, wie der Basler katholische Theologe Xaver Pfister:

„Auf der anderen Seite gibt es sehr interessante Versuche Maria zu verstehen in der feministischen Theologie als einen Mensch, der bereit ist, auf das Leben einzugehen und das Leben anzunehmen und zu gestalten. Von daher ist Maria eine sehr interessante Figur, wenn dieser Aspekt im Vordergrund wäre, wenn sie nicht die Himmelskönig ist, sondern die wahre Frau, ein Modell des Frauseins, dann hat sie eine reale Bedeutung“.

Maria ist eine Frau, die die Unterdrückung selbst kennen lernte und trotz allem die Hoffnung bewahrte: In Lateinamerika ist Maria ein Vorbild des armen Volkes. Die katholische Nonne Barbara Kiener aus München lebte viele Jahre im brasilianischen Staat Goiania in den Slums. Dort hat sie in Basisgemeinden und Sozialprojekten vor allem Frauen unterstützt. Mit ihnen hat sie „alternativ“, nämlich sehr menschlich Weihnachten gefeiert:

„Sie sprechen von Maria der Befreiung. Maria ist für sie so eine Frau, die Hoffnung stärkt, die angepackt hat, die wusste, wann sie Ja und wann sie Nein sagen muss. Die wirklich aufsteht und mit ihnen für Gerechtigkeit eintritt. Das Evangelium  ist nicht nur eine geschmeidige Botschaft, dass Gott uns alle liebt, sondern auch die Botschaft Jesu vom Reich Gottes ist eine Botschaft, die wirklich die ungerechten Machtverhältnisse umkrempelt. Und dafür setzen sich diese Menschen ein.  Maria, die Mutter Jesu, geht in die gleiche Richtung. Sie verkündet in dem Magnificat, dass Gott die Mächtigen vom Thron stürzen wird und dass er die Niedrigen erheben wird, dass er die Hungernden beschenken wird, und dass er die Reichen mit leeren Händen davon schicken wird.  Diese Hoffnung, dass Gerechtigkeit geschieht, einmal Gerechtigkeit kommen wird, das ist die große Hoffnung dieser Frauen und das erleben sie im Kleinen schon jetzt“.

Nicht nur in Lateinamerika, in allen Teilen der Welt beginnen Christen, Weihnachten „anders“ zu feiern: mit weniger „Glanz und Lametta“, dafür aber  zurückhaltend gegenüber der frommen Phantasiewelt mythischer Erzählungen. Diese Christen und Theologen wollen eine Versöhnung schaffen zwischen kritischem Denken und biblischer Botschaft! Darum sind sie interessiert, Jesus als einen „Menschen unter uns“,  zusammen mit seiner Familie,  zu verstehen. Je menschlicher die Jesus Gestalt erscheint, um so größer sei der Gewinn für den Glauben, meint der evangelische Pfarrer Michael Göpfert:

„Jesus ist Mensch und zwar ganzer Mensch, und kein halber Mensch- Und gerade wenn Gott Mensch wird, was der christliche Glaube beinhaltet, dann ist es überhaupt kein Problem anzunehmen, dass er biologisch von leibhaftigen Eltern abstammt. Die Göttlichkeit bedeutet ja gerade, dass in diesem Menschen, der nichts ist als ein Mensch,  Gott sich offenbart und zeigt, dass Gott in diesem Jesu ein menschliches Antlitz annimmt. Wir glauben an Weihnachten die Menschlichkeit Gottes. In einem Menschen wird sie sichtbar, nicht in einem Halbgott!“.

Dieses Manuskript ist wie alle anderen Texte des „Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salons“  urheberrechtlich geschützt. Copyrigtht: Christian Modehn. Berlin.

Buchempfehlungen:

Josef Imbach. Marienverehrung zwischen Glaube und Aberglaube. Patmos Verlag, Düsseldorf, 2008. 253 Seiten, 19,90 EURO.

Christoph Markschies, Das antike Christentum. Becksche Reihe, München, 2006, 271 Seite, 12, 90 Euro.

Jacques Duquesne, Maria. DVA 2005, 272 Seiten. 14, 95 Euro.

Alan Posener, Maria. Rowohlts Monographien, Reinbek bei Hamburg. 2001, 160 Seiten, 8, 50 Euro.