Marienlieder: Die Frommen wissen nicht, was sie singen.

Unverständliches, Merkwürdiges, Entfremdendes in Marien-Lledern
Ein Hinweis von Christian Modehn am 13.5.2024.

Warum dieser Hinweis? Weil die immer noch üblichen Marien – Lieder der beste Beweis sind, dass die katholische Kirchenführung sich der vernunft-gestützten Inhalte von Liedern und Gebeten verweigert, von der Verweigerung, feministische Dimensionen in den Marien – Liedern zu entwickeln, ganz zu schweigen. Diese üblichen Marien – Lieder sind der Beweis: Diese Kirche setzt auf volksreligiöse, intellektuell unkontrollierte Frömmigkeit und unsinnigen Wunder – Glauben. Die Kirchenführung will die Vernunft vor den Kirchentüren zum Stillstand bringen. Sie demonstriert also ihre Zurückweisung gegen die Moderne. Weiteres Beispiel: Ablehnung der Demokratie (also auch umfassende Synodalität der Gleichberechtigung aller) in der Kirche.

1.
Theologie, die den Anspruch hat, kritisch zu sein, kann im Jahr 2024 nicht darauf verzichten, auch kritisch die in den katholischen Gottesdiensten auch heute noch üblichen Lieder, zum Beispiel die Marien – Lieder hinsichtlich ihres Textes zu untersuchen. Über die musikalische Qualität wollen wir schweigen.

2.
Wenn der christliche Glaube eine begründete Lebensorientierung sein will, kann er nicht darauf verzichten zu prüfen, mit welchen Inhalten denn die Menschen etwa in den Liedern konfrontiert sind, die zu singen sie in Gottesdiensten aufgefordert werden.

3.
Wir konzentrieren uns hier nur auf katholische Kirchenlieder, evangelische kann man später vom Inhalt untersuchen und auch dort fragen: Was ist nachvollziehbare, aber anspruchsvolle religiöse Poesie auch im Jahr 2024 in West – Europa? Was ist schlicht und einfach mitgeschleppter religiöser Wahn aus dem 16. bis 20. Jahrhundert.

4.
Unsere Analysen fallen knapp aus, sind eben Hinweise für weitere Forschungen und es können längst nicht alle Marien – Lieder untersucht werden.

5. BEISPIELE:
„Freu dich du Himmelskönigin“, Gotteslob Nr. 576.

Da werden die singenden Gläubigen im Text dieses sehr beliebten Liedes aufgefordert: Sie sollen Maria im Himmel („Himmelskönigin“) zurufen: Maria freu dich im Himmel, darüber, dass alles Leid, also auch das Leid Marias, „hin ist“, wie es im Text heißt. Nicht die Gläubigen sollen sich primär freuen, dass Jesus von Nazareth „auferstanden“ ist, nein: Maria im Himmel soll sich freuen über ihres Sohnes Auferstehung. Bei so viel Freuden – Zuspruch der Irdischen an die Himmelsköngin fehlt nicht das Flehen am Schluss: Sie solle doch im Himmel, bei Gott, „für uns (Menschen) bitten…

6.
„Lasst uns erfreuen herzlich sehr“, Gotteslob Nr. 585.

Da sollen sich die Gläubigen über die Auferstehung Jesu von Nazareth freuen. Warum? Wieder ein befremdlicher Gedanke: Weil Maria nicht mehr „seufzt und weint“. Nicht die Gläubigen sollen sich freuen, nicht sie sollen aufhören zu weinen, sondern bestenfalls über den Umweg, dass sich Maria im Himmel freut. Darf man ein solches Denken „entfremdend“ nennen? Gewiss!
Nebenbei: Als ich einst im Kloster war, haben kritische „Mitbrüder“ eher in leisen, ängstlichen Tönen anstelle von „Maria seufzt und weint nicht mehr“ gesungen: „Maria säuft, aber weint nicht mehr“. Das war natürlich etwas blasphemisch, aber der Beginn eines frommen religionskritischen Bewusstseins.
Ganz schlimm wird es in Strophe 5, wo die Frommen singen: „Aus seinen Wunden fließen her, Halleluja, fünf Freudenseen, fünf Freudenmeer, Halleluja“! Verstehe es, wer Laune hat: Jedenfalls gehören solche Liedchen zur „Denken beim Singen bitte abschalten“. Kann man ja noch machen, wer will, es werden immer weniger, die dieses Lied im Ernst mit – singen wollen und können.
Schon komisch, dass solch ein Gesangbuch 1975 (sic) noch erscheinen konnte. Haben die Theologen damals geschlafen?

7.
„Meerstern, sei gegrüßt“, Gotteslob Nr. 578.

Maria als Meeres- Stern zu verehren, ist ein alter Glaube aus Seefahrerzeiten.
Aber der Text in Strophe 1 geht weiter: „Gottes hohe Mutter, allzeit reine Jungfrau, selig Tor zum Himmel“.
Da werden Behauptungen gemacht, die viele Christen heute nicht mehr nachvollziehen können: Maria als Gottes Mutter: Gott hat also eine Mutter. Ist dann diese Frau eben als Mutter früher gewesen als Gott, der Ursprung von allem. Ist dann Maria eine Art Ur-Göttin?
Maria als allzeit reine Jungfrau finden viele, als Formel verwendet, doch sehr problematisch: Maria als wirkliche Frau ist viel näher bei den Menschen… Und ist Maria das „Tor zum Himmel“, also zur Erlösung als „Sein mit Gott“. Kann an ernsthaft auch nicht singen. Denn wenn es eines (von vielen!) Toren zum Himmel gibt, dann wohl die humane Gestalt des Jesus von Nazareth.
Und dieser „Meeresstern“ soll in Strophe auch noch „der Schuldner Ketten lösen“…Das wäre aktuell wirklich wichtig. Macht Maria als Maria im Himmel aber nicht. Als Frau in Nazareth hat sie Schuldner unterstützt? Vielleicht!

8.

„Die Schönste von allen, von fürstlichen Stand“…(Nr. 864)

Jedes Bistum hat noch einen eigenen regionalen, Bistums – speziellen Anhang von Liedern. Und da wird das Nachdenken noch öfter ausgeschaltet. Den BerlinerInnen 2024 wird etwa zugemutet zu singen: „Die Schönste von allen, von fürstlichem Stand, kann Schönres nicht malen ein englische Hand“.
Wollen wir Demokraten wirklich eine Fürstin verehren? Die Dame aus Regensburg, Fürstin G. Von T. Und T. reicht uns völlig. Und auch diese Frage ist wichtig: :Was ist eine „englische Hand“ ? Kommen da die Briten zu Ehren? Die englische Hand bezieht sich auf die Hände der Engel. Seit wann Engel als totale Geistwesen denn nun Hände haben, fragt sich manch ein Sänger und fasst sich an den Kopf.
Diese himmlisch Frau, so wird behauptet, hat zudem „eine goldene Krone“, ein „Zepter“ führt sie, sie ist zudem „eine starke Heldin“. Wirklich beeindruckend! Und schon wieder geht s auch in der 2. Strophe ums Englische, da heißt es: „mit englischem Schritt der höfischen Schlange den Kopf sie zertritt“. Natürlich hat der englische Schritt wieder nichts mit Great Britain zu tun, man denke also nicht an das rüstige Gehen der greisen Königin Elisabeth II., nein: Maria soll mit dem Schritt eines Engels die höllische Schlange zertreten…
„Die Phantasie der Frommen gebiert Ungeheuer“ möchte man nun in Abwandlung des bekannten Capriccios (Nr. 43) von Francisco Goya sagen mit dem Titel. „Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer“.

9.
Wir wollen diese Hinweis auf nun wirklich sehr befremdliche Texte abbrechen, mit einigen sprachlichen Hinweisen noch aus anderen Marienliedern, die noch speziell im Gesangbuch für die Menschen im Bistum Berlin (1975 veröffentlicht) zum Singen anempfohlen werden.
In Nr. 866 „Wunderschön prächtige…“ wird Maria die „Sonnenumglänzete, die Sternumkränzete“, sogar „die Leuchte“ genannt, in Strophe 3 wird Maria gleichzeitig „Du Gottes Tochter und Mutter und Braut“ genannt…ja was denn nun: Tochter Gottes oder Mutter Gottes oder Braut .. von wem, vielleicht vom heiligen Josef? In Strophe 4 wird ein neues Wort erfunden, Maria sei der „Spiegel der Reinigkeit“ (sic)…Bitte erklärt mir, liebe Herausgeber dieses Gesangbuches, was ein „Spiegel der Reinigkeit“ ist. Doch wohl kein neues Presse – Erzeugnis aus dem Hause Augstein?

10.
Die Frage soll diskutiert werden: Wie oft und wie schnell wird in vielen offiziell katholischen Marien – Songs die Grenze von Glauben zum Aberglauben überschritten? Kaum zu zählen!
Braucht die katholische Kirchenführung diese Art von vertrackter Marien – Frömmigkeit, um die Frauen ins Mysteriöse abzuschieben, um ihnen nicht Gleichberechtigung (etwa Zugang zum Priesteramt) zu gewähren? Sehr wahrscheinlich. Solange solcher Schmarren gesungen wird, wird sich für Frauen nichts ändern in der katholischen Kirche.
Maria als Frau, als mutige Frau, als leibliche Mutter Jesu und dessen Geschwister, von ihrem Mann Josef gezeugt, könnte doch TheologInnen inspirieren … auch zum Lieder Komponieren, wenn man denn das noch will. Passiert aber nicht, oder eher sehr am Rande.

11. Zusammenfassung:
Die Autoren dieser Lieder damals wussten in ihrem totalen spirituellen Überschwang nicht, was sie da alles sich so zusammen reimten. Hauptsache das Reimen, wie dumm auch immer, stimmte, Theologie war egal. Und die – naturgemäß – wenig nachdenklichen Frommen jubelten mit und wussten gar nicht, was sie da alles so singen. Das ist ja ein weit verbreitetes Phänomen, man denke daran, dass der widerwärtige Text der Nationalhymne Frankreichs immer noch geschmettert wird, sicher ganz laut, wenn denn die rechtsextreme Marine Le Pen Präsidentin wird…

Die Herausgeber solcher offiziellen katholischen Lieder für Menschen im Jahr 1975 wussten gar nicht, wie viel Aberglauben sie den heutigen Katholiken zumuten können.

Und die Singenden heute? „Sie wissen nicht, was sie da singen“. Kann man ja machen, bei vielen Schlagern wird auch heute noch viel Unsinn und Blödsinn gesungen. Aber ist das eine Entschuldigung dafür, dass in Gottesdiensten nicht nachvollziehbare Texte gesungen werden? Gottesdienste sollen als geistliche Dienste an den Menschen einen reifen, einen denkenden, einen kritischen Gläubigen unterstützen und pflegen wollen. Diese Lieder sind eine geistige und theologische Katastrophe. Kann man diese Katastrophe noch bewältigen oder wenigstens einschränken: Aufklärung tut not. Wird aber nicht passieren in dieser Kirche, die, wie Papst Franziskus kürzlich richtig sagt, eine „absolute Wahl – Monarchie“ ist.

Zu den Marienliedern: LINK.

Zur Marseillaise: LINK.

Copyright: Christian Modehn, www.religionsphilosophischer-salon.de

 

 

Sinn (und Unsinn) der Verehrung Marias, der „Gottesmutter“…

Nicht nur im Monat Mai…

Ein Hinweis von Christian Modehn am 29.4.2024

1.
Die religiösen und durchaus esoterischen Phantasien der Katholiken und der nicht nur katholischen Künstler haben seit Jahrhunderten ein großes Thema: Maria, die Frau, die auch in offizieller katholischer und orthodoxer Lehre „Gottesmutter“ genannt wird, die aber, jenseits aller theologischen Spekulationen, eigentlich vor allem die leibliche Mutter Jesu von Nazareth war. Eine Mutter übrigens, mit der ihr Tischler – Sohn und spätere Prophet Jesus, laut neutestamentlichem Befund, allerhand Schwierigkeiten hatte. Familie war ohnehin nicht das dringende Thema Jesu von Nazareth.

2.
Weil aber die Herren der Kirche etwa im 4. Jahrhundert aus dem armen Propheten Jesus von Nazareth den Christus, den göttlichen Weltenherrscher, gemacht haben, wurde dann selbstverständlich aus der „armen Magd des Herrn mit Namen Maria“ die Gottes – Mutter: So hat es das Konzil von Ephesus im Jahr 431 beschlossen. Seit der Zeit wird die Mutter Gottes in Gebeten und Litaneien gelobt, gepriesen, vor allem aber angefleht um mutter-göttlichen Beistand. Bei so viel Enthusiasmus für die arme Frau aus Nazareth als Mutter Gottes lag es nahe, immer überschwänglicher zur werden: 1950 verfügte Papst Pius XII. das Dogma von der leiblichen (!) Aufnahme Marias in den Himmel. Als hätte die Welt nach dem Holocaust und dem 2. Weltkrieg keine anderen Sorgen! Aber kirchentreu wie die Regierungen damals waren, wurde dieses Fest (Feiertag am 15. August) sogar zum Staatsfeiertag erklärt, etwa in Bayern, in NRW, Baden – Württemberg… in Frankreich, Spanien und so weiter.

3.
Wichtiger ist: Die Gläubigen können sich in ihrem frommen Umgang mit Maria förmlich austoben in ihrer Phantasie: Nicht nur die Orte, in denen Maria als Jungfrau höchst persönlich „erschien“, wie Lourdes oder Fatima usw., sind Schöpfungen frommer und politisch-rechtslastiger Einbildungskraft. Tausend Namen wurde Maria zugewiesen, die „Lauretanische Litanei“ nennt 50, zuerst natürlich den Titel „Mutter Gottes“. Wenn man schon eine Gottes Mutter verehrt, dann liegt es doch der Phantasie folgend nahe: Maria auch neben Jesus Christus als Miterlöserin anzuerkennen und entsprechend zu verehren. Papst Pius XI. dachte daran und auch der Marien-Fan, der Pole Papst Johannes Paul II. Es ist wohl nur die Angst vor Auseinandersetzungen mit den Protestanten, dass Maria noch nicht offiziell als Miterlöserin neben Jesus Christus gestellt wird. Es gibt immer wieder Versuche extremer Katholiken, Maria als Miterlöserin zu deklarieren. LINK

4.
Auch wenn die Päpste bis jetzt nicht so weit gehen und Maria den Titel „Miterlöserin“ offiziell zusprechen: Tatsache ist doch wohl, dass de facto viele Marien-FreudInnen in ihrem eigenen spirituellen Sehnen und Klagen Maria (fast) wie eine Göttin verehren. Diese Tatsache ist unangenehm für die katholische Kirchenführung und wird deswegen auch nicht umfassend untersucht. Wer aber nur die vielen tausend Barock – Gemälde über den Altären anschaut, wird oft Maria als Himmelskönigin gleichberechtigt neben Gott – Vater und Christus thronend sehen. Maria also die Göttin im Christentum? In der katholischen Kirche? Das würde die Gesamtstruktur dieser Kirche erschüttern, nicht nur dem Monotheismus ein neues Gesicht geben, vor allem aber die männliche Klerus – Herrschaft beenden. Also: Bloß keine Göttin Maria im Katholizismus, ist die Devise der Kirchenführer. Dabei sind sie selbst die eifrigste Verehrer der idealisierten Frau, der Gottesmutter Maria, sie verpassen keinen Gedenktag in Lourdes oder Fatima. Auch der progressive Papst Franziskus liebt diese Orte, wo die Jungfrau höchstpersönlich angeblich wunderbar erschien.
Aber… Maria als Göttin: Das wäre eine Konkurrenz zum strengen männlich – göttlichen Gesetzgeber. Eine Maria als Göttin würde Sanftheit ausstrahlen, Zuversicht, Geduld, Hilfsbereitschaft, um einmal die klassischen „Frauen – Klischees“ auch hier zu bedienen. Klerikale Härte lässt sich mit einem männlich geprägten Gott besser durchsetzen…

5.
Gegen so vielen offenbar ungebremsten katholischen Überschwang im Religiösen ist religionswissenschaftlich und philosophisch zunächst nichts zu sagen. Jeder und jede kann glauben, was er oder sie glauben will oder was einem alles so einfällt, wenn er/sie der Phantasie freien Lauf lässt beim Gedanken an Maria, die Gattin des Joseph. Dann wird aber klassisch liberal immer hinzugefügt: Dies gilt, solange dieser Glaube andere Menschen nicht einschränkt in ihrer Freiheit.

6.
Darüber wäre eigens nachzudenken und zu forschen, dass der extreme Marien – Glaube in der spanischen Welt (auch Lateinamerikas) zu einer mystischen Überhöhung dieser Frau führt: Der die Männer sich „hingeben“ wollen, weil sie nur diese imaginäre Frau Maria wirklich verehren wollen. Dieser Kult kostet nichts, erzeugt keine Verantwortung, etwa für eine Familie. Gleichzeitig führt dieser oberflächliche männliche Glaube an die reine göttliche Jungfrau zu einer Degradierung der lebendigen Frauen und Partnerinnen in der Gesellschaft … und der Kirche… Frauen sind in dieser „Marien-Welt“ letztlich die Dienerinnen, die Gehorchenden, die „zur Verfügung Stehenden“, wenn nicht gar bloß die eher „schmutzigen Weiber“, die man unterdrücken darf. Die Abwehr des katholischen Lehramtes, Frauen zu katholischen Priesterinnen zuzulassen, beruht auf diesem uralten, mythischen Wahn der „schmutzigen“, der „unreinen“ Frau, die für den heiligen Dienst am Altar ungeeignet ist. Dieser Zusammenhang wurde hundertmal historisch nach – gewiesen.
Wie schmutzig jetzt männliche katholische Priester erkannt sind, im Rahmen des sexuellen Missbrauchs durch Priester weltweit, ist eine neue traurige Variante zum Thema „katholischer Schmutz“.

7.
Es müsste also endlich der Zusammenhang untersucht werden, zwischen veräußerlichtem Marien – Kult und Gewalt und Degradierung von Frauen. Die von Papst Franziskus viel gerühmte „Volksreligion“ in Lateinamerika enthält also viel Gift, das theologisch freigelegt werden müsste.

8.
Wir wollen hier daran erinnern, dass fromme Marien – Phantasien und Marien – Ideologien die seelische Entwicklung der Menschen einschränken können. Der hilflose Mensch steht einer willkürlichen Gottheit gegenüber selbst wenn diese ein freundliches weibliches Gesicht hat. Diese Frömmigkeit kann politisch lähmen, zur Resignation führen, es sei denn man liest das Gebet Marias, das „Magnificat“. Darin rühmt sie ihren Gott, der die Mächtigen vom Thron stürzt. Aber diesen Text singen die Mönche lieber auf Lateinisch als in der Landessprache. Zu „gefährlich“ … für Kirchen und Staat…und neoliberale Ökonomen, wenn sie sich darauf einließen.

9.
Wir haben auch – inspiriert von Hermann Kurze und Christiane Schäfer (Fußnote 1) – die bis heute üblichen Marien- Lieder untersucht. Alle diese alten Songs, auch heute noch im Gebrauch in Deutschland, haben diesen flehentlichen Charakter: Maria hilf, Maria die Barmherzige, Du bist die Königin, die Mutter Gottes… Das kann man ja glauben. Man muss nur wissen, welche Konsequenzen sich aus einer solchen Haltung ergeben: Das Gefühl der Abhängigkeit von irgendwie überirdischen Mächten, die selbstverständlich als göttliche Mächte tun und lassen können, was sie wollen im Umgang mit den Menschen. Zu unserem ausführlichen Hinweis zum Inhalt vieler üblicher Marien-Lieder: LINK.

10.
Eine christlich inspirierte Lebensphilosophie, Glauben genannt, hält nur eine Erkenntnis für wichtig, weil einsichtsvoll und vernünftig nachvollziehbar: Der Mensch lebt „trotz allem“ in einem Raum „göttlicher“, d.h. von keinem Menschen zerstörbarer transzendenter Geborgenheit. Diese Erfahrung kann trösten, darf aber nicht vertrösten. Sie gibt eine innere Ruhe auch in Krisenzeiten, sie ist aber nicht egozentrisch, sondern lebt vom Impuls, für die materielle Befreiung und politische Gleichberechtigung der anderen Menschen zu kämpfen. Im Sinne der Poesie des „Magnificat“. LINK:

Fußnote 1: Hermann Kurze, Christiane Schäfer, „Mythos Maria. Berühmte Marienlieder und ihre Geschichte“. C.H.Beck Verlag, 2014, 303 Seiten.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.

Maria Maienkönigin… und religiöse Illusionen.

Pseudo-Romantik in einer entzauberten Welt.
Ein Hinweis von Christian Modehn am 2.5.2020, am 2.5.2022 noch einmal bearbeitet. Und noch einmal ergänzt am 26.4.2024.

1. Der Maien-Marien-Monat

Die Zeit der Maienkönigin hat begonnen: Denn der Mai hat auch einen katholischen Titel: Marienmonat! Im Mai verehren Katholiken ihre Königin. Sie heißt Maria und ist eigentlich nur die Mutter des armen Jesus von Nazareth, der am Kreuz hingerichtet wurde. Aber diese Mutter wurde post mortem sehr schnell von der „Schmerzensmutter“ zur glorreichen Gestalt umgewidmet. Der „Wonnemonat Mai“ ist ihre Hoch-Zeit.

2. Irrationale Spiritualität

So war es in den Zeiten der Corona-Pandemie: Viele katholische Kirchenführer nahmen diese Krise der Menschheit als ihre Chance wahr, – in der Sicht der Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie und der kritischen Theologie –  abergläubig erscheinende Praktiken wie Ablass und Reliquienverehrung und “Maria als himmlische Fürsprecherin an Gottes Thron” zu empfehlen. Es ist diese Rückkehr des Irrationalen, die einige Theologen eigentlich „auf die Barrikaden“ hätte bringen sollen, wenn sie denn am Wert einer vernünftigen christlichen Religion Interesse haben. Zu diesen populären Glaubenshaltungen gehört auch die Maiandacht. Sie ist förmlich der Inbegriff einer ganz auf mysteriöse Inhalte fixierten, manchmal sich „poetisch“  gebenden katholischen (Volks-)Frömmigkeit. Da singen Leute Marien- Lieder, die – wieder in religionsphilosophischer Sicht – eher grenzwertig sind, also nicht nachvollziehbar, hinsichtlich der Inhalte. Traditionell religiöse Menschen können natürlich singen und sagen, was ihnen so alles in ihre Phantasie  kommt. Sie müssen nur wissen, in welch ein geistiges Getto sie sich begeben, wie sehr sie heute Barrieren bauen, die Menschen den Weg in eine vernünftige Religion versperren.

3. Maria:”Es blüht der Blumen eine…”

Ich habe als Kind und Jugendlicher viele Maiandachten erlebt und “mitgemacht”. Wer sie in Kirchen mitfeierte, die von der Natur umgeben waren und dabei die Blumen und Bäume sah, die Sonnenstrahlen oder einen plötzlichen Regen erlebte, der fühlte sich in eine Naturmystik entrückt, in der Welt und Umwelt so fantastisch schön, so „entzückend“ und entrückend durchstrahlt war. Was war die Welt und die Kirche doch – dem Scheine nach – friedlich. Und die Leute fühlten sich geborgen in einem Dunst und Weihrauch-Duft des Mysteriösen und Unbegreifbaren, die Lieder sorgten für diese Entrückung ins “Vorgeburtliche”. Aber schön, war es doch, sagen manche. Romantisch sagen sie auch, in einem eher populären Verständnis der Romantik…

Und Maria war die mütterliche Herrscherin, ganz anders als der strafende Gott: „Maria, wir rufen zu dir, Mutter Gottes, wir rufen zu dir“, wurde förmlich gegrölt. „Dich loben die Chöre der Engel“ usw… Dann wurde nach dem „Ave Maria“ sanft das Lied „Es blüht der Blumen eine“ gesungen und zum Schluss „Maria breit den Mantel aus“. Alles voller Inbrunst gesungen. Es war auch der Schrei der leidenden, vielleicht sogar geknechteten Kreaturen… Ich hatte –als Jugendlicher – das undeutliche Gefühl, dass sich da aber auch eine große Gruppe eigentlich sonst doch verständiger Menschen in einen Rausch hinein begeben hatte. Dieser Rausch wurde exzessiv, wenn spezielle „schlesische Maiandachten“ gefeiert wurden, bei denen Lieder wie „Über die Berge schallt, lieblich durch Flur und Wald, Glöcklein dein Ruf“ geschmettert wurden. In der Zeit meiner Jugend waren die Kirchen noch voll, selbst in Berlin-Ost und – West! Und den Teilnehmern – auch den Priestern – war es schlichtweg egal, ob diese Gottesmutter bereits von den Frommen als Göttin verehrt wurde oder nicht. Hauptsache, die Stimmung stimmte.

Und die meisten TeilnehmerInnen der Mai-Andachten waren gerührt, fühlten erhoben, geborgen, hatten Tränen in den Augen, etwa, wenn sie zum Schluss das Lied sangen “Sei Mutter der Barmherzigkeit, sei Königin gegrüßet…” Ich sehe die Frauen, offenbar leidend, noch vor mir, als Kind, in der St. Martin-Kirche in Kaulsdorf -Mahlsdorf in Berlin-Ost, auch die alte Dame, Reihe 13, in einer Bank, die fast kaputt war, ganz hinten, da wurde geschluchzt und gefleht, da wurde die Königin angerufen, ausgerechnet in der DDR, dass dies auch ein frommer Protest war, dies war den meisten wohl nicht bewusst? Eine Himmelskönigin in der DDR, was hätte Ulbricht dazu gesagt? Der hatte doch nur seine Partei und seine Lotte.

4. Das wichtige Buch “MYTHOS MARIA”

Man könnte sich natürlich auf den Standpunkt stellen: Jeder und jede soll glauben, was er und sie will, selbst wenn die Inhalte hochgradig esoterisch sind. Das kann solange richtig sein, als dieser esoterische Inhalt nicht allgemein ins Politische und damit „Allgemeine“ hineingezogen wird. Aber das ist auch mit dem Marien/Maien-Lied „Es blüht der Blumen eine“ (gemeint als Blume ist natürlich Maria) passiert. Diese Zusammenhänge hat das wichtige, kritische Buch des Literaturwissenschaftlers Hermann Kurzke (Prof.em. Uni Mainz) und der Historikerin Christiane Schäfer freigelegt, „Mythos Maria“ ist der Titel ihrer grundlegenden, wichtigen Studie. Der Untertitel „Berühmte Marienlieder und ihre Geschichte“ (C.H. Beck Verlag, 2014). Das Buch hat meines Erachtens leider nicht die gebührende große Aufmerksamkeit gefunden.

5. Marien-Lieder an der Front: “Es blüht der Blumen eine…”

Zum Lied “Es blüht der Blumen eine...“: Das Lied wurde  im 1. Weltkrieg an der Front als Trost präsentiert, denn in der 3. Strophe heißt es: “Und wer vom Feind verwundet, zum Tode niedersinkt. Von Ihrem Duft gesundet, wenn er ihn gläubig trinkt“. Abgesehen von den miserablen Reimen und dem Irrsinn, als könne der Soldat Marias Duft trinken: Dieses Lied war Bestandteil des „Feldgesangbuches“ im Ersten Weltkrieg, betonen die Autoren (Seite 80). „Maria wird zur Sterbehelferin… das unschuldige Lied macht nun das Unaushaltbare aushaltbar. Oppositionelle Regungen werden besänftigt, diszipliniert, abgelenkt und eingeschläfert“ (83f.).

Aber auch das Marienlied „Geleite durch die Welle…“ wurde für den Kampfgeist der deutschen Soldaten instrumentalisiert. In der 7. Strophe heißt es: „Beschirme unsere Krieger, du mächtigste der Frauen, führ bald sie heim als Sieger, in ihrer Heimat Auen. Und lass alle Wunden an Leib und Seel gesunden, Maria, o Maria hilf“. (ebd. 79). Der Marienkult als nationalistisches Opium, auch als geistiges Versagen der Kirche! Denn etwas anderes als diesen Singsang, „Schmarrn“ sagen die Bayern, oder kluge, tausendmal hin und her gedrehte diplomatische Worte zum Kriegswahn und dem Nationalsozialismus hatte sie doch nicht entgegenzusetzen, oder? Diese Kirchenführer und mit ihnen viele Gläubige meinten allen Ernstes, dass da im Himmel eine Jungfrau sitzt, Maria genannt, die ihren Sohn und den lieben Gott-Vater bettelt, doch die Gebete der Soldaten an der Front zu erhören. Oder besonders diesen frommen Fritz, warum nicht auch einen Walter? Aber sollte aus deutscher Sicht auxch Pierre aus Frankreich beschützt werden oder später dann auch der Sowjetsoldat Wladimir? Da gab es sicher heftige himmlische Debatten! Dieses himmlische Helfer-System, selbst wenn es mütterlich gefärbt ist, den armen Menschen einzureden schon vor dem Krieg, ist in meiner Sicht ein theologisches Vergehen, selbst wenn diese Dosierung Opium in letzter Minute an der Front vielleicht beruhigt.

Was haben diese Kirchenführer und ihre hörigen Theologen -“Poeten” nur aus dem christlichen Glauben gemacht, fragt sich der theologische Beobachter: Mit diesen Liedern hat man die nachdenklichen Menschen aus der Kirche getrieben, die jungen besonders. Man sieht heute die Ergebnisse dieses Festhaltens an einem irrationalen Wahn im Katholizismus. Maiandachten sind, abgesehen von touristischen oder folkloristischen Veranstaltungen in Oberbayern nicht mehr en vogue. Die Königin wird vielleicht noch gesucht, aber nicht mehr in der Gestalt der Mutter Jesu, sondern eher in der Figur der Schönheitskönigin…

6. Der Nebel der Marien-Lieder

Die Autoren, von der Kirche und ihrer Theologie unabhängig, analysieren in diesem Kapitel ihres Buches noch jede einzelne Strophe dieses Songs „Maria, Maienkönigun…“. In der 3. Strophe geht es um die Stellung der Frauen: “Behüte uns mit treuem Fleiß, o Königin der Frauen! Die Herzensblüten lilienweiß, auf grünen Maies-Auen“.
Die Frauen sollen „mit treuem Fleiß“ behütet werden, von der im Himmel agierenden Maienkönigin. Warum nur die Frauen? Aber diese Frauen sind die „Herzensblüten lilienweiß auf grünen Maies-Auen“. Die lilienweißen (unschuldigen) Frauen werden förmlich in den Himmel erhoben. Und Maria möge sich dann bitte auch um „die kalten und glaubensarmen Seelen“ kümmern, wie es dann in der 6. Strophe heißt…. Die Autoren von „Mythos Maria“ schreiben: “Die Textanalyse hat Nebel zum Ergebnis, die Stimmungen bedient …. dieser Nebel ist überall dort einsetzbar, wo man Nebel braucht – im Interesse von Majestäten und Autoritäten, im Interesse von Desinformation und Aufklärungsverhinderung, im Interesse von Fortschrittsverweigerung zugunsten nostalgisch aufgeladener Vergangenheitsbeschwörung“, schreiben die beiden Autoren sehr treffend. Kein Inhalt eines Marienliedes fällt wohl katastrophaler aus als dieses, “Maria Maienkönigi, dich will der Mai begrüßen…”

7.

Dieses Lied  war noch in dem Gesangbuch fürs Bistum Berlin „Ehre sei Gott“ (auch Ost-Berlin, 1958) als Nr. 218 vertreten! Das Lied ist auch in einigen Ausgaben des neuen Gesangbuches „Gotteslob“ in einigen Bistümern zu finden, über You Tube ist es noch erreichbar, als letztes Zeichen einer hoffentlich vergangenen Welt?

8. Die rebellische Maria von Solentiname

Warum hat die katholische Kirche eigentlich nie das wunderbare Lied der jungen Frau Maria weit verbreitet und nicht nur auf Latein singen lassen, das Lied, das sich „Magnificat“ nennt und im Neuen Testament einen wunderbaren Platz (Lukas Evangelium, 1. Kapitel) hat. Ich denke, es liegt daran, dass die Gläubigen auch an die mächtigen Herren der Kirche hätten denken müssen, wenn sie den Text auf Deutschen hätten singen dürften: „Gott stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen“. Die Laien, die kleinen Leute… vor allem die armen Frauen werden erhöht, welch eine Utopie. Auch für eine herrschaftsfreie römische Kirche…Niemals wurde dieses Lied in Europa gesungen, in Lateinamerika eher, etwa auf der Insel Solentiname, mit Ernesto Cardenal, dem Mystiker und Poeten in Nikaragua…

9. Maria gehört zur Gegenaufklärung

Ich möchte diesen Hinweis beenden mit einem Hinweis der Autoren: „Die Maienkönigin ist keine pralle Naturgottheit aus dem Geist eines sinnlichen Heidentums. Sondern nur ein dürftiges Nachtschattengewächs der Gegenaufklärung“: Clemens Brentano, der romantische Erbauungsschriftsteller, gehörte zu dieser Gegenaufklärung sowie Eichendorff, Friedrich Schlegel, Joseph Görres, später sein Sohn Guido Görres, der große Propagandist der Maiandachten…

10.Der katholische Nazi-Bischof Rarkowski und seine Maria

Im Jahr 1940 erschien im „Wehrverlag Joseph Bercker“ ein katholisches „Militär – und Gesangbuch. Es wurde herausgegeben von dem Feldbischof der Wehrmacht Franz Justus Rarkowski, er ist interessanter Weise Mitglied der katholischen Ordensgemeinschaft „Gesellschaft Mariens, Maristen“ mit der offiziellen Abkürzung des Ordens „SM“! Von diesem Marienverehrer und Militärbischof heißt es bei wikipedia:: „Bischof Rarkowski hatte eine mangelnde Distanz zum nationalsozialistischen Regime …So schrieb er in einem so genannten „Hirtenbrief“ vom „bolschewistischen Untermenschentum“ und wünschte den verwundeten Soldaten, dass jeder von Euch recht bald genese und sich auf dem Platz, den er einnimmt, weiterhin im Dienste des Führers, Volk und Vaterland bewähre. Dazu verhelfe Euch der allmächtige Gott …“). Hitler bezeichnete der Bischof als „Vorbild eines wahrhaften Kämpfers...“

Dieser Nazi-Freund und Militärbischof hatte also in dem von ihm herausgegeben Gesangbuch für die Soldaten auch Marienlieder (leider ohne Noten, diese fehlten doch wohl auch an der Front?! aufnehmen lassen. Nr. 96 ist das schon genannte „Es blüht der Blumen eine…, Nr 98 ist „Geleite durch die Welle…“ Nr. 107 ist das Lied „Mutter dich rufen wir…“.

Dort wird es skandalös: Es heißt in Strophe 3: „Schirme im Feuer den kämpfenden Schwarm, stähle den Helden zur Abwehr den Arm, stärke die Herzen mit flammenden Mut freudig zu opfern das Leben, das Blut“ , ein Lied, das schon im 1. Weltkrieg gesungen wurde.
Ich betone: Dieses Lied ist eine Gotteslästerung. Und wenn man den Begriff noch will: Dieses Lied ist auch eine Häresie. Aber es galt offiziell selbstverständlich als gut-katholisch. Als häretisch galten für die Hierarchie die wenigen “anderen”, die katholischen Friedensfreunde etwa, wie der Dominikaner-Pater Franziskus Stratmann vom „Friedensbund der deutschen Katholiken“. Was für eine Schande, diese Verteufleung eines vernünftigen Pazifisten in der Weimarer Republik und unter Hitler.

11. Die katholische Maien-Maria ist eine Göttin

Wie tief ist die Kirche mit diesem ganzen Marien-Kult bis heute gesunken? In den Barock-Kirchen werden wir von Marien-Bildern förmlich erschlagen. Gab es denn keine anderen Themen? Maria ist zur Religion der Beliebigkeit geworden, des Göttinnen-Glaubens im Christentums. Das muss ja nicht falsch sein, aber das Thema sollte als solches debattiert wertden. Maria als Göttin, warum sollte man das nicht kritisch prüfen?

12. Brauchen wir eine weibliche katholische Gottheit?

Wahrscheinlich brauchen viele Menschen, auch viele Christen, eine weibliche Gottheit. Das wissen viele Theologen, aber sie sagen es nicht öffentlich. Wie zwiespältig ist auch der klassische Marien- Titel „Gottes-Mutter“? Denn wenn, diesem Bild folgend, Maria als Gottes – Mutter eben einen Gott zur Welt bringt, dann kann sie doch selbst auch schon vor der Gottes-Geburt Göttin gewesen sein. Oder? Wenn das nicht so ist, sollte man bitte auf den uralten, aber falschen Titel „Gottesmutter“ verzichten. Genauso, wie man aufhören sollte, Jesus von Nazareth, theologisch oberflächlich gedacht, „Gott“ zu nennen. Aber das ist ein anderes Thema.

Das empfehlenswerte Buch „Mythos Maria“ umfasst 303 Seiten, es kostet 24,95 EURO. Erschienen im Verlag C.H.Beck. Es enthält hoch interessante Studien zu 12 Marienliedern, darunter „Maria durch ein Dornwald ging“, „Mein Zuflucht alleine, Maria die reine“, „Segne du Maria, segne mich dein Kind“. Dies ist übrigens das „Lieblingslied des Marienkindes” und verständnisvollen Vertuschers pädosexueller Verbrechen des Klerus :Kardinal Joachim Meisner von KÖLN. Er heftete als guter Bürokrat die Namen der als sexuelle Straftäter überführten Priester unter dem Titel ab: “Mitbrüder im Nebel”. Von Nebel war ja auch schon in unserer Kritk der Marien-Lieder die Rede. Meisner, das “Marienkind”, war wohl zu oft im “Marien-Nebel” versunken.

13. Maria lieben: Sie stürzt Mächtige vom Thron – so die Hoffnung der Bibel.

Wer möchte nicht bei dem Thema mit dem Marienlied enden: „Maria zu lieben ist allzeit mein Sinn“? Fragt sich nur welche Maria wollen wir lieben. Natürlich die Maria des biblischen Magnificat, die Gott preist, weil er die Mächtigen vom Thron stürzt. Hat er leider nur selten gemacht, es waren wohl viel zu viele Päpste, Bischöfe, Kirchenfürsten und Politiker, Diktatoren  und Milliardäre, die er da hätte vom Thron stürzen müssen…

Falls man noch eine Bibel zur Hand hat, bitte nachlesen: Lukas, 1,46-55.

14. Sinn der Kritik

Diese kritischen Hinweise machen darauf aufmerksam, wie sehr die katholische Volksfrömmigkeit als populäre Marienfrömmigkeit eine reife, vernünftige Spiritualität reifer, vernünftiger Menschen behindert/verhindert hat über alle die Jahrhunderte. Tatsächlich wurde Maria als Himmelköngin und “letzte Zuflucht” ins Göttliche erhoben. Diese Entwicklung hätte theologisch-kritisch weiter begleitet werden müssen, in dem Sinne: Das Göttliche ist auch weiblich, wenn man schon diese Prädikate fürs Göttliche will. Gott als Vater UND als Mutter wäre wohl eine vernünftige theologische Bezeichnung. Es könnte vernünftig übersetzt bedeuten: Der letzte Lebenssinn, in dem wir Menschen uns bewegen, hat personale Qualitätäten eines “guten Vaters” und einer “guten Mutter”.

Ergänzung am 26.4.2024: Es sollte ein Forschungsprojekt der katholischen Theologie eigentlich sein:

Welche Marien – Lieder wurden aus den alten, vor dem Konzil üblichen katholischen Gesangbüchern im Text verändert oder unverändert in das neue katholische Gesangbuch “Gotteslob” übernommen;  1975 wurde “Gotteslob” für alle Bistümer in je eigenen Ausgaben zum ersten Mal publiziert.

Wir können und wollen diese umfangreiche Arbeit hier nicht leisten, die enthüllen sollte: Wo wurden kaum noch theologisch erträgliche Inhalte von alten Marienliedern 1975 neu geschrieben, wo wurden die Marienlieder aus den alten Gesangbüchern in die neuen unverändert (man möchte sagen ungeniert) übernommen – trotz aller theologisch problematischen Aussagen, mit all den theologisch sehr diskutablen Inhalten, die Maria in eine göttliche Position rücken. Man lese doch bitte diese Texte! Sie sind fromme Phantasien, Illusionen, in allen Ehren, sie haben aber nichts mit der Jesus – Botschaft zu tun. Sie sind in gewisser Weise Opium…

Nur einige Beispiele für unsere Recherchen: Im alten Berliner katholischen Gesangbuch “Ehre sei Gott” (1957 mit Vorwort von Kardinal Döpfner!) wurde das Lied Nr. 202 “Mein Zuflucht allein, Maria die reine… dass sie mich regiere”  unverändert ins neue Gesangbuch Gotteslob übernommen (Berliner Ausgabe Nr.862). Das selbe gilt für das Lied “Die Schönste von allen, von fürstlichem Stand..”, einst Nr. 206, jetzt Nr. 864. Und das selbe gilt für “Wunderschön prächtige… der ich mich ewiglich weihe..” Einst Nr. 210, jetzt unverändert Nr. 866. Und das selbe gilt für “Glorreiche Königin, himmlische Frau… weiseste Führerin!”…Einst Nr. 214 jetzt Nr. 868.  Die LeserÎnnen sollten die Text lesen, die eins deutlich machen: Maria wird als Jungfrau in himmlische Welten an Gottes Seite gestellt und als gütigste Frau dann doch um Hilfe im irdischen Leben angefleht. Dies kann man allen Ernstes als eine Form der Verehrung einer weiblischen Gottheit deuten. Davor schreckt natürlich die Männer – dominierte offizielle Lehre des Papstes und seiner Mitarbeiter zurück. Maria als reine Frau, unerreichbar, weil göttlich, wird den Männern als Vorbild empfohlen: Die anderen Frauen sind unrein und können der Männerwelt gehorchen. Die drangsalierten Frauen suchen Schutz bei ihrer himmlischen Göttin… Man deute bitte  die Marienfrömmigkeit im Zusammenhang der aktuellen grausamsten Verachtung von Frauen im katholischen (auch von Maria bestimmten Milieu) Lateinamerika, Mexiko, Kolumbien usw…

 

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