Ein Jahr Papst Franziskus: Der Superpapst?

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Am 13. 3. 2013  wurde der argentinische Jesuit und Kardinal von Buenos Aires Jorge Mario Bergoglio zum Papst gewählt. Schon die Entscheidung für den Namen Franziskus finden viele bemerkenswert, eine Entscheidung, aus Respekt vor Franz von Assisi, dem Armen, dem Ordensgründer und radikalen Kirchenreformer im Mittelalter (bei seinen Reformvorschlägen wurde er dann von den Päpsten gebremst und amtlich sozusagen „vereinnahmt“).

Ein Jahr also Papst Franziskus: Wir weisen bei der Gelegenheit erneut empfehlend auf die Zeitschrift PUBLIK FORUM hin, dort erscheint in der Ausgabe vom 28.Februar 2014 aus diesem Anlaß eine Titel-Geschichte „Papst Franziskus-der Superpapst“ von Christian Modehn. Zur Lektüre der Kurzfassung dieses Beitrags klicken Sie bitte hier. …Und vergessen Sie nicht, ein kostenloses Probeabonnenment zu bestellen. Publik-Forum ist eine von jeglicher Kirchenleitung unabhängige ökumenische Zeitschrift in Deutschland.

Gelassenheit. Ein Hinweis auf Epikur und Meister Eckart

Die Kriterien EPIKURS für ein Leben in der Gelassenheit, ataraxia. Und ein Hinweis zu Meister Eckart.

Zum Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon am Freitag, den 14. Februar 2014, in der Galerie Fantom.

Einige TeilnehmerInnen baten darum, noch einmal einige Thesen zum Salon nachlesen zu können….

 

Epikur war kein „Epikuräer“ im Sinne von  „Genießer“ und „Lüstling“.

Er wollte als Philosoph die Heilung der Seele bewirken. Das entspricht ganz der allgemeinen Zielsetzung des Philosophierens in der Antike.

Die Heilung als Ruhe der Seele gelingt nur, wenn sich der Mensch seiner Lust stellt und unterscheiden lernt im Umgang mit seiner Lust.

Entscheidend für ein lustvolles Leben ist, die Vielfalt der Bedürfnisse zu unterscheiden:

– Es gibt Bedürfnisse, auf die niemand verzichten kann, weil sie natürlich und notwendig sind, wie zum Beispiel das einfache Essen und die elementaren Getränke, etwa das Wasser. Auch die Erotik gehört – zumindest in unserem Verständnis – dazu.

– Mit Vorsicht sollte man sich hingegen Bedürfnissen hingeben, die zwar natürlich, aber nicht notwendig sind, wie etwa der Genuss von Wein oder der Vielzahl von Leckerbissen.

– Und meiden sollte man Lust – Bedürfnisse, die weder natürlich noch notwendig sind, also etwa Ruhm zu erwerben und mit großem Reichtum ausgestattet zu werden. Um würdig als Mensch zu leben, muss man nicht von überflüssigem Luxus umgeben sein.

„An alle Begierden muss man folgende Fragen richten: Was wird mir widerfahren, wenn das Ziel der Begierde erreicht ist? Und was, wenn das Ziel der Begierde nicht erreicht ist“ (aus der so gen. Vatikanischen Spruchsammmlung des Epikur, Nr. 71).

„Es kommt darauf an so zu leben, dass man weder am Körper Schmerzen noch an der Seele Unruhe spürt“ (Brief an Menoikeus)

Epikur plädiert für das einfache  Leben. „Wenn man sich an die einfachen und nicht aufwendigen Lebensweisen gewöhnt, dann macht das einen vollständig gesund, und es macht den Menschen unbesorgt“. (Brief an Menoikeus).

Am wichtigsten ist die Freundschaft, auch als Ort, Gelassenheit einzuüben.

Die Gemeinschaft: „Man hat darauf zu achten, mit wem man esse und trinke, als was man esse und trinke. Denn ohne Freunde beim Essen ist das Leben nichts als eine Abfütterung, wie bei einem Löwen oder Wolf“.

– Gelassenheit heißt: Keine Angst vor dem Tod zu haben:

„Wir sollten erkennen: Der Tod betrifft uns letztlich überhaupt nicht. Denn solange wir leben, ist der Tod nicht da. Wenn der Tod aber einmal da ist, sind wir als Menschen auch nicht mehr da. Der Tod betrifft also weder die Lebenden noch die Verstorbenen“.

Die „unphilosophische Seele“ krankt an falschen Vorstellungen.

Die philosophische Seele kann selbst den Weg zur Gelassenheit verstanden als Atarxia finden.

Copyright: Christian Modehn

 

Thesen zur Lehre von der Gelassenheit, Meister Eckart.

Über diese Thesen und weitere Erkenntnisse des Philosophen Meister Eckart werden wir später in einem Salon ausführlich sprechen.

Die Gelassenheit ist der Zustand, in dem der Mensch nach mühevoller Arbeit an sich selbst alles gelassen hat und vertrieben hat, was ihn von dem wahren Gott trennt. Der gelassene Mensch ist dann der Neugeborene, der Gerechte.

Der Eckart Spezialist, Prof. Kurt Flasch, empfiehlt als Leitlinie des Verstehens:

„Es ist die Vernunft, die Mensch und Gott vereint, nicht ein Gefühl, der Glaube oder eine Vision“ (Kurt Flasch, „Meister Eckart“ , Beck Verlag 2009, Seite 50).

Der Seelenfunken liegt verdeckt unter den Schichten der Selbstsucht und dem Ich.

Es gilt, die den Seelengrund verdeckenden Schichten abzutragen. (Quint, Meister Eckart, 1969, S. 28.)  „Klebe nicht an selbst gefälligen Werken“.

„Steig auf dem Weg der Abgeschiedenheit und der Gelassenheit hinab in die Tiefen deines eigenen Seinsgrundes, indem du die sterilen Hüllen und Schalen deines kleinen Ich durchbrichst“, so S. 48.

„In der Einigung mit der Gotteskraft erfährst du die mächtigen Antriebe zu einem wesentlichen Wirken“, ebd.

Es geht um die Überwindung des „Scheinseins“  (des alltäglichen, unreflektierten Lebens) hin zum wesentlichen Sein.

 

Das Innewerden des göttlichen Funkens in mir ist jedem Menschen möglich. Es ist der Zustand der Wiedergeburt, des neuen Menschen nach dem Tod des alten Menschen. Es ist das Innewerden der Erlösung.

Das Leben des gelassenen Menschen führt zu einem Leben, das aus dem Ewigen, dem Göttlichen, dem Einen, heraus handelt. Es ist eine neue Gesinnung, die den Gelassenen auszeichnet. „Dass man Ruhe habe IM mühevollen Leben, das ist das Allerbeste“, so Meister Eckart, (zit. in Quint, s 41.) Werde, der du bist. Auch dies ein Grundsatz Eckarts. Mensch werde wesentlich, so Quint, S. 48.

Das gelingt nur in dem Wissen: Alles Sein dieser Welt ist getragen vom göttlichen Urgrund und ist aufgehoben im unendlichen göttlichen Urgrund.  (Quint S. 50).

Copyright: Christian Modehn

 

 

 

 

 

 

 

Ein Jahr Papst Franziskus: Der Superpapst?

Am 13. 3. 2013  wurde der argentinische Jesuit und Kardinal von Buenos Aires Jorge Mario Bergoglio zum Papst gewählt. Schon die Entscheidung für den Namen Franziskus finden viele bemerkenswert, eine Entscheidung, aus Respekt vor Franz von Assisi, dem Armen, dem Ordensgründer und radikalen Kirchenreformer im Mittelalter (bei seinen Reformvorschlägen wurde er dann von den Päpsten gebremst und amtlich sozusagen „vereinnahmt“).

Ein Jahr also Papst Franziskus: Wir weisen bei der Gelegenheit erneut empfehlend auf die Zeitschrift PUBLIK FORUM hin, dort erscheint in der Ausgabe vom 28.Februar 2014 aus diesem Anlaß eine Titel-Geschichte „Papst Franziskus-der Superpapst“ von Christian Modehn. Zur Lektüre der Kurzfassung dieses Beitrags klicken Sie bitte hier. …Und vergessen Sie nicht, ein kostenloses Probeabonnenment zu bestellen. Publik-Forum ist eine von jeglicher Kirchenleitung unabhängige ökumenische Zeitschrift in Deutschland.

Aktualisiert am 7. März 2014 durch CM

Ökumenische Verständigung: Schon im 17. Jahrhundert in Polen

Manfred Richter (Berlin) hat eine große Studie veröffentlicht über „Das Colloquium Charitativum von Thorn 1645“.

Ein Buchhinweis von Christian Modehn

Bisher ist es einer breiteren Öffentlichkeit kaum bekannt, dass in der polnischen Stadt Thorn im Jahr 1645 ein wohl bedachter Versuch gewagt wurde, eine gemeinsame theologische Basis zu finden für die zerstrittenen, sich bekämpfenden Protestanten und Katholiken. Man bedenke, dieses ökumenische Colloquium im Geist der Friedfertigkeit und des wechselseitigen Verstehens fand noch gegen Ende des „Dreißigjährigen Krieges“ statt. Polen erlebte damals – eine Ausnahme in Mitteleuropa – seine glanzvolle Zeit, eine Zeit des Friedens und der weitgehenden Toleranz unter den zerstrittenen Konfessionen.

Zum „Colloquium Charitativum“ hatte der polnische König Wladyslaw IV. eingeladen. Dabei war der Beitrag des Theologen und Pädagogen Johann Amos Comenius von ganz besonderer Bedeutung. Es ist das Verdient des Berliner Theologen Manfred Richter, dass er in einer ausführlichen Studie diese Zusammenhänge untersucht. Sein Buch hat den Titel  „Johann Adam Comenius und das Colloquium Charitativum von Thorn 1645“, Siedlce 2013, 545 Seiten.

Diese Studie bietet auch zahlreiche Informationen für philosophisch Interessierte, die sich für den Frieden unter den sich auf einen friedfertigen Gott berufenden Christen interessieren.

Manfred Richter zeigt auch kenntnisreich und sehr detalliert die Voraussetzungen und Vorbereitungen für dieses ungewöhnliche Kolloquium, das eben nicht dem damals üblichen konfessionalistischen Gezänk folgte. Comenius selbst, der große Theologe der böhmischen Brüder, bemühte sich eine über das Konfessionelle hinausgehende Vision des Christlichen zu entwickeln, die auf der Bibel wie auch auf der wahren katholischen Lehre (!) beruhte. Er erarbeitete eine Art ökumenische Theologie der gemeinsamen christlichen Grundlagen! Er forderte zudem, wie Manfred Richter berichtet, eine vere catholica philosophia, diese natürlich nicht im engen konfessionalistisch römischen Sinne zu verstehen!

Interessant sind auch für alle, die sich für die Theologie der in den Niederlanden entstandenen Kirche der Remonstranten interessieren, die Hinweise auf die Sozinianer in Polen. Sie waren zum eigentlichen Colloquium in Thorn dann leider doch nicht zugelassen (weil sie nicht die Trinität für eine zentrale Lehre hielten und zu humanistisch-rationalistisch dachten). Die Remonstranten in Friedrichstadt haben die Sozinianer damals unterstützt. Die Remonstranten selbst waren ja damals verfolgt (in Holland!), eben weil sie auf den freien Willen des Menschen auch im Glauben nicht verzichten wollten.

Für Manfred Richter ist diese große, reich dokumentierte Studie eine weitere Bestärkung, das eigene, langjährige und nicht nur in Berlin bekannte ökumenische Engagement fortzusetzen. Er kritisiert etwa den Begriff der offiziellen „Lutherdekade“ (im Blick auf 2017) und wünscht sich viel dringender, weil theologisch viel treffender, eine Reformationsdekade: Denn alle Kirchen, aber auch alle Kirchen und Konfessionen bedürfen der Reformation.

Weitere Informationen auch über www.deutsche-comenius-gesellschaft.de

Wir sind gespannt, was Manfred Richter anlässlich des Jan Hus Jubiläums plant.

Aktualisiert am 24. Februar 2014 durch CM

Glauben ist einfach. Eine arme Kirche braucht keine mächtige Lehre. Eine Ra­dio­sen­dung am 23. März 2014

Glauben ist einfach. Eine arme Kirche braucht keine mächtige Lehre.

Eine Ra­dio­sen­dung: HR2 am 23.3. 2014 um 11. 30 Uhr

Von Christian Modehn

Papst Franziskus hat gleich zu Beginn seines Pontifikates deutlich gemacht: Die Kirche muss nicht nur die Armen achten und verteidigen. Vielmehr sollte die Kirche selbst arm werden. Franziskus selbst verzichtet bewusst auf viele Symbole päpstlicher Pracht, den barocken Hofstaat lehnt er ab, sein Zuhause ist kein Palast. In seinen Predigten und Rundschreiben fordert der Papst die radikale Hinwendung zu Jesus Christus: Da liegt die Mitte des Glaubens. So ist es nur konsequent weiter zu fragen: Sollte sich der christliche Glaube seinerseits als ein „armer“, d.h. einfacher Lebensvollzug präsentieren? Befreit von uralten Traditionen und Vorschriften, weil diese den Zugang zu Gott heute eher verstellen? So könnte das Wesen des Glaubens wieder in den Mittelpunkt rücken, die Liebe zu Gott und den Menschen. Ein solcher „armer“ Glaube ist einladend für suchende und zweifelnde Menschen von heute.

Aktualisiert am 24. März 2014 durch CM

Die Last mit der Lust. Zur Aktualität des Hedonismus. Eine Ra­dio­sen­dung NDR Kultur

Die Last mit der Lust. Zur Aktualität des Hedonismus. Eine Ra­dio­sen­dung auf „NDR Kultur“ von Christian Modehn
Am Sonntag, 2. März 2014 um 8.40 Uhr.    Zur Lektüre des Sende-Manuskripts klicken Sie hier.

Ohne Lust gibt es kein menschliches Leben. Wir alle sind Geschöpfe erotischer Begierde, das vergessen manchmal gewisse Moralapostel. Sinnlich geprägte Lebensfreude kann aber nur von Dauer sein, wenn sie eine Balance findet. Hemmungsloser Genuss fördert kaum das Wohlbefinden. Andererseits darf sich niemand seine Lebensfreude verbieten lassen. „Lust ist eben keine Abkehr vom so genannten Wesentlichen“, betonen klassische Philosophen wie Epikur. Es gilt, die Hedoné, die Lust, geistvoll zu verteidigen. Eine Herausforderung für Theologen und Philosophen.

Aktualisiert am 2. März 2014 durch CM