Über den Wissenschaftler und Philosophen Francis Bacon, vor 400 Jahren gestorben
Ein Hinweis von Christian Modehn am 9.April 2026
Das Motto:
Es gibt noch immer fundamentalistische Christen (oft Evangelikale), auch fundamentalistische ultra-orthodoxe Juden, die die Mythen des biblischen Schöpfungsberichtes („in 6 Tagen hat Gott die Welt erschaffen“) als gültige Aussagen für die Naturwissenschaften verstehen. Man möchte sagen: Diese Leute sollten die Werke des Naturforschers und Philosophen Francis Bacon studieren, um von ihrem Wahn loszukommen. Er war, vor 400 Jahren gestorben, weiter im Denken und vernünftiger als die heutigen Fundamentalisten.
1.
Der englische Natur-Wissenschaftler, Politiker und Philosoph Francis Bacon (geboren am 22.1.1561, gestorben am 9.4.1626) lebt in einer Zeit, die von radikalem religiösen Umbruch bestimmt ist.
Wir konzentrieren uns hier auf Bacons richtiges Verständnis des Zusammenhanges von Wissen und Glauben sowie auf seine kirchlichen Bindungen und religiösen Interessen; sie werden oft nicht explizit dokumentiert und ausführlich bewertet. Wir bieten einige Hinweise.
2.
Zunächst:
Francis Bacon, vielseitig begabt, ist Jurist und Staatsmann (Lordkanzler, Generalstaatsanwalt), er erforscht die Natur, ohne dabei religiös vermittelte Weisheiten anzuwenden. Und das war neu und sensationell. Man kann durchaus sagen, in seinem wissenschaftlichen Denken, philosophisch begründet, beginnt die Neuzeit. Religiöse Weisungen haben für Bacon in der Forschung nichts zu suchen. Keine Vermischung von religiösen Lehren und wissenschaftlicher Erforschung der Welt! Das war langfristig inspirierend und orientierend, man denke an die Naturforschungen Newtons.
Gott spricht für Bacon förmlich in zwei Sprachen: Durch die Bibel und die Welt, wenn man die Welt, wie Bacon, als Schöpfung versteht. Aber diese Welt selbst muss in ihren vielen Details und Aspekten wissenschaftlich, durch Experiment und empirische Erfahrung, erforscht werden. Und diese wissenschaftliche Arbeit wiederum verstand Bacon als Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen, und genau dies wiederum entspricht für ihn dem Willen Gottes.
Aber immer wieder hat sich Bacon, zumal in persönlichen Lebenskrisen, explizit zu seiner eigenen christlichen Spiritualität geäußert – und dabei gezeigt, dass er sich weithin im Rahmen der englischen Staatskirche orientiert.
Auch die Auseinandersetzung mit Atheisten war ihm wichtig. Er meinte, Atheisten blieben in ihrem Denken und Forschen der Vielfalt der weltlichen Wirklichkeit verhaftet. Sie fragen also nicht nach der schöpferischen Kraft von allem, Gott genannt.
Diese Verbindung von naturwissenschaftlicher Forschung und dem philosophisch eingegrenzten religiösem Glauben finden wir dann auch – auf radikalere, heterodoxe – Art bei Newton.
3.
1617 sollen in England 900.000 Atheisten gelebt haben, erwähnt Georges Minois in seiner großen Studie „Geschichte des Atheismus“, Weimar 2000, Seite 159. Auch zahlreiche Adlige, Wissenschaftler und Philosophen bekannten sich explizit zu ihrem Unglauben. Die menschliche Vernunft begrenzt sich förmlich auf ihre wissenschaftlichen , empirischen Erfahrungen mit der Welt. Nach Gott, der „Erstursache“ dieser Welt, wird nicht gefragt.
Francis Bacon will als Philosoph eine vermittelnde Stellung einnehmen. Denn wenn der Forscher im Verlauf seiner Forschung, auch in die Tiefe der letzten Begründung geführt wird, kann der Mensch durchaus Gott durch die Welt als Schöpfung Gott erkennen.
Diese Fragen sind dann nicht mehr Teil der religionsfreien naturwissenschaftlichen Forschung, sondern gehören in die Philosophie. Bacon war nie als Philosoph an einer Universität angestellt. Er blieb sozusagen ein unabhängiger, freier Philosoph.
4.
Es gibt zahlreiche Stellungnahmen Francis Bacons zur Religion, zum Atheismus oder zur Bedeutung des christlichen Glaubensbekenntnisses für ihn selbst. Einige ausführliche Zitate hier sind in dem Buch „Francis Bacon, Pensées sur la religion“ in der Alicia Editions veröffentlicht. 2019 ist das Buch erschienen, ein Herausgeber oder Übersetzer aus dem Englischen wird nicht genannt; erwähnt wird lediglich, dass dieses Buch (112 Seiten) „by Amazon Distribution“ GmbH, Erfurt und „Printed in Germany“ realisiert wurde.
In seinen Reflexionen zu Glaube und Atheismus bezieht sich Bacon auch auf Philosophen der Antike (Epicur, Demokratit…) oder auch auf Texte der Bibel. Das Buch versammelt oft einzelne Thesen zum Thema.
5.
Als eine Art Motto ist dem Buch ein Zitat Francis Bacons voranstellt: „Es ist wahr, dass ein Bißchen Philosophie die Menschen zum Atheismus geneigt macht. Aber eine vertiefte Kenntnis der Natur führt die Menschen zur Religion zurück“. (Alle Übersetzungen aus dem Französischen von Christian Modehn)
6.
In seinem Essay „Betrachtungen über den Atheismus“ schreibt Bacon: „Gott hat niemals Wunder getan, um einen Atheisten zu überzeugen…. Der Mensch, der die Zweitursachen (innerhalb der Welt) betrachtet, wie sie getrennt und ohne Ordnung sind, kann sich manchmal auf diese Betrachtung beschränken und dann nicht weiter forschen. Aber wenn der Mensch wirklich dazu kommt, die Zweitursachen so zu betrachten, wie sie verbunden und verkettet sind miteinander, dann ist der Mensch gedrängt, eine (göttliche) Vorsehung anzunehmen und eine Erstursache (von allem), um die wechselseitige Abhängigkeit und dieser bewundernswürdigen Verkettung (der Zweitursachen) zu begründen.“ (S. 1).
PS: Ein Hinweis zur klassischen Metaphysik, deren Denk-Modell Francis Bacon hier respektiert: Die eine Erstursache von allem ist selbst nicht von anderem verursacht, sie ist also höchstes Prinzip, Gott… Die Zweitursachen (Plural) sind alle Dinge dieser Welt, sie verursachen im Umgang mit anderen Dingen wieder Neues, Dinghaftes etc., aber eben Endliches, das dann aber auch als Zweitursache wieder für anderes zu betrachten ist…Das gründliche., differenzierende Studium der Natur führt also zur Erkenntnis Gottes.
7.
Für den Atheismus nennt Bacon verschiedene Ursachen. „Die vielfältigen Spaltungen innerhalb der Religion, die aus der Religion selbst hervorgehen, könnten zum Atheismus führen. Eine andere Ursache für den Atheismus, ist das skandalöse Leben der Priester. Und eine dritte Ursache ist die Gewohnheit zu scherzen und Witze zu machen über heilige Dinge. Nichts schadet so deutlich dem Respekt vor der Religion mehr als diese Gewohnheit. Leute, die die Gottheit ablehnen, zerstören das, was im Menschen am wertvollsten ist. Wenn der Mensch – wie für die Atheisten – in seiner Seele überhaupt nicht Gott ähnlich ist, dann ist er nur eine gemeine und schändliche Kreatur…“ (S. 4). Das Zitat ist entnommen dem Buch „Fideles Sermonen ethici…“, eine posthume Übersetzung (von 1644) des grundlegenden, wichtigen Buches „Essays“ von Francis Bacon, zuerst 1597 veröffentlicht.
8.
In seinen Glaubensbekenntnissen (etwa „a confession of faith“, 1641 posthum veröffentlicht) zeigt sich Bacon als überzeugter Christ der „Church of England“. Bacon hat auch persönliche Gebete verfasst. Einen sehr persönlich, demütig gestimmten Text, verfasste Francis Bacon, während der Zeit seiner politischen „Schwierigkeiten“ und seines Machtverlusts im Jahr 1621. Sein Gebet ist eine Reflexion über sein Leben, seine Sünden, seinen Sturz aus der politischen Gunst und sein Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit.
Das Gebet zeigt einen Mann, der nach dem Verlust seiner politischen Macht Trost bei Gott sucht.
Auch Psalmen des Alten Testaments hat Bacon übersetzt, darin zeigt er seine poetische Begabung. Bacon hat etwa die Psalmen 1, 12, 90, 104 ins Englische übersetzt.
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