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Bourdieu vor 15 Jahren gestorben: „Die Kirche neigt zum „Schönreden“ (Euphemisierung)

26. Dezember 2016 | Von | Kategorie: Gott in Frankreich, Philosophische Bücher, Termine

Ein Hinweis von Christian Modehn

Am 23. Januar 2002 ist der große Soziologe Pierre Bourdieu (geboren am 1.8.1930) in Paris gestorben. Sein sehr umfangreiches Werk ist in vielerlei Hinsicht, zweifelsfrei, von bleibender Bedeutung. Bourdieu hat in frühen Jahren eine „Konversion des Philosophen zum Ethnologen“ (so Stephan Egger) und dann weiter zum Soziologen erlebt. Dabei spielen zwar seine sechs expliziten Beiträge zum Thema Religion im gesamten Werk-Umfang eine nicht so  beträchtliche Rolle. Aber seine religionssoziologischen Arbeiten (auf Deutsch in dem Band „Religion“ des Suhrkamp-Verlages 2011 publiziert) bieten doch viele Inspirationen, um nicht nur deutlich die Arbeitsweise Bourdieus zu erleben, sondern auch die (auf nicht nur Frankreich bezogenen) religionssoziologischen Erkenntnisse weiter zu studieren.

Dabei ist es erneut interessant, die selbstverständliche sachliche Distanz Bourdieus zum Thema Kirche zu beobachten; er spricht über die französischen Bischöfe als „Episkopat“ „im Feld der Macht“ unter dem leicht ironischen Titel „Die Heilige Familie“ sehr ausführlich. Selbstverständlich mit sehr zahlreichem statistischen Material und Interviews. Sie führen empirisch in die katholische Kleriker- bzw. Bischofswelt der Jahre 1932 bis 1952 sowie zwischen 1972 und 1980. Und da wird, wie Bourdieu betont, im ganzen des Kirchlichen vieles verschleiert, „euphemisiert“, wie er das nennt, um nach außen hin den Charakter einer heiligen Bischofs-Familie zu bekunden. Nebenbei: In Frankreich ist die Zahl der Bischöfe sehr viel größer als etwa in Deutschland, wenn man in Frankreich alle „Hilfsbischöfe“ bzw.“Weihbischöfe“ mitzählt, kommt man schnell auf eine Zahl über 100 sich selbst nennende „Ober-Hirten“ bzw. „Episkopoi“, wörtlich aus dem Altgriechischen übersetzt „Aufseher“! Wir haben es der Religionssoziologie und der empirischen Studie Bourdieus zu verdanken, dass der immer wieder behauptete Schleier der Heiligkeit entfernt wird und Bischöfe in ihrem sehr weltlichen und politischen Gebaren sichtbar werden. Der Beitrag „Die Heilige Familie“ (also über die Bischöfe) zerstört die öffentliche kirchliche Propaganda, die Bischöfe würden einen einheitlichen „Corpus“ darstellen. Dieser Eindruck war 1982, als der Beitrag Bourdieus erschien, vielleicht noch gültig; heute erlebt die Öffentlichkeit durchaus etwas (!) vom Streit innerhalb der Bischofskonferenzen und der Kardinäle in Rom. Aber diese Pluralität wird nicht als Zeichen von Lebendigkeit von den Bischöfen selbst bewertet, sondern eher als Fehler, als Mangel an „Einheit“. Große autokratische Organisationen verlangen wegen des Machterhalts immer nach dem Begriff der Einheit. Vielfalt gefährdet die Macht, das wussten schon die Fürsten spätestens seit dem Absolutismus. Aber bischöfliche Einheit ist für Bourdieu empirisch bewiesen eine „Illusion“ (S. 96).

Das Thema Bourdieus ist keineswegs nur für den kleinen Kreis der Spezialisten interessant. Denn Bourdieu zeigt, wie es unter den Bischöfen Frankreichs tatsächlich eine durch „klassenmäßige Unterschiede“ bedingte Pluralität gibt. Die aber in den Klerikerkreisen vertuscht wird. Auf die sehr interessanten Studien zur unterschiedlichen sozialen und kulturellen Herkunft der französischen Bischöfe wollen wir hier nicht eingehen: Bourdieu unterscheidet die sozusagen dem katholischen Bauernstand bzw. Kleinbürgermilieu entstammenden Bischöfe von den eher aus kulturell gebildeten und finanziell arrivierteren Familien kommenden „Oberhirten“.

Interessant sind die Hinweise zur absoluten Bevorzugung der klassischen Hetero-Familie durch die Bischöfe. Sie waren ja kürzlich im Kampf gegen die Homoehe in Frankreich an „vorderster Front“. Ohne die klassische Hetero-Ehe gibt es eben in der Denkwelt des Klerus „keine Reproduktion der Geistlichkeit“, man ist, klerikal gesehen, eben „von der christlichen Familie abhängig“. Bourdieu weist nach, dass die meisten Bischöfe kinderreichen Familien entstammen.

Interessant ist auch der relativ kleine Beitrag über „Das Lachen der Bischöfe“ von 1994: Darin zeigt Bourdieu die übliche klerikale Sprachregelung, weltlich und politische Tatsachen euphemisch zu verschleiern. Statt von Marketing wird von Apostolat gesprochen; statt von Kundschaft in den Gemeinden von Gläubigen. Die Kirche pflegt das Tabu, also die Angst vor expliziten Formulierungen: Statt von Reisebüro zu sprechen, ist von „Wallfahrtsunternehmen“ die Rede. Eine Russland-Reise wird zur „Begegnung mit der Orthodoxie“ umbenannt. Auch hinsichtlich der Rechte der Laienmitarbeiter in der Kirche gilt dies: Mitgliedschaften in öffentlichen Gewerkschaften sind tabu, es wird der „Familiengeist“ vorgeschoben, als Euphemisierung eines realen „Ausbeutungsverhältnisses!, wie Bourdieu sagt (S. 235). So werden die Priester in Frankreich auch nicht als Empfänger von Gehalt bezeichnet, sondern als Empfänger von Bezügen (S. 237) „Die religiöse Sprache fungiert permanent als ein Werkzeug der Euphemisierung“ (S. 238).

So wird die Wahrheit in gewisser Weise ausgeblendet zugunsten eines Scheins von heiler Welt. Aber dieser Schein verschwindet immer mehr, weil er von den Medien angekratzt wird und auch die katholische Kirche als eine menschliche, d.h. veränderbare Organisation sichtbar wird.

Copyright: Christian Modehn im Religionsphilosophischen Salon Berlin.

 

 



Für die Vielfalt, nicht nur im Glauben. Ein Interview mit Prof. Johan Goud, Den Haag

3. Januar 2017 | Von | Kategorie: Alternativen für eine humane Zukunft, Interkultureller Dialog, Remonstranten Forum Berlin, Termine

Für die Vielfalt, nicht nur im Glauben

Ein Interview mit dem Theologen und Pastor der Remonstranten-Kirche Prof. em. Johan Goud (Den Haag):

Die Fragen stellte Christian Modehn

Zwei Fragen beziehen sich unmittelbar auf die Theologie: Die Freiheit ist entscheidend für Remonstranten, auch die Selbstbestimmung des einzelnen, seinen Glauben zu leben auf seine je individuelle Art. Haben deswegen die Remonstranten de facto kein allgemein verbindliches Glaubensbekenntnis? Ebenso gilt die weitere Frage: Was hält Remonstranten zusammen bei der akzeptierten Glaubens-Pluralität? Und warum ist Pluralität der religiösen Überzeugungen ein Vorteil?

Aber zunächst zur aktuellen politischen Situation in den Niederlanden, dort sind Parlaments-Wahlen am 15. März 2017, mit der Prognose, dass die populistische und rechtslastige Partei PVV stark wird): Was können Christen in den Niederlanden, was können Remonstranten, jetzt tun gegen Wilders und die PVV?

Johan Goud:

Diese Frage betrifft auch den Populismus, der sich im Augenblick in der ganzen Welt regt und der in den Niederlanden verbunden ist mit dem Namen Pim Fortuyn, er wurde im Mai 2002 von einem fanatischen Umwelt-Aktivisten ermordet. Der Populismus in Holland ist auch verbunden mit Geert Wilders und seiner Partei “Für die Freiheit” (PVV). Der Italiener Berlusconi, der Engländer Farage (Brexit), die Französin Le Pen, der Amerikaner Trump: Sie vertreten alternative, national bestimmte Varianten. Ich finde, es ist ein außerordentlich kompliziertes Phänomen, an dem von verschiedenen Gesichtspunkten aus mehrere auseinanderlaufende Sachen zu beobachten sind.

Zu den Hauptursachen in einem allgemeineren Sinne rechne ich: Die Aushöhlung und Ächtung der kritischen Informationsbeschaffung durch die ‘sozialen Medien’; die Zerstückelung der Gesellschaft durch den Zerfall der alten Gemeinschaftsverbände, d.h. der Kirchen, Gewerkschaften, politischen Parteien; die extrem schnelle Verwandlung der Gesellschaft durch moderne Technologien, infolge derer sich sehr viele an die Seite gedrängt fühlen (und oft auch faktisch arbeitlos gemacht worden sind).

Ursachen in einem eher spezifischen Sinne sind meiner Einschätzung nach – immerhin im Falle der Niederlande – die Privatisierung öffentlicher Dienste (wie der Energiebetriebe, der Post, der Fürsorge bedürftiger Mitbürger), aber auch die langjährige, politisch allzu “korrekte” Unterbewertung der multikulturellen Problematik. Die Folge der letztgenannten Fehlentwicklung werden besonders von den Bewohnern der ärmeren Viertel unserer Großstädte tagtäglich gefühlt und wahrgenommen.

Dies alles hat jetzt zu einer giftigen Mischung geführt, einer Mischung aus einer sich ‘national’ nennenden Nostalgie und Sehnsucht nach der vertrauten Gemeinschaftlichkeit der 50-er Jahre (die den meisten heute tatsächlich aber vőllig fremd und unbekannt geworden ist); intolerantes Verhalten den ausländischen Arbeitnehmern, den Asylbewerbern, den Flüchtlingen und jedem Fremden gegenüber; Aversion generell gegenüber unzuverlässig angesehenen Politikern und Akademikern – der ganzen verabscheuten Elite – und schließlich ein besinnungsloses Verlangen nach dem geträumten ‘starken Mann’, der ‘reinen Tisch’ machen wird.

Soweit meine Analyse, die wenig Neues enthält. Es ist aber insgesamt eine sehr traurig stimmende Geschichte. Falls wir nicht achtgeben und die gemachten Fehler korrigieren und adäquate Maßnahmen ergreifen, laufen wir die große Gefahr, daß unsere reichen, demokratischen Gesellschaften durch diese massive Unzufriedenheit tiefgehend zerrüttet werden.

Ich komme jetzt in die Nähe deiner Frage zu den Remonstranten: Was kőnnten sie tun, um diese heillosen Entwicklungen abzuwenden? Es ist klar, daß die Remonstranten eine radikal un-populistische Tradition vertreten. Die Ideale von Freiheit und Toleranz werden in der kurzen Prinzipienerklärung der Remonstranten nachdrücklich erwähnt. Sie wandten sich gleich in den ersten Dezennien der niederländischen Republik, die 1581 gegründet wurde, gegen unfreiheitliche Tendenzen in Kirche und Staat (etwa der weltweit bekannte Staatsrechtler Hugo Grotius oder der Theologe und Gründer der remonstrantischen Kirche, Johannes Uytenbogaert). Zu Beginn des 20sten Jahrhunderts waren Remonstranten ganz deutlich anwesend in der religiős-pazifistischen Bewegung (etwa der Theologe G.J.Heering, u.a. mit seinem 1928 erschienenen Buch “Der Sündenfall des Christentums; Eine Studie zum Christentum, Staat und Krieg”) und 1987 änderten sie als erste Kirche weltweit ihre eigene Kirchenordnung, damit die kirchliche Trauung homosexueller und lesbischer Ehepaare mőglich würde.

Zu den Fragen 2 und 3 sagt Johan Goud:

Das Ideal der Freiheit verbunden mit der Überzeugung, daß der Glaube im individuellen Menschen anfängt und daß diese elementare Freiheit respektiert werden soll, hat die Remonstranten tatsächlich gegenüber allgemeingültigen Glaubensbekenntnissen äußerst zurückhaltend gestimmt, wie von dir in deiner Frage zwei zu recht hervorgehoben wird. Aus mehreren Gründen haben die Remonstranten trotzdem solche Bekenntnisse formuliert, nämlich in den Jahren 1620, 1940 und 2006. Die Intention dabei ist aber sicherlich niemals gewesen, daß ein formuliertes Bekenntnis allgemeinverbindlich werde und die Gläubigen in ihrem eigenen religiösen Leben förmlich bestimmen oder gar gängeln sollte. Im Gegenteil. Wer zur remonstrantischen Kirche gehören will, schreibt sein persőnliches Glaubensbekenntnis. Und im Vorwort der őffentlichen Glaubensbekenntnisse steht jedesmal, wie auch in 2006: ‘Im remonstrantischen Glaubensverstehen ist es selbstverständlich, daß kein einziges Glaubensbekenntnis eine unwidersprüchliche Autorität besitzt. Die Absicht eines Bekenntnisses kann keine andere sein, als daß es ‘mit Vorsicht und in Liebe den Weg des Glaubens weist und erleuchtet’.’

Diese Reserviertheit gegenüber allgemein verpflichtenden Bekenntnissen kommt auch zum Ausdruck in den ersten Sätzen des Bekenntnisses von 2006: Sie sprechen zuerst vom Menschen, also nicht, wie in klassischen Bekenntnissen üblich, von Gott:

Wir sind uns bewusst und erkennen,
dass wir unsere Ruhe nicht finden
in der Sicherheit dessen, wozu wir uns bekennen,
doch in Verwunderung über das, was uns zufällt und geschenkt wird;

dass wir unsere Bestimmung nicht finden in Teilnahmslosigkeit und Habgier,
sondern in Wachheit und Verbundenheit mit allem, was lebt;

dass unser Dasein nicht erfüllt wird in unserem Sein und Haben, sondern in etwas unendlich Grösserem als wir erfassen können.

Durch dieses Bewusstsein geleitet, glauben wir an Gottes Geist,
der alles, was Menschen trennt, übersteigt
und sie beseelt zu dem, was heilig ist und gut,
auf dass sie, singend und schweigend,
betend und handelnd,
Gott ehren und dienen.

Vor diesem Hintergrund ist deine Frage drei ganz verständlich. Denn was hält diese Kirche als Glaubensgemeinschaft zusammen, wenn sie so explizit die konfessionelle Selbstbestimmung des einzelnen hervorhebt und sich zurückhaltend oder sogar ablehnend verhält zur Neigung aller religiősen Institutionen, “gierig” zu werden (um es mit dem bekannten Wort des Sozialpsychologen Coser zu sagen), also Gläubigen an die Institution zu fesseln und zum Konformismus zu zwingen? Ein wichtiger Punkt ist, glaube ich, daß unsere Prinzipienerklärung und auch diese zurückhaltenden Glaubensbekenntnisse eine von den meisten Remonstranten akzeptierte Orientierung in Worte fassen. Remonstranten stimmen im allgemeinen überein in dem Wunsch: Im Geiste der Prinzipien von Freiheit und Toleranz eine Glaubensgemeinschaft zu bilden, die die Bibel historisch-kritisch liest und Gott ehren und dienen will.

Remonstranten sind aber auch davon überzeugt, daß Pluralität im Glauben erforderlich ist, daß Vielfalt, mit anderen Worten, keinen Verlust, sondern einen Gewinn darstellt. Denn unter der Bedingung der Pluralität werden die vielfältig geprägten Menschen sich persőnlicher und bewußter auf diese Glaubensgemeinschaft bezogen fühlen. Außerdem wird sie dazu führen, daß diese Gemeinschaft keine uneigentlichen Barrieren aufwirft und keine Mauern errichtet zwischen Gläubigen, Andersgläubigen und Nicht-Gläubigen. Denn die Grenzen zwischen diesen Kategorien und Gruppen durchqueren jeden einzelnen von uns selbst. Es wäre unehrlich und es würde zur Intoleranz führen, wenn diese innere Vielfalt negiert bliebe.

Dies bringt mich zurück zu deiner übergreifenden Frage nach unserem Verhalten gegenüber Geert Wilders und seinem niederländischen Populismus. Was kőnnten Christen, was kőnnten Remonstranten dagegen tun? Vieles, glaube ich – aber bitte keine schőnen und eindrucksvoll formulierten Appelle, die nur von den schon lange Überzeugten ernstgenommen werden. Ich beschränke mich zu zwei Beispiele eher noch kleiner Projekte, die zu tun wären.

An erster Stelle geht es um Selbstkritik. Der neue “Allgemeine Sekretär der Remonstranten”, Joost Rőselaers, hat über mehrere Medien die Niederländer, besonders die gebildeteren Kreise, aufgerufen, Schluß zu machen mit der globalen Verurteilung des populistischen Trends und stattdessen Selbstkritik zu üben. Rőselaers war bis vor kurzem Pastor in London, an der Holländischen Kirche, die inmitten des Bankenviertels steht. Brexit, Trump und all die anderen halten uns einen Spiegel vor, sagt Rőselaers. Wir müssen beispielsweise in der Europäischen Union wieder zu dem kommen, womit alles einmal begann: zu den Idealen von Frieden und Solidarität. Warum haben wir die Aushöhlung dieser Ideale durch das Handeln der “Finanzwelt” nicht korrigiert? “Früher erklärten die Kirchen dir, was gut und schlecht war. Das ist innerhalb von 50 Jahren verschwunden; nun müssen wir selbst suchen, was gut und böse ist. Ich will nicht zurück in die Zeiten, als die Kirchen noch so viel Macht hatten. Aber wir müssen wohl zurückkehren zu einer Lebensform, die uns gut untereinander verbindet” (Joost Rőselaers).

An zweiter Stelle müssen wir die heillose Zweiteilung von Hochgebildeten und eher weniger Gebildeten überwinden. Ich habe meine Facebook-Freunde aufgerufen, sich dafür einzusetzen und habe aus dem Kreise dieser digitalen Freunde viele positive Reaktionen erhalten, zum Beispiel vom Islamologen Michiel Leezenberg und vom bekannten Autor Abdelkader Benali. “Es wird über diese genannte Kluft zu recht viel geklagt und auch über den sehr ernstzunehmenden Mangel, bei vielen in unserer Gesellschaft, an richtigen Informationen und Argumenten, die Fehler korrigieren. Die Gemeinschaftsverbände von einst, in denen die verschiedenen gesellschaftlichen Schichten einander begegneten, funktionieren nicht mehr. Was übrig bleibt sind die ‘social media’, die nur geben, was Menschen suchen. Diese ‘social media’ aber verbreiten auch vielen “Unsinn” (fakenews). Dies ist als eine der wichtigen Ursachen der Radikalisierung von rechts und links anzusehen. Also: Platziert mindestens einmal pro Woche einen Beitrag auf die Twitter-, Facebook- und andere Nachrichten-Sites, wo sich die heftigen, oft äußerst emotionalen und diskriminierenden Diskussionen abspielen. Reagiert da ruhig und entschieden, aber nicht moralisierend mit einem vernünftigen Beitrag. Ich habe da bis jetzt nur wenige Erfahrung gesammelt, zureichend aber, um zu wissen, dass diese kleine Initiative funktioniert und der Mühe wert ist”. (Johan Goud)

Ich sehe wohl, daß dies für viele eine nicht leichte Aufgabe ist, sich einzumischen in diese Art von Diskussionen, wo dir die populistischen Vorurteile um die Ohren fliegen. Aber ich denke, daß auf diesem konkreten und sehr dicht an den Problemen orientierten Niveau eine erste notwendige Antwort liegt auf deine Fragen. Nicht in der Sphäre von vollmundigen Erklärungen und Verurteilungen kommen wir weiter, sondern auf dem eher bescheidenen Niveau von Kommunikation und Argument.

copyright: Prof. Johan Goud

 

 

 



Die Heimat des Weltbürgers: Ein philosophischer Salon.

14. Dezember 2016 | Von | Kategorie: Alternativen für eine humane Zukunft, Termine

Der erste religionsphilosophische Salon in Berlin im Jahr 2017 findet am Freitag, den 27. Januar um 19.00 wieder in der Galerie FANTOM, Hektorstr. 9 in Wilmersdorf statt. Wir danken wieder herzlich bei den Verantwortlichen der Galerie FANTOM, dass wir uns dort schon seit etlichen Monaten treffen können!

Das aktuelle, durchaus politische, aber wie üblich immer auch philosophische Thema:

Die Heimat des Weltbürgers (des Kosmopoliten).

Nur wer auch Kosmopolit ist, kann die kleine Welt der eigenen Heimat schätzen und bewerten. Und ist vor dem Wahn des Nationalismus etwas geschützt. Und ist am Aufbau einer gerechten Weltgesellschaft interessiert. Und interessiert sich leidenschaftlich für EUROPA (das ja nicht nur „Brüssel“ ist). Und hält die Menschenrechte für unendlich wichtiger als die dummen Sprüche am Stammtisch. Wir bereiten uns also in gewisser Weise auf philosophischen Widerstand vor gegen alle Formen des rechten (rechtsextremen) Populismus!

Gleichzeitig werden wir überlegen, wie der zunehmende Nationalismus eine Form kollektiven Egoismus ist und überwunden werden kann. Was hilft das kritische, „allgemeine“ philosophische Denken dabei? Haben Religionen und Kirchen als internationale Gemeinschaften die Kraft, dem Nationalismus Einhalt zu gebieten?

Wir hoffen, dass Teilnehmer aus vielfältigen Kulturen, etwa Südeuropas, Lateinamerikas, Afrikas, diesmal mit uns debattieren. Nur so macht die kosmopolitische Haltung als Lebensform ja Sinn. Selbstverständlich werden wir dabei die Vorschläge Kants zum Weltbürger und zum Frieden erörtern.

Unser Salon besteht 2017 10 Jahre mit über 100 Salonabenden. Als „Eigenlob“ gesagt: „Recht hübsch eigentlich“… Eine philosophische „Basisinitiative“… Und: Dank an alle, die immer wieder mal dabei sein können oder neu dazukommen und mitdenken und weiterdenken.

Es ist ein Ziel der Initiatoren und sicher aller TeilnehmerInnen, dass sich die Idee des philosophischen Salons etwas mehr herumspricht und an anderen Orten auch realisiert als Form qualifizierten, grundsätzlichen und philosophischen, d.h. freien Nachdenkens, außerhalb dogmatischer Systeme. Als Form des – im guten Sinne – (welt)bürgerlichen Miteinanders in der Stadt.

Anmeldung erbeten an: christian.modehn@berlin.de

copyright: Christian Modehn, Berlin

 



Trump wird von Immanuel Kant verurteilt

21. Januar 2017 | Von | Kategorie: Alternativen für eine humane Zukunft, Befreiung, Termine

Der Philosoph Immanuel Kant kann in der heutigen vernetzten Welt niemals die politische Maxime von Mister Trump gelten lassen. „Make America great again“. Diese Maxime als Regierungsprogramm von Trump und Co. ist für den Philosophen Kant unvernünftig, unmenschlich, gefährlich. Denn: Wenn auch Deutschland diese nationalistische Maxime für die eigene Politik gelten lassen würde: „Macht Deutschland wieder groß“. Oder Österreich: „Macht Österreich(-Ungarn) wieder groß“. „Macht Spanien wieder groß wie einst im Kolonialismus“. Oder Russland:“Macht die Sowjetunion wieder groß“ usw.: Wenn dieser Maxime jeder Staat heute in einem neuen nationalistischen Wahn folgen würde, hätten wir schnell den totalen Weltkrieg. Darum: Diese Maxime als Regierungsprogramm von Mister Trump ist kriegerisch, ist gefährlich, sie gehört verboten zu werden. Kant sagt: „Diese kriegerische Maxime hat wie jede andere kriegerische Maxime kein Recht. Sie entspricht nicht der Würde der Menschen und der Würde der Menschheit. Sie gefährdet sogar letztlich Mister Trump. Diese Maxime ist für alle lebensgefährlich, sie muss sehr schnell überwunden und abgeschafft werden“. Kant kann nur diese eine US-Maxime ertragen: „Make America democratic and human again“. Oder auch: „Gestaltet Deutschland und Europa und die Welt so, dass die Würde und vor allem die Gleichheit jedes Menschen respektiert wird“. Und Kant sagt: „Überprüft alle eure politischen Maximen an dem Kategorischen Imperativ. Oder wem das – etwa in den USA – intellektuell zu anspruchsvoll ist: Respektiert wenigstens die Goldene Regel“.

Zur Vertiefung dieser philosophischen Kritik an den politischen Maximen von Mister Trump siehe etwa die Hinweise von Peter Sloterdijk oder Thomas Jefferson, klicken Sie hier.

Copyright: Religionsphilosophischer Salon Berlin