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Blaise Pascal – Menschenkenner, vom Augustinismus verdorben. Hinweise zu seinem Geburtstag

27. Mai 2017 | Von | Kategorie: Eckige Gedenktage, Termine

Am 19. Juni 1623 wurde Blaise Pascal in Clermont – Ferrand geboren, der Hochbegabte und Vielseitige, der Mathematiker und Erfinder, Städteplaner und Mystiker mit philosophischen Interessen. Seine „Pensées“ werden noch immer gelesen. Einige „Gedanken“ auch heute oft zitiert von Menschen, die von der Abgründigkeit der menschlichen Seele gern in kurzen Formeln sprechen. In dem Zusammenhang sollten wir uns vor allem an Pascals im ganzen gesehen verheerenden geistigen, religiösen Bindungen an den Augustinismus erinnern, auch an seine Bindung an den Jansenismus, der auf das absolute, willkürliche Gnadenhandeln Gottes setzte. Und so bescheidene Ansätze eines humanistischen Christentums störte und zerstörte. Der fromme Pascal hat auf diese Weise für die Stärkung eines vernunftfeindlichen Glaubens beigetragen. Man wird sich fragen: Welche Macht können tatsächlich noch die zentralen augustinischen Ideen, Ideologien, haben, etwa die Vorstellung von der „Erbsünde“. Welche (nicht explizit religiösen) Ideologien beherrschen heute das Bewusstsein der Menschen. Und dann gilt es zu verstehen: Welche Bedeutung hatte der Jansenismus in Frankreich damals möglicherweise als verstecke protestantische Haltung im Katholizismus? In welcher Weise war der Jansenismus auch ein Protest gegen die absolute Herrschaft der Könige? Gestorben ist Pascal am 19.8.1662 in Paris.



„Wir sind zuerst Menschen. Danach Untertanen“: Zum 200. Geburtstag des Philosophen Henry D.Thoreau

25. Mai 2017 | Von | Kategorie: Alternativen für eine humane Zukunft, Philosophische Bücher, Termine

Am 12. Juli 1817 wurde der ungewöhnliche Philosoph und Autor, der Amerikaner Henry David Thoreau (in Concord, Massachussetts) geboren. In seiner Heimat, den USA, gibt es heute eine breite Thoreau-Forschung und durchaus Thoreau-Begeisterung. Sein schon etwas bekanntes Buch „Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat“ sollte Pflichtlektüre in allen Schulen aller Staaten werden. Aber auch die anderen Texte verdienen unsere Aufmerksamkeit, einiges Neue, wie die Tagebücher, erscheint u.a. im Verlag Matthes und Seitz, Berlin. Wir werden weitere Hinweise publizieren, besonders zu der religionsphilosophischen Bewegung der „Transzendentalisten“, der Thoreau nahe stand…

Eine neue Thoreau- Biographie: Frank Schäfer, „Henry David Thoreau, Waldgänger und Rebell“. Suhrkamp Verlag, 2017.  Die Thoreau-Gesellschaft in den USA.

 



Walter Benjamins 125. Geburtstag: Ein religionsphilosophischer SALONABEND

27. Mai 2017 | Von | Kategorie: Denken und Glauben, Termine

Am 15. Juli 2017 wird des 125. Geburtstages von Walter Benjamin gedacht, er ist Philosoph, Kritiker, Übersetzer, Autor. Wir wollen in einem Salon-Gespräch einige Annäherungen an sein vielschichtiges Werk suchen und dadurch zur Bejamin-Lektüre ermuntern. Wir werden uns mit einigen Kapiteln des Buches „Denkbilder“ auseinandersetzen, an Benjamins Paris-Aufenthalte denken (und Schriften von ihm zu Paris) und ermuntern, seine Geschichtsphilosophie zu studieren. Ein Benjamin-Abend also, diesmal an einem anderen Ort: In der neuen Kunstgalerie am Benjamin Platz in Berlin, nahe dem Kurfürsten Damm, Eingang Leibnizstr. Wir treffen uns also in der Galerie „Kunst und Grün“ am Freitag, den 14. Juli, passend zum französischen Feiertag (Beginn der Revolution 1789), um 19 Uhr. Anmeldungen erforderlich an: christian.modehn@berlin.de

PS: Walter Benjamin, von den Nazis als Jude verfolgt, lebte ab 1933 ständig in Paris; am 27.9. 1940 hat er in der Nähe von Port Bou Suizid begangen.



Thesenanschlag heute: Kurz und störend.

15. Februar 2017 | Von | Kategorie: Alternativen für eine humane Zukunft, Befreiung, Termine, Theologische Bücher

Neun Komma fünf (9,5) Thesen zur Diskussion…anstelle der heute schon wieder üblichen, in Büchern usw. veröffentlichten 95 Thesen: Neuneinhalb Thesen! Sie sind überschaubarer und vielleicht „heftiger“…

Von Christian Modehn, veröffentlicht am 15. 2. 2017.

Vorweg:

Thesen sind Einladungen zum Weiterfragen. Sie haben nichts Abgeschlossenes. Sie können selbstverständlich nicht „alles“ sagen zum Thema „Reformation 2017“.

Diese Thesen sind vor dem Hintergrund der Bedrohung der Demokratien durch das Lügen-Regime von Mister Trump formuliert sowie angesichts der Macht der Rechtsradikalen in ganz Europa; angesichts des Mauerbauens  rund um Europa; angesichts des vom reichen Europa zugelassenen massenhaften Krepierens von Afrikanern auf dem Mittelmeer; angesichts der zugelassenen „neuen KZs, die sich heute Flüchtlingslager nennen“ (Zitat von Papst Franziskus, April 2017). Diese Thesen zum Reformationstag sind formuiert vor dem Hintergrund der Bedrohung der Menschheit durch (von Menschen gemachte) ökologische Katastrophen und durch die von Menschen gemachten bzw. gewollten Kriege. Diese sind intendiert von der Gier der Waffenproduzenten in Europas und Amerika. Gegenüber diesen Herren sind offenbar alle machtlos, nur die üblichen mahnenden Worte werden gesprochen…

Unsere leitende Erkenntnis ist also: Angesichts dieser Welt heute kann man nicht mehr „wie immer schon üblich“ von Reformation oder gar von Luther, Kirche, Spiritualität usw. reden und entsprechende Kirchen-Veranstaltungen planen. Haben wir das alles nicht schin 100 mal erlebt?

Lassen wir also Luther einmal beiseite und seine ewig wiederholten Prinzipien. Diese sind altbekannt, in schätzungsweise 50 neuen Lutherbüchern 2016/17 dargestellt: All das hat aber politisch bis jetzt wenig bewirkt. Widerstand gegen Unrecht, Unrechtssysteme und Lügensysteme ist bekanntlich alles andere als Kategorie im Denken Luthers und der meisten Lutheraner.

Es gilt heute den humanen Kern der biblischen Botschaft als menschlicher Weisheit freizulegen. Es gilt aber vor allem, einen alle Menschen verbindenden Humanismus der Vernunft zu entdecken und zu fördern.

Die neuneinhalb Thesen:

  1. Kirchen und Glauben, Religionen und Atheismen sind nicht primär wichtig. Was heute für den einzelnen und die Gesellschaft im Mittelpunkt steht ist das ethisch verantwortete und reflektierte Leben.
  2. Die eigene Urteilsbildung und die seelische Reife zu fördern ist wichtiger als konfessionelle Dogmen – etwa in Schulen – zu vermitteln und zu verbreiten. Philosophieren muss im Mittelpunkt stehen. Ideologien werden entlarvt und dringende humane Projekte (Ökologie, atomare Abrüstung usw.) besprochen und realisiert.
  3.  Konfessionell geprägte, so genannte christliche Ethik, ist niemals primär und maßgeblich; sie kann lediglich die allgemeine humane Ethik verstärken. Jesus von Nazareth kann „inspirierendes Vorbild“ genannt werden. „Jesuanischer Geist“ findet sich außerhalb der Gruppen, die sich ständig und oft scheinheilig auf Jesus Christus berufen. Sein Geist ist z.B. in einigen NGOs (Ärzte ohne Grenzen, Amnesty International) anwesend und lebendig, vielleicht sogar lebendiger als in den müden, um Dogmen und andere Themen ewig ringenden Kirchen.
  4. Die Menschen sollten sich in neuen offenen und reifen Gruppen und Gemeinden treffen; auch, um gemeinsam für die Gerechtigkeit einzutreten. Das Ziel: Es darf keine Mauern zwischen den unterschiedlichen, aber gleichberechtigten Menschen und Kulturen geben. Wer als Politiker Mauern baut, auch in Europa gegenüber Flüchtlingen, muss zurückgewiesen und „in Pension“ geschickt werden.
  5. Das Hungersterben, das weltweite Elend, muss als absolute Schande der Menschheit wahrgenommen werden. Es muss alles Denken und Handeln begleiten. Es kann nur durch eine neue, gerechte Welt-Gesellschaft überwunden werden. Dazu müssen Umverteilungen des Reichtums, auch durch Enteignungen von Milliardären etwa, stattfinden. Es gilt, endlich eine „Obergrenze“ ethisch vertretbarer Einkünfte zu debattieren.
  6. Die getrennten Kirchen erkennen an: Wir wollen nur noch das eine Wesentliche, das eine Zentrum, des christlichen Glaubens lehren und leben: Die Liebe unter den Menschen und die Liebe zu einer Wirklichkeit, die viele Gott nennen. Die immer wieder und endlos besprochenen dogmatischen Differenzen werden als überflüssige Hobbys klerikaler Herrscher entlarvt. Gottesdienste werden aus der rituellen Erstarrung und Langeweile befreit. Sie werden zu Lebensfeiern.
  7. Der biblische Gott wird nicht länger als immer zur Verfügung stehende (Herrschafts-)Formel und Floskel verwendet. Gott wird vielmehr als Geheimnis eher schweigend und liebend und in einer allgemeinen Mystik verehrt. So finden unterschiedliche Religionen zueinander. Die neuen Götter in ihrer ganzen Vielfalt werden entlarvt (Fußball, Sport, Leistung, Körperkult usw.) sowie owie der oberste Gott, über allem, das Geld bzw. das Bestreben, „immer mehr“ das „Haben“ als absoluten Wert zu verehren.
  8. Das göttliche Geheimnis kann selbstverständlich auch in Kunst, Literatur, Musik, in der Erotik, in der Natur, im solidarischen Engagement entdeckt werden. Diese Gotteserfahrung ist dann authentisch, wenn sie die Menschen zu einer personalen Befreiung und Reifung führt.
  9. Die Befreiung der Frauen, besonders der leidenden und unterdrückten Frauen in den arm gemachten Weltregionen, hat oberste politische und kirchliche Priorität. Solange die römische Kirche (von den orthodoxen Staats- bzw. Regime-Kirchen ganz zu schweigen) Frauen nicht als völlig gleichberechtigt akzeptiert, kann sie nicht ernst genommen werden. Auch die völlige Gleichberechtigung homosexueller Menschen muss weltweit erkämpft werden. Homosexualität ist normal, Homosexualität ist eine normale Variante in der sexuellen Orientierung. Alles andere zu behaupten ist Unsinn, ist kontra-faktisch, widerspricht den Wissenschaften. Offenbar sind viele Christen und Kirchen immer noch gern gegen Wissenschaften eingestellt.

      9,5. Weiter denken: Und die eigenen neuneinhalb Thesen schreiben.

 

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin