„Ich zweifle, also bin ich“. Über die Skepsis

Ich zweifle, also bin ich
Prüfen und fragen. Wie wir Gewissheit finden
Von Christian Modehn
Veröffentlicht in der empfehlenswerten Zeitschrift PUBLIK FORUM am 27.9. 2013

Ein Gefühl breitet sich aus, es droht unsere Seele zu vergiften: Allzu oft fühlen wir uns betrogen und belogen. Politiker, als Vorbilder gerühmt, werden als korrupt enttarnt. Berühmte Demokraten sind nur selten Verteidiger der Menschenrechte. Religiöse Führer nennen sich spirituell, sind in Wahrheit aber an persönlicher Bereicherung interessiert. Was wir gutgläubig für Realität hielten, entlarvt sich als trügerische Kulisse. Gibt es keine Gewissheit mehr, keine Zuverlässigkeit und Wahrheit? Ist Sein nur Schein und Wirklichkeit nichts als Fälschung?

Wer diese Fragen stellt, befindet sich in guter Gesellschaft: Es sind die Philosophen, besonders die Skeptiker, die hier Auswege und Hilfen bieten: »Hätten Sie doch mehr gezweifelt und öfter deutlich nachgefragt, dann wären Sie der Wahrheit nähergekommen.« Gewissheit im Leben zu finden ist, philosophisch gesehen, eine Mühe, aber sie »lohnt« sich. Naturwissenschaftler sind längst mit der Einsicht vertraut, dass sie in der Forschung niemals endgültige Wahrheiten erlangen, nur fragend und zweifelnd kommen sie weiter. Sie wissen, dass »physikalische Theorien nur hypothetischen Charakter erreichen können«, so der Philosoph Karl Popper (1902-1994). Im Berufsalltag kann man sich ja damit abfinden, dauerhaft im Zweifel zu leben. Aber gilt das auch für unsere Existenz, für das geistige Leben, für die Frage nach dem Sinn meines Lebens?

Das gilt schon einmal zweifelsfrei: Ohne lebendiges Vertrauen in die Wirklichkeit können wir gar nicht leben. Aber dieses Vertrauen haben wir immer schon, es begleitet unser Dasein oft unbewusst. Wenn wir mit anderen sprechen, sind wir »wie von selbst« überzeugt, dass sie uns verstehen. An Verabredungen glauben wir einfach. Auf die Liebe unserer Partner vertrauen wir. Darin zeigt sich schon das Grundvertrauen. Geistiges Leben kann niemals darauf verzichten. Aber Grundvertrauen muss begründet werden, es ist etwas anderes als Gutgläubigkeit. Skeptische Philosophen machen den Vorschlag: »Schaut um euch, versucht, möglichst vieles wahrzunehmen und auf die Wahrheit hin zu prüfen.« Sie beziehen sich auf das griechische Wort skeptein. Es bedeutet: Um sich blicken, genau hinsehen, sich nicht alles einreden lassen, also Zweifeln lernen, nie aufhören mit konsequentem Fragen. »Und dieses Fragen ist Bewegung! Sich auf Dauer an Antworten zu klammern ist Stillstand. Wenn wir aber die Antworten als Aufforderung zu weiterem Fragen verstehen, dann sind wir wieder auf dem Weg, Neues zu entdecken und lebendig zu bleiben«, sagt Michael Braun. Er arbeitet als praktischer Philosoph in Berlin. »Menschliches Leben kann nur gelingen, wenn dem Fragen keine Grenzen gesetzt werden und zweifelnde Unruhe unseren Geist bestimmt.«
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Aber: Ständiges Fragen und Zweifeln als Lebenshaltung, kann das gut gehen? Wird da nicht zu viel Misstrauen gefördert? Fühlen wir uns angesichts der Fülle von Verlogenheit und Betrug nicht schnell am Rande der Verzweiflung? Skeptische Philosophen wollen den Einzelnen nicht überfordern. Sie wissen genau, wie wenig wir in unserem kurzen Leben wirklich sicher wissen können. Darum gilt der moderne skeptische Vorschlag: »Suche dir in deinem Alltag die Bereiche aus, die dich leidenschaftlich interessieren, wo du die Kraft hast, genau hinzusehen und zu prüfen, etwa Gesundheit, Ernährung, Friedenspolitik, je nachdem. Überlasse andere Bereiche den anderen, aber tauscht euch darüber aus.«

Die Philosophen bleiben dabei: Skepsis und Zweifel können zu einer tragenden Gewissheit im Leben führen. Und die entdecken wir nur, wenn wir den Mut finden, immer wieder am Zweifel selbst zu zweifeln. Die Formulierung befremdet vielleicht. Es kommt darauf an, unseren Zweifel, unsere Skepsis selbst zum Thema zu machen. Hannah Arendt (1906-1975), die Philosophin und Politologin, plädiert dafür. Sie folgt dem Lehrmeister der modernen Skepsis, dem Franzosen René Descartes (1596-1650), wenn sie schreibt: »Wenn alles zweifelhaft geworden ist, so bleibt doch das Zweifeln selbst in uns unbezweifelbar wirklich.« Diese Einsicht ist entscheidend: Ich muss gleichsam nachdenkend mein Zweifeln noch einmal anschauen. In dieser Bezogenheit, Reflexion genannt, entdecke ich eine neue tragende Gewissheit: Sosehr ich auch weiterhin an einzelnen Tatsachen und Behauptungen, an Thesen und Programmen zweifeln muss: Im Zweifel selbst beziehe ich mich auf meinen Geist. Er ist das Bleibende, sozusagen das »Medium«, in dem sich alles Leben bewegt. Aber mein Geist ist nichts Individuelles oder für mich Exklusives. Mein Geist hat Teil am allgemeinen Geist, dem »universalen Geist« der Menschheit, wie die antiken Philosophen der Stoa zum Beispiel sagten.

Die Konsequenzen dieser Einsicht sind erheblich: Mein kritischer Geist, meine Vernunft, bleibt mir, selbst wenn alle Lehren und Meinungen, die ich irrtümlich für Wahrheit hielt, sich als Schein enthüllen. Unser Geist bleibt uns dann wie ein »tragendes Netz« erhalten, wie eine sichere Basis in unserem Menschsein. Darum betont Hannah Arendt: Der populäre Spruch von Descartes »Ich denke, also bin ich« ist noch gar nicht der Weisheit letzter Schluss. Denn Descartes schreibt viel provozierender: »Ich zweifle, also bin ich! Das heißt: Sie, die da zweifeln, Sie sind es selbst, die da zweifeln. Dabei spüren Sie: Ich lebe. Das ist so wahr, dass Sie daran nicht zweifeln können.«

Das geistvolle Leben erschließt sich über das Zweifeln oder die Skepsis. Sie bringen unserem Leben Transparenz und Klarheit, vielleicht auch eine Unerschütterlichkeit und Ruhe. Darin sahen schon die ersten Skeptiker das Ziel ihres Zweifels, wie Pyrrhon von Elis (360-270 vor Christus). Wer aber die Skepsis heute – im Sinne Descartes’ – einübt, kann auch seine eigene Spiritualität und seinen Glauben neu erleben. So kann sogar der Mönch und Wüstenbewohner Evagrius Ponticus aus dem 4. Jahrhundert ein Bundesgenosse werden, wenn er betont: »Sei ein Türhüter deines Herzens und lass keine Gedanken ohne eigene Befragung herein.« Und der Apostel Paulus schärfte seiner Gemeinde in Thessaloniki ein: »Prüfet alles, das Gute behaltet.« Tomas Halik, katholischer Theologe in Prag und viel beachteter Autor, entspricht dieser Haltung: »Mein Glaube ist immer ein Weg. Und ich versuche, immer tiefer und tiefer zu gehen. Das Christentum ist keine billige Sicherheitslehre. Das ist eine Herausforderung, mit dem Geheimnis zu leben, das ist nicht leicht. Und auch durch die Krisen und Nächte der Unsicherheit zu gehen.«

Christen sollten also immer wieder neu prüfen, ob sie tatsächlich den Unendlichen und Ewigen meinen, wenn sie von ihrem »lieben Gott-Vater« sprechen. Nur im konsequenten Fragen erkennen sie ihre begrenzten frommen Vorstellungen oder bloß erbaulichen Bilder von Gott, die sie im Laufe des Lebens wie eine Selbstverständlichkeit herausgebildet haben. Der evangelische Theologe und Psychotherapeut Günter Funke aus Berlin betont: »Halte nicht zu sehr an deinen Vorstellungen fest. Viele Menschen haben sehr viel Lebendigkeit ihren Vorstellungen geopfert. Wenn ich irgendwo beginne, Lebendiges für Vorstellungen zu opfern und wichtig zu nehmen, dann werden die Vorstellungen damit überhöht, sie bekommen einen Stellenwert, den die biblische Tradition Götzen nennt.«

Im konsequenten Fragen und Zweifeln werden »Götzenbilder« gestürzt, im kritischen Zweifel kann »der liebe Gott« nicht länger der »himmlische Garant« aller meiner Wünsche bleiben. Wenn der Zweifel mich von allzu schlichten religiösen Vorstellungen befreit, dann ist das – religiös gesehen – eine Tat des Geistes. Einige Theologen nennen den Heiligen Geist deswegen auch einen skeptischen Heiligen Geist. Der katholische Theologe Paul Michael Zulehner aus Wien betont: »Die Dogmen sind im Grund genommen wie die Laternen, die uns auf dem Weg durch die dunkle Nacht leuchten, und nur Betrunkene halten sich daran fest. Für mich gilt auch: Glauben lernen heißt Fragen lernen. Ich hab einmal gesagt: Wenn ich Zeit habe, schreibe ich einen Katechismus, der nur aus Fragen besteht. Wir müssen wieder lernen, die richtigen Fragen zu stellen. Aber das geht nur, wenn der Mensch radikal frei ist, also im Zustand des Risikos lebt. Und das ist der Akt des Zweifels.«
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Dabei ist die kritische Theologie hilfreich. Sie befreit vom wortwörtlichen Verstehen der Bibel und deutet die Wunder Jesu als heilsame seelische Erfahrungen; sie lehrt, was die Jungfrauengeburt bedeutet oder die Himmelfahrt Jesu. Jens Schröter, Professor für Neues Testament an der Humboldt-Universität in Berlin, betont: »Es ist fundamental für jede religiöse Überzeugung, dass sie ihre Grundlagen auf den Prüfstand stellt, um eine wirklich fundierte intellektuell und ethisch überzeugende Position zu gewinnen. Deshalb stellt die akademische Theologie immer wieder die entscheidenden Fragen, wie der christliche Glaube sich in einer bestimmten Zeit so äußern kann, dass er überzeugend ist. Deswegen kommt der Frage und der Skepsis in der Theologie eine ganz grundlegende Funktion zu.«

Ein religiöser Mensch, der über den Zweifel am Zweifel seine tragende Gewissheit gefunden hat, wird dann theologischen »Neuentdeckungen« unbefangen begegnen. Er weiß: Auch im wissenschaftlichen Fragen äußert sich der Heilige Geist. Und der ist skeptisch.

copyright: Religionsphilosophischer-salon.de Christian Modehn

Eine Theologie, die gut über den Menschen redet. Über eine „neue Berliner Theologie“

Eine Theologie, die gut über den Menschen redet. Über eine „neue Berliner Theologie“

Ein Interview mit Prof. Wilhelm Gräb, Humboldt Universität
Die Fragen stellte Christian Modehn

Sie haben in Ihrem Interview im August darauf hingewiesen, dass Theologie zu verstehen sei als „Auslegung des gelebten Lebens“ der einzelnen. Ist damit auch die Aufforderung gemeint, dass wir viel stärker noch als bisher, „unser je eigenes Leben“ nun auch sprachlich ausdrücken, für uns wie für andere? Und wie geht dann ein Theologe mit diesen Auslegungen um?

Ja, ich denke so: die Theologie, die hier und heute an der Zeit ist, muss eine Theologie sein, die die Menschen als die Subjekte ihres Lebens Ernst nimmt und keine anderen Interessen verfolgt, als den Menschen zur besseren Klarheit über sich selbst zu verhelfen. Wer sich den Anforderungen des Lebens stellt, hat Fragen genug, auf die es keine einfachen, ja vielleicht überhaupt keine Antworten gibt. Diese Fragen wach und sie auszuhalten, ob mein Leben einen Sinn hat, ob ich in der Unendlichkeit des Universums dennoch nicht verloren gehe, ob jeder Mensch dessen gewiss sein kann, auf keinen Fall vergeblich zu leben – ist die Aufgabe der Theologie. Dann wird sie zur Auslegung der Lebensdeutungen, die wir alle, so wir bewusst unser Leben führen, so oder so immer schon vollziehen.
Natürlich, als Theologie denkt sie den Gottesgedanken und damit die Idee, dass das Ganze dieser Welt und eines jeden Lebens in ihr sinnvoll ist, auch wenn es unsere Fassungskraft übersteigt. Aber damit weiß sie auch, dass Gott kein Gegenstand in dieser Welt ist, es ihn nicht gibt, wie es die Dinge, Gedanken und Gefühle gibt. Gott als der Sinn des Ganzen, so weiß eine zeitgemäße Theologie, lässt sich immer nur zum Sinnangebot machen. Eine gute Theologie versucht Gott zu einem möglichst plausiblen, einleuchtenden Sinnangebote zu machen.
Nennen wir sie ruhig die „Neue Berliner Theologie“, in konstruktiver Bezugnahme auf die Berliner Theologie, die einst, 1799, der Prediger an der Charité, Friedrich Schleiermacher, mit seinen „Reden über die Religion an die Gebildeten unter ihren Verächtern“ dem „aufgeklärten“ Berlin vorgeschlagen hat. Heute, nach dem Jahrhundert der menschenverachtenden Ideologien von rechts und von links, braucht Berlin eine Theologie, die gut über den Menschen redet und seine Freiheit verteidigt, auch und gerade seine religiöse Freiheit. Denn die Freiheit zur Religion, sich selbst für oder gegen sie entscheiden zu können und die Freiheit in der Religion, Gott selbst denken und nach eigener Einsicht in seine Wahrheit glauben zu können, ist der Anfang aller Freiheit.

Wenn Theologie die jeweiligen Sinnentwürfe der heutigen Menschen wahrnimmt und reflektiert, welche normativen Aspekte wird dann diese liberale Theologie zur Geltung bringen?

Die Norm dieser Theologie ist allein die menschliche Freiheit. Menschen sollen zur Klarheit über sich selbst und die Bestimmung ihres Lebens finden. Dabei muss die Theologie, bzw. genauer der Theologe, die Theologin zur Klarheit über sich selbst kommen, über ihr eigenes Gott denken und Gott glauben. Dann nur können sie mit den nach einem letzten Sinn suchenden Menschen so ins Gespräch über Gott kommen, dass Gott sich diesen selbst als ihre Idee vom Sinn des Ganzen erschließt.

Nun gibt es in der langen christlichen Tradition eine Fülle von Glaubenslehren und Dogmen. Könnte man diese Aussagen, die manche Kirchenführer noch für definitiv halten, auch als Ausdruck des religiösen Lebens deuten und dadurch wiederum relativieren?

Die Glaubenslehre und Dogmen, selbst die Bibel verlieren in dieser Theologie ihren normativen Status. Diese Theologie betont stattdessen das kreative, die religiöse Selbstauslegung anregende Potential der religiösen und theologischen Überlieferungen. So, wie wir überhaupt die Sprache, die wir sprechen und vermittels derer wir uns über uns selbst und die Dinge des Lebens verständigen, nicht erfinden, sondern in sie hineinwachsen, so ist es auch mit der religiösen Sprache.
Das Problem ist nur, dass die religiöse Sprache der Tradition für die meisten zur Fremdsprache geworden ist. Die Aufgabe der Theologie wird es daher, die religiöse Sprache der Tradition in unsere heutige Alltagssprache zu übersetzen. Das wiederum gelingt uns am ehesten dann, wenn wir darauf achten, dass und wie in der religiösen Sprache der Tradition sich die religiöse Selbstauslegung der Menschen von damals ausgesprochen hat. Wir können die überlieferten Texte uns als Ausdruck religiöser Erfahrung verständlich machen.
In der Tiefe existentieller Grundfragen, in der Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit, mit den Situationen des Glücks und der Not bleiben sich die Menschen aber auch erstaunlich gleich. Deshalb enthalten die Texte der religiösen Tradition, trotz einer uns vielfach unverständlich gewordenen Sprache, immer noch ein großes religiös-spirituelles Anregungspotential.

Wie geht eine neuen Berliner Theologie mit diesen „vorgegebenen“ Traditionen und Dogmen um, wenn sie sich der gegenwärtigen und eigenen spirituellen Wahrnehmung gegenüber „sperren“ und als nicht nach vollziehbar empfunden werden?

Klar, nicht alle Glaubenssätze der Tradition enthalten für uns ein religiös-spirituelles Anregungspotential. Nicht alle können wir zum Ausdruck der Deutung unseres eigenen Lebens und Selbstverständnisses werden lassen. Dann müssen wir sie zurücklassen und sie der Theologie- und Dogmengeschichte übergeben. Entscheidend für uns ist ja eben dieses Verständnis des Glaubens, wonach es in ihm nicht um die Anerkennung von Glaubenssätzen geht, sondern darum, dem Ausdruck zu verleihen, worin sich uns selbst unsere Lebenszwecke versammeln und unsere Daseinsgewissheit begründet.
Sofern wir zur Klarheit darüber kommen, dass wir eine letzte Rückbindung nur in dem Gott finden, auf den wir unser Vertrauen setzen, kann sich solches Vertrauen immer wieder an den Zusagen und Verheißungsworten aufrichten, in denen Menschen der Vergangenheit religiösen Halt gefunden und mit denen sie zugleich den Grund ihres Glaubens zur Sprache gebracht haben. Wo der Glaubensüberlieferung diese religiös inspirierende Kraft fehlt, funktioniert sie in der je gegenwärtigen religiösen Kommunikation nicht mehr. Dann sollen sich die Historiker unter den Theologen mit diesen Texten und Denkmälern befassen.

Manche „orthodoxen“ Kirchenführer und Lehrer werfen dieser Haltung (mit ihrer nun einmal notwendigen „Auswahl“ von heute noch relevanten Traditionen) eine zu starke „Selbstermächtigung des einzelnen“ vor. Wie geht eine neue Berliner Theologie mit diesem Vorwurf um, der ja von orthodoxer Seite schnell mit dem Vorwurf des Häretischen verbunden wird.

Die Freiheit ist immer die Freiheit des einzelnen, sonst ist sie keine Selbst-Bestimmung. Das freilich heißt nicht, dass sie mit Beliebigkeit zu verwechseln wäre. Auch geht sich selbst recht verstehende individuelle Freiheit nicht mit einer Missachtung von Traditionen und Institutionen einher. In ihnen entfaltet sie sich vielmehr, findet sie auch nur zur Verständigung mit anderen und zu gemeinschaftlicher Verbundenheit in den wichtigen Fragen des Lebens. Aber die religiöse Kommunikation kommt dort zum Erliegen, wo die überlieferten Dogmen und Glaubenssätze mit normativem Anspruch auftreten, und dann auch noch die Anerkennung der gegenständlichen Wahrheit ihres Inhalts verlangen. Dann ergibt sich das Missverständnis, als bestünde der religiöse Glaube in der Akzeptanz unwahrscheinlicher Behauptungen über metaphysische Gegebenheit und Ereignisse.
Die Sätze des Glaubens sind nicht als gegenständliche Wahrheit vorgegeben, sondern sie folgen der lebendigen spirituell-religiösen Erfahrung als deren Ausdruck nach. Dabei machen wir, indem wir unseren Glauben ausdrücken, von der Sprache der Bibel und den kirchlichen Glaubenslehren Gebrauch. Aber wir transformieren sie zugleich immer auch in die heute verständliche Sprache, bilden neue Metaphern, suchen nach ansprechenden Analogien, produzieren andere Texte. Wenn man so will, ist zu sagen: Ohne häretische Momente gibt es gar keine lebendige religiöse Kommunikation, keinen kräftigen Ausdruck eigener Spiritualität.

Diese – schwierigen – Fragen hier sind ja keine theologischen und religionsphilosophischen Sandkastenspiele. Sie gelten dem Bemühen, auf eine für heute mögliche Spiritualität hinzuweisen. Warum sind für Sie gerade als „praktischem Theologen“ diese Fragen so dringend?

Die Praktische Theologie will Theologen und Theologinnen religiös sprachfähiger machen, kundig in der Auslegung von Texten wie in der Auslegung des gelebten Lebens. Dabei liegt das eine im anderen. Immer entsteht Religion, bildet sie sich, wird sie gestärkt durch religiöse Ansprache. Freilich auch nur deshalb, weil die Menschen auf Religion prinzipiell ansprechbar sind. Das spirituelle Interesse, das ja doch das Interesse am Sinn des eigenen Lebens ist, ist in allen lebendig. Woran es oft jedoch fehlt, das ist die Gelegenheit, die spirituelle Sinnarbeit ins Gespräch zu ziehen.
Diesem Defizit versuche ich, so gut dies durch akademische Ausbildung geht, als Praktischer Theologe abzuhelfen Wir sollen als Theologen nicht meinen, wir müssten die Menschen permanent ändern. Es ist doch alles da. Wir sind die Subjekte unseres Glaubens und Lebens. Aber tiefer verstehen wir uns in dem, was wir sind und haben, erst dann, wenn wir darüber miteinander ins Gespräch kommen. Dieses Gespräch anzuregen, das ist die Sache der Theologie und alle Theologie ist, wo sie nur wirklich bei der Sache ist, praktische Theologie.

copyright: Prof. Wilhelm Gräb und Religionsphilosophischer Salon Berlin.

Diderot Museum wird eingeweiht: Die Stadt Langres feiert die Aufklärungsphilosophie

Diderot Museum wird am 6. Oktober 2013 eingeweiht
Langres feiert die Aufklärungsphilosophie
Von Christian Modehn

Endlich wird ein bedeutendes „philosophisches Museum“ in Frankreich eröffnet. Am 6. Oktober 2013 ist es so weit: Als ein Geschenk zum 300. Geburtstag des Philosophen Denis Diderot wird in Langres, der hübschen kleinen Stadt in der Region „Champagne – Ardenne“, das Diderot Museum eingeweiht: In Langres wurde der Philosoph und Autor am 5. Oktober 1713 geboren, dort hat er seine Jugendzeit verbracht und später von Paris aus häufig diese Stadt besucht, In Paris ist er, wenige Jahre vor der Revolution, am 31. Juli 1784 gestorben.
Das neue Museum in Langres ist in einem repräsentativen Gebäude aus dem 18. Jahrhundert untergebracht. Es hat den offiziellen Titel „Maison des Lumières Denis Diderot“: Damit wird von vornherein Diderot in die Zeit der Aufklärung hineingestellt. Er ist – zusammen mit d Alembert – als Herausgeber der berühmten „Enzyklopädie“ einer der großen anregenden Denker in der vielfältig orientierten Aufklärung. Für die „Enzyklopädie“ hat er ca. 3.500 Artikel verfasst, allerdings ohne Namensnennung. Nach seiner Verhaftung durch das autoritäre Regime 1749 hatte er sich verpflichten müssen, kein philosophisches Werk zu veröffentlichen. In seinen „Philosophischen Gedanken“ hatte Diderot noch 1746 geschrieben: „Gegenüber dem barbarischen Glaubenseifer bin ich für eine Religion, die die Menschen als vernünftige Wesen behandelt und ihnen nicht zumutet, etwas zu glauben, das über ihre Vernunft geht und dieser nicht gemäß ist“.
In dem „Philosophen – Salon“ (rund um Baron Holbach) in der Rue des Moulins in Paris trafen sich viele maßgebliche Denker der Zeit, darunter auch – vorübergehend – J. J. Rousseau. Hegel fand bei Diderot wesentliche Anregungen, etwa zum Thema Herrschaft und Knechtschaft und zur Erfahrung des entfremdeten, „zerrissenen Bewußtseins“. Er hat erkannt, dass im Denken Diderots die Revolution vor – gedacht und vor- bereitet wurde in der Ausarbeitung einer rebellischen Mentalität. Diderot ist zudem als Schriftsteller auch Autor zahlreicher Theaterstücke; Dialoge, Träume, durchaus auch „Unterhaltung“, all das gehört auch zum geradezu „bunten“ Werk Diderots. Er hat einen weiten Wirkungskreis, bis hin zu Katharina II. in Rußland; nach Preußen zu Friedrich II. hat er dann doch nicht reisen wollen, weil er selbst einem „aufgeklärten Absolutismus“ nicht vertrauen konnte.
Diderot hat seine Kindheit in Langres verbracht, die Stadt bietet zahlreiche entsprechende Erkundungen und Spaziergänge. Das neuen Museum wird zu aktuellen Fragen inspirieren: Was bedeute Aufklärung damals, was verdanken wir heute immer noch der Aufklärung, wie kann man mit den immer noch heftigen Gegnern der Aufklärung heute umgehen? Welchen Einfluss haben Diderot und die Aufklärungsphilosophie auf die Französische Revolution und die Formulierung der Menschenrechte?
Religionsphilosophisch ist Diderots Werk nach wie vor anregend; er versuchte, die Wirklichkeit Gottes (des Göttlichen) für den Verstand zu „retten“ angesichts der radikalen materialistischen Kritik und der Problematik, die mit der historischen Bindung des Christentums an begrenzte historische Quellen gegeben ist. „Zu seinen Lebzeiten hat Diderot keinen antireligiösen Einfluss ausgeübt, außer durch die Enzykopädie…“ schreibt der Philosph Y.Beleval. Diderot kämpft gegen die kirchliche Obrigkeit, gegen den damals so selbstverständlichen Aberglauben im Volk, von seinem mutigen Protest gegen den Feudalismus einmal abgesehen. Wie nicht anders zu erwarten, wurde die Enzyklopädie von Papst Clemens VII. 1759 auf die Liste der verbotenen Bücher, den Index, gesetzt. Erst nach Diderots Tod wurden seine Romane „Rameaus Neffe“ und „Jacob, der Fatalist“, veröffentlicht.

Das Bürgermeisteramt von Langres fordert alle Interessierten auf, sich für weitere Fragen zu wenden an:
Mairie de Langres – Projet Diderot 2013
Place de l’Hôtel de Ville – BP 12, 52200 Langres. Tél. : 03 25 87 77 77.

Das Diderot Museum hat eine eigene website, klicken Sie hier.

Der Religionsphilosophische Salon Berlin ist mit der Salon Kultur der Aufklärung verbunden, weil damals Philosophieren inmitten des Alltags, außerhalb der akademischen Institutionen stattfinden musste. Wir haben in unserem Salon mehrfach über Diderot gesprochen, zu zwei Beiträgen über „Die Nonne“ und sein „revolutionäres Philosophieren“ klicken Sie hier und noch mal hier.

Der Suhrkamp Verlag hat 2013 Diderots „Philosophische Schriften“ veröffentlicht, herausgegeben von Alexander Becker.
Auch „Diderots Enzyklopädie“ liegt jetzt in „Die andere Bibliothek“, Berlin 2013, vor.

Nebenbei:
Einer der wenigen katholischen Bischöfe, die den Geist der philosophischen Aufklärung nicht verachten und die Kritik an Gesellschaft und Kirchenverfassung offen und radikal aussprechen, ist Bischof Jacques Gaillot: Er wurde 1935 in St. Dizier geboren, einer kleinen Stadt, eine gute Stunde (im Auto) von Langres entfernt.
Er wurde im Jahr 1961 in Langres zum Priester geweiht, später wurde er sogar „Generalvikar“ in dem Bistum, also der zweite Mann nach dem dortigen Bischof. Dort hat er die Laien ausbilden und fördern wollen, eine „ecole des ministères“ sollte Laien befähigen, Verantwortung in den Gemeinden zu übernehmen. Dies war die erste Einrichtung dieser Art in Frankreich überhaupt.
Gaillot wurde 1982 zum Bischof von Evreux (Normandie) ernannt, dann aber von Papst Johannes Paul II. 1994 bestraft und abgesetzt, wegen allzu aufklärerischer Forderungen in Kirche und Gesellschaft. Im Gedenkjahr an die Revolution, also 1989, war Bischof Gaillot der einzige katholische Bischof, der an der feierlichen Beisetzung (Umbettung) des republikanischen Abbé Gregoire im Panthéon von Paris teilnahm. Abbé Grégoire wollte eine demokratisch verfasste Kirche inmitten der revolutionären Umbrüche von 1789 und später einrichten, er ist dabei – natugemäß im katholischen System – gescheitert.
Jedenfalls, so meinen wir, kann sich Langres über Diderot und Gaillot, zwei – unterschiedliche – bedeutende aufklärerische Geister, freuen.

copyright: Christian Modehn

Wer sind die Gotteslästerer? Zu einer Stellungnahme des Moskauer Patriarchats.

Wer sind die Gotteslästerer? Zu einer Stellungnahme des Moskauer Patriarchats
Von Christian Modehn für den Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon Berlin

„Wenn Gott einen Menschen bestraft, dann ist dieser nicht zu beneiden, er verliert seine Gesundheit und manchmal das Leben“. Mit diesen Worten kommentiert der Sprecher der Russisch – Orthodoxen Kirche in Moskau einen Brief der Künstlerinnen der Gruppe Pussy Riot aus dem Straf – Lager des Putin Regimes. (Unter anderem dokumentiert in: Die ZEIT, Ausgabe vom 2. Okt. 2012, Seite 45).
Zur Erinnerung: Die jungen Musikerinnen von Pussy Riot hatten es gewagt, in der Moskauer „Christ – Erlöser – Kathedrale“ lautstark Religionskritik zu üben. Sie hatten ein Bittgebet vorgetragen und gesungen: „Jungfrau Mutter Gottes, vertreibe Putin“. Und weil sie wussten, wer das Regime in jeder Hinsicht ideologisch – religiös unterstützt, hatten sie hinzugefügt: „Der orthodoxe Patriarch glaubt an Putin, besser sollte der Schweinehund an Gott glauben“. Die Worte sind drastisch, aber nicht falsch. Jeder aufgeklärte Beobachter weiß, dass das Moskauer Patriarchat der orthodoxen Kirche vor allem an Macht und Geld und Einfluss interessiert ist. Auch der Religionsphilosophische Salon hat diese neue Form der Staatshörigkeit, d.h. Regimetreue, einer Kirche dokumentiert, klicken Sie hier.
Nun also befinden sich die Mitglieder der Pussy Riot für 2 Jahre im Straflager. Nadeschda Tolokonnikowa hat in einem Brief jetzt die Lagerbedingungen beschrieben: 16 Stunden werden sie zur Arbeit gezwungen, sie nähen bezeichnenderweise Militäruniformen, die Ernährung sei sehr miserabel; Schläge und Isolationshaft seien normal. Der „Archipel Gulag“ lebt also. Auch unter Putin, dem Demokraten, wie Gerhard Schröder sagt. Und die sich orthodox, also christlich – rechtgläubig nennende Kirche, applaudiert und findet es normal, wenn diese kritischen Künstler Gesundheit und leben verlieren. Schließlich, so meinen diese Ideologen, hätten sie ja Gott beleidigt.
Die philosophische und theologische Frage ist: Lässt sich Gott beleidigen? Oder ist jede so genannte Blasphemie nicht immer zuerst Religionskritik, also Kritik an sich religiös nennenden Institutionen? Und sind die wahren Gotteslästerer nicht jene Popen und Bischöfe, die den Frauen förmlich den Tod wünschen? Haben diese Herren jede Menschlichkeit verloren? Jeder halbwegs gebildete Mensch weiß, dass der Gott der Christen das Leben der Menschen, aller Menschen, will und nicht deren Tod. Das haben die ideologisch verblendeten Popen und Metropoliten in Moskau vergessen. Sie sind nichts als hörige Putin – Beamte geworden.
Die Frage ist: Wie kann man den Künstlerinnen helfen? Wie kann man von außen das Putin Regime kritisieren? Was hat Herr Gerhard Schröder SPD dazu zu sagen?
Dabei denken wir auch an die Verfolgung homosexueller Menschen in Russland, eine Verfolgung, die immer unterstützt wird von einer sich christlich nennenden „orthodoxen“ Kirche.
Die entscheidende Frage hier aber ist: Wann wachen die so genannten ökumenischen Gremien hier in Westeuropa, auch im Weltrat der Kirchen in Genf, auf und ziehen die sich christlich nennende russische Kirche in ein kritisches Gespräch? Was sagen die Theologischen Fakultäten in Deutschland zu diesen Maßlosigkeiten einer sich christlich nennenden Kirche? Muss diese Kirche wirklich noch Mitglied ökumenischer Vereinigungen hier in Europa sein?
In jedem Fall sorgt wohl diese Kirche von Moskau dafür, dass sich nachdenkliche und kritische Menschen von selbst von ihr abwenden. Wenn in 10 Jahren –vielleicht – das Putin Regime überwunden sein könnte, wird auch die Kirche dort erbärmlich dastehen, trotz aller prunkvoll restaurierter Kathedralen und machtvoller Bischofspaläste. Religionskritiker im Geiste Diderots (am 5. Okt. denken wir an seinen 300. Geburtstag) fänden diesen selbstverschuldeten Niedergang dieser Ideologen nicht einmal schlimm.
copyright: Christian Modehn

Brasiliens kritische Bürger und die Philosophie: Hinweise für ein Forschungsprojekt

Brasiliens kritische Bürger und die Philosophie
Hinweise für ein Forschungsprojekt
Von Christian Modehn

In Brasilien könnte auch die Philosophie eine gute Zukunft haben, in dem Sinne, dass nicht nur die Forschung an den Universitäten neue, eigene „brasilianische“ Themen entwickelt. Vor allem ist es denkbar und in philosophischer Hinsicht dringend wünschenswert, dass das gründliche, kritische Denken, auch die Skepsis, das demokratische Bewusstsein weiter Kreise schärft und allen fundamentalistisch – religiösen Vorstellungen und Machtansprüchen Widerstand leistet. So utopisch sind diese Vorstellungen überhaupt nicht, wenn man bedenkt, dass in den Oberstufen von Brasiliens Schulen heute ca. 9 Millionen Schülerinnen und Schüler am Philosophie – Unterricht teilnehmen. Das Niveau mag noch verbesserungswürdig sein, aber der Anfang ist gemacht. Brasilien ist somit, – obwohl religiös sehr vielfältig und militant (vor allem in Kreisen der Pfingstkirchen) geprägt, – eines der wenigen Länder, die Philosophie drei Jahre lang obligatorisch in den Schulen anbieten. Noch werden viele qualifizierte Philosophielehrer gebraucht, aber die Distanz der Universitäts – Philosophen gegenüber diesem Projekt „Philosophie an der Basis“ wird wohl geringer, wie Carlos Fraenkel in der Zeitschrrft Lettre,Heft 98 (Herbst 2012), auf Seite 123 berichtet.

Ob diese Fragen zur Philosophie in Brasilien anlässlich der Internationalen Buchmesse in Frankfurt am Main (SCHWERPUNKT THEMA: BRASILIEN) in diesem Jahr (2013) thematisiert werden, ist eher unwahrscheinlich, wünschenswert wäre es sehr, zumal doch wohl auch philosophische Texte – oft sogar oft leicht nachvollziehbare – Literatur sind. Philosophie als Literatur, das Thema wäre einer Buchmesse einmal angemessen. Ob jemand an die Philosophie in Brasilien denkt anläßlich der Fußball WM, ist eine offene Frage.
In jedem Fall könnte nun ein „Schub“ ausgehen, damit endlich die Vielfalt brasilianischer Literatur (warum nicht auch ein Reader über brasilianische Philosophie ?) auch auf Deutsch zugänglich wird. Michael Kegler bietet als Literaturübersetzer regelmäßig Informationen über literarische Neuerscheinungen. Er weist in einem kurzen, aber gut informierenden Beitrag für die Zeitschrift „Südlink“, Heft 165, Seite 11 f. darauf hin, dass nun auch die (literarische) Erinnerungsarbeit an die Militärdiktatur (1964 – 1985) beginnt.

Als Religionsphilosophischer Salon Berlin ist es für uns eine Selbstverständlichkeit, wenigstens hinweisend auf die Situation der Philosophie(n) in Brasilien aufmerksam zu machen. Dabei muss erwähnt werden, dass Philosophie als eigenständige akademische Disziplin eigentlich neu ist in Brasilien. Erst um 1930 begann in Sao Paulo begann eine ernstzunehmende philosophische und philosophiegeschichtliche Arbeit, dies ist vor allem französischen Philosophen dort zu verdanken, wie Martial Guéroult. Bis dahin gab es Philosophie nur als scholastische Form der Klerikerausbildung in den Priesterseminaren. Durch die Hilfe der französischen Philosophen konnten dann auch viele grundlegende „klassische“ Texte auf Portugiesisch zugänglich werden.

Unseres Wissens gibt es in deutscher Sprache keine einführende Studie zur Situation der Philosophie(n) in Brasilien. Auf den wichtigen Beitrag mit dem Titel „Philosophenbürger“ des Philosophen Carlos Fraenkel in der Kulturzeitschrift LETTRE INTERNATIONAL, Heft 98, Seite 123ff. wurde bereits verwiesen.

Wichtig ist, dass das „Collège International de Philosophie“ in der Rue Descartes in Paris, klicken Sie hier, vor einem Jahr in einem Themenheft mit zahlreichen Beiträgen dokumentiert, wie es heute in Brasilien mit dem philosophischen Leben bestellt ist. Dass dabei keine umfassenden Informationen geboten werden können, versteht sich von selbst, das Heft konzentriert sich auf politische Philosophie und Ästhetik. Interessant ist, dass Kant offenbar in Brasilien eine große Rolle spielt; das zeigt etwa die Ausrichtung des Internationalen Kant Kongresses in Sao Paulo im Jahr 2005. In dem Zusammenhang kann man auch an die Arbeiten von Rubens Torres Filho et Maria Cacciola denken, die Philosophie begreifen „als eine Analyse von Begriffen und Bedeutungen, die sich gegen alle Formen des Dogmatismus vor und nach Kant wendet“ (so in dem genannten Heft).
Es gibt in Brasilien (als einer ehemaligen portugiesischen Kolonie) kulturell insgesamt die Dialektik zwischen Anpassung (an Europa) und Widerstand dagegen, im Sinne der Entwicklung eigener Positionen. Man spricht von einer „Dekolonisierung des Denkens“. Und von der Erfahrung, durch die „anderen“, die indianischen Kulturen etwa, eine Relativierung der eigenen Perspektive zu erleben. „Aber selbst wenn heute die brasilianische Philosophie weniger weit nach Europa hin orientiert ist, so ist man doch betroffen über die Präsenz und die Bedeutung angesehener Gestalten der zeitgenössischen europäischen Philosophie, vor allem der deutschen, französischen und italienischen: Von Hannah Arendt zu Jürgen Habermas und Gilles Deleuze, Michel Foucault, Toni Negri. Girogio Agamben usw.“. So in dem einleitenden Beitrag des genannten Heftes.
Die Vitalität philosophischen Denkens zeigte sich auch kürzlich bei einer Tagung des philosophischen Vereins ANPOF, der ein weites Netzwerk in Lateinamerika hat und sozusagen die philosophischen Studien dort bündelt. Bei der Tagung in Curitiba, Brasilien, im Jahr 2012 gab es 54 Arbeitsgruppen, die sich vor allem bemühten, aktuelle Bedeutungen der Lektüre der „großen philosophischen Klassiker“ zu entdecken. Es gibt, so heißt es in dem Heft aus dem „Collège International de Philosophie“, eine „massification“, also eine Art weite Verbreitung der Philosophie in Brasilien. Die ist begründet im Hervortreten einer neuen, starken Mittelschicht, die sich für diese Fragen interessiert und die auch Institute findet, wo diese philosophische Bildung geboten wird. Da geht es wieder um Fragen, wie in einem Land mit den gewaltigen Ausmaßen und verschiedenen kulturellen Traditionen ein einheitliches philosophisches Bildungsmodell entworfen werden kann. Philosophie ist, wie oben gesagt, in den höheren Schul-Klassen seit 2008 obligatorisches Unterrichtsfach, mit 2 Stunden Unterricht pro Woche. Für dieses obligatorische Lehrfach hat sich vor allem ein katholischer Priester und Befreiungsphilosoph eingesetzt, er heißt Roque Zimmermann, er hat dieses Projekt sozusagen durchgeboxt gegen den Widerstand konservativer Kreise. Der philosophische Priester wusste, dass die Philosophie einen wichtigen Dienst leistet zur Förderung der Demokratie. Während der Militärdiktatur war der Philosophieunterricht in den Schulen verboten! Die Schüler sollen gehorsame Diener des Staates werden, da hatte Philosophie keinen Platz. Hingegen hat Philosophie an den Universitäten in der Militärdiktatur überlebt, ja, sie konnte sich paradoxerweise sogar noch ausweiten auf andere Universitäten hin.
Was können Schüler durch die Philosophie heute lernen, in einem Land, das von großen sozialen und kulturellen Widersprüchen geprägt ist und in dem noch mindestens 15 Millionen Analphabeten leben. Es geht um Fragen der Gerechtigkeit und Gleichheit, des Rassismus, der Würde des Menschen. Vor allem um den Respekt vor dem Gemeinwohl, die Anerkennung einer bürgerlichen Moral, die über den Egoismus des einzelnen hinausgeht. Das wäre für Brasilien gleichbedeutend mit der Relativierung der absoluten Vorrangigkeit des „privaten Lebens“ im Sinne der Einkapelung in die Familie. Dazu bietet das neue Buch von Jens Glüsing, „Brasilien. Ein Länderporträt“, Ch. Links Verlag 2013, etwa ab Seite 196 interessante Hinweise: „Die Idee, dass es Interessensphären gibt, die der Allgemeinheit dienen, ist (in Brasilien) immer noch unterentwickelt“. Glüsing lebt seit 1991 als Journalist in Brasilien.
In den nur digital zugänglichen Texten des „Collège International de Philosophie“ gibt es einen interessanten, direkt auf Brasilien bezogenen Artikel des Philosophen Peter Pál Pelbart (ungarischer Herkunft, seit seiner Kindheit in Brasilien, jetzt Prof. an der Katholischen Universität von Sao Paulo): Er kritisiert den westlichen Subjektivitätsbegriff, der sich seiner Meinung nach zu sehr abtrennt von allem „Nichtmenschlichen“: Er plädiert für eine Verbindung von umfassendem Leben mit der einzelnen Subjektivität. Ein Thema, das auch der Philosoph André Duarte (Universität Parana) aufgreift in seinem Beitrag über „Gemeinschaften im Plural und politische Aktion“. Er bezieht sich dabei auf die neuen Formen des Bürgerprotestes in Brasilien; er sieht dort Ansätze für eine neue radikale demokratische Politik, diese Gruppen haben den öffentlichen Raum besetzt, der nicht mehr nur ökonomischer Handelsplatz bleiben soll, sondern ein Platz demokratischer Debatte und demokratischen Protestes. Einige politische Kollektive bedienen sich in Brasilien auch neuer Formen des Happenings; sie legen frei, was bisher verborgen war. Die Akteure „bedienen“ sich dabei ihres nackten Körpers, um möglichst weite Kreise zu sensibilisieren und zu provozieren für Themen, die bisher unterdrückt und „versteckt“ wurden. Interessant wäre es zu erfahren, ob es religionsphilosophische Versuche in Brasilien gibt, als Möglichkeiten, im kritischen Fragen „das Religiöse“ zu erreichen oder kritisch religiöses Leben zu beobachten.

Der Religionsphilosophische Salon eröffnet eine Debatte über brasilianische und lateinamerikanische Philosophie heute. Manche Mitglieder unseres Salons wünschen sich dringend einen Austausch mit einem „philosophischen Salon“ in Lateinamerika … und mehr deutschsprachige Publikationen zum Thema.

Copyright:
Christian Modehn für den Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon Berlin.

Eine menschliche Religion. Neue Themen für eine neue Berliner Theologie

Fundamental vernünftig
Für eine menschliche Religion
Die neuen Themen einer (neuen) Berliner Theologie
Das 16. Interview mit Prof. Wilhelm Gräb, August 2013.
Die Fragen stellte Christian Modehn

Seit über 200 Jahren gibt es protestantische Theologie in Berlin. Ei-ner der ersten Theologen an der heutigen Humboldt – Universität war Friedrich Schleiermacher. Er widmete sein Buch „Über die Religion“ ausdrücklich den „Gebildeten unter ihren Verächtern“. Brauchen wir in Berlin wieder diesen theologischen Schwung, auch die gebildeten (warum nicht auch die weniger gebildeten) Verächter der Religion anzusprechen und in den Dialog einzuladen?

Der Schwung, den Schleiermachers Reden über die Religion besaßen, kam daher, dass er die Religion als eine Dimension des Menschseins beschrieb. Religion, so seine Reden, hat zunächst einmal nichts zu tun mit dem Glauben an Kirche, Dogmen, Bibel und Bekenntnis. Religion ist „Sinn und Geschmack fürs Unendliche“. Wir würden heute dazu sagen, Religion ist Sinn und Geschmack für das, was wirklich wichtig ist im Leben. Besinnung auf das, worüber nachzudenken, wofür sich einzusetzen, woran sein Herz zu hängen sich lohnt. Religion ist ge-steigerte Aufmerksamkeit aufs Leben, Sinn für den Sinn des Lebens.
Darauf sollte deshalb auch der interreligiöse Dialog zielen. Nicht auf eine Verständigung über die Lehren der Religionen, sondern um eine Verständigung über die richtige Einstellung zum Leben.

Welche Themen sind Ihrer Meinung heute dringend, wenn sich eine neue, mit Schleiermacherschem Schwung ausgestattete Berliner Theo-logie an die Verächter des Religiösen wendet?

Die neue Berliner Theologie hat keine vorgegebenen Themen mehr. Sie hat sie jedenfalls nicht so wie die alte Dogmatik ihre Themen dem überlieferten Glaubensbekenntnis entnimmt (Schöpfung, Sünde, Ver-söhnung, Erlösung). Das Thema der neuen Berliner Theologie ist die Religion der Menschen. Sie ist genau dadurch eine Fortsetzung der alten Berliner Theologie, der Theologie der Berliner Aufklärung. Schleiermacher stand für die Theologie, die die Religion als eine „Provinz im Gemüthe“ zum Thema macht. Aber auch der Berliner Aufklärungstheologe und Prediger an St. Nikolai hat 1804 ein Buch veröffentlicht mit dem Titel: „Religion, eine Angelegenheit des Men-schen“.
Religion ist das, was den Menschen unbedingt wichtig ist, was ihnen heilig ist, worin sie den Sinn ihres Lebens sehen. Eine Theologie, die in der so verstandenen Religion der Menschen ihr eines und einziges Thema hat, verhandelt nicht mehr die alten Themen des kirchlich ko-difizierten Glaubensbekenntnisses. Sie versucht vielmehr den Men-schen, die die Religion haben (und das sind potentiell alle Menschen) Anleitung beim jeweils eigenen Nachdenken über das Leben zu ge-ben.
Diese neue Theologie ist nicht Auslegung der Bibel und des kirchli-chen Bekenntnisses. Sie ist gesteigerte Reflexion auf das, was wirk-lich trägt im Leben und dieses mit Inhalt füllt. Sind das Güter und Be-sitz, ist das die Macht, ist das der Intellekt? Viele glauben an diese Dinge. Sie hängen daran ihr Herz. Warum? Weil sie sich selbst als den Mittelpunkt von allem sehen und immer mehr haben wollen, an Gü-tern, Macht und Intellekt. Aber glücklich macht diese Lebenshaltung nicht, denn sie ist begleitet von der Angst, dass andere immer noch mehr besitzen, mächtiger und so viel klüger sind.
Wir haben aber auch die Möglichkeit, anders auf uns selbst und die Dinge des Lebens zu sehen, eben von den anderen und ihren Bedürf-nissen her. Wir können uns unendlich überschreiten, aufmerksam dar-auf werden, dass die Schönheit des Lebens um jeden und immer in ih-rer ganzen Fülle bereit liegt – wenn auch in der Tiefe, verborgen und oft auch verschüttet. Die Bereitschaft zur Selbsttranszendierung: ge-nau das ist die religiöse, spirituelle Einstellung zum Leben. Aus ihr heraus können wir für andere da sein, für sie sogar Opfer bringen. Aus ihr heraus können wir unendlich aus uns herausgehen, uns selbst verlassen – und dies in der Gewissheit in unendlicher Distanznahme von uns selbst, uns selbst doch nie verloren zu gehen. Das ist Religion, sich selbst unendlich überschreiten zu können und dies in dem Gefühl zu tun, im Unendlichen geborgen zu sein.

Nun gibt es angesichts des konfessionellen Wandels auch Verächter der klassischen Kirchenordnungen, etwa die vielen, die aus der Kir-che austreten, aber spirituell interessiert bleiben. Was hat eine libera-le Berliner Theologie diesen Menschen vorzuschlagen?

Dass es auf die Einübung und Pflege des Sinns fürs Unendliche an-kommt, und nicht auf die Zugehörigkeit zu einer Kirche. Schon gar nicht darauf, an Bibel und Bekenntnis zu glauben. Das an der Religion Wesentliche ist der andere Blick auf das Leben, derjenige, der die Dinge des Lebens aus der Selbstbezogenheit befreit. Dieser andere Blick macht mich selbst frei dazu, den unendlichen Wert jedes Men-schenleben zu erkennen, mich für andere zu öffnen. Aus mir heraus-zugehen, weil die Angst weg ist, ich könnte zu kurz kommen oder gar in der Hinwendung zum anderen mir selbst verloren gehen.
Gott, das ist das Wort dafür, dass das Ganze der Welt und unseres Le-bens, das wir nie überschauen, das wir letztlich nicht begreifen, Sinn macht. Gott ist der Sinn des Ganzen. An ihn zu glauben, bedeutet, sich des unbedingten Sinns des eigenen Daseins gewiss zu sein – was auch immer geschehen mag. Dieser Glaube vermittelt das Gefühl einer letz-ten, auch noch Erfahrungen des Nicht-Sinns aushaltenden Geborgen-heit.

Es gibt viele unterschiedliche Religionen in Berlin, etwa Buddhismus, Islam, Hinduismus. Welche Themen hat eine neue Berliner liberale Theologie auch mit diesen Menschen zu besprechen.

Wir müssen wegkommen von der üblichen Auffassung eines „Dia-logs“ der Religionen. Es geht weder darum, sich auf die gemeinsamen Schnittmengen zwischen den Religionen zu verständigen, sozusagen den kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden, noch gar darum die schlichte Behauptung zu verstärken, die verschiedenen Religionen seien doch nur verschiedene Wege zu dem einen Gott. Dieser Gott e-xistiert nicht, wie überhaupt kein Gott als eine höhere, metaphysische Wirklichkeit existiert. Die verschiedenen Religionen sind verschiede-ne menschliche „Verfahren“, sich zum letztlich unverfügbaren und nie gegenständlich gegebenen Ganzen der Wirklichkeit zu verhalten. Die neue liberale Theologie will mit Buddhisten, Hinduisten und Musli-men genauso wie mit Atheisten und Agnostikern darüber sprechen, was ihnen unbedingt wichtig ist in ihrem Leben, was ihnen Hoffnung gibt und sie antreibt, was ihnen Trost gibt, auch noch in Erfahrungen des Desaströsen und Absurden. Die Berliner liberale Theologie führt dieses Gespräch in großer Offenheit. Sie gibt Auskunft über die christ-lichen Antworten (es gibt immer mehrere davon) auf diese Lebensfra-gen. Sie ist begierig, von den Antworten der anderen zu lernen, reicher zu werden in den Möglichkeiten, die Erfahrungen des Lebens zu deu-ten und aus diesen Deutungen heraus dann das Leben auch bewusst zu führen.

Statistiken zeigen: Vor allem junge Menschen (bis 40 Jahre) haben extrem viel Mühe, mit der christlichen Tradition und den Kirchen ü-berhaupt vertraut zu werden. Welchen Vorschlag hat eine neue libera-le Theologie diesen jungen Menschen zu machen?

Der Vorschlag wäre der, zu einem anderen Umgang mit der Tradition zu finden und die Kirchen mit neuen Ideen zu besetzen. Mit der Tradi-tion neu umzugehen, meint, ein ästhetisch spielerisches Verhältnis zu ihr zu gewinnen. Sie enthält keine zeitlosen, absoluten Wahrheiten. Sie gibt auch nicht die Themen des Glaubens vor, auch wenn im kirchlichen Unterricht oder im Religionsunterricht der Schule noch so getan werden sollte. Was die Tradition zu bieten hat, das aber sind viele starke Worte und sinntiefe Symbole. Der 23. Psalm z.B., „Der Herr ist mein Hirte…“ oder das Symbol vom Menschen als dem E-benbild Gottes wie es im Schöpfungsbericht auf den ersten Seiten der Bibel entfaltet wird. Solche starken Worte tragen ihre Wahrheit in sich selbst und sie zu hören oder in schwerer Zeit mitzusprechen, tut der Seele unendlich wohl. Solche Symbole geben zu denken und vertiefen unseren Sinn fürs wahrhaft Menschliche und die Unendlichkeit seines Wertes.
Ja, und die Kirche, ihre Räume sind als Meditationsräume zu nutzen und ausgeschlossen bleibt dabei keineswegs, dass auch in ihnen starke Worte zu hören sind und sinntiefe Symbole zu ausdrucksstarker Auf-führen kommen, in religiösen Reden, in bildnerischer Gestaltung, mit einer zu Herzen gehenden Musik.

Brauchen wir in Berlin – wie schon in Bremen, in der Remberti – Ge-meinde – eine eigene, explizit protestantisch-liberale Gemeinde, wo die genannten Themen auch weiter in breiteren Kreisen besprochen werden und wo Gottesdienste gefeiert werden, die dem Geist liberaler Theologie entsprechen? Welche Vorschläge haben Sie da?

Ja, das wäre natürlich sehr zu wünschen. Aber leider hat sich die neue Berliner liberale Theologie noch nicht so stark durchgesetzt, dass sie als eine Möglichkeit für Berlin auf breiterer Basis erkannt wäre. Die Bremer Remberti-Gemeine hat eine lange Tradition, die bis auf die alte liberale Theologie um die Wende zum 20. Jahrhundert zurück-geht.In Berlin ist diese Tradition abgebrochen. Auch die evangelische Kirche ist hier in eine für sie gefährliche Minderheitensituation hi-neingeraten, gefährlich deshalb, weil dies fundamentalistischen Stre-bungen entgegenkommt. Man schottet sich ab gegen die vermeintlich säkulare, atheistische Mehrheit. Doch hoffen wir, dass immer mehr Menschen, die noch etwas von der Kirche erwarten, merken, dass dies der falsche Weg ist.
Aber auch dann wird es die neue, liberale Theologie nicht leicht ha-ben. Denn sie ist unweigerlich verbunden mit einem Verlust an Inhalt-lichkeit. Sie hat keine vorgegebenen Wahrheiten zu bieten. Sie sagt nicht, was richtig und was falsch ist. Sie will zum Selbst-Denken und Selbst-Glauben verhelfen. Ich meine, es gibt viele Menschen, die nach einer Gemeinde suchen, wo sie ihre Religion der freien Einsicht im Gespräch mit anderen leben können. Es werden sich Wege zur Sammlung dieser Gemeinde finden.

Copyright: Wilhelm Gräb. Und Religionsphilosophischer Salon Berlin.

Welttag der Philosophie: Atheisten und Christen: Was sie voneinander lernen können. Eine Veranstaltung der Urania

Eine Veranstaltung zum Welttag der Philosophie:
Das Thema: Atheisten und Christen, was sie voneinander lernen können.
An der Urania 17. Nahe U Bhf Wittenbergplatz oder Nollendorf Pl.

URANIA – LOFT, am Donnerstag, 21.11.2013 um 19.30 Uhr.
Atheisten und Christen: Was sie voneinander lernen können

In Zusammenarbeit mit dem Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon Berlin

Prof. Dr. Michael Bongardt, Vizepräsident der FU Berlin, Institut für vergleichende Ethik, FU Berlin
Prof. Dr. Lutz von Werder, Publizist und Philosoph, Berlin
Dr. Ingolf Ebel, Fachbereichsleiter Philosophie, Urania Berlin, war eigentlich als Moderator, also als Vermittler von kurzen und präzisen Fragen, vorgesehen…

Unwandelbare Überzeugungen sind zumeist wenig inspirierend. Dies gilt besonders auch für die Philosophie und für die Religionen, gilt für Atheisten und Gläubige. Wer meint, definitiv „die“ Wahrheit gefunden zu haben, wird blind für neue Entwicklungen und neigt zu Starre und Intoleranz. Anhand von Fragen wie: „Warum kann sich ein Christ nicht auf die Fragwürdigkeit klassischer Gottesbilder einlassen?“ oder „Warum kann nicht ein Atheist über die Erfahrung religiöser Musik und Kunst ein Gespür für Transzendenz entwickeln?“ soll diskutiert werden, ob aus dem bisherigen Gegeneinander oder schlichtem Ignorieren ein Miteinander werden könnte – in Gleichberechtigung und ohne jede „missionarische“ Absicht. Die Veranstaltung will anregen, einen eigenen Weg der Lebensphilosophie oder der eigenen Spiritualität zu suchen.

Eintritt: 8,00 €, ermäßigt: 7,00 €, Urania-Mitglieder: 5,00 €
Das LOFT der Urania ist über den Haupteingang zu erreichen.

Einen grundlegenden Beitrag von Christian Modehn zu dem Thema finden Sie auf dieser website, klicken Sie hier. Der Beitrag wurde am 24. 11. 2013 publiziert.

Zu weiteren Informationen zum Welttag der Philosophie 2013: Klicken Sie die UNESCO Seite bitte HIER an.

Wir empfehlen das Magazin Philosophie, das auch auf unsere Veranstaltung in der URANIA am 21. 11. 2013 hinweist. Zu weiteren Informationen über diese Zeitschrift klicken Sie hier.

Der nächste Salon am 4. Dezember 2013 wird sich noch einmal in kleinerem Rahmen mit dem Thema befassen unter dem – hoffentlich – provozierenden, Neues denkenden Thema „Der atheistische Christ – der religiöse Atheist“. Für weitere Informationen klicken Sie bitte hier.