„Land ohne Glauben ?“ Christentum im Osten Deutschlands. Ein Film im Rahmen der ARD Themenwoche „Woran glaubst du?“

Der Film von Kai Voigtländer wurde gesendet im Ersten Programm am 12.6.2017 um 22.45 Uhr

Weiterführende Hinweise von Christian Modehn am 13. 6. 20171.

1. Wieder einmal wurden auch in diesem Film durch abstrakte Begriffe, unvermittelt, sich gegenüberstehende ideologische Gruppen im Osten Deutschlands beschworen: Die (wenigen) „Glaubenden“, die „Religiösen“, wurden als Kirchenmitglieder und gelegentliche Gottesdienstbesucher der Kirchengemeinden dargestellt. Und denen stehen, in dieser Sicht, unvermittelt die vielen „Nicht-Glaubenden“, auch Atheisten, gegenüber; als wären diese eine homogene Masse. Wiederum, wie üblich in einer gedankenlosen Sprache, wurde diese Masse  „konfessionslos“ genannt, also „bekenntnislos“. Als hätten diese Menschen nicht Weiterlesen ⇘

Aktualisiert am 25. August 2017 durch cm

„Glauben oder Nichtglauben sind nicht so wichtig“: Aus Anlass der ARD Themenwoche: „Woran glaubst du?“

Aus Anlass der ARD Themenwoche: „Woran glaubst du?“ (vom 11. bis 17. Juni 2017)

Hinweise von Christian Modehn am 9. Juni 2017. Siehe auch den aktuellen Beitrag über einen MDR Film am 12. 6. 2017 über den „Unglauben im Osten Deutschlands“

Ist Glauben oder Unglauben (Atheismus) das größte Problem der Menschheit heute? Also die in eine Theorie, Lehre, verpackte Bejahung oder die Verneinung eines theoretischen und meist dogmatischen Konzepts zur Frage nach dem Letzten, Gründenden, Göttlichen? Die IS- Verbrecher berufen sich zwar auf ihren religiösen Glauben. Aber jeder weiß, dass dieses religiöse Bekenntnis tatsächlich vor allem politische Ansprüche verdeckt.

Sind Glauben oder Nichtglauben (Unglaube) heute die besonders dringlichen Probleme ? Wenn man Glauben oder Atheismus als Form einer Theorie begreift, sicher nicht. Es gehört nur irgendwie zur (modischen ?) Kultur unserer Zeit, nach dem theoretischen Bekenntnis der Menschen zu fragen.

Diese Frage sollte nicht zu hoch gespielt werden. Vor allem auch deswegen, weil es so klare Grenzziehungen zwischen religiösem Glauben und atheistischem Glauben (auch Atheismus ist selbstverständlich eine Form des Glaubens) nicht gibt. D.h.: Jeder Atheist hat irgendwo und irgendwie seinen „Gott“, also den höchsten verehrten Wert usw. Auch religiös Glaubende haben andere Götter als den theoretisch bekannten einen Gott, etwa der Bibel. De facto verehren Glaubende, einfache genauso wie Bischöfe und Kardinäle, die heilige, möglichst ständige Geldvermehrung … oder den Fußball oder sonst etwas Weltliches als ihren wahren Gott, dem sie alles opfern: Zeit, Finanzgewinne, seelische Energie usw. Darin sind Glaubende den Atheisten sehr verwandt, auch die verehren dieselben weltlichen Götter.

Wenn Glauben und Unglauben also erst in zweiter Hinsicht wichtig sind, was ist dann tatsächlich entscheidend? Es ist die faktische Bindung (oder eben NICHT-BINDUNG) des einzelnen und der Gesellschaft und der Staaten an das, was wir Menschenrechte nennen.

Die Frage, ob denn Menschenrechte nicht so oft missbraucht werden und ob sie nicht bloß regionale, also bloß westliche absolute Werte sind, wurde schon mehrfach beantwortet: Noch einmal: Natürlich, Menschenrechte werden auch heute ignoriert und missbraucht, gerade von Regierungen, die sich demokratisch (etwa die USA) oder gar christlich nennen oder muslimisch; sie werden auch missbraucht von machtvollen religiösen Systemen, wie dem Katholizismus oder den Evangelikalen und den Millionärs – Pastoren der pfingstlerischen Mega-Churches. Aber Missbrauch der Menschenrechte spricht nicht gegen ihre absolute Geltung. Wo kämen wir denn dahin, wenn jeder Missbrauch die tatsächliche Geltung, etwa schon eines Gesetzes, schon hinfällig machen würde? Und natürlich auch dies: Die Menschenrechte sind doch vor allem in Europa im Rahmen des Humanismus und sicher auch einer vernünftig argumentierenden christlichen Theologie entstanden. Aber trotz der regionalen Herkunft muss anerkannt werden, dass aus den nun einmal begrenzten europäisch geprägten humanistischen Kulturen tatsächlich universale Werte, die sich weiterentwickeln, stammen. Nur ein weiteres Beispiel: Die Meditationspraxis, etwa im Stile des Zen, ist in China und Japan entstanden, aber sie hat heute universale Gültigkeit und Bedeutung.

Also, worum geht es angesichts der Frage nach Glauben und Unglauben? Es geht um die Anerkennung der Menschenrechte. Da versteckt sich förmlich die Frage nach dem Atheismus! Die Menschenrechte sind die absolut geltende geistige Ebene, auf der sich alle Menschen, die vernünftige, selber denkende Menschen sein wollen, treffen. Diese Ebene der Menschenrechte ist wichtiger als die Frage: Bist du gott-gläubig oder atheistisch? Das sind interessante Fragen, gerade für Philosophen, aber sie sind aufs Ganze der Gesellschaft gesehen, erst mal zweitrangig.

Reden wir also von Menschenrechten, analysieren wir die Geltung der Menschenrechte in dieser Welt heute, wobei wir immer im Blick haben: Die Menschenrechte sind das Höchste und Wichtigste, dem die Menschheit Respekt zeigen muss. ABER: Dieses Höchste, also die Menschenrechte, befindet sich in einem erbärmlichen Zustand. Die Menschenrechte als das Höchste werden verachtet und ignoriert. Insofern ist unsere Welt trotz aller theoretischen Bekenntnisse zu einem religiösen Glauben, man denke wie christlich – fromm die USA sich geben, wie scheinheilig die arabischen Herrscher sind usw.: In der Hinsicht leben wir also in einer atheistischen Welt voller Bekenner und Glaubender. Der Philosoph Hegel dachte auch den Gedanken, als er „vom Atheismus der sittlichen Welt (der Gesellschaft) sprach (in der Vorrede der Grundlinien der Philosophie des Rechts).

Das ist die wichtige Erkenntnis: Atheistisch ist unsere Welt weithin deswegen, weil die Menschenrechte als das Wertvollste, was der Menschheit Frieden und Gerechtigkeit verheißt, fast keine Geltung haben.

Jeder denke also einmal an die Gültigkeit der Menschenrechte und überprüfe mit diesem Maßstab seine politische Umgebung, in der Nähe oder der Ferne. Er lese nur einmal unter dieser Hinsicht wichtige Zeitungen: Man nehme etwa die ZEIT vom 8. Juni 2017. Und lese auf Seite 12: „Die neue CIA Vize-Chefin Gina Haspel war federführend an der Folterung von Terror-Verdächtigen (!) beteiligt“. Jetzt ist diese Frau, die man eine Verbrecherin nennen könnte, in führender Position in den so furchtbar christlichen USA. In der ZEIT heißt es: „Im Wahlkampf sagte Trump, dass Folter wirke. Und sein neuer CIA Chef Mike Pompeo sagte jüngst, dass Waterboarding überhaupt keine Folter sein“. (Man möchte fast wünschen, dass Mister Pompeo dies mal vor laufender Kamera für uns demonstriert, CM) „Alle, die diese Methode im Kampf gegen den Terror angewandt hätten, seien echte Patrioten“(so in DIE ZEIT, S 12. Unten). Also: Wer den Atheismus studieren und erleben will, gehe bitte in die USA, in die Machtzentralen des Trump-Regimes. Diese totale Ignoranz gegenüber Menschenrechten ist de facto Atheismus in der nihilistischen Variante!

In der gleichen Ausgabe von DIE Zeit befindet sich auf Seite 3 ein Bericht über den Einfluss von zwei superreichen Milliardärs-Familien auf die us-amerikanischen Politik. Sie bestimmen mit, dass die Reichen nicht besteuert werden, dass die Armen immer mehr leiden, etwa durch den Abbau der Krankenversicherung, und dass die Kohlindustrie weiterhin das Klima in eine Katastrophe führen kann. Die Herrschaften stiften also Unfrieden mit Unterstützung des Präsidenten! Mit anderen Worten: Wer Atheismus treffen will, wer Atheisten sehen will, wende sich bitte an diese Kreise aus der Millionärs-Organisation „Americans for Prosperty“ (zur Beziehung evangelikaler Christen zu den Mlilionären / Milliardären siehe etwa: https://newrepublic.com/article/121564/gods-and-profits-how-capitalism-and-christianity-aligned-america)

Zu den auch in der ZEIT genannten berühmtesten Milliardären gehören die beiden so genannten ultra-neo-liberalen Koch-Brüder (David und Charles), sie haben 2015 z.B. eine Millionen Spende der „Catholic University of America“ gegeben, diese Spende wurde angenommen, trotz zahlreicher Proteste einiger Theologen, sie wollten sich nicht abhängig machen von neoliberalen Milliardären… (http://www.huffingtonpost.com/2015/02/02/koch-brothers-catholic-university_n_6594834.html). Ein anderer Milliardär, Robert l. Mercer, hat den Präsidentschaftskandidaten der Republikaner aus der „christlichen (d.h. evangelikalen, etwa Southern Baptist) Ecke, Ted Cruz, unterstützt (http://forward.com/opinion/335661/meet-the-evangelical-christians-behind-ted-cruz-theyre-super-jewy). Diese Zusammenhänge sind leider in Deutschland viel zu wenig aufgearbeitet.

Hier nur noch unsere zentrale These, die eine gültige Erkenntnis ist:

Atheismus ist heute der menschenverachtende Luxus der Reichen, ist der Egoismus der Milliardäre, die mit ihrer Politik Unheil stiften. Aber diesen Zusammenbruch der „alten Welt“ (im Krieg) ist ja das erklärte Ziel des absolut herrschenden Trump-Beraters Stephen Bannon.

In God we trust? Von wegen! Dies ist ein dummer Spruch auf den Dollarscheinen. Treffend ist einzig heute und schon früher: „In our money only we trust“, sagen die Atheisten heute, denen das Wohl der Menschheit, ich sage es jetzt so, scheißegal ist. Darum sollten sie mit Steve Bannon sagen: „In the perdition we trust“.

Dies ist das Bekenntnis des absoluten Nihilismus. Mit anderen Worten: Alle Atheismus Forschung wird heute vorrangig zur Menschenrechtsforschung. Das sollten sich Kirchentage und Katholikentage und Themenwochen merken. Philosophie bleibt selbstverständlich Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie. Sie nimmt nur wahr, dass die faktischen Götter die Waren Götter sind. Sie blickt tiefer in die Gesellschaft. Um so auch die klassischen philosophischen Texte eben klassenbezogen zu lesen.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.

 

 

„Ohne Erbsünde glauben“. 10 Fragen und Antworten anlässlich einer theologischen Diskussion

Ein Hinweis von Christian Modehn,  am 8. Juni 2017.

Aus aktuellem Anlaß noch einmal am 11.11.2024 publiziert: Weil nicht (nur) Strukturreformen heute als dringende Reformen in der katholischen Kirche gelten sollten, sondern vor allem Reformen der nicht mehr vermittelbaren Dogmen. Zum Beispiel das sinnlose Dogma der Erbsünde. CM.

Siehe auch  „Muss der christliche Glaube Angst machen?“ LINK sowie Weiteres zum Thema „Gegen die Erbsünde“:  LINK

1.Frage

Die Lehre von der Erbsünde ist, etwa in der katholischen Kirche, ein Dogma, also eine definierte Glaubenslehre. Kann man sich denn heute von einem Dogma mit dieser umfassenden Lehre befreien?

Ja, kann man und sollte man. Das kann nicht nur der einzelne, aufgeklärt denkende Glaubende, indem er dieses Dogma in dieser Form eben für sich beiseite lässt. Und das tun sehr viele. Die Befreiung von diesem Dogma kann aber prinzipiell auch das katholische Lehramt heute vollziehen. Wenn es denn so viel Vernunft walten lässt und erkennt: Dieses Dogma zur Erbsünde ist nicht Weiterlesen ⇘

Aktualisiert am 25. Mai 2025 durch CM

Kunst im Kapitalismus: Sie „beschenkt“ Milliardäre mit Transzendenzerfahrungen

Ein religionsphilosophisches Projekt: Ein Hinweis von Christian Modehn

Kapitalismus ist viel mehr als eine Wirtschaftsform. Kapitalismus ist die umfassende Welt, die alles bestimmende totale Lebensform, egal, ob diese Welt der einzelne nun bejaht oder nicht. Er muss darin (über)leben. Noch. Das ist eine Art von Terror: Kapitalismus macht auch alles Wahre zur Ware. Alle Werte zum Berechenbaren und Verfügbaren. Das ist bekannt und hinlänglich oft beschrieben und kritisiert worden. Leider haben alle diese Kritiken fast keine Wirkungen.

Auch Kunst, die heute so genannte groß gemachte Kunst der vom Kunst – Markt groß gemachten Künstler, ist Weiterlesen ⇘

Aktualisiert am 25. August 2017 durch cm

Widerstand der Vernunft: Eine Philosophin sagt Nein zu Trump

Eine neue Publikation von Susan Neiman

Ein Hinweis von Christian Modehn

„PhilosophInnen schweigen zur Niederlage der Vernunft, die mit dem Beginn der Herrschaft von Donald Trump noch offenkundiger wird“. Dieser Vorwurf ist nicht mehr ganz berechtigt. Denn die US – amerikanische Philosophin Prof. Susan Neiman hat gerade jetzt, Anfang Juni 2017, ihr Manifest „Widerstand der Vernunft“ veröffentlicht. Darin zeigt sie, sehr deutlich auf tatsächliche Fakten bezogen (solche ein Wort „tatsächliche Fakten“ muss man jetzt bilden angesichts der von Herrschern gewünschten post-faktischen Fakten!): Die Vernunft, die philosophische, die es ebenso tatsächlich faktisch gibt gegen alle Einwürfe postmoderner Beliebigkeiten, vermag die Gefahren des permanenten politischen Geschwätzes Weiterlesen ⇘

Aktualisiert am 25. August 2017 durch cm

Theologisch denken mit Marx. Über die lebendige Befreiungstheologie

Hinweise zu unserem religionsphilosophischen Salon am 26.5. 2017

Von Christian Modehn

Ein Vorwort: In unserem religionsphilosophischen Salon am 26.5. 2017 haben wir anlässlich des gleichzeitig stattfindenden Kirchentages in Berlin einige zentrale Aussagen des (jungen) Marx zur Religion diskutiert. Vor allem die bekannte Aussage von Marx: „Religion ist Opium des Volkes“. Uns leitet dabei die ganz normale philosophische Überzeugung, dass natürlich etliche philosophische Fragen und Provokationen von Marx auch heute unser Denken anregen und möglicherweise korrigieren können. So etwa die Frage: Wie ist auch theologische Denken und auch kirchliche Handeln von der nun einmal zweifelsfrei vorhandenen Situation der Klassengegensätze in den Staaten und Kulturen Europas z.B. bestimmt? Gibt es überhaupt noch ein Bewusstsein dafür, dass Theologie und kirchliches Handeln etwa in Europa und den USA nicht nur Weiterlesen ⇘

Aktualisiert am 25. August 2017 durch cm

„Die Liebe ist bedroht“: Zum Philosophie Magazin Juni/Juli 2017.

Hinweise von Christian Modehn am 28. 5. 2017

Philosophie bezieht sich immer in gewisser Hinsicht auf das ganze Leben, die ganze Wirklichkeit. Alles kann – unter bestimmter Rücksicht – Thema der Philosophie sein. Das ist Chance und Problem für eine Zeitschrift, die alle zwei Monate als Magazin – lesefreundlich und mit Fotos ausgestattet – auf 98 Seiten Philosophie unters Volks bringen will und die Praxis der Philosophie, eben das Philosophieren (grundsätzliches Reflektieren), als Lebensform möglicherweise, vorschlägt.

Die Herausforderung für explizit an Philosophie Interessierte ist immer die: Sind die Beiträge dicht dran an „den“ Philosophien oder könnten sie genauso gut in einem explizit sozialwissenschaftlichen oder psychologischen Magazin stehen?

Diesmal also, bei aller Sympathie für das „Philosophie Magazin“, der Hinweis angesichts der Ausgabe Juni-Juli 2017. Ich habe z.B. nichts gegen Reportagen, die auf die schwierige (auch dramatische gesundheitspolitische) Situation privater und öffentlicher Toiletten in Indien hinweisen. Aber muss der „Kampf um den stillen Ort“ in Indien wirklich auf 7 Seiten in einem der Philosophie verpflichteten Magazin ausgebreitet werden? Das kann sich der französische Kooperationspartner „Philosophie Magazine“ (Paris) vielleicht leisten, weil dieses Blatt monatlich erscheint. Aus diesem französischen Heft stammt der Beitrag in der deutschen Ausgabe. Wenn schon die Kooperation mit Paris besteht: Warum bietet PHILO MAG keinen Beitrag über den doch philosophisch sehr Interessierten französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron: Warum keinen Bericht über die sehr angesehene Kulturzeitschrift ESPRIT (gegründet von Emmanuel Mounier, bekanntlich ein Philosoph)? Bei ESPRIT  arbeitete Macron mit! Oder: Warum nicht auch ein Text, förmlich zur Begleitung des Beuys Films, der jetzt im Juni 2017 gezeigt wird? Ein Philosophie Magazin sollte meines Erachtens aktuelle (Kultur)-Ereignisse unmittelbar vertiefen. Habe ich schon Beiträge zu einer Philosophie der Musik oder einen religionsphilosophischen Beitrag zur Säkularisierungsthese gelesen, gerade jetzt hört man angesichts des Kirchentages in Berlin: Diese Stadt sei gottlos? Was heißt das? Welche Götter verehren denn die angeblich Gottlosen? Sind die Gläubigen nicht auch in gewisser Hinsicht gottlos?

Trotz dieser Hinweise: Auch das Juni-Juli Heft 2017 verdient wieder Aufmerksamkeit: Dass der eher kommunistisch orientierte Philosoph Alain Badiou sehr viel Philosophisches, also aus der Liebe zur Weisheit gesprochen, zur LIEBE im allgemeinen sagen kann, mag einige überraschen. Mich überrascht nicht, dass Badiou sagt, dass „die Liebe im Kapitalismus bedroht ist“. Erstaunlicher ist seine Aussage, dass wir „durch die Liebe zum Absoluten gelangen“. Dann aber muss er als – braver Marxist ? – sofort gleich betonen: „Es geht nicht um ein Absolutes im christlichen Sinn“. Was wäre denn das Absolute im offenbar für ihn nur einförmig denkbaren „christlichen Sinn“? Ist denn die Weisheitserkenntnis der Bibel: „Gott ist die Liebe“, für Philosophen so undenkbar oder gar so peinlich in einer „kritischen Umgebung“, dass man sich philosophisch dieses Themas nicht annehmen kann?

Es sind wie schon oft vor allem die Interviews, die das Philosophie Magazin lesenswert machen. Hervorragend das Gespräch mit der Schriftstellerin Silvia Bovenschen und dem Philosophen Alexander García Düttmann, wo man spürt: Da sprechen Menschen ehrlich, reflektiert wie persönlich. Wahrhaftig. Das bewegt, nicht nur zum weiteren Nachdenken! Auch zur Debatte über das Werk des Ethnologen Claude Lévi-Strauss lädt das Heft ein, und zwar im Umfeld der aktuellen Debatte über die „Barbaren“ und damit über den Kulturrelativismus. Wolfram Eilenberger berichtet über das – schon oft  – dargestellte Liebesverhältnis von Hannah Arendt und Martin Heidegger. Ich würde mir wünschen, dass in einem zweiten Teil das – wieder einmal heftige – Buch von Emmanuel Faye diskutiert wird, das kürzlich in Paris erschien: „Extermination Nazi und Déstruction de la pensée“. Darin wird behauptet, Hannah Arendts Denken habe sich, noch nach 1945 von ihrem alten Liebhaber (und dann sehr bekannten NSDAP-Mitglied) Martin Heidegger philosophisch beeinflussen und bestimmen lassen. Das so jetzt wieder allseits so hoch gelobte Werk von Hannah Arendt käme dann ein bisschen sehr ins Wanken. Da wären Diskussionen „spannend“.

 

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