Ein Jahr Papst Franziskus: Der Superpapst?

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Am 13. 3. 2013  wurde der argentinische Jesuit und Kardinal von Buenos Aires Jorge Mario Bergoglio zum Papst gewählt. Schon die Entscheidung für den Namen Franziskus finden viele bemerkenswert, eine Entscheidung, aus Respekt vor Franz von Assisi, dem Armen, dem Ordensgründer und radikalen Kirchenreformer im Mittelalter (bei seinen Reformvorschlägen wurde er dann von den Päpsten gebremst und amtlich sozusagen “vereinnahmt”).

Ein Jahr also Papst Franziskus: Wir weisen bei der Gelegenheit erneut empfehlend auf die Zeitschrift PUBLIK FORUM hin, dort erscheint in der Ausgabe vom 28.Februar 2014 aus diesem Anlaß eine Titel-Geschichte “Papst Franziskus-der Superpapst” von Christian Modehn. Zur Lektüre der Kurzfassung dieses Beitrags klicken Sie bitte hier. …Und vergessen Sie nicht, ein kostenloses Probeabonnenment zu bestellen. Publik-Forum ist eine von jeglicher Kirchenleitung unabhängige ökumenische Zeitschrift in Deutschland.

Ein Jahr Papst Franziskus: Der Superpapst?

Am 13. 3. 2013  wurde der argentinische Jesuit und Kardinal von Buenos Aires Jorge Mario Bergoglio zum Papst gewählt. Schon die Entscheidung für den Namen Franziskus finden viele bemerkenswert, eine Entscheidung, aus Respekt vor Franz von Assisi, dem Armen, dem Ordensgründer und radikalen Kirchenreformer im Mittelalter (bei seinen Reformvorschlägen wurde er dann von den Päpsten gebremst und amtlich sozusagen “vereinnahmt”).

Ein Jahr also Papst Franziskus: Wir weisen bei der Gelegenheit erneut empfehlend auf die Zeitschrift PUBLIK FORUM hin, dort erscheint in der Ausgabe vom 28.Februar 2014 aus diesem Anlaß eine Titel-Geschichte “Papst Franziskus-der Superpapst” von Christian Modehn. Zur Lektüre der Kurzfassung dieses Beitrags klicken Sie bitte hier. …Und vergessen Sie nicht, ein kostenloses Probeabonnenment zu bestellen. Publik-Forum ist eine von jeglicher Kirchenleitung unabhängige ökumenische Zeitschrift in Deutschland.

Ökumenische Verständigung: Schon im 17. Jahrhundert in Polen

Manfred Richter (Berlin) hat eine große Studie veröffentlicht über „Das Colloquium Charitativum von Thorn 1645“.

Ein Buchhinweis von Christian Modehn

Bisher ist es einer breiteren Öffentlichkeit kaum bekannt, dass in der polnischen Stadt Thorn im Jahr 1645 ein wohl bedachter Versuch gewagt wurde, eine gemeinsame theologische Basis zu finden für die zerstrittenen, sich bekämpfenden Protestanten und Katholiken. Man bedenke, dieses ökumenische Colloquium im Geist der Friedfertigkeit und des wechselseitigen Verstehens fand noch gegen Ende des „Dreißigjährigen Krieges“ statt. Polen erlebte damals – eine Ausnahme in Mitteleuropa – seine glanzvolle Zeit, eine Zeit des Friedens und der weitgehenden Toleranz unter den zerstrittenen Konfessionen.

Zum „Colloquium Charitativum“ hatte der polnische König Wladyslaw IV. eingeladen. Dabei war der Beitrag des Theologen und Pädagogen Johann Amos Comenius von ganz besonderer Bedeutung. Es ist das Verdient des Berliner Theologen Manfred Richter, dass er in einer ausführlichen Studie diese Zusammenhänge untersucht. Sein Buch hat den Titel  „Johann Adam Comenius und das Colloquium Charitativum von Thorn 1645“, Siedlce 2013, 545 Seiten.

Diese Studie bietet auch zahlreiche Informationen für philosophisch Interessierte, die sich für den Frieden unter den sich auf einen friedfertigen Gott berufenden Christen interessieren.

Manfred Richter zeigt auch kenntnisreich und sehr detalliert die Voraussetzungen und Vorbereitungen für dieses ungewöhnliche Kolloquium, das eben nicht dem damals üblichen konfessionalistischen Gezänk folgte. Comenius selbst, der große Theologe der böhmischen Brüder, bemühte sich eine über das Konfessionelle hinausgehende Vision des Christlichen zu entwickeln, die auf der Bibel wie auch auf der wahren katholischen Lehre (!) beruhte. Er erarbeitete eine Art ökumenische Theologie der gemeinsamen christlichen Grundlagen! Er forderte zudem, wie Manfred Richter berichtet, eine vere catholica philosophia, diese natürlich nicht im engen konfessionalistisch römischen Sinne zu verstehen!

Interessant sind auch für alle, die sich für die Theologie der in den Niederlanden entstandenen Kirche der Remonstranten interessieren, die Hinweise auf die Sozinianer in Polen. Sie waren zum eigentlichen Colloquium in Thorn dann leider doch nicht zugelassen (weil sie nicht die Trinität für eine zentrale Lehre hielten und zu humanistisch-rationalistisch dachten). Die Remonstranten in Friedrichstadt haben die Sozinianer damals unterstützt. Die Remonstranten selbst waren ja damals verfolgt (in Holland!), eben weil sie auf den freien Willen des Menschen auch im Glauben nicht verzichten wollten.

Für Manfred Richter ist diese große, reich dokumentierte Studie eine weitere Bestärkung, das eigene, langjährige und nicht nur in Berlin bekannte ökumenische Engagement fortzusetzen. Er kritisiert etwa den Begriff der offiziellen “Lutherdekade” (im Blick auf 2017) und wünscht sich viel dringender, weil theologisch viel treffender, eine Reformationsdekade: Denn alle Kirchen, aber auch alle Kirchen und Konfessionen bedürfen der Reformation.

Weitere Informationen auch über www.deutsche-comenius-gesellschaft.de

Wir sind gespannt, was Manfred Richter anlässlich des Jan Hus Jubiläums plant.

Glauben ist einfach. Eine arme Kirche braucht keine mächtige Lehre. Eine Ra­dio­sen­dung am 23. März 2014

Glauben ist einfach. Eine arme Kirche braucht keine mächtige Lehre.

Eine Ra­dio­sen­dung: HR2 am 23.3. 2014 um 11. 30 Uhr

Von Christian Modehn

Papst Franziskus hat gleich zu Beginn seines Pontifikates deutlich gemacht: Die Kirche muss nicht nur die Armen achten und verteidigen. Vielmehr sollte die Kirche selbst arm werden. Franziskus selbst verzichtet bewusst auf viele Symbole päpstlicher Pracht, den barocken Hofstaat lehnt er ab, sein Zuhause ist kein Palast. In seinen Predigten und Rundschreiben fordert der Papst die radikale Hinwendung zu Jesus Christus: Da liegt die Mitte des Glaubens. So ist es nur konsequent weiter zu fragen: Sollte sich der christliche Glaube seinerseits als ein „armer“, d.h. einfacher Lebensvollzug präsentieren? Befreit von uralten Traditionen und Vorschriften, weil diese den Zugang zu Gott heute eher verstellen? So könnte das Wesen des Glaubens wieder in den Mittelpunkt rücken, die Liebe zu Gott und den Menschen. Ein solcher „armer“ Glaube ist einladend für suchende und zweifelnde Menschen von heute.

Bei schwerstem Leiden: Ein Recht auf Euthanasie. Eine Stellungnahme des katholischen Bischofs Jacques Gaillot

Bei schwerstem Leiden: Ein Recht auf Euthanasie. Eine Stellungnahme des katholischen Bischofs Jacques Gaillot

Der römisch-katholische Bischof Jacques Gaillot, Paris, einst Bischof von Evreux, dann Bischof von Partenia, empfiehlt dringend den Ausbau palliativer Pflege. Angesichts der Debatten in Frankreich hält er diese Hospize für eine hervorragende Möglichkeit, schwerstkranken Menschen beizustehen. Aber…. und so fährt er in einem Beitrag, der kürzlich (Ende 2013) in Frankreich publiziert wurde, fort:
„Es gibt den Respekt vor dem Gesetz, das zu töten verbietet. Aber das bestehende Gesetz vermag nicht alles. Aufgrund der Menschlichkeit und des Mitleids versteht man gut, dass Schwer-Kranke sich in Ausnahme-Situationen befinden. Diese Situationen der Ausnahme finden sich nicht in der gegenwärtigen Gesetzgebung wieder, aber das neue Gesetz müsste auf diese Situationen Rücksicht nehmen! Und zwar aufgrund des Respektes vor den Kranken! In derartigen Ausnahmsituationen sollte es die Möglichkeit und das vollständige Recht geben, seinem Leben ein Ende zu setzen…
Wird man deswegen die Lust am Leben verlieren? Das glaube ich nicht. Man könnte denken, wer diese Möglichkeit kennt, verfügt dann dann vielleicht um so mehr Lust zu leben, selbst unter schwierigen Umständen, weil man diese dann selbst gewählt hat“.

Wir haben auf dieser Website kürzlich auch daran erinnert, dass Bischof Gaillot auch für die vollständige rechtliche Gleichstellung der “Homo-Ehe” eintritt. Zur Lektüre klicken Sie bitte hier.
copyright: Christian Modehn

Thomas Bernhard zum 25. Todestag.

Den 25. Todestag des großen Dichters und Kritikers Thomas Bernhard können wir, vom Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon Berlin, aus unserer Perspektive der Religionskritik, einem der wichtigen Themen der Philosophie, “naturgemäß” nicht übersehen. Im Gegenteil, wir wollen gern an sein Werk erinnern und betonen: Thomas Bernhard ist angesichts – auch seiner religionskritischen Perspektiven – nicht tot.
Wir weisen noch einmal auf einen kleinen Beitrag hin, den wir anläßlich seines 80. Geburtstages 2011 publiziert haben.
Klicken Sie hier zur Lektüre.

Ein Jahr ohne Gott. Das spirituelle-philosophische Experiment eines amerikanischen Pastors

Ein Jahr ohne Gott
Das spirituelle Experiment des us-amerikanischen Pastors Ryan Bell
Von Christian Modehn

Er hat sich als Pastor in der eher konservativen Kirche der „Siebenten-Tages-Adventisten“ (in Los Angeles) für Kirchenreformen eingesetzt (das Übliche: Frauenordination, Gleichberechtigung von Homosexuellen in der Gemeinde) und wurde – auch wiederum schon üblicherweise – aus dem Pfarramt geworfen; weitere Degradierungen folgten – wiederum üblicherweise für diese dogmatischen Kreise: Er verlor auch seinen zusätzlichen Job an der Universität und seine Beratertätigkeit: Ryan Bell (42 Jahre) nützte diesen „Bruch“, diese Krise, zum Nachdenken: Er hat sich nun entschlossen, ein Jahr lang wie und als ein Atheist zu leben. Er möchte auf diese Weise „herausfinden, was ich eigentlich will“. Konkret möchte er von nun an keine Gebete mehr sprechen, keine Bibel mehr lesen, auf explizit religiös-christlichen Übungen verzichten. Hingegen sind Kontakte zu explizit atheistischen Kreisen vorgesehen, das Eintauchen, die Inkulturation in deren Milieu.
Einmal die „andere, oft als gegnerisch bezeichnete Seite“ kennen lernen: Das haben Christen bisher immer der anderen Seite, also den Atheisten, vorgeschlagen. „Komm und sieh, wie schön die Kirchen und ihr Glaube sind“, heißt die Einladung an Nichtreligiöse und „Heiden“. Sie sollen den religiösen Weg ausprobieren, der dann vielleicht in der Taufe seinen Höhepunkt findet.
Nun entschließt sich ein ehemaliger Pastor für den umgekehrten Weg, er will einmal probieren, wie es ist, als Atheist zu leben. Dagegen ist selbstverständlich gar nichts einzuwenden. Es ist sogar ein Zeichen spirituellen Mutes, wenn einmal dieses Experiment gestartet wird. Und man erfährt dabei, welche neuen Einsichten sich dabei ergeben, wie viel menschliche Herzlichkeit in den anderen Kreisen zu finden ist (hoffentlich), wie viel Wärme und Toleranz (hoffentlich). Ob man dabei intellektuell oder gesprächsweise entdeckt und Sicherheit gewinnt, dass Gott nun gerade doch NICHT ist, sei dahingestellt.
Möglicherweise kehrt der Theologe Ryan Bell nach einem Jahr um etliche neue Einsichten verwandelt in eine christliche Gemeinde zurück, oder er wird bekennender Atheist oder als bekennender Skeptiker auftreten: Warum nicht?
Das Experiment, ein Jahr lang als Atheist zu leben, könnte man eigentlich vielen Glaubenden empfehlen, warum nicht auch einmal den Kardinälen der römischen Kurie, die den Vatikan verlassen und in einer Pariser Vorstadt unter Atheisten Unterschlupf finden …Es wäre ja schon viel gewonnen, wenn Glaubende es wenigstens mal eine Woche lang versuchen würden zu leben, „als ob es Gott nicht gäbe“, wie Dietrich Bonhoeffer einmal sagte. Es wäre doch lehrreich und hilfreich, wenn die Frommen sich fragten: Welchen Gott verehre ich wirklich? Folge ich einem netten Phantom? Einem geradezu lächerlichen Gottes-Monstum, der mir zu Diensten ist. Ist Fraglichkeit nicht eine oberste Tugend religiöser Menschen?
Philosophisch bleibt natürlich bei dem Experiment von Ryan Bell das Problem der Hermeneutik: Wie kann er als christlich geprägter Theologe überhaupt adäquat die innere Welt des Atheismus oder besser des Atheisten verstehen? Kann er seine mit-gebrachten Urteile und Vorurteilen so umwandeln, dass ein adäquates Verstehen gelingt? Aber wenn christliche Theologen behaupten, auch ein Heide könne das offizielle „Nizäno- konstantinopolitanische Glaubensbekenntnis“ aus dem Jahre 383 (sic) verstehen, warum dann nicht auch ein Christ die Texte atheistischer Meisterdenker?
Ob ein Mensch jemals Gott los wirklich wird, also grundsätzlich gottlos werden kann und keinen Gott mehr verehrt, wenn er sich zum Atheismus bekennt, ist eine ganz andere Frage. Über die wollen wir auch weiter diskutieren.

Zur Websbite von Ryan Bell klicken Sie hier.

Copyright: Christian Modehn Religionsphilosophischer Salon Berlin.