Ordentliche Orden? Neue sehr konservative Ordensgemeinschaften im Katholizismus

Ordentliche Orden? Es gibt immer mehr Ordensgemeinschaften, die kritisches Fragen und kritisches theologische Theologie ablehnen.

Hinweise zu einem religionswissenschaftlich unbeachteten Trend und ein weiteres Stück Religionskritik

Von Christian Modehn

Es gibt katholische Ordensgemeinschaften weltweit, die stolz auf ihren stetig wachsenden „Nachwuchs“ sind. Und sie sagen das manchmal mit einer gewissen Häme, weil die meisten anderen (alt-etablierten) Orden zumindest in Europa und Nordamerika bald aussterben werden. Sie nennen sich Reformorden, weil sie die bestehenden „klassischen“ Ordensgemeinschaften als zu modern und verweltlicht ablehnen. Dabei wollen diese neuen Gemeinschaften innerhalb der römischen Kirchen leben und dem Papst eigentlich gehorchen, anders als etwa die Orden, die im Umfeld der traditionalistischen Lefèbvre-Bewegung entstanden sind und das 2. Vatikanische Konzil ablehnen. So bestehen z.B. seit 40 Jahre innerhalb dieser von Rom getrennten traditionalistischen Gemeinschaft die „Schul-Dominikanerinnen vom heiligen Namen Jesus“ von Fanjeaux bei Toulouse, sie haben 200 Mitglieder.

Die Rom-treuen, so genannten Reformorden sind vom Papst anerkannt, viele sind „bischöflichen Rechts“. Bisher werden sie von der theologischen und religionswissenschaftlichen Forschung übersehen. Dabei bestimmen sie das Gesicht der Kirche entscheidend schon heute, man denke nur an die Weltjugend-Tage. Bereits jetzt ersetzen einige hundert dieser Reform-Mönche in vielen Ländern Europas und Amerikas den alt gewordenen, aber eher progressiven Klerus in den Gemeinden. Diese Orden sind stolz darauf, sehr konservativ zu sein und entsprechende Bewegungen zu fördern, wie „Pro life“. Einige dieser „Reformorden“ neigen zum Traditionalismus und bevorzugen die lateinische Messe. Nach dem 2. Vatikanischen Konzil (1961-64) gegründet, haben sie trotz aller Vielfalt eine gemeinsame Überzeugung: Die strengen Ordensregeln und Gelübde von einst müssen wieder respektiert werden, um die angebliche Verweltlichung in den Klöstern zu beenden. Theologie als kritische Wissenschaft spielt dabei keine Rolle. Der zumeist autoritären Führung der Gründergestalten müssen sich die Mitglieder fügen. Im gleichen konservativem Geist agieren die Priester der charismatischen Gemeinschaften (wie „Emmanuel“ oder „Gemeinschaft der Seligpreisungen“) und dem Neokatechumenat. Wie die „Reformorden“ bieten sie absolute Glaubens-Gewissheit in einer „bösen Welt“.

Nur einige Beispiele: (die um weitere ergänzt werden sollten, etwa zu neuen „Reformorden“ in Afrika, Lateinamerika und Asien, aber darum könnten sich auch mal die kritischen römischen Theologen wissenschaftlich kümmern…)

Die „Franciscan Friars of the renewal“ (1) trennten sich 1987 vom großen Kapuzinerorden, sie sind mit jungem Personal in vielen Ländern tätig, 120 Mitglieder zählt diese streng auf Armut fixierte Gemeinschaft. Wie alle anderen Gruppen legen sie großen Wert darauf, stets das Ordensgewand zu tragen. Von den Minoriten hat sich 1970 der Orden der „Franziskaner-Immakulaten“ abgespalten, (2), heute zählt er über 300 Mitgliedern, mit ihm verbunden ist – wie bei den meisten anderen – ein „blühender“ Frauenorden. Viele dieser Franziskaner-Immakulaten sind so sehr ins traditionalistische Milieu abgedriftet, dass der Papst den Gründer als Leiter absetzte und einen kommissarischen Leiter an die Spitze stellte. Mit dem argentinischen Nationalismus stark verbunden ist die inzwischen auch in Europa tätige Ordensgemeinschaft „Institut vom Inkarnierten Wort“ (3) mit 400 Priestern. Einige Mitglieder „klagen die Leitung an, mit eiserner Hand die Gemeinschaft zu führen, bis zu seelischer Manipulation und Unterwerfung“, berichten spanische Medien. Die jungen Priester des „Instituts Christus König und Hoher Priester“ (4) zeigen sich gern prächtigen Gewändern: 1990 gegründet, hat der Orden schon 150 Mitglieder. Einige Bischöfe in den USA wehrten sich gegen die Etablierung dieser Christus-König-Priester in ihrem Bistum. Für das esoterische Engelwerk wurde eine eigene Gemeinschaft gegründet, der Kreuzorden (5) mit 140 Priestern. Das Engelwerk wurde von der Seherein Gabriele Bitterlich gegründet, die Engelweihe machte sie berühmt. Mitglied des Engelwerk-Kreuzordens ist Bischof Athanasius Schneider, er arbeitet in Kasachstan. Er besucht gern den Generaloberen der tradititionalistischen Pius-Brüder, Bischof Fellay, zuletzt am 11. Februar 2015 in Winona, USA. (8) . Zuvor war er schon zu Besuch bei den Traditionalisten in Flavigny, Frankeich. Im Bistum Frejus-Toulon (der Bischof gehört zur sehr konservativen charismatischen Gemeinschaft Emmanuel) tummeln sich viele neue Orden mit durchaus merkwürdigen Namen: Von den „Salvisten-Priestern“ (6) wäre da zu berichten, oder den „Missionaren von Christus dem Meister“ (7). Auch viele neue Orden waren und sind willkommen im Bistum St. Pölten, vor allem zu Zeiten, als Kurt Krenn dort Bischof war. Die grau gewandeten „Johannesbrüdern“ sind im deutschen Sprachraum tätig, verwenden in ihrer Spiritualität zentral gern den Begriff „Abhängigkeit“ von Gott – tatsächlich wird die Abhängigkeit vom Ordensoberen gerühmt . „Psychologie hassen sie wie der Teufel das Wasser“, schreiben kritische Beobachter. Man hat den Eindruck, dass diese so genannten Reformorden mit ihrem jungen Personal eine stillschweigende Umprägung des Katholizismus Richtung vorgestern gestalten. Uns im Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon Berlin erstaunt es nur, dass sich kein Theologe dazu kritisch schriftlich äußert. Ist das Thema schon zu peinlich?

Diese und viele hier nicht erwähnte „Reform-Orden“ (allein die Namen sind ja bezeichnend) ziehen viele junge Leute an, weil sie ihnen absolute Glaubens-Gewissheit bieten, weil sie möglichst wenig Theologie betreiben, eine enge, alles kontrollierende Gemeinschaft haben und einen Ausstieg aus der bösen Welt garantieren. Ist es ein gewisser Fundamentalismus, der sich in der katholischen Kirche ausbreitet? Von kritischen theologischen Impulsen für die Gesellschaft ist von diesen Kreisen nichts zu hören, sie versinken sozusagen in der uralten Kirchenwelt oder pflegen den individuellen caritativen Beistand. Von einer Kritik an einer Armut erzeugenden Welt-Gesellschaft ist von den frommen Brüdern und Nonnen nichts zu vernehmen.

Bei vielen Bischöfen sind diese theologisch äußerst schlichten, aber missionarisch militanten und „sich aufopfernden“ Kreise zunehmend beliebt: Denn nur diese Gemeinschaften haben überhaupt noch viele junge zölibatäre Priester. So können die alten Kirchenstrukturen mit der Vormacht des Klerus weiterhin überleben. Dabei ist es vielen Bischöfen offenbar egal, dass diese Kreise für Ökumene oder den interreligiösen Dialog wenig bsi gar kein Interesse haben.

Copyright: Christian Modehn Berlin.

Dieser Beitrag erschien in sehr viel kürzerer Form in PUBLIK FORUM am 27. März 2015.

 

Einige Quellenhinweise:

(1)http://franciscanfriars.com/

(2) zu den Immaculata Franziskanen u.a. : https://veritacommissariamentoffi.wordpress.com/

oder: http://www.lastampa.it/2014/06/14/blogs/san-pietro-e-dintorni/il-papa-si-occupi-dei-francescani-dellimmacolata-mzeixH2PIa5gtJePrxsxCO/pagina.html

(3) die offizielle website des Inkarnierten Wortes: www.iveargentina.org

Kritik u.a.   http://www.pepe-rodriguez.com/Mentiras_Iglesia/Taxa/Taxa_taxacamarae_apologetica.htm

Auch Christian Modehn in: „Rolle Rückwärts mit Benedikt“. Publik-Forum Buch., dort Seite 159 mit Hinweis auf Unterstützung Benedikt XVI. für da Inkarnierte Wort.

(4) die ordenseigene Website: http://institut-christus-koenig.de/

(5) etwa: http://www.kathpedia.com/index.php?title=Kreuzorden

Über die Rezeption des esoterischen Kreuzordens durch esoterische Medien siehe etwa mit Verweis auf die Seherin und Engel-Spezialistin Gabriele Bitterlich: http://188276.homepagemodules.de/t462f20-Magnum-Opus-Teil.html

(6) Die Salvisten nannten sich früher die Salvisten Yahvisten (sic). sind vor allem in Frankreich tätig:

siehe etwa: http://www.diocese-frejus-toulon.com/Les-peres-Salvistas-de-Six-Fours.html

(7) siehe etwa zu dem Christus Meister Orden:http://www.diocese-frejus-toulon.com/Les-missionnaires-du-Christ-Maitre.html

(8) siehe etwa: “Mitteilungsblatt” der Priesterbruderschaft St. Pius X., April 2015, Seite 20 f.