Trotz allem: Der Glaube an eine bessere Zukunft – Perspektiven des Überlebens in Haiti … und der Dominikanischen Republik

Trotz allem: Der Glaube an eine bessere Zukunft – Perspektiven des Überlebens in Haiti … und der Dominikanischen Republik

Interview mit Frederic Maeder, Zürich, Autor und Haiti-Spezialist

Die Fragen stellte Christian Modehn

Sie haben einige Jahre in Haiti gelebt und Sie besuchen das Land bis jetzt regelmäßig. Die Lebensqualität (Bildung, Ernährung, Wohnung, Gesundheit usw.) der meisten Menschen in Haiti ist, so wird übereinstimmend berichtet, katastrophal. Was gibt Ihrer Meinung den Menschen dort die Kraft, überhaupt noch einen Lebenswillen zu bewahren?

Mir kommt dazu spontan das kreolische Sprichwort pito nou lèd, nou la in den Sinn. Dieses besagt, dass das Leben zwar hart ist, aber dass man immerhin überhaupt noch lebt. Mit anderen Worten: Solange man am Leben ist, hat man die Möglichkeit, sein Leben zu verbessern. Der Glaube an eine bessere Zukunft ist sehr stark, und man ist überzeugt, dass einem die eigenen Kinder ein besseres Leben werden garantieren können, wenn diese erst einmal erwachsen sind. Der Glaube an Gott ist äußerst ausgeprägt, und man ist der Auffassung, dass der Mangel an Lebensqualität eine Prüfung darstellt, vor welche der Herr einem stellt, und dass man diese meistern wird, wenn man stark genug an ihn glaubt.

Bemerkenswert ist, wie stark offenbar immer noch die kreative Energie bei Künstlern und Schriftstellern in Haiti ist. Wen erreichen die Künstler in Haiti? Hat Kunst dort eine „soziale Bedeutung“?

Erstaunlicherweise stößt die haitianische Kunst vor allem außerhalb Haitis auf großes Interesse. Zum Beispiel bei ausländischen Entwicklungshelfern, Mitarbeitern von internationalen Organisationen im Allgemeinen oder auch bei Vertretern der haitianischen Diaspora. Bei der Literatur gilt es zu beachten, dass diejenigen Haitianer, die des Lesens mächtig sind, überaus fleißige Leser und dementsprechend stolz auf ihre eigenen Schriftsteller sind. Die alljährlich stattfindende Buchmesse «Livres en folie» etwa erfreut sich außerordentlicher Beliebtheit in Haiti wie auch in der Diaspora. Zeitgenössische Autoren, wie Lyonel Trouillot, Yannick Lahens oder Kettly Mars, aber beispielsweise auch Jacques Roumain, der Urheber des Werkes »Herr über den Tau«, des wohl bedeutendsten haitianischen Klassikers überhaupt, wurden alle ins Deutsche übersetzt. Die bildende Kunst auf Haiti dient vielen als eine Art Therapie oder Ventil, um der eigenen Existenz Ausdruck zu verleihen und den oft schwierigen Alltag erträglicher zu machen. Quasi: Aus Schmerz und auch aus langer Weile geht gute Kunst hervor.

Welche Rolle spielt der viel besprochene Voodoo-Kult mit dem Ziel, eine humanere Gesellschaft aufzubauen?

Hier gälte es wohl zunächst zu unterscheiden zwischen den Leuten, die den Voodoo offen praktizieren (hauptsächlich die Landbevölkerung), denjenigen, die den Voodoo leugnen, ihn aber neben dem Katholizismus oder Protestantismus insgeheim trotzdem praktizieren (der Grossteil der urbanen Bevölkerung), sowie jenen, die den Voodoo überhaupt nicht praktizieren. Die letzten beiden Gruppen schämen sich in der Regel für den Voodoo, setzen ihn gleich mit einem Mangel an Bildung und Zivilisiertsein, woraus häufig Konflikte mit der ersten Gruppe resultieren. Diese wird dementsprechend als böse und rückständig stigmatisiert. Unter solchen Voraussetzungen ist es natürlich schwierig, eine humanere Gesellschaft aufzubauen.

Im Jahr 1950 gab es 3 Millionen Einwohner in Haiti, 2004 waren es 9 Millionen, jetzt sind es 10, 6 Millionen, auf einer Fläche von 27.000 Quadratkilometern, das ist etwas mehr als das Bundesland Hessen. Welche Bedeutung hat die Geburtenkontrolle, damit wenigstens die jetzt lebende Bevölkerung vor dem Hungertod bewahrt werden kann?

Die Grundhaltung vieler Haitianer ohne Bildung steht in krassem Gegensatz zu einer im westlichen Sinne erfolgreichen Geburtenkontrolle. Sie denken, je mehr Kinder man hat, desto sicherer ist die eigene Zukunft. Eine Einstellung, die auf Grund einer hohen Kindersterblichkeit sowie wegen des Fehlens einer staatlichen Altersvorsorge sogar zu verstehen ist. Pitit se richès malere, Kinder sind der Reichtum der Armen, wäre das passende kreolische Sprichwort dazu. Natürlich wäre eine funktionierende Geburtenkontrolle der Linderung des Hungers im Land förderlich. Persönlich hielte ich es indes für effizienter, vermehrt in die Bildung der breiten Bevölkerung zu investieren, um die zahlreichen Probleme des Landes zu lösen.

Wer die Möglichkeit hat, als gebildeter Haitianer das Land zu verlassen, tut das auch, siehe die großen Communities in Kanada, den USA, Frankreich, der Dominikanischen Republik usw. Ist diese Flucht ins Ausland nicht auch fürs Land eine Katastrophe, weil die so genannte Elite keine Hoffnung mehr hat, Haiti aus dem multiplen Elend herauszuführen?

Hier sollte man vielleicht zuerst differenzieren, von welcher Elite die Rede ist. Das Interesse der finanziellen Elite ist es, das Volk arm und ungebildet zu halten, um es besser auszubeuten und kontrollieren zu können. Die intellektuelle Elite dagegen wäre um authentische Verbesserungen im Land bemüht. Ihr fehlt es jedoch an finanziellen Mitteln, um ihre Ideen zu verwirklichen, und die finanzielle Elite ist ihrerseits bestrebt, unter allen Umständen zu verhindern, dass die intellektuelle Elite zu Geld kommt, um deren Visionen umzusetzen. Gelingt dies einem ihrer Vertreter trotzdem, so läuft er oftmals Gefahr, umgebracht zu werden. Vielfach entscheiden sich Angehörige der intellektuellen Elite daher, schweren Herzens das Land zu verlassen, um im Ausland zu Wohlstand zu kommen, den sie dann nach Jahren in der Diaspora in der Heimat zu investieren hoffen. Das Ganze als Katastrophe fürs Land zu bezeichnen, ist letztlich durchaus legitim.

Die Bürger der benachbarten Dominikanischen Republik haben gleich nach dem schrecklichen Erdbeben Haiti großzügig geholfen. Jetzt gibt es wieder neue Auseinandersetzungen zwischen beiden Staaten. Die Dominikanische Republik will die starke Präsenz der Haitianer im eigenen Land jetzt einschränken, auch durch rabiate Ausweisungen. Gibt es Spuren der Hoffnung, dass die beiden Nationen doch noch zu einem menschlichen Miteinander aufraffen?

Eine sehr schwierige Frage, wenn man bedenkt, dass die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) in der Angelegenheit schon vermittelnd helfen muss. Ich hoffe nicht, dass es einer weiteren großen Naturkatastrophe bedarf, so dass die Differenzen, welche die beiden Länder mit wechselnder Intensität schon seit Anbeginn miteinander austragen, wieder ein wenig in den Hintergrund gedrängt werden. Der so genannten »bi-nationalen, gemischten Kommission«, welche theoretisch schon seit den neunziger Jahren existiert und die für die Pflege der bilateralen Beziehungen ins Leben gerufen worden war, die indes viel zu selten tagt, neues Leben einzuhauchen, könnte ein Ansatz sein. Auch dass der alle zwei Wochen stattfindende bi-nationale Markt der haitianisch-dominikanischen Schwesterstädte Ouanaminthe und Dajabón trotz migrationspolitischer Differenzen weiterhin stattfindet, könnte man als Versinnbildlichung der gegenseitigen wirtschaftlichen Abhängigkeit sowie als positives Zeichen deuten. Schließlich jedoch glaube ich, dass die Differenzen der beiden Länder, die sich die Insel Hispaniola teilen, hüben wie drüben vor allem ein Problem der ungebildeten Massen ist, die von den eigenen finanziellen Eliten instrumentalisiert werden, indem sie ihnen ein Feindbild im Anderen suggerieren, derweil die oberen paar Hundert auf beiden Seiten der Insel eigentlich stets von der haitianischen Migration profitiert haben.

Frederic Maeder, Zürich, hat das Buch „Hochzeit haitianisch – Goudougoudou ex-ante!“ publiziert, er erzählt von einer Reise in erdbebenzerstörte Port-au-Prince. BoD ISBN 978-3-7357-0485-6, 16,90 Euro. Das Buch ist überall im Online-Handel erhältlich.

Copyright: Frederic Maeder, Zürich.

Gibt es heute moralische Politiker? Eine Frage, die Kant stellte

Politiker, die sich einen „Völkerbund“ wollen, sollten moralisch handeln. Ein Hinweis von Immanuel Kant zur aktuellen Diskussion über den Zusammenhalt der EU

Ein Hinweis von Christian Modehn

Nicht nur philosophisch gebildete Menschen wissen: Immanuel Kant hat sich 1794 ausdrücklich mit der Frage befasst: Wie ist Friede, sogar im weitesten Sinne „utopisch“ gedacht (im Sinne einer Zielbestimmung) als „ewiger Friede“ möglich?

Sein Text ist wichtig, weil er einmal mehr zeigt: Wie Reflexionen von Kant auch heute von bleibender Inspiration sind. Wer sagt: „Ach der Kant, der ist doch alt und veraltet“, irrt gewaltig und redet aus Unkenntnis! Oft sind die „Alten“ aus der Aufklärungs-Philosophie des 18. Jahrhunderts in Fragen der Ethik z.B. wichtiger und „weg-weisender“ als Philosophen des 20. Jahrhunderts, die etwa wie Martin Heidegger in keiner Weise Fragen der universalen Menschenrechte „angedacht“ haben. Aber das nur am Rande.

Kant ist in seiner Schrift „Zum ewigen Frieden“ klar, deutlich und für seine Zeit schon radikal. Er schlägt zur Friedenssicherung eine Art Völkerbund vor. Voraussetzung für ein dauerhaftes Funktionieren eines „Völkerbundes“ ist: Die Staaten und damit die „nationalen“ Politiker müssen ihre eigene nationale Staatsräson dem gemeinsamen ZIEL unterordnen, d.h. sie müssen den praktischen Willen haben, auf ihre eigene Staatsräson zu verzichten zugunsten des großen Friedensprojekts! Nur dann können Streifragen im Disput geklärt werden, nur so kann Krieg unter den Mitgliedern des „Völkerbundes“ verhindert werden.

Wichtig ist: Kant ist mit guten Begründungen überzeugt: Auch Politiker müssen wie alle anderen aufgeklärten Menschen moralisch handeln. Auch für Politiker gilt das Gesetz, aus Pflicht moralisch zu handeln. Ohne die gelebte Moral der Politiker hat ein „Völkerbund“ keinen Sinn, keine verbindende Kraft. Ohne ein moralisches Bewusstsein und ohne die tatsächlich geleistete Pflichterfüllung gegenüber dem moralischen Bewusstsein (nämlich die eigene Nation relativ zu finden gegenüber dem „Völkerbund – und modern – auch zur EU) kann es keinen Zusammenhalt in einem „Völkerbund“ geben. „Ohne dieses moralische Moment der Pflicht (den Frieden zu wollen) verliert Kants Völkerbund seine moralische Kraft“, so Manfred Geier, „Aufklärung – das europäische Projekt“, Reinbek bei Hamburg 2013, Seite 279.

Angesichts der offensichtlichen Krise der EU, sichtbar in der arroganten Ablehnung etlicher Mitgliedsstaaten, Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak usw. ins eigene Land aufzunehmen, stellt sich die Frage: Wie moralisch sind diese EU-Politiker? Diese Frage muss, Immanuel Kant folgend, erlaubt sein, ohne dabei eine „Schlammschlacht“ zu inszenieren oder gar jemanden an den Pranger zu stellen: Aber die Frage ist virulent: Sind Politiker – damals wie heute – bloß Funktionäre, nur Technokraten, nur „Führergestalten“, die letztlich bloß die alten nationalen Interessen vertreten (oder auf Stimmen für die eigene Partei schielen) und also nur so tun „als ob“ sie ein ernsthaftes Interesse an einem „Völkerbund“ hätten. Die Frage im Sinne Kants heißt: Haben die Politiker überhaupt die Fähigkeit, die BürgerInnen ihres jeweiligen Landes über das traditionelle, vorgegebene Niveau, also die nationale Ideologie, hinauszuführen zu einer größeren friedlichen Vereinigung in einem „Völkerbund“. Wer stellt heute diese Fragen? Wer verlangt eine Art häufigen „Fähigkeitscheck“ von Politikern, die in anderen Berufen, wie etwa bei den Ärzten, inzwischen selbstverständlich sind. Aber ob die Moralität eines Politikers dabei festgestellt werden kann, bleibt offen. Kant jedenfalls hat nur die Hoffnung, dass es moralische Politiker geben kann. Heute stehen wir vor der Aufgaben unmoralische Politiker zu entfernen, also abzuwählen, oder im Falle von Diktaturen, die unmoralischen Politiker ins Abseits zu drängen. Aber so lange angeblich moralische Politiker (des Westens) mit den tatsächlich unmoralischen Politikern (in den Diktaturen) beste Geschäfte machen, ist diese Veränderung in den Diktaturen schwierig. Die westlichen, angeblich moralischen Politiker, könnten hingegen durch ihr Verhalten, durch ihr Nein zu den unmoralischen Diktatoren, vieles verändern dort. Vor allem: Sie würden sich selbst verändern, also wirklich moralisch werden… und die Länder verändern, den Menschenrechten zuführen. Warum tun das die angeblich moralischen Politiker des Westens nicht? Kant würde hart sein und sagen: Sie tun das Richtige nicht, weil sie nicht moralisch sind. Aber allen „Moralisten“ heute sei eingeschärft: Für Kant hat moralisches Handeln nichts mit Kirchentreue zu tun, nichts mit Staats-Ergebenheit, nicht mit absolutem Respekt vor Dogmen usw. Moralisches Handeln ist einzig ein solches, das vor dem „Kategorischen Imperativ“ bestehen kann.

Copyright: Christian Modehn

Im Anblick der Flüchtlinge: Freundlichsein – wie Spiritualität lebendig ist. Drei Fragen an Prof. Wilhelm Gräb

WEITER DENKEN: Drei Fragen an Professor Wilhelm Gräb

Angesichts der Flüchtlinge: Freundlichsein – Wie Spiritualität ganz weltlich, ganz menschlich lebendig wird.

 Die Fragen stellte Christian Modehn, veröffentlicht wurde das Interview am 9.9.2015.

Es ist nicht zu hoch gegriffen: Deutschland erlebt wieder (wie 1989) eine historische Wende: Deutschland gilt jetzt als das beliebteste Land, wo Flüchtlinge Zuflucht suchen und hoffentlich auch Zuflucht und eine neue Heimat finden. Und dabei werden sie zunächst von so unglaublich vielen „normalen Bürgern“ auf fast unbeschreiblich freundliche und wohlwollende Weise willkommen geheißen, mit Geschenken, Lebensmitteln, ehrenamtlichen Diensten usw. Wobei man die prekären Unterbringungen und den bürokratischen Aufwand in der Anerkennung des Flüchtlings-„Status“ nicht verschweigen darf. Dennoch: Die meisten Menschen in Deutschland leben ihre Freundlichkeit und Großzügigkeit. Wenn Sie als Theologe diese Situation betrachten: Zeigt sich da eine praktisch gelebte „weltliche“ Spiritualität, die nun offensichtlich Teil unser Kultur ist?

Auch mich hat die Entscheidung der Bundeskanzlerin bewegt, ohne großes Wenn und Aber die in Budapest auf ihre Weiterreise hoffenden Flüchtlinge in Deutschland aufzunehmen; erst recht dann der freundliche Empfang der ihnen in Deutschland von so vielen ihnen wohlwollenden Menschen bereit wurde. Sowohl die Entscheidung der sonst kühl abwägenden Kanzlerin wie die spontane Hilfsbereitschaft der Menschen in München und an vielen anderen Orten der Republik gehen weit über das hinaus, was Moral und Recht zu gebieten bzw. zu bewirken im Stande sind. Natürlich, es ist moralisch geboten, Menschen, die aus ihrer Heimat wegen Terror und Krieg oder auch bitterer Armut und Perspektivlosigkeit fliehen mussten, zu helfen, wenn es nur irgendwie möglich ist. Schließlich steht die Geltung der Menschenrechte, die in unser Grundgesetz Eingang gefunden hat, mit jedem Flüchtling, der um sein Recht auf Leben kämpft, auf dem Prüfstand. Es bleibt daher weiterhin zu beklagen, dass unser Asylrecht seit den frühen 1990er Jahren immer mehr ausgehöhlt wurde. Es ist aber zweifellos auch eine riesige Herausforderung, die auf unser Land zukommt. Insbesondere die Verwaltung in den Ländern und Kommunen ist gefordert, wenn nun immer wieder neue Unterkünfte geschaffen und die Möglichkeiten einer schnelleren Integration in unsere Gesellschaft ausgebaut werden müssen. Wenn die Bundeskanzlerin dennoch meint sagen zu können, „Wir schaffen das!“, dann beruft sie sich dabei nicht nur auf die ökonomische Stärke unseres Landes und die eingespielten Routinen einer effizienten Bürokratie. Sie appelliert an das, wofür sie selbst mit ihrer unbürokratischen Entscheidung ein gutes Beispiel gegeben hat. Sie nimmt eine unsere Zivilgesellschaft öffnende Bewegung der Herzen in Anspruch, eine spirituelle Kraft, die Menschen über ihr moralisches Wollen und rechtliches Denken hinaus ergreift und zu einem liebevollen Handeln befähigt. Was wir in diesen Tagen erleben, hat, so kann man durchaus sagen, eine in religiöse Tiefendimensionen reichende Qualität.

Über das Moralische, Politische und Rechtliche hinaus, dieses zugleich grundierend und ermöglichend, bricht sich eine von Herzen kommende Menschlichkeit Bahn. Die Flüchtlinge, die plötzlich auch so genannt werden, werden von so vielen Menschen unseres Landes, ohne dass sie dazu aufgefordert oder darum gebeten worden wären, mit offenen Armen empfangen: Warum nur? Sicher auch, um ein deutliches Zeichen gegenüber denen zu setzen, die Brandbomben auf Asylheime werfen. Aber doch nicht allein deswegen. Die solidarischen Menschen handeln aus einem Gefühl der Verbundenheit mit den Menschen, die um ihr nacktes Leben kämpfen müssen.

Die spontane Hilfsbereitschaft resultiert keineswegs nur aus moralischen Verpflichtungsgefühlen, sondern aus einem Sich-Berühren-Lassen von der Not anderer. Und dieses Sich-Berühren-Lassen kommt aus dem Empfinden einer Zusammengehörigkeit in der einen Menschheitsfamilie, über alle nationalen, religiösen und kulturellen Grenzen hinweg. Aus dem Gefühl einer solch spirituellen, rational gar nicht genau erklärbaren Verbundenheit heraus, öffnen sich die Menschen, nehmen sie die Fremden bei sich auf, applaudieren sie einer Politik, die sich zu unbürokratischen Entscheidungen der Menschlichkeit durchringt – alle Bedenken, dass die eigenen Kräfte vielleicht doch überschätzt werden, zurückstellend.

Wie wir das auch 1989 beim Fall der Mauer erlebt konnten, gibt es offensichtlich immer wieder geschichtliche Situationen, in denen es zu kulturellen Transformationen kommt. Sie entstehen ohne politischen Steuerungswillen, schlicht dadurch, dass Menschen diese spirituelle Erfahrung machen, mit der sie über sich selbst hinaus gerissen werden. Plötzlich haben sie das Gefühl, dass sie Teil eines großen Ganzen sind, zugehörig zu einer Nation oder eben, wie das auf wunderbare Weise jetzt der Fall ist, zur einen großen Menschheitsfamilie, in der es auf jeden einzelnen ankommt, in der keiner einfach so verloren gegeben werden darf. Dieses Gefühl unbedingter, alle innerweltlichen Grenzen überwindenden Verbundenheit und Zugehörigkeit ist ein religiöses Gefühl. Mit ihm teilt sich uns mit, dass wir alle von Voraussetzungen leben, die wir in unser eigenes Tun und Denken nicht einzuholen im Stande sind. In letzter Hinsicht sind und bleiben wir alle abhängig von dem uns tragenden und ermöglichenden, göttlichen Seinsgrund, dem wir uns in unserem Tun und Denken, mit unserem ganzen Dasein, wer auch immer wir sind, verdanken.

Vielleicht ist der Hinweis auf diese tatsächlich gelebte humane Spiritualität so wichtig, wenn man an den bald erforderlichen „langen Atem“ der Hilfsbereitschaft denkt, wenn es also gilt, mit aller Kraft der Argumente und der Gesetze Widerstand zu leisten gegenüber Menschen, die in den „anderen“, den Flüchtlingen, nur eine Bedrohung sehen und gar nicht daran denken, dass in der Begegnung mit den Fremden auch der eigene Lebensentwurf positiv erweitert wird? Dass also eine neue europäische Kultur des Miteinanders entstehen kann.

Es kommt jetzt darauf an, da auch die Medien (von der SZ bis zu den Boulevardblättern) diese kulturelle Transformation hin zu einem Europa, das sich solidarisch macht mit denen, die an seinen Grenzen auf Einlass drängen, auch als eine solche Transformation zu kommunizieren. Es kommt darauf an deutlich zu machen, dass sich die Hilfe, die den Flüchtlingen zuteil wird, aus der spirituellen Erfahrung einer tiefen Verbundenheit mit ihnen in der einen Menschheitsfamilie speist. Diese Einsicht kann eine Kultur der Öffnung den Fremden gegenüber „krisenfest“ machen. Sie muss dann nicht sofort wieder kollabieren, wenn sich die Schwierigkeiten der Integration einer so großen Zahl von Neuankömmlingen in unserer Gesellschaft zeigen und in der rechten Szene weiterhin der Fremdenhass und die feindseligen Anschläge wüten. Es kann in unserem Land vielmehr die rationale Erkenntnis wachsen, dass wir Zuwanderung angesichts der demographischen Entwicklung in Deutschland sehr gut „gebrauchen“ können, wie eben auch dass die Begegnung mit fremden Kulturen und Religionen unser eigenes Leben enorm bereichert.

Wir wollen niemanden theologisch vereinnahmen und schon gar nicht jeden freundlichen, solidarischen Menschen zu einem Heiligen erklären. Dennoch könnte eine Erkenntnis aus dieser hoffentlich bleibenden bewegenden Freundlichkeit gewonnen werden: Wer in seiner Ethik auf diese Weise lebt, ist den Spuren der Transzendenz, des Göttlichen, nicht fern. Können Sie als Theologe auch der Erkenntnis von Immanuel Kant folgen, der alle religiösen Gefühle in dem guten, dem moralischen Leben gründete. Wie religiös erschiene dann aber die Welt der Menschen, sogar die angeblich entkirchlichte Gesellschaft Europas?

Es ist die spirituelle Erfahrung der Selbst-Transzendierung, also das Gefühl, auf verstehbare Weise in das große Ganze des Menschheitsuniversums einbezogen zu sein und in tiefer Verbundenheit mit allem Lebendigen zu stehen, aus der das moralisch gute Handeln seine Energie bezieht. Wir müssen deshalb die kulturelle Transformation, in der unsere Gesellschaft sich momentan neu erfindet, so deutlich machen, um auf diese säkulare Präsenz des Religiösen aufmerksam zu machen. Es gilt endlich damit aufzuhören, die Religion an Konfessionalität und Kirchlichkeit, an Religionszugehörigkeit und dogmatische Bekenntnisse zu binden. Das Gefühl tiefer Verbundenheit mit der einen, im göttlichen Daseinsgrund wurzelnden Menschheit fundiert jede Moral, die ihren Namen verdient. Aus diesem Gefühl speist sich auch die Bereitschaft, jedem Menschen eine unverletzliche Würde und das Recht auf ein Leben in Würde zuzuerkennen, somit auch das, was die moralische Basis der Menschenrechte ist. So bietet der kulturelle Wandel, den wir glücklicherweise gerade in unserem Land erleben, sogar die Chance, dass man – allen Szenarien der angeblichen Entchristlichung zum Trotz – zur Einsicht kommen kann, wie sehr sich das christliche Erbe Europas in Gestalt einer gelebten Religion der Menschenrechte fortschreitend verwirklicht.

Erwähnung verdient allerdings auch, dass viele Kirchengemeinden für diese kulturelle Transformation, die jetzt weitergeht und die Zivilgesellschaft ergriffen hat, eine Vorreiterrolle übernommen haben. Die gelebte Religion der Menschenrechte verwirklicht sich nicht an den Kirchen vorbei, sondern sie wird von diesen ganz entscheidend mitgetragen.

Copyright: Prof.Wilhelm Gräb, Berlin, und Religionsphilosophischer Salon Berlin.

Wenig Licht – viel Schatten Ein Kommentar des Jesuiten Flüchtlingsdienstes Berlin vom 7. September 2015

Wenig Licht – viel Schatten. Ein Kommentar des Jesuiten Flüchtlingsdienstes Berlin vom 7. September 2015

Ein Hinweis des Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon Berlin vorweg:

Der Jesuiten-Flüchtlingsdienst ist einer der international hoch angesehenen, bewährten und umfassend helfenden Institutionen für Flüchtlinge. Und eine Stimme der Flüchtlinge, die sich an Menschen wendet, die in privilegierten Verhältnissen leben, z. B. in Deutschland.  Der Jesuiten Flüchtlingsdienst hat auch in Berlin eine Filiale, das sollten Berliner immer mehr zur Kenntnis nehmen…Wie schon öfter, geben wir gern eine Pressemitteilung weiter, zur Diskussion … und zur Förderung kritischen Nachdenkens. Denn kritisches Nachdenken einüben: Das ist ein Ziel des Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon. Für den sich die religiöse Frage natürlich nicht nur dort „abspielt“, wo Religion/Konfession/Kirche draufsteht. Meistens ist „das Religiöse“ und auch das Christliche ganz woanders lebendig, man muss es nur suchen…

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Nach der wegweisenden Entscheidung vom Wochenende, Flüchtlingen aus Ungarn die Weiterreise nach Deutschland zu gestatten, sind die jüngsten Beschlüsse der Regierungskoalition enttäuschend: Sie bleiben die Antwort auf viele drängende Fragen vor Ort schuldig. Der Jesuiten-Flüchtlingsdienst begrüßt, dass mehr Geld für die Unterbringung Asylsuchender bewilligt wurde und sie früher Zugang zum Arbeitsmarkt erhalten.

Scharf verurteilt er die Rückkehr zum Sachleistungsprinzip und die Erweiterung der sicheren Herkunftsländer. „Vielen konkreten Herausforderungen laufen die Entscheidungen zuwider: Wir brauchen mehr Unterstützung für Ehrenamtliche, die die Arbeit vor Ort leisten, und nicht mehr Bürokratie im Verfahren“, kommentiert Pater Frido Pflüger SJ, Direktor des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes, in Berlin. Grundsätzlich begrüßt er, dass Länder und Kommunen mehr Hilfe vom Bund für die Unterbringung und Versorgung von Asylsuchenden bekommen sollen, auch wenn noch nicht fest steht, wofür genau das Geld verwendet werden soll.

Positiv ist auch, dass der Bund die Länder und Kommunen beim Aufbau von etwa 150.000 winterfesten Plätzen in menschenwürdigen Erstaufnahmeeinrichtungen unterstützen und das Arbeitsverbot für Asylsuchende und Menschen mit Duldung auf drei Monate reduzieren will. „Man fragt sich aber, warum die Menschen nicht sofort arbeiten dürfen“, meint Pflüger. Scharf verurteilt er die Ausweitung der Liste „sicherer“ Herkunftsländer.

Selbst nach offiziellen Statistiken ist die Zahl der Asylsuchenden aus Albanien, Kosovo und anderen Westbalkan-Staaten in den letzten Monaten bereits stark gesunken. Viele Gründe für die Flucht dieser Menschen, etwa drohende Blutrache, werden von den deutschen Behörden und Gerichten nicht ernst genommen – anders als etwa in Frankreich oder der Schweiz. „Die drei Staaten als ‚sicher‘ zu erklären, ist eine reine Symbolpolitik zu Lasten der betroffenen Menschen“, kritisiert Pflüger. Das Geld für 3.000 zusätzliche Stellen bei der Bundespolizei wäre anderswo besser angelegt: Die vielen Hilfsorganisationen und Ehrenamtlichen, die die Arbeit für und mit den Flüchtlingen leisten, hätten damit gefördert werden sollen. „Das hätte ein wichtiger Beitrag des Bundes für die Willkommenskultur vor Ort sein können“, merkt Pflüger an.

Dass Asylsuchende in den Erstaufnahmeeinrichtungen nur Sachleistungen statt Bargeld bekommen sollen, hält der Jesuiten-Flüchtlingsdienst für sinnlos und verfassungswidrig. „Mit der Wiedereinführung von Sachleistungen geht die Koalition genau den falschen Weg – auf der Grundlage der absurden und lebensfernen Annahme, irgendwer würde seine Heimat wegen eines Taschengelds verlassen“, so Pflüger. Das Bundesverfassungsgericht hat 2012 klargestellt: Zur Menschenwürde gehört auch der Kontakt mit der umgebenden Gesellschaft. „Das geht nicht, wenn man nur Essenspakete und ein Bett bekommt“, meint Stefan Keßler, Politik- und Rechtsreferent beim Jesuiten-Flüchtlingsdienst. Auch sind Sachleistungen wesentlich teurer als Bargeldzahlung.

Die Höchstdauer einer Duldung von sechs auf drei Monate zu reduzieren, hält Keßler für Unsinn: „Die Menschen werden noch häufiger zur Ausländerbehörde gehen müssen, um ihre Duldung zu verlängern. Das vergrößert ihre Belastung, aber auch den Verwaltungsaufwand.“

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Der „Jesuit Refugee Service“ (Jesuiten-Flüchtlingsdienst, JRS) wurde 1980

angesichts der Not vietnamesischer Boat People gegründet und ist heute als

internationale Hilfsorganisation in mehr als 50 Ländern tätig. In

Deutschland setzt sich der Jesuiten-Flüchtlingsdienst für

Abschiebungsgefangene ein, für geduldete Flüchtlinge und für Menschen ohne

Aufenthaltsstatus („Papierlose“). Schwerpunkte seiner Tätigkeit sind

Seelsorge, Rechtshilfe und politische Fürsprache.

 

Wer sich helfend, informierend mit dem Flüchtlingsdienst der Jesuiten beschäftigen will:

Jesuiten-Flüchtlingsdienst Deutschland, Jesuit Refugee Service (JRS)

Dr. Dorothee Haßkamp, Öffentlichkeitsarbeit

Witzlebenstr. 30a

D-14057 Berlin

Tel.: +49-30-32 60 25 90

Fax: +49-30-32 60 25 92

 

Spendenkonto 6000 401 020

Pax-Bank BLZ 370 601 93

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BIC: GENO DED1 PAX

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www.jesuiten-fluechtlingsdienst.de

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50. Todestag von Albert Schweitzer: Philosoph, liberaler Theologe, Menschenfreud

Man wird es uns nicht übel nehmen, wenn wir an den großen Albert Schweitzer auch noch einen Tag nach seinem 50. Todestag, also heute am 5.9. 2015, erinnern.

Es ist immer wieder „erhebend“, wenn man so sagen darf, sich mit der Person Albert Schweitzers zu befassen, mit seiner vielseitigen Begabung, seinem Eintreten damals für eine kritische, moderne, liberale Theologie… und sein Weg nach Lambarene (selbst wenn über die Projekte dort in Gabun Kritik geäußert wird). Das Wichtige bleibt: Albert Schweitzer, der wegen seiner liberal-theologischen Haltung nicht viel kirchliches Ansehen genießen konnte, wurde ein Menschenfreund, im umfassenden Sinne. Er ist ein Vorbild, wenn man diesen eher zwiespältigen Begriff hier einmal verwenden darf.

Albert Schweitzer setzte sich als protestantischer Theologe unermüdlich für die Erkenntnis des „einen Notwendigen“ und des wirklich Wichtigen  im Christentum ein. Er wusste, dass das Christentum nur Zukunft hat, wenn es sich auf einige wenige Grundsätze selbst begrenzt und den „Berg“ der kaum noch nach vollziehbaren, existentiell meist nicht relevanten Dogmen auf sich beruhen lässt, d.h. beseite setzt. Davon wollte die sich orthodox gebenden Christentenheit weithin nichts wissen;  davon wollen die allermeisten großen Kirchen bis heite nichts wissen. Glauben heißt für sie befremdliche Dogmen „pauken“ und weniger auf die ureigene, innere Stimme zu hören…Deswegen werden Ketzer immer noch ausfindig gemacht weil sie sich weigern, die alten Dogmen so wie sind nachzusprechen. Man lese in dem Zusammenhang die neuesten Auslassungen von Kardinal Müller, Chef der Glaubenskongregation in Rom.  Welche Wohltat, welche Befreiung, da einem freien Geist, eben Albert Schweitzer zu begegnen!

Im Jahr 1922 hielt er in England einen Vortrag, der sich vor allem an Pfarrer und Missionare richtete; er sagte Worte, die heute noch für die Verteidiger der Dogmen und Moral eine Provokation sind: „Wenn Sie das Evangelium verkündigen, hüten Sie sich, es als die Religion zu predigen, die auf alles eine Antwort hat. Wenn Sie predigen, dann führen Sie die Menschen zu dem Einen, was not tut, nämlich, dass wir uns mit Gott verbunden fühlen. Dadurch leben wir dann auch anders in der Welt, nämlich als Liebende. Das ethische Leben in diesem Sinne ist die höchste und lebendige Geistigkeit des Christen. Das Christentum ist diese ethisch geprägte Mystik“.

In einem Brief von 1962 sagt Albert Schweitzer Worte, die an heutige Aussagen des Dalai Lama (Ethik ist wichtiger als Religion) erinnern. „Da wage ich zu sagen, dass die ethische Religion der Liebe bestehen kann ohne den Glauben an ein ihr entsprechende, die Welt leitende Gottespersönlichkeit“.

Auf das Tun des Guten kommt es an, nicht so sehr auf das Bekennen frommer (dogmatischer) Sprüche. Albert Schweitzer sagte schon 1919: „Alles, was du tun kannst, wird in Anschauung dessen, was getan werden sollte, immer nur ein Tropfen statt eines Stromes sein. Aber es gibt deinem Leben den einzigen Sinn, den es haben haben kann, und machts es wertvoll“ .

Vor seiner Abreise nach Lambarene sagte Schweitzer in einer Predigt im März 1913: Je mehr ich Jesus zu verstehen glaubte, desto stärker empfand ich es, wie in ihm der Glaube und einfaches, natürliches Denken sich durchdrangen. Je mehr ich in die Geschichte des Christentums eindrang, desto mehr wurde mir klar, wie viele Irrungen und Kämpfe darauf zurückgehen, dass man von den ersten Generationen an bis auf den heutigen Tag immer und immer wieder den Glauben und die Frömmigkeit gegen die Vernunft ausspielte und einen Zwiespalt in den Menschen hineintrug, wo Gott die Harmonie gesetzt hat“.

Das religionsphilosophische bzw. neue liberal-theologische Projekt des „Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon Berlin“ sieht in diesen Äußerungen Albert Schweiters wesentliche Inspirationen und Anregungen, auf dem Weg weiterzudenken.

Drei weitere Zitate von Albert Schweitzer, entnommen meinen Ra­dio­sen­dungen für den Hessischen Rundfunk 1999:

„Die unmittelbare Tatsache im Bewusstsein des Menschen lautet: Ich bin Leben, das leben will, inmitten vom Leben, das leben will. Diese allgemeine Bejahung des Lebens ist eine geistige Tat, in der der Mensch aufhört dahinzuleben. In der er vielmehr anfängt, sich seinem Leben mit Ehrfurcht hinzugeben und ihm seinen wahren Wert zu geben“.

„Die Ehrfurcht vor dem Leben gebietet uns, den hilfsbedürftigen Völkern in aller Welt Hilfe zu bringen; den Kampf gegen die Krankheiten, von denen diese Völker bedrängt sind, hat man fast überall zu spät begonnen. Letzten Endes ist alles, was wir diesen Völker erweisen, nicht Wohltat, sondern es ist unsere Sühne für das Leid, das unsere Völker von dem Tage über sie gebracht haben, als unsere Schiffe den Weg zu ihren Gestaden fanden. Es muss dahin kommen, dass Weiße und Schwarze sich in ethischem Geist begegnen. Dann erst wird eine echte Verständigung möglich sein. An der Schaffung dieses Geistes zu arbeiten heißt zukunftsreiche Politik treiben“.

Die Erkenntnis, die uns heute Not tut, ist die: Dass wir miteinander der Unmenschlichkeit schuldig sind. Dieses furchtbare gemeinsame Erlebnis muss uns dazu aufrütteln, alles zu wollen und zu erhoffen, was eine Zeit heraufführen kann, in der Kriege nicht mehr sein werden. Dieses Wollen und Hoffen kann nur darauf gehen, dass wir durch einen neuen Geist die höhere Vernünftigkeit erreichen, die uns von dem unseligen Gebrauch der uns zu Gebote stehenden Macht abhält. Nur in dem Maße, als durch den Geist eine Gesinnung des Friedens unter den Völker aufkommt, können die für die Erhaltung des Friedens geschaffenen Institutionen leisten, was von ihnen verlangt und erhofft wird“.

 

 

 

 

 

 

Menschlichkeit zuerst. Der katholische Bischof Jacques Gaillot wird 80. Wird er rehabilitiert?

Aktualisierung am 1.9.2015 um 23.00: Bischof Gaillot trifft am 1.9. 2015 Papst Franziskus. Offenbar hat dieser erkannt, dass die päpstliche Haltung in einigen Fragen der Praxis und Lehre von Jacques Gaillot doch etwas nahe kommt, was sichtbar wird an dem gemeinsamen Slogan „Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts“.  Klicken Sie hier.

„Le Figaro“, nicht gerade eine Tageszeitung, die in Fragen Gaillots objektiv berichtete, erwähnt in dem kurzen Beitrag vom 2.9.2015: Das Gespräch Papst-Gaillot (unter Anwesenheit eines Freundes Gaillots, des Priesters und Journalisten (!) Daniel Duigou), habe im Haus St. Martha, der Wohnung des Papstes, stattgefunden;  es habe eine dreiviertel Stunde gedauert, es sei geprägt gewesen von dem Ausspruch des Papstes „Wir sind Brüder“. Erstaunlich ist, dass Papst Franziskus Gaillot fragte: „Sie sind Bischof von Partenia?“ Entweder wusste der Papst nicht richtig Bescheid, oder er suchte eine Floskel, um auf Französisch etwas zu sagen. Bemerkenswert ist aber, wenn Le Figaro – offenbar den Äußerungen des Journalisten und Gaillot-Begleiters folgend  – schreibt: „La conversation, qui n’a pas abordé les querelles passées de «l’affaire Gaillot»“: „Im Gespräch wurden die vergangenen Streitpunkte der „Affäre“ Gaillot (von 1982 bis 1995)  nicht angesprochen“. Da fragt sich der Beobachter nur: Was sollte das Ganze, es war offenbar sehr privat; denn, so wird in allen französischen Medien berichtet, ein Fotograph, geschweige denn ein professioneller Fotoapparat, der das Treffen hätte dokumentieren können, stand nicht zu Verfügung! So hat also der Journalist Duigou schnell mit seinem Handy ein Foto geschossen. Bemerkenswert: Jacques Gaillot zeigt sich beim Papst in der üblichen klerikalen Kleidung, mit „Collar“, (manche sprechen von Kalkleiste), wie man sagt. Weiß der Himmel, wer ihm diese Kleidung geliehen hat…Interesant ist, dass Bischof Gaillot nicht darauf verzichtet beim Papst zu berichten, dass er als Bischof selbstverständlich wiederverheiratet Geschiedene „traut“ (kirchenamtlich mit ihnen das Sakrament der Ehe feiert) und eben selbstverständlich – wie schon seit langer Zeit – auch homosexuelle Paare segnet, da schreibt die katholische Tageszeitung La Croix (Paris), in diesen Fragen sicher zuverlässig: „À aucun moment, Mgr Gaillot ne s’est senti « jugé ou bloqué ». L’évêque français a évoqué qu’il lui arrivait de bénir des couples de divorcés et parfois homosexuels. « La bénédiction, c’est Dieu qui est bon pour tout le monde », lui a répondu le pape. Zur Segnung dieser Paare habe also der Papst zu Bischof Gaillot gesagt:“ Die Segnung, das ist Gott, der für jedermann gut ist“… Ist das ein liberaler Ausrutscher des Papstes, eine Art Versprecher? Oder wird diese Haltung sich in der römsichen Synode im Herbst 2015 durchsetzen? Wir hören aber schon die Antwort der Konservativen: „Der Papst kann nicht so gut Französisch, er meinte es nicht so, wie es da steht. Gott kann doch unmöglich gut sein zu Wiederverheiratet Geschiedenen und homosexuell liebenden Menschen/Paaren, homosexuellen Eheleuten“…Diese Kreise sollten ehrlich sagen: Unser katholischer Gott ist grausam. Ein Menschenfeind.

Vielleicht handelt es sich bei der Begegnung mit Gaillot aber auch „nur“ um eine großzügige päpstliche Geste der „Versöhnung mit allen“, hübsch diplomatisch arrangiert?

Es ist bezeichnend, dass gleichzeitig zum Treffen Papst Franziskus/Gaillot von päpstlicher Seite auch wieder Schritte der Versöhnung mit den reaktionären Pius-Brüdern unternommen werden: Der Papst erlaubt nämlich, dass die Beichte eines „normalen“ Katholiken bei einem dieser Pius/Lefèbvre-Brüder/Priester nicht nur gültig, sondern gar erlaubt ist. Diese Sorgen also hat man im Vatikan…Immerhin: Die reaktionären Piusbrüder jubeln vor Dankbarkeit. Sie erfreuen sich wieder ihres Papstes, eben des Papstes Franziskus…

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Am 11. September 2015 wird Bischof Jacques Gaillot 80 Jahre alt, der, unserer und vieler anderer Meinung nach, einzige wahrlich moderne katholische Bischof in Europa. Es lohnt sich auch für philosophisch Interessierte, das Denken und das politische Engagement Gaillots näher zu kennen zu lernen, zumindest um einmal mehr wahrzunehmen, wie die römische Kirche mit sogen. Abweichlern umgeht. Dabei „weicht“ Jacques Gaillot überhaupt nicht „ab“, er meint nur, die so einfachen und so radikalen Weisungen des Jesus von Nazareth seien aktuell. Insofern ist Bischof Gaillot auch ein Beispiel für interne Religionskritik…Lesen Sie den längeren Beitrag und klicken Sie hier.

Die katholische Tageszeitung La Croix berichtet am 2.9.2015 ausführlich über die Begegnung Jacques Gaillots mit dem Papst: http://www.la-croix.com/Religion/Actualite/Le-pape-Francois-et-Mgr-Jacques-Gaillot-une-rencontre-entre-freres-2015-09-02-1351374

Die Tageszeitung Le Monde schreibt am 2.9.2015: http://www.lemonde.fr/religions/article/2015/09/02/le-pape-francois-recoit-en-frere-mgr-gaillot_4743700_1653130.html

 

Beiden Berichten ist nicht zu entnehmen, dass Bischof Gaillot rehabilitiert wurde oder ob es sich eben nur um ein nettes, „brüderliches“ Gespräch handelte. CM

 

 

 

 

 

Menschlichkeit zuerst: Der katholische Bischof Jacques Gaillot wird 80 Jahre alt

Zu Beginn ein Buchtipp: „Die Freiheit wird euch wahr machen“. Eine Festschrift zum 75. Geburtstag von Bischof Jacques Gaillot. Herausgegeben von Roland Breitenbach, Katharina Haller und Christian Modehn. 2010. Reimund Maier Verlag, Schweinfurt, 223 Seiten mit vielen Beiträgen, die das theologische und politisch-praktische Profil Gaillots deutlich machen. Dies ist die neueste Studie zu Bischof Gaillot in deutscher Sprache.

„Menschlichkeit zuerst“: Jacques Gaillot, katholischer Bischof, wird 80 Jahre

Ein Hinweis von Christian Modehn

Der Religionsphilosophische Salon muss sich gelegentlich auch mit Bischöfen befassen. Aber nur mit solchen, die außergewöhnlich sind. Bischof Jacques Gaillot (ehemals Evreux, Normandie, jetzt Paris) gehört dazu. Ich habe ihn als Journalist für die ARD in Deutschland bekannt gemacht, zuerst 1985 mit der Ra­dio­sen­dung und dem etwas ironischen Titel: “Ein Bischof auf dem Lande“ (SR), dann immer wieder mit regelmäßigen Berichten in meiner ca. 40 Halbstundensendungen umfassenden Sendereihe „Gott in Frankreich“ für den Saarländischen Rundfunk SR, Red. Norbert Sommer, auch zwei 30 Minutenfilme fürs Erste, 1989 und 2005 (WDR), gehören dazu usw…

Am 11. September 2015 wird Bischof Jacques Gaillot 80 Jahre alt.

An ihn zu erinnern ist geradezu Pflicht, wenn man Interesse hat an der Frage: Gab es und gibt es noch einen katholischen Bischof, der einen katholischen Glauben im Gespräch mit der Moderne und im Respekt vor den heutigen Kulturen gestalten will. Für den Menschen mehr zählen als Dogmen und Kirchentraditionen, der keine Angst hat vor deutlichen und wahrhaftigen Worten; der keine Angst hat, dadurch sich seine klerikale Karriere zu beschädigen. Gaillot ist ein Bischof, der Nein sagt zu kleinrarierter klerikaler Ambition, der Nein sagt zu einer kapitalistischen Welt und deren Religionen, die den Gott Geld als den größten Wert verehrt.

Jacques Gaillot wurde 1995 vom Papst als Bischof von Evreux abgesetzt, aus dem „einfachen“ Grund: Weil er zu progressiv war. Die Liste seiner außergewöhnlichen Aktivitäten ist lang und wurde an anderer Stelle dokumentiert, klicken Sie hier.

Nur so viel: Gaillot wollte im Sinne Jesu von Nazareth eine menschenfreundliche Kirche aufbauen, die über ihre eigenen veralteten Gesetze und Gebote hinweggeht. Er war politisch sehr system-kritisch, empfand z.B. mehr (praktisch gelebte !) Sympathien für Wehrdienstverweigerer als für konservative (oft rassistisch angehauchte) Politiker. Bischof Jacques Gaillot lebt seit Ende der 1990 Jahre im Kloster der Ordensgemeinschaft „Väter vom Heiligen Geist“ (Spiritaner) in Paris; bis vor 5 Jahren noch als weltweit aktiver Bischof von Partenia, mit einer immer noch bestehenden mehrsprachigen Archiv-website. Seit 5 Jahren lebt Jacques Gaillot etwas mehr zurückgezogen, sozusagen als „pensionierter Bischof“ von Partenia, einem Ort in der algerischen Wüste: Diesen Ort hatte Rom für ihn als Bischofssitz ausgesucht. Ein imaginärer Titel. Deutlicher Ausdruck dafür, dass da ein progressiver und in den 1980 Jahren sehr beliebter Bischof in die Wüste geschickt wurde. Bischof Gaillot verstand es wie kein anderer in Europa, den Glauben, auch in der katholischen Variante, mit den Denk- und Lebensformen der europäischen Moderne zu versöhnen, wobei die Moderne ernst genommen wird, als Welt, als Kultur, als Demokratie mancherorts, von der es auch katholisch-christlich zu lernen gilt! Die website des „Wüstenbischofs“ Gaillot  und des „Wüstenbistums“ Partenia (die website wurde vor 5 Jahren geschlossen) ist noch in mehreren Sprachen, auch auf deutsch, erreichbar, klicken Sie hier.

In Deutschland ist jetzt in den Medien von Jacques Gaillot nichts bzw. fast gar nichts mehr zu hören und zu lesen.

Kardinal Meisner verfügte einst ein Redeverbot für Bischof Gaillot, seit der Zeit wird er von den Bischöfen Deutschlands und auch Frankreichs wie ein Paria behandelt. Auch in der französischen Bischofskonferenz spielte er und spielt er keine Rolle mehr. Die Macht in Rom hat sich durchgesetzt und einen kreativen Bischof, sozusagen einen Hoffnungsträger, ins Abseits gedrängt. Wie sehr sich die Kirchenführung dabei selbst schadet, scheint ihr gar nicht bewusst zu sein. Oder es ist ihr egal! Seit der Absetzung von Bischof Gaillot haben sich tausende progressiver Katholiken eben ihrerseits „abgesetzt“, also von der Kirche verabschiedet. Zur Zeit sollen noch 4 Prozent aller französischen Katholiken (noch ca. 60 Prozent der Bevölkerung) an den Sonntagsmessen teilnehmen. Tendenz: Sehr stark (altersbedingt) sinkend. Bald ist es vorbei mit dem französischen Katholizismus…

Nur in kleinen progressiven katholischen Kreisen ist Gaillot noch willkommen. Seine wahre spirituelle und politische Heimat sind hingegen Menschenrechtsbewegungen in Frankreich.

Wir dokumentieren aus verschiedenen französischen Zeitschriften einige der jüngsten Aktivitäten und Statements Bischof Gaillots aus den letzten 5 Jahren

Bischof Gaillot besucht im August 2015 die von Ausweisung bedrohten Roma in Saint Ouen. „Sie sind Menschen wie wir. Wie kann man eine menschliche Gesellschaft aufbauen, wenn man nicht die Schwächsten respektiert?“

In der Tageszeitung „L Humanité“ (Organ des PCF, auch da kennt Gaillot keine Berührungsängste) äußert er sich im November 2014 kritisch zur Synode der Bischöfe in Rom. Die zölibatären Herren debattierten dort über Familien, Homosexuelle und Geschiedene, die noch einmal heiraten wollen! Gaillot sagte dem Blatt der französischen Kommunisten: “Die katholische Kirche soll Menschen so annehmen und aufnehmen wie sie sind und nicht wie sein sollten. Sie soll nicht von Prinzipien ausgehen. Sie soll wohlwollend die Liebe anerkennen, die unter den Paaren besteht, die außerhalb der alten katholischen Normen leben. Am Rande der Kirche (an der Basis) gibt es bereits ein Klima der Toleranz und des Respektes für jene, die von den kirchlichen Reglementierungen ausgeschlossen sind“. Weiteres lesen Sie hier.

Gegenüber der Tageszeitung „Le Parisien“ sagte er im Januar 2015: „Im Sommer habe ich selbst ein homosexuelles Paar gesegnet und später auch mit einem heterosexuellen Paar eine Trauungszeremonie in einem großen Garten gestaltet, diese Menschen konnten nirgendwo kirchlich heiraten, weil sie geschieden waren. Ich selbst lebe außerhalb der kirchlichen Institution („hors le murs“), darum finde ich es auch sehr gut, auch außerhalb der Kirchengebäude Gottesdienste zu feiern“.

Zur Kirche in Frankreich heute sagte Gaillot:
„Sie ist zu konservativ, da passiert nichts Besonders mehr. Ich habe anlässlich der großen Demonstrationen für die „Ehe für alle“ (also auch für Homosexuelle) demonstriert, die Kirche hat sich absolut dagegen gewendet. Ich meine: Wenn sich die Gesellschaft entwickelt, muss sich auch die Kirche entwickeln. Wenn sie diese Entwicklung nicht mit-vollzieht, wird sie verschwinden. Wenn die Kirche sich nur für sich selbst interessiert, wird sie verschwinden. Die Bischöfe verwenden viel Energie darauf, nur die Strukturen neu zu organisieren. Sie bleiben gegenüber der Moderne misstrauisch. Sie blicken nur in die Vergangenheit und lieben pompöse Zeremonien.

Während ich dem Pontifikat von Papst Benedikt XVI. sehr reserviert gegenüber stehe, bewundere ich doch Papst Franziskus. Aber er ist ein bisschen isoliert. Dennoch war die Leistung von Benedikt XVI. beachtlich, dass er zurückgetreten ist! Ich wünsche mir, dass die Päpste eine fest begrenzte Regierungszeit haben und das Ende eines Pontifikates nicht vom Willen des einzelnen Papstes abhängt. Der Papst ist kein Monarch. Er ist ein Diener. Man muss die Person des Papstes entsakralisieren“. Papst Franziskus hat er einen Brief geschrieben, auf den dieser sogar geantwortet hat2, berichtet Gaillot. Manche Formulierungen/Sprüche  des Papstes erinnern unmittelbar an ältere Äußerungen Gaillots, auch an seine Buchtitel, etwa: „Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts“ (sogar bei Herder erschienen)… Aber an eine Rehabilitierung, für eine Entschuldigung Roms für seine brutale Absetzung als Bischof, glaubt Gaillot nicht. Er will sich darum auch nicht selbst bemühen.

Weitere Berichte in der französischen Presse (auf die wir nur hinweisen, um die vielen Aktivitäten Bischof Gaillots wenigstes anzudeuten) beziehen sich auf seine Teilnahme an der großen Demonstration im Januar 2015 nach der Tötung der Redakteure von „Charlie Hebdo“ (weitere Informationen klicken Sie hier) und der Opfer aus der jüdischen Gemeinschaft. Außerdem tritt Gaillot für eine gerechte Gesetzgebung für ein Sterben in Würde berichtet: Er fordert, dass – in Ausnahmefällen- schwerkranke Menschen die rechtliche Möglichkeit haben, um Sterbehilfe zu bitten. Es wird auch berichtet, dass Gaillot in der Kirche St. Sulpice in Paris im September 2013 eine Bestattungsfeier für seinen atheistischen Freund Prof. Albert Jacquard gehalten hat. Mit ihm zusammen hat Gaillot Jahre lang für die Rechte der Obdachlosen und Wohnungslosen gekämpft.

Zur christlichen Spiritualität im engeren Sinne wurde er auch befragt: „Seit meinem 76. Lebensjahr nehme ich etwas Abstand von allem. Ich spüre sehr stark die Anwesenheit Gottes in jedem Menschen. Die Messe feiere ich im Haus der Spiritaner-Patres hier. Aber hier in Paris ruft man mich ständig, man lädt mich ein, man braucht meine Hilfe“. Menschlichkeit, Solidarität, Teilen des alltäglichen (armen) Lebens der absoluten Mehrheit der Bevölkerung: Das ist für Jacques Gaillot am wichtigsten. Das ist christlich. Spirituell. Religiös.

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