„Nicht religiös“: Tendenz steigend sogar in der arabischen Welt

Eine Umfrage von BBC und der Princeton University

Ein Hinweis von Christian Modehn

Wer sich in den arabischen Staaten sozusagen „innerlich“ vom islamischen Glauben und den dort gelehrten Dogmen löst, hat dann als „Nicht-Religiöser“ noch keine entsprechende weltanschauliche Gemeinschaft zur Verfügung. In den arabischen Staaten ist die ganze Kultur immer noch von islamischen Gesetzen und islamischem Brauch bestimmt und offenes Bekenntnis zum Atheismus nicht „willkommen“, milde gesagt.

Aber immer mehr Menschen in arabischen Staaten bezeichnen sich selbst als „nicht-religiös“: Und das mit steigender Tendenz. Nannten sich im Jahr 2013 nur 8 % der Befragten „nicht-religiös“, so sind es im Frühjahr 2019 bereits 13 % der Bevölkerung, bei Menschen unter 30 Jahren ist der Anteil 18 %.

Diese interessante Entwicklung des religiösen Bewusstseins in arabischen Staaten hat bisher in Deutschland meines Erachtens noch nicht die entsprechende Aufmerksamkeit gefunden. Sie berühren einen bislang unsichtbaren, aber offenbar stetigen Wandel der Mentalitäten in muslimisch bestimmten Staaten.

Die umfangreichen Studien und Interviews zu dem Thema hat „BBC News Arabic“ zusammen mit dem „Arab Barometer“ (mit Sitz an der Princeton University) realisiert: Mehr als 25.000 Menschen wurden in 10 arabischen Staaten interviewt (Algerien, Tunesien, Marokko, Ägypten, Irak, Jordanien, Libanon, Libyen, Sudan und Yemen sowie in den „Palästinensischen Gebieten“). Saudi-Arabien und die Emirate haben diese Interviews nicht zugelassen.

Es gibt große Unterschiede hinsichtlich der Entwicklung des Bekenntnisses „nicht-religiös“ in den einzelnen Ländern: Am stärksten sind die „Nicht-religiösen“ in Tunesien, mehr als 30 Prozent der Befragten bekennen sich als nicht-religiös. Liegt das an der gewissen demokratischen Entwicklung in Tunesien, möchte man denken. Hingegen ist der Anteil der Nicht-Religiösen auch sehr stark (25 %) in Libyen, das nun wahrlich alles andere als demokratische Ansätze vorzuweisen hat. Hat dort der Zusammenbruch der alten Herrschafts-Ordnung den Abschied von der alten Religion mit befördert? Sehr gering ist der Anteil der Nichtreligiösen in Yemen. Ist die dort offenbar starke Bindung an Gott sozusagen der letzte geistige Rettungsanker in einem von Brutalität, Mord und Totschlag geprägten Land?

Freilich: Wer sich in arabischen Staaten als „nicht-religiös“ bezeichnet, bleibt eingebunden (und sicher auch noch abhängig) von der traditionellen islamisch geprägten Kultur, der tief sitzenden Lebensphilosophie, den Gebräuchen und Sitten. Darum ist es kaum erstaunlich, dass noch immer die offen gelebte Homosexualität mehr Ablehnung findet als der „Ehrenmord“.

Bei allen Nuancen: Die Mentalitäten und damit langfristig auch die geltenden Normen für Gesellschaft und Staaten ändern sich, zwar ganz langsam, aber der Wandel des Denkens ist nicht zu übersehen. Die religiösen Autoritäten im Islam sind sehr oft auch alte Männer, die der Lebenswelt der Jüngeren sehr fern stehen, sie sprechen deren Sprache nicht, das religiöse System, eng verbunden mit den Mächtigen, verliert an Reputation.

Wenn man auf die europäische Geschichte etwa seit der Aufklärung schaut, ist klar und deutlich: Demokratie und Menschenrechte wurden erst dann in den Staaten bestimmend und geltend, als die Kirchen und die christliche Religion schwächer wurden. Diese Erfahrung werden wohl auch arabischen Staaten machen, hoffentlich, sage ich.
Und ich würde mir wünschen, dass auch dort vernünftige, kritische und liberale Formen der muslimischen Religion sich durchsetzen, eng verbunden mit den Menschenrechten, so, wie es ja auch in Europa einige vernünftige, liberale protestantische Kreise und Kirchen im Zuge der Aufklärung gab und gibt.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

Aktualisiert am 13. August 2019 durch CM

Die Kraft des Vergebens. Eva Kor vergibt dem SS Arzt Mengele

Im „Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon“ berichten auch KorrespondenTinnen über Erfahrungen, Begegnungen, Einsichten. Diesmal Monika Herrmann, Berlin, über eine Begegnung mit der Jüdin Eva Kor. Ihre Botschaft: Verzeihen ist eine Fähigkeit, die den Menschen befreit; er kann sich aus den angeblich ewigen negativen Gefühlen aus Haß und Verachtung lösen. Der dunkle Horizont im Leben lichtet sich im Akt der Vergebung, er ist ein Zeichen der Größe.

Vergebung bedeutet Freiheit
Über den Mut einer ungewöhnlichen Frau berichtet Monika Herrmann, Berlin, zuerst veröffentlicht am 17.9.2010

Eva Kor ist am 4. Juli 2019 gestorben. Eine großartige Frau. Ein Mensch, der vergeben kann (ohne dabei zu vergessen). Vor fast 10 Jahren veröffentlichten wir einen Beitrag von Monika Herrmann, als Erinnerung an Eva Kor.

Dass sie müde ist, lässt Eva Mozes Kor sich nicht anmerken. Die 76-jährige alte Dame mit der blond gefärbten Kurzhaarfrisur sitzt in der Berliner Martha-Kirche und erzählt ihre Geschichte: Rund 100 Zuhörer sind gekommen. Es ist die Geschichte eines Holocaust-Opfers, das seinen Peinigern vergeben hat.
Eva war ein kleines jüdisches Mädchen als sie und ihre Zwillingsschwester Miriam für so genannte Rassen-Experimente von Josef Mengele missbraucht wurden, von jenem SS-Arzt, der im Auftrag der Nationalsozialisten Menschenversuche an KZ-Insassen durchführte. Eva ist eines seiner Opfer; aber sie hat ihre Opferrolle verlassen. „Ich habe Mengele und all den anderen Nazis vergeben“, erklärt sie an diesem Abend in der Kreuzberger Kirche. Kann man das überhaupt?, fragen sich viele Zuhörer? Muss man nicht Menschen wie Mengele hassen? Und zwar für immer?
Seit rund 50 Jahren lebt Eva Mozes Kor in den USA. Aber Deutschland, das Land der Täter, ist immer wieder Ziel ihrer Reisen. Auch Berlin besucht sie dann. „Ich liebe diese Stadt, die Menschen sind sehr nett“, sagt sie höflich. Manchmal, wenn ihr beim Reden der Ärmel des hellblauen Kostüms ein wenig nach oben rutscht, wird die Häftlingsnummer sichtbar, die sie in Auschwitz eintätoviert bekam: A-7063 steht da noch immer lesbar auf ihrem rechten Arm.
Eva und Miriam werden 1934 im rumänischen Portz in einer jüdischen Familie geboren. Als 10-jährige werden sie mit ihren Eltern und den älteren Schwestern in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. „Als wir aus dem Waggon getrieben wurden, sah ich den grauen Himmel und den Stacheldraht. Miriam und ich wurden dann sofort von der übrigen Familie getrennt. Wir haben uns nie wieder gesehen“, erzählt Eva Kor. Die kleinen Mädchen begreifen erst allmählich, dass sie gebraucht werden für medizinische Experimente, die Mengele im Rahmen seiner Rassenforschung in Auschwitz an Zwillingspaaren macht. „Miriam und ich erfuhren von Gaskammern und Krematorien, wir lebten von da an mit dem Sterben der Menschen. Wir sahen ausgemergelte Kinderleichen und schliefen zwischen Ratten und Mäusen. In diesem Moment beschloss ich, zu überleben“, erklärt die alte Dame. Mehrmals pro Woche werden sie und Miriam von Mengele und seinen Assistenten für Versuchszwecke missbraucht. Weit über tausend Zwillingspaare haben unter diesen Versuchen in Auschwitz gelitten. Sie bekommen Tropfen in die Augen und Injektionen mit der Folge von hohem Fieber, manchmal reagieren sie mit Ausschlag am ganzen Körper. Es sind Chemikalien und Krankheitserreger, deren Wirkung im Körper getestet werden soll. Manche Kinder werden dabei ohnmächtig oder sterben.
Am 29. Januar 1945 wird Auschwitz von sowjetischen Soldaten befreit. „Wir hatten überlebt und waren endlich frei“. Wenn Eva Mozes Kor heute diesen Satz sagt, schwingt ein Hauch von Stolz mit in ihrer Stimme. Und dann erklärt die alte Dame, woher sie die Kraft zum Weiterleben nahm: Dass es immer Dinge in ihrem Leben gab, die ihr wichtiger waren als die Opferrolle. Dass sie Michael Mozes geheiratet und Kinder bekommen hat. In den USA führte sie eine Immobilienfirma, auch eine Hilfsorganisation für Kinder, die den Holocaust überlebt haben, hat sie gegründet. Eigentlich das ganz normale Leben einer emanzipierten Frau, Familienmutter und Unternehmerin. Ihre Schwester Miriam lebt inzwischen in Israel. Sie leidet an ihrer schweren Nierenerkrankung. 1992 spendet Eva ihre eine ihrer Nieren, um ihr Leben zu retten. Doch Miriam stirbt. Auch Eva Mozes Kor erkrankt an Tuberlose. Sind es die Spätfolgen der Versuche in Auschwitz? Sie vermutet es und weiß, dass die damalige IG-Farben-Pharmazeutika die Giftcocktails für die Versuche geliefert hat. Deshalb verklagt Eva Mozes Kor zusammen mit anderen Opfern die Nachfolgefirma BAYER. Sie fordern eine Entschädigung, die bisher nicht gezahlt wurde.
Als Eva Mozes Kor 1993 von einem amerikanischen Filmproduzenten gefragt wird, ob sie an einer Dokumentation über die Mengele-Experimente mitwirken möchte, sagt sie zu. „Es wäre schön, wenn sie einen ehemaligen SS-Arzt mitbringen könnten“, bittet sie der Filmemacher. Eva Mozes Kor findet Hans Münch, jenen Naziarzt, der mit Mengele zusammen gearbeitet hat. Sie besucht ihn in seinem Haus in Bayern. Münch, der Nazitäter, berichtet freimütig von Gaskammern und Krematorien in Auschwitz. Er gibt zu, dass er derjenige war, der die Totenscheine im Lager unterzeichnet hat. Eva Mozes Kor ist beeindruckt von seiner Offenheit und bittet ihn, mit ihr gemeinsam nach Auschwitz zu reisen. Münch soll dort – so will sie es – öffentlich die Existenz der Vernichtungsmaschinerie der Nazis erklären. Der ehemalige Lagerarzt stimmt zu und Eva Mozes Kor bedankt sich bei ihm dafür, indem sie ihm vergibt. Ein Freund stellt ihr schließlich die Frage, ob sie bereit wäre, auch Josef Mengele zu vergeben? Eva Mozes Kor sagt, dass sie dazu innerlich sofort bereit gewesen sei. „Warum sollte ich das nicht tun“? fragt sie sich und beschließt, diesen Akt der Vergebung öffentlich und in Auschwitz zu vollziehen. „Ich fühlte, dass ich dazu die Kraft hatte“.
Es ist der 50. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz als Eva Mozes Kor, begleitet von einem Kamerateam und ihrer Familie auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslager steht. Auch der Täter Hans Münch ist gekommen und verliest seine Erklärung, die bestätigt: Ja es gab Auschwitz, lautet seine Botschaft, die Eva Mozes Kor wichtig war. „Es gab ja immer noch die vielen Holocaustleugner, die nun endlich von einem ehemaligen Täter die Wahrheit erfuhren“. Dann geht sie selbst ans Mikrophon: „Ich vergebe Josef Mengele und allen Nazis, die an der Ermordung der Juden beteiligt waren“, lautet ihre Amnestie-Deklaration. In diesem Moment sei die Bürde des Schmerzes von ihren Schultern gefallen, sagt die alte Dame. „Ich fühlte mich frei, glücklich und vor allem nicht mehr als Opfer. Ich war keine Gefangene meiner tragischen Vergangenheit mehr“.
Wenn sie heute gefragt wird, wie ihre Vergebungsbotschaft bei anderen überlebenden Juden angekommen ist, wird ihre Stimme deutlich leiser. „Ich bin sehr traurig, dass die meisten Überlebenden meine Haltung nicht teilen“, sagt sie. „Aber so einen Schritt zu tun, erfordert sehr viel Kraft und jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er diese Kraft hat“. Die meisten der noch lebenden Opfer hätten ihre Haltung gegenüber den Nazitätern nicht geändert. „Sie denken gar nicht über eine Vergebung nach, sie hängen vielmehr an ihrem Schmerz, und schweigen lieber über ihre Leiden und ihren Hass unf geben all das weiter an die nächsten Generationen! Damit werden sie dann selbst zu Tätern. Dabei bedeutet Vergebung auch Heilung der Seele“. Eva Mozes Kor wird nicht müde, immer wieder zu betonen, dass ihr Schritt ein ganz persönlicher war und ist. Sie verschweigt auch nicht, dass es in ihrem Leben immer wieder Phasen gab, in denen sie zornig und wütend war auf alle Naziverbrecher. „Aber nur in der Vergebung, können die Opfer überhaupt weiterleben“, daran hält sie fest und stellt klar, dass ihre Art der Vergebung nicht religiös motiviert sei. „Ich bin keine fromme Jüdin“. Eva Mozes Kor will auch nicht die Erinnerung und das Vergessen verdrängen. Sie sagt, dass sie ihren Schritt der Vergebung letztendlich für die Opfer getan habe und nicht den Tätern damit helfen wollte.
Solche Sätze irritieren und provozieren auch. Und die alte Dame wird deswegen oft missverstanden, ja sogar angefeindet, sie erhält bitterböse Briefe, Anrufe und Emails. Denn die Filmdokumentation läuft immer wieder im amerikanischen und auch im israelischen Fernsehen. Gerade ist die Fassung ins Deutsche übersetzt worden. In der Kreuzberger Martha-Kirche war der Film Teil der Veranstaltung. Darin finden sich auch kritische Sätze. Die von Jana Laks beispielsweise. Sie ist auch ein überlebender „Mengele Zwilling“. Eva Mozes Kor’s Vergebungsakt bezeichnet sie als „unanständig“ und erklärt, dass man nicht etwas verzeihen könne, was Millionen Juden angetan wurde. Eva Mozes Kor hält solche Art von Kritik und Anfeindung aus. „Ich spreche für mich und nur für mich“, sagt sie immer wieder. An diesem Abend lautet ihre Botschaft: „Vergebung ist doch ganz einfach und kostet kein Geld, deshalb kann das auch jeder“.
Der Berliner Rabbiner Andreas Nachama sagt, dass eine Auschwitz-Überlebende natürlich Mengele und all den anderen Naziverbrechern vergeben könne. „Sie kann es nicht im Namen aller Opfer tun, aber wenn sie das für sich selbst so entscheidet und nur für sich spricht, ist es OK“. Der „reformierte Rabbiner“ will Eva Mozes Kor Vergebung nicht kritisieren. Auch in der Kreuzberger Martha-Kirche findet sie viel Zustimmung. Kritik gibt es an diesem Abend nicht, eher Verständnis. Schließlich spiele Vergebung auch in der Bibel eine wesentliche Rolle, meint ein Zuhörer. Eine Frau im mittleren Alter sagt, dass die Praxis der Vergebung tatsächlich ein großes Geschenk für denjenigen sei, der vergibt. Eva Mozes Kor ist in die USA zurückgekehrt. Aber sie hat versprochen wiederzukommen.
Copyright: Monika Herrmann

Die Hedwigs – Kathedrale in Berlin wird jetzt umgebaut: Mindestens 60 Millionen Euro nur für Steine…

Ein Hinweis von Christian Modehn

1.

Alle Kritik, alle Debatten, sogar der Gerichts-Prozess haben nichts genützt. Die Hedwigskathedrale in Berlin-Mitte wird jetzt definitiv umgebaut. Die Arbeiten haben begonnen, meldet die „erzbischöfliche Pressestelle“. Wie hat doch Erzbischof Koch treffend schon am 1.11.2016 geschrieben: Er habe entschieden: „Die Umgestaltung der Kathedrale in ANGRIFF ZU NEHMEN“.

2.

Es ist wirklich ein Angriff, diese Entscheidung für den Umbau, ein Angriff auf die Vernunft in mehrfacher Hinsicht. Nicht nur, wenn man dringend den Erhalt dieses kunsthistorisches Denkmals fordert. Darüber ist inzwischen das meiste gesagt worden.
Erinnern sollte man sich in den kommenden Jahren an die Worte des Richters Marcus Rau vom Verwaltungsgericht, der die Klage im Januar 2018 zugunsten des Erhalts dieser Form der Kathedrale zurückgewiesen hatte. Er nahm in seiner Entscheidung FÜR den Umbau explizit Rücksicht auf die „Selbstbestimmung der Kirche“. „Ginge es um eine normale unter Denkmalschutz stehende Immobilie, könnte die Entscheidung durchaus anders ausfallen“, berichtete die Presse, etwa auch die „Berliner Morgenpost“. Das heißt: Die doch wohl unabhängige Justiz in Deutschland nimmt im Fall der Hedwigskathedrale also Rücksicht auf den rechtlichen Sonderstatus der Kirche. Kann man besser belegen, dass es nicht nur keine Trennung von Kirche und Staat in Deutschland gibt? Sondern auch, dass die Rechtssprechung, angeblich neutral, die kirchlichen Eigenwelten und Eigengesetze voll respektiert. Wofür braucht die Kirche noch eine staatliche Rechtsprechung?

3.

Wichtiger scheint mir aber: Es sind bis jetzt (die Summe wird sicher noch größer, wie üblich bei Bau-Maßnahmen) 60 Millionen Euro für den Umbau der Kathedrale und die Neugestaltung des benachbarten Bernhard Lichtenberg-Hauses geplant. Dort wird auch eine Wohnung für den Erzbischof und seinen Haushalt renoviert bzw. neu errichtet, dieses Detail erwähnt die Pressemeldung vom 1.7.2019 nicht.
Und es ist Ausdruck des prächtigen Zusammenarbeitens von Kirche und Staat, dass 12 Millionen Euro vom Bund und 8 Millionen Euro vom Land Berlin für die Umgestaltung der Kathedrale stammen.

Armes Land, arme Republik, die so viel Geld in ein sinnloses Umbauprojekt vergeuden. Denn eine maßvolle, bescheidene Renovierung der Kirche und damit das Belassen im alten Zustand, hätte, so sagen Fachleute, nicht mehr als 10 Millionen gekostet. Und die hätte die Kirche ja durch Spenden aufbringen können.

4.

So werden mindestens 60 Millionen Euro in Steine „gesteckt“. Bloß damit der Klerus seine Messen und Pontifikalämter etwas dichter an der Gemeinde steht, also an einem neu eingerichteten Altar, die ewig selbe Liturgie zelebrieren kann. Als würde dadurch eine neue Nähe zwischen Laien und Klerus erzeugt! Nachdenkliche Laien haben sich ohnehin von diesem, die Steine und die eigene Herrschaft liebenden Klerus abgesetzt und „à Dieu Kirche!“ gesagt. Meint der Klerus im Ernst, eine teuer umgebaute Kathedrale würde die Zustimmung zum (Berliner) Katholizismus insgesamt erhöhen, wie die offizielle Pressemeldung suggeriert….

40 Millionen stellt nun die Kirche selbst zur Verfügung. Sie hat ja ohnehin Geld wie Mist , obwohl sie ständig um Spenden bettelt. Denn die Katholiken treten zwar in Scharen aus der Kirche aus, aber die Kirchensteuern fließen noch heftig hinein in den bekannten Milliarden Euro –Bereich.

5.

Warum so viel Phantasielosigkeit in dieser Klerus Kirche? Was hätte denn die Kirche tun können, wenn sie sich an ihre eigenen Worte erinnert hätte, von dem armen Propheten Jesus von Nazareth und seinem Lebensentwurf ganz zu schweigen: Also, allzu viele Predigten tönen doch vollmundig so: Zuerst den Menschen nahe sein. Eine Kirche für die Armen sein, wie dies Papst Franziskus ständig fordert und nicht durchsetzt: Bekanntlich werden Bischofspaläste nach wie vor großzügig errichtet. Und vom Verkauf einiger Immobilien des Vatikans in Rom hat man auch nichts gehört. Alles frommes Gerede also, diese „Option für die Menschen, besonders die Armen“. .
Um noch einmal, und für uns zum letzten Mal in dieser Sache, um die christliche Phantasie in Gang zu bringen: Nur einige Beispiele: Die Kirche hätte doch bei einer bescheidenen Renovierung die übrig gebliebenen 50 Millionen für Bildungsprogramme ausgeben können, auf dem Land, in Brandenburg, um die „Ursünde“ des Rassismus, der Fremdenfeindlichkeit und des Antisemitismus zu bekämpfen. Oder: Sie hätte viele kleine Bildungshäuser für ökologische Aktionen einrichten können, hätte zwei kaum noch genutzte große Kirchen zu Wohnungen für Familien und Flüchtlinge umbauen können; sie hätte so genannte Laien, Frauen und Männer, ausbilden können, die in den zunehmend „priesterlosen Gemeinden“ verantwortlich das Gemeindeleben wieder in Schwung bringen und selbstverständlich Gottesdienste und Eucharistie feiern. Sie hätte offene kleine Treffpunkte des Gesprächs mieten können für den Dialog der Berliner untereinander, über Gott und die Welt. Um dem langweiligen Programm der katholischen Akademie Berlin einen Gegenakzent zu setzen…

6.

Die Kirche hätte also in Menschen „investieren“ können und damit öffentlich gesagt: Diese umfassende Neugestaltung der Kathedrale ist uns überhaupt nicht so wichtig. Wichtiger sind uns die Menschen. Die Stärkung der Kommunikation, der Friede in der Stadt usw….
Die Hedwigs- Kathedrale ist auch ihrem Gründer und Bauherrn in gewisser Weise verpflichtet: Dem Philosophenkönig Friedrich II.! Für ihn war die religiöse Toleranz entscheidend wichtig. An den Geist ihres Baumeisters denkt kaum noch ein Katholik im positiven Sinne! Den Geist der Toleranz zu verbreiten, wäre jetzt möglich gewesen, wenn man die 50 Millionen für einen Total-Umbau eingespart hätte – zugunsten der Menschen.
Vielleicht hätten dann bei dieser Großzügigkeit die Menschen Beifall gespendet und endlich mal Bravo zu dieser Kirche gesagt, die in der Korruption des Missbrauchs förmlich erstickt und deswegen zurecht den allgemeinen „Vertrauensschwund“ beklagt-

7.

Aber nein: Der Klerus und die wenigen ihm noch gehorsamen Laien lieben mehr die Steine, die neuen Granitplatten in der Hedwigs – Kathedrale und sonstiges Gestein: Ein Jammer ist das und ein theologischer Skandal.
Und jetzt ist man so hartnäckig und wird wohl zu jeder Kleinigkeit des Umbaus zu einem Fototermin eingeladen, Start ist die Abnahme der Pfeifen, der Orgelpfeifen, in der Kathedrale am 3.7.2019. Und dann gehen die Foto Termine sicher weiter.

Copyright: Christian Modehn, Journalist und Theologe. Religionsphilosophischer Salon Berlin

Aktualisiert am 7. November 2024 durch CM

Katholizismus in Polen heute: Noch machtvoll. Geistig, spirituell, theologisch aber am Ende…

Ein Hinweis von Christian Modehn

Der Niedergang und das spürbare Ende des Katholizismus, in seiner bisherigen Gestalt, ist natürlich immer wieder auch ein Thema der Religionskritik.

Man kann froh sein, dass es kirchenunabhängige Medien in Deutschland gibt. Die objektiv über die religiösen Zustände in Europa berichten, etwa über Polens katholische Kirche heute. Darum möchte man besten Dank sagen, dass die „Polen Analysen“ des Deutschen Polen Instituts in Darmstadt in der neuesten Ausgabe vom 20. Juni 2019 gleich zwei wichtige Beiträge zum Thema bringen:

Der bekannte Spezialist für den polnischen Katholizismus, Dr. Theo Mechtenberg, Bad Oeynhausen, bietet einen Überblick: „Polens katholische Kirche im Krisenzustand“ ist der Titel seines Beitrags. Er handelt von Jahre langen, bis heute dauernden „Vertuschungen sexueller Vergehen der Priester in Polen“. In ersten vorsichtig-bischöflichen Dokumenten jetzt zum Thema „bleiben die Opfer unerwähnt, kein Täter wird namentlich genannt…“, es herrscht vor die „Verharmlosung und Vertuschung“. Straffällig gewordene Priester wurden immer wieder versetzt in andere Gemeinden. Die Auseinandersetzung haben nicht etwa die mehrheitlich ultra konservativ und oft nationalistisch eingestellten Bischöfe von sich aus gemacht! Sie wollten schließlich den angeblich guten Ruf der Kirche als Schützerin der Nation unbedingt bewahren…. Nein, es waren wieder einmal die Journalisten und Filmemacher, die das nahezu unglaubliche Ausmaß an sexuellem Missbrauch durch Priester freilegten: Durch den Film „Kler“ (Klerus) und vor allem durch die Dokumentation „Sag es nur keinem“ (so die Übersetzung) der Brüder Marek und Tomasz Sekielski!
Besonders aktiv im Missbrauch von Jungen ist etwa der hoch berühmte Pater Eugeniusz Makulski aus dem Marianer – Orden, er hat ein monumentales Denkmal zu Ehren von Papst Johannes Paul II. in Lichén gebaut: Der Pater kniet zu seinen Füßen, die Kirche dort ein Bauwerk der Superlative. Superlativ sind auch die Missbrauchsaktionen des Paters, seine Korruption, seine Liebhaber (in dem Fall sein Privatchauffeur und Gärtner). Nach Ausstrahlung des Films wurde dieses grässliche Denkmal verhüllt. Der polnische Jesuit und Psychotherapeut Jacek Prusak macht sogar den besseren, den radikalen Vorschlag: „Ich würde es ohne Skrupel entfernen“.

Man sieht, die wenigen vernünftigen Theologen in Polen sind höchst erregt und heftigst empört, über den Zustand dieser Kirche, die alle Welt bekanntermaßen immer noch mit ihren Priestern beliefert…
Theo Mechtenberg schreibt: „Man wird sicher Frage stellen müssen, inwieweit die massenhafte Pädophilie von Priestern (in Polen) durch das herrschende kirchliche System bedingt ist“ (S. 5). Was er leider nicht sagt: Wer diese massenhafte Pädophilie der Priester einschränken will, sollte dieses klerikal System selbst abschaffen, weil es krank ist, man sollte also diese Kleruskirche abschaffen, das wagt bis jetzt nur noch niemand zu sagen. Immerhin: “Nach einer jüngsten Untersuchung fordern 54 Prozent des Befragten (Polen) den Rücktritt des gesamten Episkopates“. Das ist doch beträchtlich, ein Schritt in die richtige Richtung. Doch gibt es so viele „korrekte“ Ersatz-Bischöfe überhaupt noch?

Mit besonderem Interesse wird man auch das ausführliche Interview mit dem schon genannten Jesuiten Jacek Prusak, Krakow, lesen. Und kann dabei nur hoffen, dass er nach der Veröffentlichung nicht aus dem Orden rausgeschmissen wurde. Prusak legt genau frei: Die Opfer spielen in der oberflächlichen Form des Umgangs mit sexuellen Verbrechen durch Priester eigentlich keine Rolle. Das Opfer wird nur als Bittsteller vom Klerus angesehen. Das liegt daran, „dass der Klerus kein Vertrauen zu den Laien hat“ (S. 8). Sehr treffend sagt der Jesuit: „Die Kirche sind die Geistlichen und der Rest ist für sie nur eine Zugabe… Der Klerus nützt die Macht aus, auch die Symbolik des geistlichen Standes… Die Leute in Polen denken: Wenn du dem Priester dienst, dienst du Gott“ (S. 9 und 10).
Was in Polen geschieht und eigentlich in allen Ländern jetzt, ist das tatsächliche geistige, spirituelle und theologische Ende dieser so verfassten römischen Kirche. Sie kann zwar mit viel Geld und viel Pomp noch fortbestehen und von naiven, wundersüchtigen Leuten noch unterstützt werden: Aber de facto ist sie in der Einschätzung nachdenklicher Glaubender oder Nichtglaubender am Ende. Eine religionsgeschichtliche Epoche geht zu Ende!
Was kommt danach: Sicher keine Super-große Institution, wie dies die katholische Kirche heute ist. Diese kann bei 1,3 Milliarden Mitgliedern doch kein alter Mann (Papst) mit einigen anderen älteren Männern mehr „leiten“. Dass diese Kirche de facto heute auseinanderbricht, sieht man so unterschiedlichen Glaubensformen und Glaubensinhalten etwa in Zaire oder den USA, in Indien oder Deutschland… Zukunft haben kleine Gemeinschaften, die sich um einen vernünftigen, humanen und humanistischen Glauben bemühen in voller Gleichberechtigung von Frauen und Männern, Heterosexuellen und Homosexuelle… aber das ist ein anderes Thema!

Noch einmal die treffenden Worte Pater Prusaks: „Wir haben es mit der größten Krise in der katholischen Kirche seit der Reformation zu tun, eine Krise, die wir auf eigenen Wunsch geschaffen haben. Es sind doch keine Außerirdischen, die Kinder in der Kirche missbrauchen noch tragen ihnen dies die Feinde der Kirche auf“ (S. 11).
Der Jesuit plädiert mutig, wie er ist, dafür, den seit langem hoch umstrittenen Bischof von Danzig, Erzbischof Leszek Glodz, zum Rücktritt zu drängen und in dieser Rücktrittsforderung durch die Laien „konsequent nicht nachzulassen“. Der Erzbischof ist nebenbei, ein heftiger Unterstützer des antisemitischen katholischen Medien- Imperiums Radio Maryja. Schon Lech Walesa hat sich gegen diesen klerikalen Machthaber gewendet.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

Der § 175 ist in der katholischen Kirche heute immer noch gültig!

Die Verlogenheit der Kirche und der §175
Ein Hinweis von Christian Modehn anläßlich des „Stonewall“ (Greenwich Village, New York) Gedenktages

Ohne Widerstand geht es oft nicht, wenn denn die Unvernunft und der Hass der Mehrheit zu groß sind: Allein deswegen haben sich die Schwulen den ständigen Razzien der Polizei in New York dann doch tatkräftig widersetzt und durch ihren Mut, ihre Bereitschaft zu kämpfen gegen die “Staatsorgane“, tatsächlich Geschichte gemacht. Das war vor 50 Jahren: In der Nacht vom 27. zum 28. Juni 1969. Ein Gedenktag! Und mehr als das, ein Tag zum Weiterdenken und Weiterhandeln.

Diesen Tag also gilt es zu erinnern, als den Beginn einer homosexuellen Selbstbefreiung weltweit. Die zahlreichen CSD Veranstaltungen heute auf allen Kontinenten, (Ausnahme: praktisch alle islamisch geprägten Staaten und sich irgendwie christlich nennenden Staaten in Afrika) sind nur möglich geworden dank „Stonewall,“ so hieß die Bar, in der die Revolution der Freiheit in New York begann. Seitdem sind Homosexuelle – prinzipiell – keine Kranken, keine Außenseiter, keine Perversen mehr, sondern zu respektierende Mitmenschen.
Das sage ich, im Blick auf die Religionen, zumal die christlichen, die mich besonders interessieren: Es gibt immer noch in den leider stets mächtiger werdenden evangelikalen/pfingstlerischen Kirchen den – noch nicht per Gesetz verbotenen – Wahn: Junge Homosexuelle systematisch, therapeutisch genannt, umzupolen. Und nur ein weiteres Beispiel: Es gibt immer noch keine normalen Feiern der Ehe für Homosexuelle in christlichen Kirchen(gebäuden), ausgenommen die Remonstranten Kirche in Holland. Viele andere sagen ängstlich Ja und Nein dazu, zögern und verschleiern die eigene Homophobie. Und ihre Bindung an sehr konservative Geldgeber.
Ich betone immer wieder: In der römisch –katholischen Kirche besteht der alte §175, der Paragraph der Ausgrenzung und Verfolgung, weiter! Er wurde besonders unter Hitler, und dann ganz selbstverständlich auch in den ersten Jahrzehnten der BRD, von den damals vorherrschenden Nazi-Juristen, angewendet.

Also, man sage es allen, die es hören wollen oder auch nicht: Der §175 besteht in der katholischen Kirche weiter. Denn:
Homosexuelle Männer dürfen nur Priester oder hauptberufliche Laientheologen (z.B. Pastoralreferenten) werden, wenn sie sich selbst als Homosexuelle verstecken und verleugnen und als Zeichen der Treue zur Hierarchie laut gegen Homosexuelle öffentlich sprechen. Die Kirchenführung hat es geschafft, ihren wichtigen Mitarbeitern die erotische und sexuelle Liebe zu verbieten. Man glaubt heute zu träumen, wenn man das schreibt oder liest. Was für ein offizieller Wahn! Tatsächlich sind ja sehr viele der jetzt tätigen Priester selbst homosexuell. Der polnische Jesuit und Psychotherapeut Jacek Prusak meint etwa im Blick auf Polen, „dass es in der polnischen Kirche heute tausende homosexueller Priester gibt“ (zit. in Polen Analysen, Darmstadt, 18.6.2019, Seite 5).Alles Männer, die sich verstecken, die lügen, in Heimlichkeiten ausweichen, den immer noch für heilig gehaltenen Sonderstatus des Klerus ausnützen, um sich Privilegien zu leisten….Dass diese verkrampften homosexuellen Priester auch nur etwas tun für den Respekt für Homosexuelle in Staat und Gesellschaft,ist natürlich ausgeschlossen. Das gilt für Polen, für Deutschland,für die Ordenspriester hier und die Weltpriester genauso. Da macht niemand den Mund auf, von Pater Mertes SJ abgesehen. Diese verkrampft-kranken Priester haben nur Angst, selbst „entdeckt“ zu werden.
Dieses Sich Verstecken ist eine Form systematischen geistigen Selbstmordes. Können solche seelisch geschädigten Männer Seelsorger sein?
Viele begehen aus Karrieregründen diesen geistigen Selbstmord und verstecken sich, gelegentliche Sex-Abenteuer, die bitte niemand sieht, eingeschlossen.
Diese Typen, möchte man beschreibend sagen, die man im Klerus allenthalben findet und fand, sind seelisch tief irritiert und, sorry, kaputt, weil sie auf Dauer, lebenslänglich, zur absoluten Verlogenheit verpflichtet sind. Und dies nur um der Karriere willen.
Für wie begrenzt und dumm hält man eigentlich die Gemeinden, dass sie einen offen homosexuell lebenden Priester nicht akzeptieren könnte? Oder lesbische Nonnen, die eine Gemeinde leiten?
Es ist die tiefe Abscheu vor der Sexualität und der sexuellen Lust und Liebe, die zum „Urgestein“, zum Urdogma, der meisten christlichen Kirche gehört, besonders im Katholizismus. Man denke daran: Die Erbsünde (ein notwendiges Konstrukt für die Notwendigkeit der (Baby-) Taufe) wird im Moment der Zeugung, also inmitten der Lust, übertragen. Das ist offizielle Lehre! D.H.: Sexuell geprägte Liebe ist sündhaft und Erbsünde erzeugend!

So wird das klerikale System, und das römisch- katholische System ist total klerikal, zum Lügensystem. Lüge wird zur Tradition! Lüge bestimmt förmlich den vatikanischen Alltag, man denke an die Verschleierungen im Zusammenhang vatikanischer Gelder oder vatikanischer Immobilien. .
Man denke nur an den Gründer des Ordens der Legionäre Christi, Pater Marcial Maciel, den man den Großmeister der Lüge nennen kann. Wir haben im Re¬li¬gi¬ons¬phi¬lo¬so¬phi¬sch¬en Salon über ihn berichtet, den selbst Papst Benedikt XVI. wegen der pädophilen Untaten einen Verbrecher nennen musste. Mit diesem Gründer vor Augen besteht der Orden der Legionäre Christi nach wie vor und genießt den immensen Reichtum, den ihr Gründer sich durch allerhand Tricks angeeignet hat.
Für eine Religion, die sich auf den Propheten Jesus von Nazareth beruft und die manchmal auch die Bergpredigt oder die wichtigen „Endzeit Reden Jesu“ liest, ist das Fortbestehen des §175 IN der Kirche nicht nur ein unerträglicher humaner Skandal, sondern, wenn man es denn theologisch will, Sünde.
Aber so lange die vielen verklemmten und seelisch verdorbenen, d.h. versteckten Schwulen das Leben dieser Kirche bestimmen, wird sich daran nichts ändern.

Der Klerikalismus als „ewiges“ Gesetz der Kirche ist wohl das größte Verbrechen am Geist des Propheten Jesus von Nazareth. Das sagen ja nun schon fast alle Bischöfe im Zusammenhang des sexuellen Missbrauchs durch so genannte zölibatäre Priester. Aber sie beenden den Klerikalismus, diese einzige „Erbsünde“, nicht.

Der Glaube als freies Erleben freier Menschen im Zusammenhang des Göttlichen findet anderswo statt. Außerhalb DIESER Kirchenmauern.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

Der Glaube muss vernünftig sein! Forderungen eines äthiopischen Philosophen am 17. Jahrhundert!

Ein Hinweis auf das wichtige Buch des äthiopischen Philosophen
Zär ´a Yaqob (1599 – 1693).
Von Christian Modehn

1.

Den Versuch, den Glauben unter den Bedingungen des Christentums und der Kirchen vernünftig zu begründen und sich persönlich an diesen vernünftigen Glauben auch zu binden, hat es schon im 17. Jahrhundert gegeben. Nicht etwa nur in Frankreich oder in England, wo die rationalistische Theologie eine gewisse Rolle spielte. Sondern, ein Europäer glaubt es kaum, in Äthiopien: Zär´a Yacob heißt der Autor seiner „Untersuchung“. Dieser Text liegt auf Deutsch vor, er sollte viel mehr beachtet werden, nicht nur aus wissenschaftlichen Gründen, sondern durchaus auch, weil er ein aktueller spiritueller Impuls ist. Erschienen ist der Text in der Edition Victoria, Wien.
Der Leser ist überrascht, wie modern die Erkenntnisse des äthiopischen Gelehrten sind. Er bietet Elemente der Reflexion für einen Glauben an die göttliche Wirklichkeit, einen Glauben, der ganz elementar ist, möchte man sagen, also ganz einfach, nachvollziehbar ohne Hinweise auf mysteriöse Ereignisse, Wunder, Heiligengestalten usw. Der Autor zeigt, dass die menschliche Beziehung zu Gott eher ein Wissen als ein Glauben im Sinne eines bloßen eher willkürlichen „Für-Wahr-Haltens.

2.

Zär´a Yacob war gründlich ausgebildet in den christlichen Traditionen, vor allem der koptischen Tradition, er kennt die Bibel, vor allem die Psalmen des Alten Testaments. Er zitiert auch Texte des Neuen Testaments, etwa aus dem Johannes-Evangelium. Er lebte zu einer Zeit, als in Äthiopien nicht nur die koptische Kirche stark war und dort Juden und Muslime lebten, sondern auch Katholiken ihre Mission, z.T. erfolgreich im Königshaus betrieben, bis hin zur Etablierung des Katholizismus („Frang“ in Äthiopien damals genannt) als Staatsreligion! In jedem Fall gab es viel Streit vor allem zwischen Kopten und Katholiken. Was ist die Wahrheit des Christentums?
In dieser Situation formuliert Zär´a Yacob seine Vorschläge, die auch dem Frieden in der Gesellschaft dienen sollten. Ihm geht es um eine universelle Wahrheit, die über den Konfessionen steht.

Aber der alles entscheidende Mittelpunkt seiner vernünftigen Theologie oder treffender Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie ist die Erfahrung der Welt als Schöpfung Gottes. Dies ist die alles entscheidende Basis seines Denkens und seines Lebens. Und zu der Erkenntnis gelangt Zär´a Yacob durch die alte metaphysische Überlegung, dass alles Gegebene dieser Welt endlich ist, also irgendwie gemacht sein muss von einem „Schöpfer“, der selbst nicht seinerseits auch noch geschaffen ist, sondern eben ewig und ungeschaffen.
Die einzige Frage ist: Sind wir bereit, diese Welt als Schöpfung Gottes, um bei dem Symbol-Begriff zu bleiben, zu verstehen? Alle weiteren theologischen Überlegungen ergeben sich dann von selbst. Es sind Überlegungen der Vernunft, die keine weiteren Wunder braucht als eben die Annahme des einen Wunder, dass „es diese Welt gibt“. Es ist die Vernunft des Menschen (als göttliche Schöpfungsgabe), die entscheidet, was vernünftig ist und menschlich. Dogmen werden so selbstverständlich zweitrangig, wenn nicht überflüssig. Auch die üblichen kirchlichen Gebräuche, wie das Leben im Kloster mit dem Verzicht auf gelebte Sexualität oder die rigiden Fastengebote auch im Islam, werden in Sicht Zär´a Yacobs überflüssig und unvernünftig. Er stellt die provozierende und durchaus mutige Frage: „Ist alles wahr, was in der Heiligen Schrift geschrieben steht“? Und seine Antwort ist: Natürlich ist nicht alles wahr, weil es unvernünftig ist! „Wenn wir mit dem vernünftigen Licht unseres Herzens richtig umgehen, kann es uns nicht in die Irre führen“, schreibt Zär´a Yacob. Und dann folgt der entscheidende Satz: „Denn die Bestimmung dieses Lichts, der Vernunft, die uns unser Schöpfer gab, ist die: uns zu erretten und nicht uns zu verderben. Alles, was das Licht unserer Vernunft uns zeigt, stammt aus der Quelle der Wahrheit“. Das heißt: Die von Gott gegebene Vernunft im Menschen ist selbst rettend, hat also eine erlösende Bedeutung. „Unsere Seele besitzt die Fähigkeit, sich einen Begriff von Gott zu machen und ihn geistig zu erfassen“ (S. 29). Auch die Grundlagen der Ethik sind vernünftig erkennbar, etwa die „Goldene Regel“, die Zär´a Yacob ausdrücklich als Vorbild erwähnt (S. 31).

3.

Darum wundert man sich nicht, wenn von der besonderen Erlösergestalt Jesus von Nazareth in dem kleinen Text keine Rede ist . Zär´a Yacob denkt förmlich dialektisch: Der Mensch erlöst sich selbst kraft seiner Vernunft. Aber es ist die göttliche Gabe Vernunft, die da erlösend tätig ist. Insofern ist also auch Gott der letzte Grund der Erlösung durch die Vernunft und vernünftiges Handeln. Für die Hüter der wahren, weil alten Lehre sind diese Einsichten natürlich ein Skandal, wird doch die alte klerikale Ordnung erschüttert. Aber die Vernunft muss sich von Ketzerei-Vorwürfen nicht verwirren lassen. Was meint Zär´a Yacob? Zu Beginn der Kirchengeschichte waren die reinen Lehren des Evangeliums „nicht schlecht“, meint der Autor. Es war die Botschaft der Liebe und Barmherzigkeit. Aber mit den machtvollen Konfessionen wurde dann „die vom Evangelium empfohlene Nächstenliebe beiseite geschoben und durch Hass, Gewalt ersetzt. Meine Landsleute haben ihren Glauben bis hinein in seine Grundlagen zerfetzt, sie lehren Eitelkeiten, sie tun Böses, und sie werden fälschlicherweise Christen genannt“ (S. 27)

Angesichts dieser Situation totaler christlicher Verlogenheit rettet nur die Vernunft Religion, meint Zär´a Yacob.

4.

Bezeichnenderweise konnte er diese Gedanken nur in der Einsamkeit, im Rückzug vor den bedrohlich konfessionalistischen Menschen in einer Höhle, entwickeln! Nur weniges, was er dort meditativ erkannte, schrieb er auch auf. Leider! Denn er sah sich bedroht und musste seine Erkenntnisse in der Öffentlichkeit verbergen und verleugnen. Aus dem einfachen Grunde, um nicht als Ketzer ausgelöscht zu werden. Man denke, in einer Parallele, etwa an Abbé Meslier (1664 – 1729) in Frankreich, der als katholischer Priester weiterhin die Messe las und predigte, obwohl er in seiner eigenen Theologie längst zum Atheisten geworden war. Siehe dazu meinen Aufsatz. Wie viele große Denker gab es und gibt es, die es nicht wagen, zu ihrer eigenen Erkenntnis und Konfession öffentlich zu stehen?
Zär´a Yacob hat diesen jetzt vorliegenden Text nur auf Bitten seines Schülers Waldä Heywat geschrieben! Auch von ihm ist in dem Buch ein weiterführender Text veröffentlicht, der allerdings meiner Meinung nach nicht die Radikalität seines Lehrers erreicht.

5.

Das Buch aus der „edition Victoria“ ist 2008 in Wien erschienen und noch immer, Gott sei Dank, im Buchhandel zu haben. Es wurde von Victoria Frysak und Bekele Gutema herausgegeben und hervorragend betreut, auch in der Übersetzung und den erklärenden Kommentaren.
„Zär ´a Yaqob. Eine äthiopische Weltanschauung“ ist der Titel des Buches. Es hat 134 Seiten und kostet 16,50 Euro!

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

Aktualisiert am 2. September 2023 durch CM

Die rechten Populisten und Rechtsextremen sind Flüchtlinge

Ein Kommentar zum Weltflüchtlingstag am 20.6.2019
Von Christian Modehn

Der Beitrag unten hat bei einigen LeserInnen Fragen hervorgerufen, das ist gut so und der Sinn dieser Beiträge auf dieser Website. Aber auch Irritationen und Missverständnisse zu diesem Hinweis wurden mitgeteilt.

Ich will deswegen noch einmal, am 23.6.2019, in aller Kürze den Gedankentag meines Beitrags deutlich machen.

Der Beitrag ist anlässlich des Welttages der Flüchtlinge (20.6. 2019) geschrieben worden. Darauf liegt der Focus.

Die zentrale These ist darauf bezogen: Es gibt zunehmend in Deutschland (und in ganz Europa) Menschen, die ihre politische Einstellung, ja ihre Lebenseinstellung im ganzen, vor allem über ihre Ablehnung der jetzt hier schon lebenden oder noch kommenden Flüchtlinge, etwa aus Afrika, definieren.
Diese Menschen lehnen die Flüchtlinge als „wesensfremd“, also auch als „gefährlich“ für unsere hiesige Gesellschaft ab. Sie wollen und können sich kein gerechtes Miteinander der Kulturen in Deutschland und Europa vorstellen. Diese Kreise werden im allgemeinen Sprachgebrauch rechtspopulistisch oder manchmal auch rechtsextrem genannt. Gelegentlich sind sie gewalttätig.

Ich schlage vor: Diese erklärten Gegner, wenn nicht Feinde der Flüchtlinge hier, sind selbst Flüchtlinge.
Das heißt: Rechtspopulisten und Rechtsextreme sind aus dem demokratischen, freiheitlichen, den Menschenrechten unbedingt verpflichteten Werten geflohen
.

In einer mehr formalen, allgemeinen Definition sind Flüchtlinge bekanntlich Menschen, die eine Gesellschaft, Gemeinschaft, einen Staat verlassen, freiwillig oder unter dem Druck der für sie subjektiv nicht mehr akzeptablen Verhältnisse.

Diese rechtspopulistischen Flüchtlinge geben als subjektiven Grund ihrer „inneren“, ideologischen Flucht an: Wir wollen mit allen Mitteln raus aus dieser Demokratie. Ein Grund dafür: Die Angst, den eigenen Wohlstand angesichts der „anderen“, also der Flüchtlinge aus Afrika und späteren Mitbürger hier, zu verlieren. Es ist die Angst vor einer gerechteren, demokratischen Gestaltung dieser Welt voller Ungleichheit.

Man könnte diese Flüchtlinge auch also als eine neue Form von Wirtschaftsflüchtlingen bezeichnen: D.h.: Sie leben in der Angst, dass Fremde, auch Flüchtlinge etwa aus Afrika, ihnen ihren Besitz und ihre Privilegien in Deutschland wegnehmen. Deswegen hassen eine demokratische Ordnung, die eine gewisse Gerechtigkeit für alle Menschen noch wünscht und auch fördern will.

Die Arroganz der Rechtsradikalen kann mindestens intellektuell gebrochen werden, wenn die Mehrheitsgesellschaft sie als Flüchtlinge im eigenen Land betrachtet und behandelt und als solche anspricht. Diese Leute sind aus der demokratischen Mehrheitsgesellschaft förmlich selbst „heraus gefallen“. „Flüchtlinge im eigenen Land“ gibt es ja in vielfacher Form, etwa in Kolumbien.
Nur ist es so, dass die Flüchtlinge im eigenen Land, in Deutschland, sich förmlich selbst vertrieben haben aus der Kultur dieses Landes, sie wurden zu Flüchtlingen, weil sie die Demokratie nicht mehr ertragen konnten und wollten.

D.h.: Diese Kreise sollten also, aufgrund dieser ihrer nicht zu akzeptierenden Ideologie, gründlich gebildet und informiert werden über die demokratische Kultur und ihre Gesellschaft. So, wie hierzulande die Flüchtlinge aus den muslimischen Staaten, manchmal fundamentalistisch orientiert, hier gründlich gebildet werden und mit der demokratischen Kultur der Menschenrechte vertraut gemacht werden. Dies als Voraussetzung für einen weiteren Aufenthalt in unserer Kultur.

Die rechtspopulistischen Flüchtlinge in Deutschland verlassen aber „nur“ geistig, „nur“ ideologisch, „nur“ politisch unser Land, unsere Kultur. De facto leben sie weiterhin in dem Land, der Kultur, der Gesellschaft, die sie eigentlich ablehnen. Und ihr Ziel ist: Dass dieses Land, aus dem sie ideologisch geflohen sind (auch wenn sie leibhaftig hier noch ihre Präsenz heftig zeigen), nach ihren Normen umgestaltet wird, Normen, die sie durchsetzen wollen: Diese Normen widersprechen dem Geist der Menschenrechte. Mit anderen Worten: Diese Leute als rechtsextreme Flüchtlinge unter uns haben das Ziel: Dass dieses Land die demokratischen Werte aufgibt, also die absolute Bindung an die Menschenrechte.

Der jetzt folgende, etwas längere Beitrag, wurde schon zum Welttag der Flüchtlinge am 20.6. 2019 verfasst. Er umschreibt die hier mitgeteilten Thesen noch einmal auf andere Weise. Und empfiehlt u.a. den geduldigen Dialog mit diesen Kreisen.

Dies ist der Beitrag, der am 18.6. 2019 zum Welttag der Flüchtlinge veröffentlich wurde:

Die rechten Populisten und ihre rechtsextremen Freunde sind Flüchtlinge.
Dies ist keine ironische Behauptung, sondern eine Tatsache. Diese sich lautstark und ständig unverschämt äußernden sehr rechten Kreise soll man also ganz stark einbeziehen, wenn man die umfassende Bedeutung des „Weltflüchtlingstages“ bedenkt. Damit soll der Ernst dieses „Welttages“ im Blick auf die materiell leidenden und seelisch tief verletzten und oft rechtlosen Flüchtlinge etwa aus Afrika überhaupt nicht geschmälert werden.
Es wird nur an die Tatsache erinnert, dass die Rechtspopulisten und Rechtsextremen fliehen oder geflohen sind: Sie sind Flüchtlinge aus der demokratischen Welt und ihres grundlegenden Prinzips: Und das sind die Menschenrechte. Diese können eben nur absolut und universal gelten, selbst wenn sie von den Demokratien allzu oft leider ignoriert werden. Aber an der absoluten Gültigkeit der Menschenrechte können und wollen Demokraten gar nicht rütteln.
Diese Rechtspopulisten und Rechtsextremen sind also aus der demokratischen Welt geflohen, weil sie diese nicht ertragen konnten, nicht verstehen konnten oder verstehen wollten, weil sie ihnen keine unmittelbaren ökonomischen Vorteile zu bringen schien , weil sie sich von herrschsüchtigen Agitatoren verführen ließen, weil sie eigensinnig und störrisch ihre begrenzte nationale bzw. kleinbürgerliche Weltanschauung heilig sprachen und sprechen. Und zunehmend zur Gewalt neigen bis hin zum Mord an Politikern. Diese rechtsradikalen Flüchtlinge aus der Menschlichkeit und aus den Menschenrechten müssen dann bestraft werden…
Rechtspopulisten und Rechtsradikale lehnen als Flüchtlinge aus der Demokratie die demokratischen Prinzipien ab. Sie lehnen den Rechtsstaat ab, die Unabhängigkeit der Gerichte, den Pluralismus, die Pressefreiheit usw. Noch einmal: Die rechten, populistischen und rechtsextremen Kreise und Parteien haben also als Flüchtlinge diese Lebensgrundlage einer humanen Ordnung verlassen. Sie sind geflohen in die z.T. altbekannte Ideologie mit ihrer katastrophalen (kriegerischen) Auswirkungen: Diese Ideologie setzt sich zusammen aus Ressentiments, Rassismus und offenem bzw. verstecktem Antisemitismus, Nationalismus („Deutschland zuerst“): Die einzige Moral dieser Herren ist der Egoismus als unbedingte Verteidigung des eigenen Luxus, den andere, Arme, erzeugt haben: Dahinter steht die Ideologie: Es gibt Herrenmenschen und Untermenschen.
Mit diesem Gebräu aus ideologischen Versatzstücken leben sie nun als Flüchtlinge unter uns: Und diese Flüchtlinge sind alles andere als untätig: Sie wollen ganz öffentlich und unverschämt diese demokratische Ordnung langsam in Richtung „illiberales“ Herrschaftssystem umbauen, im Rahmen einer „rechten Revolution“, von der diese Flüchtlinge schwadronieren. Und sie haben schon „Erfolge“ vorzuweisen: Unter diesen rechtsradikalen Flüchtlingen sind Gefährder, das ist deutlich, aber wissen das alle Mitglieder der Polizei, alle Richter, alle Bürgermeister etc.? Wahrscheinlich nicht.

Wie sollen Demokraten mit diesen rechtsextremen Flüchtlingen in ihrem eigenem Land umgehen? Indem man sie mit den demokratischen Werten und Lebensformen energisch und heftig vertraut macht als der Bedingung, unter der sie als Flüchtlinge eben hier leben dürfen und sich neu orientieren können. Mit einem Dialog sollten es Demokraten immer wieder versuchen. Die allgemeine universale Vernunft hat ja diese Menschen nicht verlassen, denke ich. Aber klar ist das Ziel dieser Schulung und Bildung klar: Lebendige Anerkennung der Menschenrechte auch in der eigenen LebensPRAXIS durch diese sonderbaren Flüchtlinge. Es ist ein Skandal, dass einfach so eher nebenbei berichtet wird, es gebe so und so viele hundert rechtsextreme Gefährder etwa in Brandenburg: Diese Leute müssen beobachtet und gebildet, meinetwegen: zur Demokratie erzogen werden.
Das ist ja bekanntlich eine Forderung, die sich an alle Flüchtlinge, zumal aus muslimischem, besonders extremistischen Kontext, richtet. Also nicht nur gründliche Umschulung ist angesagt, auch strafrechtliche Verfolgung bei Untaten vonseiten dieser rechtsextremen Flüchtlinge.

Hilfreich ist es, diese „rechtsextremen Flüchlinge aus der Demokratie“ mit den leidenden Flüchtlingen aus Afrika und Syrien hier ins Gespräch zu bringen, vielleicht sogar unmittelbar Freundschaft unter diesen so unterschiedlichen Flüchtlingen zu stiften. Vielleicht ist aber auch am Anfang Polizeischutz für die Flüchtline aus Afrika bei solchen Begegnungen nötig? Aber die Aggressionen der Rechtsextremen werden wohl geringer, wenn sie das reale Leben der Flüchtlinge direkt, „von Angesicht zu Angesicht“, kennen lernen und die Menschlichkeit dieser Menschen schätzen lernen… Wo sind nur bloß die Orte der Begegnung? Die Kirchengemeinden verschwinden bekanntlich gerade in den Regionen, wo diese rechtsextremen Flüchtlinge sich ziemlich stark aufhalten, etwa in den neuen Bundesländern. Die Demokraten bereiten ihr eigenes Ende vor, wenn es etwa Jugend“arbeit“ nur von den rechtsextremen Flüchtlingen auf den Dörfern z.B. gibt.
Und wenn die rechtsradikalen Flüchtlinge nicht mitmachen bei ihrer „Re-Demokratisierung“? Da gilt der Vorschlag: Sicherlich bietet Herr Orban Ungarischkurse oder Herr Kaczynski von seiner PIS Partei Polnisch Kurse für diese Flüchtlinge aus Deutschland an! Sie werden bei dieser rechtsextremen Gesinnung der Herrscher in Ungarn oder Polen sicher nicht abgewiesen, zumal doch auch der „Bevölkerungsschwund“ in Ungarn und Polen nachweislich sehr beträchtlich ist. Vielleicht aber kehren diese Flüchtlinge nach einiger Zeit aus Polen und Ungarn wieder lernbereit und voller Sehnsucht nach Demokratie wieder nach Deutschland zurück… weil sie unter den Bedingungen der illiberalen Systeme in Polen und Ungarn doch etwas zur Vernunft gekommen sind?

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

Aktualisiert am 25. Juni 2019 durch CM