Befreiung

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Die Welt wurde 2016 finsterer und unsicherer: Der Jahresreport 2016 von Amnesty International. Eine Pflichtlektüre!

22. Februar 2017 | Von | Kategorie: Alternativen für eine humane Zukunft, Befreiung, Interkultureller Dialog

Welche Geltung haben Menschenwürde und Menschenrechte heute? Amnesty International (A.I.) veröffentlicht dieser Tage einen Jahresrückblick 2016 zu dem Thema. Und dieser ist nicht nur Erinnerung; die widerwärtigen Fakten von 2016, aus weitesten Kreisen der Politik so vieler (sich oft noch demokratisch nennender) Staaten bestimmen noch das Leben im Februar 2017 und danach. Amnesty International lenkt die Aufmerksamkeit auf die wirklich dringenden Themen der Gegenwart. Wer sie verstehen will, sollte diesen Beitrag lesen. „Die Welt wurde 2016 finsterer und unsicherer“, betont Amnesty International. Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin. Bitte besuchen auch die A.I. Website, bitte hier klicken.

Von Salil Shetty, internationaler Generalsekretär von Amnesty International

Die Idee der menschlichen Würde und Gleichheit, die Vorstellung einer Gemeinschaft der Menschen an sich, wurde 2016 mit machtvollen Diskursen über Schuld, Angst und der Suche nach Sündenböcken heftig attackiert, und zwar von jenen, die versuchten, um jeden Preis an die Macht zu kommen oder an der Macht zu bleiben.

Für Millionen Menschen war 2016 ein Jahr anhaltenden Elends und unablässiger Angst, weil Regierungen und bewaffnete Gruppen Menschenrechte auf vielfältige Art verletzten. Syriens einst bevölkerungsreichste Stadt Aleppo wurde durch Luftangriffe und Straßenkämpfe in weiten Teilen dem Erdboden gleichgemacht, im Jemen gingen die grausamen Angriffe gegen die Zivilbevölkerung weiter. In Myanmar spitzte sich die Misere der Rohingya immer weiter zu, in Burundi und im Südsudan kam es zu massenhaften rechtswidrigen Tötungen. In der Türkei und in Bahrain gingen die Behörden brutal gegen Andersdenkende vor, während in weiten Teilen Europas und der USA Hassreden zunahmen – die Welt wurde 2016 finsterer und unsicherer.

Es herrschte eine enorme Kluft zwischen Rhetorik und Realität, zwischen dem, was notwendig gewesen wäre, und dem was tatsächlich getan wurde, die einen immer wieder fassungslos machte. Nirgends zeigte sich dies deutlicher als beim UN-Gipfel zu Flüchtlings- und Migrationsbewegungen im September 2016, als die teilnehmenden Staaten nicht in der Lage waren, eine angemessene Antwort auf die globale Flüchtlingskrise zu finden, die im Laufe des Jahres größer und dringlicher wurde. Während die Regierenden angesichts dieser Herausforderung versagten, saßen 75.000 Flüchtlinge in der Wüste im Niemandsland zwischen Syrien und Jordanien fest.

Die Afrikanische Union hatte für 2016 ein Jahr der Menschenrechte ausgerufen. Doch in diesem Zeitraum kündigten drei Mitgliedstaaten ihren Austritt aus dem Internationalen Strafgerichtshof an und torpedierten damit die Hoffnung auf eine Strafverfolgung völkerrechtlicher Verbrechen. Der sudanesische Staatspräsident Omar al-Bashir konnte ungehindert und straflos durch Afrika reisen, während seine Regierung in Darfur mit Chemiewaffen gegen die eigene Bevölkerung vorging.

Diskurs der Furcht und Uneinigkeit
Das möglicherweise größte der vielen politischen Erdbeben im Jahr 2016 war die Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Sie folgte auf einen Wahlkampf, in dem Trump sich vielfach mit hetzerischen Äußerungen hervorgetan hatte, die von Frauen- und Fremdenfeindlichkeit geprägt waren. Er versprach, etablierte bürgerliche Freiheiten rückgängig zu machen und eine Politik zu betreiben, die der Wahrung der Menschenrechte in höchstem Maße zuwiderläuft.

Trumps vergiftete Wahlkampfrhetorik war nur ein Beispiel eines weltweiten Trend hin zu einer Politik, die auf Wut und Spaltung setzt. In vielen Ländern stützten sich Machthaber und Politiker zum Erhalt ihrer Macht auf einen Diskurs der Furcht und der Uneinigkeit und wiesen die Schuld für die tatsächlichen oder vermeintlichen Probleme ihrer Wählerschaft „den Anderen“ zu.

Trumps Vorgänger, Präsident Barack Obama, hinterließ in Bezug auf den Menschenrechtsschutz ein Erbe, das auch viele Fälle schweren Versagens umfasst. Dazu zählen die Ausweitung der geheimen CIA-Drohnenangriffe und die gigantische Massenüberwachungsmaschinerie, die der Whistleblower Edward Snowden öffentlich machte. Doch die Ankündigungen des neuen US-Präsidenten Trump lassen eine Außenpolitik befürchten, die sich über multilaterale Kooperationen hinwegsetzt und eine Ära vermehrter Instabilität und gegenseitigen Misstrauens einleitet.

Noch mangelt es an einem übergreifenden Diskurs, der die aufwühlenden Ereignisse des vergangenen Jahres einordnen könnte. Tatsache ist jedoch, dass die Weltlage zu Beginn des Jahres 2017 höchst instabil ist und wir voller Sorge und Unsicherheit in die Zukunft blicken.

Suche nach Sündenböcken
Vor diesem Hintergrund droht die Sicherheit der Werte, die in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte zum Ausdruck gebracht wurden, zu schwinden. Die Erklärung, die nach einem der blutigsten Kapitel der menschlichen Geschichte geschrieben wurde, beginnt mit den Worten: „Da die Anerkennung der angeborenen Würde und der gleichen und unveräußerlichen Rechte aller Mitglieder der Gemeinschaft der Menschen die Grundlage von Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden in der Welt bildet (…)“.

Doch trotz der Lehren aus der Vergangenheit wurde die Idee der menschlichen Würde und Gleichheit, die Vorstellung einer Gemeinschaft der Menschen an sich, 2016 mit machtvollen Diskursen über Schuld, Angst und der Suche nach Sündenböcken heftig attackiert, und zwar von jenen, die versuchten, um jeden Preis an die Macht zu kommen oder an der Macht zu bleiben.

Die Verachtung dieser Ideale war offenkundig in einem Jahr, in dem die gezielte Bombardierung von Krankenhäusern in Syrien und im Jemen zur Routine wurde, in dem Flüchtlinge in Konfliktgebiete zurückgeschickt wurden, in dem die nahezu vollständige Tatenlosigkeit der Weltgemeinschaft in Bezug auf Aleppo an das Versagen in Ruanda 1994 und in Srebrenica 1995 erinnerte und in dem Regierungen in unzähligen Ländern weltweit massiv gegen Andersdenkende vorgingen.

Angesichts all dessen ist es alarmierend einfach, eine Schreckensvision der Welt und unserer Zukunft zu zeichnen. Die dringende und zunehmend schwierigere Aufgabe besteht jedoch darin, die globale Verpflichtung zu diesen grundlegenden Werten wiederzubeleben, von denen die Menschheit abhängt.

Zu den extrem beunruhigenden Entwicklungen 2016 zählen auch die Folgen eines neuen Handels, den Regierungen ihren Bürgern anbieten – sie versprechen ihnen Sicherheit und Wohlstand, wenn sie im Gegenzug dazu bereit sind, auf politische Teilhabe und bürgerliche Freiheiten zu verzichten.

Auf allen Kontinenten gingen Regierungen 2016 in drastischer Weise gegen Andersdenkende vor – manchmal offen und gewaltsam, manchmal subtiler und vermeintlich seriöser. Das Bestreben, kritische Stimmen zum Schweigen zu bringen, nahm weltweit zu, sowohl was den Umfang als auch die Intensität betraf.

Drastisches Vorgehen gegen Oppositionelle
Die Ermordung der indigenen Menschenrechtsverteidigerin Berta Cáceres in Honduras im März 2016 machte exemplarisch deutlich, welche Gefahr Menschen droht, die sich mutig gegen mächtige staatliche und privatwirtschaftliche Interessen stellen. Nicht nur auf dem amerikanischen Kontinent, sondern auch andernorts werden couragierte Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidiger, die auf die Konsequenzen von Ressourcenabbau und Infrastrukturprojekten für Mensch und Umwelt hinweisen wollen, von Regierungen häufig als Bedrohung der wirtschaftlichen Entwicklung abgetan. Berta Cáceres, die sich für die lokale Bevölkerung und deren Land eingesetzt und zuletzt gegen ein Staudammprojekt gekämpft hatte, erhielt für ihr Engagement weltweit Anerkennung. Von den Mördern, die sie zuhause töteten, geht ein furchteinflößendes Signal an andere Aktivisten aus, insbesondere an diejenigen, die international nicht so bekannt sind wie Berta Cáceres.

In vielen Teilen der Welt zogen Regierungen Sicherheitsgründe heran, um ihr drastisches Vorgehen gegen Oppositionelle zu rechtfertigen. In Äthiopien töteten Sicherheitskräfte Hunderte Protestierende und nahmen Tausende Menschen willkürlich fest, die überwiegend friedlich gegen rechtswidrige Landenteignungen in der Region Oromia demonstriert hatten. Die äthiopische Regierung nutzte das Antiterrorgesetz, um radikal gegen Menschenrechtsaktivisten, Journalisten und Oppositionspolitiker vorzugehen.

In der Türkei verschärfte die Regierung im Zuge des Ausnahmezustands nach dem Putschversuch im Juli 2016 ihr hartes Vorgehen gegen regierungskritische Stimmen. Sie entließ mehr als 110.000 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes aufgrund angeblicher „Verbindungen zu terroristischen Organisationen oder Bedrohung der nationalen Sicherheit“, hielt 118 Journalisten in Untersuchungshaft und verfügte willkürlich die endgültige Schließung von 184 Medienunternehmen.

Im Nahen Osten und in Nordafrika war die Unterdrückung von Andersdenkenden endemisch. In Ägypten inhaftierten die Sicherheitskräfte willkürlich mutmaßliche Unterstützer der verbotenen Muslimbruderschaft sowie andere Regierungskritiker und Oppositionelle, folterten sie und ließen sie „verschwinden“. Die Behörden Bahrains gingen massiv gegen Regierungskritiker vor, indem sie diese mit zahlreichen Anklagen wegen Gefährdung der nationalen Sicherheit überzogen. Im Iran warfen die Behörden Kritiker ins Gefängnis, zensierten alle Medien und verabschiedeten ein neues Gesetz, das praktisch jede Kritik an der Regierung und ihrer Politik unter Strafe stellt.

In Nordkorea intensivierte die Regierung ihre bereits extreme Unterdrückung der Bevölkerung durch die verschärfte Kontrolle der Kommunikationstechnologie. Häufig waren die strengen Maßnahmen ein Versuch, Regierungsversagen zu kaschieren, so zum Beispiel in Venezuela, wo die Regierung lieber Kritiker zum Schweigen brachte als die humanitäre Krise zu bekämpfen, die weiter eskalierte.

Freiheiten im Namen der Sicherheit schleichend beschränkt
Außer direkten Bedrohungen und Angriffen war zu beobachten, wie etablierte bürgerliche und politische Freiheiten im Namen der Sicherheit schleichend beschränkt wurden. So wurde zum Beispiel in Großbritannien ein neues Überwachungsgesetz verabschiedet, das die Befugnisse der Behörden erheblich ausweitet. Sie können künftig die digitale Kommunikation und Daten abfangen, einsehen, zurückhalten oder in anderer Weise manipulieren, ohne dass ein stichhaltiger Verdacht gegen eine Person vorliegt. Indem Großbritannien eines der weltweit umfangreichsten Massenüberwachungssysteme einführte, näherte sich das Land einer Realität an, in der das Recht auf Privatsphäre schlicht nicht mehr anerkannt wird.

Der möglicherweise bösartigste Angriff auf die Menschenrechte bestand jedoch darin, dass Machthaber und Politiker zur Rechtfertigung ihrer repressiven Maßnahmen „die Anderen“ für tatsächliche oder vermeintliche soziale Probleme verantwortlich machten. Mit hasserfüllter, spaltender und hetzerischer Rhetorik bedienten sie die finstersten Instinkte der menschlichen Natur. Indem sie bestimmte Gruppen, häufig ethnische oder religiöse Minderheiten, kollektiv für soziale und wirtschaftliche Missstände verantwortlich machten, bereiteten sie den Weg für Diskriminierung und Hassverbrechen, insbesondere in Europa und den USA.

Eine Variante dessen stellte der eskalierende „Antidrogenkrieg“ des philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte dar, der unzähligen Menschen das Leben kostete. Staatlich angeordnete Gewalt und Massentötungen durch Bürgerwehren forderten mehr als 5000 Tote, nachdem der Präsident mehrmals öffentlich erklärt hatte, dass Personen, die mutmaßlich in Drogenverbrechen verwickelt seien, getötet werden sollten.

Selbsternannte „Anti-Establishment“-Vertreter, die behaupteten, an sozialen und wirtschaftlichen Missständen seien sogenannte Eliten, internationale Organisationen und „die Anderen“ schuld, boten die falschen Rezepte an. Das Gefühl der Unsicherheit und Entrechtung, das sich aufgrund von Arbeitslosigkeit, unsicheren Arbeitsverträgen, wachsender sozialer Ungleichheit und dem Verlust staatlicher Versorgungsleistungen bei vielen Menschen einstellte, erfordert ein entschlossenes Handeln, Ressourcen und einen Politikwechsel der Regierungen, anstatt einfach nach Sündenböcke zu suchen.

Es war offensichtlich, dass viele desillusionierte Menschen weltweit die Antworten nicht in den Menschenrechten suchten. Doch die Ungleichheit und Vernachlässigung, die der Wut und Frustration zugrunde lag, war zumindest teilweise darauf zurückzuführen, dass Staaten die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte ihrer Bürger nicht schützten.

Ganz normale Heldinnen und Helden
Doch 2016 war in mancherlei Hinsicht auch die Geschichte von Menschen voller Mut, Widerstandskraft, Kreativität und Entschlossenheit angesichts immenser Herausforderungen und Bedrohungen.

Auf allen Kontinenten gab es Beispiele dafür, dass Menschen auch immer Mittel und Wege finden, sich zu widersetzen und sich Gehör zu verschaffen, auch wenn staatliche Machtapparate sie unterdrücken. So gelang es Aktivisten in China trotz systematischer Drangsalierung und Einschüchterung, online an den Jahrestag der Niederschlagung der Proteste auf dem Tiananmen-Platz 1989 in Peking zu erinnern. Bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro machte der äthiopische Marathonläufer und Silbermedaillengewinner Feyisa Lilesa weltweit Schlagzeilen, als er an der Ziellinie mit einer Geste die staatliche Verfolgung der Oromo in Äthiopien anprangerte. An den Mittelmeerküsten Europas reagierten Freiwillige auf das Versagen der Regierungen beim Flüchtlingsschutz, indem sie Ertrinkende eigenhändig retteten. Auf dem gesamten afrikanischen Kontinent entstanden Bewegungen der Zivilgesellschaft, von denen einige vor einem Jahr noch undenkbar gewesen wären. Sie griffen Forderungen der Bevölkerung nach Rechten und Gerechtigkeit auf und verschafften ihnen mehr Aufmerksamkeit.

Der Vorwurf, Menschenrechte seien ein Projekt der Eliten, ist nicht haltbar. Der menschliche Wunsch nach Freiheit und Gerechtigkeit löst sich nicht einfach in Luft auf. In einem Jahr voller Spaltung und Entmenschlichung leuchteten Aktionen für die Menschlichkeit und die grundlegende Würde des Menschen heller als je zuvor. Diese leidenschaftliche Reaktion verkörperte auch der 24-jährige Anas al-Basha, bekannt als Clown von Aleppo, der sich entschloss, trotz der furchtbaren Bombenangriffe der Regierungstruppen in der Stadt zu bleiben, um Kinder zu trösten und ihnen eine Freude zu bereiten. Als er am 29. November 2016 bei einem Luftangriff getötet wurde, würdigte sein Bruder ihn mit den Worten, er habe Kinder „am dunkelsten und gefährlichsten Ort der Welt“ glücklich gemacht.

Zu Beginn des Jahres 2017 fühlt sich die Welt instabil an und die Angst vor der Zukunft nimmt zu. Doch gerade in solchen Zeiten werden couragierte Stimmen gebraucht, ganz normale Heldinnen und Helden, die sich gegen Unrecht und Unterdrückung erheben. Niemand kann es mit der ganzen Welt aufnehmen, aber jeder kann seine eigene Welt verändern. Jeder kann aufstehen gegen Entmenschlichung, indem er sich auf lokaler Ebene für die Wahrung der Würde und der gleichen und unteilbaren Rechte aller einsetzt und damit das Fundament für Freiheit und Gerechtigkeit in der Welt legt. 2017 werden Menschenrechtsheldinnen und Menschenrechtshelden gebraucht.

 



Katholisch heißt immer noch (oft) fundamentalistisch denken: Eine vernünftige Nonne wird verteufelt.

21. Februar 2017 | Von | Kategorie: Befreiung, Denken und Glauben, Theologische Bücher

Wie die katholische Dominikaner-Nonne Lucia Caram Hass und Morddrohungen auf sich zieht

Ein Hinweis von Christian Modehn

Was hat die Nonne Schwester Luzia Caram aus dem Dominikaner-Orden Furchtbares gesagt in einem Fernsehinterview in Barcelona Ende Januar 2017? „Ich glaube, dass Maria in Josef verliebt war. Dass sie ein normales Paar waren und aller Wahrscheinlichkeit entsprechend: Hatten sie auch sexuelle Beziehungen. Der Sex ist eine schöne Form, Gefühle auszudrücken und die Liebe. Aber für die Kirche ist dies ein schmutziges Thema und es wird versteckt. Ich aber glaube, Sex ist ein Segen. Ich glaube auch, dass wir uns getäuscht haben in unserer Art diese Dinge zu lehren: Wir wollten die Botschaft des Evangeliums in irgendeine bloß spirituelle Sache umwidmen (convertir). Und wir wollten die absurde Idee einschärfen, dass der Körper das Gefängnis der Seele ist. (übersetzt nach Libération, Paris, vom 14. 2. 2017, übers.von Chr. Modehn).

Die Tageszeitung Libération zitiert den Erzbischof von Barcelona: «Il s’agit d’un grave scandale. C’est un affront intolérable contre un point fondamental de la doctrine catholique“.“ Es handelt sich um einen schweren Skandal. Es ist ein nicht hinzunehmender Affront gegen einen fundamentalen Punkt der katholischen Doktrin (sic!)“.

Der Wortführer der spanischen Bischofskonferenz, Jose Maria Gil Tamayo, kündigte an, dass die Kirche diesen „problematischen Fall“ studieren wird, diese Äußerungen einer Frau, „die die Reinheit der Botschaft Christi mit ihren Äußerungen beschmutzt“. Der Bischof der spanischen Diözese VIC sagte in Bezug auf die nicht – vollzogene Ehe von Maria und Josef: „Esta verdad de la fe fue recogida y proclamada de manera definitiva por el Concilio II de Constantinopla, siendo el primer dogma mariano y compartido por los cristianos católicos y ortodoxos“. „Diese Glaubenswahrheit wurde erkannt und proklamiert auf definitive Weise vom 2. Konzil zu Konstantinopel (es fand vor kurzem, im Jahr 553, statt, C.M:);  es ist das erste Marien-Dogma und es wird geglaubt (geteilt) von katholischen und orthodoxen Christen“, so El Mundo, 1.2.2017.

Inzwischen erhält die mutige und vernünftig denkende Nonne Morddrohungen von fundamentalistischen, d.h. dummen Katholiken. Diese Leute können Glauben und Vernunft nicht verbinden. Und können nur glauben, wenn überall Wunder passieren (im Falle der Ehe Marias mit Josef) und Sex nur verheimlicht wird.

Schwester Luzia, 51 Jahre, stammt aus Argentinien, sie lebt in der Nähe von Barcelona, in einem kontemplativen Kloster, das sich um ca. 1400 arme Familien helfend und beratend kümmert. Sie ist im ganzen Land bekannt und beliebt, weil sie auch eine eigene Koch-Sendung im „Canal Cocina“, Kanal Küche, hat, dieses Programm mit der kochenden und manchmal vor berechtiger theologischer Wut „kochenden“ Nonne wird auch in Lateinamerika viel gesehen. Ihr sehr altes, sehr ehrwürdiges und doch von einer modernen Nonne bewohnte Kloster in Manresa, bei Barcelona, hat den Namen „Convento Santa Clara“. Dies für alle, die unterstützenden Kontakt mit der Dominikanerin aufnehmen wollen.

Wir im Religionsphilosophischen Salon freuen uns natürlich bei allen Problemen, die sich die Nonne durch ihre treffenden Worte eingehandelt hat: Dass Schwester Luzia aus Barcelona das selbe sagt, was wir zum Thema Heilige Familie veröffentlicht haben, zur Lektüre dieses Beitrags klicken Sie hier.

Gleichzeitig ist es interessant zu sehen, wie stark der Katholizismus immer, noch bis in die höchsten Kreise, vom Fundamentalismus bestimmt ist, also etwa in der Ablehnung einer historisch-kritischen Bibelforschung.

Das Schlimmste ist wohl, dass ein freies und umfassend freies Wort in der römischen Kirche nicht möglich ist. Dies zu sagen ist im Reformationsjubiläum 2017 wohl besonders wichtig.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.

 



Was ist Populismus? In der Politik … und in den Kirchen.

16. Februar 2017 | Von | Kategorie: Befreiung, Philosophische Bücher

Ein Hinweis auf das Buch „Was ist Populismus?“ von Jan-Werner Müller

Von Christian Modehn

Jan-Werner Müller arbeitet als Professor für Politische Theorie und Ideengeschichte an der Princeton University (im Bundesstaat New Jersey, USA). Er nennt seine Studie zum Populismus (2016 bei Suhrkamp erschienen) ein Essay. Dabei handelt es sich weit mehr als um einen Versuch: Das Buch, 160 Seiten, ist eine grundlegende Einführung in ein nicht nur politisches, sondern im weiteren Sinne kulturelles Phänomen, den neuen Populismus. Die zahlreichen Belege und Literaturhinweise machen diese Studie noch wichtiger.

Um zur Lektüre und zur Debatte zu ermuntern, nur einige grundlegende Erkenntnisse, die Jan-Werner Müller vorstellt:

Das erste sehr ernste Problem ist: „Demokraten müssen schlicht akzeptieren, dass das Volk als solches sich nie fassen lässt“ (60). Denn wo zeigt sich „der wahre Wille des wahren Volkes“

Im Populismus wird eine Vorstellung von einem angeblich guten und reinen Volk propagiert, dieses Volk steht den angeblich nur korrupten und angeblich nur unmoralischen Eliten gegenüber (42). Das gewöhnliche Volk (mit dem vorausgesetzten angeblich gesunden Menschenverstand) ist das „eigentliche Volk“ (42).

„Populistische Regime“ (Müller nennt in dem Zusammenhang Putin und Orban) halten noch an einigen demokratischen Institutionen fest. Aber es handelt sich nicht um „funktionierende Demokratien“, sondern um „defekte Demokratien“ (75 f.)

Tendenziell ist Populismus immer antidemokratisch (91).

Populisten glauben und schreien es raus: “Wir sind das Volk“ im Sinne von „Nur wir allein sind das Volk“. Demokratisch und vernünftig akzeptabel wäre allein der Slogan: “Wir sind AUCH das Volk“ (63), vielleicht mit der Ergänzung:“ „Und Ihr habt uns vergessen“ (ebd.)

Nebenbei: Kurz vor dem Untergang der DDR Diktatur übernahm tatsächlich das Volk den Spruch „Wir sind das Volk“, um der Clique der SED Herrscher den Machtanspruch abzusprechen. Die DDR Opposition wehrte sich also zurecht gegen eine Diktatur. Heutige Populisten, etwa Wilders, Le Pen, FPÖ und Trump usw. wehren sich mit ihren totalisierenden Sprüchen gegen demokratische Regierungen… Sie reden dem Volk ein zu glauben: „Er, (der Führer), will, was wir wollen“ (47), so ein Slogan von Herrn Strache FPÖ. Warum also noch debattieren…der Volkswille ist doch im Führer repräsentiert (48).

Im Ganzen gesehen ist der Populismus anti-pluralistisch (44). Diese Abwehr der Pluralität in einer Gesellschaft und einem Staat (und einer Kirche könnte man hinzufügen) ist in der Sicht des politischen Philosophen Jan-Werner Müller am verheerendsten. Denn die anti-pluralistische (jegliche legitime Vielfalt abweisende) Haltung führt politisch zu „Alleinvertretungs-Ansprüchen“ (70), also zur Diktatur. Loyalitätsbeschaffung durch Massenklientelismus; Unterdrückung der Zivilgesellschaft und wenn möglich der Medien“ (70). Typisch für diese Haltung ist das Trump Regime, es entspricht den drei genannten Taktiken des Populisten. Beamte werden ausgetauscht, der gesamte Staatsapparat wird in Besitz genommen usw.

Zum niederländischen Populisten Geert Wilders und seine Partei PVV nennt der Autor etliche Details: Wilders spricht von Freiheit und Toleranz, aber es ist er allein, der definiert, was diese Werte sind und wer zum „wahren niederländischen Volk gehört“ (27). Wilders propagiert die Ideologie, das Volk sei durch die gegenwärtige Regierung und ihre internationalen Verbindungen „beraubt“ worden: “Wir wollen unser Land zurück“( 34). Wilders redet dem Volk ein, selbst zum (unterlegenen) Volk zu gehören, dabei ist er seit 1990 ein Karrierepolitiker (51). Wilders bestimmt mit seinen islamfeindlichen Vorgaben bis heute die Richtung der niederländischen Politik, obwohl er nie offiziell Regierungsverantwortung übernahm“ (97)

Wie mit den Populisten umgehen? Der Autor hält es für falsch, die Ausgrenzung der Ausgrenzenden (Populisten) zu betreiben, er ist gegen das Motto „Mit denen reden wir nicht“ (96).

Statt moralisch Populisten zu diskreditieren, sollen Demokraten mit Populisten diskutieren, „um die Fakten zurecht zu rücken. Bei Volksverhetzungen durch Populisten hilft das Strafrecht“ (131).

Für unsere religionsphilosophischen Interessen ist es wichtig, sehr bald die Nähe der Kirchen zu populistischen Strömungen zu untersuchen. Die Kirchen, vor allem die katholische Kirche, schätzt ja den Pluralismus in ihrer eigenen Organisation nur sehr bedingt und sehr begrenzt. Von daher gab (Nähe zum Faschismus Hitlers und Mussolinis) und gibt es immer wieder Unterstützung für populistische Regime: Siehe die Kirchen heute in ihrer Unterstützung für Orban in Ungarn oder für die polnische PIS Partei oder die Rolle der orthodoxen Staats-Kirche in Russland, gerade dazu hat der Religionsphilosophische Salon Berlin etliches publiziert.

Es wäre weiter zu untersuchen: Wie bestimmte zentrale moralische Positionen der Kirchen, etwa die ungebrochene heftige dogmatische Verteidigung „des“ ungeborenen Lebens und die Zurückweisung jeglichen gesetzlichen Schwangerschaftsabbruches (etwa in katholisch dominierten Ländern Lateinamerikas, wie in der Dominikanischen Republik oder in Nicaragua…) zur Unterstützung populistischer Systeme führen. Es wird in diesen kirchlichen Kreisen nicht gefragt, wann personales Leben beginnt, das Selbstbestimmungsrecht der Frauen soll mit Gewalt verhindert werden…

Die Liebe zu den Menschenrechten ist in den Kirchen sehr partiell, die Menschenrechte werden oft dann beschworen, wenn die Kirchenführer darin für sich selbst oder die Kirchen im ganzen einen Vorteil sehen.

Es wäre weiter zu untersuchen, was angesichts des Populismus die viel besprochene katholische „Theologie des Volkes“ und der „Volksreligion“ bedeuten kann. Und vor allem: Was bedeutet die Rede vom „neuen Volk Gottes“ als Definition der katholischen Kirche im 2. Vatikanischen Konzil (gegenüber dem üblichen, aber starren Leib-Christi-Begriff) heute. Welches Volk meinten eigentlich die Bischöfe beim Konzil? War es das Volk der gleichberechtigten Katholiken? Sicher nicht. Die nach wie vor undemokratisch regierende Kirchenführung, angeblich göttliches Recht und die Rolle des dominierenden und unkontrollierbaren KLERUS blieb im Volk-Gottes-Denken unangetastet. Und es ist bis heute so. War das eine Kichenreform im Konzil? Eher wohl nicht.

Die internationale kritische katholische Basis – Bewegung nannte sich meines Wissens zu Beginn: „AUCH wir sind Kirche“. Jetzt nennt sie sich durchaus „etwas“ absoluter gemeint: „Wir sind Kirche“. Wir sind die „Kirchenvolksbewegung“. Dieses sehr anspruchsvolle Motto „Wir sind Kirche“ ähnelt doch durchaus dem Motto der DDR-Opposition „Wir sind das Volk“. Von da aus weiter gedacht: Sieht sich also die kritische Kirchenvolksbewegung auch im Gegenüber zu einer Diktatur, wie einst die DDR-Opposition zur SED Führung?

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon



Thesenanschlag heute: Kurz und störend.

15. Februar 2017 | Von | Kategorie: Alternativen für eine humane Zukunft, Befreiung, Termine, Theologische Bücher

Neun Komma fünf (9,5) Thesen zur Diskussion…anstelle der heute schon wieder üblichen, in Büchern usw. veröffentlichten 95 Thesen: Neuneinhalb Thesen! Sie sind überschaubarer und vielleicht „heftiger“…

Von Christian Modehn, veröffentlicht am 15. 2. 2017.

Vorweg:

Thesen sind Einladungen zum Weiterfragen. Sie haben nichts Abgeschlossenes. Sie können selbstverständlich nicht „alles“ sagen zum Thema „Reformation 2017“. Diese Thesen sind vor dem Hintergrund der Bedrohung der Demokratien (durch das Trump-Regime, durch die Rechtsradikalen in ganz Europa, das Mauernbauen rund um Europa usw.) formuliert sowie vor dem Hintergrund der Bedrohung der Menschheit durch (von Menschen gemachte) ökologische Katastrophen und von Menschen gemachte bzw. gewollte Kriege.

Die leitende Erkenntnis ist also: Angesichts dieser Welt heute kann man nicht mehr „wie immer schon üblich“ von Reformation oder gar Luther, Kirche, Spiritualität usw. reden und entsprechende Kirchen-Veranstaltungen planen. Diese Themen sind wichtig, aber zweitrangig. Es gilt den humanen Kern der biblischen Botschaft als menschlicher Weisheit freizulegen. Es gilt aber vor allem, einen alle Menschen verbindenden Humanismus der Vernunft zu entdecken und zu fördern.

Die neuneinhalb Thesen:

  1. Kirchen und Glauben, Religionen und Atheismen sind nicht primär wichtig. Was heute für den einzelnen und die Gesellschaft im Mittelpunkt steht ist das ethisch verantwortete und reflektierte Leben.
  2. Die eigene Urteilsbildung und die seelische Reife zu fördern ist wichtiger als konfessionelle Dogmen – etwa in Schulen – zu vermitteln und zu verbreiten. Philosophieren muss im Mittelpunkt stehen. Ideologien werden entlarvt und dringende humane Projekte (Ökologie, atomare Abrüstung usw.) besprochen und realisiert.
  3.  Konfessionell geprägte, so genannte christliche Ethik, ist niemals primär und maßgeblich; sie kann lediglich die allgemeine humane Ethik verstärken. Jesus von Nazareth kann „inspirierendes Vorbild“ genannt werden. „Jesuanischer Geist“ findet sich außerhalb der Gruppen, die sich ständig und oft scheinheilig auf Jesus Christus berufen. Sein Geist ist z.B. in einigen NGOs (Ärzte ohne Grenzen, Amnesty International) anwesend und lebendig.
  4. Die Menschen sollten sich in neuen offenen und reifen Gruppen und Gemeinden treffen; auch, um gemeinsam für die Gerechtigkeit einzutreten. Das Ziel: Es darf keine Mauern zwischen den unterschiedlichen, aber gleichberechtigten Menschen und Kulturen geben. Wer als Politiker Mauern baut, auch in Europa gegenüber Flüchtlingen, muss zurückgewiesen und „in Pension“ geschickt werden.
  5. Das Hungersterben, das weltweite Elend, muss als absolute Schande der Menschheit wahrgenommen werden. Es muss alles Denken und Handeln begleiten. Es kann nur durch eine neue, gerechte Welt-Gesellschaft überwunden werden. Dazu müssen Umverteilungen des Reichtums, auch durch Enteignungen von Milliardären etwa, stattfinden. Es gilt, endlich eine „Obergrenze“ ethisch vertretbarer Einkünfte zu debattieren.
  6. Die getrennten Kirchen erkennen an: Wir wollen nur noch das eine Wesentliche, das eine Zentrum, des christlichen Glaubens lehren und leben: Die Liebe unter den Menschen und die Liebe zu einer Wirklichkeit, die viele Gott nennen. Die immer wieder und endlos besprochenen dogmatischen Differenzen werden als überflüssige Hobbys klerikaler Herrscher entlarvt. Gottesdienste werden aus der rituellen Erstarrung und Langeweile befreit. Sie werden zu Lebensfeiern.
  7. Der biblische Gott wird nicht länger als immer zur Verfügung stehende (Herrschafts-)Formel und Floskel verwendet. Gott wird vielmehr als Geheimnis eher schweigend und liebend und in einer allgemeinen Mystik verehrt. So finden unterschiedliche Religionen zueinander. Die neuen Götter in ihrer ganzen Vielfalt werden entlarvt (Fußball, Sport, Leistung, Körperkult usw.) sowie owie der oberste Gott, über allem, das Geld bzw. das Bestreben, „immer mehr“ das „Haben“ als absoluten Wert zu verehren.
  8. Das göttliche Geheimnis kann selbstverständlich auch in Kunst, Literatur, Musik, in der Erotik, in der Natur, im solidarischen Engagement entdeckt werden. Diese Gotteserfahrung ist dann authentisch, wenn sie die Menschen zu einer personalen Befreiung und Reifung führt.
  9. Die Befreiung der Frauen, besonders der leidenden und unterdrückten Frauen in den arm gemachten Weltregionen, hat oberste politische und kirchliche Priorität. Solange die römische Kirche (von den orthodoxen Staats- bzw. Regime-Kirchen ganz zu schweigen) Frauen nicht als völlig gleichberechtigt akzeptiert, kann sie nicht ernst genommen werden. Auch die völlige Gleichberechtigung homosexueller Menschen muss weltweit erkämpft werden.

      9,5. Weiter denken: Und die eigenen neuneinhalb Thesen schreiben.

 

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

 



Steve Bannon exkommunizieren ?

7. Februar 2017 | Von | Kategorie: Alternativen für eine humane Zukunft, Befreiung

Ein Hinweis von Christian Modehn am 7.2.2017.

Der stärkste und militanteste Mann im Trump – Regime, den sehr viele einen Rassisten und faschistoiden Typen nennen, Steve Bannon, ist, bisher eher selten wahrgenommen, ein Katholik. Der Vorschlag des „Religionsphilosophischen Salon Berlin“ heißt: Der Vatikan könnte und sollte Steve Bannon exkommunizieren. Als juristischen Beitrag kirchlicherseits gegen Bannon, um dadurch auf dessen völlig inakzeptable ethische und politische Positionen aufmerksam zu machen, Meinungen und Positionen, die den Weltfrieden bedrohen. Im Canon 1369 des offiziellen „Codex Iuris Canonici“ heißt es innerhalb der Ausführungen zu den „Straftaten gegen die Religion und die Einheit der Kirche“ u.a. „Wer eine Gotteslästerung zum Ausdruck bringt, die guten Sitten schwer verletzt oder Hass und Verachtung hervoruft, soll mit einer gerechten Strafe belegt werden“. Diesen „Tabestand“ vor Augen hatte Papst Franziskus im Juni 2014 Mitglieder der süditalienischen Mafia exkommuniziert. Dieses Ereignis kommentierte Roberto Saviano mit Blick auf Italien in „Die Zeit“ vom 26. Juni 2014, Seite 5: „Die Exkommunikation ist als eine Geste von größtmöglicher Symbolkraft geeignet, die oftmals engen Verbindungen der mafiösen Clans zu den Pfarreien vor Ort zu kappen“… Welche politischen Verbindungen würden „gekappt“ werden, wenn Bannon exkommuniziert wäre?

Diese Forderung einer öffentlichen Ausgrenzung, Exkommunikation, Bannons sollte ausgesprochen werden, auch wenn sie wenig Chancen auf eine Realisierung hat. Denn Steve Bannon hat zu viele mächtige Fürsprecher im Vatikan, auch unter zahlreichen reaktionären Kardinälen dort, siehe unsere Hinweise auf das Institut“Dignitatis Humanae“ in Rom und Brüssel. Man wundert sich dabei nur, mit wie vielen sekundären Themen sich der Vatikan befasst, wie dieses „ewige“ Thema der „Wiederverheiratet Geschiedenen“…

Die „New York Times“ hat dazu ein ausführliches Dossier veröffentlicht, wie sich Bannon im Vatikan beliebt machte. Klicken Sie hier.

Und die konservative katholische Wochenzeitung „National Catholic Register“ berichtete über Bannons Verbindungen zu einem reaktionären katholischen Studienzentrum in Rom und Brüssel, mit dem hübschen Namen „Dignitatis Humanae Institut“, der Titel erinnert an einen Text zur Religionsfreiheit des 2. Vatikanischen Reformkonzils. Zu weiteren Informationen über dieses „Forschungszentrum“ mit dem Namen „Institut der menschlichen Würde“ (vor allem für die Würde des Mister Bannon) klicken Sie hier. Wer die website dieses Instituts aufschlägt, ist sofort mit dem Katholiken Bannon konfrontiert. Zu den „Patrons“ des Instituts gehörte u.a Otto von Habsburg, sehr konservative Kardinäle, wie die Herren Brandmüller, BURKE oder Sarah, gehören zur Leitung; offizieller „Hausgeistlicher“ ist der umstrittene englische Franziskaner Michael Seed. Informationen auch über ihn, der für die Konversion von Tony Blair zuständig war… Klicken Sie hier.

Wir fragen uns im Religionsphilosophischen Salon Berlin:

Die Richter und Juristen im allgemeinen sind wohl noch eine starke Kraft in den USA, um gegen die totalitären Ansprüche des Trump-Regimes vorzugehen. Warum nicht auch die katholischen Kirchen-Juristen? Warum sollte also nicht die Frage diskutiert werden: Wann wird Steve Bannon, der mit universal geltenden Menschenrechten überhaupt nichts zu tun hat, siehe seine Beiträge in „Breitbart“, wann also wird dieser katholische Ober-Hetzer und katholische Feind des Demokratie nicht von Papst und US-Bischöfen EXKOMMUNIZIERT? Wir im Religionsphilosophischen Salon sind überhaupt keine Freunde von Exkommunikationen. (Es wurden allzu oft die falschen, nämlich die theologischen Abweichler und theologisch kreativen Ketzer exkommuniziert…).  Aber in größter Not haben Exkommunikationen auch heute einen symbolischen und vielleicht auch politischen Wert: Den Amis sollte der Papst also sagen: Dieser Typ Steve Bannon ist ab sofort nicht mehr katholisch. Bei den großen Mafia-Bossen in Italien hat Papst Franziskus diesen symbolischen Akt auch vollzogen. Die Mafiosi morden trotzdem weiter, aber die Öffentlichkeit weiß: Diese Typen gelten selbst im Vatikan nicht als katholisch. Sie sind Verbrecher. Beichten reicht dann für sie nicht mehr: Diese Typen müssen sich politisch-ethisch verwandeln d.h. zum Respekt vor der universal (!) geltenden Menschlichkeit und den Menschenrechten zurückkehren.

Aber vielleicht stehen viele führende Katholiken und Bischöfe in den USA insgeheim und offen auf Steve Bannons Seite? Das wäre eine Katastrophe, die kritischer Recherche-Journalismus natürlich dokumentieren müßte.

Thomas Assheuer bietet in „Die Zeit“ vom 9.Februar 2017, Seite 35, den wichtigen Hinweis auf eine Connection zwischen Steve Bannon und Alexander Dugin, Russland, der dort als Neo-Faschist betrachtet wird.

Copyright: Christian Modehn Religionsphilosophischer Salon Berlin.

 



Chronik eines angekündigten Bürgerkrieges: Mister Trumps gefährliche Aktionen.

31. Januar 2017 | Von | Kategorie: Alternativen für eine humane Zukunft, Befreiung, Termine

Ein Hinweis von Christian Modehn. Die Beitrag wurde am Dienstag, den 31. Januar 2017, veröffentlicht. Er wird weiterhin aktualisiert! Und ist eine Einladung an die LeserInnen, ihrerseits den Niedergang der Demokratie in den USA und deren mögliche Rettung zu studieren und zu Tag für Tag zu dokumentieren!

Unsere Angst erregende Prognose (vom 31.1. 2017) eines durch Mister Trump und Co. betriebenen Bürgerkrieges in den USA wird leider von einem großen Recherche – Team der Wochenzeitung „Die Zeit“ vom 9. 2. 2017 (Seiten 13 – 15) weiter bestätigt. Das sehr lesenswerte Dossier hat den Titel „Kalter Bürgerkrieg„. Am Ende des Beitrags heißt es u.a.: „Mit dem Wort Krieg muss man vorsichtig sein….Aber … die Vereinigten Staaten von Amerika sind in diesen Tagen ziemlich nah an einem kalten Bürgerkrieg: einem Konflik voller Feindseligkeit und Hass, in dem es nur deswegen kein Blutvergißen gibt, weil beide Seiten vor dem letzten Schritt zurückschrecken – zu den Waffen zu greifen. Zumindest vorerst“.  Die Frage ist: Was tun die noch vernünftigen Regierungen Europas, was tun die Bürger hier, um den Menschen in den USA beizustehenen, die erstens Trump und Co. so schnell wie möglich loswerden wollen, aber zweitens dies friedlich und ohne Blutvergießen wollen. Wahrscheinlich wird man den Geschäftsmann Trump vor allem mit ökonomischen Argumenten (vor allem massiver Widerstand aus dem Silicon Valey) aus em Weißen Haus vertreiben. Aber Europa muss deutlich machen: Auch wir leisten Widerstand gegen sein Regime. Und alle großen kulturellen, philosophischen und kirchlichen Debatten in Deutschland und Europa sollten sich mit dem Thema Frieden befassen; ein Bürgerkrieg in den USA wird nicht auf die USA begrenzt bleiben.

Zu den Kirchen gesprochen: „Hört auf, von dem völlig überflüssigen Thema der „Wiederverheiratet Geschiedenen“ oder zum gefühlten 1000. Mal von der lutherischen Gnadenlehre zu reden, etwa auch beim Kirchentag 2017. Redet vom Frieden, vom Widerstand, von Solidarität mit den vernünftigen Menschen in den USA. Bildet die Menschen zu Humanisten oder politisch gebildeten Christen, die zuallererst den Frieden und die Gerechtigkeit gestalten und die Demokratie fördern“. Die Demokratie ist in Europa gefährdet. Wenn die Demokratie fällt, haben auch die Kirchen keine Freiheiten mehr. Haben sie das verstanden? Bisher wohl nicht, sonst würden sie nicht all die Themen weiter „durchziehen“ wie immer schon…

Weitere Dokumente: Am 6.2.2017: Peter von Becker fragt im „Tagesspiegel“ ernsthaft: Was tun, wenn Mister Trump nicht zurechnungsfähig, also verrückt ist? Am 6.2.2017 zeigt die „Süddeutsche Zeitung“ auf Seite 3: Der gefährlichste und einflußreichte Mann in der Trump-Truppe ist Mister Steve Bannon: Er sei ein Nihilist, der den Untergang ersehnt. TAZ Autor Bernd Pickert schreibt am 4.2.2017 in einem ausführlichen, analytischen Beitrag zur Frage „Wer kann Trump noch stoppen“: „Historisch gesehen ist Mord am wirksamsten. Vier der 45 US-Präsidenten fielen Attentaten zum Opfer, zuletzt John F. Kennedy 1963″. Am 7.2.2017: Timothy Snyder, Prof. an Yale-University, in der SZ am 7.2.2017: „Wir müssen uns selbst Mut machen, denn es gibt keine positiven Signale aus dem Weißen Haus oder von den Republikanern. Die Konservativen müssten helfen, die Republik zu verteidigen, aber nur wenige scheinen dazu bereit. Die Amerikaner haben schneller reagiert als ich dachte. Wenn die Proteste anhalten, hört Trump vielleicht zu. Sie haben nach etwas Positivem gefragt, aber die Lage hat sich verschärft. Wir haben maximal ein Jahr Zeit, um Amerikas Demokratie zu verteidigen“. Quelle  SZ: Klicken Sie hier:  Spiegel ONLINE berichtet am 8.2. 2017 von Leaks im Weißen Haus und zitiert die Washington Post, die Trumps Berater mit einem ahnungslosen Kind vergleicht. Wie schon so oft geschrieben: Impulsiv und ignorant sei der Präsident, hier klicken. Am 19.2. 2017 äußerte sich Senator McCain zur Verurteilung eines herausragenden Teils der freien Presse in den USA durch Mister Trump: „Aus München zugeschaltet, sagte der ehemalige republikanische Präsidentschaftskandidat in der NBC-Sendung „Meet the Press“, dass „eine freie und häufig auch feindliche Presse“ für den Bestand einer Demokratie nötig sei. Ihre Einschränkung sei „wie Diktatoren anfangen“, so McCain. Womit er aber nicht sagen wolle, Präsident sei ein Diktator – nur „das dies die Lehren aus der Geschichte seien“ (Spiegel Online am 19.2.2017). Am 23. 2. 2017 berichtet Spiegel Online: „Der US-Kongress hat Pause, auch viele republikanische Volksvertreter besuchen ihre Wahlbezirke – und treffen dort auf wütende Bürger. Bei den Townhall-Meetings herrscht vielerorts eine explosive Anti-Trump-Stimmung„. 

DER BEITRAG, verfasst am 31.1.2017:

1. Der kriegerische Ausgangspunkt der Trump Regierung oder treffender: des Trump Regimes.

Der wichtigste Ratgeber von Mister Trump ist Steve (Stephan) Bannon. Er hat seine politische Denkungsart schon in einem Interview 2013 beschrieben, in dem er sich als US Bürger, so wörtlich, als „Leninist“ bezeichnete und dann sagte:“Lenin wollte den Staat zerstören. Das ist auch mein Ziel. Ich will alles zum Einsturz bringen. Ich will das Establishment zerstören“. (Quelle: „Die Zeit“, 2. Februar 2017, Seite 3, Belege dazu in „The New Yorker“, klicken Sie bitte hier.

Die ZEIT Autoren kommentieren treffend: „Die ersten zehn Tage der Regierung Trump lassen sich als Auftakt eines Krieges gegen die Institutionen der Vereinigten Staaten verstehen“… Wahrscheinlicher (als die Meinung, Trump könne noch dazulernen) ist die Annahme, „dass Trump und sein innerster Zirkel das Chaos, das Durcheinander, die herzzerreißende Ungewissheit der Ankömmlinge (auf den US-Flughäfen nach der Verkündigung des Einreisestopps für Bürger aus sieben muslimischn Staaten) so gewollt hat…Trump setzt auf die die systematische Zerstörung von Vertrauen“ (Quelle: ebd.). Belege dazu in The New Yorker, klicken Sie hier.

2. Die Riten und die Liturgie der Unterschriften im heiligen Zirkel

Man muss kein Pessimist sein, um Schlimmes zu befürchten. Schlimmes für die USA und Schlimmes für die Menschheit. Das Dilemma ist: Wird der Wahn des Trump Regimes öffentlich gemacht und bloß gestellt, reagiert der Allmächtige noch heftiger. Sind Kritiker milde (wie die angstvolle Kanzlerin), glaubt der Allmächtige, er könne unbesehen weiter dominieren.

Der Total-Schaden wird betrieben von einem Mann, der sich Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika nennen darf. Und sich von von einem Club der Fans (Minister, Ratgeber usw.) umgibt und auch bestimmen lässt. Wahrscheinlich ist Donald nur eine Marionette noch Raffinierterer (wie Steve Bannon)? Man studiere aber seine inszenierten Unterschrift – Liturgien, wenn er seine Dekrete präsentiert: Ludwig XIV. hätte daran sein Wohlgefallen! Trumps Getreue, die Milliardäre, die Reaktionären, die extrem konservativen Evangelikalen, die Faschistoiden, „Politiker“ genannt, umgeben ihn dabei andachtsvoll. Und irken unterwürfig, aber doch zufrieden. Und der große Fürst Donald zeigt seine steile, aggressive, aber auch angstvoll enge Unterschrift wie eine Monstranz in die Kameras, damit alle Welt sehe, welch ein heiliges Spektakel hier stattfindet, alle Welt soll sehen, dass diese Verfügungen Segen bringen. Ich, Donald Trump, kann eigentlich verfügen und bestimmen, was ich will. Ein heidnischer Staatskult eines Monarchen wird da zelebriert. Der „Tagesspiegel“ hat als Titel (auf Seite 3 am 1. Febr.) für einen Beitrag über die Clique rund um Trump geschrieben Fürsten der Finsternis“. Kann man es noch zugespitzer sagen? Sicher nicht. Fast alles arrangiert und diktiert von dem rechtsextremen Strategen Stepen Bannon. Er ist wohl der Gefährlichste in der Clique, zu einem Porträt in der Süddeutschen Zeitung klicken Sie hier.

Selbst eher zurückhaltende Beobachter im In – und Ausland nennen Mister Trump jetzt endlich öffentlich und durchgängig einen Lügner, einen Egomanen, einen Zerstörer der Traditionen von Demokratie und menschlichem Anstand und so weiter. Wann werden die ersten Millionen Trump-Wähler, die „kleinen weißen Leute, meist Männer“, wie es heißt, aufwachen? Und sich sagen: Wie dumm waren wir US-Bürger eigentlich, diesem Milliardär ein soziales Amerika zuzutrauen? Und wie dumm waren die vielen Europäer, die die USA für ein reifes demokratisches Land hielten? Die den schönen Schein, der vielleicht von Hollywood ausging, nicht als Lüge erkannten?

3. Wie kann Mister Trump wieder verschwinden? Wer sagt das offen, auch in Europa?

Mister Trump, so der Tenor vieler Kommentare, ist also ein Typ, der aus seinem Amt so schnell wie möglich vertrieben werden sollte. „Eine Regierung, die gegen die verfassungsmäßige Selbstverwirklichung verstößt, auf Leben, Freiheit und das Streben nach Glück, „darf gestürzt werden. Was in normalen Zeiten radikal klingt, liest sich plötzlich wie eine Verheißung“, schreibt Malte Lehming, USA Kenner, im „Tagesspiegel“ vom 31. 1.2017, Seite 19.

Wann haben wir das zum letzten Mal gelesen? In einer guten bürgerlichen Zeitung, dass eine Regierung in den USA gestürzt werden sollte? Und dann wird der Sturz der Regierung Trump eine Verheißung genannt: Ungewöhnliche, aber großartige Worte. Wer denkt das nicht?

Vor allem aber: Wie soll dieser alsbaldige Regierungswechsel möglich sein, ohne dass ein Bürgerkrieg entsteht? Und führt die tiefe Spaltung der US – Gesellschaft nicht schon jetzt langsam auf gewalttätige Auseinandersetzungen hin? Inszeniert Mister Trump und sein Club nicht langsam aber sicher einen Bürgerkrieg? Will ihn Mister Trump vielleicht sogar, als eine Art Reinigung der Mentalitäten? Von Reinigung des Denkens durch Gewalt, durch Krieg, sprechen ja faschistoide Führergestalten immer wieder.

Sollte man diese Gefahr „eines angekündigten Bürgerkrieges“ nicht ständig im Auge behalten und alles tun, um den Frieden und vor allem die Demokratie wiederherzustellen?

Da müssen die Amerikaner selbst handeln. Sie allein haben die Hauptlast, Mister Trump loszuwerden, Europäer können nur unterstützend helfen. Immerhin hat der niederländische Staat jetzt einige Millionen Dollar gespendet für die Fortführung der Schwangerschaftsberatung und Schwangerschaftsunterbrechung in den entsprechenden Zentren.

Und Obamas Sprecher Kevin Lewis teilte mit: Präsident Obama sei (10 Tage nach dem Ende seiner Regierungszeit) „ermutigt“ durch das politische Engagement, das sich jetzt im Land zeige. „Bürger, die ihr Grundrecht wahrnehmen, sich zu versammeln und sich zu organisieren: Das ist genau das, was wir in Zeiten erwarten, in denen amerikanische Werte auf dem Spiel stehen“, zitiert das Magazin „Politico“ Obamas Sprecher.

Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/barack-obama-nimmt-stellung-zu-trumps-einreise-dekret-a-1132414.html

4. Ein Amtsenthebungsverfahren für Mister Trump ist möglich.

Wenn sich der Präsident folgender Vergehen schuldig macht: des Landesverrats, der Bestechung oder anderer schwerer Verbrechen und Vergehen im Amt. Ein Amtsenthebungsverfahren aus politischen Gründen ist nicht möglich. Ein solches Verfahren wird mit einer einfachen Mehrheit im Repräsentantenhaus eingeleitet und das eigentliche Amtsenthebungsverfahren wird dann vom Senat durchgeführt. In einem solchen Verfahren gegen den Präsidenten würde der oberste Richter den Vorsitz führen. Für einen Schuldspruch ist eine Zwei-Drittel Mehrheit des Senats notwendig. Das Verfahren ist zweistufig: In einem ersten Schritt wird über die Schuldfrage abgestimmt und anschließend darüber, ob der Präsident aufgrund der Vergehen sein Amt räumen muss. Bislang wurde lediglich gegen zwei Präsidenten ein solches Amtsenthebungsverfahren angestrengt und in beiden Fällen kam es zu keiner Amtsenthebung: 1868 gegen Andrew Johnson und 1999 gegen Bill Clinton. Gegen Richard Nixon wurde wegen der Watergate-Affäre 1974 ein Amtsenthebungsverfahren eingeleitet, aber er kam der Anklageerhebung durch Rücktritt zuvor.

Prof. Dr. Christian Lammert, Freie Universität Berlin, Quelle: http://www.ipg-journal.de/interviews/artikel/ein-amtsenthebungsverfahren-ist-moeglich-1785/

Am wichtigsten bleibt zunächst: Der Protest, das Nein, die Verurteilung dieser Trump Clique. Und die Überzeugungsarbeit, wenigstens ein Drittel der Republikanischen Politiker zur demokratischen Vernunft zu bringen und Abgeordenete dieser Partei zum Nein zu Mister Trump zu bewegen.

Eine Massenbewegung kann das anstoßen, ein Bündnis aus Frauen, Latinos, Intellektuellen, Muslims, Atheisten und vernünftigen Christen, zur Vernunft gekommenen Evangelikalen usw…Und Trump kann sich nach seiner Amtsenthebung in sein Luxus- Kitsch – Schloß in seinem New Yorker Tower einsperren und sein Geld zählen…

Nur so kann wohl die Chronik eines angekündigten Bürgerkrieges möglicherweise an ein (friedliches) Ende kommen.

Im übrigen kann sich Kanada als Zufluchtsland anbieten oder Europa. „US-Amerikanische Flüchtlinge finden Asyl in Deutschland“, klingt komisch, ist aber nicht ausgeschlossen.

Copyight: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

 



Der § 175 besteht noch: In der katholischen Kirche

23. Januar 2017 | Von | Kategorie: Befreiung, Religionskritik, Termine

Ein Hinweis von Christian Modehn.

Der Vatikan hat in diesen Tagen erneut davor gewarnt, homosexuelle Männer zu Priestern zu weihen. Damit werden schwule Männer in ihrer religiösen Berufung und in ihrer Freiheit, ihren Glaubens auf ihre Weise (eben als Priester) zu gestalten, eingeschränkt. Schwule erleben insofern ein Berufsverbot, sie werden diskriminiert und zurückgewiesen. Diese Vorgänge erinnern an Zeiten, als der § 175 in Deutschland homosexuelle Männer ausgrenzte und verfolgte, die Nazis brachten viele von ihnen ins KZ, viele wurden dort ermordet. Der Vatikan ist also einer der letzten Staaten und eine der letzten Organisationen in der westlichen Welt, die dieses Berufsverbot und diese Fortdauer des § 175 betreibt. Erst jetzt beginnt der demokratische Staat Deutschland langsam die eigenen Verfehlungen auch gesetzlich „aufzuarbeiten“.

Justizminister Heiko Maas (SPD) hat darauf hingewiesen, dass „die Verurteilungen aufgrund des § 175 in Deutschland bis heute gelten. Auch wenn Homosexualität seit langem legal ist“. Es gibt unter uns also (homosexuelle) Männer, die noch immer vorbestraft sind, sagt Heiko Maas: „Das ist eine Schande für unseren Rechtsstaat, und es ist überfällig, die Opfer des § 175 zu rehabilitieren“ (Tagesspiegel, 23.7.2016, Seite 6).

Also: Tatsache ist, überall bekannt: Männer, die sich offen als homosexuell bekennen, haben keine Chance, Priester zu werden oder als Laientheologen, etwa als Pastoralassistenten, zu arbeiten. Selbst Mitglieder eines katholischen Laiengremiums oder Angestellte der Kirche, etwa in katholischen Privatschulen, sind gut beraten, sich nicht zu “outen“. Sie sollten um ihrer Karriere willen schweigen zu ihrer Identität! Diese Regelung gilt weltweit, sie wurde unter Kardinal Joseph Ratzinger bzw. Papst Benedikt XVI. erneut bestätigt. Und jetzt wieder einmal (römisches Dokument „Das Geschenk der Berufung zum Priestertum“ vom 8.Dezember 2016) durch die neuen Weisungen aus Rom zur Priesterausbildung bekräftigt. Das hat jedenfalls Papst Franziskus zugelassen, der angeblich ein bißchen liberale… Die offizielle katholische Lehre betont, so wörtlich, dass homosexuelle Handlungen „auf keinen Fall zu billigen sind“ (so im „Katechismus der katholischen Kirche“ von 1993, § 2357). Homosexuelle werden offiziell nur geduldet, wenn sie auf Sexualität, also auf körperliche Liebe, auf homosexuelle Ehe, auf Miteinanderleben und Lebenteilen verzichten. Sie sollen also verzichten auf das, was bekanntlich im Neuen Testament das Höchste genannt wird, die Liebe. Niemals hat eine andere Religionsgemeinschaft ein so drastisches Liebes-VERBOT erlassen… Diese Katechismus-Formulierungen könnten jedoch wörtlich auch von fundamentalistischen muslimischen „Gelehrten“ stammen… Und dieses Fortleben des § 175 im römischen Katholizismus zeigt sich weltweit: Im katholischen Polen wird diese päpstliche „Missbilligung“ Homosexueller politisch von der klerikalen Rechten „umgesetzt“. In katholischen Ländern Lateinamerikas gibt es immer noch heftige Attacken gegen homosexuelle oder transsexuelle Menschen, etwa in Brasilien oder Mexiko und in Zentralamerika, vor allem in Honduras. Von den dort ermordeten Aktivisten spricht hierzulande fast niemand. Und Homophobie ist nach wie vor auch in Deutschland vorhanden, in dem zunehmend rechten, manchmal fundamentalistisch-rechten christlichen Milieu.

Dabei ist es – auch theologisch gesehen – längst zweifelsfrei und eigentlich keiner theologischen Diskussion mehr wert:  Homosexualität ist eine Variante der menschlichen Sexualität, eine normale Variante, eine gute Gabe des Schöpfers, genauso gut wie die Hetero-Variante. Die Bibel (auch nicht der Koran) sagt zur modernen Erfahrung von Homosexualität gar nichts. Man setze also auf die Vernunft, nicht auf religiöse Traditionen in dieser Frage! Lege also Bibel und Koran in dieser Frage guten Gewissens beiseite!

Wer sich in diesem 21. Jahrhundert als homosexueller Theologe in der Kirche allerdings verleugnet, also sein wahres Wesen verstellt und es verschweigt, hat durchaus – wie früher schon immer – Chancen, in der römischen Kirche als Priester (Bischof, Kardinal, Papst etc.) bzw. Pastoralmitarbeiter zu arbeiten und Karriere zu machen. Und insofern ist die römische Kirche heute voller „verschwiegener“ homosexueller Priester. Der „Preis“ dafür ist für den Betroffnen nicht nur hoch, sondern für die psychische Gesundheit katastrophal: Es führt zu verlogenen, verkrümmten Gestalten, eben zu solchen, die nie ihr wahres Wesen offen mit anderen teilen können und eben auch nicht Liebe erfahren, und wenn, dann nur heimlichen Sex –etwa in Saunen und Dark Rooms – haben oder in versteckten Beziehungen. Dies alles ist weltweit bekannt inzwischen. Und wer sich als Journalist mit kritischen Insidern der römischen Kirche in Rom, Paris, Barcelona, New York, Warschau, Köln oder Berlin usw. unterhält, der kann förmlich ganze lange Listen von versteckt homosexuell lebenden Priestern zusammenstellen. Und es sind unter den Jüngeren, so wird glaubhaft, auch aus Kirchen-Gemeinden, berichtet, sehr viele schwule „Geistliche“, gerade in den so genannten neuen „geistlichen Bewegungen“. Das sind dann eben jene Priester, die versteckt ihr Schwulsein ausleben, also den Normen der Kirche nicht entsprechen, aber zum Beispiel frommen wiederverheirateten katholischen Eheleuten den Empfang der Kommunion verweigern. Und diese Priester schimpfen auf der Kanzel laut gegen die Ehe von Homosexuellen und organisieren, wie in Frankreich, Massen-Demonstrationen: Sie haben die sozialistische Regierung letztlich auch zu Fall gebracht…

Darum merke: Je stärker die Homophobie eines Priesters, um so stärker das eigene, homosexuelle Betroffensein…

Der § 175 besteht also in der römischen Kirche weiter. Und es gibt förmlich eine gut vernetzte klerikale Sittenpolizei der Kirchenbehörden. „Sittenpolizei“ kannte man auch im Umfeld des § 175 etwa zur Zeit der Nazis oder der frühen BRD.  Zu Folter und Feuertod, wie bis ins 17. Jahrhundert, dürfen die heute „entdeckten“ homosexuellen Priester bzw. Priesterkandidaten nicht mehr verurteilt werden. Denn einige Staaten Europas sind, gegen den Willen der Kirche von einst, inzwischen Demokratien und Rechtsstaaten, die Homosexuelle jetzt – offiziell – schützen.

Die Verteidigung von Menschenrechten aus offiziellem katholischem Munde ist angesichts dieser Situation heute oft nicht mehr als leere Propaganda. Das elementare Menschenrecht, etwa das Recht, auch „anders“ zu lieben und Sexualität „anders“ zu leben, gilt in dieser Kirche eben nicht(s). Die katholische Kirche, auch der Papst, müssten eigentlich vor Scham erbleichen, wenn sie nur wahrnehmen könnten: Eigentlich gilt in unserer Kirche immer noch ein Naziparagraph.

Mit dieser Haltung „verliert“, so möchte man sagen, die römische Kirche heute nicht nur ganze Generationen von (jungen) Schwulen und Lesben, sondern auch deren vernünftige Freundinnen und Freunde. Und dann wird über die „Säkularisierung“ und Kirchendistanz auch noch kirchlicherseits offiziell geklagt… Es ist die römische Kirche selbst, die religiös interessierte Menschen, eben auch Homosexuelle, vertreibt und vertrieben hat. Es gibt also eine Form der kirchlichen Selbst-Marginalisierung.

Alles wurde tausendmal gesagt: „Es ist ein purer Wahn, wenn die römische Kirche behauptet: Sie habe eben ihr eigenes, ihr katholisches Gesetz in ethischen Fragen“. D.h.: Die allgemeine, vernünftige Ethik, die sich immer weiter entwickelt, gelte also nicht innerhalb der Rechtsprechung der Kirche!

Es ist merkwürdig, dass die Verurteilung lesbischen Lebens und Liebens in der römischen Kirche kaum ein Thema ist, Gott sei dank, möchte man im Sinne der Frauen sagen. Man soll ja keine – in diesem Fall- schlafenden Glaubenswächter wecken… Aber dieses römische Verhalten hat nichts mit partieller Toleranz zu tun. Denn Frauen sind im römischen Kirchensystem ohnehin nicht wichtig, ob lesbisch oder nicht. Sollen doch in den Klöstern viele Lesben leben, denkt der Klerus; Frauen nun auch auf diese Weise – Gott sei dank in diesem einen Fall – ignorierend.

Copyright: Christian Modehn

Es wäre wert, in historischen Studien  zu untersuchen, wie der § 175 schon in der Weimarer Zeit und auch nach 1933 von der Kirche, den Kirchen, verteidigt wurde. Wie faschistische Diktaturen (und kommunistische) die „Ideen“ dieses Paragraphen anwandten und etwa faschistische Diktaturen auch in der Hinsicht katholische Unterstützung fanden. Eine extreme Leidens-Geschichte würde freigelegt werden. Eine ähnliche Forschung könnte sich etwa auf die Klöster und Orden beziehen. Ein weites Feld, wie mit schwulen Mönchen umgegangen wurde und wird. Aber es gehört zur Marginalisierung der Homosexuellen in der Geschichte, dass Verfolgung und Unterdrückung (und Tötung durch die Inquisition) kaum dokumentiert sind. Es fehlen heute einfach viele Fakten. Alle Doumente wurden vernichtet oder sind als Dokumente nicht zugänglich in den Kirchenarchiven. Die Ausgegrenzten, die Schwulen, wurden auch auf diese Weise ins Nichts des Vergessens gestürzt. Die Erinnerung an schwule Priester usw. wurde und wird offiziell sofort ausgelöscht und verhindert und wer davon spricht, muss mit Strafen rechnen. Nicht zu verheimlichen ist hingegen die allgemein bekannt gewordene, offen gelebte Homosexualität einiger katholischer Bischöfe, wie Kardinal Spellman, New York; Bischof Juan Carlos Maccarone, Santiago del Estero, Argentinien; oder Bischof Juliusz Paetz, Posznan, Polen. Die Liste ist unvollständig. Die genannten Namen wurden dem in diesem Fall zuverlässigen wikipedia entnommen.

Zu den Erfahrungen des Philosophen Michel de Montaigne in Rom, im Jahr 1580/81. Dargestellt in dem Buch „Tagebuch einer Reise nach Italien“, Diogenes Verlag, 2007, Seite 223 f.

Dort berichtet Montaigne, wie er, vom Petersdom kommend, einen Mann trifft, der berichtet: In der Kirche „San Giovanni a Porta Latina“ hätte es vor kurzem eine Bruderschaft gegeben, von Portugiesen gegründet. „Während einer Messe dort schlossen damals Mann und Mann die Ehe. Und zwar nach denselben Ritualen, die in unseren Trauungen üblich sind…um dann zusammen zu ziehen und einander beizuwohnen“, soweit berichtet Montaigne von der Begegnung. Er selbst habe dann, so wörtlich, „mit römischen Kirchenrechtlern gesprochen“, die die Männer als Schlaumeier bezeichneten, weil diese glaubten: Die korrekte Imitation einer (Hetero) Eheschließung  sei dann auch für sie als Männer gültig… Montaigne beendet seine ungewöhnliche Notiz ziemlich lapidar: „Dies war also ein Irrtum, den acht, neun der Portugiesen auf dem Scheiterhaufen büßten“. Glaubwürdig ist dieser Bericht Montaignes durchaus, zumal in Rom damals ja allerhand „moralisch“ möglich war: Bekanntermaßen gab es Päpste wie PAUL II. oder Julius II. und Julius III.,  die offen homosexuell lebten! Andere waren hetero-verheiratet waren, wie Alexander VI.. Und in den Orden, wie den Piaristen, dominierten schon nach der Gründung pädophile Kreise, (Stefano Cherubini u.a.), über die der Religionsphilosophische Salon ebenfalls berichtet hat. Nur eben der Unterschied: Homosexuelle Katholiken wurden damals verbrannt, wenn sie nicht gerade Päpste und Kardinäle waren…

Religionsphilosophischer Salon Berlin.



Trump wird von Immanuel Kant verurteilt

21. Januar 2017 | Von | Kategorie: Alternativen für eine humane Zukunft, Befreiung, Termine

Der Philosoph Immanuel Kant kann unter keinen Umständen die politischen Maximen von Mister Trump gelten lassen. „Make America great again“. Diese Maxime als Regierungsprogramm von Trump und Co. ist für den Philosophen Kant unvernünftig, unmenschlich, gefährlich. Denn: Wenn auch Deutschland diese nationalistische Maxime für die eigene Politik gelten lassen würde: „Macht Deutschland wieder groß“. Oder Österreich: „Macht Österreich(-Ungarn) wieder groß“. „Macht Spanien wieder groß wie einst im Kolonialismus“. Oder Russland:“Macht die Sowjetunion wieder groß“ usw.: Wenn dieser Maxime jeder Staat heute in einem neuen nationalistischen Wahn folgen würde, hätten wir schnell den totalen Weltkrieg. Darum: Diese Maxime als Regierungsprogramm von Mister Trump ist kriegerisch, ist gefährlich, sie gehört verboten zu werden. Kant sagt: „Diese kriegerische Maxime hat wie jede andere kriegerische Maxime kein Recht. Sie entspricht nicht der Würde der Menschen und der Würde der Menschheit. Sie gefährdet sogar letztlich Mister Trump. Diese Maxime ist für alle lebensgefährlich, sie muss sehr schnell überwunden und abgeschafft werden“. Kant kann nur diese eine US-Maxime ertragen: „Make America democratic and human again“. Oder auch: „Gestaltet Deutschland und Europa und die Welt so, dass die Würde und vor allem die Gleichheit aller Menschen respektiert wird“. Und Kant sagt: „Überprüft alle eure politischen Maximen am Kategorischen Imperativ. Dann entsprecht Ihr den Grundsätzen der Menschlichkeit“.

Zur Vertiefung dieser philosophischen Kritik an den politischen Maximen von Mister Trump siehe die Hinweise von Peter Sloterdijk oder Thomas Jefferson, klicken Sie hier.

Copyright: Religionsphilosophischer Salon Berlin



Einfach nur Protestant sein: Hinweise zur Reformation in Spanien: Casiodoro de Reina

4. Januar 2017 | Von | Kategorie: Befreiung, Perspektiven und Probleme

Von Christian Modehn.    Dieser Beitrag erschien Ende 2016 in kürzerer Fassung in der empfehlenswerten Zeitschrift PUBLIK-FORUM

Kaum sind Juden und Muslime vertrieben oder zur Konversion gezwungen, da wird in Spanien die Inquisition gegen „alles Lutherische“ aktiv. Der erste Bericht von Protestantenverfolgung datiert aus dem Jahr 1524 in Valencia. Vor allem die Gebildeten, im Adel und im Klerus, verlangen nach einer biblischen Spiritualität; sie weisen den volkstümlichen Aberglauben zurück. Und sie sind gut informiert: Über die zahlreichen Häfen gelangen reformatorische Schriften ins Land, viele Bücher von Reformatoren werden jedoch von der Inquisition entdeckt und sofort verbrannt, wie in San Sebastian.

Dabei sind Spanier an Erasmus von Rotterdam genauso interessiert wie an den Schriften Luthers. Vor allem in Klöstern des damals sehr einflussreichen Hieronymiten-Ordens verfügen die Mönche über erste spanische Ausgaben des Neuen Testaments. Im Kloster San Isidro del Campo bildet sich um die Cripiano de Valera, Juan Pérez de Pineda und Antonio del Corro eine Art Begeisterung für reformatorische Schriften. Einer der maßgeblichen reformgesinnten Mönche im Kloster San Isidro in Sevilla ist der Hieronymit Casiodoro de Reina. Er weiß, dass sich nur kleine Zirkel (etwa in Valladolid) und Gruppen in Klöstern für Reformation und Humanismus interessieren. Strukturierte evangelische „Gemeinden“ gibt es nicht.

Casiodoro de Reina wurde 1520 in der Nähe von Badajóz geboren. Freie theologische Debatten sind verboten. Kaiser Karl V. will Spanien mit aller Gewalt als letzte katholische Bastion verteidigen. Reformgesinnte Mönche, wie der prominente Casiodoro, werden verdächtigt, insgeheim Juden geblieben zu sein. Er sieht für sich keine Chancen zum Überleben. 1557 flüchtet er nach Genf, weitere Mönche, auch aus anderen Klöstern, folgen ihm. Casiodoro de Reina, obwohl eher mit Luther vertraut, flieht ins Zentrum Calvins: Für ihn spielen die unterschiedlichen reformatorischen Lehren keine große Rolle. Er ist ein Reformator, der „nur“ evangelisch sein will mit starker Bindung an den Humanismus von Erasmus. Casiodoro lehrt: „Niemand darf wegen seines persönlichen Glaubens verfolgt oder gar verbrannt werden“, kritische Worte gegen Calvin, der die Verbrennung des theologischen „Abweichlers“ Michel Servet, auch er ein Spanier, 1553 betrieben hatte. „Genf hat sich in ein neues Rom verwandelt“, urteilt Casiodoro. Auch die von führenden Reformatoren heftig kritisierten „Wiedertäufer“ sind für ihn „Brüder im Glauben“. Als „liberaler Protestant“ muss er Genf verlassen, nachdem er 1559 ein offenes „Glaubensbekenntnis“ publiziert hat. Seit der Zeit leidet Casiodoro unter der Engstirnigkeit aller christlichen Kirchen, auch wenn er, von der materiellen Not gedrungen, Pastorenämter unterschiedlicher Konfessionen annimmt. Als unbequemer Denker kann er in keine (geistliche) Heimat finden. Der spanische Katholizismus hat ihn, im Symbol seines Bildes, öffentlich verbrannt; im Rahmen der volkstümlichen Spektakels „Autodafé“. König Philipp II. setzt sogar Spione gegen ihn ein, ein Kopfgeld lässt er ausschreiben. Er erhält den offiziellen Ehrentitel „Chef-Häretiker“ … und bedankt sich für diese Verurteilung mit einer Studie über „Die Kunst der spanischen Inquisition“. Um 1557 ist der protestantische Glaube in Spanien öffentlich ausgelöscht, die dort lebenden Protestanten sind verbrannt. In Pamphleten dokumentieren die Evangelischen in westeuropäischen Ländern diese Schandtaten.

Von Genf gelangt er zum ersten Mal nach Frankfurt am Main, dann zieht er weiter nach London, wo ihm Königin Elisabeth I. großzügigerweise den Aufbau einer spanisch sprechenden „Flüchtlingsgemeinde“ gestattet. 1562 wird er sogar zum Pastor der „Kirche von England“ ordiniert. In London heiratet er. Hier beginnt er mit der Übersetzung der gesamten Bibel aus dem Hebräischen und Griechischen ins Spanische. Unter den zerstrittenen Protestanten in London wird er verleumdet und muss nach Antwerpen fliehen. Bettelarm kann er dort weiterarbeiten. Seine Übersetzung der spanischen Bibel wird 1569 in Basel veröffentlicht, wegen des Titelblattes mit dem Bären spricht man nur von der „Biblia del Oso“. Die dogmatischen Calvinisten in Genf sind empört, dass Casiodoro diese große Arbeit ohne ihre Zustimmung gemacht hat.

Immer auf der Suche nach einer Bleibe, um seine Studien fortzusetzen, irrt er quer durch Europa, man sieht ihn in Heidelberg, sogar in Frankreich, in Basel. Als Handwerker kann er sich am Leben halten. Seine letzten Lebensjahre verbringt er in Frankfurt am Main, er wird Bürger dieser Stadt. Für die Gemeinde der spanischen Flüchtlinge wird er zum lutherischen Pastor ordiniert. Er stirbt am 15. März 1594. Zu dieser Zeit hat die Inquisition alle Spuren protestantischen Lebens in Spanien total ausgelöscht.

Noch während des Bürgerkrieges wurden die wenigen Evangelischen verfolgt, sie mussten flüchten. Nach dem 2. Weltkrieg waren alle nicht-katholischen Bibelübersetzungen verboten. Protestantisches Leben musste sich in privatem Rahmen abspielen, evangelische Gebetsstätten duften nach außen nicht erkennbar sein. Erst nach dem Ende der Franco Diktatur können dort Evangelische frei leben. Heute nennen sich etwa 400.000 Spanier „Protestanten“.

Literaturhinweis: Manuel de Leon, 1946 Historiker, er hat u.a. publiziert: „Los protestantes y la espiritualidad evangélica en la España del siglo XVI” 2 tomos, 1600 páginas, Der Text ist im Internet als PDF Datei verfügbar: http://www.saavedrafajardo.org/Archivos/Libros/Libro0778.pdf

Zur Bibelübersetzung von Casiodoro de Reina: http://www.protestantes.net/enciclopedia.asp?id=620

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.



Trump widerstehen. Thomas Jeffersons Vorschläge und ein Hinweis von Peter Sloterdijk

3. Januar 2017 | Von | Kategorie: Alternativen für eine humane Zukunft, Befreiung, Termine

Ein Hinweis zum 20. Januar 2017: Mister Trump wird US-Präsident und er befindet sich als (zukünftiger) „Mauerbauer“ in bester Gesellschaft mit dem Mauerbauer Walter Ulbricht, DDR.

«Der Geist des Widerstands gegen die Regierung ist bei gewissen Gelegenheiten so wertvoll, dass ich mir wünsche, er möge immer lebendig bleiben. Ich mag ein bisschen Rebellion dann und wann. Sie ist wie ein Sturm in der Atmosphäre.»

Das schrieb der spätere US – Präsident Thomas Jefferson 1787 als Botschafter in Paris, in den Monaten vor der Französischen Revolution. Die Hoffnung der Menschen, die sich nicht nur ihre Vernunft bewahrt haben, sondern  – im Unterschied zu Mister Trump – auch einen letzten Rest von Anstand und Wahrhaftigkeit, werden auf diesen „Sturm des Widerstands“ gegen Trump hoffen und alle Möglichkeiten suchen, vernünftig den Geist des Widerstands gegen diese Regierung zu leben. Sie werden sich dabei nicht national einschließen, sondern auch die besonders Betroffenen, etwa die Mexikaner und Lateinamerikaner im allgemeinen, unterstützen im Widerstand gegen die verbrecherische Mauer, die Mister Trump an der Grenze zu Mexiko bauen will. Der letzte, der eine ganz große Mauer baute, war 1961 der kommunistische Diktator Walter Ulbricht. Trump ist also – wieder mal – in „bester Gesellschaft“.

Der Philosoph Peter Solterdijk schrieb am 24. November 2016 in „Die Zeit“, Seite 49, einen meines Erachtens eher wenig beachteten Text. Slolterdijk rechnet nämlich ganz schlicht damit, dass alsbald die Frage auftritt, wie man die Zeit nach Trump gestalten solle. Der Philosoph Sloterdijk schreibt dann: „Die Chance von Donald Trump, die ersten zwei Jahre seiner Amtszeit zu überleben, liegt vermutlich bei kaum mehr als zehn Prozent“. Slolterdijk nennt die USA weiter eine bloß hypothetische Demokratie, weil in dieser stets umstrittenen, „wackligen“  Demokratie der politische Mord eine, so wörtlich von Sloterdijk, „aktive Option“  ist. Im Falle eines Ausscheidens von Trump wäre dann Pence, der Vizepräsident, so Sloterdijk, der „richtige Trump-Nachfolger“… „Auf seine Mediokrität ist Verlass“.

Lassen wir diese heftigen Spekulationen Sloterdijks… Inspirierend sind auch die Überlegungen des US Literaturwissenschaftlers Mark Greif in der TAZ vom 14.1. 2017 Seite 03 veröffentlicht. Der ernstgemeinte Titel des erregten Autors Greif: „Ausflippen! Jetzt!“ Zur Lektüre des TAZ-Artikles klicken Sie hier.

Zur (hoffentlich eintretenden) Möglichkeit der Amtsenthebung des Herrn Trump als US-Präsident schreibt der Berliner Politologe Prof. Christian Lammert, klicken Sie hier.

Auch der Philosoph Immanuel Kant kann in der heutigen vernetzten Welt niemals der Maxime von Mister Trump zustimmen: „Make America great again“. Wenn auch Deutschland diese Maxime für die eigene Politik gelten lassen würde: „Mach Deutschland wieder groß“. Oder Österreich: „Mach Österreich(-Ungarn) wieder groß“. Oder Russland:“Mach die Sowjetunion wieder groß“ usw.: Wenn dieser Maxime jeder Staat heute in einem neuen nationalistischen Wahn folgen würde, hätten wir schnell den totalen Weltkrieg. Darum: Diese Maxime als Regierungsprogramm von Mister Trump ist kriegerisch, ist gefährlich, sie gehört verboten zu werden. Kant sagt: „Diese kriegerische Maxime hat wie jede andere kriegerische Maxime kein Recht. Sie entspricht nicht der Würde der Menschen und der Würde der Menschheit. Diese Maxime ist lebensgefährlich, sie muss überwunden werden“. Kant kann nur diese Maxime ertragen: „Make America democratic and human again“. Oder: „Gestaltet Deutschland und Europa und die Welt s0, dass die Würde und die Gleichheit jedes Menschen respektiert wird“.

Noch einmal, auch aus religionsphilosophischen Gründen, zurück zu Jefferson und nem Aufruf zum Widerstand: Jefferson war von 1801 bis 1809 der 3. Präsident Amerikas, er ist der Autor der Unabhängigkeitserklärung; ein einflussreicher Staatstheoretiker. Die Trennung von Kirche und Staat in den USA geht auf ihn zurück. Als Präsident nannte er für sich keine Religionszugehörigkeit, obwohl anglikanisch erzogen.

Interessant ist: Er zerschnitt seine Bibel, um die für ihn entscheidenden Textstellen für sich zusammenzustellen, Aussagen, die vor der kritischen Vernunft Bestand haben. Es entstand die „Jefferson – Bibel“. Er sagte: „Der Korruption des Christentums stehe ich in der Tat ablehnend gegenüber, aber nicht den wahren Prinzipien Jesu. Ich bin ein Christ in dem Sinne, wie Jesus es wollte.“ Als Propagandist für kirchenfeindliche Strömungen ist der dritte US-Präsident völlig ungeeignet.

Copyright: Christian Modehn Berlin



Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche soll nun Friedenskirche heißen.

21. Dezember 2016 | Von | Kategorie: Alternativen für eine humane Zukunft, Befreiung, Termine

Von Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin. Veröffentlicht am 21. Dezember 2016 um 18 Uhr.

Der Gottesdienst am Abend des 20. Dezember hat es gezeigt: Pfarrer und Bischöfe unterschiedlicher Konfessionen, Imame und ein Rabbiner können gemeinsam und in der – durch diese Praxis bewiesenen – Anerkennung der Gleichwertigkeit eine religiöse Feier, eine im umfassenden Sinne ökumenische Feier, gestalten. Diese interreligiöse Gedenk-Stunde (mit protestantischer Dominanz) fand in der „Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche“ statt. So wurde ansatzweise (wo waren die Vertreter der Konfessionsfreien, etwa der Humanisten, wo Buddhisten usw. ?) eine Ahnung von dem vermittelt, was die wahre „Berufung“ dieser Kirche am Breitscheid-Platz ist, gerade jetzt, nach dem Terroranschlag des 19. Dezember 2016: Sie ist eine Friedens-Kirche, ein Friedens-Tempel für alle. Das heißt: Aus der „Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche“ wird nun die „Friedenskirche“. Sie erhält den neuen Titel „Friedenskirche“. Ein traditionsreiches Kirchengebäude verliert seinen unsäglichen Titel (Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche) und wird so förmlich „neu errichtet“.

So sehr die Menschen auch betroffen sind vom Terroranschlag auf die Besucher des Weihnachtsmarktes rund um die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und so sehr sie leiden angesichts der Ermordung von mehr als 12 Personen und der zahlreichen schwer verletzten Opfer: Diese widerwärtige Tat eines – offenbar – total enthemmten religiösen Fundamentalisten darf nicht als Beginn eines „Kriegszustandes“ gedeutet werden. SPIEGEL ONLINE publizierte am 20.12. vormittags diese Einschätzung des Vorsitzenden der Innenministerkonferenz Klaus Bouillon CDU (Saarland). Darin ist er wohl nicht weit entfernt von rechtsextremen Kreisen; sie schwadronieren angesichts des Anschlags, wie zu erwarten, von einer „Kriegserklärung“ „des“ Islam auf „das Abendland“. Auf die sinnlose Debatte, was denn überhaupt ein Krieg sein könnte, wenn eine Partei den Feind („einzelne versteckte Terroristen“) gar nicht genau greifen, definieren und finden kann, wollen wir uns gar nicht einlassen. Einen „Krieg“ gegen einzelne Terroristen(gruppen) in Europa kann es „per definitionem“ nicht geben.

Weiter führt die Erkenntnis: Diese unmenschliche Tat fand im Schatten einer weltweit bekannten Kirche statt. Sie hat immer noch, den Titel „Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche. Offenbar ist der Name ihrer Kirche für die Gemeinde selbst und die Evangelische Kirche in Berlin insgesamt aber durchaus peinlich. Denn sie verwenden oft, etwas verschämt, nur noch den völlig nichts sagenden Titel „Gedächtniskirche“ oder gar nur die drei banalen Anfangsbuchstaben KWG.

Tatsächlich kann sich jeder etwas historisch Gebildete nur peinlich berührt fühlen, wenn er sich an den Titelgeber dieser berühmten Kirche tatsächlich erinnert und dann noch im Schatten dieser Person in diesem Gotteshaus singt und betet: Kaiser Wilhelm der Erste (geboren 1797, gestorben 1888) war nicht nur König von Preußen, sondern seit 1871 auch Deutscher Kaiser. Und er war ein begeisterter Kriegs-Herr und stolzer Sieger über den Erzfeind Frankreich im Jahr 1871. So verfügte Wilhelm II. als oberster Chef der evangelischen Kirche, dass eine neue Kirche in einem Zentrum Berlins, im „alten Westen“, zu Ehren Wilhelm I. gebaut werden sollte. Unbescheidenerweise fand die Grundsteinlegung an Wilhelm I. Geburtstag, also an einem 22. März des Jahres 1891 statt. Und noch pikanter: Für die Einweihung der prächtigen Kirche im neoromanischen Stil hatte Wilhelm II. den so genannten „Sedan-Tag“ gewünscht, also das deutsch-nationalistische Gedenken an die Kapitulation der französischen Armee am 2. September 1871 in der Stadt Sedan. Militärische Siege, erkauft mit massenhaften Sterben von Soldaten und Zivilisten, sollten von vornherein den Glanz dieser Kirche verstärken. Sie ist also selbst noch mit dem banalen Titel „KWG“ architektonischer Ausdruck einer militaristischen, staatskonformen Theologie. Man möchte beinahe zynisch werden und sagen, Gott sei Dank wurde diese Kirche im 2. Weltkrieg zerstört. Denn mit ihr ging, symbolisch, die – eigentlich seit Luther – skandalöse Kirche-Staat-Einheit in die Trümmer. Aber ein Turm blieb ein bisschen erhalten und er wird als Ruine ständig weiter gepflegt. Der sehr gelungene Kirchenneubau durch den Architekten Egon Eiermann (die Einweihung fand am 17. Dezember 1961 statt) behielt aber wieder den Titel Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche. Dass die Gemeinde eigentlich den Frieden und nicht den Kriegsherren Kaiser Wilhelm I. verehren will, ist ansatzweise wenigstens schon jetzt offenkundig: Es wird die Zeichnung eine „Stalingrad-Madonna“ ausgestellt, sie erinnert an den Tod deutscher UND russischer Soldaten.

Nun ist aber angesichts der Terror-Attacke vom 19. Dezember 2016 der Moment gekommen, der Kirche insgesamt, auf dem zentralen Breitscheid-Platz, einen neuen Namen zu geben. Ein Symbol mit einem neuen Namen muss der Gewalt auf diesem Breitscheid-Platz widerstehen! Übrigens: Rudolf Breitscheid war als SPD Politiker Widerstandskämpfer, er ist im KZ Buchenwald ermordet worden. An diesem zentralen Platz in Berlin also, wo sich so viel Schrecken und Leiden am 19.Dezember ereignete, muss eine Kirche präsent sein, die zu Mord und Totschlag und Terror schon im Titel NEIN sagt: Und dies kann nur eine Kirche sein, die Friedens-Kirche heißt. Kaiser Wilhelm war Kriegs-Treiber. Also: Weg mit ihm aus der religiösen Erinnerung.

Seit dem 19. Dezember 2016 gibt es also keinen Grund mehr, sich in einem Gotteshaus an den Kriegsherren Kaiser Wilhelm I. zu erinnern. Dieser Herr und Kirchenfürst hat ausgedient; er darf nur noch historisch-kritisch studiert werden, er darf nicht länger mehr „Namenspatron“ einer Kirche sein.

In der Friedenskirche auf dem Breitscheid-Platz können dann weiter, wie schon am 20.12., interreligiöse Friedensgebete und Friedensfeiern und Friedensdiskussionen stattfinden, selbstverständlich auch mit jüdischen und islamischen Gemeinden oder auch mit buddhistisch-Frommen und den in Berlin so zahlreichen humanistisch Engagierten. Friede ist etwas Universales. Eine Friedenskirche darf nicht konfessionalistisch verengt sein.

Kaiser Wilhelm ist, Gott sei Dank, in seinem Sarg fest eingeschlossen. Sein Gespenst huscht nicht mehr durch die Kirche auf dem Breitscheid-Platz. Leben soll dort nur der Friede, der von allen Menschen gesucht wird. Diese neue Friedenskirche wird dann auch ein beliebtes Zentrum für Dialog und Toleranz werden.

Zudem: Der Verzicht auf den unsäglichen Kaiser-Wilhelm-Titel wäre ein toller Beitrag im Luther – und Reformationsgedenken 2017. Da würden die Stadt Berlin und die Menschen im ganzen Land spüren: Die evangelische Kirche bewegt sich etwas, sie denkt mit; sie setzt Zeichen des Lebens auch dadurch, dass sie sich – endlich – von historischen Schrott-Titeln trennt. Damit wäre im Reformationsgedenken 2017 ein Weg geöffnet, über viele andere unsägliche Namen evangelischer Kirchen nachzudenken: Was soll eine „Königin-Luise-Gedächtniskirche“? Was bedeuten so banale Namen wie „Auenkirche“ oder „Kirche am Seggeluchbecken“, um nur weitere Titel aus Berlin zu nennen? Gibt es denn keine ökumenischen Vorbilder oder Heilige? Ist die Kirche an Vorbildern so arm?  Je mehr man allerdings „die Gedächtnis-Kirche“ auch als banalen Titel so toll und wunderbar findet, wird die Gedankenlosigkeit nur befördert.

Copyright: Christian Modehn im Religionsphilosophischen Salon Berlin.

 



Kardinal Arns: Menschenrechte sind der Kern des Evangeliums

15. Dezember 2016 | Von | Kategorie: Befreiung, Religionskritik

Der brasilianische Kardinal Paulo Evaristo ARNS ist am 14.12.2016 gestorben. Er war einer der wesentlichen Freunde der Befreiungstheologie, ein Anwalt der Armen, ein progressiver Theologe auch als Kardinal. Deswegen war er unter dem polnischen Papst Johannes Paul II. und den reaktionären Kardinälen wie Hengsbach und Lopez Trujillo, beide Opus-Dei (Freunde), eher sehr unbeliebt. Kardinal Arns wurde wegen seines politischen Engagements zugunsten der Menschenrechte der Armen verleumdet von Bischöfen und Prälaten, aber auch von konservativen Politikern. Sie hatten ein gemeinsames grundlegendes, aber falsches Credo: „Befreiungstheologen sind linke Theologen also Marxisten also Kommunisten“. Diese neurotische Angst machte sie blind, für die umfassende Befreiung der Armen einzutreten,. Und die gerechte Gesellschaft als eine materielle Gestalt christlicher Erlösung zu begreifen. So blieben Leute wie Johannes Paul II. befangen in einer spiritualistischen Sicht der Erlösung; zudem hatten sie Angst vor den Basisgemeinden als den Orten des allgemeinen Priestertums, wo Laien eben kompetent werden für die Leitung der gemeinden… Diese Ängste vor den Basisgemeinden hatte Arns nicht! Er hat unter der römischen und z.T. konservativ-brasilianischen Kirchenführung gelitten; er hat darunter gelitten, dass die römische Kirche die Menschenrechte innerhalb ihrer eigenen Organisation nicht akzeptiert.

Als sein nach wie vor aktuelles, bleibendes Vermächtnis, auch religionsphilosophisch interessant, kann sein Statement gelten, das mir, damals als Journalust, Kardinal Arns für den Hörfunk der ARD Mitte der 1980 Jahre gab:

Kardinal Arns: „Die Menschenrechte sind der Kern des Evangeliums. Also sie kommen aus dem Herzen des Evangeliums heraus. Gott ist Mensch geworden, um den Menschen zu retten, also dass er Mensch werde, dass er Mensch bleiben kann, dass er wirklich alle seine Möglichkeiten als Mensch verwirklichen kann für die anderen. Und wenn er das nicht kann, dann ist Christus umsonst auf die Welt gekommen und Gott hat den Menschen umsonst geschaffen“.

copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.



Spenden: Das Gewissen wird beruhigt…wo bleiben politische Aufklärung und Aktion? ?

14. Dezember 2016 | Von | Kategorie: Alternativen für eine humane Zukunft, Befreiung

Ein Hinweis von Christian Modehn

Ein kurzes Vorwort: „Dieser Beitrag will natürlich stören. Langweilige Artikel gibt es genug…“ (Lichtenberg).

Der „faire Handel“ bietet sich als Alternative bzw. Ergänzung zum Spenden an:Siehe dazu:

http://www.inkota.de/material/suedlink-inkota-brief/178-fairer-handel/herrmann/

Vor allem die Weihnachtszeit ist Spendenzeit. Bei mir stapeln sich die Zahlkarten mit der herzlichen Einladung, die Konten der Hilfs-Organisationen zu füllen. Ich will diese Initiativen nicht alle nennen. Sie leben – auch die Mitarbeiter hier und auswärts – überwiegend von den freiwilligen Gaben gutmütiger Menschen und solcher, deren Gewissen noch nicht ganz lahm gelegt ist angesichts der Not in der Welt, nebenan genauso wie in Burkina Faso oder in Honduras. Viele Elende können zweifelsfrei nur ihr Elend ertragen, vielleicht ihr kurzes Leben, wie im Südsudan um ein halbes Jahr verlängern (und mit 40 sterben), wenn gelegentlich etwas für Sie gespendet wird, aus der reichen Welt. ALSO: aus der Welt der früheren und heutigen Kolonisten; also von Bürgern, deren demokratische Regierungen die Ökonomie in Burkina Faso und die demokratische Politik in Honduras z.B. KAPUTT gemacht haben und immer weiter kaputt machen. Um nur zwei beliebige Beispiele zu nennen. Die Lepra Krankheit ließe sich weltweit heilen, wenn weltweit an einem Silvester Tag auf die dämliche Knallerei verzichtet würde oder ein Jahr auf Staatsempfängen und Kirchenempfängen Graubrot und Wein serviert würde. Aber das will man nicht, das wollen die Herrscher nicht. Lieber sollen die Armen und die Mittelständler spenden …. und das Elend besteht trotzdem massiv fort.

Und Spender hierzulande sind so etwas hilflose Sanitäter, die nur mit Aspirin- Tabletten gegen Cholera und Aussatz ausgestattet sind; die das Elend etwas lindern, ein Elend, das nicht nur von den kapitalistischen gewinnsüchtigen Organisationen „des Nordens“ erzeugt wird, sondern auch von Politikern. D.h. im Klartext gesprochen, von Diktatoren in Afrika, die sich Eliten nennen, wobei sie herausragend, „Eliten“, sind einzig im Geldraffen (zugunsten ihrer privaten Konten in der Schweiz), also im Diebstahl der Ressourcen ihrer eigenen Länder und Bewohner.

Das ist die Realität des Spendenwesens. Von Haiti als dem Extremfall sinnloser Spenden (sinnlos, weil sie das leidende Volk fast gar nicht erreichen) wollen wir hier lieber schweigen…Und die meisten, die hierzulande etwas gebildet sind, wissen das. Es wird nur selten offen ausgesprochen. Da wird Jahrelang und stundenlang von gut willigen Damen gestrickt und gehäkelt für die Weihnachtsbasare in deutschen Kirchengemeinden, diese bringen vielleicht 15.000 Euro „für Bolivien“ ein, gleichzeitig werden infamerweise in derselben Gemeinde Orgeln für eine halbe Million gekauft und neue Glasfenster vom Feinsten bestellt. Das ist, gelinde gesagt, christlich kaschierter Unsinn… Die häkelnden Damen sollten sich und andere lieber umfassend informieren über das genannte Bolivien und Spanisch lernen und Menschen aus Spanien hierzulande unterstützen und andere Flüchtlinge.

Wir Spender lindern die Not kurzfristig hier und dort ein bisschen, ohne dass in all den Jahren unserer Spenden strukturell und sichtbar demokratische und gerechte Regierungen etwa in Afrika entstanden sind. Vom Ausbleiben einer Geburtenplanung ganz zu schweigen. Von Geburtenplanung redet kein Mensch mehr. In 10 Jahren werden sich auf dem ausgedorrten Haiti die vielen Menschen hoffentlich nicht tot trampeln. 1950 lebten auf den 27.000 Quadratmetern (etwa so groß wie das Bundesland Brandenburg) drei Millionen Menschen, heute sind es 11 Millionen.

Zu Afrika: Außer Ghana, Namibia, Südafrika ist mir kein weiteres wenigstens halbwegs demokratisches Land in Afrika bekannt; falls ich mich irre, bitte melden! In alle Länder Afrikas sind Millionen Dollar geflossen, bloß wo sind die Gelder gelandet?

Und wenn die Rede ist vom Sozialstaat Deutschland, wie kommt es dann, dass tausende Menschen in Deutschland keine Bleibe, keine Wohnung mehr haben? Vertrieben sind im eigenen Land. Wie kommt es, dass der so genannte Sozialstaat mit einer Regierung aus C und S Parteien das elementare Leben der Menschen in Deutschland nicht sichern kann, sondern auf kirchliche Organisationen oder humanistische Organisationen angewiesen ist? Wie in den USA.

Natürlich will ich nicht prinzipiell das Spenden schlecht machen. Aber die eingeschliffene Gewohnheit, förmlich der Denkzwang, bei großer Not ans Spenden zu denken und nicht zuerst ans politisch Analysieren und politische Handeln und an die politische Kritik der Systeme, ist alles andere als „hilfreich“ auf Dauer.

Die Kirchen als Liebhaber der Spenden (Almosengeben als göttliches Gebot ?) bieten zwar Informationen über die Hilfs-Projekte in verschiedenen Ländern. Aber diese Informationen führen nicht weiter, eben HIER politisch zu werden. In den Gottesdiensten wird in den Predigten zum 100. Mal das Gleichnis vom barmherzigen Samariter nacherzählt, aber politische Aufklärung, wie es sich gehören würde, unterbleibt. So entsteht eine abgehobene weltferne Frömmigkeit..

Und das heißt, wenn man schon bei den Kirchen bleibt, zu fragen: Was ändert sich eigentlich in den Kirchen selbst in Deutschland, mit ihren Milliarden Euro Kirchensteuer-Etats, mit den fetten Gehältern für Bischöfe, Pröpste, Monsignori und Pastoren? Wird da ernsthaft Solidarität gelebt, das heißt, werden da 20 % Gehaltskürzungen durchgesetzt etwa bei den Kardinälen und Erzbischöfen, werden die Bischofs-Paläste vermietet? Wann ist ein Bischof in eine Dreizimmer-Wohnung umgezogen? Oder denkt man: Die Armen, die kleinen Leute, die Kirchgänger, die biederen Bürger, die sollen doch spenden. Wir Funktionäre der Kirchen bleiben bei unseren satten Einkommen.

Solange die Orden etwa in Deutschland weitestgehend im wohlbehüteten Reichtum leben, ist kaum vermittelbar, warum die Witwe A. mit einer Rente von 900 Euro für den Orden spenden soll. Die Orden sollen ihren Reichtum freilegen, möglicherweise ihren Grundbesitz verkaufen, und dann können sie nachdenken, ob sie bei der Witwe A. und den anderen noch mit gutem Gewissen betteln dürfen.

Diese Analysen sind bitter. Aber sie werden wohl keine Selbstkritik bei den genannten kirchlichen Organisationen bewirken. Sondern eher Ausgrenzung und Abwehr derer, die noch davon öffentlich sprechen.

Den Wahn des Spendens hat kürzlich eine Reportage in „Die Zeit“ vom 8.September 2016 aufgezeigt, am Beispiel der Verhältnisse im Silicon Valley, also in der Nähe von San Francisco, Kalifornien.

Bitte lesen Sie diesen ausgezeichneten ausführlichen Beitrag!!! http://www.zeit.de/2016/38/silicon-valley-kalifornien-usa-armut

Die ultra-reichen Spezialisten haben, zusammenfassend gesagt, so unglaublich hohe Gehälter, dass sie fast den gesamten Wohnungsmarkt in San Francisco aufkaufen. Und das heißt: Die alteingesessenen Familien aus den Wohnungen vertreiben. Darum gibt es heute, so der sehr lesenswerte Bericht, arme Mittelständler, die in ihrer Stadt keine Miete mehr bezahlen können und auf de Straße oder in der Nebenkammer von Großmutters Wohnung landen. Internetfirmen treiben Tausende auf die Straße. Und was tun die gut betuchten Manager? Sie spenden natürlich! „Es gibt kaum eine Hilfsorganisation für die neuen Armen, die keine Senden von den Firmen aus Silicon Valley erhält“, so „Die Zeit“. Diese Herrschaften spenden für Suppenküchen der von ihnen selbst arm gemachten Menschen. Sie spenden für Suppen, nicht für Wohnungen, die sie diesen Menschen genommen haben. Natürlich geben diese abgeschotteten und total privilegierten Silicon-Valley Kreise keine Interviews, nur ganz Mutige wagen ein Wort. Mit der Annahme der Spenden fürs Essen der Arm-Gemachten können die Hilfsorganisationen natürlich auch nicht die Verhältnisse auf dem Wohnungsmarkt kritisieren. Die Hilfsorganisationen sind einfach zum Schweigen verurteilt, wenn sie noch ein paar Dollars erhalten wollen. Ein grotesker Zustand. Ein Prototyp für den Unsinn und den Sinn des Spendens in einer Welt, in der die Ungerechtigkeit herrscht und die Hilfsorganisationen keinen wirklichen Klartext sprechen können und zum Schweigen verdammt sind. So ist es wohl überall. Welche katholische oder evangelische Hilfsorganisation hat sich mit dem (Un)Sozialstaat Deutschland schon angelegt? Wird darüber beim Reformationsgedenken 2017 gesprochen? Auf dem Kirchentag 2017? Ein bisschen, wie immer unter 1000 anderen Themen…

So schweigt man diplomatisch oder bleibt moderat eher unverbindlich. Aus Angst, keine Spenden mehr zu bekommen. Und aus Angst, das System der so glänzenden Kirche-Staat-Beziehung zu gefährden. Die Kirchensteuer ist schließlich in Deutschland für Christen etwas Heiliges, das gehütet werden muss. Denn die Kirchenangestellten leben gut davon, selbst wenn immer mehr Menschen aus de Kirchen austreten…Eines Tages aber wird auch das System der Kirchensteuer von selbst erledigen, und die wenigen registrierten Christen in Deutschland werden um Spenden für sich selbst betteln. Und dann ist kein Geld mehr da für Burkina Faso oder Honduras…

 

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon.



Trump ist gewählt: Philosophische Hinweise zu einer Niederlage der Vernunft

9. November 2016 | Von | Kategorie: Befreiung, Religionskritik, Termine

Ein Hinweis von Christian Modehn am 9. November 2016.

Aktualisierung am 21.November 2016: Einige LeserInnen fanden die Stellungnahme des „Religionsphilosophischen Salon Berlin“ vom 9.11. 2016 (siehe weiter unten) zur Wahl von Mister Trump zum Präsidenten der USA mit dem Titel „Philosophische Hinweise zu einer Niederlage der Vernunft“ zu heftig. Zumal wir die richtigen philosophischen-ethischen Erkenntnisse von Kant und Hannah Arendt tatsächlich aus dem allgemein Gültigen befreiten und einmal anwandten und dann eben zeigten: Das Sprechen und das Tun des Präsidentschaftskandidaten Trump kann nur mit dem moralischen Prädikat „böse“ bezeichnet werden.

Was von einigen als Ausdruck radikaler philosophischer und ethischer „Spekulation“ missverstanden wurde, bestätigt nun David Cay Johnston historisch und faktisch. Er ist angesehener Investigationsjournalist (unter anderem bei der „New York Times“), Autor zahlreicher Studien und jetzt auch Verfasser des aktuellen Buches „Die Akte Trump“, auf Deutsch erschienen bei ECOWIN, Salzburg 2016, 352 Seiten.

Im TAGESSPIEGEL vom 21. November 2016, Seite 19, bietet Johnston in einem Interview mit Gerrit Bartels in einer Art Kurzfassung ein Charakterporträt des neuen US Präsidenten. Dieses Interview halten wir sozusagen für eine Art „Pflichtlektüre“. Der Titel des Beitrags ist ein Zitat von Johnston „Der Umgang mit ihm (Trump) ist extrem gefährlich“. Die Erkenntnis von Johnston, so wörtlich: „Trump hat keine Moral“

Nur einige weitere zentrale Aussagen von Johnston aus dem TAGESSPIEGEL Interview: „Trump ist emotional unterbelichtet. Er denkt nur in den Kategorien von Rache, von Auge um Auge, Zahn um Zahn; ihm geht es um nichts anderes als Geld, Macht, Ruhm….Dieser Mann ist ein Hochstapler. Er ist nicht der, der er vorgibt zu sein. Man muss ihn trotzdem höchst vorsichtig behandeln, weil der Umgang mit ihm extrem gefährlich ist. Er versucht immer wieder die Leute zu kompromittieren und mit Klagen zu überziehen…Er ist ein Manipulator. Und ich versuche, die Dinge ans Licht zu bringen, die er nicht erzählt, seine Verfehlungen…Trump hat seine Biographie geschönt…Allein die geschäftlichen Verbindungen Trumps zu russischen Oligarchen werfen viele Fragen auf…. Wir hatten schon einen Paranoiker wie Richard Nixon als Präsidenten, aber einen, der mit Kriminellen Geschäfte macht? Nein!… Donald Trump denkt nur an sich, nicht an die, die ihn gewählt haben. Er ist nicht intelligent. Er ist nicht fleißig. Er hat kein historisches Verständnis. Er ist unglaublich ignorant. Er ist nicht selbstreflektiert„…  Wir erinnern jetzt an die Erkenntnis von Hannah Arendt: „Ohne Selbstreflexion kann kein Mensch ein moralisch wertvoller, ein guter Mensch sein“ (Hannah Arendt dachte dabei an die Nazis).  Zum Text des Interviews mit Johnston im Tagesspiegel klicken Sie hier.

Aktualisierung am 12.11.2016: Dieser weiter unten publizierte Diskussionsbeitrag hat erfreulicherweise einige Nachfragen gebracht. Zum Beispiel: „Sollen Politiker moralisch handeln und den Grundsätzen der Moral entsprechend auch reden“,  fragt ein Leser. Eine philosophische Antwort heißt: Ja, natürlich, auch ein Politiker darf sich wie jeder andere Mensch nicht, darf sich niemals, über die Gesetze der – im Sinne Kants universalen und allgemeinen – Moral (Kategorischer Imperativ) erheben. Selbst die Verantwortungsethik lässt nicht zu, dass ein Politiker ständig lügt, rassistische Sprüche verbreitet, Ausländer offenbar als minderwertige Menschen betrachtet usw., um sein Ziel, die Herrschaft, die Präsidentschaft, zu erlangen.

Es gibt ab sofort ständig bedenkenswerte und leider traurig stimmende Kommentare von kompetenten Kennern der USA. Dabei nennen selbst moderate Beobachter immer wieder die mit Trump nun gegebene Gefahr eines US-Faschismus oder zumindest eines extremen Fremdenhasses, mit der Gefahr eines Bürgerkriegs; in den USA gab es schon einmal zwischen 1900 und 1920 entsprechende „Spannungen“.

Für uns als Religionskritiker ist wichtig: Es bedarf der dringenden Analyse, warum mehr als 80 Prozent aller Evangelikalen Protestanten – das sind viele Millionen – Trump gewählt haben. Man liest immer wieder als entscheidende Begründung: Weil Trump für „pro life“ ist. Kann dies aber das wichtigste Kriterium sein für Christen, einen solchen Typen zu wählen? Man hat den Eindruck: Bei vielen Evangelikalen hat der Glaube an pro-life den Glauben an eine befreiende und humane christliche Botschaft ersetzt. Und man darf gespannt sein, ob und wie sich evangelikale Organisationen in Deutschland von ihren evangelikalen TRUMP-Freunden distanzieren.

Wichtig ist und inspirierend ein Beitrag desPublizisten und Kulturpolitikers Michael Naumann zu Trump. Einige Hinweise dazu am Ende dieses Beitrags.

Am 9.11. 2016 hat der Religionsphilosophische Salon Berlin publiziert:

Was lässt sich in aller Kürze, als Diskussionsbeitrag, philosophisch sagen über einen Mann, der nun, am 8.Oktober 2016, zum „mächtigsten Mann der Welt“ gewählt geworden ist? Der eigentlich keine Ahnung hat von dem Geschäft des Politischen? Der in seinen Propaganda-Aussagen schonungslos seinen Launen folgte und nicht den Fakten traute; der etwa angesichts unzweifelhafter Tatsachen, wie etwa dem Atlas zu den folgenreichen Klimaschäden, nur wie ein Dummkopf sagen konnnte: „Ist mir egal“. Ein Mann, der von wütendem und wildem Hass auf „andere“ nicht nur geprägt ist, sondern diesen auch öffentlich und stolz aussprach. Und das alles in einer Nation, die über die besten Universitäten der Welt verfügt, in der es intellektuelle Debatten ständig gibt, in der über bessere Formen der Demokratie wenigstens diskutiert wird, über Gewaltfreiheit und Mitgefühl: In einer solchen Kultur erscheint Trump wie ein Beispiel einer Regression, wie eine Mischung aus Ignornanz und Dummheit. Trumps Erfolg ist ein Beweis, dass die intellektuelle Kultur nur eine Sache der größeren Minderheiten war.

Es ist philosophisch klar: Diese Person weigert sich umfassend und selbstkritisch zu denken. Einen Immobilienbetrieb zu führen setzt nicht unbedingt kritisches Nachdenken im umfassenden Sinne der Humanität voraus. Beim Handel mit Immobilien geht es meist um trickreiches Geldraffen, da ist kein Nachdenken im umfassenden Sinne dabei.

Trump hat jedenfalls aus taktischen Gründen, um seine Kandidatur stark zu machen, selbst öffentlich bekundet, dass er nicht kritisch nachdenken will, etwa über absolut geltende humane Menschenrechte, über den Respekt und die Rechte von Frauen, Ausländern usw. usw. Er hat die Spaltung des Landes USA weiter vertieft und unzählige tiefe Wunden geschlagen. Er hat die Errungenschaften der Menschlichkeit, die Menschenrechte, lächerlich gemacht. Solches Verhalten ist philosophisch gesehen böse.

Schlimm ist weiter, dass er mit seiner öffentlich bekundeten Ablehnung, selbst umfassend kritisch zu denken, bei seinen Fans Zustimmung findet: Entweder denken sie selbst auch schon lange nicht mehr kritisch-umfassend. Oder sie werden nun von ihrem Präsidentschafts-Kandidaten als Vorbild eingeladen, ebenfalls mit dem Denken aufzuhören und nur Sprüchen zu folgen, dem Bauch, dem Nationalismus als Gefühl usw. Diese Menschen sind außerstande oder haben es nie gelernt, die eigenen Maximen, etwa den eigenen blinden Nationalismus und Fremdenhass, mit dem Kategorischen Imperativ zu konfrontieren. Sie vertrauen mehr auf die Kraft der eigenen privaten Waffen als dem kritischen Nachdenken.

Diese Entwicklung kann philosophisch gesehen nur als schlimm bewertet werden. Denn das Nicht-Selber-Denken- wollen ist der Ursprung des Bösen: So einfach und so richtig ist diese Erkenntnis, die Hannah Arendt ausführlich begründet hat und hier nicht wiederholt werden muss. Aber man sollte sie immer studieren, auch in Deutschland, auch in Frankreich, auch in Österreich usw…Wer philosophisch betrachtet böses Denken bestimmt, leugnet ja nicht  die Mißstände auf der „anderen Seite“, der „anderen Partei“.  Es geht jetzt nur um den speziellen Focus, um die Bestimmung dessen, was nach dem 8. November 2016 „auf uns“ möglicherweise zukommt…

Kant sagt: Jede Lebenseinstellung, er spricht von „Maximen“, muss vom einzelnen Menschen immer auf ihren auch für alle anderen gültigen Wert überprüft werden. Und zwar mit dem Kriterium des kategorischen Imperativs: D.h., kurz gesagt: Kann meine Maxime allgemeines Gesetz werden? Klar ist: Die Reden Trumps können vor dem Kategorischen Imperativ überhaupt nicht bestehen. Also sind sie philosophisch gesehen schlicht und einfach böse. Wer wagt das zu sagen? Die Philosophen. Kritische Propheten, wie einst in Israel, gibt es ja in den Kirchen bekanntermaßen nicht mehr; vielleicht melden sie sich, wie üblich, wenn es zu spät ist. Und die Maximen der nationalistischen Wähler sind ebenso, philosophisch betrachtet, ebenso böse.  Nationalismus als Maxime ist tödlich für „die anderen“, die zu Feinden erklärt werden: Nationalismus ist also philosophisch gesehen böse, ist eine dumme Flucht in eine (alte) Ideologie, die nur Mord und Totschlag der Menschheit gebracht hat. Sind denn alle Veranstaltungen der Erinnerung an den 1. oder 2. Weltkrieg nichts als Spielerei gewesen?

Trump sagt: America zuerst. Diese Sprüche kennt man. Sie hat der Rassist und Antisemit Jean-Marie Le Pen in Frankreich als erster auf seine Art vor vielen Jahren schon verwendet: „La France d` abord“, „Frankreich zuerst“. Nun also sagt auch trump: „Die USA zuerst“.  Trump schämt sich offenbar nicht, dass ihm die rechtsradikalen Parteien, ihre Führer, Madame Le Pen, Wilders und die FPÖ Leute so schnell zu seinem Sieg gratulierten. Werden die Europäer diese nationalistischen Typen noch stoppen können?

Ethisch ist es zudem verwerflich, wenn Trump Versprechungen machte, von denen man weiß, dass er sie nicht einhalten kann und auch nicht einhalten will. Solche falschen Versprechungen sind letztlich Lügen, sie zerstören den menschlichen Zusammenhalt einer Gesellschaft und eines Staates. Jetzt, am 9. November 2016,  zu sagen: „Ich bin der Präsident aller Amerikaner“, ist nur verlogen und kann nicht geglaubt werden, wenn man vorher schon seine falschen Versprechungen als solche wahrgenommen hat. Wie werden die Getäuschten damit umgehen?

Nun können und sollen Trump-Wähler als Personen natürlich nicht verteufelt werden und als personifizierte Beispiele des Bösen hingestellt werden. Eher sind sie bedauern. Sie tun einem leid, angesichts der vielen Tubulenzen, die sich selbst und anderen angerichtet haben. Aber wenn Philosophie eine aktuelle Bedeutung hat, kann sie nur sagen: Da entwickelt sich seit den Wahl-Polemiken und dem Sieg von Trump in den USA wirklich Böses. Da geht in einem Staat eine ungute Entwicklung weiter, die natürlich in der exzessiven und perversen Spaltung von (Ultra) Reichen und Armen, in dem dem Militarismus usw. schon eine lange Vorgeschichte hat. Ob es zu Korrekturen kommen kann? Ob die Menschen wieder selber denken lernen? Wenn sie das tun, müssten sie sich von Trump sehr bald verabschieden. Ist es dafür zu spät? Wie heftig werden die Auseinandersetzungen in den total zerrissenen USA alsbald sein? Vielleicht geschieht ein Wunder? Könnte es nicht sein, dass sich Trump auch zu einem „lupenreinen Demokraten“ (Gerhard Schröder, immer noch SPD, über Putin) entwickelt? Putin, der „Lupenreine“, hat ja Trump als erster herzlich zum überwältigenden Sieg gratuliert….Nun ist es so: Philosophen glauben trotz aller Verirrungen in den USA und anderswo an die Kraft der Vernunft. Aber nicht an Wunder.

Die Vernunft ist oft schwach, manchmal aber noch wirksam. Und davon lassen sich Philosophen – gerade auf den Spuren Kants – leiten: Kant hatte die richtige Einsicht: Die Aufforderung im Gewissen, dem Kategorischen Imperativ zu entsprechen und die eigenen egoistischen Maximen am Kategorischen Imperativ kritisch zu messen, wäre sinnlos, wenn dieser Aufforderung als einem Geschehen der Freiheit keine Antwort des Menschen entsprechen könnte. Mit anderen Worten: Der Mensch kann in seiner Freiheit das Böse in sich selbst überwinden. Er kann gut sein, wenn er sich dazu nur entschließt,  seinem Gewissen folgend und auf es hörend! Diese Möglichkeit hat natürlich auch Mister Trump. Er kann seine dummen nationalistischen Sprüche beenden und politisch die Menschenrechte respektieren. Wenn er den Willen dazu hat.

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Einige Hinweise zur Persönlichkeit TRUMPS durch Michael Naumann: Er ist Publizist und Kulturpolitiker, Kenner der USA, er schreibt im „Tagespiegel“ vom 11. November 2016 zu den zentralen Aussagen Trumps während des Wahlkampfes:

„So viel gelogen wie Trump hat noch kein amerikanischer Präsidentschaftskandidat in der jüngsten Geschichte“

„Es ist sein Siegeszug, der eines zweifellos rassistischen und außerordentlich ungebildeten Immobilien-Moguls“

„Er pflegte die vulgäre sexistische Sprache eines Schauermanns der fünfziger Jahre“.

„Dass er die unmittelbaren ökonomischen Folgen auf dem Arbeitsmarkt, etwa Kohle fördernder US-Staaten, revidieren kann, wird er selbst nicht glauben“.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.

 

 



dia de los muertos: Das Fest der Toten in Mexiko. Ein Hinweis

23. Oktober 2016 | Von | Kategorie: Befreiung, Termine, Theologische Bücher

Es ist heute problematisch, die Toten in Mexiko zu feiern. Tausende werden pro Jahr ermordet in einem brutalen Krieg der Banden, der Drogenbosse und der unfähigen Polizei. Journalisten sind oft die bevorzugten Opfer dieser bestialischen Mörder. Selbst katholische Priester werden erschossen, und das in einem angeblich katholischen Land. Nun wird deutlich, wie oberflächlich die religiöse Bildung ist, wenn es sie denn für die weitesten Kreise überhaupt gibt, in Mexiko, und nicht nur dort. Ein gewisser spiritueller Rettungsanker in diesem Land des Mordens ist der traditionelle Totenkult, der „Dia de los Muertos“ am 1. und 2. November. Indigene Bräuche werden mit Volksritualen des Katholizismus verbunden. Diese volkstümlichen Feiern finden immer noch viel Anklang. Es ist den Religionspsychologen überlassen, das Ausmaß des „Aberglaubens“ in diesen Volksfesten zu beschreiben. Der Theologe Alfons Vietmeier aus Mexiko-Stadt hat in einer Beitragsreihe über Mexiko für diese website auch über den „dia de los muertos“ publiziert. Wir erinnern noch mal, wegen vielfältiger Nachfragen, an das Thema … lesen Sie diesen Beitrag und klicken hier.