Die „neuen geistlichen Gemeinschaften“ in der katholischen Kirche und ihre verbrecherischen Gründer

Ein Hinweis von Christian Modehn am 4. Oktober 2026

Wer den aktuellen Zustand der katholischen Kirche verstehen will, sollte genau, das heißt SEHR kritisch, die vielen „neuen geistlichen Gemeinschaften“ im Katholizismus beobachten. Sie wollten Europa neu missionieren. Aber sie sind unglaubwürdig und scheitern, weil viele ihrer Gründer (und auch heutige Mitglieder) des sexuellen und spirituellen Missbrauchs überführt wurden. Auch diese einst hoch gelobten „Bewegungen“ sorgen dafür, dass die katholische Kirche unglaubwürdig wird. Dass sich Katholiken ihre eigene Spiritualität suchen.

1.
Es werden (Stand 30. September 2026) immer mehr „Fälle“ sexuellen und spirituellen Missbrauchs durch führende e Priester und Laien der „neuen geistlichen Bewegungen“ öffentlich bekannt, zunächst fast immer begleitet von Verschweigen und Verharmlosen durch die Kirchenführung im Vatikan und in den Bistümern weltweit.
In den ersten Jahren der Freilegung sexuellen Missbrauchs durch Priester, also in Deutschland seit 2010, waren es vor allem Diözesan – Priester oder Priester aus den „klassischen Ordensgemeinschaften“ (Jesuiten, Benediktiner, Franziskaner usw.), die als Täter bekannt und benannt wurden.
Seit etwa 15 Jahren sind immer wieder Fälle von sexuellem Missbrauch oder/und spirituellem Missbrauch in den zahlreichen so genannten „neuen geistlichen Gemeinschaften“ öffentlich bekannt, und diese Verbrechen werden von diesen Organisationen sowie sogar von der Kirchenzentrale im Vatikan – zwar mit viel Mühe – und oft sehr verspätet – eingestanden.
Diese nun freigelegten unglaublich genanten Fälle von sexuellen Missbrauch zeigen: Die Römisch – Katholische Kirche (um nur bei ihr zu bleiben) ist innerlich, d.h. wegen ihrer viel gerühmten sehr frommen, sehr geistlich sich nennenden Bewegungen zerrissen. Die Kirchenführung versucht nämlich zu überleben, indem sie im 21. Jahrhundert die alten Gebräuche, wie Reliquien -Verehrung, Propaganda zugunsten Erscheinungen der Jungfrau Maria in Lourdes, Fatima…, die Wallfahrten, Ablässe, den Papst – Jubel – Feiern der Massen belebt, so wird der schöne Schein erzeugt: Die Kirche lebt „wie immer“, undemokratisch in ihrer Struktur, klerikal beherrscht, aber jetzt doch auch ein bißchen „synodal“… Aber das hat keinen „Erfolg“: In Europa verlassen Katholiken zu vielen Tausend die Kirche, die Erwachsenentaufen bringen da keinen „Ausgleich“.
In diesem Hinweis geht es also um Verbrechen inmitten einer sich ungebrochen immer noch stolz wähnenden Papst – Kirche, die ihre Identität immer noch in der uralten Kostümierung der Päpste, Kardinal und Bischöfe sichtbar protzig erscheinen lässt.

2.
Bevor wir auf ein aktuelles Beispiel sexuellen Missbrauchs durch den argentinischen Ordensgründer Miguel Buela näher hinweisen, eine kurze allgemeine Erläuterung: Es geht um die, von Päpsten seit etwa 70 Jahren hoch gelobten und offiziell stark geförderten, „neuen geistlichen Gemeinschaften“. Dazu gehören s Ordensgemeinschaften für Priester, wie die „Legionäre Christi“ oder die „Diener Jesu und Mariens“ oder die „Communauté St. Jean“ sowie viele andere, eher regional begrenzte neu gegründete Gemeinschaften auch für Nonnen. Und dann gibt es zahlenmäßig sehr starke internationale Laien -Bewegungen, die sich neue geistliche Gemeinschaften“ nennen, wie die Neokatechumenalen“, die „Focolarini“, die Leute von „Communione e liberazione“ und so weiter und so weiter. Es sind „Bewegungen“, die weltweit einige Millionen Katholiken als Mitglieder und Sympathisanten haben.

3.
Um nur ein konkretes Beispiel in der Diözese Toulon – Fréjus (Departement VAR in Frankreich) zu nennen:
Diese neuen geistlichen Gemeinschaften dort haben – wie überall – den einen Zweck: Sie wollen die klassische dogmatische Lehre der katholischen Kirche als werbende Missionare verbreiten; sie wollen vor allem junge Männer als Priester, junge Frauen als Nonnen für ihre Gruppen gewinnen. Sie wollen Familien bilden, die zu 100 Prozent römisch – katholisch sind. Sie ersetzen – wie auch in Italien, Spanien, Österreich, natürlich auch in Deutschland, den überalterten Klerus, der zwar alt, aber dem theologischen Denken nach oft etwas modern geblieben ist. Hingegen haben die meisten der neuen geistlichen Bewegungen zwar noch junge Mitglieder, die aber in ihrem theologischen und politischen Denken alt erscheinen und theologisch sehr stramm traditionell gebunden sind.
Um also nur ein konkretes Beispiel von der Vielfalt dieser Gemeinschaften zu bieten: Ein Blick in die Diözese Toulon – Fréjus (Departement VAR in Frankreich): Laut offizieller Website der Diözese sind in diesem südfranzösischen Bistum diese „neuen geistlichen Gemeinschaften“ aktiv: LINK : Gelesen am 30.9.2026.

4.
Cancao Nova, https://frejustoulon.fr/diocese/communautes/cancao-nova/
Communauté de l Emmanuel https://frejustoulon.fr/diocese/communautes/emmanuel/
Communauté Saint-Martin
Communauté Shalom
Famille missionnaire de Notre-Dame
Franciscaines de Sainte-Marie des anges
Fraternité Eucharistein
Fraternité de Saint Joseph Gardien
Frères de Saint-Jean
Fraternité Missionnaire Marie Mère des Apôtres
Fraternité Missionnaire Jean-Paul II
Institut du Verbe Incarné
Institut Mère du Divin Amour
Les frères franciscains de l’Immaculée
Missionnaires de la Miséricorde Divine
Missionnaires de la Très-Sainte-Eucharistie
Moniales de Bethléem, de l’Assomption de la Vierge…
Petites Sœurs de la Consolation
Recado
Servants et Servantes de Jésus Sauveur
Servantes du Seigneur et de la Vierge de Matará

Das „Opus Dei“ ist vor allem in den benachbarten Diözesen tätig; die „Neokatechumenalen“ leiten in Toulon ein Priesterseminar, siehe LINK. https://frejustoulon.fr/diocese/le-seminaire-redemptoris-mater/

5.
Meines Wissens hat Papst Leo auf seiner „Pilgerfahrt“ in Frankreich Ende September 2026 die vielen influßreichen, aber höchst umstrittenen „neuen geistlichen Gemeinschaften“ NICHT erwähnt. Wohl aus diplomatischer Vorsicht, um das Bild der französischen Kirche nicht noch weiter zu belasten… Dabei bestimmen diese Kreise das Leben der Kirche in Frankreich heute, etliche französische Bischöfe waren und sind Mitglieder dieser neuen Bewegungen. Der inzwischen von Papst Franziskus abgesetzte Bischof Dominique Rey von Toulon – Fréjus gehört der charismatischen Emmanuel – Gemeinschaft an. Die katholische, um Objektivität bemühte Tageszeitung „La Croix“ (Paris) berichtet über die auch politisch rechtslastigen Aktivitäten des nun in Paris lebenden „pensionierten“ Bischofs Rey: „Seit März 2025 lebt Bischof Dominique Rey in der Pfarrei Notre-Dame-des-Champs im 6. Pariser Arrondissement, wo er kein offizielles Amt innehat. Gleichzeitig verfolgt der emeritierte Bischof zahlreiche Projekte: Er ist Mitautor eines Theaterstücks über die Vaterschaft, das im Dezember 2025 aufgeführt wurde sowie eines Buches, das im November 2025 erschien („Mes choix, mes combats, ce que je crois“) ….Bischof Rey ist beteiligt an der Gründung des konservativen Thinktanks „The French Riviera Institute“; er hat die geistliche Schirmherrschaft über das „Institut für Apologetik Saint-Irénée“, das gemeinsam vom traditionalistischen Priester und Influencer Matthieu Raffray und dem katholischen Unternehmer Olivier Bonnassies ins Leben gerufen wurde…“
LINK

6.
Zum aktuellem „Fall“ des heftigen sexuellen Missbrauchs (im Plural zu verstehen) durch den argentinischen Ordensgründer Pater Miguel Buela: Der „Fall“ ist deswegen wichtig, weil der damalige Chef der obersten Glaubensbehörde, Kardinal Joseph Ratzinger und auch Ratzinger als Papst Benedikt XVI. darin als wichtiger Akteur zugunsten des Paters Miguel Buela und seiner Gemeinschaft „verwickelt“ ist!

7.
Der argentinischen Priester Miguel Buela gründete im Jahr 1984 in San Rafael, Provinz Mendoiza, seinen Priester – Orden mit dem ins Mystische (?) weisenden Titel: „Institut des Fleisch gewordenen Wortes“ (I.V.E. die offizielle Abkürzung), heute etwa 450 Mitglieder weltweit, auch im Erzbistum Berlin und in Neumarkt, Oberpflalz, vertreten. 1988 gründete Buela auch noch einen Nonnenorden mit dem Titel „Dienerinnen des Herrn und der Jungfrau von Matara“, mit etwa 1.110 Mitglieder weltweit. LINK
„Wikipedia Spanien“ berichtet über die ersten Jahre des Ordens in Argentinien: „Der Orden geriet in Konflikt mit den Bischöfen der Region San Rafael und ließ sich in anderen Diözesen Argentiniens ohne die Erlaubnis der lokalen Kirchen – Behörden nieder. Infolgedessen war keiner der Bischöfe der Ansicht, dass die Gruppe die kirchenrechtlichen Bedingungen erfüllte, um ein regulärer Orden zu werden. …Der Heilige Stuhl hingegen unterdrückte den Orden nicht und genehmigte die Ordinationen von Seminaristen des Ordens; mehrere Jahre lang hatten sich die argentinischen Bischöfe geweigert, Mitglieder des Ordens zu ordinieren (wegen der geringen „Qualität“ dieser Kandidaten und des Ordensgründers, CM). Miguel Buela war im Jahr 1994 wegen vielfacher Vorwürfe, auch des Missbrauchs, gezwungen, als Vorgesetzter zurückzutreten und die Diözese San Rafael in Argentinien zu verlassen…Der Orden durfte sich aber in Italien in der Diözese Velletri -Segni bei Rom niederlassen.

8.
Jetzt wird die Hilfe Kardinal Ratzingers für den umstrittenen Pater Miguel Buena wichtig: Im Jahr 2001 fand sich aber Kardinal Ratzinger bereit, diesen unter argentinischen Bischöfen höchst umstrittenen Orden und seinen Gründer in seinem eigenen Bistum Velletri-Segni in Italien anzusiedeln. Dazu muss man wissen: Kurienkardinäle sind immer auch dem Titel nach „Bischöfe“ eines bestimmten Ortsbistums, so ist eben Kardinal Ratzinger auch – nominell – Bischof von Velletri-Segni, Italien. Das „Institut vom Fleisch gewordenen Wort“ (IVE) hat gejubelt und so wörtlich der „Vorsehung gedankt“, als „ihr Titularbischof“ dann auch noch Papst wurde. Die internationale Kulturzeitschrift „Courrier International“ gab ihrem Beitrag über den Orden den Titel: „Die Soldaten des Fleisch gewordenen Wortes : Wie im Mittelalter“. Quelle ist die„Courrier International“ speziell die Ausgabe „Hors Serie“, mit dem Titel „Pourquoi les Religion se font la guerre“, herausgegeben im März 2007, dort S. 62. Dort heißt es: „Dieser offizielle, römisch – katholische Orden ist ausdrücklich mit dem argentinischen Nationalismus eng verbunden. Er will „die reinen und natürlichen Werte Argentiniens“ gegen die Atheisten verteidigen. Dieser Orden will die Gesellschaft bestimmen in Fragen der Politik, der Moral, der Erziehung“, das berichtet die argentinische Soziologin Prof. Veronica Gimenez Beliveau in einem Artikel für „Courrier International“.

9.
Im Jahr 2001 konnte also der Orden – dank der Hilfe Kardinal Ratzingers – seine Leitungsstrukturen von Argentinien nach Segni in Italien verlegen. Die Zentrale der Gemeinschaft befand sich auf der Piazza San Pietro. Und der höchst umstrittenen Pater Buela konnte von dort aus als Generaloberober wirken… , im Jahr 2010 wurde er allerdings vom Vatikan von seinen Aufgaben entbunden. Und darauf nehmen nun die aktuellen Verurteilungen Pater Buelas durch den Vatikan im September 2026 Bezug:

10.
Die Katholische Nachrichten Agentur (KNA) berichtet am 29.9. 2026: „Über einen ungewöhnlichen juristischen Vorgang hat am Dienstag der Vatikan informiert. Demnach haben zwei kirchliche Sondergerichte den verstorbenen argentinischen Priester und Ordensgründer Carlos Miguel Buela (1941–2023) postum für schuldig befunden, Vergewaltigungen begangen zu haben. Die Mitteilung erfolgte durch die vatikanische Ordensbehörde und wurde unterzeichnet von der verantwortlichen Präfektin Simona Brambilla, sie ist eine italienische Ordensfrau! In der Mitteilung heißt es, dass die Schuldsprüche (gegen Pater Buela) der zuständigen kirchlichen Spezial-Gerichte den Oberen der beiden Ordensgemeinschaften bereits am 14. September bei einem Treffen in Rom mitgeteilt wurden. Die Gerichte hätten „die moralische Gewissheit erlangt, dass Pater Buela an gewalttätigen Sexualstraftaten gegen mehrere Personen“ schuldig gewesen sei. Das kirchliche Strafrecht spricht hier von „Verstößen gegen das Sechste Gebot“. Miguel Buela, der Ordensgründer als Verbrecher, ist 2023 gestorben, insofern kann jetzt nur den Opfern etwas Gerechtigkeit zuteil werden…
Nebenbei: Wir finden es sehr bedenklich, dass KNA (publiziert von katholisch.de) in diesem aktuellen Bericht nicht die Hilfe und Unterstützung erwähnt, die Kardinal Ratzinger für den „Umzug“ (bzw. die Flucht?) des Priesters Miguel Buenas von Argentinien nach Italien leistete. ..

11.
Es war also Kardinal Ratzinger als Chef der Glaubensbehörde, der dem schon in bischöflichen Kreisen Argentiniens bekannten Missbrauchstäter Pater Buela in der Nähe Roms Asyl bot und ihn dann auch weiter „wirken“ ließ.
2010 wurde Miguel Buena wegen weiterer sexueller Übergriffe als Chef des Ordens abgesetzt: KNA schreibt in dem genannten Bericht: „Da seine mutmaßlichen Opfer Erwachsene waren, kam es jedoch zunächst nicht zu einem Strafverfahren. Buela wurde 2010 in ein französisches und 2016 in ein spanisches Kloster zwangsversetzt. Offenbar übertrat er dennoch weiterhin die gegen ihn verhängten Auflagen eines Lebens in Abgeschiedenheit und verübte sexuelle Übergriffe. Ein von dem spanischen Kurienkardinal Santos Abril y Castelló geleitetes Sonder-Tribunal sprach ihn 2021 wegen sexueller Übergriffe unter Zwang oder Gewalteinwirkung schuldig. Das Urteil wurde jedoch nicht rechtskräftig, weil Buela Berufung einlegte. Im Lauf dieses Gerichtsverfahrens starb er am 23. April 2023. Da er nicht rechtskräftig verurteilt war, verteidigten führende Mitglieder des von ihm gegründeten Männerordens auch nach seinem Tod weiterhin sein Andenken. Dem soll nun offenbar der postum verkündete Schuldspruch entgegenwirken.“ (KNA).

12.
„Wikipedia (Englisch)“ bietet wichtige Informationen, gelesen am 2.10. 2026:
„Buela starb am 23. April 2023 in Genua, Italien. Im September 2026 bestätigte die päpstliche Kongregation („Ministerium“) für die Ordensleute das Urteil, dass Buela während seiner Amtszeit mehrere Handlungen des sexuellen Missbrauchs und des Missbrauchs von Autorität begangen habe.
ABER: Das „Institut des fleischgewordenen Wortes“ spricht weiterhin lobenswert von Buela auf verschiedenen Websites, die vom Institut und seinen Provinzen betrieben werden; offizielle Biografien loben sein Leben und seine Schriften und erwähnen nicht die Vorwürfe des Missbrauchs und der kirchenamtlichen Verurteilung. Im Jahr 2022 erklärte die Website von IVE America, dass Buela 2010 „in den Ruhestand ging“ und das Dekret der Entfernung nicht erwähnte. Das Institut verkauft weiterhin Buelas Schriften, hat nach seinem Tod Gedenkvideos veröffentlicht, organisiert Pilgerfahrten zu seinem Grab und betrachtet ihn als `zu Unrecht vomHeiligen Stuhl verfolgt`. Im Januar 2025 ernannte das päpstliche „Minsterium“ für Ordensleute päpstliche Delegierte mit vollen Herrschaftsbefugnissen über die männlichen und weiblichen Zweige des Orden „Institut vom Fleisch gewordenen Wort“ (IVE) und erkannte „schwere Defizite“ in den Instituten…. LINK

13.
Noch einmal: Miguel Buelas neue geistliche Gemeinschaften, Orden, gehören zu den Kreisen, die vom Vatikan, den Päpsten des 20. und 21.Jahrhunderts und sehr vielen Bischöfen hoch gelobt, gerühmt und zur Nachahmung empfohlen wurden und werden.
Hier eine kurze und unvollständige Liste weiterer bedeutender, weltweit verbreiteter „neuer geistlicher Gemeinschaften“:

A:
Der Orden „Legionäre Christi“ und ihr Gründer, der notorische, auch pädo-sexuelle Verbrecher Pater Marcial Maciel: Er ist eine der übelsten Gestalten der jüngsten Kirchengeschichte.
Sein Orden („Legionäre Christi“) und seine ebenso weltweite Laiengemeinschaft „Regnum Christi“ bestehen nach der lange verzögerten Freilegung der verbrecherischen Taten Mariel selbstverständlich nach wie vor weiter…obwohl viele Legionärs-Priester inzwischen ebenfalls des sexuellen Missbrauchs überführt wurden. Alles nicht so schlimm, ist das Motto im Vatikan ? Dieser Orden hat sehr viel Geld und vor allem sehr viele junge Priester, da ist es dem Papst wohl wichtig, dass er mit diesen Leuten den aussterbenden Klerus in den Bistümern ersetzen kann… Auch das ist ein Skandal: Papst Johannes Paul II. War ein enger Freund Pater Maciels, der Legionär – Christi – Gründer, der pädosexuelle Verbrecher, wurde ganz offiziell im Vatikan als „Vorbild der Jugend“ (sic) gepriesen. Christian Modehn hat diese Fakten in vielen Beiträgen dokumentiert. LINK.

B:
Das „Engelwerk“ ist eine ins Esoterisch – Obskure – Spinöse abgedriftete katholische Sekte eines totalen Engel-Kultes, etwa 400 Engel hat die Engelwerk – Gründerin Gabriele Bitterlich visionär gesehen und ihren Leuten zur Verehrung empfohlen. LINK Das wurde dann selbst dem Vatikan zu viel: 1984 wollte Papst Johannes Paul II. die Zahl der 400 zu verehrenden Engel reduzieren, das Engelwerk reagierte darauf nicht. 1992 verfügte Kardinal Ratzinger dann ein strenges Dekret, das bestimmte Praktiken, etwa „Engelsweihen“ verbot… Allerdings wurde dann das Engelwerk 2008 offiziell doch als kirchliche Vereinigung anerkannt. Das Engelwerk kann sich also, nach einigen „Korrekturen“, in der katholischen Kirche frei werbend weiter bewegen: In der Geschichte dieser Gemeinschaft kam es auch zu Mord und zu Serien sexuellen Missbrauchs.
Such das noch: Papst Johannes Paul II. erlaubte in seiner Begeisterung für irgendwelche neue geistlichen Gemeinschaften dieser katholischen Sekte sogar die Wiederbelebung eines bereits ausgestorbenen portugiesischen Ordens (des „Kreuzordens“, exakt: „Regularkanoniker vom Heiligen Kreuz“, ursprünglich 1132 in Coimbra gegründet). Dieser Orden ist heute mit dem Engelwerk eng verbunden und zählt über 100 Mitglieder weltweit, eine Niederlassung auch in Schondorf am Ammersee. Auch der bekannte reaktionäre Bischof Athanasius Schneider (Kasachthan) gehört zu diesem Engelwerk – Kreuzorden: Wer sich für Details zu Schneider interessiert: LINK

C:
Die Gemeinschaft „Das Werk“ , gegründet von „Mutter“ Julia Verhaghe aus Flandern. Nachdem „Das Werk“ im Jahr 2014 aufgrund des Verdachtes sexueller Übergriffe in die Schlagzeilen geraten war, ordnete der Vatikan eine Visitation an, 2017 wurden Ergebnissen vorgelegt: „Das Werk“ muss sich also erneuern.… Prominente und kompetente Kritikerin ist die Theologin Doris Reisinger, ehemals Nonne in „Das Werk“. (Siehe ihr Buch „Nicht mehr ich…“, Knaur – Verlag. Und auch: „Nur die Wahrheit rettet“, Piper Verlag, 2021.

D:
Die Bischöfe und der Vatikan haben sehr lange Zeit gebraucht, ehe es zum Verbot der einflußreichen korrupten „neuen geistlichen Gemeinschaft“ in Peru mit den verbrecherischen Initiatoren und Führungsgestalten kam: “Sodalicio“ ist der Name dieses katholischen „Vereins“.
Anfang 2025 ordnete Papst Franziskus die Auflösung dieser auch politisch reaktionär – extremistischen Gemeinschaft an.
1971 in Peru von Fernando Figari gegründet, missbrauchten er und andere führende Mitglieder systematisch Jugendliche, junge Männer und Minderjährige, die für die Gemeinschaft angeworben wurden. Nach der Freilegung der Verbrechen gab diese Organisation selbst offiziell mindestens 83 Missbrauchsopfer zu. Die Untaten waren körperliche Gewalt als Sadismus, Demütigungen, Züchtigungen, so sollte der individuelle Wille der Mitglieder und Kandidaten gebrochen werden. Ein Beispiel nur für die Untaten: LINK zu BBC:
Die Sodalicio – Mitglieder wurden zu absolutem Gehorsam gezwungen und spirituell manipuliert. Es gab auch die übliche finanzielle Korruption. Diese Clique konnte mit dem Segen der Päpste und einiger peruanischer Bischöfe die progressive Präsenz der Kirche im Süden Perus viele Jahre lang offenkundig zerstören.
Diese verbrecherische Clique ist eine Schande für die Kirche, für die Päpste, für die Erzbischöfe in Peru: Der einflussreichste Kardinal Cipriani in Lima gehörte dem Opus Dei an, er war auch ein heftiger expliziter Feind der Befreiungstheologie und … , wen wundert es, ein Freund und Unterstützer des Sodalicio – Vereins. Da werden einmal mehr Verbindungen unter reaktionären katholischen Gruppen sichtbar. (LINK

2025 wurde endlich dieser inzwischen international agierende, sich katholisch nennende Club („neue geistliche Gemeinschaft“) vom Vatikan aufgelöst: LINK

Papst Leo XIV. soll sich – schon als Bischof Prevost von Chiclayo, Peru – gegen diesen Sodalicio Verein gewandt haben! Details zu erfahren, wäre interessant… Siehe auch: LINK

E:
Die internationale, auch im rechten politischen Bereich politisch aktive geistliche Bewegung, in Italien gegründet, nennt sich „Comunione e liberazione“: Sie ist in ca.90 Ländern vertreten….Auch hier gibt es Fälle des sexuellen Missbrauchs. Zum Beispiel: Ende 2023 müsste die Führung von Comunione e Liberazione öffentlich zugestehen: Der langjährige Chef in den USA, Christopher Bacich, hatte über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg (von 1997 bis 2018) Minderjährige und junge Erwachsene sexuell und psychologisch missbraucht hat.LINK:

F:
Die in Frankreich gegründete Gemeinschaft „Emmanuel“: Eine internationale Bewegung, auch in Deutschland aktiv, insgesamt ca. 12.000 Mitglieder. Sie ist charismatisch geprägt, d.h. sie verehrt den heiligen Geist, zum Teil auch in Zungenreden (ein angeblich vom heiligen Geist bewirktes frei gesprochenes frommes Trallala in spontan erfundenen Worten). Der bekannte Schauspieler Michel Lonsdale war mit Emmanuel eng verbunden, etwa durch seine Teilnahme an den glossolalischen charismatischen Gebets – Nächten in der Kirche Trinité in Paris, dargestellt im Dokumentarfilm für die ARD „Unter dem Himmel von Paris“, 1999, von Christian Modehn.
In Frankreich gibt es schwere Vorwürfe gegen Mitglieder von Emmanuel, so wurde der bekannte Priester Benoit Moulay 2023 wegen sexuellen Missbrauchs aus dem Klerikerstand entlassen. Die Opfer reichten im Jahr 2024 Klage ein und sie zeigten, dass Moulay jahrelang trotz vorliegender Warnungen und Meldungen von der Hierarchie geschützt und versetzt worden war. Auch der Emmanuel – Priester Bernard Peyrous wurde wegen Vergewaltigung angeklagt: Die betroffene Frau Claudine Blanchard veröffentlichte die ihr zugefügten Untaten als Buch (im Mai 2026) „Un canapé rouge. De l’emprise à la liberté“,(„Ein rotes Sofa, von der Gefangenschaft in die Freiheit“) in dem sie die Untaten des Priesters im Zeitraum von 2003 bis 2013 dokumentiert, und vor allem: Die systematische Vertuschung dieser Untaten durch die Gemeinschaft Emmanuel….. Jetzt will die Leitung von „Emmanuel“ für die Freilegung aller Untaten im Verein sorgen!

G:

Die „Gemeinschaft vom heiligen Johannes“, (französisch: „Communauté Saint-Jean“): Diese international agierende Gemeinschaft ist eine wahre Skandal – Geschichte: 2023 wurde eine 800 Seiten umfassende Studie veröffentlicht, sie weist nach: Der Gründer, der Dominikanerpater Marie – Dominique Philippe, hatte über viele Jahre ein System geistlichen Missbrauchs, der Abhängigkeit, unter seinen Mitgliedern installiert. Unter dem Vorwand der geistlichen Begleitung missbrauchte er zahlreiche Frauen, seit der Gründung dieser Gemeinschaft im Jahr 1975 wurden 167 Menschen Opfer von Übergriffen. Auch 72 Brüder (Priester) der Gemeinschaft wurden als Täter identifiziert, das sind 8 Prozent aller Brüder, die jemals dieser Gemeinschaft angehörten. Wie bei den Legionären Christi und ihrem verbrecherischen Gründer, Pater Marcial Mariel, distanzierte sich die Gemeinschaft St. Jean von seinem frommen Gründer, dem Dominikaner Pater Philippe, einem Freund von Papst Johannes Paul II. Und nun will diese schwer belastete Gemeinschaft, plötzlich erneuert, weitermachen… in den Pfarr- Gemeinden etwa, die sie leiten… Die französischen Bischöfe sind auf diesen Club angewiesen, sie haben ja sonst fast keinen jungen zölibatären (?) Klerus mehr zur „Verfügung“…

H:
Die Neokatechumenalen: Diese nach eigenen Angaben etwa 1,5 Millionen zählende ,in aller Welt agierende und missionierende Gemeinschaft hat sich völlig dem Neu – Evangelisieren verschrieben. Im Mittelpunkt steht das Monate dauernde Einpauken der Katechismus-Wahrheiten in Gruppen, dies wird explizit als Ausdruck von Theologie verstanden! Diese Gemeinschaft hat weltweit sogar etwa 120 eigene Priesterseminare errichtet, alle heißen „Redemptoris Mater“, sie erzeugen sehr konservative Priester, die die alten Priester in Europa ersetzen, sehr zum Unwillen vieler Gläubiger in den nun von Neokatechumenalen geleiteten Gemeinden. Christian Modehn hatte vor vielen Jahren schon begonnen, die Neokatechumenalen kritisch zu beobachten. LINK.

Neueste Kritik von ehemaligen Mitgliedern, publiziert am 18.7.2026: LINK.

I
:

Das Opus Dei. Über dieses „Werk Gottes“ gibt es viele auch kritische Studien, in deutscher Sprache zumal von Peter Hertel. Nur etwa eintausend von ca.80.000 Opus – Dei Mitglieder sind Priester, die meisten sind also Laien, aber alle sehr verschwiegen, wie es sich für einen Geheimclub gehört. Dieses „Werk Gottes“ arbeitet verdeckt, hat auch sehr viele unerkannt bleibende Sympathisanten, selbst wenn sie formell nicht Mitglieder sind, wie einst wohl Kardinal Meisner (Köln) oder wahrscheinlich auch einst Kardinal Hengsbach (Essen) oder jetzt wohl Kardinal Woelki in Köln, aber ….alles ist geheim. Eine etwas mildere Form von Stasi in der katholischen Kirche also? Papst Johannes Paul II. war der heftigste Förderer und Liebhaber dieses Werkes Gottes, er setzte diese Leute ein … vor allem auch im Kampf gegen die „linke“ Befreiungstheologie…
Papst Franziskus hatte es zu Beginn seiner Regierung gewagt, zwei Opus Dei Bischöfe abzusetzen: LINK https://religionsphilosophischer-salon.de/5780_zwei-opus-dei-bischoefe-von-papst-franziskus-abgesetzt_religionskritik

K:
Die Fokolar – Bewegung und ihre Gründerin Chiara Lubich:
Heftig kritisiert wird der Personenkult um die Gründerin dieser internationalen Bewegung, also um Chiara Lubich. Viele Mitglieder klagen über die spirituelle Abhängigkeit, die diese nach außen so nette Dame , die Gründer – Gestalt, ausübte. Über den sexuellen und spirituellen Missbrauch in der Focolar – Gemeinschaft: LINK

13.
Wir beenden hier die immer noch weiter auszudehnende Liste der Dokumentation der korrupten Führer der neuen geistlichen Gemeinschaften und etlicher korrupter Mitglieder dieser geistlichen Gemeinschaften.
Wir haben nicht von der Gemeinschaft „Totus Tuus“ gesprochen;
nicht von der Ordensgemeinschaft „Diener Jesu und Mariens“ mit ihrem Zentrum in Blindenmark, Österreich;
Wir haben nicht von den „Franziskanern der Immakulata“ (Unbefleckten Empfängnis Mariens), gegründet 1970, gesprochen, LINK https://de.wikipedia.org/wiki/Franziskaner_der_Immakulata.
Wir haben nicht nicht von den Missionaren “Idendes“, päpstlich anerkannt 2009, gesprochen;
wir haben nicht von der „Petrusbruderschaft“ gesprochen, vom Papst eingerichtet (1988) als traditionalistische Priestergemeinschaft, die aber Papst und Konzil anerkennen will;
wir haben nicht gesprochen von den „Franciscan Friars of the Renewal (CFR)“, den „neuen Kapuzinern …
Wir haben nicht von der mächtigen „Christ- Königs – Priestergemeinschaft“ gesprochen… LINK
Und haben dabei die alten geistlichen Bewegungen vergessen, wie etwa die „Schönstatt -Bewegung“, gegründet, zu Ehren der „dreimal wunderbaren Mutter“ Maria (der rechtsradikale Präsident Chile, José Antonio Kast ist Mitglied der Schönstatt – Bewegung…),
wir haben nicht gesprochen von der Bewegung der angeblich stigmatisierten Marthe Robin und ihrer „Foyers de Charité“,
nicht von den Charismatikern, die sich „Chemin neuf“ nennen, nicht von der “Integrierten Gemeinde“ (Kardinal Ratzinger liebte diese Leute so…) und so weiter….

14.

Was haben wir hier kurz dokumentiert? Die genannten Verbrechen sind systemisch für die katholische Kirche! 

Die Fülle des sexuellen und spirituellen Missbrauchs durch Gründer der sich – ziemlich arrogant – neue GEISTLICHE Gemeinschaften nennenden Bewegungen sowie auch des Missbrauchs durch sehr zahlreiche Mitglieder dieser Organisationen zeigt eindeutig: Diese Gemeinschaften sind Ausdruck eines systemischen, d.h. zum klerikalen System der katholischen Kirche gehörenden, Schadens. Diese Verbrechen und Verbrecher sind und waren nur möglch durch ein übliches klerikales Schweige – Kartell. Deswegen hat Papst Leo XIV. Unrecht: Er sagte am 28.9.2026 auf dem Rückflug seiner „apostlischen Reise“ von Frankreich nach Rom: Diese Verbrechen wäre nicht systemisch bedingt, sondern eben, wie üblich, Einzelfälle einzelner Menschen. Natürlich sind immer einzelne Menschen die Handelnden. Aber es gibt nachweislich systemische Voraussetzungen, die diese Verbrechen erleichtern, wenn nicht gar fördern. Man denke daran: Viele Katholiken, Laien, halten heute noch Priester, Bischöfe usw. für Hochwürden, für Exzellenzen, Eminenzen und nennen diese „Hirten“ auch noch so… Und der Papst als „Nachfolger des armen Fischers Petrus“ gilt sogar als „heiliger Vater“, dessen Reich der „heilige Stuhl“ (Vatikan) ist. In dieser stets uneindeutigen Melange von politisch auftretendem absoluten, undemokratisch regierenden Monarchen und spirtuellem Leiter der Kirche… Nebenbei: Eigentlich ist „heiliger Vater“ ein blasphemischer Titel, über den sich niemand noch aufregt, weil einzig doch Gott heilig genachht werden darf… aber: so viele Hunderttausend jubeln ihrem „Führer“ (Papst) zu, vielleicht sogar noch verständlich (aber nicht entschuldbar) als Ausdruck der Hilflosigkeit und Verwirrung in diesen verrückten Zeiten heute…Aber so lange diese klerikale Allmacht nicht überwunden ist, also vom Vatikan selbst ausgelöscht wird, solange wird es immer wieder klerikale Verbrecher in neuen oder alten geistlichen Gemeinschaften und Ordensgemeinschaften geben, und im Weltklerus sowieso… 

15.

Eine kurze theologische Beurteilung: Diese von Päpsten und zahllosen Bischöfen hoch gelobten Gemeinschaften mit inzwischen weltweit viele Millionen – Mitgliedern haben den Katholizismus auf seinem mühevollen Weg in die Moderne letztlich stark behindert, wenn nicht verdorben: Sie haben die katholische Kirche als eine konservative, der traditionellen Frömmigkeit verpflichtete, männlich – klerikale Organisation zementiert. Diese Kreise entwickeln kaum wahrnehmbar eine Theologie, die der heutigen Weltsituation gerecht wird: Klima- Katastrophe, Geschlechtergerechtigkeit, soziale Gerechtigkeit, usw…).
Diese Kreise sind auf die alte, angeblich immer richtige „ewige“ Lehre verpflichtet: Nur die Wiederholung und das Einpauken der alten Dogmatik könne ihrer Meinung nach die Mission der Kirche bedeuten. Es ist also eine totale Ideologisierung der Kirche, die da betrieben wird.
Aber diese oft auch sehr finanzstarken, politisch sehr rechten Gruppen sind von der Kirchenführung immer noch sehr erwünscht, weil sie – so vermutet wohl der Vatikan – das Überleben der autoritären Klerus- Kirche garantieren. Aber durch diese „neuen geistlichen Gemeinschaften“ wird die katholische Kirche heute zum Getto..

Christian Modehn hat schon 2009 in seiner Studie über Papst Benedikt XVI., in dem Buch „Rolle rückwärts mit Benedikt“ (Publik -Forum Edition, 2009, S. 143 ff) auf den eingangs genannten Miguel Buela und seine Verbindung mit Kardinal Ratzinger aufmerksam gemacht:

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.

 

 

 

 

Die Neokatechumenalen oder: Wenn man den Katechismus als Theologie betrachtet

Die Neokatechumenalen oder: Wenn man den Katechismus als Theologie betrachtet
Von Christian Modehn.  Siehe auch: Eine aktuelle Ergänzung, geschrieben im Juni 2018, speziell zum Thema Neokatechumenale und Judentum, klicken Sie hier.

Wir wurden in den letzten Tagen mehrfach aufgefordert, unsere früheren Informationen und Dokumentationen über eine Gruppe der sogenannten „Neuen Geistlichen Gemeinschaften“ innerhalb der römischen Kirche wieder zugänglich machen, schließlich machen sich, so wurde uns berichtet, nicht nur das Opus Dei und die Legionäre Christi, sondern auch die sogenannten Neokatechumenalen Gemeinschaften „immer mehr breit“, so wörtlich ein Freund aus Köln; der berichtet, dass ein neokatechumenaler Priester alsbald (Weih) Bischof in Köln werden wird; er wurde von Papst Franziskus, dem armen und angeblich progressiven, ernannt.
Wir kommen dieser Anfrage nach, obwohl wir klarstellen: Wir sind ein philosophischer Salon, aber aufgrund der – in unserer Sicht oft unvernünftigen – Zustände in den Religionen heute immer wieder verpflichtet, Religions – Kritik zu betreiben, als eine Form kritischer Bildung. Unter diesem Blickwinkel sind auch die folgenden drei Beiträge zu verstehen; sie wurden im Jahr 2000, 2006 und 2011 veröffentlicht. Das meiste des dort Gesagten ist nach wie vor gültig, wenn auch die weltweite Integration der Neokatechumenaen weltweit auch als offiziell römische, also offiziell anerkannte „Bewegung“ inzwischen viel weiter fortgeschritten ist, etwa: In manchen Bistümern sind junge (oder „mittel-alterliche“) Priester fast ausschließlich Mitglieder des Neokatechumenats. Die Neokatechumenalen im allgemeinen sind theologisch so unglaublich „bescheiden“ zu sagen: „Unsere Theologie ist der römische Katechismus“. Da ahnt der Beobachter, wohin sich der römische Katholizismus entwickelt, wenn alsbald fast nur noch Neokatechumenale oder Legionäre Christi und Leute von „Das Werk“ oder die Priester vom „Inkarnierten Wort“ oder die „Kleinen Grauen“ (das sind die Brüder vom Heiligen Johannes) usw. usw. die Gemeinden leiten und die Bistümer führen…Man muss kein Prophet sein: Diese finanziell äußerst starken und im Machtanspruch – auch gegenüber Journalisten – nicht zimperlichen Bewegungen werden „das Gesicht der römischen Kirche“ weiter ganz wesentlich verändern bzw., je nach Blickwinkel, entstellen in Richtung: „Der Katechismus ist unsere Theologie und wer ihm nicht folgt, ist nicht katholisch“. Zu einem Beitrag für den WDR klicken Sie bitte hier.

….. Es folgen nun drei Beiträge, in der ursprünglichen (Sende-) Form des Radios bzw. der Zeitschrift. Noch einmal: Das copyright liegt beim Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon.

…..
1.
Wer glaubt, fragt nicht (2000)
Die neokatechumalen Gemeinschaften (NDR)
Von Christian Modehn

24 O TÖNE, insgesamt ca. 13 30“ lang.
EIN SPRECHER

EIN HINWEIS im August 2013:
Hier handelt es sich auch um ein Manuskript aus dem Jahre 2000, das für eine Hörfunkproduktion verwendet wurde. Die sogen. O Töne sind hier nicht vollständig ausgeschrieben, sondern nur stichwortmäßig zusammengefasst nur als Orientierung für den Producer.
Ich habe leider nicht die Zeit, diese O Töne noch vollständig auszuschreiben. Ich biete den Text dennoch an, weil er auch auf diese Weise durchaus noch einen informierenden Wert hat, vor allem durch die Vielzahl der betroffenen Interviewpartner.

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Sie haben exotisch klingende Namen: Focolarini oder Communione e liberazione, Opus Dei oder neokatechumenale Gemeinschaften: Gruppen, die seit mehr als 30 Jahren das Leben der Katholischen Kirche bestimmen. Weltweit haben sie mehrere Millionen Mitglieder und Sympathisanten. Es sind vor allem Laien, Frauen und Männer, die in diesen Gruppen ein intensives religiöses Leben suchen. Auch in Norddeutschland machen diese Kreise von sich reden, zum Beispiel die Neokatechumenalen Gemeinschaften. Christian Modehn hat Anhänger und Kritiker dieser Gruppen getroffen, seiner Sendung gab er den Titel „Wer glaubt, fragt nicht“.

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1.O TON. Bruno Caldana. 0 18“
„Ich war ein Ehebrecher. Und ich hab gesehen, wie Gott mich geliebt hat. Fand die Möglichkeit, eines Tages der Versuchung zu widerstehen“.

Hundertmal hat Bruno Caldana schon diese Geschichte erzählt. Bei religiösen Vorträgen und Katechesen, in Beratungsgesprächen und Interviews. Bruno Caldana berichtet gern von seiner gottlosen Vergangenheit, das gehört nun einmal zu seinem Amt als katholischer Laien-Prediger. Seit 13 Jahren lebt der gebürtige Römer mit seiner Familie in Hannover. Wenn er nachmittags seine Arbeit als Buchhalter beim Malteser Hilfsdienst beendet hat, kümmert er sich um den Aufbau der neokatechumenalen Gemeinschaft. Diese „geistliche Bewegung“ will er in Deutschland fördern und verbreiten; aus Dankbarkeit, wie er sagt; denn im Neokatechumenat wurde er ein neuer Mensch.

2.O TON, Bruno Caldana 0 22“
„Gott, durch die Kirche und durch das Neokatechumenat, Gott hat uns gerettet, verhindert, daß wir uns trennten, Familie wiederaufgebaut. Haben gesehen, wie Gott uns geholfen hat, uns gegenseitig zu vergeben“. .

Rita und Bruno Caldana gehören heute im Bistum Hildesheim zum Leiterkreis des Neokatechumenats. Der erste Wortteil, das „neo“, bedeutet neu; und katechumenal bezeichnet die Glaubensunterweisung: Neokatechumenale Gruppen wollen also neu den Glauben lehren, nicht den Heiden, sondern, wie sie sagen, den lau und lax gewordenen Katholiken. Vor 35 Jahren wurde das Neokatechumenat von Kiko Arguello, einem Künstler aus Madrid, und der ehemaligen Nonne Carmen Hernandez gegründet. Heute sind die Neokatechumenalen nach eigenen Angaben in 105 Nationen, in 800 Bistümern und 5.000 Pfarrgemeinden vertreten. Eine Million Katholiken sollen mit dieser Gemeinschaft verbunden sein. Sie alle haben ein Ziel: Jeder Katholik soll sozusagen wieder hundertprozentig glauben und bekennen, was der Papst und die Kirchenlehre vorschreibt. Darum bieten sie Kurse an, bei denen sogenannte Sonntagschristen zu eifrigen Missionaren ausgebildet werden. Hartmut Berkowsky nimmt seit 12 Jahren an diesen Unterweisungen teil.

3. O TON, Hartmut Berkowsky 0 37“
„Auf der einen Seite bin ich Geschäftsführer bei Maltesern, wo ich humanitäre Aufgabe wahrgenommen. Humanitär helfen. Aber ich denke, nicht das, was eigentlich wichtig ist. Erfahren, daß ich den Menschen, denen ich begegne, daß ich da Gott begegne. Was ihr den geringsten getan hat, das habt ihr mir getan. Wahlspruch für mein Leben geworden, wo ich draufzugehe“.

Wer sich einer neokatechumenalen Gruppen anschließt, möchte seinen ganzen Alltag christlich gestalten. Arbeit, Kunst, Politik, alles soll kirchlichen Grundsätzen entsprechen. Bruno Caldana kommt ein wenig ins Schwärmen, wenn er an die neokatechumenalen Jugendgruppen in seiner Heimatstadt Rom denkt. Sie verbringen die Freizeit mit gottesdienstlichen Feiern:

4. O Ton, Bruno Caldana 0 38“
„Dadurch werden viele Jugendliche von falschen Wegen abgehalten. Hunderte, die warten, Eucharistie zu feiern. Anstatt ins Kino zu gehen, zu Disco… viele Jugendliche werden durch Disco auch abgelenkt“.

„Es gibt kein Glück auf dieser Welt“, schreibt der Gründer Kiko Arguello seinen Getreuen, „alles in dieser Welt sei nun einmal eitler Wahn“.
Gottesdienst und Glaubensunterweisung gelten als Ausweg gegenüber den Verlockungen der Konsumgesellschaft. Auch Propst Klaus Funke, der katholische Stadtdekan für Hannover, bietet Jugendlichen am Samstag abends ins Gemeindehaus von Sankt Clemens eine Alternative zu den Vergnügungen des Wochenendes. Propst Funke:

5. O TON, Propst Funke 0 19“ (Glocke im Hintergrund)
„Die neokatechumenale Idee ist wie so ein Zeichen, ja, man könnte sagen des Himmels, daß Gott selber Menschen stößt auf Realitäten, die wir so in unseren Gemeinden gar nicht mehr wahrnehmen und erleben“.

Propst Funke ist seit etwa 10 Jahren ein enger Freund und Vertrauter der Neokatechumenalen: Ihn beeindruckt, wie sich die Mitglieder dieser Gemeinschaft vorbehaltlos in den Dienst des Papstes stellen:

6. O TON, Propst Funke 0 30“
„Das Neokatechumenat lebt von Itineranten, das sind Laien, die sich bereit erklären, für die Sache Jesu vom Papst in alle Welt schicken zu lassen vom Papst. Per Los gezogen am Tag der Heiligen Familie. Da stehen Familien. Du kannst uns hinschicken, es ist vorbereitet; es gibt eine Menge Anfragen, und sie gehen dahin“.

Missionare, die per Los-Entscheid in alle Welt gesandt werden: Seit 1986 ist dies gängige Praxis; der Papst ist immer dabei, er hat daran sein Wohlgefallen! Auch das Ehepaar Caldana aus Rom wurde zusammen mit ihren vier Kindern im Rahmen einer Verlosung als Itineranten-Paar, also wie Wandermissionare, nach Hannover entsandt. Es hätte genauso gut Wladywostok, Tokyo oder Lima sein können; in Deutschland mußten die Caldanas selber sehen, wie sie mit der neuen Kultur und Sprache zurecht kommen. Inzwischen haben sie in ihren neo-katechumenalen Unterweisungen einen Schwerpunkt entdeckt: Rita Caldana:

7. 0 TON, Rita Caldana 0 19“
„Europa neu evangelisieren: Das heißt, daß wir Menschen alle gegen den Teufel, das heißt, wie Paulus sagte, gegen das Böse kämpfen müssen, nicht gegen kleine Sachen, das heißt es ist ein grosser Kampf“.

Die Frommen kämpfen gegen den Teufel, die Guten gegen das Böse: Auf welcher Seite die Neokatechumenalen stehen, ist klar. Propst Funke meint bei den Neokatechumenalen sozusagen positives, heilsames Dynamit gefunden zu haben:

8. O TON, Propst Funke 0 39“
„Was mich an dieser Idee eben so fasziniert, ist: echte Alternative zu dem Alltag, den ich sonst in den Gemeinden erlebe. Ich will diesen Alltag nicht diskriminieren; er ist die eine Seite der Volkskirche. Aber daneben, kann man sagen, ist das wie so ein bißchen Dynamit. In diesem Alltag. Manchmal krachend aufflackert. Macht deutlich, daß sich Dynamit in der Botschaft Jesu verbirgt, was wir eigentlich verschweigen oder unentdeckt lassen“.

Um im Bild zu bleiben: Nicht immer sind die Veranstaltungen des Neokatechumenates Dynamit; manchmal sind sie sehr langweilig, davon konnte sich Pfarrer Albrecht Przyrembel aus dem Bistum Hildesheim überzeugen; er hat an neokatechumenalen Unterweisungen teilgenommen; dabei fühlte er sich an die schlichte Theologie des 16. Jahrhunderts, an die Zeiten des Konzils von Trient, erinnert:

9. O TON, Przyrembel 0 41“
„Das ist der Katechismus von Trient. Bei dieser Gemeindekatechese war ich dabei, um Erfahrungen zu sammeln. Da waren Tafelbilder wie ich sie in der Grundschule gebrauche. Aber eben mit Erwachsenen Menschen nicht.. das waren irgendwelche Bilder, das waren ganz einfache, fertige Antworten. Wie im Katechismus: Wozu bin ich auf Erden. Was muß ich tun, um in den Himmel zu kommen. Was für Menschen eine Hilfe ist. Es gibt ja eine Neuauflage der alten Katechismen.

Die neokatechumenalen Missionare rühmen sich selbst, keine eigene Theologie zu entwickeln für das Gespräch mit den angeblich lauen und abständigen Katholiken; sie wollen sich keiner neuen, modernen Sprache bedienen. Bruno Caldana:

10. O TON, Caldana 0 15“
„Unsere Theologie ist das Katechismus der katholischen Kirche. Weil Gott ist derjenige, der uns lehrt, Gott gibt uns Antworten. Ich bin der Meinung, daß Gott da ist, um uns Antworten zu geben“.

Wenn sich einmal Protestanten in die neokatechumenalen Kurse verirren, wird ihnen deutlich gemacht: die volle christliche Wahrheit gibt es nur im römischen Katholizismus. Einen jungen Protestanten haben die Caldanas einmal nach Rom begleitet:

11. O TON, Caldana, 0 12“
„Bei der Pilgerfahrt hat er direkt erfahren, diese Figur des Papstes hat ihn so stark beeindruckt, daß er zur katholischen Kirche konvertiert hat“:

Konvertieren, also sich bekehren, das ist nicht nur Pflicht der Protestanten. Vor allem Katholiken werden aufgefordert, sich als Sünder zu bekennen und von einem unmoralischen Lebenswandel Abstand zu nehmen. Randgruppen und Minderheiten sollen die offizielle katholische Morallehre respektieren. Propst Funke:

12. O TON Funke 0 58“
„Homosexualität kommt in der Natur vor, ist aber nicht natürlich. Entspricht nicht der eigentlich Veranlagung des Menschen. Will nicht von Schuld erst einmal reden. In der Bibel gibt es keine positive Stellungnahme. Immer kritisch und sündhaft. Erst recht, wenn sie praktiziert wird. Jeder der darunter leidet, wie der Geldgierige, der Sture und kommt: Tut mir leid, ich komm davon nicht weg. der findet immer den barmherzigen Gott. Nur wer eben versucht aus einer Unvollkommenheit eine Vollkommenheit zu machen, der scheitert“.

Die Neokatechumenalen fühlen sich gedrängt, diese Wahrheiten den katholischen Pfarr-Gemeinden Deutschlands mitzuteilen. An der amtlichen, römischen Kirchenlehre wollen sie kein I Tüpfelchen verändert sehen. Sie bieten sich den Seelsorgern an, um in der Glaubensunterweisung zu helfen, wie sie das nennen. Pfarrer Hans-Joachim Osseforth aus der Diözese Hildesheim hatte vor einigen Jahren dieses Angebot aufgegriffen:

13. O TON Osseforth 0 32“
„Ich habe nach einer gewissen Zeit erlebt, daß sie sich ein bißchen besser dünkten als die normale Gemeinde. Ich muß mich bekehren, dann auch die Gemeinde. Ich wurde als Unbekehrter als nicht richtig Glaubender angesprochen, kommt diskriminierend immer rüber“.

Erfahrungen, die keineswegs nur in Niedersachsen gemacht werden. Ein Berliner, der katholische Dekan Pfarrer Bernhard Obst erinnert sich an seine Begegnungen mit neokatechumenalen Missionaren:

14. O TON, Obst
„Ich wurde dann nur noch indoktriniert.. bis zur Beleidigungen. Ich sollte mich erst bekehren. Das war peinlich Bat sie dann, die Wohnung zu verlassen. Ich hätte doch rechte als Hausherr und müßte mich von ihnen nicht beleidigen lassen“.

Eine Frauengruppe der Gemeinde Bruder Klaus in Berlin-Neukölln hatte sich auf die Neo-Katechumenalen eingelassen, in aller Offenheit und guten Glaubens. Wie hätte es auch anders sein können: Über diese neuen Missionare gibt es keine allgemein zugänglichen Broschüren, Bücher oder Zeitschriften. Die Neokatechumenalen sind sozusagen öffentlich nicht greifbar; sie lieben die Verschwiegenheit. In der Gruppe gab es schon bald erhebliche Spannungen; zwei Frauen, die lieber ungenannt bleiben wollen, erläutern die Probleme:

15. O TON, zwei Frauen hintereinander. 1 23“
„Wenn man mit ihnen spricht, daß ist DER Weg, man bedrängt auch, geht bis zur Beschimpfung, Teufel spricht aus einem. Tut weh! Wir haben sie im Frauenkreis gehabt, Unruhe, sie sind das Salz der Erde, und sie haben die Kinder besser im Griff. Da wird morgens schon Schriftlesung. Also es war sehr schwer. Ich persönlich halte das nicht aus, ich geh nicht mehr hin“.

Die neokatechumenalen Missionare lassen sich nicht beirren; sie ziehen weiter. Haben sie sich aber einmal in einer Pfarrei niedergelassen, gibt es oft Unruhe und Irritationen: Denn die Neokatechumenalen feiern am Samstagabend separat ihre eigene Gruppen Messe im Saal, manchmal hinter verschlossenen Türen; auch die Osternacht zelebriert der neokatechumenale Kreis für sich allein, ohne die Teilnahme der Ortsgemeinde. Kein Wunder, daß solche Abgrenzung von „den anderen“, den „gewöhnlichen Katholiken“, wenig Symapthie findet. Pfarrer Osseforth erinnert sich an einen neokatechumenalen Glaubenskurs:

16.O TON, Osseforth 0 38“
„Wir haben in der Gemeinde mit über 25 Leuten angefangen, am Schluß nach 4 Monaten waren nur noch 4 dabei; das Ende ist Wochenende, wo man sich entschließt, ob man weitermachen will.. Alle wollten nicht mehr mitmachen, zu einengend. Man muß Bußgottesdienste machen, man wird gezwungen zu beichten. Es floß dann mit ein, daß Gott nur auf dem Weg des Neokatechumenats die Menschen in die Freiheit führt. Das ist zu eng. Das geht nicht“.

In Hannover wird jetzt seit 12 Jahren für den neokatechumenalen Weg geworben: Bisher haben sich trotz intensiver Bemühungen erst 11 Erwachsene der Gemeinschaft angeschlossen. Die Kategorie „Erfolg“ haben die Neokatechumenalen in Deutschland jedenfalls aus ihrem Vokabular gestrichen, und sie fühlen sich dabei sogar sehr wohl. Rita Caldana:

17. O TON, Rita Caldana 0 10“
„Erfolg existiert nicht im Christentum. Weil Jesus Christus auch kein Erfolg gehabt hat. Oder: nur das Kreuz. Und wir sind in die richtige Platz“.

Die Neokatechumenalen stehen sozusagen auf der Seite Jesu, nehmen an seinem Leiden am Kreuz teil, und trösten sich damit, daß wenigstens der Zusammenhalt in der eigenen Gruppe gut funktioniert: Propst Funke:

18. O TON, Funke 0 34“
„Innerhalb der Gemeinschaften gibt es ein unwahrscheinlich intensives Anteilnehmen am Schicksal jedes einzelnen. Was ich erlebt habe, Güterteilung, Autos, Wohnungstausch. Kinderbetreuung, Vertretungen, bei Nöten, grossem geldlichen Einsatz, das ist erstaunlich“.

Das Neokatechumenat zählt nach eigenen Angaben weltweit mehr als 15. 000 solcher offenbar vorbildlichen Gruppen, Lebensgemeinschaften und Freundeskreise. Aber, sie alle sind untereinander vernetzt, betont Pfarrer Osseforth:

19. O TON Osseforth, 0 41“
„Das ist viel zentralistischer als der normale hierarchische Aufbau der katholischen Kirche. Sehr zentral gesteuert. Gut durchstrukturiert. Der oberste Chef ist Kiko, das ist der Jesus des Neokatechumenates. Alles, was Kiko gemacht hat, ist gut. Seine Bilder sind wie Ikonen. Nur diese zählen etwas auf unserem Weg. Das halte ich auch für eine Engführung“.

Der feste Zusammenhalt in einer von Befehlen und Gehorchen geprägten Gemeinschaft übt für viele junge Menschen immer noch eine faszinierende Wirkung aus. Aus den neokatechumenalen Familien, die oftmals 8 oder 10 Kinder zählen, entschliessen sich immer wieder junge Männer, Priester zu werden. Propst Funke:

20. O TON Funke 0 32“.
„Das Neokatechumenat hat in aller Welt jetzt vierzig Priesterseminare. Weil aus den Gemeinschaften so viele Priester werden wollen, daß man nur neidisch werden. So was habe ich in meinem Seminar nicht erlebt, an Freude am Glauben, grundsätzlich positiven Haltung zur Kirche“.

Bei dem zunehmendem Mangel an Priestern freuen sich zahlreiche Bischöfe vor allem im Osten Europas über den geistlichen Nachwuchs, den die Neokatechumenalen bereit stellen. In Berlin gibt es seit mehr als 10 Jahren ein neokatechumenales Priesterseminar mit 30 Studenten. Einige dieser Theologen arbeiten inzwischen als Kapläne in Berliner Gemeinden; aber länger als ein Jahr erträgt kaum eine Gemeinde diese jungen, aber extrem konservativ denkenden Priester. Vielleicht ist dies ein Grund, daß der sonst eher wohlwollende Berliner Kardinal Georg Sterzinsky vorsichtig Distanz andeutet:

21. O TON, Sterzinsky, 0 35“
„Ich mach da nur mit, damit ich auch eingreifen kann oder mitsprechen kann; daß es nicht einen Wildwuchs gibt. Kaderschulung in der Missionierung. Wir bleiben bei 30 Studenten. Weil ich nicht meine, daß man mit Klerikern in den Osten starten sollten.

Prominente katholische Kirchenführer haben sich deutlich vom Neokatechumenat distanziert: Der englische Kardinal Hume nannte diese Gemeinschaft schlicht und einfach fundamentalistisch; Kardinal Martini von Mailand warnt ausdrücklich vor den Neokatechumenalen, in manchen Bistümern der Vereinigten Staaten sind sie offiziell unerwünscht. Kiko Arguello, der Gründer der Neokatechumenalen, macht aus Kritikern einfach nur „Verfolger“. Für ihn und seine Gemeinschaft ist die ganze Kirche in Gute und weniger gute Mitglieder aufgespalten. Das konnte Pfarrer Osseforth beobachten:

22. O TON, Osseforth, 0 29“
„Sie sondieren auch ganz klar. Sie sagen sofort, der Bischof uns nicht so liebt, wie wir das wollen, der ist nicht katholisch. Wird diskriminiert. Immer: der Papst unterstützt uns doch. Viele Bischöfe tun das auch.Viele Bischöfe, die kritisch sind, das sind dann die Nichtbekehrten“.

Die neokatechumenalen Gemeinschaften haben in fast allen Bistümern Deutschlands Fuß gefaßt, auch in der Diözese Hildesheim. Aber allzu großer Beliebtheit erfreuen sie sich nicht, betont Pfarrer Osseforth:

23. O TON, Osseforth, 1 00“
„Es gibt kritische Interessiertheit, haben einzelnen geholfen, die versaut waren, aber es ist nicht die Erneuerungsbewegung“.

Der Papst sieht das anders: Er ist begeistert von dem Eifer dieser aufdringlich für die römische Kirchenlehre werbenden Missionare; er freut sich über die Bereitschaft der neokatechumenalen Jugendlichen, geradezu massenhaft päpstliche Veranstaltungen zu besuchen. Allein beim katholischen Weltjugendtreffen in Paris im Jahre 1998 waren 50.000 neokatechumenale Jugendliche hilfreich in der Organisation; sie waren vor allem die öffentlich sichtbaren Papst-Fans und Jubel-Rufer in den überfüllten Veranstaltungen. Auch in diesem Jahr, dem Heiligen Jahr in Rom, wird man die Neokatechumenalen nicht übersehen können. Sie gelten längst – neben dem Geheimbund Opus Deials die Stoßtruppen des Vatikans. Sie verändern das Gesicht der katholischen Kirche. Viele Beobachter haben den Eindruck: Sie machen aus der Kirche, der vielfältig lebendigen Gemeinschaft der Glaubenden, ein starre Institution der Indoktrination und Besserwisserei.

Wie kommen Katholiken dazu, sich dieser kämpferischen, zentralistischen und dogmatisch erstarrten Gemeinschaft anzuschließen? Pater Karl Hermann Lenz aus dem Pallottiner Orden hat sich mit dieser fundamentalistisch genannten Gemeinschaft befaßt:

23. O TON Pater Lenz. 0 55“
„Daß sie bei Teilen der Kirchenleitung eine Beliebtheit haben, in Zeiten der Unsicherheit, Johannes Paul der zweite wir stehen an deiner Seite. Mensch da haben wir noch Leute, die wirklich kirchentreu sind-
Zulauf wegen Gruppe, Verbindlichkeit, klare Antworten bekommt, ist ja was Grosses. Spirituelles Wachstum, da gibt es ja auch viel zu wenig in den Gemeinden“.

Copyright:Christian Modehn

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Deutschlandfunk 2011
Studiozeit: Aus Religion und Gesellschaft
„Das Vertrauen ist erschüttert – die neuen geistlichen Gemeinschaften in der Krise“
Von Christian Modehn

1. Spr.: Berichterstatter
2. SPR.: Zitator und Übersetzer
O TÖNE, zus. ca. 10 00“.

1. SPR.:
Die katholische Kirche liebt die Einheitlichkeit. Weltweit wird das gleiche Glaubensbekenntnis gesprochen, überall werden die Messen nach den gleichen liturgischen Vorschriften gefeiert. Der Pluralismus zeigt sich vor allem in der Vielfalt der Lebensformen. Mönche und Arbeiterpriester in Fabriken sind sehr verschieden, auch Missionare und Einsiedler haben wenig gemein. Pluralität der Lebensformen war viele Jahrhunderte auf Kleriker und Ordensleute begrenzt. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil, also seit 50 Jahren, gestalten vor allem Laien, Frauen wie Männer, „neue religiösen Gemeinschaften“. Allein in Deutschland sind 70 unterschiedliche Gruppen vertreten; weltweit sollen mindestens 500.000 Katholiken dazu gehören. Der katholische Theologe und Religionssoziologe Professor Michael Ebertz aus Freiburg im Breisgau hat diesen Trend untersucht:

7. O TON, Ebertz, 0 26“.
Im Grunde könnte man sagen: Diese so genannten neuen geistlichen Gemeinschaften sind Nachfolger eigentlich so dieser Ordensleute und sie steigern, sie erhöhen die Vielfalt, die Komplexität, innerhalb der Kirche, weil wir in diesen geistlichen Gemeinschaften auch sehr gegensätzliche Positionen finden. Man könnte sagen, von der fundamentalistischen bis hin zu einer sehr ökumenisch, also auch den evangelischen Christen gegenüber sehr aufgeschlossenen Gemeinschaften.

1. SPR.:
Dazu gehört etwa die „Gemeinschaft Sant Egidio“, die sich für den Dialog der Weltreligionen einsetzt; auch die Gruppen der „Focolarini“ nehmen Protestanten als Mitglieder auf. Konservativ und auf die traditionelle katholische Identität bedacht sind die Gemeinschaften der „Neokatechumenalen“ und der „Charismatiker“, des „Opus Dei“ und der „Legionäre Christi“. Sie haben jeweils mehr als 50.000 Mitglieder. Viele von ihnen leben in eigenen Häusern zusammen, also wie in einem Kloster; die meisten aber wohnen „inmitten der Welt“, wie sie gern sagen. Bei den Gruppentreffen mindestens einmal in der Woche pflegen sie die Verbundenheit untereinander.
Zur Theologie dieser so unterschiedlichen Kreise meint Professor Ebertz:

6. O TON, Michael Ebertz, 0 26“.
Sie unterwerfen sich dem hierarchischen Anspruch der Bischofs – und der Papstkirche. Sie setzen ganz auf die religiöse Karte und interpretieren das Evangelium und die christliche Tradition in einem sehr entschiedenen Sinne. Man könnte auch sagen, sie sprechen damit die religiösen Virtuosen unter den Katholikinnen und Katholiken an. Also alle, die etwas mehr wollen als das Übliche, was in den Pfarrgemeinden abläuft.

1. SPR.:
Darum bietet ihnen die Messe am Sonntag noch nicht „ausreichend geistliche Nahrung“, wie sie sagen, und die üblichen Bibelkreise am Abend erscheinen ihnen zu oberflächlich. Sie wollen ihren Glauben in eigenen Veranstaltungen intensiv pflegen. Und dabei entstehen dann Konflikte:

1. O TON, Pater Gerhard Pöter, 0 08“
Die Charismatiker in der Gemeinde, die machten, was sie wollten. Also in der Gemeinde hatte ich überhaupt nichts zu melden. Die haben das Ganze dirigiert.

1. SPR.:
Pater Gerhard Pöter aus dem Dominikaner Orden berichtet über seine Erfahrungen mit katholischen Charismatikern. Sie glauben, besondere Gnadengaben des Heiligen Geistes empfangen zu haben. In der Gemeinde, die Pater Gerhard Pöter leitet, fühlten sie sich darum als die „besseren Christen“.

2. O TON, Pater G. Pöter, Fortsetzung von 1.OTON, 0 20“
Wenn die ein Studium machten, natürlich nicht mit mir oder mit einem anderen von unserem Orden, ein Studium mit irgendeinem Führer der charismatischen Bewegung, die also ganz oben gesteuert werden, dann kamen diese Leute in die Gemeinde, die grüßten noch nicht einmal den Priester. Nein! Die machten das völlig parallel. Wenn der Priester nicht charismatisch ist, dann machen die eben ihre Sache alleine.

1. SPR.:
Pater Pöter arbeitet seit 30 Jahren als Pfarrer im zentralamerikanischen Staat El Salvador. Er hat dort erlebt, wie sich in dieser Zeit das Profil der katholischen Kirche grundlegend veränderte. Anstelle der sozial – kritischen „Basisgemeinden“ wollen sich nun konservativ geprägte Laien und die mit ihnen verbundenen Priester für die klassischen Glaubenslehren einsetzen. Sie sprechen von „totaler Übereignung an Gott und die Kirche“.
So denken auch die Gruppen des Neo – Katechumenats; sie möchten unbedingt allen Katholiken noch einmal „neu“ die gesamte Kirchenlehre ausführlich erklären. Der katholische Pfarrer Hans Joachim Osseforth aus Hannover hat die Neokatechumenalen persönlich kennen gelernt:

3. O TON, Pfr. Hans Jochim Osseforth, 0 15”.
Man musste einen Bußgottesdienst mitmachen von 2 Stunden, man wird fast gezwungen zu beichten. Das floss dann also doch sehr stark mit ein, dass Gott eigentlich weitgehend nur auf dem Weg des Neokatechumenates die Menschen in die Freiheit führt. Und dann merkte ich: Das ist einfach zu eng, das geht nicht.

1. SPR.:
Genauso wichtig wie die radikal gelebte Frömmigkeit ist die enge Bindung an den Gründer des Neokatechumenats, den Spanier „Kiko“ Argüello, betont Pfarrer Osseforth:

4. O TON, 0 20“.
Erst reingehen bei:
Der oberste Chef ist Kiko, das ist also der Gründer, der ideelle Gründer, das ist, sage ich mal, der Jesus des Neokatechumenats. Und alles, was Kiko gemacht hat, ist von vornherein schon gut. Da darf man auch nichts kritisieren, das halte ich dann auch für eine Engführung.

1. SPR.:
Gegen diese „Engführung“ eines autoritär geprägten Glaubens gab es schon häufig Widerspruch innerhalb der Kirche. Jetzt melden sich auch Katholiken in Japan Wort. In dem buddhistisch geprägten Land nähmen die neokatechumenalen Missionare keine Rücksicht auf die Eigenheiten der dortigen Kirche, heißt es. In der katholischen Zeitung „Katorikku Shimbun“ hat Leo Ikenaga, der Erzbischof von Osaka, kürzlich geschrieben:

2. SPR.:
Wo diese geistliche Gemeinschaft der neokatechumenalen Missionare aktiv ist, beobachten wir Verwirrung, Konflikte, Spaltung und Chaos in unserer japanischen Kirche.

1. SPR.:
Vier japanische Bischöfe reisten im Dezember vergangenen Jahres nach Rom. Sie wollten den Papst bitten, mit einem Machtwort die Aktivitäten der aufdringlich werbenden neokatechumenalen Missionare wenigstens für die nächsten fünf Jahre zu unterbinden. Benedikt XVI. hörte sich zwar die Klagen an. Aber ein Ende dieser Missionstätigkeit wollte er nicht verfügen. Schließlich kann er die „neuen geistlichen Gemeinschaften“ nicht verprellen, betont Professor Ebertz:

20. O TON, 0 22“,
Das sind sozusagen innerkirchliche Bio – oder Soziotope, die fruchtbar sind im Blick auf die Rekrutierung, die Gewinnung, von Priesternachwuchs. Und das sind natürlich der Kirche liebste Kinder, die nicht so kompromißlerisch sind, nicht so im Grunde eine Religion light, ein Katholischsein light, pflegen, sondern auch ein Bekenntnis ablegen und dazu stehen. Und Sünde Sünde nennen.

1. SPR.:
Darum ist es nicht erstaunlich, dass die neuen geistlichen Gemeinschaften auch die offizielle kirchliche Approbation erhalten haben. Aber gelegentlich müssen sie doch ermahnt werden, treu „zur Kirche zu stehen“. Benedikt XVI. erklärte Mitte Januar dieses Jahres im „Saal Paul VI.“:

5. O TON, Benedikt XVI. , auf Italienisch 0 47“.
2. SPRECHER:
Die Kirche hat im Neokatechumenalen Weg ein besonderes Geschenk des heiligen Geistes erkannt. Deswegen muss sich diese Gemeinschaft in großer Harmonie mit der ganzen kirchlichen Gemeinschaft befinden. So gesehen, muss sie sich auch in tiefer Gemeinschaft mit den Bischöfen und allen Mitgliedern der Ortskirchen befinden.

1. SPR.:
Benedikt XVI. will unbedingt diese „intensiv“ Frommen unter die Aufsicht der Hierarchie stellen. Schon als Leiter der römischen Glaubensbehörde hatte er sich dafür eingesetzt, abwegig erscheinende Lehren aus den Kreisen neuer geistlicher Gemeinschaften zu korrigieren:

9. O TON Ratzinger, 0 39“. in Aigen.1991
So sind wir verfahren bei einer Ordensgemeinschaft, die in Mallorca sich gebildet hatte unter dem Namen Identes.

1. SPR.:
…berichtete Kardinal Ratzinger 1991 bei einem Vortrag im österreichischen Aigen – Schlägl:

(FORTSETZUNG)
Der Gründer war ein etwas geistig verworrener und theologisch schwärmerisch und träumerischer Mann, so dass seine Gründung absolut unmöglich erschien und unakzeptabel auch mit Disziplin und Lehre der Kirche unvereinbare Elemente enthielt. Aber wir dann einen Weg gefunden haben, der dahin ging, dass der Gründer selbst den Großmut fand, sich ganz von seiner Gründung zu trennen, die dann neu konstruiert werden konnte.

1. SPR.:
Die neuen geistlichen Führer und Gründergestalten lassen sich von ihren Anhängern „Vater“ oder „Hirte“ nennen; sie verstehen sich als „Wegweiser zum wahren Glauben“. Der Züricher Philosoph Gonsalv Mainberger hat einen dieser „von Gott begnadeten Meister“, den Pater Marie – Dominique Philippe, etliche Monate unmittelbar an der Universität Fribourg erlebt.

8. O TON, Gonsalv Mainberger, 0 35“.
Philippe habe ich erfahren in seiner Art Messe zu lesen, das war jedes Mal eine ekstatische oder pseudomystische Angelegenheit. Er zitterte und hat jedes Mal ein Gotteserlebnis konstruiert. Pathetisch! Ausdruck seiner inneren Ergriffenheit, mit der er dann auf die Menschen losging. Und dann merkte ich, er verlangt Unterwerfung. Das wollte ich nicht. Es wird Gefolgschaft abverlangt, und ich wollte das nicht.

1. SPR.:
Unterwerfung und Gefolgschaft: Diese Stichworte kehren immer wieder, wenn man die Geschichte der von Pater Philippe gegründeten geistlichen Gemeinschaften studiert. Die Nonnen seines französischen Ordens, die „Soeurs de la compassion“, hielten junge Schwestern aus Rumänien und der Slowakei Monate lang wie Gefangene in ihren Klöstern. Alle persönlichen Gegenstände, selbst die Ausweise wurden ihnen abgenommen. Erst als die Gerichte einschritten, besserte sich die Lage. Auch der internationale Orden der „Brüder vom heiligen Johannes“ ist eine Gründung Pater Philippes. Die Brüder wurden wegen ihres autoritären und politisch äußerst rechtslastigen Verhaltens selbst dem konservativen Kardinal Lustiger suspekt; er hat diese Mönche aus Paris vertrieben. Die Nachrichten Agentur KIPA aus der Schweiz schrieb im Juni 2006:

2. SPR.:
Papst Benedikt XVI hat die kirchlich umstrittene „Gemeinschaft vom heiligen Johannes“, eine Gründung Pater Philippes mit 500 Mitgliedern, zu mehr Sorgfalt bei der Aufnahme neuer Mitglieder ermahnt.

1. SPR.:
Die Kirchenführung hat heute kein ungebrochen positives Verhältnis mehr zu den sich machtvoll gebärdenden geistlichen Gemeinschaften. Offenbar haben Papst und Bischöfe aus früheren Fehlern gelernt. Der größte Irrtum war wohl die mehr als 50 Jahre dauernde Unterstützung für den mexikanischen Pater Marcial Maciel, den Gründer der Ordensgemeinschaft der „Legionäre Christi“ und der Laien – Gemeinschaft „Regnum Christi“. Maciel hatte schon als 20 Jähriger in Mexiko sein eigenes Kloster gegründet, in dem er als Oberhaupt mit 12 – bis 14 jährigen Knaben zusammen lebte. Als Leiter seiner Gemeinschaften in Rom verpflichtete er schon in den fünfziger Jahren seine Mitglieder zum Stillschweigen über alle internen Vorgänge. Und das mit gutem Grund: Pater Maciel neigte ständig zu sexuellen Übergriffen an Knaben und Seminaristen. Erst im Jahr 1997 fanden sieben mexikanische Opfer den Mut, von den Schandtaten Maciels öffentlich zu sprechen. Sie sind inzwischen Priester und Professoren; sie zeigten Maciel bei Papst Johannes Paul II. und Kardinal Ratzinger an. Aber die Beschwerde wurde in Rom völlig ignoriert. Über die Gründe äußert sich der in Mexiko lebende katholische Theologe Alfons Vietmeier:

14. O TON, Vietmeier, 0 36“.
Das hing damit zusammen, dass das Angebot des Ordens war: Wir haben stramm Rom treue, gehorsame Priester, und aus einer rechtskatholischen Oberschicht, die politisch dann auch wiederum antikommunistisch und antisozialistisch war und ist. Und insofern gewisse Stimmungslagen eines aus Polen stammenden Papstes traf, der genau das suchte, in einer Welt, die laut offizieller Logik in Rom und einschließlich unseres jetzigen Papstes in den Wirren der Zeit unterzugehen droht.

1. SPR.:
Die „Legionäre Christi“ und die Laiengemeinschaft „Regnum Christi“ haben zusammen etwa 65.000 Mitglieder weltweit. Während der Vatikan die Vorwürfe ignorierte, berichteten in Spanien, den USA und vor allem in Mexiko alle großen Medien ausführlich über die Verbrechen Maciels. Der in Mexiko Stadt lehrende Historiker Professor Enrique Dussel kennt die Legionäre Christi sehr gut:

11. O TON, Prof. Henrique Dussel. 0 26“.
2.SPR..
Ihr Gründer ist ein Päderast, er ist obendrein korrupt und bestechlich. Das stimmt absolut. Es gibt mehr als 10 Zeugnisse von Leuten aus den letzten 15 Jahren, die bestätigen, dass er korrupt ist. Aber Papst Johannes Paul II. wollte diese Frage nicht erörtern. Dabei handelt sich um die Korruption in der Kirche, das ist ein sehr, sehr großes Problem.

1. SPR.:
Und der ebenfalls in Mexiko – Stadt lebende kolumbianische Schriftsteller Fernando Vallejo betont:

10. O TON, Fernando Vallejo. 0 21“.
2.SPR.:
Natürlich, die Legionäre Christi kenne ich sehr gut. Der Orden ist sicher eine der machtvollsten Organisationen der Katholische Kirche. Was ich zuallererst kritisiere ist die Verlogenheit seiner Kirche und vor allem auch, dass der Papst keinen Prozess gegen Maciel führt. Ich würde Pater Maciel den Prozess machen vor allem wegen seiner Lügen und seiner Scheinheiligkeit.

1. SPR.:
Die Legionäre Christi haben über viele Jahrzehnte alle Vorwürfe gegen ihren geliebten „Vater“ pauschal zurückgewiesen. Pater Klaus Einsle von der Düsseldorfer Legionärs – Zentrale betonte noch im Jahr 2005:

12. O Ton Einsle, 0 15“.
Unser Ordensgründer hat nie wirklich Zeit damit verloren, sich zu verteidigen. Warum, weil er innerlich ein ganz reines Gewissen hat. Das war für uns eine große Lehre, dass man nicht so viel Zeit damit verbringen muss, sich zu rechtfertigen.

1.SPR.:
So konnten sie verschwiegen mit ihrem pädophilen Ordensvater unter einem Dach leben; im Vatikan hatte er viele Freunde:

18. O TON, P. Einsle 0 22“.
Schon seit 10 oder 12 Jahren gewährte uns der damalige Kardinal Ratzinger jeweils eine kleine Gesprächszeit mit ihm persönlich. Das war eine sehr, sehr herzliche, verbundene Atmosphäre. Er hat auch öfters unser Haus besucht, er kennt uns sehr gut. Und bin sicher, dass er uns auch sehr schätzt, dass da eine große Verbundenheit da ist.

1. SPR.:
Auch mit Papst Johannes Paul II. und prominenen Kardinälen war Pater Marcial Maciel eng befreundet. Die angesehene Wochenzeitung „National Catholic Reporter“ aus den USA hat nachgewiesen, wie Maciel seine vatikanischen Freunde zu Weihnachten mit großzügigen Geldgeschenken bedachte. Besonders eng verbunden war der „geistliche Meister“ mit dem damaligen Staatssekretär Kardinal Angelo Sodano. Alfons Vietmaier aus Mexiko betont:

17. O TON, Vietmeier, 0 24“.
Es haben unzählige Bischöfe Flugscheine bezahlt bekommen, Stipendien für Priesterstudien bezahlt bekommen, die Synoden in Rom sind erheblich mitfinanziert worden von den Legionarios. Es gibt also dort eine Vernetzung, die ganz klar bis zu Papst Johannes Paul II geht, der ganz eindeutig das favorisiert hat.

1.SPR.:
Wie konnten so viele Kirchenführer das wahre Gesicht Pater Maciels Jahrzehnte lang ignorieren? Der Jesuitenpater Klaus Mertes, der vor einem Jahr die pädophilen Verbrechen im Berliner Canisius Kolleg offen benannt hat, meint:

19. O TON, Pater Klaus Mertes, 0 27“
Es gibt einen Typ von Pädophilen, der andere Menschen verzaubern kann. Es ist ganz schwierig, sich diesem Zauber zu entziehen. Und in dem Moment, wo man in dem Beziehungszauber drin ist, wird auch das Hinüberreichen und Herüberreichen von Geld und Bestochenwerden schon gar nicht mehr als solches erlebt. Das ist sozusagen Teil des Beziehungszaubers, der von einem ausgeht.

1.SPR.:
Pater Maciel hat bis zum Jahr 2004 zahlreiche Päpste, Bischöfe und Kardinäle „bezaubert“. Erst vor 7 Jahren trat er als Ordensoberer mit dem gar nicht so geistlichen Titel „Generaldirektor“ zurück. 2006 ist er in den USA im Alter von 86 Jahren gestorben.
Seit einem Jahr ist die neue Führung der Legionäre Christi und des Regnum Christi entmachtet. Der Papst hat an die Spitze beider Gemeinschaften einen päpstlichen Delegaten gesetzt, den Kirchenrechtler Kardinal Velasio de Paolis. Er soll diese Gemeinschaften „reinigen“ , wie es heißt, also grundlegend reformieren. Neun Monate lang wurde die beiden geistlichen Gemeinschaften Pater Maciels in päpstlichem Auftrag untersucht, es wurde geprüft, wie weit z.B. pädophile Tendenzen bei Mitgliedern des ganzen Ordens zu finden sind. Benedikt XVI. nannte zum Abschluss der Untersuchungen allerdings nur einen Hauptschuldigen. Er erklärte am 1. Mai 2010:

2. SPR.:
Das sehr schwerwiegende und objektiv unmoralische Verhalten von Pater Maciel, das durch unbestreitbare Zeugenaussagen belegt ist, äußert sich bisweilen in Gestalt von wirklichen Straftaten und offenbart ein gewissenloses Leben ohne echte religiöse Gesinnung

1. SPR.:
Aber wegen dieser Straftaten kann Marcial Maciel nicht mehr gerichtlich belangt werden, bis zu seinem Tod hat der Vatikan ihn gedeckt und geschützt…Neben den zahlreichen pädophilen Verbrechen ist nun auch noch erwiesen: Der Pater ist auch Vater von mindestens 5 Kindern. Seine Freundinnen waren Angehörige der so genannten „obersten Oberschicht“ in verschiedenen Ländern Lateinamerikas. Sie beschenkten ihren Liebhaber überaus reichlich. Das Vermögen des Ordens wird heute auf 25 Milliarden US Dollar geschätzt. Der Theologe Alfons Vietmeier in Mexiko über diesen pädophilen Frauenheld, der selbst noch seine eigenen Söhne sexuell missbrauchte:

13. O TON, Alfons Vietmeier, 0 27“.
Eine solche deutlich als Heiliger herausgestellte Figur bricht zusammen, und damit bricht auch eine kirchliche Glaubwürdigkeit zusammen. Und das erschüttert die Grundfesten einer Kirche, die immer stramm auf Moral hin gearbeitet hat, die immer die Werte der Familie, der Enthaltsamkeit hoch gehalten hat, und das bricht wie ein Kartenhaus zusammen.

1.SPR.:
In Deutschland reagieren die Legionäre Christi gelassen auf diese Enthüllungen, sie haben sich mit ein paar Worten die Untaten Maciels bedauert! Der Orden hat bisher nur zwei deutsche Niederlassungen: In Düsseldorf ist die Zentrale, in Bad Münstereifel befindet sich das Noviziat und ein „Knabenseminar“, eine „Apostolische Schule“ für 12 bis 14 jährige Jungs. Als Kardinal Joachim Meisner am 26. Oktober 2010 dieses Knabenseminar besuchte, erklärte er abschließend auch gegenüber den Legionären:

2. SPR.:
Ich sage nicht: Werdet gut . Sondern BLEIBT gut. .

1. SPR.:
Die Laiengemeinschaft Regnum Christi hat prominente Mitglieder, berichtet einer ihrer Freunde, der Journalist Hubert Gindert:

20. O TON, Hubert Gindert, 0 19“,
Fürst Löwenstein, der ist also eng verbunden mit Regnum Christi. Christiana von Habsburg Lothringen, das ist die Schwester von Fürst Löwenstein, die ist also auch sehr eng verbunden mit Regnum Christi. Ja. Ich hab den Eindruck, dass bei diesen Gemeinschaften der Adel verhältnismäßig stark repräsentiert ist
KÜRZUNGSMÖGL. ENDE.

1. SPR.:
Inzwischen wurden aus allen Häusern der Legionäre Christi die Fotos des „geliebten Vaters Maciel“ entfernt. Auch die Aufnahmen, die ihn zusammen mit seinem „lieben Förderer“ Papst Johannes Paul II. zeigen, mussten verschwinden. Maciels Bücher dürfen nicht mehr vertrieben werden. Ist das die große „Reinigung“ innerhalb einer Ordensgemeinschaft? Das Ziel hat der Papst schon vorgegeben: : Einzig der Ordensgründer soll schuldig gesprochen werden, alle anderen werden entlastet. Nur so kann die Kirche weiter auf eine finanziell starke wie missionarisch aktive Organisation setzen. Der Papst braucht die neuen geistlichen Gemeinschaften, meint Professor Ebertz:

16. O TON: Michael Ebertz, 0 46“.
Wenn wir auf dieses Rechts – oder auch fundamentalistische Spektrum auch dieser Gemeinschaften schauen, dann ist es natürlich auch hier die Idee einer Religion totale. Also eines christlichen Staates, eines christlichen Gottesstaates. Die Idee einer Verchristlichung der Gesellschaft mit der Grundidee, dass für jeden Daseinsbereich, ob das nun die Familie ist, die Schule, die Wirtschaft ist, der Staat ist, dass christlich – katholische Vorzeichen entstehen. Das ist schon Stoßrichtung. Einige dieser fundamentalistischen Kreise der geistlichen Gemeinschaften, die sitzen z.T. auch an wichtigen Stellen in Kirche und Gesellschaft, die sind z.B. Massenmedien, die sind da präsent, und machen ihr Ding. Und die sitzen natürlich auch in Schaltstellen der Hierarchie unter Bischöfen oder sie sind in Rom, in der Kurie.

1. SPR.:
Die neuen geistlichen Gemeinschaften werden nicht zu unrecht die immer einsatzbereiten „Stoßtrupps“ des Papstes genannt; sie sind personell und finanziell in der Lage, Priesterseminare zu bauen oder kirchliche Fernsehsender zu bezahlen. Sie organisieren zusammen mit konservativen Parteien Massenveranstaltungen, etwa in Madrid die Proteste gegen die „staatliche Liberalisierung der Sexualmoral“. Sie sind auch in Scharen dabei, wenn der Papst zu katholischen Weltjugendtagen einlädt. Professor Ebertz:

21. O TON, Michael Ebertz. 0 43“.
Je stärker sich das Top – Management der katholischen Kirche mit diesen fundamentalistischen Gemeinschaften sich verbündet, um so stärker tendiert letztlich das Ergebnis eines solchen Managements in die Mitte und der reformorientierte Katholizismus hat das Nachsehen. Das ist eine Strategie, glaube ich, die langfristig dahinter steht. Von daher muss mal also überhaupt sagen, dass die römisch – katholische Kirche im Feld des Religiösen übrigens weltweit eher versucht, das Konservative Spektrum zu besetzen und sich gar nicht auf eine Konkurrenz mit dem linken oder liberalen religiösen Spektrum einlässt.

Copyright: Christian Modehn

………………………….

2.
Eine Gruppe mit Sonderstatus, PUBLIK FORUM
Die Neokatechumenalen
Von Christian Modehn

Seit fast 5 Jahren ist der „Neokatechumenale Weg“, eine äußerst umstrittene „geistliche Gemeinschaft“, offiziell päpstlich anerkannt: Nach zuverlässigen Schätzungen sind heute mehr als eine Million Katholiken mit dieser Gruppierung verbunden, vor allem Laien, die als Missionare von Tür zu Tür gehen und für ihre Glaubensunterweisungen werben. Sie unterstellen, die getauften Katholiken seien noch gar nicht richtig katholisch und auf neuen Katechismus Unterricht angewiesen, darum „das Neo“ in ihrem Titel. Immer wenn es päpstliche Massenkundgebungen gibt, sind diese Kreise dabei, mit ihren Fähnchen jubelnd und winkend, vor allem aber organisatorisch im Hintergrund. Sie kennen keine Mühe und haben genug Geld, 100.000 Getreue und mehr aus aller Welt z.B. nach Köln (zum Weltjugendtag) oder Rom (zu diversen Heiligsprechungen) oder Valencia (zum Welt – Familienkongress) zu transportieren. Am 29. Juni 2002 wurde der Eifer für die Kirche honoriert: Diese weltweit missionierende Gemeinschaft wurde offiziell approbiert, fand das Wohlgefallen durch den Päpstlichen Rat für die Laien . Die „Neos“, wie sie mit kritischem Unterton weltweit genannt werden, haben ihr Ziel erreicht: Sie gelten von nun an als authentisch römisch – katholisch. Damit ging der „inbrünstige Wunsch des Heiligen Vaters“, Johannes Paul II., in Erfüllung. Er liebte diese offensiv für den römischen Katechismus werbenden Katholiken „ganz inniglich“, wie es viele seiner Aussagen belegen.
Diese und viele weitere Informationen zum „Neokatechumenalen Weg“, so der offizielle Titel, sind dem Theologen Bernhard Sven Anuth zu verdanken: Er hat in einer umfangreichen Studie auch den neuen Rechtscharakter dieser Gruppierung untersucht und dabei festgestellt: Für die offizielle päpstliche Anerkennung wurde eine neue, eine eigene kirchliche Rechtsform geschaffen, die sich umständlich „Itinerarium katholischer Ausbildung“ nennt. Unter diesem Titel ist die neokatechumenale Gruppierung keiner bestehenden katholischen Gemeinschafts – und Rechtsform zugeordnet. Sie ist ein „Novum“. Und genau das wollten die Leiter, die sich in schlicht „Initiatoren“ nennen, also der Maler Francisco „Kiko“ Argüello und die Theologin Carmen Hernandez. Sie regieren seit der Gründung diese Gruppierung im Jahre 1962 unumschränkt. In dem neuen päpstlichen Statut gibt es für römische Verhältnisse ungewöhnliche Bestimmungen. Z.B.: „Eine Absetzung des Internationalen Teams des Neokatechumenalen Weges oder eines seiner Mitglieder durch den Päpstlichen Rat für die Laien ist im neuen päpstlichen Statut nicht vorgesehen“ (B.S. Anuth). Das heißt: Die Leitung der eine Million umfassenden Bewegung kann unkontrolliert agieren. Papst Benedikt XVI. hat vor einem Jahr verfügt, dass diese Kreise auf ihre eigenen stundenlangen Messfeiern als Konkurrenz zu den Pfarrgemeinden verzichten sollen, dass sie sich überhaupt stärker in die Gemeinden einfügen: Prompt betonte der Verantwortliche der „Neos“ in den USA das Gegenteil: „Der Brief akzeptiert das Prinzip, dass wir besondere Feiern am Samstagabend abhalten“, so Giuseppe Gennarini. Dabei werden diese Kreise nicht müde zu betonen, Benedikt XVI. sei ein sehr guter Freund: Tatsächlich hatte er schon als Erzbischof von München die „Neos“ zugelassen. Und bei einem großen Treffen der neuen geistlichen Bewegungen zu Pfingsten 2006 waren diese Gruppen ausdrücklich beteiligt. So könnte man meinen, die sanfte Kritik Benedikt XVI. an allzu eigenmächtigem Verhalten der Neos diene vor allem der Beruhigung der weiten Kreise der Kritiker.
In zahllosen Dokumenten, Publikationen und persönlichen Zeugnissen werden die Neos nicht nur kritisiert, sondern als Irrweg beschrieben: Von einer „Parallelkirche“ sprechen die Kritiker und ehemaligen Mitglieder, weil die Neokatechumenalen die eigene Gruppe über alles stellen. Von sozialer Abstinenz ist die Rede, weil sich alles um die Lehren des römischen Katechismus, nicht aber auch um sozial-politisch wirksame Projekte dreht. Von Spaltung der Gemeinden wird berichtet, weil sich die neokatechumenalen Missionare gern als besserwisserische Elite aufführen. Sie wollen den getauften Katholiken einreden, sie würden nur über den tatsächlich 12 bis 15 Jahre dauernden Katechismus Kurs ihr Heil erlangen. Etliche Mitglieder, meist Ehepaare, werden bewusst unvorbetreitet und „arm“ in völlig entlegene Regionen der Welt als Missionare entsandt: Italiener nach Kasachtan, Spanier nach Finnland usw. Seminaristen aus diesen Kreisen werden über die 60 eigenen Priesterseminare weltweit willkürlich verteilt, bei dieser „Auswahl“ gehe es zu, „wie auf dem Viehmarkt“, berichtet einer der es wissen muss, der Kölner Neo-Priester Ansgar Puff. ( Anuth, S. 195, Fußnote 799).
Finanzielle Interessen der Leitungsebenen können selbst für einen seriösen Forscher nur erahnt werden, bei dem Thema werden keinerlei Auskünfte erteilt. Nur vereinzelt berichten Ehemalige: „Die meisten Mitglieder geben das Geld ihrer Gruppe gern und merken gar nicht, dass zum Bespiel der Gründer Kiko immer mit einem riesengroßen BMW durch die Gegend fährt“. Fraglos ist, dass z.B. nach der finanziellen Pleite des Erzbistums Berlin das Priesterseminar der Neokatechumenalen in der Hauptstadt von Spenden der Anhänger finanziert wird. Da muss ganz ordentlich „geopfert“ werden…Zahlreiche Stiftungen finanzieren das Werk, genaue Informationen wurden B.S. Anuth verweigert, wie er mehrfach betont. Die Stiftungen gelten in Deutschland als gemeinnützig. So können Spender Steuer sparen und der Staat meint, die Neos seien nützlich für die Allgemeinheit der Gesellschaft und des Staates.
Auch die kostspieligen Treffen mit Bischöfen aus Europa im Wiener Hotel Interconti (1993) oder aus Amerika im New Yorker Sheraton (1997) wurden von Mitgliedern bezahlt, und sicher auch das äußerst aufwendig gestaltete neue Zentrum am See Genetareth. Ein pompöses Bauwerk, das u.a. auch dem Dialog mit den Juden dienen soll: Wobei die Neokatechumenalen ausdrücklich die ultra-orthodoxe Lubawitsch-Bewegung als Gesprächspartner rühmen, weil „sie messianische Juden sind“.
Wird das Neokatechumenat kritisiert, werden die Überbringer der Botschaft normalerweise diffamiert. Eine Auseinandersetzung über die Neos findet in kirchlichen Kreisen, etwa in Katholischen Akademien, nicht statt. Weil diese Kreise viele junge Priester „liefern“, wird über alles „Neokatechumenale“ offiziell geschwiegen. Selbst Gemeindemitglieder aus Pfarreien mit noekatechumenalen Priestern wagen nur anonym Auskunft zu erteilen. Die Neos verbreiten Angst.
Sie haben gewagte Ansprüche, wollen etwa das säkulare Europa bekehren. In den Texten der Führer dieser Gruppierung wird die moderne Gesellschaft aber abgelehnt , wenn nicht verteufelt. Keine gute Ausgangsbasis für einen Dialog. In der weiten Ökumene haben bisher sehr wenige begriffen, wie die Gruppen der Neos das Angesicht der Katholischen Kirche insgesamt bereits verändert haben.

. . . . . . . . . . . . . .
3.
Deutschlandfunk 2001
Studiozeit, Red. Hartmut Kriege
— Ein Manuskr. für eine Ra­dio­sen­dung, unkorrigiert–
„Das Sanierungsprogramm Gottes“
Die Neokatechumenalen
Eine Sendung von Christian Modehn

29 O TÖNE, incl. von 2 musikal. Zuspielungen.

1. O TON Zusp,. Pfarrer Ansgar Puff, 0 41″
„Ich bin Pastor in 3 Pfarrgemeinden am Rand der Innenstadt von Düsseldorf. Und bei uns gibt es kein Missionsgebiet, jeder von uns hier hat mal was von Christus gehört. Aber unsere Gemeinden strahlen auch nicht das Evangelium aus. In einer solchen Situation ist es wichtig, neu zu evangelisieren. Das bedeutet erstens einen Schwerpunkt auf die Erwachsenenkatechese zu legen, zweitens kleine kirchliche Gemeinschaften zu bilden. Und drittens systematisch die Fernstehenden anzusprechen. Und um diese drei Ziele zu erreichen, gibt es ein sehr gutes Instrument, ein katechetisches Instrument, in der Hand der Gemeinde und des Pfarrers, und das ist der neokatechumenaler Weg“.

Pfarrer Ansgar Puff gehört seit etlichen Jahren zur Gemeinschaft des Neokatechumenats. Der Name aus dem Griechischen ist Programm: Die Mitglieder dieser neuen geistlichen Bewegung halten „Katechesen“, also Glaubensunterweisungen. Sie wenden sich überwiegend an getaufte Christen. „Neu“ ist vor allem die lange Dauer der Schulungen: Nach geltendem Kirchenrecht wird ein Ungetaufter höchstens zwei Jahre lang im katholischen Glauben unterwiesen. Bei den Neokatechumenalen vergehen viele Jahre, ehe man als ein „richtiger Katholik“ gelten kann: Das unterstützt Paul Josef Cordes; er ist Kurienbischof in Rom und ein enger Förderer des Neokatechumenats:

2. O TON, 0 21″ Bischof Cordes.
„Als ich zum ersten Mal gehört habe, daß das über zehn Jahre dauert: da habe ich gedacht, das kann doch nicht wahr sein, das kann man doch heute keinem Menschen mehr zumuten, 10 Jahre irgendetwas mit Regelmässigkeit zu tun. Das ist gegen alle Gesetze der Erwachsenenbildung“. —-APPLAUS bleibt!

Diesem neokatechumenalen Weg zum Glauben folgen Katholiken in 105 Staaten, in 800 Bistümern und 5.000 Pfarrgemeinden, mindestens 200.000 Gläubige werden auf diese Weise erreicht. Überall wollen sie innerhalb der Pfarrgemeinden ihre eigenen Gruppen aufbauen. So manch ein Geistlicher ist zunächst einmal froh, wenn sich ehrenamtliche Mitarbeiter anbieten: Auch bei Pfarrer Klaus Spors in Berlin-Hellersdorf hatten sich die Neokatechumenalen gemeldet, als ein Kaplan aus dieser Gemeinschaft seinen Dienst antreten wollte:

3. O TON, 0 24″ Spors.
„Dann hab ich auch mal gefragt, gerade auch als der Kaplan da war: ich möchte doch mal irgendein Schriftstück oder irgendeine Ordnung dieses Vereins haben, oder so. Das gäbe es nicht, und die Satzungen seien noch nicht fertig und die seien in Rom in Arbeit. Dieses ganze Gelaber, wenn einer irgendwas nicht sagen will und wenn man vor allem Dinge sich nicht festlegen will“.

Von Rom aus steuert Kiko Arguello diese internationale Gemeinschaft: Der Künstler aus Spanien gründete 1964 in Madrid das Neukatechumenat. Mit dessen bislang geheimen Strukturen hat sich Pfarrer Hans Joachim Osseforth aus Hannover intensiv befaßt:

4. Zusp., 0 43″
„Das ist viel zentralistischer als der normale hierarchische Aufbau der katholischen Kirche. Das ist innerhalb der Kirche noch mal eine sehr zentral gesteuerte geistliche Bewegung, die sehr eng ist, die sehr gut durchstrukturiert ist. Der oberste Chef ist Kiko, das ist also der Gründer, das ist, sage ich mal, der Jesus des Neokatechumenats. Und alles, was Kiko gemacht hat, ist von vornherein schon gut. Da darf man auch nichts kritisieren, auch seine Schriften, seine Bilder oder so. Die wie heilige Ikonen behandelt werden, so daß man sagt: nur diese Bilder sind eigentlich die richtigen, nur diese Bilder gelten was. die uns begleiten auf unserem Weg, das halte ich dann auch für eine Engführung“.

Mit dem Papst stehen Kiko und seine Leute in bestem Einvernehmen; Johannes Paul der Zweite entsendet selbst Laienmissionare aus dieser Gemeinschaft in alle Welt. In Deutschland wollen die Neokatechumenalen auch mit ihren Liedern die Menschen zum Glauben bewegen:

5. O TON, Lied insgesamt: 0 45″. bleibt ca. 010″ freistehen, dann wegziehen.

Rita ist eine von vielen neokatechumenalen Missionare: Sie stammt aus Italien und wurde zusammen mit ihrem Mann nach Hannover entsandt; dort bietet sie ihre sogenannten Glaubens-Kurse an:

6. O TON, Rita 0 19″
„Europa neu evangelisieren, das heißt, daß wir Menschen alle gegen den Teufel, das heißt, wie Paulus sagt, daß wir gegen das Böse in die Welt kämpfen, nicht gegen kleine Sachen, die uns stören. Das heißt, das ist ein grosse Kampf“.

Die neokatechumenale Missionarin Bruna setzt andere Akzente in ihren Vorträgen:

7. O TON, Bruna 0 35″
„Es gibt eine Bombe, die viel grösser ist als die Atombombe, und diese Bombe ist die Abtreibung. Ich weiß nicht, ob sie gelesen haben: Ind er Welt passieren jedes Jahr 40 Millionen Abtreibungen. Viele sagen, daß diese Abtreibungen wird der Grund sein für 3. Weltkrieg. Man meint vielleicht als Strafe, die Menschheit wird bestraft. Aber deswegen!

Auch Toni ist neokatechumenaler Missionar; er will in seinen Vorträgen die traditionelle Lehre vom Priestertum verbreiten:

8. O TON, Toni, 0 40“.
„Warum eine Frau nicht Priester sein kann? Sie kann eine Prophetin sein, wunderbar, sie kann verkündigen, wunderbar! Kann vermitteln. Aber nicht Vorsitzende. Es tut mir leid, daß Jesus ein Mann war. Es tut mir leid, daß Jesus ein Jude war. Vielleicht wolltest du, daß Jesus aus Oberammergau kommt. Aber er kommt nicht aus Oberammergau. er kommt von einem kleinen Dorf in der Wüste. Es tut mir leid, die Kirche benützt den Wein und nicht das Tee oder Bier. Jesus ist ein Mann.

Diese Beiträge der Katechisten kann Pfarrer Ansgar Puff aus Düsseldorf nicht hoch genug einschätzen: Die Missionare würden so heilsam auf die Menschen wirken, meint er:

9. O TON, Puff. 0 29“.
„Es geht nicht darum, daß die Katechisten die besseren Psychologen wären. Aber es geht darum, daß wenn Jesus und die Botschaft seiner Auferstehung die Menschen wirklich erreicht, daß dann ein Prozeß der Heilung beginnt in den Menschen. Das Erstaunliche an dem neokatechumenalen Weg ist, daß es, ich sage es einmal salopp, eine Art Sanierungsprogramm Gottes ist, das ist keine Sache der Psychologie, das ist eine Auswirkung der Gnade, wenn sie so wollen, die Gott einem einem schenkt.

Das Neokatechument ein „Sanierungsprogrmm Gottes“ für die heutige Welt? Ursula Wenzel aus Berlin sieht das anders; sie war Mitglied im Pastoralrat des Erzbistums Berlin; sie hat sich einmal auf diese neokatechumenalen Schulungen eingelassen:

10: O TON, Wenzel. 0 20″
„Man sieht den Menschen nur als grossen Sünder.Vielleicht ist das auch ein den Menschen in eine bestimmte Situation und in eine bestimmte Abhängigkeit bringen. Indem ich ihm sage, wie groß seine Sünde ist, desto besser kann ich in den Weg einbeziehen, und desto gefügsamer ist er dann auch“.

Beobachtungen, die Pfarrer Hans Joachim Osseforth aus Hannover aus eigenem Erleben nur bestätigen kann:

11. O TON Osseforth 0 12″
„Man muß dann einen Bußgottesdienst mitmachen von 2 Stunden. Man wird fast gezwungen zu beichten. Es floß dann also mit ein, daß Gott weithin nur auf dem Wege des Neokatechumenats die Menschen in die Freiheit führt.

Auch Pfarrer Albrecht Przyrembelaus Hannover hat sich auf die Neokatechumenalen Katechesen eingelassen; er hielt einige Wochen durch, bis es ihm zu schlicht und simpel wurde:

12. O TON: Przyrembel. 0 27“
„Da waren denn Tafelbilder, wie ich sie in der Grundschule gebrauche, aber eben mit erwachsenen Menschen nicht. Das waren irgendwelche Bilder, das waren ganz einfache, fertige Antworten, wie der Katechismus früher fragt: Wozu bin ich auf Erden. Was muß ich tun, um dann auch in den Himmel. Was für manche Menschen auch heute noch ne Hilfe ist, es gibt ja ne Neuauflage der alten Katechismen.

Kurien-Bischof Paul Josef verteidigt hingegen diese Art der Glaubensunterweisungen. Ihn stört es ganz und gar nicht, daß die neokatechumenalen Missionare kein Theologiestudium absolviert haben. Er findet es sogar gut, wenn sie fern von der akademischen Welt und ihren Privilegien leben. Überhaupt hat der Bischof Cordes, enger Freund der Neokatechumenalen, etwas gegen kritische Akademiearbeit der Kirchen:

13. O TON, Cordes. 0 31“ endet mit Beifall
„Ich habe also nichts dagegen, daß man staatliche Hilfen in Anspruch nimmt. Aber manchmal habe ich die Sorge, daß wir aufgrund der staatlichen Hilfe anfangen, Bildungspläne zu machen, die mit Glaubensverkündigung auch nicht mehr indirekt etwas zu tun haben.

Nicht kritische Nachdenklichkeit, allein Frömmigkeit zählt bei den Neokatechumenalen: Kurienbischof Cordes:

14. O TON Cordes, 0 18“
„Ich halte es für besser, eine Fastenpredigt zu halten mit Gebet und Aussetzung des Allerheiligsten als sich in einen Konferenzsaal zu setzen und nachzudenken über die Fastenzeit und eine Bildungsveranstaltung zu machen.

Und immer wieder werden die Glaubensunterweisungen für „moderne Heiden“ von „hauseigenen“ Chansons begleitet:

15. O TON, Maria, Tochter deines Sohnes. ca. 0 17″ bis „Tochter deines Sohnes“ zu hören war!!
INSGESAMT: 1 20″

Man stolpert schon über den ersten Vers: „Maria, Tochter deines Sohnes“. Wie geht das? Die Neokatechumenalen antworten: Maria sei die Tochter des ewigen göttlichen Logos im Himmel; sie sei sozusagen die menschliche Tochter des Himmlischen Gottes. Solche Texte werden mit Inbrunst gesungen:

15. O TON, Lied, bei 0 53″: noch einmal hochziehen,

Mit diesen Liedern ziehen die Neokatechumenalen in die Gemeinden Deutschlands… Pfarrer Klaus Spors aus Berlin-Hellersdorf kennt diese Songs; ihm wurde vor 7 Jahren ein Kaplan zugewiesen, der Mitglied des neokatechumenalen Weges war. Pfarrer Spors erinnert sich:

16. O TON, Spors, 0 33″.
„Sie haben die wahre Religion und auch den wahren Katholizismus. Das kling so immer durch. Am eklatantesten war das Ostern 97, mit Ach und Krach habe ich den Kaplan dazu bekommen, in der Pfarrei zu sein und als das fertig war. Dann danach war immer Ostertreffen der Jugend angesagt. Dann hat er das auch gemacht. Dann um halb zwei nachts, haben mir die Jugendlichen gesagt: Er hat gesagt, jetzt kann ich endlich dahin gehen, wo wahres Ostern ist, und dann hat er sich ins Auto gesetzt und ist zu seinem Neokatechumenat gefahren.

Ein Mitglied einer anderen Berliner Gemeinde will aus Angst vor Repressalien lieber anonym bleiben; diese Frau hat neokatechumenale Kapläne aus nächster Nähe erleben können:

17. O TON, Thekla, 0 27“
„Die andere Seite war ein relatives Engagement in der Gemeinde. Begrenzt auf das Notwendige; da wurden Absprachen nicht eingehalteb.Der eine Kaplan kam ständig zu spät zum Religionsunterricht, es gab Ostersonntag keine Predigt, weil er in der Nacht beim Neokatechumenat war. Das Engagement war bei sehr niedrigem Niveau, was die Gemeinde betraf!

Der viel zitierte „Dienst des Priesters“ war nicht mehr als ein schönes Wort: .

18. O TON, Thekla;
0 28″
„Normalerweise sollte es so sein, muß es so sein, daß wenn jemand Priester wird, Gott dient, aber auch dem Nächsten dient, der Gemeinde dient. Und diese Kapläne mit neokatechumenaler Ausbildung haben anderes Selbstbewußtsein. Wenn ich es einmal etwa salopp ausdrücken darf: Freut euch, daß ich Priester geworden bin und erweist mir dabei die gebotene Ehre und Dankbarkeit“.

Von Aufbau der Gemeinde hielt der neokatechumenale Kaplan nicht viel:

19.OTON 0 26″.
„Ich denke, was am schmerzlichsten war, das äusserte sich im stillen Auszug. ein Beispiel ist nur: es gab etwa 20 Jugendliche einer 9. Klasse, die regelmässig zum Religionsunterricht kamen. Nach Ende des Schuljahres mit dem Kaplan kamen noch zwischen 1 und 10. das ist eigentlich das gefährlichste, dieser stille Auszug, wo man sich nicht auflehnt und sagt: Ja ich gehe einfach weiter.

Auch Pfarrer Spors aus der Sankt Martins Gemeinde in Berlin hat die Anwesenheit eines neokatechumenalen Kaplans als Belastung erlebt:

20. O TON. Spors. 0 53″
Dann ging es immer um seinen freien Tag, den er also im Neokatechumenat verbringen wollte, verbringen mußte, ich weiß es nicht. Ich hab gesagt, der freie Tag richtet sich nach der Pfarrei und nicht nach seinen Verpflichtungen. Darauf sagte, er nein, den freien Tag muß er haben. Dann er also immer nicht da war, nicht erreichbar war. Und dann kam plötzlich eine situation, in der er mir sagte, er müßte da alles ganz anders machen und sein Hauptaugenmerk jetzt auf das Neokatechumenat richten. Und darauf sagte ich: nein, das sehe ich nicht ein. Er ist als Kaplan in der Pfarrei und die Pfarrei geht vor. Da müßte er sich nach richten. Dann gab es kleine Auseinandersetzung, daraufhin habe ich den Weihbischof angerufen und gesagt: ich bitte um die Versetzung des Kaplans, das hat keinen Sinn“:

Ursula Wenzel weiß von ihrer Tätigkeit im Berliner Pastoralrat, welche Auswirkungen die Anwesenheit neokatechumenaler Missionare in zahlreichen Gemeinden hat:

21. O TON, Wenzel. 0 18″
„Die Vertreter des neokatechumalen Weges verfolgen ein Ziel. Und das ist nicht unbedingt die Gesamtheit der Gemeinde, sondern nur ihre Mitglieder.Und da muß es zu unterschiedlichen Meinungen kommen, und da muß es auch zu unterschiedlichen Wegen dann führen. Und da ist eigentlich eine Spaltung in der Gemeinde vorhanden“(Stimme oben)

Erfahrungen, die auch anderswo in Deutschland gelten, etwa in Hannover. Dort arbeitet Pfarrer Hans Joachim Osseforth:

22. O TON, Osseforth, 0 36“
„Ich habe nach einer gewissen Zeit erlebt, daß sie sich ein bißchen besser dünkten als die normale Gemeinde. Und immer davon sprachen, daß die Gemeinde wie ich mich wandeln muß. daß ich mich zunächst bekehren muß. Also ich wurde als ein Unbekehrter, nicht richtig Gläubiger angesprochen. Ich habe sie dann gefragt, ob sie das dsikriminierend meinten, das haben sie immer verneint, aber es kommt diskriminierend immer rüber“.

Die neokatechumenale Bewegung hat sich absolut dem Wort der Verkündigung und ausschließlich der Belehrung verschrieben. Der caritative Aspekt, der Einsatz für materiell Notleidende, fehlt völlig. Es ist kein einziges neokatechumenales Projekt für Obdachlose oder Ausländer in Deutschland bekannt! Ursula Wenzel:

23. O TON, Wenzel, 0 18″
Sie sagen, es ist nicht unsere Sache, Dinge zu ändern. Sondern wir müssen uns auf Gott berufen. Und Gott wirds richten. Also dieses Zurückgehen auf Gott, der alles tut. Das ist für mich ne Engführung des Glaubens. Und diakonische Aktivitäten habe ich also noch nicht gesehen“.

Nun werden bald auch die Katholiken im Erzbistum Köln von neokatechumenalen Priestern missioniert werden: Die Konzeption des neue Priesterseminars in Bonn erläutert Pfarrer Ansgar Puff:

24. O TON, PUFF 0 21″
„Es ist ein Diözesanseminar, das bedeutet: es ist nicht ein Seminar des Neokatechumenats, es ist nicht so wie bei Orden, daß das Neokatechumenat ein eigenes Seminar hätte, sondern es ist ein Diözesanseminar, das dem Bischof untersteht und alle, die dort ausgebildet werden, werden inkardiniert in das Erzbistum Köln.

Eine diplomatische Nuance: Neokatechumenale Priester, die nicht in einem neokatechumenalen Seminar ausgebildet werden…Aber diese jungen Pastoren werden dann doch nicht nur im Erzbistum Köln eingesetzt werden:

25. O TON, Puff, 0 17“.
„Dieses Seminar ist missionarisch ausgerichtet und hat da Ziel, neu zu evanglisieren. Und die Mitglieder dieses Seminars werden so ausgebildet, daß sie nicht nur im Erzbistum Köln ihren Dienst tun können, sondern auf Anfrage beispielsweise eines Bischofs aus Lettland, auch in Lettland“.

Die Kostenfrage für Bau und Unterhalt des Seminars ist längst entschieden:

26. O TON, PUFF, 0 26″
„Es wird wahrscheinlich einen kleinen Zuschuß der Diözese geben. Die Verantwortlichen des Seminars, also der Regens und der Spiritual sind angestellt vom Bistum Köln und bekommen natürlich auch ein ganz normales Gehalt wie jeder Priester im Bistum Köln. Ansonsten werden die Studiengebühren und der Lebensunterhalt, und alles, was da notwendig ist, von en Laien des Neokatechumenats aus dem Erzbistum Köln und aus Spenden gedeckt“.

Die Mitglieder der neokatechumenalen Gemeinschaften werden immer wieder zu großzügigen Gaben für die eigene Bewegung gedrängt. Mindestens 10 Prozent des Monatslohns gehen in die Kasse der Bewegung. Bei vielen tausend Mitgliedern weltweit hat man genug Geld: Beobachtungen, die auch Pfarrer Spors aus Berlin anläßlich der Errichtung eines neokatechumenalen Priesterseminars in Berlin-Biesdorf machen konnte:

27. OTON 0 23″
„Es ist in der Kirche so, wo das Geld ist, ist eben auch die Macht. Leider. Geld scheint keine Rolle zu spielen. zum Beispiel ist eindeutig: Die haben das gekauft und total renoviertel, dieses Biesdorfer Ding, und angeblich hat das Bistum nicht einen Pfennig dazugegeben. Und 10 Millionen sind kein Pappenstiel“.

Die Diskussion über das Neokatechumenat wird in Deutschland eher zunehmen. Kiko Arguello und seine Getreuen polarisieren; sie teilen die Kirche in Gute und weniger Gute ein. Beobachtungen von Pfarrer Hans Joachim Osseforth:

28. O TON 0 31″
„Die sondieren auch ganz klar, und die sagen sofort: Aha, der Bischof, der uns nicht so liebt und leidet, wie wir das wollen, der ist nicht mehr so ganz katholisch. Also es wird ganz schön diskriminiert, bei Priestern, bei Bischöfen. Immer mit dem Hinweis: Der Papst unterstützt uns, der Papst hält unsere Bewegung für gut. Und viele Bischöfe tun das auch, das sind dann die lieben Bischöfe, und die Priester und Bischöfe, die etwas kritisch sind, das sind dann die Nichtbekehrten“.

Für Pfarrer Klaus Spors ist nach seinen Erfahrungen klar:

29. O TON. 0 34″
„Also das Neokatechument ist meiner Meinung der Versuch einer geistlichen Richtung in der Kirche, die konservativ geprägt wird, mit einem Alleinvertretungsanspruch auftritt. Und vor allem über die Rekrutierung eines sektenähnlichen Klüngels in der Kirche eine Erneuerung hervorrufen will. Aber alle diese Dinge funktionieren innerhalb einer regulären Seelsorge meiner Meinung nach nicht“.

Copyright: Christian Modehn

Die Neokatechumenalen

Die Neokatechumenalen

Ein Sendemanuskript
WDR. Aus der Reihe Diesseits von Eden
Von Christian Modehn
Insges. 13 O Töne,

Moderationshinweis:
Den römischen Katholizismus prägen heute immer mehr die „neuen geistlichen Gemeinschaften“, das sind Bewegungen von Laien, denen Priester zur Seite stehen. Dazu gehören etwa das Opus Dei, die Charismatischen Gruppen oder die „Neo-Katechumenalen“. Und sie gehören zweifellos zu den zahlenmässig stärksten dieser weltweit agierenden Gruppen . Erst kürzlich konnten die Neokatechumenalen 35.000 ihrer jugendlichen Mitglieder im Stadion von „AJAX Amsterdam“  zur Vorbereitung der Weltjugendtage zusammenführen. Die Neokatechumenalen werden auch im August bei den Weltjugendtagen in Köln mit vielen tausend Mitgliedern aus aller Welt das Geschehen entscheidend prägen. Christian Modehn berichtet.

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Sie sind eine Gemeinschaft der Superlative, und sie sind sehr stolz darauf: Zu den Neokatechumenalen gehören mindestens 800.000 Mitglieder und Sympathisanten, Jugendliche und Erwachsene. Fast alle sind Laien, einige hundert sind Priester. Die Neokatechumenalen sind in 105 Staaten vertreten, in mehr als 800 katholischen Bistümern präsent und in 6.000  Pfarrgemeinden aktiv. Vor 40 Jahren wurden sie in Spanien von einem Laien, dem spanischen Künstler Kiko Arguello (sprich Argu-ejo), gegründet. Die neokatechumenalen Gruppen wollen vor allem die getauften, aber nicht „vollständig“  katholisch lebenden Christen „neu“ für den Glauben begeistern. Darum das griechische Wort „neo“ im Titel der Gemeinschaft: Sie steht ganz im Dienst der Unterweisung, der „Katechese“. Vor allem Jugendliche sind die Zielgruppe. Klemens Dubrawa ist einer der Pressesprecher dieser „geistlichen Gemeinschaft“.

1. O TON,   0 23″
Das Neokatechumenat wird am Weltjugendtag selber teilnehmen an allen Veranstaltungen, die angeboten werden. Wir werden keine eigenen Veranstaltungen während des Weltjugendtages haben, sondern nach dem Weltjugendtag ein großes Treffen des Neokatechumenats auf Weltebene haben. Wir rechnen mit bis zu 80.000 Jugendlichen vom Neokatechumenat aus über 65 Nationen.

Die neokatechumenalen Unterweisungen und Glaubenskurse werden zumeist in Pfarrgemeinden von Laien gegeben, von Männern und Frauen, die ihre gesamte Freizeit dem Neokatechumenat zur Verfügung stellen. Oft gehen sie von Tür zu Tür, um für ihre Sache zu werben. In den Kursen dürfen Fragen gestellt werden; aber die Antworten stehen längst fest. Bruno Caldera ist ein ehrenamtlicher neokatechumenaler Missionar:

2. O TON,   014″
„Unsere Theologie ist das Katechismus der katholischen Kirche. Gott ist derjenige ist, der uns lehrt.Gott gibt uns Antworten. Ich bin der Meinung, dass Gott da ist, um uns Antworten zu geben“.

Die Neokatechumenalen Gemeinschaften verstehen sich als treu ergebene Gefolgsleute des römischen Lehramtes. Papst Johannes Paul II. schätzte sie deswegen sehr;  und Kardinal Ratzinger nannte diese neue geistliche Bewegung „eine der schönsten Frucht des 2. Vatikanischen Konzils“. Inzwischen sind die Neokatechumenalen offiziell päpstlich anerkannt! Und das nicht ohne Grund: Sie haben sich einem grossem Projekt verschrieben: Rita Caldana:

3. O TON,  0 17″
„Europa neu evangelisieren, das heißt, daß wir Menschen alle gegen den Teufel, daß wir gegen das Böse in die Welt kämpfen, nicht gegen kleine Sachen, die uns stören. Das heißt, das ist ein grosse Kampf“.

Die neokatechumenale Missionarin Bruna beschwört in ihrer Missionsarbeit beinahe das Ende der Welt:

4. O TON,  0 22″
Es gibt eine Bombe, die viel grösser ist als die Atombombe, und diese Bombe ist die Abtreibung. Und viele sagen, daß diese Abtreibungen wird der Grund sein von 3. Weltkrieg. Man meint vielleicht als Strafe, die Menschheit wird bestraft.

Und immer wieder wird die neokatechumenale Gruppen als der grosse Rettungsanker in persönlicher Not beschworen. Bruno Caldana:

5. O TON, 016″
„Ich war ein Ehebrecher. Und ich hab gesehen, wie Gott mich, einen Ehebrecher, so geliebt hat. Das hat mir die Möglichkeit gegeben, eines Tages der Versuchung zu widerstehen“.

Und diese Art der Glaubensunterweisung kommt an! Pfarrer Ansgar Puff aus Düsseldorf ist Mitglied im Neokatechumenat:

6.  O TON, Puff. 0 14″.
„Das Erstaunliche bei dem neokatechumenalen Weg ist, daß es, ich sage es einmal salopp, eine Art Sanierungsprogramm Gottes gibt, das ist keine Sache der Psychologie, das ist eine Auswirkung der Gnade, wenn sie so wollen, die Gott einem schenkt“.

Wer sich auf den Neokatechumenalen Weg einlässt, muss sich auf eine bis zu zehn Jahre dauernde Schulung einlassen. Klemens Dubrawa:

7. O TON, 0 15″  .
„Das dauert sehr lange, das ist wahr, weil der Mensch oder wie ich,  unsere Lebensart ändern, um Christ zu werden und wie Christus zu leben. Dass Christus in uns sichtbar wird für die Welt, ist ja nicht etwas, was von heute auf morgen passiert.

Viele tausend Menschen lassen sich  von diesen Lehren wie den volkstümlichen Liedern der  Gemeinschaft begeistern:

8. O TON, Lied der Neokatechumenalen.  Insges. 0 45“.
freistehend ca. 007″

Pfarrer Hans Joachim Osseforth aus Hannover hält aufgrund persönlicher Erfahrungen die Frömmigkeit der Neokatechumenalen eher für fragwürdig:

9. O TON, Osseforth,  0 17″
„Man muss Bußgottesdienste mitmachen von 2 Stunden, man wird gezwungen zu beichten. Das floss dann mit ein, dass Gott nur auf dem Weg des Neokatechumenats die Menschen in die Freiheit führt. Das ist zu eng, das geht nicht“:

Kritik kommt auch von anderer Seite: Ursula Wenzel hat viele Jahre im katholischen Pastoralrat in Berlin mitgearbeitet und dabei die Neokatechumenalen näher kennengelernt:

10. O TON, Wenzel, 0 19″
„Sie sagen, es ist nicht unsere Sache, Dinge zu ändern. Sondern wir  müssen uns auf Gott berufen. Und Gott wird s richten. So dieses Zurückgehen auf Gott, der alles tut. Das ist für mich eine Engführung des Glaubens. Und diakonische Aktivitäten habe ich also noch nicht gesehen“.

Wenn sich Protestanten für die neokatechumenalen Kurse interessieren, wird ihnen deutlich gemacht: Die volle christliche Wahrheit gibt es nur im Katholizismus. Einen jungen Protestanten hat Bruno Caldana einmal nach Rom begleitet:

11. O TON, 0 13″.
später rein gehen bei: „Und diese Figur des Papstes hat ihn so stark beeindruckt, daß er zur katholischen Kirche konvertiert hat“:

Von Rom aus steuert Kiko Arguello diese internationale Gemeinschaft: Sie hat inzwischen weltweit 20 Priesterseminare errichtet, die jungen Theologen entstammen den eigenen Kreisen! Diese Ausbildungsstätten werden vor allem von Spenden der Mitglieder finanziert. Mit der inneren Struktur des Neokatechumenats hat sich Pfarrer Hans Joachim Osseforth befasst:

12. Zusp.,  0 23″.
„Das ist innerhalb der Kirche noch mal eine sehr zentral gesteuerte geistliche Bewegung, die sehr eng ist. Der oberste Chef ist Kiko, das ist also der Gründer, das ist, sage ich mal, der Jesus des Neokatechumenats. Und alles, was Kiko gemacht hat, ist von vornherein schon gut. Da darf man auch nichts kritisieren, das halte ich dann auch für eine Engführung“.

Pfarrer Klaus Spors aus Berlin hat die Neokatechumenalen in seiner Gemeinde Sankt Martin Jahre lange erlebt:

13.O TON. 0 25″.
„Also das Neokatechumenat ist meiner Meinung der Versuch  einer geistlichen Richtung in der Kirche, die konservativ geprägt wird, mit einem  Alleinvertretungsanspruch auftritt. Und vor allen Dingen über die Rekrutierung eines sektenähnlichen Klüngels in der Kirche eine Erneuerung hervorrufen will“.