Die „neuen geistlichen Gemeinschaften“ in der katholischen Kirche und ihre verbrecherischen Gründer

Ein Hinweis von Christian Modehn am 4. Oktober 2026

Wer den aktuellen Zustand der katholischen Kirche verstehen will, sollte genau, das heißt SEHR kritisch, die vielen „neuen geistlichen Gemeinschaften“ im Katholizismus beobachten. Sie wollten Europa neu missionieren. Aber sie sind unglaubwürdig und scheitern, weil viele ihrer Gründer (und auch heutige Mitglieder) des sexuellen und spirituellen Missbrauchs überführt wurden. Auch diese einst hoch gelobten „Bewegungen“ sorgen dafür, dass die katholische Kirche unglaubwürdig wird. Dass sich Katholiken ihre eigene Spiritualität suchen.

1.
Es werden (Stand 30. September 2026) immer mehr „Fälle“ sexuellen und spirituellen Missbrauchs durch führende e Priester und Laien der „neuen geistlichen Bewegungen“ öffentlich bekannt, zunächst fast immer begleitet von Verschweigen und Verharmlosen durch die Kirchenführung im Vatikan und in den Bistümern weltweit.
In den ersten Jahren der Freilegung sexuellen Missbrauchs durch Priester, also in Deutschland seit 2010, waren es vor allem Diözesan – Priester oder Priester aus den „klassischen Ordensgemeinschaften“ (Jesuiten, Benediktiner, Franziskaner usw.), die als Täter bekannt und benannt wurden.
Seit etwa 15 Jahren sind immer wieder Fälle von sexuellem Missbrauch oder/und spirituellem Missbrauch in den zahlreichen so genannten „neuen geistlichen Gemeinschaften“ öffentlich bekannt, und diese Verbrechen werden von diesen Organisationen sowie sogar von der Kirchenzentrale im Vatikan – zwar mit viel Mühe – und oft sehr verspätet – eingestanden.
Diese nun freigelegten unglaublich genanten Fälle von sexuellen Missbrauch zeigen: Die Römisch – Katholische Kirche (um nur bei ihr zu bleiben) ist innerlich, d.h. wegen ihrer viel gerühmten sehr frommen, sehr geistlich sich nennenden Bewegungen zerrissen. Die Kirchenführung versucht nämlich zu überleben, indem sie im 21. Jahrhundert die alten Gebräuche, wie Reliquien -Verehrung, Propaganda zugunsten Erscheinungen der Jungfrau Maria in Lourdes, Fatima…, die Wallfahrten, Ablässe, den Papst – Jubel – Feiern der Massen belebt, so wird der schöne Schein erzeugt: Die Kirche lebt „wie immer“, undemokratisch in ihrer Struktur, klerikal beherrscht, aber jetzt doch auch ein bißchen „synodal“… Aber das hat keinen „Erfolg“: In Europa verlassen Katholiken zu vielen Tausend die Kirche, die Erwachsenentaufen bringen da keinen „Ausgleich“.
In diesem Hinweis geht es also um Verbrechen inmitten einer sich ungebrochen immer noch stolz wähnenden Papst – Kirche, die ihre Identität immer noch in der uralten Kostümierung der Päpste, Kardinal und Bischöfe sichtbar protzig erscheinen lässt.

2.
Bevor wir auf ein aktuelles Beispiel sexuellen Missbrauchs durch den argentinischen Ordensgründer Miguel Buela näher hinweisen, eine kurze allgemeine Erläuterung: Es geht um die, von Päpsten seit etwa 70 Jahren hoch gelobten und offiziell stark geförderten, „neuen geistlichen Gemeinschaften“. Dazu gehören s Ordensgemeinschaften für Priester, wie die „Legionäre Christi“ oder die „Diener Jesu und Mariens“ oder die „Communauté St. Jean“ sowie viele andere, eher regional begrenzte neu gegründete Gemeinschaften auch für Nonnen. Und dann gibt es zahlenmäßig sehr starke internationale Laien -Bewegungen, die sich neue geistliche Gemeinschaften“ nennen, wie die Neokatechumenalen“, die „Focolarini“, die Leute von „Communione e liberazione“ und so weiter und so weiter. Es sind „Bewegungen“, die weltweit einige Millionen Katholiken als Mitglieder und Sympathisanten haben.

3.
Um nur ein konkretes Beispiel in der Diözese Toulon – Fréjus (Departement VAR in Frankreich) zu nennen:
Diese neuen geistlichen Gemeinschaften dort haben – wie überall – den einen Zweck: Sie wollen die klassische dogmatische Lehre der katholischen Kirche als werbende Missionare verbreiten; sie wollen vor allem junge Männer als Priester, junge Frauen als Nonnen für ihre Gruppen gewinnen. Sie wollen Familien bilden, die zu 100 Prozent römisch – katholisch sind. Sie ersetzen – wie auch in Italien, Spanien, Österreich, natürlich auch in Deutschland, den überalterten Klerus, der zwar alt, aber dem theologischen Denken nach oft etwas modern geblieben ist. Hingegen haben die meisten der neuen geistlichen Bewegungen zwar noch junge Mitglieder, die aber in ihrem theologischen und politischen Denken alt erscheinen und theologisch sehr stramm traditionell gebunden sind.
Um also nur ein konkretes Beispiel von der Vielfalt dieser Gemeinschaften zu bieten: Ein Blick in die Diözese Toulon – Fréjus (Departement VAR in Frankreich): Laut offizieller Website der Diözese sind in diesem südfranzösischen Bistum diese „neuen geistlichen Gemeinschaften“ aktiv: LINK : Gelesen am 30.9.2026.

4.
Cancao Nova, https://frejustoulon.fr/diocese/communautes/cancao-nova/
Communauté de l Emmanuel https://frejustoulon.fr/diocese/communautes/emmanuel/
Communauté Saint-Martin
Communauté Shalom
Famille missionnaire de Notre-Dame
Franciscaines de Sainte-Marie des anges
Fraternité Eucharistein
Fraternité de Saint Joseph Gardien
Frères de Saint-Jean
Fraternité Missionnaire Marie Mère des Apôtres
Fraternité Missionnaire Jean-Paul II
Institut du Verbe Incarné
Institut Mère du Divin Amour
Les frères franciscains de l’Immaculée
Missionnaires de la Miséricorde Divine
Missionnaires de la Très-Sainte-Eucharistie
Moniales de Bethléem, de l’Assomption de la Vierge…
Petites Sœurs de la Consolation
Recado
Servants et Servantes de Jésus Sauveur
Servantes du Seigneur et de la Vierge de Matará

Das „Opus Dei“ ist vor allem in den benachbarten Diözesen tätig; die „Neokatechumenalen“ leiten in Toulon ein Priesterseminar, siehe LINK. https://frejustoulon.fr/diocese/le-seminaire-redemptoris-mater/

5.
Meines Wissens hat Papst Leo auf seiner „Pilgerfahrt“ in Frankreich Ende September 2026 die vielen influßreichen, aber höchst umstrittenen „neuen geistlichen Gemeinschaften“ NICHT erwähnt. Wohl aus diplomatischer Vorsicht, um das Bild der französischen Kirche nicht noch weiter zu belasten… Dabei bestimmen diese Kreise das Leben der Kirche in Frankreich heute, etliche französische Bischöfe waren und sind Mitglieder dieser neuen Bewegungen. Der inzwischen von Papst Franziskus abgesetzte Bischof Dominique Rey von Toulon – Fréjus gehört der charismatischen Emmanuel – Gemeinschaft an. Die katholische, um Objektivität bemühte Tageszeitung „La Croix“ (Paris) berichtet über die auch politisch rechtslastigen Aktivitäten des nun in Paris lebenden „pensionierten“ Bischofs Rey: „Seit März 2025 lebt Bischof Dominique Rey in der Pfarrei Notre-Dame-des-Champs im 6. Pariser Arrondissement, wo er kein offizielles Amt innehat. Gleichzeitig verfolgt der emeritierte Bischof zahlreiche Projekte: Er ist Mitautor eines Theaterstücks über die Vaterschaft, das im Dezember 2025 aufgeführt wurde sowie eines Buches, das im November 2025 erschien („Mes choix, mes combats, ce que je crois“) ….Bischof Rey ist beteiligt an der Gründung des konservativen Thinktanks „The French Riviera Institute“; er hat die geistliche Schirmherrschaft über das „Institut für Apologetik Saint-Irénée“, das gemeinsam vom traditionalistischen Priester und Influencer Matthieu Raffray und dem katholischen Unternehmer Olivier Bonnassies ins Leben gerufen wurde…“
LINK

6.
Zum aktuellem „Fall“ des heftigen sexuellen Missbrauchs (im Plural zu verstehen) durch den argentinischen Ordensgründer Pater Miguel Buela: Der „Fall“ ist deswegen wichtig, weil der damalige Chef der obersten Glaubensbehörde, Kardinal Joseph Ratzinger und auch Ratzinger als Papst Benedikt XVI. darin als wichtiger Akteur zugunsten des Paters Miguel Buela und seiner Gemeinschaft „verwickelt“ ist!

7.
Der argentinischen Priester Miguel Buela gründete im Jahr 1984 in San Rafael, Provinz Mendoiza, seinen Priester – Orden mit dem ins Mystische (?) weisenden Titel: „Institut des Fleisch gewordenen Wortes“ (I.V.E. die offizielle Abkürzung), heute etwa 450 Mitglieder weltweit, auch im Erzbistum Berlin und in Neumarkt, Oberpflalz, vertreten. 1988 gründete Buela auch noch einen Nonnenorden mit dem Titel „Dienerinnen des Herrn und der Jungfrau von Matara“, mit etwa 1.110 Mitglieder weltweit. LINK
„Wikipedia Spanien“ berichtet über die ersten Jahre des Ordens in Argentinien: „Der Orden geriet in Konflikt mit den Bischöfen der Region San Rafael und ließ sich in anderen Diözesen Argentiniens ohne die Erlaubnis der lokalen Kirchen – Behörden nieder. Infolgedessen war keiner der Bischöfe der Ansicht, dass die Gruppe die kirchenrechtlichen Bedingungen erfüllte, um ein regulärer Orden zu werden. …Der Heilige Stuhl hingegen unterdrückte den Orden nicht und genehmigte die Ordinationen von Seminaristen des Ordens; mehrere Jahre lang hatten sich die argentinischen Bischöfe geweigert, Mitglieder des Ordens zu ordinieren (wegen der geringen „Qualität“ dieser Kandidaten und des Ordensgründers, CM). Miguel Buela war im Jahr 1994 wegen vielfacher Vorwürfe, auch des Missbrauchs, gezwungen, als Vorgesetzter zurückzutreten und die Diözese San Rafael in Argentinien zu verlassen…Der Orden durfte sich aber in Italien in der Diözese Velletri -Segni bei Rom niederlassen.

8.
Jetzt wird die Hilfe Kardinal Ratzingers für den umstrittenen Pater Miguel Buena wichtig: Im Jahr 2001 fand sich aber Kardinal Ratzinger bereit, diesen unter argentinischen Bischöfen höchst umstrittenen Orden und seinen Gründer in seinem eigenen Bistum Velletri-Segni in Italien anzusiedeln. Dazu muss man wissen: Kurienkardinäle sind immer auch dem Titel nach „Bischöfe“ eines bestimmten Ortsbistums, so ist eben Kardinal Ratzinger auch – nominell – Bischof von Velletri-Segni, Italien. Das „Institut vom Fleisch gewordenen Wort“ (IVE) hat gejubelt und so wörtlich der „Vorsehung gedankt“, als „ihr Titularbischof“ dann auch noch Papst wurde. Die internationale Kulturzeitschrift „Courrier International“ gab ihrem Beitrag über den Orden den Titel: „Die Soldaten des Fleisch gewordenen Wortes : Wie im Mittelalter“. Quelle ist die„Courrier International“ speziell die Ausgabe „Hors Serie“, mit dem Titel „Pourquoi les Religion se font la guerre“, herausgegeben im März 2007, dort S. 62. Dort heißt es: „Dieser offizielle, römisch – katholische Orden ist ausdrücklich mit dem argentinischen Nationalismus eng verbunden. Er will „die reinen und natürlichen Werte Argentiniens“ gegen die Atheisten verteidigen. Dieser Orden will die Gesellschaft bestimmen in Fragen der Politik, der Moral, der Erziehung“, das berichtet die argentinische Soziologin Prof. Veronica Gimenez Beliveau in einem Artikel für „Courrier International“.

9.
Im Jahr 2001 konnte also der Orden – dank der Hilfe Kardinal Ratzingers – seine Leitungsstrukturen von Argentinien nach Segni in Italien verlegen. Die Zentrale der Gemeinschaft befand sich auf der Piazza San Pietro. Und der höchst umstrittenen Pater Buela konnte von dort aus als Generaloberober wirken… , im Jahr 2010 wurde er allerdings vom Vatikan von seinen Aufgaben entbunden. Und darauf nehmen nun die aktuellen Verurteilungen Pater Buelas durch den Vatikan im September 2026 Bezug:

10.
Die Katholische Nachrichten Agentur (KNA) berichtet am 29.9. 2026: „Über einen ungewöhnlichen juristischen Vorgang hat am Dienstag der Vatikan informiert. Demnach haben zwei kirchliche Sondergerichte den verstorbenen argentinischen Priester und Ordensgründer Carlos Miguel Buela (1941–2023) postum für schuldig befunden, Vergewaltigungen begangen zu haben. Die Mitteilung erfolgte durch die vatikanische Ordensbehörde und wurde unterzeichnet von der verantwortlichen Präfektin Simona Brambilla, sie ist eine italienische Ordensfrau! In der Mitteilung heißt es, dass die Schuldsprüche (gegen Pater Buela) der zuständigen kirchlichen Spezial-Gerichte den Oberen der beiden Ordensgemeinschaften bereits am 14. September bei einem Treffen in Rom mitgeteilt wurden. Die Gerichte hätten „die moralische Gewissheit erlangt, dass Pater Buela an gewalttätigen Sexualstraftaten gegen mehrere Personen“ schuldig gewesen sei. Das kirchliche Strafrecht spricht hier von „Verstößen gegen das Sechste Gebot“. Miguel Buela, der Ordensgründer als Verbrecher, ist 2023 gestorben, insofern kann jetzt nur den Opfern etwas Gerechtigkeit zuteil werden…
Nebenbei: Wir finden es sehr bedenklich, dass KNA (publiziert von katholisch.de) in diesem aktuellen Bericht nicht die Hilfe und Unterstützung erwähnt, die Kardinal Ratzinger für den „Umzug“ (bzw. die Flucht?) des Priesters Miguel Buenas von Argentinien nach Italien leistete. ..

11.
Es war also Kardinal Ratzinger als Chef der Glaubensbehörde, der dem schon in bischöflichen Kreisen Argentiniens bekannten Missbrauchstäter Pater Buela in der Nähe Roms Asyl bot und ihn dann auch weiter „wirken“ ließ.
2010 wurde Miguel Buena wegen weiterer sexueller Übergriffe als Chef des Ordens abgesetzt: KNA schreibt in dem genannten Bericht: „Da seine mutmaßlichen Opfer Erwachsene waren, kam es jedoch zunächst nicht zu einem Strafverfahren. Buela wurde 2010 in ein französisches und 2016 in ein spanisches Kloster zwangsversetzt. Offenbar übertrat er dennoch weiterhin die gegen ihn verhängten Auflagen eines Lebens in Abgeschiedenheit und verübte sexuelle Übergriffe. Ein von dem spanischen Kurienkardinal Santos Abril y Castelló geleitetes Sonder-Tribunal sprach ihn 2021 wegen sexueller Übergriffe unter Zwang oder Gewalteinwirkung schuldig. Das Urteil wurde jedoch nicht rechtskräftig, weil Buela Berufung einlegte. Im Lauf dieses Gerichtsverfahrens starb er am 23. April 2023. Da er nicht rechtskräftig verurteilt war, verteidigten führende Mitglieder des von ihm gegründeten Männerordens auch nach seinem Tod weiterhin sein Andenken. Dem soll nun offenbar der postum verkündete Schuldspruch entgegenwirken.“ (KNA).

12.
„Wikipedia (Englisch)“ bietet wichtige Informationen, gelesen am 2.10. 2026:
„Buela starb am 23. April 2023 in Genua, Italien. Im September 2026 bestätigte die päpstliche Kongregation („Ministerium“) für die Ordensleute das Urteil, dass Buela während seiner Amtszeit mehrere Handlungen des sexuellen Missbrauchs und des Missbrauchs von Autorität begangen habe.
ABER: Das „Institut des fleischgewordenen Wortes“ spricht weiterhin lobenswert von Buela auf verschiedenen Websites, die vom Institut und seinen Provinzen betrieben werden; offizielle Biografien loben sein Leben und seine Schriften und erwähnen nicht die Vorwürfe des Missbrauchs und der kirchenamtlichen Verurteilung. Im Jahr 2022 erklärte die Website von IVE America, dass Buela 2010 „in den Ruhestand ging“ und das Dekret der Entfernung nicht erwähnte. Das Institut verkauft weiterhin Buelas Schriften, hat nach seinem Tod Gedenkvideos veröffentlicht, organisiert Pilgerfahrten zu seinem Grab und betrachtet ihn als `zu Unrecht vomHeiligen Stuhl verfolgt`. Im Januar 2025 ernannte das päpstliche „Minsterium“ für Ordensleute päpstliche Delegierte mit vollen Herrschaftsbefugnissen über die männlichen und weiblichen Zweige des Orden „Institut vom Fleisch gewordenen Wort“ (IVE) und erkannte „schwere Defizite“ in den Instituten…. LINK

13.
Noch einmal: Miguel Buelas neue geistliche Gemeinschaften, Orden, gehören zu den Kreisen, die vom Vatikan, den Päpsten des 20. und 21.Jahrhunderts und sehr vielen Bischöfen hoch gelobt, gerühmt und zur Nachahmung empfohlen wurden und werden.
Hier eine kurze und unvollständige Liste weiterer bedeutender, weltweit verbreiteter „neuer geistlicher Gemeinschaften“:

A:
Der Orden „Legionäre Christi“ und ihr Gründer, der notorische, auch pädo-sexuelle Verbrecher Pater Marcial Maciel: Er ist eine der übelsten Gestalten der jüngsten Kirchengeschichte.
Sein Orden („Legionäre Christi“) und seine ebenso weltweite Laiengemeinschaft „Regnum Christi“ bestehen nach der lange verzögerten Freilegung der verbrecherischen Taten Mariel selbstverständlich nach wie vor weiter…obwohl viele Legionärs-Priester inzwischen ebenfalls des sexuellen Missbrauchs überführt wurden. Alles nicht so schlimm, ist das Motto im Vatikan ? Dieser Orden hat sehr viel Geld und vor allem sehr viele junge Priester, da ist es dem Papst wohl wichtig, dass er mit diesen Leuten den aussterbenden Klerus in den Bistümern ersetzen kann… Auch das ist ein Skandal: Papst Johannes Paul II. War ein enger Freund Pater Maciels, der Legionär – Christi – Gründer, der pädosexuelle Verbrecher, wurde ganz offiziell im Vatikan als „Vorbild der Jugend“ (sic) gepriesen. Christian Modehn hat diese Fakten in vielen Beiträgen dokumentiert. LINK.

B:
Das „Engelwerk“ ist eine ins Esoterisch – Obskure – Spinöse abgedriftete katholische Sekte eines totalen Engel-Kultes, etwa 400 Engel hat die Engelwerk – Gründerin Gabriele Bitterlich visionär gesehen und ihren Leuten zur Verehrung empfohlen. LINK Das wurde dann selbst dem Vatikan zu viel: 1984 wollte Papst Johannes Paul II. die Zahl der 400 zu verehrenden Engel reduzieren, das Engelwerk reagierte darauf nicht. 1992 verfügte Kardinal Ratzinger dann ein strenges Dekret, das bestimmte Praktiken, etwa „Engelsweihen“ verbot… Allerdings wurde dann das Engelwerk 2008 offiziell doch als kirchliche Vereinigung anerkannt. Das Engelwerk kann sich also, nach einigen „Korrekturen“, in der katholischen Kirche frei werbend weiter bewegen: In der Geschichte dieser Gemeinschaft kam es auch zu Mord und zu Serien sexuellen Missbrauchs.
Such das noch: Papst Johannes Paul II. erlaubte in seiner Begeisterung für irgendwelche neue geistlichen Gemeinschaften dieser katholischen Sekte sogar die Wiederbelebung eines bereits ausgestorbenen portugiesischen Ordens (des „Kreuzordens“, exakt: „Regularkanoniker vom Heiligen Kreuz“, ursprünglich 1132 in Coimbra gegründet). Dieser Orden ist heute mit dem Engelwerk eng verbunden und zählt über 100 Mitglieder weltweit, eine Niederlassung auch in Schondorf am Ammersee. Auch der bekannte reaktionäre Bischof Athanasius Schneider (Kasachthan) gehört zu diesem Engelwerk – Kreuzorden: Wer sich für Details zu Schneider interessiert: LINK

C:
Die Gemeinschaft „Das Werk“ , gegründet von „Mutter“ Julia Verhaghe aus Flandern. Nachdem „Das Werk“ im Jahr 2014 aufgrund des Verdachtes sexueller Übergriffe in die Schlagzeilen geraten war, ordnete der Vatikan eine Visitation an, 2017 wurden Ergebnissen vorgelegt: „Das Werk“ muss sich also erneuern.… Prominente und kompetente Kritikerin ist die Theologin Doris Reisinger, ehemals Nonne in „Das Werk“. (Siehe ihr Buch „Nicht mehr ich…“, Knaur – Verlag. Und auch: „Nur die Wahrheit rettet“, Piper Verlag, 2021.

D:
Die Bischöfe und der Vatikan haben sehr lange Zeit gebraucht, ehe es zum Verbot der einflußreichen korrupten „neuen geistlichen Gemeinschaft“ in Peru mit den verbrecherischen Initiatoren und Führungsgestalten kam: “Sodalicio“ ist der Name dieses katholischen „Vereins“.
Anfang 2025 ordnete Papst Franziskus die Auflösung dieser auch politisch reaktionär – extremistischen Gemeinschaft an.
1971 in Peru von Fernando Figari gegründet, missbrauchten er und andere führende Mitglieder systematisch Jugendliche, junge Männer und Minderjährige, die für die Gemeinschaft angeworben wurden. Nach der Freilegung der Verbrechen gab diese Organisation selbst offiziell mindestens 83 Missbrauchsopfer zu. Die Untaten waren körperliche Gewalt als Sadismus, Demütigungen, Züchtigungen, so sollte der individuelle Wille der Mitglieder und Kandidaten gebrochen werden. Ein Beispiel nur für die Untaten: LINK zu BBC:
Die Sodalicio – Mitglieder wurden zu absolutem Gehorsam gezwungen und spirituell manipuliert. Es gab auch die übliche finanzielle Korruption. Diese Clique konnte mit dem Segen der Päpste und einiger peruanischer Bischöfe die progressive Präsenz der Kirche im Süden Perus viele Jahre lang offenkundig zerstören.
Diese verbrecherische Clique ist eine Schande für die Kirche, für die Päpste, für die Erzbischöfe in Peru: Der einflussreichste Kardinal Cipriani in Lima gehörte dem Opus Dei an, er war auch ein heftiger expliziter Feind der Befreiungstheologie und … , wen wundert es, ein Freund und Unterstützer des Sodalicio – Vereins. Da werden einmal mehr Verbindungen unter reaktionären katholischen Gruppen sichtbar. (LINK

2025 wurde endlich dieser inzwischen international agierende, sich katholisch nennende Club („neue geistliche Gemeinschaft“) vom Vatikan aufgelöst: LINK

Papst Leo XIV. soll sich – schon als Bischof Prevost von Chiclayo, Peru – gegen diesen Sodalicio Verein gewandt haben! Details zu erfahren, wäre interessant… Siehe auch: LINK

E:
Die internationale, auch im rechten politischen Bereich politisch aktive geistliche Bewegung, in Italien gegründet, nennt sich „Comunione e liberazione“: Sie ist in ca.90 Ländern vertreten….Auch hier gibt es Fälle des sexuellen Missbrauchs. Zum Beispiel: Ende 2023 müsste die Führung von Comunione e Liberazione öffentlich zugestehen: Der langjährige Chef in den USA, Christopher Bacich, hatte über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg (von 1997 bis 2018) Minderjährige und junge Erwachsene sexuell und psychologisch missbraucht hat.LINK:

F:
Die in Frankreich gegründete Gemeinschaft „Emmanuel“: Eine internationale Bewegung, auch in Deutschland aktiv, insgesamt ca. 12.000 Mitglieder. Sie ist charismatisch geprägt, d.h. sie verehrt den heiligen Geist, zum Teil auch in Zungenreden (ein angeblich vom heiligen Geist bewirktes frei gesprochenes frommes Trallala in spontan erfundenen Worten). Der bekannte Schauspieler Michel Lonsdale war mit Emmanuel eng verbunden, etwa durch seine Teilnahme an den glossolalischen charismatischen Gebets – Nächten in der Kirche Trinité in Paris, dargestellt im Dokumentarfilm für die ARD „Unter dem Himmel von Paris“, 1999, von Christian Modehn.
In Frankreich gibt es schwere Vorwürfe gegen Mitglieder von Emmanuel, so wurde der bekannte Priester Benoit Moulay 2023 wegen sexuellen Missbrauchs aus dem Klerikerstand entlassen. Die Opfer reichten im Jahr 2024 Klage ein und sie zeigten, dass Moulay jahrelang trotz vorliegender Warnungen und Meldungen von der Hierarchie geschützt und versetzt worden war. Auch der Emmanuel – Priester Bernard Peyrous wurde wegen Vergewaltigung angeklagt: Die betroffene Frau Claudine Blanchard veröffentlichte die ihr zugefügten Untaten als Buch (im Mai 2026) „Un canapé rouge. De l’emprise à la liberté“,(„Ein rotes Sofa, von der Gefangenschaft in die Freiheit“) in dem sie die Untaten des Priesters im Zeitraum von 2003 bis 2013 dokumentiert, und vor allem: Die systematische Vertuschung dieser Untaten durch die Gemeinschaft Emmanuel….. Jetzt will die Leitung von „Emmanuel“ für die Freilegung aller Untaten im Verein sorgen!

G:

Die „Gemeinschaft vom heiligen Johannes“, (französisch: „Communauté Saint-Jean“): Diese international agierende Gemeinschaft ist eine wahre Skandal – Geschichte: 2023 wurde eine 800 Seiten umfassende Studie veröffentlicht, sie weist nach: Der Gründer, der Dominikanerpater Marie – Dominique Philippe, hatte über viele Jahre ein System geistlichen Missbrauchs, der Abhängigkeit, unter seinen Mitgliedern installiert. Unter dem Vorwand der geistlichen Begleitung missbrauchte er zahlreiche Frauen, seit der Gründung dieser Gemeinschaft im Jahr 1975 wurden 167 Menschen Opfer von Übergriffen. Auch 72 Brüder (Priester) der Gemeinschaft wurden als Täter identifiziert, das sind 8 Prozent aller Brüder, die jemals dieser Gemeinschaft angehörten. Wie bei den Legionären Christi und ihrem verbrecherischen Gründer, Pater Marcial Mariel, distanzierte sich die Gemeinschaft St. Jean von seinem frommen Gründer, dem Dominikaner Pater Philippe, einem Freund von Papst Johannes Paul II. Und nun will diese schwer belastete Gemeinschaft, plötzlich erneuert, weitermachen… in den Pfarr- Gemeinden etwa, die sie leiten… Die französischen Bischöfe sind auf diesen Club angewiesen, sie haben ja sonst fast keinen jungen zölibatären (?) Klerus mehr zur „Verfügung“…

H:
Die Neokatechumenalen: Diese nach eigenen Angaben etwa 1,5 Millionen zählende ,in aller Welt agierende und missionierende Gemeinschaft hat sich völlig dem Neu – Evangelisieren verschrieben. Im Mittelpunkt steht das Monate dauernde Einpauken der Katechismus-Wahrheiten in Gruppen, dies wird explizit als Ausdruck von Theologie verstanden! Diese Gemeinschaft hat weltweit sogar etwa 120 eigene Priesterseminare errichtet, alle heißen „Redemptoris Mater“, sie erzeugen sehr konservative Priester, die die alten Priester in Europa ersetzen, sehr zum Unwillen vieler Gläubiger in den nun von Neokatechumenalen geleiteten Gemeinden. Christian Modehn hatte vor vielen Jahren schon begonnen, die Neokatechumenalen kritisch zu beobachten. LINK.

Neueste Kritik von ehemaligen Mitgliedern, publiziert am 18.7.2026: LINK.

I
:

Das Opus Dei. Über dieses „Werk Gottes“ gibt es viele auch kritische Studien, in deutscher Sprache zumal von Peter Hertel. Nur etwa eintausend von ca.80.000 Opus – Dei Mitglieder sind Priester, die meisten sind also Laien, aber alle sehr verschwiegen, wie es sich für einen Geheimclub gehört. Dieses „Werk Gottes“ arbeitet verdeckt, hat auch sehr viele unerkannt bleibende Sympathisanten, selbst wenn sie formell nicht Mitglieder sind, wie einst wohl Kardinal Meisner (Köln) oder wahrscheinlich auch einst Kardinal Hengsbach (Essen) oder jetzt wohl Kardinal Woelki in Köln, aber ….alles ist geheim. Eine etwas mildere Form von Stasi in der katholischen Kirche also? Papst Johannes Paul II. war der heftigste Förderer und Liebhaber dieses Werkes Gottes, er setzte diese Leute ein … vor allem auch im Kampf gegen die „linke“ Befreiungstheologie…
Papst Franziskus hatte es zu Beginn seiner Regierung gewagt, zwei Opus Dei Bischöfe abzusetzen: LINK https://religionsphilosophischer-salon.de/5780_zwei-opus-dei-bischoefe-von-papst-franziskus-abgesetzt_religionskritik

K:
Die Fokolar – Bewegung und ihre Gründerin Chiara Lubich:
Heftig kritisiert wird der Personenkult um die Gründerin dieser internationalen Bewegung, also um Chiara Lubich. Viele Mitglieder klagen über die spirituelle Abhängigkeit, die diese nach außen so nette Dame , die Gründer – Gestalt, ausübte. Über den sexuellen und spirituellen Missbrauch in der Focolar – Gemeinschaft: LINK

13.
Wir beenden hier die immer noch weiter auszudehnende Liste der Dokumentation der korrupten Führer der neuen geistlichen Gemeinschaften und etlicher korrupter Mitglieder dieser geistlichen Gemeinschaften.
Wir haben nicht von der Gemeinschaft „Totus Tuus“ gesprochen;
nicht von der Ordensgemeinschaft „Diener Jesu und Mariens“ mit ihrem Zentrum in Blindenmark, Österreich;
Wir haben nicht von den „Franziskanern der Immakulata“ (Unbefleckten Empfängnis Mariens), gegründet 1970, gesprochen, LINK https://de.wikipedia.org/wiki/Franziskaner_der_Immakulata.
Wir haben nicht nicht von den Missionaren “Idendes“, päpstlich anerkannt 2009, gesprochen;
wir haben nicht von der „Petrusbruderschaft“ gesprochen, vom Papst eingerichtet (1988) als traditionalistische Priestergemeinschaft, die aber Papst und Konzil anerkennen will;
wir haben nicht gesprochen von den „Franciscan Friars of the Renewal (CFR)“, den „neuen Kapuzinern …
Wir haben nicht von der mächtigen „Christ- Königs – Priestergemeinschaft“ gesprochen… LINK
Und haben dabei die alten geistlichen Bewegungen vergessen, wie etwa die „Schönstatt -Bewegung“, gegründet, zu Ehren der „dreimal wunderbaren Mutter“ Maria (der rechtsradikale Präsident Chile, José Antonio Kast ist Mitglied der Schönstatt – Bewegung…),
wir haben nicht gesprochen von der Bewegung der angeblich stigmatisierten Marthe Robin und ihrer „Foyers de Charité“,
nicht von den Charismatikern, die sich „Chemin neuf“ nennen, nicht von der “Integrierten Gemeinde“ (Kardinal Ratzinger liebte diese Leute so…) und so weiter….

14.

Was haben wir hier kurz dokumentiert? Die genannten Verbrechen sind systemisch für die katholische Kirche! 

Die Fülle des sexuellen und spirituellen Missbrauchs durch Gründer der sich – ziemlich arrogant – neue GEISTLICHE Gemeinschaften nennenden Bewegungen sowie auch des Missbrauchs durch sehr zahlreiche Mitglieder dieser Organisationen zeigt eindeutig: Diese Gemeinschaften sind Ausdruck eines systemischen, d.h. zum klerikalen System der katholischen Kirche gehörenden, Schadens. Diese Verbrechen und Verbrecher sind und waren nur möglch durch ein übliches klerikales Schweige – Kartell. Deswegen hat Papst Leo XIV. Unrecht: Er sagte am 28.9.2026 auf dem Rückflug seiner „apostlischen Reise“ von Frankreich nach Rom: Diese Verbrechen wäre nicht systemisch bedingt, sondern eben, wie üblich, Einzelfälle einzelner Menschen. Natürlich sind immer einzelne Menschen die Handelnden. Aber es gibt nachweislich systemische Voraussetzungen, die diese Verbrechen erleichtern, wenn nicht gar fördern. Man denke daran: Viele Katholiken, Laien, halten heute noch Priester, Bischöfe usw. für Hochwürden, für Exzellenzen, Eminenzen und nennen diese „Hirten“ auch noch so… Und der Papst als „Nachfolger des armen Fischers Petrus“ gilt sogar als „heiliger Vater“, dessen Reich der „heilige Stuhl“ (Vatikan) ist. In dieser stets uneindeutigen Melange von politisch auftretendem absoluten, undemokratisch regierenden Monarchen und spirtuellem Leiter der Kirche… Nebenbei: Eigentlich ist „heiliger Vater“ ein blasphemischer Titel, über den sich niemand noch aufregt, weil einzig doch Gott heilig genachht werden darf… aber: so viele Hunderttausend jubeln ihrem „Führer“ (Papst) zu, vielleicht sogar noch verständlich (aber nicht entschuldbar) als Ausdruck der Hilflosigkeit und Verwirrung in diesen verrückten Zeiten heute…Aber so lange diese klerikale Allmacht nicht überwunden ist, also vom Vatikan selbst ausgelöscht wird, solange wird es immer wieder klerikale Verbrecher in neuen oder alten geistlichen Gemeinschaften und Ordensgemeinschaften geben, und im Weltklerus sowieso… 

15.

Eine kurze theologische Beurteilung: Diese von Päpsten und zahllosen Bischöfen hoch gelobten Gemeinschaften mit inzwischen weltweit viele Millionen – Mitgliedern haben den Katholizismus auf seinem mühevollen Weg in die Moderne letztlich stark behindert, wenn nicht verdorben: Sie haben die katholische Kirche als eine konservative, der traditionellen Frömmigkeit verpflichtete, männlich – klerikale Organisation zementiert. Diese Kreise entwickeln kaum wahrnehmbar eine Theologie, die der heutigen Weltsituation gerecht wird: Klima- Katastrophe, Geschlechtergerechtigkeit, soziale Gerechtigkeit, usw…).
Diese Kreise sind auf die alte, angeblich immer richtige „ewige“ Lehre verpflichtet: Nur die Wiederholung und das Einpauken der alten Dogmatik könne ihrer Meinung nach die Mission der Kirche bedeuten. Es ist also eine totale Ideologisierung der Kirche, die da betrieben wird.
Aber diese oft auch sehr finanzstarken, politisch sehr rechten Gruppen sind von der Kirchenführung immer noch sehr erwünscht, weil sie – so vermutet wohl der Vatikan – das Überleben der autoritären Klerus- Kirche garantieren. Aber durch diese „neuen geistlichen Gemeinschaften“ wird die katholische Kirche heute zum Getto..

Christian Modehn hat schon 2009 in seiner Studie über Papst Benedikt XVI., in dem Buch „Rolle rückwärts mit Benedikt“ (Publik -Forum Edition, 2009, S. 143 ff) auf den eingangs genannten Miguel Buela und seine Verbindung mit Kardinal Ratzinger aufmerksam gemacht:

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.

 

 

 

 

Ratzingers Herrschaft – eine Katastrophe.

Über das neue Buch „Nur die Wahrheit rettet“.
Hinweise auf das Buch und weiterführende Erkenntnisse von Christian Modehn.

1.
Wer das Buch über das „System Ratzinger“ (der Untertitel) gelesen hat, muss sich notwendigerweise fragen: Was ist nach der Lektüre, „summa summarum“, die Wahrheit über die langdauernde Kirchen-Herrschaft Joseph Ratzingers? Diese Wahrheit ist in wenigen Worten zu sagen: „Ratzinger ist der totale Kleriker“. Zu Beginn seiner steilen Karriere war er kurze Zeit „Seelsorger“, dann Theologieprofessor, daraufhin Erzbischof in München, dann Kardinal als Chef der Glaubenskongregation in Rom (1982 – 2005) und engster Berater Papst Johannes Paul II. Dann wurde Ratzinger erwartungsgemäß Papst unter dem Namen Benedikt XVI. (2005 -2013). Seit seinem Rücktritt nennt er sich immer noch Papst, er hat den sonderbaren Titel „Papa emeritus“ mit eigenem großen Freundes/Unterstützer-Kreis. Und auch dieses noch: Er ist als unmittelbarer Nachbar im Vatikan aufmerksamer Beobachter von Papst Franziskus. Er zog sich also als „emeritus“ nicht in seine bayerische Heimat zurück, er blieb im Vatikan. Vielleicht überlebt er Papst Franziskus? Falls Franziskus auch zurücktritt, will er ebenfalls im Vatikan bleiben und mit einem neuen Pontifex maximus hätten wir dann eine Art Trinität: Drei Päpste auf einmal. Göttlicher geht’s dann wahrlich nicht mehr…

2.
Welche Wahrheit muss angesichts dieses Buches „Nur die Wahrheit rettet“ und über das Buch hinaus gesagt werden … zu diesem „totalen Kleriker“ Ratzinger? Allerdings unter dem normativen Anspruch einer Theologie, die die Qualität des kritischen Prüfens sich bewahrt hat! Ich denke: Die einfache und deswegen für manche frommen Leute wohl schockierende Wahrheit über Ratzinger ist: Dieser Kleriker hat den Niedergang der katholischen Kirche befördert. Andere kritisch denkende Theologen (kann denn Theologie heute anders als vernünftig – kritisch sein?) würden treffender sagen: Dieser Kleriker Ratzinger war und ist eine Katastrophe für die römische Kirche.

3.
Diese Wahrheit stellt sich ein, wenn man das Buch liest mit dem Titel „Nur die Wahrheit rettet“ mit dem Untertitel “Der Missbrauch in der katholischen Kirche und das System Ratzinger“. Verfasst haben es Doris Reisinger (Theologin) und Christoph Röhl (Autor und Regisseurs eines umfassenden Films über Ratzinger).
Aber welche Wahrheit stellt sich ein, die größer ist als Ratzingers Ideologie, welche Wahrheit über Ratzinger rettet und befreit? Naheliegend müsste man fordern: Dieser EX- Papst Joseph Ratzinger sollte sich entschuldigen, öffentlich, nicht nur bei den Opfern des tausendfachen sexuellen Missbrauchs durch Priester, sondern bei allen, die er mit seiner rigiden Herrschaft beleidigt, ausgegrenzt und krank gemacht hat. Vor allem: Denen er mit seiner Herrschaft den Glauben und das Grundvertrauen (in Gott) genommen hat. Es ist diese bedrückende Erkenntnis: Glaubensverlust wegen der Institution Kirche, die hier zur Debatte steht. Das Problem ist nur: Ratzinger selbst ist Ausdruck und Vollstrecker (Schreibtischtäter) des klerikalen Systems. Kann sich ein System entschuldigen? Nein. Es kann nur überwunden werden. Zur Überwindung kann nur jeder und jede einzelne beitragen…

4.
Dabei bietet das Buch von Doris Reisinger und Christoph Röhl nur eine Haupt-Perspektive, sozusagen einen entscheidenden Ausschnitt, aus dem unseligen Wirken dieses Klerikers, den man in Frankreich in gebildeten Kreisen treffend den „Panzerkardinal“ genannt hat.
Die Autoren zeigen ausführlich und gut dokumentiert: Ratzinger hat die Opfer sexuellen Missbrauchs viele Jahrzehnte ignoriert, er hat die Täter entschuldigt und „gedeckt“. Er hatte seinen Klüngel um sich gebildet, vor allem um seinen Freund, den hochumstrittenen Kardinal Tarcisio Bertone aus dem Salesianer-Orden. Bertone bewohnt bekanntlich als armer Ordensmann eine nach seinen Angaben „300 bis 400 Quadratmeter“ große Wohnung…(Das Buch „Avaricia“ von Emiliano Fittipaldi hat das alles gut dokumentiert)
Im Mittelpunkt des Buches von Reisinger und Röhl stehen die Ungeheuerlichkeiten des Gründers der Legionäre Christi, des in diesem Orden so bezeichneten „Generaldirektors“ Marcial Maciel, allein schon dieser Titel „Generaldirektor“ für einen Ordenschef zeigt die heftige ökonomische Interessiertheit dieser Herren.
Ratzinger hat Marcial Maciel, nachdem endlich seine Verbrechen öffentlich gemacht wurden, nur moralisch als Sünder getadelt. Im klerikalen Denken Ratzingers entstand gar nicht die Frage: Sollte er Maciel, den sexuellen Missbraucher seit Jahrzehnten, der staatlichen Justiz für seine Untaten übergeben? Nein, das wollte Ratzinger dann doch nicht. Der bloß moralisch getadelte Verbrecher bewahrte sich unverschämt wie immer und vom Vatikan weiterhin unkontrolliert seine übliche Reiselust, zuerst nach Florida, bevor er mit Frau und Kind Weltreisen antrat. In Florida ist er 2008 verstorben. Die Legionäre haben nach seinem Tod einfach die Fotos Maciels aus all ihren Häusern und Zimmern entfernt. Erwähnt wird der Name ihres einst als heiligmäßig verehrter „Vaters“ auf der website des Ordens seitdem nicht mehr. Die Legionäre treten jetzt also wie ein Orden ohne Gründer auf. Diese Verlogenheit im Umgang mit Maciel erinnert an die „Säuberung“ nach dem Tode Stalins. Der sowjetische Diktator verschwand als Bild und Foto in der Öffentlichkeit… aber sein Geist blieb. So auch bei dem Herren Generaldirektor Pater Maciel. Alte Freunde gibt es bei ihm auch, die dann schwadronieren: „Maciel hat doch nur gute Früchte hervorgebracht“, sagen sie, die von ihm auch finanziell Begünstigten! Sie glauben, der Orden der „Legionäre Christi“ müsse wegen der vielen jungen Priester unbedingt erhalten bleiben. Und wegen des Geldes, das der Orden seit jeher über alles liebt (natürlich verbunden mit der Liebe zu Millionären weltweit)

5.
Die Autoren breiten darüber hinaus reiches Material zum Umgang des sexuellen Missbrauchs in anderen so genannten neuen geistlichen Gemeinschaften, sie wurden gepflegt und gefördert während der Ratzinger – Herrschaft in enger Verbindung mit dem polnischen Papst. Die neuen geistlichen Gemeinschaften erschienen Ratinger wie Wojtyla als große Retter der „Kirchenkrise“. Diese neuen Gemeinschafen, insgesamt mit einigen Millionen Mitgliedern und Sympathisanten, sind insgesamt theologisch konservativ bis reaktionär, sie bilden Sonderwelten in der Kirche, werden aber von der Klerus – Herrschaft geschützt. Warum wohl? Weil die kinderreichen Familien dieser auch von Laien geprägten Gemeinschaften viele gehorsame Priester zur Verfügung stellen und das klerikale System fortzusetzen helfen. Das ist meine Ergänzung zu dem Buch „Nur die Wahrheit macht frei“.

6.
Vieles, was das Buch mit großem Fleiß dokumentiert, ist bekannt. Ich selbst habe seit 2007 als einer der ersten in Deutschland über die Legionäre Christi ausführlich auf meiner website religionsphilosophischer-salon.de und in zahlreichen Ra­dio­sen­dungen kritisch berichtet oder auch über das „Neokatechumenat“. Davon „zehren“ auch die beiden Autoren. Aber sie sind so vornehm und „verschwiegen“, dass sie darauf nicht hinweisen. Das nur am Rande.

7.
Das Buch ist eigentlich ständig aktualisierbar: Eine dritte Auflage sollte detailliert zeigen, dass die im Vatikan so hoch gepriesenen Gründer der neuen geistlichen Gemeinschaften in den letzten Monaten (2020/2021) als Täter sexueller Gewalt und spiritueller Bevormundung bzw. Herrschaft überführt wurden: Die Liste könnte beginnen mit dem Gründer der Ordensgemeinschaft St. Jean (Johannes-Brüder), könnte weiter gehen zu Jean Vanier, dem Gründer der weltweiten Arche-Gemeinschaften, weiter zu Père Pierre-Marie Delfieux, dem Gründer der Mönchsgemeinschaft „Jérusalem“ in Paris, über ihn hat eine ehemalige Nonne das Buch geschrieben „Quand l église détruit“… dann müsste man weiter forschen über den Gründer der sehr einflussreichen und sehr reaktionären internationalen Gemeinschaft „Sodalicium“ aus Peru, dann weiter gehen zu Chiara Lubich und ihrer Focolarini, dann zum Gründer der Gemeinschaft „Béatitudes“, weiter zu den Oberen der neu gegründeten „Franziskaner der Immakulata“ oder zu dem reaktionären Orden „Institut des inkarnierten Wortes IVG. Da wurden heftige massive Missbräuche des Ordensgründers gegenüber Mitgliedern dokumentiert. Ratzinger ist der große Förderer dieses Ordens aus Argentinien. Die Rede müsste sein von Pater Kenntenich, dem Gründer Schönstatt-Bewegung und so weiter und so weiter. Man sehe sich auch besonders gut an, welche Gruppen und Grüppchen reaktionären Einschlags sich im Bistum Toulon – Fréjus sammeln, Chef ist dort Bischof Dominique Rey, er ist führendes Mitglied der großen katholisch – charismatischen Bewegung „Emmanuel“. Diese Gemeinschaft praktiziert in Frankreich auch die „Konversions-Therapie“ von Homosexuellen. Einer der „Emmanuel – Priester“, Pater Bernard Peyrous, wurde wegen „sexueller Übergriffe“ an Frauen suspendiert, aber er darf weiter pastoral wirken…Zu sprechen wäre von der neuen Ordensgemeinschaft der „Soeurs de Bethléem“ und deren Machtmissbrauch innerhalb des Ordens. Mit anderen Worten: Die hoch gelobten „neuen geistlichen Gemeinschaften“ sollten unter strenger Beobachtung stehen…Sie sind einziger Sumpf!
Von diesen Gemeinschaften ist dem neuen Buch von Reisinger und Röhl nicht die Rede, es handelt sich hier um meine Recherchen.

8.
Für mich wäre es besonders wichtig, welche Beziehungen der vatikanische Behörden Chef Ratzinger zu Kardinal Groer in Wien hatte. Groer, als Benediktinermönch vom Stift Göttweig, wurde 1986 von Papst Johannes Paul II. zum Erzbischof ernannt, Groer musste dann nach lang andauernden heftigen Protesten 1995 wegen ganz offensichtlichen sexuellen Missbrauchs zurücktreten.
9.
Noch interessanter ist die sehr große Sympathie, die Freundschaft und Fürsorglichkeit Ratzingers für den nicht minder höchst umstrittenen Bischof von St. Pölten in Österreich, den Theologieprofessor Kurt Krenn.Er wurde zunächst 1987, ein Jahr nach Groer, zum Weihbischof von Wien ernannt. Weil er dort nach vielen Protesten unhaltbar wurde, beglückte der Vatikan die Katholiken im Bistum St. Pölten mit Krenn als Bischof (1991 – 2004). Er war u.a Mitarbeiter der von vielen als Vulgär-Blatt beurteilten „Kronen-Zeitung“, kein Wunder, er war ein Freund von FPÖ Chef Jörg Haider. In Krenns Bistums waren ebenfalls die „neuen geistlichen Gemeinschaften“ höchst willkommen, etwa die „Diener Jesu und Mariens“ in Blindenmarkt, ebenso die „Gemeinschaft der Seligpreisungen“ oder die „Gemeinschaft vom heiligen Josef“. In seinem Priesterseminar wurden gern zu zehn tausenden (ARD: https://web.archive.org/web/20140129075019/http://www.tagesschau.de/ausland/krenn100.html) kinderpornographische Fotos betrachtet. Das Magazin PROFIL in Wien schrieb u.a.: „In der Kinderpornoaffäre, über die „Profil“ ebenfalls berichtete, hält die Staatsanwaltschaft die Indizien für so erdrückend, dass es zu mehreren Anklagen gegen Seminaristen kommen wird. Gefunden wurden zum Beispiel Fotos, auf denen ein fünf- bis sechsjähriges Mädchen beim Oralverkehr mit erwachsenen Männer gezeigt wird ….usw.“ Der Priesterkandidat Piotr Zarlinski wurde deswegen zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. Krenn nannte diese Porno – Praxis, so wörtlich, „Bubendummheiten“. Kurz danach ist Krenn als Bischof zurückgetreten.
Die ganzen Affären um Bischof Krenn bezeichnete der international geschätzte Theologe Prof. Paul M. Zulehner als „pastoralen Supergau“.
Aber wie regiert Joseph Ratzinger wenige Wochen, nachdem er zum Papst gewählt wurde: Er bemitleidet aufs innigste den armen Freund Krenn, rückt sein Leiden in die Nähe zu Jesu Leiden….
(Nach seinem Rücktritt als leitender Bischof lebte Krenn schwerkrank, Folgen seines Alkoholismus, in einem katholischen Pflegeheim).
Am 18.6. 2005, also wenige Wochen nach seiner Papstwahl, hatte Krenns alter Freund und Gönner, Joseph Ratzinger, nichts Eiligeres zu tun, als ihm einen salbungsvollen Brief zu schreiben. Dieses Dokument muss allen, die unter dem Regime von Bischof Kurt Krenn gelitten haben, wie eine Ohrfeige erscheinen. Der Brief offenbart auch die wahre spirituelle und ideologisierte Theologie Joseph Ratzingers als Papst:
Hier nur einige Zitate aus dem handschriftlich unterzeichneten Brief an Bischof Krenn:
„Lieber Mitbruder! Wie ich höre, leidest du an Leib und Seele. So liegt es mir am Herzen, Dir ein Zeichen meiner Nähe zukommen zu lassen. Seit langem bete ich jeden Tag für dich! …. Unser Herr hat uns letztlich nicht durch seine Worte und Taten, sondern durch seine Leiden erlöst. Wenn der Herr dich nun gleichsam mit auf den Ölberg nimmt, dann sollst du wissen, dass du gerade so ganz tief von seiner Liebe umfangen bist und im Annehmen deiner Leiden ergänzen helfen darfst, was an den Leiden Christi noch fehlt (Kol 1, 24) Ich bete sehr darum, dass dir in allen Mühsalen diese wunderbare Gewißheit aufgeht……. Von Herzen sende ich dir meinen apostolischen Segen. In alter Verbundenheit! Dein Papst Benedikt XVI.
(Dieser bemerkenswerte Brief ist (noch) nachzulesen : https://www.derstandard.at/story/2481036/papst-schickt-krenn-per-brief-troestende-worte)

Ich habe dieses Dokument (Bischof Krenn als leidender Jesus) schon 2011 publiziert in dem Aufsatz unter dem Titel „Benedikt XVI. ist politisch rechtslastig“, erschienen in dem Sammelband „Rolle rückwärts mit Benedikt“ (Hg. Norbert Sommer und Thomas Seiterich, PUBLIK FORUM Edition, 2009). Nebenbei: Ich frage mich manchmal, wie es möglich ist, dass schon vorliegende kritische Studien wie diese von den Autoren neuer Bücher zum Thema Ratzinger einfach so ignoriert bzw.im Druck nicht erwähnt werden können.

10.
Ich empfinde es angemessen, wenn in dem umfangreichen Buch „Nur die Wahrheit rettet“, für das zwei Autoren zeichnen, genauer angegeben wird, wer denn welches Kapitel verfasst hat.

11.
Ist Ratzinger ist also alles anderes als ein „Mozart der Theologie“, wie Kardinal Meisner (2007 in Berlin) einmal in seiner üblichen Ratzinger – Ergebenheit schwärmte.
Ratzingers Bücher sind keine kritisch reflektierte Theologie auf dem Stand des 20. Jahrhunderts, sie nicht mehr als fromme persönliche Meditationen. Wenn Ratzinger wissenschaftlich argumentierte, dann als Historiker, als Kenner und Liebhaber des Werkes des Kirchenvaters Augustinus. Er selbst nennt sich wohl „Augustinist“. Und dies ist der Schlüssel zum Verstehen seiner Spiritualität und Theologie: Es ist nicht nur die über Augustin gegebene Liebe zu Platon, es ist das völlig pessimistische Menschenbild des späten Augustin, das in dem Wahn seiner Erbsündenlehre gipfelt. Sie wurde schon von hoch gebildeten Theologen seiner Zeit zurückgewiesen, wie von Bischof Julian von Eclanum. Aber Augustin verfolgte seine Kritiker und setzte sich mit Gewalt durch mit seiner verkorksten Erbsündenlehre, die er nur erfand, um den Status der Kleriker zu sichern: Denn sie allein konnten in der Taufe die Menschen von der tödlichen Erbsünde befreien… .
Diese Haltung des Rechthaber Wahns ist typisch für den alten Augustin wie für Ratzinger. Man lese bitte in dem Zusammenhang die Augustinus Studien des Philosophiehistorikers Kurt Flasch!

12.
Ratzinger hat ungebrochen seine augustinistische Theologie durchgeboxt. Auch insofern ist er eine Katastrophe für die Kirche, wie das Buch von Reisinger und Röhl zeigt: Eine Katastrophe ist Ratzingers Unfähigkeit, dem sexuellen Missbrauch durch Priester wirksam auch mit staatlich – juristischen Konsequenzen Einhalt zu gebieten und die Opfer zu hören und zu respektieren. Oder, um nur ein weiteres Beispiel seiner Verblendung zu nennen: Er will unbedingt die oft neofaschistischen Kreise französischer Traditionalisten (Lefèbvre – Leute) wieder mit der römischen Kirche zu vereinen usw…
Der Augustinist Ratzinger liebt halt das Alte und Veraltete und Versteinert – Tote, das Lateinische … und die Erhabenheit des Klerus über alles.
Ratzinger ist eine gefährliche Figur von vorgestern.

Doris Reisinger und Christoph Röhl, „Nur die Wahrheit rettet. Der Missbrauch in der katholischen Kirche und das System Ratzinger“. Piper – Verlag, München, 2. Auflage 2021, 348 Seiten,22 €.

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