Eine Geschichte von Verlusten: Auch das ist die Moderne!

Hinweise zu Kipppunkten, zur Kollapsologie, zur „Rache der Populisten“ und so weiter
Eine Buchempfehlung von Christian Modehn am 17.2.2025

1.
Wir haben so vieles und so viele verloren: Belastende und schöne Beziehungen, vielfältige Naturerfahrungen, wir haben verloren die Hochschätzung der Demokratie oder das Wissen, in einer religiös fundierten sinnvollen Welt leben zu können.
2.
Wir können jetzt das Ausmaß unserer erlebten und erkannten Verluste kaum überschauen. Und dennoch folgen so viele wie üblich der neoliberalen Ideologie vom permanenten Wachstum und damit des Fortschritts im allgemeinen. Die Wahrheit hingegen ist: Eigentlich sind Menschen der Moderne immer auch Verlierer. Vieles geht verloren im turbulenten Geschehen des Aufbruchs und des immer-Mehr.
Verlust sollte also das Grundwort sein, um unsere Selbst – und Welterfahrung heute zu bezeichnen. Fortschritt ohne Verlust sehen und zu verstehen, ist also naiv, ist „fortschritts-gläubig“.
3.
Das ist das Thema des international geachteten Soziologen Prof. Andreas Reckwitz (Humboldt – Universität Berlin) in seiner neuesten Studie „Verlust. Ein Grundproblem der Moderne“ (Suhrkamp Verlag). Reckwitz hat die Begabung, mit einem zentralen Stichwort unsere Aufmerksamkeit hinzulenken zum differenzierten Verstehen der Moderne, die eigentlich nun als eine zerbrechende Moderne treffender „Spät-Moderne“ (etwa S. 289) genannt werden sollte.
4.
Das neueste Buch von Andreas Reckwitz könnte als eine Art ausführliches, aber gut lesbares und sehr empfehlenswertes  Lehrbuch verstanden werden, das viele Aspekte von Verlusten soziologisch analysiert und einordnet. Etwa das „Unsichtbarmachen“ des Verlustes im Umgang mit dem Tod als Verlust von lieben Menschen. Inspirierend die Hinweise zu üblichen Formen, Verluste zu bearbeiten: Etwa in der Nostalgie, dem Konservatismus, der Religionen…
5.
Das Buch ist die Arbeit eines Soziologen, der zugleich auch mit historischen und philosophischen Entwicklungen vertraut ist: Aber auch die genaue Kenntnis aktueller politischen Fragen wird deutlich, etwa, wenn vom Populismus als der „Rache an den Gewinnern“ (den ökonomischen, den politischen…) die Rede ist. Diese Erkenntnis ist zentral, und sie sollte im Zusammenhang des Aufstiegs etwa der rechtsextremen AFD oder der FPÖ beachtet werden, Reckwitz schreibt: „Den Populismus kann man ohne seine `rächende` Stoßrichtung nicht verstehen. Den anderen, den vermeintlichen Gewinnerinnen und Gewinnern der (Spät)- Modernisierung und zugleich den direkt oder indirekt vorgeblich Verantwortlichen für die eigene Misere sollen (von Populisten) ihrerseits Verluste zugefügt werden (vom Autor kursiv)… Das kann sich gegen Klimaschützerinnen oder erfolgreiche Homosexuelle richten, …. gegen Flüchtlingsaktivisten oder gegen Frauen in Führungspositionen.“

Die Populistenführer reden sich und ihren Anhängern ein: Sie seien zu kurz gekommen, hätten selbst zu viele Verluste erlebt, ihr Motto also, betont Andres Reckwitz: „Nun sollen die anderen verlieren.“ (Seite 394). Und solch eine Maxime ist ein Aufruf zum Kampf.
6.
Hier können nicht die vielen, in die Tiefe fahrenden Überlegungen von Andreas Reckwitz zur Dialektik von Fortschritt und Verlust in der (spät-)modernen Lebenswelt gewürdigt werden. Nur diese Hinweise:
7.
Wir sollten die gesellschaftliche Entwicklung gerade in zugespitzt empfundenen Situationen genau analysieren: Es geht um die Wahrnehmung von KIPP-PUNKTEN, also um die Wahrnehmung: Es gibt keine eindeutige lineare gesellschaftliche Entwicklung. Das schlichte Muster „kleine Ursache-große Wirkung“ sollte also vermehrt beachtet werden. „Im Falle des Kipppunktes braucht es am Ende nur ein winziges Ereignis, um das gesamte System aus dem Gleichgewicht zu bringen. Dieses Ereignis ist allerdings nicht zufällig, sondern lässt sich in ein langfristiges, sich steigerndes Prozessgeschehen einordnen… „(S. 310).
Ein Beispiel aus unserer Sicht: Am 29. Januar 2025 hat der CDU/CSU Kanzlerkandidat Friedrich Merz seinen „Gesetzesentwurf“ für eine „Zustrombegrenzung „von Flüchtlingen bewusst und direkt geplant mit den Stimmen der AFD gewonnen. Die demokratische Presse sprach von einem Dammbruch, man könnte auch sagen: Es war ein Kipppunkt. Man wird abwarten, wie und wann sich Kollaborationen von CDU/CSU mit der AFD wiederholen. Kollaboration ist ja einmal schon geschehen, am 29.1.2025 und wohl auch am 31.1.2025 wieder im Deutschen Bundestag.
Interessant ist in dem Zusammenhang der für viele LeserInnen neue Begriff der Kollapsologie, also der soziologisch – politischen Lehre vom Kollaps von Staaten und Gesellschaften, wenn nicht der ganzen Welt. Ein entsprechendes „Handbuch der Kollapsologie“ ist 2022 erschienen, S. 309, Fn. 30. , ausführlicher S. 417 f.
8.
Auch die Religionen sind bekanntlich Formen der Bewältigung von Verlusten: In einem viel zu kurzen Kapitel „Religion: Der Trost der Transzendenz“ (S. 273ff.) weist Andreas Reckwitz darauf hin. Der Titel sagt alles: Angesichts der Sterblichkeit bieten Religionen, etwa das Christentum, einen Trost, der über die Welt hinausführt in die himmlische Welt. „Letztlich basiert das Christentum auf einer anthropologischen Verlustgeschichte“, meint Reckwitz, er denkt dabei an die Vertreibung der Menschen aus dem Paradies wegen des Sündenfalls, so der biblische Mythos. Aber es ist schon falsch, wenn Reckwitz meint: Das Christentum und damit die Kirchen würden „ökonomische Verluste, Machtverluste und Verluste von Erwartungen auf eine im innenweltlichen Sinne positive Zukunft“ (s. 277) als „letztlich Zweitrangiges oder inkomplett Irrelevantes“ (s. 277) ansehen. Darin zeigt sich, das der Autor in diesem knappen Kapitel eher alte theologische Literatur verarbeitet und etwa die Befreiungstheologie ignoriert, die gerade den Verlust der Armen an politischer Mitbestimmung und Gleichberechtigung aufgreift und betont: Erlösung beginnt schon hier „auf Erden“, etwa im real – materiellen Erleben der Gültigkeit der Menschenrechte und der Sicherung des menschenwürdigen Lebens.
Andere aktuelle Verlusterfahrungen etwa von Katholiken hätten thematisiert werden können: Man denke an Erzbischof Marcel Lefèbvre, der nach dem 2. Vatikanischen Konzil seinen eigenen traditionalistischen Weg ging mit der Gründung der Pius – Bruderschaft: Lefèbvre klagte darüber, dass dieses Konzil die lateinische Messe in der uralten Form abgeschafft hatte: In seiner konservativen Ideologie, die nur das Alte liebte, sagte Lefèbvre: „Man hat uns die heilige Messe genommen.“ Eine Verlust – Erfahrung… Andererseits gibt es sicher auch Verlust -Erfahrungen unter progressiven Katholiken: Sie treten aus der Kirche zu tausenden aus, auch, weil sie der Kirchenleitung jegliche Glaubwürdigkeit absprechen müssen, das aber bedeutet: Ihren einst vermittelten Glauben an die hohe geistliche und menschliche Qualität des Klerus verloren haben. Und auch: jede Hoffnung auf eine tiefgreifende Reformation der Katholischen Kirche.
9.
Wenn in der Spätmoderne überhaupt noch dem Fortschritt ein positiver Inhalt zugewiesen wird, dann in der Lebensgestaltung des einzelnen. Reckwitz spricht von „Subjektivierung des Fortschritts“ (S. 322ff.). Diese entspricht der „neoliberalen Kultur der Selbstverantwortung des Individuums für seinen subjektiven Lebenserfolg“ hin zu umfassender „Selbstoptimierung.“ Kurz gesagt: Mag auch die Welt am Rande des Untergangs taumeln, ich baue an meiner eigenen Innerlichkeit für mich weiter, ich entwickle und pflege meine nur mir gehörende Subjektivität und will persönlich wachsen, auch wenn in der Wirtschaft nichts mehr wächst und die Demokratie von Rechtsextremen lädiert wird. Das ist diesem Subjekt ziemlich egal… Hauptsache: Ich habe ein „gelungenes Leben“ (s. 326). Gesellschaftlicher Fortschritt geht verloren, aber ich rette meine schöne, wohl entwickelte Seele: Geht diese Spaltung von Gesellschaft und Ich auf die Dauer? Eines Tages werden die neuen Herren der Anti – Demokratie den schönen Seelen doch den Schrecken einjagen, wenn es zu spät ist…
10.
Andreas Reckwitz sieht die demokratischen Gesellschaften und Staaten in einer tiefen Krise und Gefahr. Er persönlich ist überzeugt, dass ein Untergang wohl nicht bevorsteht, andererseits ist auch das Erlebnis von Fortschritt und von permanentem Wachstum ausgeschlossen. Welche Möglichkeit der Hoffnung bleibt da?
Reckwitz setzt auf die „Reparatur der Moderne“, diese ist die Ausbesserung der vorgegebenen modernen Institutionen und Lebensformen. Das Programm könnte man einen progressiven Konservatismus nennen – zugunsten der Rettung der guten und hoffentlich bleibenden Errungenschaften der Moderne, der Menschenrechte und der Demokratie. „Es geht darum, den Fortschritt als Erbe zu bewahren,“ so Andreas Reckwitz (S. 420).

Andreas Reckwitz, „Verlust. Ein Grundproblem der Moderne“. Suhrkamp, 2024, 463 Seiten, 32€.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

Die verbrecherische katholische Gemeinschaft „Sodalicio“ wurde von Papst Franziskus verboten.

Ein Beitrag der „Informationsstelle Peru e.V.“ von Heinz Schulze.

Ein Vorwort von Christian Modehn.
Der „Religionsphilosophische Salon Berlin“ hat im Rahmen seiner selbstverständlichen Religions/Kirchenkritik mehrfach auf die reaktionäre, international verbreitete, vor allem in Lateinamerika und Peru tätige katholische Organisation SODALICIO (im offiziellen katholischem Fachjargon „geistliche Gemeinschaft“ genannt) hingewiesen.
Diese Leute des Sodalicio („Sodalität“ auf Deutsch, was immer das bedeuten mag) haben alle Bestrebungen einer progressiven Theologie und Gemeindebildung in Lateinamerika aufs heftigste behindert und entsprechende Aktivisten verfolgt, unterstützt von Limas Kardinal Cipriani, nach eigenen Angaben Mitglied der reaktionären Organisation OPUS DEI. Es gibt also enge Connections zwischen den diversen reaktionär-katholischen machtvollen klerikalen Organisationen.

Jahrelang haben Kritiker des Sodalicio – auch in Rom – darum gebeten, dass dieser Club SODALICIO von sexuellen Missbrauchstätern und finanziell korrupten und politsich reaktionären Leuten endlich untersucht und dann aufgelöst werde, aber nichts geschah Jahre lang.
Die Geduld des Vatikans und der Päpste mit reaktionären, aber finanzstarken und noch junge Priester (!) vorweisenden Gemeinschaften innerhalb der römischen Kirche ist bekanntlich grenzenlos, siehe auch in dem Zusammenhang die „Legionäre Christi“ oder das mysteriöse „Institut des Inkarnierten Wortes“ mit Niederlassungen auch in Deutschland, auch im Erz-Bistum Berlin.

Ein progressiver Theologe wird sozusagen von heute auf morgen verfolgt, degradiert und dann abgesetzt, bei reaktionären Bischöfen (siehe etwa den Fall von Kardinal Cipriani, Lima oder aktuelle auch des französischen Bischofs Dominique Rey, Toulon) hat der Vatikan/Papst riesige Geduld.. Der Klerus hält eben absolut zusammen. Und der Papst jat unendliche Geduld, verbrecherische Bischöfe in ihrem so genannten geistlichen Amt zu belassen…

Wichtig ist der ausführliche wikipedia Beitrag auf Spanisch zu Sodalicio, auf Deutsch dieser spanische Beitrag: https://es.wikipedia.org/wiki/Sodalicio_de_Vida_Cristiana

Ergänzung am 17.2.2025: Kardinal Cipriani, Lima und Opus Dei Mitglied und Förderer des Soldalicio: Des sexuellen Missbrachs angeklagt, nun soll er eine staatliche „Verdienstmedaille“ zurückgeben (der Bürgermeister von Lima ist halt auch Opus dei Mitglied: LINK.

…………………..

Uns freut es, dass die bekannte „Infostelle“  über alle Themen PERUS nun einen knappen, aber gut informierten Beitrag zum Verbot dieses Sodalicio publiziert:Und wir warten gespannt, wann endlich auch in den noch verbliebenen katholischen Zeitschriften endlich gründliche Studien zu diesem und zu anderen reaktionär-katholischen Gemeinschaften publiziert werden.

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Sodalicio endgültig verboten
von Heinz Schulze |Veröffentlicht 9. Februar 2025

Nach jahrelangen Aufrufen kirchlicher und zivilgesellschaftlicher Organisationen und einer intensiven innerkirchlichen Untersuchung hat Papst Franziskus die katholische Organisation Sodalicio als „sadistische und korrupte Organisation“ eingestuft und endgültig verboten. Ein Rückblick auf die Ereignisse, die dazu geführt haben.
In den vergangenen Jahren haben wir als Informationsstelle Peru mehrmals über die kriminellen Aktivitäten von Sodalicio berichtet und uns dafür eingesetzt, dass die zuständigen Stellen der Kirche die Forderungen der Opfer ernst nehmen. Darunter das Verbot der Organisation, eine Wiedergutmachung und dass die Bauernfamilien der Dorfgemeinschaft Catacaos (Provinz Piura, Nordperu) endlich ihr Land zurückbekommen, das ihnen von Personen aus dem Umfeld von Sodalicio weggenommen wurde.
Wir schrieben mehrere entsprechende Aufforderungen, unter anderem an den damaligen reaktionären peruanischen Kardinal Cipriani, den damaligen Papst Benedikt und an den Erzbischof der zuständigen Diözese in Piura. Dieser ließ durch sein Sekretariat mitteilen, dass er nichts mit Sodalicio und den Problemen der Dorfgemeinschaft Catacaos zu tun habe.
Zum besseren Verständnis hier nochmals einige Stichworte zur Geschichte von Sodalicio:
Die Organisation wurde als Sodalicio de Vida Cristiana 1971 von Luis Figari gegründet, und zwar als konservative Reaktion auf die Theologie der Befreiung. Eines der Ziele war, junge Christ*innen als Elitesoldat*innen im „Heer Gottes“ zu erziehen.
Im Jahr 2000 veröffentlichten Studierende und junge Männer erste Berichte über ihr erlittenes Unheil in den Bildungseinrichtungen von Sodalicio: sexuelle Übergriffe und psychologisch-sadistische Praktiken sowie Unregelmäßigkeiten bei der Verwendung der finanziellen Mittel, der von den „Jüngern“ eingebrachten und erzielten Gelder. Später wurde bekannt, dass sich Mitglieder von Sodalicio Ländereien in der Dorfgemeinschaft Catacaos angeeignet hatten, die innerhalb der Diözese von Ex-Erzbischof José Antonio Eguren lagen.
Eines der Opfer, Pedro Salinas, brachte zusammen mit der Journalistin Paola Ugaz ein Enthüllungsbuch heraus, in dem 30 Zeug*innen über ihre erlittenen sexuellen und sonstigen Gewalterfahrungen mit Führungskräften von Sodalicio berichteten. Sodalicio und Erzbischof Eguren reagierten mit juristischen Schritten und einer großen Schmutzkampagne und stellten die Opfer als Lügner dar, die alles erfunden hätten, um ehrbare Priester und engagierte katholische Laien in Verruf zu bringen. Ähnlich agierte Kardinal Cipriana – gegen den 1983 eine Klage wegen Pädophilie eingereicht wurde – in einigen seiner wöchentlichen Hirtenbriefe.
Durch innerkirchliches und internationales Engagement wurde der Druck auf den Vatikan stärker, den Vorwürfen gegen Sodalicio nachzugehen. In der Zwischenzeit entzog sich der Gründer von Sodalicio der peruanischen Justiz und flüchtete nach Rom. Schließlich ordnete Papst Franziskus im Jahr 2023 eine innerkirchliche Untersuchung durch zwei seiner Vertrauten (Jordi Bertomeu und Charles Scicluna) an. Ihre intensiven Nachforschungen mit vielen Interviews in Peru bestätigten letztendlich alle Vorwürfe, und Sodalicio wurde als „sadistische und korrupte Organisation“ eingestuft. In Folge dessen wurden der Gründer von Sodalicio, der amtierende Präsident von Sodalicio und weitere zehn wichtige Führungskräfte aus Sodalicio ausgeschlossen. Darunter der Erzbischof von Piura, Eguren (der aus seinem Amt entlassen wurde), sowie Personen wie Erwin Scheuch Pool, Ricardo Trenemann und Miguel Salazar Streiter (siehe Kurzmeldung im InfoPeru).
Das kirchliche Aus für Sodalicio fand ziemlich unspektakulär durch eine Ankündigung im „Amtsblatt“ des Vatikans statt. Das bestätigten die Führungskräfte von Sodalicio in einer kurzen Erklärung auf ihrer Jahrestagung in Brasilien. Aus diesem Umkreis wurde dann die Presse informiert und die „Verräter“ wurden aus der inzwischen aufgelösten Organisation „ausgeschlossen“.
Nun obliegt es dem Vatikan, das (kirchliche) Vermögen und die Liegenschaften von Ex-Sodalicio zu regeln. Dabei ist es dringend notwendig, eine Wiedergutmachung der Opfer auf den Weg zu bringen und sich dafür einzusetzen, dass die Campesinos der Dorfgemeinschaft Catacaos ihr Land wieder zurückbekommen. Offen ist auch, wie die Justiz in Peru in diesem Fall weiter agiert.
Zwei Wochen nach dem Verbot von Sodalicio forderte der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes Peru dazu auf, eine Wahrheitskommission einzurichten, die den sexuellen Missbrauch von Minderjährigen innerhalb der katholischen Kirche untersucht.

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Papst Franziskus als Mann mit festen Prinzipien!?

Der „prinzipielle“ Hintergrund von Papst Franziskus bzw. Kardinal Bergoglio!

Ein Hinweis von Christian Modehn am 5.2.2025.

Immer wieder wird die Frage gestellt: Was bleibt vom zweiofellos außergewöhnlichen Pontifikat des Papstes Franziskus. Ein weites Feld voller Widersprüche unterschiedlicher Beobachter wird damit eröffnet. Die „Stimmen der Zeit“, die deutsche Zeitschrift des Jesuitenordens, hat einen Vorschlag gemacht, das Wesentliche von Jorge Bergoglio/Papst Franziskus zu sehen. Wir haben andere Aspekte vorgestellt LINK.     Zur so genannten „Autobiografie“ von Papst Franziskus, erschienen im Januar 2025 LINK

1.
Papst Franziskus orientiert sich in seinen Entscheidungen – wie auch schon in Argentinien als Oberer der Jesuiten und dann als Erzbischof von Buenos Aires – an einigen abstrakten Prinzipien, sie nennt der Jesuit und Theologieprofessor em. Michael Sievernich „Binome“.

Papst Franziskus hat also seine Prinzipien: Das mag für viele etwas Neues sein, glaubte man doch bisher, der Papst würde eher pastoralen „Launen“ folgen: In der Jesuitenzeitschrift „Stimmen der Zeit“, Ausgabe Februar 2025, will Pater Sievernich unter dem Titel „Die vier Prinzipien des Papst (sic) Franziskus“ zeigen, wie diese Prinzipien einen Zugang bieten zum Verständnis des Denkens und Handels des Papstes (bzw. einstigen Erzbischofs). Der Beitrag wurde anläßlich der Veröffentlichung der so genannten Autobiografie des Papstes mit dem Titel „Hoffe“ publiziert.

2.
Diese wahrscheinlich philosophisch zu nennenden Prinzipen sind für Papst Franziskus universell gültig, betont P. Sievernich. Er nennt einige Beispiele: Die Zeit sei für Bergoglio/Franziskus wichtiger als der Raum. Beim Begriff Zeit denkt Franziskus wohl besonders an die offene, zu gestaltende Zukunft. Raum hat für ihn, so darf man interpretieren, offenbar etwas Stagnierendes. Aber: Raum ist doch immer doch auch Lebensraum, die Welt, die Natur, Heimat, das Volk usw…

3.
Philosophisch problematisch ist eine weitere Bevorzugung des Papstes hinsichtlich der Binome, seiner Prinzipien: Er behauptet: „Die Realität ist mehr wert als die Idee.“ Klingt zunächst symathisch, ist aber näher betrachtet problematisch: Denn Realität als solche, sozusagen absolut objektiv, gibt es nicht, Realität gibt es nur als das sprachlich von unterschiedlichen Menschen unterschiedlich Erkannte, und damit nähert sich eine solche Realität stark der vom Papst zurückgesetzten Idee an… Naheliegend muss man fragen: Wer könnte denn von sich behaupten, die Realität als solche objektiv zu kennen – die Antwort: doch wohl nur der Papst?

4.
Die Frage der höheren Erkenntnis durch die Kirchenführer und Päpste drängt auch sich auf, wenn man liest: „Die Einheit ist mehr wert (superior) als der Konflikt; das Ganze ist mehr wert als der Teil.“ Dieses Zitat von Jorge Bergoglio stammt aus seinem Buch „Meditationen für Ordensleute“, 1982 ein Argentinien (auf Spanisch) erschienen. Das ist wichtig: Die Ordensleute (und wohl alle Katholiken) sollen die Einheit (mit dem Oberen, dem Papst etc.) mehr schätzen als den Konflikt, also die Auseinandersetzung und das Beharren auf subjektiven eigenen Meinungen. Wer eine solche Einheit als höher geltend propagiert, will mit seiner Zurückstellung von Konflikten eben keine Debatten, keinen öffentlichen Streit. Es ist ja der Papst selbst, der für Einheit sorgt und dadurch Konflikte entschärft, übersieht, ignorierst, wie auch immer. Diese Interpretation der Vorliebe Bergoglios/Franziskus´) für die Einheit wird unterstützt durch seine Behauptung: „Das Ganze ist dem Teil übergeordnet“: Das heißt: Der einzelne (als ein Teil im Ganzen) möge sich bitte dem Ganzen fügen. Aber wer ist das Ganze, und wer bestimmt, was das Ganze will? Bei Hegel war es der Weltgeist. In der katholischen Kirche weiß es der unfehlbare Papst.

5.
Der Aufsatz von Prof. em. Michael Sievernich zeigt also einen nach Prinzipien denkenden und handelnden Papst. Aber konkrete Beispiele für die Anwendung dieser Prinzipien, werden nicht genannt. In welchem Licht erscheint dann etwa der Umgang Kardinal Bergoglio SJ mit den beiden rebellischen Jesuiten (Pater Franz Jalics und Pater Orlando Yorio) in der Zeit der Militärdiktatur Argentiniens: Sollten sie sich auch dem Ganzen fügen? Pater Franz Jalics (1927-2021) hat es ja später getan, so wurde im Vatikan behauptet. Überhaupt wundert sich der Leser sehr, dass die Zeit der argentinischen Militärdiktatur in dem Beitrag von Prof. em. Sievernich kaum erwähnt wird. Das wird eigentlich das dringende Thema der selbstverständlich kirchenunabhängigen historischen Bergoglio/Papst Franziskus – Forschung sein. Hoffentlich.

6.
Aber der Beitrag in „Stimmen der Zeit“ zeigt deutlich, aus welchen Quellen sich Bergoglio/Franziskus diese Prinzipien zusammenbaute: Etliche wichtige Namen von Theologen werden da genannt: Lucio Gera etwa, der argentinische Theologe, der die Volksreligion über alles schätzte, was bekanntlich Papst Franziskus als Liebhaber der ziemlich diffusen Volksreligiösität (Liebe zu Ablässen, Heiliges Jahr, Teufelsaustreibungen, Reliquien, Heiligenkulte – Pater Pios offener Sarg im Petersdom usw.) übernimmt. Inspirierend waren bzw. sind für Bergoglio/Franziskus Romano Guardini (1885-1968) und der Jesuit Erich Przywara (1889-1972) und Pater Henri de Lubac (1896-1991), auch der explizite Gegner der angeblich marxistischen Befreiungstheologie Gaston Fessard SJ (1897-1978) wird als „Lehrer“ Bergoglio erwähnt. Man kann nur staunen, dass als Lehrer oder wenigstens als „Inspiratoren“ von Bergoglio/Papst Franziskus nicht die Befreiungstheologen, der Peruaner Gustavo Gutierrez oder Brasilianer Leonardo Boff, erwähnt werden, eine Erwähnung von Hans Küng oder Karl Rahner SJ in der Liste der wichtigen Theologen Bergolios/Franziskus zu erwarten, wäre wohl zu anspruchsvoll. Im ganzen jedenfalls sind es nur Theologen aus der frühen Mitte des 20. Jahrhunderts, die für Bergoglio/Franziskus wichtig und prägend sind … im Blick auf sein Interesse an bestimmten Prinzipien.

7.
Interessanterweise weist Prof. Michael Sievernich, der ein guter Kenner der lateinamerikanischen Kirche und der dortigen Gesellschaft ist, darauf hin: „Das Binom von Wirklichkeit (realidad) und Idee dürfte übrigens für argentinische Ohren Reminiszenzen an den Peronismus auslösen.“ Und es ist sehr enttäuschend, dass Sievernich diese seine Erkenntnis überhaupt nicht weiter vertieft. Denn es ja allmählich bekannt, dass der junge Jorge Bergoglio mit der Jugendorganisation der Peronisten eng verbunden war.
Dies ist wichtig: der irische Journalist und Kulturwissenschaftler Colm Tóibín schreibt in der sehr empfehlenswerten großen Kultur – Zeitschrift „Lettre International“, Frühjahr 2021: „Bergoglio ist ein Peronist, und die Pointe des Peronismus ist es, dass er sich niemals definieren lässt. Die Montoneros, die in den siebziger Jahren Argentinien mit einer Terrorismuskampagne überzogen, waren Peronisten. Und die Eiserne Garde, die rechte Gruppe, mit der Bergoglio in Verbindung stand, bestand ebenfalls aus Peronisten. Präsident Carlos Menem war Peronist und die Präsidenten Kirchner waren es auch. Ein Peronist zu sein, heißt alles und nichts. Es heißt, dass man zeitweise mit genau den Dingen einverstanden sein kann, die man ansonsten ablehnt. Man kann sowohl Reformer sein wie gleichzeitig ein Konservativer“ (S. 74). …“Bergoglio konnte in einem Augenblick den Anarchisten spielen und im nächsten in seine autoritäre Rolle zurückfallen“ (S. 73).Wahrscheinlich sind dies die bisher eher übersehenen Einschätzungen, die zum Porträt Bergoglio/Papst Franziskus unbedingt dazugehören.  Ob der „Peronist“ Bergoglio in diesem Sinne noch zum „Prinzipien-Papst Franziskus“ passt, sei dahin gestellt. Siehe auch LINK.

8.
Diese historisch gut begründete Aussage Tóibins steht der These gegenüber, Bergoglio/Franziskus sei ein Mann der Prinzipien. So klar ist also diese Aussage von Prof. Sievernich dann doch nicht. Ist Franziskus dann doch der eher launische, irgendwie pastoral gesinnte Jesuit, der „allen alles werden“ will, aber de facto niemandem gerecht wird?

9.
Hier noch einmal die vier Prinzipien des Papstes Franziskus, wie sie Prof. Sievernich kommentiert:
Das erste Prinzip lautet: „Die Zeit ist mehr wert als der Raum.“
Das zweite Prinzip lautet: „Die Einheit wiegt mehr als der Konflikt.“
Das dritte Prinzip lautet: „Die Wirklichkeit ist wichtiger als die Idee“
Das vierte Prinzip lautet: „Das Ganze ist dem Teil übergeordnet“.

9.
Es müssen viele kritische Studien gesammelt werden, um die große – auch humane – Problematik dieser vier Herrschaftsprinzipien eines Papstes aufzuzeigen und Widerspruch zu leisten. Post mortem des Papstes wird diese eventuell marginal möglich sein, in kirchenunabhängigen Medien natürlich.
PS: Ich wundere mich nicht, dass ausgerechnet der sehr konservative italienische Politiker Rocco Buttiglione diese vier Prinzipien des Papstes lobt, so betont es jedenfalls Prof. em. Sievernich SJ. Er behauptet – sehr zu recht – dass dieser höchst umstrittene italienische Politiker „enge Verbindungen zum Vatikan hat“. Wikipedia jedenfalls schreibt u.a über Buttiglione: „2002 ermittelte die Staatsanwaltschaft von Monaco wegen des Verdachts der Geldwäsche zugunsten seiner Partei gegen Buttiglione. Es wurde jedoch kein Beweis dafür gefunden, dass er gegen monegassisches Recht verstoßen hat. Gianpiero Catone, ein leitender Mitarbeiter Buttigliones, wurde in Italien wegen betrügerischen Bankrotts angeklagt. Gegen diesen wird zudem wegen des Verschwindens mehrerer Millionen Euro aus italienischen und EU-Fonds ermittelt.“ (Siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Rocco_Buttiglione, gelesen am 5.2.2025)

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

Die Kirchen in Deutschland sind jetzt gegen die MERZ CDU/CSU!

Ein Hinweis zum historischen Bruch zwischen den Kirchen und den beiden sich christlich nennenden Parteien
Von Christian Modehn am 29.1.2024.

Ergänzung am 8.2.2025:

Der katholische Theologe Prof. Matthias Möhring-Hesse (Uni Tübingen) hat auf der website von kath.de  am 8.2.2025 einen Gastbeitrag verfasst, der sehr gut die Distanz eines katholischen Theologen  zur jetzigen CDU und zu den Taktiken des Herrn Merz darstellt. Wir hoffen sehr, dass viele noch CDU Wähler diesen Beitrag gründlich studieren und ihre Konsequenzen ziehen. Hier nur ein Auszug aus dem lesensweren Beitrag:

„In der vergangenen Woche brachte der SPD-Fraktionsvorsitzende, Rolf Mützenich, die Hölle ins Spiel...: In ihrem Bestreben, im Wahlkampf eine „Wende der Migrationspolitik“ (Friedrich Merz) vorzuführen, haben die Unionsparteien – „sehenden Auges“ (Angela Merkel) – eine parlamentarische Mehrheit mit der extrem-rechten AfD herbeigeführt und damit das „Tor zur Hölle“ aufgestoßen. Ein gewaltiges Bild, zweifelsohne. Rhetorisch übertrieben, womöglich. In der Sache – zutreffend….Indem die Unionsparteien eine parlamentarische Mehrheit mit der extremen Rechte gebildet haben, haben sie – so Mützenich – das „Tor zur Hölle“ geöffnet. Dieser Vertrauensbruch durch Merz ist von nachhaltiger Wirkung: Wenn die parlamentarische Mehrheit in der letzten Woche mit der extremen Rechten gesucht wurde, dann wird sie auch in näheren und weiteren Zukunft gesucht werden. Die erste Mehrheit mit der extremen Rechten hat etwas von der endgültigen Abwendung von der Demokratie – und genau dieses etwas kann mit der Metapher von der Hölle ins Bild gesetzt werden.

Es kommt darauf an, dass sich die Unionsparteien den Schaden, den sie verursacht haben, eingestehen und in das von Demokrat:innen bespielte Feld politischer Auseinandersetzungen zurückkehren. In beiden Hinsichten haben sich die Unionsparteien und allen voran ihr Kanzlerkandidat bislang verweigert – und haben stattdessen ihre eigene Abwendung umgedeutet und – schlimmer noch – auf ihre Kritiker:innen hin projiziert.“

Prof. Matthias Möhring – Hesse. Quelle: LINK

Ergänzung am 11.2.2025: Die CDU/CSU sollte von Christen nicht mehr gewählt werden. Das „C“ dieser Parteien ist eine Lüge LINK:

1.

Die Kirchen und ihre verantwortlichen offiziellen LeiterInnen in Deutschland werden im Ton jetzt klarer und schärfer: In ökumenischer Eintracht weisen sie heute (29.1.2025) deutlich die Pläne der so genannten „christlichen“ Parteien und ihres Führers Merz zurück, die Asylgesetze nun radikal nach nationalistischem Gusto und gegen europäische Bestimmungen zu verändern. Diese Kritik der Kirchen ist ein Ereignis. Und es könnte heute der Tag sein, an dem die letzten Reste der Bindung von Christen, die sich nicht nur so nennen, an diese CDU/CSU aufgegeben werden. Es stehen vielleicht Namensänderungen dieser Parteien bevor? Das wäre wenigstens ehrlich. Siehe dazu auch den Kommentar von Pater Stefan Kiechle SJ, Redakteur der Monatszeitschrift „Stimmen der Zeit“.

2.

Zum ökumenischen Dokument der Kirchen: Verfasst von der Prälatin Anne Gidon als Bevollmächtige des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland und Prälat Karl Jüsten für das Kommissariat der deutschen Bischöfe, es ist ein Brief an die Fraktionen des Bundestags.

Siehe den aktuellen Beitrag vom 30.1.2025, der auch deutlich macht, dass ein reaktionärer katholischer Bischof (Voderholzer, Regensburg) gegen dieses vernünftige Schreiben protestiert: : LINK:

Die ist der LINK  vom 29.1.2025: https://www.tagesspiegel.de/politik/befremden-uns-zutiefst-christliche-kirchen-geisseln-plane-von-cdu-und-csu-13105660.html

3.

Der Kommentar von Pater Stefan Kiechle SJ zu „Christen und CDU/CSU“:

https://www.katholisch.de/artikel/59155-fuer-christen-wird-es-immer-schwerer-die-cdu-von-merz-zu-waehlen

4.

Kanzler Scholz sagt am 29.1. 2025 zu CDU Friedrich Merz: „Die Kirchen haben vor Ihren Vorschlägen gewarnt“: LINK

5.

Bleibt nur unsere philosophisch begründete Hoffnung, dass dieser Brief der Kirchen weit verbreitet wird, dankend und denkend in den Gemeinden entgegengenommen wird…. und dass dieser Brief anstelle von Predigten am Sonntag (auch am 23.2.) verlesen wird ….

Copyright: Christian Modehn Religionsphilosophischer Salon Berlin
www.religionsphilosophischer-salon.de

 

Das Trump – Regime kritisieren: Die großartige Bischöfin Mariann Edgar Budde.

Ein Hinweis von Christian Modehn am 22.1.2025.

Ergänzung am 2.2.2025: Siehe auch den Hinweis zur Einschätzung von Trump durch die Theologin Hille Haker, USA.Hier Nr.9.

1.
Die Bischöfin hat Mut: Sie kritisiert beim traditionellen Gottesdienst einen Tag nach der Amtseinführung Präsident Trump und die Seinen und seine Clique. Und die sitzen in den Kirchenbänken, sie müssen zuhören, schließlich geben sie sich ja irgendwie als „Gott-gläubig“ aus, wie Trump oder als katholisch wie sein Vizepräsident Vance, sie können also die „National Cathedral“ im Nordwesten von Washington D.C. nicht verlassen.

Diese Worte der Bischöfin Mariann Edgar Budde (65) von der Episcopal-Church werden – weltweit – im Gedächtnis bleiben, es sind mutige Worte, man könnte sagen von prophetisch – kritischem Geist bestimmt: So viel Mut hat nur eine Frau gegenüber dem selbsternannten All-Herrscher. Ein Auszug aus der Predigt der Bischöfin:

2.
„Lassen Sie mich eine letzte Bitte äußern. Millionen Menschen haben ihr Vertrauen in Sie gesetzt. Und wie Sie gestern der Nation erzählt haben, haben sie die schützende Hand eines liebenden Gottes gespürt. Im Namen unseres Gottes bitte ich Sie, Erbarmen mit den Menschen in unserem Land zu haben, die jetzt Angst haben.“ Und die Bischöfin erwähnt schwule, lesbische und transgender Familien, Trump hatte in seinem Wahn schon in seiner Antrittsrede erklärt, dass er per Dekret verfügt, dass es nur zwei Geschlechter gibt, Transgender Menschen haben keine Lebensrecht.
3.
Die Bischöfin denkt auch an die von Trump Wahn bedrohten Einwanderer, sie sagt: „Diese Menschen bestellen unsere Felder, sie reinigen unsere Bürogebäude, arbeiten in Geflügelfarmen und auf Schlachthöfen, waschen das Geschirr ab, nachdem wir in Restaurants gegessen haben, und diese Einwanderer übernehmen Nachtschichten in Krankenhäusern“. Sie seien vielleicht keine offiziellen Staatsbürger, „aber sie zahlen Steuern und sind gute Nachbarn“. Und sie seien gläubige Mitglieder „unserer Kirchen, Moscheen, Synagogen, Gurdwaras und Tempel.“

4.
Wie zu erwarten explodierte Trump nach dieser kritischen prophetischen Rede der Bischöfin: Er wetterte gegen die, wie er sagte, linksradikale Trump -Hasserin, nannte sie eine so genannte Bischöfin, der Gottesdienst sei insgesamt langweilig gewesen. Und natürlich auch dies: Trump fordert von der Bischöfin und der Kirche eine Entschuldigung. Republikaner – Politiker wollen die Bischöfin auf die „Abschiebeliste“ setzen…Interessant, dies nun noch mal offiziell zu hören: „Abschiebeliste“.

5.
Wie erbärmlich devot und ergeben dagegen war das Gebet, das der New Yorker Cardinal Timothy Dolan zur Amtseinführung sprach (Fußnote 1), wie albern auch die religiöse Show, an der sich auch ein Rabbiner und ein Evangelikaler mit frommen Worten beteiligten, Bilder der Trump Ergebenheit bestimmter Religionsführer, die Ergebenheit erinnert manche an die Verbundenheit der Russisch – Orthodoxen Kirche mit dem Diktator PUTIN.

6.
Es ist davon auszugehen, dass das Trump – Regime auch einen Kirchen – Kampf eröffnen könnte und dann genau unterscheidet: Zwischen Trump -gewogenen Frommen, vor allem den Evangelikalen, die werden gefördert. Und die anderen, die kritischen Theologen und Bischöfen aus den verbliebenen kritischen und weithin vernünftigen so genannten „Mainline – Churches“ (Episcopals, Presbyterians, einige Lutheraner und etliche Katholiken), sie werden wohl unter Trump ausgegrenzt und mundtot gemacht.

7.
Die Predigt von Bischöfin Mariann Edgar Budde ist nicht nur historisch, sie ist ein Hoffnungszeichen, dass sich Widerstand gegen Trump schon jetzt, sofort, äußert. Und auch dies: PolitikerInnen mit demokratischer Gesinnung in den wenigen verbliebenen demokratischen Staaten hätten wohl nie und nimmer den Mut, solche Worte an Mister Trump zu richten. Sie bleiben diplomatisch, wollen es sich nicht mit dem absoluten Machthaber verderben, sie haben Angst vor Trump. Er wird als absoluter Herrscher akzeptiert?

8.

Die in den USA lehrende deutsche Theologin Hille Haker sieht in der aktuellen Politik der Regierung von Donald Trump Parallelen zu den Anfängen der Nazi-Herrschaft im Deutschland der 1930er Jahre.

„Wir können uns plötzlich vorstellen, wie das nach dem Ermächtigungsgesetz 1933 gewesen ist“, sagte Haker am Wochenende dem Bayerischen Rundfunk. Die Demokratie werde auf dramatische Weise abgebaut.

Haker nannte ein Beispiel von ihrer Arbeitsstelle. Sie lehrt seit 2012 theologische Ethik an der Loyola University Chicago, einer Einrichtung des katholischen Jesuitenordens. Jüngst habe sie von der Uni eine Mail mit Verhaltenstipps für den Fall bekommen, dass Grenzpolizisten in die Vorlesungssäle kommen, um nach Menschen ohne Papieren zu suchen. Man solle sofort die an der Uni zentral zuständige Person kontaktieren, so Haker. Es gehe insbesondere um die Abschiebung von Menschen aus Lateinamerika, führte die Wissenschaftlerin aus. Ein Kollege mit kubanischen Wurzeln, aber US-Staatsbürgerschaft, trage aus Sorge vor Kontrollen nun ständig eine Kopie seines Passes im Portemonnaie. Es handle sich bei dem Mann immerhin um den US-Botschafter beim Vatikan unter Präsident Barack Obama. „Wenn selbst der Angst hat – und zwar nicht abstrakte Angst, sondern Angst, dass er aufgegriffen wird -, dann weiß man doch, was hier los ist“, sagte Haker. Ähnliches wie aktuell für Menschen mit lateinamerikanischem Hintergrund könne bald auch für religiöse Minderheiten wie Muslime gelten, ergänzte sie.

Die Theologin äußerte sich in diesem Zusammenhang pessimistisch in Sachen Rechtsschutz: „Die Hoffnung, dass die Gerichte da dazwischengrätschen, so wie das 2017, 2018, 2019 der Fall gewesen ist – das wird hier nicht mehr hinhauen, weil es dieser Administration eigentlich ziemlich wurscht ist, was die Gerichte sagen.“

Allerdings sei die Hälfte der US-Gesellschaft gegen den Präsidenten eingestellt, betonte Haker. Es gebe eine unglaubliche Willenskraft, sich Trumps Politik entgegenzustellen, und zahlreiche Hilfs- und Solidaritätsmaßnahmen etwa für Migranten.

https://www.vaticannews.va/de/kirche/news/2025-02/theologin-trump-politik-erinnert-an-ermachtigungsgesetz.html?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=NewsletterVN-DE

…………

Fußnote 1:
Aus dem Gebet von Cardinal Dolan für Trump am 20.1.2025::
„We, blessed citizens of this one nation under God, humbled by our claim that “In God We Trust,” gather indeed this Inauguration Day to pray: for our president Donald J. Trump, his family, his advisers, his Cabinet, his aspirations, his vice president; for the Lord’s blessings upon Joseph Biden, for our men and women in uniform, for each other, whose hopes are stoked this new year, this Inauguration Day, we cannot err in relying upon that prayer from the Bible, upon which our president will soon place his hand in oath, as we make our own the supplications of King Solomon for wisdom as he began his governance…“

……….

Zur Predigt von Bischöfin Mariann Edgar Budde etwa den Bericht in der Tageszeitung Standard, Wien: https://www.derstandard.at/story/3000000254028/die-pastorin-die-trump-nicht-zum-ersten-mal-die-leviten-gelesen-hat

Und auch ein Video: https://de.video.search.yahoo.com/yhs/search?fr=yhs-tro-freshy&ei=UTF-8&hsimp=yhs-freshy&hspart=tro&p=Mariann+Edgar+Budde&type=Y219_F163_204671_042423#id=0&vid=7648f2b81cb1279903393fe80cc53d6b&action=click

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.

Als Jesus zum Gott erklärt wurde: Das Bekenntnis des Konzils von Nizäa (325) überwinden

Ein Hinweis von Christian Modehn am 22.1.2025.

Aktuell:  Papst Leo XIV. wird am 27.11.2025 in die Türkei reisen, um dort (in Isznik) das Konzil von Nizäa, vor 1.700 Jahren, im Jahr 325, zu feiern, zu würdigen und auch als aktuell-bedeutsam hochzupreisen und herauszustellen, in ökumenischer Gemeinschaft mit dem Ehrenoberhaupt der Orthodoxie, dem Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel; auch der Generalsekretär des Weltrats der Kirchen, Prof. Jerry Pillay, von der Refomierten Kirche in Südafrika, wird beteiligt sein.  Der Religionsphilosophische Salon Berlin, als Ort der üblichen Religionskritik und einer vernünftigen, modernen Theologie kann in den Jubel über das nach wie vor als solches gültige Glaubensbekenntnis von Nizäa (325) überhaupt nicht einstimmen. Dazu sind einige Erläuterungen notwendig. 

Das Vorwort:

Die Kirchenführer und viele ihrer TheologInnen klammern sich auch heute sehr gern an Vergangenes, verteidigen alte, eigentlich unergiebige, „tote“ Dokumente, wiederholen sie, kauen sie durch, beten sie nach. Darum geht es in diesem Beitrag am Beispiel uralter Glaubensbekenntnisse, vor allem des Bekenntnisses von Nizäa (im Jahr 325).
Und wir schlagen theologisch und philosophisch gut begründet vor, diese beinahe neurotisch wirkenden Bindungen an nicht mehr nachvollziehbare Definitionen des Christlichen („Bekenntnisse“) aufzugeben. Damit der christliche Glaube als eine universell argumentierende Lehre von humaner Weisheit noch eine Chance des Respekts hat weltweit. Und wir schlagen vor: Neue, nachvollziehbare Aussagen zum eigenen Glauben in heutigen Sprachen zu formulieren.

Das Konzil von Nizäa und die dann folgenden Konzilien in Konstantinopel und Chalcedon haben die Idee der Hierarchie absolut in den Mittelpunkt gestellt, diese Hierarchie – Ideologie war herrschend wie ein Denk – Zwang und sicher das oberste aller Dogmen: An der obersten himmlischen Spitze ruht Gott, in der weltlichen Realität gibt es die Hierarchie innerhalb des Klerus und die Konkurrenz zwischen dem obersten Kleriker (Papst) und dem obersten weltlichen Herren (Kaiser etc.). Diese Idee, dass die Wirklichkeit hierarchisch „geordnet“ ist, hat bis heute ihren Wahn durchsetzen können und damit die Kirchen außerhalb der demokratischen Welt und der Menschenrechte platziert. Über die Wirkung der Hierarchie – Ideologie etwa im orthodoxen Russland bis heute, siehe unten Fußnote 3.

Ergänzung am 16.2.2025: Erstaunlich ist, dass die offiziell – katholische Wochenzeitung des katholischen Herder – Verlages „Christ in der Gegenwart“ Heft 6, 2025, Seite 3-4, einen kritischen Beitrag zum Konzil von Nizäa und dem dort formulierten Glaubensbekenntnis druckt. Den Beitrag verfasste der katholische Prof. emer. für Neues Testament (Graz) Peter Trummer. Einige seiner Erkenntnisse stimmen mit unserer weitreichenden Kritik an Nizäa und den folgenden überein. Leider wird bei Trummer nicht deutlich, wie denn nun von Jesus Christus zu sprechen ist, wenn Jesus von Nazareth endlich nicht mehr als Gott angesprochen und verehrt wird. Darauf eine positive Antwort zu geben, macht katholischen Theologen offenbar noch immer Angst. Auch zur Frage der Überwindung und Abschaffung von nicht mehr nachvollziehbaren Dogmen bietet dieser sonst lesenswerte Beitrag keine Antwort.   LINK

Ergänzung am 30.12.2025: Schon 1973 sah Prof. Bernhard Welte, ein prominenter katholischer Theologe und Religionsphilosoph, dass die Bekenntnisaussagen über Christus als Gott heute nicht mehr wiederholt und nachgesprochen werden sollten. Welte benutzte für diese von ihm geforderte Überwindung des Nizäa/Chalcedon-Bekenntnisses den Begriff „Verwindung“, durchaus im Anschluß an Martin Heideggers Begrifflichkeit. Bernhard Welte sprach auch von einem „Paradigmenwechsel“: Die Aussagen über Christus in den Konzilien der Antike (Nizäa, Chalcedon) sind an „philosophische Denksysteme“ gebunden, die heute nur als relativ gelten können. Welte betonte: „Im Konzil von Nizäa kam das Seinsverständnis der abendländischen Metaphysik in der Theologie zur Herrschaft, während das in der Bibel vorherrschende Seinsverständnis ursprünglich vor-metaphysischer Natur war und am ehesten vom Begriff des Ereignisses her deutbar scheint“ (B. Welte, Gesammelte Schriften, IV/2, S. 124). Deswegen plädierte Bernard Welte für ein Neuverständnis dieser antiken, metaphysischen Bekenntnisse zu Christus als Gott, er sprach von „einer Rückübersetzung der dogmatischen Aussagen von damals auf die Ebene der biblischen Rede.“ (ebd., S. 128). Werden diese Vorschläge Bernhard Weltes jetzt, 2025, respektiert und weitergeführt? Ich habe nicht den Eindruck. Es herrscht unter Theologen und Kirchenführern  nach wie vor eine Art erstarrte Begeisterung fürs Wiederholen uralter Glaubens – Formeln …. die heute zu Floskeln geworden sind.

1.

Das ökumenische Konzil von Nizäa vor 1700 Jahren (325) elementar zu kennen und kritisch zu bewerten, ist also nicht bloß Thema für Fachtheologen und Fachphilosophen.
Denn mit dem metaphysisch abstrakten Glaubensbekenntnis des Konzils von Nizäa (der Text: Fußnote 1) wurde der christliche Glaube zu einer Art spätantiker Theorie bzw. Ideologie. Wer als Christ glaiuben will, wird förmlich eingezwängt in diese alte Welt…

In dem Glaubensbekenntnis von Nizäa (auch noch in den Bekenntnissen späterer Konzilien) wurde die Verbundenheit mit dem Juden Jesus von Nazareth weitgehend ausgelöscht. Der Grund: Weil die Kirche eine Religion für alle (also für die Heiden) sein wollte, glaubten die Kirchenführer, die Nähe der Kirchen zum Juden Jesus von Nazareth (und damit zum Judentum insgesamt) stark reduzieren zu müssen. Gott wollten diese Theologen und ihre theologisch bestimmenden christlichen Kaiser mit ihren philosophischen Formeln „in den Griff bekommen“. Dieser maßlose Anspruch wäre ein eigenes Thema! Dadurch, so hofften diese Herren, sollte der christliche Glaube universell für alle gedanklich erreichbar sein, was vielleicht für einige gebildete Philosophen damals zutraf. Aber spätestens seit 1000 Jahren nicht mehr zutrifft angesichts der Internationalisierung und „Inkulturation“ der Kirchen in vielen Kulturen.

2.

Das ist entscheidend: Es wurde in Nizäa 325 und danach nicht der Versuch gemacht, die allgemeinen (also über das damalige Judentum Jesu hinausgehenden) humanen Weisheitslehren Jesu von Nazareth ins Glaubensbekenntnis aufzunehmen. Also den Menschen Jesus von Nazareth als Vorbild auch für die Heiden darzustellen. Stattdessen wird allen Menschen weltweit bis heute die Kenntnis der Begriffe spätantiker Philosophie und Metaphysik zugemutet, wenn sie ein Bekenntnis sprechen. Spätantike Denkweisen und Formeln bestimmen die seit Nizäa geltenden Glaubensbekenntnisse.

3.

Das Konzil von Nizäa und seine Botschaft ist also heute für fragende, nachdenkende Menschen nur ein riesiges philosophisches metaphysisches Problem, für eine persönliche Spiritualität eher nur eine Belastung. Lässt sich der Verzicht auf die sehr ungewöhnlichen „unorthodoxen“ Weisheitslehren Jesu von Nazareth im Bekenntnis des Konzils von Nizäa und danach noch korrigieren? Dies sollte eine der entscheidenden kritischen Fragen anläßlich des Nizäa – Jubiläums 2025 sein.

4.

Diese Bekenntnisse der Konziliens von Nizäa und Konstantinopel haben  heute nur noch einen historischen Wert! Sie sind keine Hilfe für ein humanes Leben im Sinne der Weisheitslehren des Jesus von Nazareth. Ob mit unserer Abwehr dieser Konzils – Bekenntnisse jetzt konstruktive weiterführende Debatten eröffnet werden, ist bei der Bindung der katholischen und orthodoxen und einiger lutherischer Theologen an die Kirchenführung zweifelhaft. Die Führer der großen christlichen Kirchen (vor allem des Katholizismus und der Orthodoxie) freuen sich, alsbald in Nizäa (heute Iznik, Türkei) all das vor 1.700 Jahren Gesagte zu feiern und zu bestätigen. Als hätten die Kirchen in dieser verrückt gewordenen, ins Antidemokratische abrutschenden Welt nichts Dringenderes zu tun…
Die Kirchenführer werden das Glaubens-Bekenntnis aus dem Jahr 325 also bestätigen und nachbeten (nur ein Beispiel für diese Haltung: Fußnote 2).

5.

Die Kirchenführer und ihre Theologen waren nach 325 in ihren Bekenntnissen nur noch an der abstrakten Gestalt eines universellen Christus interessiert, Christus sollte jene göttliche Heilsgestalt sein, dem sich alle Menschen weltweit als ihrem „Erlöser“ anschließen sollten. Die Kirchenführer glaubten dabei, völlig unbescheiden, mit Unterstützung der Kaiser, von Gott sehr Genaues im Detail zu wissen: Die Ferne der Menschen von Gott und der Menschen Sündhaftigkeit könne nur durch Gott persönlich geheilt werden. Darum muss in diesem Denken Gott selbst in die Welt kommen, und zwar in der Gestalt des Logos, des Sohnes bei Gott – Vater, er, der Logos, steigt aus dem Himmel auf die Erde herab. Und dieser Logos als „Sohn Gottes im Himmel“ soll nun der Christus auf Erden sein, er wird eins mit dem Menschen Jesus von Nazareth…Tatsächlich war also diese universelle Christusgestalt (der universelle Logos) immer noch etwas mit dem Menschen Jesus von Nazareth verbunden und deswegen sprach man und spricht heute noch von „Jesus Christus“. Es gibt dabei das typische undeutliche Schwanken zwischen Jesus und dann Jesus Christus oder schließlich nur noch „Christus“ – etwa als Pantokrator (Allherrscher) in den Basiliken des 5. Jahrhunderts. Dieses unentschiedene Schwanken ist bis heute vorherrschend, auch in üblichen Kirchen-Liedern zu beobachten, etwa in den populären Weihnachtsliedern, aber das ist ein anderes Thema.

6.

Einige zentrale Informationen zum Konzil von Nizäa (325):

Die Voraussetzung für dieses große ökumenische Bischofs – Treffen: Kaiser Konstantin hatte sich 312 dem Christentum zugewandt. Er war von der wundertätigen Lehre der Christentums und seines Gottes so begeistert, dass er sich als Laie stolz wie ein Bischof gerierte und das Konzil einberief und inhaltlich bestimmte. Der Kaiser war leidenschaftlichst daran interessiert, die vielfältigen Kirchen, damals noch eine Minderheit von 10 Prozent der Bewohner des Reiches, einig und stark zu machen. Denn in der Sicht der Mehrheit hatten sich problematische theologische Lehren ausgebreitet, etwa die Lehre des Theologen Arius: Er behauptete: Jesus Christus sei nur ein Geschöpf Gottes, des ewigen „Gott – Vaters“. Aber Jesus Christus sei selbst nicht als Gott zu bezeichnen. Genau darüber berieten die ca. 300 Bischöfe in Nizäa, und sie kamen zu dem Schluß: Jesus Christus ist mit Gott, dem Vater, wesensgleich („homoousios“ heißt das viel zitierte griechische Wort) und wesenseins mit Gott- Vater. Und der wird als der Schöpfer der Welt gedacht. Wichtiger aber ist: Jesus Christus wurde als Gott bezeichnet und sollte als Gott verehrt werden. Es ist also der göttliche Logos, der Sohn von Gott – Vater, der in Jesus von Nazareth Mensch wird und einige Jahre auf dieser Erde, in Judäa – Israel, gelebt hat.

7.

Nebenbei etwas theologisch Absurdes:
Dieses Problem liegt nahe, wird aber kaum theologisch diskutiert: Wenn der göttliche Logos (der Sohn) also auf die Erde „herabsteigt“, wie es heißt, und sich mit dem Juden Jesus von Nazareth vereint, dann ist doch der Platz des „Sohnes“ (Logos) neben Gott – Vater im Himmel für ein paar Jahre leer. Das heißt: Es gab also einmal eine „Logos – freie Zeit“ im Himmel: Wenn man das Problem auf die Trinität bezieht, muss man sagen: So etwa ab dem Jahr 2 bis ca. zum Jahr Jahr 35 (in diesen Jahren lebte Jesus) gab es nur eine unvollständige Trinität im Himmel, eben nur Gott Vater und den heiligen Geist. Erst nach Jesu Auferstehung war der Logos wieder im Himmel…Man sieht an diesem Beispiel, zu welchen absurden Spekulationen man heute noch kommt, wenn man das Dogma bedenkt: Jesus ist Gott.

Das Konzil von Ephesus (431) lehrte dann weiterführend zu „Christus ist Gott-Mensch“: Maria, die Mutter Jesu von Nazareth, ist die Gottes-Mutter. Mit diesem Titel Gottes-Mutter wurde die weite und willkürliche Praxis der Marien-Verehrung, des Marien – Kultes definitiv eröffnet. Alle nur denkbaren Titel wurden dieser Gottesmutter (in der Kunst: Maria im Himmel, neben Gott selbst platziert) zugesprochen, die fromme volkstümliche Phantasie war und ist maßlos. Man denke an den Wunderglauben in Marien – Wallfahrtsorten Lourdes, Fatima, Medjugorje usw…Nur durfte nicht gesagt werden: Katholiken haben auch eine weibliche Gottheit (Maria), obwohl das sicher viele KatholikInnen subjektiv bis heute im Volksglauben meinen. Und viele, bis heute offizielle Marienlieder, haben auch den Inhalt: Maria ist die Retterin, die Gnadenvolle usw… nur die „Miterlöserin“ darf sie offiziell nicht genannt werden, das wäre selbst dem Papst zu viel des Frommen. etc… LINK

8.

Man hat in den Kirchen immer vermieden, wenn von der Menschwerdung des Logos die Rede war, zu sagen: „Der Logos wurde Jude.“ Denn Gott wurde doch nicht im allgemeinen „irgendwie ein Mensch“. Richtig wäre doch:: „Gott wurde Jude, in Jesus von Nazareth.“ Dann hätte die Kirche sagen müssen, welche Aspekte des unorthodoxen Juden Jesus von Nazareth als Weisheitslehrer nach wie vor für alle Menschen relevant sind. Über die allgemein menschlichen, also nicht explizit jüdisch gefärbten Worte Jesu spricht der katholische Theologe und Dominikanermönch Richard Glöckner in seinem Buch (siehe Literaturangaben) auf S. 140 ff. „Den Kern und das Zentrum der Botschaft Jesu bilden seine Gleichnisse vom Reich Gottes“ (S. 142) „Jesus denkt und spricht in den Gleichnissen außerhalb der jüdisch-heilsgeschichtlichen Traditionen und Vorstellungen. Aber diese Ansätze sind von der frühen Kirche nicht aufgenommen und weiterentwickelt worden.“ (S. 144). Wohl wahr, weil die Kirchen und ihrer Theologen nicht in der Lage waren, seit Nizäa die universale Erlösergestalt Christus (=“Logos) mit dem universalen Weisheitslehrer Jesus von Nazareth und seinen universalen (nicht mehr nur jüdischen, sondern allgemein-menschlichen) Lehren zu verbinden. Das Buch des katholischen Theologen Richard Glöckner hat – soweit ich sehe – leider keine Aufmerksamkeit unter Theologen gefunden. Dabei gäbe es dort vieles zu diskutieren…

9.

Die Gültigkeit der Konzilsbeschlüsse von Nizäa und den danach folgenden Konzilien mussten von den jeweiligen Kaisern (!!) bestätigt werden. Der Kampf um die geistliche, theologische Vormacht von Kaisern und Päpsten hatte begonnen.
Theologen und Bischöfe, die sich gegen die von der Mehrheit angenommenen Bekenntnisse wandten, wurden exkommuniziert, so etwa der in Alexandrien lehrende Theologe Arius. Gegen ihn wandte sich besonders der äußerst einflußreiche heftige Patriarch von Alexandria, Athanasius, mit aller Macht.
Aber mit Gewalt und Strafen lassen sich Ideen nicht töten: Auch Arius sammelte seine Anhänger… Die jeweiligen Feinde des Bekenntnisses wurden bis aufs Blut verfolgt, es kam zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Ein abstraktes, philosophisch – metaphysisches Glaubensbekenntnis hat also heftiges Unheil bewirkt, Frieden jedenfalls nicht. Und die erwünschte theologische Einheit als Uniformität zur Sicherung der Innenpolitik im Reich brachte das Konzil auch nicht hervor. Die Kirchen blieben zerrissen und zerspalten, eine Pluralität setzte sich faktisch also doch etwas durch. Auch nach dem Konzils von Chalcedon (451) wurde die gegensätzliche, verfeindete und nicht mehr zu versöhnende Vielfalt der Kirchen mit ihren unterschiedlichen Glaubensbekenntnissen evident, etwa in den so genannten „alt-orientalischen Kirchen“, die (in Äthiopien, als Kopten in Ägypten usw..) bis heute glauben: Jesus Christus habe nur eine einzige, nämlich eine göttliche Natur. (Monophysiten).

10.

Im Konzil von Konstantinopel (381) wurde auch die Göttlichkeit des heiligen Geistes als Dogma und Glaubensbekenntnis verkündet. Der heilige Geist wurde als dritte Person Teil der göttlichen Wirklichkeit. In der Trinitätslehre wurde das gedankliche Wagnis ausgesprochen: Drei Personen, Vater, Sohn und Heiliger Geist, haben nicht nur das eine göttliche Wesen gemeinsam, sie sind auch zu dritt dieses eine göttliche Wesen. Der Theologe Hermann Baum nennt in seiner sehr empfehlenswerten Studie „Die Verfremdung Jesu“ (Düsseldorf 2006, S. 154) diese Trinitäts-Lehre zurecht ein „bloßes Gedankenkonstrukt“ (S. 154)… „Es entzieht sich jeder menschlichen Vorstellungskraft“ (S. 155). Und man kann mit Hermann Baum nur schmunzeln, wenn dieses gedankliche Ungetüm den Glaubenden bis heute als absolutes Geheimnis, als hinnehmbares und hinzunehmendes göttliches Mysterium empfohlen wird. Da war der in den Niederlanden lehrende katholische Theologe Edward Schillebeeckx mutiger und vor allem ehrlicher, wenn er sagte: Auf diese Trinitätslehre könnte die Kirche heute verzichten (LINK ) Aber das macht sie nicht, sie mutet den Glaubenden Unsägliches, Mysterium genannt, Nicht-Nachvollziehbares, zu. Das heißt: Die Kirchen bieten bis heute den Glaubenden „Steine statt Brot.“ Die Frommen lieben aber vielleicht das Unverständliche, das Mysteriöse, das Spinöse, das sie auch zusätzlich und anderweitig in esoterischen Kulten finden und pflegen. Religion wird also von den Kirchen selbst ins Nebulöse gedrängt. Und der alles interpretierende Klerus kann seine phantasiereiche Macht zeigen…

11.

Wird nun aber Jesus Christus als Gott und zugleich auch als Mensch gedacht und verehrt, entsteht wie von selbst die Frage: Hat der in Palästina lebende Jesus (Christus) denn nun zwei Willen gehabt, einen göttlichen und einen menschlichen Willen? Wie passten diese beiden Willen in der einen Person Jesus Christus zusammen? Diese hochspekulativen Fragen will ich hier nicht weiter ausbreiten: Es sollte nur erinnert werden, mit welchen hochspekulativen Thesen sich die Christen damals befassten, als sie sich eingelassen hatten auf die Übernahme spätantiker Philosophie zur Formulierung des universellen christlichen Glaubens. Ein hübsches Detail zu den zwei Willen (göttlicher Wille und menschlicher Wille) in der einen Person Christi: „Als Papst Martin I. (649 – 653) sich zugunsten von zwei natürlichen Willen in Jesus Christus äußerte und ihn die Patriarchen von Konstantinopel und Alexandrien wegen ihrer Ansicht: „Jesus Christus hatte nur einen Willen“ mit dem Kirchenbann belegte, ließ ihn der Kaiser im Jahr 653 nach Konstantinopel verschleppen und als Hochverräter auf die Krim verbannen. Im Konzil von Konstantinopel 680 wurde dann aber doch gelehrt: Jesus Christus habe zwei Willen gehabt, „ungetrennt, unveränderlich, unteilbar und unvermischt in ihm“, wie es „weise“ und unverständlich heißt. (Siehe dazu das Buch des katholischen Theologen Hermann Baum, „Die Verfälschung Jesu“, S, 161.)

12.

In dem Nizäa – Bekenntnis (im Jahr 325) ist, wie gesagt, von dem ungewöhnlichen unorthodoxen Juden Jesus von Nazareth nur sehr marginal die Rede. Kein Wort in einem offiziellen Glaubensbekenntnis von der Bergpredigt Jesu, von Jesu Gleichnissen, von seiner Verbundenheit mit den Menschen, den Frauen, den Leidenden usw. Es ist der Verlust des Erzählens, der diese Glaubensbekenntnisse so ins Abstrakte – Uninteressante – Nicht – Bewegende führt. Es wird keine abschauliche Geschichte erzählt von diesem Christus, den man nun ehren und verehren soll. Die dann für allgemein – gültig erklärten und ewig nachgeplapperten Bekenntnisse sind so entleiblicht und enthistorisiert, dass sie Assoziationen an den Charme von Parteiprogrammen wecken, schreibt mir ein Freund. Und, wie gesagt, es ist traurig, dass diese Ideologie bis heute fortgesetzt wird. „Erlösung erscheint hier isoliert vom aktuellen Leben, Erlösung wird bezugslos…Allein das historisch greifbare irdische Wirken Jesu von Nazareth vermag das zu erschließen, was christlich Erlösung bedeutet.“ (So der katholische Theologe Hans Kessler, S. 59 und 61). Und der katholische Professor für Altes Testament Fridolin Stier schreibt in seinen „Aufzeichnungen“ „Vielleicht ist irgendwo Tag“ ( Herder – Verlag 1993 S. 38): „Haben die christologischen Bekenntnissätze, die Dogmen, die sagen, definieren, bestimmen, was Jesus ist, als solche die Kraft, die Begegnung mit Jesus zu vermitteln? Oder ist es so, dass von der christologischen Ikone die Aktivität des lebendigen Jesus verdeckt wird?“ Noch deutlicher wird der Theologe und Historiker Maurice Sachot, der in seinem Buch den Religionshistoriker René Nouailhat (Strasbourg) zitiert: „Die christologischen Definitionen sind nicht mehr Ausdruck der Glaubensbekenntnisse von Personen oder von Gruppen. Die Definitionen drängen sich vielmehr auf wie institutionelle Kategorien, wie der Ausdruck eines neuen Machtdiskurses …“ (Seite 214).

13.

Der Vorschlag: 
Dies könnte das entscheidende Profil eines heutigen, vernünftigen christlichen Glaubensbekenntnisses sein: Es sollte regional – kulturell verschieden sein und Ausdruck des wirklichen Glauben der Menschen sein. Man könnte in die Richtung denken:
Christen verehren den Propheten Jesus von Nazareth, sie schätzen dessen Menschenfreundlichkeit und Liebe, seine Bereitschaft, für die Gerechtigkeit einzutreten und dafür -im Widerstand gegen diverse Obrigkeiten – zu sterben. Und sie sind überzeugt, dass ein solcher Mensch im Tod nicht ins Nichts versinkt. Und sie werden sagen: Dieser Mann Jesus von Nazareth lebte in enger liebevoller Verbundenheit mit einem absoluten Seinsgrund und Lebensgrund, den er als Symbol Gott nennen wollte. Und dieser Jesus fühlte sich geleitet von seiner menschlichen Vernunft, seinem Geist, der etwas Heiliges ist im Menschen ist und der selbstverständlich in allen Menschen lebt und wirkt und, wie beim Propheten Jesus von Nazareth, etwas Ewiges ist.
Für mich ist das Glaubensbekenntnis der niederländischen Remonstranten Kirche von 2006 ein Beispiel für ein heute mögliches Bekenntnis, das übrigens bei den Remonstranten nicht vorschrieben ist, sondern als Impuls und Orientierung verstand wird: LINK.

Siehe auch unseren Versuch ein philosophisch – christliches, aber einfaches Glaubensbekenntnis zu formulieren, im Anschluss an das Bekenntnis des Apostels Paulus auf dem Areopag in Athen: LINK.

Fußnote 1: Das Glaubensbekenntnis von Nikäa im Jahr 325
Ich glaube an den einen Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer alles Sichtbaren und Unsichtbaren.
Und an den einen Herrn Jesus Christus,
den Sohn Gottes,
der als Einziggeborener aus dem Vater gezeugt ist, das heißt: aus dem Wesen des Vaters,
Gott aus Gott, Licht aus Licht,
wahrer Gott aus wahrem Gott,
gezeugt, nicht geschaffen,
eines Wesens mit dem Vater (homoousion to patri);
durch den alles geworden ist, was im Himmel und was auf Erden ist;
der für uns Menschen und wegen unseres Heils herabgestiegen und Fleisch geworden ist,
Mensch geworden ist,
gelitten hat und am dritten Tage auferstanden ist,
aufgestiegen ist zum Himmel,
kommen wird um die Lebenden und die Toten zu richten;
Und an den Heiligen Geist.
Auf Griechisch:
Πιστεύομεν[1] εἰς ἕνα Θεόν Πατέρα παντοκράτορα, πάντων ὁρατῶν τε καὶ ἀοράτων ποιητήν.

Καὶ εἰς ἕνα κύριον Ἰησοῦν Χριστόν, 
τὸν υἱὸν τοῦ Θεοῦ, 
γεννηθέντα ἐκ τοῦ Πατρὸς μονογενῆ, 
τουτέστιν ἐκ τῆς οὐσίας τοῦ Πατρός, 
Θεὸν ἐκ Θεοῦ, φῶς ἐκ φωτός, Θεὸν ἀληθινὸν ἐκ Θεοῦ ἀληθινοῦ, 
γεννηθέντα, οὐ ποιηθέντα, ὁμοούσιον τῷ Πατρί,
δι‘ οὗ τὰ πάντα ἐγένετο, τά τε ἐν τῷ οὐρανῷ καὶ τὰ ἐπὶ τῆς γῆς,
τὸν δι‘ ἡμᾶς τοὺς ἀνθρώπους 
καὶ διὰ τὴν ἡμετέραν σωτηρίαν κατελθόντα 
καὶ σαρκωθέντα καὶ ἐνανθρωπήσαντα,
παθόντα, καὶ ἀναστάντα τριτῇ ἡμέρᾳ, 
καὶ ἀνελθόντα εἰς τοὺς οὒρανούς,
καὶ ἐρχόμενον κρῖναι ζῶντας καὶ νεκρούς.

Καὶ εἰς τὸ Ἅγιον Πνεῦμα.)
…………

Der jüdische Theologe Pinchas Lapide kommentiert dieses und das folgende Glaubensbekenntnis: „Im Eiltempo des Credos von Geboren – gelitten – gestorben und begraben (kursiv von Lapide) wird all das gute und beispielhafte Tun und Lassen des Meisters aus Nazareth unter den Tepplich gekehrt“  (Pinchas Lapide, „Paulus zwischen Damaskus und Qumran“ , Gütersloh 1993, S. 22).

Das Nicäno-Konstantinopolitanum von 451 (auch Nicaeno-Konstantinopolitanum oder Nizäno-Konstantinopolitanum oder Großes Glaubensbekenntnis genannt) ist auch ein Glaubensbekenntnis, es wird als „Credo“ oft in den Messen und Gottesdiensten verwendet. Im Katholischen Gesangbuch Gottlob hat es die Nr. 586,2, im evangelischen Gesangbuch z. B. in Württemberg die Nr. 687.
Der deutsche Text der katholischen Kirche:
Wir glauben an den einen Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
der alles erschaffen hat, Himmel und Erde,
die sichtbare und die unsichtbareWelt.
Und den einen Herrn Jesus Christus,
Gottes eingeborenen Sohn,
aus dem Vater geboren vor aller Zeit:
Gott von Gott, Licht vom Licht,
wahrer Gott vom wahren Gott,
gezeugt, nicht geschaffen,
eines Wesens mit dem Vater;
durch ihn ist alles geschaffen.
Für uns Menschen und zu unserem Heil
ist er vom Himmel gekommen,
hat Fleisch angenommen
durch den Heiligen Geist von der Jungfrau
Maria
 und ist Mensch geworden.
Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius
 Pilatus,
hat gelitten und ist begraben worden,
ist am dritten Tage auferstanden nach der
Schrift
und aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten des Vaters
und wird wiederkommen in Herrlichkeit,
zu richten die Lebenden und die Toten;
seiner Herrschaft wird kein Ende sein.
Wir glauben an den Heiligen Geist,
der Herr ist und lebendig macht,
der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht,
der mit dem Vater und dem Sohn
angebetet und verherrlicht wird,
der gesprochen hat durch die Propheten,
und die eine, heilige, katholische
und apostolische Kirche.
Wir bekennen die eine Taufe
zur Vergebung der Sünden.
Wir erwarten die Auferstehung der Toten
und das Leben der kommenden Welt.
Amen.

Fußnote 2:
Nur ein Beispiel für viele, wie heute in katholischen Medien von den Feierlichkeiten des Konzils von Nizäa gesprochen wird: Das eigentlich theologisch – progressive katholische „Haus am Dom“ in Frankfurt/M. kündigt sein Symposium zu Nizäa (6. – 8.3.) u.a. mit diesen Worten an: „Das Konzil von Nizäa zeigt mit seinen Beschlüssen das normative Idealbild einer einzigen, organisatorisch geeinten, in Lehre und Praxis einheitlichen und, in diesem Sinne, ökumenischen Gesamtkirche“. Diese Behauptungen werden verbreitet in dem Programm dieser Akademie zum Halbjahr 2025, S. 15.

Fußnote 3  am 4.2.2o25: Der bekannte russische Autor Vladimir Sorokin hat ein Buch mit dem Titel „Die rote Pyramide“ (Verlag Kiepenhauer und Witsch) publiziert. Für die Wiener Wochenzeitung „FALTER“ (Literaturbeilage  2022, S. 20) hat er zum Thema ein Interview gegeben und damit auf Zusammenhänge aufmerksam gemacht zum bis heute bestehenden Bündnis von christlich – orthodoxer Hierarchie – Fixierung UND der dementsprechenden politischen Herrschaft.

Mit der „roten Pyramide“ meint Sorokin die Pyramide der Macht, „die seit dem 16. Jahrhundert in Russland nicht mehr modernisiert wurde… An der Spitze der Pyramide steht eine Person, und von der hängt alles ab…  Über die Zaren, dann Stalin usw. bis zu Putin. Eine Person, die alle Rechte hat, entscheidet alles“, so im Interview mit der empfehlenswerten politischen Zeitschrift  FALTER.

Wenn es also jemals in Russland eine Demokartie geben sollte: Dann muss die totalitäre Ideologie der Pyramide verschwinden. Und damit auch die als Pyramide organisierte russisch -orthodoxe Kirche mit ihrem berüchtigten Kriegstreiber Patriarch Kyrill an der Spitze.

Diese tiefgreifendste Reformation der russischen wie der anderen orthodoxen Kirchen wird aber nicht passieren, weil die frommen Leute im Laufe der Jahrhunderte förmlich zutiefst eingelullt wurden von Weihraum, Ikonen, Singang und der absoluten Hochschätzung der Popen, der Patriarchen…Diese Leute sind hierarchie- gläubig….

Und dies ist ein Riesenproblem: Die ebenfalls pyramidal orientierten Päpste – auch Franziskus – haben kein dringenderes ökumenisches Anliegen, als eine Versöhnung, wenn nicht eine Verbindung mit diesen pyramidalen orthodoxen Kirchen anzustreben. Eine Potenzietrung der Pyramie also!

Bitte nicht diese Ökumene, kann man als kritischer Theologe nur sagen. Aber das sagt aber sonst keiner. Schon gar nicht in diesem „wunderbaren“ Nizäa Gedenken von Papst und orthodoxen Patriarchen…Dort wird die Pyramide wieder heilig geprochen, als göttlich verehrt, denn Gott ist ganz oben… Dabei war der Weisheitslehrer Jesus von Nazareth „ganz unten“ und er blieb ganz unten. Bei den Menschen, die alle gleichberechtigt sind…

Literaturempfehlungen:

Angesichts der immensen Fülle von Fachliteratur zum Thema empfehlen wir zum weiteren Studium vor allem das leider nur noch antiquarisch zu erwerbende Buch des katholischen Theologen und Philosophen:

Hermann Baum „Die Verfremdung Jesu“, Düsseldorf 2006. Dieses grundlegende, äußerst wichtige Buch sollte man sofort bestellen, solange dieses Buch überhaupt verfügbar ist.

Paul Veyne, „Als unsere Welt christlich wurde (312 -394).“ „Untertitel: Aufstieg einer Sekte zur Weltmacht. C.H.Beck Verlag, 2008. Sehr detaillierte Studien des international geschätzten Althistorikers.

Hans Kessler, „Erlösung als Befreiung“, Düsseldorf 1972.

Gottfried Bachl, „Der schwierige Jesus“, Innsbruck -Wien, 1996.

Maurice Sachot, „L invention du Christ. Genèse d une religion“, Paris 1998.

Richard Glöckner, „Quo Vadis? Das Christentum am Scheideweg zur Moderne“ , Lit Verlag Münster, 2023, 170 Seiten.

Copyright: Christian Modehn, www.religionsphilosophischer-salon. de

Eine Geschichte zu Weihnachten: Maria verprügelt das Jesuskind.

Ein Hinweis auf ein Gemälde von Max Ernst
Von Christian Modehn am 10. Dezember 2024

1.
Es ist die Weihnachtsgeschichte, die hinausweist über den „Realismus“ des „alltäglichen“, des„normalen“, angeblich „gesunden“ Verstandes. Man denke an die Geburt des Gottessohnes Jesus, standesgemäß nicht in einem Palast, sondern in einem Stall geboren, dennoch umgeben von himmlischen Heerscharen und heiligen drei Königen. Und vor allem Maria, die Mutter des Gottessohnes, spielt dabei eine Rolle.

2.
Zu Weihnachten also sollte der Sinn fürs „Sur-Realistische“, „Über-Realistische“, wieder entdeckt und gepflegt werden! Diese Empfehlung gilt, nicht um etwa ins Schwärmen zu kommen, sondern um die Weihnachts-Mythen, gerade den Maria – Mythos, besser oder mindestens anders und neu zu verstehen.

3.
Sur-realistisch also ist die Erzählung von der Ankündigung der Geburt Jesu: Als das Mädchen Maria von einem Engel besucht wird, da wird ihr sozusagen von Gott selbst versprochen: Kein Geringerer als der Heilige Geist werde der Vater ihres Sohnes sein. Allem alltäglichen Realismus zuwider verheißt ihr dann der Engel: „Die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das (von dir) geboren wird, Gottes Sohn genannt werden.“ So wird der Mythos im Lukas – Evangelium 1. Kap. Vers 35 erzählt.

4.
Maria wird also „Heiliges“ zur Welt bringen, Gottes Sohn soll ihr Kind sein, ein Kind zwar, das wie alle Menschen von einer Frau geboren wird. Angesichts dieser über-weltlich anmutenden Geschichte der Gottes – Geburt kann man  surrealistischen Inspirationen guten Gewissens und voller Neugier folgen: Bei solcher Ankündigung: „Heiliges wird von dir geboren“, kann doch Maria als frommes, sagen wir einfaches Mädchen nur denken: Dann muss dieses göttliche Kind auch im Laufe seiner Entwicklung immer göttlich sein, also total anders, von menschlichen Grenzen und Begierden befrei. Und ebenso von körperlichem Leiden und leiblichen, auch sexuellen Vorlieben nicht berührt. So viel Menschliches passe doch nicht zum „Heiligen“, passe nicht zu „Gottes Sohn“, gezeugt vom heiligen Geist. Da kann Maria doch nur gespannt und neugierig sein auf ihren ungewöhnlichen Sohn… (Erst nach der „Auferstehung“ Jesu von Nazareth legte die Kirche allen Wert darauf zu betonen: Trotz dieser außergewöhnlichen Auferstehung ist Jesus ganz Mensch gewesen. Über seine Leiblichkeit in jeder Hinsicht, auch seine Sexualität, äußerte sich die offizielle Kirche schon damals – angstvoll – nicht…)

5.
An dieser Stelle wird ein Gemälde von Max Ernst (1891-1976), dem Surrealisten, interessant und wichtig. Wir lesen sein außergewöhnliches Gemälde als Beitrag zum Weihnachtsmythos, gemäß der offenen Haltung der Surrealisten…Deren Philosophie (Surrealismus ist wohl mehr als eine Kunst -„Richtung“) ist also inspirierend und hilfreich fürs Verstehen der biblischen Mythen, auch der Weihnachtserzählungen. Aspekte der ohnehin nur surrealistisch zu nennenden Weihnachtsgeschichte werden durch die Phantasie dieses Künstlers explizit freigelegt und zur Auseinandersetzung angeboten. Denn der einfältige, phantasielose „Realismus“ hat fürs kritische Denken keine Chancen! Deswegen schafft Max Ernst im Jahr 1926 das berühmte, umstrittene Gemälde „Die heilige Jungfrau (Maria) züchtigt das Jesuskind vor drei Zeugen“. Zum Gemälde selbst: LINK:

6.
Wichtig ist im Bild selbst: Maria, mit einem Heiligenschein ausgestattet, wird als eine moderne Frau dargestellt, sie ist sehr ansehnlich und ziemlich beleibt. Und sie schlägt voller Wut ihr Kind Jesus, er ist kein Baby mehr, vielleicht 3-4 Jahre alt, heftig auf den Popo. Dabei fällt dem Jesuskind der Heiligenschein vom Kopf: Das Jesuskind, durch die Tracht Prügel vom Heiligenschein befreit, ist jetzt nur noch ein Mensch. Marias Heiligenschein hingegen bleibt, eine Ironie des Künstlers vielleicht, weil Maria als ordentliche Erzieherin auftreten sollte, die den uralten, heiligen Erziehung – Gesetzen der Herrschaft über das Kind entspricht. Maria ist in der Hinsicht von Max Ernst also gesetzestreu und hoch respektabel, deswegen ihr Heiligenschein. Auch das ist Surrealismus und seine tiefe Wahrheit: Drei Männer beobachten durch ein schmales Fenster das Geschehen, auch Max Ernst wird dabei von Kunsthistorikern erkannt.

7.
Entscheidend ist religionsphilosophisch die Frage: Warum schlägt Maria auf ihren Sohn Jesus ein? Wer dem Wink des Gemäldes folgt, entdeckt wahre Elemente im Weihnachtsmythos: Maria schlägt auf ihren Sohn Jesus ein, weil sie eigentlich und am liebsten auf Gott einschlagen würde. Aber der ist im Himmel, unerreichbar für die schlagende Hand. Ihre Wut leitet Maria also auf ihren Sohn um. Soll der doch ihre Wut spüren, ihre Wut über Gott.

8.
Maria fühlt sich zutiefst von Gott selbst getäuscht: Was hatte sein Engel ihr nicht alles versprochen? „Heiliges wird geboren“, „Gottes Sohn wird ihr eigener Sohn sein.“ Aber als dieser Sohn Gottes dann zur Welt kommt, da erlebt die junge Mutter und ihr Gatte Josef nichts Göttliches, Wunderbar -Hilfreiches: Von einem herrschaftlichen Haus für die Geburt Ihres Gottes-Sohnes wagen sie schon gar nicht zu träumen, selbst eine bescheidene Herberge finden sie nicht. So muss der Gottes-Sohn im Stall zur Welt kommen. Man kann sich denken, wie wütend Maria und ihr Gatte Josef ist, als sie nun den Gottessohn, frisch geboren, ins harte Stroh legen müssen, von blökenden Tieren und naiven Hirten umgeben.

9.
Die üblichen, aber theologisch so dummen und völlig ausgesungenen kitschigen Weihnachtslieder lassen dann singen: „Da liegt es das Kindlein in Heu und auf Stroh.“ Und dann der skandalöse Satz im Lied: “Maria und Josef betrachten es froh.“ Was für ein Sadismus: Die Eltern freuen sich, dass ihr Neugeborenes im Stroh liegt und dabei wohl doch gewisse Schmerzen empfindet und sicher ständig heult. So dumm können nur Weihnachtslieder sein (wie: „Ihr Kinderlein kommet“ usw.) Tatsache ist, dies zeigt uns der Surrealismus: Maria betrachtet das Gotteskind, „das von ihr geborene Heilige“, alles andere als „froh“: Sie ist wütend, vor allem auf Gott und seinen Engel. der ihr so viel Unglaubliches versprochen hat. Alles Unsinn, sagt sich Maria.

10.

Maria wird von der ut auf Goitt weiter bestimmt, so die surrealistische Interpretation, als die „heilige“ Familie längst in Nazareth eine Unterkunft hat: Denn ihr Gottessohn, ihr Heiliges, zeigt sich dort als so menschlich: Maria ist wütend und zornig, weil ihr verheißener „Gottes Sohn“ Jesus tatsächlich bloß ein übliches Menschenkind ist, mit all den genannten Eigenheiten menschlicher Bedürfnisse. Ein Gotteskind, das in die Windeln kackt, was das hat doch nichts mit Gottes Sohn zu tun?
Maria ist wütend, weil dieses Kind, größer werdend, gar nicht so abgehoben ist von allem Menschlichen, nicht total vergeistigt und vergöttlicht, nicht über allem Irdischen schwebend.
Maria muss erkennen: Welch ein Wahn war es doch von mir zu glauben, da würde mit Jesus ein Gott auf Erden wandeln, ein reiner Geist, ein reiner Leib.

11.
.Das Gemälde von Max Ernst zeigt: Die Wut Marias auf Gott wegen der irritierenden Behauptungen des Engels über das „göttliche Kind“ ist zugleich auch die Wut spiritueller (Christen-) Menschen auf einen Gott, der sich – im Mythos -zwar  ins weltliche Geschehen einmischt, in die Welt kommt, aber doch so ganz anders als Gott erscheint.

12.
Die meisten Christen wollen auch heute in Jesus ihren Gott sehen, als einen universalen Herrscher, als Himmels – König und Weltenrichter. Dabei ist Jesus  bloß ein Mensch, der sich im Laufe seines Lebens zum Weisheitslehrer entwickelte. Aber ein auf Erden wandelnder, makelloser, total vergeistigter Gott ist er eben nicht. Und diesen Gedanken fanden und finden die meisten Christen unerträglich. „Einen Weisheitslehrer wollen wir nicht. Wir wollen einen Gott auf Erden. Und wenn der nicht erscheint, dann wenden wir uns eben den „göttlich“ auftretenden politischen Führern zu….“ Welch ein Wahn!

13.
Die meisten Christen und ihre Kirchenführer erfanden schon bald nach Jesu Tod aufgeschwollene spekulative Lehren und Dogmen, die behaupten: Dieser Jesus von Nazareth ist dann als Christus auch Gott, er gehört also zur göttlichen Trinität, er ist der (griechische) Logos, gezeugt von seinem Vater im Himmel usw. Und was machen diese geradezu Gott-besessenen Christen dann auch noch aus der armen und letztlich irgendwie irritierten Mutter Maria? Sie erklären diese Maria zur Gottes – Mutter und zur Himmelskönigin. Denn sie erlebt, so das aufgeblasene Dogma, unmittelbar nach ihrem Tod eine Aufnahme in den Himmel, “Wer das nicht glaubt, der sei aus der Kirche ausgeschlossen“, heißt es in der katholischen Dogmatik.

14.
Das Gemälde von Max Ernst ist eine heftige Provokation zur Weihnachtszeit: Jesus von Nazareth ist kein süßliches göttliches Kindelein. Jesus ist ein normaler Mensch, der auch unter der strenger Erziehung zu leiden hat. Er wird im Laufe seines Lebens zu einem Weisheitslehrer, der die Herrschenden provoziert und viel mehr zu sagen hat als der im Weihrauch und Alleluja förmlich erstickende Gott mit dem Namen Jesus Christus, und mit uralten Formeln und Floskeln hoch – gelobt, in den Himmel entrückt, aber nicht verstanden.

15.
Dies sei allen gesagt, die sich auf die offiziellen Feierlichkeiten zum 1.700 Jubiläum des Konzils von Nizäa im nächsten Jahr (2025) freuen: Da wird dieser arme und gekreuzigte Weisheitslehrer Jesus wieder erneut als ein Gott bestätigt und bejubelt, vom Papst, von den orthodoxen Patriarchen, den lutherischen Bischöfen, den so klugen Theologen … Sie bemächtigen sich erneut dieses armen Mannes und Weisheitslehrers Jesus und entrücken ihn in weite Ferne. So wird er belanglos und ungefährlich für alle, die Weisheitslehrer nicht respektieren wollen. Aber die Herren der Kirchen können sich auf der Seite dieses Gott – Menschen Jesus Christus wissen und stolz ihre Herrschaft durchsetzen…

16.
Das hat der Künstler Max Ernst begriffen: Maria ist die erste, die mit dem Menschen Jesus ihre sehr große Mühe hatte. Wo sie doch so gern einen jungen Gott in ihrer Wohnung gehabt hätte und nicht ein eigensinniges Kerlchen mit voll gekackten Windeln… Manchmal ist Maria deswegen vor Wut ausgerastet und hat diesen ihren Sohn Jesus geschlagen.
Diese Maria hat wohl auch eine Entwicklung durchgemacht, so der Mythos des Neuen Testaments. Sie stand unter dem Kreuz der Hinrichtung Jesu, und sie wusste: Ihr Sohn war ein großer Mensch, ein religiöser Reformator, ein Vorbild. Erst die herrschsüchtige Kirchenführung machte aus dieser lernbereiten Frau eine Himmelskönigin, so fern, so überirdisch, auch dies ein Wahn der Herrschenden.

17.
Marias lieber Gatte Josef – und de facto – also realistisch – natürlich der Vater Jesu – hatte sich vielleicht längst aus dem Staub gemacht, oder er kümmerte sich – angeblich als Tischler – auch um die Geschwister Jesu, die zu prügeln unkomplizierter war. Denn bei den Geschwistern Jesu wurde ja nichts Göttliches angekündigt. Ob er seinen Sohn Jesus, den Tischlerlehrling, geschlagen hat, interessiert die Surrealisten nicht. Auszuschließen ist das nicht, Mutter Maria hätte es wohl geduldet, wütend auf ihren Gott und seine seltsamen, so mißverständlichen Verheißungen…

18.

Siehe auch den weiterführenden Hinweis von Christian Modehn „Weihnachten und Philosophieren“: LINK.

19.

Unsere Deutung eines surrealistischen Gemäldes als eines inspirierenden Gemäldes zu Weihnachten, zum Verständnis der Jesus – Gestalt und der Maria hat nichts zu tun mit den völlig der eigenen Phantsasie hingegebenen Erzählungen der so genannten „apopkryphen Weihnachtsgeschichten“. Zu dem Thema siehe den Link zu einer Ra­dio­sen­dung von Christian Modehn LINK.

Copyright: Christian Modehn, Berlin, www.religionsphilosophischer-salon.de