Radikaler Neubeginn in Rom?

Auf der website der empfehlenswerten Zeitschrift PUBLIK FORUM befindet sich seit dem 19. 3. 2013 ein Beitrag mit dem Titel „Radikaler Neubeginn in ROM“. Zur Lektüre dieses Kommentars klicken Sie bitte hier.

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Das argentinische Gesicht von Kard. Bergoglio, jetzt Papst Franziskus

Das argentinische Gesicht von Kardinal Bergoglio, jetzt Papst Franziskus.

Mit Hinweisen von Prof. Fortunato Mallimaci.

Ein Beitrag von Christian Modehn veröffentlicht am 18.3.2013!

Wenn ich jetzt, am 24.1.2025, meinen Text,  am 18.3.2013 veröffentlicht, also wenige Tage nach der Wahl Bergoglios zum Papst, lese: Da ist die Erkenntnis vorherrschend: Über die unheilvolle Rolle Bergoglios als Jesuitenprovinzial und als Erzbischof von Buenos Aires im Umfeld der Militärdiktatur ist nicht mehr wirklich objektiv und kritisch geforscht  worden. Zu viele ließen sich von einem gewissen Charme von Papst Franziskus ins Vergessen treiben. Andere, wie der argentinische Menschenrechtler Adolfo Perez Esquivel, sind nach der Wahl Bergoglios zum Papst in ihrer Bergoglio – Kritik umgekippt und haben sich auf die Seite des Herrschers gestellt.

Ich habe nach dem 18.3.2013 immer wieder weitere Ergänzungen publiziert, sie wurden hundertfach angeklickt, aber haben keine weitere Forchung weiterer Journalisten oder Historiker provoziert.

Bemerkenswert ist, wie Papst Franziskus in seiner so genannten Autobiografie „Hoffe“ über seine für ihn katastrophale „Apostolischen Reise“ nach Chile spricht, kein Wort, über seinen Irrtum hinsichtlich des sexuellen Missbrauchs durch chilenische Bischöfe. Sondern eine rührselige Story über eine Eheschließung einer gewissen Paula und eines gewissen Carlos im Flugzeug in Chile, in Iquique. (S. 323 ff). Und danach viel Blabla über Hesiod, eine „argentinische Callas“und Charles Peguy und alles hübsch durcheinander. Bloß kein Wort zum Missbrauch vieler chilenischer Bischöfe…Leider erwähnt der Papst nicht Johann Strauß und dessen Weisheit aus der „Fledermaus“: „Glücklich ist, wer vergißt…“

Ergänzung am 24.3. 2013: Am Schluss dieses Beitrags finden Sie einen Hinweis zu einer Stellungnahme von Adolfo Pérez Esquivel vom 5. April 2005 im argentinischen Fernsehen „Canal America“ über Kardinal Bergoglio.

Ergänzung am 31.3.2013: Am Schluss dieses Beitrags finden Sie einen Hinweis zur Diskussion in Argentinien unter dem Stichwort: „Von welcher Option für die Armen spricht Papst Franziskus“. Mit einem Hinweis auf die entscheidende Tatsache, dass die Befreiungstheologie in Argentinien fast ganz auf den stets von den Bischöfen bekämpften (zahlenmäßig kleinen) Kreis der „Priester für die Dritte Welt“, „Sacerdotes para el tercer Mundo“, begrenzt war.

Ergänzung am 3. 4.2013: Am Schluss dieses Beitrags finden Sie einen Link zu einem Interview mit dem argentinischen Journalisten und kenntnisreichen und kritischen Beobachter der argentinischen Kirchen- Szene Horacio Verbitzky; das Interview über Kardinal Bergoglio in Argentinien damals sendete der NDR (Fernsehen) am 27.3.2013, das Interview wurde vom NDR übersetzt. Das Interview wird noch einmal wiederholt im NDR (ZAPP heißt die Sendereihe) am 5.4. 2013 um 2.45 (sic).

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Auch in Deutschland ist der argentinische Soziologieprofessor Dr. Fortunato Mallimaci kein Unbekannter. Er hat in der umfangreichen Studie „Kirche und Katholizismus seit 1945“ in Band VI „Lateinamerika und die Karibik“ den Beitrag über Argentinien geschrieben (zusammen mit seiner Kollegin, der argentinischen Soziologin Veronica Gimenez Beliveau). Das Buch ist im Jahr 2009 im katholisch geprägten Schöningh Verlag erschienen, es wurde herausgegeben von dem katholischen Kirchenhistoriker Prof. Johannes Meier und dem katholischen Theologen Veit Strassner. Der Sammelband von 559 Seiten enthält ausschließlich Beiträge von Katholiken, sogar von Mitarbeitern der kirchen- offiziellen bischöflichen „Aktion für Lateinamerika Adveniat“  in Essen. Diese wurde bekanntlich lange Jahre von dem Opus – Dei Mitglied Bischof Hengsbach geleitet.

Also in diesem quasi offiziell katholischen Buch ist – erstaunlicherweise – Prof. Fortunato Mallimaci mit seinem wissenschaftlichen Beitrag über die katholische Kirche in Argentinien von 1945 bis ca. 2008 vertreten; sein Artikel umfasst 23 Seiten und hat 61 umfangreiche Fußnoten: Fortunato Mallimaci hat in Paris studiert, vor allem an der berühmten Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales. Er ist (geboren 1950) Professor für Sozialgeschichte Argentiniens und Religionssoziologie an der „Universidad de Buenos Aires“. Er hat zahlreiche Gastprofessuren im In – und Ausland wahrgenommen. Erstaunlich ist, dass der Beitrag nicht die Beziehungen der katholischen Kirche zur Regierung Kirchner untersucht, obwohl die Literaturangaben bis ins Jahr 2006 reichen, etwa durch Hinweise der beiden Wissenschaftler auf die Arbeiten des kritischen Journalisten H. Verbitzky „La Argentina católica y militar“, erschienen in Buenos Aires 2006.

Dieser lange Hinweis ist notwendig, um die Seriosität von Prof. Mallimaci von vornherein gegen alle Anwürfe zu betonen. Mallimaci ist einer der wichtigsten Interviewpartner der unabhängigen demokratischen und ökumenischen Presse in Argentinien, in diesen Tagen, nach der Papstwahl. Wir können von seinen zahlreichen ausführlichen Interviews und Beiträgen zum damaligen Kardinal Bergoglio (Buenos Aires) nur schrittweise den deutschen Lesern zugänglich machen. Religionskritik ist ein Teil der Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie.

Noch eine Vorbemerkung:

Für die deutschen Leser muss wohl noch einmal an das wahre, nahezu unsägliche  Ausmaß der Militärdiktatur in Argentinien (1976 –  1983) wenigstens elementar erinnert werden: Der Diktator Jorge Rafael Videla (1976) hatte das Ziel, „die moralische Ordnung der Nation, die wirtschaftliche Effizienz und die nationale Sicherheit wiederherzustellen…Die katholische Kirche war von der Diktatur besonders betroffen, da ihre internen Brüche offensichtlich wurden“, schreiben F. Mallimachi und V. Gimenez Béliveau in ihrer Studie auf Seite 425. Und sie fahren fort, und jetzt wird es wichtig, um die wahre Dimension unseres Themas wahrzunehmen: „Mit aktiver Unterstützung von Mitgtliedern der Kirche wurden Verbrechen an anderen Mitgliedern der Kirche verübt. Die Bischöfe, die den Staatsstreich begrüßten, versuchten die progressiv – christlichen Gruppen zunächst zu isolieren und schließlich aufzulösen. Die Militärs zerschlugen mit bischöflicher Billigung und Unterstützung die aktivsten Gruppen und ermordeten eine Reihe engagierter Christen. Priester, Mitglieder von Basisgemeinden, Ordensfrauen, Laien und sogar einzelne Bischöfe (wie Bischof Enrique Angelelli aus La Rioja  und Bischof Carlos Ponce de Leon aus San Nicolas), die sich für die Verfolgten einsetzten, wurden Opfer des Staatsterrros: Sie wurden verfolgt, ins Exil geschickt, entführt, gefoltert, ermordet“. (ebd., S 425). Über die unmittelbare, wohlwollende Unterstützung der Militärdiktatur durch die meisten Bischöfe schreiben die Autoren u.a.:“Die Machtübernahme durch die Militärjunta unter dem Katholiken Videla wurde von führenden Mitgliedern des Episkopars ausdrücklich begrüßt und unterstützt“,so auf Seite 426 mit ausführlichen Literaturhinweisen, auch zur wohlwollenden Haltung des Nuntius damals, Msgr. Pio Laghi. Bischof Victorio Manuel Bonamin aus dem Salesianerorden etwa forderte schon 1975 die Intervention der Streitkräfte: „Die Armee sühnt die Unreinheit unseres Landes. Die Soldaten wurden im Jordan vom Blut gereinigt, um die Führung unseres Landes zu übernehmen“, zit. ebd. (Nebenbei: Es wird nicht dokumentiert, wie die Bischofskonferenz mit solchen bischöflichen Mitbrüdern umging nach dem Ende der Militärdiktatur). Die beiden Autoren schreiben weiter auf Seite 427: „Die Legitimität, die die Bischöfe der Militärregierung zubilligten, beschränkte sich nicht auf die politische Unterstützung, sondern sie wurde auch auf die Rechtfertigung willkürlicher Folter ausgedehnt….Die Militärs führten ihren Reinigungsprozeß in der Kirche mit der Zustimmung einiger Bischöfe und aktiver Unterstützung einer erheblichen Zahl von Priestern durch. Einige unterstützten sogar Folterer moralisch und waren bei Folterungen in den Haftzentren anwesend. Die Militärregierung dankte der Kirche dafür durch einige Privilegien, die Bischöfe wurden fortan über den Staatshaushalt  finanziert…Das Regime konnte sich (von wenigen Ausnahmen abgesehen) der Untertsützung durch den Gesamtepiskopat gewiss sein“ (ebd). Unter den bischöflich geduldeten Massakern an ihren Mitchristen erwähnen wir nur die Ermorderung von drei Ordensleuten und zwei Theologiestudenten aus dem Pallottinerorden sowie die Entführung und das Verschwinden der beiden französischen Nonnen Alice Domon und Léonie Duquet, sie hatten das „Verbrechen“ begangen, Familien von Verschwundenen zu unterstützen. Léonie Duqet wurde nach ihrer Ermordung bei einem der üblichen Todesflüge der Mörderbanden ins Meer geworfen. Zu den Opfern gehörte übrigens auch Elisabeth Käsemann, die Tochter des protestantischen Theologen Prof. Ernst Käsemann, Tübingen.

Es ist bezeichnend, dass die beiden Autoren, F. Mallimaci und V. Giménez Béliveau, unter den wenigen mutigen Widerstand leistenden Klerikern nur zwei Bischöfe ausdrücklich erwähnen: Bischof Jorge Novak SVD, Bischof von Quilmes und Bischof Jaime de Nevares SDB, Bischof von Neuquen (Fußnote 49, Seite 427). Der Name Jorge Mario Bergoglio, Provinzial des Jesuitenordens in Argentinien von 1973 bis 1979, taucht in dem Zusammenhang des Widerstandes jedenfalls nicht auf. Das widerständige „Format“ von Novak und de Nevares hatte er wohl nicht, sonst hätten ihn die beiden so gründlich recherchierenden Autoren zweifelsfrei in ihrer ausführlichen Studie erwähnt. Bergoglio wird übrigens von beiden nur einmal ganz kurz als Kardinal von Buenos Aires (seit 2001) erwähnt, und zwar als „Kardinal italienischer Herkunft“, dies Ausdruck für die „Italienisierung der argentinischen Amtskirche“ (so die Autoren), die knappe Erwähnung Bergoglios befindet sich in der Fußnote 6 auf Seite 411!

Diese Hinweise sind wichtig, um die tiefe Bindung des argentinischen Klerus an die Werte der Nation, die klassischen Familienwerte (gegen Homosexualität etwa) und gegen den angeblich allgegenwärtigen Kommunismus zu vestehen.

Wir beginnen mit einem Beitrag Fortunato Mallimacis, der am 31. Juli 2010 veröffentlicht wurde in dem blog „La Máquina de Escribir“ in der Verantwortung von Anibal Jorge Sciorra. Quelle: http://lamaqdeescribir.blogspot.de/2010/07/entrevista-fortunato-mallimaci-el-rol.html. Der TEXT auf Spanisch: Fußnote 1: „Die unheilbringende Rolle Bergoglios“ ist der Titel ins Deutsche übersetzt.

Wir können nicht den langen Beitrag übersetzen, wir bieten nur einige zentrale Aussagen des Religionssoziologen Prof. Mallimaci zu Kardinal Bergoglio von Buenos Aires, dem Vorsitzenden der argentinischen Bischofskonferenz. Es lohnt sich, den ganzen Text auf Spanisch zu lesen!

Hier einige wesentliche Erkenntnisse Mallimacis:

1.“Bergoglio versteht nicht, was heute in der Gesellschaft passiert“.

2.“Die bischöfliche Hierarchie Argentiniens befindet sich in einem fieberhaften, nervösen Zustand. Sie zeigt sich als eine Institution der Macht“.

3.“Das wird deutlich in der Amtsenthebung des progressiven Priesters Nicolas Alessio, Cordoba in Argentinien, der es wagte, sich öffentlich für die Rechte Homosexueller einzusetzen“.

4. „Die argentinischen Bischöfe, auch Erzbischof Bergoglio, setzen ausschließlich auf das unwandelbare und ewige Naturrecht. Sie haben keinen Sinn für den gesellschaftlichen Wandel. Sie fühlen sich wie in einem „Krieg Gottes“ und , verwenden den Begriff inneren „Krieg“, der unter General Videla noch benutzt wurde“.

5. „Die Christen an der Basis sagen angesichts der Bischöfe: „Wir finden in der Haltung der Bischöfe nicht mehr Jesus wieder“.

6. „Die Bischöfe verteidigen die „klassische Familie“ bedingungslos“. Mallimaci spricht von einem „Kreuzzug“ der Bischöfe, Kardinal Bergoglio sei einer der Fahnenträger dieses Kreuzzuges. „El rol que juega Bergoglio es nefasto“, sagte Mallimaci: „Die Rolle, die Bergogio in diesem Kreuzzig (für die alten Familienwerte z. B. und gegen die Moderne) spielt, ist, so wörtlich, =nefasto=, d.h. unheilbringend. Die Bischöfe sprechen eine militärische Sprache…“

7. „Bergoglio hat geschwiegen, als der Militärseelsorger, der Priester Christian von Wernich, verurteilt wurde wegen seiner Mittäterschaft in der Diktatur, ihm wurden Folter und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Last gelegt“.

8. „Als der Priester Julio Grassi wegen sexuellen Missbrauchs an Kindern angeklagt wurde, hat Bergiglio den Anwalt bezahlt, Grassi wurde zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt“.

9. „Bergoglio hat auch Erzbischof Edgardo Storni von Santa Fé noch unterstützt, als er wegen sexuellen Missbrauchs angeklagt und verurteilt wurde“.

10. „Bergoglio hat die Idee verbreitet: Der Relativismus sei der Hauptfeind der Gesellschaft“, darin in voller Übereinstimmung mit Benedikt XVI.

11.“In der argentinischen Kirche unter dem Chef der Bischofskonferenz Bergoglio gibt es keine öffentliche Meinung, keine Diskussion. Die Angst ist stärker als die Freiheit, wenn sich Kritiker äußern wollen“.

12. „Die Kirche Argentiniens befindet sich im Dauerkonflikt mit der liberalen Welt der Demokratie“.

13. „Bergoglio hat 2004 dafür gesorgt, dass eine Ausstellung des berühmten Künstlers Leon Ferrari wegen Blasphemie für einige Zeit verboten wurde. Später wurde sie gerichtlich doch noch durchgesetzt. Von allen Kanzeln ließ er gegen den Künstler wettern. Das brachte ihm allerdings weiteren Ruhm ein., betonte Ferrari. Jedenfalls wollte Kardinal Bergoglio eine Art Zensur für moderne Kunst durchsetzen“. Siehe dazu einen umfangreichen Beitrag in der spanischen Tageszeitung el periodico vom 14. 3. 2013, zur Lektüre klicken Sie hier.

14. Mallimaci weist ausführlich darauf hin, dass Bergoglio, der Jesuit, und der erzkonservative Opus – Dei Bischof Hector Aguer von La Plata in sehr vielen zentralen Fragen eng verbunden und einer Meinung waren: Mallimaci nennt etwa die gemeinsame Auffassung von der Familie als einer =patriarchalen Struktur=, dass die Frauen an die 2. Stelle gehören, dass Verschweigen besser sei als Aufklären, dass Gehorsam die zentrale Tugend ist, sowie, wörtlich, „dass schmutzige Wäsche besser versteckt werden sollte“.

In einem Interview für die Tagezeitung Pagina/12 vom 17.3. 2013 geht Fortunato Mallimaci erneut auf die Strategie der argentinischen Bischofskonferenz ein, deren Präsident Kardinal Bergoglio war: „Die Bischofskonferenz hat sich weder zur Verurteilung des pädophilen Priesters Julio Grassi noch gegenüber dem (Sexuellen Mißbrauch durch)  Bischof Edgardo Storni noch gegenüber dem Verbrecher, Pfarrer Christian von Wernich,  offiziell ausgesprochen, im Unterschied etwa zu den Bischfskonferenzen in den USA, wo offizielle Statements zur Pädophilie unter Priestern abgegeben wurden. Zur Lektüre des Interviews klicken Sie hier.

Weitere Informationen zur Auseinandersetzung um die Homoehe in Argentinien:

Anlässlich der Debatte über die Homoehe sagte Kardinal Bergoglio: „Es steht auf dem Spiel die Identität und das Überleben der Familie:  Papa, Mama und die Kinder. Seien wir nicht naiv: Es handelt sich hier nicht um einen politischen Kampf. Es handelt sich um einen destruktiven Anspruch gegenüber dem Plan Gottes. Es handelt sich nicht um ein bloßes gesetzliches Vorhaben, sondern um eine Bewegung, die vom Vater der Lüge (dem Teufel) ausgeht, die die Söhne Gottes verwirren und täuschen will.“ Quelle: http://www.elblogoferoz.com/2013/03/15/el-nuevo-papa-colaboro-con-la-dictadura-militar-argentina/Gelesen am 18.3. 2013

Über die Beziehung zu dem „Verbrecher Priester“ Christian von Wernich, dem Militärgeistlichen z.Z. der Diktatur und Mörder heißt es weiter: „Es ist erwiesen, dass Pfarrer von Wernich schuldig ist für die Verbrechen, die zu seiner Verurteilung führten. Tatsächlich half die argentinische Kirche ihm, zuerst noch nach Chile zu entkommen, dort lebte er unter einem falschen Namen in einer Pfarrei. Ohne diese Tatsachen zu beachten, spielte Bergoglio auf das Urteil des Gerichts an und nannte es eine verleumderische Verfolgung der Kirche und nannte diejenigen Verräter, die die Vergangenheit nur  verfluchen. Hingegen rief er zur Vergebung auf… Diese Erklärung hängt zusammen mit einer Unterstützung Bergoglios für die Aktionen von Cecilia Pando, die die Straflosigkeit der Militärs damals nachdrücklich forderte unter dem scheußlichen Slogan: memoria completa, d.h. die Erinnerung ist vollständig, sie reicht“.  Quelle: http://www.elblogoferoz.com/2013/03/15/el-nuevo-papa-colaboro-con-la-dictadura-militar-argentina/

Diese rechtsextreme Aktivistin Maria Cecilia Pando hat jubiliert angesichts der Wahl Bergoglios zum Papst: Quelle:   http://www.agenciapacourondo.com.ar/secciones/sociedad/10936-cecilia-pando-festeja-la-eleccion-de-bergoglio.html,  gelesen am 18.3. 2013. Cecilia Pando sagte: „Qué alegría ! Bergoglio Papa !!! Una gran bendición para nuestro país que tanto lo necesita. Bergoglio, el Papa Argentino !!! Bienvenido Francisco I, un orgullo para nuestro país !!! Estaremos a su lado, dándoles fuerzas por medio de la oración“. (Welche Freude. Bergoglio ist Papst. Ein großer Segen für unser Land,  das den (Segen) so dringend braucht. Willkommen Franziskus I., ein Stolz für unser Land. Wir werden an seiner Seite sein, wir werden ihm Kraft geben durch unser Gebet“.

Wir weisen noch auf einen weiteren Beitrag  des religionsphilosophischen Salons vor allem über den inzwischen verurteilten Kollaborateur, den Priester Christian von Wernich, hin, zur Lektüre klicken Sie bitte hier.

ERGÄNZUNG am 24. 3. 2013: Zu den Aussagen von Adolfo Pérez Esquivel über Kardinal Bergoglio.

Horacio Verbitzky hat am 24.3. 2013 in der Tageszeitung „Pagina 12“ in Buenos Aires  einen Hinweis zu verschiedenen Aussagen des Friedensnobelpreisträgers Adolfo Perez Esquivel publiziert.

In einem TV Beitrag vom 15. 4. 2005 (drei Tage vor der Wahl von Papst Benedikt XVI.) (zur Ansicht: www.youtube.com/watch?v=Qu2iET8fc5s brachte „Canal Argentina“, Informe special, einen Beitrag mit Interviews u.a. mit A. Perez Esquivel. In dem Beitrag für Pagina/12 bezieht sich H. Verbitzky auf dieses Interview, er schreibt jetzt u.a.: „Perez Esquivel erinnerte damals daran, dass viele Bischöfe zur Zeit der Militärdiktatur einen doppeldeutigen Diskurs hielten. „Als er selbst gefangen war damals, sagten die Bischöfe seiner Frau: Sie würden für ihn, Perez Esquivel, eintreten. Dann taten sie genau das Gegegenteil“. Dann fragten ihn die Reporter konkret zur Haltung des argentinischen Kardinals (Bergoglio). Da antwortete Perez Esquivel, „ohne zu zweifeln, dass die Haltung von Bergoglio „se inscribe“, also dazugehört zur Haltung aller dieser Leute aus der Politik, die da denken: Alle, die sozial mit den Ärmsten und Bedürftigen arbeiteten, waren Kommunisten, Subversive und Terroristen. … Bergoglio ist ein intelligenter Mann, er ist fähig, aber doch eine zweispältige Person. Ich hoffe, dass der Heilige Geist heute (beim Konklave 2005) wach ist und sich nicht irrt“ (also Bergoglio sollte nicht Papst werden) .

H. Verbitzky schreibt in dem genannten Artikel weiter: Die erste Erklärung Perez Esquivels nach der Wahl von Bergoglio zum Papst bestand darin zu sagen: Andere Bischöfe hätten mit der Diktatur kollaboriert, aber nicht Bergoglio. Aber er sei nicht allzu energisch gewesen in der Verteidgung der Menschenrechte. Diese Aussage irritierte offenbar den Vatikan: Deswegen:

Am Donnerstag, 21. März, treffen sich Papst Franziskus und Perez Esquivel im Vatikan, sie sprechen über die Menschenrechte, berichtet Perez Esquivel danach, sie hätten sich in der in Buenos Aires üblichen Umarmung verabschiedet und betont: „Vielleicht hat sich Bergoglio damals nicht in den Streit begeben, aber er hat eine schweigsame Diplomatie betrieben“.  Zur Lektüre des Beitrags in Pagina/12 klicken Sie bitte hier.

Der Artikel verweist empfehlend auf das Buch von Mignone, „Iglesia y dictatura“,  El papel de la iglesia a la luz de sus relaciones con el régimen militar.
por Emilio Mignone, Ediciones del Pensamiento Nacional, 4° Edición, Septiembre de 1987.

Ergänzung am 31. 3. 2o13: Wir verweisen auf den ausführlichen theologischen Artikel des Autors Washington Uranga in der Tageszeitung Pagina 12 aus Buenos Aires (31.3. 2013) mit dem Titel: „Von welcher Option für die Armen spricht der Papst“. Der Autor weist nach, wie der religionsphilosophische Salon schon früher, dass sich Kardinal Bergoglio in Buenos Aires eher der caritativen Unterstützung der Armen widmete „und versuchte, diese Position mit der politischen Macht listig und diskret zugleich zu vermitteln“. Bergoglio also dachte (und denkt) eher in der Kategorie „Kirche FÜR die Armen“ als in der befreiungstheologischen Kategorie „Kirche der Armen“, im Sinne von: „Kirche gestaltet VON den Armen“. Uranga schreibt:“ Bergoglio hat sich der radikalen Position der Befreiungstheologen nicht angeschlossen. Das lag auch daran, dass sich argentinische Theologen, wie etwa der populäre Lucio Gera, niemals mit der Befreiungstheologie anfreunden konnten, weil sie auch Beiträge des Marxismus für richtig befand…Insgesamt hat sich die argentinische Kirche – von der kleinen Bewegung „Priestern für die Dritte Welt“ abgesehen – Ende der sechziger und in den siebziger Jahren (Konferenzen von Medellin und Puebla) fremd und fern und mißtrauisch verhalten gegenüber den anderen (oft befreiungstheologisch eher freundlicheren) katholischen Kirchen in Lateinamerika. Und dies waren genau die Jahre, in den Bergoglio als Priester sich bildete und als Theologe. Die argeninischen Bischöfe waren auf den entscheidenden Bischofsversammlungen in Medellin und Puebla wenig „präsent“ (im Sinne von aktiv dabei), anders hingegen auf den späteren Konferenzen von Santo Domingo und Aparecida: Diese wurde von Papst Benedikt XVI. geleitet oder stark geprägt, die Endredaktion der Texte von Aparecida (2007) hatte Kardinal Bergoglio.

Wir fragen: Erstaunlich bleibt, dass Befreiungstheologen wie Leonardo Boff (oder auch Bischof Kräutler, beide Brasilien) große Hoffnungen in den eigentlich der Befreiungstheologie gar nicht gewogenen Papst Franziskus setzen. Wissen sie zu wenige Fakten von Bergoglio? Wollen sie den Papst durch allzu heftiges Loben auf ihre Seite ziehen? Oder ist es ein „gesamtlateinamerikanischer Stolz“ der beiden, dass nun ein Latino überhaupt einmal Papst geworden ist? Abetr wir stark werden Argentinier im allgemeinen überhaupt als „Latinos“ wahrgenommen, das ist eine andere Frage.

Das Interview mit dem argentinischen Journalisten und kritischen Beobachter der Kirchenszene Argentiniens Horacio Verbitzky wurde im NDR am 27. 3. 2013 gesendet; zur Lektüre klicken Sie bitte HIER.

FUßNOTE 1:

sábado, 31 de julio de 2010

Entrevista a Fortunato Mallimaci: “El rol de Bergoglio es nefasto”

Por Néstor Leone. (*)

Doctor en Sociología y especialista en temas ligados a la historia del catolicismo y las distintas formas de religiosidad popular, Fortunato Mallimaci analiza en esta entrevista la forma en que la jerarquía eclesiástica encaró la discusión sobre el matrimonio entre personas del mismo sexo. Además, hace un poco de historia y repasa continuidades y rupturas respecto de la relación entre la Iglesia Católica, los poderes políticos y las cuestiones de Estado. “No comprende lo que sucede en la sociedad”, dice Mallimaci acerca del cardenal primado Jorge Bergoglio. “Creyó que su presencia en el mundo de la política partidaria le iba a dar apoyos, y quedó demostrado que no es tan así”, señala entre las razones de la derrota eclesiástica.

¿Cuál es su primer análisis, luego de la sanción de la ley?
Que la Iglesia jugó a todo o nada, y se quedó con nada. Perdió porque pasó lo que tenía que pasar. La ley de matrimonio igualitario, si no se sancionaba este año, se hubiese sancionado el próximo. O el otro. Estamos en una etapa de nuestra vida democrática en donde el tratamiento de estos temas ya no se puede posponer. El problema es que tenemos una Iglesia que todavía no lo entiende. Pero se están quedando solos. El hecho de que ciertos sectores políticos tomaran distancia es relevante, porque se dieron cuenta de que, a pesar de las presiones, votar a favor de esta ley les generaba más simpatías públicas que votar en contra.
¿Por qué jugaron a todo o nada y endurecieron sus posturas?
La jerarquía está en estado febril. Prefiere el enfrentamiento y dejar atrás el discurso del consenso y la unidad nacional para mostrarse como una institución de poder. Pero nada muestra mejor ese estado febril, que la prohibición al cura Nicolás Alessio de dar misa. Una verdadera locura, y sólo por hacer pública una disidencia.
El lobby sobre los legisladores también puede ser otro punto.
Sobre los legisladores, sobre los medios… El lobby fue muy fuerte, es cierto. Pero muy burdo. En lo personal, pienso que han optado por hacer público su reclamo para hacer crecer el miedo y ganar en legitimidad. El problema para ellos es que, al ser tan burdo, perdieron entre el conjunto de la población por la multiplicación que hicieron los medios de algunas declaraciones inadmisibles. Y esto se relaciona con otra cosa que no es menor. Al no tener movimientos laicales fuertes, al no tener gente porosa en el resto de la cultura social, política y sindical fueron los mismos obispos quienes tuvieron que salir al ruedo. Y a los obispos no les gusta eso. Les gusta estar en las sombras, ser comandantes en jefe, conducir desde el patio trasero. De lo que no se dieron cuenta es que la sociedad argentina cambió mucho en los últimos años en temas de derechos y respeto de la diversidad.
¿Hubo un quiebre, un corte, respecto de lo que venía sucediendo?
Los pronunciamientos hablan de eso. La movilización de los niños en las escuelas es un hecho gravísimo. Parecía un límite infranqueable y, sin embargo, se lo traspasó. Que se haya apelado a eso habla de ese estado febril y habla, también, de que entendieron mal lo que estaba en juego, como leyeron mal lo que pasó con el divorcio y están leyendo muy mal lo que sucede en la cultura dominante. Por ejemplo, los nuevos valores que imperan y el proceso amplio de individuación que atravesamos. Tanto insistir con la ley natural, casi como única manera de entender la misión de la Iglesia, los llevó a callejones sin salida, porque si hay sólo ley natural, no hay historia ni hay presencia de Dios en la historia. Y esto, me parece, ha descolocado a mucha gente internamente.
¿Qué implican, en este contexto, que haya apelado a términos como “guerra de Dios”?
En lo personal, les agradezco esta frase porque me permite insistir con que ese modelo integralista, antiliberal, superortodoxo, conservador, que reacciona contra la modernidad sigue muy vigente. El problema que tienen es que concita mucho rechazo. No sólo de parte de la Presidenta, sino también de la sociedad civil. La sensación es que actúan como si estuviésemos viviendo en época de dictadura. No es casual que hace unos días Videla también hablara de guerra.
¿Piensa que todo esto tendrá consecuencias aún más gravosas para la Iglesia como institución?
Por supuesto. La Iglesia ya viene con un cuestionamiento no menor desde la época de la dictadura, por el tema de los derechos humanos y su complicidad. Ahora, durante estos días también se dio un cuestionamiento importante de parte de sacerdotes y comunidades de base. “No encontramos a Jesús en las posturas de ustedes”, han dicho y es muy fuerte. Y que se haga público es más fuerte todavía. La mayoría de los medios, que son condescendientes con estos obispos, no han tenido otra que empezar a publicar estas cosas… Otro obispo, en estos días, dijo algo muy claro sobre lo que la Iglesia todavía sigue pensando: “el matrimonio merece la tutela del Estado”.
Lo dijo Héctor Aguer.
Lo dijo Aguer, pero lo piensa la mayoría. Es una Iglesia Católica que no puede pensarse sin el Estado, que no distingue entre esfera estatal y propuesta para sus fieles. Claro, si cada vez sus fieles son menos y, de esos que siguen siéndolo, son pocos los que se apegan al dogma…
¿Cómo evalúa el rol jugado por Jorge Bergoglio?
Nefasto. El rol que juega Bergoglio es nefasto.
Fue un abanderado de esta cruzada.
Fue un abanderado, un monje negro, todo junto. No comprende lo que sucede en la sociedad. Creyó que su presencia en el mundo de la política partidaria le iba a dar apoyos, y quedó demostrado que no es tan así. Esta estrategia me recuerda mucho a la que tuvieron los militares durante la Guerra de Malvinas. No sólo repiten el lenguaje militar, como hizo Bergoglio, sino que replican su lógica. Los militares pensaron que, como eran aliados de los norteamericanos, éstos nos iban a ayudar en la guerra. Acá pasó lo mismo: no entendieron la lógica que gobierna lo político-partidario.
¿Cuánto tiene que ver esto con el juego interno de la Iglesia a nivel mundial y las apetencias papales de Bergoglio?
Difícil saberlo. Además, desconozco cuántos votos sacó en la elección papal. Él dice que no lo sabe; su vocero, tampoco. ¿Por qué tendría que confiar en lo que dijeron algunos medios? ¿Cuáles fueron esas fuentes? No dejo de impresionarme por el modo en que se trabajan estas cuestiones. Lo mismo pasó con este tema. Es cierto, la Iglesia tiene un poder simbólico muy fuerte, pero es más lo que ha perdido y lo que siguen perdiendo con manifestaciones de este tipo. La misa de Bergoglio, en Constitución, por ejemplo, por la trata de personas, es otra lectura retrógrada, premoderna de la realidad. ¿Qué dijo? Que la ciudad es el lugar del pecado, cuando, hoy, el noventa por ciento de los argentinos vive en ciudades…
¿Se puede pensar en una sobreactuación?
Si sobreactúa es porque está perdiendo legitimidad y fieles. Sobreactúa para imponerse, porque es su autoridad la que está en tela de juicio. Hasta Mauricio Macri le dijo que no en varias oportunidades. Hasta Macri, y en su propia diócesis. Lo mismo pasa en la Conferencia Episcopal, de la que Bergoglio es presidente. Les repartieron un documento a los sacerdotes para que lo leyeran desde el púlpito, porque no son capaces de mantener una discusión racional en el espacio público. Le están hablando a un pequeño grupo de católicos movilizados, un núcleo duro que pretenden consolidar, pero no le están hablando al resto de la sociedad. Hasta no hace mucho tiempo tenían un discurso para el conjunto de la sociedad, mientras trataban de que esos grupos duros quedasen adentro. Ahora es al revés. Alquilaron ómnibus para que la gente se movilizara. Y actuaron con la misma lógica que dicen ver en otros. Sólo les faltó la chorihostia.
Clientelismo, digamos.
No me gusta utilizar la categoría clientelismo con tanta facilidad, pero si vamos a hablar de clientelismo también les cabe a ellos. Se conciben por encima de la sociedad y del conjunto de los partidos, y terminan actuando como cualquier grupo partidario en búsqueda del poder.
En el caso de Bergoglio, esa lógica política se puede rastrear. Su cercanía con Guardia de Hierro es apenas un primer antecedente.
Pero si piensa seguir con esa lógica está equivocado. Bergoglio está llevando a la Conferencia Episcopal a una de sus mayores pérdidas de credibilidad y derrotas en la historia argentina. Los demás tienen todo el derecho de acompañarlo. Lo que no pueden hacer es querer trasladar eso a la democracia, al Estado.
¿Qué distancia separa a Bergoglio de sectores más integristas, como el que representa Héctor Aguer?
Mi profesor de Historia del Catolicismo, Émile Poulat, le hubiera dicho que ésa no es la pregunta correcta, sino qué los une, qué le permite que sigan estando juntos. Bueno, los une la idea de que la familia es el centro de la sociedad, la concepción patriarcal de la familia, la idea de que la mujer debe permanecer en una segunda posición, la concepción de que los trapitos sucios hay que esconderlos. Y, ahora, los une la condena al sacerdote Alessio, como antes los unió el silencio ante el caso Christian von Wernich, condenado por asesinatos, torturas y crímenes de lesa humanidad. A ver si nos entendemos: tanto Aguer como Bergoglio no sólo no le piden al sacerdote Julio Grassi, condenado por violar a niños, que se vaya de la Iglesia, sino que ponen dinero para pagarle sus abogados. Con el arzobispo Storni hicieron algo parecido.
Son más las cosas que los une, entonces.
Desde ya. Los une la idea de que esto subvierte los valores de la sociedad, una idea de jerarquía que llevan al extremo, la idea de que la obediencia es lo principal y, por supuesto, la idea de que hay que afirmar certezas y que el relativismo es el principal enemigo a combatir. Muchos católicos no entienden este manejo partidario de Bergoglio, de Aguer, de Jorge Casaretto, ese juego en las sombras. Uno hace de bueno y busca sindicalistas. El otro hace de malo y busca tipos más conservadores.
¿Qué pasará de aquí en más?
Los mariscales de la derrota deberían dar un paso al costado y reflexionar por qué perdieron. Deberían preguntarse, por ejemplo, si quieren quedarse con un pequeño núcleo duro que les dé certezas a ellos y a sus afirmaciones o si prefieren dialogar con el conjunto de la sociedad argentina que, sobre estos temas, quiere más derechos, más participación y más pluralidad.
Que esos mariscales de la derrota den un paso al costado, supongo, debe ser más bien una expresión de deseos.
Por cierto. En esta Iglesia no pasan estas cosas, pero no estaría mal que lo hicieran. No estaría mal que esos mariscales guardasen silencio, porque cada vez que hablan atentan contra aquellos que quieren construir diálogo en la diversidad. Por eso valoro mucho la autonomía que se dieron los partidos políticos para votar. Dejaron de lado la amenaza concreta que hizo la Iglesia y eso me parece un paso fundamental para la democracia argentina.

El rol del Opus Dei

¿Qué rol jugó y qué peso tuvo el Opus Dei en la discusión?
En su momento, el Opus Dei, como movimiento laical, denunció cierta clericalización del catolicismo argentino. Incluso, se enfrentó a ese clericalismo porque no los dejaba crecer. Hoy, esas críticas quedaron atrás, en un segundo plano, porque el que estaba en juego era un tema que, para ellos, resulta central. Cuando se trata el tema de la familia y ven que pueden imponer la concepción que ellos tienen del tema, dejan todo lo demás de lado. Por eso, hoy, esa afinidad es muy fuerte. Además, no hay que olvidar que los dos obispos del Opus, el de Santiago del Estero y el de San Juan (ndr: Francisco Polti y Alfonso Delgado, respectivamente), fueron quienes más incitaron a la movilización. Hay una razón instrumental, tantas veces criticada en los demás, que hoy se cumple tanto para el Opus Dei, como para Jorge Bergoglio o Héctor Aguer.
Página/12 informó, en estos días, que a la cruzada se había sumado el supernumerario español Benigno Blanco.
No lo pude chequear, pero puede ser. La transnacionalización de los grupos católicos es un hecho. Los grupos ProVida son los mismos aquí, en Estados Unidos, en España.

Los disensos y los miedos
¿Qué pasa entre los obispos, más allá de Héctor Aguer y Jorge Bergoglio?
En la Iglesia argentina no hay opinión pública posible. Una institución que es incapaz de escuchar el disenso interno, que es incapaz de escuchar la opinión de la sociedad y que, ante algún tipo de declaración pública de un sacerdote, lo único que hace es sancionarlo, está muy dificultada de comprender los cambios en la sociedad y actuar en consecuencia. Es cierto, así como la sociedad contemporánea no vivió nunca tanto tiempo en democracia, la Iglesia tampoco. Pero no se acostumbra. Por eso no entienden, por ejemplo, que los medios tengan su lógica propia y hagan su juego, más allá de sus presiones. Que no entiendan esto los lleva a enojarse con esos medios, porque los creían aliados eternos.
¿Hasta dónde llega el disenso interno, entonces?
Hay cualquier cantidad de obispos que están en contra de que Bergoglio sea el jefe simbólico, mediático o material de la oposición. Pero se animan a decirlo y hablan por debajo. El miedo predomina sobre la libertad o la posibilidad de hacerlo público.
¿Qué pasa con las comunidades de base, con los laicos?
Hay desconcierto. Por eso me parece que lo de Nicolás Alessio es muy importante. Ahí hubo un grupo de sacerdotes muy valientes que hizo pública la diferencia con la autoridad, que es el corazón del poder de la Iglesia. La Iglesia Católica no castiga a un asesino ni a un pederasta mientras diga que respeta la autoridad. Bueno, que haya surgido un grupo de sacerdotes que haya salido a decir en el espacio público y por los medios que estaba en desacuerdo, me parece importante. Pero, más todavía, me parece importante que los medios hayan tenido que difundirlo. ¿Por qué paso? Porque expresó un sentir de muchísima gente que, hasta ese momento, no tenía una expresión pública.
Una historia de enfrentamientos.

No es la primera vez que la Iglesia se enfrenta al poder político. ¿Qué diferencia encuentra con otros hechos?
Es cierto. La Iglesia Católica tuvo conflictos con el mundo liberal cuando se sancionó la educación pública, gratuita y obligatoria. Tuvo conflictos cuando salió la Ley del Matrimonio Civil, la Ley de Registro Civil, la Ley de Cementerios. La diferencia con ese momento es que era una Iglesia con menos peso. En los conflictos con el primer radicalismo y con el peronismo la cosa fue distinta. Y la cosa terminó peor. La quema de Iglesias y el bombardeo a la Plaza con los aviones que tenían la inscripción “Cristo Vence” es un ejemplo. Lo que vino después fue décadas de paz militar-católica, que se interrumpió con el gobierno de Raúl Alfonsín y la Ley del Divorcio, con un nuevo conflicto.
Los argumentos, en cada caso, fueron más o menos similares, ¿no?
Sí, en buena medida: que peligraba la familia, que llegaba el acabose. Como dije, la diferencia es que, en 1880, la Iglesia que se resistía a los cambios era una institución débil. La de estas épocas es una Iglesia más poderosa, sobre todo, luego del proceso de militarización y catolización que vivió nuestra sociedad. Y como tal, no quiere perder los privilegios conseguidos. Yo espero que los obispos, ahora, digan que no aceptan más el salario de este Estado corrupto y pecaminoso, que distorsiona la familia…
No lo van a hacer.
Claro, porque son hipócritas. ¿Por qué este discurso sobre la sexualidad y la familia no penetra tanto? Porque en los últimos dos o tres años lo único que hemos escuchado de la Iglesia son casos de abusos sexuales de curas y obispos. ¿Qué autoridad moral tiene la Iglesia para levantar el dedo? Hay algo ahí muy profundo que habrá que ver si quieren cambiar o no.
Respecto de este gobierno, está el antecedente del caso Antonio Baseotto.
Es cierto, fue casi un símbolo del cambio en el vínculo con el poder político. Por eso es importante lo que pasó con la votación en el Senado. La política debía acompañar las posturas de buena parte de la sociedad para que se diferenciase lo político de lo religioso, para que quedase clara la diferencia entre los preceptos de la Iglesia y las leyes del Estado. Por suerte, hoy estamos en otra era, donde la consolidación de la democracia no deja otra cosa que el debate respetuoso. Pero recuerdo cuando Bergoglio acusó de blasfemo a León Ferrari, calificativo en desuso y totalmente desatinado para un artista. Dijo “blasfemo” y el núcleo duro de fieles rompió toda la muestra. (PE/Debate)

(*) Publicado en la revista Debate, de Buenos Aires, en la edición del 16 de julio de 2010.
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Franziskus – der „zweite Christus“. Hinweise zum Namen des neuen Papstes

Franziskus – der „zweite Christus“.

Mit einer Ergänzung am 17.3.2013: Das argentinische Gesicht von Kardinal Bergoglio. Kritische Hinweise von Prof. Fortunato Mallimaci, Buenes Aires. Bitte klicken Sie zur Lektüre hier.

Von Christian Modehn

Der neue Papst hat einen höchst ungewöhnlichen Namen gewählt: Franziskus. Liegt darin eine Verheißung für eine Reform der römischen Kirche oder ist diese Namenswahl eine beruhigende Besänftigung? Das wird sich zeigen. Immerhin wollen wir auf einige Aspekte zum Papstnamen Franziskus aufmerksam machen:

Etwa seit dem 11. Jahrhundert ist es üblich, dass sich Päpste nur vordem schon gewählte Namen aussuchen.  Bis dahin herrschte eine bunte Fülle von Namen, Vigilius, Agapet, Pelagius usw.

Ein gewisser „Bruch“  in der Namenswahl wurde 1978 durch den so freundlichen, aber nur wenige Tage regierenden Johannes Paul I. eingeleitet.

Der religionsphilosophische Salon, von außen die Szenerie der Kirchen beobachtend, meint: Allein die Wahl dieses Namens Franziskus ist sensationell, wenn sie nicht sogar auf einen radikalen, neuen Stil und Geist im Papsttum hinweisen könnte. Ob sich allerdings die Sanftheit des heiligen Franziskus wiederfindet in der schroffen Ablehnung etwa der Homoehe durch Kardinal Bergoglio (gerade in einer von Machismo geprägten lateinamerikanischen Welt, in der Homosexuelle immer noch belästigt und beleidigt werden) ist  fraglich. Und ob Kardinal Bergoglio franziskanisch denkt, wenn er die Zusammenarbeit von Kirche und Militär in Argentinien eher höchst diplomatisch bespricht und wohl auch vieles verschleiert, ist ebenfalls höchst problematisch. Franziskus von Assisi lag an der öffentlichen Freilegung aller Gewaltstrukturen!

Dennoch: Den Namen Franziskus hat bisher kein Papst zu wählen gewagt. Mit gutem Grund: Franziskus von Assisi (1182 – 1226) ist nicht nur der beliebteste und hoch verehrte Heilige der Katholiken, sondern weithin auch in der Ökumene, etwa in evangelischen Franziskus – Bruderschaften oder in der Anglikanischen Kirche bekannt. Selbst die säkulare Ökobewegung bezieht sich auf Franziskus, zurecht!

Mehr noch: Der heilige Franziskus wird populär unter Katholiken als der „zweite Christus“ verehrt. So makellos, so radikal wird die Beziehung des Franz von Assisi zur biblischen Botschaft, zum Evangelium vor allem, erlebt. Bisher wagte kein Papst, sich auf diesen „zweiten Christus“ in der Namenswahl zu beziehen! Ist die Wahl des Namens Franziskus vielleicht eine „Überforderung“, fast eine „Blasphemie?“ Einen Papst Petrus II. hat es ja bekanntlich bisher nicht gegeben. Nun also der Name des „zweiten Christus“ Franziskus, das ist auch äußerst anspruchsvoll….

Wenn jetzt ein Jesuit als Papst den Namen Franziskus wählt, will er sich offenbar in die Linie der Radikalität der Bergpredigt stellen, könnte man vermuten. Bergpredigt bedeutete für Franziskus von Assisi: Gewaltfreiheit und Dialog, Respekt vor allen Wesen, Armut. Aber: Kann ein Papst Franziskus in einem Renaissance Palast des Vatikans überhaupt nur den schwachen Anschein wecken, arm zu sein? Stehen also bald Umzüge im Vatikan, in Rom, bevor?

Franziskus von Assisi war am Dialog, nicht an der Mission der Muslime in Nordafrika ausdrücklich interessiert. Franziskus, der sanfte, ist wohl eine Inspiration für das Miteinander von Christen und Muslims.

Franziskus von Assisi fühlte sich als radikaler Kirchenreformer. Der machtvolle (machtbesessene) Papst Innozens III. (als Papst von 1198 – 1216)  sah im Traum, so der Künstler Giotto, wie Franziskus von Assisi die zusammenstürzende Kirche, die Lateranbasilika, stützt. Deswegen wollte Innozens III. den radikalen  Reformer Franziskus in die Kirche stark einbeziehen.

Der heilige Franziskus als Retter der römischen Kirche – auch das ist ein Bild, das sich tief unter Katholiken eingeprägt hat.

Franziskus, der Gründer einer radikalen Laienbewegung, fügte sich dann aber doch den Befehlen der Päpste, und ließ zu, dass ein päpstlich kontrollierter „überschaubaren“ Franziskaner – Orden mit Priestern entstand, Franziskus selbst war aber immer „Laie“ geblieben.

Franziskus von Assisi hat aus seiner (erotischen?) Verbundenheit mit seiner Gefährtin, der Nonne Clara,  nie einen Hehl gemacht. Ist es hoch spekulativ, aus diesem historischen Vorbild, auf einen Impuls zur Neubestimmung des Pflicht – Zölibats im katholischen Klerus zu schließen? In Fragen der Erotik ist Herr Bergiglio bekanntlich nicht der mutigste Erneuerer, siehe seinen scharfen Protest gegen die Homoehe in Argentinien.

Franziskus von Assisi ist sicher der populärste Heilige in Lateinamerika. Seine Verehrung ist dort enorm. Der damalige Franziskanerpater Leonardo Boff aus Brasilien hat mehrere Franziskus Studien geschrieben. Boff ist einer der Gründer der Befreiungstheologie, er wurde von Rom (Kardinal Ratzinger) verurteilt. Die Befreiungstheologie hat in Argentinien nie eine so explizite Rolle gespielt wie etwa in Brasilien, Chile oder Peru. Es gab nur wenige Bischöfe, die offen die Befreiungstheologie verteidigten, einige kamen dabei ums Leben, wie der Bischof von Avellaneda. Bergoglio hat sich in Argentinien sicher nicht als Befreiungstheologe gezeigt, diese Theologie scheint ihm – pauschal sicher nicht treffend – „marxistisch“ zu sein. Tatsächlich pflegen Befreiungstheologen die Analyse der Klassengesellschaft, sie deuten die Kirchliche Lehre im Licht der Befreiung, was zurecht zu heftiger Kritik an der römisch – katholischen Dogmatik und Moral führt, etwa, wenn die klassische Dogmatik Jesus vor allem als Gottmenschen hoch über der Erde plaziert, und ihn nicht mehr als Jesus von Nazareth gebührend menschlich – sozialkritisch und rebellisch würdigt. Jedenfalls zeigte sich Kardinal Bergoglio in Buenos Aires als caritativ engagierter Freund der Armen. In den letzten Jahren hat er den Kapitalismus heftig kritisiert, damit hat er wohl die Linie der katholischen Soziallehre weiter radikalisiert und Aspekte der Befreiungstheologie sicher – unthematisch – übernommen. SPIEGEL ONLINE schreibt am 14. 3. 2013: „Vor wenigen Wochen warnte Bergoglio vor der „alltäglichen Übermacht des Geldes mit seinen teuflischen Folgen von Drogen und Korruption sowie dem Handel von Menschen und Kindern, zusammen mit der materiellen und moralischen Misere“. Aber SPIEGEL Online fügt hinzu, und das vervollständigt das Bild: „Als Bergoglio die Gesetzesvorlage zur gleichgeschlechtlichen Ehe als „Teufels-Manöver“ bezeichnete, antwortete Argentiniens Staatschefin Cristina Fernández de Kirchner, diese Kritik erinnere an die Zeiten der Inquisition“. Überhaupt spricht Papst Franziskus auch jetzt bereits oft vom Teufel…

Wenn man seine Tätigkeit in Buenos Aires kritisch betrachtet, wie dies Prof. Fortunato Mallimaci tut, kommen gewisse Zweifel, wie franziskanisch Papst Franziskus werden könnte. Zur Lektüre des Beitrags klicken Sie bitte hier.

Copyright: christian modehn

Über die Kirche in Argentinien habe ich im Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon früher schon einige Hinweise publiziert, besonders zur Verquickung von Militär und Kirchenführung. Zur Lektüre klicken Sie bitte HIER:

 

 

Jean Paul zum 250. Geburtstag: Gott ist tot… und lebt im Gefühl.

Jean Paul zum 250. Geburtstag: Gott ist tot … und lebt im Gefühl. Veröffentlicht am 11.3.2013

siehe den aktuellen Beitrag vom 17.10.2025: LINK 

 

Auf das Papsttum verzichten

Auf das Papsttum verzichten

Von Christian Modehn

Der Amtsverzicht Papst Benedikt XVI. sollte zu tieferen und durchaus radikalen ( wörtlich bedeutet „radikal“  auf die Wurzeln des Evangeliums Jesu von Nazareth bezogenen) Entscheidungen führen. Es sollte jetzt die theologisch gesicherte Erkenntnis auch praktisch und kirchenpolitisch respektiert werden: Der Spruch aus dem Matthäusevangelium „Du bis Petrus der Fels, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen“ (Mt 16, 18) stammt nicht von Jesus von Nazareth selbst. Jesus von Nazareth dachte gar nicht an eine Kirchengründung, schon gar nicht an ein Papsttum: Das ist heute allgemeine gesicherte theologische Erkenntnis. Nur fundamentalistische Bibellektüre (etwa in Rom) ignoriert das aus Gründen des Machterhalts. Und weiter hat der Spruch bei Mt. nur den Sinn, dass sich die spätere Gemeinde, die den Spruch „erfand“, sich ihrer langfristig gesicherten Existenz sozusagen jesuanisch versichern wollte.

Wer die lange Geschichte der Bischöfe von Rom, die sich dann Päpste nannten, betrachtet, etwa die durchgehende Korruptheit der Männer auf dem „Stuhle Petri“ (die Medici usw) seit dem 14. Jahrhundert bis weit über die Zeiten Luthers hinaus, vorher die Machtgelüste in Zeiten des „Exils von Avignon“, später die Ignoranz der Päüste seit dem 19. Jahrhundert allem Modernen, allen Menschenrechten, gegenüber… der fragt sich ohnehin: Was ist wirklich „schlimm“, wenn diese so belastete Form des Papsttum, auch heute  immer noch barocker Prägung, (siehe „letzte absolute Monarchie auf Erden“) nun  aufs „Weitermachen“ verzichtet. Es sollte doch wenigstens einmal diskutiert werden: Ist ein Katholizismus ohne Papsttum nicht nur möglich, sondern – aus spirituellen wie politischen Gründen- nötig. Diese Diskussion findet kaum statt, die TheologInnen an den Universitäten sind sich dafür zu fein. Sie spekulieren lieber mit dem medialen Mainstream: Na, wer wird denn der nächste Papst? Wäre nicht endlich eine umfangreiche Studie fällig: „Für einen Katholizismus ohne Papsttum“. Natürlich mit Beteiligung von Protestanten, die noch einmal wieder holen könnten: „Martin Luthers Papstkritik bleibt nach wie gültig“. Aber nein, statt dessen drehen sich die sogen. kritischen Katholiken im Kreise und fordern die ewigen Verbesserungen des Katholizismus. Warum sagt niemand: Das Papsttum selbst  – als absolute Monarchie nach eigenem Bekenntnis gelebt – ist ein Irrweg?

Das ist der Hintergrund des folgenden allzu knappen Beitrags, der auf der website von PUBLIK FORUM am 16. 2. 2013 erschienen ist, wir empfehlen bei der Gelegenheit erneut diese unabhängige Zeitschrift zur Lektüre und zum (Probe-) Abonnement. Zur Lektüre des aktuellen Beitrags „Der nächste Papst sei der letzte“ klicken Sie bitte HIER.

 

Der Elysée Vertrag und die katholische Kirche in Deutschland

Von Frankreich nichts gelernt – Der Elysée Vertrag und die katholische Kirche in Deutschland

Ein Kommentar von Christian Modehn

Der Elysée – Vertrag (22. Januar 1963) versteht sich ausdrücklich als Freundschaftsvertrag. Er will die deutsch – französische Zusammenarbeit fördern, möchte für menschliche Begegnungen und Partnerschaften sorgen, etwa auch zwischen Schulen und Vereinen. Der Elysee – Vertrag will mit anderen Worten auch die Gesellschaft von falschen Vorstellungen und Feindbildern befreien. Deswegen ist es normal, auch die Kirchen und Religionen mit dem Thema „Elysée – Vertrag“ zu konfrontieren, sind sie doch Teil der Gesellschaft.

Sind Franzosen und Deutsche in den letzten 50 Jahren einander näher gekommen? Wurden tief sitzende Missverständnisse überwunden? Sind Freundschaften über die Grenzen hinweg entstanden? So pauschal gefragt, wird man diese Fragen als journalistischer Beobachter – 50 Jahre nach dem Elysée Vertrag – sicher positiv beantworten.

Schwieriger wird es, wenn man einen Sektor der deutschen Gesellschaft näher anschaut, z.B. die katholische Kirche in Deutschland: Haben Katholiken hierzulande von ihren französischen Freunden gelernt? Gab es Austausch, der über das muntere Feiern und kulturell „hoch interessierte“ Besichtigen (etwa von Klöstern, Gemeinden) hinausging? Hat man sich vom französischen (katholischen) Freund anregen oder verunsichern lassen im eigenen Selbstverständnis? Diese Fragen werden im Umfeld der „Elysée – Feierlichkeiten“ nicht gestellt. Darum einige Hinweise, die dokumentieren: Wirkliches Lernen in der Begegnung mit den Religionen in Frankreich fand in Deutschland offenbar nicht statt. Was französische Katholiken von deutschen gelernt haben, ist eine eigene Frage, die später beantwortet werden kann.

Aber zuerst ein Wort in eigener Sache: Die Fragen nach der konkreten Gestalt einer bestimmten Religion gehören auch zu einem weiten religionsphilosophischen Interesse. Hegels Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie etwa bietet genaue Analysen der damaligen faktischen Religionen und Konfessionen… Mit Frankreich (und mit Franzosen) verbindet mich recht viel: Ich habe als Journalist und Theologe von 1989 bis 2005 im Saarländischen Rundfunk (SR2) ca. 50 Halbstunden – Sendungen unter dem Titel: „Gott in Frankreich“ gestaltet, Redakteur war Norbert Sommer. Diese Sendungen verstand ich als Form des Dolmetschens, also des Erklärens, was jenseits des Rheins religiös lebt. Die Ausgangsthese war, die immer wieder bestätigt wurde: Religiöses Leben ist dort –vergleichsweise – vielfältiger und experimentierfreudiger als in Deutschland, das galt auch für die katholische Kirche… Außerdem habe ich 1993 das Buch „Religion in Frankreich“ (Gütersloher Verlagshaus) veröffentlicht sowie etliche Filme für die ARD über die katholische Kirche in Frankreich realisiert, u.a. zwei Halbstundenfilme über Bischof Jacques Gaillot (in Evreux, dann nach der Absetzung durch den Papst im imaginären Wüstenbistum Partenia) oder über eine Gemeinde in Ivry, in der Banlieue von Paris, geleitet von der „Mission de France“ (2005).

Aufgrund dieser und vielfältiger anderer Arbeiten über die Religionen, vor allem den Katholizismus, in Frankreich, versuche ich anlässlich der Erinnerungen an den Elysée – Vertrag (22.1. 1963) zu dokumentieren: Ein echter Dialog, im Sinne der Lernbereitschaft zwischen der katholischen Kirche in Frankreich und der in Deutschland ist öffentlich nicht sichtbar geworden, obwohl doch gerade der Elysée – Vertrag gesellschaftliche Kräfte mobilisieren wollte, offen dem „anderen“ zu begegnen und lernbereit aufeinander zuzugehen.

Es gab bescheidene Initiativen, die auf den (finanziellen) Austausch setzten, wie die Aktion „Contact Abbé“, vor allem in Speyer: Sie war entstanden, um dem (finanziell) äußerst bescheiden lebenden französischen Klerus beizustehen. Tatsächlich erhalten französische Priester und Bischof einheitlich ein Gehalt, das dem Mindestlohn entspricht, momentan etwa 1.000 Euro monatlich.

Aber der Eindruck herrscht vor: Es gab immer – auch nach dem Elysée – Vertrag – eine starke Abwehr in katholischen Kreisen Deutschlands, das französische Modell von Kirche als Anregung zu diskutieren und wahrzunehmen. Immer lief es auf die Behauptung hinaus: Die französische Kirche ist ganz anders, da gibt es nichts zu lernen. Vor allem in grundlegenden Fragen der Kirchenfinanzierung gab und gibt es eine heftige Abwehr in führenden katholischen Kreisen: Da wird die Kirchensteuer wie ein hochheiliges Gut verstanden und verteidigt, und man bedauert eher die französische Kirche, ohne Kirchensteuer auskommen zu müssen. Das Vertrauen ins (viele) Geld ist hierzulande so stark, dass man gar die heutige offenkundige  Schwäche französischer Theologie auf die schlechte finanzielle Ausstattung zurückführt. Dabei sieht man nicht, dass von 1950 bis 1975 viele französische katholische Theologen weltweit hoch angesehen waren, wie Pater Chenu oder Pater Congar: Auch sie lebten bereits in einer „armen“, kirchensteuerfreien Kirche: Die Gründe für die Produktivität der Theologie ist eher in einem Klima der Freiheit zu suchen; dieses gibt es im katholisch – theologischen Raum bekanntlich nicht (mehr)…

Jedenfalls haben viele maßgebliche Beobachter in Deutschland nie wahrnehmen wollen: Die französische Kirche und der französische Klerus wünschen für selbst ausdrücklich kein anderes Modell der Kirchenfinanzierung als über Spenden, also ohne Kirchensteuer. Die Priester und Theologen wollen heute die Gesetze der Laicité (1905), also die Gesetze, die die Trennung von Kirchen und Staat formulieren, beibehalten. Dabei wurden diese Gesetze im Laufe der Jahre weiter entwickelt, meist zugunsten der Kirche: Staatspräsident Sarkozy sprach etwa von einer „milden“, reformierten laicité: Aber bis jetzt verbietet es sich der französische Staat, dass religiös geprägte Vorstellungen unmittelbar staatliches Gesetz werden. D.h. es herrscht nach wie vor ein gewisser Abstand, manchmal Misstrauen, zwischen der Regierung und der Kirche. Man trifft sich zum Dialog, verbietet sich aber wechselseitiges Sich Einmischen. Es wurde in Deutschland nie darüber im positiven Sinne diskutiert, ob nicht dieser „skeptische“ Abstand für die ganze Gesellschaft und den Staat hilfreich ist: Die katholische Kirche mag ja ihre eigenen Gesetze und eigenen religiös motivierten ethischen Vorstellungen haben. Aber diese dürfen niemals allgemeines Gesetz für alle werden (angesichts der religiösen Pluralität und des zunehmenden Atheismus eigentlich eine Selbstverständlichkeit). Es wäre an der Zeit, auch in Deutschland dieses Modell der laicité in Frankreich unverstellt zu diskutieren…

Gerade beim Thema Kirchensteuer wurde und wird auf deutscher Seite auch immer rühmend und stolz kundgetan, dass die Kirchensteuer doch ein viel besseres kirchliches Leben ermögliche. Dabei ist z.B. die Statistik der Teilnehmer an den Messen etwa im Kirchensteuer finanzierten Köln oder im kirchensteuerlosen Paris praktisch identisch, vor allem, was die Teilnahme jüngerer Menschen angeht. Auch die Milliarden Kirchensteuereinnahmen in Deutschland machen die Gottesdienste nicht „attraktiver“ und „voller“; die reiche  deutsche Kirche ist genauso erfolgreich bzw. erfolglos wie die arme französische. Diese Erfolglosigkeit beider Modelle hat offenbar nicht so sehr mit der Geldmenge zu tun, sondern mit der heute mangelnden geistigen Offenheit, der offiziellen römischen Abweisung von Freiheit, der Bindung an Dogmatismen usw.

Dabei wird auch übersehen, dass es zumindest bis ca. 1990 zahlreiche Initiativen in Frankreich gab, die weltweit als wegweisend empfunden wurden: Etwa die Arbeiterpriester und die Ordenskommunitäten, vor allem von Frauen, die mitten in der Stadt, oft unter den Armen, leben und den Alltag der Menschen (Ausländer usw.) teilen. Diese „typisch französischen Experimente“ wurden in Deutschland nicht aufgegriffen. In Frankreich lebten im Jahr 2000 etwa 500 Arbeiterpriester, in Deutschland 20. Es wurde hierzulande auch übersehen, dass es in Frankreich den lange Jahre andauernden Versuch gab (und gibt), neue, moderne Gemeindeformen einzurichten, mit einer Gleichberechtigung der Laien, demokratischen Leitungsstrukturen usw. (etwa die Gemeinden St. Merri in Paris oder die Chapelle St. Bernard in Paris). Es wurde in Deutschland niemals als Anregung wahrgenommen, eine halbwegs offene und wenigstens halbwegs objektive katholische Presse zu gestalten, die auch am Kiosk „für alle“ erreichbar ist, wie etwa La Croix (Tageszeitung) oder La Vie (wöchentliches Magazin) in Frankreich. Und das funktioniert ohne Kirchensteuer! Die Experimente neuer Kirchenmusik (Sylvanès etwa mit Pater Gouzes OP) wurden in Deutschland nicht wahrgenommen; es wurde kaum gesehen, dass gerade die Klöster in Frankreich Ortes des Gesprächs mit so genannten Nichtglaubenden sind. Man interessierte sich in Deutschland etwas für das Modell der Gemeindeleitung durch Laien im Erzbistum Poitiers, aber man war in Deutschland doch schnell mit dem Urteil: „Das passt doch für Deutschland nicht“. Man hat gern den vom Papst abgesetzten progressiven Bischof Jacques Gaillot eingeladen, aber seinen Ansatz einer Solidarität mit Menschen in größter Not (les sans papiers etwa) nicht übernommen. Es ist bezeichnend, dass viele Bischöfe, allen voran Kardinal Meisner, mehrfach Redeverbot für Bischof Gaillot erteilt haben. Ein Zeichen deutsch – französischer Freundschaft? Ein Zeichen dafür, den anderen als anderen zu respktieren? Die meisten Gemeinden beugten sich der autoritären Willkür Meisners, dieses „Herren der Kirche“, die Laien gingen jedenfalls nicht auf die Barrikaden.

Kurzum, es wurde viel gesprochen über den Katholizismus in Frankreich, aber es blieb so zusagen bei der Neugier, um nicht zu sagen beim interessierten Geplauder. Von wirklichen Lernschritten also keine sichtbare Spur. Mag ja sein, dass der eine oder andere mal privat einen Text von Pater Chenu gelesen hat…

Zusammenfassend kann gesagt werden: Im Bereich der katholischen Kirche in Deutschland hat der Elysée Vertrag, als Einladung zu tieferer Kenntnis und Freundschaft, keine Wirkungen gezeigt.

Und heute steht die französische katholische Kirche sozusagen ohne ésprit da: Die modernen, progressiven Ansätze sind fast verschwunden oder wurden gar verboten. Auch in Frankreich nimmt die Zahl reaktionärer Bischöfe stetig zu, man denke etwa an das Bistum Fréjus – Toulon, wo sich alle nur denkbaren äußerst konservativen „neuen Bewegungen“ sammeln. Längst sind die meisten jungen Priester mit den neokonservativen Bewegungen (Charismatiker, Communauté St. Jean usw.) verbunden: Das bis ca. 1985 noch pluralistische Gesicht des französischen Katholizismus ist zuungunsten von Gleichförmigkeit und Strenge und Dogmatismus verschwunden. „Ein trauriger Zustand“, sagt etwa der frühere Pfarrer von St. Eustache in Paris, Gérard Béneteau in seinem lesenswerten, sehr realistischen Buch „Journal d un curé de Ville“, Fayard, Paris 2011. So darf man wohl mit gutem Grund sagen: Die progressiven Kreise wurden ausgegrenzt, sie wurden ermüdet, durch immer neue Verbote in die Resignation getrieben, mundtot gemacht (Kardinal Lustiger von Paris hat darin enorme „Verdienste“, er hat das konservative, autoritäre Gesicht der französischen Kirche bestimmt, beinahe wöchentlich weilte er bei Papst Johannes Paul II). Die am Konzil noch lebhaft interessierten Kreise führen jedenfalls heute ein marginales Dasein, sind ohne Einfluss. Die traditionsreiche linke und progressive Wochenzeitung Témoignage Chrétien wird jetzt noch einmal wiederbelebt. Es gibt einige Klöster als Treffpunkte der Progressiven; es gibt die progressiven „Reseau du Parvis“, eine Bündelung kleiner Gruppen; immerhin gibt es noch die konsequent aufklärerischen Publikationen von „GOLIAS“ (Lyon): Aber die sind so unbeliebt in offiziellen Kreisen, dass selbst die große und angesehene Buchhandlung „La Procure“ in Paris die Golias Zeitschriften nicht mehr verkauft (vor einigen Jahren waren sie wenigstens noch als sogen. Bückware, ganz unten im Regal unsichtbar plaziert). Es breitet sich – wie überall im Katholizismus – eine Angst vor der Freiheit aus.

So bleibt als Gesameinschätzung: Die katholische Kirche in Frankreich ist jetzt auch von Angst besessen, sperrt sich ein, sie verliert deswegen immer mehr kreative Mitglieder. Iin manchen Regionen, wie in Centre, Burgund oder im Limousin, wird das kirchliche Leben in den nächsten 20 Jahren fast ganz verschwinden, weil dann praktisch alle Priester ausgestorben sind und niemand mehr zur Kirche geht. Die Diskussionen um den Pflicht – Zölibat, seit 1960 Dauerthema französischer Theologen, wurden von Rom, später auch von den Bischöfen, abgewürgt. Jetzt sehen diese rigoros dogmatischen Bischöfe, wie sie alsbald fast die einzigen Priester in ihren Bistümern sein werde (siehe etwa die ehrlich und mutigen Äußerungen des Bischofs von Moulins). Auch der Niedergang der französischen Kirche ist sozusagen amtlich verursacht.

Zu lernen gibt es jetzt also eigentlich nicht mehr viel, höchstens, was die Verwaltung des Niedergangs angeht. Natürlich: Einige Klöster halten sich tapfer, sind offen und einladend, und manch ein Pfarrer bemüht sich um moderne Verkündigung. Aber diese kleinen Kreise (zu denen immer noch die hoch interessante und wegweisende „Mission de France“ gehört) sind alles andere als tonangebend. Es herrscht der raue Wind des Autoritären. Und ein Frühling ist nicht in Sicht.

Copyright: Christian Modehn