Philosophisches Wandern… nach Chorin am 8. August 2014

Meditatives Wandern .. nach Chorin am 8. August 2014.

Der Religionsphilosophische Salon veranstaltet einmal im Jahr eine Art „Ausflug“: Diesmal hat sich Frau Dr. Angelika B. Hirsch, Autorin und Religionswissenschaftlerin, bereit erklärt, mit einer kleineren Gruppe eine meditative Wanderung im Umfeld des ehem. Klosters CHORIN mit uns zu gestalten. Dafür sind wir sehr dankbar, zumal Frau Hirsch viele Erfahrungen im meditativen Wandern hat und dazu auch etliche Publikationen vorgelegt hat.

Wir machen eine moderate, nicht beschwerliche Wanderung, mit Erfahrungen der Stille, des Vortrags, des Gesprächs, der Besichtigung im Kloster Chorin,  des gemeinsamen Essens etc.

Wir starten am Freitag, den 8. August 2014, um 9. 33 Uhr am Hauptbahnhof, fahren mit dem Zug bis ins nahegelegene Britz, wandern in aller Ruhe nach Chorin… Wir würden dann die Gruppenkarten der DB nützen.

Es kann eine intensive Erfahrung eines „anderen“ Ausflugs werden, ein Weg ins Freie, der den eigenen Geist neu öffnet für das Überraschende und „Zu-fällige“.

Wir bitten um feste Anmeldung bis zum 3. August 2014 per email mit der festen Zusage der Teilnahme, weil wir doch eine überschaubare, d.h. gesprächsfähige Gruppe bleiben wollen. Anmeldung an: christian.modehn@berlin.de

Frau Hirsch bietet ihr Engagement an diesem Tag uns als ihr Geschenk an! Das nur nebenbei.

Bitte beachten Sie auch die website von Angelika B. Hirsch mit weiteren Vorhaben und Publikationen, zur Lektüre klicken Sie bitte hier.

Zu Chorin:  Da gibt es eine interessante website, klicken Sie hier.

 

 

 

Brasilien: Nicht nur Fußball, sondern auch Philosophie!

In Brasilien startet die Fußball WM. Ein Grund mehr, sich für die vielfältigen Kulturen Brasiliens zu interessieren, für die Religionen natürlich auch.

Aber auch für die Philosophie dort. Zur Lektüre eines einführenden Beitrags (2013 verfasst, aber immer noch aktuell) klicken Sie hier.

Zur Vielfalt der Religionen, vor allem der Kirchen dort, klicken Sie hier.

Die „Philosophie der Befreiung“, zuerst wohl vorgeschlagen von Enrique Dussel, Argentinien/Mexiko, hat unseres Wissens in Brasilien bislang keine relevante Rolle gespielt. Nun findet ab 16. September 2014 in Porto Alegre die 2. Tagung über Befreiungsphilosophie für Brasilien statt. Für weitere Hinweise klicken Sie hier.

Wer sich für einige wichtige (allgemeine) Anregungen zur Philosophie und Theologie des Spiels und des Spielens interessiert, sollte das Interview mit Prof. Wilhelm Gräb lesen. Zur Lektüre klicken Sie bitte hier.

27. Juni, Salonabend: Spielerisch leben. Spielerisch glauben? Perspektiven zum „homo ludens“

Zur inhaltlichen Vorbereitung und Einstimmung empfehlen wir die Lektüre des Interviews mit Wilhelm Gräb „Von der Wunderkraft des Spielens“ auf dieser website. zur Lektüre klicken Sie bitte hier.

Gott um Gottes willen lassen. Ein Salonabend über Meister Eckart am 30.5. 2014

Gott um Gottes willen lassen: Ein Gespräch über einige wichtige Einsichten Meister Eckarts. Ort: Galerie Fantom, Hektorstr. 9, Berlin-Wilmesdorf. Beitrag: 5 Euro.
Siehe den ausführlichen Beitrag zum Thema, klicken Sie bitte hier.

Anmeldung erbeten an: christian.modehn@berlin.de   Nach der Anmeldung folgen einige Hinweise, Texte, zur Einstimmung.

Wir weisen hier schon einmal auf einige Aussagen von Tomas Halik hin, der ja bekanntlich in seinen Büchern die Mystik, und damit auch die Philosophie Meister Eckarts, als seine eigene spirituelle und theologische Haltung beschreibt. In der weithin (manche sagen absolut) säkular erscheinenden Gesellschaft Böhmens zumal sieht Halik gerade in der „mystischen Philosophie“ durchaus Anknüfungspunkte für Gespräche zwischen Glaubenden und sogen. „Nichtglaubenden“.

In seinem neuen Buch „All meine Wege sind dir vertraut. Von der Untergrundkriche ins Labyrinth der Freiheit“ (Herder 2014) schreibt er auf Seite 322 f.:“ Meister Eckart sagt: Gott ist wirklich nichts. In der Welt der seienden Dinge, der vielen Etwas, finden wir ihn nicht. Gott ist nicht ein Bestandteil davon, er ist kein Etwas. Er ist auch nicht das höchste Sein. Und nun kommt die Hauptsache: Damit du Gott begegnen kannst, der nichts ist, muss du auch selbst zuerst zu =nichts= werden, zu niemand. Das bedeutet, sich auf kein Etwas zu fixieren, sich mit keiner Sache zu identifizieren – nicht mit Besitz, mit einer sozialen Rolle, aber auch nicht mit gesitigem Eigentum, mit Wissen. Innerlich frei zu sein, bedeutet an keinen Idolen und Götzenbildern zu hängen. Auch unsere Vorstellungen von Gott, unsere Begriffe und Definitionen können solche verdinglichenden und in die Irre führenden Götzenbilder sein. Gott ist nichts und du werde zu niemand, frei von allem Verhaftetsein, auch von dir selbst entleert. Erst dann wirst du Gott begegnen – =wie ein Nackter einem Nackten=“.

Soweit der Prager katholische Theologe und Soziologe Prof. Tomas Halik.

In unserem newsletter om 15. Mai 2014 hatten wir u.a. geschrieben:

Diesmal geht es um eine Mitte der Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie, um ein Verständnis der Forderung des mittelalterlichen Philosophen Meister Eckart (aber bitte: Mittelalter hier selbstverständlich nicht mit „finster“, „dunkel“  etc. assoziieren, sondern eher mit „modern“). Meister ECKART, war Dominikaner-Philosoph, lebte in Erfurt, Paris, Köln von 1260 – 1328. Er schrieb in seiner Predigt (Über die Armut) zweimal die bewegenden und erschütternden Sätze: „Darum bitten wir Gott, dass wir =Gottes= ledig werden (also von ihm befreit werden)…“ Und an anderer Stelle in derselben Predigt: “Darum bitte ich Gott, dass er mich Gottes quitt (also leer) mache“.

Nach einer einleitenden Erklärung von Christian Modehn könnten wir fragen: Was meint Eckart, wenn er Gott selbst bittet, ihn von Gott zu befreien? Ist das Atheismus, verbirgt sich da Nihilismus? Ist da von zwei unterschiedlichen Erfahrungen Gottes die Rede? Zielt seine Forderung auf ein radikales Aufgeben, auf ein Los- Lassen von allem Weltlichen? Erich Fromm hat diesen Aspekt entdeckt.

 

Gibt es da eine „Relevanz“ für uns? Nur ein Hinweis vorweg: Die Bedeutung könnte größer kaum sein: Meister Eckart liegt daran, die Todesangst zu überwinden. Sind wir doch in seiner Sicht im Wesentlichen göttlich, ewig, deswegen im Wesen, nicht als Leib, unsterblich.

 

Der Philosoph Kurt Flasch hat in seinen zahlreichen neuen und berühmten Studien zu Meister Eckart darauf hingewiesen, Eckart nicht als Mystiker, nicht als frommen Schwärmer, zu verstehen, sondern als Philosophen. Die Erkenntnisse, die er vorlegt, sind begründbar, argumentativ zu erschließen, es sind keine Glaubenssachen.

 

Wir wollen uns mit der deutschen Predigt „Beati pauperes“ befassen, sie führt in noch weitere spekulative Tiefen, das verspricht also ein spannender Abend, durchaus konzentriert, zu werden.

 

Wir schlagen vor, wenn es denn geht, mit der persönlichen Lektüre dieses zweifelsfrei nicht einfachen Textes zu beginnen. Die erste Fremdheit eines Textes kann ja auch faszinieren, muss nicht „stören“. Lesen Sie wenigstens diese eine Predigt, es sind etwa 4 Seiten!!

 

Den Text dieser Predigt „Beati pauperes“ gibt es im Internet in einer alten Übersetzung zum Herunterladen: http://www.zeno.org/Philosophie/M/Meister+Eckhart/Predigten,+Traktate,+Spr%C3%BCche/Predigten/16.+Von+der+Armut    Diese Predigt „beati pauperes spiritu“ befindet sich auch in 2 Büchern, die man auch antiquarisch kaufen kann für weniger als 5 Euro: Einmal im Insel Verlag als Taschenbuch: „Meister Eckart Mystische Schriften“, hg. von dem berühmten Gustav Landauer, da sieht man die enorme Breitenwirkung Eckarts: Landauer war anarchistischer Sozialist, Vertreter der Räte-Bewegung, er wurde im Gefängnis von seinen Feinden totgetreten…Gustav Landauer sagte von Eckart: „Er muss als Lebendiger auferstehen“…. Und das ist er…    Ebenso empfehlenswert ist die Textsammlung des Germanisten Josef Quint, Deutsche Predigten und Traktate, Diogenes , antiquarisch ab  3,50 Euro.  Natürlich kann man beide Bände auch neu kaufen! Allein diese Verbreitung von Eckarttexten zeigt, dass er heute als Zeitgenosse wahrgenommen wird. Auch der Spezialist für Gestalt – Therapie, Stefan Blankertz, hat ein sehr lesenswertes, eher meditatives Buch herausgegeben: Meister Eckart, Heilende Texte. Im Peter Hammer Verlag. Vom „Gestaltsalon“ seiner Frau Gabriele Blankertz in Prenzlauer Berg haben wir ja schon (empfehlend!) berichtet. 

 

Wer sich anmeldet für unseren Salon am 30.5.2014  erhält von mir noch eine kleine Lesehilfe zugesandt. Anmeldung an: christian.modehn@berlin.de

 

copyright: christian modehn

 

 

 

 

 

 

 

 

Jeder Mensch hat seinen Gott. Für ein neues Verstehen des Atheismus. Eine Ra­dio­sen­dung

Eine Ra­dio­sen­dung auf NDR Kultur am 25. Mai 2014 um 8.40 Uhr:

Jeder Mensch hat seinen Gott

Für ein neues Verstehen des Atheismus

Von Christian Modehn

Die Diskussionen über Glauben und Unglauben kommen kaum voran. Denn noch immer gilt als Atheist, wer die Existenz des himmlischen Gottes leugnet. Dabei kann doch kein Mensch ohne eine bestimmte Form des Glaubens auskommen. Jeder findet etwas unbedingt sinnvoll oder hält etwas für absolut wertvoll in seinem Leben: das Hobby, die Arbeit, das Geld, das Ansehen. „Woran dein Herz hängt, das ist dein Gott“, sagte Martin Luther. In dieser Hinsicht sind alle Menschen auf unterschiedliche Art Gläubige. Es ist an der Zeit, diese größere Ökumene zu pflegen und auf alte Feindbilder zu verzichten.

Kapitalismus und Protestantismus. Anläßlich von Max Webers 150. Geburtstag

Kapitalismus und Protestantismus: Zum 150. Geburtstag des Soziologen Max Weber am 21. April 2014

Hinweise anlässlich der Neuerscheinung „Max Weber“ von Jürgen Kaube  (Rowohlt Verlag 2014)

Im Rahmen unserer religionsphilosophischen Interessen und Forschungen möchten wir empfehlend auf die ausführliche und anregende Studie von Jürgen Kaube „Max Weber. Ein Leben zwischen den Epochen“  hinweisen. Wir können hier nur auf einige Aspekte dieses Werkes aufmerksam machen, Aspekte, die zu einem differenziertem Studium der Thesen von Max Weber inspirieren können.

Im Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon Berlin befassen wir uns seit Jahren mit der Frage, wie Mentalitäten, auch religiöse oder speziell kirchlich geprägte, Einfluss haben und bestimmend sein können für politisches, kulturelles und wirtschaftliches Handeln. Uns interessiert etwa innerhalb der Korruptionsforschung die Frage, wie stark volkstümliche, aber auch dogmatisch geprägte katholische Lehren und Bräuche die vor allem in romanischen Ländern (Italien, Lateinamerika) lange dauernde, weit verbreitete Korruption gefördert und zugelassen haben, bis hin zur kirchlich unterstützten Etablierung von Gewaltherrschaft durch Caudillos etwa in Lateinamerika, man denke etwa an die Diktatur von Leonidas Trujillo in der Dominikanischen Republik. Damit hängt  die grundlegende Frage zusammen, wie stark klassisches katholisches Fühlen und Denken etwa die Entwicklung von Demokratie und Republik behindert haben. Da ist das empirische historische Material sehr ergiebig. Und wenn der oberste Leiter des Katholizismus (der Papst) selbst demokratische Strukturen für seinen Staat (Vatikan) und seine Kirche ablehnt, und zwar mit Berufung auf göttliche Weisungen, dann sind für die Bildung von Mentalitäten sozusagen alle Türen geöffnet, auch für das eigene Land demokratische Strukturen  zu unterbinden und zu verbieten, zumindest nicht euphorisch zu fördern. Allerdings wird man wohl niemals monokausal religiöse Mentalitäten für die Struktur staatlicher Verfasstheiten geltend machen können, etwa am Beispiel des Zusammenhangs von Korruption und Katholizismus. Bei dem Thema müsste aber doch die prägende Bedeutung für die Mentalitäten, etwa die Rolle der Wallfahrtsorte (spezielle Wallfahrtsorte für die Mafia gibt es in Italien) und der Beichte usw. entwickelt werden. Das ist ein Forschungsthema unseres Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salons in der Beziehung von Katholizismus und (demokratischer, republikanischer) Mentalität. .

Zu Max Webers Entdeckungen der Beziehung von protestantischer Mentalität und kapitalistischer Wirtschaft: Deutlich ist, wie nuanciert Jürgen Kaube zu dem vielfach besprochenen Zusammenhang von „Kapitalismus und protestantischer Ethik“ Stellung nimmt. Die Arbeiten Webers zu dem Thema sind ja immer noch von hohem Interesse. Darum kann die Lektüre dieser Texte hilfreich sein für eine erste grundlegende Orientierung.

Max Weber, immer bemüht seine aktuelle Gesellschaft zu begreifen, interessiert sich vor allem für „die Mentalität, die den Konkurrenzkampf bejaht“  (S. 181),  und diese kapitalistische Mentalität hat es für ihn bereits geben, als die wirtschaftliche Organisationsform (Kapitalismus) noch gar nicht vorhanden war. Weber entdeckt also bestimmte religiös geprägte Menschen, für die „Selbstdisziplin“, „Berufsfleiß und Konsumverzicht“ der  entscheidend wichtige und gottgewollte Lebensmittelpunkt sind. Und diese Werteordnung findet er in dem von ihm so bezeichneten Puritanismus. „Weber verwendet die Bezeichnung Puritaner  einerseits freigiebig – nämlich für alle ethisch rigorosen Sekten, von den Täufern über die Pietisten bis zu den Methodisten“ (S. 182).  So wird auch Benjamin Francklin in die Reihe der Puritaner gestellt oder der „humanistische Mystiker“ Sebastian Franck.  Nebenbei: Wenn Weber den Begriff „Sekte“ verwendet, denkt er an den heutigen Begriff „Gemeindekirche“ oder „Freikirche“,

Ernüchternd ist die Einschätzung Kaubes:

Max Weber sehe den spirituellen Ursprung seines „herbeikonstruierten Puritanismus“ (S 182) in der (von diesen Kreisen betonten) Unmittelbarkeit des einzelnen Frommen zu Gott selbst. Von Weltlichem, also Irdischen, auch Kirchlich – Institutionellem,  kann in dieser protestantischen Sicht kein ewiges Heil, also keine Erlösung, kommen. Nur durch die eigenen frommen Anstrengungen, dies sind Gebote der persönlichen Gottesverbundenheit, genannt Askese, könne der Fromme spüren, ob Gott wohlgefällig ist. Harte Arbeit ist also erforderlich, meint Max Weber, bis zum Lebensende permanent geleistet, um Hoffnung zu haben, von Gott im Jenseits angenommen, also erlöst, zu werden. Wer seine Lebenszeit untätig vergeudet und faulenzt, verfehlt seine Unmittelbarkeit mit Gott. „In den Schriften des puritanischen Erbauungsschriftstellers und Moraltheologen Richard Baxter erkennt Weber eine Art Vorbereitungsprogramm für die Gestalt des künftigen Unternehmers: Reichtum als solcher ist diesem Typus ein Ärgernis, weil man so zur Untätigkeit verführt wird, es kommt auf Kapitalbildung an, also aufs Reinvestieren. (vgl. S. 184).

Den Winter 1901 – 1902 hat Weber in Rom verbracht,  dabei werden zwei Themen für ihn wichtig: Er erlebt die – ganz vorsichtig, etwas aufgeschlosssene Regierung von Papst Leo XIII. (seit 1878). Aber die Schatten der heftigen antimodernen Positionen und Polemiken seines Vorgängers Pius IX. sind noch spürbar: Und Katholiken haben diese geschlossene Getto- Mentalität selbst übernommen. Weber erinnert sich dabei an einen Satz des Zentrumspolitikers Hermann Mallinckrodt, „dass die Freiheit des Katholiken darin besteht, dem Papst gehorchen zu dürfen“. Diesen Satz bezeichnet Max Weber als eine These von universeller Geltung, „weil er das Prinzip der Anstaltsgnade, also die durch eine Organisation vermittelte Erlösung auf den Punkt bringe“ (so Kaub, S. 140). Zweitens studiert Weber in Rom intensiv die Geschichte der katholischen Orden und Klöster, dabei wird deutlich, wie die Mönche in ihrem Leben der Bescheidenheit und Askese indirekt weltliche Macht schaffen und auch von ökonomischem Erfolg begünstigt werden: Der Konsumverzicht der Mönche führt zu Ersparnissen und Investitionen …und zum wirtschaftlichen Erfolg der Klöster. Diese Studien in Rom haben sicher inspirierend gewirkt für den 1905 veröffentlichten Aufsatz „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“.  Darin wird die These erläutert, der Protestantismus habe mit seinem Arbeitsethos das katholische Mönchtum noch übertroffen! (Kaube, S. 143). Ohne Askese kann es für Weber keine Kulturleistungen geben.

Gegen diese weithin bekannte Theorie Max Webers über den Begründungszusammenhang von protestantischem Glauben und Kapitalismus wurden und werden Einwände vorgebracht, Jürgen Kaube verweist auf Heinz Steinert „Max Webers unwiderlegliche Fehlkonstruktion“ (Frankfurt  M. 2010) und die Studien von Hartmut Lehmann, etwa „Webers Protestant Ethic“ (Cambridge 1993).

Kaube stellt die schon oft präsentierte Frage an Webers Konstruktion:  „War am Ende nicht den Protestanten das Kaufmannsdasein gemäß, sondern den Kaufleuten die protestantische Gesinnung?“ (S. 184). Der Autor nennt Webers Argumentationstechnik in dem Zusammenhang „atemberaubend“ (S. 184). Er spricht von einer „virtuosen Konstruktion“ (S. 185).

Diese These Webers hat ihren Ursprung in der Überzeugung, dass bestimmte Kreise des Protestantismus die Moderne, auch die moderne Wirtschaftsordnung, hervorgebracht haben, eine protestantische Religion als prägende Kraft der Moderne – das klang zu seiner Zeit wohl attraktiv. Hegel hatte ja noch in der Reformation Luthers den Ursprung der modernen Welt gesehen.

So auch Max Weber, darin mit seinem Kollegen und Freund Ernst Troeltsch eng verbunden. Die klare und nüchterne, hart zupackende und ökonomisch kreative Mentalität aber findet Weber gerade nicht im Luthertum, das er selbst „die schrecklichste Erscheinungsform der Schrecken“ nennt (S. 187).  Inspirierend für die moderne Wirtschaftsform, den Kapitalismus, hat für ihn hingegen nur der Puritanismus gewirkt.

Einen skeptischen Blick auf den Zustand seiner Gesellschaft hat Weber sich bewahrt: Er weiß genau, dass diese moderne Gesellschaft der Arbeitsteilung, der Zersplitterung des Lebens, alles andere als eine ideale Gesellschaft ist. Er sah, „aus dem Bürger einen Fachmenschen werden, der in einem  = stahlharten Gehäuse =  von gesellschaftlicher Abhängigkeit gefangen ist“ (Detlef Clausen), seit die puritanische Moral keine prägende Kraft mehr hatte.

Auch zu dem vielzitierten Wort Webers von 1909 , „religiös absolut unmusikalisch zu sein“ (immer wieder von Jürgen Habermas gebraucht) bietet Jürgen Kaube die Ergänzung Webers, er neige dazu, MUSIKALISCH religiös zu sein und der „Musik eine innerweltliche Erlösung vom Alltag zuzutrauen“ (so Kaube, S 289 in seinen Hinweisen zu Webers Musiksoziologie). Inspirierend für weitere Studien sind Kaubes Hinweise zur „Wirtschaftsethik der Weltreligionen“ (S. 336 ff.)

copyright:christian modehn, religionsphilosophischer salon berlin.

Recht contra Moral? Gespräch zu einer aktuellen ethischen Debatte

Der religionsphilosophische Salon am Freitag, den  25. April 2014 um 19 Uhr, will das Thema „Recht contra Moral?“ aufgreifen und etwas mehr Klarheit schaffen in aktuellen ethischen Debatten. Dabei spielen religiöse Moralvorstellungen gegenüber demokratisch und mehrheitlich beschlossenen Gesetzen auch eine Rolle, man denke etwa an die „Homoehe“ oder die Selbstbestimmung hinsichtlich des eigenen Todes schwerstkranker Menschen.

ORT: Galerie Fantom, Hektorstr.9, Berlin – Wilmersdorf. Anmeldung erforderlich wegen der begrenzten Anzahl von Plätzen: christian.modehn@berlin.de   Unkostenbeitrag: 5 Euro.

Einige Hinweise und Fragen aus dem Newsletter:

Wie gehe ich damit um, dass in einer demokratischen pluralistischen Gesellschaft (wir sprechen hier nie von totalitären Diktaturen) Gesetze mehrheitlich im Parlament verabschiedet werden, die den Moralvorstellungen einiger Menschen und Gruppen (Minderheiten) nicht entsprechen? Etwa im Falle der gesetzlichen Freigabe von Schwangerschaftsabbruch oder der sogen. Homoehe. In Holland könnte man an die Euthanasiegesetzgebung denken.

Welchen Einfluss und welche Macht dürfen angesichts dieser Entwicklung Institutionen haben, die für sich beanspruchen, „die Naturrechte“ zu vertreten, zu verteidigen und zu schützen? Hier kommen wir schnell in religionsphilosophische Fragen hinein, etwa im Blick auf die Moralvorstellungen der Katholischen Kirche.

In welcher Weise sind Gesetze auch Ausdruck von Gerechtigkeit? Sie sind ja immer mehr als leere Handlungsanweisungen?

Wie verändern neue Gesetze (siehe die Beispiele oben) auch die Moralvorstellungen der einzelnen und bestimmter Gruppen?

In welcher Weise und warum kann nur ein weltanschaulich neutraler Staat, die Franzosen sprechen so schön und richtig von der laicité, das Zusammenleben wertmäßig unterschiedlich orientierter Gruppen garantieren? Die Vorstellung, dass eine bestimmte Gruppe, etwa religiös fundamentalistischer Prägung, die allen gemeinsamen Gesetze bestimmt, ist ja für viele unerträglich.

In der Hoffnung auf ein lebendiges und kritisches Gespräch grüße ich Sie herzlich verbunden guten Wünschen für ein inspirierendes Osterfest: Ostern bezieht sich auf die Auferstehung, Auferstehung ist ein Aufstehen, Erwachen, Freiwerden, Eintreten in ein gewandeltes Leben; also auch und schon wieder ein philosophisches Thema.