Sehr rechtslastige und rechtsextreme Katholiken

Ein Hinweis von Christian Modehn

Erstens:
Die rechtslastigen und rechtsextremen Organisationen im Katholizismus. Dazu im folgenden einige Hinweise unter „Erstens“.

Kann die katholische Kirche, auch heute, überhaupt demokratische Werte fördern und unterstützen, wenn sie selbst, als Kirche, als Hierarchie, in ihrer offiziellen Lehre, explizit nicht – demokratisch sein will. Wenn also die theologische Lehre immer noch betont wird: Jesus Christus als Stifter dieser Kirche will gar keine demokratischen Strukturen und demokratischen Werte, will gar keine Menschenrechte als oberste Orientierung. Jesus Christus will auch keine Gleichberechtigung der Frauen (in der Kirche).
Das behaupten Kleriker, Bischöfe, Päpste seit ca. 1.600 Jahren, Kleriker, die in keiner Weise vom „Kirchenvolk“ gewählt wurden. Papst Franziskus selbst nannte kürzlich den Vatikan eine „absolute Monarchie“. So verstand sich auch der „Sonnenkönig“ Ludwig XIV.
Der demokratisch nicht legitimierte Klerus beansprucht die absolute Deutungshoheit der Bibel, der katholischen Lehre, der Dogmen. Diese Ablehnung freier theologischer Forschung kann man nur fundamentalistisch nennen. Diese fundamentalistische Gesinnung „färbt“ natürlich auch ab, sie prägt die stark katholisch – kirchlich Gebundenen, die Praktizierenden. Und diese antidemokratische Struktur und Denkform der „heiligen“ Kirche kann Gläubige ins rechte und rechtsextreme Lager führen.
Die katholische Kirche ist also eine Organisation, die als Hüterin, als Förderin der Demokratie und des demokratischen Geistes und der Menschenrechte von Demokraten und Verteidigern der Menschenrechte NICHT ernst genommen werden kann. Wenn in dieser Kirche heute demokratisches Bewusstsein (etwa in sozialen und kulturellen Initiativen) da und dort gefördert wird, dann leisten diese Arbeit Katholiken als weltliche Staatsbürger in Demokratien, nicht aber primär motiviert als gläubige Katholiken.
Die Frage nach den rechtslastigen, rechtsextremen antidemokratischen Kräften im Katholizismus darf sich also nicht auf die zahlenmäßig eher kleinen, expliziten katholisch rechtsextremen Gruppen und Gemeinden fixieren. Es ist der antidemokratische Geist der Kirche selbst, der rechtslastiges Denken und Handeln fördert. Über die protestantischen Kirchen in Deutschland wäre eigens zu sprechen. Sie sind erst seit 1945 demokratisch organisiert.

……………….

Erstens: Die rechtslastigen und rechtsextremen Organisationen im Katholizismus. Einige wichtige Hinweise.

1.
Über die politische Rechtslastigkeit und vor allem den Rechtsextremismus in der Welt der katholischen Traditionalisten heute berichtet Raoul Löbbert in einer Reportage in „Christ und Welt„ (Beilage von „Die Zeit“) vom 6. Juni 2024. Darum diese Vertiefung des Themas hier.

2.
Es geht in der Reportage etwas durcheinander und hin und her. Wichtig ist für unsere Sicht als Ausgangspunkt die zentrale Erkenntnis: Die „katholischen Traditionalisten“ sind eine vielfältige, sehr unterschiedliche und untereinander durchaus auch verfeindete internationale (!) „Gemeinschaft“. Und es gelten viele historische und vor allem theologische Nuancen.

3.
Die Reportage nennt ausführlich das Priorat St. Afra in Berlin – Wedding mit seinem Gründer Prälat Gerald Goesche. Die Kirche St. Afra mit dem umgebenden Gemeindezentrum wurde offiziell, im Jahr 2002, von Kardinal Georg Sterzinsky, Erzbischof von Berlin, Gerald Goesche überlassen. Zuvor trafen sich dort die spanisch sprechenden Katholiken Berlins. Goesche und seine kleine Priestergemeinschaft, die sich nach St. Philipp Neri nennt, ist also offiziell Mitglied der römischen – katholischen Kirche und als „Priestergemeinschaft“ „päpstlichen Rechts“. Zu Besuch waren dort schon hochrangige Kardinale, wie der reaktionäre Kardinal Medina.
Goesche und sein Priesterteam dürfen also offiziell mit Zustimmung des Berliner Erzbischofs erlaubt die Messe in lateinischer Sprache im alten Stil des 16. Jahrhunderts feiern. Und in der theologischen wie politischen Lehre, wie die Reportage zeigt, kann Goesche sehr deutlich machen, wo er (rechts) steht. Und diese Orientierung findet einen gewissen Anklang unter Berlins Katholiken, die nie zu den Fortschrittlichsten im deutschen Katholizismus gehörten, begründet auch durch die reaktionäre theologische Haltung von Kardinal Bengsch, danach ebenso von Kardinal Meisner. Kardinal Sterzinsky war eher theologisch unbegabt, aber auch kein Reformer. In einem solchen Berliner Milieu, in dem es bis vor kurzem keine katholisch _ theologische Fakultät gab, ist reaktionäres Verhalten vieler Katholiken also eher normal.

4.
Bis zur Jahrtausendwende war der Priester Gerald Goesche eng verbunden mit der „Priesterbruderschaft St. Pius X“, mit einer eigenen Kapelle in Berlin -Kreuzberg, er war sehr verbunden mit jener Gemeinschaft, die Alterzbischof Marcel Lefèbvre gegründet hatte. Lefèbvre hatte die Reformbeschlüsse des 2. Vatikanischen Konzils rigoros abgelehnt. Er steht am Beginn der auch jetzt breit und vielfältig aufgestellten, wenn nicht unübersichtlichen Welt der„katholischen Traditionalisten-Bewegungen“. Weil Lefèbvre ohne Erlaubnis des Papstes 1988 vier seiner Priester zu Bischöfen für seine Gemeinschaft weihte, wurde er von Papst Johannes Paul II. exkommuniziert. Diese Bischofsweihen sind nach vatikanischem Recht zwar unerlaubt, aber gültig.
Diese Lefèbvre Priestergemeinschaft nennt sich „Bruderschaft St. Pius X.“, sie ist international verbreitet mit vielen tausend Gläubigen. LINK.
Sie gilt nach vatikanischem Recht als schismatisch, also als „spalterisch“, sie gilt in vatikanischer Sicht aber nicht als häretisch, also nicht Irrlehren verbreitend!
Die vier unerlaubt geweihten Bischöfe wurden vom Papst exkommuniziert, diese Exkommunikation wurde nach einigen Jahren aber wieder aufgehoben, obwohl einer dieser Bischöfe, Williamson, sich offen und öffentlich antisemitisch geäußert hatte. Als Kardinal in Rom, dann als Papst Benedikt XVI., wollte Ratzinger – selbst ein Konservativer – unbedingt eine Versöhnung mit diesen Schismatikern, denn sie haben sehr viele junge Priester „im Angebot“… Und Kirchenspaltungen vom Katholizismus sind immer ein Makel für den Machtanspruch des Papstes.

5.
Besonders Kardinal Ratzinger, dann Papst Johannes Paul II. und später Papst Benedikt XVI. betrieben aber auch eifrig die Spaltung dieser schismatischen Priestergemeinschaft St. Pius X.: Wenn etwa Klöster der Lefèbvre Bewegung den jetzigen Papst als obersten Chef wieder anerkennen wollten – was weite Kreise der Lefèbvre Anhänger allerdings nicht tun – dann konnten sie sich mit Rom (dem Papst) offiziell versöhnen: Das heißt: Ihre reaktionäre Theologie im Sinne Lefèbvres durften sie beibehalten, ebenso selbstverständlich ihre lateinische Messe im Ritus des 16. Jahrhunderts. Berühmtes Beispiel für diese bloß formal zu nennende “Versöhnung“ mit dem Papst ist das Kloster Le Barroux in Südfrankreich, deren Mönche – und deren Abt (z.B. Gérard Calvert) stark der rechtsextremen Le Pen – Partei anhängen bzw. anhangen.

In der Europa Wahl im Juni 2024 haben in Frankreich 42 Prozent der praktizierenden Katholiken rechtsextreme Parteien gewählt.  LINK

6.
Als päpstlich anerkannte reaktionäre Alternative wurde von Papst Johannes Paul II. schließlich die „Priesterbruderschaft St. Petrus“ gegründet: Dies war durchaus als Attacke zu verstehen gegen die stark werdende Lefèbvre Bruderschaft Pius X.. Traditionalistischer Geist mit päpstlicher Unterstützung und Förderung auch bei den “Petrusbrüdern“, sie feiern ebenso die uralte lateinische Messe. Formale Anerkennung des Papstes als obersten Chef. Die Petrusbrüder bedienen in ihren Kirchen weltweit reaktionäre Katholiken. Diese St. Petrus – Bruderschaft erfreut sich auch in Deutschland eines regen „Nachwuchses“ an Priestern, in Wigratzbad bei Lindau ist das Priesterseminar. Mit welchen reaktionären, aber offiziell römisch -katholischen Bischöfen die Petrus – Bruderschaft in Verbindung steht, kann man auf deren Website bequem nachlesen. .

7.
Zu diesen päpstlich anerkannten traditionalistischen Bewegungen gehört eben auch Prälat Goesche in Berlin – Wedding mit seinem Zentrum St. Afra. Das Erzbistum Berlin erwähnt Goesches Gemeinde auf der offiziellen Website: LINK

8.
Diese offiziell römisch – katholischen, also durch aus päpstlich anerkannten traditionalistischen Kreise sind sehr vielfältig auch unter der Laien: Fürstin Gloria von Thurn und Taxis wäre zu erwähnen, die in enger Verbindung steht mit sehr konservativen Bischöfen und Kardinälen, wie etwa Kardinal Müller oder Kardinal Sarah, beide heftige öffentliche Feinde von Papst Franziskus. Überall, wo Katholiken als leidenschaftliche Verteidiger von „Pro Life“ auftreten, etwa auch auf Demonstrationen gegen die „Ehe für alle“, sind Traditionalisten in enger Einigkeit mit AFD Anhängern verbunden oder – etwa in Frankreich – mit der Le Pen Partei.
Aus Frankreich kommt nun auch nach Deutschland die sehr konservative, durchaus traditionalistische Priestergemeinschaft „Christus König“. Frankreich als Zentrum traditionalistischer und damit katholisch – rechtsextremer Kreise wäre ein eigenes Thema. Da wäre auch über die Bischöfe von Toulon oder von Bayonne zu reden, die jetzt nach vielen Jahren ihrer sehr rechtslastigsten Agitation vom Papst Franziskus eingeschränkt und kontrolliert werden. LINK RPS. Es wäre zu reden von den vielen neuen kleineren Ordensgemeinschaften und zahlenmäßig starken charismatischen Gruppen, wie „Emmanuel“, die alles andere als einem offenen, liberalen, demokratischen Geist der modernen Theologie folgen.

9.
Die Akzeptanz des katholischen Glaubens und die Bindung an die römische Kirche nimmt in Europa rapide ab. Eher progressive Katholiken verlassen in Scharen diese Kirche, der sexuelle Missbrauch durch viele hundert Priester weltweit hat das Ansehen des Katholizismus massiv auf Dauer beschädigt. Aber an ein Ende der Klerus- Herrschaft denken nur einige Theologen und Laien. Eher lässt sich Papst Franziskus wie Ende Mai 2024 zu der populistischen Aussage hinreißen, „Schwuchteln gehören nicht ins Priesterseminar“. Als ob die wenigen verbliebenen heterosexuellen Priester den Bischöfen nicht auch Probleme bereiten, etwa offene Beziehungen zu Frauen und deren gemeinsamer Kinder… Für seine populistische, unreflektierte Aussage zu den “Schwuchteln im Priesterseminar” hat sich der Papst nach internationalem Protest entschuldigt.

10.
Da sind es dann eben die treuen Seelen, die sozusagen gegen besseres Wissen noch glauben: Diese katholische Kirche, so wie ist, soll ewig so bleiben, denn sie habe der liebe Gott persönlich gegründet. Diese reaktionären und zum Teil rechtsextremen Katholiken fühlen sich als die Retter des angeblich unwandelbaren katholischen Glaubens. Und sie fühlen sich unter der autoritären Herrschaft des Klerus wohl, sie sind sozusagen die „Führer“.
Ihre Theologie ist eher fundamentalistisch, sie ist zudem faktisch völlig unmaßgeblich in der Breitenwirkung nach außen in die Öffentlichkeit hinein, schlicht ist diese Theologie und aus der zeit gefallen. Aber das finden diese Leute ja gut. Diese Gruppen haben eigene zum Teil noch sehr gut besuchte Priesterseminare, sie sind streng klerikal – männlich strukturiert. Offene Debatten etwa über den Zölibat oder die Akzeptanz von Homosexualität sind tabu.

10.
Prälat Goesche betont selbst ausdrücklich, wo er sich theologisch -politisch aufgehoben fühlt: :
„Wir haben freundliche Kontakte zu traditionellen Instituten wie etwa den Benediktinern von Le Barroux, dem Institut Christus König und der Petrusbruderschaft. Besondere Beziehungen bestehen zum „Brompton Oratory“ in London, das uns in vieler Hinsicht ein Vorbild ist.“  Quelle: http://www.institut-philipp-neri.de/institut.html

11.
Die Reportage von Raoul Löbbert bezieht sich oft auf Berlin, auf St. Afra. Leider wird ein anderes Zentrum traditionalistischen katholischen Lebens in Berlin übersehen: In Berlin – Friedenau, am Breitenbach – Platz, hat die Lefèbvre – Piusbruderschaft ihr Priorat und ihre eigene Kirche. Diese Leute sind nicht offiziell römisch – katholisch. Aber Häretiker – wie die Protestanten – sind sie in päpstlicher Sicht eben auch nicht! Sie sind also doch „noch“ katholisch. Diese Leute warten auf bessere Zeiten in ihrer Sicht: Wenn der Priestermangel in Deutschland und in Europa so groß wird, kann es geschehen: dass der Papst, den Klerus überall als unverzichtbar schätzend, dann doch auf die vielen traditionalistischen Lefèbvre – Priester zurückgreift: Um die klerikale Struktur der Kirche irgendwie noch zu retten. Für ein paar Jahre wenigstens.

Copyright: Christian Modehn, www.religionsphilosophischer-salon.de

 

 

 

Kann man Staat und Gesellschaft Mexikos heute in einem Satz definieren?

Die 20. der „unerhörten Fragen“.
Von Christian Modehn am 2.Juni 2024

Die Antwort auf unsere Frage:
„Unsere mexikanische Gesellschaft ist katholisch, machistisch und mit Blick auf Frauenrechte misogyn“.

Ein denkwürdiger Satz der mexikanischen Politikwissenschaftlerin Yomara Guerra Aguijosa, Professorin an der Georgetown University Washington D.C. Eine Erkenntnis, die Wesentliches auf den Punkt bringt zum Zustand der mexikanischen Gesellschaft heute. (Quelle: Tagesspiegel, 1.6.2024)

1.
Mexikos Gesellschaft ist auch heute noch katholisch bestimmt, trotz der Trennung von Staat und Kirche, auch wenn der Anteil der fundamentalistischen Evangelikalen immer mehr zunimmt genauso wie der Anteil derer, die sich als Atheisten bezeichnen.
Etwa 77 % der Bevölkerung nennen sich 2020 katholisch, etwa 11% evangelisch, etwa 8 % „ohne Religion“ bzw. atheistisch…LINK 

2.
Zum Begriff „katholisches Mexiko“: Da muss an die tiefe katholische Prägung erinnert werden mit der heftigen populären Verehrung der Jungfrau Maria in der Gestalt der Jungfrau von Guadalupe mit jährlich 20 Millionen Besuchern, LINK
Da muss an den Ausschluß von Frauen vom Amt der Diakonin und Priesterin der katholischen Kirche erinnert werde. Es folgt logisch die zweite Definition der Gesellschaft Mexikos: Sie ist machistisch geprägt:
Das heißt: Die Herrschaft der sich männlich gebenden herrschenden Männer (auch in der katholischen Kirche) ist in Mexiko total, selbst wenn jetzt zwei (explizit nicht – feministische) Frauen als Präsidentschafts – Kandidatinnen antreten. Frauen sind in dieser vom Marien – Jungfrau – Bild bestimmten Ideologie eher Wesen, die mit Göttlichem zu tun haben und nicht mit Weltlichem. Und Machismo bedeutet immer auch Gewalt, tötende Gewalt, die Kriege der Drogenbanden in Mexiko sind dafür deutlichster Ausdruck. Seit 2016 werden jährlich (!) mindestens 25.000 Tote als Opfer der Kriege der Drogenbanden in Mexiko genannt, von den vielen tausend jährlich “Vermissten” und “Verschwundenen” ganz zu schweigen.. LINK.

3.
Aus diesem ins Transzendente gehobenen Frauenbild folgt der Frauenhass, das Misogyne: Die ins Transzendente gehobenen Frauen werden als unerreichbare Wesen „beneidet“, sie können aber auch schnell als Hexen abgewertet werden: In dieser doppelten Deutung werden Frauen gehasst, als wertlos verachtet und … je nach Laune der Männer auch von Männern ermordet: Der Femizid ist in Mexiko weltweit an höchster Stelle. 2022 wurden 3.800 Frauen ermordet, 100.000 Frauen wurden als 2022 als vermisst gemeldet. LINK

4.
Nicht erwähnt wird von der mexikanischen Politikwissenschaftlerin der mit den genannten drei Qualitäten Mexikos zusammenhängende Kult um den Tod, der im „Dia de los muertos“ (1.November) seinen Höhepunkt findet. Dahinter steht eine in die Frühzeit Mexikos reichende Verehrung „des“ Todes… (unter anderen Quellen: LINK

5.

Man sollte also zusammenfassend sagen: Das so genannte katholische Mexiko mit seinem so inbrünstigen Volksglauben und exzessiven Marien- Kult, ist, so die Fakten, von den humanen Werten des christlichen Glaubens nicht bestimmt.

Der offenkundige Volksglaube in Mexiko ist außerstande, demokratische Werte und Menschenrechte definitiv als die obersten Werte überhaupt zu befreifen und dann auch durchzusetzen. Man sollte also in aller Ehrlichkeit von einem gescheiterten Katholizismus in Mexiko (und anderswo) sprechen.

Von Mord und Totschlag und Verschwinden von Journalisten und Politikern war hier noch keine Rede.

Dass es auch in Mexiko kleine Gruppen von Katholiken, vor allem auch einige Ordensleute, gibt, die die Menschenrechte praktisch (!) an die oberste Stelle des katholischen Lebens setzen, ist genauso unzweifelhaft. Aber es handelt sich dabei eben nicht um den “katholischen mainstream”.

Und man bedenke auch: Der katholische Orden der “Legionäre Christi” ist in der (obersten) Oberschicht Mexikos immer noch stark verwurzelt, mehr als ein Drittel der Mitglieder stammen aus Mexiko selbst. Diese – immer auch materielle – “Blüte” der Legionäre Christi in Mexiko ist um so erstaunlicher, als die Verbrechen des mexikanischen Ordensgründers Pater Marcial Maciel selbst von den obersten päpstlichen Instanzen des Vatikans bekannt gemacht und eingestanden wurden. Die vielen nachgewiesenen pädosexuellen Verbrechen Pater Maciels scheinen also so viele Katholiken in Mexiko nicht zu stören…

Ergänzung am 4.6.2024:

Der Vorgänger der neu gewählten mexikanischen Präsidentin Claudia Sheinbaum war López Obrador, schreibt Tjerk Brühwiller in der FAZ. Aber die Gewalt konnte er mit seiner Politik unter dem Motto “Umarmungen statt Kugeln” nicht eindämmen: “Während López Obradors Amtszeit wurden 180.000 Menschen umgebracht, 50.000 verschwanden. Mehr als 60 Prozent der Mexikaner fühlen sich in ihren Städten nicht sicher, auch weil die staatlichen Sicherheitskräfte und nicht selten auch die lokale Politik in Diensten der Kartelle stehen. Sheinbaum hat keine revolutionären Vorschläge präsentiert, wie sie Mexiko sicherer machen will.”

Copyright: Christian Modehn www.religionsphilosophischer-salon.de

Kapitalismus bestimmt unsere Sprache, also unser Leben.

Ein neues Buch über die Macht des Kapitalismus im Denken und Sprechen der Menschen
Ein Hinweis von Christian Modehn

1.
Mit unserer Sprache sagen wir aus, wie wir leben, was wir fühlen und denken. Unsere Worte und Begriffe sind Ausdruck unseres menschlichen, d.h. geistigen Lebens in der konkreten Welt und Gesellschaft. Unsere Worte und Begriffe, gesprochen in immer subjektiv bestimmter Rede, sind aber nie nur unsere eigenen Worte und Begriffe. Sie werden vermittelt, gelehrt, „eingeübt“ durch die Kultur der Welt, die uns umgibt und bestimmt. Und diese unsere Welt zu unserer Lebenszeit ist ökonomisch geprägt. Konkret: Sie ist vom Kapitalismus beherrscht.

2.
Simon Sahner und Daniel Stähr lenken unser Interesse mit allem Nachdruck auf die Frage, die wir immer schon spürten und ahnten, selten aber explizit entwickelten und untersuchten: Es geht dem Kulturwissenschaftler und dem Ökonomen um eine Analyse und Bewertung, wie die Sprache der Menschen in Deutschland, aber selbstverständlich auch anderswo in anderen Sprachen, von der Ideologie des Kapitalismus bestimmt, wenn nicht beherrscht ist. Der Titel ihrer Studie im S.Fischer Verlag: „Die Sprache des Kapitalismus“, erschienen im Frühjahr 2024.

3.
Das Buch hat durchaus einen sprachphilosophischen Hintergrund. Es zeigt aber auch in anschaulichen Beispielen, mit welcher Selbstverständlichkeit und Unreflektiertheit viele Menschen die ideologisch gefärbte Begriffswelt des Kapitalismus übernehmen. Kapitalismus verstanden als ökonomische Herrschaftsform, die sich als „alternativlos“ in unserer Welt darstellt und auch die eigene Alternativlosigkeit propagiert (man denke an die „Urmutter” dieses Begriffes, Madame Thatcher).

4.
Wir sprechen also meist in Begriffen, Formeln, Floskeln, indem wir den (versteckten) ideologischen Vorgaben des Kapitalismus folgen. Die Autoren bieten Beispiele. Dabei wollen sie nur zu einem bewussteren Sprechen und damit (selbst-) kritischen Leben anregen.

5.
Wir sagen oft, hören oft: „Die Preise steigen“.
ABER: Die Preise sind keine selbständigen Subjekte, die von selbst steigen oder auch fallen könnten. Die Preise werden von bestimmten menschlichen Subjekten und Organisationen nach oben getrieben. Aber über diese Subjekte und Gruppen (Kapitalisten) gibt die übliche Floskel „Die Preise steigen“ keine nähere Auskunft.
Wer von „steigenden Preisen“ spricht, sieht sich hilflos einer Art Naturgewalt ausgesetzt, wie etwa: „Es herrscht starker Schneesturm“. Korrektes, reflektiertes Sprechen wäre: „Bestimmte Leute haben die Preise erhöht“.

6.
Ein weiteres Beispiel:
„Ich verdiene mein Gehalt. Dahinter steht die Auffassung: Ich erhalte tatsächlich das Geld als „Verdienst“, das meiner Arbeitsleistung entspricht. Mehr verdiene ich nicht, steht mir nicht zu, könnte man als „Arbeitnehmer“ denken. Der sogenannte Sozial – Staat erhöht ja gelegentlich den „Mindest-Verdienst“ um einige Cents…
Aber „verdient“ eine Krankenschwester oder eine Pflegekraft wirklich das (wenige) Gehalt, das sie erhält? Und: Verdient ein Fußballstar seine Millionen für seinen sportlichen Einsatz? Verdient ein Top – Manager die Millionen Dollar, wenn er aus einem Betrieb ausscheidet?
Man darf also nicht länger so tun, als sei diese Redeweise, dieses übliche Sprechen, den objektiven Tatsachen entsprechend.

7.
Und wer ist denn schon de facto Arbeitnehmer und wer ist de facto Arbeitgeber? Diese Redeweise ist irritierend und falsch, betonen die Autoren: „Denn man kann mit Fug und Recht behaupten, dass doch die Person, die arbeitet, etwas GIBT, nämlich ihre Arbeitskraft! Und diejenige Person oder Institution, für die als so gen. Arbeitgeber gearbeitet wird , tatsächlich doch etwas NIMMT, nämlich die Arbeitskraft der anderen, der so genannten ArbeitnehmerInnen also. Es würde also auf einer sprachlichen Ebene viel mehr Sinn ergeben, wenn ArbeitgeberInnen für Arbeitnehmerinnen arbeiten und nicht umgekehrt“ (Seite 75).

8.
Ein weiteres Beispiel: Die kapitalistische Wirtschaftswelt sieht den einzelnen Menschen nicht als Person, sondern als VERBRAUCHER und Konsumenten der von den Konzernen vorgesetzten Produkte. „Ich bin ein Verbraucher“: das bedeutet doch: Darin besteht die Definition meines Menschseins: Ich verzehre, benutze, genieße die Dinge des Marktes. Und wenn sie verbraucht sind, verzehrt sind, ausgenutzt sind, dann werfe ich sie weg. Und der Konsum – Kreislauf geht weiter. Reparieren der alten Produkte ist eine Vorstellung, die sich erst langsam durchsetzt. Gott sei Dank laden wir zu Geburtstagspartys (noch) nicht unsere lieben Mit – Verbraucher und Mit – Konsumenten ein, sondern eben doch noch Freunde und Verwandte. Eine Party als Verbraucher – Party ist eher bei Festen großer Betriebe Realität.

9.
„Was wir also brauchen, ist eine postkapitalistische Sprache und Erzählung von einem guten Leben nach dem Kapitalismus“, schreiben die Autoren auf S. 265. „Es gibt Alternativen zu einer kapitalistischen Lebensweise“ (S. 267). „Wir plädieren deshalb für eine sprachliche Genauigkeit“ (ebd.).

Man darf die Bedeutung dieses offenbar „nur“ aufs Sprachliche bezogenen Buches nicht unterschätzen: In unserer unbewussten Abhängigkeit von der vorgegeben ökonomischen Sprache des Kapitalismus zeigt sich eine ungewollte und manchmal gewollte Unterwerfung unter eine Ideologie. Diese hat als Dogma: Der Kapitalismus ist wie ein Naturgesetz ohne Alternative. Selbst grundlegende Reformen des Kapitalismus werden selbst von sozialdemokratischen Parteien nicht mehr für möglich gehalten. Die „Reform-Partei“ SPD scheitert bekanntlich so oft an der Macht der FDP Politiker oder anderer konservativer Gegner.

10.
Das Buch ist anregend und wichtig und vor allem leicht zugänglich. Die Lektüre, das Mit – Denken mit den Autoren, ist sehr zu empfehlen. Wir müssen wieder lernen, selbst kritisch unsere eigene Sprache zu beobachten. Wir müssen lernen, kritisch zu denken und zu urteilen: Darin sah die Philosophin Hanna Arendt die wichtigste Leistung einer humanen Menschheit. Für die amerikanische Autorin und Philosophin Ayn Rand war das, was wir „gemeinhin das Böse nennen, eine potentiell ebenso weit verbreitete wie weithin unbemerkt bleibende Unfähigkeit, selbst zu denken“, berichtet der Philosoph Wolfram Eilenberger (in „Philosophie-Magazin“, „Das Böse“, S. 33). Das Böse hat mit der „Auslöschung der eigenen Urteilskraft“ zu tun, so der Titel des Aufsatzes von Wolfram Eilenberger.

11.
Mit besonderem Interesse sollte man Kapitel 3 lesen (Seite 62 ff.), dort geht es um die Frage. Wer ist reich? „Wo fängt Reichtum an, wenn ein Millionär, der wie Friedrich Merz zwei Privatflugzeuge besitzt, noch nicht (nach eigener Einschätzung!) Zur Oberschicht zählt?“ (S. 62). Die Autoren sprechen auch von den Superreichen, den Milliardären, und betonen: “Man muss sich die Frage stellen, ob es einen solchen Reichtum geben sollte“ (S. 67). Sie erinnern an Douglas Rushkoffs Buch „The Survival of the Richest“. LINK: Rushkoff hat mit Multimillionären gesprochen und deren Sprechen analysiert: Es dreht sich bei denen alles darum , wie sie sich selbst abgrenzen und sich schützen vor allen Katastrophen dieser Welt. „Kein Gedanke, kein Sprechen, wird darauf verwendet, wie der Reichtum genutzt werden könnte, um möglichst vielen Menschen Schutz und Sicherheit zu bieten“(S. 68). Diese Millionäre denken nur an das Überleben der Stärksten, zu denen sie sich rechnen. Simon Sahner und Daniel Stähr erinnern in ihrem Buch an den populären Spruch. „Jeder ist seines Glückes Schmied“, dieser Spruch unterstellt, jeder könnte mit viel Arbeit viel Glück und viel Geld erzielen.

12.
Natürlich wird durch die Kritik der Sprache und des Sprechens inmitten des Kapitalismus dieser Kapitalismus, als der Neo-Liberalismus, nicht überwunden. Auch in dieser Hinsicht ist Geist, also kritisches Sprechen, fast ohnmächtig gegenüber der „Alternativlosigkeit“ des universalen Herrschaftssystems. Aber warum sollte Kapitalismus-Kritik sich nicht an der Sprachkritik abarbeiten, also mit dem Innewerden der Abhängigkeiten, der Entfremdung, der Ent – Personalisierung, der Gehorsamshaltung gegenüber dem üblichen „Main-Stream“ Sprechen und Denken? Es ist unwahrscheinlich, dass die Allmacht des Kapitalismus, Neo-Liberalismus, noch überwunden werden kann, vielleicht lässt er sich einschränken: Immerhin können wir dann sagen: Wir haben wenigstens versucht, ethisch gut zu leben … und sei es in einer Nische zu überleben.

13.
Der Titel des Buches führt uns zu weiteren, in der heutigen Wahrnehmung vielleicht schon längst entlegenen Themen: Wir denken etwa an die Sprache der christlichen Kirchen heute, ihre nebelhaften Formeln und Floskeln etwa, die nur dem Machterhalt des männlichen Klerus in der katholischen Kirche dienen. Etwa: „Der Herr selbst hat doch Frauen vom Priestertum ausgeschlossen“. Dieser „Herr“ ist aber der klerikale Christus als Herrscher, nicht der Prophet Jesus von Nazareth… Aber das ist ein anderes Thema, zu dem dieses wichtige Buch von Simon Sahner und Daniel Stähr anregt.

Zum Thema „Christentum im Kapitalismus“, ein Buchhinweis, das Buch versucht, sich des wichtigen Themas anzunähern: LINK

Simon Sahner, Daniel Stähr: 
Die Sprache des Kapitalismus. S. Fischer, Frankfurt/M. 2024;
304 Seiten, 24,00 €

Copyright: Christian Modehn, www.religionsphilosophischer-salon.de

Gibt es wichtige Opfer in Kriegen und Krisen und weniger wichtige?

Die 19. der „unerhörten Fragen“.
Ein Hinweis von Christian Modehn am 26.5.2024.

Aktuell (am 25.6.2024) zu den “Verhältnissen” der vor aller Welt verhungernden Menschen im Sudan: Siehe unten den TEXT bzw. LINK

1.
Diese Frage ist unerhört, sie wird kaum gehört und ist wahrscheinlich etwas frech und provokativ, eben unerhört.
2.
Es ist ja richtig und gut, dass wir stündlich, oft rund um die Uhr über die Entwicklung des Krieges Putins gegen die Ukraine und auch über den Mord der Hamas an 1.200 Juden und den Krieg Israels im Gaza-Streifen informiert werden, mit bisher ca. 36.000 von Israels Armee erschossenen, ermordeten Palästinensern, von den vielen tausend Verletzten ganz zu schweigen.

3.
Aber diese Fixierung der Informationen auf zwei Regionen – lenkt auch ab von den Krisen und Kriegen, dem Mord und Totschlag in anderen Regionen der Welt! Wieviele unschuldige Opfer werden in den großen Medien verschwiegen oder kurz vor dem Wetterbericht in den TV Nachrichten erwähnt? Wir denken jetzt an den Krieg in dem afrikanischen Staat Sudan. Natürlich könnte man auch von Mord und Totschlag in Haiti sprechen oder vom Abschlachten der Menschen im Osten der Demokratischen Republik Kongo im Konflikt mit Ruanda. Dort landen demnächst die in England abgewiesen afrikanischen Flüchtlinge…Auf die das Morden und Totschlagen in den Kriegen in Syrien, Jemen, Nigeria und so weiter und so weiter soll hier nur hingewiesen werden. Überall, diese „weniger wichtigen Menschen, diese weniger wichtigen Opfer“.

4.
Das objektive „Clingendael-Institute“ in Wassenaar (Niederlande) LINK ,  berichtet, dass im Sudan mindestens sieben Millionen Menschen vom baldigen Hungertod bedroht sind. LINK. Die verhungernden sieben Millionen sind auf der Flucht im eigenen Land, aber auch in die armen Nachbarstaaten… nur, weil sich zwei Herrenmenschen, die Generäle Mohammed Hamdan Daglo und Abdel Fattah al-Burhan, um die Macht streiten und dabei den Staat Sudan mit seinen 50 Millionen Einwohnern zugrunde richten.

5.

Wer zählt jetzt noch die vielen Tausend Hunger – Toten im Sudan? Wer hat praktisches Erbarmen mit den dort noch lebend-hungernden-durstigen Menschen? Zur aktuellen Situation, siehe auch im Deutschlandfunk, LINK

6.
Unsere unerhörte Frage also: Warum schaut die demokratisch verbliebene Welt diesem Massen – Sterben und Verhungern seit Monaten zu? Es gibt ja dort noch Netzwerke von Hilfswerken, wer organisiert wirksame Hilfe? Wer überlegt in den wichtigen demokratischen Gremien der Welt, wie die beiden absoluten Gewalttäter dort definitiv „zur Vernunft gebracht“ werden können? „Dafür braucht es einen viel stärkeren politischen Einsatz, ein Krisenmanagement auf höchster Ebene“, schreibt Arne Perras in der „Süddeutschen Zeitung“ vom 24.5. 2024.

7.
Ist die Ignoranz gegenüber den krepierenden afrikanischen Menschen in Sudan auch Ausdruck eines Rassismus?

Wie soll ein vernünftiger Mensch mit der Aussage des bekannten Gastrokritikers Andrea Petrini umgehen: “Im Moment reisen zu wenige wegen des Essens nach Afrika” (Tagesspiegel, Wochende, 1. Juni 2024, S. 12). Eine weiterführende Idee: Warum wird nicht gefragt: Wo finden die besten wirksamen Abspreck – Kuren für stark Übergewichtige aus Europa in den Hungerzonen Afrikas statt?

8.
Weil wirksame Hilfe nicht geschieht, darf man doch die begründete Meinung haben: Es gibt auch in der demokratischen Welt eben wichtige Opfer und weniger wichtige Opfer. Die einen werden ständig beachtet, ihnen wird geholfen mit Milliarden Dollars und Waffen…. die anderen überlässt die demokratische Welt eher dem langsamen Tod.

9.
Ich höre es schon: „Aber diese Opfer in der Ukraine und in Israel stehen uns Deutschen (und allen Europäern) doch näher!” Mag ja sein. Wenn die Ukraine von Putin beherrscht werden sollte, ist Putins Krieg im übrigen Europa nicht mehr weit… und Deutsche fühlen sich zurecht den jüdischen Menschen in Israel verbunden. Aber Deutschland ist nicht absolut ergeben und gehorsam gegenüber einer Netanyahu Regierung, das sagen bekanntlich auch kritische jüdische Intellektuelle in Deutschland…

10.
Darum gilt dieser Imperativ. Menschlichkeit, auch als Rettung von Hungernden in höchster Not, hat nichts damit zu tun, ob uns Menschen „nahe“ stehen. Eine humane Menschheit muss alles tun, den in größter Not Leidenden zu helfen, egal, welche Religion sie haben, egal, welche Hautfarbe sie haben, wie gebildet oder ungebildet sie sind. Egal, ob die Leidenden in einem “für uns“ ökonomisch wichtigen Land leben, das wir ja dann aus ökonomischem Eigeninteresse schützen.

11.
Im Gedenkjahr „75 Jahre Grundgesetz“ wird die unantastbare Würde eines jeden Menschen ganz groß verbal herausgehoben. Auch die fernen Nächsten in Sudan haben diese absolut zu schützende Würde. Es gibt also keine moralische und ethische und deswegen auch keine politisch relevante Unterscheidung zwischen wichtigen Opfern und unwichtigen Opfern, d.h. es gibt keinen Unterschied zwischen wertvollen und weniger wertvollen Menschen. Solches zu denken zu sagen, ist Rassismus. Damit ist unsere 19.  unerhörte Frage definitiv beantwortet.

12.
In Paris fand im April 2024 eine Konferenz statt, um den leiden Menschen im Sudan zu helfen. „Zum Auftakt der Konferenz in Paris kündigte Bundesaußenministerin Annalena Baerbock an, Deutschland werde dem Sudan weitere 244 Millionen (sic) Euro an humanitärer Hilfe zur Verfügung stellen. Gemeinsam kann es uns gelingen, eine furchtbare Hungerkatastrophe zu verhindern, aber nur, wenn wir jetzt gemeinsam aktiv werden”, betonte Baerbock. LINK .

13. Wie fern ist uns der Sudan?
Die Entfernung (Luftlinie) Berlin – Khartum (Sudan): 4.400 KM.
Die Entfernung (Luftlinie) Berlin – Washington DC (USA): 5.900 km.

14. ERGÄNZUNG am 25. Juni 2024:

Südsudan: Hilfswerk prangert Lage in Flüchtlingscamps an

Das österreichische Hilfswerk „Don Bosco Mission Austria” hat die Lage in den Flüchtlingscamps im Südsudan als „kritisch” bezeichnet. Das katholische Hilfswerk äußerte sich am Dienstag unter Berufung auf den Salesianerpater Allen Chrisrea, der vor Ort ist. Er erklärte, Hunderttausende in den Südsudan Geflüchtete bräuchten Lebensmittel, Trinkwasser, medizinische Versorgung und sichere Unterkünfte. Die Notwendigkeit für Hilfe wachse täglich.

Der Bürgerkrieg im Sudan führt weiter zu einer Massenflucht in die Nachbarstaaten. Seit Ausbruch des Machtkampfs zwischen rivalisierenden Generälen in Khartum sind laut dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen UNHCR neun Millionen Menschen im Sudan vertrieben worden. Fast zwei Millionen von ihnen sind ins Ausland geflohen. UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi warnte nach einem Besuch im Bundesstaat Weißer Nil vergangene Woche davor, dass durch die anhaltenden Kämpfe die Stabilität in der gesamten Region auf dem Spiel stehe: „Die militärischen Führer und diejenigen, die Einfluss auf sie haben, müssen den Frieden zur Priorität machen”, verlangte Grandi. Andernfalls würden die Menschen weiter in Nachbarländer wie den Tschad und den Südsudan fliehen. Diese hätten gerade erst eigene Konflikte überwunden und seien nicht in der Lage, weitere Millionen Menschen zu ernähren.
„Die militärischen Führer und diejenigen, die Einfluss auf sie haben, müssen den Frieden zur Priorität machen“
Don Bosco Mission Austria unterstützt mit finanziellen Mitteln die humanitäre Hilfe der Salesianer Don Boscos in der Region, etwa im Flüchtlingscamp in Kuajok, wie das Hilfswerk berichtete. Die geflüchteten Menschen fänden hier eine sichere Bleibe und erhielten Lebensmittel, Hygieneartikel sowie medizinische Hilfe. Sauberes Trinkwasser und sanitäre Anlagen verhinderten den Ausbruch von Krankheiten. Therapeutische Angebote sollen den Geflüchteten helfen, erlittene Traumata zu verarbeiten.

Neben Kuajok betreiben die Salesianer im Südsudan auch in Gumbo, Juba, Maridi, Wau und Tonj Gesundheitsstationen, Krankenhäuser, Schulen und Berufsbildungszentren. Mittlerweile versorgen sie an diesen Orten nach eigenen Angaben mehrere Zehntausend Menschen.
Hintergrund
Seit April 2023 liefern sich im Sudan die Armee von Militärherrscher Abdel Fattah al-Burhan und die RSF-Miliz (Rapid Support Force) seines früheren Stellvertreters Mohamed Hamdan Daglo einen blutigen Machtkampf. Zehntausende Menschen sollen bereits getötet worden sei. Manche Schätzungen gehen von bis zu 150.000 Toten aus.
Quelle: Vatican news am 25.6.2024

Copyright: Christian Modehn, www.religionsphilosophischer-salon.de

 

Warum Rechtsradikale noch für Meinungsfreiheit eintreten

Die große Lüge der Rechtsradikalen und Faschisten

Ein Hinweis von Christian Modehn am 26.Mai 2024

1.
Rechtsextreme Politiker, auch rechtsextreme Katholiken, streben mit aller Gewalt nach der Herrschaft über die Medien (aller Art). Auf den äußerst rechtslastigen französischen Katholiken und Milliardär und Medienmogul Vincent Bolloré haben wir im Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon Berlin schon vor einiger Zeit hingewiesen. Bolloré wird in Deutschland bislang kaum wahr – genommen. LINK:

2.
Solange diese Rechtsextremen, die von Politologen und Kulturwissenschaftlern auch heute Faschisten genannt werden, nicht die Herrschaft übernommen haben: So lange plädieren und werben diese Rechtsextremen, wie jetzt die AFD, ungeniert, mit Parolen im Wahlkampf (Mai 2024) „Meinungsfreiheit schützen“. Ja, diese rechtsextremen Führer leben von der demokratischen Meinungsfreiheit, solange, bis sie die Macht übernommen haben. Diese Leute sind nichts als Lügner, und alle, die diese Lügner wählen und unterstützen, kann man wegen ihrer geringen Urteilskraft bedauern oder besser noch gesprächsweise zur Vernunft bringen? Für die Philosophin Hannah Arendt ist das Fehlen von kritischer Urteilskraft (etwa der Nazi – Anhänger) Hinweis auf irregeleitetes, nur noch banales Denken und banales Leben. Zu diesem Urteil kam Hannah Arendt beim Prozess gegen Adolf Eichmann in Jerusalem.

3.
Der Wiener Kulturwissenschaftler Andreas Gerlach veröffentlicht in „Geschichte der Gegenwart“ vom 26. Mai 2024 eine Studie (von Umberto Eco angeregt) über heutigen Faschismus. Wir zitieren aus den Ausführungen Gerlachs zur Kampf der rechtsextremen um die totale Medien – Herrschaft:

„So lange für Meinungsfreiheit sorgen, bis sie sie abschaffen können. Bis zur Übernahme der Medien ist ein scheinbares Eintreten für Meinungsfreiheit das wichtigste Mittel der Faschisten zur Erzwingung, in den Medien aufzutauchen. Sie wollen als Meinung wie alle anderen auch wahrgenommen werden. Sobald dann irgendwelche rechten Milliardäre oder Parteien ein Medium wie Twitter, eine Zeitung wie die NZZ oder öffentlich-rechtliche Sender gekauft haben oder die Gremien besetzen können, bricht diese scheinbare Begeisterung für den freien Markt der Meinungen, wie am Beispiel Polens, an der Übernahme eines ganzen Medienimperiums in Frankreich oder an Elon Musks Übernahme von Twitter gesehen werden kann. Die modernen rechten, reaktionären und oftmals völlig offen faschistischen Bewegungen haben viele Eigenschaften, aber eine wichtige, die Umberto Ecos Liste als fünfzehntes Element hinzugefügt werden kann, ist die ewige Fixierung des Faschismus auf seine mediale Repräsentation. Deswegen ist dort gerade das wichtigste Kampffeld gegen die Faschismen des 21. Jahrhunderts. Man darf den Faschisten nicht die Medien überlassen.“ (Quelle: LINK ) 

Copyright: Christian Modehn, www.religionsphilosophischer-salon.de

 

Marienlieder: Die Frommen wissen nicht, was sie singen.

Unverständliches, Merkwürdiges, Entfremdendes in Marien-Liedern
Ein Hinweis von Christian Modehn am 13.5.2024.

Warum dieser Hinweis? Weil die immer noch üblichen Marien – Lieder der beste Beweis sind, dass die katholische Kirchenführung sich der vernunft-gestützten Inhalte von Liedern und Gebeten verweigert, von der Verweigerung, feministische Dimensionen in den Marien – Liedern zu entwickeln, ganz zu schweigen. Diese üblichen Marien – Lieder sind der Beweis: Diese Kirche setzt auf volksreligiöse, intellektuell unkontrollierte Frömmigkeit und unsinnigen Wunder – Glauben. Die Kirchenführung will die Vernunft vor den Kirchentüren zum Stillstand bringen. Sie demonstriert also ihre Zurückweisung gegen die Moderne. Weiteres Beispiel: Ablehnung der Demokratie (also auch umfassende Synodalität der Gleichberechtigung aller) in der Kirche.

EINE aktuelle ERGÄNZUNG am 27.5.2024

Auch heute leben viele Katholiken, zumal in den romanischen Ländern, in einer äußersten innigen Verbundenheit mit Maria, der Mutter Jesu von Nazareth. Für diese Frommen ist Maria nicht die selbstbewusste Frau und Mutter vieler Kinder und Gattin ihres Mannes Josef, sondern die ins Jenseits der Spekulation geschickte Himmelskönigin, sie ist sogar die Mutter Gottes, wenn nicht gar – uneingestanden – eine göttliche Mutter. Also eine Mutter Gottheit: Gerade dies ist ein peinliches Thema für die Kirchenführung: Wie umgehen mit maßlosem Überschwang frommer Phantasien so vieler? Ökumenisch hält man sich zu diesem Thema in Rom sozusagen „unbefleckt – bedeckt“.

Weltweit, vor allem auch in Italien, „wollen heute mehr Menschen als jemals zuvor Maria gesehen haben“, Maria ist ihnen also „erschienen“, berichtet „Christ und Welt“, Beilage von „Die Zeit“ am 23. Mai 2024. „In den Berichten – es sind Dutzende allein aus den vergangenen drei Jahren – geht es um Blut weinende Statuen der Muttergottes, es geht um Weissagungen, welche die Gläubigen von der Jungfrau erhalten haben wollen“…, schreibt Tobias Asmuth. Die Kirchenführung hat jetzt ihre große Mühe, diese ins Maßlose, ins Spinöse und Groteske und Betrügerische abrutschende Maria – Verehrung in dogmatisch korrekte Bahnen zu lenken.

Im folgenden Beitrag wird diese maßlose, irrationale Maria – Verehrung begründet: Sie hat einen Grund in vielen ebenso maßlosen, irrationalen Marien-Liedern der katholischen Gesangbücher. Diese Lieder – meist aus dem 18.und 19. Jahrhundert – hat die offizielle Kirche bis heute nicht nur geduldet, sondern explizit gepflegt. Nur langsam werden offiziell Revisionen vorgenommen, die aber wenig nützen, denn allzu stark sind die Bilder von der Himmelskönigin und der makellosen Jungfrau in den Seelen der Frommen verankert.

……………………………

1.
Theologie, die den Anspruch hat, kritisch zu sein, kann im Jahr 2024 nicht darauf verzichten, auch kritisch die in den katholischen Gottesdiensten auch heute noch üblichen Lieder, zum Beispiel die Marien – Lieder hinsichtlich ihres Textes zu untersuchen. Über die musikalische Qualität wollen wir schweigen.

2.
Wenn der christliche Glaube eine begründete Lebensorientierung sein will, kann er nicht darauf verzichten zu prüfen, mit welchen Inhalten denn die Menschen etwa in den Liedern konfrontiert sind, die zu singen sie in Gottesdiensten aufgefordert werden.

3.
Wir konzentrieren uns hier nur auf katholische Kirchenlieder, evangelische kann man später vom Inhalt untersuchen und auch dort fragen: Was ist nachvollziehbare, aber anspruchsvolle religiöse Poesie auch im Jahr 2024 in West – Europa? Was ist schlicht und einfach mitgeschleppter religiöser Wahn aus dem 16. bis 20. Jahrhundert.

4.
Unsere Analysen fallen knapp aus, sind eben Hinweise für weitere Forschungen und es können längst nicht alle Marien – Lieder untersucht werden.

5. BEISPIELE:
„Freu dich du Himmelskönigin“, Gotteslob Nr. 576.

Da werden die singenden Gläubigen im Text dieses sehr beliebten Liedes aufgefordert: Sie sollen Maria im Himmel („Himmelskönigin“) zurufen: Maria freu dich im Himmel, darüber, dass alles Leid, also auch das Leid Marias, „hin ist“, wie es im Text heißt. Nicht die Gläubigen sollen sich primär freuen, dass Jesus von Nazareth „auferstanden“ ist, nein: Maria im Himmel soll sich freuen über ihres Sohnes Auferstehung. Bei so viel Freuden – Zuspruch der Irdischen an die Himmelsköngin fehlt nicht das Flehen am Schluss: Sie solle doch im Himmel, bei Gott, „für uns (Menschen) bitten…

6.
„Lasst uns erfreuen herzlich sehr“, Gotteslob Nr. 585.

Da sollen sich die Gläubigen über die Auferstehung Jesu von Nazareth freuen. Warum? Wieder ein befremdlicher Gedanke: Weil Maria nicht mehr „seufzt und weint“. Nicht die Gläubigen sollen sich freuen, nicht sie sollen aufhören zu weinen, sondern bestenfalls über den Umweg, dass sich Maria im Himmel freut. Darf man ein solches Denken „entfremdend“ nennen? Gewiss!
Nebenbei: Als ich einst im Kloster war, haben kritische „Mitbrüder“ eher in leisen, ängstlichen Tönen anstelle von „Maria seufzt und weint nicht mehr“ gesungen: „Maria säuft, aber weint nicht mehr“. Das war natürlich etwas blasphemisch, aber der Beginn eines frommen religionskritischen Bewusstseins.
Ganz schlimm wird es in Strophe 5, wo die Frommen singen: „Aus seinen Wunden fließen her, Halleluja, fünf Freudenseen, fünf Freudenmeer, Halleluja“! Verstehe es, wer Laune hat: Jedenfalls gehören solche Liedchen zur „Denken beim Singen bitte abschalten“. Kann man ja noch machen, wer will, es werden immer weniger, die dieses Lied im Ernst mit – singen wollen und können.
Schon komisch, dass solch ein Gesangbuch 1975 (sic) noch erscheinen konnte. Haben die Theologen damals geschlafen?

7.
„Meerstern, sei gegrüßt“, Gotteslob Nr. 578.

Maria als Meeres- Stern zu verehren, ist ein alter Glaube aus Seefahrerzeiten.
Aber der Text in Strophe 1 geht weiter: „Gottes hohe Mutter, allzeit reine Jungfrau, selig Tor zum Himmel“.
Da werden Behauptungen gemacht, die viele Christen heute nicht mehr nachvollziehen können: Maria als Gottes Mutter: Gott hat also eine Mutter. Ist dann diese Frau eben als Mutter früher gewesen als Gott, der Ursprung von allem. Ist dann Maria eine Art Ur-Göttin?
Maria als allzeit reine Jungfrau finden viele, als Formel verwendet, doch sehr problematisch: Maria als wirkliche Frau ist viel näher bei den Menschen… Und ist Maria das „Tor zum Himmel“, also zur Erlösung als „Sein mit Gott“. Kann an ernsthaft auch nicht singen. Denn wenn es eines (von vielen!) Toren zum Himmel gibt, dann wohl die humane Gestalt des Jesus von Nazareth.
Und dieser „Meeresstern“ soll in Strophe auch noch „der Schuldner Ketten lösen“…Das wäre aktuell wirklich wichtig. Macht Maria als Maria im Himmel aber nicht. Als Frau in Nazareth hat sie Schuldner unterstützt? Vielleicht!

8.

„Die Schönste von allen, von fürstlichen Stand“…(Nr. 864)

Jedes Bistum hat noch einen eigenen regionalen, Bistums – speziellen Anhang von Liedern. Und da wird das Nachdenken noch öfter ausgeschaltet. Den BerlinerInnen 2024 wird etwa zugemutet zu singen: „Die Schönste von allen, von fürstlichem Stand, kann Schönres nicht malen ein englische Hand“.
Wollen wir Demokraten wirklich eine Fürstin verehren? Die Dame aus Regensburg, Fürstin G. Von T. Und T. reicht uns völlig. Und auch diese Frage ist wichtig: :Was ist eine „englische Hand“ ? Kommen da die Briten zu Ehren? Die englische Hand bezieht sich auf die Hände der Engel. Seit wann Engel als totale Geistwesen denn nun Hände haben, fragt sich manch ein Sänger und fasst sich an den Kopf.
Diese himmlisch Frau, so wird behauptet, hat zudem „eine goldene Krone“, ein „Zepter“ führt sie, sie ist zudem „eine starke Heldin“. Wirklich beeindruckend! Und schon wieder geht s auch in der 2. Strophe ums Englische, da heißt es: „mit englischem Schritt der höfischen Schlange den Kopf sie zertritt“. Natürlich hat der englische Schritt wieder nichts mit Great Britain zu tun, man denke also nicht an das rüstige Gehen der greisen Königin Elisabeth II., nein: Maria soll mit dem Schritt eines Engels die höllische Schlange zertreten…
„Die Phantasie der Frommen gebiert Ungeheuer“ möchte man nun in Abwandlung des bekannten Capriccios (Nr. 43) von Francisco Goya sagen mit dem Titel. „Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer“.

9.
Wir wollen diese Hinweis auf nun wirklich sehr befremdliche Texte abbrechen, mit einigen sprachlichen Hinweisen noch aus anderen Marienliedern, die noch speziell im Gesangbuch für die Menschen im Bistum Berlin (1975 veröffentlicht) zum Singen anempfohlen werden.
In Nr. 866 „Wunderschön prächtige…“ wird Maria die „Sonnenumglänzete, die Sternumkränzete“, sogar „die Leuchte“ genannt, in Strophe 3 wird Maria gleichzeitig „Du Gottes Tochter und Mutter und Braut“ genannt…ja was denn nun: Tochter Gottes oder Mutter Gottes oder Braut .. von wem, vielleicht vom heiligen Josef? In Strophe 4 wird ein neues Wort erfunden, Maria sei der „Spiegel der Reinigkeit“ (sic)…Bitte erklärt mir, liebe Herausgeber dieses Gesangbuches, was ein „Spiegel der Reinigkeit“ ist. Doch wohl kein neues Presse – Erzeugnis aus dem Hause Augstein?

10.
Die Frage soll diskutiert werden: Wie oft und wie schnell wird in vielen offiziell katholischen Marien – Songs die Grenze von Glauben zum Aberglauben überschritten? Kaum zu zählen!
Braucht die katholische Kirchenführung diese Art von vertrackter Marien – Frömmigkeit, um die Frauen ins Mysteriöse abzuschieben, um ihnen nicht Gleichberechtigung (etwa Zugang zum Priesteramt) zu gewähren? Sehr wahrscheinlich. Solange solcher Schmarren gesungen wird, wird sich für Frauen nichts ändern in der katholischen Kirche.
Maria als Frau, als mutige Frau, als leibliche Mutter Jesu und dessen Geschwister, von ihrem Mann Josef gezeugt, könnte doch TheologInnen inspirieren … auch zum Lieder Komponieren, wenn man denn das noch will. Passiert aber nicht, oder eher sehr am Rande.

11. Zusammenfassung:
Die Autoren dieser Lieder damals wussten in ihrem totalen spirituellen Überschwang nicht, was sie da alles sich so zusammen reimten. Hauptsache das Reimen, wie dumm auch immer, stimmte, Theologie war egal. Und die – naturgemäß – wenig nachdenklichen Frommen jubelten mit und wussten gar nicht, was sie da alles so singen. Das ist ja ein weit verbreitetes Phänomen, man denke daran, dass der widerwärtige Text der Nationalhymne Frankreichs immer noch geschmettert wird, sicher ganz laut, wenn denn die rechtsextreme Marine Le Pen Präsidentin wird…

Die Herausgeber solcher offiziellen katholischen Lieder für Menschen im Jahr 1975 wussten gar nicht, wie viel Aberglauben sie den heutigen Katholiken zumuten können.

Und die Singenden heute? „Sie wissen nicht, was sie da singen“. Kann man ja machen, bei vielen Schlagern wird auch heute noch viel Unsinn und Blödsinn gesungen. Aber ist das eine Entschuldigung dafür, dass in Gottesdiensten nicht nachvollziehbare Texte gesungen werden? Gottesdienste sollen als geistliche Dienste an den Menschen einen reifen, einen denkenden, einen kritischen Gläubigen unterstützen und pflegen wollen. Diese Lieder sind eine geistige und theologische Katastrophe. Kann man diese Katastrophe noch bewältigen oder wenigstens einschränken: Aufklärung tut not. Wird aber nicht passieren in dieser Kirche, die, wie Papst Franziskus kürzlich richtig sagt, eine „absolute Wahl – Monarchie“ ist.

Zu den Marienliedern: LINK.

Zur Marseillaise: LINK.

Copyright: Christian Modehn, www.religionsphilosophischer-salon.de

 

 

Christi Himmelfahrt – Mystik und Gerechtigkeit

Ein Hinweis von Christian Modehn.
 Am 2.5.2024

Der Titel des Festes „Christi Himmelfahrt“ kann verstaubt, verschroben, spinös erscheinen. Was das Fest eigentlich meint, hat aber mit Mystik und mit Politik zu tun, genauer: Mit dem Eintreten für die gleiche Würde aller Menschen. Und das können Menschen realisieren. Denn sie haben Vernunft, haben Geist, der heilig ist.

1.
Die neue und – für Dogmatiker und Fundamentalisten – etwas gewagte Erkenntnis lässt sich zusammenfassen: Ostern, Christi Himmelfahrt und Pfingsten, diese drei Feste, beziehen sich auf eine einzige Erzählung von religiösen Menschen. Die drei Festtage sind also ein einziges “Fest”, das in den Berichten des Neuen Testaments folgend, in eine zeitlich gedehnte chronologische Erzähl – Struktur gesetzt wurde.
Tatsächlich haben die drei „Feste“ einen Mittelpunkt: Es ist die Erkenntnis des göttlichen Geistes in allen Menschen. Und genau diese Erfahrung meint Pfingsten.
Wer also Christi Himmelfahrt verstehen will, muss sich zuerst mit Pfingsten befassen.

2.
Das Pfingst – Fest ist diese Erzählung: Die Gemeinschaft der Jesus-Jünger war nach Jesu Tod überzeugt: Wir haben „plötzlich“, wie in einer Überraschung, als Geschenk, ein neues, ein tiefes Verständnis gewonnen über Jesus von Nazareth. Die Freunde Jesu, die Gemeinschaft der „Urkirche“, erkannte – nach langem Zweifeln und in ihrer Verzweiflung über Jesu Tod – plötzlich eine neue, bleibende geistige Lebendigkeit ihres Freundes Jesus von Nazareth. Er ist über seinen Tod hinaus geistig, nur in der Poesie sagbar, präsent, er hat Teil am Ewigen. Die Freunde Jesu konnten also von Jesus als dem Präsenten, dem Ewigen, sprechen. Diesen Geist, der den lebendigen Jesus von Nazareth erkennt, erlebt die Gemeinde als Geschenk, sie spricht vom Heiligen Geist, als einer bislang kaum bemerkten besonderen Qualität ihres eigenen menschlichen Geistes: Die Menschen erkennen: Der Geist ist heilig!

3.
Und warum gibt es noch über Ostern hinaus ein eigenes Fest Christi Himmelfahrt? Dieses seltsame Wort „Himmelfahrt“ ist eine Metapher für den Mythos, die Erzählung: Dieser Jesus von Nazareth ist nicht im Nichts verschwunden. Jesu Leichnam liegt zwar – wie der Leichnam jedes anderen Menschen – in einem Grab! Aber Jesu Geist als ewiger Geist ist „woanders“, er ist – bildlich gesprochen – an dem Ort des Ewigen, des Göttlichen, in dem „Himmel“.
Die Gemeinde will mit dem Fest Christi Himmelfahrt“ also noch einmal explizit feiern, dass dieser geliebte Mensch und Prophet Jesus von Nazareth nicht mehr nur zur Erde, nicht mehr nur zur Welt der Menschen, gehört. Er ist leiblich verschwunden, aber geistig nicht entschwunden. Jesus ist in den Bereich des Ewigen eingetreten, den man „Himmel“ nennen kann oder „Sein beim Ewigen“.

4.
Warum werden in christlichen Kirchen drei Gedenktage und drei Feste (Ostern, Christi Himmelfahrt, Pfingsten) in so kurzer Zeit hintereinander gefeiert? Diese drei christlichen Feste haben, wie gezeigt, alle einen grundlegend gleichen Inhalt: Sie feiern den Übergang Jesu (und damit aller Menschen) vom Tod in den geistigen Bereich des Ewigen.
Dass die Kirchen dreimal (Ostern, Christi Himmelfahrt und Pfingsten) eigentlich das Gleiche, in kurzem zeitlichen Abstand feiern, ist einzig in der sehr menschlichen Begeisterung begründet, möglichst viele Feste – mit unterschiedlichen Akzenten – zu feiern. Be-geisterung kennt oft keine Grenzen…

5.
Noch einmal zurück zur Basis des Festes Christi Himmelfahrt: Pfingsten betrifft das Selbstverständnis der Menschen. Als Fest des Geistes als des heiligen, kritischen Geistes ist Pfingsten das Fest der Dimension, die „den“ Menschen, alle Menschen, auszeichnet. Im Geist als der Vernunft erschließt sich die Menschenwürde, erschließen sich die Menschenrechte. Pfingsten als Fest des Geistes, der heilig ist, macht die Vernunft stark, Pfingsten ist deshalb das politisch sehr präzise Fest der Menschenwürde, der Menschenrechte, der wesentlichen Gleichheit aller Menschen, der universalen Gerechtigkeit also. Pfingsten ist alles andere als ein gedankenloses, fundamentalistisch geprägtes Fest eines frommen, charismatisch sich nennenden Trallala.

6.
Christi Himmelfahrt ist kein Gedenktag an einen ins Unendliche – in himmlische Ferne Entrückten. Christi Himmelfahrt als Erzählung lässt die Welt der Menschen nicht gottlos erscheinen. Vielmehr ist der Geist der Menschen als der göttliche Geist die Anwesenheit des Ewigen im Irdischen.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin